Ägypten tötet das Internet
Foto: Khaled el Fiqi
Krise in Kairo
Ägypten tötet das Internet
Marcel Winatschek  /  Freitag, 28. Januar 2011

Die Unruhen in Ägypten werden Tag für Tag lauter, stärker und spürbarer. Kairo brennt, die Menschen dort kämpfen für mehr Freiheit, Gerechtigkeit und Mindestlöhne. Zum Schutz vor der sich aufbäumenden Meute hat die ägyptische Regierung nun einen Schritt veranlasst, der einmalig in der Geschichte der technischen Vernetzung ist: Sie ließen das Internet abgeschaltet. Und zwar komplett.

Haben andere Regimes, in denen sich Aufstände abzeichneten, bislang ihren Bürgern lediglich den Zugang zu Facebook und Twitter verwehrt, um ihnen die Koordination untereinander zu erschweren und den Informationsfluss nach außen zu verhindern, wurden die Provider in dem afrikanischen Staat gezwungen, ihre Server herunter zu fahren und den elektronischen Daten-Highway komplett dicht zu machen.

Zur Stunde sind Banken, Schulen, Firmen und Privatpersonen offline. Die wirtschaftlichen Auswirkungen sind kaum abzusehen und ein Ende dieses antianalogen Ausnahmezustands ist nicht in Sicht. Nur ein einziger Provider mit dem Namen Noor Group ist von der Sperre bisher verschont geblieben und auch weiterhin online. Warum weiß keiner. Hacker in der ganzen Welt drohen nun der Regierung: Wenn das Land den Informationsverkehr nicht wieder freigibt, dann werden sie öffentliche Webseiten attackieren.

Das große Problem an der Sache ist allerdings nicht nur die temporäre Abschottung Ägyptens von der Außenwelt, sondern dass diese ungewöhnliche Maßnahme Schule machen könnte. Bislang verzichteten Länder mit Unruheherden auf die komplette Abschaltung des Internets aufgrund der ökonomischen Konsequenzen, doch wie so oft gilt auch hier die Weisheit: Traut sich einer, ziehen die anderen mit. Und das wäre schließlich das Ende der digitalen Revolution.

via Engadget, Publique und Blogrebellen.

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Über den Autor

Marcel Winatschek lebt in Berlin und ist Chefredakteur bei AMY&PINK. Seine meist etwas abstruse Persönlichkeit setzt sich in gleichen Teilen aus Charakteren in TV-Serien, Sprüchen ehemaliger Sportlehrer und Traumfantasien mit japanischen Karate-Kämpferinnen zusammen, dessen Summe er in einer einmaligen Art und Weise als selbstständigen Menschen ausgibt. Alle Artikel von Marcel lesen oder eMail schicken.

9 Kommentare

  • Fettlaus sagt...

    Gemeint sind wohl eher “ökonomische” Konsequenzen. ;)

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    Marcel sagt...

    Hast du ‘ne Ahnung.. ;)

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  • Kaki sagt...

    Laut diverser Seiten sind Teile der Infrastruktur wieder online was das Internet betrifft, Telefon und Handy ist wohl immer noch nicht benutzbar…

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  • [...] am 28. Januar 2011 um 10:47 Krise in Kairo » Ägypten tötet das Internet » Leben » AMY&PINK [...]

  • vera sagt...

    Noor Group ist online, weil u.a. die ägyptische Börse daran hängt.

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    Marcel sagt...

    Okay, das erklärt so einiges.

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  • Lordy sagt...

    Naja… es hat ja auch ökologische Konsequenzen… weniger Energieverbrauch… vorteilhaft… irgendwie xD. Okay… bullshit… ein Shitstorm nach Ägypten, ey!

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  • [...] Ich könnte mich natürlich über gesellschaftsrelevante Dinge auslassen und so tun, als wäre ich total auf der Höhe des Informationsstandes, das ganze mit einer ewig langen [...]

  • Felix sagt...

    “Noor Group ist von der Sperre bisher verschont geblieben und auch weiterhin online.
    Warum weiß keiner.”

    Über den Provider gehen die meisten ausländische Firmen, mit Sitz in Ägypten online. Ausserdem wird der Börsenhandel der Kairo Stock Exchange darüber abgewickelt.
    Daher dürften die wirtschaftlichen konsequenzen für Ägypten geringer bleiben..

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