Was ich nicht verstehe - Mitesser ausdrücken

Ich erwarte nicht viel vom Leben. Ein großes Haus, schöne Frau dazu, generell Reichtum, ein paar Autos in der Garage, zwei Mal im Jahr Karibik, Privatschule für die Kinder. Ich…
Was ich nicht verstehe - Mitesser ausdrücken

Was ich nicht verstehe

Mitesser
ausdrücken

Ich erwarte nicht viel vom Leben. Ein großes Haus, schöne Frau dazu, generell Reichtum, ein paar Autos in der Garage, zwei Mal im Jahr Karibik, Privatschule für die Kinder. Ich bin ein genügsamer Mensch, ich brauche nicht viel, um glücklich zu sein. Eigentlich will ich einfach nur meine Ruhe haben. Da bin ich Bielefelder, wir haben gern unsere Ruhe, wir haben ja auch das Gerücht, dass es Bielefeld nicht gibt, selbst in die Welt gesetzt, weil wir einfach unsere Ruhe haben wollen, keine Japaner, keine europäische Kulturhauptstadt, keine Terroranschläge. Das prägt, ich erwarte nicht viel vom Leben, aber meine Ruhe, die will ich haben, und passablen Sex. Nicht mehr und nicht weniger.

Passabler Sex ist völlig ausreichend, passabler Sex mit passablen Menschen, nein, das ist schon ok, da bin ich zufrieden. Ich erwarte da nichts Spektakuläres. Ich war auch noch nie im Puff, überhaupt musste ich noch nie für Sex bezahlen, eine Behauptung, die gar nicht so prahlerisch klingt, wenn man sich vergegenwärtigt, dass das auch einfach heißen kann, dass ich generell noch nie Sex hatte.

Das ist natürlich Quatsch, ich hatte schon Sex, und der war in den meisten Fällen passabel, und das ist völlig ok, ich bin da realistisch. Auch was meine eigenen Fähigkeiten betrifft. Ich bin ganz ok im Bett, kein Don Juan, aber es hat sich auch noch nie eine beschwert, andererseits, vielleicht wusste sie auch einfach nicht, wo, oder ihre Freundinnen waren mir gegenüber sehr diskret, aber nein, ok trifft’s, glaube ich, zu guter Letzt traue ich da meinem Urteil immer noch am meisten, ich habe seit zwei Jahrzehnten mit mir selbst Sex, und ich habe mich auch noch nie beschwert.

Passabel, halt, wie mein bestes Stück, solider europäischer Durchschnitt, weder liefe man Gefahr, dass sie beim Ausziehen „och, wie niedlich“ riefe, noch käme man in die Bredouille, sich versehentlich selbst einen zu blasen, weil er bei der Missionarsstellung aus ihrem Mund wieder herausguckte. Passabel, in allen Belangen.

Was nicht heißt, dass ich nicht experimentierfreudig wäre. Warum nicht mal zwischendurch sich anders hinstellen, setzen oder legen, gern mal auch auf dem Balkon oder in der H&M-Umkleide, das schafft Abwechslung, immer nur Blümchensex, nee, das wäre selbst mir als konservativem Bielefelder zu langweilig, da würde ich trotz akuter Dyskalkulie doch noch mal anfangen, währenddessen im Kopf Sudokurätsel zu lösen. Nein, Experimente sind ok, gern auch mit mehreren Menschen, da kann man mal zwischendurch auch mal schnell Facebook checken, ohne, dass es auffällt, aber da hört’s dann auch schon auf mit der Experimentierfreudigkeit.

Ohne Kondom ist nicht, schon gar nicht als Hypochonder, und vor allem nicht, wenn man zum HIV-Test ins Berliner Gesundheitsamt muss, da zieht man nämlich eine Nummer, damit man sich überhaupt erst anmelden darf, und nach der Anmeldung bekommt man dann noch mal eine Nummer, mit jener Nummer wird man dann zur Beratung aufgerufen, nach der man eine neue Nummer bekommt, mit der man dann zum endgültigen Test aufgerufen wird, und dann ist der Tag auch schon wieder vorbei, nein, wer in Berlin ohne Kondom dem GV frönt muss ja geradezu arbeitslos sein, soviel Zeit hat doch sonst kein Mensch, andererseits erklärt das auch wieder einiges.

Bisexuelle Erfahrungen sind auch nicht so meins, 13 Jahre Jungsumkleide nach dem Schulsportunterricht, da erledigt sich das Interesse am männlichen Körper quasi von selbst. Ich behaupte mal einfach, dass meine Experimentierfreudigkeit beispielsweise bei Liebeskugeln aufhört, die werde ich nicht einsetzen können, bevor nicht wichtige Fragen geklärt wären, wie: „Was tun, wenn die Verbindungsschnur zwischen zwei Kugeln reißt, aber man nur noch eine der beiden in der Hand hält?“

Da bin ich Brite in solchen Situationen, da bin ich Gentleman, da verschwinde ich nicht und lasse die Frau einfach liegen, aber ich bin auch Gentleman, ein Mann des Geistes, handwerklich völlig unbegabt, und ich komme nicht umhin zu vermuten, dass in solchen Situationen ein einschlägiges Praktikum als Klempner von großem Nutzen sein kann. Facebook ist ja selten eine große Hilfe, wenn man sie wirklich braucht, Statusmeldungen wie: „Followerpower: Was tun, wenn die Verbindungsschnur zwischen zwei Liebeskugeln reißt, aber man nur noch eine der beiden in der Hand hält? Ich frage für einen Freund.“ werden so schnell missverstanden.

Nein, ich sag mal, ich bin passabel experimentierfreudig und trotzdem stoße ich immer wieder an meine Grenzen, apropos stoßen, warum musste ich eigentlich während meiner promisken Zeit immer wieder auf Frauen treffen, die mir gern die Mitesser auf meiner Nase ausdrücken wollten. Das verstehe ich nicht. Was soll denn das. Nach der dritten oder vierten Frau, die dieser Neigung nachgehen wollte, hakte ich mal vorsichtig nach, und das ist gar nicht so einfach, man will ja auch nicht als Spießer dastehen, da muss man diskret vorgehen. Also fragte ich sie mal subtil, als sie auf meinem Schoß saß, und mir mitteilte, dass sie gedachte, die Poren meiner Nase um ihre Untermieter zu erleichtern, da fragte ich subtil und durch die Blume:

„Warum?“, fragte ich, „Das macht mir Spaß“, sagte sie, und bei solchen Antworten werde ich hellhörig. Sachen, die zwischen Mann und Frau Spaß machen enden ja gern mal in zügellosem Sex, das ist oft ja auch ok, wie romantische Filme gucken oder Super Mario World spielen. Wenn so etwas in Sex endet: Nice! Aber wenn es einer Frau Spaß macht, mir Mitesser auszudrücken, nein, das verunsichert mich, man weiß ja nie, wo so etwas hinführt, ruckzuck ist Urin im Spiel, und dann schäme ich mich. Urophilie, nennt das der Fachmann, und das sagt irgendwo schon alles, wenn man drüber nachdenkt.

Wenn ich beim Sex Fachvokabular gebrauchen wollte, hätte ich damals mit meiner Biologielehrerin geschlafen, was auch irgendwie alles sagt. Und man sieht das der Frau ja auch nicht von außen an, ob sie sich nicht vielleicht doch gern mal hin und wieder gern gemütlich anpinkeln lässt, außer bei der von der Leyen, da bin ich mir fast zu hundert Prozent sicher. Ich habe mal davon geträumt, dass das eine wollte, dass ich sie anpinkle, und dann habe ich mich auf sie drauf gesetzt und sie fragte verstört, was das solle, ich solle mich gefälligst hinstellen, und ich sagte dann, dass ich mich ja sonst auch immer zum Pinkeln hinsetzen müsse, da wäre ich konditioniert, „Perversling!“, schrie sie, ich wachte schweißgebadet auf und hatte ein paar Tage lang Erektionsprobleme.

Nein, das mit den Mitessern verstehe ich beim besten Willen nicht, das tut ja auch weh, das hat am Ende des Tages noch nicht mal was mit Spießigkeit zu tun, sondern auch mit Feigheit. Und das ist doof, ich will keine Angst beim Sex haben, das finde ich anstrengend. Denn eigentlich, eigentlich will ich einfach nur meine Ruhe haben, auch beim Sex. Und wenn mir jemand dabei ins Gesicht schlägt, beschimpft, anpinkelt, ankotzt, anniest oder ausufernd Gesichtspflege betreibt, dann artet das in Stress aus, und wenn eins nicht Feng Shui ist, dann Stress, und Stress fördert Pickel. Und dann wird da ganz schnell ein Teufelskreis draus.

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Die Fotografie stammt von Trude Jonsson Stangel
Der Text erschien in der Kategorie Sex mit den Themen Beziehungen, Dyskalkulie, Emotionen, Facebook, Gedanken, Mitesser, Nasen und Pickel
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