Verhütet! - Sex ohne Kondom geht gar nicht

Es gibt kaum eine Frage von Männern, die mich so sehr aufregt wie: „Wie, du nimmst die Pille nicht?“ Okay, erst mal ’ne relativ normale Frage, doch wenn man genauer…
Verhütet! - Sex ohne Kondom geht gar nicht

Verhütet!

Es gibt kaum eine Frage von Männern, die mich so sehr aufregt wie: „Wie, du nimmst die Pille nicht?“ Okay, erst mal ’ne relativ normale Frage, doch wenn man genauer draufschaut, steckt da immer auch ein bisschen „Und wie willst du dann sichergehen, dass ich dich nicht schwängere?“ dahinter.

Für jemanden wie mich, die häufig wechselnde Geschlechtspartner hat, ist ein Kondom ganz klar ein Muss. Und zwar nicht nur, weil ich mich schützen will, sondern weil ich es auch als wichtig empfinde, den anderen zu schätzen. Dennoch gerade ich selbst mit One-Night-Stands häufig in Diskussionen über das passende Verhütungsmittel.

Dass ich mich weigere, ein Medikament zu schlucken, das vielleicht vor ungewollten Schwangerschaften, aber eben nicht vor Chlamydien, Gonorrhöe, Hepatitis oder HIV schützt, macht mich offenbar zu einer „verantwortungslosen, jungen Frau“.

Und das ist ein Vorwurf, den ich so nicht auf mir sitzen lassen kann und will. Denn ich persönlich halte mich mit meiner sehr bewussten Wahl für Kondome als Verhütungsmittel für verantwortungsvoller als die ganzen Menschen, die aus welchen Gründen auch immer lieber darauf verzichten, sich vor ansteckenden Krankheiten, die im schlimmsten Fall zum Tod führen können, zu schützen.

Die Argumente, die man hört, wenn man auf einen Gummi besteht, sind auch immer wieder schön. Da gibt es die einen, bei dem das Kondom grundsätzlich platzt, weil die Standardgrößen aus dem Supermarkt angeblich zu klein sind, obwohl sie easy über eine riesige Salatgurke passen.

Protipp für die Menschen da draußen, die einen Penis besitzen und vorhaben ihn zu benutzen: Messt euren Schwanz doch einfach mal aus. Und zwar richtig, denn ich kann euch sagen, dass von einhundert Männern vielleicht zwei tatsächlich die berühmt-berüchtigten 20 Zentimetern in der Hose haben, und selbst da passen normale Gummis drauf, und führt dann die Kondome, die euch am besten passen und gefallen einfach mit.

Im Internet und selbst in der Drogerie gibt es mittlerweile Probierpackungen in allen Größen, Formen und Farben zu kaufen und die Latex-Allergie, die angeblich so viele von euch haben, kann mit der richtigen Sorte auch umgangen werden.

Klar steh ich drauf, wenn ein Typ mir eine große Ladung Sperma in die Muschi spritzt und generell ist Sex natürlich schöner ohne Gummi, aber Sex mit Kondom ist wiederum viel schöner als ein Kind und Sex mit ’nem ausgewachsenen Tripper ist nicht so richtig möglich. Zumindest in meiner Vorstellung. Ich hab weder ein Kind, noch hatte ich jemals einen Tripper. Weil ich weiß, mich vor beidem gut zu schützen.

Verhütung scheint generell irgendwie noch immer Frauensache zu sein. „Wenn die Alte nicht schwanger werden will, muss sie sich darum kümmern“, ist ein Satz, den ich persönlich schon viel zu oft gehört habe. Kaum ein Kerl kann alle Verhütungsmittel aufzählen, die existieren.

Für die meisten Männer scheint es genau zwei zu geben: Pille und Kondome. Frauen hingegen können dir meist sogar genauestens sagen, wo der Unterschied zwischen Kupfer- und Hormonspirale besteht, wie man ein Diaphragma korrekt einsetzt und für was die Abkürzung NFP eigentlich steht.

Bis auf Gummis sind bisher ja auch nur Verhütungsmittel auf dem Markt, die von Frauen angewandt werden müssen. Trotzdem kann man auch als Typ wenigstens ein bisschen informiert sein. Wer seinen Schwanz irgendwo reinstecken will, trägt eine genauso große Verantwortung wie die Person, die sich nehmen lässt.

Insbesondere in festen Beziehungen sollte sich der Kerl ein paar Gedanken zu dem Thema machen. Es ist auch da nicht selbstverständlich, dass Kondome einfach weggelassen werden, weil die Frau schon irgendeine andere Verhütungsmethode findet, mit der sie cool ist. Fast alles, was es auf dem Markt so gibt, greift auf die eine oder andere Weise in den Körper einer Frau ein.

Entweder wird der normale Zyklus verhindert, beispielsweise durch die Pille, das Hormonstäbchen oder die Drei-Monats-Spritze, oder aber die Frau muss sich einer mehr oder weniger aufwändigen Prozedur unterziehen, um sicherzustellen, nicht schwanger zu werden. Diaphragma, Kupferspirale, NFP.

Gemessen an diesem Aufwand, erscheint für mich das Kondom auch in festen, monogamen Beziehungen das Verhütungsmittel, das am wenigsten Achtsamkeit erfordert. Wer sich an dem kurzen Moment, den es braucht, um das Kondom zu öffnen und überzurollen stört, sollte auch keinen Sex haben.

Man darf auch einfach nicht vergessen, dass es sich bei dem Großteil der Verhütungsmittel um verschreibungspflichtige Medikamente handelt. Und das alles hat schon seinen Grund, immerhin greift insbesondere die Pille den weiblichen Körper sehr stark an. Nebenwirkungen können zum Beispiel Krebs sein, eine starke Gewichtszunahme bis hin zu Depressionen.

Trotzdem werden Menschen, die Antidepressiva zu sich nehmen, von außen häufig verurteilt, diejenigen, die die Anti-Baby-Pille schlucken jedoch für ihre Verantwortlichkeit gefeiert. Die Pille zu schlucken, scheint für einige Frauen so selbstverständlich zu sein, als würden sie ein Stück Schokolade essen.

Dem gegenüber steht beziehungsweise stand zumindest eine lange Zeit die Diskussion über die Pille danach, von der man ja befürchtet hat, Frauen würden sie wie Smarties schlucken, wenn man sie von der Rezeptpflicht befreien würde. Aufklärung gleich null. Dafür aber riesige Panikmache vor einem Medikament, das zwar definitiv kein Verhütungsmittel ist und auch nicht als solches gebraucht werden sollte, aber von seinen Auswirkungen auch den weiblichen Körper auch nicht schlimmer als Drei-Monats-Spritze oder Pille.

Wenn du als Typ also kein Arschloch sein willst ? weder in deiner festen Beziehung, noch bei deinen One-Night-Stands und Affären oder einfach ganz generell Frauen gegenüber ? benutzt du beim Sex Kondome oder fängst zumindest einmal an, zu hinterfragen, warum eine Frau nicht wie selbstverständlich auf andere Verhütungsmethoden zurück greifst.

Und wenn du ein schwuler Typ bist, der kein Arschloch sein will, benutzt du am besten auch immer Gummis, bevor du jemandem deinen dreckigen Dödel in den Arsch schiebst. Auch wenn du niemanden schwängern kannst, so besteht doch immer noch die Gefahr, sich eine sehr unangenehme Geschlechtskrankheit einzufangen, aufgrund der man erst mal wochenlang auf Sex verzichten muss.

Die ist bei Homosexuellen rein statistisch gesehen tatsächlich häufiger als bei heterosexuellen Paaren, die keine Kondome benutzen. Einen Gummi überzuziehen, ist jetzt echt kein so großes Problem. Zumindest kein so großes, wie ein stinkender, vor sich hin faulender Schwanz, juckende Eier und ein eitriges, brennendes Arschloch.

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Fotografie von Dainis Graveris
Der Text erschien in der Kategorie Sex mit den Themen AIDS, Beziehungen, Frauen, Geschlechtskrankheiten, HIV, Jungs, Kondome, Mädchen, Männer, One-Night-Stands, Pille und Verhütung
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