Uns gibt's nur im Doppelpack - Tinder-Pärchen, verpisst euch!

Sagen wir es doch, wie es ist: Ich werde auch nicht jünger. Und hübscher. Und meine kleinen Brüste, auf die ich seit meinem 13. Lebensjahr eigentlich sehr stolz bin und…
Uns gibt's nur im Doppelpack - Tinder-Pärchen, verpisst euch!

Uns gibt's nur im Doppelpack

Tinder-Pärchen,
verpisst euch!

Sagen wir es doch, wie es ist: Ich werde auch nicht jünger. Und hübscher. Und meine kleinen Brüste, auf die ich seit meinem 13. Lebensjahr eigentlich sehr stolz bin und die seitdem auch nicht mehr gewachsen sind, hängen trotz eines sehr früh von mir verhängten Schwerkraftverbots jeden Tag ein kleines Stücken weiter nach unten. Standen meine Nippel mal in einem perfekten 90-Gradwinkel zu allem um mich herum, sind es nun, ich schätze einmal, so 80 Grad. Und. Es. Werden. Weniger.

Dementsprechend ist es auch schwieriger für mich, mit den ganzen, allesamt wie Dua Lipa, mit doppelt Make-up drauf, aussehenden Hupfdohlen aus Berlin mithalten zu können. „Hi, ich bin gerade 18 geworden, höre gerne Hip-Hop und mir sind quasi über Nacht die perfekten Titten gewachsen. Zwinkersmiley.“

So ähnlich steht das da. Zumindest in meinen Augen. Eigentlich kotzen die Gören einfach nur irgendwelche vollkommen zufällig ausgewählten Emoji in ihre Bio und klatschen ihre Fickbewerbungsbilder mit undefinierbaren Snapchat- und Instagram-Filterfotos voll. Es ist nämlich scheißegal, was da steht. Sie sind trotzdem die momentan bumsbarsten Wesen auf diesem Planeten. Die brauchen sich nicht anzustrengen!

Und nach neunzig Swipes von vor Sexualität berstenden Jugendlichen komm‘ dann ich. Vorausgesetzt irgendwer stellt den Filter auf über 25. Die, die mal cool war. Die, die mal jung war. Die, die mal drauf geschissen hat, was in ihrer verdammten Tinderbio stand. Denn damals, vor vielen, vielen Jahren, war ich mal die Fickbare. So verdammt fickbar, dass ich regelmäßig in den Top-Picks auftauchte. In. Den. Top-Picks! Wie so ein Star!

Heute bin ich „Daniela, knapp 30, irgendwas mit Medien.“ Das vierte Foto von mir im BH. Das hat Tinder nämlich, im Gegensatz zu meinen anderen zehn Bildern, die den verklemmten Hurensöhnen in Bangladesch anscheinend zu anzüglich waren, nicht abgelehnt. Obwohl da gar nichts Schlimmes drauf war. Im Unterschied zu den halbnackten Fotzen aus dem Umland, die quasi einen halben Porno in ihrer Galerie drehen können, ohne dass sie gesperrt werden, solange irgendwie drei lustige Emoji drin verbaut sind und noch keine Orangenhaut sichtbar ist.

Ich tue wirklich mein Bestes, um heute Abend flachgelegt zu werden und trotzdem niemals nie von der Couch aufstehen zu müssen. Ich bin witzig, ich bin frech, ich bin so heiß, wie es jemand in Jogginghose und McRib-Flecken auf dem Sailor-Moon-T-Shirt sein kann. Ich habe mich sogar auf Bisexuell gestellt, damit ich auch ja niemanden verpasse, der womöglich bereit wäre, sich nackt vor mir auszubreiten. Und trotzdem wandert an diesem Tag nichts anderes in meine Muschi als mein rosa Vibrator, bei dem schon das Plastik unten abblättert, oder, wenn er weiter als zwei Meter von mir weg liegt, eben meine Hand.

Doch mein Hass gilt gar nicht den halblegalen Teenagerfotzen aus Berlin, die sich da mit Joint im Mund, Sonnenbrille auf der Nase und dem Wort „Cute“ im mit buschigen Augenbrauen versehenen Gesicht räkeln und so auf Tinder anpreisen. Die können ja auch nichts dafür, dass sie nun einmal gerade geil sind und in zehn Jahren ebenfalls in ihre Schokoeiscremepackung heulen, weil keiner sie mehr bumsen will, höchstens halt von hinten, aber vergrab dein Gesicht bitte ganz tief ins Kissen, das Grauen kann ja keiner mitansehen, Charlotte!

Nein, es lauert etwas noch viel Widerwärtigeres, Abartigeres und Furchtbareres auf Tinder. Denn nach ein paar gelangweilten Swipes durch irgendwelche stellvertretenden Media-Markt-Filialleiter aus dem Wedding, untervögelten Ökomuttis aus Friedrichshain und schwarz gebräunten Solariumjohnnys aus Hohenschönhausen, natürlich alle nach rechts, weil ich verzweifelt bin und für den Scheiß auch noch bezahle, ploppt es plötzlich wieder auf. Das Ding aus dem Sumpf. Das Tinder-Pärchen.

„Hi, wir sind Malte und Simone“, steht dann da. Meistens noch mit der Zugabe „F19, M36“ oder irgendsoeine fast illegale Scheiße. „Wir sind ein junges, aufgeschlossenes Pärchen aus Charlottenburg, das gerne eine offenherzige Mitstreiterin für eine aufregende Nacht zu dritt sucht! Bei gegenseitigem Gefallen auch öfter. Uns gibt’s nur im Doppelpack! Zwinkerfuckingsmiley!“

Ein Blick auf die optimal ausgeleuchteten Fotos verrät, dass die beiden quasi seit ihrem zweiten Lebensjahr den ganzen Tag lang Sport treiben, gemeinsam so um die dreiundsiebzig Marathons gelaufen sein dürften, und gleichzeitig Barack Obama, Greta Thunberg und Albert Einstein die Hände geschüttelt haben, während sie afrikanische Albinowaisenkinder aus einem reißenden Fluss retteten.

Hier sitze ich also. Daniela. Knapp 30 Jahre alt. Mit einem ausgeblichenen Sailor-Moon-T-Shirt mit Fettflecken drauf. Mundgeruch. Löcher in den Socken. Und an meinem rosa Vibrator hängt noch ein wenig Schnodder vom Vormittag. Hashtag NotLikeTheOtherGirls.

Und ich konkurriere nicht nur mit der 18-jährigen Jaqueline, der ihre über Nacht gewachsenen Titten fast aus dem Apache-207-Tour-T-Shirt quellen, nein, ich wettstreite auch mit fucking Malte und Simone, die Bauchmuskeln, weiße Zähne und das optimale Verhältnis von Gel zu Haar im Grunde erfunden haben und auf einem Bild so plakatmäßig auf dem Hügel über Hollywood stehen, dass ich am liebsten in der Zeit zurückreisen würde, um sie kurz nacheinander dort hinunter zu schubsen.

Selbstverständlich schreibe ich Malte und Simone an. Ich will ja wissen, ob sie echt sind. Und sie antworten mir sogar. Für einen Dreier scheine ich gerade noch gut genug zu sein. Wahrscheinlich lassen die minderjährigen Jaquelines aus Kreuzberg sich nicht von einem sportlichen Pärchen aus Charlottenburg knallen, solange sie nicht beide Gangsterrapper sind oder zumindest etwas MDMA übrig haben.

Ja, hi! Haha, hihi, Dreier? Klar, warum nicht! Süß seid ihr! Lass mal Fotos tauschen! Okay, gern! Hier ist meine WhatsApp-Nummer! Ich schicke ein paar Tittenfotos aus einer Zeit, in der irgendjemand für den Erhalt dieser Bilder in den Knast gekommen wäre. Und sie schicken mir die verdammt schönsten primären und sekundären Geschlechtsteile, die ich jemals gesehen habe, zurück. Natürlich mitsamt ihrer grinsenden Gesichter. Während sie sich im Arm halten. Weil sie verdammt stolz auf das sind, was sie da vorzuzeigen haben. Vor Schreck fallen meine letzten, mit Barbecuesauce vollgesaugten Pommes auf den Boden.

Mit Maltes Schwanz hätte man eine ganze Bieberfamilie über den Winter bringen können. Und Simones runde Brust sah aus, als hätte Gott persönlich sie aus fließendem Gold geformt. Mit dunkel betupften Brustwarzen obendrauf. Und unter ihrem schwarzen Höschen, das bestimmt aus irgendeiner scheiß italienischen Edelboutique stammt, war ein einziger, länglicher, von kleinen Elfen gemeißelter Schlitz. Keine roten Pickel. Keine wulstigen Lappen. Keine dreckigen Arschhaare. Kein weißer Schnodder. Nichts. Nur ein Strich. Und er rief meinen Namen.

Natürlich habe ich nicht mit Malte und Simone gefickt. Dafür hätte ich ja aufstehen müssen. Und wer fährt schon zum Poppen nach Charlottenburg? Stattdessen habe ich geweint und jegliche Hoffnung auf eine sexuell erfüllte Zukunft aufgegeben. Wer würde schon über meine 80-Grad-Titten rutschen wollen, wenn er stattdessen gleichzeitig von Maltes riesigem, adrigem Penis und Simones Muschi Mutter Gottes beglückt werden kann? Wer? Wer?

Vielmehr werde ich nun versuchen, mir einen reichen, alten, halbtoten Milliardär zu angeln, ihn in die Hölle zu blasen, anschließend mit seinem mir vermachten Vermögen Tinder zu kaufen und dann als Alleinherrscherin dafür zu sorgen, dass nie wieder auch nur ein einziges Pärchen seine widerlich makellosen Leibe dort mit blumigen Worten zur Schau stellen darf. Nie wieder. Nie wieder!

Pubertäre „18, eigentlich 17, aber ich kann’s nicht mehr ändern, hihi“-Jaquelineschlampen sind als Konkurrenz um ein bisschen Reiberei bei Mondschein ja schon schlimm genug. Aber Maltes und Simones, die scharenweise diverse Datingapps fluten und so behutsam, einfühlsam und verständnisvoll mit einem schreiben, als würde man in Kürze einer Sekte beitreten, dir aber eigentlich nur gleichzeitig alle Löcher lecken, stopfen und vollsauen wollen, sind wirklich das Allerletzte.

Fickt euch doch gegenseitig eure perfekten Körper, die ihr übrigens der Wissenschaft zur Verfügung stellen solltet, damit sie daraus Klone für irgendwelche intelligenten Sexroboter machen können, aber lasst armen Danielas wie mir die stellvertretenden Media-Markt-Filialleiter aus dem Wedding, untervögelten Ökomuttis aus Friedrichshain und schwarz gebräunten Solariumjohnnys aus Hohenschönhausen übrig! Auch wenn wir beim widerlichen, aber notwendigen Geschlechtsverkehr mit ihnen nur an euch und eure gottgleichen Gestalten denken werden…

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Die Fotografie stammt von Daria Mamont
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