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Das Popkultur Magazin

Sex mit Fremden: One-Night-Stands machen das Leben erst lebenswert

One-Night-Stands. Man liebt sie oder man lehnt sie grundsätzlich ab. Ich für meinen Teil schlafe ganz gerne mal mit Menschen, die ich nicht kenne, von denen ich aber auch weiß, dass ich sie nie wiedersehen werde. über die Jahre haben sich da bei mir so einige lustige, absurde oder auch einfach nur e...
Sex mit Fremden: One-Night-Stands machen das Leben erst lebenswert

Sex mit Fremden

One-Night-Stands
machen das Leben
erst lebenswert

Nadine Kroll

One-Night-Stands. Man liebt sie oder man lehnt sie grundsätzlich ab. Ich für meinen Teil schlafe ganz gerne mal mit Menschen, die ich nicht kenne, von denen ich aber auch weiß, dass ich sie nie wiedersehen werde. über die Jahre haben sich da bei mir so einige lustige, absurde oder auch einfach nur eklige Geschichten angesammelt. Ein paar davon möchte ich euch heute erzählen.

Da war zum Beispiel der Typ, der mitten in der Nacht in meiner Küche Chili kochte. Ich hatte ihn auf einer lauten Party nur durch Blickkontakt aufgerissen, noch auf der Tanzfläche wild mit ihm rumgemacht und dann mit nach Hause genommen. Wir hatten extrem guten Sex, er hat meinen ganzen Körper für sich eingenommen, doch dass er danach mit „Ich hab Hunger!“ in die Küche verschwand, die Regale und den WG-Kühlschrank durchwühlte, war irgendwie zu viel des Guten. Ich war aber auch zu besoffen, um etwas dagegen tun zu können.

Er muss nachts dann noch verschwunden sein, aber das Chili, das er gekocht hatte, war genauso gut wie unser Fick und hat meine komplette WG für mehrere Tage satt gekriegt. Trotzdem: In der Wohnung des One-Night-Stands das Kochen zu beginnen, steht ganz weit oben auf der Liste der No-Gos.

Dann hatte ich einen, der unbedingt wollte, dass ich ihn ankotze. Auf den Schwanz, in den Mund, egal wohin, Hauptsache Kotze. Als ich ihn fragte, ob er auch auf scatting – also sich ankacken lassen – steht, hat er das bejaht. Ich hab beides nicht gemacht. Beim Kotzen hab ich immer das Gefühl, innerhalb der nächsten drei Sekunden sterben zu müssen und auf Kommando kacken ist, glaube ich, auch nicht so mein Ding. Abgesehen davon, dass ich vermutlich diejenige gewesen wäre, die die Scheiße später hätte abwaschen müssen. Nein, danke.

Meinen vollsten Respekt hat der Typ trotzdem. So mutig muss man erst mal sein, gleich beim ersten Fick solch extremen Fetische rauszuhauen. Vielleicht hat er’s aber auch nur gemacht, weil er wusste, dass wir uns nicht wiedersehen werden. Alles in allem war der Sex mit ihm eher enttäuschend. Also nicht nur für ihn, der seine Wünsche nicht erfüllt bekam, sondern auch für mich. Eine großartige Geschichte gibt er trotzdem ab, der Kacke-Boy. So ’nen Fetisch hat man dann halt doch nicht alle Tage im Bett.

Ein anderes Mal hab ich einen Typen in einem Club aufgerissen, mit dem ich einfach aufgrund seiner Optik unbedingt ficken wollte. Er hatte ein bisschen was von einem sehr jungen Kurt Cobain. Nach ein paar Drinks und Fummeleien auf der Tanzfläche landeten wir schließlich bei ihm, wo wir auf seine wirklich scharfe Mitbewohnerin trafen. Ich landete schließlich mit ihr im Bett, den Typen sah ich nie wieder. In meiner Vorstellung hat er aber zu den Geräuschen, die sie und ich beim Sex von uns gegeben haben, gewichst.

Mit einem Typen hatte ich einen Fick in ’nem Treppenhaus bei einer WGParty. Eigentlich wollten wir Bier holen gehen, was wir auch getan haben. Nur haben wir zusätzlich noch gevögelt. Das war schon ziemlich gut, rotzbesoffen leise sein in ’nem Altbautreppenhaus ist allerdings schwer. Wir haben in ’nem Zwischenstockwerk, also nicht bei den Haustüren, Doggy Style gevögelt, einen Joint geraucht und sind dann mit dem gekauften Bier zurück auf die Party, wo wir später noch geknutscht haben.

Für die anderen war es wohl eher überraschend, dass wir am Ende der Feier nicht zusammen nach Hause sind. Wusste ja keiner, dass wir das mit dem Sex schon abgehakt hatten. Was ich an der Geschichte mag ist, dass es kein Ding war, bei dem man vorher den halben Abend so mega viel geflirtet hat. Es war halt wirklich nur Sex, auf den beide Bock hatten und der dafür erstaunlich gut war. Ein zweites Mal wollten wir es allerdings auch nicht treiben. Manchmal muss man eben aufhören, wenn es am Schönsten ist.

Mein allerschönster One-Night-Stand war mit einem Typen, den ich im Netz auf einer dieser zigtausend nervigen Datingseiten aufgegriffen hatte. Wir verstanden uns gut, zumindest wenn es um sexuelle Dinge, also lud ich ihn spontan zu mir ein. Wir trieben es die ganze Nacht miteinander, gingen am nächsten Morgen gemeinsam frühstücken, ohne dass es irgendwie awkward war und erzählten uns sehr viele private Dinge, die mit dem Thema Sex so überhaupt nichts zu tun hatten.

Es ging um unsere Familien, das Studium, Menschen, die uns das Herz gebrochen hatten, Lügen, die wir erzählt hatten, um uns in gewissen Situationen Vorteile zu erschaffen und Berufswünsche; um Vergangenheit, Gegenwart und die geplante Zukunft.

Innerhalb einer Stunde hatten wir uns wohl gegenseitig unsere komplette Lebensgeschichte erzählt. Danach waren wir für zwei Jahre zusammen, von jetzt auf gleich. So ein richtiger One-Night-Stand war es damit also nicht. Aber es war zumindest als einer geplant gewesen, und somit darf die Geschichte hier natürlich nicht fehlen. Sex ohne Erwartungen und beim ersten Date kann also trotz gegenläufiger Meinungen zu etwas richtig Gutem führen.

Aber die „drei Dates bevor man das erste Mal miteinander schläft“-Regel fand ich persönlich sowieso schon immer doof und irgendwie unnötig. Wenn man sich geil findet, findet man sich eben geil – und wenn der Sex auch noch so gut ist wie bei ihm und mir, ist ein wichtiger Grundstein für die Beziehung auch schon mal gelegt. Wenn jemand ernsthaftes Interesse an einer anderen Person hat, verliert er es auch nicht, nur weil er das Gegenüber bereits nackt gesehen hat.

Dazu kommen noch so einige One-Night-Stands mit Mädchen, die ich in diversen Clubs aufgerissen hatte und die vor mir behaupteten, sie „hätten sowas ja noch nie gemacht“ – also Sex mit einer Frau gehabt – und wären eigentlich auch in einer festen Beziehung mit einem Mann. Die waren aber durch die Bank weg weder absurd noch sonderlich witzig, sondern einfach schön.

Ob diese Girls danach noch häufiger Muschis geleckt haben, weiß ich natürlich nicht. Es ist aber auch irgendwie nicht relevant. Jeder Mensch sollte mit den Menschen ficken, mit denen er gerade ficken will. Und ob das nun nur einmal oder fünfhundert Mal ist, ist eigentlich auch egal.

Die Fotografie stammt von Dainis Graveris
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Renforshort: Die kreative Kanadierin

Wenn ihr Lauren Isenberg, besser bekannt unter ihrem Künstlernamen Renforshort, fragt, welche Art von Musik sie macht, könnte euch ihre Antwort überraschen. Geschmacklich seltsam, wird sie dann nämlich sagen. Und doch wäre kein akademischer Meister der Linguistik besser geeignet, um die persönlich...
Renforshort: Die kreative Kanadierin

Renforshort

Die kreative
Kanadierin

Annika Lorenz

Wenn ihr Lauren Isenberg, besser bekannt unter ihrem Künstlernamen Renforshort, fragt, welche Art von Musik sie macht, könnte euch ihre Antwort überraschen. „Geschmacklich seltsam“, wird sie dann nämlich sagen. Und doch wäre kein akademischer Meister der Linguistik besser geeignet, um die persönliche Marke des rätselhaften aufsteigenden Popstars zu charakterisieren, die zutiefst nachdenklich und doch unbestreitbar verwandt mit dem Alt-Pop links von der Mitte ist.

Die aus Toronto stammende, im geradezu makellos zutreffenden Sinne des Wortes wunderbare Sängerin und Musikerin war zum Popstar bestimmt, lange bevor sie ihren ersten Plattenvertrag in der Tasche hatte. Inspiriert von der Arbeit musikalischer Ikonen wie Bob Dylan, über den Renforshort sich weise wie folgt erinnert.

„Als ich aufwuchs, sagte mein Vater immer, er sei der beste Songschreiber der Welt“, und die im Jahr 2011 verstorbene Souldiva Amy Winehouse sowie von atmosphärischen und emotionalen Filmen wie Coraline und Call Me By Your Name, war ihre kreative Kindheit vollgepackt mit Klavier- und Gesangsunterricht, Musiktheater, Filmen und dem Schreiben von Geschichten – Aktivitäten, die von der künstlerisch veranlagten Familie der jungen Künstlerin vollends gefördert wurden.

Obwohl Renforshort sich schon immer für Gesang interessierte, war es während einer glücklichen Open-Mic-Nacht im Jahr 2016, als die 14-jährige Kanadierin erkannte, dass sie wirklich dazu bestimmt war, Musik zu machen. Anfang 2019, nur wenige Jahre nach ihrer Offenbarung am Mikrofon, veröffentlichte Renforshort ihre Debütsingle „Waves“, eine atmosphärische, wehmütige Ode an die aufkeimende Romantik.

Aber es dauerte nur ein paar Monate, bis sie in die oberen Ränge des digitalen Ruhmes katapultiert wurde, als ihre zweite Single, das verdrehte Liebeslied Mind Games, dank ihres unerwartet kantigen Tons, ihres sofort eingängigen Hooks und ihres unheimlichen, von Tim Burton inspirierten Musikvideos viral ging. Und nun warten wir eigentlich nur noch darauf, dass Lauren Isenberg ein Superstar wird. Genug Talent dafür hat sie auf jeden Fall.

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Der Text erschien in der Kategorie Musik mit den Themen
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Sports Team: Der Indie-Rock ist zurück

In den frühen 2010ern war Indie-Rock das Musikgenre, das man hören musste, um auch nur irgendwie zur intellektuellen Oberschicht der jungen Erwachsenen zu zählen. Arctic Monkeys, Arcade Fire, Franz Ferdinand, Death Cab for Cutie, The Killers, Bloc Party, Kaiser Chiefs, Vampire Weekend. Sie alle l...
Sports Team: Der Indie-Rock ist zurück

Sports Team

Der Indie-Rock
ist zurück

Marcel Winatschek

In den frühen 2010ern war Indie-Rock das Musikgenre, das man hören musste, um auch nur irgendwie zur intellektuellen Oberschicht der jungen Erwachsenen zu zählen. Arctic Monkeys, Arcade Fire, Franz Ferdinand, Death Cab for Cutie, The Killers, Bloc Party, Kaiser Chiefs, Vampire Weekend.

Sie alle liefen mit ihren Hits und Geheimtipps auf unseren iPods rauf und runter – und als dann ein SoundCloud-Rapper nach dem anderen das Steuer der internationalen Musikszene übernahm, verstanden wir die Welt nicht mehr. Was zum Teufel ist ein Boogie Wit Da Hoodie?

Die Band Sports Team aus Cambridge macht Musik wie aus der guten, alten Zeit. Wenn die gute, alte Zeit irgendwo zwischen 2005 und 2015 war. Die sechsköpfige Gruppe rund um Songwriter Rob Knaggs wird in den britischen Medien schon in den allerhöchsten Tönen gelobt und sorgen in ihrer Heimat, noch bevor sie überhaupt ihr Debütalbum veröffentlicht haben, schon für jede Menge Aufsehen.

Sports Team haben sich an der Uni kennengelernt und leben mittlerweile zusammen in einer WG in Süd-London. Sie werden gerne mit Adjektiven wie „chaotisch“, „wild“ und „elektrisierend“ beschrieben, was vor allem an den rauschenden Live-Shows der Band liegt.

Diese sind so populär, dass Sports Team bereits diverse Hallen in London ausverkauft haben. Wer auf gut gemachten Indie Rock, wie den Song „Here’s the Thing“ steht, der ist bei Sports Team gut aufgehoben. Wer mehr von der Band hören möchte, der sollte sich einmal ihr Debütalbum „Deep Down Happy“ gönnen.

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Die Fotografie stammt von Universal Music
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Mädchen in Los Angeles: Die kalifornische Schönheit

Dass es in Kalifornien nicht nur hübsche Landschaften, leckeres Essen und moderne Technologien gibt, beweist die Stylistin und Künstlerin Joanie Del Santo, die der Fotograf James Drew für C-Heads abgelichtet hat. Das aus Pasadena stammende Model hat die Sonne im Herzen und den Style am Körper. Wie m...
Mädchen in Los Angeles: Die kalifornische Schönheit

Mädchen in Los Angeles

Die kalifornische
Schönheit

Daniela Dietz

Dass es in Kalifornien nicht nur hübsche Landschaften, leckeres Essen und moderne Technologien gibt, beweist die Stylistin und Künstlerin Joanie Del Santo, die der Fotograf James Drew für C-Heads abgelichtet hat. Das aus Pasadena stammende Model hat die Sonne im Herzen und den Style am Körper. Wie man es eben von einer waschechten Westamerikanerin irgendwo rund um das angesagte Los Angeles erwartet.

„Ich kam als Dreijährige zur Mode„, erzählt uns Joanie. „Auf einer Dinnerparty habe ich die Schuhe der Freunde meiner Eltern gestohlen und mein erstes Lauftraining veranstaltet. Seit ich 17 bin, modele ich nun. Klamotten habe ich immer geliebt. Als ich meinen eigenen Style entwickelt habe, fragten mich Freunde ständig, ob ich ihnen auch bei ihrem helfen könnte. Alles entwickelte sich ziemlich organisch.“

Und weiter: „Ich habe auch meinen eigenen Onlinestore namens Saint Liberata eröffnet, in dem ich Vintagekleidung anbiete. Es ist das erste Projekt, das wirklich ganz allein mir gehört. Mein Opa modelt sogar auf der Seite. Außerdem bin ich ein riesiger Anime-Nerd. Ich liebe die japanische Kultur und finde sie faszinierend und speziell. Zum Unmut meiner Freunde verkleide ich mich sogar oft als Anime-Charakter.“ Ich bin verliebt.

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Die Fotografie stammt von James Drew
Als Model ist Joanie Del Santo zu sehen
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Die Sängerin im Gespräch: Iggy Azalea, magst du deine kleinen Brüste?

Der selbsternannte Million-Dollar-Misfit Iggy Azalea ist, nachdem sie die Bühne “Bad Bitches” rufend verlässt, das netteste Mädchen der Welt. In Berlin hat die Rapperin aus Australien schon oft bewiesen, wie gut sie den Sprechgesang beherrscht. In ihrem Cheerleader-Outfit wurde die Menge einmal mehr...
Die Sängerin im Gespräch: Iggy Azalea, magst du deine kleinen Brüste?

Die Sängerin im Gespräch

Iggy Azalea, magst du
deine kleinen Brüste?

Meltem Toprak

Der selbsternannte Million-Dollar-Misfit Iggy Azalea ist, nachdem sie die Bühne “Bad Bitches” rufend verlässt, das netteste Mädchen der Welt. In Berlin hat die Rapperin aus Australien schon oft bewiesen, wie gut sie den Sprechgesang beherrscht. In ihrem Cheerleader-Outfit wurde die Menge einmal mehr von einer starken, Pferdeschwanz schleudernden und Booty-shakenden Entertainerin mitgerissen.

2011 veröffentlichte sie ihr Mixtape Ignorant Art und wurde mit den Hits My World, Murda Business, und Pussy bekannt. Letzter Song erinnert an den Aufsehen erregenden Hit “My Neck, My Back” von Khia, der in unseren Kindertagen noch zensiert auf MTV lief.

Und noch heute müssen innerhalb der Gender-Debatte Rapperinnen in einer männerdominierten Welt ihre sexuelle Freiheit rechtfertigen. Iggy Azalea hat Spaß daran, ihren Hintern dem Publikum entgegen zu strecken, aber der Spaß bleibt nur solange bestehen, bis darüber gesprochen wird, kommentierte sie ihren Auftritt in London, der für Furore sorgte.

Dazu ist sie ein großer Fan der klassischen Nanny Fran Fine und Grace Kelly. “Trust Your Struggle” hat sie sich auf den Arm tätowieren lassen, und ist trotz ihres jungen Alters dank TI schon dick im Geschäft. Das Wilhelmina-Model aus Australien, das Tupac zu ihren großen Idolen zählt und von ihrem Vater wie Kunst angezogen wurde, bewies uns im Gespräch über heutige Geschlechterrollen, Offenheit in der Musikwelt wie reflektiert sie ist.

Warst du an der Highschool ein Außenseiter?

Ja. An der Highschool dachte jeder, ich wäre total merkwürdig. Ich bin in der Pause immer nach Hause gelaufen, weil unser Haus am Ende der Straße meiner Schule war. Und ich hatte einfach keine Freunde. Ich bin immer nach Hause an den Computer und habe mir Musik angehört oder verschiedene Künstler angesehen, die mir gefallen haben. Ich wollte einfach nicht zurück zur Schule. Ich hatte einfach nicht wirklich Freunde.

Darf ich fragen, warum du keine Freunde hattest?

Weil ich mich einfach so angezogen habe, wie ich mich anziehen wollte. Ich habe zum Beispiel meinen Namen verändert und gesagt „Mein Name ist, blablabla“. Solche Sachen habe ich eben gemacht. Und die anderen Kids dachten sich: „Die ist irgendwie komisch, wir kennen sie irgendwie nicht wirklich.“ Kinder sind einfach gemein, weißt du.

Heute bist du ein Outsider, aber wirst geschätzt für das, was du bist.

Ich denke, du wirst erst für das, was du bist, wertgeschätzt, wenn du ein Künstler bist. Deine Einzigartigkeit wird gefeiert. Aber ich denke noch immer, wenn du Kids an der High School fragst, richtige Outsider, haben sie es immer noch schwer. Sie hassen es, ein Outsider zu sein. Aber wir werden erwachsen und damit haben wir auch mehr Verständnis und wissen sie zu schätzen.

Und heute bist du ein Million-Dollar-Misfit.

Hehe, ja. (lacht)

Das hört sich gut an.

Das hört sich sehr gut an! (lacht)

Wer wärst du, wenn du keine Rapperin wärst?

Ich wollte immer Hochzeitskuchen backen. Meine Mutter war eine sehr schlechte Köchin, als ich ein Kind war. Und ich wollte immer hausgemachte Kuchen essen. Ich habe es immer versucht, aber der Teig ist nie aufgegangen und war immer flach. Und meine Familie sagte immer: „Iggy ist die schlechteste Bäckerin. Isst ihren Kuchen nicht. Es ist ekelhaft.“ Und ich dachte mir, ich werde einen Weg finden, leckere Kuchen zu backen. Und so habe ich geübt und ich bin nun wirklich gut. Also dachte ich mir, falls ich nicht rappe, werde ich Kuchen backen. Denn es ist wie Kunst. Du designst, und bemalst sie. Also dachte ich mir, warum nicht Bäckerin werden.

Du malst auch, habe ich gelesen.

Ja, mein Vater ist ein Künstler. Ich zeichne gerne und mache Radierungen. Mein Vater ist ein Comic-Künstler und mag Comicbücher. Als ich aufwuchs, hatte ich vor allem Interesse an Linework, also harter Strichumsetzung. Daher mag ich Radierungen und Zeichnungen. Das ist für mich wie Meditation. Ich zeichne immer noch und schenke meinen Freunden die Zeichnungen zum Geburtstag.

Was ist dein Lieblingscomic. Oder dein Lieblingssuperheld?

Mein Lieblingssuperheld? Ich mag Catwoman. Aber eigentlich mag ich auch Poison Ivy, aber sie ist keine Superheldin, aber ich liebe einfach ihr Haar. Rarrrrr. Ich mag starke Frauen. Ich mag es, mir Figuren von alten Comics anzusehen. Es wurden Frauen gezeichnet, die kurvig sind, breite Hüften haben, und dann denke ich mir immer: Ich wünschte, ich würde auch so aussehen wie die Mädels aus den Comicbüchern.

Du bist ziemlich kurvig.

Ja, aber ich habe kleine Brüste.

Ach komm, aber deine Figur ist der Wahnsinn!

Ich habe einen netten Hintern, meine Figur ist okay.

Also bist du ziemlich selbstbewusst und selbstsicher, was dein Aussehen betrifft?

Ich denke, alle Frauen sind es. Und wir haben alle etwas an uns, das wir mögen und wir haben alle etwas an uns, das wir gerne verstecken und verdecken. An manchen Tagen mag ich es, kleine Brüste zu haben, an anderen Tagen möchte ich große Brüste. Du weißt, wie Frauen sind. Wir ändern uns, es kommt einfach darauf an. Momentan geht es mir mit allem ziemlich gut.

Würdest du jemals deine Haarfarbe verändern?

Ich würde sie niemals verändern. Ich habe sie mal gefärbt, aber es ist alles raus gewachsen. Wenn ich 50 bin, werde ich grau sein. Richtig grau wie ein silberner Fuchs. So möchte ich es haben. Gerader Haarschnitt, und es wird gut aussehen, das werde ich tun. Das ist die einzige Veränderung. Ich war schon immer eine Blondine.

Also bist du eine natürliche Blondine. Man kann es auch an deinen Augenbrauen erkennen.

Die wurden mir aber etwas nach gemalt, da meine Brauen noch heller sind.

Erzähl uns, wer ist dein Lieblingsmodedesigner?

Ich liebe Jeremy Scott. Wirklich. Ich war nie verrückt nach seiner Mode, aber von Tag zu Tag habe ich mich selbst immer wieder plötzlich seine Sachen anziehen gesehen. Also muss ich sagen, dass er dazu gehört. Seine Mode ist immer laut, farbenreich und lustig. Die Jacke, die ich gerade trage, ist von ihm. Ich mag alles, was gewagte Prints hat. Aber ich liebe Karen Miller. Das würde keiner von mir denken. Aber ich mag den klassischen Schnitt und das Colorblocking der Kleider. Ich liebe auch die Kleider von Elie Saab. Frauen haben so unterschiedliche Stimmungen und Charaktere, die wir gerne spielen. Ich mag es, mit verschiedenen Designern zu spielen, dem Charakter entsprechend, den ich gerade empfinde.

Lass’ uns über deine Musik sprechen, die oft mit der Absicht gemacht wurde, Menschen ihre alten Ideale hinterfragen zu lassen. Wie hast du selbst deine alten Idealen neu definiert und wie sehen sie heute aus?

Ich hatte nie meine eigenen. Sie ist nicht dazu da, um meine eigenen neu zu definieren. Es geht darum, die Ideale der anderen neu zu definieren. Denn Leute sagen mir immer: „Du kannst nicht rappen, weil du nicht so aussiehst!“ Und ich dachte mir, du hast in deinem Kopf ein Ideal davon, wie ein Rapper auszusehen hat oder wie Hip-Hop aussieht. Und ich komme einfach von einem anderen Ort, an dem ich jeden sehe, der so aussieht wie ich, die das auch mögen.

Und ich denke mir, vielleicht ist alles größer als das in deiner Vorstellung. Und ich möchte einfach Leute dazu bringen, das zu hinterfragen und sehen zu lassen, dass es auch anders sein kann. Ich höre Leute oft über Musik oder Kunst sprechen, die sagen: „Oh, Picasso ist kein richtiger Künstler oder Pop Art ist keine echte Kunst. Wie kann ein Label bemalen Kunst sein? Das ist keine Kunst. Renaissance ist echte Kunst oder Soul ist echte Musik oder Blues ist echte Musik. Rap ist keine echte Musik.“

Oder: „Wenn es beim Rap nur darum geht, Spaß zu haben oder zu feiern, und nicht um dein Leben an sich, dann ist es keine echte Musik.“ Und da denke ich mir: Warum ist das eine besser als das andere? Oder wann wird etwas zur Kunst oder was macht etwas zur Musik und was macht es einfach zu Müll? Ich wollte einfach damit experimentieren und versuchen zu zeigen, dass Musik immer noch Spaß und Kunst und genauso gut sein kann.

Also wünscht du dir mehr Toleranz?

Mehr Toleranz, denke ich, und einfach mehr Offenheit gegenüber dem, wie sich etwas entwickeln kann. Denn manchmal denke ich mir, dass du gerade Amerikaner, die sich damit beschäftigen, was in ihrer eigenen Welt oder eigenen Stadt oder in ihrem eigenen Land los ist, vergessen kannst. Denn da ist diese ganze Welt gefüllt mit Menschen, die das gleiche mögen, aber auf eine etwas andere Art. Und du kannst nicht diese Musik oder diese Kultur oder diesen Stil so haben, wie wir ihn oder ihr in Berlin es gewohnt seid.

Und wie kannst du dann sagen: „Du kannst es hören, aber du kannst es nicht selbst machen“? „Es ist dir nicht erlaubt, weil du nicht so wie wir aussiehst.“ Das ist einfach nicht der Fall, wie sich alles entwickelt und ich möchte einfach, dass die Leute sehen, dass es sich entwickelt und alles etwas größer ist, und ich möchte, dass sie in der Lage sind, das für sich selbst zu sehen.

In London hast du einmal dem Publikum deinen blanken Hintern gezeigt. Denkst du daran, dich selbst als Feministin zu bezeichnen?

Ooh, nicht wirklich. Denn für manche Dinge, die ich tue, würden mir Feministinnen in den Hintern treten. Ich möchte immer noch einen Mann, der mir an manchen Abenden sagt: „Koch’ mir etwas, mach mir Essen!“ Ich glaube, manche Frauen wünschen sich immer etwas…

Sicherheit?

Ja, die Sicherheit eines Mannes, der ein Mann ist, und manchmal möchtest du das spüren, auch in meinen persönlichen Beziehungen geht es mir so. Aber was die Gesellschaft denkt oder wie Medien Frauen porträtieren, gefällt mir nicht. Dann fühle ich mich wie eine Feministin und denke mir: „Was zum Teufel? Fick dich!“ Ich möchte das verändern.

Es gefällt mir nicht und mir gefällt nicht, dass Frauen nicht aggressiv sein dürfen oder dieses oder jenes nicht tragen dürfen. Warum muss es Feminismus sein? Die Konnotation zu dem, was in den Medien gezeigt wird, gefällt mir nicht. In diesem Sinne bin ich feministisch, ja, aber in meinem persönlichen Leben und in anderen Bereichen mag ich es immer noch, die traditionelle Rolle weiterzuführen.

Du zeigst dich nicht ganz nackt, aber du zeigst eine Menge Haut. Aber das scheint für dich in Ordnung zu sein. Auf der anderen Seite der Welt versuchen Männer…

Frauen zu sexualisieren und wir wachsen als Mann und als Frau auf mit der uns erklärten Idee, also der Definition davon, welche Art von Sex und Sexualität für Frauen okay ist. Lange Haar sind okay oder jenem Bild eines Magazins zu entsprechen, das ist Sexualität und das ist okay. Und es ist fast so dargestellt wie: „Du hast so zu sein, du schuldest dem Mann, so zu sein.“ Und in jedem Film endet der Mann mit dem gleichen beschissenen Mädchen, weißt du, was ich meine? Und warum muss es so sein?

Ich mag den Inhalt nicht von dem, was dieser Sexappeal ist. Ich denke nicht, dass das stark ist. Wenn du es auf eine Art tust, die ihnen als aggressiv scheint, kommen die ganze Zeit diese Feministinnen und sagen: „Oh, was tut sie da? Aaaah.“ und flippen aus. Nun, fickt euch! Ich denke, dass Frauen in der Lage sein sollten, so sexy zu sein, wie sie möchten, wie auch immer sie es definieren möchten.

Und wir sollten in der Lage sein, unsere eigene Macht zu haben und wir sollten in der Lage sein, es so zu definieren, wie wir darüber denken. Und wir sollten diejenigen sein, die die Bilder so veröffentlichen, wie wir selbst dargestellt werden möchten und nicht auf eine Art, die demütigend ist. Frauen werden zerstört. Sie sagen „Oh nein, sie hat ihren Hinter gezeigt, ooooh, das ist demütigend“.

Es ist so, als ob du dem die Stärke entnimmst und aus dem die Stärke in deine eigenen Hände nimmst. Fickt euch, ich tue es und man kann sich verdammt gut fühlen. Und es ist großartig und das ist das, was ich darüber denke, und woher ich komme. Und ich tue es immer. Es ist Bullshit, dass sie versuchen, dir zu sagen, dass du es nicht kannst. Denn sie haben Angst davor. Und ich tue es immer! Scheiss drauf.

Wie wird Homosexualität im Hip-Hop-Geschäft gehandelt?

Du meinst homophobe Äußerungen? Yeah, ich weiß, was du meinst. In letzter Zeit habe ich mit so vielen Elektro- und Dance-Produzenten gearbeitet und diese Welt ist irgendwie offener und toleranter dem gegenüber, auch die Modewelt. Ich glaube, langsam aber sicher werden Rapper toleranter, aber immer, wenn ich im Studio bin, höre ich „Bring hier keine schwulen Männer her!“ oder „Red’ nicht darüber!“ Es kann sehr hart sein, aber es ist immer wieder dieses Machogehabe. Dieser ganze Scheiss. Sexualität, die sie nicht kontrollieren können, macht sie verrückt. Homosexualität oder wenn Frauen stark sind, all diese Dinge. Viele Männer im Hip Hop sind so.

Hip-Hop ist immer noch patriarchalisch.

Yeah, Ich hasse es. Ich kenne so viele Männer im Business, die Sachen sagen wie: „Aaah, sie kann es nicht!“, oder „Eeh, wir wollen sie nicht.“ Die Wahrheit ist, dass sie mich nicht das tun sehen wollen, weil ich es auf eine Art und Weise tue, die ihnen nicht gefällt. Sie sagen mir: „Warum müssen deine Songs so aggressiv sein? Ich möchte eine Frau nicht solche Sachen sagen hören. Ich möchte, dass eine Frau sexy ist!“

Und ich denke mir immer, es gibt sehr viele Frauen, die diesen Scheiss sexy finden. Sie möchten mich einfach in einer Art und Weise sexy sehen, die ihnen unterwürfig ist. Wenn sie das sexy finden, scheiss drauf! Denn ich tue es nicht, um sexy für jemanden zu sein, ich tue es für Frauen, um etwas zu haben, dass dir das Gefühl „Yeah, fuck yeaaah!“ gibt. Und ich denke, das ist es, was die Leute verwirrt und sagen lässt: „Es ist sexuell.“ Es ist nicht sexuell für Männer. Es ist sexuell, damit Frauen sich stark fühlen. Das ist ein Unterschied. Ich tue es nicht für Männer.

Die Fotografie stammt von Universal Music
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Non Non Biyori: Das Wohlfühlparadies ist ein Anime

Wer in einer Kleinstadt oder gar auf dem Land aufgewachsen ist, der kennt den Drang, den einen Drang: So schnell wie möglich weg von dort, sobald sich auch nur die irrelevanteste Gelegenheit ergibt, ab in die große Stadt, mit den hohen Häusern und den lauten Partys und den billigen Drogen. Oder so....
Non Non Biyori: Das Wohlfühlparadies ist ein Anime

Non Non Biyori

Das Wohlfühlparadies
ist ein Anime

Marcel Winatschek

Wer in einer Kleinstadt oder gar auf dem Land aufgewachsen ist, der kennt den Drang, den einen Drang: So schnell wie möglich weg von dort, sobald sich auch nur die irrelevanteste Gelegenheit ergibt, ab in die große Stadt, mit den hohen Häusern und den lauten Partys und den billigen Drogen. Oder so. Hauptsache: Weg, weg, weg. Alles, nur kein Landei sein.

Und wenn man es dann endlich geschafft und fünf, zehn, vielleicht sogar zwanzig Jahre im Dschungel der Metropole überlebt hat, dann läuft einem plötzlich Non Non Biyori über den Weg und reißt einen wieder zurück. Zurück in eine grüne, klare Welt, in der alles besser zu sein scheint, echter, näher. Eine langsame Welt, die einen bei der Hand nimmt und einem zulächelt.

Die Geschichte ist so öde wie ein ausgedehnter Blick in den Teich. Hotaru geht in die fünfte Klasse und zieht aufgrund des Berufs ihres Vaters von Tokio in das verschlafene Kaff Asahigaoka. Dort trifft sie auf eine sympathische Truppe von noch sympathischeren Mädchen, die unterschiedlicher nicht sein könnten – das war’s, mehr gibt’s nicht zu sehen.

In Non Non Biyori findet ihr keine bombastischen Bösewichter, keine explodierenden Tentakel, keine ominösen Zauberkräfte. Nur die schüchterne Hotaru und die zu kurz gewachsene Komari und die freche Natsumi und die winzige Renge, die so spricht, als hätte sie alle paar Sekunden einen Schlaganfall. Renge ist die Beste – das merkt ihr ziemlich schnell.

Jede einzelne Folge ist so herzzerreissend ruhig und unaufgeregt und idyllisch, im Grunde ist die Serie von Atto ein harmonischer Rückzugsort für alle, die überfordert sind, vom Leben, von der Arbeit, von der Liebe. Nichts liegt euch mehr am Herzen, als für ewig dort zu bleiben und das Jahr in dem Dorf zu verbringen, in dem Kaede von allen nur Candy Store genannt wird und Kazuho ständig einschläft und Suguru nicht viel zu sagen hat.

Es ist so schön dort, dass ihr gleichzeitig schreien und heulen wollt. Wenn ihr euch damals bereits in so grandiose Serien wie Missis Jo und ihre fröhliche Familie, Anne mit den roten Haaren oder Niklaas, ein Junge aus Flandern verliebt habt, dann werdet ihr auch Non Non Biyori zu schätzen wissen, als friedliches Paradies, in dem jeder Tag gut ist. Egal, welche Katastrophe dort draußen auch gerade herrschen mag.

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Modeblogger: Marionetten der Werbeindustrie

Gibt es etwas, das Blogger besser können, als ihre eigene Meinung kund zu tun? Daniel Decker umschreibt es treffend: “Was mich interessiert, blogge ich, auch wenn es keinen interessiert!” Und weil es so Spaß macht, als Blogger auch mal nicht zu gefallen, gibt es Gott sei Dank auch ein paar freche Bu...
Modeblogger: Marionetten der Werbeindustrie

Modeblogger

Marionetten der
Werbeindustrie

Natalie Mayroth

Gibt es etwas, das Blogger besser können, als ihre eigene Meinung kund zu tun? Daniel Decker umschreibt es treffend: “Was mich interessiert, blogge ich, auch wenn es keinen interessiert!” Und weil es so Spaß macht, als Blogger auch mal nicht zu gefallen, gibt es Gott sei Dank auch ein paar freche Buben wie die Dandys, die sich ihre Werbegeschenke wie eine Flasche Schampus in den Allerwertesten schieben.

Diese Haltung vermisse ich jedoch oftmals! Wird die Meinungsvielfalt auch auf Modeblogs langfristig erhalten bleiben, oder ertrinken wir wie alle Hipster irgendwann im kommerziellen Mainstream? Ich mache mir Sorgen um die heranwachsende emanzipierte „Ich blogge für egal was, solange ich Schminke oder Geld bekomme”-Riege.

Schminke kann hierbei optional auch in ein Computerspiel umgewandelt werden. Leuten, denen völlig die Abstraktion von Marketingmaschinerie, eigener Meinung und dem Wunsch nach Aufmerksamkeit und Einfluss, kurz gesagt dem Blogfame, zu Kopf steigt. Was ihr macht, hat durchaus Unterhaltungswert, doch es ist kein Journalismus. Seid euch darüber im Klaren!

Mich nervt dieser Hype um Modeblogger, der vor allem von kleinen Mädchen zelebriert wird. Jeder will nur möglichst bekannt sein, als kleiner Goldfisch mit im Teich der Modehaie schwimmen, kostenlose Geschenke abgreifen und sich selbst darstellen. Dafür wird fleißig Content produziert. Doch eigentlich geht es den meisten nicht um den Inhalt.

Hauptsache, ein Onlineshop ist verlinkt und die Seite wurde für die Google Search optimiert. Wie beliebt dieser kleine Traum ist, zeigen Veranstaltungen wie der “Blogger Bazaar“, die überrannt werden. Einmal Fashion Week mit Modebloggern für Normalos. Eigentlich nett gedacht ist es jedoch lediglich eine Reproduktion des Systems in sich selbst. Firmen versuchen, ihre Produkte zu streuen und Besucher zahlen auch noch Eintritt dafür. Jeder, der gerne Bloggerfeeling schnuppern möchte, kann es hier. Eine Entwicklung, die es kritisch zu beobachten gilt.

Und warum regen sich dann manche Blogger auf, als „Hobbyautoren“ bezeichnet zu werden? Sind Hobbys heutzutage zu uncool, oder was? Die Begriffe „Autor“ und „Journalist“ sind in Deutschland nicht geschützt. Jeder kann sich Redakteur schimpfen, Head of Blog Business Development, whatever.

Gebt euch lustige Tiernamen oder eben Berufsbezeichnungen. Es sei euch auch vergönnt, wenn ihr euch euer eigenes Blogimperium aufbauen und die Miete für euer trendy Büro mit euren besten Freunden aus Werbegeldern speist, aber Journalisten oder Redakteure seid ihr deshalb längst nicht.

Aber was macht sie aus, die wahren Journalisten? Mit Sicherheit eine gute Portion Handwerkszeug, eine gewisse Objektivität und Unbefangenheit, mit der sie an ihre Themen herantreten. Als bloggende Freelance-Studentin tapse ich hier selbst auf sehr dünnem Eis, aber ich finde es traurig, wenn ein Werbefeature mit einem redaktionell aufbereiteten Beitrag vertauscht wird.

Ist hier die Unwissenheit oder die pure Ignoranz schuld? Darf man da nicht einmal fragen, wann ihr lieben Blogger euer Oberstübchen einschalten wollt und einmal darüber nachdenkt, was ihr tagtäglich von euch gebt? Freie Meinungsäußerung: ja. Aber verschont uns mit lieblos getexteter Werbung.

Wenn ihr bloggt, um eure Haltung zu zeigen, dann macht es doch bitte auch und präsentiert nicht nur in Modalpartikeln wie „Ich bin ja ein großer Fan von…“ den liebsten Lippenstift. Hat das, was ihr macht, irgendeinen Mehrwert, außer anderen eure vermeintlich persönlichen Favoriten vorzugaukeln? Für diese Empfehlung steht ihr immerhin mit eurem Namen.

Liebe Autoren da draußen, ja ich meine euch, die ihre Advertorials, von Firmen gesponserte Werbetexte, nicht kennzeichnen und über Dosen mit Tieren, die nach Gummibärchensaft riechen, oder über Töpfchen mit Gesichtspflege berichten. Ihr seid nichts anderes als Werbetexter. Jeder sucht im Web seinen Weg, um mit seinem Talent und seinen Kapazitäten Geld zu verdienen.

Und was gibt es Schöneres, wenn die eigene Meinung Bares wert ist. Doch das Geld, das ihr damit verdient, bekommt ihr nicht wegen der Qualität eures Schreibstils, der Recherche oder dem tieferen Sinn dahinter, es geht lediglich, um die Platzierung eines Produkts. Darauf wäre ich nicht stolz. Es tut mir leid, das zu sagen. Werbetexten hat nichts mit Journalismus zu tun.

Verkauft euch nicht so billig. Viele Journalisten wandern vom Handwerk zur PR über, da sich damit leichter sicheres Geld verdienen lässt, wenn die eigene Familie grüßt und man nach Sicherheit sucht. Das ist keineswegs verwerflich. Es ist legitim, zudem muss gute PR auch gekonnt sein. Und ganz ohne ist dieser Beruf “Journalist” sicherlich auch nicht.

Man steht immer in einem kritischen Licht, vor allem, wenn man auch über die unangenehmen Dinge im Leben berichtet. Es wird gerne über sie geschimpft, und wer verdient mit dem Schreiben (noch) richtig Geld? Vielleicht Magazin- oder Zeitungsredakteure, wenn sie Glück haben und nicht in Berlin angestellt sind.

Als Freier sieht es nicht gut aus. Niemand will wirklich viel für Qualität zahlen und BuzzFeed und Co. sorgen im kostenlosen World Wide Web ganz schön für Furore. Sie teilen freudig euer Motto „Content is King“: lieber eine Überschrift mehr als ein Mal nachdenken. Das schmerzt, denn die persönliche Meinung prägt die Vielfalt.

Doch träumen wir wirklich alle davon, auf Fashion Partys zu rennen, Champagner zu trinken und mit Händen voller Goodie-Bags nach Hause zu stolzieren? 15 Minuten Fame für jeden. Oder sollten wir diese Blase, als das was sie ist, erkennen? Ob ihr Teil davon sein wollt oder doch lieber wieder eure eigene Meinung kund tut, müsst ihr letztendlich selbst entscheiden.

Die Fotografie stammt von Humphrey Muleba
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Familienduell: Die ganze Bagage

Unsere Familie ist quasi der Inbegriff des eigenen Ichs und besteht meist erst einmal aus Mutter, Vater und Kind. Wenn du als Kind die beiden Paarungswütigen deiner Gene im heutigen Zeitalter noch in greifbarer Sichtweite hast, kannst du dich schon mal glücklich schätzen. Ich kann es nicht unbedingt...
Familienduell: Die ganze Bagage

Familienduell

Die ganze
Bagage

Katrin Olszewski

Unsere Familie ist quasi der Inbegriff des eigenen Ichs und besteht meist erst einmal aus Mutter, Vater und Kind. Wenn du als Kind die beiden Paarungswütigen deiner Gene im heutigen Zeitalter noch in greifbarer Sichtweite hast, kannst du dich schon mal glücklich schätzen. Ich kann es nicht unbedingt. Zur Welt kam ich auf dem Teppich. Touchdown. Aber wer tief fällt, will bekanntlich auch hoch hinaus.

Während meine Mutter noch am Esstisch saß und Unmengen an Pilzragout verspeiste, befreite ich mich aus dem viel zu engen Nest, in dem ich einen Streitkampf mit der Nabelschnur führte, die stets versuchte sich schlangenartig um meinen Hals zu winden, sodass ich mein mehr oder minder vorhandenes Inneres kurzerhand in den Unterleib meiner Mutter hätte würgen können. Nicht zu reden von den aromatischen Düften, die in meiner Zone ihr Unwesen trieben. Vielleicht kam daher auch meine Apathie gegenüber Pilzen zustande. Dazu später mehr.

Groß geworden bin ich dann in einem elfstöckigen Neubau a.k.a. „Platte“ und das im wahrscheinlich tiefsten Osten Berlins, so tief, dass ich noch heute auf der Hinfahrt, zum Besuch meiner Mutter, Brotkrumen auf dem Weg streue, um auch Nummer sicher zu gehen, jemals wieder nach Hause in den guten Friedrichshain zu finden.

Nebenher lebte ich bei meiner Tante, Großtante, Kleintante und, natürlich, bei Mutter. Nur einen männlichen Part gab es nicht. Ich habe das nie in Frage gestellt, schließlich war ich erst zarte vier Jahre und hatte genügend weibliche Präsenz und gnadenlose Aufmerksamkeit, die sich auf männlicher Ebener in Zinksoldaten, King-Kong-Filmen und Matchbox-Spielzeugautos aus dem „Konsum“ auszahlte.

Bis eines Tages ein Mann das Haus meiner Tante betrat, mich auf seinen Schoss setzte, seine Brille zurecht schob und mir zwei farbige Malstifte in die Hand legte. Gelb und Blau. Freie deutsche Jugend. Diese Farbkombination hat sich ab diesem Tag in mein Gehirn gebrannt und ich erwische mich immer wieder dabei wie ich passend zu einem gelben Salzstreuer, heimlich einen blauen Pfefferstreuer kaufe. In der Art. Dazu bekam ich damals noch ein kleines Pioniers-Tuch von ihm umgebunden und ab dem Zeitpunkt hatte ich eine neue Aufgabe in meinem durchtriebenen Tagesablauf zu vermerken: Menschen observieren.

Ich folgte dem neuen Objekt „Mann“ auf Tritt und Schritt und lugte unauffällig mit meinem schwarzen, stets fliegenden, ja, auch ohne Wind, Hero-Cape um die Ecke, wenn er meine Mutter küsste, wenn er sich auf den Klodeckel setzte, wenn er sich an- und auszog. Und ich merkte irgendwann, dieser Mann tut meiner Mutter gut. Er machte sie glücklich.

Als ich 16 war, wendete sich das Blatt schlagartig. Teller flogen gegen Wände, vergammelte Joghurt-Becher füllten den Kühlschrank und ein gutgemeintes „Guten Morgen“ mit dem Betreten des Wohnzimmers äußerte sich in einem „Fresse halten, Fernseher läuft.“ Meine Eltern trennten sich und ich mich mit ihnen. „Wir Jungpioniere lieben unsere Eltern“ schallte es im Trommelwirbel dazu in meinem Kopf, als ich die Wohnung mit meinen drei Kisten verließ.

Von nun an wohnte ich in einer Abi-WG mit zwei Jungs aus meiner Stufe und wir hatten unseren Spaß. „Kiffen, Saufen, Scheiße bauen“ – lautete unsere solide Devise. Doch meine Mutter hatte Nachsicht, sie lüftete ein Geheimnis, welches mir den Schlag des Jahrhunderts ins Gesicht versetzen sollte.

Sie erzählte mir von meinem echten Vater. Von meinem Fleisch und Blut. Stereotype 99,9 % hatte der Vaterschaftstest damals ergeben, nachdem er sie geschwängert, betrogen und belogen hatte, um später in Texas ein neues Leben zu beginnen. Das war also mein Vater? Chuck Norris? Nein. Ein (St)ranger – ohne Norris.

Ich wollte Beweise sehen. Fotos. Doch es gab keine und gibt sie bis heute nicht. Meinen Vater habe ich nie gesehen. Ich kann mir an den Zehen und der Nasenspitze ausmalen, worin er mir ähnlich sehen mag, nur eben nicht in natura. Das war bitter und mein Stiefvater war beileibe kein genetischer Ersatz für mich.

Nach jahrelanger Akte-X-Recherche gelangte ich an seine Adresse und schrieb ihm unzählige Briefe, wartete monatelang mit starren Augen auf Antwort vor dem Briefschlitz meiner Tür und irgendwann vergaß ich, worauf ich überhaupt wartete… Und dann kam ein unbekannter Brief. Der Brief einer plötzlichen Schwester, die ich kurz darauf in Berlin zum Essen treffen sollte.

Wie auf einem Blind Date stellten wir uns gegenseitig Fragen, die stets mit einer zur Antwort gehörigen Nebenfrage beantwortet wurden. „Ich hasse Pilze. Und du?“ „Ich auch.“ Jackpot. Sie ist mir ähnlich, fast erschreckend ähnlich. Doch weder wusste ich von ihr, noch sie von mir und trotzdem haben wir ins im Menschendickicht des Planeten Erde gefunden. Auf ganz eigenem Weg und wir wachsen von Tag zu Tag mehr an- und miteinander.

Und selbst wenn ich meinen Vater nie zu Gesicht bekommen werde, so habe ich eine reiche Erkenntnis für mich gewonnen. Ich habe ein Stück Familie. Abso-fucking-lutely. Mutter und Schwester und mehr brauche ich nicht. Dazu muss ein Werner Schulze-Erdel nun auch keine hundert Leute mehr befragen, das Familienduell habe ich bereits gewonnen.

Die Illustration stammt von Icons8
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Terror in Deutschland: Ich habe Angst

Ich bin kein Experte, was Terror und Politik angeht. Ich bin Bürger. Ich bin jung. Noch. Ich würde mich als grundlegend informiert bezeichnen, was die Lage in Deutschland angeht. Ich kann lesen. Und denken. Und ich habe Angst. Ich habe Angst, seitdem man mir sagte, dass immer wieder Anschläge in...
Terror in Deutschland: Ich habe Angst

Terror in Deutschland

Ich habe
Angst

Lena Freud

Ich bin kein Experte, was Terror und Politik angeht. Ich bin Bürger. Ich bin jung. Noch. Ich würde mich als grundlegend informiert bezeichnen, was die Lage in Deutschland angeht. Ich kann lesen. Und denken. Und ich habe Angst.

Ich habe Angst, seitdem man mir sagte, dass immer wieder Anschläge in Deutschland verübt werden. Am Berliner Breitscheidplatz. In Ansbach. In Würzburg. Ich habe Angst, seitdem man mir sagte, ich sollte die Augen offen halten. Ich habe große Angst, seitdem man mir sagte, ich solle bitte nicht in Panik verfallen.

Ich habe Angst, wenn die Menschen, die ich liebe, Flugzeuge besteigen. Ich habe Angst, wenn ich mit der U-Bahn in die Arbeit fahre. In der Innenstadt. Rush Hour. Weihnachtsmarkt. Ich habe plötzlich sogar ein bisschen Angst vor Männern mit Turban. Meine Angst ist völlig irrational.

Ich weiß, dass meine Angst die Macht derer schürt, welche sie auslösen. Vor kurzem habe ich gehört, dass die Angst vor einem selten eintretenden Ereignis unverhältnismäßig hoch ist, wenn die persönlichen Konsequenzen so verheerend sind, wie im Falle von Krieg und Terror.

Und ja, ich habe unverhältnismäßig große Angst, um meine Familie, meine Wohnung, die Menschen, die ich liebe, alles, was ich mir mühsam aufbauen musste. Ich habe Angst um mein Leben. Ich weiß, dass ich statistisch gesehen mehrmals im Leben im Lotto gewinnen werde, bevor ich einem Anschlag zum Opfer falle. Ich kenne die Sicherheitsbestimmungen an den Flughäfen, an denen ich meine Lieben verabschiede.

Ich weiß, dass wir in einigen Jahren vielleicht schon gar nicht mehr über das Thema Terror nachdenken werden. Ich bin nicht dumm. Ich bin nicht begriffsstutzig oder geistig behindert. Und trotzdem habe ich Angst. Ich habe eine scheiß Angst.

Ich bin deutsche Staatsbürgerin. Ich lebe in einem sicheren Land. Meine Mitbürger fühlen sich ebenfalls sicher. Es geht uns gut hier. Meine Generation wächst behütet auf. Wir kennen keinen Krieg, keinen Terror.

Wir wissen wohl, was Krieg bedeutet, wenn wir Nachrichtensprechern und Großeltern zuhören. Aber wir haben ihn nie am eigenen Leib erfahren. Wir können uns nicht einmal annähernd vorstellen, was wäre, wenn man uns den Boden unter den Füßen wegreißt. Und es scheint auch nicht relevant für uns.

Ich schätze, wir haben eine ganze Menge verdammtes Glück gehabt. Aber wie sieht das alles in der aktuellen Situation aus? Was passiert, wenn man uns sagt, Menschen seien auf dem Weg in unser sicheres Land, um Bomben in U-Bahnen, Flugzeugen und Innenstädten zu zünden? Wir stehen nackt und hilflos vor dem Problem. Allein mit unserer Angst. Wie verhalten wir uns jetzt? Und wie verhalten wir uns nach einem Anschlag, der laut Regierung nur eine Frage der Zeit ist? Was würde ich persönlich tun?

Wir wissen es nicht. Woher auch? Aus „Terrorismus für Idioten“? Meine Regierung hier in Deutschland sagt mir, ich solle mir Sorgen machen, aber nicht in Panik verfallen. Die Sicherheitsbestimmungen werden noch weiter in die Höhe geschraubt.

Ich solle „den Behörden von seltsam aussehenden Menschen berichten“, meinte Ehrhart Körting von der SPD, und ruhig ein Auge haben, auf die vielen schlecht integrierten Bürger, die mir Deutschland jetzt zum Terroristenzivilkämpferfraß vorwirft. Ich soll der Speicherung meiner Daten und der verschärften Überwachung zustimmen. Schließlich sind die unter uns. Du könntest auch einer sein.

Die Forderungen vieler Politiker werden immer radikaler. Mich würde das nicht weiter beunruhigen. Ich interessiere mich nicht sonderlich für Politik. Ich befasse mich hin und wieder damit, um beim Smalltalk mit sexy Anzugträgern nicht völlig bescheuert auszusehen. Ich bin nur nicht dumm genug, meine Panik von meiner eigenen Regierung ausnutzen zu lassen.

Wir stehen vor einem Problem. Das ist wahr. Aber wir stehen, scheiß noch mal, nicht vor einer Apokalypse. Ich möchte nicht, dass meine Grundrechte hier und da ein wenig zurechtgeknautscht werden, weil dieses Land angeblich keine anderen Möglichkeiten kennt, meine Sicherheit zu gewährleisten.

Der ehemalige innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Hans-Peter Uhl, wirft mir nun also vor, ich hätte die Lage nicht verstanden, wenn ich mich jetzt noch gegen die Vorratsdatenspeicherung zur Wehr setzte. Ich werfe Herrn Uhl vor, mein Grundgesetz nicht ganz verstanden zu haben.

Ich bin dagegen, dass man meine Angst vor Terror und Krieg schürt und ausnutzt, um meine Grundrechte aus den Angeln zu heben und sie zu verändern, um das Bürgertum besser überwachen zu können. Ich bin nicht paranoid. Das Foto meines Hauses bei Street View ist nicht verpixelt und, offen gestanden, ist es mir scheißegal, ob irgendwer herausfinden könnte, dass ich unverhältnismäßig oft bei Google nach japanischen Lesbenpornos suche.

Es geht mir darum, dass mein Grundgesetz nicht scheibenweise beschnitten werden kann. Ein wenig mehr Überwachung heute, ein paar mehr Einschränkungen morgen? Und was ist übermorgen? Das macht mir Angst. Mehr als jede Terrormeldung es je könnte.

Ich möchte nicht in einem Land leben, in dem man die Panik schürt, vor der man gerade noch gewarnt hat, nur um die eigenen Interessen durchzubringen. Ich möchte nicht von Menschen regiert werden, die in mir Vorurteile gegen Minderheiten aufflammen lassen.

Ich will meiner Regierung ihre nackte Panik nicht an ihren unüberlegten Handlungen ansehen. Ist das zu viel verlangt? Wie gesagt, ich bin weder Terror-, noch Politikexperte, ich kann von daher nur für mich selbst sprechen und meinem unguten Gefühl Ausdruck verleihen, aber, hey, Deutschland, hörst du dir eigentlich noch manchmal selbst beim Reden zu?

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Der Facehunter im Gespräch: Yvan Rodic, liest du deutsche Modeblogs?

Die französische Elle fragte vor einiger Zeit: “Wie wird man in 15 Schritten hipp?” Und antwortete im gleichnamigen Artikel: “Lass’ dich vom Facehunter ablichten!” Der Street-Style-Blog zählt zu den meist besuchten der Welt, zu den Top-Adressen der „Who’s Cool Now List“ des Observers und zu den „Pow...
Der Facehunter im Gespräch: Yvan Rodic, liest du deutsche Modeblogs?

Der Facehunter im Gespräch

Yvan Rodic, liest du deutsche Modeblogs?

Meltem Toprak

Die französische Elle fragte vor einiger Zeit: “Wie wird man in 15 Schritten hipp?” Und antwortete im gleichnamigen Artikel: “Lass’ dich vom Facehunter ablichten!” Der Street-Style-Blog zählt zu den meist besuchten der Welt, zu den Top-Adressen der „Who’s Cool Now List“ des Observers und zu den „Powerbloggern“ der amerikanischen Vogue.

Yvan Rodic reist unter seinem Pseudonym um die Welt und hat es sich zum Ziel gemacht, als Street-Style-Fotograf für Menschen zu fotografieren, die er als besonders empfindet. Geboren in der Schweiz, studierte er zuerst Kommunikation, arbeitete anschließend für Werbeagenturen wie Saatchi & Saatchi, gab seinen Job jedoch auf und kann heute vom Bloggen leben.

Für seine Webseite findet er das Bild vom Menschen ohne die individuelle Geschichte interessanter, denn das Bild ohne Wort sei radikaler. Über 300 Fotos zählt sein erstes Buch, und auch “A Year in the Life of Facehunter“, das Eindrücke aus seinen Lieblingsstädten einfängt, war ein voller Erfolg. Wir durften mit dem kritischen und reflektierten Sonderling des internationalen Modebusiness über den Stil der Kulturen, die Individualität der Deutschen und der Darstellung schöner Menschen sprechen.

Wie und wann hast du mit dem Fotografieren begonnen?

Ich habe schon Fotos gemacht, als ich noch ein kleines Kind war. Von blöden Dingen auf der Straße. Ich habe auch Videos gedreht und gedacht, das sei Kunst. Aber irgendwann hatte ich keine Lust mehr, weil mir das mit einer analogen Kamera zu viel Arbeit war. 2005 habe ich zu Weihnachten eine kleine Kompaktkamera bekommen. Mit der bin ich in Paris dann zu vielen Events gegangen.

Ich begann damit, Bilder von Fremden zu machen, am liebsten Portraits. Als ich die ganzen Fotos dann auf meinem Laptop hatte, dachte ich, daraus könnte ich doch etwas machen. Also teilte ich sie. Paris ist nun mal eine attraktive Stadt. Und es gab viele Menschen, die neugierig auf die Bilder waren. Aber ich hatte keine Ahnung. Das war jetzt keine Geschäftsidee oder so was.

Damals gab’s auch nur wenige Blogger und eigentlich interessierte sich keiner für sie, sie verdienten kein Geld, es gab überhaupt keine Vorteile, keine Einladungen zu irgendwelchen Shows, auch keine Zusammenarbeit mit Marken. 2006 war Bloggen noch kein Job. Man teilte einfach nur seine Sachen. Das war alles.

Wie ist der Pariser Stil?

Der Pariser Stil ist sehr, sehr einfach, würde ich sagen. Ich finde ihn nicht sehr inspirierend. Überall auf der Welt haben die Menschen eine Vorstellung vom Pariser Stil, aber ich denke, es ist ein Erbe, das dabei ist, verloren zu gehen. Es ist wie mit Italien. Die älteren Menschen sind sehr gut gekleidet. Die jüngeren aber verlieren sich im amerikanisierten Mainstream. Mädchen tragen UGGs und Abercrombie & Fitch. Es ist sehr, sehr amerikanisiert und im Allgemeinen vermisse ich einen Sinn für Verführung und Kreativität. Aber es ist eben immer noch Paris.

Menschen aus der ganzen Welt ziehen nach Paris, um dort in der Mode zu arbeiten oder der Stadt wegen. Viele Ausländer dort ziehen sich gut an. Aber ich erinnere mich daran, von schwedischen Mädchen, die dort wohnen, Fotos gemacht zu haben. Und dann kommentierte ein Mädchen, das ebenfalls aus Schweden kam, auf meinem Blog: „Oh mein Gott, die Pariser haben so einen großartigen Stil!“

Aber eigentlich war es ein schwedisches Mädchen, das dort für zwei Monate war. Wenn man sich die Bilder auf den Blogs anschaut, sieht man Bilder von der Paris Fashion Week, aber es ist nicht Paris, es ist eine World Fashion Week. Das ist ein Unterschied. Anna Dello Russo ist ein Fashionclown, es geht dabei nicht um Stil, sondern sie bekommt ihre Outfits für die Show, die sie besuchen wird.

Sie geht zur Show von Dolce & Gabbana, und Dolce & Gabbana gibt ihr ein 10.000-Euro-Kleid, damit sie zur Show geht. Und dann werden Bilder gemacht und anschließend sagen alle, sie hat einen so großartigen Stil, aber sie trägt, was ihr die Marken geben und das ist weit von Stil entfernt.

Aber die Sache ist, dass Magazine Bilder von Bloggern wie mir von der Fashion Week kaufen und unter „French Style“ veröffentlichen, aber auf den Bildern sind russische, englische, amerikanische Redakteure zu sehen. Vielleicht eine Französin.

Genau das hat das Missverständnis verstärkt. Menschen aus der ganzen Welt sehen Bilder der Fashion Week und denken, es sei eine Pariser Version der Straße, aber wenn man auf die Straße geht, ist es nicht das, was man sieht.

Nach drei Jahren in Paris ist das der Grund, warum ich das Gefühl hatte, ich müsse allgemein weiterziehen. Ich war gezwungen, eine neue Stadt auszuprobieren, und nach einigen Besuchen in London, habe ich mich dort niedergelassen, weil dort mehr passiert, es ist weniger charmant, aber es hat mehr Substanz und Kreativität.

Die meiste Zeit deines Lebens hast du bisher in der Schweiz verbracht. Du bist dort geboren und hast dort studiert. Wie definieren die Menschen in der Schweiz die Mode?

Die Schweiz ist im Allgemeinen nicht so sehr an Mode interessiert. Es ist ein Land, in dem sich die Menschen sehr für die Natur und die Berge interessieren. Das stellt einen großen Teil der Schweizer Kultur dar. Jedes Wochenende gehen die Menschen zu den Chalet-Alpen, zum Skifahren, Wandern, Klettern. Während der Woche bemühen sie sich nicht um die Mode. Als Kind war das coolste Teil, das man tragen konnte, eine Snowboardjacke. Es ist in etwa eine Schneeversion der Skateboardkultur. Das ist der Haupteinfluss.

Ein anderer Grund, warum Mode nicht so wichtig ist, ist, dass die Schweizer Kultur sehr zurückhaltend ist. Es geht darum, diskret zu sein, darum, nicht zu sehr zu zeigen, was man denkt. Mode ist ziemlich limitiert, da die Menschen nicht aus der Reihe tanzen wollen. Es ist auch von der Art, wie sie ihr Geld verdienen, abhängig, von der Bildung, dem Fakt, dass sie um die Welt reisen.

Schweizer sind ziemlich bereiste, wohlhabende, und gebildete Menschen, aber irgendwie gehen sie nicht sehr weit, was Mode betrifft. Sie interessieren sich nicht zu sehr dafür. Eher für kommerzielle, einfache Dinge. Wie Autos. Menschen mit Geld interessieren sich offensichtlich für Statusmarken, aber es ist nichts Interessantes.

Das ist so ähnlich wie in Deutschland. Du bist der Ansicht, die Deutschen seien hyperindividuell, aber nicht sehr modeorientiert.

Es gibt die Spannung zwischen Gruppenzugehörigkeit und der Tatsache, dass Leute einen Job haben wollen, ein nettes deutsches Auto, den Urlaub in Spanien oder in der Türkei. Es gibt natürlich auch eine Form von Konformismus, aber im Vergleich zu all den Kulturen, ist in Deutschland die Familie nicht so stark präsent. Der Familiensinn, wie er beispielsweise in der lateinamerikanischen Kultur ausgeprägt ist, nimmt vielen die Freiheit, das zu tun, was sie selbst möchten, da die Familie zufrieden zu stellen ist.

Die Individualität liegt am Land selbst, dem Zweiten Weltkrieg, aber ich denke, dass sich das zum Guten verändert. Wie in anderen Ländern können sie nicht sagen „Ich bin stolz, Deutsch zu sein“, sie müssen individueller sein. Ich denke, es ist individuell, aber das wird nicht notwendigerweise in Mode ausgedrückt, viel mehr im Lebensstil.

Mir haben deine Bilder aus islamischen Ländern sehr gut gefallen, in denen du warst. Kuwait und Istanbul.

Ich liebe Istanbul. Ich war im Juni dort. Es ist unglaublich.

Du hast die Extremen der Stadt Istanbul eingefangen. Ein Mädchen in einer Burka, die nicht einen Teil ihres Körpers zeigt, neben…

…dem westlichen Mädchen. Istanbul ist per se eine vielfältige Stadt. Die Stadt kann nicht eingefangen werden, ohne diese andere Option zu zeigen. Es ist bekannt als Knotenpunkt von Asien und Europa, Moderne und Tradition. Es ist so ziemlich ein untrennbarer Deal, den du annimmst.

Du reist sehr viel. Welches Land hat den besten Stil?

Ich mag den skandinavischen Stil. Es gibt große Städte wie London, New York, die internationalsten und vielfältigsten Orte in vielen Hinsichten. Menschen stehen unter dem Druck, sich zu profilieren, sich abzugrenzen und in gemischter Art, gut auszusehen. Es ist ziemlich interessant, aber es sind viel mehr Pole. Die Gesellschaft mag es eher aufrichtig. Aber es sind nicht Leute, die dorthin gehen, um gut auszusehen.

Schweden ist in der Gegenwart einer der stilsichersten Teile der Welt und in dieser Hinsicht wirklich stark. Schweden ist im frühen 21. Jahrhundert das, was Italien früher war. Du gehst auf die Straße, siehst einen gut angezogenen Mann und denkst dir: „Wow, er hat es!“ Aber heute ist es in Italien so, dass nur ältere Herren gut angezogen sind, die Jüngeren hingegen tragen amerikanisierte geschmacklose Sportswear.

Es ist, wie ich sagte, das Erbe ist ihnen verloren gegangen. In Schweden hat die Masse einen guten Sinn für Stil, nicht unbedingt extravagant, aber sie wissen, wie man es so kombiniert, so dass es cool aussieht. Cheap Monday beispielsweise. Es geht nicht darum, die Marke zu zeigen. Es ist etwas, das du gut aussehen lassen kannst, in deinem eigenen Stil. Es ist irgendwie simpel, aber mit lässigen, zerknitterten Details.

Gibt es eine Person, die du sehr häufig gesehen hast und von dessen Stil du beeindruckt bist?

Viele Menschen. Es gibt viele Menschen, von denen du sicher noch nie gehört hast. Im Internet präsent ist Eleonora Carisi. Sie ist eine Bloggerin und führt einen Laden in Turin. Ein italienisches Mädchen. Sie hat einen coolen Stil, elegant, aber sie hat nicht diesen geschmacklosen, kommerziellen Blogger-Stil. Sie machen alle das Gleiche. Eleonora hat etwas Einzigartiges und Cooles, sie hat Persönlichkeit. Sie hat ein Mal am Mund, eine wunderschöne Brünette.

Street-Style-Fotografen können mit Galeristen verglichen werden. Sie sind diejenigen, die entscheiden, wer interessant genug ist, um gezeigt zu werden. Welche Kriterien müssen erfüllt werden, um das Bild einer Person im Blog auszustellen?

Was mich klicken lässt, ist ein globaler Faktor an Attraktivität. Zu fühlen, dass die Person besonders ist und etwas Eigenes hat, und mir nicht vorkommt wie eine Copy Cat, ein Klon oder jemand, der jemand anderen imitiert. Ich beobachte Menschen permanent, überall. Oft habe ich das Gefühl, dass Menschen sehr gleich sind. Wenn ich jemanden sehe, der positiv ist, Ausstrahlung hat, frisch und einzigartig ist, schön und elegant und der Stil der Person entspricht, klicke ich auf den Button.

Passiert es dir, dass du Menschen kategorisierst?

Nein, nicht wirklich. Ich meine, du kannst nicht kategorisieren, aber ganz einfach etwas über die Person sagen oder erraten, wenn du nicht den Stil, aber den Look der Person siehst. Es ist spannend, zu raten. Aber auf meinem Computer habe ich keine Kategorien für Leute. Ich finde auch Trends sehr langweilig. Das interessiert mich nicht. Trends sind etwas Kommerzielles.

Du nimmst zehn Bilder eines gelben Outfits in eine Datei, zehn in Pink, versendest sie und sagst, es ist ein großer Trend. Aufgrund der Blogs und der Internetkultur haben Menschen Zugriff auf so viele Quellen an Information und jeder ist technisch, virtuell ein Medium. Wir sollten auf jeden zeigen, der existiert und für sich selbst gut aussieht. Es gibt kein Out-of-fashion. Die Idee “Das ist Trend oder das ist kein Trend” ist für mich ziemlich untrendy. Die Ära vor dem Internet, als Magazine noch diktieren “This is hot, this is not hot” ist vorbei. Jeder kann das anziehen, was er möchte, solange es gut an ihm oder ihr selbst aussieht.

Ein außergewöhnlicher Stil setzt eine außergewöhnliche Persönlichkeit voraus. Doch es gibt Menschen, vor allem in Deutschland, die keinen Wert auf ihre Kleidung setzen. Prof. Dr. Allert führt das kulturelle Desinteresse auf den Glauben der Protestanten zurück.

Ja, aber das ist nicht wahr. Schweden beispielsweise sind Protestanten und Anglizismus ist ein Zweig des Protestantismus. Ich habe die Theorie schon einmal gehört, aber sie funktioniert nicht. Es gibt in anderen Ländern Katholiken, die sehr konservativ sind. Aber ich denke nicht, dass Religion diese Dinge erklärt. Wie ich sagte, in Dänemark und Schweden haben sie eine ähnliche Kultur wie in Deutschland, aber sie drücken es so anders aus. Es bedeutet nicht, dass jemand extraordinär sein kann, aber keinen extraordinären Stil hat.

Du kannst ziemlich langweilig sein und ein Kostüm oder etwas Modisches tragen. Aber das wäre dann kein Stil, sondern das, was Anna Dello Russo macht. Für mich hat sie keinen Stil, sie ist ein Clown. Du kannst verrückte Sachen tragen, aber das beweist keine Persönlichkeit. Du kannst etwas ausprobieren, aber das wirst nicht du sein. Manche Menschen sind wunderbar talentiert, oder klug, oder einzigartig und können einfache Sachen tragen. Jede stilvolle Person ist eine tolle Person, aber nicht jede tolle Person hat Stil.

Passiert es manchmal, dass du jemanden sieht, ein Bild machst, aber enttäuscht bist, wenn ihr euch kennenlernt?

Nein, nicht sehr häufig. Eigentlich nicht.

Also bist du sehr bewusst und hast einen guten Sinn?

Meine Intuition basiert auf dem Fakt, dass mir die Person interessant erscheint. Es ist das Gesamtpaket.

Es gibt einen Punkt, in dem Street-Style-Blogs kritisiert werden können. Wie kann man versuchen, es zu umgehen, Menschen als Objekt zu zeigen, statt einem Subjekt? Wie kann man besondere Menschen zeigen, anstatt Models?

Ich versuche das nicht, ich teile es einfach, wie es mir gefällt. Leute können denken, was sie möchten. Wenn Menschen denken, dass ich andere dehumanisiere, können sie das. Aber am Ende suche ich ganz offensichtlich sehr einzigartige Menschen aus. Mein einziges Versprechen bei Facehunter ist es, zu sagen: „Ich werde dir Menschen zeigen, die cool und einzigartig sind und die du nicht jeden Tag um die Ecke siehst!“ und es gibt sehr viele von diesen Menschen auf dem Blog.

Viele Menschen werden auf Street-Style-Blogs wie Models präsentiert. Vor allem auf deutschen Blogs. Es ist schwierig zu sagen, dass diese einzigartig sind, wenn man runter scrollt.

Ich schaue mir deutsche Street-Style-Blogs eigentlich nicht sehr häufig an.

Sind dir auch schon Blogs aufgefallen, die Menschen als Models präsentieren statt Individuen?

Ich meine, die Versuchung ist da. Auch wenn der eigentliche Deal ist, echte Menschen zu zeigen, und genau das wird von Street Style auch erwartet. Am Ende wird der Fotograf in der Situation sein, in der er nach langer Zeit versucht, Traffic zu bekommen und Menschen zu kriegen, die gut aussehen.

Wir sind alle durch eine bestimmte Form von Harmonie getrieben. Vielleicht kann man es Fashionism nennen. Wenn du Leute postest, die hässlich sind, wird es sich niemand ansehen. Es hört sich schrecklich an, aber die Leute geben es einfach nicht zu. Sie möchten echte Menschen sehen, aber jeder möchte eben auch etwas Inspirerendes und Schönes sehen. Auch wenn sie es nicht zugeben, es ist Teil von dem, was sie genießen und von dem sie inspiriert werden. Du kannst es nicht abstreiten. Aber es hängt eben vom Blogger ab, manche gehen weit, in eine modelesque Ästhetik, andere weniger.

Du warst einmal Teil einer Kampagne von Esprit namens “Make Your Wish”, wie kam es dazu?

Ich habe die Kampagne zur Hälfte gemacht. Die andere Hälfte wurde im Studio mit Models geschossen. Dafür war ich nicht zuständig. Ich habe den Teil mit den Nichtmodels gemacht, echten Menschen auf der ganzen Welt, 16 Städte waren es.

An ein Bild aus der Kampagne erinnere ich mich. Ein Mädchen wünscht sich eine großzügigere Welt. Vor dem Plakat sah ich einen Obdachlosen in der Kälte sitzen. Es war symbolisch, sehr ironisch. Mir gefällt die Kampagne, aber von Esprit weiß man auch, dass sie unter unfairen Bedingungen produzieren. Wir tragen alle unfair produzierte Kleidung, es ist Teil der Modewelt, aber…

Aber was? Was wünschst du dir?

Denkst du nicht, dass es sehr ironisch ist?

Sogar bevor der Mensch ein Mensch war, verhielt sich die Natur niemals fair, gleich und ausbalanciert. Das Leben ist oftmals brutal, ungerecht, schwierig und schrecklich und gewaltsam und unverhältnismäßig. Von Frankfurt bis Sydney gibt es Menschen, die an einem Tag mehr verdienen als manche in ihrem ganzen Leben. Und das ist Hardcore. Und einfach Trash.

Und ich mache oft Bilder von Obdachlosen, die vor einer Louis-Vuitton-Boutique sitzen. Es ist verdammt schwierig, dessen bin ich mir bewusst, das ist genau der Grund, warum ich versuche, mein eigenes Ding zu machen. Ich komme aus keinem wohlhabenden Elternhaus, aber ich habe etwas riskiert. Ich hätte den sicheren Weg wählen können, aber ich habe riskiert, mein eigenes Ding zu machen.

Natürlich leben wir in einer komplizierten Welt, in der es starke Kontraste und Ungerechtigkeiten gibt. Ich kann die Welt nicht verändern, aber ich kann versuchen, mein eigenes Ding zu tun, so wie ich es will und vielleicht ein paar Menschen inspirieren, auch etwas selbst auf eigene Faust zu machen. Direkt oder indirekt vertrete und treibe ich eine bestimmte Idee des Lebens und der eigenen Interessen an. Das ist das Einzige, das ich ehrlich und realistisch tun kann, um anderen zu helfen und sie zu inspirieren. Ich kann nicht jeden Obdachlosen auf der Welt finanziell unterstützen.

Das erwartet keiner, das kann auch keiner.

Ich bin mir bewusst, wie die Welt erbaut ist. Aber du musst mit dem leben und am Ende tust du, was du eben tust.

Du hast ein Foto gemacht, auf dem zu lesen ist: “Kapitalismus tötet Liebe”. Glaubst du daran?

Ich habe es fotografiert, weil es zum Nachdenken anregt. Natürlich leben wir in einer sehr, marktorientierten, kommerziellen Welt, in der es kein großes Mysterium mehr gibt. Auf der anderen Seite gab es in alten Zeiten nicht häufig Beziehungen aus Liebe. Die Beziehungen waren arrangierte Ehen zwischen Familien. 16-Jährige wurden von ihren Eltern gezwungen, 40-Jährige zu heiraten.

Das war vor dem Kapitalismus und da gab es eigentlich auch keine Liebe. Menschen neigen dazu, zu glauben, dass die Dinge früher romantischer wären und mehr Liebe da gewesen wäre. Eigentlich sind wir die erste Periode des letzten Jahrzehnts, in dem es üblich ist, den zu heiraten, den wir möchten. Natürlich nicht in jeder Gesellschaft.

Ich war einmal in Kuwait und da kam eine Frau zu mir, als ich gerade beim Essen mit einem anderen Mädchen und einem Typen war. Sie kam zu mir, weil sie mich wieder erkannt hatte. Weil sie weiß, dass ihre Schwester ein Fan ist, hat sie sie angerufen und mir den Hörer gegeben, danach ist sie wieder gegangen. Und da kam plötzlich eine Frau und fragte mich, ob ich dieses Mädchen kennen würde.

„Hey do you know who this girl is? She is kind of pretty!“ „Ich möchte sie meinem Sohn vorschlagen“, sagte sie. Vor 50 oder 100 Jahren waren noch alle Ehen arrangiert. Schon vor dem Kapitalismus. Viele denken, früher sei die Liebe echt und romantisch gewesen.

Heute hingegen sei die Liebe etwas Kommerzielles, es gäbe gar keine Liebe mehr. Aber wenn auch alles kommerziell ist, haben die Leute ein bisschen mehr Macht für sich selbst zu entscheiden. Sie haben auch etwas mehr Freiheit, ihr eigenes Ding zu machen und sich zu verlieben. Es ist also nicht ganz so einfach. Dieser Spruch ist ein großes Klischee und es hört sich intellektuell naiv an. Er ist weder richtig noch falsch. Aber er regt zum Nachdenken an.

Die Fotografie stammt von Thames & Hudson
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Space Dandy: Chaos im Weltall

Wer sich heute durch die schieren Massen an neuen Anime-Serien wühlt, der wird mit alten Klischees, ausgelutschten Ideen und lieblosem Stil nur so zugeworfen, hinfort ist die Magie, die Hingabe, die Seele, überall werden langweilige Kids in Parallelwelten gesogen, kleine Schwestern lassen ihre Unter...
Space Dandy: Chaos im Weltall

Space Dandy

Chaos im
Weltall

Marcel Winatschek

Wer sich heute durch die schieren Massen an neuen Anime-Serien wühlt, der wird mit alten Klischees, ausgelutschten Ideen und lieblosem Stil nur so zugeworfen, hinfort ist die Magie, die Hingabe, die Seele, überall werden langweilige Kids in Parallelwelten gesogen, kleine Schwestern lassen ihre Unterhosen blitzen und nervige Typen denken, sie müssten Randale machen.

Aber es gibt sie doch, die glänzenden Perlen, die reinen Meisterwerke, die sich versteckt als animierte Zeichentrickfilme auf gewissen Webseiten dieser Welt verstecken. Space Dandy ist eines von ihnen, ein auf vielerlei Ebenen funktionierendes Werkzeug, um so viele Emotionen wie möglich abzurufen, und das gekonnt und nie erzwungen.

Im Grunde reisen ein selbstverliebtes Arschloch, eine notgeile Katze und ein depressiver Staubsauger durch die Zukunft, um seltene Aliens zu fangen und sie zu Geld zu machen. Ja, es geht um wippende Brüste und dämliche Oneliner und machthungrige Endgegner, aber im Kern ist Space Dandy, „a dandy guy in space“, gezeichnete Hingabe, an alles, was toll ist.

Fast jede Folge ist eine WTF-Explosion. Und nicht etwa im lustig verrückten Japan-Style, mit Tentakeln und Schulmädchen und LOL-Kawaii-Hä-Momenten. Die Episode Auch Pflanzen sind Lebewesen zum Beispiel ist ein Fiebertraum aus Farben, Formen und Geräuschen, Morgen ist ein neuer Tag beweist sich als sympathische Hommage an Täglich grüßt das Murmeltier und Gefährte auf der Reise durchs All hat noch heute einen Platz tief in meinem Herzen, als gefühlvolle Achterbahnfahrt zwischen aufkeimender Hoffnung, überwältigender Trauer und endloser Einsamkeit.

Auch wenn dem Zuschauer vordergründig die kunterbunten Planeten, die gekochten Nudelsuppen und die intelligenzlosen Zombies nur so um die Ohren fliegen und so manche Geschichte mit dem Ableben der Protagonisten endet, spielt sich im Kopf des Publikums ein Theaterstück der Wenns und Abers ab, die auch unsere heutige Realität beeinflussen könnten.

Was wäre denn passiert, wenn auf unserer Erde ein Komet eingeschlagen wäre, der den Pflanzen ein Bewusstsein, den Wunsch nach Wissen, verschafft hätte? Wie würde eine Umgebung aussehen, in der purer Hass und ewig währender Krieg die letzte Option ist? Und was passiert, wenn alltägliche Maschinen plötzlich Leidenschaft entwickeln und Begierde empfinden?

Space Dandy ist das Prunkstück eines Genres, das jahrzehntelang von generischen Franchises zerfleischt und vom einfältigen Westen verniedlicht wurde. Wunderschön, klug und ideenreich, ohne jedoch überheblich wirken zu wollen, und dabei doch oft so flach, peinlich und witzig, dass man nichts außer purer Liebe empfinden kann. A melty, milky kiss.

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Die Illustration stammt von Bones und Kazé
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Igittigitt auf Instagram: Hört auf, eure Füße zu fotografieren!

Wenn eine Sache nicht gerade zu den Stärken dieser Generation zählt, dann ist es Individualität. Ihr rennt in Massen zu Starbucks, ihr postet in Scharen auf Facebook, ihr hört geschlossen dieselben 08/15-Indie-Bands wie jeder andere auch. Und mit eurem in Tonnen gekauften iPhones macht ihr Fotos von...
Igittigitt auf Instagram: Hört auf, eure Füße zu fotografieren!

Igittigitt auf Instagram

Hört auf, eure Füße
zu fotografieren!

Marcel Winatschek

Wenn eine Sache nicht gerade zu den Stärken dieser Generation zählt, dann ist es Individualität. Ihr rennt in Massen zu Starbucks, ihr postet in Scharen auf Facebook, ihr hört geschlossen dieselben 08/15-Indie-Bands wie jeder andere auch. Und mit eurem in Tonnen gekauften iPhones macht ihr Fotos von den immer selben, langweiligen Sachen.

Erst dachtet ihr, dass jeder unbedingt eure zusammen gepressten Lippen als Profilfoto sehen will. Weil ihr das von irgendwem kopiert habt. Dann seid ihr darauf gekommen, jeden Morgen euer Früchtemüsli abzulichten. Weil ihr das von irgendwem kopiert habt. Und jetzt wird man von nackten Füßen mit Filtern geradezu überschwemmt. Weil… genau.

Da scheint gerade einmal seit wenigen Tagen die Sonne und es wird ein paar Grad wärmer schon haut es bei euch die Persönlichkeitssicherung raus und in euch flimmert nur noch ein Gedanke: Dass ihr unbedingt eure sonst in Nike Air Max gepressten Quadratlatschen auf der Wiese, auf der Bierbank, im See um die Ecke verewigen müsst.

Dabei weiß sogar die amerikanische News-, Meme– und Reddit-Copycat-Seite BuzzFeed, dass Füße fotografieren zu den nervigsten Klischees auf Instagram, Twitter und Facebook überhaupt zählt und es wirklich jedem zum Hals heraushängt, sich durch ein Meer aus bunt lackierten Zehen zu tippen.

Am schlimmsten sind diejenigen von euch, die sich erst stundenlang rasieren und die Nägel lackieren, sich anschließend in ein idyllisches Postkartenmotiv legen und unter dem mit VSCO verhunzten Foto schreiben, wie hässlich sie doch eigentlich ihre Füße finden. Aber dann denken, dass ihre 52 Follower das doch unbedingt sehen wollen.

Die Wahrheit ist: Nein! Niemand will eure Latschen sehen, besonders nicht mehrere Dutzend verschiedene pro Minute, wenn man sich einmal dazu herablässt und gelangweilt durch den Instagram-Feed scrollt. Außer ein paar sehr seltsame Typen – aber die können sich auch auf gewissen billigen Fetischseiten aufgeilen.

Hier ist die Faustregel für jeden von euch, der gerade im Begriff ist, seine nackten Unterteile zu fotografieren: Bist du Selena Gomez? Nein? Bist du Scarlett Johansson? Nein? Bist du Karlie Kloss? Nein? Gut, dann lass‘ es sein! Zurück mit dir an das Frühstücksmüsli, die Sonnenuntergänge und, wenn es denn unbedingt sein muss, dein Gesicht. Oder noch besser: Lass‘ dir mal was Neues einfallen!

Die Fotografie stammt von Heather Morse
Der Text erschien in der Kategorie Leben mit den Themen
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Eine Nacht mit Folgen: Ich habe mit meinem Mitbewohner geschlafen

Eigentlich war Max gar nicht mein Typ. Blond, schlaksig und ein wenig nerdig, wie so ein typischer Informatikstudent eben. Durch seine schwarz umrandete Brille drängten sich zwei smaragdgrün Augen, wenn er lachte, dann grunzte er manchmal etwas. Oft polterte aus seinem Zimmer lauter, dumpfer Tech...
Eine Nacht mit Folgen: Ich habe mit meinem Mitbewohner geschlafen

Eine Nacht mit Folgen

Ich habe mit meinem Mitbewohner geschlafen

Lena Freud

Eigentlich war Max gar nicht mein Typ. Blond, schlaksig und ein wenig nerdig, wie so ein typischer Informatikstudent eben. Durch seine schwarz umrandete Brille drängten sich zwei smaragdgrün Augen, wenn er lachte, dann grunzte er manchmal etwas.

Oft polterte aus seinem Zimmer lauter, dumpfer Techno, während er an der Webseite eines Berliner Startups, das das Tinder für Staubsauger oder so etwas in der Art sein wollte, bastelte. Wäre Max mir auf der Straße entgegen gekommen oder hätte er mich auf einer Party angequatscht, dann hätte ich ihn kaum beachtet. Zu wenig Muskeln, zu wenig Charisma, zu wenig dunkle Haare. Eigentlich war Max gar nicht mein Typ.

Fast ein halbes Jahr lang hatte ich mit Max und Sophie in einer WG in Kreuzberg gewohnt. Sophie studierte Verpackungstechnik im vierten Semester und war selten zu Hause. Oft übernachtete sie bei ihrem Freund, mit dem sie bereits seit der Schulzeit zusammen war.

Sophie war sehr ordentlich. Wenn sie kochte, war das Geschirr danach sofort gewaschen. Wenn sie duschte, wischte sie das Glas mit einem eigenen Schaber trocken. Und wenn sie eine kleine Party veranstaltete, waren die leeren Flaschen und Chipstüten bereits am nächsten Morgen verschwunden.

Meine angeborene chaotische Art vertrugen sich zwar nicht immer reibungslos mit dem Putzfimmel von Sophie und der logischen Mentalität von Max, aber erstens war ich froh, ein Zimmer gefunden zu haben, und zweitens redete ich mir ein, dass die beiden mich in gewissen Dingen zu einem besseren Menschen machten.

Ließ ich früher Pizzaschachteln, Unterwäsche und Sektflaschen kreuz und quer in meinem Zimmer und drumherum liegen, achtete ich nun darauf, nicht allzu negativ aufzufallen. Für Max und Sophie war ich vielleicht so etwas wie eine frische Brise, zumindest redete ich mir das ein.

Das lief auch alles ganz gut, bis ich eines Nachts sturzbetrunken von einer Party bei meiner besten Freundin zurück kam. Leise versuchte ich mich in die Wohnung zu schleichen, was daran scheiterte, dass ich beim Hereinkommen über den Teppich stolperte und so blöd gegen die Garderobe knallte, dass ich die Hälfte der Jacken mitsamt Aufhänger herunterriss.

Sophies sonst übliches Gemeckere blieb allerdings aus, die nächtigte bei ihrem Freund. Stattdessen trat Max aus seinem hell erleuchteten Zimmer. Er hatte ein Stück Pizza in der Hand, auf seinem Computermonitor lief World of Warcraft, aus den Lautsprechern polterte ein nicht enden wollender Beat.

„Alles in Ordnung?“ fragte er kurz, stopfte sich das Pizzastück in den Mund und half mir auf. „Ja, ja, passt schon…“ kicherte ich benommen. „Hast du noch Pizza übrig?“, stotterte ich dann. „Ähm, ja, klar!“ stotterte er zurück.

Ich holte zwei Flaschen Beck’s aus dem Kühlschrank und folgte ihm in sein Zimmer, nur um von einer halben Salamipizza begrüßt zu werden. Wie ein wildes Tier stürzte ich mich auf sie. Max wusste nicht, ob er lächeln oder mich von seiner Pizza stoßen sollte, aber er blieb höflich und schaute zu, wie ich den belegten Brotfladen in mich hinein stopfte. Satt, und vom Bier gleich noch mehr beschwipst, saß ich auf seinem Bett und wir begannen ein wenig zu plaudern.

über meine und seine Eltern, über seine Jugend in Hamburg, über Berlin und die Leute und die Partys und die Uni und warum wir nicht mehr CDU wählen wollen, obwohl wir das beide bei der letzten Wahl getan hatten. Max verwandelte sich vom schlaksigen Nerd in einen Menschen mit außergewöhnlichen Gedanken und emotionalem Tiefgang.

Vielleicht war ich auch einfach nur besoffen und ein wenig notgeil. Und natürlich schliefen wir in dieser Nacht miteinander. Dass mich ein schlecht animiertes und seltsam atmendes 3D-Skelett auf dem Monitor anglotzte, während ich mit heruntergezogener Unterhose vor Max kniete, hätte ich womöglich als schlechtes Omen interpretieren sollen.

Nach dem Sex verabschiedete ich mich in mein Zimmer, nur um am nächsten Morgen auf einen Kater und einen kaum sprechenden Max zu treffen. Er saß beim Frühstück und schmierte sich ein Brötchen, als ich nur mit einem Nachthemd bekleidet in die Küche wankte.

„Guten Morgen!“ begrüßte ich ihn wohl etwas zu laut, es kam nur ein emotionsloses „Moin“ zurück. Er sah nicht so aus, als wolle er Gesellschaft, also goss ich mir ein Glas Milch ein, verschwand wieder in meinem Zimmer und legte mich erneut ins Bett.

„Ihr habt was?!“ schreckte mich einige Stunden später Sophies Gebrüll aus dem Schlaf. Dann Gepolter. Dann ein Klopfen an der Tür. „Du hast mit Max gevögelt?!“ schnauzte sie mich an. Noch halb im Schlaf gab ich nur ein „Ja, und?“ zurück, das Sophie wohl so sehr aufregte, dass sie aus meinem Zimmer in ihres stürmte und die Tür zuknallte.

Es stellte sich heraus, dass Max und Sophie seit einigen Wochen eine Affäre hatten und heimlich vögelten, wenn ich nicht zu Hause war. Und da ich generell schwer von Begriff bin, bekam ich weder vom regelmäßigen Geschlechtsverkehr noch von der Tatsache, dass Sophie sich in Max verliebt hatte und mit dem Gedanken spielte, ihren Freund für ihn zu verlassen, etwas mit.

Während ich mich wie bei Gute Zeiten, schlechte Zeiten fühlte, weigerte Sophie sich ab diesem Morgen auch nur noch ein Wort mit mir zu sprechen. Die nächsten Wochen lebte ich also mit einer mich hassenden Putzfetischistin und einem überforderten Nerd zusammen, bevor es mir zu bunt wurde und ich mir eine neue WG in der Nähe meiner besten Freundin suchte.

Die letzten WhatsApp-Nachrichten, die ich mit Max austauschte, erzählten davon, dass Sophies Freund mit ihr Schluss gemacht hatte und die WG kurz danach aufgelöst wurde, weil herauskam, dass Max gar nichts von Sophie wollte. Außer eben Sex.

Auch heute noch frage ich mich, ob ich schuld daran war, dass diese sich bis dahin eigentlich ganz gut funktionierende WG aufgelöst hatte. Ob ich einfach nicht nach einem Stück Pizza hätte fragen sollen. Oder ob ich meine Hose hätte anlassen sollen, als dieses Computerskelett direkt in meine nicht ganz reine Seele schaute. Aber heute können sowohl ich als auch meine drei neuen Mitbewohner über diese Geschichte lachen, wenn wir sie uns bei einer Salamipzza und der ein oder anderen Flasche Beck’s erzählen. Und zwar immer und immer wieder.

Die Fotografie stammt von We-Vibe
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Verhütet!Sex ohne Kondom geht gar nicht

Es gibt kaum eine Frage von Männern, die mich so sehr aufregt wie: Wie, du nimmst die Pille nicht? Okay, erst mal 'ne relativ normale Frage, doch wenn man genauer draufschaut, steckt da immer auch ein bisschen Und wie willst du dann sichergehen, dass ich dich nicht schwängere? dahinter. Für j...
Verhütet!Sex ohne Kondom geht gar nicht

Verhütet!

Sex ohne Kondom
geht gar nicht

Nadine Kroll

Es gibt kaum eine Frage von Männern, die mich so sehr aufregt wie: „Wie, du nimmst die Pille nicht?“ Okay, erst mal ’ne relativ normale Frage, doch wenn man genauer draufschaut, steckt da immer auch ein bisschen „Und wie willst du dann sichergehen, dass ich dich nicht schwängere?“ dahinter.

Für jemanden wie mich, die häufig wechselnde Geschlechtspartner hat, ist ein Kondom ganz klar ein Muss. Und zwar nicht nur, weil ich mich schützen will, sondern weil ich es auch als wichtig empfinde, den anderen zu schätzen. Dennoch gerade ich selbst mit One-Night-Stands häufig in Diskussionen über das passende Verhütungsmittel.

Dass ich mich weigere, ein Medikament zu schlucken, das vielleicht vor ungewollten Schwangerschaften, aber eben nicht vor Chlamydien, Gonorrhoe, Hepatitis oder HIV schützt, macht mich offenbar zu einer „verantwortungslosen, jungen Frau„.

Und das ist ein Vorwurf, den ich so nicht auf mir sitzen lassen kann und will. Denn ich persönlich halte mich mit meiner sehr bewussten Wahl für Kondome als Verhütungsmittel für verantwortungsvoller als die ganzen Menschen, die aus welchen Gründen auch immer lieber darauf verzichten, sich vor ansteckenden Krankheiten, die im schlimmsten Fall zum Tod führen können, zu schützen.

Die Argumente, die man hört, wenn man auf einen Gummi besteht, sind auch immer wieder schön. Da gibt es die einen, bei dem das Kondom grundsätzlich platzt, weil die Standardgrößen aus dem Supermarkt angeblich zu klein sind, obwohl sie easy über eine riesige Salatgurke passen.

Protipp für die Menschen da draußen, die einen Penis besitzen und vorhaben ihn zu benutzen: Messt euren Schwanz doch einfach mal aus. Und zwar richtig, denn ich kann euch sagen, dass von einhundert Männern vielleicht zwei tatsächlich die berühmt-berüchtigten zwanzig Zentimetern in der Hose haben, und selbst da passen normale Gummis drauf, und führt dann die Kondome, die euch am besten passen und gefallen einfach mit.

Im Internet und selbst in der Drogerie gibt es mittlerweile Probierpackungen in allen Größen, Formen und Farben zu kaufen und die Latexallergie, die angeblich so viele von euch haben, kann mit der richtigen Sorte auch umgangen werden.

Klar steh ich drauf, wenn ein Typ mir eine große Ladung Sperma in die Muschi spritzt und generell ist Sex natürlich schöner ohne Gummi, aber Sex mit Kondom ist wiederum viel schöner als ein Kind und Sex mit ’nem ausgewachsenen Tripper ist nicht so richtig möglich. Zumindest in meiner Vorstellung. Ich hab weder ein Kind, noch hatte ich jemals einen Tripper. Weil ich weiß, mich vor beidem gut zu schützen.

Verhütung scheint generell irgendwie noch immer Frauensache zu sein. „Wenn die Alte nicht schwanger werden will, muss sie sich darum kümmern“, ist ein Satz, den ich persönlich schon viel zu oft gehört habe. Kaum ein Kerl kann alle Verhütungsmittel aufzählen, die existieren.

Für die meisten Männer scheint es genau zwei zu geben: Pille und Kondome. Frauen hingegen können dir meist sogar genauestens sagen, wo der Unterschied zwischen Kupfer- und Hormonspirale besteht, wie man ein Diaphragma korrekt einsetzt und für was die Abkürzung NFP eigentlich steht.

Bis auf Gummis sind bisher ja auch nur Verhütungsmittel auf dem Markt, die von Frauen angewandt werden müssen. Trotzdem kann man auch als Typ wenigstens ein bisschen informiert sein. Wer seinen Schwanz irgendwo reinstecken will, trägt eine genauso große Verantwortung wie die Person, die sich nehmen lässt.

Insbesondere in festen Beziehungen sollte sich der Kerl ein paar Gedanken zu dem Thema machen. Es ist auch da nicht selbstverständlich, dass Kondome einfach weggelassen werden, weil die Frau schon irgendeine andere Verhütungsmethode findet, mit der sie cool ist. Fast alles, was es auf dem Markt so gibt, greift auf die eine oder andere Weise in den Körper einer Frau ein.

Entweder wird der normale Zyklus verhindert, beispielsweise durch die Pille, das Hormonstäbchen oder die Dreimonatsspritze, oder aber die Frau muss sich einer mehr oder weniger aufwändigen Prozedur unterziehen, um sicherzustellen, nicht schwanger zu werden. Diaphragma, Kupferspirale, NFP.

Gemessen an diesem Aufwand, erscheint für mich das Kondom auch in festen, monogamen Beziehungen das Verhütungsmittel, das am wenigsten Achtsamkeit erfordert. Wer sich an dem kurzen Moment, den es braucht, um das Kondom zu öffnen und überzurollen stört, sollte auch keinen Sex haben.

Man darf auch einfach nicht vergessen, dass es sich bei dem Großteil der Verhütungsmittel um verschreibungspflichtige Medikamente handelt. Und das alles hat schon seinen Grund, immerhin greift insbesondere die Pille den weiblichen Körper sehr stark an. Nebenwirkungen können zum Beispiel Krebs sein, eine starke Gewichtszunahme bis hin zu Depressionen.

Trotzdem werden Menschen, die Antidepressiva zu sich nehmen, von außen häufig verurteilt, diejenigen, die die Antibabypille schlucken jedoch für ihre Verantwortlichkeit gefeiert. Die Pille zu schlucken, scheint für einige Frauen so selbstverständlich zu sein, als würden sie ein Stück Schokolade essen.

Dem gegenüber steht beziehungsweise stand zumindest eine lange Zeit die Diskussion über die Pille danach, von der man ja befürchtet hat, Frauen würden sie wie Smarties schlucken, wenn man sie von der Rezeptpflicht befreien würde. Aufklärung gleich null. Dafür aber riesige Panikmache vor einem Medikament, das zwar definitiv kein Verhütungsmittel ist und auch nicht als solches gebraucht werden sollte, aber von seinen Auswirkungen auch den weiblichen Körper auch nicht schlimmer als Dreimonatsspritze oder Pille.

Wenn du als Typ also kein Arschloch sein willst, weder in deiner festen Beziehung, noch bei deinen One-Night-Stands und Affären oder einfach ganz generell Frauen gegenüber, benutzt du beim Sex Kondome oder fängst zumindest einmal an, zu hinterfragen, warum eine Frau nicht wie selbstverständlich auf andere Verhütungsmethoden zurück greifst.

Und wenn du ein schwuler Typ bist, der kein Arschloch sein will, benutzt du am besten auch immer Gummis, bevor du jemandem deinen dreckigen Dödel in den Arsch schiebst. Auch wenn du niemanden schwängern kannst, so besteht doch immer noch die Gefahr, sich eine sehr unangenehme Geschlechtskrankheit einzufangen, aufgrund der man erst mal wochenlang auf Sex verzichten muss.

Die ist bei Homosexuellen rein statistisch gesehen tatsächlich häufiger als bei heterosexuellen Paaren, die keine Kondome benutzen. Einen Gummi überzuziehen, ist jetzt echt kein so großes Problem. Zumindest kein so großes, wie ein stinkender, vor sich hin faulender Schwanz, juckende Eier und ein eitriges, brennendes Arschloch.

Die Fotografie stammt von Dainis Graveris
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Feminine Inspiration: Willst du meine Muse sein?

Mein eigenes Leben teile ich nicht in Altersabschnitte ein. Oder Schulklassen. Oder Jahreszahlen. Das bisherige Dasein des Marcel Winatschek ist geprägt und parzelliert von den Mädchen, denen ich hinterher gelaufen bin. Die mich begeistert haben. Oder verletzt. Weibliche Geschöpfe, Lebens­abschn...
Feminine Inspiration: Willst du meine Muse sein?

Feminine Inspiration

Willst du meine
Muse sein?

Marcel Winatschek

Mein eigenes Leben teile ich nicht in Altersabschnitte ein. Oder Schulklassen. Oder Jahreszahlen. Das bisherige Dasein des Marcel Winatschek ist geprägt und parzelliert von den Mädchen, denen ich hinterher gelaufen bin. Die mich begeistert haben. Oder verletzt.

Weibliche Geschöpfe, Lebens­abschnitts­gefährt­innen, mit denen ich Monate und Jahre verbracht habe, bis sie mir das Herz herausgerissen haben. Oder umgekehrt. Und egal wie heilig oder teuflisch sie letzten Endes auch waren, sie haben mir doch eine Sache bewiesen: Dass ich immer eine Frau an meiner Seite brauche, das mich irgendwie inspiriert oder mir in den Arsch tritt – vollkommen egal, ob wir nun zusammen sind oder nicht.

Ich komme mir manchmal wie ein beschissenes Glückbärchi vor, dessen bunte Glücksstrahlen niemals mehr versiegen und deshalb auf den Nächstbesten gerichtet werden müssen, damit sie nicht ganz umsonst verschossen werden. Liebe deinen Nächsten.

Und habe ich erst einmal ein Vaginawesen getroffen, an dessen Kreativität ich mich parasitieren kann, dann lutsche und sauge ich, bis kein Fitzelchen Muse mehr übrig ist. Welche Musik hörst du? Was für Sneaker trägst du? Welche Serien guckst du? Ach ja, die? Geil.

Manchmal bin ich mir schon gar nicht mehr im Klaren darüber, wie viel meiner verkorksten Persönlichkeit nun wirklich noch ich bin und welche meiner Angewohnheiten, Hobbys und Vorlieben in ihrer früheren Existenz einer meiner zahlreichen Gespielinnen zuteil waren. Schließlich verbinde ich ich mit dem Großteil von Bands, Filmen und Büchern gleich ein Mädchen, deren Gesichter direkt vor mir erscheinen.

Die Schmalztruppe von Muse höre ich nur wegen Ana, keine Frage. Adidas Superstars? Die hat doch auch Chrissy immer getragen. Und diese Eigenart Kassierer grundlos mit verbalen Fäkalien zu bewerfen? Ganz klar Jennys Handschrift. Wie ein roter Faden ziehen sich die Charakteristiken der verflossenen Liebschaften durch meine Vita und lassen mich wohl nie wieder ziehen.

Aber womöglich reagiere ich mit meiner Angst um eine verfälschte Persönlichkeit und dem Drang Mädchen kreativ auszunutzen auch nur über. Schließlich kommt jeder von uns zwar als Original auf die Welt, stirbt aber als Kopie tausend anderer.

Und ist es da nicht viel besser, die inspirierendsten Eigenschaften hübscher Mädchen in sich selbst aufzunehmen und fortzuführen, als sie sich von unpersönlichen Amazon-Listen, falschen Freunden und lieblosen Verwandten vorschlagen lassen zu müssen? Ich sage ja und bin schon auf das nächste weibliche Geschöpf gespannt, an deren Lebensinhalte ich mich Stück für Stück erfreuen kann.

Die Fotografie stammt von Christopher Campbell
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Masturbation: Ich mach’s mir selbst

Genau. Anständige Mädchen besorgen es sich nicht selbst und fassen sich erst recht nicht da an, wo Gott seinen kleinen persönlichen Highfive-Moment of Inspiration erlebte und das rudimentäre Bermudadreieck der Lust schuf. Natürlich nicht. Wie könnten wir auch. Es. Nicht. Tun. So ein Unsinn. Diese wi...
Masturbation: Ich mach’s mir selbst

Masturbation

Ich mach's
mir selbst

Wenke Walter

Genau. Anständige Mädchen besorgen es sich nicht selbst und fassen sich erst recht nicht da an, wo Gott seinen kleinen persönlichen Highfive-Moment of Inspiration erlebte und das rudimentäre Bermudadreieck der Lust schuf. Natürlich nicht. Wie könnten wir auch. Es. Nicht. Tun. So ein Unsinn. Diese widerliche Unwahrheit muss endlich hinfort gerieben werden.

Natürlich beschmutzen wir regelmäßig das weiße Blatt der eingestöhnten Freiheit und nutzen das kostenlose Areal als endlose Fläche, um ambitioniert wie wir nun einmal sind, dem weltweit anerkannten Rubbelsport nachzugehen. Wieso auch nicht? Wir sind schließlich auch nur wilde Tiere. Uns steht kein baumelnder Hüft-Johnny im Weg und unsere zwei mehr oder minder prallen Spitztüten agieren als allgemein gültige Schwanzverlängerung der Frau. Kurz gesagt.

Jungs, wir haben Brüste und wissen sie im egoistischen Sinne einzusetzen. Obwohl ich ganz ehrlich gestehen muss, dass sie nur als supergechillte Laien während des eigentlichen „Ich mach mich geil“-Aktes fungieren. Aber darauf geschissen. Sie hängen mit uns herum und gehören eben zur Familie.

Männer haben ihre pornografischen sich 36 Mal am Tag wiederholenden Déjà-vu-Fantasien mit Ulrikes verhunzten Fetteumeln. Frauen haben sich selbst und frönen dem Ego-Shoot entspannt feucht entgegen. Mit Licht an, mit Licht aus. Hauptsache dabei.

Nun, ich gebe zu, dass es auf Dauer nicht ausreicht, sich einfach auszuziehen, anzufassen und der kahlen Zimmerdecke auf einer perfekt präparierten Welle der selbstgewichsten Geilheit entgegen zu reiten. Wir bauen uns natürlich auch mal eine dreckige Fantasie mit Steven, dem schüchternen Schwanz, als Hauptakteur, Peter, dem jederzeit bereiten Pimmel, als Komparsen oder Nils, dem naiven Newcomer für ein Two-Minute-Man-Game ein. Dem Vorstellungsvermцgen sind eben keine Grenzen gesetzt.

Die talentfreie Titten-Tonja oder Sophie, der straffe Schlitz, kommen ebenfalls nicht zu kurz. Am Ende bumst sowieso das ganze verdammte Team. Jeder schluckt und spritzt und stöhnt sich den August von der Waffel. Alle finden es offiziell gut und rauchen zum krönenden Abschluss ein dickes Gerät auf die tabulose Fickbereitschaft aller – und natürlich den Weltfrieden.

Gott segne die Lust auf die Lust. Ja, jetzt ist es amtlich. Das wurde aber auch Zeit. Ich stehe auf einen verdammten Sechsundzwanziger bestehend aus seelenlosen, unter unheilbarer Legasthenie leidenden Bumsfanatikern und der sympathischen Abwesenheit des gut aussehenden Genitalschiedsrichters Gildo. Voll mein Ding. Im Kopf geht das alles.

Fest steht nur eines. Dass Frauen es selbstverständlich auch im Monomodus mögen. Sie brauchen es oft, gut und schnell. Genau wie Männer. Ob nun in einer Beziehung oder auf der Single-Seite des Lebens. Jeder ist sich manchmal einfach selbst der Nächste und weiß am Besten, wie und wo und wann er es will. Daran ist nichts verkehrt, denn wie kann eine Frau Attraktivität und Sex ausstrahlen, wenn sie nicht einmal weiß, wie sie ihren eigenen Körper bis zur Ekstase stimulieren kann? Eben.

Die Fotografie stammt von Dainis Graveris
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Türkisches Paradies: Ein Stückchen Dekadenz in Didim

Didim ist nicht nur irgendein Urlaubsort, an dem getrunken und gefeiert wird. Denn beim Namen der Stadt beginnend, trägt es Geschichte, die leider im eigenen Land kaum Achtung geschenkt bekommt. Es sind die Deutschen und Franzosen, die das Geld und Interesse haben, um das kulturelle Erbe zu entdecke...
Türkisches Paradies: Ein Stückchen Dekadenz in Didim

Türkisches Paradies

Ein Stückchen
Dekadenz in Didim

Meltem Toprak

Didim ist nicht nur irgendein Urlaubsort, an dem getrunken und gefeiert wird. Denn beim Namen der Stadt beginnend, trägt es Geschichte, die leider im eigenen Land kaum Achtung geschenkt bekommt. Es sind die Deutschen und Franzosen, die das Geld und Interesse haben, um das kulturelle Erbe zu entdecken und erhalten. Archäologen kommen jedes Jahr hierher, um rund um den Apollontempel weiter herum zu graben. Das Orakelheiligtum ist dem „griechischen und römischen Gott des Lichts, des Frühling, der Kunst und der Weissagung“ gewidmet.

Mein erster Halt ist also Didim, eine kleine Stadt zwischen Izmir und Bodrum an der Ägäis, an der ich mich nun seit einigen Wochen aufhalte. Sie ist eine dieser Touristenstrandstädte, die massenweise von Engländern belagert werden, die auf Şemamê Halay tanzen, vielleicht ohne zu ahnen, dass das Wort eigentlich kurdisch ist.

Etwas über die türkische Kultur weiß leider kaum einer der Briten, die 25 Prozent der Einwohner Didims ausmachen. Ein anderer Teil besteht aus in Deutschland lebenden türkischen Arbeitern, meist Aleviten, für die der Besitz eines Ferienhauses möglich ist, da es zum Leben und Urlaubmachen im Vergleich zu Bodrum und Cesme noch günstig ist.

Apropos Cesme, da würde sich Kıvanç Tatlıtuğ eigentlich aufhalten, aber in der Werbung für türkische Fanta erklärt er, warum er dort nicht hingeht. Die Werbung hat funktioniert. Ich trinke Yedigün, obwohl ich nur Coke liebe. Aber keine Pepsi-Cola. Diese Dose, auf dem er verpixelt abgebildet ist, soll also die einzige Annäherung sein, wie sich später herausstellen wird.

Kopftuchträger lockt es hier aber auch gern öfter hin. Die Menschen sind so tolerant und aufgeklärt. Hier schreit keiner auf, wenn er eine dicke Frau mit Kopftuch in einem Raumschiffkostüm aus dem Wasser heraus watscheln sieht. Obwohl sie aussieht wie ein Baywatch-Hottie, an dessen Körper jede einzelne Rundung optimal zu erkennen ist.

Aber während meines Aufenthalts hat ja zum Glück auch schon der Ramadan-Monat angefangen. Das bedeutet, dass viele zurück in die Heimat fahren, um dort zu fasten und an Bayram die Festtage wieder am Meer zu zelebrieren. Während man hier also wenigstens ungestört essen und trinken kann, sieht es im Osten der Türken schon wieder ganz anders aus, wie ich später spüren werde. Denn die meisten Urlauber sind Aleviten, die ihren Glauben sehr liberal ausführen.

Die Küste muss sich, ohne gefragt zu werden, verkaufen, Kultur geht verloren, um Geld zu machen, weil es einfach nicht anders geht. Es entstehen also Subkulturen. In der Nachbarschaft wohnen Engländer, Iren, Deutsche, Amerikaner und Türken aus dem eigenen Land und Deutschland, Frankreich Österreich. Das nenne ich Multi-Kulti.

Meine Freundin Kiana ist Halbjamaikanerin und die Enkelin meiner Nachbarn. Kianas Großeltern sind sehr herzliche Menschen, haben immer ein Englisch-Türkisch-Wörterbuch auf dem Tisch auf der Veranda liegen, wenn ich sie besuchen komme, und grüßen ihre Nachbarn mit einem Merhaba oder Günaydin.

Kiana selbst lebt in Manchester, und geht bald aufs College. Ihre Großeltern aber wohnen schon seit einigen Jahren hier in Didim und genießen wahrlich das gute Wetter, welches übrigens sehr häufig ihre Antwort auf die Frage nach ihrem Wohlbefinden ist.

Rot sind sie auch, und Bier trinken sie auch ganz gern, und ein letztes Vorurteil lässt sich auch noch bestätigen: Sie haben ein Foto von der Hochzeit von Kate und Prinz William in ihrem Wohnzimmer hängen. Ich musste zweimal hinsehen, denn mit meinen anderen englischen Nachbarn, einem jungen Paar aus Liverpool, haben wir noch über das Trara gelacht, das soweit ging, dass man Straßenfeste für die Hochzeit organisiert hatte.

Obwohl ich die britische Insel noch nie betreten habe, lerne ich sie so doch irgendwie kennen, und wie sehr sich die regionalen Kulturen in Deutschland voneinander unterscheiden zeigen mir die zahlreichen Deutschtürken, die hier sind. Und darüber muss ich wirklich lachen, denn im Flugzeug Richtung Türkei las ich im ZEITmagazin noch über bestehende Vorurteile und sie alle haben sich bestätigt.

Die Münchner erzählen mir im Beachclub von Dekadenz und ich lache innerlich, „schnöselig sind sie dem ZEITmagazin zufolge, während sich die Frankfurter, so eingebildet wie sie sind, gegenüber sitzen und kein Wort reden.

Das sind eben die “Versnobten”, die an der Zeil entlang bis hin zur Fressgass stolzieren mit der Nase in der Höhe. Und die Berliner sind so kommunikativ und „ruppig“, dass sie dich einfach ansprechen, wenn sie dich beim Vorbeilaufen nur Deutsch reden hören. Und die aus Nordrhein-Westfalen sind einfach einfach.”

Nerelisin? Woher kommst du, die erste Frage, die der Türke dem Gegenüber stellt. Das fragt man sich erst auf Deutsch, und dann im Laufe des Gespräches auf Türkisch, da uns die deutsche Kultur in erster Linie schon verbindet.

Doch da die kulturellen Unterschiede regional viel unterschiedlicher als in Deutschland sind, möchte man auch immer wissen, woher der Gesprächspartner aus der Türkei kommt. Das heißt eigentlich, woher die Eltern kommen. Die Türken, die in der Türkei leben, nennen wir übrigens Türken-Türken, so wie man uns eben in Deutschland Deutsch-Türken nennt.

Denn was viele nicht wissen: Die Türkei ist ein Vielvölkerstaat, mit Menschen deren Vorfahren aus Bulgarien, Griechenland, Armenien, Iran und Aserbaidschan stammen. Außerdem gibt es Minderheiten wie Zazas, Kurden und Laz. Geht man also an das Schwarze Meer trifft man auf ein Volk mit eigener Sprache, eigenen Sitten und Gebräuchen, während die Menschen an der Ägäis, bekannt für ihren westlichen Lebensstil, vor allem in Izmir weniger traditionell sind.

Damit wir, eine Gruppe junger Deutschtürken, in der Sonne vom Morgen und dem Alkohol der Nacht nicht ganz verdummen, liest einer aus der iPhoneApp “Unnützes Wissen” vor, wir diskutieren über Politik, das Migrationsproblem, Religion und Wissenschaft, die ewigen Aleviten– und Sunniten-Konflikte, und weiteres, aber immer mit der deutschen Fähigkeit zur Kritik.

Morgens Medusa Beach Club, abends Medusa Beach Club. Und wir bezahlen für eine Cola und einem Red Bull unter dem Pseudonym Replay oder Coke ohne Kohlensäure 7,50 Euro, weil es der einzig gute Club in Didim ist. Der Bürgersteig vor diesem „Edelclub“ wird auch dem Vorurteil des schlechten türkischen Bürgersteigs gerecht. Hey, es braucht wirklich keinen deutschen Ingenieur, um zu wissen, dass ein drei Meter hoher Bürgersteig, nicht ergonomisch ist.

Vom Einkaufen und Essengehen rate ich euch hier ab, es sei denn ihr wollt eine Stunde lang von einem türkischen Verkäufer mit britischem Akzent, ohne nie auf der Insel gewesen zu sein, vollgelabert werden oder euch von schlechtem Fast Food ernähren.

Da es hier weder den deutschen Döner, noch ein Ordnungsamt gibt, und ich sehr deutsch bin, esse ich unterwegs das einzige, was vor meinen Augen zubereitet wird: Kumpir, eine große Kartoffel in Alufolie gebacken, die in der Mitte aufgeschnitten, mit Butter gemischt und mit verschiedenen Füllungen wie Oliven, Würstchen, Salat zu einem köstlichen Snack wird, was man hier vor oder nach dem Feiern gerne isst.

Auf dem Basar kaufen wir uns Gemüse und Obst, um zu Hause ein gesundes Mahl zuzubereiten. Da fragt doch ernsthaft eine Frau, die fastet, ob meine Schwester nicht Oliven für sie probieren könne, um zu sagen, welche Sorte die köstlichste ist. Ja, es passieren schon seltsame Dinge, wenn man hier einkaufen geht.

Wenn man hier eine Waschmaschine kauft und Vertragskunde des größten Konkurrenten Vodafones ist, bekommt man mit dem bloßen Senden einer SMS mit dem Inhalt „Avantage“ an die 54542 Rabatt in Höhe von 100 Euro auf ein Elektrogerät.

Und wie klein die Welt wirklich ist, merkt man daran, dass sich sowohl die Kunden im Elektroladen, als auch die in der gegenüberliegenden Bank bei einer Bevölkerungzahl von 75 Millionen als eigentliche Bekannte aus dem winzigen Dorf in Anatolien herausstellen. So was passiert eben nur in der Türkei.

Aber es geschehen auch Dinge zum Nachdenken, wenn man einkaufen geht. Als ich einen Jugendlichen mit blauen Nikes sehe, der einen Holzrad vor sich herschiebt, um Tontüpfe zu verkaufen, blicke ich ihn kurz an und im nächsten Moment sehe ich meine Mutter einen Topf begutachten und kaufen. Mein Vater ruft ihr verärgert zu, dass sie doch schon einen habe.

In dem Augenblick, in dem meine Mutter ihm das Geld gibt, sagt er noch, nein Tante, wenn der Onkel schimpft, nimm es lieber nicht. So viel Verständnis von einem jungen Verkäufer, der sich wahrscheinlich etwas Kleingeld für das Studium verdient. Er ist nicht der Einzige. Viele Menschen reisen aus Anatolien hier her, um zu arbeiten, während andere hier Urlaub machen. Und allein deshalb weiß man es zu schätzen, und merkt sich fürs Leben, dass auch das mal wieder keine Selbstverständlichkeit ist.

Die Fotografie stammt von Caglar Araz
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Digitaler Magerwahn: Bist du noch fett oder schon auf Instagram?

Habt ihr euch in letzter Zeit mal wieder bei Instagram eingeloggt? Falls ja, werdet ihr das Phänomen wahrscheinlich kennen: Man scrollt und scrollt die tausend neuen Posts der letzten drei Stunden runter und hat am Ende das Gefühl, dass alle eh nur ein und das selbe Foto gepostet haben. Wer ist schu...
Digitaler Magerwahn: Bist du noch fett oder schon auf Instagram?

Digitaler Magerwahn

Bist du noch fett oder
schon auf Instagram?

Nina Ponath

Habt ihr euch in letzter Zeit mal wieder bei Instagram eingeloggt? Falls ja, werdet ihr das Phänomen wahrscheinlich kennen: Man scrollt und scrollt die tausend neuen Posts der letzten drei Stunden runter und hat am Ende das Gefühl, dass alle eh nur ein und das selbe Foto gepostet haben. Wer ist schuld daran? #Oatmeal, #RawTill4, #Shredz, #Triangl und #Kayla_Itsines.

Ich weiß gar nicht genau, wann es mir auffiel. Kann sein, dass es erst ein paar Wochen her ist, vielleicht auch schon ganze Monate oder Instagram war einfach von vornherein schon so: ein Sammelbecken für bipolare Leute, die eigentlich völlig geltungsbedürftig sind und am liebsten für irgendwas – egal wofür – berühmt wären, gleichzeitig aber viel zu sehr Mitläufer sind, um was Neues auszuprobieren.

Deswegen halten sie sich lieber an Altbewährtes, wie zum Beispiel vegane Ernährung, Low-Carb, Magersucht, Mode und Fitness-Wahn. Vielleicht ist das der Grund, dass es hier inzwischen nur noch drei Sorten von Leuten gibt: Die Essgestörten, die Triangl-Bitches und die Fitness-Freaks.

Da wäre zunächst einmal der Haufen Essgestörte. Wer bisher dachte, es gäbe nur Bulimie, Anorexie und Binge Eating, der wird bei Instagram eines Besseren belehrt. Unter den Hashtags #RawTill4, #EatClean, #Vegan und #LowCarb findet man eine ganze Palette an bemerkenswerten Ernährungsformen, die jedem Psychotherapeuten in pure Verzückung versetzen würden, beim Gedanken an die Therapie-Stunden, die man den #Igers dafür mal eben aufdrücken könnte.

Wie es sich für echte Essgestörte gehört, finden die Hardcore-Veganer, Kohlenhydrat-Phobiker und Mono-Diätler ihr Essverhalten natürlich total normal und absolut nachahmenswert, weshalb fleißig unappetitliche fettfreie Rezepte voller Chemie geteilt werden. Ein Dauerbrenner, der gar nicht mehr aus der Mode kommen will, ist der Protein-Pancake, in denen künstliches, nach Gummibären riechendes Pulver aus Lysin, Methionin und Molkeeiweiß das böse, böse Mehl ersetzt.

Ein wenig merkwürdig ist es, dass Anhänger der Protein-Pancakes die Dinger so ziemlich jeden Tag auf dem Frühstücksteller liegen haben, nett angerichtet mit Tiefkühl-Erdbeeren und einem Null-Kalorien-Schokoladen-Sirup. Kann natürlich sein, dass manche das ewig gleiche Bild posten, um endlich auch #Shredz, #FitnessGuru und wie sie alle heißen, als Sponsor zu gewinnen.

Die andere Theorie ist: Wie wäre es damit, sich ab und zu mal einen echten Pancake zu gönnen – vielleicht würden dann auch die unerklärlichen Heißhungerattacken nach weiterem Protein-Süßstoff-Pulver-Matsch nachlassen? Das soll jetzt aber nicht heißen, dass die Truppe der essgestörten Instagram-Ökotrophologen ausschließlich Pulver aus Trocken-Eiweiß konsumiert.

Es gibt auch die ganz Natürlichen. Nein, ich spreche nicht von der Paleo-Diät, sondern von den ganzen Mono-Ernährungsformen auf Instagram. Insbesondere #RawTill4, eine Essensphilosophie, bei der bis 16 Uhr nur rohes Obst und Gemüse gegessen werden darf. Vor allem auf braune, matschige Bananen stehen die #RawTill4-Veganer, die gerne mal ‘ne Woche nach „Banana Island“ abtauchen, um so richtig zu entgiften.

Dass man von dieser Ernährung nicht dick wird, leuchtet irgendwie ein – wahrscheinlich leidet man die ganze Zeit abwechselnd unter Durchfall und Blähungen. Dann braucht man die Instagram-Sekte, pardon, -Community natürlich noch viel mehr, weil die Leute im echten Leben die spezielle Geruchsnote nicht mehr ertragen.

Weniger komplex geht es bei den #Triangl-, #OotD- und #HunterBoots-Mitgliedern zu. Hinter den Posts und Bildern zu Neopren-Bikinis und Gummistiefeln werden hier keine Essstörungen versteckt, respektive offengelegt, sondern – ja was eigentlich? Am ehesten lässt sich diese Kategorie der Instagram-Mitglieder wohl so beschreiben, dass sie ganz allgemein nicht so furchtbar vielschichtig zu sein scheint.

Die Truppe #OotD ist nämlich die Sorte Mensch, die man sonst ganz gern bei Abercrombie oder Hollister im Laden findet: Leute, die zumindest selbst daran glauben, dass sie das Zeug zum Promi haben und irgendwann, irgendwie noch entdeckt werden, weil in ihnen etwas Besonderes steckt. Tja, und bis dahin stecken sie sich halt selbst in etwas gar nicht Besonderes, in Triangl-Bikins oder Hunter-Gummistiefel zum Beispiel.

Das soll ganz klar das Ziel, so schnell wie möglich entdeckt zu werden, weiter voranbringen – am besten natürlich von irgendeinem #Triangl-Marketing-Manager, der Modell „Winnie“ an einem so überragend schön findet, dass man vom Fleck weg als Model engagiert wird. Dass man unter dem Hashtag #Triangl mit rund 99.000 Leuten konkurriert, die die selbe Idee hatten, macht die Sache etwas schwierig, aber drauf geschissen. Erhöht man seine Reichweite halt, indem man auch im Winter zwei bis drei Mal die Woche #Triangl-Bilder aus dem letzten Sommer repostet.

Da ist die letzte Kategorie der Instagrammers wenigstens ein bisschen ambitionierter. Mitglieder, die sich unter #Fitspiration, #Lifting und #Fitstagram offiziell dem Fitness-Wahn verschrieben haben, leisten wenigstens sport-technisch etwas: Jede Menge Squats, Planks und Burpees, das alles high intensive und natürlich für den #SummerBody.

So richtig kreativ sind sie dabei allerdings auch nicht – müssen sie ja aber auch gar nicht sein, denn es gibt ja schon ein großes Vorbild, an das man sich ranheften kann: Kayla Itsines. Die australische Fitness-Trainerin, die unter ihrem #BikiniBodyGuide über 100.000 Fotos findet, spornt die Instagram-Fitness-Sekte immer wieder zu Bildern ihrer #Transformation und dem #Progress an.

Wobei ‘Transformation’ und ‘Progress’ hier so viel bedeuten, dass normalgewichtige Leute nach nur drei Monaten aussehen wie wandelnde Leichen, bei denen Sehnen und Venen aus den unmöglichsten Körperstellen hervortreten. Schön ist das zwar nicht, dafür bringt es einem mit ein bisschen Glück jede Menge neue Follower und Instafame: Die kränksten, pardon, beeindruckendsten Verwandlungen aus #KaylasArmy und dem #KaylaMovement werden nämlich in regelmäßigen Abständen von Kayla gepostet.

Kayla selbst hat übrigens alles richtig gemacht. Auf ihrem Profil sind gefühlte 100 Bilder von ihr in einem #Triangl-Bikini zu finden, auf jedem zweiten Bild finden sich entweder Proteinwaffeln oder ein garantiert cleanes Essen, bestehend aus rein organischen Zutaten wie Chia-Samen, Obst und Mandelmilch. Und ansonsten gibt es jede Menge Bilder und Videos zu Squats, Burpees und Co.

Jetzt denkt ihr vielleicht, ihr könnt das auch. Wenn die Frau es geschafft hat, mit diesem banalen Zeug berühmt zu werden, dass ja jeder postet, warum solltet ihr das nicht schaffen? Ihr postet also stolz eure Gammel-Bananen-und-Bikini-Bilder, tagged euch im Fitnessstudio mit #Transformation und euch sind die Likes der Instagram-Mitglieder sicher, die schon auf den selben Zug aufgesprungen sind.

Glückwunsch, damit habt ihr es geschafft, dass die Artenvielfalt bei Instagram weiter ausstirbt und man die Welt hier nicht „mit den Augen anderer“, sondern mit denen des ewig gleichen Stereotypen sieht. Dessen Bilder man nur pflichtbewusst liked, weil man selbst genau das Gleiche gepostet hat. Inspiration sieht anders aus.

Die Fotografie stammt von Max Libertine
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Cowboy Bebop: Kopfgeldjäger im Weltall

Das Tolle daran, wenn man krank ist, ist die Tatsache, dass man alte Serien am Stück gucken kann, ohne ein schlechtes Gewissen dabei haben zu müssen. Du bist nicht produktiv, sondern pfeifst dir ein Grippostad C nach dem anderen rein, steckst den Pizzaboten mit deinen Viren an, drückst auf Play, es...
Cowboy Bebop: Kopfgeldjäger im Weltall

Cowboy Bebop

Kopfgeldjäger
im Weltall

Marcel Winatschek

Das Tolle daran, wenn man krank ist, ist die Tatsache, dass man alte Serien am Stück gucken kann, ohne ein schlechtes Gewissen dabei haben zu müssen. Du bist nicht produktiv, sondern pfeifst dir ein Grippostad C nach dem anderen rein, steckst den Pizzaboten mit deinen Viren an, drückst auf Play, es geht los, alles ist gut. Du legst dich hin und tauchst ein in eine ferne Welt.

Auf meinem Trip zwischen Husten, Kopfschmerzen und Müdigkeitsanfällen begleitet mich gerade ein alter Freund. Cowboy Bebop. Natürlich auf Japanisch mit deutschen Untertiteln, damit ich auch etwas dabei lerne. Jedenfalls so viel wie möglich. Es erinnert mich an damals, als Anime noch auf MTV und VIVA liefen. Als wir noch MTV und VIVA geguckt haben. Als diese Sender noch eine Rolle in der Jugendkultur spielten.

Wir schreiben das Jahr 2071. Die Zukunft ist jetzt. Aus ihrem irdischen Garten Eden vertrieben, wählte die Menschheit den Rand des Universums als endgültige Grenze. Mit dem abschnittsweisen Zusammenbruch der früheren Nationen betrat ein gemischtes Durcheinander von Rassen und Völkern die Bühnen dieser Welten.

Sie breiteten sich zu den Sternen aus und nahmen die von der Menschheitsgeschichte über Jahrtausende gesponnenen Konzepte von Freiheit, Gewalt, Illegalität und Liebe mit, wo neue Regeln und eine neue Generation von Gesetzlosen entstanden. Die Menschen nannten sie Cowboys.

Die Geschichte muss ich niemandem mehr erzählen. Lernt Spike und Jet kennen, einen Herumtreiber und einen Cyborg-Cop im Ruhestand, die sich gemeinsam zu einer Kopfgeldjagd zusammen geschlossen haben. In dem umgebauten Schiff The Bebop durchsuchen Spike und Jet die Galaxie nach Kriminellen, auf die, warum auch immer, ein Kopfgeld ausgesetzt ist.

Dabei treffen sie auf viele interessante Charaktere, darunter den ungewöhnlich intelligenten Hund Ein, die verkorkste Hackerin Ed und die sowohl sinnliche als auch nervtötende Faye Valentine, eine vollkommene Femme fatale mit Reizen und Fehlern. Der Mond ist durch einen Unfall zerbrochen und hat weite Teile der Erde unbewohnbar gemacht, alles ist kalt, dreckig, depressiv.

Jetzt, mit viel weniger Skrupeln als der Rest ihrer in alle Winde verteilten Spezies, findet sich die bunt zusammengewürfelte Bande oft ohne Geld und folglich ohne Essen auf ihren Tellern wieder – einen Status, den sie tunlichst und schnellstens wieder ändern wollen. Also geht es auf ins nächste Abenteuer. Und wenn sie in das Kreuzfeuer eines Mafia-Großkampfes geraten, überdenken sie vielleicht alle die Entscheidungen, die sie bisher in ihrem Leben getroffen haben.

Einen Hoffnungsschimmer gibt es nur selten. Und wenn, dann verblasst er irgendwo hinter den durch den Raum schwebenden Metalltrümmern, den Geschichten vom Krieg, der unerfüllten Liebe, der Habgier der anderen. Die Wirkung der diversen Medikamente trägt nicht unbedingt dazu bei, dass man die Erlebnisse der episodenhaften Abenteuer so kühl erlebt, wie sie womöglich eigentlich gedacht sind.

Cowboy Bebop ist ein fast schon vergessener Schatz. Ein Relikt, das durch die wahnsinnig gute Musik von Yoko Kanno, deren gesammelte Werke ich für immer und ewig hören könnte, und einer direkt ins Herz gehenden Truppe an unterschiedlichsten Charakteren zur Legende wird. Ich möchte mit Ed eine Partie Schach spielen, ich möchte mit Ein auf einer grünen Wiese herum tollen, ich möchte Faye unter den Tisch trinken.

Immer wenn “The Real Folk Blues” von den Seatbelts einsetzt und ich durch Apothekenutensilien schon fast in andere Sphären versetzt bin, dann bin ich glücklich und mir läuft eine Träne über die Wange. Weil ich dabei war, als Spike und Vicious die Kirche in Schutt und Asche legten, als Roco auf der Venus starb, als das Innenleben des Bebop-Kühlschranks Jagd auf Jet und seine Freunde machte.

Dass Cowboy Bebop, erstmals im Jahr 1998 ausgestrahlt, ein absoluter Fanliebling ist, versteht sich von selbst. Der Anime ist ein Meisterwerk des Geschichtenerzählens, der Ideen, des Designs, der von Yoko Kanno komponierten Musik und der Produktion auf allen erdenklichen Ebenen.

Cowboy Bebop ist einzigartig. Er taucht regelmäßig in den Top-Ten-Listen der Anime-Juwelen auf und steht manchmal sogar an der Spitze eben dieser – und zwar vollkommen zurecht. Es ist leicht zu verstehen, warum: Er hat alles und noch viel mehr. Wenn ihr euch in diesem Jahr auch nur einen einzigen Anime sehen wollt, dann ist Cowboy Bebop zweifellos derjenige, in den ihr noch heute eintauchen solltet.

Das Tolle daran, wenn man krank ist, ist die Tatsache, dass man alte Serien am Stück gucken kann, ohne ein schlechtes Gewissen dabei haben zu müssen. Du bist nicht produktiv, sondern pfeifst dir ein Grippostad C nach dem anderen rein, steckst den Pizzaboten mit deinen Viren an, drückst auf Play, es geht los, alles ist gut. Du legst dich hin und tauchst ein in eine ferne Welt.

Cowboy Bebop: Kopfgeldjäger im Weltall
Die Illustration stammt von Sunrise
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Der Musiker im Gespräch: Mikky Ekko, wie sehr magst du Rihanna?

Wir leben nicht nur in einer Zeit, die uns vorgibt, in der Vergangenheit zu leben, sondern auch in einer Zeit, in der wir wie kleine Kinder das Übernatürliche beschwören. Eine dieser Serien, die jene Sehnsüchte spiegeln, war Teen Wolf, die in den USA auf MTV ausgestrahlt wurde. Den Song zum Vorspann...
Der Musiker im Gespräch: Mikky Ekko, wie sehr magst du Rihanna?

Der Musiker im Gespräch

Mikky Ekko, wie sehr
magst du Rihanna?

Meltem Toprak

Wir leben nicht nur in einer Zeit, die uns vorgibt, in der Vergangenheit zu leben, sondern auch in einer Zeit, in der wir wie kleine Kinder das Übernatürliche beschwören. Eine dieser Serien, die jene Sehnsüchte spiegeln, war Teen Wolf, die in den USA auf MTV ausgestrahlt wurde. Den Song zum Vorspann Who Are You, Really? hat der amerikanische Künstler Mikky Ekko geschrieben. Mit dieser Frage hat er sich Jahre später selbst konfrontiert, nachdem er als Sohn eines Predigers mit seinem Vater durch den tiefen Süden Amerikas gereist ist, umgeben von Gospelmusik und Armut.

Um seinen ganz persönlichen Traum zu leben, ließ Mikky sich in Nashville nieder, bis der Produzent Clams Casino, der schon mit A$AP Rocky zusammen gearbeitet hat, auf ihn zu kam. Entstanden ist aus der gemeinsamen Arbeit Mikkys Debütsingle “Pull Me Down”. Der internationale Durchbruch gelang ihm mit dem Song “Stay”, den er gemeinsam mit Rihanna bei den Grammys performte.

Fangen wir gleich mit den Zeilen aus deinem Song an: „Who are you really, Mikky Ekko? And where are you going?“

Ich bin auf einer Reise der ständigen Verbesserung. Ich baue etwas auf, breche zusammen und baue wieder. Im Moment werde ich in viele Richtungen gezogen, die ich nicht zählen kann. Es scheint mir, dass Fokussieren und Prioritäten setzen zum wichtigsten Teil meines menschlichen Wachstums geworden ist. Damit verbessert sich die Kunst auch in einem relativen Verhältnis.

Was muss man als Kind der Wilden, wie es in deinem Song “We Must Be Killers” heißt, denn faken?

Menschsein. Liebe zeigen. Liebe ist ein merkwürdiger Organismus, der meistens mehr von mir verlangt als ich geben möchte, aber aus gutem Grund. Echte Liebe erfordert puren Einsatz und Arbeit. Ich bin nicht gut darin, aber ich bin mir bewusst, wann ich nicht alles gebe, das ich habe.

Es ist der Titel des Songs, der im Vorspann der amerikanischen Serie “Teen Wolf” läuft. Glaubst du an das Übernatürliche?

In meinen Augen ist das Leben so übernatürlich wie ich es selbst zulasse. Mein Problem ist meist meine eigene Natur. Ich versuche besser in dem zu sein, was ich bin und weniger Zeit, damit zu verbringen, wer das überhaupt ist.

Als du jung warst, bist du mit deinem Vater durch Louisiana, Mississippi, und den Rest des tiefen Südens gereist. Was hast du da erlebt, vor allem als Sohn eines Predigers?

Meine Mutter und mein Vater haben uns immer beigebracht, eigenständig zu denken. Als Familie standen wir uns alle immer sehr nahe, auch wenn wir nicht in allem die selbe Meinung haben. Schon von klein auf habe ich gelernt, jede individuelle Meinung zu respektieren. Ich habe auch zu reflektieren gelernt. Zurzeit wird den Menschen so viel passive Information aufgezwungen, dass ich selbst gar nicht weiß, wie jeder die Zeit zum Reflektieren finden soll. Es wird schon zur echten Kunst, wenn sich der Raum von Technik und sozialen Netzwerken so ausdehnt.

Wie hat sich das angefühlt, als Clams Casino dich gefragt hat, ob ihr zusammen arbeiten wollt? Der Produzent von “I’m God” muss ein ziemlich interessanter Typ sein.

Clams ist ein guter Freund geworden. Ich war definitiv begeistert vom Gedanken, mit ihm abzuhängen. Weißt du, ich habe seinen Sound schon immer geliebt. Wenn man so eine Sache angeht, muss man aber von Erwartungen loslassen. Wir haben das beide gemacht und uns kennengelernt. Zum Glück hat es geklappt. Für mich ist es sinnvoller, am Anfang alles einfach und persönlich zu halten. Wenn das klappt, entsteht daraus auch Kunst. Manchmal muss man sich selbst auch zwingen, zu wachsen und Kunst zu schaffen. Aber unsere Zusammenarbeit war definitiv nicht so. Zum Glück! Clams und ich tauschen uns immer noch sehr oft aus.

Denkst du, dass Kanye den Titel für sein Album gestohlen hat? Oder leidet jeder Künstler unter Größenwahn und glaubt, Gott zu sein?

Ich denke, dass jeder Mensch fähig ist, so zu fühlen. Ich kann mir vorstellen, dass wir als Künstler weniger zurückhaltend sind, wenn es darum geht, das auszudrücken. Ha! Ich würde aber niemals für Kanye sprechen. Er ist in seinem eigenen Gebiet. Ich hoffe nur, dass Menschen, die so großen Einfluss haben, Freunde haben, von denen sie wirklich geliebt werden. Diese Art der Darstellung scheint mir echt sehr wild. Ich kann nicht einmal beginnen, mir das vorzustellen.

Und was ist mit dir? Wie sieht deine eigene Quelle für deine Songs aus?

Ich werde bohren, bis die Quelle trocken ist. Dann werde ich weitermachen. Hoffentlich verschwende ich nicht das Wasser, das ich bekomme.

Du hast einmal Folgendes getwittert: „This world is unreal like a snake in a rope.“ Was meinst du damit?

Mein guter Freund Damian Taylor war in der Stadt. Er hat mir das Label Sublime Frequencies gezeigt. Das Label hat so viel interessante Musik! Ich bin gerade dabei, mich weiter zu bewegen, daher überlege ich gerade, wohin ich es hinschicken werde. Schaut es euch an, wenn ihr Lust habt.

Für dich als Künstler muss sich das das, was gerade passiert, unwirklich anfühlen. Mit Rihanna zusammen hast du den Song “Stay” bei den Grammys performed. Wie kam es zu der Zusammenarbeit?

Ich bin immer noch nicht sicher, wie Rihanna den Song entdeckt hat. Ich habe den Song anfangs für meine Aufnahmen gemacht. Wir hatten den Song ein paar Produzenten zugeschickt, aber eines Tages einen Anruf bekommen. Rihanna wolle den Song für ihre Aufnahmen. Ich habe einfach aufgelegt, weil ich davon ausgegangen bin, dass ich reingelegt wurde. Das Telefon hat wieder geklingelt und ich hörte nur “Nein, ernsthaft, setz’ dich hin! Wir müssen darüber reden.” Hier sind wir nun, nach ein paar wilden Monaten.

Was für eine Frau ist Rihanna? Erkläre sie in den Worten eines Poeten, aber, bitte, über – oder untertreibe nicht. Sei einfach ehrlich!

In der kurzen Zeit, in der ich ihr nahe war, ist das mein Eindruck: Rihanna scheint die Stärke jeder Frau zu besitzen und den Antrieb aller Frauen. Ihre Präsenz ist einfach, komplex und zwingend wie eine junge Königin eines derben Romans. Die meisten Erinnerungen drehen sich um die Proben für die größte Show meines Lebens, also ist es möglich, dass meine Gedanken woanders waren, haha. Aber das war mein erster Eindruck.

Du hörst sehr unterschiedliche Musik. Von den Shrines bis Kendrick Lamar ist alles dabei. Wäre Kendrick auch ein möglicher Duettpartner? Was gefällt dir persönlich an dieser Art von Hip Hop und Rap?

Jeder liebt Kendrick. Ich denke, es ist Ehrlichkeit, was die Leute anzieht. Sein Schreibstil ist ein einziger Hybrid aus Neuem, Alten, Einfachen und Komplexem. Ich würde gerne ein Publikum anziehen, das sich auf ähnliche Art zu mir angezogen fühlt. Die besten Künstler sind immer die vergrößerte Version von sich selbst, nicht wahr? Ich denke, dass das alle Kunstmedien einschließt. Ich bin in dieser Debatte trotzdem ein Sucker. Auch wenn ich falsch liege. Für mich ist es gut, aus meiner eigenen bequemen Zone raus zu kommen.

Was können wir von dir in Zukunft erwarten? Was ist dein Traum?

Ich hoffe, dass ich einen neuen Platz für Menschen schaffen kann, der meine Träume widerspiegelt. Ich möchte erklären, was ich weiß, in der Hoffnung, dass Leute die Fehler vermeiden, die ich selbst begangen habe. Es ist der einzige Traum, den ich habe. Ich lebe in diesem Traum jeden Tag, wenn ich aufstehe. Sonst würde ich verschlafen.

Die Fotografie stammt von Naj Jamaï
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Alaina Castillo: Eine junge Frau mit Ambitionen

Durch ihren impressionistischen und gefühlsbetonten Zugang zu zeitgenössischem R&B und Pop drückt Alaina Castillo das breite Spektrum der komplizierten Emotionen aus, die das moderne Leben in seiner jetzigen Form ausmachen und spiegelt die einzigartige Perspektive ihrer Generation wider. Oder anders...
Alaina Castillo: Eine junge Frau mit Ambitionen

Alaina Castillo

Eine junge Frau
mit Ambitionen

Annika Lorenz

Durch ihren impressionistischen und gefühlsbetonten Zugang zu zeitgenössischem R&B und Pop drückt Alaina Castillo das breite Spektrum der komplizierten Emotionen aus, die das moderne Leben in seiner jetzigen Form ausmachen und spiegelt die einzigartige Perspektive ihrer Generation wider. Oder anders ausgedrückt: Sie ist jung, schön und will jetzt endlich ein Superstar werden. Denn sie hat es sich verdient.

Die in Houston aufgewachsene und in Los Angeles lebende Künstlerin entdeckte ihre eigenen musikalischen Ambitionen erst, nachdem sie dem Chor ihrer örtlichen Kirche beigetreten war: „Mir wurde klar, dass es mir wirklich Spaß machte, zu üben und auf die Bühne zu gehen, und dass das Endergebnis etwas Erstaunliches und Schönes ist.

Alainas religiöse Erziehung bedeutete zunächst, dass ihre popkulturelle Ernährung sehr begrenzt war. Nachdem ihre Eltern sie mit einer Diät aus Kirchenmusik und klassischem Pop, von den Beach Boys über Elvis Presley bis hin zu Whitney Houston, wurde sie zu einer Frau mit Ambitionen, nachdem sie Usher im Radio gehört hatte. Er hat ihr den Weg gezeigt, den sie nun konsequent gehen möchte, bis sie ein Superstar ist. Denn sie hat es sich verdient.

Alaina Castillo: Eine junge Frau mit Ambitionen Alaina Castillo: Eine junge Frau mit Ambitionen Alaina Castillo: Eine junge Frau mit Ambitionen Alaina Castillo: Eine junge Frau mit Ambitionen Alaina Castillo: Eine junge Frau mit Ambitionen
Die Fotografie stammt von Chris Shelley
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Ein Tag in Kyoto: Japans magischste Stadt

Kyoto ist ein wahrhaft magischer Ort, das spürt man an jeder Ecke, auf jeder Straße, über jeder Brücke. Wer die alte Kaiserstadt betritt, wird mit jedem Schritt in eine andere Zeit versetzt. Moderne Manga-Läden grenzen an alte, kleine Kneipen und Restaurants. Wunderschöne Geishas schweben durch hell...
Ein Tag in Kyoto: Japans magischste Stadt

Ein Tag in Kyoto

Japans magischste
Stadt

Annika Lorenz

Kyoto ist ein wahrhaft magischer Ort, das spürt man an jeder Ecke, auf jeder Straße, über jeder Brücke. Wer die alte Kaiserstadt betritt, wird mit jedem Schritt in eine andere Zeit versetzt. Moderne Manga-Läden grenzen an alte, kleine Kneipen und Restaurants. Wunderschöne Geishas schweben durch hell blinkende Einkaufszentren. Traditionelle Tempel thronen über schicken Wolkenkratzern.

Die Metropole, die von 794 bis 1868 Sitz des kaiserlichen japanischen Hofes war, liegt etwa 400 Kilometer südwestlich von Tokio im zentralen Westen der japanischen Hauptinsel Honshu, etwa zehn Kilometer südwestlich des Biwa-Sees und etwa 40 Kilometer von Osaka entfernt.

Nach der klassischen chinesischen Geomantie ist Kyoto wie ein Schachbrett angelegt. Das Zentrum und der Süden sind das wirtschaftliche Herz der Stadt. Einige der touristischen Sehenswürdigkeiten befinden sich im Zentrum, aber die meisten der berühmten Tempel liegen im Norden.

Im Zentrum der Stadt Kyoto gibt es einen schönen Lebensmittelmarkt namens Nishiki Food Market, der tagtäglich die Esstische der Einwohner deckt und liebevoll Kyoto’s Kitchen genannt wird. In den Läden der überdachten Arkade kann man alles finden, von japanischen Essiggurken, Tee, Süßigkeiten und Tofu bis hin zu Keramik und anderen traditionellen Waren. Wenn euch etwas gefällt, dann geht einfach hin und schaut es euch genauer an oder probiert, die Besitzer der Läden werden euch Tipps und Tricks zur Seite stehen.

Am östlichen Ende des Nishiki-Marktes befindet sich der Nishiki Tenmangu-Schrein, der sich auf die Bedürfnisse von Studenten und Geschäftsleuten spezialisiert hat. Hier könnt ihr eine Münze einwerfen, um den mechanisierten Löwentänzer zu starten, der wiederum euer Glück und wie es generell in eurem Leben weiter geht bestimmen wird. Was wird euch das Schicksal bringen? Der Löwe verrät es euch.

Sogar innerhalb Japans ist es selten, ein Museum oder eine Bibliothek zu finden, die komplett den Manga gewidmet sind. Von kostbaren Nachkriegsstücken über moderne populäre Comics bis hin zu internationalen Publikationen hat das Internationale Manga-Museum in der Innenstadt von Kyoto etwa 300.000 verschiedene Werke gesammelt.

Das Gebäude selbst wurde aus einem alten Grundschulgebäude renoviert. Im Inneren des Hauses können die Besucher die „Manga-Wand“ mit ihrer riesigen Sammlung ausländischer und einheimischer Manga durchstöbern und vollständig in die Geschichte der japanischen Comics, abgeschottet Zeit und Raum, eintauchen.

Die Shijo Street verläuft durch das berühmte Vergnügungsviertel Gion. Hier findet ihr zahlreiche Geisha-Häuser und andere traditionelle Gebäude. Erkundet die Geschäfte, die Macha, eine Art bitterer, grüner Tee, verschiedene Süßigkeiten und Kimono-Accessoires anbieten und sich wiederum allesamt auf die eine Straße konzentrieren, die den Geist von Kyoto wirklich einfängt. Am östlichen Ende der Shijo-Straße befindet sich der Yasaka-Jinja-Schrein, das Gesicht von Gion. Die Arkade führt vom Bahnhof Keihan Shijo zum westlichen Tor des Yasaka Jinja-Schreins.

Das Teramachi-Einkaufszentrum ist voller Abwechslung, von Jugendbekleidungsgeschäften bis hin zu gebrauchten Büchern und Zeichnungen aus der Edo-Zeit, auch bekannt als Ukiyo-e. Viele Geschäfte, die sich auf lokal hergestellte Waren spezialisiert haben, führen Unikate, wie zum Beispiel Samurai-Perücken. Der nördliche Teil der Sanjo-Straße ist gesäumt von Cafés und traditionelleren Läden, die oft selbst hergestellte Waren wie Tee und Papier verkaufen.

Gion Corner ist ein einzigartiges Theater mit einstündigen Aufführungen von sieben professionellen Darstellungskünsten aus Kyoto – der klassischen Komödie des Kyogen, dem Kyomai-Tanz, der Gagaku-Musik des kaiserlichen Hofes, der Koto-Harfe, dem Bunraku-Puppentheater, der Teezeremonie und dem Blumenarrangement.

Die Gion-Ecke befindet sich in der Yasaka-Halle an der Nordseite der Kaburenjo-Halle von Gion, wo Geishas wunderschöne Präsentationen geben. Dort könnt ihr bei Interesse auch eine echte Teezeremonie erleben und euch in entspannter Atmosphäre über die Etikette der Teezeremonie informieren. Da die Erklärungen der Präsentationen auf Englisch gehalten werden, ist die Gion-Ecke bei Touristen aus dem Ausland sehr beliebt.

Wenn ihr den Kifune-Jinja-Schrein besucht, werdet ihr die Gegenwart verschiedener Götter und Geister spüren können. Vergesst hier die Hektik der Stadt in der Stille, mit dem beruhigenden Rauschen des Flusses, der direkt neben euch herum plätschert, und genießt das entspannende Gefühl der kühlen Luft, die vom Fluss her kommt. Der Kifune-Jinja-Schrein wird seit langem von Menschen besucht, die für Glück und Wohlstand, für die Ehe und für die Erfüllung ihrer Wünsche beten.

Der Kifune-Jinja-Schrein wird vom Kaiserhaus verehrt und ist vielen Menschen in Japan vertraut. Er sieht wunderschön aus, im frischen Grün des Frühlings, das jeden Tag dunkler wird, und die Gegend ist im Sommer wegen des Essens am Kawa-Doko-Flussufer beliebt. Der Schrein ist auch wegen seines flammenden Herbstlaubs und des dramatischen Kontrasts seiner roten Laternen, die im Winter mit weißem Schnee bedeckt sind, beliebt. Wenn ihr tief in Kyoto eintauchen wollt, solltet ihr ihm einen Besuch abstatten.

Für einen Abstecher ins Schrullige geht am besten zum Konkai-Komyoji-Tempel, unweit des berühmten Philosopher’s Walk in der Tetsugaku-no-michi-Straße und nur zehn Gehminuten von der Okazaki-michi-Bushaltestelle des Kyoto City Bus entfernt.

Der Tempel selbst hat ein beeindruckendes zweistöckiges Tor, und in der Mie-do-Halle steht eine hölzerne Sitzstatue von Honen, dem Gründer der Jodo-Sekte des Buddhismus. Die schönen Gärten des Tempels mit Sandmalereien stellen das Leben von Honen und anderen dar, die mit der Gründung des Tempels in Verbindung stehen. Im Herbst spiegeln sich die Ahornbäume, die die Tempelteiche umgeben, glänzend im Wasser.

Versteckt innerhalb des Tempelgeländes findet ihr eine ungewöhnliche Statue von Amida Buddha. Das ist vielleicht nicht das, woran ihr denkt, wenn ihr euch eine Buddha-Statue vorstellt, denn diese hat einen Kopf aus gelocktem Haar, der so groß ist, dass er fast wie ein Afro aussieht.

Man sagt, dass diese Amida-Figur so außergewöhnlich viel Zeit damit verbrachte, sich ihrer asketischen Ausbildung zu widmen und für das Schicksal der Menschheit zu beten, dass ihr Haar länger und wilder wurde, bis es sich hoch auf ihrem Kopf auftürmte. Es gibt nur 16 solcher Figuren in ganz Japan. Versucht, diesen ungewöhnliche Figur des Amida Buddha mit seinem wilden Haar zu fotografieren und auf Instagram zu posten.

Fushimi ist ein Teil von Kyoto, aber es fühlt sich irgendwie anders und nostalgisch an. Auf eine gute Art und Weise. Der Fushimi Inari-taisha-Schrein und seine prächtigen eintausend Zinnober-Tore sind auf der ganzen Welt bekannt, aber der Bezirk hat noch eine ganze Reihe weiterer verborgener Schätze zu bieten.

Der im Süden von Kyoto gelegene Schrein spielt seit langem eine wichtige Rolle als Verkehrsknotenpunkt, der Kyoto und Osaka über den Fluss verbindet. Aufgrund seiner reichlich vorhandenen unterirdischen Reserven an klarem, hochwertigem Wasser hat sich Fushimi auch zu einem Zentrum für die Sake-Produktion entwickelt, eine Tradition, die bis heute mit mehr als 20 aktiven Brauereien fortgeführt wird.

Und dann ist da noch der berühmte Kaiserpalast von Kyoto, der die Residenz der kaiserlichen Familie war, bis die Hauptstadt 1869 nach Tokio verlegt wurde. Ihr findet ihn im Gyoen-Park von Kyoto. Innerhalb des kaiserlichen Palastgeländes, das von einer überdachten Lehmmauer umgeben ist, befinden sich der Seiryo-den, die Palasthalle, und der Kyogosho, der Kleine Palast, die stark an diese dynastische Epoche erinnern. Mit Ausnahme von fünf Tagen im Frühjahr und Herbst, an denen der Kaiserpalast für die Öffentlichkeit zugänglich ist, müsst ihr im Voraus eine Genehmigung für den Besuch des Geländes beantragen.

Wenn Tokio euch zu laut, zu überfüllt und generell irgendwie zu verwirrend ist, dann werdet ihr Kyoto lieben. Hier ist alles ein wenig ruhiger und entspannter. Und vielleicht auch etwas natürlicher. Die altehrwürdigen Geister vergangener Epochen scheinen dafür zu sorgen, dass die Stadt nicht aus dem Gleichgewicht gerät. Traditionen findet ihr überall in Kyoto, aber die bunten Straßen sind weder staubig noch antiquiert. Und selbst wenn ihr nur einen Spaziergang am Kamo macht, werdet ihr euch im Handumdrehen in Kyoto und seine interessanten Bewohner verlieben.

Ein Tag in Kyoto: Japans magischste Stadt Ein Tag in Kyoto: Japans magischste Stadt Ein Tag in Kyoto: Japans magischste Stadt Ein Tag in Kyoto: Japans magischste Stadt Ein Tag in Kyoto: Japans magischste Stadt Ein Tag in Kyoto: Japans magischste Stadt Ein Tag in Kyoto: Japans magischste Stadt Ein Tag in Kyoto: Japans magischste Stadt Ein Tag in Kyoto: Japans magischste Stadt Ein Tag in Kyoto: Japans magischste Stadt
Die Fotografie stammt von Marlen Stahlhuth
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Fifty Shades of Grey: Pornografie für prüde Hausfrauen

Print ist tot, das wissen wir alle, aber anscheinend noch nicht tot genug, um alle paar Jahre ein sogenanntes Skandalbuch aus seiner verrotteten Mitte zu pressen. Erst das widerliche Feuchtgebiete von Charlotte Roche, dann das links und rechts zusammen geklaute Axolotl Roadkill von Helene Hegemann –...
Fifty Shades of Grey: Pornografie für prüde Hausfrauen

Fifty Shades of Grey

Pornografie für
prüde Hausfrauen

Marcel Winatschek

Print ist tot, das wissen wir alle, aber anscheinend noch nicht tot genug, um alle paar Jahre ein sogenanntes Skandalbuch aus seiner verrotteten Mitte zu pressen. Erst das widerliche Feuchtgebiete von Charlotte Roche, dann das links und rechts zusammen geklaute Axolotl Roadkill von Helene Hegemann – und jetzt eben Fifty Shades of Grey von Erika Leonard – wer kennt sie nicht.

Worum geht’s? Die 21-jährige Literaturstudentin Anastasia Steele wird von dem älteren Unternehmer und Milliardär Christian Grey (wer kommt auf diese Namen?) nach Strich und Faden durchgepimpert, mitsamt der obligatorischen Sado-Maso-Spielchen, bei denen so mancher Jutta die Wechseljahre im Halse stecken bleiben.

Aber wem erzähle ich das? Schließlich seid ihr und eure seit Jahrzehnten sexuell vernachlässigten Mütter schuld daran, dass Fifty Shades of Grey das Erfolgreichste ist, was der globale Buchhandel in letzter Zeit hervorgebracht hat. Fiktive Idioten, die sich gegenseitig die Geschlechtsteile wund rubbeln, gehen nämlich immer. Besonders bei eingetrockneten Hausfrauen.

Wie sie da so spät abends im Bett liegen, die Mareikes und Claudias und Heikes. Den grauen Spitzenslip nach unten gezogen, in der einen Hand die dominanten Sexabenteuer einer jungen Frau, deren Namen direkt aus der He-Man-Zeichentrickserie entnommen zu sein scheint, in der anderen der abgenutzte Vibrator, den ihnen ihr Exmann Dieter, der heute lieber mit ebenso einer Anastasia abhängt, vor 20 Jahren aus dem Beate-Uhse-Shop mitgebracht hatte. Der war mal rosa, jetzt ist er beige.

Also liegen sie da breitbeinig in ihrem mit bunten Delfinbildern, sanften Nachttischlampen und einem schwarzen Wandschrank ausgestatteten Schlafzimmer, die Mareikes und Claudias und Heikes dieser Welt, und rubbeln sich grün und blau, während in ihrem Kopf eine nichtexistente, junge Ana penetriert wird. „Oh, ja, gib’s der kleinen Schlampe, Christian, ja, genau…!“

Dass Fifty Shades of Grey im Grunde nur eine miese Fanfiction zu Twilight ist, die Erika Leonard als The Master of the Universe unter dem ekligen Pseudonym Snowqueens Icedragon im Internet veröffentlichte und deren Hauptakteure eigentlich Edward Cullen und Bella Swan waren, stört dabei auch niemanden, weil ihr diesen Vampirscheiß ja auch abgefeiert habt.

Es geht nicht darum, dass Fifty Shades of Grey so sexuell verdorben ist, dass niemals nie, niemals, ein Mensch dieses krasse Schriftstück lesen darf, sondern, dass ihr, wieder einmal, auf einen konstruierten Skandal herein fallt, dessen Kern ungefähr so aufregend ist wie die Nacktfotos eurer 62-jährigen Nachbarin auf Pornhub – nämlich gar nicht.

Mit eurer bewussten Entscheidung, Geld für dieses Machwerk auszugeben, reiht ihr euch in die lange Schlange der Minderbemittelten ein, die Transformers im Kino gucken, den Urlaub im Tropical Islands verbringen und die AfD gar nicht so übel finden. Leute also, die denken, sie wären frei, aber eigentlich nur von einer dämlichen Entscheidung zur nächsten stolpern.

Im Grunde beweist ihr mit dem Konsum dieses aufgepumpten Groschenromans, dass ihr nicht nur leicht zu instrumentalisierende Idioten seid, die alles käuflich erwerben, was euch im Sat.1 Frühstücksfernsehen als verboten verkauft wird, sondern das aufregende Sexualleben einer Topfpflanze habt und schlecht geschriebene Fickgeschichten von irgendwelchen 51-jährigen Twilight-Fans (!) braucht, um auch nur irgendwie wieder auf Touren zu kommen.

Das Schlimme daran? Ihr merkt gar nicht mehr, wie ihr euch langsam, aber sicher, in eine dieser Mareikes und Claudias und Heikes verwandelt, die es schon romantisch finden, wenn ihr Hermann die stinkenden Socken beim Sex auszieht. Habt ihr euch so euer Leben vorgestellt, das ihr jetzt mit peinlichen SM-Storys, die euch nicht einmal selbst passiert sind, würzen müsst?

Fifty Shades of Grey ist ein prüder Porno für prüde Menschen, die der Meinung sind, dass die holprig formulierten Team-Edward-Sexfantasien einer Frau mittleren Alters das absolute Maximum sind, was der moderne Geschlechtsverkehr zwischen zwei oder mehreren inspirierenden Individuen zu bieten hat, und auf diesem Niveau vor sich hin existieren. Wie aufregend.

Die Fotografie stammt von Goldmann
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Sind wir zu idealistisch? Nur mal kurz die Welt retten

Neulich stand ich im Supermarkt und sah, dass ein Stück gutes Rindfleischsteak nicht mehr als drei Euro kostete. Ich freute mich. Von ganzem Herzen. Denn das bedeutete, dass auch ich nun in den Genuss von tierischem Fett kommen würde. Bei dem Preis konnte mich weder die ungebumste Fleischthekenverkä...
Sind wir zu idealistisch? Nur mal kurz die Welt retten

Sind wir zu idealistisch?

Nur mal kurz
die Welt retten

Sara Navid

Neulich stand ich im Supermarkt und sah, dass ein Stück gutes Rindfleischsteak nicht mehr als drei Euro kostete. Ich freute mich. Von ganzem Herzen. Denn das bedeutete, dass auch ich nun in den Genuss von tierischem Fett kommen würde. Bei dem Preis konnte mich weder die ungebumste Fleischthekenverkäuferin abhalten noch die stumm urteilenden Gesichtsausdrücke auf der Fresse einer ollen Veganermutti, die ihr Balg vor sich hinschob, damit klein Lucille-Sophie bloß nichts von dieser barbarischen Kultur des Fleischkonsums mitbekam.

Mit meiner unnatürlich hochgezüchteten toten Kuh in der Hand rannte ich schleunigst nach Hause, um mir einen netten Gaumenfick zu gönnen. Wer studiert und sich schon bei 2,50 über das üppige Warenangebot an der Uni-Mensa aufregt, wobei das zugegeben auch sehr viel mit Konsistenz, Geschmack und der Schweinesülze in Aspik zu tun haben könnte, dem sind 3 Euro für ein prachtvolles Stück meliertes rotes Fleisch gerade günstig genug, um nicht auszurasten und noch eine Cola dazu zu kaufen.

Zu Hause schlug mir dann ein Gedanke entgegen, der die Euphorie in einen sagenhaften Weltschmerz umkippte und mir das Essen versaute. Wenn dieses Stück Fleisch nur so wenig Geld kostet, jeden Tag von Verschwendung in deutschen Supermärkten berichtet wird, auf der anderen Seite des Planeten Kinder sterben und unsere Tiere in Gewächshäusern und niederen Umständen künstlich großgezogen um abgeschlachtet zu werden – was bedeutet das dann für mich? Was bedeutet das für unsere Gesellschaft? Kann ich dieses billige, weil massenproduzierte und vielleicht qualitativ zweifelhafte Fleisch dann ohne ein schlechtes Gewissen genießen?

Also legte ich das Fleisch zurück in den Kühlschrank und überlegte, wie ich in dieser Situation vorgehen würde. Genau, ich würde nie wieder Fleisch essen, welches nicht unzweifelhaft zu Lebzeiten auf satten, saftigen Weiden gegrast hat und täglich von kleinen Kindern gestreichelt wurde. Ich komme nicht um den Gedanken herum, dass diese Kühe wahrscheinlich ein angenehmeres Leben haben als ich, aber so viel sei ihnen doch gegönnt, wenn sie schon daran glauben müssen. Natürlich löste das den Rest der Probleme auch nicht.

Denn eigentlich müsste man nach diesem persönlichen Schritt auch noch die Umverteilung einleiten, das gute Fleisch nach Afrika schicken und sich selbst wieder in Relation zu den Preisen setzten, die so etwas kosten soll. Nein, ein Stück Fleisch sollte mehr wert sein als drei Euro.

Fleisch sollte so teuer sein, wie es eben muss, wenn es großartige Qualität sein soll, wenn jedes Rind einen Gute-Nacht-Song vorgespielt bekommen soll. Aber nicht nur das Fleisch: Auch das Gemüse! Nein, nicht nur das Gemüse: Auch das Leder! Und nicht nur das Leder: Eigentlich alles! Nichts soll mehr billig sein! Alles soll wertvoll sein.

Handarbeit soll sich wieder lohnen, weil die Leute nicht gegen kleine kambodschanische Händchen konkurrieren müssen, die für einen Hungerlohn schuften. Alles soll sich wieder lohnen. Produkte sollen wieder so gemacht sein – und entsprechend auch eine preisliche Investition darstellen – dass man sie sich nur noch einmal kaufen muss, und nicht alle Jahre wieder. Unserem Einkommen wäre damit gedient, und das, was heute verhältnismäßig luxuriös erscheint, wäre dann eine annehmbare Normalität, bei der jeder zum Zug kommt.

Die Lösung auf gesellschaftlicher Ebene ist damit gefunden, wir können uns nun anderen Dingen widmen. Doch bis diese umgesetzt wird, braucht es durchaus eine stärkere Kraft, eine Bewegung, die individuelle Entscheidungen (“Ich kaufe kein billiges Fleisch”) auf eine kollektive überträgt (“Es lohnt sich nicht mehr, Fleisch in Massenware zu verkaufen, denn die kaufen ja nur noch glückliche Rinder”).

Und schon habe ich alle Hoffnung verloren, denn auch, wenn man in seinem kleinen Mikrokosmos einen gewissen Schritt in Richtung “bessere Welt für mich” machen kann, ändert es im seltensten Fall etwas. Im besten Fall hat man eine geringfügige Chance, sich anzuschließen oder andere leidenschaftliche Gutmenschen zu finden, die sich für das Thema begeistern lassen. Dann kriegt man auch durchdachte Bewegungen zusammen, die gesellschaftlich motiviert einen Umbruch einfordern, unabhängig ihrer Herkunft oder ihres gesellschaftlichen Standes.

Aber nun wollen wir alle Teil von etwas Größerem sein. Es erscheint uns klug zu rebellieren, es macht Sinn, einen Paradigmenwechsel sowohl in Politik als auch in Wirtschaftsbereichen zu fordern. Und vielleicht findet dieser gerade statt, das will ich dem nicht vorwegnehmen. Aber was macht man in dieser Zwischenphase? Muss man sich nicht trotzdem ernähren? Nicht trotzdem zur Arbeit gehen? Geld verdienen und dann wieder ausgeben, um Sanktionen aus dem Weg zu gehen, um sich weiterhin in der Gesellschaft aktiv zu beteiligen?

Diese Widersprüche finden sich gerade überall. Natürlich könnte ich jetzt auch nur noch vom guten Fleisch leben. Ich kann selbstverständlich auch Vegetarierin werden – allerdings verurteile ich nicht den Fleischkonsum selbst, sondern nur die Produktionsweise, weshalb das keine tolle Alternative für mich ist.

Aber dann verzerre ich aufgrund meiner Ideale das Verhältnis zu meiner aktuellen Realität. Ich würde mir auch nur noch Produkte aus Handarbeit fertigen lassen, um das Handwerk zu unterstützen und ein Zeichen gegenüber der Ausbeutung von Dritte-Welt-Ländern zu setzen. Aber das kann ich mir nicht leisten. Und wenn ich es versuchen würde, könnte ich auch schnell keine Miete mehr bezahlen.

Und dann lässt sich das ja auch so schön einfach auf alle anderen Dinge des Lebens übertragen. Ich will nicht sexistisch sein, aber dann müsste ich auch meine Arbeitswelt, die Akademie, die Umgangsprache, die meisten Filme, vor allem mich selbst, die Musik, die ich höre, und meine Freunde auf täglicher Basis kritisieren. Gleichzeitig möchte ich aber noch ein humorvoller, lockerer, spontaner Mensch sein, der auch mal verzeiht und sagt: Das ist okay.

Ich möchte mich nicht leeren, hedonistischen Zielen hingeben. Aber ich will auch mal gedankenlos genießen können. Das steht im größten Widerspruch zu allen Maximen, die mir gerade in die Quere kommen. Saufen, aber nicht alkoholabhängig werden. Essen, aber nicht dick sein. Reisen und mich weiterbilden, aber bloß keinen umweltbelastenden Fußabdruck hinterlassen. Geld verdienen, aber nicht auf Kosten anderer.

Alles muss in einer perfekten Balance sein, da sonst der Kompromiss der Zufriedenheit lange auf sich warten lässt. Schlimmer noch, als sich dann dem Urteil anderer hingeben zu müssen, weil man ihnen irgendwie auf den Schlips getreten ist, ist, wenn man sich selbst an den gegebenen Normen misst und sich deshalb wegen eines Stücks Fleisch die Birne heiß kocht und nicht weiß, ob das jetzt richtig oder falsch ist. Ob Gesellschaftskritik auch beim Individuum anfängt, oder ob man mal einen Schritt zurücktreten sollte, weil man sich selbst nicht aus der Gleichung herausnehmen kann.

Jeder von uns hat irgendwelche abstrahierten Vorstellungen davon, welche Probleme man wie lösen sollte, um der perfekten, gerechten Welt näher zu kommen. Leider führt das in meinen Augen oft dazu, dass man mit dem Anspruch der Unfehlbarkeit eines Charakters eine Selbstbewusstseinsstörung beschwört, bei der sich jeder fragt: War das jetzt höflich genug? Ist das politisch korrekt? Hätte ich das sagen sollen? Darf ich das machen?

Und dann haben wir eigentlich auch schon das Spiel verloren. Wir können nicht in diesem Idealismus leben, ohne einen gewissen (Welt-)Schmerz zu empfinden. Auf der anderen Seite können wir in einer perfekten Balance der Menschheit, bei einem Verzicht auf Ecken und Kanten, wohl auch keine Besonderheit in unseren Kulturen mehr hervorbringen.

Nicht jeder muss alles können, und manchmal ist das Verbinden unserer Hände hinter dem Rücken aufgrund von konventioneller Maßstäbe und der Angst, diese zu brechen, nur eine Ablenkung von dem, was wir vielleicht für die Welt beitragen könnten. Auch, wenn wir dabei nicht politisch korrekt sind.

Die Fotografie stammt von Ehimetalor Akhere Unuabona
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500 Days of Summer: Ein Liebesfilm, der gar keiner ist

In Menschen, die das Leben luftig leicht nehmen, sich an nichts binden möchten und denen die geistige und körperliche Freiheit das höchste Gut ist, verliebt man sich am schnellsten und hofft, während der sanften Berührungen, des ersten Kusses und des umwerfenden Sex, dass man diese eine Person im Le...
500 Days of Summer: Ein Liebesfilm, der gar keiner ist

500 Days of Summer

Ein Liebesfilm,
der gar keiner ist

Marcel Winatschek

In Menschen, die das Leben luftig leicht nehmen, sich an nichts binden möchten und denen die geistige und körperliche Freiheit das höchste Gut ist, verliebt man sich am schnellsten und hofft, während der sanften Berührungen, des ersten Kusses und des umwerfenden Sex, dass man diese eine Person im Leben ist, für die man alle Vorsätze über Bord wirft, sich zu Liebesschwüren hinreißen lässt und mit dem man den Rest seines jämmerlichen Daseins verbringen möchte. Doch das geht meistens schief. Denn was haben wir bereits sehr früh gelernt? Einer ist Ernie, der andere immer Bert.

500 Days of Summer mit der bezaubernden Zooey Deschanel und dem dauerverträumten Joseph Gordon-Levitt ist ein luftig leichter Film über genau diese Art von absolut aussichtsloser Liebe zwischen einem Schmetterling und dessen Fänger, der im steten Wandel das Auf und Ab, die Höhen und Tiefen und die ständig sterbende und wieder auferweckte Hoffnung aufzeigt, mit der man in diesem Zusammenspiel der Schicksalsschläge zu kämpfen hat.

Unterlegt mit dem tollsten Soundtrack seit gefühlten Ewigkeiten, dem richtigen Gleichgewicht zwischen Komödie und Drama und sympathischen Charakteren, in die man sich sofort hinein versetzt fühlt, haben meine Schaubekanntschaft und ich Tränen gelacht, stumm in uns hinein geweint und jeden zweiten Dialog laut mit “Schlampe” kommentiert. Der perfekte Film also für jedes erste Date, über einen Liebesfilm, der gar kein Liebesfilm ist.

Die Fotografie stammt von Fox Searchlight Pictures
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Big Dick Problems: Der Club der großen Schwänze

Ich leide bereits seit meiner frühesten Kindheit an einer ziemlich ausgeprägten Version des Penisneids. Als ich an einem italienischen FKK-Strand, an den mich meine Eltern mit sechs oder sieben mitgeschleift haben, meinen ersten, richtigen, fremden Schwanz sah, überkam mich eine noch heute währende...
Big Dick Problems: Der Club der großen Schwänze

Big Dick Problems

Der Club der
großen Schwänze

Daniela Dietz

Ich leide bereits seit meiner frühesten Kindheit an einer ziemlich ausgeprägten Version des Penisneids. Als ich an einem italienischen FKK-Strand, an den mich meine Eltern mit sechs oder sieben mitgeschleift haben, meinen ersten, richtigen, fremden Schwanz sah, überkam mich eine noch heute währende Trauer, wenn ich daran zurück denke. Immer noch stelle ich mir vor, wie mein Leben wohl verlaufen wäre, wenn ich ein riesiges, männliches Geschlechtsteil besitzen würde, mit dem ich allerlei Jungs und Mädchen kreuz und quer durch die Prärie jagen könnte.

Dass ein großer Penis nicht nur Freude bereitet, beweisen die Mitglieder eines sehr besonderen Forums, das ganz fantasiefrei Big Dick Problems heißt. Hier treffen sich schwer behangene Jungs, mit denen es Gott besonders gut meinte, und sprechen ganz offen über die manchmal gar nicht so lustigen Herausforderungen im Leben von Typen, deren riesige Schwänze ihnen oft genug den Alltag erschweren. Sie tauschen Fotos von ihren Fleischpeitschen, geben sich gegenseitig Tipps beim Kauf von Kondomen und reden darüber, wie man Mädchen an zu dicke Geräte gewöhnt.

„Ich habe mit meinem Penis fast meine Freundin ermordet“, schreibt der User Turd Pussy. „Als ich einem Mädchen ein Dickpic schickte, glaubte sie mir nicht, dass das ich sei“, heult ein Junge namens Funkizeit69 herum. Und A Life of Lemons wurde an der Flughafenkontrolle aufgehalten, weil er ein ungewöhnlich großes Objekt in seiner Hose versteckt haben sollte. Vielleicht ist ein Leben als Typ mit großem Penis doch nicht so schön und aufregend, wie ich es mir immer vorgestellt habe. Da bleibe ich doch lieber bei meiner unauffällig zurückhaltenden, kleinen Vagina…

Big Dick Problems: Der Club der großen Schwänze
Die Illustration stammt von Marginalia und Icons 8
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Solaryman: Hüpfende Väter

Als ich in Tokio einmal nicht schlafen konnte, habe ich mich bei Sonnenaufgang aus dem Haus geschlichen und bin in Begleitung von ein paar Katzen, Kakerlaken und joggenden Rentnern durch die ruhigen Wohnviertel der sonst so plärrenden Stadt gezogen. Vorbei an verlassenen Parks, geschlossenen Schulen...
Solaryman: Hüpfende Väter

Solaryman

Hüpfende
Väter

Marcel Winatschek

Als ich in Tokio einmal nicht schlafen konnte, habe ich mich bei Sonnenaufgang aus dem Haus geschlichen und bin in Begleitung von ein paar Katzen, Kakerlaken und joggenden Rentnern durch die ruhigen Wohnviertel der sonst so plärrenden Stadt gezogen. Vorbei an verlassenen Parks, geschlossenen Schulen und leeren Straßen.

Das ging solange gut, bis ich sie plötzlich hörte, die Armee der japanischen Geschäftsmänner, gähnende, in Anzüge gepackte, moderne Samurai, die nicht mit Schwertern ihrem Land dienten, sondern mit Computern, gesichtslose Heerscharen, die nicht durch die Bahnhöfe marschierten, sondern flossen, wie reißende, schwarze Bäche.

Yuki Aoyama enttarnt diese namenlosen Krieger, und zwar, wer hätte es gedacht, als lebensfrohe Menschen, die mehr als nur ihrer Arbeit nachgehen und ihre Firma glücklich machen. Sie haben Familien, Kinder, Träume. Und in “Solaryman“, einer Wortschöpfung aus “Geschäftsmann” und “Himmel”, hüpfen sie neben ihren peinlich berührten, aber fröhlich grinsenden Töchtern gen Wolken. Und ich mag das, ich mag das sehr.

Solaryman: Hüpfende Väter Solaryman: Hüpfende Väter Solaryman: Hüpfende Väter Solaryman: Hüpfende Väter Solaryman: Hüpfende Väter Solaryman: Hüpfende Väter Solaryman: Hüpfende Väter Solaryman: Hüpfende Väter Solaryman: Hüpfende Väter Solaryman: Hüpfende Väter Solaryman: Hüpfende Väter Solaryman: Hüpfende Väter Solaryman: Hüpfende Väter Solaryman: Hüpfende Väter Solaryman: Hüpfende Väter Solaryman: Hüpfende Väter Solaryman: Hüpfende Väter Solaryman: Hüpfende Väter Solaryman: Hüpfende Väter Solaryman: Hüpfende Väter Solaryman: Hüpfende Väter Solaryman: Hüpfende Väter Solaryman: Hüpfende Väter
Die Fotografie stammt von Yuki Aoyama
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Bumsen statt BAföG: Prostituiert euch!

Ich habe überlegt, diesen Text mit dem Satz Sexarbeit ist etwas ganz Tolles! zu beginnen. Und mich aus den nahe liegendsten Gründen dagegen entschieden. Sexarbeit ist eine Arbeit wie jede andere. Sie dient dem Geldverdienen, wie jeder normale Job eben auch. Und der Job, den man sich in unserem L...
Bumsen statt BAföG: Prostituiert euch!

Bumsen statt BAföG

Prostituiert
euch!

Nadine Kroll

Ich habe überlegt, diesen Text mit dem Satz „Sexarbeit ist etwas ganz Tolles!“ zu beginnen. Und mich aus den nahe liegendsten Gründen dagegen entschieden. Sexarbeit ist eine Arbeit wie jede andere. Sie dient dem Geldverdienen, wie jeder „normale“ Job eben auch. Und der Job, den man sich in unserem Land ja glücklicherweise in den meisten Fällen selbst aussuchen kann, macht im Normalfall an einem Großteil der Tage auch noch Spaß.

Pornos zu drehen ist im Prinzip ja nichts anderes als Brötchen zu verkaufen. Nur dass man bei Ersterem halt nackt ist. Und Prostitution ist nicht nur das älteste, sondern in meinen Augen auch das ehrlichste Gewerbe der Welt. Für Prostitution werden keine Tiere geschlachtet und, zumindest, wenn alles mit rechten Dingen zugeht, keine Menschen getötet. Die Erde wird nicht ihrer natürlichen Ressourcen beraubt. Und bereichern tut sich daran niemand, außer der Arbeitskraft selbst. Sofern natürlich kein Zuhälter dahintersteht.

Ein Mensch verkauft lediglich seinen Körper und nicht wie andere Menschen, man werfe an dieser Stelle einen Blick auf die Leute, die hinter der BILD-Zeitung, RTL oder den großen Banken dieser Welt stecken, seine Seele.

Mittlerweile ist ja bekannt, dass sich ein Großteil der Studentinnen und Studenten mit Gelegenheitsprostitution, oftmals einfach „Hostessjobs“ genannt, damit nicht jeder sofort weiß, was wirklich Sache ist, über Wasser hält. Auch ich stand bereits des Öfteren vor der Wahl hungern oder ficken. Weil das BAföG nicht mal ansatzweise die Materialkosten deckt, die man als Student eben so hat. Und für mich war die Entscheidung jedes Mal klar.

Ich sprach das Thema genau einmal meiner Mutter gegenüber an, als ich wieder mal in einer finanziellen Notlage war. Nicht, weil ich Geld von ihr wollte, sondern weil ich wissen wollte, wie sie wohl reagiert, wenn sie wüsste, dass ich meinen Körper verkaufe. Um die Situation zumindest vorerst in den Griff zu kriegen. Ich bekam eine Standpauke ohnegleichen.

Sie sagte mir, dass ich viel zu intelligent sei, um auf so etwas angewiesen zu sein. Dass es da draußen jede Menge andere Jobs gibt. Dass ich mir meine zukünftige Karriere als was auch immer ruinieren könne, wenn rauskäme, dass ich mal als Nutte tätig war. Dass ich sie wirklich enttäuschen würde, wenn ich diesen Plan so durchziehen würde, wie ich ihn ihr geschildert hatte. Und dass, bevor ich mich wirklich prostituieren müsse, sie einfach mehr arbeiten und finanziell für mich aufkommen würde.

Sie hat also gleich alle Klischees und Vorurteile rausgehauen, die ich persönlich schon lange nicht mehr hören kann. Zum Schweigen gebracht habe ich meine Mutter erst, als ich vorschlug, es dann stattdessen mit dem Verkauf von Drogen zu versuchen. Von der Idee war sie übrigens ähnlich angetan wie von meiner Karriere als Prostituierte. Nämlich gar nicht.

Keine Ahnung, wieso eigentlich so viele Menschen, die nicht direkt davon betroffen sind, so ein großes Problem mit Sexarbeit haben. Zumindest, wenn man sie damit konfrontiert. Zuhause, vor dem Computer, also da, wo einen niemand sehen kann, ziehen sie sich ja auch gerne die Sexfilmchen rein, für die sie die Menschen, die dafür sorgen, dass sie exakt das tun können, also Pornos gucken und dazu wichsen, im Alltag aufs Allerschärfte verurteilen.

Das Problem scheint aber immer dann am größten zu sein, wenn die eigene Tochter oder der eigene Sohn beruflich in die Sexarbeit gehen möchte. Andere dürfen das ja machen, aber nicht mein Kind. Mein Kind hat etwas Besseres verdient als das. Falsch. Dein Kind hat in erster Linie verdient, sein Leben nach seinen eigenen Bestimmungen zu leben.

Und wenn es gerne für Geld Schwänze lutschen oder sich in den Arsch ficken lassen will, dann ist es sein gutes Recht, genau das zu tun. Mit Kameras drum herum. Ohne Kameras. Mit zwanzig verschiedenen Menschen an einem Tag oder alleine mit dem Vibrator vor der Webcam. Wenn du dein Kind liebst, dann unterstützt du es. Ganz egal, ob es Busfahrer, Wirtschaftsunternehmerin oder Sexarbeiter werden will.

Natürlich gibt es noch die andere Seite. Also die, die vor allem das Prostitutionsgewerbe an sich toll findet, weil da ja arme, verzweifelte Kerle, die sonst niemanden abgeben, sich sexuell befriedigen lassen können, aber selbst das Angebot natürlich niemals in Anspruch nehmen würden, weil sie es ja gar nicht nötig haben, zu einer Nutte zu gehen. Entschuldigung, aber habt ihr vielleicht mal darüber nachgedacht, dass Menschen Prostitution nicht in Anspruch nehmen, weil sie sonst nichts zu ficken finden, sondern weil sie es toll finden?

Es gibt Menschen, die sich daran aufgeilen, andere für Sex zu bezahlen. Ob das jetzt ethisch korrekt ist oder nicht, darüber lässt sich natürlich wieder streiten, aber es gibt eben viele verschiedene Gründe, warum insbesondere Männer sich gerne von Huren verwöhnen lassen. Menschen, die Prostitution in Anspruch nehmen, sind keine Schlappschwänze, auch wenn ihr sie gerne als solche abstempelt. Im Gegenteil. Sie gehen ja dort hin, um mal wieder ordentlich zu ficken und ihren prächtigen Schniedel in eine feuchte und willige Muschi zu stecken.

Wenn du Pornokonsument bist, dann hinterfrage doch an dieser Stelle kurz, warum du solche Filme schaust. Weil es geil ist, oder? Weil es deine Fantasie anregt und befriedigt. Es ist exakt das Gleiche, was Prostituierte auch tun, nur dass im Falle von Pornos du derjenige bist, der Hand an sich legt und es im Fall der „käuflichen Lust“ eben eine Nutte ist, die das für dich übernimmt. Scheiß Doppelmoral, echt jetzt.

Ich wünsche mir für alle Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter und die Menschen, die Sexarbeit in Anspruch nehmen, egal ob das jetzt durch Pornos, Bordellbesuche oder andere sexuelle Dinge, die man so kaufen kann, sind, dass das alles nicht mehr so abwertend betrachtet wird, wo es doch schon seit Jahrhunderten ein fester und auch wichtiger Bestandteil unserer Gesellschaft ist.

Und ich wünsche mir mehr Pornos für Frauen. Sowohl homo-, als auch heterosexuelle. Unsere Vorlieben werden nämlich tatsächlich allgemein noch viel zu wenig bedient. Außerdem wünsche ich mir ein Bordell für Frauen. Sowas scheint es nämlich auch noch nicht zu geben. Ich würde ja tatsächlich eines eröffnen, aber ich bezweifle, dass meine Mutter mir das nötige Startkapital für ein solches Unternehmen leiht.

Die Fotografie stammt von Garin Chadwick
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Cat Heaven Island: Willkommen auf der Katzeninsel

Ihr habt bereits zwölf Katzen zu Hause, fürchtet aber, dass ihr noch mehr braucht? Allerdings steigt euch euer Vermieter bereits aufs Dach und würde euch sowie Mimi, Mira, Lili, Mia, Nelly, Sari, Luna, Nicky, Molly, Coco, Mucki und Kira am liebsten noch heute noch hochkantig rauswerden? Wir haben da...
Cat Heaven Island: Willkommen auf der Katzeninsel

Cat Heaven Island

Willkommen auf
der Katzeninsel

Marcel Winatschek

Ihr habt bereits zwölf Katzen zu Hause, fürchtet aber, dass ihr noch mehr braucht? Allerdings steigt euch euer Vermieter bereits aufs Dach und würde euch sowie Mimi, Mira, Lili, Mia, Nelly, Sari, Luna, Nicky, Molly, Coco, Mucki und Kira am liebsten noch heute noch hochkantig rauswerden? Wir haben da die perfekte Lösung für euch…

Auf der japanischen Insel Tashirojima, die im Volksmund gerne “Cat Heaven Island” genannt wird, leben mehr Katzen als Menschen. Sie schauen den Fischern beim Angeln zu, streunen durch die längst verlassene Schule und paaren sich ganz oben, auf dem höchsten Hügel, im blassen Licht des Vollmondes. Könnte es einen schöneren Ort für euch geben? Wohl kaum.

Landon Donoho und seine Kollegen haben ein paar Bewohner der Insel bei ihrem täglichen Treiben begleitet und hat aus dem kleinen Video dank Kickstarter nun eine richtige Dokumentation gemacht, um die Geschichte einer Insel zu erzählen, die vom Tsunami gezeichnet, vom Weggang der Jungen gebeutelt und dank der Klänge ihrer haarigen Bewohner auf vier Pfoten in der ganzen Welt bekannt ist.

Cat Heaven Island: Willkommen auf der Katzeninsel
Die Fotografie stammt von Christopher Michael Wong
Der Text erschien in der Kategorie Reisen mit den Themen
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Wut, Hass, Ernst: Der deutsche Feminismus nervt

Wenn ihr eure Körper mal auf eine dieser selbsthuldigenden Blogger-Events schleift, dann werdet ihr schnell feststellen, dass ihr im Grunde nur die Auswahl zwischen vier verschiedenen Themen habt. Mode, Politik, Technik – und Feminismus. Während ich bei Modetagungen nur blöd mit einem Gläschen Ch...
Wut, Hass, Ernst: Der deutsche Feminismus nervt

Wut, Hass, Ernst

Der deutsche
Feminismus nervt

Marcel Winatschek

Wenn ihr eure Körper mal auf eine dieser selbsthuldigenden Blogger-Events schleift, dann werdet ihr schnell feststellen, dass ihr im Grunde nur die Auswahl zwischen vier verschiedenen Themen habt. Mode, Politik, Technik – und Feminismus.

Während ich bei Modetagungen nur blöd mit einem Gläschen Champagner in der Ecke stehe, weil ich nun mal keine Ahnung von der neuen Versace-Kollektion habe, bei der Politik immer lieber ein bisschen links verweile und der Technik mit meinem fast jährlichen Kauf des neuen iPhones Buße tue, werde ich bei Panels, die sich um Frauenrechte drehen, immer so wütend und gelangweilt gleichzeitig, dass ich am liebsten den Stuhl anzünden und laut losschreien würde.

Ich bin in einer Generation aufgewachsen, in der selbstbewusste, starke und inspirierende Frauen die Selbstverständlichkeit waren. Im Kindergarten, in der Schule, im Arbeitsalltag, unter Freunden – ich konnte nicht einmal nachvollziehen, warum irgendwer irgendwo ernsthaft laut von sich geben konnte, dass Frauen weniger Rechte oder Chancen oder Möglichkeiten haben sollten als Männer, ohne dafür laut ausgelacht zu werden.

Typen, die in Talkshows predigten, dass sie nur Jungfrauen ficken würden, dass der Herd der geeignete Platz für Fotzen ist, dass ein paar Schläge am Tag normal seien, um die Alte wieder zur Vernunft zu bringen. Solche Aussagen nahm ich nicht einmal ernst, dachte sie wären von einem geldgeilen RTL-Team geschrieben worden, um das Publikum gegen sie aufzubringen, so weit hergeholt war dieser Scheiß für mich.

Das alles gehört für mich in die gleiche Kategorie wie Rassismus, Klassismus oder, ja, Kannibalismus: Begriffe aus einer alten, fast schon mystischen Zeit, in der reiche Typen Sklaven hielten und missbrauchten, Prinzen keine Hofmägde heiraten durften, Seefahrer von Buschmenschen verspeist wurden. So abwegig und fernab jeder modernen Realität, dass ich nichts davon ernst nehmen kann. Warum auch?

Mein tiefherziger Respekt gilt allen starken Frauen, die sich jemals gegen die Diskriminierung von Geschlechtern eingesetzt haben. Im großen wie im kleinen Stil. Die sich selbst, ihre Familie, ihre Freunde aufgegeben haben, die gekämpft haben, die ihr Leben gegeben haben, um zu beweisen, dass Menschen nicht weniger wertvoll sind, nur weil sie keinen Penis zwischen den Beinen baumeln haben.

Warum überkommt mich dann trotzdem diese unruhige Mischung aus Wut, Humorlosigkeit und Langeweile, wenn ich eine feministische Publikation lese oder einer feministischen Rede zuhöre, obwohl ich doch ihre Forderungen, ihre Botschaften, ihre Ziele im Großen und Ganzen vollends unterstütze? Weil die feministische Bewegung nur aus wütenden, humorlosen und langweiligen Menschen besteht.

Sie wollen den Salzstreuer in Salzstreuerin umbenennen und meinen das ernst. Sie fordern eine bundesweite Frauenquote, die doch im Endeffekt nur wieder die längst angestaubte Geschlechterteilung unterstützt, und meinen das ernst. Sie gehen auf Slutwalks und meinen das ernst. Sie verleumden die menschliche Sexualität und meinen das ernst. Sie folgen Alice Schwarzer. Und meinen das ernst.

„Beim bloßen Aussprechen des Wortes Feminismus explodiert in nicht wenigen Köpfen eine gigantische Bombe“, meint Vorzeigebloggerin Nike van Dinther. „Zusammengesetzt aus stereotypen Sichtweisen, Bildern von Achselhaar oder Mademoiselle Peaches, wie sich auf der Musical-Bühne einen Plastikpenis umschnallt, von unattraktiven Politikerinnen, von der grausamen Alice Schwarzer und richtig fiesen Männerhasserinnen.“

„Wer sich jetzt fragt, wieso man sich denn zwangsläufig einer Gruppe zugehörig fühlen muss, dem lege ich eine Antwort auf meine Frage bezüglich dieser Thematik in einem Bloggerforum ans Herz: Weil es das zwischenmenschliche Agieren erleichtert, wenn man Dinge, Menschen, Einstellung etc. unter einem Begriff zusammen fassen kann und man Gleichgesinnte schneller findet.“ Und da hat sie Recht.

Im Grunde sollte jeder moderne, intelligente und aufgeklärte Mensch ein Feminist sein. Er sollte sich für die Rechte aller Menschen einsetzen, gegen Ungerechtigkeit, für Aufklärung, gegen Diskriminierung. Aber wenn die Bewegung, die eben diese Ziele mit aller Kraft verfolgt, so uninspirierend, so weltfremd und so unsympathisch auftritt, dann ist Antipathie und ein damit verbundener Abstand vorprogrammiert.

Der Feminismus in Deutschland und auf der Welt würde es um einiges einfacher haben und auch viel mehr männliche Unterstützer haben, wenn er nicht nur moderne Forderungen hätte, sondern diese eben auch modern präsentieren würde. Weg von der dieser unglaublichen Ernsthaftigkeit, weg von diesen Klischees, die er immer noch verkörpert, weg von dieser Verbissenheit, dieser Wortwahl, diesen Idolen.

Wir alle, egal ob Frauen oder Männer, wünschen uns einen jüngeren, frischeren und umgangsfreundlicheren Feminismus, der dem heutigen Zeitgeist entspricht, den wir freiwillig verteidigen, den wir gerne und selbstverständlich leben. Der diese brennende Herzenslust in jedem Einzelnen von uns aktiviert, damit wir alle gemeinsam daran arbeiten können, dass Gleichberechtigung von ganz allein Einzug in unsere Gesellschaft findet. Ohne Quoten. Ohne Wortvergewaltigungen. Und ohne, dass ich am liebsten den Stuhl anzünden und laut losschreien würde.

Die Illustration stammt von Murat Kalkavan und Icons8
Der Text erschien in der Kategorie Leben mit den Themen
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Mädchen in Los Angeles: Der kalifornische Engel

Ich weiß nicht so genau, ob diese Eigenschaft von mir ein Vorteil fürs Leben oder doch eher ein grausamer Nachteil ist, aber ich verknalle mich jeden Tag in neue Menschen, die ich irgendwo treffe, sehe oder auch nur gedanklich streife. Meistens in Mädchen, weil, sind wir doch mal ehrlich, die sind e...
Mädchen in Los Angeles: Der kalifornische Engel

Mädchen in Los Angeles

Der kalifornische
Engel

Daniela Dietz

Ich weiß nicht so genau, ob diese Eigenschaft von mir ein Vorteil fürs Leben oder doch eher ein grausamer Nachteil ist, aber ich verknalle mich jeden Tag in neue Menschen, die ich irgendwo treffe, sehe oder auch nur gedanklich streife. Meistens in Mädchen, weil, sind wir doch mal ehrlich, die sind einfach die besseren Menschen – mit weitem Abstand.

Das hier ist Dagny aus der teilweise wunderschönen, amerikanischen Westküstenstadt Los Angeles. Ich würde sie als engelhaftes Model bezeichnen, das trotz einer magischen Eleganz trotzdem auf dem Boden geblieben zu sein scheint. Auf ihrem Instagram-Kanal finden sich neben allerlei Bikinibildern auch kluge Sprüche und Backstagefotos aus ihrem Leben.

Die Fotografin Lauren Marie hat Dagny zur Protagonistin in ihrem neuen Fotoshooting gemacht und die retro-angehauchte Bildserie „Before You Arrived“ genannt. Wer mehr über die Fotografin Lauren Marie lernen will, der kann einfach mal hier vorbei schauen. Und wer mehr von Dagny, dem engelsgleichen Model, sehen möchte, der dürfte hier gut bedient sein.

Mädchen in Los Angeles: Der kalifornische Engel Mädchen in Los Angeles: Der kalifornische Engel Mädchen in Los Angeles: Der kalifornische Engel Mädchen in Los Angeles: Der kalifornische Engel Mädchen in Los Angeles: Der kalifornische Engel Mädchen in Los Angeles: Der kalifornische Engel Mädchen in Los Angeles: Der kalifornische Engel Mädchen in Los Angeles: Der kalifornische Engel Mädchen in Los Angeles: Der kalifornische Engel Mädchen in Los Angeles: Der kalifornische Engel Mädchen in Los Angeles: Der kalifornische Engel Mädchen in Los Angeles: Der kalifornische Engel Mädchen in Los Angeles: Der kalifornische Engel
Die Fotografie stammt von Lauren Marie
Als Model ist Dagny Paige zu sehen
Der Text erschien in der Kategorie Kunst mit den Themen
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Japanische Popmusik: Lieder aus einer fremden Welt

Als ich mit Anfang 20 endlich meinen Führerschein machte und mit dem knallroten Seat Ibiza meiner Mutter durch die Straßen meiner bis nach oben hin zugeknöpften Heimatstadt düste, kreuz und quer, immer hin und her, da dröhnte aus meinen Lautsprechern kein Hip Hop, kein Techno und auch kein Wolfgang...
Japanische Popmusik: Lieder aus einer fremden Welt

Japanische Popmusik

Lieder aus einer
fremden Welt

Marcel Winatschek

Als ich mit Anfang 20 endlich meinen Führerschein machte und mit dem knallroten Seat Ibiza meiner Mutter durch die Straßen meiner bis nach oben hin zugeknöpften Heimatstadt düste, kreuz und quer, immer hin und her, da dröhnte aus meinen Lautsprechern kein Hip Hop, kein Techno und auch kein Wolfgang Petry. Nein. Es war die damals recht neue Single einer japanischen Popmusikerin.

Kumi Koda hieß sie. „Butterfly“ war der Song. Meine damalige Freundin, die zusammengekauert auf dem Beifahrersitz saß, schämte sich in Grund und Boden, als wir am örtlichen Eiscafé, an der Schule, am Freibad vorbei düsten. Mit „Butterfly“ in voller Lautstärke. Dass sie mich danach noch mal rangelassen hat, dürfte als eines der mysteriösesten Weltwunder der Menschheitsgeschichte gelten.

Natürlich macht es absolut keinen Sinn, dass ich japanische Musik höre. Ich bin kein Japaner und kann auch kein Japanisch. Egal, wie sehr ich es mir manchmal wünsche und viele Japanischkurse ich schon über mich ergehen lassen habe. Und glaubt mir: Es waren etliche.

Meine Lehrer sind schier an mir verzweifelt. Grüße gehen raus an Herrn Hasegawa, an Frau Takeda und an Herrn Sugimoto. An Frau Ikeda, an Frau Takahashi und an Frau Watanabe. An Herrn Fujiwara, an Herrn Noguchi und an Frau Yokoyama. An Frau Ota, an Frau Sato und an Herrn Suzuki. Und an Frau Maier-Dümpfelstetter.

Nach rund 20 Jahren und unzähligen Japanischstunden kann ich an guten Tagen bis sieben zählen, „Kokoro“ für Herz von „Kodomo“ für Kinder unterscheiden und ganz laut „Hajimemashite, watashi wa Maruseru desu!“ für „Hallo, mein Name ist Marcel!“ rufen. Das war’s. Wirklich.

Man müsste meinen, nach all den japanischen Animes, Comics, Serien, Filmen, Konzerten, Büchern, Dramen, Videospielen und gefühlt hunderttausenden Liedern müsste ich etwas mehr können. Aber nein. Selbst für meine große Liebe, der japanischen Popkultur, bin ich noch zu faul, allen Ernstes Japanisch zu lernen.

Vielleicht ist das aber auch gar nicht so verkehrt. Ich habe in meinem Leben genügend Japanstudenten getroffen, die ihr Hobby zur Berufung machen wollten, und mit jedem frisch erlernten Wort weniger Lust darauf hatten, auch noch irgendetwas Japanisches zu konsumieren.

Womöglich, weil man dann erst wirklich merkt, dass Japan eben auch nur ein stinknormales Land mit Problemen, Langeweile und einer, relativ, durchschnittlichen Unterhaltungsindustrie ist. Wie Deutschland. Oder Amerika. Oder Rumänien.

Es würden sich nicht jedes Jahr hunderte Japaner von strategisch überraschend gut platzierten Brücken, Hochhäusern und Bahnhöfen stürzen, wenn die Nation im fernen, fernen Osten so toll wäre, wie es in K-On! dargestellt wird. Und das, obwohl die Serie quasi eine rundum glaubwürdige Dokumentation über den schulischen Alltag junger Heranwachsender im Land der aufgehenden Sonne ist.

Doch davon bekomme ich, aufgrund meiner vollkommenen mentalen Blockade, auch nur noch irgendeine weitere Bedeutung eines japanisches Wortes in mein Gehirn aufzunehmen, nichts mit. Für mich klingt alles Japanische toll. Alles ist wundervoll. Alles hat etwas Magisches.

Wenn ihr bei Jacques aus irgendeinem Pariser Vorort feucht werdet, der euch in übelstem französischem Akzent nach dem Weg zum nächsten öffentlichen Klo fragt, dann hat bei mir Japanisch eben diesen Effekt. Was sagst du da, kleine Japanerin? Dein Hund hat Warzen am Sack? Kawaii!

Ich bin dieser typische, fette, dem ersten Herzinfarkt immer etwas zu nahe 08/15-Nerd, der Japan für das Mekka der evolutionären Kreativität hält und alles, wo auch nur ein japanisches Schriftzeichen drauf steht, obwohl er es nicht einmal von einem Chinesischen unterscheiden könnte, auf einer vollkommen unnatürlich hohen Ebene der Obsession zelebriert.

Schon bald werde ich mir Kuschelkissen mit kindhaft wirkenden, halbbekleideten Waifus, die in Wahrheit natürlich tausendjährige Vampirköniginnen sind, darauf kaufen. Nur noch mit Sake beträufelten Reis essen. Und meinen Namen offiziell in Marcel-san ändern.

Wenn musikalische Götter wie Hikaru Utada, Scandal oder Asian Kung-Fu Generation in die Tasten, Saiten und Mikrofone hauen und brüllen und schmettern und klimpern, dann höre ich keine ausgelutschten Texte über Liebe, Schmerz und Freiheit. Ich höre den Puls von Tokio. Die Vibration von Osaka. Die Stimme von Kyoto. Und manchmal auch den Furz von Düsseldorf.

Bei Liedern wie „First Love„, „Secret Base“ oder „Rewrite“ kann ich mir meine eigenen Geschichten im Kopf zusammen reimen. Mir meine persönlichen Abspänne vorstellen. Mir mein Leben am anderen Ende der Welt herum fantasieren.

J-Pop versprüht die gleiche Art von Magie, die man als Kind hatte, wenn man englischsprachige Songs im Radio hörte und noch nicht verstehen musste, was für ein Schwachsinn darin besungen wurde. „Can you blow my whistle baby, whistle baby?“ Äh, nein danke, lieber nicht?

Natürlich könnte ich mir die Übersetzungen eben dieser Lieder im Internet heraussuchen. Aber das wäre sehr dumm. Dann wüsste ich ja, dass meine kreativen Helden, die ich höre, seitdem auf irgendeiner Sailor-Moon-Soundtrack-CD ein japanisches Lied drauf war und meinen Geschmack für immer so, nennen wir es mal, alternativ gemacht hat, dass ich jetzt keine Freunde mehr habe, auch nur die gleiche, mit Poprock untermalte Hirnscheiße von sich geben, wie Helene Fischer, Revolverheld und die Toten Hosen. Nur eben auf Japanisch. Und dann kann ich mich ja auch gleich aufhängen.

Dennoch würde ich an dieser Stelle behaupten, dass J-Pop das beste Musikgenre ist, das die Menschheit jemals hervor gebracht hat. Jazz ist tot. Hip Hop ist murmelig. Selbst der ansonsten überall gefeierte K-Pop kann nur noch bunt und sonst nichts.

Japanische Popmusik hingegen ist melodiös, emotional und überzeugt durch eine unfassbare Kraft, die man ansonsten nur erlebt, wenn man einmal aus Versehen auf einer Animeconvention zwischen verschwitzten, mit zwei bis sieben Canon-Spiegelreflexkameras bewaffneten Weebs und einer als Rem aus Re:Zero verkleideten Sechszehnjährigen steht.

Denn wenn man nicht auf den Text achten muss, sondern nur auf die musikalische Darbietung im Ganzen, dann bemerkt man erst, welche Raffinesse, welches Können, welche klangvolle Perfektion viele japanische Künstler in ihre vollkommen authentische Arbeit stecken. Und ich kann das mit Fug und Recht behaupten, bemerken und bewerten. Schließlich habe ich 63 Jahre lang Musikgeschichte studiert. Auf der Monduniversität.

Womöglich hat J-Pop mich auch einfach kaputt gemacht. Weil die in ihren knapp vierminütigen Liedern gern acht verschiedene Musikgenres, drei Orchester und eine aus vollem Hals schreiende Sängerin vermischen, umrühren und den Epikschalter auf 11 hochdrehen. So dass man meinen könnte, das Universum explodiert gleich, während Gott stirbt und im Hintergrund der Chor der Keio Girls Senior High School weint.

J-Pop, das sind die Hymnen meiner kleinen, eigenen, verkorksten Welt. Der japanischen Musikindustrie ist es egal, ob ich die Lieder höre oder nicht. Die Stars verehre oder nicht. Die Musikvideos schaue oder nicht. Sie werden mir nicht durch Fernsehwerbung und Radioslots und Newsletter vermarktet. Ich existiere nicht für sie. Ich kann mir ihre Bedeutung selbst zusammen reimen. Weiß nichts von ihren Skandalen oder Problemen oder Gerüchten.

J-Pop, das ist eine riesige, persönliche Playlist. Nur für mich. Weil alle anderen sie scheiße finden. Deren emotionale Bandbreite für alle meine Lebenslagen etwas bereit hält. Zum Tanzen. Zum Lachen. Zum Weinen.

Egal, ob sie mich an traurige Animefolgen erinnern oder an die aufwühlende Hintergrundmusik in Videospielen oder an Liebeskummer oder an meine ersten Minuten am Flughafen Narita, als ich durch das „Welcome to Japan“-Banner in eine Welt voller kultureller, technologischer und menschlicher Wunder trat. J-Pop ist immer für mich da und stopft ein wenig das Fernwehloch, das ich in meinem kleinen, ständig genervten und gelangweilten Herzen habe.

Natürlich ist J-Pop nicht cool. Selbst Japaner finden J-Pop nicht cool. Als ich bei einem Picknick im Yoyogipark einmal erwähnt hatte, dass ich AKB48 mag, durfte ich den Rest meiner Japanreise allein verbringen.

Weil anscheinend im Staatsfernsehen ein zu jeder vollen Stunde wiederholter Bericht über mich lief, in dem sie die Bevölkerung vor mir warnten und sagten, dass man sich lieber von mir fern halten solle. Ein Gaijin, der auf AKB48 steht und das auch noch öffentlich zugibt? Wenn Sie diesen wandelnden Hentai sehen, lassen Sie alles fallen! Inklusive Ihrer Kinder und Haustiere. Und laufen Sie um Ihr nacktes Leben!

Coole Japaner mögen schwedische Indiebands, amerikanische Rapper und britische DJs. Aber auf keinen Fall einen Haufen zugekleisterter Yukis von nebenan, die schmierige Zuhältermanager zusammen in eine sogenannte Band geworfen haben und nun so lange zu poppiger Tanzmusik auf und ab und hin und her hüpfen lassen, bis irgendetwas in ihnen zerbricht.

Weil ihnen klar wird, dass nur übergewichtige Büroangestellte mittleren Alters sie feiern und gleichzeitig besteigen wollen. Und sie anschließend, nach ihrer oft vom Abrasieren der Haare und Heulen vor Fernsehkameras begleiteten Sinnkrise, durch jüngere Modelle ersetzt werden. Andererseits ist das wahrscheinlich in der gesamten Unterhaltungsindustrie so. Überall. Auf der ganzen Welt.

Und wenn man sich Interviews von japanischen Bands und Musikern anschaut, dann ist da kein Stolz zu sehen, auf das, was sie geschaffen haben. Keine Überheblichkeit. Nicht einmal ein Hauch von Selbstbewusstsein. Sondern eher das genaue Gegenteil.

Ein kollektives Entschuldigen dafür, dass man für so einen Lärm verantwortlich ist, der fälschlicherweise von Plattenfirmen auch noch als Musik tituliert und verkauft wird. Als müssten sie sich dafür schämen, dass sie ihrem Traum gefolgt sind. Anstatt die Zementfabriken ihrer Väter zu übernehmen, wie es sich für waschechte japanische Nachkömmlinge gehört. Schließlich haben sie Schande über Otosan gebracht. Schande!

Nicht einmal sie selbst scheinen J-Pop zu mögen. Aus welchem Grund auch immer. Aber vielleicht ist das auch einfach nur die japanische Zurückhaltung und Höflichkeit, die in jedem noch so vor Individualität mangelndem Reisebericht klischeehaft bewundert und gefeiert wird. Ganz scheu sind sie nämlich. Die Japaner. Alle Japaner. Da gibt es keinerlei Ausnahmen. Das weiß nun doch wirklich jedes Kind.

Womöglich bin ich aber auch einfach seltsam. Also, nicht im coolen Sinn. Oh Gott, auf keinen Fall im coolen Sinn. Sondern eher im „Sollen wir ihn gleich einweisen oder noch zwei Wochen warten?“-Sinn. Wenn ich auch nur einen Takt eines x-beliebigen Mark-Forster-Gedenkthemas im Radio höre, möchte ich auf der Stelle zum Massenmörder mutieren.

Aber setzt mich mit voller Lautstärke vor ein zehnstündiges „Die besten Anime-Titellieder von 1980 bis heute“-YouTube-Video und ich werde gleichzeitig verhungern und verdursten. Weil ich einfach nicht ausschalten kann. „A Cruel Angel’s Thesis“ ist halt einfach auch ein Banger.

Mir ist vollkommen bewusst, dass ich mit dieser Offenbarung jegliche Chance auf zukünftigen Geschlechtsverkehr für immer vertan habe. Aber ich kann einfach nicht mehr so tun, als würde ich Leute wie Billie Eilish, Lizzo oder Lil Nas X gut finden. Es geht einfach nicht. Ihre Lieder. Ihre Geschichten. Ihre Gedanken. Sie bedeuten mir einfach nichts. Rein. Gar. Nichts.

Stattdessen sitze ich hier, schließe genüsslich meine Augen und höre Perfume und Kyary Pamyu Pamyu und Babymetal. Wie sie über „Sekai“, „Dokidoki“ und „Hanabi“ singen. Und ich bin glücklich. Obwohl, oder vielleicht sogar weil, ich kein einziges Wort verstehe.

Japanische Popmusik: Lieder aus einer fremden Welt Japanische Popmusik: Lieder aus einer fremden Welt Japanische Popmusik: Lieder aus einer fremden Welt Japanische Popmusik: Lieder aus einer fremden Welt Japanische Popmusik: Lieder aus einer fremden Welt Japanische Popmusik: Lieder aus einer fremden Welt Japanische Popmusik: Lieder aus einer fremden Welt Japanische Popmusik: Lieder aus einer fremden Welt Japanische Popmusik: Lieder aus einer fremden Welt Japanische Popmusik: Lieder aus einer fremden Welt
Die Fotografie stammt von Kitty
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Mädchen in Hamburg: Ein Nachmittag mit Julia

Dass Hamburg eine durch und durch wunderschöne Stadt ist, beweisen nicht nur die kunterbunten Straßen, idyllischen Häfen und ikonischen Etablissements, die überall verteilt sind, sondern auch die Menschen, die sich tagtäglich durch die Metropole an der Elbe bewegen. Wer das Glück hat, rund um Altona...
Mädchen in Hamburg: Ein Nachmittag mit Julia

Mädchen in Hamburg

Ein Nachmittag
mit Julia

Daniela Dietz

Dass Hamburg eine durch und durch wunderschöne Stadt ist, beweisen nicht nur die kunterbunten Straßen, idyllischen Häfen und ikonischen Etablissements, die überall verteilt sind, sondern auch die Menschen, die sich tagtäglich durch die Metropole an der Elbe bewegen. Wer das Glück hat, rund um Altona, Eimsbüttel oder das Schanzenviertel zu leben, weiß um die Liebe, die die Bewohner mit Hamburg verbinden.

Eine der bezaubernden Gestalten, die Hamburg Tag für Tag noch ein bisschen hübscher machen, ist Julia, die in einem netten Klamottenladen namens Vintage Gallery arbeitet und tatkräftig dafür sorgt, dass stilbewusste Menschen ihren Store noch stilbewusster verlassen. Der angehende Fotograf Daniel Dittus hat die Hamburger Schönheit an einem sonnigen Frühlingstag für Sticks & Stones verewigt. Mit einer Ananas.

„Wir renovieren gerade meine neue Wohnung und sind darin auf Tapeten aus den Siebzigern gestoßen“, erzählt Daniel uns. „Ich habe Julia durch einen Freund kennengelernt und war fasziniert von ihrem Style und ihrem Vibe. Also habe ich sie gefragt, ob sie nicht mal Lust auf ein Shooting hätte. Wir hatten Glück, die Sonne strahlte und Julia, die zuvor noch nie vor der Kamera stand, zog einfach ihr eigenes Ding durch.“ Wundervoll!

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Die Fotografie stammt von Daniel Dittus
Als Model ist Julia Eh zu sehen
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BiSH: Melodien für Rebellen

Girlbands gehören zu Japan wie Sushi, Sake und Unterwäschefetisch. Die Idol-Groups genannten Kapellen wie AKB48, Nogizaka46 oder Passpo tauchen immer und überall auf. Im Fernsehen, im Radio, auf Plakatwänden. Man kann ihren perfekten Lächeln in Metropolen wie Tokio, Kyoto oder Osaka kaum entgehen, i...
BiSH: Melodien für Rebellen

BiSH

Melodien für
Rebellen

Marcel Winatschek

Girlbands gehören zu Japan wie Sushi, Sake und Unterwäschefetisch. Die Idol-Groups genannten Kapellen wie AKB48, Nogizaka46 oder Passpo tauchen immer und überall auf. Im Fernsehen, im Radio, auf Plakatwänden. Man kann ihren perfekten Lächeln in Metropolen wie Tokio, Kyoto oder Osaka kaum entgehen, in kleineren Städten gibt es oft lokale, nicht ganz so durchgestylte Kopien der großen Vorbilder.

Etwas härter als die bekannten Gruppierungen lässt es die Band BiSH angehen. Irgendwo zwischen Scandal, Stereopony und Morning Musume angesiedelt, versuchen Aina The End, Cent Chihiro Chittiii, Momoko Gumi Company, Lingling, Hashiyasume Atsuko und Ayuni D die fernöstliche Musikwelt mit einer audiovisuellen Alternative zu beglücken. Sie sind nicht anti, nicht dagegen, dem Klischee nicht abgeneigt, ganz im Gegenteil.

Die Mitglieder von BiSH, was die Abkürzung für Brand-new idol SHiT ist, machen sich das süße Idoltum zu eigen und wirken deswegen manchmal nicht wie sie selbst. Ob das nun gut oder schlecht ist, hat ihr Heimatland längst entschieden. Dort zählen sie zu den heißesten Newcomern der letzten Jahre. Songs wie PAiNT it BLACK, SMACK baby SMACK und GiANT KiLLERS werden im Netz und auf der Straße gefeiert. Zurecht.

BiSH: Melodien für Rebellen BiSH: Melodien für Rebellen BiSH: Melodien für Rebellen BiSH: Melodien für Rebellen BiSH: Melodien für Rebellen
Die Fotografie stammt von Wack
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Ein Versuch der Annäherung: Modemädchen, die moderne Nymphe

Das Modemädchen, eine eigentlich sehr schützenswerte Gattung Mensch, welche von allerlei Fälschungen verunreinigt wird. Die Echtheit und Ursprünglichkeit eines wirklichen Modemädchens mutet strahlend an. Es handelt sich hierbei keineswegs um Modeopfer oder liebenswert betitelte „Milchmädchen“ – w...
Ein Versuch der Annäherung: Modemädchen, die moderne Nymphe

Ein Versuch der Annäherung

Modemädchen,
die moderne Nymphe

Raphaela Anouk

Das Modemädchen, eine eigentlich sehr schützenswerte Gattung Mensch, welche von allerlei Fälschungen verunreinigt wird. Die Echtheit und Ursprünglichkeit eines wirklichen Modemädchens mutet strahlend an.

Es handelt sich hierbei keineswegs um Modeopfer oder liebenswert betitelte „Milchmädchen“ – welche mit entblößten Brüsten gleich eine ganz andere Bedeutung bekommen würden – nein. Vielmehr geht es um eine moderne Art der Nymphe, welche sich ihrer Wirkung durchaus bewusst ist, und die Oberfläche ihres Seins geschickt einsetzt.

Ihr Hauptinteresse gilt der Ästhetik, sie mag das feingeistige und fühlt sich in kreativen Gefilden zu Hause. Das gemeine Modemädchen schätzt eine gewisse Urbanität im täglichen Umfeld, Villen am Stadtrand gehören noch zu dem typischen Territorium, genauso wie mehr oder minder prachtvolle Landsitze oder leicht verwilderte Künstler-WGs in einschlägigen Szenevierteln. Ebenfalls wird das Modemädchen von der absoluten Antiszene angezogen und ist weder totaler Einzelgänger noch Herdentier.

Primär geht es unserem Objekt der Begierde nicht um Konsum, ein übertriebenes Kaufverhalten ist untypisch für diese Gattung. Mode ist in diesem Kontext sehr generell zu verstehen, im Sinne von der Art etwas zu tun und nicht etwa bezogen auf den stupiden Akt des Blößebedeckens. Mode als temporäre und zeitgemäße Weise bestimmte Dinge zu tun. Der Wandel ist ein ganz markantes Merkmal daran, die zyklische Weiterentwicklung und Anpassung an die Gesellschaft.

Akkurates Charakterchaos ist ebenso typisch für das gemeine Modemädchen, wie auch das Streben nach Perfektion – in einem vielmehr intellektuellen als ästhetischen Sinne, auch wenn man meinen könnte, es wäre genau anders herum.

Wert wird auf den bohèmischen Lebensstil gelegt, auf die schönen Dinge im Leben. Hedonismus als grundlegender Charakterzug. Der Bezug auf das rein Äußerliche lässt diesen Organismus erblassen. Pure Oberflächlichkeit löst universelles Unbehagen in ihm aus.

Das gemeine Modemädchen etikettiert sich selbst nie als solches, wahrscheinlich ist es sich dessen nicht einmal bewusst. Sobald man sich eigens als etwas betitelt, ist man ja zumeist eine Fälschung dessen. Aber wenn einen andere entlarven und beschreiben, worüber sprechen wir dann? Ist es auf- oder abwertend, will man uns den Kopf streicheln oder auf unsere Pfirsichpos schlagen?

Ist Modemädchen ein Subjekt oder doch viel mehr ein plagiatorisches Objekt? Preise ich mich als Idealversion von etwas Künstlichem an, stelle ich mich hinter Glas, um betrachtet zu werden? Alle Augen auf mich, ich bin ein Modemädchen, wie ein Löwe im goldenen Käfig.

Die Fotografie stammt von Ryan Jacobson
Der Text erschien in der Kategorie Mode mit den Themen
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Mädchen in Brasilien: Zuhause mit Yasmin Shizue

Als ich 18 geworden bin, habe ich im Tattoostudio um die Ecke einen Termin gemacht, weil ich mir ein paar schwarze Sterne und einen Mond auf den Oberarm stechen lassen wollte. 50 Euro musste ich vorauszahlen und in einer Woche noch mal vorbei schauen. Natürlich bin ich dort nie wieder hingegangen, w...
Mädchen in Brasilien: Zuhause mit Yasmin Shizue

Mädchen in Brasilien

Zuhause mit
Yasmin Shizue

Daniela Dietz

Als ich 18 geworden bin, habe ich im Tattoostudio um die Ecke einen Termin gemacht, weil ich mir ein paar schwarze Sterne und einen Mond auf den Oberarm stechen lassen wollte. 50 Euro musste ich vorauszahlen und in einer Woche noch mal vorbei schauen. Natürlich bin ich dort nie wieder hingegangen, weil ich vor lauter Zweifel starr vor Angst war. Was ist, wenn ich Himmelskörper irgendwann nicht mehr toll finde?

Dieses Problem hat Yasmin Shizue aus Brasilien wohl nicht mehr. Die bezaubernde Tattooliebhaberin und -künstlerin sticht nicht nur kleine und große Meisterwerke auf die Haut von Menschen, die keine Zweifel mehr haben, sondern besitzt auch selbst ein paar nette Malereien, Botschaften und Symbole auf dem Körper. Die Fotografin Erika de Faria hat die hübsche Südamerikanerin nun für C-Heads digital verewigt.

„Kurz nachdem sie ihre Leidenschaft für das Zeichnen und Tattoos entdeckt hat, arbeitete Yasmin als Assistentin für einen Tätowierer, bevor sie kurz darauf ihr eigenes Studio eröffnete“, erzählt Erika. „Ihre Arbeit mit Tattoos, ihr feiner Pinselstrich, das ist wirklich etwas ganz Besonderes und die Elemente der Natur sind in ihren Zeichnungen ständig präsent und zeigen auch immer ein bisschen, wer sie wirklich ist.“

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Die Fotografie stammt von Erika de Faria
Als Model ist Yasmin Shizue zu sehen
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I Like Big Butts: Dicke Hintern sind pure Weiblichkeit

Da ich zum Team X-Chromosom gehöre, sehe ich die Sache relativ pragmatisch. Für uns Frauen sind Brüste selten mehr als Fettgewebe, umschlossen von Haut und nur dazu dienend, männliche Primaten außer Gefecht zu setzen. Auch wenn wir uns, noch grün hinter den Ohren, bereits mit allen Formen von Pus...
I Like Big Butts: Dicke Hintern sind pure Weiblichkeit

I Like Big Butts

Dicke Hintern sind
pure Weiblichkeit

Leni Garibov

Da ich zum Team X-Chromosom gehöre, sehe ich die Sache relativ pragmatisch. Für uns Frauen sind Brüste selten mehr als Fettgewebe, umschlossen von Haut und nur dazu dienend, männliche Primaten außer Gefecht zu setzen.

Auch wenn wir uns, noch grün hinter den Ohren, bereits mit allen Formen von Push-Ups und Wonderbras beschäftigten, unsere Brüste heimlich mit denen der anderen Mädchen in der Umkleidekabine verglichen, bis heute daran herumdrücken, sie in Szene setzen und pflegen, sind sie im Grunde nur etwas, das wir nun einmal haben – und was seltsamerweise immer im Weg steht, wenn Männer uns wirklich, ehrlich und aufrichtig in die Augen schauen wollen.

Ich persönlich lege wesentlich mehr Wert auf die Hinteransicht. Die Empirie spricht für sich und bringt all die wunderbaren Frauen auf einen Booty-Nenner: Beyoncé, Nicki Minaj, selbst Michelle Obama oder meinetwegen auch Iggy Azalea – Talent und Hintern. Wollt ihr mir jetzt etwas von Zufällen erzählen? Und fangt ja nicht mit Kim Kardashian an, die hat von allem zu viel – und ist eh ein Alien.

Brüste sind zwar schön, keine Frage, aber sollten sie wirklich als Synonym für intelligente Stärke gelten? Wohl kaum. Ich meine, was können sie schon, als vor sich hinzuhängen und beim Sport zu stören? Schon mal versucht, damit zu twerken? Sie lasziv zu bewegen? Oder wenigstens darauf zu sitzen?

Klar, die ein oder andere Dame kann mit ihrem Vorbau sogar Melonen zerschlagen oder zu guter Letzt ein Kind füttern, was mich zu der Theorie führt, die stereotypische männliche Vorlieben zumindest im Ansatz erklären würden: das Kind im Manne sehnt sich nach Boobies, damals in der Schule konnten die Jungs schließlich, zumindest theoretisch, auch nicht genug von davon bekommen – vielleicht auch deshalb, weil in der Bravo niemand von hinten abgelichtet wurde.

Echte Männer dagegen wissen den Wert schöner Hintern zu schätzen, und das nicht erst, seitdem J.Lo ihr Prachtstück salonfähig machte. Könnte auch daran liegen, dass man erst zum Mann wird, nachdem man etwas mehr Lebenserfahrung vorzuweisen hat, als auf der Gamescom gewesen zu sein.

Aber da sich reife Männer, abgesehen von Til Schweiger, vorwiegend mit Frauen und nicht jungen Mädchen paaren, erledigt sich die Tittenfrage oft von allein: das Bindegewebe macht ab Ende 20 nur noch selten mit und wer in der Pubertät euren persönlichen Kate-Upton-Traum vor sich hintrug, weint spätestens jetzt den Zeiten hinterher, als man den Begriff „Straff“ noch ungeniert mit dem Begriff „Brüste“ in einem Satz aussprechen konnte.

Es tut mir wirklich leid, eure Doppel-D-Träume zu zerstören, aber diejenigen von uns, die nicht gerade mit Riesenhupen gesegnet wurden, sind auf lange Sicht einfach besser dran – wo nicht viel ist, kann auch nicht viel hängen! Einen straffen Hintern dagegen kann man sich auch noch mit über 50 erarbeiten. Also, wenn die Sache mit der Käsepizza nicht gerade im Weg stehen würde.

Doch wo wir gerade bei Illusionen wären: um euch nicht zu brutal von eurem Euphorietrip zu holen, rede ich ganz sanft und beruhigend auf euch ein, gebe zu, dass Brüste selbstverständlich wunderschön sind und sowohl große als auch kleine ihren Charme haben und jede Frau einzigartig machen.

Aber reißt euch verdammt nochmal zusammen und seht ein, dass selbst die Kate Uptons, Palina Rojinskis und Emily Ratajkowskis dieser Welt früher oder später zum Stütz-BH greifen müssen – während wir von der Bootylicious-Fraktion noch auf Squats vertrauen können. Und auf enge Pencilskirts, die verstrahlte Hupenprediger wie euch der natürlichen Selektion überlassen und echte Männer anerkennend nicken lassen.

Doch bevor das Ganze wieder der politischen Korrektheit entgleist, jeder noch schnell anmerken muss, dass Frauen ja gar nicht dazu da sind, um es euch Männern recht zu machen, und Alice Schwarzer bereits an ihrem Schreibtisch zusammenbricht, muss ich der Vollständigkeit halber erwähnen, dass das Heißeste an einer Frau sowieso ihr Köpfchen ist – und damit meine ich nicht die Frisur. Aber das würdet ihr in eurem Titties-Paradies je eh nicht verstehen…

Die Fotografie stammt von Monika Kozub
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Kurze Haare, kleine Brüste: Ich liebe Tomboys

Als ich mit zwölf Jahren meine allererste, sogenannte, Freundin in unserem selbstgebauten Geheimversteck irgendwo unter Pappkartons, Rattengift und Industriepaletten den nackten, haarigen Arsch kraulte, wusste ich, was mich mein restliches Leben lang erwarten würde. Denn sie war keines dieser normal...
Kurze Haare, kleine Brüste: Ich liebe Tomboys

Kurze Haare, kleine Brüste

Ich liebe
Tomboys

Marcel Winatschek

Als ich mit zwölf Jahren meine allererste, sogenannte, Freundin in unserem selbstgebauten Geheimversteck irgendwo unter Pappkartons, Rattengift und Industriepaletten den nackten, haarigen Arsch kraulte, wusste ich, was mich mein restliches Leben lang erwarten würde. Denn sie war keines dieser normalen Mädchen, die irgendwann anfingen, sich wie wild Make-up aufs Gesicht zu knallen, zur Pediküre zu gehen und sich die Beine zu rasieren, sondern mein bester Kumpel. Seit etlichen Jahren schon.

Wir sprangen als Power Rangers über Erdsäcke, schlugen uns im Wald gegenseitig windelweich und schauten spät abends zusammen mit ihren kleinen Brüdern die ersten Pornos auf TM3, nur um ihr eigen Fleisch und Blut dann auszulachen und johlend die Treppe hinunter zu stoßen. Ich bewunderte Maria mit jeder Faser meines Körpers. Sie war mein erster Tomboy.

Drei Jahre später hatten wir dann das erste Mal Sex. Sie kam gerade vom Kellnern im Lokal ihrer Mutter hoch in ihr Zimmer, wir redeten die ganze Nacht. Über wahnsinnige Träume und die Zukunft und Xavier Naidoo. Ich streifte ihr mit einer Handbewegung den hellgelben Slip vom Körper und wühlte mich durch ihren behaarten Unterleib.

Ein guter Freund schlummerte grinsend daneben, der Vollmond schien ins Zimmer – wie romantisch das doch war. Dass sie mir ein Jahr später beichtete, sie sei ja eigentlich lesbisch und hätte sich schon im Kindergarten am liebsten von Liesl und Beate beim Mittagsschlaf umarmen lassen, hielt mich nicht davon ab, diese Liebe zu weiblichen Kumpeltypen fortzusetzen.

Tatsächlich stand ich noch nie auf nervige Tussis. Mit ihren Stöckelschuhen und Handtäschchen und glitzernden Lippen. Obwohl ich mit einigen von ihnen zusammen war. Zum Testen. Was ich wollte, waren Mädels mit Verstand. Und Direktheit. Und Sinn für’s Grobe. Ich mochte diejenigen, die statt Tangas Boxershorts trugen. Die sich auf Skateboards blutige Knie einheimsten, anstatt im Solarium zu verbrennen.

Die sich durchsetzen konnten und frech waren und eine eigene Meinung hatten und verdammt noch mal eher das Leben fickten, als sich davon penetrieren zu lassen. Die man als gute Freunde kennen lernte und die plötzlich mit prallen Titten und fertiger Muschi schmunzelnd vor einem standen, aber sich dennoch nicht verändert hatten. Und dann ausprobierten, was neu war. Wie mit Maria. Oder Anastasia. Oder Wenke.

Eine gute Freundin meinte einmal zu mir, dass ich auf diese Art von Mädchen stehe, weil ich ohne Vater aufgewachsen bin. Und dadurch versuche, mit allen Mitteln verlorene Autorität zurück zu holen. Mag sein, aber das ändert nichts an der Tatsache, dass ich nichts mit Mädchen anfangen kann, die zu allem Ja und Amen sagen. Die unbedingt dem geltenden Schönheitsideal entsprechen müssen. Und die kichern und klimpern und niemals furzen oder grunzen oder schlagen. Wie öde. Dann kann ich auch mit einer Puppe zusammen sein.

Die schönsten und womöglich auch lehrreichsten Zeiten meines Lebens habe ich deswegen auch immer mit weiblichen Wesen erlebt, die eben mehr Kumpel als Freundin waren. Mit denen ich nachts um die Wette trinken und koksen und kotzen und grölen konnte, nur um sie anschließend auf dem Balkon durchnehmen zu dürfen, während Muse auf voller Lautstärke lief – weil es gerade Sommer war und die Stadt unter der Hitze zu zerschmelzen drohte. Die kleine, feste Brüste mit diesen wahnsinnig tollen, puffigen Nippeln hatten, weil Gott bis zur letzten Sekunde unentschieden war, welches Geschlecht er ihnen um seines Willen erteilen sollte. Und ich war ihm unendlich dankbar dafür.

Und die während des Sex erst einmal lautstark nebenan kacken gingen, nur um ein paar Minuten später grinsend zurück zu kehren, ihre abstrusen und verrückten Abenteuer auf dem Klo zu schildern und dann mit fettigem Salami-Sandwich und einer frisch geöffneten Flasche Bier im Mund weiter zu vögeln. Um anschließend selbst Fotos mit der miesen Digitalkamera vom Discounter von sich zu machen und am nächsten Tag an einen weiteren unserer Kumpel zu schicken. Das ist wahre Liebe, fernab von allen beschissenen Disney-Filmen und Bravo-Foto-Love-Storys und Bilderbuch-Ratgebern. Was für ein Dreck.

Also lebe ich mein Leben ganz normal weiter, schlafe ab und zu mit langweiligem Menschen, deren Geschichten schon tausend Mal erzählt worden sind, und hoffe insgeheim, dass ich mich irgendwann einmal richtig in einen vorlauten, durchgeknallten, anstandslosen, rülpsenden, furzenden, biertrinkenden, dreckig lachenden, ungeschminkten, kleinbrüstigen, selbstbewussten Kumpeltyp mit Sommersprossen und hübscher Scheide und verschmitzten Lächeln und abstrusen Erlebnissen verknalle, und umgekehrt, der keine Angst vor’m Leben hat und über jeden noch so hohlen Blondenwitz genau so widerlich lacht wie ich.

Der eine Vergangenheit zum Eintauchen hat. Mit Höhen und Tiefen und zum Niederknien tolle Lieblingsfilme und Lieder und sowieso. Der mehr Zeit mit anderen Jungs auf dem Fußballplatz als im Barbie-Traumhaus verbracht hat. Und der nun mal eine Sie ist, bei der man im ersten Augenblick weiß: Alter, mit der ist das ganze restliche Leben eine große Mischung aus Sex und Beer Pong und Großmäuler verprügeln und auf Reisen gehen und Autos anzünden und den Sonnenuntergang anhimmeln und Slipknot hören und Geld rauswerfen und Party machen und nackt im See planschen und sich gegenseitig Flaschen reinschieben und sich mit diesem ganz bestimmten Grinsen zulächeln, das man eben nur kennt, wenn man gerade seinen besten Freund fickt. Das ist das Beste. Am ganzen Leben. Versprochen.

Die Fotografie stammt von Daniel Apodaca
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Geschwisterliebe: Inzest ist die neue Homosexualität

Sag mal, würdest du eigentlich mit deiner Schwester ficken? Die Frage rutscht mir so raus, als ich mit meinem Kumpel Max vor dem Fernseher sitze und wir eine Folge irgendeiner dämlichen Serie schauen, die das Thema Inzest behandelt. Bäh, nee, das ist absolut eklig!, entgegnet er sofort und schen...
Geschwisterliebe: Inzest ist die neue Homosexualität

Geschwisterliebe

Inzest ist die neue
Homosexualität

Nadine Kroll

„Sag mal, würdest du eigentlich mit deiner Schwester ficken?“ Die Frage rutscht mir so raus, als ich mit meinem Kumpel Max vor dem Fernseher sitze und wir eine Folge irgendeiner dämlichen Serie schauen, die das Thema Inzest behandelt. „Bäh, nee, das ist absolut eklig!“, entgegnet er sofort und schenkt sich noch mal Wein nach. „Aber wieso denn nicht?“, hake ich nach. „Deine Schwester ist ein super attraktives Mädchen!“ „Mag sein“, antwortet Max, „aber sie ist eben auch meine Schwester.“

„Gut“, sage ich. „Aber jetzt stell‘ dir doch mal vor, sie wäre eine Fremde. Ein Mädchen, das du nicht kennst und dem du zufällig auf der Straße begegnest.“ „Nicht, solange sie meine Schwester ist.“ „Aber du weißt ja in dem Moment nicht, dass sie deine Schwester ist. Wie in Star Wars! Und stell dir mal einen ganz kurzen Moment vor, sie wäre nicht deine Schwester. Würdest du dann?“ „Vermutlich schon“, antwortet Max. „Also wenn sie wirklich nicht meine Schwester wäre, sondern eine wildfremde Frau, mit der ich nicht über irgendwelche Ecken und Kanten verwandt bin.“ „Aha“, sage ich, lehne mich zurück und lasse mich weiter von der Serie im Fernsehen berieseln.

Das Thema Inzest beschäftigt mich, seit ich zum ersten Mal darauf gestoßen bin, als ich im Kleiderschrank meines Vaters ein vergilbtes Pornoheftchen fand, in dem es zwei Brüder mit ihrer angeblichen Schwester trieben. Ich war zugleich angeekelt, schockiert und interessiert. Natürlich habe ich mich in dem Moment gefragt, ob mein Vater es gerne auch mal mit mir treiben würde.

In diesem Moment war für mich völlig logisch, dass mein Vater irgendein abartiger Perverser war, der sich irgendwann an mir vergreifen würde. Hat er selbstverständlich nicht. Und heute, viele, viele Jahre später, ist mir klar, dass diese Vorverurteilung, die ich gegenüber ihm getroffen habe, etwas ist, das mir anerzogen wurde. Kein Inzestporno dieser Welt macht einen stinknormalen Familienvater zu einem Pädophilen. Noch nicht einmal zu einem Pädosexuellen. Sondern lediglich zu einem Menschen, den ein gesellschaftliches Tabu in seinen Fantasien reizt.

Meine Reaktion war in diesem Moment dennoch ganz natürlich. Zumindest, wenn man nach Sigmund Freud geht. Während es für kleine Kinder ganz normal ist, mit ihren Eltern zu schmusen und sie zu küssen, lösen sie sich in einer bestimmten Phase davon. Im Normalfall durch das Zutun der Eltern, die zum Beispiel Dinge sagen wie: „Du kannst deinen Papa nicht heiraten, der gehört schon zu mir!“

Dadurch wird irgendwann klar: Familie ist tabu. Du musst sie anders lieben als du deine zukünftigen Partner liebst. Für gewöhnlich ist familiär einiges schief gelaufen, wenn zwei Geschwister, die miteinander aufgewachsen sind, sich sexuell zueinander hingezogen fühlen. Sagen zumindest Psychologen. Ein anderer Fall liegt vor, wenn die Geschwister sich nicht von klein auf kennen und dann eine sexuelle Beziehung miteinander beginnen. Das ist zwar gesetzlich immer noch verboten, wird allerdings psychologisch noch mal ganz anders behandelt. Ich verweise an dieser Stelle gerne noch einmal auf das wohl bekannteste Inzestpärchen Luke und Leia.

Inzestpornografie macht, insbesondere in Deutschland, einen sehr großen Teil des Marktes aus. Und ich glaube, das liegt nicht daran, dass jeder dritte Mensch sich vorstellt, es mit Schwester, Bruder, Mutter oder Vater zu treiben, sondern weil es sich um ein gesellschaftliches Tabu handelt. Und die sind für gewöhnlich geil. Zumindest in der Fantasie. Und wenn man sich nicht zwangsläufig ein eigenes Familienmitglied dabei vorstellt, sondern beispielsweise das hübsche Zwillingspärchen von nebenan.

Es gibt sie allerdings, die Menschen, die sich in einen nahen Verwandten verlieben und eine sexuelle Beziehung anstreben. Und wenn wir mal kurz das außen vor lassen, was Sigmund Freud dazu gesagt hat: Was ist daran bitte verwerflich, sofern diese Zuneigung auf Gegenseitigkeit beruht und beide Personen volljährig sind? Es ist eine Barriere, die in unseren Köpfen ist und die Psychologie, die dahintersteckt, ist in meinen Augen längst überholt.

Man bedenke nur mal, dass vor nicht allzu vielen Jahren Homosexualität noch bestraft und mit irgendwelchen psychischen Störungen begründet wurde und auch wenn es mittlerweile glücklicherweise gesetzlich erlaubt ist, gleichgeschlechtliche Partnerschaften einzugehen, so ist dieses Denken dennoch nicht aus den Köpfen vieler nicht-homosexueller Menschen geblieben. Vielleicht sind die Geschwister, die zusammen sein möchten, gar nicht psychisch krank, sondern werden nur von der Gesellschaft dazu deklariert, und leiden so extrem darunter, weil ein Gesetz es ihnen verbietet, ganz normal zusammen zu sein.

Ich persönlich halte das Inzestverbot für überflüssig, zumal es stark gegen die sexuelle Selbstbestimmung spricht. Erwachsene Menschen sollten tun und lassen dürfen, was sie wollen. Ganz egal, ob sie in einem verwandtschaftlichen Verhältnis zueinander stehen oder nicht. Das Argument, dass potentieller Nachwuchs „erbkrank“ sein könne, zählt für mich auch nicht. Ich empfinde es sogar als überaus diskriminierend, weil es Menschen mit Behinderung, die aus nicht-inzestuösen sexuellen Verhältnissen stammen, abwertet oder schlimmer noch: für unsere Gesellschaft irgendwie untragbar macht.

Zumal es genau dieses Gesetz ist, das Menschen zwingt, ihre Identität zu wechseln oder im verborgenen ihren Sehnsüchten nachzugehen. Kein Verbot dieser Welt ist so stark wie die Liebe zwischen zwei Menschen und dabei ist es völlig egal, ob es sich um ein Geschwisterpärchen handelt oder um zwei Personen, die aufgrund ihrer Religion oder was auch immer nicht legal zusammen sein dürfen. Jedes Gesetz, das den Menschen nicht mehr Freiheit schenkt, sondern ihnen ihre Freiheiten raubt, ist beschissen. Und ihr wisst es.

Man muss ja nicht alles gut finden, was andere Menschen so machen. Aber man kann zumindest akzeptieren, dass es das gibt, und zwar häufiger als man denkt, und das Ganze auch mal entkriminalisieren. Wir reden hier ja nicht von Menschen, die Massenschlachtungen an anderen Menschen vornehmen, sondern von solchen, die sich lieben und den Risiken, die diese Liebe vielleicht mit sich bringt, vollkommen bewusst sind.

Niemand gehört für Liebe bestraft. Im Gegenteil: Die Menschen, die aufrichtig lieben, sich über Grenzen hinwegsetzen und sich ihre Freiheiten nehmen, weil sie es verdient haben, frei zu sein, zu lieben und zu ficken, wen sie lieben und ficken wollen, gehören ausdrücklich belohnt. Mit Freiheit vor der Gesellschaft und vor dem Gesetz. Im Gegensatz denen, die Freiheiten beschränken. Und das ist in den meisten Fällen der Staat und keine Einzelperson, die sich aus mehr oder wenigen guten Gründen über die ihm auferlegten Verbote hinwegsetzt.

Die Fotografie stammt von Vidar Nordli-Mathisen
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Summer Wars: Eine Familie rettet die Welt

Wer japanische Ghibli-Filme nicht gut findet, der hat kein Herz. Der bindet süße Hundewelpen an einen dornigen Stock und zieht sie dann durch flüssigen Teer, nur um sich daran zu ergötzen, wie kleine Kinder deswegen schluchzen und weinen. Der sagt zu kostenlosen Waffeln mit Puderzucker Nein. Der trä...
Summer Wars: Eine Familie rettet die Welt

Summer Wars

Eine Familie
rettet die Welt

Marcel Winatschek

Wer japanische Ghibli-Filme nicht gut findet, der hat kein Herz. Der bindet süße Hundewelpen an einen dornigen Stock und zieht sie dann durch flüssigen Teer, nur um sich daran zu ergötzen, wie kleine Kinder deswegen schluchzen und weinen. Der sagt zu kostenlosen Waffeln mit Puderzucker Nein. Der träumt von einer Welt ohne bunte Farben. Ohne entblößte Brüste. Ohne Liebe, Frieden, Glitter.

Um mir so oft wie möglich die japanische Sprache zu geben, um mich schon bald als Herr Sakimoto auf das japanische Festland schmuggeln zu können, hole ich zur Zeit alle alten Anime, Filme und Serien aus dem fernen, fernen Osten nach. Weil ich mir einrede, dass mir das irgendwie weiterhilft. Das stimmt natürlich nicht. Aber ich höre Leute gerne “Kawaii”, “Sugoi” und “Oiishi” sagen. Und selbstverständlich auch “Watashi no mune o mite!”

Am Wochenende haben wir uns Summer Wars gegeben. Eine Geschichte über eine Art Facebook und eine Großfamilie und einen kleinen Loser und das hübscheste Mädchen der Schule und wie die zusammenkommen und einen bösen Computervirus und Atomkraftwerke und einen perversen Onkel und ganz viel Essen und Mathematik und Tokio und Baseball und Brettspiele und coole Omas und Nasenbluten.

Man könnte fast glauben, er wäre direkt aus einem DVD-Haufen Chihiros Reise ins Zauberland, Prinzessin Mononoke und Das wandelnde Schloss entstanden, aber er stammt weder von Hayao Miyazaki noch von Studio Ghibli, sondern von Mamoru Hosoda und Madhouse, die ihr womöglich von Das Mädchen, das durch die Zeit sprang, Sakura Wars oder Tokyo Godfathers her kennt. Womöglich.

Was ich damit sagen will: Wer, wie wir, eine gar nicht peinliche, sondern verdammt stolze Sailor Moon-Vergangenheit hat, früher gerne Dragon Ball guckte und dem auch Streifen wie Neon Genesis Evangelion oder Plastic Little ein Begriff sind, der sollte Summer Wars aus dem Jahr 2010 eine Chance geben. Er ist großartig. Und wir haben am Ende fast geweint. Und die drei kleinen Arschlochkinder sind die Besten. Und sowieso.

Summer Wars: Eine Familie rettet die Welt Summer Wars: Eine Familie rettet die Welt Summer Wars: Eine Familie rettet die Welt Summer Wars: Eine Familie rettet die Welt Summer Wars: Eine Familie rettet die Welt Summer Wars: Eine Familie rettet die Welt Summer Wars: Eine Familie rettet die Welt Summer Wars: Eine Familie rettet die Welt Summer Wars: Eine Familie rettet die Welt Summer Wars: Eine Familie rettet die Welt Summer Wars: Eine Familie rettet die Welt Summer Wars: Eine Familie rettet die Welt Summer Wars: Eine Familie rettet die Welt Summer Wars: Eine Familie rettet die Welt Summer Wars: Eine Familie rettet die Welt Summer Wars: Eine Familie rettet die Welt Summer Wars: Eine Familie rettet die Welt Summer Wars: Eine Familie rettet die Welt Summer Wars: Eine Familie rettet die Welt Summer Wars: Eine Familie rettet die Welt Summer Wars: Eine Familie rettet die Welt Summer Wars: Eine Familie rettet die Welt Summer Wars: Eine Familie rettet die Welt Summer Wars: Eine Familie rettet die Welt Summer Wars: Eine Familie rettet die Welt Summer Wars: Eine Familie rettet die Welt Summer Wars: Eine Familie rettet die Welt Summer Wars: Eine Familie rettet die Welt Summer Wars: Eine Familie rettet die Welt Summer Wars: Eine Familie rettet die Welt
Die Illustration stammt von Mamoru Hosoda, Madhouse und Kazé
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Hollow Knight: Im Königreich der Käfer

Hollow Knight gibt es quasi für jede Plattform unter der Sonne. Xbox, PlayStation und sogar für Nintendo-Konsolen - da haben die Entwickler wirklich ganze Arbeit geleistet. Höchste Zeit für uns also, euch dieses außergewöhnliche Schmankerl der Indie-Videospielriege kurz vorzustellen. Schließlich zäh...
Hollow Knight: Im Königreich der Käfer

Hollow Knight

Im Königreich
der Käfer

Marcel Winatschek

Hollow Knight gibt es quasi für jede Plattform unter der Sonne. Xbox, PlayStation und sogar für Nintendo-Konsolen – da haben die Entwickler wirklich ganze Arbeit geleistet. Höchste Zeit für uns also, euch dieses außergewöhnliche Schmankerl der Indie-Videospielriege kurz vorzustellen. Schließlich zählt der aus dem Süden von Australien stammende Jump’n‘-Run-Titel durch seine dunkle, schaurige und mysteriöse Art und Weise zu den schönsten Action-Adventures der vergangenen Jahre.

Tief unter der langsam verfallenden Stadt Dirtmouth liegt ein uraltes zerstörtes Königreich. So manch einen Abenteurer zieht es dort in den Untergrund, um nach Schätzen, Ruhm oder nach Antworten auf mysteriöse Geheimnisse zu suchen. In Hollow Knight bahnt ihr euch nun einen Weg durch eine seltsame Welt voller Insekten, Helden und andere verdorbene Kreaturen, ganz im überall beliebten Metroidvania-Stil.

Die Atmosphäre ist meist ziemlich unheimlich und manchmal sogar beunruhigend, aber hin und wieder weht ein Hauch von Humor und Leichtigkeit durch die düstere Spielwelt, besonders dann, wenn man sich mit all den seltsamen und wunderbaren Gestalten unterhält, die man unterwegs trifft. Hollow Knight sieht wahnsinnig gut aus, bietet fordernde und reaktionsschnelle Action und hat eine unglaubliche, bizarre Insektenwelt, die darum bettelt, erforscht und erobert zu werden – wenn ihr es denn drauf habt.

Ich hatte auf jeden Fall meinen Spaß mit dem Spiel, auch wenn ich an manchen Passagen schier verzweifelt bin. Das lag oft zwar nicht unbedingt am zu hohen Schwierigkeitsgrad, sondern einfach aus einer fatalen Mischung aus Tollpatschigkeit und einer irgendwann bei mir eintretenden „Augen zu und durch“-Einstellung, die nur zu noch mehr Fehlern geführt hat. Wer einen etwas höheren Frustpegel besitzt und sich von solchen Stellen den Spielspaß nicht verderben lässt, der findet mit Hollow Knight ein schönes, rundes und liebevoll durchdachtes Abenteuer.

Hollow Knight: Im Königreich der Käfer Hollow Knight: Im Königreich der Käfer Hollow Knight: Im Königreich der Käfer Hollow Knight: Im Königreich der Käfer Hollow Knight: Im Königreich der Käfer Hollow Knight: Im Königreich der Käfer Hollow Knight: Im Königreich der Käfer Hollow Knight: Im Königreich der Käfer Hollow Knight: Im Königreich der Käfer Hollow Knight: Im Königreich der Käfer Hollow Knight: Im Königreich der Käfer Hollow Knight: Im Königreich der Käfer Hollow Knight: Im Königreich der Käfer Hollow Knight: Im Königreich der Käfer Hollow Knight: Im Königreich der Käfer Hollow Knight: Im Königreich der Käfer Hollow Knight: Im Königreich der Käfer Hollow Knight: Im Königreich der Käfer Hollow Knight: Im Königreich der Käfer Hollow Knight: Im Königreich der Käfer Hollow Knight: Im Königreich der Käfer Hollow Knight: Im Königreich der Käfer Hollow Knight: Im Königreich der Käfer Hollow Knight: Im Königreich der Käfer Hollow Knight: Im Königreich der Käfer Hollow Knight: Im Königreich der Käfer
Die Illustration stammt von Team Cherry
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In Another World with My Smartphone: Fantasy für Pädophile

Seid ihr schon mal vor dem Fernseher oder eurem Laptop gesessen und habt euch gefragt, was wohl das Dümmste ist, das ihr euch jetzt anschauen könnt, nachdem ihr das komplette Fernsehprogramm von RTL, ProSieben & Co. bereits durch hattet? Die Antwort ist: In Another World with My Smartphone. Das ist...
In Another World with My Smartphone: Fantasy für Pädophile

In Another World with My Smartphone

Fantasy für
Pädophile

Marcel Winatschek

Seid ihr schon mal vor dem Fernseher oder eurem Laptop gesessen und habt euch gefragt, was wohl das Dümmste ist, das ihr euch jetzt anschauen könnt, nachdem ihr das komplette Fernsehprogramm von RTL, ProSieben & Co. bereits durch hattet? Die Antwort ist: In Another World with My Smartphone. Das ist das Dümmste. Nicht der dümmste Anime, nein, sondern einfach nur das Dümmste, das jemals irgendwo, irgendwann, irgendwie kreiert und anschließend ausgestrahlt wurde. Mit Abstand. Mit Abstand das Dümmste.

Worum geht’s? Der fünfzehnjährige Touya Mochizuki wird versehentlich von Gott mit einem Blitz getötet. Als Entschuldigung lässt er ihn wieder auferstehen, aber da er ihn nicht in seine alte Welt zurückschicken kann, reinkarniert er ihn stattdessen mit einem einzigen freien Wunsch in eine Fantasiewelt.

Touya nutzt seinen Wunsch, um sein Smartphone in die neue Welt mitzunehmen, das Gott netterweise auch noch verbessert. So kann Touya damit zwar nicht mit seiner alten Welt in Kontakt treten, aber das Telefon kann durch Magie leicht wieder aufgeladen werden und funktioniert ansonsten wie zu Hause. Er kann sowohl Nachrichtenseiten aus seiner Welt lesen als auch Google Maps für seine neue Fantasywelt nutzen.

Weil Gott einen ziemlich guten Tag hatte, verstärkt er gleich noch Touyas physische, magische und kognitive Fähigkeiten obendrauf. Quasi als Wiedergutmachung dafür, dass er ihn aus Versehen ermordet hat. Touya nutzt seine zweite Chance im Leben voll aus und freundet sich mit vielen verschiedenen Leuten an, hauptsächlich mit Frauen und hochrangigen Menschen in der neuen Welt. Er beginnt, von Land zu Land zu reisen, löst politische Streitigkeiten, kleinere Quests und vergnügt sich nonchalant mit seinen neu gefundenen Verbündeten.

Was nach einem netten, kleinen Animeabenteuer für zwischendrin klingt, entpuppt sich nach den anfänglichen Folgen als sinnlose Tittenparade. Nachdem Touya in den ersten Episoden so um die zehn verschiedene 08/15-Mädchen kennengelernt hat, die vom Kleinkind über die Sexbombe bis hin zur 600 Jahre alten Vampirkönigin im Teenagerkörper reichen, geht es kurz darauf nur noch um die Frage, wen von den unterfickten Minderjährigen Touya irgendwann einmal heiraten wird.

In Another World with My Smartphone scheint von einem pubertären Zwölfjährigen geschrieben worden zu sein, der absolut keine Ahnung davon hat, wie soziale Interaktionen funktionieren sollten, damit sie auch nur irgendeinen Sinn ergeben.

Eine Folge dreht sich zum Beispiel lediglich um die überaus wichtige Frage, welche der zehn laufenden Wichsvorlagen für Perverse Touya zuerst ihr mehr oder weniger vorhandenes Unterhöschen zeigen darf. Ab und zu tauchen ein paar Ninjas, Monster oder Drachen auf, aber die sind nach fünf Minuten abgearbeitet, damit man schnell wieder zurück zum Wesentlichen kommen kann.

Ich habe In Another World with My Smartphone bis zum Ende geschaut. Nicht etwa, weil ich wissen wollte, ob die Serie vielleicht doch noch die Kurve bekommt und eine abenteuerliche Geschichte in einer auf den ersten Blick klischeehaften Fantasywelt erzählt, nein, mir war nach den ersten drei Folgen klar, dass das hier alles Müll ist.

Und In Another World with My Smartphone ist auch nicht witzig dumm oder lustig blöd, nein, In Another World with My Smartphone ist einfach nur scheiße. Ohne Wenn und Aber. Im Grunde war ich einfach nur zu faul, auszuschalten und mir etwas Neues zu suchen, was nebenher laufen kann, während ich mir die Börsenkurse notierte. Oder so.

Jeder, der für In Another World with My Smartphone verantwortlich ist oder daran beteiligt war, sollte in Grund und Boden geklagt werden. Ihr kennt mich: Ich mag Brüste. Kleine, große, junge, alte, helle, dunkle. Und mir ist es egal, wenn der Feminismus mit Füßen getreten wird, solange es in der Welt, die mir da vorgesetzt wird, Sinn ergibt.

Das ist ja das Tolle an Filmen und Serien: Sie können zeigen, was sie wollen. Sie müssen kein Vorbild sein. Sie dürfen über die Stränge schlagen. Nur weil im Tatort jede Woche ein armer Idiot erschossen wird, heißt das ja nicht automatisch, dass jeder Zuschauer Mord für eine gute Sache hält.

Aber In Another World with My Smartphone macht einfach keinen Sinn, für niemanden. Weder für die Zuschauer noch für die Protagonisten. Und wenn man sich endlich ein wenig auf die Figuren und die Welt eingelassen hat und denkt: „Ach, so schlimm ist es doch gar nicht“, dann werfen die Macher einfach noch ein paar halbbekleidete Irre in den animierten Harem für Idioten.

Was haben wir noch nicht gehabt? Roboter mit Titten? Hier, bitte! Wissenschaftlerin in Strapsen? Hier, bitte! Zwölfjährige mit Heiratsfetisch? Hier, bitte! Und jetzt prügelt euch alle um Touya, den verklemmten Loser im weißen Zuhältermantel, dessen einziges Alleinstellungsmerkmal ein magisches Handy ist. Selbst der pädophilste Harald muss sich bei In Another World with My Smartphone denken, dass er hier nach Strich und Faden verarscht wird.

Wenn ihr euch überlegt, doch mal bei In Another World with My Smartphone reinzuschauen, um euch ein eigenes Bild zu machen, dann kann ich nur sagen: Nein! Ich verbiete es euch! Jeder mehrmals überfahrene Waschbär auf der A7 kann euch eine bessere Geschichte liefern als das, was hier zu einem Anime zusammengekleistert worden ist, während die Macher mit offener Hose vor dem Zeichenbrett saßen und irgendwann jegliche Handlung über Bord geworfen haben, damit irrelevante Fantasymädchen sich Minute für Minute in ihrer absoluten Notgeilheit übertrumpfen können. In Another World with My Smartphone ist das Dümmste. Mit Abstand. Mit Abstand das Dümmste.

In Another World with My Smartphone: Fantasy für Pädophile In Another World with My Smartphone: Fantasy für Pädophile In Another World with My Smartphone: Fantasy für Pädophile In Another World with My Smartphone: Fantasy für Pädophile In Another World with My Smartphone: Fantasy für Pädophile In Another World with My Smartphone: Fantasy für Pädophile In Another World with My Smartphone: Fantasy für Pädophile In Another World with My Smartphone: Fantasy für Pädophile In Another World with My Smartphone: Fantasy für Pädophile In Another World with My Smartphone: Fantasy für Pädophile In Another World with My Smartphone: Fantasy für Pädophile In Another World with My Smartphone: Fantasy für Pädophile In Another World with My Smartphone: Fantasy für Pädophile In Another World with My Smartphone: Fantasy für Pädophile In Another World with My Smartphone: Fantasy für Pädophile In Another World with My Smartphone: Fantasy für Pädophile In Another World with My Smartphone: Fantasy für Pädophile In Another World with My Smartphone: Fantasy für Pädophile In Another World with My Smartphone: Fantasy für Pädophile In Another World with My Smartphone: Fantasy für Pädophile In Another World with My Smartphone: Fantasy für Pädophile In Another World with My Smartphone: Fantasy für Pädophile In Another World with My Smartphone: Fantasy für Pädophile In Another World with My Smartphone: Fantasy für Pädophile In Another World with My Smartphone: Fantasy für Pädophile In Another World with My Smartphone: Fantasy für Pädophile In Another World with My Smartphone: Fantasy für Pädophile In Another World with My Smartphone: Fantasy für Pädophile In Another World with My Smartphone: Fantasy für Pädophile
Die Illustration stammt von Patora Fuyuhara, Eiji Usatsuka, Crunchyroll und TV Tokyo
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Barakamon: Der Kalligraph und das Mädchen

Nehmen wir das Fazit an dieser Stelle doch gleich mal vorweg: Ich habe in den letzten Folgen von Barakamon durchgeheult, ich, der ausgewachsene Typ mit dem Bart und der Wampe und der spitzen Zunge. Nicht etwa, weil am Ende der zwölf Episoden etwas unglaublich Legendäres oder Bombastisches oder Aufre...
Barakamon: Der Kalligraph und das Mädchen

Barakamon

Der Kalligraph
und das Mädchen

Marcel Winatschek

Nehmen wir das Fazit an dieser Stelle doch gleich mal vorweg: Ich habe in den letzten Folgen von Barakamon durchgeheult, ich, der ausgewachsene Typ mit dem Bart und der Wampe und der spitzen Zunge. Nicht etwa, weil am Ende der zwölf Episoden etwas unglaublich Legendäres oder Bombastisches oder Aufregendes passiert wäre, sondern weil mir die Charaktere so ans Herz gewachsen waren, und das in einer Zeit, wofür andere Serien Jahre brauchen.

Die Geschichte ist so ordinär wie dröge: Der gescheiterte Kalligrafiekünstler Seishu wird von Tokio auf eine Insel am Arsch der Welt geschickt, um dort seinen Zeichenstil zu verbessern – und darauf hat er mal so gar keinen Bock. Die Bewohner sind Hinterwäldler, die Unterkunft ist eine Bruchbude und dann rennt da auch noch ständig dieses kleine Mädchen namens Naru durch die Gegend, das ihm den allerletzten Nerv raubt.

Jeder Mensch, der auch nur mehr als einen Film gesehen hat, weiß ganz genau, wie sich die Sache entwickelt. Seishu freundet sich nach und nach mit den Einheimischen an, und das, obwohl er ein ziemlicher Idiot ist, er erkennt, dass ihm das Leben auf dieser überhitzten Insel genau die Inspiration bietet, die er zum Arbeiten braucht, und Naru, die sechsjährige Nervensäge, erobert sein kaltes, depressives, fast schon totes Herz.

Natürlich passiert gegen Ende hin noch etwas unglaublich Dramatisches, aber das ist vollkommen egal, denn bis dahin habt ihr euch längst in jeden einzelnen Hinterwäldler verliebt. Miwa, die draufgängerische Tochter eines zwielichtigen Alkoholhändlers, Ikko, der ständig qualmende und fischverliebte Schuldirektor, oder Hina, Narus knuffige, beste Freundin, die so schüchtern ist, dass sie bei jedem Windhauch wie dämlich anfängt zu flennen.

Manchmal fühle ich mich wie ein Prediger, der Leuten ständig erklären muss, dass viele Anime so großartig sind, weil sie es schaffen, Emotionen so dermaßen zu konzentrieren, dass sie wie eine prall gefüllte Bombe sind. Innerhalb dieser knappen, halben Stunde, die jede Episode dauert, furzt ihr Gefühle nur so aus euch heraus, weil ihr sie nicht in euch halten könnt.

Ihr kotzt vor Lachen, weil Tamako, die verrückte Mangatante, hinter jeder Situation ein homosexuell angehauchtes Drama vermutet, ihr fiebert mit, wenn Nachwuchs-Kalligraf Kosuke seinem Idol Seishu vorwirft, er würde auf der Insel seinen Stil verlieren, ihr habt Pipi in den Augen, wenn Naru nach Hause kommt und… nein… das kann ich euch nicht sagen, es ist zu traurig…

Sowieso: Kurz zu Naru, wer sich nicht sofort in die Kleine verknallt und sie auf der Stelle adoptieren will, der hat kein Herz. Sie ist die freche, kleine, fröhliche Tochter, die jeder haben sollte, null nervig, null anstrengend, null künstlich. Ihr Lachen und ihre Weltansichten sind so ansteckend, dass sich jeder erwachsene Mensch, der nicht so ist wie sie, fragen sollte, wann und wo sein Leben schief gelaufen ist.

Wer Barakamon keine Chance gibt, der nimmt sich selbst eine wunderschöne und überraschend nachdenkliche Erfahrung. Und am Ende wollt ihr nur noch eure sieben Sachen packen und auf genau diese Insel fliegen, um dort ein idyllisches und richtiges Leben zu führen. Weit entfernt von all dem unnötigen Stress und dem Erfolgsdruck und der Missgunst. Mit Naru. Und Miwa. Und Ikko. Und all den anderen scheinbaren Hinterwäldlern…

Barakamon: Der Kalligraph und das Mädchen Barakamon: Der Kalligraph und das Mädchen Barakamon: Der Kalligraph und das Mädchen Barakamon: Der Kalligraph und das Mädchen Barakamon: Der Kalligraph und das Mädchen Barakamon: Der Kalligraph und das Mädchen Barakamon: Der Kalligraph und das Mädchen Barakamon: Der Kalligraph und das Mädchen Barakamon: Der Kalligraph und das Mädchen Barakamon: Der Kalligraph und das Mädchen Barakamon: Der Kalligraph und das Mädchen Barakamon: Der Kalligraph und das Mädchen Barakamon: Der Kalligraph und das Mädchen Barakamon: Der Kalligraph und das Mädchen Barakamon: Der Kalligraph und das Mädchen Barakamon: Der Kalligraph und das Mädchen Barakamon: Der Kalligraph und das Mädchen Barakamon: Der Kalligraph und das Mädchen Barakamon: Der Kalligraph und das Mädchen Barakamon: Der Kalligraph und das Mädchen Barakamon: Der Kalligraph und das Mädchen Barakamon: Der Kalligraph und das Mädchen Barakamon: Der Kalligraph und das Mädchen Barakamon: Der Kalligraph und das Mädchen Barakamon: Der Kalligraph und das Mädchen Barakamon: Der Kalligraph und das Mädchen Barakamon: Der Kalligraph und das Mädchen Barakamon: Der Kalligraph und das Mädchen Barakamon: Der Kalligraph und das Mädchen
Die Illustration stammt von Satsuki Yoshino und Square Enix
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Beste Freunde: Die wahre Liebe deines Lebens

Manchmal, wenn wir im Rauch und Nebel unseres Versagens stehen und vor lauter Erinnerungsqualm keine Luft mehr bekommen, vergessen wir sehr schnell, wer wir sind, was wir hier eigentlich machen und warum zur Hölle wir plötzlich so scheisse alleine mit unserem Paket an üblen Problemen da sitzen. Es g...
Beste Freunde: Die wahre Liebe deines Lebens

Beste Freunde

Die wahre Liebe
deines Lebens

Sara Navid

Manchmal, wenn wir im Rauch und Nebel unseres Versagens stehen und vor lauter Erinnerungsqualm keine Luft mehr bekommen, vergessen wir sehr schnell, wer wir sind, was wir hier eigentlich machen und warum zur Hölle wir plötzlich so scheisse alleine mit unserem Paket an üblen Problemen da sitzen. Es gibt unzählige Gründe dafür, warum es dir und mir beschissen gehen kann, und ich meine richtig beschissen, und wenn wir uns so anstrengen, wie wir Pechvögel, dann fällt alles auch noch zur selben Zeit zusammen.

Die beste Freundin wird schwer krank, deine Mutter hat einen Autounfall, du bist endlos pleite und hast keinen Job mehr, vielleicht bist du Opfer einer Gewalttat geworden oder musstest hilflos dabei zusehen, wie jemand erschossen wird. Keine Ahnung, wieso unsere Existenz manchmal bröckelt, aber es ist sinnlos, über Gerechtigkeit und Schicksal zu philosophieren. Es ist, wie es ist. Und wir müssen jetzt stark sein. Wir müssen unser Lebenspuzzle zusammenfügen und wir müssen ans uns glauben.

Nur: Eine Sache vergessen wir dabei gerne, weil wir zu sehr damit beschäftigt sind, unsere kleinen Katastrophen aufzuarbeiten und um dieses Trauma zu trauern. Ja, das Leben ist schwer, und nein, es gibt keine Anleitung. Es gibt kein Richtig und kein Falsch, und es gibt niemanden, aber auch niemanden auf der ganzen Welt, der die Antworten auf all diese Fragen liefern kann, die plötzlich aufgeworfen werden.

Aber wir sind nicht alleine. Das sind die Hausaufgaben, die wir machen müssen, um auf das Leben vorbereitet zu sein, und das ist etwas, für das wir uns glücklich schätzen sollten. Denn Step by Step, Day by Day, wird die Last auf den Schultern schwerer. Wir können uns vergraben, wir können unseren Schmerz in die Welt brüllen und wir können irgendwelchen religiösen Ritualen nachgehen, aber wer fleißig war, hat Punkte in Form von Freunden gesammelt. Und die stehen dann da, wenn wir sie brauchen.

Ein Freund in harten Zeiten sein – das ist keine einfache Bürde. Was müssen sie sich nicht alles anhören. Immer die gleichen Parolen, die selben Gedanken, aufgenommen und abgespult. Das ewige Selbstmitleid, die ständigen Ausraster, die vielen Tränen. Aber sie sind da, und sie lassen uns sieben Stunden lang nicht los. Sie bekochen dich, wenn du nicht essen kannst, und sie drücken dich so lange und so fest, bis aus deinen Tränen kleine Regenbogen werden.

Die wahre Liebe des Lebens liegt nicht in der Liebe zu uns selbst, sondern in der Liebe zu unseren Freunden. Und die wahre Stärke, die wir dadurch beweisen, liegt in der Entledigung unserer Verantwortung. Dein Leben wird ab jetzt von anderen Menschen gelenkt, so lange, bis du wieder selbst das Ruder übernehmen kannst. Und das ist völlig okay so, denn du glaubst an sie, und du vertraust ihnen – und selbst wenn nicht: Du hast keine andere Wahl.

Das alles wird uns nicht geschenkt, aber es ist eine Lehre, die wir ziehen. Das Leben ist nie fair, und die Fragen werden nicht beantwortet. Aber Wärme und Zuneigung sind essentiell, um wieder Fuß zu fassen. Wer schon mal – tatsächlich – alleine durch so eine Phase steigen musste, der wird sich für das nächste Mal vielleicht überlegen, ob er nicht wieder in soziale Kontakte investiert.

Egal, was es kostet: Zeit, Aufmerksamkeit, viel intensive Beschäftigung, ein gutes Ohr. Ein guter Freund, nein, der wird uns nicht geschenkt, den müssen wir uns hart erarbeiten. Aber wenn wir es richtig machen, ist er für immer da, und im Zweifelsfall ersetzt er deine Augen und deine Ohren und deine Hände und deine Füße und schon bald wirst du wieder eigenständig durch’s Leben schreiten.

Und dann gucken wir eines Tages auf diese Zeit zurück und erinnern uns an nichts mehr als an die Liebe, die uns gegeben wurde. Daran, dass sie den ganzen Tag deinen Lieblingssong spielten, obwohl sie ihn nicht mehr hören konnten. Daran, dass sie sich immer wieder auf die gleichen, dämlichen Unterhaltungen einließen, obwohl es nichts mehr zu machen gab. Daran, dass sie deine Möbel geschleppt, deine Papiere erledigt und dein Essen zubereitet haben. Daran, dass sie dir Komplimente machten, obwohl du wirklich keine verdient hast. Daran, dass sie dir ein Stück von dir selbst gegeben haben, denn jemand, der solche Freunde hat, der kann so viel im Leben nicht falsch gemacht haben.

Letztendlich erinnern wir uns vor allem daran, dass das Wort “Danke” nichts bedeutet, wenn es um solche Dimensionen der Aufopferung geht. Wir haben nichts als uns, und wir halten uns so lange fest, wie wir können. Wir haben unsere Familien weit zurück gelassen und uns in der kalten Großstadt verloren und gefunden. Wir müssen uns gegenseitig stützen und aufeinander aufpassen, denn ansonsten gibt es nicht viel, was das Leben lebenswert macht. Und dafür reicht kein einziges Wort auf der Welt als Gegenleistung. Und auch das ist ein wunderschöner Teil dieser wertvollen Erkenntnis – denn bei seinen Freunden kann man sich nicht verschulden.

Die Illustration stammt von Icons8
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Emotionen als Erzfeind: Sex ist leichter als Liebe

Vor einiger Zeit habe ich gemerkt, dass ich nicht weiß, wie man eigentlich richtig Schluss macht. Letzte Nacht habe ich dann begriffen, dass ich zudem nicht weiß, wie man jemandem sagt, dass man ihn mag – also mehr mag, als man angesichts der aktuellen Umstände vielleicht sollte. Ich sitze mit me...
Emotionen als Erzfeind: Sex ist leichter als Liebe

Emotionen als Erzfeind

Sex ist leichter
als Liebe

Jana Seelig

Vor einiger Zeit habe ich gemerkt, dass ich nicht weiß, wie man eigentlich richtig Schluss macht. Letzte Nacht habe ich dann begriffen, dass ich zudem nicht weiß, wie man jemandem sagt, dass man ihn mag – also mehr mag, als man angesichts der aktuellen Umstände vielleicht sollte.

Ich sitze mit meinen Mitbewohnern am Tisch und drehe mir eine Zigarette, wozu ich zuerst einmal eine alte Kippe auseinander nehmen muss, um an den Filter zu kommen, weil ich wieder einmal vergessen habe, einfach neue zu kaufen, als die Packung sich dem Ende neigte. Die Mitbewohner schütteln verständnislos die Köpfe und ich weiß, dass in eben diesen eine Frage kreist – nämlich die, warum ich Dinge nicht einfach tue, wenn ich genau weiß, dass ich sie tun muss.

Natürlich geht es bei der Frage nicht um die Filter, sondern um das, was ich ihnen gerade erzählt habe: Ich habe mich verliebt. So Hals über Kopf. Vom einen auf den anderen Tag. Und jetzt weiß ich nicht, wohin mit dem Gefühl.

Es gibt da diesen einen Mann, und der ist so ganz anders als all die Männer, die mir in letzter Zeit begegnet sind. Natürlich könnte ich anfangen aufzuzählen, was ihn für mich besonders macht, aber dann kämen wir hier nie zum Punkt. Fakt ist: Er ist ein wirklich guter Mensch – und gute Menschen verliert man nicht gern.

Ich habe keine Ahnung, ob er mich auch so mag, wie ich ihn mag. Ja, er hat mich schon einmal geküsst – aber ehrlich, welche Aussagekraft hat das heute noch? Wenn ich die Möglichkeit hätte, mich zu küssen, würde ich das schließlich auch tun – und zwar ganz ohne Gefühl. Knutschen ist immerhin eines der tollsten Dinge, die man mit dem Mund so machen kann. Neben Essen natürlich. Und Bier trinken.

Meine Mitbewohner sagen mir, ich hab bei ihm nichts zu verlieren. Das Ding ist aber: Ich habe Angst, ihn zu verlieren. So schön und einfach Liebe sein kann, so kompliziert ist es doch, wenn der eine mehr will als der andere. Ich neige dazu, mich abzukapseln, wenn ich bemerke, dass meine Gefühle nicht erwidert werden – nur das Ding ist halt, dass er so die Art Mensch ist, von der man sich auf gar keinen Fall abkapseln will, weil sie einem halt echt so richtig gut tut.

Plan A, nämlich der, die Gefühle einfach mit einer wilden Mischung verschiedener Schnäpse hinunter zu spülen, wie das jeder vernünftige Mensch meiner Meinung nach tun würde, um nur einen Kater und nicht etwa ein gebrochenes Herz zu riskieren, scheitert an der Tatsache, dass ich zur Zeit ja gar nicht trinken darf.

Plan B, also einfach so zu tun, als wäre nichts, geht bei mir leider auch nicht auf. Meine Schauspielkünste sind wohl einfach zu schlecht, um lange genug den Schein zu wahren, als sei da kein Gefühl im Spiel.

Plan C wird von meinen Mitbewohnern sofort zerrissen. Ich hatte nämlich vorgehabt, mich einfach nie wieder bei ihm zu melden. So würde ich nämlich auf keinen Fall Gefahr laufen, von ihm beim in ihn verknallt sein erwischt zu werden.

Letzten Endes sind also alle drei Pläne zu doof. Sowohl für mich, als auch für ihn. Es muss also etwas anderes her. Etwas, bei dem die Gefühle nicht geschluckt, sondern tatsächlich ausgesprochen werden – und zwar so, dass es dabei vor allem mir so gut wie möglich geht. Immerhin bin ich ja diejenige, die diese seltsamen Gefühle in sich trägt.

Plan D enthält die Überlegung, eine WhatsApp-Nachricht zu schreiben, in der ich besagtem Mann meine Gefühle schildern und das Telefon sofort im Anschluss verbrennen würde. Finden meine Mitbewohner aber auch doof, immerhin bin ich keine 13 mehr und so ein Smartphone ist ja auch nicht billig. Mein „Und wenn ich nur die Sim-Karte vernichte?“ wird mit einem genervten Augenrollen quittiert.

Dass die Idee halt wirklich nicht so schlau war, sehe ich mittlerweile auch ein – immerhin sollte man dem Gegenüber schon die Möglichkeit lassen, darauf reagieren zu können, und die Antwort auf eine solche Nachricht muss ja auch nicht immer schlecht sein.

Ich komme noch einmal auf Plan B zurück und mein Mitbewohner ist jetzt kurz davor, mir einfach eine reinzuhauen, obwohl er keine Mädchen schlägt. Plan A scheitert mittlerweile daran, dass die Mitbewohner die letzten Wodkareste ausgetrunken haben, damit sie das Gespräch, das wir hier gerade führen, überhaupt irgendwie ertragen. Ich überlege, also Plan E, so zu tun, als würde ich noch einmal zu unserem Späti gehen und stattdessen einfach unterzutauchen, eine neue Identität anzunehmen und neue Gefühle für jemand anderes zu entwickeln.

Dass das allerdings nichts an meinem Grundproblem – nämlich dem, das ich mir unglaublich schwer damit tue, einem Menschen, den ich gern habe, meine Gefühle anzuvertrauen – ändern würde, fällt mir auf, als ich im Kopf bereits das perfekte „Ich geh mal eben Bier kaufen und brenne dann heimlich durch“-Outfit zusammengestellt habe. Spoiler: Es enthält unglaubliche schöne Glitzerstiefeletten, auf denen ich leider keinen Meter geradeaus laufen kann, weil sie nämlich viel zu hoch sind für mich.

Plan F, der direkt von meinem Mitbewohner kommt, erscheint mir noch am Sinnvollsten, ist aber echt nicht umsetzbar, da ich echt viel zu ängstlich bin. Er schlägt nämlich vor, dem Mann einfach beim nächsten Sehen dieses Gefühl zu offenbaren. Sollte ja eigentlich nicht so schwer sein, bei jemandem, den man mag und der einen sogar schon mal geküsst hat – aber ehrlich, wenn’s so einfach wäre, dann hätte ich mit dem Gedanken, einfach wegzulaufen, ja innerlich bereits abgeschlossen. Habe ich aber nicht.

Mit den Worten, dass ich noch einmal eine Nacht über die verschiedenen Pläne schlafen wolle, verabschiede ich mich ins Bett. Geschlafen habe ich natürlich nicht. Nicht, weil ich so lange über die verschiedenen Pläne nachdachte, sondern weil meine Gedanken die ganze Zeit nur bei dem Mann waren.

Am Ende der Nacht und zu Beginn des Morgens entschied mich für eine klassische SMS, um meine Gefühle für ihn zum Ausdruck zu bringen. Das mag vielleicht nicht die beste Wahl im Allgemeinen sein, aber immerhin kurz, schmerzlos – und vor allem so, dass man nicht sehen kann, ob die Person am anderen Ende die Nachricht bereits gelesen hat oder nicht. „Ich mag dich mehr als ich dich mögen sollte“, stand darin. Eine Antwort darauf habe ich bekommen. Die behalte ich an dieser Stelle aber doch lieber für mich…

Die Fotografie stammt von JD Mason
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Ich bin HIV-positiv: Die Kraft, es zu sagen

Es gibt Geschichten im Leben, die hört man und kann sie nicht glauben. Oder will es lieber auch gar nicht. Wie die Story von der importierten Vogelspinne im Schlafzimmerbambus. Und die Schreckenssagen der Organmafia in Polen, die kommt um dir deine Nieren heraus herauszuschneiden. Oder eben die Gesc...
Ich bin HIV-positiv: Die Kraft, es zu sagen

Ich bin HIV-positiv

Die Kraft,
es zu sagen

Marcel Winatschek

Es gibt Geschichten im Leben, die hört man und kann sie nicht glauben. Oder will es lieber auch gar nicht. Wie die Story von der importierten Vogelspinne im Schlafzimmerbambus. Und die Schreckenssagen der Organmafia in Polen, die kommt um dir deine Nieren heraus herauszuschneiden. Oder eben die Geschichte meines Bekannten Johnny, dessen Leben in nur einer Nacht zerstört wurde.

Cooler Typ, Mitte Zwanzig, Barkeeper in einem angesagten Club in Berlin. Einfach jemand, mit dem man sich gerne trifft, um ‘ne gute Zeit zu haben. Immer Feiern und Spaß, doch seine letzte Party wird er nie wieder vergessen. Ihm wurden Drogen ins Glas geschmissen. Dann wurde er verschleppt, vergewaltigt, zurück gelassen. Als er am nächsten Morgen in einem Waldstück zu sich kam, war er blutverschmiert.

Als wäre das nicht schlimm genug gewesen, wurde er nach dieser Nacht positiv auf HIV getestet. Verdammte Scheiße. Da werdet ihr ohnmächtig an den Arsch der Welt gezogen, vergewaltigt und danach habt ihr auch noch verficktes HIV! Johnny war am Boden zerstört, war kraftlos, am Ende. Doch er hatte den Mut aus seiner neuen Krankheit keinen Hehl zu machen, erzählte jedem seine Geschichte, um andere davor zu warnen. Vor solchen Menschen, vor solchen Drogen, vor solchen Arschlöchern.

Als Dank für seine Offenheit wird er jetzt im Job und im Leben gemobbt. Gästen wird geraten, ihm nicht zu Nahe zu kommen. Erst recht keine Küsse, keine Berührungen. Er hat HIV, das ist schließlich ansteckend. Über die Luft, könnte man meinen, wenn man einigen Panikmachern dann so zuhört. Nur wenige setzen sich für ihn ein, viele schauen weg. Oder hauen gleich noch mit drauf, mit dem kann man’s ja schließlich machen.

Dass man heutzutage als HIV-infizierter Menschen, mit den richtigen Medikamenten, ein langes und erfülltes Leben führen kann, das ist den meisten egal. Sie sehen nur den Makel und eine größtenteils vollkommen irrelevante Gefahr für sich selbst, wenn sie denn nicht gerade ungeschützten Geschlechtsverkehr haben oder Spritzen austauschen. Und das alles passiert jetzt, in diesem Augenblick. In meiner Stadt.

Johnnys Geschichte geht mir seitdem nicht mehr aus dem Kopf. Nicht nur, weil ich nicht verstehe, wie Scheißhaufen von Menschen ihm nur so etwas Grausames antun konnten, sondern besonders, wie ich als Opfer in dieser Situation reagieren würde. Der Arzt sagt mir: „Sie sind HIV positiv!“ So. Und jetzt? Würde ich es offen in die weite Welt hinaus schreien und damit riskieren, ab jetzt gesellschaftlich gemieden zu werden? Leben zerstört, Karriere zerstört, Sex zerstört?

Oder würde ich es so gut es geht verheimlichen, nicht wahrhaben wollen, auf Teufel komm raus so weiter machen wie bisher, es nur niemandem erzählen? Inklusive schlechtem Gewissen, der potentiellen Ansteckung meiner weiteren Liebschaften und immer mit der Angst im Hinterkopf, dass es doch irgendwie rauskommt? Ehrlich gesagt: Ich weiß es nicht. Hättet ihr denn den Mut dazu?

Die Fotografie stammt von Nik Shuliahin
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Wahrheit oder Pflicht? Flaschendrehen ist das beste Spiel der Welt

Flaschendrehen, oder Wahrheit oder Pflicht, wie man es auch nennt - war so mit elf, zwölf Jahren mein absolutes Lieblingsspiel. Damals ging es natürlich noch ganz harmlos zu. Bei Wahrheit musste man solche Fragen beantworten wie Hast du schon mal jemanden geküsst? oder Hast du schon mal die Unt...
Wahrheit oder Pflicht? Flaschendrehen ist das beste Spiel der Welt

Wahrheit oder Pflicht?

Flaschendrehen ist das
beste Spiel der Welt

Nadine Kroll

Flaschendrehen, oder Wahrheit oder Pflicht, wie man es auch nennt – war so mit elf, zwölf Jahren mein absolutes Lieblingsspiel. Damals ging es natürlich noch ganz harmlos zu. Bei „Wahrheit“ musste man solche Fragen beantworten wie „Hast du schon mal jemanden geküsst?“ oder „Hast du schon mal die Unterschrift deiner Eltern gefälscht?“. Bei „Pflicht“ war so das Härteste, was ging, dass man sich mit Klamotten unter die Dusche stellen oder einen Scherzanruf beim verhasstesten Lehrer der Schule machen musste.

Irgendwann wurde das Spiel allerdings langweilig, und so geriet es für mehrere Jahre in Vergessenheit. Bis in etwa zu dem Alter, wo man anfing, regelmäßig zu saufen und sich die geleerten Bier– und Schnapsflaschen einfach dazu anboten, das gute alte Flaschendrehen wieder hervorzuholen.

Die Fragen waren natürlich nicht mehr so kindlich-unschuldig wie damals, als wir das Spiel zum ersten Mal entdeckt hatten und auch die Aufgaben, die man erledigen musste, wenn man „Pflicht“ wählte, waren alles andere als jugendfrei.

So musste man zum Beispiel seine schmutzigsten Sexfantasien mit den anderen Spielern teilen, für sechzig Sekunden den Sitznachbarn und die Sitznachbarin küssen, mit Zunge, zwei Flaschen Bier am Stück hintereinander weg exen oder seinen Arsch aus dem Fenster halten, sodass vorbeilaufende Passanten einen guten Blick auf alles hatten.

Die Extremversion davon war Strip-Flaschendrehen, dessen Regeln ich hier glaube ich gar nicht näher erläutern muss. Spätestens, wenn einer der Teilnehmer nur noch in BH und Höschen oder Boxershorts auf dem Boden saß, war allerdings auch hier Schluss. Irgendwann verlor allerdings auch das für uns seinen Reiz.

Es ist tatsächlich noch gar nicht allzu lange her, dass wir den Reiz, den dieses Spiel in unserer Jugend auf uns ausübte, zum wiederholten Male wiederentdeckten. Es war eine relativ harmlose WG-Party mit zehn oder elf verschiedenen Leuten. Wir haben geredet, getanzt und gesoffen, und eben so das gemacht, was auf solchen Partys üblich ist.

Bis, ja, bis jemand die kluge Idee hatte, dass man doch mal wieder Flaschendrehen spielen könnte. Etwa siebzig Prozent der anwesenden Personen verdrehte genervt die Augen, der Rest war sofort Feuer und Flamme. Nach den ersten paar noch relativ harmlosen Runden, gesellten sich jedoch auch die Leute dazu, die dem Spiel zuvor eher ablehnend entgegengestanden hatten.

Ich denke, ich muss nicht dazu sagen, dass das Spiel nach etlichen Flaschen Bier, Schnaps und Wein total eskalierte. Bereits nach einer halben Stunde waren die ersten Spieler splitterfasernackt und vergnügten sich miteinander in den verschiedenen Räumen der Wohnung, in der wir feierten, weil die Flasche und die Wahl auf Pflicht das so entschieden hatte.

Das hat uns alle so gekickt, dass wir irgendwann die Option „Wahrheit“ ganz rausfielen lassen und die Flasche letzten Endes nur noch entschied, wer mit wem als nächstes rummachen, fummeln oder ficken würde. Ich glaube, ich hatte bereits erwähnt, dass mein Freundeskreis, was das betrifft, sehr offen ist und dass es auch kein Problem darstellte, dass mindestens die Hälfte der anwesenden Personen in festen Beziehungen und teilweise sogar mit dem eigenen Partner da war.

Ich hatte an diesem Abend besonders großes Glück. Als ich wieder einmal an der Reihe war, die leere Beck’sFlasche zu drehen, zeigte sie auf eine Freundin von mir, die ich schon lange ziemlich geil fand, mit der sich allerdings bisher noch nie mehr als ein paar harmlose Knutschereien im Club ergeben hatten.

Wir gewannen eine Runde 7 Minuten im Himmel, das Spiel, bei dem man für exakt sieben Minuten in einen dunklen Schrank, oder in unserem Fall das Badezimmer, eingesperrt wird und dort tun und machen darf, was man schon immer mit der anderen Person machen wollte. Ich denke, ich muss nicht dazu sagen, dass wir unsere sieben Minuten dazu nutzen, unsere Körper zu erkunden.

Wir küssten und leckten uns, steckten unsere Finger in die feuchte Muschi der jeweils anderen, drückten uns gegenseitig an die kalten Fliesen an der Wand und gaben uns nicht mal Mühe, leise zu sein, obwohl wir genau wussten, dass sie anderen uns hören konnten.

Es ist erstaunlich, wie viele Orgasmen man in einer so kurzen Zeit haben und einem anderen Menschen bescheren kann. Und auch, wie wenig Hemmungen man plötzlich hat, wenn sich die Umstände nur ein klein wenig verändern. Immerhin hätten wir bereits zu früheren Zeitpunkten die Möglichkeit gehabt, es wild miteinander zu treiben. Haben wir aus irgendwelchen Gründen aber nicht.

Ein paar Runden später landete ich dann mit meinem Exfreund im Bett. Das war allerdings eher weniger geil. Auch wenn wir immer noch gute Freunde sind, es gibt definitiv Gründe, warum wir nicht mehr miteinander ins Bett gehen. Dieser Abend hat es ganz deutlich gezeigt, denn obwohl wir uns beide Mühe gaben, dem anderen wenigstens ein bisschen Lust zu bereiten, immerhin ging es bei dem Spiel ja auch irgendwie um genau das, lief so gut wie nichts.

Ich glaube, wir haben nach zwei gescheiterten Anläufen, den anderen zu erregen, fünf von den sieben Minuten nur darauf gewartet, dass uns jemand aus unserer misslichen Lage befreien würde. Aber auch das gehört eben dazu und macht ja auch einen gewissen Reiz aus, wenn man Flaschendrehen spielt.

Alles in allem endete ein zu Beginn eher typischer und harmloser Abend in einer riesengroßen Orgie. Für meine Freunde und mich definitiv ein Grund, jetzt mit Mitte 20 wieder häufiger zur Flasche zu greifen und Wahrheit oder Pflicht zu spielen.

Ich kann das jeder Clique, die genervt ist von den immer gleichen WG-Partys, die sich nach nur wenigen Stunden auflösen, damit die eine Hälfte in irgendwelche Clubs weiterziehen und die andere Hälfte nach Hause gehen kann, wirklich nur empfehlen.

Man muss ja nicht gleich mit so extremen Regeln spielen, wie wir das gerne tun. Für den Anfang tut’s auch eine ganz normale Runde Wahrheit oder Pflicht. Man lernt seine Freunde auf jeden Fall noch mal auf eine ganz andere, sehr intime Weise kennen. Und damit meine ich jetzt nicht auf sexueller Ebene. Und so gern ich auch erwachsen bin: Manchmal ist es einfach geil, sich wieder wie ein Teenager zu benehmen. Und wenn es nur bei einer Runde Flaschendrehen so ist und man am nächsten Tag aufsteht und ins Büro geht, als wäre nichts passiert.

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Sie kommt von Herzen: Hassliebe ist das ehrlichste Gefühl

Wenn man von Liebe spricht, schwingt der Hass immer ein bisschen mit. Es ist ja so: Ohne Hass könnte die Liebe gar nicht existieren. Ich meine, woher sollst du denn wissen, was Liebe ist, wenn du noch nie richtig gehasst hast? Und woher weißt du, wie sich Hass anfühlt, wenn du noch nie richtig gelie...
Sie kommt von Herzen: Hassliebe ist das ehrlichste Gefühl

Sie kommt von Herzen

Hassliebe ist das
ehrlichste Gefühl

Jana Seelig

Wenn man von Liebe spricht, schwingt der Hass immer ein bisschen mit. Es ist ja so: Ohne Hass könnte die Liebe gar nicht existieren. Ich meine, woher sollst du denn wissen, was Liebe ist, wenn du noch nie richtig gehasst hast? Und woher weißt du, wie sich Hass anfühlt, wenn du noch nie richtig geliebt hast?

Ehrlich jetzt, Liebe und Hass, die gehen Hand in Hand und Curse hat in den Zweitausendern sogar mal einen Song dazu gemacht, “Kann man sich gleichzeitig lieben und hassen?” fragte er da. Ich kann ihm heute sagen, dass das geht. Vielleicht ist das diese Hassliebe, von der man immer hört. Die immer herhalten muss, wenn man es nicht mehr erklären kann.

Es ist irgendwie krass, wenn Liebe und Hass sich so nah sind: Das ist einfach das stärkste Gefühl, also für mich zumindest. Dieser Moment, wenn Hass das Gefühl von Liebe nicht ersetzt oder mindert, sondern sogar noch verstärkt. Wenn du nicht liebst und hasst, dann spürst du Gleichgültigkeit und das ist wirklich das schlimmste Gefühl. Weil es nicht einmal so ein richtiges Gefühl ist irgendwie, also für mich zumindest.

Ich hab schon viel geliebt, naja, nicht so richtig, nicht so wie man Menschen liebt oder lieben sollte. Eher so, wie man Pommes liebt. Oder Schokolade. Aber ich habe schon geliebt, denke ich. Das Ding ist nur: irgendwann war ich immer satt. Also nicht jetzt von den Pommes und der Schokolade. Satt von der Liebe. Sie war mir irgendwann egal, also, sie ist irgendwann irgendwie unspektakulär geworden, wie das halt so ist, wenn du jeden Tag nur Pommes isst oder Schokolade.

Das ist schon alles geil, aber irgendwann hast du halt auch einfach genug und dann willst du eben andere Sachen. Ich meine damit jetzt noch nicht mal unbedingt ein Steak vom Kobe-Rind, sondern eher die kulinarischen Kleinigkeiten: Dass die Pommes mal zu salzig sind und die Schokolade mal zu bitter. Oder andersherum. Mit dieser Hassliebe ist es hingegen so, dass sie mich voll vereinnahmt. Ich esse und esse und ich werde einfach nicht satt. Und das, obwohl mir schon ganz schlecht davon ist. Obwohl es mir eigentlich auch schon gar nicht mehr schmeckt.

Mit Liebe und Hass ist es ja so: Sie müssen sich nicht immer auf Menschen beziehen. Über die Jahre, die wir nun schon zusammen sind, haben Berlin und ich zum Beispiel so ein Ritual entwickelt: Immer, wenn ich die Stadt verlassen muss, weil sie es mir mal wieder schwer gemacht hat, einfach nur glücklich mit ihr sein zu können, schenkt sie mir so einen Moment, der mir zeigt, dass es falsch wäre, ihr für immer den Rücken zu kehren.

Das klingt jetzt etwas umständlich. Einfach gesagt: Ich glaube, die Stadt will trotz aller Niederlagen und Rückschritte, dass ich wiederkomme. Wieder nach Hause. Ich glaube, das ist diese Hassliebe, von der man immer hört. Man will sie auf keinen Fall loslassen, weil man glaubt, der Hass garantiere einem die Liebe. Zwei zum Preis von einem. Purer Zeitgeist. Und trotzdem würde man lieber nur einen ganzen Sack von dem einen kaufen. In dem Fall natürlich einen Sack voll Liebe.

Wo die Liebe hinfällt, kann man ja nie sagen. Sie passiert einfach so für sich, ohne dass man es will und steuern kann. Hass hingegen, der ist schon sehr konkret. Zumindest erlebe ich das so. Fest. Hart. Konkret. So empfinde ich Hass. Okay, das ist vielleicht ein sehr starkes Wort, also Hass an sich, genau wie Liebe auch, aber Hass macht es mir nicht schwer, Worte für ihn zu finden.

Ich hasse ja relativ viel. Nazis zum Beispiel. Oder Haie. Wirklich, ich hasse Haie. Und ich weiß nicht einmal genau wieso. Und trotzdem üben sie auf mich eine solche Faszination aus, dass ich geradezu besessen von ihnen bin. Wenn irgendwo ein Haifilm läuft, muss ich ihn sehen. Wenn irgendwo ein Buch über Haie erscheint, muss ich es lesen.

Jedes Poster, jedes Shirt, auf dem ein Hai zu sehen ist: Ich muss es haben. Verdammt, ich habe sogar einen scheiß Hai tätowiert. weil ich diese Tiere hasse – und ich liebe das Tattoo. Genau wie ich Haie auch irgendwie liebe. So versucht man vielleicht immer instinktiv die Liebe gegen den Hass gewinnen zu lassen.

Vielleicht erfährt man Hassliebe sehr oft. Man weiß es nur eben nicht, bis man mal länger drüber nachdenkt. Bis es einen Anlass dazu gibt. Diesen Moment, wenn Hass das Gefühl von Liebe nicht mindert, sondern sogar noch verstärkt, habe ich erst einmal bei einem Menschen erlebt, und das war irgendwie krass, also dass Liebe und Hass sich so nah waren.

Ich habe den Typen, den ich so hassliebe, vom ersten Moment an gehasst. Da bin ich mir heute zumindest ganz sicher. Seine Arroganz. Die Art, wie er spricht und sich bewegt. Ja, sogar seinen verdammten Bart, der nicht so richtig zu seinem vor Überheblichkeit nur so strotzendem Grinsen passt – doch irgendwie war da etwas an ihm, das mich sofort in seinen Bann zog.

Vielleicht die Arroganz. Oder die Art, wie er sprach und sich bewegte. Ja, vielleicht sogar sein verdammter Bart, der nicht so richtig zu seinem vor Überheblichkeit nur so strotzendem Grinsen passte. Ich habe den Typen, den ich so hassliebe, vom ersten Moment an geliebt. Da bin ich mir heute ganz sicher.

Wir waren nicht lange zusammen, ein halbes Jahr vielleicht, und ich glaube, er hat mich auch ziemlich gehasst. Meine viel zu große Nase. Meine Aufsässigkeit. Und dass ich ihm immer ins Wort gefallen bin – doch irgendwie war da was an mir, das ihn sofort in meinen Bann gezogen hat. Vielleicht die viel zu große Nase. Oder meine Aufsässigkeit. Ja, vielleicht sogar die Tatsache, dass ich ihm immer ins Wort gefallen bin. Er hat mich vom ersten Moment an geliebt.

Wir waren nicht lange zusammen, ein halbes Jahr vielleicht, und während dieses halben Jahres, waren wir ziemlich oft getrennt. Weil wir uns gehasst haben. Unzählige Streitgespräche haben wir geführt, uns immer wieder geschworen, nie wieder ein Wort miteinander zu sprechen – doch das Ding ist eben, zum Küssen braucht man keine Worte.

Und so viel Hass in unseren Worten steckte, so viel Liebe steckte auch in unseren Küssen. Und wenn wir dann da lagen und rauchten, die Wangen rot vom Sex und den Ohrfeigen, die wir uns gaben, weil wir uns hassten, während wir uns liebten, schlugen unsere Herzen mindestens genauso wild, wie es unsere Fäuste die meiste Zeit über wollten. Immer dann waren wir zusammen.

Wir waren nicht lange zusammen, ein halbes Jahr vielleicht, doch diese Hassliebe, die ist immer noch da, auch wenn wir längst nicht mehr zusammen sind. Irgendwann haben wir Schluss gemacht, weil sie uns so vereinnahmt hat und sind zurück gegangen zu der viel zu süßen Schokolade und den ungesalzenen Pommes, denn die haben uns auf Dauer niemals unglücklich gemacht – weil wir immer wussten, was wir an ihnen haben. Und außerdem gibt es auch noch das Steak vom Kobe-Rind.

Die Fotografie stammt von Igor Miske
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Disneyland in Tokio: Zu Besuch bei Micky Maus

Ich könnte jetzt meinen Job kündigen, eine Tonne Eiscreme kaufen und so lange Disney-Filme gucken, bis ich sterbe. Also die animierten Streifen. Nicht diese beschissenen TV-Filme, in denen ADHD-Jugendliche tanzen und singen und das auch noch ernst meinen. Ich spreche von Arielle und Cinderella und D...
Disneyland in Tokio: Zu Besuch bei Micky Maus

Disneyland in Tokio

Zu Besuch bei
Micky Maus

Daniela Dietz

Ich könnte jetzt meinen Job kündigen, eine Tonne Eiscreme kaufen und so lange DisneyFilme gucken, bis ich sterbe. Also die animierten Streifen. Nicht diese beschissenen TV-Filme, in denen ADHD-Jugendliche tanzen und singen und das auch noch ernst meinen. Ich spreche von Arielle und Cinderella und Die Schöne und das Biest! Was für tolle Filme

Wir waren im Disneyland in Tokio, um uns damit einen mehr als großen Traum zu erfüllen. Und um unsere etwas ungesunde Disneysucht auch nur für ein paar Stunden in poppig süßer Umgebung zu ertränken. Micky Maus und Donald Duck und Dumbo waren da, um uns zu empfangen. Denn ein Tag im Disneyland ist nicht nur magisch, er ist bezaubernd!

Der Park besteht aus insgesamt Themenwelten, die allesamt unterschiedlich gestaltet wurden. Da haben wir das Abenteuerland, Mickys Cartoonstadt und auch ein Wild-West-Land. Wem das Disneyland in Frankreich zu langweilig geworden ist, warum auch immer, und mal etwas ganze Besonderes erleben will, der sollte sich gleich einen Flug buchen – und dann ab nach Tokio!

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Die Fotografie stammt von Marlen Stahlhuth
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Kita, Koks und Kater Blau: Meine Wohnungssuche in Berlin

Während ich unter der Dusche stehe, mir leblos die Haare wasche, beschwerlich die Zähne putze und überhaupt erst richtig wach werde, klingelt es sirenenartig im Zehn-Sekunden-Takt an der Wohnungstür. Ich hasse diese Momente und reagiere auf eben solche meist mit der Gleichgültigkeit des monoton flie...
Kita, Koks und Kater Blau: Meine Wohnungssuche in Berlin

Kita, Koks und Kater Blau

Meine Wohnungssuche
in Berlin

Katrin Olszewski

Während ich unter der Dusche stehe, mir leblos die Haare wasche, beschwerlich die Zähne putze und überhaupt erst richtig wach werde, klingelt es sirenenartig im Zehn-Sekunden-Takt an der Wohnungstür. Ich hasse diese Momente und reagiere auf eben solche meist mit der Gleichgültigkeit des monoton fließenden Wasserstrahls vor meinen Augen.

Der Postbote soll mit seiner Weihnachtsladung an Paketen doch bitte zu unserem Hartz-IV-Nachbarn gehen, der eh nichts anderes zu tun halt, als sich einen wunderbar original laminierten Arno-Dübel-Gedenktisch zu basteln, philosophiere ich noch, als es heftig zu klopfen und lärmen anfängt. Sondereinsatzkommando? Nein, viel schlimmer noch, es ist mein alter Kollege Tobias.

Das Temperament lässt sich quasi an seinen Lippen ablesen, als ich in der Tür stehe und ihn phlegmatisch hereinwinke. Die Wohnungsbesichtigung war wohl wieder ein Schuss in den Ofen. Tobias sucht seit etwa einem Jahr seine Traumwohnung in Berlin und findet, in seinem Fall, natürlich keine. „Welcome to the Circus“ könnte es auch heißen, wenn man die Absage eines Makler-Hipsters in die Tasche steckt.

Bei der Ausschreibung der Inserate fängt es ja bekanntlich schon an. Wir bieten: Wohnung zur Zwischenmiete, zum Tausch, für mindestens hundert Monatsmieten Provision, Mietzuschlag wegen Neubezug, selbstständige Mängelbeseitigung, mit Schimmel und ohne Klo. Wow, da wohne ich doch lieber gleich auf der Straße.

Die Chance, in Berlin reibungslos eine Wohnung zu finden, ist in etwa so groß, wie Karl Lagerfeld im Hawaiihemd oder Jürgen von der Lippe im Anzug zu begegnen. Kein Wunder auch, bei der momentan rapide steigenden Bevölkerungszahl, die sich proportional zu den Kothäufchen an den Straßenecken verhält. Aber warum ist das so?

Ich selbst bin Berlinerin und quasi ein Urgestein in den einst friedlichen Gefilden meiner Geburtsstätte. Doch im Laufe meiner pubertären Achterbahnfahrten musste ich feststellen, dass auch die Welt sich immer weiter dreht und die Menschheit mit ihr. Es ist die Zeit des Lebens, die uns dazu zwingt neue Orte zu erkunden, uns zu suchen und zu finden. Und sei es auf dem Penny-Parkplatz in Plauen.

Aber Berlin ist Metropole. Berlin ist Mutterstadt. Berlin ist so wunderbar. Kita, Koks und Kater Blau, denken viele und packen ihre Bündel Scheine ein, um sich auf den Weg in die große Stadt zu machen. Reiche Söhne investieren dank Papi in Aktien und kaufen Wohnungen oder ganze Bezirke.

Jaja, es ist traurig und eine alte Leier, ich weiß. Aber mit dem explodierenden Überangebot an Eigentumswohnungen und der rigorosen Anfechtung der letzten drei besetzten Häuser in Berlin, sinkt die Hoffnung auf das einst so starke Gemeinschaftsgefühl und hinterlässt just den hässlichen Status Quo einer egoistischen und kapitalistischen Gesellschaft.

So ist es nun auch mit der Wohnungssuche. Die Werbespots von Zalando machen es vor, die Bewerber in Kreuzberg machen es nach. Allein vor meinem Haus fand neulich eine Besichtigung mit 64 Leuten statt. Ich habe nachgezählt, weil ich es selbst nicht glauben wollte und der Meinung war, es wäre jemand aus dem Fenster gesprungen und ich hätte unverzüglich den Notarzt zu rufen. Doch als der Makler seine 64 hysterischen BWLer an die Hand nahm und ins Haus führte, war mir alles klar.

Nun hängt Tobias ebenfalls im Fadenschein des Netzes fest und hofft, endlich von der schwarzen Witwe erkannt zu werden, die stets ihre flinken Beine in Bewegung hält, um alles an sich zu reißen, was einen guten Geschmack und ein bisschen Provision in petto hat.

Mittlerweile hat er sich mit dem Gedanken abgefunden, das in Berlin kein Luxusloft, sondern eine solide und warme Behausung auch viel wert ist, und man frei nach Arno Dübel mit den Worten „Man soll sich doch so wenig Arbeit machen wie es geht.“ gut leben kann. Ansonsten zieht man einfach nach Plauen.

Die Fotografie stammt von Jonas Denil
Der Text erschien in der Kategorie Leben mit den Themen
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