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Das Popkultur Magazin

Sex im Seniorenheim: Junge Liebe zwischen alten Menschen

Jasmin war ein durchgestylter, prinzipientreuer und überall rasierter Punk, dem die Gesellschaft, und alles was darin verwickelt war, direkt am Arsch vorbei ging. Sie hörte leidenschaftlich gerne Slipknot, In Extremo und Knorkator, hätte die Welt, in der wir leben, am liebsten in den unheiligen Flam...
Sex im Seniorenheim: Junge Liebe zwischen alten Menschen

Sex im Seniorenheim

Junge Liebe zwischen
alten Menschen

Marcel Winatschek

Jasmin war ein durchgestylter, prinzipientreuer und überall rasierter Punk, dem die Gesellschaft, und alles was darin verwickelt war, direkt am Arsch vorbei ging. Sie hörte leidenschaftlich gerne Slipknot, In Extremo und Knorkator, hätte die Welt, in der wir leben, am liebsten in den unheiligen Flammen der Herrschaftslosigkeit aufgehen sehen und stammte aus einer wildgewordenen Zigeunerfamilie, was sie nicht müde wurde jedem und allem auf die Nase zu binden, und zwar genau mit diesem Begriff.

Zum ersten Mal traf ich im nahegelegenen Seniorenheim auf sie, in dem ich irgendwo zwischen Schulabschluss und Weltherrschaft einem unterbezahlten und langweiligen Job an der Rezeption entgegen sehen durfte, während sie Sozialstunden ableistete und eure Großeltern mit Brettspielen, Grießbrei und Matheaufgaben nötigte. Sie war 16. Ich nicht.

Während Jasmin mich auf der Brücke vor dem ständig nach Weinbrand, Zigaretten und Tod riechenden Schuppen noch vollkommen ignorierte, machten wir einige Stunden später im Fahrstuhl herum, schmissen uns in der Kapelle im obersten Stock gegenseitig mit unseren Klamotten ab und zündeten anschließend im Gemeinschaftsraum einen Joint an, während unsere älteren Mitmenschen ein Mittagsschläfchen hielten. Außer Herr Brechtl – die Perversion auf zwei Rädern.

Der alte Mann im Rollstuhl starrte uns mit gierigen Augen an, als wir gerade wieder im Begriff waren uns schick für die Außenwelt zu machen und den Rest des Joints im Garten zu versenken, rief irgendwas von Penissen und Handtüchern und schleifte uns daraufhin in sein Zimmer, wo er uns bei einem Gläschen Tee erzählte warum er sich ein Zimmer mit Blick auf den Sportplatz der anliegenden Schule gewünscht hatte. Wegen der leichtbekleideten, jungen Mädchen.

Er präsentierte uns alte, verstaubte Alben mit Fotos seiner vielseitigen FKK-Urlaube irgendwo am Meer und betitelte uns mit Geschlechtsteilen und Begriffen aus einer längst vergangenen Zeit, ohne es böse zu meinen. Wir lachten, wir freuten, wir sangen und flohen so schnell wir konnten aus seinem freizügigen Reich, als er kurz eingenickt war.

Nachdem wir uns auf der Toilette dem Sinn des Lebens näher brachten, ich angesteckt von ihrem Enthusiasmus am liebsten auf der Stelle meine Religion ablegen und zur Anarchie übertreten wollte und wir uns gegenseitig mit den Händen zwischen den Beinen und den Lippen auf der Brust schworen, niemals diesem System aus Kapitalismus, Sozialismus und Fundamentalismus beizuwohnen, änderte sich mein Bewusstsein gegenüber Gott für immer.

Es ist ja nicht so, dass ich leicht von Dingen zu überzeugen wäre, doch nach dieser Offenbarung, dem Anfang meines neuen Lebens und dem geschürten Hass gegen meine eigene Spezies, feierten wir den Beginn unserer neuen Weltordnung erst einmal gebührend, in dem wir uns bei Lidl ein paar eingeschweißte Hot Dogs klauten.

Meine Überzeugung zu Jasmin und ihrer Meinung hätte keine Grenzen mehr gekannt, wäre womöglich unsterblich geworden und hätte diese unsere Nation ins Verderben des satanischen, ewigen Feuers gestürzt, wenn ich sie nicht zwei Wochen später auf einer Schulparty mit der blonden Sabrina – Grinsekatze, weiße Socken und eine unterschiedlich große Oberweite – betrogen hätte und wir der Anarchie, dem tiefen Wunsch nach Chaos und dem Hass auf alle Ismen zum Trotz am nächsten Tag zusammen Eisessen gegangen wären.

Jasmin soll deswegen so abgrundtief sauer gewesen sein, dass sie der Legende nach den Kopf ihres besten Freundes aus Wut über mich so stark gegen das Waschbecken in seinem Bad geschlagen hat, dass dieses in alle Einzelteile zerbrach. Und obwohl ich seitdem nichts mehr von ihr hörte, bin ich mir sicher, dass sie ganz tief unter der Erde an einem glühenden Racheplan schmiedet, der alle Beteiligte direkt zu ihr in die Hölle katapultieren wird, damit wir uns gemeinsam für alle Ewigkeit der größten Folter von allen hingeben müssen: den FKK-Anekdoten von Herrn Brechtl zu lauschen.

Die Fotografie stammt von Emiliano Vittoriosi
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Overlord: Das mächtigste Wesen der Welt

Im Jahr 2126 wurde ein Dive Massively Multiplayer Online Role Playing Game oder DMMORPG namens Yggdrasil veröffentlicht, das sich von allen anderen DMMORPGs durch seine ungewöhnlich hohe Fähigkeit des Spielers zur Interaktion mit dem Spiel abhob. Nach einer intensiven zwölfjährigen Laufzeit stehen d...
Overlord: Das mächtigste Wesen der Welt

Overlord

Das mächtigste
Wesen der Welt

Annika Lorenz

Im Jahr 2126 wurde ein Dive Massively Multiplayer Online Role Playing Game oder DMMORPG namens Yggdrasil veröffentlicht, das sich von allen anderen DMMORPGs durch seine ungewöhnlich hohe Fähigkeit des Spielers zur Interaktion mit dem Spiel abhob. Nach einer intensiven zwölfjährigen Laufzeit stehen die Spieleserver nun kurz davor, abgeschaltet zu werden.

Innerhalb des Spiels existiert eine Gilde, Ainz Ooal Gown, die einst viele Mitglieder zählte und als eine der stärksten Gilden im Spiel gilt. Jetzt sind nur noch wenige davon übrig, die anderen haben das Spiel verlassen, und nur einer, ein skelettartiger Overlord-Charakter namens Momonga, spielt weiterhin als Gildenanführer und unterhält sein Hauptquartier im Großen Grab von Nazarick.

In den Minuten vor der Schließung lädt er die verbliebenen Gildenmitglieder ein, aber von diesen erscheint nur einer und nur für kurze Zeit, bevor er das Spiel wieder verlässt. Während er darüber traurig ist, akzeptiert er die Realität, dass seine Freunde sich um ihr eigenes Leben kümmern müssen, und beschließt, eingeloggt zu bleiben, bis die Server heruntergefahren werden.

Als die Zeit des Herunterfahrens gekommen ist, stellt Momonga fest, dass das Spiel nicht verschwunden ist. Stattdessen scheint es, als sei Yggdrasil als seine eigene Realität zusammen mit seinen verschiedenen NPCs wieder zum Leben erweckt worden. Momonga ist in der Form seines Spiel-Avatars gefangen, so dass er nicht in der Lage ist, die normalen Spielerfunktionen wie das Versenden von Nachricht zu verwenden oder sich sogar auszuloggen.

Ohne eine andere Möglichkeit macht sich Momonga daran, herauszufinden, ob sich jemand aus der realen Welt auch in dieser neuen Welt mit ihm befindet. Momonga nimmt den Namen Ainz Ooal Gown an, eine Botschaft an alle anderen Spieler, und beginnt, die Welt zu erforschen, um herauszufinden, was passiert ist, während er nach irgendjemandem oder irgendetwas sucht, das ihm helfen könnte, dieses Rätsel zu lösen und gleichzeitig die Sicherheit von Nazarick zu gewährleisten.

Ainz Ooal Gown scheint sein Verhalten durch die Spielmechanik verändert zu haben, denn er zeigt keine moralischen Bedenken gegenüber dem Töten und anderen Handlungen, die in der realen Welt tabu sind. Overlord ist eine Geschichte über die Psychologie einer Kreatur jenseits ethischer Bedenken mit nahezu grenzenloser Macht. Wie würdet ihr euch verhalten, wenn ihr plötzlich in einer fremden Welt als unbesiegbare Entität aufgetaucht wärt, in dem euch nichts, aber auch gar nichts, im Weg steht?

Overlord: Das mächtigste Wesen der Welt Overlord: Das mächtigste Wesen der Welt Overlord: Das mächtigste Wesen der Welt Overlord: Das mächtigste Wesen der Welt Overlord: Das mächtigste Wesen der Welt Overlord: Das mächtigste Wesen der Welt Overlord: Das mächtigste Wesen der Welt Overlord: Das mächtigste Wesen der Welt Overlord: Das mächtigste Wesen der Welt Overlord: Das mächtigste Wesen der Welt Overlord: Das mächtigste Wesen der Welt Overlord: Das mächtigste Wesen der Welt Overlord: Das mächtigste Wesen der Welt Overlord: Das mächtigste Wesen der Welt Overlord: Das mächtigste Wesen der Welt Overlord: Das mächtigste Wesen der Welt Overlord: Das mächtigste Wesen der Welt Overlord: Das mächtigste Wesen der Welt Overlord: Das mächtigste Wesen der Welt Overlord: Das mächtigste Wesen der Welt
Die Illustration stammt von Kugane Maruyama, So-Bin, Madhouse, Kadokawa, KSM und Koch Films
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Zum Dank gibt's Sex: Ich schlafe mit Männern, weil sie mich zum Essen einladen

Natürlich kann man jetzt schlimm finden, dass ich mit einer Menge Typen geschlafen habe, ohne das wirklich gewollt zu haben. Aber ehrlich gesagt geht mir das die meiste Zeit am Arsch vorbei. Ich bin es gewohnt, von Typen ausgenutzt und benutzt zu werden. So sehr, dass ich es inzwischen überhaupt nic...
Zum Dank gibt's Sex: Ich schlafe mit Männern, weil sie mich zum Essen einladen

Zum Dank gibt's Sex

Ich schlafe mit
Männern, weil sie mich
zum Essen einladen

Nadine Kroll

Natürlich kann man jetzt schlimm finden, dass ich mit einer Menge Typen geschlafen habe, ohne das wirklich gewollt zu haben. Aber ehrlich gesagt geht mir das die meiste Zeit am Arsch vorbei. Ich bin es gewohnt, von Typen ausgenutzt und benutzt zu werden. So sehr, dass ich es inzwischen überhaupt nicht mehr schlimm finde, aus Pflichtgefühl mit einem Typen zu schlafen, den ich in Wirklichkeit eigentlich gar nicht ficken will.

Vielmehr sehe ich es als eine Art Superpower, die ich über all die Jahre hinweg entwickelt habe, die irgendwelche Typen ihre Dinger in meine Körperöffnungen gesteckt haben, ohne dass ich wirklich Bock darauf hatte, mich von ihnen penetrieren zu lassen oder sonst irgendeine Art von Körperkontakt zu pflegen.

Ich hab mich von einem Typen in seinem Auto ficken lassen, weil ich dankbar dafür war, dass er mich nach einer Privatparty bis vor die Haustür meiner Eltern gefahren hat, sodass ich nicht im Dunkeln heimlaufen musste. Ich war ihm so dankbar dafür, dass er mich mit dieser großzügigen Tat davor geschützt hat, von irgendeinem wildfremden Mann auf dem dunklen Nachhauseweg vergewaltigt zu werden, dass ich mir auf dem Beifahrersitz von ihm in den Mund spritzen ließ, ohne es wirklich zu wollen.

Mit einem anderen hab ich gebumst, weil er mich erst ins Kino und dann auch noch zum Abendessen im Soho House eingeladen hat. Er hat bezahlt, also war für mich irgendwie klar, dass ich am selben Abend noch die Beine breit machen würde. Auch wenn ich den Typen selbst wirklich überhaupt nicht geil fand. Genau wie im Übrigen das Essen, das ich im Soho House serviert bekommen hatte, das ich aber auch einfach aus dem Grund komplett aufgegessen habe, weil es 37 Euro gekostet hat und ich ein höflicher Mensch bin.

Besagter Typ hat mich beim Rummachen gefragt, ob er mir auf den Arsch pissen darf. Ich hab nein gesagt, aber er hat es trotzdem gemacht. Im Nachhinein finde ich das sogar irgendwie okay. Ich meine, er hat für das Date mit mir ja locker achtzig Euro hingelegt. Das ist mehr, als eine Nutte in der Kurfürstenstraße für einen Fick bekommt. Und die nimmt sicherlich auch maximal die Hälfte ihrer Kunden wirklich freiwillig und gern mit sich ins Bett.

Die etlichen Male, die ich mit meinem letzten Freund gebumst habe, ohne wirklich Lust zu haben, von ihm penetriert oder geleckt zu werden, kann ich nicht einmal mehr zählen. Wir haben es seit Beginn unserer Beziehung bis zum Ende eigentlich jeden Tag getrieben, und nur so zweimal in der Woche hatte ich wirklich Lust darauf, an der Inszenierung mitzuwirken.

Es hat mich aber auch nicht weiter gestört, weil mein Exfreund sowieso zu dem Typ Mann gehört, der nach zwei bis drei Minuten mit einem lauten Grunzen über dir zusammenbricht und dann erst mal für ein paar Stunden schlafen muss, sodass ich nach jedem Fick mit ihm erst mal eine ganze Weile meine komplette Ruhe vor ihm hatte, was ich immer ziemlich gut fand.

Kann man wie gesagt alles richtig schlimm finden, und ich versteh sogar die Hardcorefeministinnen mit ihrem #Aufschrei und ihrem Gerede darüber, dass das ja irgendwie Gewalt ist, aber die Wahrheit ist: Erstens geht mir auch das komplett an meinem wunderschönen Arsch vorbei und zweitens gibt mir das Gefühl, von Jungs so ausgenutzt und benutzt zu werden, auch eine gewisse Art von Macht. Macht, die du nur hast, wenn du eine Muschi hast, die generell für alle Menschen offen steht, die nett sind und dich nicht so scheiße behandeln, wie das dein eigener Vater immer getan hat.

Indem ich mit mir machen lasse, was die Männer, die mich ficken, wollen, übe ich eigentlich eine Art von Macht über sie aus, schließlich fahren sie mich nach Hause oder kaufen mir ein teures Abendessen, und alles was ich dafür tun muss ist mit ihnen Sex zu haben, an den ich mich im Nachhinein sowieso nicht mehr erinnere, weil er so belanglos war wie die Typen selbst.

Ich bin übrigens nie vergewaltigt worden oder so, auch nicht als Kind, obwohl das mancher Hobbypsychologe hier bestimmt denkt, wenn er diese Zeilen von mir liest. Ich hab einfach nur sehr früh verstanden, wie das Prinzip Sex funktioniert und habe das Spiel perfektioniert.

Indem es mir absolut egal ist, was irgendwelche dahergelaufenen Kerle mit mir anstellen, kann ich mit all diesen abgefuckten Losern schlafen, ohne mich danach dreckig zu fühlen, auch wenn ich in erster Linie gar nicht mit ihnen bumsen wollte. Ich weiß, dass das für die meisten Menschen absolut keinen Sinn macht, aber bei mir ist das nun mal einfach so.

Als ich das mal einer Freundin so erzählt habe, hat sie auch ziemlich schockiert getan und mich gefragt, ob ich vielleicht asexuell bin, wenn ich all diesen Sex eigentlich gar nicht haben wollte. In Wirklichkeit war sie nur neidisch, glaube ich, dass ich das kann und sie dagegen nicht. Asexuell bin ich übrigens nicht.

Ich habe schon wirklich gerne Sex, nur eben auch mit einer ganzen Menge von Typen geschlafen, wo ich drauf hätte verzichten können, wenn die Situationen anders gewesen wären und ich ihnen nicht irgendwas dafür geschuldet hätte, dass sie nett zu mir waren, mich bei sich übernachten lassen oder mich ins Kino eingeladen haben.

Auf Rock am Ring habe ich zum Beispiel mal mit einem Typen gebumst, weil der mich in seinem Zelt hat schlafen lassen, nachdem ich einfach all meine Leute verloren hatte und orientierungslos über den Zeltplatz irrte. Natürlich hätte ich mich nicht von ihm ficken lassen, wenn ich mein eigenes Zelt wiedergefunden hätte, weil er wirklich nicht mein Typ war, aber ich war besoffen und er echt nett, und dadurch ist die Sache meines Erachtens nach auch nicht verwerflich.

Ich habe in den meisten Fällen, in denen ich mit irgendjemandem gefickt habe, zwar nicht explizit ja gesagt, aber nein gesagt hab ich wie erwähnt eben auch nicht, außer bei der Sache mit dem Anpissen. Und die war im Nachhinein betrachtet auch gar nicht so schlimm, ich meine, er hat mir ja nur auf den Arsch gepisst und dabei nicht weh getan.

Die Fotografie stammt von Dainis Graveris
Der Text erschien in der Kategorie Sex mit den Themen
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Another Girl Another Planet: Das geheime Leben junger Mädchen

Obwohl ich selbst ein Mädchen bin, wer hätte das gedacht, kann ich nicht genug davon bekommen, in die verschiedenen und irgendwie doch geheimnisvollen Leben anderer junger Mädchen hinein zu gucken. Besonders in die der ganz kreativen und alternativen und besonderen, diejenigen, die allein durch ihr...
Another Girl Another Planet: Das geheime Leben junger Mädchen

Another Girl Another Planet

Das geheime Leben
junger Mädchen

Daniela Dietz

Obwohl ich selbst ein Mädchen bin, wer hätte das gedacht, kann ich nicht genug davon bekommen, in die verschiedenen und irgendwie doch geheimnisvollen Leben anderer junger Mädchen hinein zu gucken. Besonders in die der ganz kreativen und alternativen und besonderen, diejenigen, die allein durch ihr Dasein diesen Planeten zu einem besseren machen.

Valerie Phillips ist nicht nur eine begnadete Fotografin, sondern auch ein Mensch, der so ziemlich nur das ablichtet, was ich gerne gucke. Und zwar Mädchen dabei, wie sie Mädchen sind. Sie lachen und sie hüpfen und sie schämen sich für nichts und sie wissen, dass die Zukunft ihnen offen steht, egal was ihnen irgendwelche notgeilen Männer oder verwirrte Frauen vorschreiben wollen.

Ihr Buch heißt „Another Girl Another Planet“ und verewigt Göttinnen wie Arvida Byström und ihre Artgenossinnen im Hier und Jetzt und für alle Zeit. Schließlich gehören sie zu einer feministischen und lautstarken Gruppe, die unser aller Leben verbessern möchten. Mit Kunst. Mit Musik. Oder einfach nur indem sie mal laut, mal leise vor sich hin atmen und dabei kämpfen. Immer.

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Die Fotografie stammt von Valerie Phillips
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Keine Angst vor AIDS: Ich habe mit einem HIV-infizierten Mann geschlafen

Ich habe kürzlich jemanden auf Tinder aufgerissen, der HIV-positiv ist. Erzählt hat er es mir bei unserem dritten Date, als wir gerade damit fertig waren, die dampfenden Ramenschüsseln vor uns auszulöffeln. Dabei war er ganz sachlich und ruhig, ein bisschen so, als würde er mir gerade erzählen, dass...
Keine Angst vor AIDS: Ich habe mit einem HIV-infizierten Mann geschlafen

Keine Angst vor AIDS

Ich habe mit einem
HIV-infizierten Mann
geschlafen

Nadine Kroll

Ich habe kürzlich jemanden auf Tinder aufgerissen, der HIV-positiv ist. Erzählt hat er es mir bei unserem dritten Date, als wir gerade damit fertig waren, die dampfenden Ramenschüsseln vor uns auszulöffeln. Dabei war er ganz sachlich und ruhig, ein bisschen so, als würde er mir gerade erzählen, dass er sich gestern im Schlussverkauf ein Paar blaue Socken gekauft hat.

Vermutlich war das auch der Grund, weshalb ich nicht wirklich geschockt war ob dieses doch sehr intimen Geständnisses. Hätte er angefangen zu heulen und mir erzählt, dass er womöglich an den Folgen der HIV-Infektion, also AIDS, sterben wird, hätte ich höchstwahrscheinlich mitgeheult. Was soll ich sagen, ich bin eben ein Sensibelchen, das extrem stark auf die Stimmungen anderer Menschen reagiert.

Ich selbst habe bereits drei oder vier HIV-Tests hinter mehr und muss sagen, dass sie alle gleichermaßen unangenehm waren, auch wenn das Ergebnis immer negativ zurückkam und ich somit trotz einiger Ausrutscher, bei denen ich ungeschützten Geschlechtsverkehr hatte, kerngesund war.

Von einer längst ausgeheilten da sofort nach der Entdeckung behandelten Chlamydien-Infektion mal abgesehen. Da auch in meinem direkten Umfeld niemand an HIV erkrankt war oder ist, zumindest weiß ich nichts davon, musste ich mich damit also noch nie näher auseinandersetzen.

Ich weiß, dass HIV-Infektionen zu AIDS führen können, das Risiko, dass dieser Fall eintritt, aufgrund der modernen Medikamente gen null geht – sofern man rechtzeitig von der Erkrankung erfährt und die Möglichkeit und Mittel hat, sich medizinisch behandeln zu lassen, versteht sich. Ich weiß auch, dass der überwiegende Teil der Menschen, die sich mit HIV infizieren, noch immer Männer sind, die ungeschützten Geschlechtsverkehr mit anderen Männern haben.

Ich weiß, dass HIV-Infektionen der Meldepflicht unterliegen, obwohl man sich anonym testen und beraten lassen kann und dass man streng genommen niemanden erzählen muss, dass man selbst HIV-positiv ist. Daneben mir ist natürlich bewusst, dass kaum eine Erkrankung so krass stigmatisiert wird, wie AIDS und die dem AIDS vorangegangene Infektion mit HI-Viren.

Und nun saß ich da, vor dem ersten offen HIV-positiven Menschen, den ich kennengelernt hatte und fragte mich, was seine Diagnose nun für mich bedeutete. Wir hatten uns bereits geküsst, aber ich wusste natürlich, dass man sich dabei nicht anstecken kann, wenn man sich nicht unbedingt gerade gegenseitig die Lippen zerkaute. Und jetzt wollte er offenbar mit mir ins Bett. Wieso sonst sollte er mir von seiner HIV-Infektion erzählen? Aus Spaß an der Freude nämlich sicher nicht.

Weil ich mir aber nicht ganz sicher war, fragte ich ihn, ob das ein indirektes Angebot für schmutzigen Sex war, oder ob ich ihm einfach ein bisschen was von meiner Borderline-Diagnose und dem Leben als irres Psychomädchen, das keine stabilen Beziehungen führen kann erzählen solle, weil unser Gespräch sich gerade in Richtung „Leute, vor denen andere Menschen richtig krasse Angst haben“ bewegte.

Im ersten Moment sah er sehr verwirrt aus, dann lachte er und sagte, dass er gerne mit mir ins Bett gegen würde, wenn ich denn keine Angst vor ihm hätte, woraufhin ich entgegnete, dass ich sehr gerne mit ihm ins Bett gehen würde, wenn er denn keine Angst vor mir hätte, womit beschlossene Sache war, dass wir miteinander ins Bett gehen würden, und zwar noch am selben Abend.

Die Möglichkeit, mich vor unserem Stelldichein noch ganz schnell um PrEP zu kümmern, fiel damit also weg. PrEP ist die Abkürzung für „Präexpositionsprophylaxe“, was auf Deutsch so viel bedeutet wie „Vorsorge vor einem Risikokontakt“, um den es sich bei meinem Date ja eindeutig handelte.

Bei dieser Art von Schutzmethode gegen eine HIV-Infektion nehmen Menschen, die sich bisher nicht mit dem Virus angesteckt haben, entweder täglich oder anlassbezogen, also vor und nach sexuellen Kontakten mit HIV-positiven Personen, ein HIVMedikament ein, um sich vor einer Ansteckung zu schützen.

Richtig angewandt schützt die Präexpositionsprophylaxe genauso gut wie Kondome und die sogenannte „Schutz durch Therapie“. Letzteres bedeutet, dass HIV-positive Personen, die regelmäßig HIVMedikamente einnehmen, trotz ihres positiven Status nicht länger ansteckend sind.

Kombiniert man Schutz durch Therapie, Kondome und PrEP, ist eine Ansteckung mit HIV also nahezu ausgeschlossen. Vorausgesetzt natürlich, man wendet die Methoden auch korrekt an und verzichtet nicht etwa auf Kondome, nur weil das Gegenüber behauptet hat, es sei gesund oder unter der Nachweisgrenze für HIV und somit nicht mehr ansteckend.

Nachdem wir die „Zu mir oder zu dir?“-Frage geklärt hatten und uns auch darüber einig waren, dass wir sämtliche sexuellen Aktivitäten, also auch Oralverkehr bei ihm und mir, nur mit Kondom ausüben würden, zahlten wir die Rechnung und machten uns auf den Weg in meine Wohnung.

Ab diesem Moment lief es eigentlich wie mit jedem anderen Sexualpartner auch. Noch im Flur begannen wir rumzumachen, zu fummeln und uns auszuziehen, bis wir schließlich in meinem Zimmer auf dem Bett landeten. Zum Glück machte meine Mitbewohnerin zusammen mit ihrem Freund gerade Heimaturlaub bei ihren Eltern, sodass es kein Problem war, dass wir praktisch schon direkt nachdem die Haustür ins Schloss gefallen war nackt waren!

Ich hatte mir Sex mit einer HIV-positiven Person immer anders vorgestellt, als es letztendlich war. Nicht, dass ich ständig über Sex mit HIV-infizierten Leuten fantasieren und dazu masturbieren würde, aber man macht sich eben schon so seine Gedanken, wenn man wie ich sexuell überaus aktiv ist.

Ich dachte von mir selbst immer, dass ich Berührungsängste hätte, spätestens, wenn es darum ginge, den Penis meines HIV-positiven Gegenübers anzufassen. War dann aber überhaupt nicht so, was aber vermutlich auf seine entspannte Art und seinen lockeren Umgang mit seiner Infektion zurückzuführen war.

Der Sex war absolut fantastisch. Genauere Details erspare ich euch an dieser Stelle lieber. Doch nur so viel: Ich hatte schon wesentlich schlechtere Lover, bei denen ich mir im Nachhinein mehr Gedanken darüber gemacht habe, dass sie mich mit irgendwas Ekligem ansteckt haben könnten, weil ich zum Beispiel festgestellt habe, dass sie sich weder nach dem Gang zur Toilette noch bevor sie ihre Finger in mir versenkt haben, die Hände gewaschen hatten.

Der HIV-positive Mann und ich daten übrigens noch immer, wenn auch nur sporadisch, weil wir uns auf eine Art Fickding geeinigt haben. Ich verzichte zwar auf PrEP, teste mich seitdem aber alle vier Wochen mit einem HIV-Selbsttest auf das Virus.

Und ja, vor meinen Freunden nenne ich ihn nicht „den HIV-Positiven“, denn die Erkrankung soll weder ihn noch unsere sexuelle Beziehung zueinander definieren. Stattdessen bezeichne ich ihn als „den besten Fick seit Jahren“. Das ist er nämlich wirklich. Auf allen erdenklichen Ebenen.

Die Fotografie stammt von Dainis Graveris
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Stilvoll durch Berlin: Mit dem Blade V9 von ZTE auf Instagram-Tour

Vielleicht kennt ihr Nessie ja. Die kecke Berlinerin, die eigentlich Neslihan heißt, macht nicht nur in mehr als netten Videos auf YouTube eine gute Figur, sondern hat sich gerade durch ihre kunterbunten Streetstyle-Fotos auf Instagram eine neugierige Fanbase aufgebaut. Nessie schafft es, Mode un...
Stilvoll durch Berlin: Mit dem Blade V9 von ZTE auf Instagram-Tour

Stilvoll durch Berlin

Mit dem Blade V9 von ZTE
auf Instagram-Tour

Annika Lorenz

Vielleicht kennt ihr Nessie ja. Die kecke Berlinerin, die eigentlich Neslihan heißt, macht nicht nur in mehr als netten Videos auf YouTube eine gute Figur, sondern hat sich gerade durch ihre kunterbunten Streetstyle-Fotos auf Instagram eine neugierige Fanbase aufgebaut.

Nessie schafft es, Mode und Farben so zu kombinieren, dass es niemals langweilig wird. Und weil wir die bezaubernde Fashionista so großartig finden, haben wir sie mit dem technisch vollgepackten Blade V9 von ZTE durch Berlin geschickt, um zu schauen, ob das neue Smartphone auch wirklich hauptstadttauglich ist.

Das Blade V9 von ZTE präsentiert sich in einem edlen und luxuriösen Design. Während das gesamte Display aus hochwertigem Auroraglas besteht, das nahtlos in den Aluminiumrahmen überfließt, sorgt der kurvige Rand für den perfekten Halt in der Hand, auch wenn ihr es gerade womöglich etwas eilig habt. Nicht zuletzt bietet der 5.7 Zoll große FHD+ Full Screen das visuelle Erlebnis, das ihr zum Spielen, Filme gucken oder Snapchatten benötigt. Ganz egal ob Fotos, E-Books oder Onlinespiele: Dank 18:9 Display habt ihr auf jeden Fall mehr von euren Inhalten.

Dank der hochwertigen 16 MP Dual Lens Hauptkamera werden eure Fotos auch noch besonders detailreich. Selfie-Experten können sich hingegen an der leistungsstarken 13 MP Fixfokus Frontkamera erfreuen, die jeden Moment perfekt einfängt.

Da das ZTE Blade V9 über einen leistungsstarken Prozessor und das neue Android-Betriebssystem verfügt, ist Schnelligkeit und eine starke Performance garantiert. Gleichzeitig sorgt der Akku mit einer innovativen Energiesparfunktion für eine lange Laufzeit, sodass ihr all eure Lieblings-Apps auch lange nutzen könnt. Nessie hatte auf jeden Fall Spaß mit dem Blade V9, das dank dieses kleinen Tests als perfektes Utensil für das oft hektische, aber auch schöne Leben in der Großstadt und drumherum gilt.

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Die Fotografie stammt von Marlen Stahlhuth
Als Model ist Neslihan Değerli zu sehen
Mit freundlicher Unterstützung von ZTE
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Geschwisterliebe: Inzest ist die neue Homosexualität

Sag mal, würdest du eigentlich mit deiner Schwester ficken? Die Frage rutscht mir so raus, als ich mit meinem Kumpel Max vor dem Fernseher sitze und wir eine Folge irgendeiner dämlichen Serie schauen, die das Thema Inzest behandelt. Bäh, nee, das ist absolut eklig!, entgegnet er sofort und schen...
Geschwisterliebe: Inzest ist die neue Homosexualität

Geschwisterliebe

Inzest ist die neue
Homosexualität

Nadine Kroll

„Sag mal, würdest du eigentlich mit deiner Schwester ficken?“ Die Frage rutscht mir so raus, als ich mit meinem Kumpel Max vor dem Fernseher sitze und wir eine Folge irgendeiner dämlichen Serie schauen, die das Thema Inzest behandelt. „Bäh, nee, das ist absolut eklig!“, entgegnet er sofort und schenkt sich noch mal Wein nach. „Aber wieso denn nicht?“, hake ich nach. „Deine Schwester ist ein super attraktives Mädchen!“ „Mag sein“, antwortet Max, „aber sie ist eben auch meine Schwester.“

„Gut“, sage ich. „Aber jetzt stell‘ dir doch mal vor, sie wäre eine Fremde. Ein Mädchen, das du nicht kennst und dem du zufällig auf der Straße begegnest.“ „Nicht, solange sie meine Schwester ist.“ „Aber du weißt ja in dem Moment nicht, dass sie deine Schwester ist. Wie in Star Wars! Und stell dir mal einen ganz kurzen Moment vor, sie wäre nicht deine Schwester. Würdest du dann?“ „Vermutlich schon“, antwortet Max. „Also wenn sie wirklich nicht meine Schwester wäre, sondern eine wildfremde Frau, mit der ich nicht über irgendwelche Ecken und Kanten verwandt bin.“ „Aha“, sage ich, lehne mich zurück und lasse mich weiter von der Serie im Fernsehen berieseln.

Das Thema Inzest beschäftigt mich, seit ich zum ersten Mal darauf gestoßen bin, als ich im Kleiderschrank meines Vaters ein vergilbtes Pornoheftchen fand, in dem es zwei Brüder mit ihrer angeblichen Schwester trieben. Ich war zugleich angeekelt, schockiert und interessiert. Natürlich habe ich mich in dem Moment gefragt, ob mein Vater es gerne auch mal mit mir treiben würde.

In diesem Moment war für mich völlig logisch, dass mein Vater irgendein abartiger Perverser war, der sich irgendwann an mir vergreifen würde. Hat er selbstverständlich nicht. Und heute, viele, viele Jahre später, ist mir klar, dass diese Vorverurteilung, die ich gegenüber ihm getroffen habe, etwas ist, das mir anerzogen wurde. Kein Inzestporno dieser Welt macht einen stinknormalen Familienvater zu einem Pädophilen. Noch nicht einmal zu einem Pädosexuellen. Sondern lediglich zu einem Menschen, den ein gesellschaftliches Tabu in seinen Fantasien reizt.

Meine Reaktion war in diesem Moment dennoch ganz natürlich. Zumindest, wenn man nach Sigmund Freud geht. Während es für kleine Kinder ganz normal ist, mit ihren Eltern zu schmusen und sie zu küssen, lösen sie sich in einer bestimmten Phase davon. Im Normalfall durch das Zutun der Eltern, die zum Beispiel Dinge sagen wie: „Du kannst deinen Papa nicht heiraten, der gehört schon zu mir!“

Dadurch wird irgendwann klar: Familie ist tabu. Du musst sie anders lieben als du deine zukünftigen Partner liebst. Für gewöhnlich ist familiär einiges schief gelaufen, wenn zwei Geschwister, die miteinander aufgewachsen sind, sich sexuell zueinander hingezogen fühlen. Sagen zumindest Psychologen. Ein anderer Fall liegt vor, wenn die Geschwister sich nicht von klein auf kennen und dann eine sexuelle Beziehung miteinander beginnen. Das ist zwar gesetzlich immer noch verboten, wird allerdings psychologisch noch mal ganz anders behandelt. Ich verweise an dieser Stelle gerne noch einmal auf das wohl bekannteste Inzestpärchen Luke und Leia.

Inzestpornografie macht, insbesondere in Deutschland, einen sehr großen Teil des Marktes aus. Und ich glaube, das liegt nicht daran, dass jeder dritte Mensch sich vorstellt, es mit Schwester, Bruder, Mutter oder Vater zu treiben, sondern weil es sich um ein gesellschaftliches Tabu handelt. Und die sind für gewöhnlich geil. Zumindest in der Fantasie. Und wenn man sich nicht zwangsläufig ein eigenes Familienmitglied dabei vorstellt, sondern beispielsweise das hübsche Zwillingspärchen von nebenan.

Es gibt sie allerdings, die Menschen, die sich in einen nahen Verwandten verlieben und eine sexuelle Beziehung anstreben. Und wenn wir mal kurz das außen vor lassen, was Sigmund Freud dazu gesagt hat: Was ist daran bitte verwerflich, sofern diese Zuneigung auf Gegenseitigkeit beruht und beide Personen volljährig sind? Es ist eine Barriere, die in unseren Köpfen ist und die Psychologie, die dahintersteckt, ist in meinen Augen längst überholt.

Man bedenke nur mal, dass vor nicht allzu vielen Jahren Homosexualität noch bestraft und mit irgendwelchen psychischen Störungen begründet wurde und auch wenn es mittlerweile glücklicherweise gesetzlich erlaubt ist, gleichgeschlechtliche Partnerschaften einzugehen, so ist dieses Denken dennoch nicht aus den Köpfen vieler nicht-homosexueller Menschen geblieben. Vielleicht sind die Geschwister, die zusammen sein möchten, gar nicht psychisch krank, sondern werden nur von der Gesellschaft dazu deklariert, und leiden so extrem darunter, weil ein Gesetz es ihnen verbietet, ganz normal zusammen zu sein.

Ich persönlich halte das Inzestverbot für überflüssig, zumal es stark gegen die sexuelle Selbstbestimmung spricht. Erwachsene Menschen sollten tun und lassen dürfen, was sie wollen. Ganz egal, ob sie in einem verwandtschaftlichen Verhältnis zueinander stehen oder nicht. Das Argument, dass potentieller Nachwuchs „erbkrank“ sein könne, zählt für mich auch nicht. Ich empfinde es sogar als überaus diskriminierend, weil es Menschen mit Behinderung, die aus nicht-inzestuösen sexuellen Verhältnissen stammen, abwertet oder schlimmer noch: für unsere Gesellschaft irgendwie untragbar macht.

Zumal es genau dieses Gesetz ist, das Menschen zwingt, ihre Identität zu wechseln oder im verborgenen ihren Sehnsüchten nachzugehen. Kein Verbot dieser Welt ist so stark wie die Liebe zwischen zwei Menschen und dabei ist es völlig egal, ob es sich um ein Geschwisterpärchen handelt oder um zwei Personen, die aufgrund ihrer Religion oder was auch immer nicht legal zusammen sein dürfen. Jedes Gesetz, das den Menschen nicht mehr Freiheit schenkt, sondern ihnen ihre Freiheiten raubt, ist beschissen. Und ihr wisst es.

Man muss ja nicht alles gut finden, was andere Menschen so machen. Aber man kann zumindest akzeptieren, dass es das gibt, und zwar häufiger als man denkt, und das Ganze auch mal entkriminalisieren. Wir reden hier ja nicht von Menschen, die Massenschlachtungen an anderen Menschen vornehmen, sondern von solchen, die sich lieben und den Risiken, die diese Liebe vielleicht mit sich bringt, vollkommen bewusst sind.

Niemand gehört für Liebe bestraft. Im Gegenteil: Die Menschen, die aufrichtig lieben, sich über Grenzen hinwegsetzen und sich ihre Freiheiten nehmen, weil sie es verdient haben, frei zu sein, zu lieben und zu ficken, wen sie lieben und ficken wollen, gehören ausdrücklich belohnt. Mit Freiheit vor der Gesellschaft und vor dem Gesetz. Im Gegensatz denen, die Freiheiten beschränken. Und das ist in den meisten Fällen der Staat und keine Einzelperson, die sich aus mehr oder wenigen guten Gründen über die ihm auferlegten Verbote hinwegsetzt.

Die Fotografie stammt von Vidar Nordli-Mathisen
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Wie viel wiegt die Liebe? Wenn die Mücke zum Elefanten wird

Im Badezimmer sacke ich auf die neue, flauschige Badezimmermatte. Mir ist schwindlig. Mein Kopf dreht sich und mit ihm tausend Gedanken im Kreis. Das Badezimmer ist ein prima Ort, um sich den Kopf zu zerbrechen und wieder klar zu kommen. Man kann sich an die Heizung kuscheln und sofort sieht die Wel...
Wie viel wiegt die Liebe? Wenn die Mücke zum Elefanten wird

Wie viel wiegt die Liebe?

Wenn die Mücke zum
Elefanten wird

Hannah Maria Paffen

Im Badezimmer sacke ich auf die neue, flauschige Badezimmermatte. Mir ist schwindlig. Mein Kopf dreht sich und mit ihm tausend Gedanken im Kreis. Das Badezimmer ist ein prima Ort, um sich den Kopf zu zerbrechen und wieder klar zu kommen. Man kann sich an die Heizung kuscheln und sofort sieht die Welt wieder ganz anders aus. Oder man springt unter die Dusche, um sich aufzuwärmen und spült die Gedankensuppe einfach den Bach hinunter.

Klopapier ist ein guter Taschentuchersatz. Und wenn man einen Blick in den Spiegel wirft, zwingt man sich sofort aufzuhören zu weinen, weil die Augen bereits ganz zugeschwollen sind. Wenn ich mich bewege, tanzen ein paar Staubwolken um meine 19,99-Euro-Waage.

Ich stelle mich drauf. 61 Kilogramm. Ein Schokoriegel wiegt ungefähr 20 Gramm. Mit 3050 Schokoriegeln könnte man mich nachbauen. Eine Mücke wiegt zwei Milligramm und, wenn wir aus ihr einen Elefanten machen, fünf Tonnen. Aber wie viel wiegt eigentlich die Liebe?

Wenn wir abends durch die Bars streifen und sich im Dunkeln die Blicke zweier Menschen treffen, dann schlägt unser Herz plötzlich schneller, es macht sogar einen kleinen Sprung und fängt an zu glühen. Es wird ganz warm und heiß. Die Hitze steigt uns in die Ohren, sie werden ganz rot und plötzlich verhalten wir uns bescheuert anders. Die eigene Sprache verknotet sich mit den Stimmbändern.

Wenn wir verliebt sind, fühlt es sich an, wie ein Biss in die Lieblingsschokolade, die man seit gefühlten Ewigkeiten nicht mehr gegessen hat. Wir fühlen uns, als ob wir wieder fünf sind und den Hauptgewinn an der Losbude ziehen. Die ganze Welt dreht sich um uns und es gibt nur genau diesen einen Augenblick, diesen einen Moment, der so kurz ist, aber unsere Welt zum Stillstand bringt.

Der Magen wird ganz flau. Es fühlt sich an wie Aufzugfahren. Der freie Fall. Wie eine Fahrt auf dem Kettenkarussell in schwindeliger Höhe. Wie Schmetterlinge im Bauch. Ein Schmetterling wiegt zwischen 150 und 300 Milligramm. Ein Vierpersonenaufzug hat eine Tragfähigkeit von 750 Kilogramm und ein Los wiegt ungefähr fünf Gramm.

Wenn wir uns mit Menschen streiten, dann machen wir das größtenteils, weil sie uns so viel bedeuten, wir sie lieben oder sie uns tierisch auf die Nüsse gehen. Wenn die ersten Blicke getauscht wurden und die Karussellfahrt vorüber ist, kommt das Grummeln, die Wut, die Angst, die Missverständnisse, das tägliche Leben und Alltagssituationen. Wir sind nicht mehr alleine. Sondern zu zweit.

Das Leben wird kurzerhand für ein paar lausige warme Herzhüpfer umgekrempelt und wir lassen uns aufeinander ein. Streitereien sind ganz normal, da lernen wir uns erst richtig kennen. Wir beginnen damit, Bücher nach dem Anderen zu werfen, die Fotos der Exfreundin zu verbrennen oder kurzerhand die Bettdecke plus Partner auf das nächste Sofa zu verfrachten. Ein Buch wiegt je nach Lesestoff um die 350 Gramm, seine Exfreundin hoffentlich mehr als ich, ein Foto um die zehn Gramm und eine Bettdecke etwa drei Kilogramm.

Sobald die Sonne sich verdrückt hat, es dunkel wird und der kitschige Sternenhimmel auftaucht, machen die Gedanken sich wieder breit. Wir bereuen, was wir getan haben, wir bekommen Sehnsucht, liegen wach im Bett und eine Träne fließt nach der anderen, weil wir genau wissen, dass wir Scheiße gebaut haben. Wir haben Angst, drücken unser versifftes und zerknuddeltes Lieblingskuscheltier an uns und stellen uns in Gedanken vor, wir wären bei ihm. Oder bei ihr.

Wir würden uns am liebsten in die Kuhle zwischen seinem Hals und seinen Schultern drücken und an seiner Haut schnuppern. Unseren Arm um ihn legen, die andere Seite seines Körpers kraulen und vorsichtig ein Bein auf sein bestes Stück legen.

Und Männer, ihr mögt es doch auch, wenn wir uns an euch drücken. Aber da jeder gerade irgendwo verschwenderischer Weise alleine in der Weltgeschichte herumliegt, versuchen wir die Zeit mit einer schnulzigen DVD totzuschlagen oder ertränken sie in Tortillachips mit Käse. Mein Kuscheltier wiegt 350 Gramm. Ein Spritzer Parfüm 50 Milligramm. Und ein Chip vielleicht 500 Milligramm.

Wie viel wiegt die Liebe, wenn wir erfahren, dass unser Partner krank ist? Krebs diagnostiziert wird, Aids, ein Kind verloren hat, ein Freund bei einem Autounfall ums Leben kommt. Solche Schläge werfen uns aus der Umlaufbahn. Wie viel wiegt die Liebe, wenn wir den Menschen in die Augen blicken, die sich um uns sorgen und wir können nichts dagegen tun? Wenn man sich schon zurücknimmt, aus Angst die Menschen, die man liebt, mit einer schlechten Nachricht zu verletzen, wie viel wiegt Liebe dann?

Wenn wir einen Menschen jahrelang durch eine schwere Krankheit begleitet haben und das Spiel leider verloren haben, wie schwer ist Liebe dann? Sie erdrückt uns, nimmt uns Mut, Kraft, den Atem und die Seele. Eine schlanke Frau um die 25 Jahre wiegt bei einer Körpergröße von 1,75 Metern 59 bis 77 Kilogramm. Ein Mann bei 1,80 Metern bis zu 80 Kilogramm. Ein ungeborenes Baby in der 30. Schwangerschaftswoche um die 1,6 Kilogramm. Man sagt, die Seele eines Menschen wiegt 21 Gramm.

Wir stehen an einer Kreuzung. Unsere ganze Vorgeschichte hat uns hierher geführt. Unser Tun, Denken und Handeln, unsere Entscheidungen, unsere Sprache. Jedes einzelne Wort, jeder einzelne Buchstabe hat uns genau hierher gebracht. Es ist drückend, schwül, über uns hängen dicke Wolken. Und wir haben uns entschieden, nicht mehr zusammen zu sein. Wie viel wiegt die Liebe, wenn wir uns gegenseitig gehen lassen, wenn wir die Entscheidung des anderen akzeptieren müssen und wieder nur mit unserem zerknutschten Kuscheltier das Bett teilen?

Wie fühlt es sich an, wenn uns solch eine Nachricht das Herz zerreißt und man verzweifelt, weil wir nicht mehr auf einen grünen Ast kommen? Wenn wir uns eigentlich lieben, aber es nicht schaffen miteinander auszukommen. Wie scheisse fühlt es sich jedes Mal an, jemanden nicht anzurufen, keine SMS zu schreiben und nicht einfach vor der Tür des anderen zu stehen. Wie viel wiegt die Liebe, wenn wir jemanden geliebtes gehen lassen müssen? Über das Gewicht einer Wolke wird heiß diskutiert. Ein Herz wiegt 300 Gramm.

Lange genug habe ich auf die Waage gestarrt. Die 61 blinkt bedeutungslos auf und ab. Ich spreize meinen kleinen linken Zeh vom Fuß ab, um auf den viel zu kleinen Ausschalter zu drücken. Ich atme ein paar Mal tief durch, wuschle mir durch die Haare und plustere meine Hamsterbacken auf. Mein Kopf pocht. Die Staubwolken haben aufgehört zu tanzen und liegen leblos in der Ecke. Ein Staubkorn wiegt 0,0001 Gramm. Eine Mücke wiegt zwei Milligramm und, wenn wir aus ihr einen Elefanten machen, fünf Tonnen.

Die Illustration stammt von Icons8
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Digitale Trennungen: Hast du mich gerade auf Facebook entfreundet?

Weiß noch jemand, wie verdammt unangenehm es in Zeiten ohne Facebook & Co., also früher, gewesen ist, beste Freundschaften zu beenden? Für jene, die sich kaum an ein Leben ohne soziale Netzwerke erinnern können, hier ein kleiner Erinnerungsschub: Man rief die betreffende Person an und machte ein Tre...
Digitale Trennungen: Hast du mich gerade auf Facebook entfreundet?

Digitale Trennungen

Hast du mich gerade auf Facebook entfreundet?

Daniela Lindner

Weiß noch jemand, wie verdammt unangenehm es in Zeiten ohne Facebook & Co., also früher, gewesen ist, beste Freundschaften zu beenden? Für jene, die sich kaum an ein Leben ohne soziale Netzwerke erinnern können, hier ein kleiner Erinnerungsschub: Man rief die betreffende Person an und machte ein Treffen aus. In einem Café. Oder in der Lieblingsbar. Oder eben gerade nicht in der Lieblingsbar, um den Ort der Freude nicht negativ zu konditionieren. Erinnerung ist schließlich ein fragiles Konzept.

Man traf sich dann und beendete die Freundschaft vis-à-vis. So mit anschauen und so, ihr wisst schon. Ja, dazu gehört natürlich etwas Mut. Und ja, es ist wahrscheinlich immer unangenehm, dem Gegenüber persönlich ins Gesicht zu sagen, dass man sich nun distanzieren möchte und ab dem jetzigen Moment keinen Wert mehr auf die Gesellschaft des anderen legt.

Vor allem dann, wenn man jahrelang unzertrennlich jeden Scheiß miteinander gelebt und erlebt hat und jetzt erklären muss, warum man nun getrennte Wege gehen möchte. Gründe dafür gibt es zahlreich: Sex mit dem Partner des anderen, Sex mit mehreren Partnern des anderen und natürlich vieles mehr.

Da saß einem nun ein Mensch gegenüber, den man über Jahre geschätzt, mit dem man viel Zeit verbracht und Gedanken geteilt hat. Höchstwahrscheinlich wurde man bei einem solchen Treffen Zeuge verschiedener Emotionen, wie Trauer, Enttäuschung oder Wut. Tränen flossen, böse Begriffe fielen, man lag sich schluchzend in den Armen und wünschte sich alles Gute für die Zukunft.

Dank Facebook kann man sich das Leben dies betreffend nun ungemein erleichtern: Stichwort Button „Freund/in entfernen“. Schwups. Weg. Erledigt. Emotionen Fehlanzeige. Falls man zu der eher zart besaiteten Abteilung gehören sollte, die mit dramatischen persönlichen Nachrichten als Reaktion auf das unsanfte Ende der besten Freundschaft nicht so gut klar kommt, kein Problem: Einfach mit „Blockieren“ einstellen, dass der andere einen in den Weiten von Facebook nicht mehr finden kann und man wird auf ewig seine Ruhe haben und auch nicht zu dem vollzogenen Schritt des „Entaddens“ Stellung nehmen müssen.

Bis vor kurzem war ich wirklich der festen Überzeugung gewesen, dass mir so etwas niemals passieren würde. Ich bin nämlich reif und besonnen und meine besten Freunde sind natürlich genauso reif und besonnen wie ich, sonst wären sie nicht meine besten Freunde, versteht sich. Bis vor kurzem war ich der festen Überzeugung gewesen, dass meine Freunde niemals Facebook nutzen würde, um ihren Standpunkt deutlich zu machen und ihre Bedürfnisse durchzusetzen.

Bis vor kurzem war ich der festen Überzeugung gewesen, dass zwischenmenschliche Beziehungen auch in Zeiten der Beschleunigung und der sozialen Netzwerke einen realen, fühlbaren Wert besitzen. Bis ich letzten Sommer von der Hochzeit einer Freundin in meine Wohnung in Wien zurückgekommen war und festgestellt habe, dass sie mich noch am Tag meiner Abreise aus Facebook entfernt hatte.

Ich kannte sie schon seit zwölf Jahren. Ich hatte sie seit einer gefühlten Ewigkeit nicht gesehen, den Weg von 900 Kilometer in den Norden von Deutschland aber trotz Geldmangels gerne in Kauf genommen, um am angeblich wichtigsten Tag in ihrem Leben dabei sein zu können. Eingeladen hatte sie mich per Facebook, ins Ausland telefonieren ist schließlich teuer, auch wenn es um eine Hochzeit geht.

Da sie mir versichert hatte, dass ich auf der ausklappbaren Couch in ihrem Wohnzimmer übernachten könne, war ich doch etwas verwundert, als sie mir am Abend vor ihrer Hochzeit eröffnete, dass ich mir die 120 mal 200 Zentimeter große Liegefläche mit drei Typen teilen sollte, die ich noch nie zuvor in meinem Leben gesehen hatte.

Ich meine, ich bin ja nicht unsozial, unnötig anspruchsvoll oder ähnliches, eine Isomatte hätte mir schon auch gereicht und wenn ich von dieser Platznot vor meiner Ankunft in Kenntnis gesetzt worden wäre, hätte ich mir auch meine beschissene Isomatte mitgenommen und mich auf ein freies Stück Boden verzogen und die Klappe gehalten.

Aber dem war nicht so und somit saß ich abends in einem kleinen Dorf, ohne weitere Übernachtungsmöglichkeiten, fest und versuchte mit den drei Typen klarzukommen, von denen sich einer bestimmt tagelang nicht geduscht hatte – wovon ich ausgegangen war, weil er sich während seines Monologs über Nachhaltigkeit mehrmals seine fettigen, ungewaschenen Strähnen aus dem Gesicht gestrichen hat.

Als ich meiner Freundin am Tag der Abreise und nach einer Nacht ohne Schlaf meinen Unmut verbal deutlich machte, indem ich ihr ganz direkt ins Gesicht sagte, wie scheiße ich ihr Verhalten finden würde, meinte sie nur, dass ich mich in den letzten Jahren verändert hätte und wir bestimmt irgendwann mal wieder voneinander hören werden.

Verändert? Nein ich hatte schon vor Jahren keinen Bock darauf gehabt, mich an ungewaschene Möchtegern-Hippies zu kuscheln. Voneinander hören? Damit meinte sie wohl, dass sie mich aus Facebook und Skype entfernen wird. Ich für meinen Teil saß ein paar Stunden später auf dem Weg nach Wien verwirrt auf meinem Sitzplatz im ICE – der mich eine unverschämte Summe gekostet hatte – und dachte darüber nach, wie man die Freundschaft wieder kitten könnte.

Zuhause angekommen starrte ich dann zunächst eine Weile fassungslos in den Bildschirm meines Notebooks, auf ihr Profilbild und auf das „Freund/in hinzufügen“, bis mich eine Welle der Erleichterung überkam. Nach zwölf Jahren emotionaler Auseinandersetzungen und Streitereien nun endlich ein glattes Ende.

Sie hatte mit meinem Exfreund gevögelt und ich hatte ihr verziehen. Sie hatte einen mit mir geplanten und bezahlten Urlaub platzen lassen – um mit ihrem neuen Freund zu vögeln, und ich bin allein gefahren und habe ihr verziehen.

Damals hatten wir noch kein Facebook. Damals haben wir uns getroffen, geredet, argumentiert, gestritten und uns schließlich wieder vertragen. Damals sind wir auf ein Bier und einen Jägermeister gegangen und haben uns gern gehabt. Damals, als sie mit meinem Freund geschlafen hat, saßen wir eben etwas länger zusammen, um zu reden. Damals, wenn wir schon Facebook gehabt hätten, ich hätte sie nicht gelöscht. Ganz sicher nicht.

Ich schaue immer noch auf ihr Bild, „Freund/in hinzufügen“ und auf einmal denke ich mir, ganz oder gar nicht und spüre, wie sich in mir all die aufgestaute Wut bündelt, die seit langem in mir brodelt und raus will, verliere jegliche Reife und Besonnenheit, klicke auf „Blockieren“ und mache damit für alle Zeit unmöglich, dass sie mich finden kann. Nie wieder. Ganz sicher.

Die Illustration stammt von Flamenco und Icons8
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Wunderschöne Türkei: Glaube und Freiheit in Erzincan

Seit einer Woche bin ich nun wieder zurück in Deutschland, aber was ich in der Geburtsstadt meiner Eltern alles erlebt und erfahren habe, lässt mich trotzdem nicht mehr so schnell los. Mit fünf Kleidungsstücken in der Reisetasche und einem dauerungeschminkten Gesicht, ging es von Didim in 18 Stunden...
Wunderschöne Türkei: Glaube und Freiheit in Erzincan

Wunderschöne Türkei

Glaube und Freiheit
in Erzincan

Meltem Toprak

Seit einer Woche bin ich nun wieder zurück in Deutschland, aber was ich in der Geburtsstadt meiner Eltern alles erlebt und erfahren habe, lässt mich trotzdem nicht mehr so schnell los. Mit fünf Kleidungsstücken in der Reisetasche und einem dauerungeschminkten Gesicht, ging es von Didim in 18 Stunden mit dem Auto nach Erzincan, der Stadt in Anatolien, die bekannt ist für die köstlichsten Bohnen und den Honig.

Viele der in Deutschland lebenden Türken kamen in den Sechzigern und Siebzigern als Gastarbeiter aus dem Gebiet Dersim, zu dem sich neben Erzincan auch Tunceli und Pülümür zählen lässt. Doch auch an der Küste stellen sich viele nach der Frage „Nerelisin (Woher kommst du?“) als Erzincanli heraus.

Sowohl die Arbeitslosigkeit, als auch schwere Erdbeben im Jahre 1939, 1983 und 1992, die starke Schäden verursachten, führten zu einer erhöhten Binnenmigration. Doch noch immer leben die meisten Menschen, die vor allem auch um die Stadt herum in kleinen Dörfern wohnen, von der Landwirtschaft, in einfachen Verhältnissen.

Wenn man in der Wurzel Europas aus einem Auto mit deutschem Kennzeichen aussteigt, wird man oft über den Tisch gezogen. Plötzlich kostet alles doppelt so viel. Aber bevor ich einen Laden betrete, fällt mir jedes Mal der Blick in das deutsche große Auto auf.

Die Menschen denken, du führst ein anderes Leben, ein besseres, weil du ein hochwertigeres Auto fährst. Mit Prestige-Objekten werden leider auch in unserer Welt zu oft falsche Rückschlüsse geschlossen. Dabei blenden sie aus, dass es Probleme gibt, die sind universell und betreffen jeden. Aber das ist wahrscheinlich für mich leichter gesagt, als nachempfunden.

Was mir hier auffällt ist, dass die Menschen dafür gesünder und länger leben, ohne Hektik und Stress. Mit den einfachen Dingen des Lebens lernen sie sich zufrieden zu geben und sind dabei fern von einer Gesellschaft, die die Reichtümer und Erfolge der Mitmenschen sieht, und sich nach demselben streckt und die Unerreichbarkeit als Verlust betrachtet.

Im Dorf, in dem meine Eltern ihre Kindheit verbrachten, hält den ganzen Tag über jeder seine Tür offen. Bei allen fühlst du dich willkommen, das ist ein schönes Gefühl. Dein Nachbar ist dein Freund. Und nicht dein Feind. Sie sind so herzlich wie meine eigene Familie.

Obwohl die Menschen nur mit dem Nötigsten zurechtkommen müssen, leidet keiner an Armut, denn hier wird geteilt. Alles mit jedem. Wer einmal bei einem Türken zu Hause war, wird schnell merken, dass es blitzblank sauber ist, denn jeden Moment könnte Besuch kommen. Anders als bei den Deutschen, gibt es hier nicht so etwas wie „du hast dich anzumelden, wenn du jemanden besuchen möchtest“. Wie deutsch ich hier eigentlich bin, merke ich übrigens an dieser Stelle und an dieser Gewohnheit, dass man ständig Danke sagt und fragt, ob man sich von diesem und jenem etwas aus dem Kühlschrank nehmen darf.

Gekocht wird hier immer reichlich, niemals berechnet man die Menge von Essen beim Zubereiten. Hier sind eben andere Sachen peinlich. Den Poschas öffnet man auch immer die Tür, die ihre Ware in einem Sack mit sich herumtragen und von Tür zu Tür wandern, um Bettdecken oder Plunderhosen zu verkaufen.

Doch nicht nur die Gastfreundlichkeit und den Altruismus schätze ich, auch die kleinen Freiheiten in einem Land, in dem die Religion benutzt wird, um die Interessen machtbesessener und eitler Politiker zu vertreten. Das Dorf, aus dem meine Eltern kommen, ist ein alevitisches. Es gibt ein Cem-Evi, das Gebetshaus der Aleviten, doch fünf Mal am Tag beten gehört nicht zur Aufgabe des Gläubigen.

Jeder darf und kann seinen Glauben zu Gott und der Welt ausüben, wie er es möchte. Moral ist die Ethik, die in der Gesellschaft herrscht, so richten sich die Menschen, die großen Wert auf Kultur und Tradition legen, oft nach dem, was die Mitmenschen tun, das kann nicht verschwiegen werden.

Aber ein wesentlicher Grund dafür ist die Verbundenheit und das familiäre Zusammenleben. In meinem deutschen Dorf mit 10.000 Einwohnern geht auch schon verdammt schnell etwas um die Runde. Doch die Aleviten sind ein sehr friedliches Volk. Sunniten und Armenier leben unter ihnen und verstehen sich ohne Probleme.

Es ist sehr modern hier, wie ich finde. Denn meine langjährige Bekannte sieht in Tanktop, Röhrenjeans und Chucks nicht sehr viel anders aus als andere 17-jährige Mädchen in Deutschland. In ihrem Zimmer hat sie übrigens ein Bild von Bill von Tokio Hotel hängen. Aber diese Emo-Zeit ist jetzt vorbei, verrät sie mir, als ich sie darauf anspreche.

Und selbst die Oma von gegenüber kennt die meistdiskutierteste Serie Türkeis „Aski Memnu”, in der mein Prinz Kıvanç Tatlıtuğ die Hauptrolle spielt, und beschimpft seine Affäre, die seinen Onkel mit ihm betrügt als Nutte, sagen wir Prostituierte.

Damit wird man natürlich nicht modern, aber die Menschen sind hier aufgeklärt, wissen Erdogan und seine Machenschaften zu kritisieren und stehen hinter dem Politiker Kemal Kılıçdaroğlu der CHP. Es gibt keine Tabu-Themen. Immer stärker bemüht man sich darum, dass die jüngere Generation studieren kann, damit ihnen nicht die gleiche Härte des gleichen Schicksals widerfährt.

Als Kind kam ich schon immer gerne hierher, denn obwohl das Stadtbild nicht im geringsten dem der Großstädte wie Frankfurt, Berlin oder Paris gleicht, fühle ich mich von den Menschen hier sehr verstanden und höre ihnen heute immer sehr bewusst zu, weil ich genau weiß, dass ich viel von ihnen lernen kann. Auch wenn hier Häuser aus Lehm sind, und kaum das Internet benutzt wird. Irgendwie erreichen die Trends die Menschen doch irgendwie, aber seit wann kommt es darauf schon an. Sie verkörpern Werte, und die sind zeitlos und unabhängig.

Weil es sich, um ehrlich zu sein, nicht gehört, als Mädchen, den ganzen Tag durch die „Innenstadt“, die man sich wie einen großen Forum mit Kiosken und Cafes vorstellen kann, zu wandern, verbringe ich viel Zeit mit der Familie im Garten und bei den Nachbarn. Da bin ich einen Tag nicht aus den vier Wänden meines Schlafzimmers, höre ich meinen Vater schon sagen, wenn die Deutschen jetzt hier wären, hätten die schon längst alle Berge bestiegen und du sitzt stattdessen den ganzen Tag hier rum und glotzt die Wand an.

Für Timbaland-Schuhe und Jack Wolfskin-Jacke, Dresscode meiner Deutschlehrer, hat mein Geld leider nicht mehr gereicht, aber ohne mein Genick zu brechen, habe ich es dann wenigstens geschafft, die Rocky Mountains von Anatolien zu erklimmen.

Ähnlich wie im Sufismus und Volksislam gehören Grabstätten von heiligen Männern zu den Pilgerstätten der Aleviten, an denen leider noch immer Tiere geopfert werden. Es ist ein Ritual, das viele Moslems und Aleviten noch ausführen, weil der Glaube an diesen mystischen Prozess noch sehr stark ist, was ich aber nicht für gut heiße. Das einzig Gute vielleicht mag sein, dass das Fleisch nicht nur an Familie, sondern zum größten Teil an Arme verteilt wird.

Der Dede, ein Geistlicher, der für seine Gutmütigkeit und Weisheit sehr geschätzt wird und an diesen Ort immer aufzufinden ist, lebt im Cem-Haus zwischen den Bergen. Aber um sich zu informieren ist er mit Internet ausgestattet. Denn die Zeitorientierung und Anpassung ist eines der Lehrsätze der Aleviten.

Er erzählt mir, dass eine Türkin mit ihrem deutschen Ehemann und den Schwiegereltern gekommen ist. Als sie sich an der Grabstätte etwas wünschten, kamen ihnen die Tränen und ungewollt mussten die Helfer an der Pilgerstätte mitweinen. Gefühle kennen keine eine Sprache. Solche Geschichten sind als Deutsch-Türkin immer sehr ermutigend, denn es beweist mir, dass es Menschen gibt, die aufrichtiges Interesse zeigen, der Liebe wegen.

Mit dem Dolmus geht es nach Erzincan, wo ich mich nicht sehr gerne aufhalte, obwohl die Stadt sehr belebt ist mit guter Infrastruktur und Shoppingmalls. Denn das Essen und Trinken auf der Straße ist während dem Ramaddan sehr verpönt. Die einzigen Lokale, die vor 20 Uhr geöffnet haben, sind die der alevitischen Restaurantbesitzer, die uns vorher empfohlen wurden.

Wie in einer Oase essen und rauchen die Menschen hier genussvoll. Eine schwangere Frau, die am Geldautomat Wasser trinkt, wird von allen Seiten, von fremden Menschen wohlbemerkt, angeschrien, was fälle ihr denn ein, sie solle aufhören zu trinken. Das ist eben die Reaktion der Menschen, die friedliche Gedanken des Islam falsch interpretieren.

Es ist ein seltsames Gefühl, wenn die Verkäuferin, die man nach Mandelör für das Haar fragt, ihr eigenes unter einem Kopftuch verstecken muss. Denn es regt zum Nachdenken an, das Gewöhnlichste überhaupt. In Deutschland käme ich niemals auf die Idee, mir Gedanken über die Freiheit einer Verkäuferin zu machen. Vielleicht ist es ihre eigene Entscheidung, aber ich finde, die Mädchen, die es ungewollt tragen, haben immer einen sehr traurigen und scheuen Blick.

Wir sind beide Frauen, eine die es sichtlich gern ist, und die andere, die es nicht zeigen darf. Aber ginge es nur um das Aussehen oder den inneren Glauben, wäre die Sache nicht so tragisch. Ich begegne hier in der Türkei das erste Mal einem Mädchen, das weniger Freiheiten hat als ich. Und weiß plötzlich meine eigene zu schätzen.

Die Zeit ohne Internet genoss ich sehr. Über die wichtigen Dinge des Lebens, über die Essentiellen konnte ich endlich wieder erleben und über diese nachdenken. Sonne ohne Ende, gesundes Essen, die Verbundenheit mit der Natur und mittendrin der Mensch als Mensch ohne Luxus in einer klaren Einfachheit.

So habe ich das Leben für zwei Wochen erfahren. Wenn ich hier in der Türkei Tomaten esse, fällt mir auf, dass es in Deutschland gar keine gibt. Für einen Tag sehnte ich mich dort nach einer einwandfreien Verbindung, sonst war ich restlos glücklich. Jetzt bin ich zurück in Deutschland, und mir fehlt irgendwie alles. Außer das Internet.

Die Fotografie stammt von Halil Istanbullu
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Die Ladenhüterin: Das perfekte Buch für seltsame Menschen

Ich habe mir vorgenommen, in nächster Zeit endlich die wichtigsten mehr oder weniger aktuellen Bücher japanischer Autoren zu lesen, weil ich quasi zu gar nichts mehr komme - warum auch immer. Die Ermordung des Commendatore von Haruki Murakami zum Beispiel. Oder Die Insel der Freundschaft von Durian...
Die Ladenhüterin: Das perfekte Buch für seltsame Menschen

Die Ladenhüterin

Das perfekte Buch für seltsame Menschen

Marcel Winatschek

Ich habe mir vorgenommen, in nächster Zeit endlich die wichtigsten mehr oder weniger aktuellen Bücher japanischer Autoren zu lesen, weil ich quasi zu gar nichts mehr komme – warum auch immer. Die Ermordung des Commendatore von Haruki Murakami zum Beispiel. Oder Die Insel der Freundschaft von Durian Sukegawa. Oder Sendbo-o-te von Yoko Tawada.

Am Samstag habe ich mich mit einer hochschwangeren Freundin getroffen und nachdem wir uns etwas beim Thailänder um die Ecke geholt haben, pilgerte ich zum nächstgelegenen Bücherladen, um mich ein wenig in der kunterbunten Welt der geschriebenen Worte niederzulassen.

Im obersten Stockwerk des Ladens gab es einen eigens für japanische Autoren eingerichteten Tisch und dort lag dann neben anderen Favoriten auch der Roman Die Ladenhüterin der Autorin Sayaka Murata, das ich schon im letzten Jahr lesen wollte – aber dieses Vorhaben hatte ich natürlich wieder irgendwie gedanklich verbummelt.

So lag es da, das rote Buch mit den Kugelfischen drauf, und ich dachte mir: Ha, jetzt gehörst du endlich mir, du kleiner Roman du! Auf einer Parkbank, regelmäßig von meinem Kaffee schlürfend, verschlang ich die erste Hälfte des Werkes, kurz darauf dann gleich die zweite.

Worum geht’s? Keiko Furukura war schon als Kind eine Außenseiterin, deren alternative Gedanken ihren Eltern Angst machte. Um den beiden nicht länger Sorgen zu bereiten, fasste sie den Plan, ein ruhiger und funktionierender Teil der Gesellschaft zu werden und findet als Angestellte eines 24-Stunden-Supermarktes ihre wahre Bestimmung.

Gefühle sind Keiko fremd, das Verhalten ihrer Mitmenschen irritiert sie meist. Um nirgendwo anzuecken, bleibt sie für sich. Als sie jedoch auf dem Rückweg von der Universität auf einen neu eröffneten Supermarkt stößt, einen sogenannten Konbini, beschließt sie, dort als Aushilfe anzufangen.

„Der Convenience Store ist voller Geräusche“, schreibt Sayaka da. „Begleitet vom Glockenklang beim Eintreten der Kunden, preist ein Promisternchen über Lautsprecher neue Produkte an. Dazu kommen die Stimmen der Angestellten, das Piepen beim Einlesen der Strichcodes, der dumpfe Aufprall, mit dem Waren in Körbe plumpsen, das Klacken von Absätzen und das Knistern von Brottüten.“

„All das verbindet sich zu dem einen typischen Konbini-Klang, den ich stets im Ohr habe. Eine Plastikflasche wird aus dem Regal genommen, die darüberliegende rollt mit einem leisen Ton nach. Mein Körper reagiert beinahe automatisch auf dieses Geräusch, denn viele Kunden nehmen sich die kalten Getränke erst kurz bevor sie zur Kasse gehen.“

Und weiter: „Vor allem morgens, wenn der Tag beginnt und die Menschen an unserer fleckenlos polierten Scheibe vorbeieilen, genieße ich meine Arbeit in dem hell erleuchteten Glaskasten. Um diese Zeit erwacht die Welt, und ihre Zahnräder setzen sich in Bewegung.“

„Eines dieser Rädchen bin ich, und ich drehe mich immerfort. Ich sehe auf die Uhr. Gleich halb zehn. Um diese Zeit lässt der morgendliche Andrang allmählich nach, und ich muss mit dem Einräumen fertig werden, um anschließend die Vorbereitungen für die Mittagszeit treffen zu können. Ich strecke mich und gehe wieder zum Regal, um weiter Onigiri einzusortieren.“

Im Konbini bringt man Keiko den richtigen Gesichtsausdruck, das richtige Lächeln, die richtige Art zu sprechen bei. Ihre Welt schrumpft endlich auf ein für sie erträgliches Maß zusammen, sie verschmilzt geradezu mit den Gepflogenheiten des Konbini. Doch dann fängt Shiraha dort an, ein zynischer junger Mann, der sich sämtlichen Regeln widersetzt.

Keikos mühsam aufgebautes Lebenssystem gerät ins Wanken. Und ehe sie sich versieht, hat sie ebendiesen Mann in ihrer Badewanne sitzen. Tag und Nacht. Beeindruckend leicht, elegant und auch nüchtern entfaltet Sayaka Murata das Panorama einer Gesellschaft, deren Werte und Normen unverrückbar scheinen. Die Ladenhüterin ist ein Roman, der weit über die Grenzen Japans hinaus strahlt. Und ich kann es kaum erwarten, Sayakas nächstes Buch zu lesen.

Die Fotografie stammt von Aufbau Verlag
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Your Name: Die Geschichte einer grenzenlosen Liebe

Der Tag, an dem die Sterne fielen, veränderte zwei junge Leben für immer. Die Highschool-Schüler Mitsuha und Taki sind einander völlig fremd und führen getrennte Leben. Doch eines Nachts tauschen sie plötzlich die Plätze. Mitsuha wacht in Takis Körper auf, und er in ihrem. Dieses bizarre Ereignis...
Your Name: Die Geschichte einer grenzenlosen Liebe

Your Name

Die Geschichte einer grenzenlosen Liebe

Annika Lorenz

Der Tag, an dem die Sterne fielen, veränderte zwei junge Leben für immer. Die Highschool-Schüler Mitsuha und Taki sind einander völlig fremd und führen getrennte Leben. Doch eines Nachts tauschen sie plötzlich die Plätze. Mitsuha wacht in Takis Körper auf, und er in ihrem.

Dieses bizarre Ereignis geschieht weiterhin willkürlich, und die beiden müssen ihr Leben aufeinander abstimmen. Doch irgendwie funktioniert es. Sie bauen eine Verbindung auf und kommunizieren, indem sie Notizen, Botschaften und, was noch wichtiger ist, einen Eindruck hinterlassen.

Als ein hell leuchtender Komet den Nachthimmel erhellt, dämmert es Mitsuha und Taki. Sie wollen etwas mehr von dieser Verbindung – eine Chance, sich zu treffen, eine Gelegenheit, sich wirklich kennen zu lernen. An der Schicksalskette zupfend, versuchen sie, einen Weg zueinander zu finden. Aber Entfernung ist nicht das Einzige, was sie voneinander trennt. Ist ihr Band stark genug, um sich der grausamen Ironie der Zeit zu stellen? Oder ist ihre Begegnung nichts weiter als ein Wunsch an die Sterne?

Von Regisseur Makoto Shinkai kommt ein wunderschönes Märchen über die Zeit, den Faden des Schicksals und die Herzen zweier junger Seelen. Im Jahr 2002 debütierte er seinen ersten Film, Voices of a Distant Star, der ein wahres Werk der Liebe war. Da er fast jeden Aspekt des Films selbst geschaffen hatte, sandte Makotos erster Film aufgrund seines Ausdrucks und seiner beeindruckenden Weltanschauung Schockwellen durch die Anime-Welt.

In den nächsten Jahren produzierte er weiterhin Meisterwerke und erzielte 2013 mit The Garden of Words einen Hit, der bei einer limitierten Veröffentlichung über eine Million Dollar einbrachte. Von der Regie über das Schreiben bis hin zur Farbgestaltung setzt Makoto in jedem seiner Filme sein ganzes Können ein. In dem Moment, in dem man seine Arbeit sieht, weiß man, dass sie ausschließlich von ihm sein kann. Und Your Name ist eine seiner herausragendsten Arbeiten, die ihn für immer definieren werden.

Your Name: Die Geschichte einer grenzenlosen Liebe Your Name: Die Geschichte einer grenzenlosen Liebe Your Name: Die Geschichte einer grenzenlosen Liebe Your Name: Die Geschichte einer grenzenlosen Liebe Your Name: Die Geschichte einer grenzenlosen Liebe Your Name: Die Geschichte einer grenzenlosen Liebe Your Name: Die Geschichte einer grenzenlosen Liebe Your Name: Die Geschichte einer grenzenlosen Liebe Your Name: Die Geschichte einer grenzenlosen Liebe Your Name: Die Geschichte einer grenzenlosen Liebe Your Name: Die Geschichte einer grenzenlosen Liebe Your Name: Die Geschichte einer grenzenlosen Liebe Your Name: Die Geschichte einer grenzenlosen Liebe Your Name: Die Geschichte einer grenzenlosen Liebe Your Name: Die Geschichte einer grenzenlosen Liebe Your Name: Die Geschichte einer grenzenlosen Liebe Your Name: Die Geschichte einer grenzenlosen Liebe Your Name: Die Geschichte einer grenzenlosen Liebe Your Name: Die Geschichte einer grenzenlosen Liebe Your Name: Die Geschichte einer grenzenlosen Liebe
Die Illustration stammt von Makoto Shinkai, CoMix Wave und Leonine
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Ein Tag in Tokio: Die schönste Stadt der Welt

Geblendet von den kunterbunten Lichtern und Lost in Translation wie einst Scarlett Johansson und Bill Murray, wird ein Besuch in Tokio eure Erwartungen zweifelsfrei übertreffen. Denn hinter jeder Ecke lauert ein neues Wunder, eine neue Überraschung, ein neues Abenteuer. Die Stadt ist ein riesiges, i...
Ein Tag in Tokio: Die schönste Stadt der Welt

Ein Tag in Tokio

Die schönste
Stadt der Welt

Annika Lorenz

Geblendet von den kunterbunten Lichtern und Lost in Translation wie einst Scarlett Johansson und Bill Murray, wird ein Besuch in Tokio eure Erwartungen zweifelsfrei übertreffen. Denn hinter jeder Ecke lauert ein neues Wunder, eine neue Überraschung, ein neues Abenteuer. Die Stadt ist ein riesiges, intensives, sich ständig weiter ausbreitendes und auch atmendes Tentakelmonster aus Kunst, Kultur und Menschen, eine bizarre Kombination aus Tradition und extremer Modernität an einem Ort, der rund um die Uhr von Leben wimmelt.

Tokio ist so groß, dass es schwer zu verstehen ist, vor allem als Besucher, und doch ist das U-Bahn-System seltsam logisch. Wenn ihr euch erst einmal damit vertraut gemacht habt, wird es zu eurem unterirdischen Eingangstor zur Erkundung der lauten und manchmal sogar ruhigen Metropole.

Macht euch bereit für leckeres Essen, Shopping in allen Facetten, aufregendes Theater, feuchtfröhliches Nachtleben, majestätische Sehenswürdigkeiten, und überall Geräusche und Lichter, wie ihr sie noch nie zuvor gesehen habt. Kommt mit einer vollen Brieftasche und einem voll aufgeladenen Akku und macht euch bereit, die schönste Stadt der Welt zu erkunden.

Das Essen in Japan ist ein so wichtiger Teil der Kultur und so gut, dass man das Land buchstäblich nur zum Essen besuchen könnte. Der beste Ort, um ein schmackhaftes japanisches Essen zu bekommen, ist ein Izakaya. Das entspricht einer japanischen Kneipe, in der man von Sashimi über Tempura bis hin zu unglaublichem japanischen Kartoffelsalat alles bekommen kann. Jeder hat sein Lieblingsrestaurant, und meines ist das Touhachi in Nakameguro, das eine Station von Shibuya aus zu finden ist.

Für Fischliebhaber gibt es auf dem Markt in Toyosu die berühmten Thunfischauktionen, die für die Öffentlichkeit, meist Touristen, um fünf Uhr morgens geöffnet sind. Wenn ihr keine Lust darauf habt, euch mit anderen Touristen durch die Hallen zu quetschen, dann geht lieber gegen 17 Uhr zu den Märkten am Bahnhof Okachimachi, wo die Einheimischen um die besten Preise feilschen, da die Fischverkäufer Restbestände verkaufen. In der Nähe gibt es Izakaya-Lokale der alten Schule, wo ihr, wenn die Fischer einen guten Tag hatten, vom Kugelfisch bis zum ethisch verwerflichen Wal alles bestellen können.

Wenn ihr euch von all dem etwas überwältigt fühlt, dann besucht das touristenfreundliche Gonpachi in Nishiazabu, wo Quentin Tarantino bereits Szenen von Kill Bill gedreht hat. Das Essen dort ist ziemlich gut und bietet euch eine illustre Einführung in die japanische Küche. Andere touristenfreundliche traditionelle Restaurants sind das Ohashi und das Kotaro in Shibuya, während das Muginae in Shinagawa mit köstlichen Ramen lockt.

Die Japaner sind nicht gerade dafür bekannt, dass sie ihren Alkohol, den sie gerne literweise in sich hinein kippen, gut vertragen, aber das hindert sie sicher nicht daran, einen schönen Abend zu verbringen. Taucht kopfüber in den Kulturschock im Golden-Gai-Viertel von Shinjuku ein, das durch sechs klaustrophobische Gassen miteinander verbunden ist und wo über 150 winzige Bars aufeinander und umeinander gestapelt sind. Eine bekanntere, aber immer noch sehr gemütliche Bar findet ihr im Kinfolk in Nakameguro, in dem sich jeden Abend eine illustre Mischung aus Japanern und Gaijins bei ihren köstlichen, aber sehr starken Cocktails trifft.

Später am Abend ist eine Karaoke-Session ein wesentlicher Teil des Tokio-Erlebnisses, denn in vielen Bars in Shibuya gibt es von Mitternacht bis fünf Uhr morgens Nomihodai-Deals, also all you can drink, um die Stimmbänder aufzuwärmen.

Wenn ihr euch beim Singen lieber nicht zum Idioten machen und stattdessen lieber in die Clubszene Tokios eintauchen möchtet, versucht es mit dem Dommune. Dieser winzige Club mit Platz für nur 50 Menschen überträgt seine Partys live ins Internet, damit auch daheim gebliebene Tokioter mitfeiern können. Internationale DJs wie Fourtet und Jamie XX haben kürzlich so vor über 10.000 Menschen gespielt.

Man kann nicht nicht einkaufen gehen, während man in Tokio ist. Selbst wenn ihr knapp bei Kasse seid, solltet ihr euch umsehen und gleichzeitig im Konsumwahn verlieren. Die Japaner lieben es, einzukaufen, und jede Art und Weise von Mode wird angeboten: High-End-Boutiquen in Ginza, japanische Modehäuser in Aoyama und Daikanyama sowie Mode, Schreibwaren und Spielzeug im Überfluss in Shinjuku und Shibuya.

Die Inbegriff der japanischen Modeerfahrung findet ihr aber in Harajuku, der Heimat aller neuen Modetrends in Asien. Besucht es am besten an einem Sonntag und gesellt euch zu Tausenden von Kids, die in verschiedenen, kunterbunten Aufmachungen die Straßen bevölkern. Probiert es im Laforet für den Streetstyle, Big Love für Schallplatten und Kiddy Land für alles, was mit Hello Kitty & Co. zu tun hat. Besucht auch das Pass the Baton im Untergeschoss des Omotesando-Hills-Gebäudes, denn dort gibt es einzigartige Second-Hand-Klamotten, die ihr euch wirklich nicht entgehen lassen solltet.

Irgendwann solltet ihr euch auch eurer nerdigen Seite zuwenden, dem, was die Einheimischen Otaku nennen, Kinder und erwachsene Männer, die von Videospielen, Spielzeug und Comics besessen sind. Ihr Mekka liegt in Akihabara, auch Electric Town genannt, der Heimat des achtstöckigen Techno-Drome-Mandarake-Komplexes und der berühmt berüchtigten Maid-Cafés. Eine weniger touristische, aber ebenso merkwürdige Szene findet sich ein paar Haltestellen weiter am Nakano Broadway, der Heimat von echten Geek-Freaks, Spielzeugsammlern und Fanatikern.

Ihr habt euch nun also vollgefuttert, getrunken und seid in einem Club tanzen gegangen, aber nun braucht ihr eine Bleibe für die Nacht, und, keine Sorge, wie immer gibt es in Tokio eine Fülle von Möglichkeiten. Für ein normales Hotel mit großartiger Lage ist das Shibuya XL preisgünstig, während das Claska Hotel in Meguro mit einer Galerie in der Lobby eine trendigere Option ist. Kapselhotels sind eine beliebte, erschwingliche Option für Tokio-Besucher, in denen jeder Gast in einer kleinen Schlafkabine von etwa einem Meter Breite übernachtet.

Das Central Inn Gotanda ist supergünstig und erlaubt Männern und Frauen in den gemischten Schlafsälen zu übernachten. In einem Manga-Café zu schlafen ist noch billiger, wenn man den letzten Zug verpasst hat und sich kein Taxi nach Hause leisten kann, da es in Tokio keine Nachtbusse gibt und die U-Bahn um 12:30 Uhr schließt.

Dort könnt ihr euch mit Getränken eindecken, euch Manga ausleihen und bis fünf Uhr morgens auf den ersten Zug warten. Und auch Love Hotels, in denen man stundenweise für ein Zimmer bezahlt, sind eine interessante Erfahrung. Nicht ganz so billig, aber oft wahnsinnig kreativ dekoriert, sucht ihr euch einfach ein Zimmer am Automateneingang aus und schleicht euch für ein kurzes Nickerchen hinein.

Wenn ihr in Japan seid, solltet ihr euch auch einige Tempel und Schreine ansehen, aber nicht mehr als drei, denn wenn ihr keine Experte seid, werdet ihr sowieso nicht wirklich in der Lage sein, den Unterschied zu erkennen. Wenn ihr es nicht bis nach Kyoto, der alten Hauptstadt Japans, schafft, solltet ihr euch zumindest den Meiji Jingu in Harajuku ansehen. Er ist ab sechs Uhr morgens geöffnet, und, wenn ihr so früh aufstehen könnt, ist es das wirklich wert, denn mit weniger Leuten dort ist es ein perfekter Ort, um sein inneres Zen zu finden.

In Tokio gibt es allerlei hohe Gebäude, die mal modern, mal eher traditionell gehalten sind und von denen man oft einen freien Blick auf die Skyline bis zur Spitze des Tokyo Metropolitan Government Building in Shinjuku hat. Alternativ könnt ihr für 2300 Yen das Sky Deck auf dem Dach des Hotels Roppongi Hills besuchen, um einen romantischen Blick auf die nächtliche Stadt zu genießen.

Im Ticket inbegriffen ist der Eintritt in das Mori Art Museum im 53. Stock, in dem immer abwechselnd Ausstellungen zeitgenössischer Kunst von hoher Qualität gezeigt werden. Und natürlich zählen auch der Tokyo Tower sowie der Tokyo Skytree zu tollen Orten, an denen ihr einen wunderschönen Ausblick über die Metropole haben könnt.

Für die ganz Gescheiten bietet sich das einzige Parasitenmuseum der Welt in Meguro an, das kostenlos ist, ebenso wie das Ikebukuro-Erdbebenmuseum, wo ihr eine kostenlose 7-Punkte-Erschütterung erleben könnt. Und schließlich könnt ihr euch für den Preis einer Tasse Kaffee mit ein paar coolen Katzen in einem der zahlreichen Cat Cafés abhängen. In Tokio ist schließlich wirklich für jeden etwas dabei.

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Die Fotografie stammt von Marlen Stahlhuth
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Mädchen in Sachsen: Ein Sommer in Dresden

Ich persönlich kann mit der kühlen Jahreszeit ja herzlich wenig anfangen. Klar, bei schneeweißem Untergrund und blauem Himmel mit einem Snowboard über die Pisten der Alpen schmettern und danach beim Aprés-Ski die betrunkene Sau in einer gut beheizten Hütte rauszulassen, während man Songs von Jürgen...
Mädchen in Sachsen: Ein Sommer in Dresden

Mädchen in Sachsen

Ein Sommer
in Dresden

Daniela Dietz

Ich persönlich kann mit der kühlen Jahreszeit ja herzlich wenig anfangen. Klar, bei schneeweißem Untergrund und blauem Himmel mit einem Snowboard über die Pisten der Alpen schmettern und danach beim Aprés-Ski die betrunkene Sau in einer gut beheizten Hütte rauszulassen, während man Songs von Jürgen Drews trällert und Glühwein in sich hinein schüttet, das kann sogar ich gutheißen. Aber sobald es draußen matschig, kalt und dunkel wird, sinkt bei mir die generelle Lebensfreude und ich beginne damit, sehnsüchtig auf den kommenden Frühling zu warten…

Der Fotograf Kristijonas Duttke und seine temporäre Muse Katharina haben für diese jährliche Winterdepression ein gutes Gegenmittel gefunden: Sie bringen uns mit gekonnten Bildern für das Yume Mag einfach den Sommer zurück in die eiskalte Bude. Kristijonas und Katharina nutzten den Sommer nämlich, um in einer schnuckeligen Gartenlaube, die irgendwo mitten in Dresden steht, den Zauber der sonnigen Monate auf Fotos zu verewigen. Als „kleines Fleckchen Paradies, inmitten eines typischen Kleingartenvereins in Dresden“ beschreibt Kristijonas den von grünen Pflanzen und bunten Blumen umwachsenen Ort.

„Es sieht fast so aus, als wäre es in Schweden„, merkt Kristijonas noch an – und dem kann ich nur zustimmen. Und was macht Katharina sonst so, außer auf Fotos gut auszusehen? „Sie modelt nur nebenbei ist sonst anderweitig hauptberuflich tätig – mehr darf und kann ich nicht sagen.“ Geheimnisvoll ist sie also auch noch, diese Katharina. Uns soll es recht sein, schließlich geht es im Leben um das Hier und Jetzt und den Augenblick. Außer natürlich der Augenblick ist kalt, dunkel und ungemütlich. Dann können wir uns zumindest mit sommerlichen Bildern aus der Vergangenheit den Alltag ein wenig versüßen…

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Die Fotografie stammt von Kristijonas Duttke
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Deutschlands Nachsehen: Die Oberfläche und die Tiefe

Als ich mich vor ein paar Jahren hier auf AMY&PINK als schizophrenes Modemädchen vorstellte, ja, da hatte ich das Gefühl, nicht so ganz verstanden worden zu sein. Ich gebrauche das Wort Schizophrenie, wie es im Alltag gebraucht wird. In mir wohnen zwei Menschen, die ein gepflegtes Verhältnis zur Amb...
Deutschlands Nachsehen: Die Oberfläche und die Tiefe

Deutschlands Nachsehen

Die Oberfläche
und die Tiefe

Meltem Toprak

Als ich mich vor ein paar Jahren hier auf AMY&PINK als schizophrenes Modemädchen vorstellte, ja, da hatte ich das Gefühl, nicht so ganz verstanden worden zu sein. Ich gebrauche das Wort Schizophrenie, wie es im Alltag gebraucht wird. In mir wohnen zwei Menschen, die ein gepflegtes Verhältnis zur Ambivalenz führen, was sich schon in der deutschen Romantik herauskristallisierte.

Ich finde die Oberfläche genauso faszinierend wie die Tiefe. Die deutsche Gesellschaft hingegen findet das nicht so ganz vereinbar. Nach der Prämisse, dass der Mensch genauso krank ist wie die Gesellschaft, in der er lebt, findet meine Schizophrenie den Ursprung in ihrer Umgebung. Aber warum scheint die Gesellschaft im Gesamtbild schizophren?

In Deutschland ist ganz deutlich zu beobachten, dass die Tiefe die Oberfläche ablehnt. Vice versa. Während ein tiefgründiger Mensch in seiner grauen, willkürlich ausgewählten Kleidung der Geisteswissenschaften die Oberfläche ablehnt, weil er sie als wertlos empfindet, zählt für den stereotypischen Modemenschen nichts als das Äußere, das sich als einzige Definition seiner Selbst darstellt.

Beide belächeln sich gegenseitig, erkennen jedoch aber nicht, dass die Mitte das Leben selbst ist. Wer kann schon bestreiten, dass er das Schöne nicht mag und wer möchte bestreiten, dass es auf das Innere nicht ankommt? Eine Verfeinerung unseres Geistes, um das Leben zu meistern, ist genauso erstrebenswert wie eine leichte Verfeinerung unseres Körpers, um das Leben auf angenehme Art zu meistern.

Bin ich also in der Welt der Mode unterwegs, treffe ich auf ein Prozent der Menschen, die sowohl intellektuell als auch an der Mode interessiert sind. Die restlichen 99 kann man also nur angucken oder belächeln, und leider alles andere als geistreiche Unterhaltungen führen.

Wenn ich in Frankreich oder der Türkei den Umgang mit der Mode betrachte, sehe ich, dass großes Interesse an der Schönheit besteht, man dies aber nicht verleugnet. Ganz im Gegenteil. Man möchte überhaupt nicht darauf verzichten.

Egal aus welchem Bildungsstand, die Mode ist für den Franzosen und den Türken, der sich in der Geschichte gerne an dem edlen Europäer orientierte, so majestätisch wichtig wie die Kunst. Doch hat Frankreich nicht nur guten Stil zu bieten, sondern auch Dichter und Denker. Gerade aus unserem Nachbarland stammt nicht nur eine der stilvollsten Damen der Zeitgeschichte, Coco Chanel, sondern auch der Satz „Ich denke, also bin ich“ des großen Philosophen Descartes.

Die Deutschen hingegen haben ein großes Problem damit, zuzugeben, dass sie schön aussehen wollen und es eben doch nicht nur auf die Funktion ankommt. Allem voran bestätigt der Berliner Großstadt-Look, dass man so aussehen möchte, als hätte man sich keine Mühe gegeben.

Warum? Weil es peinlich ist, sich zurecht zu machen? Ganz richtig. Klaus Wowereit wird kritisiert, weil er die Fashion Week besucht, statt ihn zu loben, dass er offener ist, als manch seiner Kollegen, und durch den Besuch einer Show einfach zeigt, dass gutes Design, welches funktional formästhetisch ist, die Welt schöner macht und natürlich die Wirtschaft ankurbelt.

Der ehemalige Berliner Bürgermeister zählt höchstwahrscheinlich zu den ein Prozent, mit denen man sich über Politik unterhalten kann. Mit dem Rest, der größtenteils aus Modejournalisten, Einkäufern, Stylisten, Makeup-Artisten, Models, Influencern, Seriendarsteller, Gattinnen, Stylebloggern, die hauptsächlich für den schlechten Ruf eines modeinteressierten Menschen verantwortlich sind, besteht, wird dann ganz gezwungen natürlich nur über die Optik in einem neumodischen Sinne diskutiert. Vielleicht noch mal kurz einen Diskurs zur Kunst? Wäre ja auch ganz nett, wenn man irgendwie kunstinteressiert und intellektuell wirkt. Es möchte sicher keiner schön aussehen, aber als blöd abgestempelt werden.

Doch kann sich so ein eigener Stil entwickeln? Ein Modebewusstsein, das ehrlich ist? Eine Modelandschaft, die frei von purer Oberflächlichkeit ist? Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie ich in der ersten Reihe vor meiner Deutschlehrerin im Leistungskurs saß und die mich bemusterte und verabscheute, weil ich eben wie ein typisches Mädchen gekleidet war. Sie wusste ganz genau, dass ich einen türkischen Migrationshintergrund habe. In der Türkei ist man eben gerne schön.

Meiner Deutschnote hat das trotz der Zeit und Mühe, die ich in mein Äußeres steckte, nicht geschadet. Höchstens die Brille, durch die meine verbitterte Öko-Lehrerin mich wahrnehmen wollte, um mich zu verurteilen. Ein Verbrechen? Und so passiert es, dass die Menschen dich auf das Äußere reduzieren. Weil sie glauben, wer sich schön macht, kann nichts.

So geht es vielen Frauen in Deutschland. Aber die Vorurteile bestehen eben dank der Stereotypen, die wirklich nichts anderes können als „gut auszusehen“. Und von ihnen gibt es in Deutschland genug. Man braucht sich dazu nur die Menschen anschauen, die prominent sind.

Viel mehr als die Reduzierung nervt mich aber, dass man in der Welt der Mode dadurch größtenteils auf einseitige Menschen trifft, die sich absolut nur für die Mode und das Äußere interessieren, gleichzeitig in der Welt der Tiefe, somit der Philosophie, große Ablehnung für gute Kleidung findet. Sich in der Mode und der Schönheit verlieren, ist gefährlich, genauso sehr wie sich das Verlieren in der Tiefgründigkeit als tiefe Depression erweisen kann. Die Kunst des Lebens? Die Zahl zwei. Zwei für zwei Seiten.

Das Schöne und das Hässliche, das Lustige und das Ernste. Die Oberflächlichkeit und die Tiefe. Ob Alfons Kaiser oder Klaus Wowereit, die uns als Vorbilder dienen können, sie beherrschen es. Mach dich locker, Deutschland. Es ist nicht peinlich, sich für Mode zu interessieren und sich schön zu machen.

Es ist peinlich, seine Interessen zu bestreiten und nicht aufrecht dazu zu stehen für das, was man ist. So lange muss man sich in einer Welt durchboxen, in der man auf Menschen ohne Sinn für Ästhetik und zugleich Sinn für die Tiefe trifft, bis Deutschland endlich zugibt, dass nicht nur eine geistreiche Seele schön ist, sondern auch ein ansehnlicher Körper.

Die Fotografie stammt von Flaunter
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Kita, Koks und Kater Blau: Meine Wohnungssuche in Berlin

Während ich unter der Dusche stehe, mir leblos die Haare wasche, beschwerlich die Zähne putze und überhaupt erst richtig wach werde, klingelt es sirenenartig im Zehn-Sekunden-Takt an der Wohnungstür. Ich hasse diese Momente und reagiere auf eben solche meist mit der Gleichgültigkeit des monoton flie...
Kita, Koks und Kater Blau: Meine Wohnungssuche in Berlin

Kita, Koks und Kater Blau

Meine Wohnungssuche
in Berlin

Katrin Olszewski

Während ich unter der Dusche stehe, mir leblos die Haare wasche, beschwerlich die Zähne putze und überhaupt erst richtig wach werde, klingelt es sirenenartig im Zehn-Sekunden-Takt an der Wohnungstür. Ich hasse diese Momente und reagiere auf eben solche meist mit der Gleichgültigkeit des monoton fließenden Wasserstrahls vor meinen Augen.

Der Postbote soll mit seiner Weihnachtsladung an Paketen doch bitte zu unserem Hartz-IV-Nachbarn gehen, der eh nichts anderes zu tun halt, als sich einen wunderbar original laminierten Arno-Dübel-Gedenktisch zu basteln, philosophiere ich noch, als es heftig zu klopfen und lärmen anfängt. Sondereinsatzkommando? Nein, viel schlimmer noch, es ist mein alter Kollege Tobias.

Das Temperament lässt sich quasi an seinen Lippen ablesen, als ich in der Tür stehe und ihn phlegmatisch hereinwinke. Die Wohnungsbesichtigung war wohl wieder ein Schuss in den Ofen. Tobias sucht seit etwa einem Jahr seine Traumwohnung in Berlin und findet, in seinem Fall, natürlich keine. „Welcome to the Circus“ könnte es auch heißen, wenn man die Absage eines Makler-Hipsters in die Tasche steckt.

Bei der Ausschreibung der Inserate fängt es ja bekanntlich schon an. Wir bieten: Wohnung zur Zwischenmiete, zum Tausch, für mindestens hundert Monatsmieten Provision, Mietzuschlag wegen Neubezug, selbstständige Mängelbeseitigung, mit Schimmel und ohne Klo. Wow, da wohne ich doch lieber gleich auf der Straße.

Die Chance, in Berlin reibungslos eine Wohnung zu finden, ist in etwa so groß, wie Karl Lagerfeld im Hawaiihemd oder Jürgen von der Lippe im Anzug zu begegnen. Kein Wunder auch, bei der momentan rapide steigenden Bevölkerungszahl, die sich proportional zu den Kothäufchen an den Straßenecken verhält. Aber warum ist das so?

Ich selbst bin Berlinerin und quasi ein Urgestein in den einst friedlichen Gefilden meiner Geburtsstätte. Doch im Laufe meiner pubertären Achterbahnfahrten musste ich feststellen, dass auch die Welt sich immer weiter dreht und die Menschheit mit ihr. Es ist die Zeit des Lebens, die uns dazu zwingt neue Orte zu erkunden, uns zu suchen und zu finden. Und sei es auf dem Penny-Parkplatz in Plauen.

Aber Berlin ist Metropole. Berlin ist Mutterstadt. Berlin ist so wunderbar. Kita, Koks und Kater Blau, denken viele und packen ihre Bündel Scheine ein, um sich auf den Weg in die große Stadt zu machen. Reiche Söhne investieren dank Papi in Aktien und kaufen Wohnungen oder ganze Bezirke.

Jaja, es ist traurig und eine alte Leier, ich weiß. Aber mit dem explodierenden Überangebot an Eigentumswohnungen und der rigorosen Anfechtung der letzten drei besetzten Häuser in Berlin, sinkt die Hoffnung auf das einst so starke Gemeinschaftsgefühl und hinterlässt just den hässlichen Status Quo einer egoistischen und kapitalistischen Gesellschaft.

So ist es nun auch mit der Wohnungssuche. Die Werbespots von Zalando machen es vor, die Bewerber in Kreuzberg machen es nach. Allein vor meinem Haus fand neulich eine Besichtigung mit 64 Leuten statt. Ich habe nachgezählt, weil ich es selbst nicht glauben wollte und der Meinung war, es wäre jemand aus dem Fenster gesprungen und ich hätte unverzüglich den Notarzt zu rufen. Doch als der Makler seine 64 hysterischen BWLer an die Hand nahm und ins Haus führte, war mir alles klar.

Nun hängt Tobias ebenfalls im Fadenschein des Netzes fest und hofft, endlich von der schwarzen Witwe erkannt zu werden, die stets ihre flinken Beine in Bewegung hält, um alles an sich zu reißen, was einen guten Geschmack und ein bisschen Provision in petto hat.

Mittlerweile hat er sich mit dem Gedanken abgefunden, das in Berlin kein Luxusloft, sondern eine solide und warme Behausung auch viel wert ist, und man frei nach Arno Dübel mit den Worten „Man soll sich doch so wenig Arbeit machen wie es geht.“ gut leben kann. Ansonsten zieht man einfach nach Plauen.

Die Fotografie stammt von Jonas Denil
Der Text erschien in der Kategorie Leben mit den Themen
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Liebe Mama, lieber Papa: Geständnisse einer Prostituierten

Meine Eltern sind sehr stolz auf mein abgeschlossenes Jurastudium, meinen Job als Juristin und auf meinen Bruder und seine zwei Kinder im norddeutschen Reihenhaus. Weniger stolz sind sie darüber, dass ich noch keine zwei Kinder und kein Reihenhaus habe, dafür würde ich einen festen Partner benötigen...
Liebe Mama, lieber Papa: Geständnisse einer Prostituierten

Liebe Mama, lieber Papa

Geständnisse einer Prostituierten

Maria Weinbauer

Meine Eltern sind sehr stolz auf mein abgeschlossenes Jurastudium, meinen Job als Juristin und auf meinen Bruder und seine zwei Kinder im norddeutschen Reihenhaus. Weniger stolz sind sie darüber, dass ich noch keine zwei Kinder und kein Reihenhaus habe, dafür würde ich einen festen Partner benötigen, aber den gibt es eben nicht so schnell für eine erfolgreiche und unabhängige Frau.

Überhaupt nicht stolz sind meine Eltern über mein Hobby als Escort, oder um es mit ihren Worten zu sagen „Unser Kind ist eine Hure, was haben wir falsch gemacht?“ Manche jungen Frauen lassen sich nackt für den Playboy fotografieren und erzählen es ihren Eltern erst dann, wenn das Männermagazin am Kiosk liegt, weil sie sich eigentlich dafür schämen diese Bilder gemacht zu haben.

Es soll Väter geben, die ihre erwachsenen Töchter im Playboy das erste Mal nackt gesehen haben. Die meisten von ihnen sollen stolz wie Oskar sein, aber viele geben es auch nicht zu, denn sich einfach nackt ausziehen, und damit von jedem der sich so ein Heft kaufen kann, begaffen lassen zu können, ist ein moralisches Problem.

Die Feststellung, dass ein Kind als Prostituierte arbeitet, ist ein noch viel größeres moralisches Problem. Wie haben meine Eltern erfahren, was ich mache, und hat es sie interessiert, warum ich es mache. Wie sie es erfahren haben, ist meiner Faulheit zu verdanken. Zudem auch noch meiner Abneigung bestimmte Dinge zu verbergen.

Hat es meine Eltern interessiert warum ich für Geld mit Männern schlafe? Eher weniger, denn die Tatsache alleine ist schon schlimm genug und wenn, dann machen Frauen es aus Geldnot oder weil sie als Kind von ihrem Vater sexuell missbraucht wurden. Beides kann ich für mich verneinen und für viele Kolleginnen sind dies wohl auch nicht die Gründe, warum sie als Escort arbeiten.

Meine Mutter fand es heraus, weil ich sie gebeten hatte, sich etwas Geld aus meiner „Spardose“ in der Küche zu nehmen. In dieser Spardose befanden sich von einem letzten Date einige etwas größere Scheine und daneben lag mein kleines Kassenbuch.

Wie Mütter nun einmal sind, nämlich mit einer gewissen Neugier versehen, schaute sie in das Buch. Dann herrschte erst einmal längeres Schweigen, was mir nicht sofort auffiel. Meine Mutter zog los und meinte, sie komme gleich mit den Erledigungen wieder.

Nach zwei Stunden fiel mir auf, dass meine Mutter für ein paar Erledigungen im Supermarkt etwas lange brauchte. An ihr Handy ging sie nicht, da ich auch zu einem Termin musste, machte ich mich auf den Weg und fand meine Mutter in einem kleinen Café bei mir um die Ecke. Sie schaute auf die Straße und sah verheult aus. Ich setze mich zu ihr an den Tisch und fragte was los sei.

Wieder kamen ihr Tränen und dann fragte sie mich ganz direkt, ob ich für Geld mit Männern schlafen würde. Ob ihre Tochter eine Nutte sei, ob sie das verdient hätte und warum ich das machen würde. Meine Mutter hatte schlicht und einfach aus den wenigen Kassenbuchnotizen die richtigen Schlüsse gezogen.

Namen von Männern, versehen mit einem Datum und einer Uhrzeit und einem Geldbetrag sprechen eine eindeutige Sprache, auch wenn es nur wenige Einträge sind. Zuerst einmal zahlte ich die zwei Schnäpse und den Kaffee meiner Mutter, dann sagte ich meinen Termin ab und ging mit ihr nach Hause. Wohin sie zuerst nicht wollte, da sie dachte, ich würde auch dort meinem Nuttengeschäft nachgehen.

Der Tag wurde lang und ich musste viele Tränen meiner Mutter wegwischen bis sie einigermaßen verstand, was ich da tat und warum. Sie verstand es, aber sie würde es nie akzeptieren, darüber bin ich mir sofort im Klaren gewesen. Sie dachte, ich hätte Geldsorgen und sie würden mir helfen können, aber ich musste alle Gründe, die ihr einfielen, verneinen.

Spaß ist für meine Mutter kein Grund gewesen. Sie habe auch nicht immer ein erfülltes Sexleben gehabt und mein Vater sei auch nicht gerade eine Sexkanone. Dinge die ich nicht hören wollte. Aber deshalb sei sie nicht mit einem anderen Mann ins Bett gegangen und schon gar nicht für Geld.

Nachdem meine Mutter und ich uns zwei Tage lang ausgesprochen hatten, und somit unser gemeinsames Wochenende in Frankfurt ein sehr monothematisches Wochenende war, musste sie wieder zurück zu meinem Vater ins Reihenhaus nach Norddeutschland. Sie müsse es ihm sagen hatte sie mir gesagt und sie tat es auch.

Was genau bei meinen Eltern im Reihenhaus passiert ist, als er es erfahren hatte, habe ich nie herausgefunden. Mein Vater sprach erst einmal zwei Monate nicht mit mir, dann rief er an und meldete einen Besuch an. Ein Nein würde er nicht akzeptieren, ich solle alle Termine absagen, vor allem wenn ich an diesem Tag einen Nuttentermin habe.

Ich bin eine selbstständige Frau und dennoch hatte ich die Hosen ziemlich voll, als er vor der Tür stand. Ein Strauß Blumen in der Hand und eine Flasche Sekt im Arm. „So etwas bekommst du von deinen Freiern wohl eher nicht!“ Mit diesen Worten begrüßte er mich.

Es wurde ein langer Tag. Ein Tag, an dem ich ihm erklärte, warum ich keine Nutte bin, sondern wenn dann eine Hure. Warum Escort und Straßenstrich meilenweit voneinander entfernt sind und ich keinen Zuhälter habe, der mich regelmäßig schlägt und mich um mein Geld betrügt.

Es wäre gelogen, wenn mein Vater akzeptieren würde, was ich mache, aber er nimmt es hin und er spricht mit mir. Er will nichts über das Thema hören und verlangt auch von mir nicht darüber zu sprechen. Meine Mutter ist da anders. Manchmal will sie wissen wie ein Date gewesen ist, wenn sie weiß, dass ich einen Escorttermin habe. Sie findet es teilweise aufregend, vor allem, nachdem sie verstanden hat, was und warum ich es mache.

Meinen Vater habe ich einmal gefragt, ob es einen Unterschied machen würde, wenn ich mit vielen Männern schlafen würde, dafür dann aber kein Geld nehmen würde. Es gab natürlich einen Unterschied. Würde ich mit vielen Männern schlafen, ohne finanziellen Hintergrund, dann sei ich eben eine Schlampe. So bin ich die Hure für ihn.

Huren haben übrigens keine Chance auf ein intaktes Familienleben und aus diesem Grund hat sich mein Vater davon verabschiedet jemals Opa, von einem Kind von mir, zu werden. Meine Eltern wissen, was ich mache. Meine Mutter kann damit, auch wegen ihrer Neugier, leben und umgehen. Mein Vater ist enttäuscht und spielt der Familie und mir etwas vor. Die Wahrheit ist schmerzhaft, aber meine Eltern auf Dauer zu belügen, würde wohl noch mehr schmerzen.

Die Fotografie stammt von Caroline Hernandez
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Ey, Lockenkopf!Eine kleine Begegnung in Berlin

Schönen juten Tach, wie man in Berlin sagt. Mein Name ist Benno, und ich heiße euch herzlich willkommen zur Streetart-Foto-Rallye durch Friedrichshain und Kreuzberg.“ Unsere kleine Gruppe von neun Teilnehmern hat sich um den Rallye-Leiter versammelt, der mit seinen kreisrunden Brillengläsern genau...
Ey, Lockenkopf!Eine kleine Begegnung in Berlin

Ey, Lockenkopf!

Eine kleine Begegnung
in Berlin

Sophie Krause

„Schönen juten Tach, wie man in Berlin sagt. Mein Name ist Benno, und ich heiße euch herzlich willkommen zur Streetart-Foto-Rallye durch Friedrichshain und Kreuzberg.“ Unsere kleine Gruppe von neun Teilnehmern hat sich um den Rallye-Leiter versammelt, der mit seinen kreisrunden Brillengläsern genau so aussieht, wie man sich einen Künstler oder einen etwas sonderbaren Fotografen vorstellt. Ich schaue mir die anderen Teilnehmer an.

Ein händchenhaltendes Paar, das Tom und ich hätten sein können, ein Mann mittleren Alters, der bis zum Haaransatz mit Foto-Equipment beladen ist, zwei aufgebrezelte Spanierinnen, zwei Teenagermädels in bedruckten Banksy-Shirts und – ein großer, breiter, kahlrasierter Typ. Er mustert mich aus stahlblauen Augen. Sein Grinsen erinnert mich an das eines Trophäensammlers auf Wildtiersafari.

Schnell wende ich mich wieder Benno zu, der uns gerade erzählt, wie lange er diese Touren schon veranstaltet und was wir vom heutigen Tag erwarten können. So richtig bei der Sache bin ich allerdings nicht, denn ich werde das Gefühl nicht los, dass mich der kahlrasierte Typ immer noch beobachtet.

Ich warte ein paar Sekunden, bis ich vorsichtig zum Jäger und Sammler rüberschiele. Seine Arme sind fast vollständig schwarz, mit Tattoos zugehackt vom Handgelenk bis wer weiß wohin. Ein weißes, enganliegendes Shirt spannt nicht nur über seinen muskulösen Oberarmen. Auch die Brust ist gut trainiert und zeichnet sich unter dem dünnen Stoff ab. Der Typ könnte Kickboxer sein.

Auf jeden Fall sieht er nicht wie jemand aus, der scharf darauf ist, seinen freien Samstag mit einer handvoll Touris auf einer Foto-Rallye zu verbringen. Oder Hipstern. So wie ich in seinen Augen wahrscheinlich einer bin. Nagelneue, blauweiße Nikes, dazu eine dunkelblaue, enge Jeans und ein weißes Shirt mit hochgekrempelten Ärmeln. On-top gibt’s einen Jutebeutel und eine Kette aus teurem H&M-Gold.

„Wir sind hier auf dem RAW-Gelände“, erzählt Benno. „Weiß jemand, wofür die drei Buchstaben stehen?“ Alle schütteln den Kopf. Zumindest die, die ich sehen kann. Zu dem Kickboxer traue ich mich nicht schon wieder zu gucken. „Früher befand sich auf dem Gelände das Reichsbahnausbesserungswerk, hier wurden also Züge repariert.“

Wir laufen ein Stück weiter und bleiben neben dem Eingang eines flachen, länglichen, mit Graffitis übersäten Gebäudes stehen. Dort bilden wir einen Kreis um Benno und lauschen seinen Ausführungen. Der Kickboxer hat sich genau mir gegenüber positioniert. Wie er da steht: Beine leicht gespreizt, Arme vor der Brust verschränkt, durchgestreckter Rücken. Poserstyle. Türsteherattitüde. Der Typ ist wie ein Unfall. Man weiß, dass es schlimm ist, kann aber trotzdem nicht weggucken.

Er hat meinen Blick bemerkt und schenkt mir wieder ein gefährliches Grinsen. Schnell blicke ich weg, denn was ich noch mehr hasse als Typen, die wissen, dass sie geil sind, sind Typen, die wissen, dass sie geil sind und das von meinen Blicken dann auch noch bestätigt bekommen. „In der Halle hier links war also die Werkstatt, gleich daneben, in dem kleineren Gebäude das Planungsbüro für alle Einsätze und Transporte. Wie ihr seht, befindet sich in einem der Gebäude heute eine Skatehalle, in dem anderen ein Café.“

Nachdem wir nun bestens über den historischen Hintergrund des Geländes informiert sind, kommen wir endlich zum eigentlichen Thema: der Streetart. Benno erzählt uns, welche Künstler sich hier in den letzten Jahren verewigt haben. Wobei verewigen natürlich nicht das richtige Wort ist. Schließlich ist Streetart vor allem eins: unbeständig. Er zeigt uns Wände, die so oft übermalt wurden, dass der Putz zentimeterdick von ihnen abbröckelt. „In Friedrichshain besonders stark vertreten sind Stencils. Habt ihr schon mal gehört, oder?“

Eins der Teenagermädels meldet sich. „Das mit den Schablonen?“ Unser Rallye-Führer nickt zufrieden. „Richtig, bei Stencils entstehen die Motive, indem Farben durch Schablonen auf Papier gesprayt werden. Jede Farbe bekommt einen eigenen Schablonenschnitt, das Bild besteht also später aus mehreren Schichten und wird dann als eine Art übergroßer Papiersticker irgendwo ins Stadtbild geklebt. Natürlich könnten die Künstler die Farbe durch die Schablonen auch direkt an die Wand bringen, bräuchten dafür aber Zeit und Ruhe. Da Streetart in unserer Gesellschaft aber leider noch nicht als akzeptierte Kunstform angekommen, sondern offiziell verboten ist, müssen sie sich oft beeilen.“

Benno holt seine Kamera aus dem Rucksack und erklärt uns unsere erste Aufgabe. „Wir starten mit etwas Leichtem: Begebt euch auf Stencil-Suche und fotografiert, was ihr findet. Die Auswertung dazu erfolgt dann in der Gruppe.“ Gesagt, getan. Wir strömen in unterschiedliche Richtungen aus. Das Gelände entpuppt sich als unglaublich weitläufig. Hinter jeder Ecke offenbaren sich weitere unerforschte Gänge, Gebäude, besprühte Wände. Ich bin zwar nicht zum ersten Mal auf dem RAW-Gelände, war aber vorher nie abseits des Hauptwegs unterwegs, der zwischen den Clubs, Bars und Sporteinrichtungen hindurch führt.

Das Gebiet hier ist leider auch für seine Drogendealer, Junkies und Obdachlosen bekannt. Ich weiß also nicht, wessen „Zuhause“ oder Revier ich hinter der nächsten Ecke betrete. Oder wer mich kreischend von hinten anspringt, mir ins Ohr beißt oder mir mit einem fuchtelnden Messer die Kamera klauen will. Aber gut, an einem sonnigen Tag wie heute wird mir hier sicher nichts passieren.

Ich biege ab, einmal rechts, dann wieder links, und habe Glück. An der Rückseite der Skatehalle entdecke ich ein fast unbeschädigtes Stencil von Alias. Jackpot, Baby! Ich gehe noch einen Schritt näher, schaue es mir ganz genau an. „Das bekommste garantiert nicht runter. Brauchste gar nicht drüber nachdenken, Lockenkopf.“

Erschrocken drehe ich mich um. Na toll, der Kickboxer hat mich gefunden. „Als ob ich an dem Ding hier rum pulen würde.“ Nun kommt auch er näher und tastet den Rand des Stencils ab. „Na, man weiß ja nie, ne? Gibt ja genug Kaputte, die versuchen, die Bilder abzulösen, um sie sich zu Hause wieder aufzuhängen.“

„Mir reicht es, ein Foto davon zu machen“, sage ich etwas schnodderiger als gewollt. Der Kickboxer hebt beschwichtigend die Hände. „Okay, okay.“ Dann deutet er auf die Kamera um meinen Hals. „Schönes Teil hast du da. Das ist ’ne Nikon D5300, oder?“ Ich nicke. Damn right, und die ist hart erarbeitet und lange zusammengespart worden.

„Naja, jedenfalls gut, dass ich dich gefunden habe. Dachte, du brauchst vielleicht Begleitschutz.“ Ha, als ob! Ich will gerade etwas sagen, da zieht er seine Kamera nach vorne. „Dein Ernst?“ Er grinst und drückt den On-Button auf seiner Cam. „Gefällt dir mein Baby?“ „Du hast eine RED Scarlet mitgebracht? Nimmt man die nicht eher als Videokamera?“

„Uhh, Lockenkopf kennt sich aus, sehr schön. Aber hast recht, das Teil ist eigentlich zu wertvoll für den Einsatz hier. Kostet in der Zusammenstellung knapp dreißig Scheine.“ „Dreißig Hunderter?“, frage ich und ernte höhnendes Gelächter. „Häng mal noch ’ne Null dran.“

30.000?! Was für ein Proll! „Jetzt hast du mich aber wirklich schwer beeindruckt“, sage ich betont tonlos und lasse ihn stehen. Was will der überhaupt? Warum geht er nicht zu den aufgepimpten Spanierinnen? Die würden sich über eine knackige Berlinbekanntschaft, die sie heute Abend ins Berghain begleitet, sicher freuen.

„Hast du schon was Gutes geknipst?“, fragt er, während er aufholt. „Ich knipse nicht, ich fotografiere.“ Er schüttelt grinsend den Kopf. „Ach, so eine bist du, alles klar.“ Wie, so eine? „Ich heiße übrigens Mark.“ Er hält mir die Hand hin und schaut mir dabei so tief in die Augen, dass sich in mir eine einzelne Fledermaus durch die Gitterstäbe quetscht.

Ich blicke auf seine Hand hinunter, schüttle sie, verrate ihm aber nicht meinen Namen. „Und, wie bist du zu der Tour gekommen?“ Er lässt den Blick über die besprayten Wände schweifen. „Eigentlich bin ich nur hier, weil es mein bester Freund gestern in der Muckibude leicht übertrieben hat. Übler Hexenschuss, kann sich keinen Zentimeter mehr bewegen. Also habe ich angeboten, heute ein paar Fotos für ihn zu machen. Bring sie ihm später auf ’nem USB-Stick vorbei, dann hat er wenigstens digital an der Tour teilgenommen.“

Jetzt muss ich wirklich lachen. Was für ein Typ! „Was ist so lustig?“ „Du!“, platzt es aus mir heraus. Daraufhin schaut er mich so verunsichert an, dass es mir fast schon wieder leid tut. „Entschuldige, aber einem wie dir, hätte ich so viel Nächstenliebe gar nicht zugetraut„, schiebe ich deswegen schnell hinterher. “Allein die Vorstellung, wie du später an dem Krankenbett deines Kumpels sitzt und ihm deine Aufnahmen zeigst. Irgendwie romantisch.“ „Einem wie mir, ja? Dann lass dir mal gesagt sein, dass ich ein Meister der Tarnung bin, Lockenkopf“, sagt er, hält die Kamera in meine Richtung und drückt ab.

Die Fotografie stammt von Sean Robertson
Der Text ist ein Auszug aus dem Buch "Frühwarnsystem" von Sophie Krause, das ihr auf Instagram auch in interaktiver Form bewundern könnt.
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Tiny Tits: Mädchen mit kleinen Brüsten

Eigentlich müsste es mir ja egal sein, was andere Menschen über meine nicht ganz so groß geratenen Möpse denken. Schließlich gehen die nur mich was an. Sonst niemanden. Und wer auch immer gerade an ihnen herum lutscht, darf sich erst recht nicht beschweren. Hallo, du kommst in mein Haus, in mein Bet...
Tiny Tits: Mädchen mit kleinen Brüsten

Tiny Tits

Mädchen mit
kleinen Brüsten

Daniela Dietz

Eigentlich müsste es mir ja egal sein, was andere Menschen über meine nicht ganz so groß geratenen Möpse denken. Schließlich gehen die nur mich was an. Sonst niemanden. Und wer auch immer gerade an ihnen herum lutscht, darf sich erst recht nicht beschweren. Hallo, du kommst in mein Haus, in mein Bett und dann sind dir meine Titten zu klein? No way, Bitch!

Trotzdem ist es irgendwie ganz nett, dass es da draußen genügend Leute gibt, die nicht auf Palinas Megamelonen stehen, sondern auf handgroße Wundertüten, mit deren Kreation Allah zwar ein wenig sparsam war, die allerdings weder die Schwerkraft noch tellergroße Brustwarzen fürchten müssen. Kleine Titten sind cool, das predigen wir auf AMY&PINK in diversen Artikeln schließlich bereits seit Jahren.

Die Jungs und Mädels drüben im Onlineforum Tiny Tits, einem global geliebten Subreddit, feiern Göttinnen mit Mückenstichen regelrecht ab. Je kleiner, desto besser, möchte man meinen, aber selbst mittelgroße Brüste sind dort noch ein Grund mal so richtig auszurasten. Es ist doch irgendwie schön, wenn meine beiden Lieblinge endlich den Zuspruch bekommen, den sie verdienen.

Die Illustration stammt von William-Adolphe Bouguereau
Der Text erschien in der Kategorie Sex mit den Themen
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Berliner Begegnungen: Morgens vor dem Berghain

Die Berliner Clubszene ist kein festes, starres Gebilde, das schon immer so war und auch immer so sein wird, sondern ein atmendes, pulsierendes, lebendiges Wesen, in dessem Inneren sich die kreative wie verlorene Seelen verlieren. Alle paar Monate schließt ein Club und ein neuer öffnet, Lieblings...
Berliner Begegnungen: Morgens vor dem Berghain

Berliner Begegnungen

Morgens vor
dem Berghain

Annika Lorenz

Die Berliner Clubszene ist kein festes, starres Gebilde, das schon immer so war und auch immer so sein wird, sondern ein atmendes, pulsierendes, lebendiges Wesen, in dessem Inneren sich die kreative wie verlorene Seelen verlieren.

Alle paar Monate schließt ein Club und ein neuer öffnet, Lieblingsetablissements verschwinden und man muss sich an neue Orte, neue Gesichter, neue Gefühle gewöhnen, nur so bleibt man eins mit einer Stadt, die einem im wortwörtlichsten Sinn den Atem rauben kann. Wer in dieses Universum voller Lichter, Töne und Gesichter eintaucht, der trifft sie, die Menschen, die dort zu Hause sind, in der vollkommenen Zelebrierung des Lebens.

Die aus Paris stammende Fotografin Sabrina Jeblaoui hat sich längst in die deutsche Hauptstadt und damit auch in die hiesige Clubszene verliebt. Auf ihrem Instagram-Account NachtClubsBerlin verewigt sie die Menschen, die in legendären Feierhäusern wie dem Berghain, dem Tresor oder der Griessmuehle ein und aus gehen und sich dort die Jugend um die Ohren hauen.

„Ich bin fasziniert von dieser einzigartigen Stadt, da Lebensstil und Mode so divers sind und die Menschen sich frei fühlen, zu sein wer sie sind und gleichzeitig ebenso, wer sie sein wollen“, erzählt Sabrina der Redakteurin Franziska Müller-Degenhardt vom Hauptstadtblog iHeartBerlin. „Berlin hilft einem auch dabei, seine Grenzen und damit sich selbst kennenzulernen – wenn man das möchte.“

Und weiter: „Ich liebe die Energie, die die Clubs hier haben, und kann durch sie der Realität einige Stunden entkommen, tanzen und die verschiedensten Leute treffen. Nachdem ich meine ersten Fotos auf meinem eigenen Instagram-Kanal veröffentlicht hatte, entschied ich mich NachtClubsBerlin zu erstellen, wodurch die von mir fotografierten Personen ihre Fotos leicht finden können.“

„Nach und nach ist es jetzt zu einer kleinen Community geworden“, fährt Sabrina fort. „Die Leute folgen meiner Seite aus mehreren Gründen: Diejenigen, die nicht in Berlin leben, können einen Eindruck von seiner Partyszene bekommen, und für andere kann es inspirierend sein zu sehen, was man in einem Techno Club so anzieht.“ Und es ist doch immer interessant zu sehen, wer morgens so aus dem Berghain spaziert…

Berghain Berlin Berghain Berlin Berghain Berlin Berghain Berlin Berghain Berlin Berghain Berlin Berghain Berlin Berghain Berlin Berghain Berlin Berghain Berlin Berghain Berlin Berghain Berlin Berghain Berlin Berghain Berlin
Die Fotografie stammt von Sabrina Jeblaoui
Der Text erschien in der Kategorie Kunst mit den Themen
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Paul Kalkbrenner: Der König von Deutschland

In Deutschland, Österreich und der Schweiz hatte er wirklich alles erreicht. Jetzt brauche es etwas Größeres. Paul Kalkbrenner meint damit den Rest der Welt. Dass international derzeit der EDM-Wahnsinn herrscht, kann ihm dabei nur helfen. Natürlich hat Paul keine Verbindung zu diesem Genre, aber er...
Paul Kalkbrenner: Der König von Deutschland

Paul Kalkbrenner

Der König von
Deutschland

Annika Lorenz

In Deutschland, Österreich und der Schweiz hatte er wirklich alles erreicht. Jetzt brauche es etwas Größeres. Paul Kalkbrenner meint damit den Rest der Welt. Dass international derzeit der EDM-Wahnsinn herrscht, kann ihm dabei nur helfen. Natürlich hat Paul keine Verbindung zu diesem Genre, aber er profitiert davon, dass die Massenraves der letzten Jahre einen vielversprechenden Nährboden für elektronische Musik geschaffen haben.

„All diese Musik hat Türen für andere elektronische Musiker geöffnet“, erklärt Paul uns. „Das sind alles Hörgewohnheiten: Wenn der Amerikaner zum Beispiel zehn Jahre „Bumm, Bumm, Bumm, Bumm, Bumm“ in den Ohren hat, dann haben vielleicht Künstler, die viel kleiner sind als ich jetzt, die Chance, erfolgreich zu werden“.

Repertoirekünstler, ja, das entspricht Pauls Selbstverständnis als klassischer Albumkünstler. Das ist seine Kunstform, alles andere ergibt für ihn keinen Sinn, betont er mehrfach. Wenn ihr mit Paul Kalkbrenner über seine Musik diskutieren wollt, solltet ihr es vermeiden, mit Referenznamen um euch zu werfen.

Nicht, dass sich das nicht mit seinem Ego vereinbaren ließe, der Mann ist so entspannt und locker, so etwas würde ihn nie treffen. Es ist nur so, dass ihm der Blick auf die Musik anderer Menschen ziemlich fremd ist. Stattdessen ist er rund um die Uhr mit seinen eigenen Produktionen beschäftigt. Schließlich ist es sein Ehrgeiz als Künstler, zeitlose Klassiker zu schreiben – für die Masse und die Liebhaber.

Paul Kalkbrenner erfindet sich gern neu, ohne zu vergessen, wo er herkommt. Der Film Berlin Calling hat ihn endgültig zum Kultstar gemacht, nicht nur in Deutschland, sondern überall, wo Berlin immer noch als Zentrum des kreativen Exzesses gesehen wird, wo Menschen früh morgens aus dem Berghain wanken, nur um zur Afterhour in der nächsten Spreebar aufzuschlagen.

Pauls Musik gehört zu Berlin, Leipzig und Dresden wie Currywurst und Döner, wie Bier und Koks, wie Punk und Anzug. Und es ist immer wieder erstaunlich zu beobachten, wie er sich künstlerisch kontinuierlich neu auslebt, um mit seiner Musik nicht nur Deutschland, nicht nur Österreich und nicht nur die Schweiz, sondern die ganze Welt zu erobern.

Paul Kalkbrenner: Der König von Deutschland Paul Kalkbrenner: Der König von Deutschland Paul Kalkbrenner: Der König von Deutschland Paul Kalkbrenner: Der König von Deutschland Paul Kalkbrenner: Der König von Deutschland
Die Fotografie stammt von Olaf Heine
Der Text erschien in der Kategorie Musik mit den Themen
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Attack on Titan: Hungrige Riesen

In dieser postapokalyptischen Science-Fiction-Geschichte wurde die Menschheit durch die bizarren, riesigen Humanoiden, die als die Titanen bekannt sind, fast komplett ausgelöscht. Als die menschenfressenden Riesen zum ersten Mal auftauchten, zogen sich die Menschen hinter massive Mauern zurück. Es i...
Attack on Titan: Hungrige Riesen

Attack on Titan

Hungrige
Riesen

Annika Lorenz

In dieser postapokalyptischen Science-Fiction-Geschichte wurde die Menschheit durch die bizarren, riesigen Humanoiden, die als die Titanen bekannt sind, fast komplett ausgelöscht. Als die menschenfressenden Riesen zum ersten Mal auftauchten, zogen sich die Menschen hinter massive Mauern zurück. Es ist wenig darüber bekannt, woher sie kamen und warum sie die Menschheit verzehren wollen.

Scheinbar unintelligent durchstreifen sie seit Jahren die Welt und töten jeden, den sie sehen. Im vergangenen Jahrhundert hat sich das, was von den Menschen übrig geblieben ist, in einer riesigen, von drei Mauern umgebenen Stadt versteckt. Die Menschen glauben, dass ihre fünfzig Meter hohen Walle sie vor den Monstern schützen werden, aber das plötzliche Auftauchen eines riesigen Titanen verändert von einen auf den anderen Augenblick alles.

Nach hundert Jahren Sicherheit durchbricht ein Titan von enormer Größe die Verteidigungsanlagen und entfesselt eine Flut von anderen Giganten und pures Gemetzel in den Straßen. Eren Jäger sieht hilflos zu, wie eine der Kreaturen seine Mutter verschlingt.

Er schwört, jeden Titanen zu töten, der auf der Erde wandelt. Eren und seine überlebenden Freunde melden sich, um gegen die unersättlichen Monster zu kämpfen. Die Zukunft sieht düster aus, aber an Eren ist mehr dran, als man auf den ersten Blick sieht: Er ist vielleicht die letzte Hoffnung der Menschheit gegen die Ausrottung.

Von Tetsuro Araki, dem Regisseur von Death Note und Highschool of the Dead, kommt eine Serie, die Anime News Network als intensive, aufwühlende und grafisch aufregende Achterbahnfahrt bezeichnet. Und das natürlich vollkommen zurecht.

Die Titanen sind gekommen, um ein Feuerwerk der Emotionen zu entfachen. Alles kann passieren. Niemand ist sicher. Attack on Titan ist der perfekte Anime für jeden Horror liebenden Fan oder einfach nur für Leute, die Geschichten über den Kampf ums Überleben gegen menschenfressende Giganten, die drohen, euch, eure Familie und alle, die ihr kennt, zu fressen, mögen.

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Die Illustration stammt von Hajime Isayama, Kodansha und Kazé
Der Text erschien in der Kategorie Filme mit den Themen
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Mädchen in Asien: Eine Reise durch Japan

Japan ist für viele ein Land der scheinbar unendlich Träume. Wer hier her kommt, der taucht ein in eine Abenteuer der technologischen Moderne und traditionellen Kultur. Tokio, Kyoto, Osaka, jede Stadt hat ihren ganz eigenen Reiz und wer sich außerhalb der Stadtgrenzen wagt, der bekommt das echte Jap...
Mädchen in Asien: Eine Reise durch Japan

Mädchen in Asien

Eine Reise
durch Japan

Annika Lorenz

Japan ist für viele ein Land der scheinbar unendlich Träume. Wer hier her kommt, der taucht ein in eine Abenteuer der technologischen Moderne und traditionellen Kultur. Tokio, Kyoto, Osaka, jede Stadt hat ihren ganz eigenen Reiz und wer sich außerhalb der Stadtgrenzen wagt, der bekommt das echte Japan zu spüren, das wilde Japan, das unberührte Japan. Eine naturgebundene Welt, die aus der Zeit zu fallen scheint.

Der Fotograf Peter Baumann und das Model Maria Kn sind quer durch das Land der aufgehenden Sonne gereist, um sich komplett und ausgiebig dem ostasiatischen Flair hinzugeben und Japan auch von Seiten zu erleben, die so manchem Reisenden verborgen bleiben. Denn das Land ist viel mehr als nur eine Aneinanderreihung auffälliger Klischees. Japan steckt voller kleiner und großer Wunder, wenn man sie denn nur sehen möchte.

Maria und ich sind drei Wochen lang quer durch Japan gereist“, erzählt uns Peter. „Von Tokio durch die Präfekturen von Kanagawa nach Kyoto und Hiroshima und am Ende wieder zurück nach Tokio. Wir schießen auf unseren Reisen immer auch Fashionstrecken und da wir unser Gepäck klein halten wollten, kam Maria auf die Idee, während unseres Roundtrips quasi nebenbei immer das selbe Outfit zu inszenieren. Und seien wir mal ehrlich: Es ist ja auch einfacher, nur ein Kleid in den Rucksack zu stopfen, um es immer dabei zu haben.“ Dem kann ich nur zustimmen.

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Die Fotografie stammt von Peter Baumann
Als Model ist Maria Kn zu sehen
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Nachtgedanken: Das Ende der Welt

Eigentlich hattest du dich ja schon längst damit abgefunden, dass du seit Monaten weder richtig lachen noch weinen konntest. Zu einem gefühlsleeren Phantom in dieser ewig selben Berliner Welt verkamst, das von Party zu Party, von Mensch zu Mensch geisterte, und dennoch nicht mehr richtig teilnahm. A...
Nachtgedanken: Das Ende der Welt

Nachtgedanken

Das Ende
der Welt

Marcel Winatschek

Eigentlich hattest du dich ja schon längst damit abgefunden, dass du seit Monaten weder richtig lachen noch weinen konntest. Zu einem gefühlsleeren Phantom in dieser ewig selben Berliner Welt verkamst, das von Party zu Party, von Mensch zu Mensch geisterte, und dennoch nicht mehr richtig teilnahm. Am Leben. Alles war zu einem immer gleichen alltäglichen Brei verkommen. Egal wie angestrengt du auch suchtest.

Und dann sitzt du da und in einem einzigen Augenblick ändert sich alles. Du siehst es nicht. Keine Explosion, kein Schrei, kein Ende. Nichts. Nur du und dein Kopf und irgendein Schalter, der sich darin umlegte. Plötzlich. Und der dich dazu zwingt heraus zu stürmen aus der verkommenen Normalität.

Dann taumelst du mit Tränen in den Augen durch die Stadt. Nicht wegen der Liebe. Oder dem Tod. Oder Verlust. Oder verletztem Stolz. Sondern einfach, weil von einer auf die andere Sekunde irgendwas in dir brannte, was du längst unter “Verloren” abgelegt hattest. Und du nicht mehr klarkommst, nicht ver­stehst, du mit aller Gewalt an dem festhalten wolltest, was dich kaputt machte. Und das nun nicht mehr da war.

Betrunken und verwirrt rufst du deine Freunde an, verlangst nach einer Ordnung, einer Devise, irgendeiner Art von Vernunft. Aber die kann dir natürlich niemand geben. Weil keiner das Problem erkennt, weder du noch sie noch irgendwer. Was ist eigentlich dein Problem? Also schreibst du um 5 Uhr morgens irgendwelche pseudodepressiven Texte, die du am nächsten Tag mitsamt dem Rechner, auf dem sie erstellt wurden, in einen nahegelegenen Container werfen und in Ekstase zerfetzen möchtest.

Keine Playlist der Welt kann dich zu dieser vergessenen Zeit beruhigen und so bleibt dir nichts anderes mehr übrig als abzuwarten. Ob du dir das womöglich nicht alles nur einbildest. Auf Drama machst. Zu viel Bier. Oder zu viel Mensch. Oder zu viel Dunkelheit, die dich fragend anblickt und schulterzuckend auf den nächsten Sonnenaufgang verweist. Der wird schließlich schon wissen, was zu tun ist.

Wie ein trauriger Irrer verweilst du nun in deinem Bett, leicht vor und zurück wippend. Mit dieser Farblosigkeit im Blick. Wartend auf die Dinge, die da kommen mögen. Ein Satz, eine Information, die dich in einen wütenden Feuerball verwandelt. Damit du wenigstens noch mitmachen kannst. An der Zerstörung deines kleinen Universums. Denn in einem einzigen Augenblick ändert sich alles.

Die Fotografie stammt von Jonny Caspari
Der Text erschien in der Kategorie Leben mit den Themen
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Wie lebt man mit Krebs? Der Feind in meiner Brust

Das heißt im Klartext, Sie haben zwar diesen kleinen Knoten in der Brust, aber keinen Krebs. Die Ärztin lächelt mich an. Ich weiß nicht, wie ich jetzt reagieren soll. Ich lächle zurück. Vor Kurzem fand sie besagten Knoten bei einer Vorsorgeuntersuchung. In meiner linken Brust. Die ist statistisch...
Wie lebt man mit Krebs? Der Feind in meiner Brust

Wie lebt man mit Krebs?

Der Feind in
meiner Brust

Lena Freud

„Das heißt im Klartext, Sie haben zwar diesen kleinen Knoten in der Brust, aber keinen Krebs.“ Die Ärztin lächelt mich an. Ich weiß nicht, wie ich jetzt reagieren soll. Ich lächle zurück. Vor Kurzem fand sie besagten Knoten bei einer Vorsorgeuntersuchung. In meiner linken Brust. Die ist statistisch gesehen häufiger betroffen, wie ich später nachlese.

Sie erwähnte zum ersten Mal das Wort “Brustkrebs”. Und ich bekam ein komisches Gefühl. Jetzt scheint es sich in Luft aufzulösen. Das denke ich zumindest. Denn noch Tage später ertappe ich mich bei diesem kleinen, aufdringlichen “Was wäre wenn?”-Gedanken. Ich möchte mit jemandem darüber sprechen.

In einem Forum lerne ich Sabrina kennen. Sie ist 34 Jahre alt und wohnt in Saarbrücken. Wir verabreden uns für den Abend zu einem spontanen Skype-Interview. Sabrinas Gespräch nach der Mammographie verlief anders als meines.

Sabrina hat Brustkrebs. Als ich die Webcam einschalte, lächelt mir eine hübsche Frau entgegen. Ich bin überrascht. Sie sieht nicht krank aus, trägt dezentes Make Up und Schmuck. Nur der bunte Schal, den sie sich um den Kopf geschlungen hat, lässt vermuten, dass die Chemotherapie, die Sabrina vor Kurzem über sich ergehen lassen musste, Spuren auf ihrem Körper hinterlassen hat.

Hallo Sabrina. Ich freue darauf, ein wenig mit dir über deine Krankheit zu sprechen.

Danke, ich finde das Thema sehr wichtig und erzähle meine Geschichte nicht zum ersten Mal. Brustkrebs ist ein Thema, das uns alle an geht, das jeden treffen kann. Selbst Männer können erkranken. Die richtige Vorsorge ist wichtig, Früherkennung kann, natürlich nicht nur bei dieser Krebsart, in so vielen Fällen Leben retten.

Ich finde es bewundernswert, dass dir Aufklärung und Prävention so wichtig sind. Schließlich steckst du ja noch mitten in dieser Geschichte drin. Ist das nicht anstrengend?

Nein. Ich will über dieses Thema sprechen. Seit der Diagnose habe ich viel darüber gelesen, ich bin ein richtiger Experte auf dem Gebiet geworden. Manchmal sind die Ärzte beeindruckt von meinem Wissen. Das klingt jetzt blöd, aber ich will meinen Feind so gut wie möglich kennen. Und andere sollten das auch tun.

Nein, das klingt ganz und gar nicht blöd. Ich habe mich ja bis zur Diagnose auch recht umfassend informiert. Wie hast du erfahren, dass du Krebs hast?

Bei einer Routineuntersuchung beim Frauenarzt. Und da war er dann. Ein relativ großer, überraschend harter Knoten. Die Ärztin ließ mich selbst daran fühlen. Ich erschrak, weil ich ihn nicht schon vorher entdeckt hatte. Da wuchert etwas still und leise in deinem Körper vor sich hin und dann merkst du es nicht einmal. Es folgten einige Untersuchungen. Dann der Befund. Brustkrebs. Vermutlich hätte ich in Panik verfallen sollen, über den Tod nachdenken oder sonstwas. Aber ich saß nur da und fühlte mich taub.

Ich wusste nichts über Krebs, hatte keine Ahnung, was da vor sich ging und wie ich behandelt werden würde. Und ich hatte auch kaum Zeit dazu. Die folgenden Ereignisse rissen mich einfach fort. Der Tumor musste entfernt werden, dabei musste man mir die linke Brust abnehmen. Ich empfand das als enormen Eingriff in meine Weiblichkeit, auch wenn es eine lebensrettende Notwendigkeit war.

Es folgten Chemotherapie und Bestrahlung, wohl die Schlimmste Zeit meines Lebens. Alles zehrte mich aus, ich wartete nur noch auf den Tag, an dem die Behandlung endlich zu Ende sein würde. Ich wusste nicht, wie viel ich noch ertragen sollte.

Nach der Therapie schloss ich mich einer Selbsthilfegruppe für betroffene Frauen an und machte eine Psychotherapie sowie eine Reha. Ich erholte mich und setzte mich mit dem Thema auseinander. Begann mich langsam wieder aufzubauen und mich über Brustkrebs zu informieren.

Aber damit war deine Geschichte noch nicht zu Ende.

Richtig. Vor Kurzem entdeckte ich selbst etwas Beunruhigendes in meiner aufgebauten Brust und ging zum Arzt. Der Tumor von damals war nicht komplett heraus operiert worden und auch nicht durch die Chemotherapie besiegt. Also wieder Krebs.

Hast du dich anders gefühlt, jetzt, wo du wusstest, wie die Behandlung verlaufen wird?

Ja. Weißt du, nach der ersten Therapie, insbesondere der schrecklichen Bestrahlung, habe ich immer gesagt: „So etwas mache ich nie wieder. Lieber sterbe ich, als nochmals durch diese Hölle zu gehen!“ Aber es kam natürlich anders.

Ich hatte einen überraschend großen Überlebenswillen entwickelt, war gestärkt aus der ersten Krise hervorgegangen, und wollte jetzt, beim zweiten Mal, dem Krebs ganz bewusst den Kampf ansagen. Ich setzte mich bei den Ärzten durch, bestand auf eine Chemotherapie, wollte keine Bestrahlung mehr. Ich stellte meinen Lebensstil um, ernähre mich jetzt gesünder, komme zu Ruhe und achte sehr genau auf mich.

Wie siehst du deine Zukunft?

Realistisch.

Das heißt?

Ich habe den Krebs nicht besiegt. Und wenn es soweit ist, kann er immer wieder kommen. Aber ich habe gelernt zu kämpfen. Ich liebe mein Leben, habe einen tollen Ehemann, der mich unterstützt, wo es nur geht. Aber ich lebe nicht in einer Traumwelt. Der Krebs hat mir viel genommen. Ich möchte, dass die Menschen Bescheid wissen, über das, was mit ihnen passieren kann. Darüber, dass es hart ist.

Aber niemand sollte, so wie ich bei meiner ersten Behandlung, so ohnmächtig und hilflos mit ansehen, wie das alles passiert, ohne zu wissen, was geschieht. Mit dem Wissen über meine Erkrankung habe ich ihr den Schrecken genommen. Ich weiß, dass ich Chancen auf Heilung habe. Und die werde ich ergreifen. Ich werde garantiert nicht aufgeben.

Die Illustration stammt von Icons8
Der Text erschien in der Kategorie Leben mit den Themen
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Stadthunger: Eine Geschichte in Berlin

Mir bleibt nichts anderes übrig, als weiter zu atmen. Ein und aus. Für alle Zeit. Ewig. Bis du mich entdeckst, tief in meiner Seele sitzt und endlich spürst, wie toll ich doch für dich bin, keine anderen mehr in deinem Leben möchtest, die Geier nach Hause schickst. Meine Albträume werden stärker, sc...
Stadthunger: Eine Geschichte in Berlin

Stadthunger

Eine Geschichte
in Berlin

Marcel Winatschek

Mir bleibt nichts anderes übrig, als weiter zu atmen. Ein und aus. Für alle Zeit. Ewig. Bis du mich entdeckst, tief in meiner Seele sitzt und endlich spürst, wie toll ich doch für dich bin, keine anderen mehr in deinem Leben möchtest, die Geier nach Hause schickst. Meine Albträume werden stärker, schwächer, bunter. Von hustenden Bäumen, blonden Mädchen, graziösen Pferden.

Als ich meine Augen wieder öffne, liegt das Pulver achtlos verstreut neben dir. Deine Brüste leuchten blau im Mondlicht, so einen schönen Anblick hatte ich schon lange nicht mehr. Stundenlang beobachte ich die Höhen und Tiefen, das taktvolle Auf und Ab deines Seins.

Keine Spur mehr von der einseitigen Ohnmacht nach dem großen Beben, der Kopf wieder klar und durchtränkt von den trüben Gedanken der letzten Zeit. Wie sehr sich doch alles verändern konnte. Du, ich, wir beide. Neben deinen rotblonden Haaren liegt Hugo, lächelt, sabbert, schläft.

Ein unstillbarer Heißhunger durchdringt mein Innerstes, meine Gedanken kreisen um labbrige Cheeseburger, fettige Pizza, mit Eiern und Käse überbackene Bratnudeln. Ich kotze fast vor Appetit, stehe auf, ohne dich noch einmal auf die Stirn zu küssen, und laufe nackt durch die Wohnung.

Der Kühlschrank ist gefüllt mit Bier, Red Bull und Champagner. Von Essbarem weit und breit keine Spur zu sehen. Der Raum beginnt sich zu drehen, das helle Licht bohrt sich direkt in meinen Magen, meine Lunge, meine Beine. Ich sacke auf dem Boden zusammen, fange an zu weinen, verhungere elendig.

Als Sina mich am nächsten Morgen wie ein Embryo im Mutterleib zusammengekauert vor dem offenen Kühlschrank liegen sieht, fängt sie an mich am ganzen Körper zu küssen, hört nicht auf, bis ich meine Augen öffne, ihren Kopf zwischen beide Hände nehme und ihr tief in die ozeanblauen Augen sehe.

Darin leuchten unzählige Sterne, der Weltuntergang, der Sinn des Lebens ist zum Greifen nah. Meine Eltern stimmen ein fröhliches Lied an, Delfine springen umher. Und bevor ich das Geheimnis unseres gesamten Daseins endgültig lüften kann, klingelt es an der Tür.

Sina lächelt, erhebt sich und öffnet dem Postboten, ohne sich die Mühe zu machen, sich vorher zu bedecken. Der verzieht keine Miene, drückt ihr ein Päckchen in die Hand und verabschiedet sich wie gewohnt höflich und mit einer Scheißegal-Stimmung von uns beiden. Ich schäme mich. „Hast du Hunger?“, fragt sie mich dann. „Ich bestell‘ uns eine Pizza, wenn du möchtest.“

Es dauert fast eine Stunde, bis ich endlich etwas essen kann. Wir sitzen auf der Couch und gucken uns „O.C., California“ auf DVD an. Die Sonne strahlt durch die riesigen Fenster der Altbauwohnung. Am Horizont thront der Fernsehturm.

Als Ryan Marissa sterbend in den Armen hält, renne ich ins Bad und übergebe mich in die Wanne. Die erscheint mir in diesem Augenblick einfach passender für mein spontanes Vorhaben. Sina kommt mir nach und wir schlafen auf dem kalten Fliesenboden miteinander. Als ich fertig bin, fragt sie mich: „Versprichst du mir, dass es ewig so bleiben wird?“ Ich nicke stumm. Sie steigt von mir herunter.

Das Päckchen enthält eine neue Kamera, die ich mir im Internet bestellt hatte. Sie ist teuer, sie ist wunderschön, und das Erste, was ich damit fotografiere, ist Sina, wie sie das Bad putzt. Immer, wenn ich diese Bilder heute sehe, bekomme ich einen Herzkrampf, ein überwältigendes, markerschütterndes Gefühl, wieso ich nicht besser auf sie aufgepasst habe. Warum ich nicht eher da war, als es passierte.

Das erste Mal sah ich dich mitten auf dem Alex sitzen. Zusammen gekauert, ungewaschen, mit fettigen Haaren. Du hast dich hinter einem Pappschild versteckt, auf dem mit krakeliger Schrift eine Botschaft stand, die direkt in mein Herz floss. „Ich hab Heimweh. Bitte gebt mir Geld, damit ich mir eine Rückfahrkarte nach Hause leisten kann.“ Ich setzte mich einige Meter von dir entfernt auf eine Treppe und beobachtete dich.

Du hast geweint, die Leute gingen ungeachtet an dir vorbei, mieden dich, verachteten dich regelrecht, als Dreck der Gesellschaft. Der Frühling war noch nicht wirklich da und es wurde langsam dunkel. Ich konnte diesen traurigen Anblick nicht mehr ertragen, stand auf und ging langsam auf dich zu. „Komm mit, ich lade dich zum Essen ein.“ Erst wolltest du gar nicht hören, sträubtest dich gegen meine Hilfe, gegen mich, doch dann gabst du deine Festung auf. Du bist aufgestanden, hast dir mit den langen Fingern eine Strähne aus dem Gesicht gestrichen und liefst dann mit gebührendem Abstand neben mir her.

„Ich heiße Sina“, hast du gemurmelt, während du gleichzeitig einen großen Bissen vom Cheeseburger in dich hinein gestopft hast. Das fand ich eklig. „Warum siehst du so aus?“ Während ich auf eine Antwort wartete und mich nun immer mehr fragte, wieso ich dich widerliches, kleines Ding überhaupt mit hierher genommen hatte, vollzogen meine Gedanken mit mir eine Reise in das Nachtleben Berlins. Ich hätte mich in diesem Augenblick meinen Gelüsten, Gefühlen und Gedanken hingeben, mir selbst eine Reise ins Nirwana schenken und es dann mit einem billigen Hipster in meiner riesigen Wohnung treiben können.

Meinem Gegenüber schien mein breites Grinsen nicht zu entgehen und so begann sie aus dem Nähkästchen zu plaudern, um die Aufmerksamkeit wieder auf sich zu ziehen. „Paula und ich sind von zu Hause fortgelaufen. Sie ist meine beste Freundin.“

Du hast dich fast verschluckt und nahmst erst mal einen großen Schluck aus deiner Cola. Mir wurde übel. Von deinem Auftreten, dem Geschmatze, diesem abstoßenden Geruch. „Ich war auf dem Klo im Hauptbahnhof. Und als ich wieder zurück kam, war sie weg. Mit meinem Rucksack, meinem Handy und meinem Geld. Die blöde Schlampe.“

Eine Träne floss dein mit Sommersprossen bedecktes Gesicht hinunter. Da flackerte in mir drin ein Gefühl von Mitleid auf. Jetzt wusste ich wieder, wieso ich mit dir an diesem unsäglichen Ort gelandet war, und bestellte lächelnd gleich noch zwei Menüs. Wir redeten den ganzen Abend. Du erzähltest mir von deiner grässlichen Familie, deinem dummen Exfreund, der Schule, dem Gefühl, nicht zu wissen, wo du hingehörst. Und dass Berlin die letzte Hoffnung war, dein Leben endlich auf die Reihe zu bekommen. Das kannte ich nur zu gut.

Ich hingegen faselte dich mit meinem Beruf als Partyfotograf zu und dass ich mich schon immer wunderte, wie ich mit dieser vollkommen überflüssigen Tätigkeit so viel Geld zusammen bekommen konnte. Allerdings verriet ich dir nichts von den Drogen, den Exzessen und den Prostituierten, die bei mir ein- und ausgingen, aber ich offenbarte dir, dass mein Vater mich nicht ernst nahm, meine allererste Liebe mit meinen zwei besten Freunden Sex hatte und ich mal im Gefängnis war. Warum, blieb vorerst mein Geheimnis.

„Wenn du möchtest, kannst du heute Nacht bei mir bleiben und morgen kaufe ich dir eine Fahrkarte nach Hause.“ Du hast ziemlich verdutzt geguckt. „Wieso solltest du das tun? Wieso sollte ich das tun?“ „Keine Ahnung, ich hab Geld und du brauchst Geld. Ich bin katholisch erzogen worden. Von wegen Teilen und Nächstenliebe und der ganze Scheiß.“ „Meinetwegen, aber wehe du fasst mich an!“ Plötzlich warst du eine Katze, mit Reißzähnen und Krallen und diesem Blick voller Misstrauen, Angst und Selbstschutz.

Mir gefiel deine vor Verletztheit und innerer Größe strotzende Kraft. In deinen glitzernd blauen Augen schien ich mir selbst zu begegnen, bevor ich den Spaß an alledem hier verloren hatte. Die Stimmen vieler Geister überkamen mich, als wir uns im schwachen Licht der Straßenlaterne endlich küssten. Du warst bleich, unwissend und ahnungslos, dein Wesen so voller Schmerz und Stärke. Das war das Schönste an alledem.

Wir schliefen die ganze Nacht miteinander. Im Bett, auf dem Tisch, an der Wand. Und am nächsten Morgen wolltest du gar nicht mehr weg. Ich duldete dich bei mir, wie meine Hauskatze. Mein kleines Äffchen. Und ich führte dich Schritt für Schritt in meine Welt ein, die dir schon nach kurzer Zeit mehr Glücksgefühle zu verliehen schien, als sie es bei mir jemals geschafft hatte.

Im Grunde genommen ging es bei allem, was wir taten, nur um Sex. Nicht um Liebe, nicht ums Tanzen. Als sie sich bei der Eröffnung vom Chan Shin von diesem ekligen Junkie auf dem Klo vögeln ließ, während ich damit beschäftigt war, lustige Fotos vom mich anekelten Partyvolk zu schießen, machte mir das im Grunde nichts aus.

Trotzdem schlug ich Sina auf dem Parkplatz blutig, als sie es mir freudig erzählte. Bei jedem Hieb, bei jedem Schlag, bei jedem Tritt kam mir sein Gesicht in den Sinn, wie er sie wie ein Wilder bestieg, keine Ahnung von ihren Träumen, ihren Sehnsüchten hatte.

Dass sie gern drei Stück Zucker in ihren Kaffee fallen ließ. Dass sie wie ein kleines Schweinchen grunzte, wenn jemand im Fernsehen etwas Witziges sagte. Und dass sie rosa Unterwäsche trug, wenn sie ihre Tage hatte. Von alledem hatte der Wichser doch keine Ahnung, als er sie an die Wand drückte und seinen ekligen Schwanz immer und immer wieder in ihren makellosen Körper drückte. Und es war ihm auch scheißegal.

Als sie mich von dir weg zogen, lagst du keuchend und weinend auf dem dunklen Beton. Das Blut floss glänzend dein mit Sommersprossen dekoriertes Gesicht hinunter. Du standest auf und sahst mich an, wie eine Mutter ihren Sohn, der etwas Dummes, aber unglaublich Süßes angestellt hatte.

„Du liebst mich, nicht wahr?“, fragst du mich, als wir nachts zusammen im Bett liegen, gegenseitig an einem Joint ziehen und ich deine Wunden küsse. „Wie kommst du darauf?“, frage ich nur knapp. „Weil du eifersüchtig warst. Weil ich mit Cosby auf dem Klo gefickt hab.“ Du kicherst vergnügt. „Ich hasse dich“, sage ich, drehe mich mit dem Rücken zu dir und schlafe ein.

Wach werde ich am nächsten Morgen erst von deinen Klickgeräuschen am Laptop. Ich blinzle, sehe dich in deinem weißen Nachthemd auf dem Boden sitzen und knie mich hinter dich. Die Wut schäumt in mir hoch, du chattest mit Cosby, am frühen Morgen. Ich schnappe mir das MacBook und werfe es aus dem Fenster. Wie ein Frisbee. Du schaust mich verdutzt an, gibst mir einen Kuss auf die Wange und machst uns ein paar Rühreier mit Speck. „Kauf einen neuen, ich will Musik hören.“

Mein Name ist Sina. Enge Freunde beschreiben mich als kleinen Dickschädel, der sich so plötzlich wie ein aufbrausender Sturm mit voller Leidenschaft in Dinge und Menschen vergucken kann, diese aber ebenso schnell wieder gelangweilt fallen lässt. In meinem kurzen Leben gibt es nur wenige Szenarien, die mir eine markerschütternde Angst bereiten. Darunter auch eine meiner schlimmsten. Dass ich irgendwann wohlhabender als mein Vater werde.

Denn in meinem Kopf gilt es als erwiesen: Die ganze Kohle ist Schuld daran, dass der Idiot ständig mit einem Heer von blonden, magersüchtigen Sekretärinnen, die nicht älter sind als ich selbst, von Weltmetropole zu Weltmetropole jettet und seine liebe Familie dabei ständig den Kürzeren zieht. Dass er es mit mindestens der Hälfte dieser seelenlosen Barbiepuppen treibt, weiß meine Mutter aber nicht. Will sie vielleicht auch gar nicht.

Eine andere unkontrollierbare Furcht habe ich ganz klar auch vor kleinen Kindern. Ich weiß nicht, wie man mit denen umgeht, ich weiß nicht, was man mit denen anstellt, und schon gar nicht komme ich damit klar, wie es sein kann, dass mich so achtjährige Gnome mit dicken Hosen und noch dickeren Eiern entweder als Schlampe beschimpfen oder mir an der Bushaltestelle ständig am Arsch herum grabschen. Und wenn man ihnen dann eine scheuert, ja, dann heulen sie plötzlich rum und rufen nach ihrem Stier von Vater, der einen dann mit einer Mischung aus Abscheu und triefender Geilheit zur Sau macht. Danke für diesen schönen Morgen.

Aber am meisten, also wirklich am allermeisten, graust es mir vor der Vorstellung, dass mir irgendwann bei einem gewagten Sprung ins Schwimmbadbecken oder den Stollensee mein Bikini flöten geht. Das ist nämlich meiner besten Freundin Paula letzten Sommer passiert. Seitdem weiß die ganze Schule, dass sie die wohl größten Brüste und dunkelsten Nippel aller Zeiten hat. Und das finden nicht nur diese frühreifen Zicken aus der Fünften überlustig, nein auch Johnny, selbsternannter Vollmongo und prädestiniert als Preisträger für den BILD-Zeitungsleser des Jahres, reitet da nur zu gern drauf rum.

Obwohl er, jedenfalls in diesem Augenblick, wohl eher damit beschäftigt war, auf mir herumzureiten, eklig grunzende Laute von sich zu geben und beinahe bei dem gescheiterten Versuch, mich beim Rammeln parallel auch noch zu fingern, vom Bett zu fallen. Also ließ er es lieber gleich bleiben.

Was wirklich besser für uns beide war, weil er sowieso nur wie ein behämmerter Irrer auf meinem Bauch herum klatschte. Wenigstens musste ich ihm bei seiner sehr persönlichen Interpretation des Zweiten Weltkrieges nicht in die Augen schauen, so dass ich die Chance nutzte, um an diesem sonnigen Tag aus dem offenen Fenster einen Blick in den Park zu werfen und über die wichtigen Fragen des Lebens nachzudenken.

Ob Paula das Geschichtsreferat auch nicht vergaß, das sie von Herrn Dächler aufgebrummt bekommen hatte. Wie viele Frauen in diesem Augenblick ebenfalls auf allen Vieren vor ihrem Liebsten knieten und dabei hochkonzentriert die Wolken zählten. Und ob ich heute Abend endlich meinen Gutschein bei Douglas einlösen sollte.

Es gab da nämlich so ein neues Parfüm von Calvin Klein, das wie eine Mischung aus Vanille und Himbeere roch und sich wirklich unglaublich gut mit meinem phänomenalen Eigengeruch vertrug. Ich musste es haben. „Dreh dich um, du kleine Hure!“, rief es von hinten und ehe ich mich versah, lag ich auch schon auf dem Rücken und Johnnys Miniaturausgabe von einem Schwanz steuerte zielgerecht auf meine Nase zu.

Den Gedanken, nach Berlin zu gehen, um dort mein Leben von Grund auf umzukrempeln und endlich herauszufinden, was ich denn wirklich mit meinem Dasein anstellen wollte, kam mir einige Minuten nach diesem spritzigen Erlebnis in Johnnys versifftem Badezimmer.

Ich hatte mir gerade mein Gesicht mit warmem Wasser abgespült und griff nach dem Handtuch, als ich mir aus Versehen direkt in meine ozeanblauen Augen starrte, die fast schon abwertend zurück blickten. Langsam begutachtete ich mein Gesicht, während im Wohnzimmer die postromantischen Klänge von Rammstein ertönten. Der Geruch von Marihuana stieg mir in die Nase.

In diesem Moment wurde es mir klar: Ich war mehr als nur ein kleines, rothaariges Mädchen, dessen Gesicht lediglich als Spermafriedhof gut war. Ich hatte Charakter, ich war scheiße kreativ, ich war etwas Besonderes. Und tolle Titten hatte ich auch. Mit dieser Erkenntnis im Schlepptau lief ich ins Wohnzimmer, schnappte mir meine Klamotten, rannte mit einem lautstarken „Adios, du Wichser!“ an Johnny vorbei und stolperte erleichtert aus der Tür in den Innenhof.

Dem taubstummen, alten Ehepaar, das mir gegenüber auf einer blauen Bank an der Hauswand saß, schien mein Striptease im Grünen jedenfalls zu gefallen. Ich ließ mir Zeit beim Anziehen, zog eine Kippe aus der Hosentasche und machte mich auf den Weg zum Busbahnhof. Und wehe, da stand jetzt auch nur ein Gnom herum!

Wir aßen üppig auf ihrer Dachterrasse zu Abend. Sina und Eva hatten gekocht, Lasagne mit Salat, Pudding mit Stückchen drin. So wie ich es am liebsten hatte. Adam redete über das Geschäft. Den Club. Das Chan Shin. Wie schwer es heutzutage doch wäre, so einen Laden am Laufen zu halten. Es gäbe zu viel Konkurrenz in der Stadt. Dass die Kundschaft immer komischer, aber lustiger werden würde.

Er war hoch gewachsen, hatte an beiden Armen monumentale Tätowierungen, von Löwen und Adlern, Sternen und Rosen. Piercings zierten sein vom Wahnsinn zerfressenes Gesicht und seine dunkle Stimme untermalte alles, was er sagte, mit einem unausweichlichen Nachdruck.

Eva hingegen war klein, schmal und schlank. Zusammen mit ihren blonden, schulterlangen Haaren verwandelte sie sich in meiner Fantasie oft in die Gestalt einer hellen Fee. Ihre Stimme war sanft und besonnen. Von Eva würde ich mir gern mal eine Gute-Nacht-Geschichte vorlesen lassen.

Ich nickte unaufhaltsam, aber im Grunde genommen war mir alles, was Adam da groß und breit erklärte, scheiß egal. Ich war eine der schillerndsten Figuren im Business und es ging mir am Arsch vorbei. Sina wusste das. Sie sah mich mit einem verständnisvollen Blick an und nahm einen großen Happen von der Lasagne. Zu dieser Zeit fand ich es süß, wenn sie sich große Stücke Lebensmittel in den Mund steckte.

„Warum macht dich diese Welt so glücklich?“, frage ich sie, als wir nach Hause gehen. „Welche Welt meinst du?“ Sie umarmt mich locker und tanzt dann vergnügt auf dem Kopfsteinpflaster herum. „Die Partys, die Clubs, die überdrehten Menschen. Die Drogen und das alles.“ Sie bleibt ruhig stehen und dreht sich langsam zu mir um. „Weil du in ihr lebst.“

Ungläubig sehe ich sie an. „Aber ich hasse sie. Und das weißt du auch.“ „Und warum?“ „Weil nichts davon echt ist, alles überdreht und künstlich. Die Menschen verdrängen ihre Probleme und Sorgen, spülen sie mit Alkohol hinunter und pushen sich mit Drogen in irgendwelche Kopfwelten, bevor sie am nächsten Morgen umso härter auf dem Boden der Realität aufprallen.“

Mit einem Lächeln kommt sie auf mich zu, nimmt meine Hände und drückt mir einen ebenso zarten wie leidenschaftlichen Kuss auf den Mund. „Ich bin echt“, flüstert sie leise. „Und wir beide leben in dieser Welt.“ Ein greller Lichtstrahl durchbrach meine trüben, vom Dunkeln beherrschten Gedanken. Jaulend und vor Schmerz kreischend explodierten die Dämonen meiner Selbst in tausend Stücke und machten Platz für eine grüne, heilende Knospe, die durch die kalte, verdorrte Erde nach oben stieß.

Ein Grinsen breitet sich auf meinem gerade zuvor noch so nachdenklichen und aus tiefer Überzeugung und Abneigung mürrischen Gesicht aus. „Na siehst du“, sagt sie dann, rennt los und breitet ihre Arme aus. „Komm, lass uns fliegen!“, ruft sie und verschwindet hinter der nächsten Ecke. Warte auf mich!

Sina war wie ein kleines Kind, ein Wirbelwind. Sie erinnerte mich an meine eigenen Vorsätze und Überzeugungen, die ich durch das Leben hier verloren hatte. Ihr Gemüt war stets fröhlich, sorgenfrei und voller positiver Überraschungen. Sie war Ernie, ich war Bert. „Sei doch nicht so Bert!“

Ich genoss jede Minute, die ich mit ihr zusammen war. Jedenfalls hatte ich dieses Gefühl im Nachhinein, in Wahrheit nervte sie mich oft mit ihrer allzu argen, naiven Sicht dem Dasein gegenüber. Vielleicht war ich auch einfach nur neidisch.

Oft sah ich mir ihren hellen Körper an, fotografierte ihn, liebkoste ihn. Ich kannte jede Sommersprosse auf ihr, jede Narbe, jedes kleine Härchen. Ich wusste, wie ich ihr über den Bauch streichen musste, damit sie anfing wie eine Huhn zu kichern, an welchen Stellen sie nicht angefasst werden wollte und wie ich sie zur innerlichen Verzweiflung bis hin zum Orgasmus bringen konnte.

Sina war ein offenes Buch für mich, aber trotzdem schienen so viele Seiten noch ungelesen. Vielleicht unbeschrieben. Und vor denen hatte ich Angst. Eine Zukunft, die auf mich wartete, aber von der ich nichts wissen wollte. Weil sie alles verändern, unsere Welt zerstören, unser Dasein vernichten würde.

Er sackte vor mir auf den Boden, jaulend, keuchend. „Voll in die Eier!“, rief Paula mir jubelnd zu und strahlte übers ganze Gesicht. Es war dunkel, es war kalt, aber durch diese gute Tat glühte ich innerlich förmlich. So befreit fühlte ich mich. Was für ein Sieg, was für ein Triumph. Johnny zog eine schmerzende Fratze, seine intelligenzlosen Freunde sahen mich wie paralysierte Kaninchen an. „Kommt ruhig her, ihr Spackos, ich bin heute richtig gut drauf!“ schrie ich sie an und guckte so grimmig, wie ich nur konnte. Ich hatte nichts mehr zu verlieren und das sollten sie ruhig spüren. Johnny heulte.

„Sina, mach mal hinne, der scheiß Zug fährt gleich ab!“ Ich schnappte mir meinen Rucksack und fing an zu laufen. Ich rannte meinem alten Leben davon, meinem Freund, meiner Familie, nur weg hier. Johnny rief mir nach: „Du Schlampe! Wenn ich dich erwische, mach ich dich kalt! Foootzeee!“ Bei diesem Wort sprangen wir in den Zug. Lautstark schlossen sich die Türen hinter uns und kurz darauf waren wir auf dem Weg in ein neues, besseres Leben. Ich war so erleichtert, dass ich mich hin kniete und erst einmal anfing zu weinen.

Paula war meine beste Freundin. Sie hatte große Brüste und ein noch größeres Herz. Ich liebte sie, ich vergötterte sie, ich hätte mein Leben für sie gegeben. Als ich meine Augen öffnete, lagen wir uns fest in den Armen. Draußen schossen Bäume, Berge und Häuser an uns vorbei. Ich kuschelte mich in ihren lilafarbenen Pulli, der so gut nach Rosen duftete, und atmete tief ein. „Wie lange noch?“ murmelte ich in ihren üppigen Vorbau. „Ein paar Stunden.“ war die knappe Antwort von oben. „Ach, menno…“

Als wir am Berliner Hauptbahnhof angekommen waren, stapften wir erst einmal freudig und erschöpft zugleich zum nächsten Burger King, bestellten uns das fetteste Menü plus Speck und großer Pommes und freuten uns über unsere neugewonnene Freiheit. Ich war glücklich, wirklich glücklich.

„Wenn du willst, kannst du kurz aufs Klo gehen, ich warte hier auf dich.“ Paula hatte ihr strahlendstes Lächeln aufgesetzt. Ich nickte freudig, trank noch mal kurz von meiner Cola und rannte los. Als ich wieder zurück kam, war sie weg. Erst hielt ich es für einen Scherz, hörte nicht auf zu lächeln und tat ganz unberührt, um ihr keinen Sieg zu gönnen, sobald sie aus der nächsten Ecke hervor hüpfte. Doch sie war hinter keiner Ecke. Sie war nirgends.

Langsam kroch die Panik in mir hoch, ich lief den Bahnhof entlang, jeden Bahnsteig, jedes Geschäft, jeden Winkel. Sie hatte mein Handy. Mit meinem letzten Kleingeld rief ich zu Hause an, erklärte heulend meine Situation. Aber meine Mutter lachte nur grausam, meinte dass ich selbst schuld sei, dass ich selbst sehen solle, wie ich da wieder raus kommen könnte, und irgendwas von eingebrockter Suppe. Alles drehte sich. Ich fand mich auf allen Vieren wieder und rief nur noch Paulas Namen. Doch sie hörte mich nicht.

Sina feierte ihren 18. Geburtstag in der Bar 25. Wir tanzten eng umschlungen zu den dumpfen Bässen, waren zugedröhnt. Auf dem Klo wollten sich zwei Mädchen unbedingt von mir fotografieren lassen und zogen sich gegenseitig aus. Ich hatte Kopfweh und musste dem andauernden Drang, mich einfach lautstark zu übergeben, widerstehen. Die Größere blies mir einen, während ich die weißen, glänzenden Kacheln an der Wand zählte. Als sie fertig war, ging ich zurück zu meinem Geburtstagskind, um den unterbrochenen Tanz fortzusetzen. „Können wir nach Hause gehen?“, fragte es leise. „Ich bin müde.“

In dieser Nacht hörten Sinas Tränen nicht auf zu fließen. „Wieso tu ich mir die ganze Scheiße überhaupt an?“, rief sie hysterisch durch den Raum und warf mir einen Korb voller Äpfel an den Kopf. „Ich liebe dich, du Arsch, aber du bist ein Feigling, ein Schnorrer, ein Heuchler. Du hasst diese Welt, aber nutzt sie aus. Du hasst diese Menschen, aber vögelst mit ihnen. Du hasst diese Drogen, aber ziehst dir ständig eine Line nach der anderen rein.“

Sie warf das Päckchen gegen die Wand. Wie Schnee segelten die kleinen weißen Punkte langsam zu Boden. Ich saß auf dem Bett und sah bei ihrem Kreuzzug tatenlos zu. „Diese Welt bedeutet dir nichts, ich bedeute dir nichts, die Liebe bedeutet dir nichts. Wie kann ich mich nur jemandem offen hingeben, dem die Liebe nichts bedeutet? Erklär‘ mir das mal!“ „Auf diese Fangfrage gehe ich nicht ein.“ Sie wurde noch wütender.

Sie stapfte in die Küche, kam mit einem großen Messer zurück und fing an auf die Kissen und das Bett einzustechen. Ich lehnte mich an die Wand, rauchte eine Zigarette und sah dem Treiben gelassen zu. Die Federn flogen im Zimmer herum. Sina sah aus wie ein nackter, explodierender Engel. „Ich muss hier raus!“, schrie sie dann plötzlich und ließ das Mordwerkzeug fallen. Sie zog sich an, begann ihren Hello-Kitty-Rucksack mit einigen Klamotten zu füllen und rannte aus der Wohnung, bevor ich überhaupt im Entferntesten mitbekommen hatte, was da vor sich ging.

Als ich endlich aus meiner Starre erwachte und in den Flur rannte, schleuderte sie auch schon die Tür ins Schloss. Ich lief zum Balkon und schaute die dunkle Straße hinab. Als ich ihren rotblonden Schopf entdeckte, schrie ich hinab: „Sina, wo willst du hin?“ Keine Antwort, keine Erklärung, sie verschwand im nächsten U-Bahnhof.

Ich nahm mir einen O-Saft aus dem Kühlschrank, trank davon und schleuderte die Packung dann voller Wut gegen die Wand. Ein großer, gelber Fleck ziert bis heute die weiße Fläche. Auf dem Bett lag ihr Handy. Ich schnappte mir einen ihrer Slips, kuschelte mich damit in die zerfetzten Kissen und verdrängte die dunkle Zeit.

In jener Nacht hatte ich einen beängstigenden Traum, dessen abruptes Ende mir noch Stunden nach dem schweißgebadeten Aufwachen ganz tief im Mark saß. Ich torkelte in die Küche, schüttete Milch und Cornflakes in eine Schüssel und sah weiterhin ihr leichenweißes Gesicht, das ich ganz fest an mich drückte und dabei die halbe Stadt zusammen schrie, direkt vor mir.

Dieser eigenwillige Geruch lag weiterhin in meiner Nase und ich schaute an mir herab, damit sich das Blut, das ich gerade noch aus den Augenwinkeln erkennen konnte und welches meinen halben Körper zu bedecken schien, als ein zynisches Spiel aus Licht und Schatten offenbarte. Als ich den Löffel hinein tauchte und eine Ladung Cornflakes zu meinem Mund führte, erkannte ich die Gesichter der Nacht wieder, die mit mir vor dem Club ihren Namen schrieen, ganz laut. Immer und immer wieder. In der einen Hand hielt ich mein Handy, in der anderen die Tequila-Flasche.

Die Menschen um mich herum erzählten einander, sie solle total betrunken mit einem mehr als zwielichtigem Typen aus dem Chan Shin verschwunden sein, nicht mehr Herr über ihren Kopf. Ich schrie um mein Leben. Ihren Namen. Umso lauter ich schreien würde, umso mehr würde sich alles zum Guten wenden – da war ich mir sicher.

Jetzt das Fenster zu öffnen, war eine gute Idee, fand ich. Die kalte, frische Luft umspülte meine pochenden wunden Gedanken und ich versuchte die Erinnerungen zu verscheuchen, wie mir der Weg zu ihr gezeigt wurde, ich rannte, ich heulte.

Und als ich um die Ecke bog und sie dort in einem versifften Hinterhof so wehrlos liegen sah, war alles vorbei. Alle Gefühle dieser Welt konzentrierten sich in diesen unwirklichen Moment hinein, wie ein Schuss, ein Knall, ein Schlag. Ich rannte zu ihr, schrie Worte, die es gar nicht zu geben schien, aber so laut, dass ich hoffte, sie würden noch zu ihr durchdringen.

Die Gesichter um mich herum verschmolzen zu einer riesigen Pampe aus Mitleid, als ich sie so fest an mich drückte, bis alles um mich herum platzte. Ich verschluckte mich an Blut und Tränen und das Letzte, was sich in meine Gedanken brannte, war das Bild ihres unglücklichen, friedlosen Gesichtes, dessen glanzlose Augen mich als denjenigen zu ermahnen schienen, der nicht bei ihr war, als es geschah. Es klingelte.

Ich feierte meinen 18. Geburtstag in der Bar 25. Der Fotograf und ich tanzten eng umschlungen zu den dumpfen Bässen. Als ich meine Augen öffnete, wankte er zum Klo, zwei braungebrannte Schlampen folgten ihm. Meine Welt war voller Farben, Stimmen und Tragödien, also lief ich ihnen mit schnellen Schritten nach. Als ich die Tür einen Spalt aufschob, konnte ich sein gequältes Gesicht und die offene Hose sehen, an der die beiden Mädchen herum fummelten. Als er wieder zurück zu mir auf die Tanzfläche kam, sah ich ihn durchdringend an und fragte: „Können wir nach Hause gehen? Ich bin müde.“

Als wir dort ankamen, konnte ich nicht aufhören zu weinen. „Wieso tu ich mir die ganze Scheiße überhaupt an?“, schrie ich in seine Richtung und griff wahllos ein paar Gegenstände, die ich ihm an den Kopf warf. „Ich liebe dich, du Arsch, aber du bist ein Feigling, ein Schnorrer, ein Heuchler. Du hasst diese Welt, aber nutzt sie aus. Du hasst diese Menschen, aber vögelst mit ihnen. Du hasst diese Drogen, aber ziehst dir ständig eine Line nach der anderen rein.“

Ich merkte zu spät, dass ich gerade unser neues Päckchen in der Hand hielt und es im nächsten Augenblick gegen die Wand donnerte. Plötzlich war der ganze Raum voller weißer Punkte. Der Fotograf saß auf dem Bett und starrte mich stillschweigend an. „Diese Welt bedeutet dir nichts, ich bedeute dir nichts, die Liebe bedeutet dir nichts. Wie kann ich mich nur jemandem offen hingeben, dem die Liebe nichts bedeutet? Erklär‘ mir das mal!“ „Auf diese Fangfrage gehe ich nicht ein.“ In mir kochte die Wut.

Ich rannte in die Küche und schnappte mir das größte Messer, das ich auf die Schnelle finden konnte. Als ich zurück im Schlafzimmer war, begann ich laut schreiend auf die Kissen und das Bett einzustechen. Mein Gegenüber lehnte mit einer Zigarette an der Wand und lächelte ab und zu, während er an ihr zog. Federn flogen im Zimmer herum und bedeckten mich in einer Explosion aus heller Farbe. „Ich muss hier raus!“, rief ich dann und ließ das Messer fallen. Ich packte einige Klamotten in meinen Rucksack, sah den Fotografen ein letztes Mal an und floh dann aus der Wohnung.

Wütend, schreiend, heulend stolperte ich das Treppenhaus hinunter und schoss durch die Eingangstür. Draußen angekommen rannte ich zielgerecht zum nächsten U-Bahnhof, während von oben eine Stimme meinen Namen rief. Ich schaute nicht zurück, wollte nichts mehr von dem Arschloch wissen und fand mich unter der Erde wieder. Die Ruhe hier unten befreite meinen Geist, ich konnte ein kleines Herz pochen hören.

Wenn wir Streit hatten, wollte der Fotograf diesen immer auf meinem Körper zu Ende führen. Ich schloss meine Augen, hinter meinen Lidern schien sich eine bunte Welt des Chaos aufzutun. Die glasklaren Tränen liefen ununterbrochen. Wie war ich nur an diesen Ort gelangt? Die Liebe, das Leid, sie trugen für mich dunkle Roben aus Samt, beerdigten meinen geschundenen Körper in den zerbrochenen Träumen meiner Selbst. Er war mit den süßen Worten einer klaren Nacht und den Organen eines Rebellen in meine Seele eingedrungen und missbrauchte nun aus Spaß, Unvernunft und Angst alles, woran ich jemals geglaubt hatte.

Nichts traf meine Jugend so hart, wie die Erkenntnis darüber, dass ich sein Leid, in einer Welt zu leben, dessen Existenz und Tragik er herauf beschworen hatte, nicht lindern konnte. Weder durch meine Liebe, noch durch meine Brüste. Kleine, graue Ängste fraßen mich innerlich auf und ließen meine fröhlichen Momente trüb und einsam erscheinen.

Ich redete mir mein ganzes Leben lang permanent Mut zu. Dass ich etwas Besonderes sei. Dass mich das gerechte Gleichgewicht eines Tages einholen wird. Und dass das Leben für das kleine Mädchen mit den funkelnden Augen im Spiegelbild ein faszinierendes Ende parat hielt. Meine Tränen schmeckten bitter, aber ich lächelte zuversichtlich. Und als ich den Windhauch des Zuges auf meiner Haut spüren konnte, öffnete ich meine Augen und ließ mich auf die Gleise fallen.

„Bist du mit deinem Leben zufrieden?“, fragte mich das kleine, blonde Mädchen offen, als wir Hand in Hand durch die verlassenen Straßen des längst vergessenen Berlins schlenderten. Kein Windhauch zu spüren, kein Geräusch zu hören, keine Menschenseele zu sehen. Der einstige Krieg ließ das Treiben verstummen und die Häuser in einem Feuerodem zerbersten.

Ich blickte nur nach oben. Weder im Stande eine Antwort zu geben noch eine Frage zu stellen. Die weißen Wolken auf blauem Grund schwebten triumphierend über den Ruinen der einst so prachtvollen Stadt entlang. Wie lebendig diese Gassen doch einst waren und wie keiner die Tage der ewigen Nacht überlebte. Auch mein geschundener Körper lag irgendwo unter diesen Trümmern begraben. Für ewig.

Meine Begleitung und ich bogen in einen nahegelegenen Park ein und spazierten den mit toten Bäumen gepflasterten Weg entlang. Ihr helles Kleid glänzte in der Mittagssonne und das ehrliche Lächeln auf ihrem Gesicht ließ mich für einen Moment den ewigen Schmerz vergessen, den ich seit geraumer Zeit tief in meinem Herzen trug. Wir kicherten, wir tollten herum, doch plötzlich blieb sie stehen und zeigte mit weit ausgestrecktem Arm nach vorn.

Mein Blick wurde starr, als ich das rotblonde, nackte Mädchen am anderen Ende des Weges stehen sah. Ich rannte ihr entgegen, doch als ich ihren leeren Blick, das bleiche Gesicht und die blutigen Wunden am ganzen Körper erblickte, wurde ich langsamer und blieb vor ihr stehen. Der Himmel färbte sich schwarz, die Wolken verwandelten sich in glühende Funken, die auf die tote Erde niederprasselten, und der Grund tat sich weit vor unseren Füßen auf.

Als ich wieder zu mir komme, hält Paula mich fest im Arm und drückt mir ein Glas kaltes Wasser vors Gesicht. „Wieder einer deiner Albträume?“, fragt sie mich sanft. Ihre großen Brüste wippen bei jeder Bewegung und die pure Anwesenheit ihres Charakters, die Küsse, der Geruch von billigem Parfum und ungepflegter Intimhygiene stärkten meine Aversion ihr gegenüber mit jedem unserer beider Atemzüge. Paula mag orangene Krawatten.

Allein, dass sie Sina als meine Nachtbegleitung ersetzt hatte, lässt mich keinen Augenblick daran zweifeln, dass etwas unglaublich Falsches im Universum vor sich geht, und es an mir liegt, das Gleichgewicht unserer Zivilisation wieder herzustellen. „Ich muss sie finden“, erwidere ich nur knapp und nehme einen großen Schluck von dem erfrischenden Nass. „Vor mehr als drei Monaten ist sie wutentbrannt und vor Hass heulend fort gerannt und seitdem verfolgen mich diese Visionen. Sie machen mich krank.“

Das Zimmer ist in dunkelblauen Schwarztönen getränkt und neben dem Bett wurden einige leere Spritzen achtlos auf den Boden geworfen. Mein Körper ist mit klebrigem Schweiß bedeckt und während ich mich vom Balkon übergebe, male ich mir die zu tausenden auftauchenden Fantasien aus. Wie sie stirbt. Wie sie leidet. Wie ich nichts dagegen tun kann. Ein Sturm zieht auf.

„Sie ist deine beste Freundin, du scheiß Schlampe!“, schreie ich Paula plötzlich an und verfluchte den Tag, an dem ich ihr Tor und Tür geöffnet habe. Die nächtelangen Gespräche, das Geheule, die immer wieder kehrenden Entschuldigungen und der bereuende Sex. Wo kommt sie überhaupt her? Und seit wann ist sie da?

Ich vermische Realität mit Wahnsinn, kann nicht mehr klar unterscheiden, was wirklich gerade passiert und welcher Teil meiner Lebensgeschichte sich nur in meinem Kopf abspielt. Die Drogen, die Musik, die Frauen. Und dabei will ich doch nur eins. Sina zurück haben. Das ist es, was momentan zählt.

Es war einer dieser unglaublich heißen Sommertage, deren heller Schein sich in unsere Haut und Seele einbrannten und die Nacht wie von Magie durchtränkt von uns fern hielt. Eva schaute verträumt dem südländischen Kellner hinterher, während ich versuchte, die Eiswürfel in meinem Cocktail mit dem Strohhalm zu zerdrücken. Eine Horde von Touristen schob sich grölend und lachend die Straße entlang. Ich sah ihnen hinterher und war ein wenig neidisch.

„Wie geht’s Adam?“, fragte ich krächzend in Richtung meines Gegenübers. Mehr um der peinlichen Stille ein Ende zu bereiten als dass es mich wirklich interessierte. Solange hatten wir uns jetzt schon nicht mehr gesehen und trotzdem war mir ihr Leben und das ihres Lebensabschnittsgefährten relativ egal.

„Gut“, war dann auch die knappe, nichts sagende Antwort, die sie zu einer Gegenfrage verleitete: „Und wie geht es Sina?“ Ein Gedankenstoß donnerte durch meinen Körper. Aus Versehen warf ich den Cocktail zu Boden. Wie er so auf dem harten Beton zerbrach – die Mischung aus Glas, Früchten und Flüssigkeit. Das gefiel mir. Ich lächelte ein bisschen dämlich.

Zwei Jahre sind ins Land gezogen, seit Sina Hals über Kopf und unter Tränen aus meiner Wohnung und meinem Leben geflohen ist. Und wir hatten seitdem kein Wort mehr miteinander gewechselt. Wie ich so mitbekam, hatte sie sich prächtig mit ihrer neugewonnen Freiheit in dieser Stadt arrangiert, knüpfte wichtige Kontakte und war auf jeder guten Party der oberen Gesellschaft anzutreffen. Seit Neuestem moderierte sie ein paar Sendungen auf einem Musikkanal, modelte ab und an für das ein oder andere lokale Modelabel und ließ sich so manche Affäre mit Musikern, Managern und Fernsehsternchen nachsagen.

Ab und zu traf ich zu diversen Festlichkeiten auf ihr neues Ich und fotografierte sie sogar hin und wieder gemeinsam mit überzüchteten Promis und abgemagerten Models im Arm. Sie lächelte wie ein Profi in die Kamera, doch wenn das Blitzlichtgewitter vorbei war, drehte sie sich um und ging weiter. Meistens direkt zur Bar. Als würde sie mich nicht mehr kennen. Danach war der Abend in den meisten Fällen für mich gelaufen.

Ein überaus marternder Gott schien unsere beider Schicksale auf eine Waagschale gelegt zu haben, die sich momentan in einem für mich schmerzenden Ungleichgewicht befand. Denn während sich Sinas Leben im Zeitraffer zu Glück, Wohlstand und Anerkennung gewendet hatte, versank das meine in einem schwarzen Brei aus Selbstzweifeln, Unzufriedenheit und undankbarem Hass gegenüber alles und jedem.

War meine Suche nach ihr vor langer Zeit zu meinem neuen Lebensinhalt geworden, verwandelten sich meine Hoffnungen, Träume und Sicherheiten nun in eine endlose Reise aus Rückschlägen, Enttäuschungen und mit Füßen getretenen Gefühlen. Ich war zu einem Schatten meiner Selbst geworden.

Ganz Berlin hatte ich nach einer würdigen Kopie von ihr abgegrast. Suchte ihre verspielten Sommersprossen, rotgoldenen Haare und leuchtend blauen Augen in jeder katholischen Schülerin, verkoksten Designerin und seelenlosen Prostituierten der Stadt und musste jedes Mal mit weniger Entsetzen und mehr Endgültigkeit feststellen, dass sie alle nur leere Hüllen waren, unwichtige Nebencharaktere, die nicht an das heranreichen würden, was Sina tief in mir drin ausgelöst hatte, und sie den falschen Erwartungen, mit denen ich sie überlud, niemals auch nur im Entferntesten gerecht werden konnten.

So lag ich nachts unter Einfluss von überteuerten Aufputschmitteln und Red Bull wach, holte mir an den Fotos in ihrem Facebook-Profil einen nach dem anderen runter und war eifersüchtig auf alles und jeden, der vor Schleim nur so strotzend eine Nachricht auf ihrer Seite hinterließ, Fan wurde und sich in ihr Leben verlinkte. Ich war zum Stalker verkommen, zu einem einsamen Niemand ohne wahre Freunde, der in dieser Welt aus Glitzer, Drogen und falscher Vernunft letztendlich ertrunken war. Wie Sina es mir prophezeit hatte.

Es muss ein paar Tage nach dem wortkargen Treffen mit Eva gewesen sein, als ich gebeten wurde, doch Fotos auf der Aftershowparty zu Schweighöfers neuem Kinofilm in einem Hotel zu machen, zu der ich bereits volltrunken und viel zu spät aufkreuzte.

Hier gab es jede Menge Kerzen, siebzehn verschiedene Martinis und eine ständig zugedröhnte Chefin, die Deutsch mit New Yorker Akzent sprach und es damit ziemlich übertrieb. Mich kotzte ihr New Yorker Akzent an. Von den Bildern, die ich an diesem Abend schoss, war nur ein Bruchteil zu gebrauchen. Aber mir war das egal – wie sowieso alles. Ich war schließlich Künstler, und es gab keinen Grund mich nicht zu bewundern.

Als Problemmensch hatte man es in dieser Welt eben nicht leicht. Noch nie war ich mir den Grenzen des Daseins bewusst, trieb es immer weiter, immer weiter, noch weiter. Bis alles um mich herum Risse bekam und wie ein Glaswürfel in tausend Stücke zerfiel. Mein Leben war ein Experiment und alle Leute darin wurden zu Versuchsobjekten, an denen ich herum probieren konnte, bis ich sie mit zu viel Druck von ihren Fantasien erlöste oder sie mir zuvor kamen und das Weite suchten. Es ist Zeit für mich zu verschwinden.

Die starren Gesichter, das aufgesetzte Lachen und die traurigen Augen der geladenen Gäste widerten mich an und drängten mich regelrecht von ihnen weg. Ich ging auf den Balkon, um mir dort eine Zigarette anzuzünden und merkte erst nach einiger Zeit, dass neben mir ein Mädchen stand und gebannt dabei zusah, wie ich versuchte, Ringe in Richtung des Fernsehturms zu pusten, um ihn damit zum Einsturz zu zwingen. Als ich ihren Kopf sah, musste ich husten. Sina lächelte mich an.

Sina und ich starrten uns mehrere Ewigkeiten lang gebannt in die Augen. Mein Kopf schien in menschenunwürdigen Farben zu explodieren, der Atem setzte aus. Adrenalin pumpte sich impulsiv wie ein wild gewordener Stier durch meinen Körper – ein Schlaganfall war das einzig denkbare Fazit.

Wo kam sie her, wieso war sie da und – um Gottes Willen – warum sprach sie mich an, nachdem sie mich die letzten zwei Jahre ignoriert, verachtet und in ein seelisches Minenfeld der Verzweiflung, Schlaflosigkeit und Selbstmordgedanken gelockt und dort zurück gelassen hatte? „Hallo“, keuchte ich mit verschleimter Stimme heraus, räusperte mich kurz und auffällig und wiederholte meine fast schon fragend wirkende Begrüßung.

Mein Gegenüber lächelte unbeeindruckt und beständig weiter, nahm einen Schluck aus dem Weinglas und warf dieses dann gekonnt und stilvoll über die Brüstung. „Lange nicht mehr gesehen“, lallte sie zu mir herüber. Sina war betrunken. Und eindeutig drauf. Meine Enttäuschung darüber, ein nüchternes und ehrliches Gespräch mit ihr zu führen, stand mir wohl ins Gesicht geschrieben, denn sie wankte zu mir herüber, legte die Arme und mich und grinste dann mit geweiteten Pupillen durch mich hindurch. „Ist mit dir alles in Ordnung?“

Ihre Wohnung lag nicht weit von meiner entfernt. Hohe Wände, große Fenster, faszinierender Altbau. Jeder Raum war bedacht und modern eingerichtet worden. Die Wände mit hellen Pastellfarben bedeckt, die Möbel teils neu, teils alt, aber alles in sich passend. Überall roch es nach Vanille-Mango und die Lampen und Kerzen erfüllten Sinas Welt in einem romantisch bedeckten Licht.

Am Kühlschrank hafteten Fotos von ihr und ihren neuen Freunden und Liebhabern. Sie lächelte auf allen von ihnen. Ich fühlte mich schlecht. Vor Augen die Szenen, in denen sie weinte, vor Schmerz jaulte und am Rande der Existenz balancierte. „Möchtest du ein Gläschen Wein?“, bot mir die schönste Stimme des mir bekannten Universums aus einem anderen Raum an. Ich nickte, fasste mir kurz an die Stirn und bejahte dann die Frage.

„Warum hast du mich damals so einfach gehen lassen?“ Wir lagen auf ihrem Bett, starrten an die Decke und waren mit verschüttetem Wein bedeckt. Ich versuchte gekonnt und eloquent darauf zu antworten, aber das Marihuana und der Alkohol blockierten meine Vernunft und ließen abenteuerliche Geschichten aus meinem Mund die Luft um uns herum verdrängen. Von Rittern und Blumen, Kleidern und Bären, Nutten und Dramatik.

Sie lachte laut und lange, bei allem, was ich ihr in ihren rotblonden Kopf setzte. Ihr Haar duftete genau wie damals, nach Eiscreme, Red Bull und einer Mischung aus Fast Food und Blumenwiese. Dann setzte Sina sich auf, nahm meine Hände und sagte: „An dem einen Abend, der uns voneinander trennte, da habe ich versucht, mich umzubringen.“

Nach dieser Nacht trafen wir uns wieder öfter. Zum Kaffee, im Kino oder bei der ein oder anderen Party. Wie ein Puzzle offenbarten wir dem Anderen unser Leben der letzten Zeit, Stück für Stück. Über manches lächelte ich ehrlich, über das ein oder andere eher gequält, weil es meine Gedanken zerriss.

Über ihren Versuch, sich aus dem Leben zu katapultieren, verlor sie kein weiteres Wort mehr, dafür umso mehr über Sex, Liebe und die harten und weichen Trennungen. Nach der Frage, wie es mir in diesen Belangen so erging, log ich ihr das Blaue vom Himmel, Paula ließ ich bewusst unerwähnt.

Doch Lügen hatten bei uns keine Wirkung. Das wussten wir beide. Seit dem Moment auf dem Balkon konnten wir im Anderen plötzlich wieder wie ein offenes Buch lesen. Als wäre die Zeit dazwischen niemals geschehen, als hätte ich erst vor einigen Minuten voller Tränen und Spucke heraus ihren Namen von oben herab geschrien, als sie leer und am Ende die Straße entlang lief und im nächsten U-Bahnhof verschwand.

Die Albträume, der Wodka, die Medikamente. Alles verrottete vor meinen Augen zu dem letzten Überbleibsel der dunkelsten Zeit meines Lebens. Als sie es merkt, umarmt sie mich fester denn je und Tränen laufen meinen Hals hinunter. „Es war schrecklich“, kann Sina gerade noch in Worte fassen. Dann schlafen wir miteinander, und alles ist für eine Weile gut.

Die Fotografie stammt von Christian Lue
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Prostitution in Japan: Gekaufte Schulmädchen

Es ist ein offenes Geheimnis, dass Japan die sexistischste Nation aller modernen Industriestaaten ist. Und ebenso offen ist die Gier der einheimischen Männer nach jungen, in Schuluniformen gepressten Mädchen, die erst tanzen, singen und lachen und sich der Uniform am besten so schnell wie möglich wi...
Prostitution in Japan: Gekaufte Schulmädchen

Prostitution in Japan

Gekaufte
Schulmädchen

Marcel Winatschek

Es ist ein offenes Geheimnis, dass Japan die sexistischste Nation aller modernen Industriestaaten ist. Und ebenso offen ist die Gier der einheimischen Männer nach jungen, in Schuluniformen gepressten Mädchen, die erst tanzen, singen und lachen und sich der Uniform am besten so schnell wie möglich wieder entledigen sollen. Joshi Kosei nennt sich dieser Massenfetisch, kurz JK.

In Tokios Stadtteil Akihabara stehen sie herum, die minderjährigen Mädchen, lächelnd, brav in ihren Uniformen, und verteilen Flyer, auf denen sie offen ihre Dienste anpreisen. Gespräche, Spaziergänge, Massagen. Für sechzig Euro pro Stunde. Dass es nicht dabei bleibt, ist wieder eines dieser offenen Geheimnisse, gegen die die Regierung nur sporadisch und äußerst lasch vorgeht.

Simon Ostrovsky ist für VICE News ins Land der aufgehenden Sonne gereist, um dort Mädchen in mehr als zwielichtigen Etablissements zu treffen, die so ziemlich alles machen, um in der teuren Stadt irgendwie über die Runden zu kommen. Und er lernt Menschen kennen, die sich dafür einsetzen, dass die Zukunft dieser Mädchen nicht im schambelasteten Selbstmord endet – wie bereits so viele andere.

Prostitution in Japan: Gekaufte Schulmädchen
Die Fotografie stammt von Gaga
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Musik, Drogen, Gummistiefel: Festivals sind mein Zuhause

Die Vorfreude auf ein Festival kann bis ins Unermessliche steigen. Hat man erstmal das Line-up mental auf seinen Unterarm getackert, ist der Schlüpfergummi der Erwartungen oft schon bis zum Anschlag gespannt. Monate vorher wechseln die Emotionen zwischen grenzenloser Freude auf die persönlichen Supe...
Musik, Drogen, Gummistiefel: Festivals sind mein Zuhause

Musik, Drogen, Gummistiefel

Festivals sind
mein Zuhause

Wenke Walter

Die Vorfreude auf ein Festival kann bis ins Unermessliche steigen. Hat man erstmal das Line-up mental auf seinen Unterarm getackert, ist der Schlüpfergummi der Erwartungen oft schon bis zum Anschlag gespannt. Monate vorher wechseln die Emotionen zwischen grenzenloser Freude auf die persönlichen Superhelden und die Angst einen davon verpassen zu können.

Ist man dann erst einmal dort, kommt sowieso alles anders. Die fetten Cumuluswolken formen sich zu einem gigantischen Stinkefinger und der blaue Engländer neben dir baut sein Zelt direkt in dein Zelt. Jetzt heißt es locker bleiben und das Beste daraus machen.

Allein schon, um deine Solidarität gegenüber dem Wert des Tickets zu zeigen und dem damit verbundenen Pennerdasein gehörig zu trotzen. Statt wertvollem Zucker pumpt man seine Blutbahn lieber mit THC, Speed oder anderem bewusstseinserweiternden Gedöns voll. Um den bedingungslosen Enthusiasmus zu deinem zu machen.

Mit den Gummistiefeln fest an den Waden und der Sonne im Rücken reiht man sich in die noch ganz akzeptabel riechende Menschenschlange ein. Statt dem gewohnten Dollarzeichen in den Augen, wird jetzt das Festivalbändchen zum Objekt der Begierde.

Den Stress erstmal bewältigt, geht es auf das Gelände. Kein Gras, keine Natur. Aber egal. Was zählt, ist der Plan. Bis zur Besinnungslosigkeit in der Partymeute verschmelzen zu wollen und sich am Morgen nicht mal an die den eigenen Vornamen erinnern zu können. Plan. Check. Oder auch nicht.

Eigentlich willst du jetzt Bier, aber dein Körper giert nach dem einfachen Klaren, nach Wasser. Der erste Schein ist weg und Du stellst dir nüchtern sein vor. Klappt nicht. Ab zur Main-Stage, denn das Line-up wartet nicht auf dich. Genauso wie du ist es auf Speed und kennt keine Gnade.

Was du verpeilst, verpasst du. Wenn du es schaffst, rastest du aus. Aggressiv vorgehende Ellebogen, zerlatschte Schuhe und eine leicht demolierte Visage sind dein Markenzeichen. Es ist dir egal. Party. Mutti kennt mich, doch zum Glück weiß sie von allem nichts.

Erster Tag und Geld ist so gut wie weg. Verzweiflung trifft auf „Drauf geschissen“. Afterhour neben Kevin-Pascal und die Welt gehört dir. Jutebeutel und Fake-Ray-Ban im Klo runtergespült, jetzt heißt es Freiheit. Die ersten Sonnenstrahlen am Morgen vermitteln dir das Gefühl eines längst vergessenden Superhelden. Du bist da und zurück im gleichen Moment.

Auf dem Weg zu deinem Zelt könnte jeder dein Freund sein. Doch dir ist das egal, du bist zu sehr damit beschäftigt zu genießen und nicht über diese verdammten Zeltheringe nachzudenken, geschweige denn zu stolpern. Zufrieden angekommen, aber vollgepumpt mit Harn, wird das 3,35-minütige Entleeren des Beutels bei deinem Zeltnachbarn vollzogen. So wie es sich gehört. Glücklich und tot fällst du in deinen Schlafsack und machst dich selbst dem Erdboden gleich. Morgen geht’s weiter. Alkoholabbau, beeile dich!

Die Fotografie stammt von Krists Luhaers
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Dating per App: Dumm, dümmer, Tinder

Die traurige Wahrheit ist doch, dass nur zwei verschiedene Arten von Menschen Datingapps nutzen: Diejenigen, die mit ihren Freunden aus Spaß einige Male nach links und rechts wischen, weil sie es, kicher, kicher, total lustig finden, und am nächsten Tag schon wieder vergessen haben, dass sie Tinder...
Dating per App: Dumm, dümmer, Tinder

Dating per App

Dumm, dümmer,
Tinder

Marcel Winatschek

Die traurige Wahrheit ist doch, dass nur zwei verschiedene Arten von Menschen Datingapps nutzen: Diejenigen, die mit ihren Freunden aus Spaß einige Male nach links und rechts wischen, weil sie es, kicher, kicher, total lustig finden, und am nächsten Tag schon wieder vergessen haben, dass sie Tinder überhaupt installiert haben. Und die anderen, die so verzweifelt sind, dass sie nicht nur im echten Leben niemanden aufreißen können, sondern auch auf allen anderen sozialen Plattformen versagt haben.

Wenn euch schon auf Facebook, Twitter und Instagram, all die Jahre lang, niemand wirklich so gut fand, dass er oder sie euch angeschrieben und zu einem baldigen Treffen gebeten hat, warum, um aller Welt, glaubt ihr dann, dass ihr gerade durch einen als Liebesapp getarnten digitalen Swingerclub den nächsten Stich landet?

Was mich den Kopf schütteln lässt, ist nicht etwa die Oberflächlichkeit, mit der da interessante Charaktere ins digitale Nirvana gewischt werden, weil auch nur irgendein Detail nicht stimmt, sondern dass man dummen Leuten heutzutage auf dumme Art und Weise einen Rahmen bieten muss, damit sie sich überhaupt ineinander verknallen können.

Wir leben in einer Zeit, in der Idioten zu jeder Tätigkeit eine App herunterladen können, weil sie zu beschränkt sind, ihr Leben alleine in den Griff zu bekommen. Hier eine Jogaapp, weil euch die YouTube-Suche anscheinend zu umständlich ist. Hier eine Rezepteapp, weil die Kochbücher eurer Mutter zu schwer sind. Hier eine Wetterapp, weil ihr zu faul seid, aus dem Fenster zu gucken. Hier eine Kalenderapp, weil ihr vergessen habt, dass nach Mittwoch Donnerstag kommt.

Und jetzt eben die Flut an Fickapps, weil die digitale Generation ohne die zugehörige App nicht einmal mehr weiß, für wen sie die Beine breitmachen sollen – und für wen eben nicht. Die sozial verkrüppelt sind und sich sogar beim ersten Date lieber WhatsApp-Nachrichten schicken, anstatt mit den dazugehörigen Organen zu interagieren, nämlich Mund und Ohren.

Grindr habe ich noch verstanden. Homo- oder bisexuelle Menschen suchen im Umkreis von ein paar 100 Metern jemanden, dem sie das Loch stopfen können. Hallo, poppen, ciao. Bravo! Aber Tinder, Happn & Co. verlagern peinliches Kennenlernen einfach nur ins Internet. „Ach, du stehst auf Bäume?“ „Ja… schon..“ „Aha.. und, was machst du so?“ „Öhm… Baum…?“

Tinder ist, als würde man minderbemittelte Lebensgescheiterte in einen großen, roten Kreis setzen und ihnen sagen: So, jetzt dürft ihr Liebi Liebi, Knutschi Knutschi und Ficki Ficki machen. Alle versuchen noch schnell zu klatschen und dann geht’s auch schon los.

„Genau, dein Penis muss in die Vagina von der Tanja, geeenau, ja, gut machst du das, Thorsten, sehr gut! Das gibt gleich ein Fleißbildchen in deine Geschlechtsverkehrsmappe!“ Kurzer Applaus, wieder einen Tag überlebt. Danke, iPhone!

Über Generationen hat es unsere Spezies geschafft, sich allein fortzupflanzen, sich womöglich sogar zu verlieben, und heute, auf der momentanen Spitze der Evolution, da brauchen wir plötzlich allerlei Apps, um morgens überhaupt die Haustür zu finden und nicht acht Stunden lang gegen eine Wand laufen, während wir auf unserem Handy Gesichter nach links und rechts wischen. Siri, wie wasche ich meine Kleidung? Siri, wie verhungere ich nicht? Siri, wie bekomme ich jemanden dazu, sich an meinem Penis zu reiben?

Wenn ihr jemanden kennen lernen wollt, dann geht mit euren Freunden auf eine gute Hausparty, zeigt euch von eurer besten Seite und kommt mit jemandem ins Gespräch. Aber versteckt euch nicht ständig hinter eurem Handy, wie so Psychopathen, die sich für supermodern halten, aber im Grunde einfach nur keine Ahnung haben, wie das Leben außerhalb ihres Screens funktioniert, und sogar eine App dafür brauchen, um nicht auszusterben. Eine schöne neue Zukunft habt ihr uns da eingebrockt.

Die Illustration stammt von Cherry und Icons8
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Polyamorie: Je mehr Menschen du fickst, desto ehrlicher bist du zu dir selbst

Kürzlich lag ich mit einem Mann, den ich sehr mag, im Bett, und sprach mit ihm über Beziehungen, während wir uns einen Joint teilten. Ganz allgemein. Ich bin seit knapp zwei Jahren Single, er etwa ein halbes, und seit ungefähr vier Monaten schläft er nun mit mir. Er ist nicht der einzige Kerl, der m...
Polyamorie: Je mehr Menschen du fickst, desto ehrlicher bist du zu dir selbst

Polyamorie

Je mehr Menschen du
fickst, desto ehrlicher
bist du zu dir selbst

Nadine Kroll

Kürzlich lag ich mit einem Mann, den ich sehr mag, im Bett, und sprach mit ihm über Beziehungen, während wir uns einen Joint teilten. Ganz allgemein. Ich bin seit knapp zwei Jahren Single, er etwa ein halbes, und seit ungefähr vier Monaten schläft er nun mit mir. Er ist nicht der einzige Kerl, der mich fickt, doch ich bin zur Zeit sein einziges Mädchen.

Wir liegen also in seinem Bett und sprechen über Beziehungen. Monogam müssen sie sein, so sagt er, und weil er wisse, dass ich das nicht könne, würde zwischen uns auch nie mehr laufen als der Sex. Monogamie, das sei ein Konzept, von dem man ja heute, wo alle nur in offenen Beziehungen leben, gar nicht mehr sagen dürfe, dass man es gut findet und lebt.

Monogamie, das klingt so schön romantisch – doch können wir diese Art von Romantik denn heute überhaupt noch verwirklichen? Ich muss an einen Post denken, den ich auf Facebook sah. Er kam von einer Frau, die ich fast nur aus Erzählungen kenne, mit der ich aber doch verbunden bin.

Der Wortlaut war etwa der gleiche, es zeigten vierundzwanzig Daumen hoch. Ich brauche dreizehn Sekunden, um eine Antwort zu verfassen, doch abschicken kann ich sie nicht. Ich ficke nämlich ihren Freund. Drei Straßen weiter sitzt mein bester Kumpel und ist in derselben Situation. Er fickt nämlich besagte Frau.

Ich nehme die Hand des Mannes, der neben mir liegt, und frage: „Bist du noch nie fremdgegangen?“ Er sagt: „Ich war noch nie treu“, und da wird mir plötzlich klar, dass ich nicht das einzige Mädchen bin, das er fickt. Mein Vater hat meine Mutter betrogen, da war ich elf. Sechs Jahre später bin ich zum ersten Mal einem meiner Freunde fremd gegangen – wenn man die zahlreichen Nächte, in denen ich meine Finger in andere Mädchen gesteckt habe, außer Acht lässt.

Sieben Wochen nach meinem Seitensprung erfuhr ich, dass er nach dem schriftlichen Mathe-Abi eine andere geschwängert hatte. Ich machte Schluss, köpfte eine Flasche Sekt und freute mich, dass wenigstens ich schlau genug war, Kondome zu benutzen. Auf ihn sauer war ich nie. Wohl aber auf mich, weil ich nicht ehrlich zu ihm war.

Über Monogamie gesprochen habe ich das erste Mal mit 21. Mittlerweile wusste ich, dass ich ‘heteroflexibel’ war, auch wenn ich das Wort dafür nicht kannte. Ich knutschte wie so oft mit einem Mädchen, eine Hand an ihrer Brust. Mein Freund saß an der Bar und trank ein Bier, und als ich mich von der fremden Frau löste, um einen Schluck von ihm zu nehmen, stellte er stumm sein Glas vor mich und ging.

Erst Tage später gestand er mir, dass er eifersüchtig war, und wir verstrickten uns in eine Diskussion. „Ein Mann kann mir nicht das geben, was eine Frau mir geben kann und andersrum“, sagte ich, doch ich liebte diesen Mann und willigte ein, ab sofort nur noch mit ihm zu schlafen. Fünf Monate später machte ich Schluss und schlief noch in derselben Nacht mit einer Frau.

Monogam, das bedeutet nicht nur exklusiv, sondern auch lebenslang. Doch gibt es das denn überhaupt noch? Im Laufe unseres Lebens wechseln wir die Jobs, die Autos und die Freunde. Wir wachsen einfach aus ihnen heraus, denn in einer Welt, in der uns alle Türen offen stehen, ist es schwer, sich gemeinsam zu entfalten.

Immer schneller stoßen wir an Grenzen, beruflich wie privat. Diese Grenzen sind immer die anderen – doch was, wenn wir es selbst sind? Wir bauen uns selbst Schranken auf und sind zu feige, sie zu öffnen. Manchmal reicht ja schon ein klitzekleines Stück. Stattdessen aber warten wir, bis die Mauern uns einengen und bringen sie dann mit Gewalt zu Fall.

Ich sage nicht, dass wir jetzt alle polygam werden und andere Beziehungskonzepte über den Haufen werfen sollen – aber wenn wir weder lebenslang noch exklusiv sein können, dann sollten wir darüber sprechen. Ein ehrliches Gespräch kann so manches gebrochene Herz verhindern. Manchmal sogar mehrere auf einmal.

Man muss Beziehungen nicht definieren. Wenn da Liebe ist, dann ist sie da. Man gehört einfach zusammen. Man gehört zusammen, doch man gehört dem jeweils anderen. Ein „Wir“, das sind immer noch zwei Individuen mit eigenen Träumen, eigenen Wünschen und Zielen. Ein „Wir“, das muss sich entwickeln, langsam zusammen wachsen. Ein „Wir“, das lässt sich nicht erzwingen.

Ich denke, dass jede Beziehung, jeder Fick und jeder Kuss für sich genommen einfach einzigartig ist. Was ich mit einem Partner, ob flüchtig oder ausgiebig, erlebe, ist immer anders als das, was mir ein anderer zu bieten hat. Sei es nun ein größerer Schwanz, eine schickere Wohnung oder einfach nur Geborgenheit und Liebe.

Dennoch glaube ich nicht, dass man Polyamorie lernen kann, auch wenn uns das Bücher wie “Treue ist auch keine Lösung: Ein Plädoyer für mehr Freiheit in der Liebe” oder “Drei ist keiner zu viel – Das ultimative Einsteigerbuch in eine offene Beziehung” glauben machen wollen.

Polygamie bedeutet für mich nicht sich ausschließlich sexuelle Wünsche, die man bei einem Partner nicht bekommt, bei einem anderen zu erfüllen. Polyamorie ist kein „Rumhuren, ohne den Partner zu verletzen“ und schon gar keine Ausrede für Menschen, die einfach nicht treu sein wollen.

Ich kenne keine Beziehung, die wirklich monogam ist, doch in den wenigstens davon wissen beide Partner über die sexuellen Aktivitäten des jeweils anderen Bescheid. Fast immer ist’s ein Egotrip. Der eine besucht Chatrooms, um seinen Schwanz dort von fremden Frauen bewundern zu lassen. Die Browserhistory löscht er natürlich sofort.

Was, wenn seine Freundin im Netz ihre Titten zeigt? Na, dann ist sofort Schluss, ganz klar. Ein anderer greift Sexdates auf Tinder ab. Über’s Firmenhandy, versteht sich, die App natürlich auf dem Homescreen. Dass er auf Golden Showers steht, ist ihm vor seiner Freundin viel zu peinlich. Die Letzte mietet ein Hotel über eine zweite Kreditkarte, um sich von sechs Männern gleichzeitig bumsen zu lassen, weil der Freund einfach nicht auf Gruppensex steht. Was keiner weiß, das ist auch nie passiert.

Was ich daraus lerne? Polygamie ist nicht besser als Monogamie – nur in vielen Fällen, die ich kenne und selbst erlebt habe, einfach ehrlicher. Viel ehrlicher. Mit dem Mann, der für vier Monate wie mein Zuhause war, habe ich am nächsten Morgen Schluss gemacht. Ich mag es nicht, belogen zu werden, doch noch weniger mag ich Menschen, die sich selbst belügen – und vielleicht glaube ich genau deswegen nicht an Monogamie, sehr wohl aber an die Liebe. Wenn auch nicht an die große.

Die Fotografie stammt von Dainis Graveris
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Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki: Haruki Murakami und die Einsamkeit

Wenn Tsukuru Tazaki an seine Jugend in Nagoya zurück denkt, fühlt er sich hin- und hergerissen zwischen tiefer Dankbarkeit und dunkler Traurigkeit. Heute führt der 36-Jährige ein trostloses Dasein in Tokio, er baut Bahnhöfe, er ist einsam. Lange war Tsukuru Tazaki dem Tod nahe, aus eigenem Antrieb....
Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki: Haruki Murakami und die Einsamkeit

Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki

Haruki Murakami und
die Einsamkeit

Marcel Winatschek

Wenn Tsukuru Tazaki an seine Jugend in Nagoya zurück denkt, fühlt er sich hin- und hergerissen zwischen tiefer Dankbarkeit und dunkler Traurigkeit. Heute führt der 36-Jährige ein trostloses Dasein in Tokio, er baut Bahnhöfe, er ist einsam. Lange war Tsukuru Tazaki dem Tod nahe, aus eigenem Antrieb. Nur die wachsende Sehnsucht nach seiner neuen Bekanntschaft Sara lässt ihn weiterleben, die Gespräche, das Hoffen auf baldigen Geschlechtsverkehr, seine tragische Vergangenheit immer im Nacken.

Wer Haruki Murakamis ruhigen und detaillierten Worten lauscht, der muss das während des Genusses einer Tasse grünen Tees, bei Tageslicht, oder bei einem Glas teuren Whiskys, in der Nacht, machen. Anders geht es nicht. So war das bereits bei seinen früheren Werken „Naokos Lächeln„, bei „Hard-Boiled Wonderland und das Ende der Welt„, bei „1Q84„.

Tsukuru hegte keinen Groll gegen seine vier besten Freunde, die ihn vor 16 Jahren grundlos verstoßen hatten. Er nahm sein Schicksal wortlos hin, ertränkte seine Sorgen, versuchte sich an der Liebe, aber scheiterte ohne großes Aufsehen. Wie es ihnen heute wohl geht? Der sanften Shiro, der lebhaften Kuro. Dem starken Ao und dem klugen Aka. An sein letztes Telefonat mit ihnen kann er sich noch genau erinnern. Er wurde darum gebeten, sich nicht mehr bei ihnen zu melden. Niemals wieder.

Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki ist die Erzählung eines Mannes, der alte Wunden aufreißen muss, um die letzte Chance auf ein glückliches Leben nicht zu verspielen. Sie ist durchwoben mit bunten Ereignissen, die nicht aus dieser Welt zu sein scheinen und doch so real sind wie nur irgendwie möglich. Sake, Schönheit und sechs Finger – die Angst vor der Wahrheit niemals allzu weit entfernt. Eine Reise, die nur jemand antreten kann, der nichts mehr zu verlieren hat. Oder eben alles.

Tsukurus Gedanken sind immer ein wenig melancholisch, sie kreisen um andere. „Die grundlose Traurigkeit, die eine ländliche Idylle im Herzen eines Menschen weckt.“ Er muss mit einer Entscheidung voran schreiten, die andere vor langer Zeit für ihn gefällt haben.

„Menschen, denen man die Freiheit nimmt, hassen immer jemanden dafür.“ Kann er sie etwa doch verstehen? „Die Herzen der Menschen waren wie Nachtvögel. Sie warteten still auf etwas, und wenn die Zeit dafür gekommen war, flogen sie geradewegs darauf zu.“ Tsukuru sucht nach Antworten. Aber was dort draußen auf ihn wartet, wird ihm nicht gefallen.

Haruki Murakami ist bekannt für seine makellosen Beschreibungen. Sehr japanisch stellt er den Leser vor vollendete Tatsachen und wischt diese in einem seiner gefürchteten Zeitsprünge mit einer Handbewegung hinweg. Plötzlich ist nichts mehr wie zuvor, obwohl sich weder die teilnehmenden Personen noch die sommerlichen Szenerien verändert haben. Wäre Michael Bay ein Autor, Haruki Murakami wäre sein Gegenpart. Keine Explosionen, kein Lärm, keine Sinneslücken. Aber mit jeder Menge Können.

Alles passt wie ein Puzzle ineinander, jede Erwähnung hat eine Bewandtnis. Wenn Herr Tazaki nichts zu tun hat, löst er einen Fahrschein. Er kauft sich einen Becher, gefüllt mit heißem Kaffee, und setzt sich auf den Bahnsteig in Shinjuku. Fasziniert beobachtet er die Menschen, wie sie hektisch aus- und einsteigen, wie sie erleichtert in ihre Sitze fallen, wie sie hinfort fahren und in der Dunkelheit verschwinden. Selbst einzusteigen, davor fürchtet er sich. Doch womöglich ist die Zeit nun reif.

Wer die bisherigen Geschichten des ostasiatischen Erfolgsautors kennt, der wird in Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki keine Überraschungen erleben, zumindest keine bösen. Haruki Murakami bleibt sich treu und kreierte das perfekte Buch für den ausklingenden Sommer. Und in dem ein oder anderen Kapitel fühlen wir uns plötzlich ertappt, an uns selbst erinnert, versunken in der Vergangenheit. Also Tee aufsetzen, Whisky eingießen und endlich auf dem Sofa zur Ruhe kommen.

Die Fotografie stammt von DuMont
Der Text erschien in der Kategorie Kunst mit den Themen
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Arjuna: Ein mutiges Mädchen rettet die Welt

Die Welt, wir wie sie kennen, ist dem Abgrund nahe. Abgeholzte Regenwälder, verschmutzte Meere und vergiftete Lebensmittel. Kein Ort, der nicht besudelt oder unstimmig wäre. Ein Planet, den wir mit unserer Habgier und Sucht nach mehr, schneller in den Abgrund stoßen, als es und lieb ist. Und unsere...
Arjuna: Ein mutiges Mädchen rettet die Welt

Arjuna

Ein mutiges Mädchen
rettet die Welt

Marcel Winatschek

Die Welt, wir wie sie kennen, ist dem Abgrund nahe. Abgeholzte Regenwälder, verschmutzte Meere und vergiftete Lebensmittel. Kein Ort, der nicht besudelt oder unstimmig wäre. Ein Planet, den wir mit unserer Habgier und Sucht nach mehr, schneller in den Abgrund stoßen, als es und lieb ist. Und unsere einzige Hoffnung auf Rettung liegt in den Händen eines 16-jähriges Mädchens aus Japan, das bei einem Motorradunfall ums Leben gekommen ist und im Jenseits auf sein Schicksal trifft.

Earth Maiden Arjuna ist ein Anime, der nicht nur die Botschaft einer besseren Zukunft in sich trägt und vor unserem derzeitigen Lebensstil warnt, sondern diese Eigenschaften auch auf eine opulent und sympathische Art und Weise präsentiert. Während man mit den Protagonisten bis zum Schluss mit heult und bangt, ob sie das Dunkle, das sich über uns alle gelegt hat, noch aufhalten können, bricht beim Ansehen eine wahre Flut an epischen Momenten, einnehmender Musik und riesigen Bildern los.

Regierungen, Industrien und auch wir als Konsumenten bekommen in der 13-teiligen Serie so viel Fett weg, dass aufmerksame Zuseher niemals wieder etwas mit Staatssystemen, Lügenbeuteln und Fertiggerichten zu tun haben und sich so schnell wie nur möglich auf einen einsamen Berg zurück ziehen möchten. Arjuna verrät uns viele Wahrheiten, denen man nur mit offenem Herzen lauschen muss, um etwas zu verändern. Ob wir jedoch gewillt sind, sie auch in die Tat umzusetzen, das liegt einzig und allein bei uns.

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Die Illustration stammt von Bandai und Satelight
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Miauende Monster: Katzen sind scheiße

Unsere Gesellschaft wird häufig, unter anderem, durch die Leidenschaft für unsere haarigen Mitbewohner gespalten. Nicht der bärenartige Heavy-Metal- und “Dungeons & Dragons”-Nerd, mit dem gezwirbelten Kinnbärtchen, der sich mit euch die Miete teilt, ist gemeint. Nein, sondern das, was ihr eigentlich...
Miauende Monster: Katzen sind scheiße

Miauende Monster

Katzen sind
scheiße

Anna-Charleen Klahölter

Unsere Gesellschaft wird häufig, unter anderem, durch die Leidenschaft für unsere haarigen Mitbewohner gespalten. Nicht der bärenartige Heavy-Metal- und “Dungeons & Dragons”-Nerd, mit dem gezwirbelten Kinnbärtchen, der sich mit euch die Miete teilt, ist gemeint. Nein, sondern das, was ihr eigentlich, als vernünftige Studenten, nicht zu Hause habt, zumindest, falls ihr wissen solltet, was Verantwortung bedeutet: Einen Vierbeiner.

Das ist euch immer noch nicht präzise genug, weil ihr eventuell sadistisch veranlagt seid und euren Partner mit Freude beim Liebespiel auf dem scheuernden Teppichboden krabbeln seht? Verdammt, ich rede von einem Haustier! Das, was Mami und Papi euch früher mal geschenkt haben, um euch pädagogisch wertvoll zu erziehen. So war es zumindest bei mir gedacht. Ein Tier soll einem Verantwortungsbewusstsein lehren.

Ich, zum Beispiel, fand es damals einfach verdammt reizend, meinen Mischlingsdackel in kleine T-Shirts und Mützchen zu kleiden. In meinem pinken Kinderwägelchen sah er einfach hinreißend aus. Ich kann euch, egal wie sehr ihr jetzt schimpft, trotz alledem nicht bestätigen, mein bester Freund auf vier Pfoten hätte sich damals auf meinen aufwendig vorbereiteten Modeshows nicht wohl gefühlt. Ich bin überzeugt davon, er hatte riesigen Spaß.

Trotzdem: Lasst eure Kinder bitte niemals mit einem passionsfähigen Lebewesen alleine! Nicht jeder hat so ein sanftes Händchen wie ich. Und wir alle kennen schreiende, erbarmungslose Schokoladenmünder und ihre noch nicht ausreichende Fähigkeit zur Empathie. Die meisten Hunde würden nämlich weder murren, noch ihren vertrauten Peiniger mit den grabschenden Puddingfingern beißen, schließlich sind sie ja das liebenswürdigste Tier, das die Evolution hervorgebracht hat.

Man könnte jetzt schnell behaupten, Hunde schenken einem nur deshalb Zuneigung, um mühelos Nahrung zu ergattern und ihre von Flöhen verseuchten Bäuchlein gestreichelt zu bekommen, aber solche Äußerungen können nur von emotionslosen Pessimisten stammen, die zu der Fraktion „Gefühle entstehen ausnahmslos aus chemischen Vorgängen usw.“ gehören.

Würde ein kleiner, liebenswerter Yorkshire Terrier einem dieser verbitterten, einsamen Seelen nur einmal mit seiner nassen Zunge über die Wange schlecken, wäre ihr Herz erwärmt und sie könnte nicht anders, als zum Stöckchen zu greifen und sich der Liebe eines Hundes hinzugeben.

Okay, zugegeben, ich bin kurz abgeschweift und habe etwas dick aufgetragen. Fakt ist doch, dass die Loyalität dieser Tiere, einmal gefestigt, beinahe unumkehrbar und grenzenlos ist. Die Klassifizierung, ob jemand Hunde- oder Katzenliebhaber ist, sagt, meiner Erfahrung nach, einiges über einen Menschen aus. Natürlich, ich verstehe das. Katzen sind elegant. Und Katzen riechen nicht. Oder zumindest riechen sie nicht nach Hund.

Katzenhaftigkeit hat etwas Gefährliches und Erotisches an sich, denkt man nur an Catwoman. Halle Berry hätte in einem Beaglekostüm höchstwahrscheinlich nicht einmal halb so vielen pubertären Jungs Spaß in die Hose gebracht. Aber wir alle kennen das Phänomen der Schönheit ohne Herz. Jeder Teeniefilm hat uns doch in zahlreicher Ausführung gelehrt, dass sich der etwas Trottelige, aber Liebevolle, der beiden Kandidaten, stets als die richtige Wahl herausgestellt hat.

Ihr könnt also meinetwegen behaupten, eure Muschi sei, von ihrem Verhalten her, viel komplexer als der sogenannte beste Freund des Menschen, weil sie nicht jedem Dahergelaufenen die Hand leckt. Aber das hat nichts damit zu tun, dass sie sich ein bestimmtes Selektionsmuster angeeignet hat, nachdem sie nur mit bestimmten Personen sympathisiert, nein, es hat was mit dem allgemeinen Welthass zu tun, den Katzen mit ihren durchdringenden Blicken auf uns abfeuern.

Ihr erinnert euch alle mit Sicherheit an den filzigen, schlecht dreinschauenden Star von 9GAG. Auf eine ganz banale Art und Weise, nämlich dem Nicht-Verbergen des wahren Charakters seiner Spezies und die rasende Unterstützung von euch, durch das Teilen seiner Bilder auf allen sozialen Netzwerken, hat das goldige Fellknäuel namens Grumpy Cat, letztes Jahr mehr Geld eingebracht, als beispielsweise Schwerstverdiener Will Smith.

Das, liebe Leute, ist der erste Schritt der lange geplanten Herrschaft über uns! Ich will nicht leugnen, dass ich hin und wieder dazu neige zu übertreiben, was wäre auch eine Leben ohne effekthascherische Ausschweifungen. Aber ihr wisst es doch sicher alle selbst, dass neben Verschwörungstheorien bezüglich 9/11, den Illuminaten und Kanye Wests Baby, auch unzählige geheimbündlerische Geschichten im Umlauf sind, bezüglich der wahren Herkunft von Katzen.

Ein Exempel wäre der Mythos, die schnurrenden Parasiten kämen aus dem All und leben unter den Menschen, um sie zu infiltrieren und Informationen für das Mutterschiff zu beschaffen. Mir geht es an dieser Stelle nicht um Authentizität, was ziemlich klug klingt, sondern um das Ausdrücken meiner Verständnislosigkeit. Katzenmasken, Katzenvideos, T-Shirts mit frechem „Meow“-Aufdruck und natürlich auch die Lieblinge des Facebook-Nutzers, die herzerwärmenden Katzenemoticons.

Ich meine, ich war letztens auf einer dieser nur fast peinlichen Dildopartys, und die Eindrücke des Abends wurden dann im Nachhinein von unserer Dildofee, die in Gestalt der Menopausen-breit-wie-hoch-Schaumfestigerlocken-Heike zu uns geschwebt kam, in einem Album festgehalten, dessen Cover kleine Kätzchen zierten, die in einem Stiefel hockten. Katzen überall. Zufall?

An dieser Stelle wünsche ich mir Jonathan Frakes, einer der zahlreichen RTL2-Stars meiner Kindheit, als Ansprechpartner. Was der Mann wohl gerade macht? Ihr behauptet, das alles läge daran, dass diese Vierbeiner so anbetungswürdig niedlich sind? Glaubt mir, dann gehört ihr nur zu denjenigen, die sich von süßen Instagram-Fotos, oder solltet ihr aus einer analogeren Generation kommen, dann putzigen Glitzerklebebildchen, habt täuschen lassen.

Denkt denn niemand an Beethoven, Komissar Rex oder Lassie? Verdammt nochmal, Lassie hat Timmy aus dem Brunnen gerettet! Mehrmals! Nein, es müssen ja Katzen sein. Das Verlogenste, was der Mensch sich in seine heimischen vier Wände geholt hat. Selbst dem penetranten Klinkenputzer, der euch den neuesten High-Tech-Staubsauger verkaufen will, könnt ihr mehr Vertrauen schenken. Der verkauft euch zwar Scheiße, ist aber höchstwahrscheinlich, in seiner ganzen Einfachheit, selbst von der Qualität seines Auftrages überzeugt. Dummheit ist keine Schande!

Die Tatsache, dass Katzen der Hauptwirt eines perversen, teilweise tödlichen Parasiten sind, ist wahrscheinlich nur den Wenigsten von euch bekannt. Alle von euch, die sich gerade etwas Essbares ins Gesicht schieben, denen rate ich: Stellt eure kulinarischen Köstlichkeiten, Salamitoast oder Spaghetti Bollo, kurz beiseite!

Der Star der Stunde heißt Toxoplasma gondii und lebt in der Katzenscheiße, die ihr Tag für Tag fein säuberlich, und mit Balance, aus dem stinkendem Streu heraus siebt. Der Lebenssinn dieses winzig kleinen Schmarotzers ist es, sich in eurem Gehirn festzusetzen, genau an der Stelle, an der sich euer Angstzentrum befindet, welches dafür sorgt, dass ihr nicht lachend in eine Kreissäge rennt.

Er beschädigt es gezielt und kann euch dadurch so manipulieren, dass ihr Risiken nicht mehr einschätzen könnt und euch in lebensgefährliche Situationen bringt. Dieser Parasit verwandelt euch somit in praktisch suizidgefährdete Adrenalin-Junkies und will euren Tod! Hört sich unheimlich und abgedreht an, aber wenn ihr mir nicht glaubt, fragt doch Dr. Google.

So, nachdem wir nun knapp tausend Wörter umfassenden Shitstorm auf Katzen hinter uns gebracht haben, kommen in mir langsam Befürchtungen auf, ich könnte den einen oder anderen von euch eventuell mit meinen Behauptungen verletzt haben. Zwar ist es mir ziemlich egal, wer wie mit mir sympathisiert, trotzdem möchte ich euch eine Erklärung für den Anfang meines grenzenlosen Grolls gegen eure Lieblinge liefern.

Beinahe jeglicher Generation aus der westlichen Welt dürfte der Disney-Klassiker “Susi & Strolch” ein Begriff sein. Die zwei süßen Hündchen, die sich den Nudel-Hackfleischbällchen-Teller im vermüllten Hinterhof eines italienischen Restaurants teilen. Insgesamt ein ganz toller Film, keine Frage, der gute Walt und seine Crew haben sich zweifellos, wie gewohnt, eine Menge Mühe gegeben, um die Herzen der Kleinen und Großen höher schlagen zu lassen.

Nur was zur Hölle sollte das mit den zwei grausamen, vom Teufel persönlich domestizierten Siamkatzen? Als die beiden blauäugigen Hadesviecher aus dem Korb getänzelt kamen, hatte meine Mutter früher stets Mühe mich zu beruhigen, weil ich aus tiefster Angst und vollem Herzen zu weinen und zu schreien anfing.

Ich meine, schaut euch das Spektakel an, kramt die alte VHS-Kassette aus den verstaubten Kartons, neben vergilbten Barbies oder Lego-Bergen, heraus und gebt euch den vollen Horror. All die Splatter-Filme von heute sind meines Erachtens nach stumpfsinniger Blödsinn, getaucht in jede Menge Kunstblut, gerne noch kombiniert mit einem Hauch Sci-Fi. Diese Szene mit den zwei Scheusalen, die die kleine Susi tyrannisieren, ist echter Psychoterror und hat mich für den Rest meines Lebens traumatisiert.

Zusammenfassend will ich damit einfach ausdrücken, ihr könnt mich hassen so sehr ihr wollt, dafür, dass ich die Wahrheit ausgesprochen habe. Aber vielleicht habe ich ja doch den einen oder anderen zum Nachdenken und Verriegeln der Messerschublade und Verschließen der Schlafzimmertür anregen können.

Falls während des Lesens dieses Artikels zufällig euer fetter, gelbäugiger Kater aus dem Hinterhalt zugesehen hat, packt noch heute Nacht eure sieben Sachen, kauft, um Zeit zu gewinnen, kiloweise Katzenminze und verlasst die Stadt. Er weiß nun, was ihr wisst. Glaubt mir, es ist nur zu eurem Besten…

Die Illustration stammt von Ginger Cat und Icons8
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Mein neues Handy: Wir werden von Wurstfingernazis regiert

Wieder einmal hat Gott mich um die Pole Position des Lebens betrogen. Und wieder einmal passierte das im schleichenden Prozess. So schleichend, dass ich nicht mitbekam, wie der Heiligste der Heiligen mich fett trollte. Zuerst badete er mich in buttriger Sicherheit, nur um dann wiehernd und weinend v...
Mein neues Handy: Wir werden von Wurstfingernazis regiert

Mein neues Handy

Wir werden von
Wurstfingernazis
regiert

Sara Navid

Wieder einmal hat Gott mich um die Pole Position des Lebens betrogen. Und wieder einmal passierte das im schleichenden Prozess. So schleichend, dass ich nicht mitbekam, wie der Heiligste der Heiligen mich fett trollte. Zuerst badete er mich in buttriger Sicherheit, nur um dann wiehernd und weinend vor Freude zuzusehen, wie ich einen schmierigen Riesenberg Scheiße herunterrutsche.

Okay. Mag sein, dass das jetzt ein bisschen übertrieben dargestellt ist, aber es ändert nichts an meinem Empfinden gen der Ungerechtigkeiten, die das Leben so im Alltag mit sich bringen. Wie etwa: Ich war früher diejenige, die am Schnellsten und Intuitivsten mit elektronischen Geräten klargekommen ist.

Ich tippe mit zehn Fingern schneller als der durchschnittliche Vierzehnjährige sich einen runterwedeln kann, mein Videorekorder war immer korrekt programmiert, und bis ich dann in die Pubertät kam, als solche nervigen Sachen wie Liebe und Erwachsenwerden wichtiger wurden, kannte ich mich noch perfekt mit allen Fernseh-, Computer-, Konsolen- und Gadgetmarken aus.

Sicherlich kam das zu einem verhängnisvollen Preis: Ich war fett und hässlich und wenn man mich aus dem Keller holen wollte, musste man mir erst einen Ganzkörperschutzanzug überziehen und einen Kran mieten. Aber seht ihr, ich dachte, das hält an. Ich hielt mich für The Kid, das Gehirn, das mit dem ganzen Futurescheiß aufwächst und eines Tages wie die aufgeweckten Druffijugendlichen in „Hackers“ einfach allen anderen, vor allem den alten Erwachsenen, überlegen sein würde.

Aber ich wurde vom Leben, wie bereits erwähnt, betrogen. Alles fing damit an, dass ich mich dazu entschied, auf eine Reise zu gehen, anstatt mir einen neuen Computer, ein iPad und ein Smartphone zuzulegen. Ein Jahr später sind kleine Zwölfjährige in der U-Bahn, die mich angucken, als käme ich aus dem Mittelalter, wenn ich mein verstaubtes Nokia aus der Tasche wuchte.

Mein Nokia, so einfach in der elektronischen Bedienung es auch sein mag, kann immerhin vielfach verwertet werden: als Verankerung für die Aida, als Ziegelstein für die Randalen am ersten Mai und notfalls auch als Betonklotz zum Versenken unliebsamer Feinde. Natürlich ließ ich mir so etwas nicht gefallen und machte, nach ewigem Hin und Her der wirtschaftlichen Überlegungen, den Schritt in die Zukunft: Ich kaufte mir ein iPhone.

Ich sag mal so: Wenn das die Zukunft ist, dann werden wir hier eindeutig von Wurstfingernazis regiert. Die Hausfrau in mir kriegt einen Herzschlag, wenn sie die Schmierflecken auf dem Riesenbildschirm sieht. Es kann alles. Wirklich alles. Es kann den Empfang verlieren, es kann abstürzen, es kann mich unglaublich wütend machen und es kann mich davon abhalten, in betrunkenem Zustand meinen Ex anzurufen.

Dieses Telefon ist wunderschön, und ich bin mir ziemlich sicher, wenn ich mir eine Brille aufsetze und die Anleitung rauskrame, dann werde auch ich damit glücklich und zufrieden sein. Aber es ist zu intelligent für mich. Oder vielleicht bin ich einfach nur zu alt dafür. Und vielleicht, nur ganz vielleicht, nervt es mich, dass ich nicht mal mehr mit so unwichtigen Dingen wie Telefonen einfach nur zufrieden sein kann. Und sagt nichts: mit dem Pixel erging es mir genauso. Und mit dem Windowsscheiß auch.

Eine Million zwölfjährige Supernerds, die mittlerweile gesellschaftlich akzeptiert werden, können sich ja nicht irren. Und wer dankt mal den Vorreitern? Uns fetten, hässlichen Kindern, die sich sozial abschotten mussten, um einen Nerdpfad der Coolness zu ergründen? Wer dankt uns?!

Aber für mich ist die Lernkurve zu steil. Wenn ich heute in den Spiegel gucke, sehe ich nur meine Mutter, und wünsche mir nichts sehnlicher als eigene Kinder, die ich dann fragen kann, ob sie mal das Handy für mich programmieren können. Ich will ja den Anruf heute nicht verpassen.

Die Fotografie stammt von Paul Hanaoka
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Small Dick Problems: Der Club der kleinen Schwänze

Fast drei Monate lang hatte ich einen Freund mit einem kleinen Penis. Steffen, ein 28-jähriger Werbekaufmann, und ich haben uns auf der Abschiedsfeier eines Kumpels kennengelernt, der gemeinsam mit seiner Verlobten für ein Jahr auf Weltreise durch Südamerika, Asien und Australien ging. Beim alkoh...
Small Dick Problems: Der Club der kleinen Schwänze

Small Dick Problems

Der Club der
kleinen Schwänze

Daniela Dietz

Fast drei Monate lang hatte ich einen Freund mit einem kleinen Penis. Steffen, ein 28-jähriger Werbekaufmann, und ich haben uns auf der Abschiedsfeier eines Kumpels kennengelernt, der gemeinsam mit seiner Verlobten für ein Jahr auf Weltreise durch Südamerika, Asien und Australien ging.

Beim alkoholbedingten Fummeln auf dem Beifahrersitz seines Autos dachte ich noch, dass er dank Bier, Schnaps und viel zu viel Wodka einfach keinen Ständer mehr bekam, als ich mit meiner Hand in seiner geöffneten Hose herum tastete und nur eine weiche Fleischmasse und Haare fühlte. Ein paar Abende später wusste ich es dann allerdings besser: Er hatte schlichtweg einen kleinen Schwanz. Einen sehr kleinen.

„Kleine Schwänze sind für Arschficks da“, sagte einmal meine gute Bekannte Miri zu mir. Also machten Steffen und ich von dieser Lebensweisheit in der doppeldeutig kurzen Beziehung massiv Gebrauch. Aber nachdem meine rosarote Brille langsam verblich und ich noch so sehr auf Steffen herumrutschen konnte, ohne wirklich Spaß daran zu haben, beendete ich die Beziehung.

Das lag allerdings nicht nur an Steffens Minipenis, sondern auch an der Tatsache, dass ich schnell merkte, dass ihm seine genetisch bedingt winzige Männlichkeit das komplette Selbstbewusstsein, das er auf der Party noch dank Alkohol und guter Laune hatte, nahm. Am Ende war Steffen einfach nur noch eine weinerliche Klette mit einem kleinem Schwanz. Und mit dieser Mischung konnte ich beim besten Willen nichts anfangen.

Im Onlineforum „Small Dick Problems“ auf Reddit plaudern Jungs mit kaum sichtbarem Gemächt über genau solche Probleme. Wie überleben in einer Welt, in der Typen mit riesigen, pochenden Fleischpeitschen in von Testosteron getriebenen Herden auf die Jagd nach femininem Fickvieh gehen? Wie dem süßen Mädchen seiner Träume klar machen, dass man schon drin ist, egal, wie oft sie nun fragt? Welche Tipps in Sachen Schambehaarung und Zurechtzupfen gibt es, um das Stäbchen zumindest visuell zum Stab zu machen? Und helfen teure Penispumpen, schwere Gewichte und dubiose Tabletten aus dem Internet wirklich dabei, dass aus dem Zweig endlich ein Stamm wird?

„Wir haben uns das Leben mit einem kleinen Schwanz nicht ausgesucht, sondern umgekehrt“ ist der offizielle Slogan dieses Forums, in dem sich schlecht ausgestattete Typen gegenseitig Mut machen. „Ich kann einfach nicht mehr hören, dass es nicht auf die Größe ankommt“, schreibt darin ein User. „Meine Freundin macht sich in SMS mit anderen Typen über meinen kleinen Schwanz lustig“, ein anderer. Und: „Ich habe einem Mädchen ein von ihr gewünschtes Penisfoto geschickt und seitdem nichts mehr von ihr gehört. Was soll ich nur machen?“

Aber es gibt auch gute Nachrichten. Von Männern, die trotz oder gerade wegen eines extrem kurzen Glieds die große Liebe gefunden haben. Von Mädchen, die aus einem Fetisch für kleine Penisse eine wahre Leidenschaft gemacht haben und dem anderen Geschlecht damit den ein oder anderen sexuellen Gefallen tun. Und von Paaren, die gerade ihr erstes Kind bekommen haben. Denn egal ob kurz oder lang, ob dünn oder dick, ob krumm oder gerade: Irgendwo da draußen gibt es ein Mädchen, das die passende Muschi für genau dieses Gerät hat. Man muss sie nur finden…

Small Dick Problems
Die Fotografie stammt von Charles Deluvio
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Mädchen in Melbourne: Schönheit am Strand

Ich habe mir jetzt das gesamte Instagram-Profil von Nicole Ganker gegeben und kann mit Fug und Recht behaupten, dass ihr Leben ungefähr drei Millionen mal aufregender und schöner ist als meins. Ständig hängt sie mit krassen Freundinnen oder süßen Boyfriends halbnackt auf irgendwelchen Festivals heru...
Mädchen in Melbourne: Schönheit am Strand

Mädchen in Melbourne

Schönheit
am Strand

Daniela Dietz

Ich habe mir jetzt das gesamte Instagram-Profil von Nicole Ganker gegeben und kann mit Fug und Recht behaupten, dass ihr Leben ungefähr drei Millionen mal aufregender und schöner ist als meins. Ständig hängt sie mit krassen Freundinnen oder süßen Boyfriends halbnackt auf irgendwelchen Festivals herum, am Strand, in den Bergen, im Dschungel, während ich hier Abend für Abend an meinem Schreibtisch sitze und mir Ausreden einfallen lassen muss, warum ich nicht mit irgendwelchen Tinder-Trotteln in verranzten Clubs abhängen kann und sie lieber herkommen sollen, wenn sie über irgendetwas drüber rutschen wollen. Solange ich nicht aufstehen muss, ist mir schließlich alles recht.

Die Fotografin Alexis Sisely kommt ebenso wie Nicole aus Melbourne und ist, wenn man ihrer Instagram-Seite und kunterbunten Fotostrecken auf diversen Blogs glauben darf, nicht weniger hart drauf wie ihre momentane Muse. Auch sie führt ein Leben am Strand, in der Sonne oder in Wohnmobilen, mit denen sie in die entferntesten Ecken von Australien fährt und dort nicht nur herum surft, sondern auch noch süße Jungs abknutscht. Für Sticks & Stones hat Alexis Nicole nun fotografiert und beweist mit ihren Bildern, dass Nicole eine heiße Sonnengöttin ist.

Ich werde mir nun eine Pizza mit Salami, Champignons und vierfach Käse belegt bestellen und mich in Unterwäsche vor den Laptop setzen, um mich endlich an die dritte Staffel von Riverdale wagen, während ich aber insgeheim daran denken muss, dass Alexis und Nicole mit hotten Surferboys durch Australien von Festival zu Festival fahren und jeden Augenblick ihres Lebens in vollen Zügen genießen. Und dann rede ich mir ein, dass Pizza, Riverdale und in Unterwäsche herum gammeln auch nicht schlecht ist. Zumindest, solange man die Heizung voll aufgedreht hat. Wenigstens die Hitze fühlt sich dann ein bisschen wie in Australien an…

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Die Fotografie stammt von Alexis Sisely
Als Model ist Nicole Danker zu sehen
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In Another World with My Smartphone: Fantasy für Pädophile

Seid ihr schon mal vor dem Fernseher oder eurem Laptop gesessen und habt euch gefragt, was wohl das Dümmste ist, das ihr euch jetzt anschauen könnt, nachdem ihr das komplette Fernsehprogramm von RTL, ProSieben & Co. bereits durch hattet? Die Antwort ist: In Another World with My Smartphone. Das ist...
In Another World with My Smartphone: Fantasy für Pädophile

In Another World with My Smartphone

Fantasy für
Pädophile

Marcel Winatschek

Seid ihr schon mal vor dem Fernseher oder eurem Laptop gesessen und habt euch gefragt, was wohl das Dümmste ist, das ihr euch jetzt anschauen könnt, nachdem ihr das komplette Fernsehprogramm von RTL, ProSieben & Co. bereits durch hattet? Die Antwort ist: In Another World with My Smartphone. Das ist das Dümmste. Nicht der dümmste Anime, nein, sondern einfach nur das Dümmste, das jemals irgendwo, irgendwann, irgendwie kreiert und anschließend ausgestrahlt wurde. Mit Abstand. Mit Abstand das Dümmste.

Worum geht’s? Der fünfzehnjährige Touya Mochizuki wird versehentlich von Gott mit einem Blitz getötet. Als Entschuldigung lässt er ihn wieder auferstehen, aber da er ihn nicht in seine alte Welt zurückschicken kann, reinkarniert er ihn stattdessen mit einem einzigen freien Wunsch in eine Fantasiewelt.

Touya nutzt seinen Wunsch, um sein Smartphone in die neue Welt mitzunehmen, das Gott netterweise auch noch verbessert. So kann Touya damit zwar nicht mit seiner alten Welt in Kontakt treten, aber das Telefon kann durch Magie leicht wieder aufgeladen werden und funktioniert ansonsten wie zu Hause. Er kann sowohl Nachrichtenseiten aus seiner Welt lesen als auch Google Maps für seine neue Fantasywelt nutzen.

Weil Gott einen ziemlich guten Tag hatte, verstärkt er gleich noch Touyas physische, magische und kognitive Fähigkeiten obendrauf. Quasi als Wiedergutmachung dafür, dass er ihn aus Versehen ermordet hat. Touya nutzt seine zweite Chance im Leben voll aus und freundet sich mit vielen verschiedenen Leuten an, hauptsächlich mit Frauen und hochrangigen Menschen in der neuen Welt. Er beginnt, von Land zu Land zu reisen, löst politische Streitigkeiten, kleinere Quests und vergnügt sich nonchalant mit seinen neu gefundenen Verbündeten.

Was nach einem netten, kleinen Animeabenteuer für zwischendrin klingt, entpuppt sich nach den anfänglichen Folgen als sinnlose Tittenparade. Nachdem Touya in den ersten Episoden so um die zehn verschiedene 08/15-Mädchen kennengelernt hat, die vom Kleinkind über die Sexbombe bis hin zur 600 Jahre alten Vampirkönigin im Teenagerkörper reichen, geht es kurz darauf nur noch um die Frage, wen von den unterfickten Minderjährigen Touya irgendwann einmal heiraten wird.

In Another World with My Smartphone scheint von einem pubertären Zwölfjährigen geschrieben worden zu sein, der absolut keine Ahnung davon hat, wie soziale Interaktionen funktionieren sollten, damit sie auch nur irgendeinen Sinn ergeben.

Eine Folge dreht sich zum Beispiel lediglich um die überaus wichtige Frage, welche der zehn laufenden Wichsvorlagen für Perverse Touya zuerst ihr mehr oder weniger vorhandenes Unterhöschen zeigen darf. Ab und zu tauchen ein paar Ninjas, Monster oder Drachen auf, aber die sind nach fünf Minuten abgearbeitet, damit man schnell wieder zurück zum Wesentlichen kommen kann.

Ich habe In Another World with My Smartphone bis zum Ende geschaut. Nicht etwa, weil ich wissen wollte, ob die Serie vielleicht doch noch die Kurve bekommt und eine abenteuerliche Geschichte in einer auf den ersten Blick klischeehaften Fantasywelt erzählt, nein, mir war nach den ersten drei Folgen klar, dass das hier alles Müll ist.

Und In Another World with My Smartphone ist auch nicht witzig dumm oder lustig blöd, nein, In Another World with My Smartphone ist einfach nur scheiße. Ohne Wenn und Aber. Im Grunde war ich einfach nur zu faul, auszuschalten und mir etwas Neues zu suchen, was nebenher laufen kann, während ich mir die Börsenkurse notierte. Oder so.

Jeder, der für In Another World with My Smartphone verantwortlich ist oder daran beteiligt war, sollte in Grund und Boden geklagt werden. Ihr kennt mich: Ich mag Brüste. Kleine, große, junge, alte, helle, dunkle. Und mir ist es egal, wenn der Feminismus mit Füßen getreten wird, solange es in der Welt, die mir da vorgesetzt wird, Sinn ergibt.

Das ist ja das Tolle an Filmen und Serien: Sie können zeigen, was sie wollen. Sie müssen kein Vorbild sein. Sie dürfen über die Stränge schlagen. Nur weil im Tatort jede Woche ein armer Idiot erschossen wird, heißt das ja nicht automatisch, dass jeder Zuschauer Mord für eine gute Sache hält.

Aber In Another World with My Smartphone macht einfach keinen Sinn, für niemanden. Weder für die Zuschauer noch für die Protagonisten. Und wenn man sich endlich ein wenig auf die Figuren und die Welt eingelassen hat und denkt: „Ach, so schlimm ist es doch gar nicht“, dann werfen die Macher einfach noch ein paar halbbekleidete Irre in den animierten Harem für Idioten.

Was haben wir noch nicht gehabt? Roboter mit Titten? Hier, bitte! Wissenschaftlerin in Strapsen? Hier, bitte! Zwölfjährige mit Heiratsfetisch? Hier, bitte! Und jetzt prügelt euch alle um Touya, den verklemmten Loser im weißen Zuhältermantel, dessen einziges Alleinstellungsmerkmal ein magisches Handy ist. Selbst der pädophilste Harald muss sich bei In Another World with My Smartphone denken, dass er hier nach Strich und Faden verarscht wird.

Wenn ihr euch überlegt, doch mal bei In Another World with My Smartphone reinzuschauen, um euch ein eigenes Bild zu machen, dann kann ich nur sagen: Nein! Ich verbiete es euch! Jeder mehrmals überfahrene Waschbär auf der A7 kann euch eine bessere Geschichte liefern als das, was hier zu einem Anime zusammengekleistert worden ist, während die Macher mit offener Hose vor dem Zeichenbrett saßen und irgendwann jegliche Handlung über Bord geworfen haben, damit irrelevante Fantasymädchen sich Minute für Minute in ihrer absoluten Notgeilheit übertrumpfen können. In Another World with My Smartphone ist das Dümmste. Mit Abstand. Mit Abstand das Dümmste.

In Another World with My Smartphone: Fantasy für Pädophile In Another World with My Smartphone: Fantasy für Pädophile In Another World with My Smartphone: Fantasy für Pädophile In Another World with My Smartphone: Fantasy für Pädophile In Another World with My Smartphone: Fantasy für Pädophile In Another World with My Smartphone: Fantasy für Pädophile In Another World with My Smartphone: Fantasy für Pädophile In Another World with My Smartphone: Fantasy für Pädophile In Another World with My Smartphone: Fantasy für Pädophile In Another World with My Smartphone: Fantasy für Pädophile In Another World with My Smartphone: Fantasy für Pädophile In Another World with My Smartphone: Fantasy für Pädophile In Another World with My Smartphone: Fantasy für Pädophile In Another World with My Smartphone: Fantasy für Pädophile In Another World with My Smartphone: Fantasy für Pädophile In Another World with My Smartphone: Fantasy für Pädophile In Another World with My Smartphone: Fantasy für Pädophile In Another World with My Smartphone: Fantasy für Pädophile In Another World with My Smartphone: Fantasy für Pädophile In Another World with My Smartphone: Fantasy für Pädophile In Another World with My Smartphone: Fantasy für Pädophile In Another World with My Smartphone: Fantasy für Pädophile In Another World with My Smartphone: Fantasy für Pädophile In Another World with My Smartphone: Fantasy für Pädophile In Another World with My Smartphone: Fantasy für Pädophile In Another World with My Smartphone: Fantasy für Pädophile In Another World with My Smartphone: Fantasy für Pädophile In Another World with My Smartphone: Fantasy für Pädophile In Another World with My Smartphone: Fantasy für Pädophile
Die Illustration stammt von Patora Fuyuhara, Eiji Usatsuka, Crunchyroll und TV Tokyo
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Kleine Brüste, schiefe Zähne: Fehlermenschen machen uns glücklich

Wenn ich so mein Liebesleben der letzten Jahre betrachte und mich frage, wo ich denn all meine Gefühle, die ich heute oftmals schmerzlich vermisse, eigentlich hingeschleudert habe, fällt mir auf, dass ich sie vor allem an eine Sache verschwendet habe: Kurze Liebeleien. Mein Beziehungsleben ist ge...
Kleine Brüste, schiefe Zähne: Fehlermenschen machen uns glücklich

Kleine Brüste, schiefe Zähne

Fehlermenschen machen
uns glücklich

Jana Seelig

Wenn ich so mein Liebesleben der letzten Jahre betrachte und mich frage, wo ich denn all meine Gefühle, die ich heute oftmals schmerzlich vermisse, eigentlich hingeschleudert habe, fällt mir auf, dass ich sie vor allem an eine Sache verschwendet habe: Kurze Liebeleien.

Mein Beziehungsleben ist geprägt von einigen kurzen, aber heftigen, und damit sogleich auch sehr instabilen, zwischenmenschlichen Kontakten, die manchmal nicht einmal über einen dreiwöchigen Chat per WhatsApp hinausgehen.

Nicht selten hat man deshalb versucht, mir die Diagnose „Borderline“ anzuhängen, und ich wünschte, es wäre echt so einfach, also einfach im Sinne von „Ich kann nichts dafür, ich hab da diese echt beschissene Krankheit, die mich immer wieder zu was führt“, aber das ist es eben leider nicht. Ich bin einfach gefühlsbeschränkt, auf meine ganz eigene Art und Weise.

Meistens weiß ich nicht mal, was und ob ich überhaupt etwas fühle. Ich finde einfach gut, was gerade da passiert und will das bis zum letzten Tropfen auskosten. Nur, dass ich so weit gar nicht komme, weil der letzte Tropfen einfach immer im Hals der ansonsten leeren Weinflasche hängen bleibt, weil ich denke „Ach, ist doch egal, die nächste Flasche wartet schon!“ und ich mir somit nicht einmal die Mühe mache, zu warten, bis der Tropfen draußen ist oder ich das metaphorische Glas nicht einmal bis zur Hälfte austrinken kann, weil mir das, was darin ist, irgendwie doch nicht richtig schmeckt, obwohl ich zu Beginn ganz gierig danach war.

Anders formuliert: Ich finde einen Menschen wahnsinnig interessant, verknalle mich vermutlich sogar ein kleines bisschen in ihn, merke nach drei Wochen, dass ich mir nicht vorstellen könnte, ihn für immer in meinem Leben zu haben und beende das Ganze, bevor es angefangen hat. Oder ich bin eben einfach zu faul, zu ungeduldig, zu gestresst, auf den Moment zu warten, in dem das anfängliche Verliebtsein zu etwas Echtem wird und widme mich einfach der nächsten Flasche. Und damit meine ich einen anderen Menschen, keinen Wein.

Das geht natürlich nicht nur mir so, sondern manchmal auch meinem Gegenüber, aber dem kann ich ja schlecht Vorwürfe für etwas machen, das ich ganz genau so tue. Es scheint aber so ein generelles Problem unserer Generation, dass wir uns einfach nicht mehr ganz normal verlieben können.

Irgendwas fehlt eben immer, seien es jetzt Zeit oder Lust, jemanden wirklich kennen, und lieben, zu lernen, oder dass wir über einfache Oberflächlichkeiten wie eine zu kleine Oberweite oder schiefe Zähne nicht mehr hinweg sehen können, weil es da draußen eben auch Menschen gibt, deren Brüste größer und deren Zähne irgendwie nicht ganz so schief sind.

Und statt uns auf das, was wir da vor uns haben, einzulassen, nutzen wir unsere spärliche Zeit mit der Suche nach etwas Schönerem, Größeren, Besseren, bis wir auch auf das keine Lust mehr haben, weil es schon wieder langweilig ist. Oder am Ende einfach doch zu groß, zu gerade, zu perfekt.

Gerade mit Letzterem hadere ich oft. Ich weiß, kein Mensch ist wirklich vollkommen perfekt, aber in meinen Augen gibt es so einige, die dem schon ziemlich nahe kommen, zumindest auf den ersten Blick. Und immer dann, wenn ich einen Menschen für perfekt befinde, nicht allgemein, sondern für mich, gehe ich besonders stark auf Rückzug, lasse das halb volle Glas stehen und schau mich nach einer Flasche um, die einen Sprung hat.

Einfach, weil ich nicht glauben kann, dass eine Sache so gut passt, wie sie in dem Moment gerade eben passt, es ist doch alles fehlerhaft, ich, du, er, sie, es, und bevor ich wirklich anfangen kann, nach diesem einen Fehler zu suchen, diesem klitzekleinen Stückchen, das beweist, das vor mir doch nur ein Mensch sitzt und keine nach meinen Maßstäben gebaute Maschine, haue ich eben lieber ab, nehme dafür aber etwas mit, das offensichtlich noch kaputter ist.

Das letzte fehlerhafte Stück Mensch, dem ich einen kurzen aber heftigen Besuch in meinem Herzen erlaubt habe, hatte diesen Fehler von Anfang an, offensichtlich. Ich wusste das und es hat mich gereizt. Ich wollte den Fehler bestätigt bekommen, so wie es am Ende eben auch kam. Es hat sich für mich gut angefühlt, obwohl es so tragisch gescheitert ist. Aber auch das wusste ich bereits und ws war mir wie so oft egal.

Ich hatte gar kein Interesse daran, hinter diesen Fehler zu blicken und den ganzen Mensch vor mir zu sehen. Einerseits, weil es mir viel zu viel Arbeit war und andererseits, weil ich es leid war, mit einer Flasche zu kämpfen, aus der der letzte Tropfen einfach nicht hinaus zu kriegen war und mich somit lieber der Flasche, deren Mindesthaltbarkeitsdatum längst schon überschritten war, beschäftigte.

Ich kann mich gut von Liebelei zu Liebelei hangeln, denn so ätzend ich sie finde, so viel geben sie mir auch. Aber immer nur für einen kurzen Moment – eben so lange, wie ich das, was da passiert für gut befinde und mir nicht vollkommen ernsthaft die Frage stellen muss, was und ob ich etwas fühle. Etwas Echtes, meine ich.

Dass ich mir die Frage eigentlich überhaupt nicht stellen muss, fällt mir immer erst zu spät auf. Ich weiß nämlich sehr wohl, wenn ich wirklich etwas fühle, wenn ich die ganze Flasche trinken will, bis auf den allerletzten Schluck und dann, verdammt, dann kehre ich auch zurück zu ihr – nur um festzustellen, dass sie die ganze Zeit nur verschlossen war und ich lediglich zu blöd, den Deckel aufzumachen, der mich vom letzten, kleinen Schluck darin getrennt hat, den ich so dringend gebraucht habe.

Das ist dann der Moment, in dem ich begreife, dass ich das andere nie gebraucht habe, all die Flaschen, die Liebeleien, weil das, was ich wollte, bereits vor mir stand und ich meine Kräfte nur falsch eingesetzt habe, weil mir das zu diesem Zeitpunkt so richtig erschien und ich ja auch Spaß an dem anderen hatte.

Es hat sich einfach nur nicht gelohnt, auf eben dieses andere zu setzen, weil das, was man eigentlich wollte, obwohl man sich dem nicht ganz bewusst war, mit etwas Kraft, Geduld und Köpfchen so einfach zu erreichen war. Und am Ende übrigens doch ganz perfekt, weil Fehler dann auch nicht mehr zählen.

Die Fotografie stammt von Toa Heftiba
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Berlin im Herbst: Wie ein guter Freund, der im Sterben liegt

Dass der Sommer vorbei geht, das bleibt in Berlin nie lange unbemerkt. Obwohl die Sonne noch versucht, uns mit wärmender Güte zu täuschen. Das Atmen fällt schwer, wenn wir hastig durch die Gassen eilen. Die Blätter werden gelb, wenn sie den Kampf gegen die unaufhaltsame Zeit verlieren. Die Herzen we...
Berlin im Herbst: Wie ein guter Freund, der im Sterben liegt

Berlin im Herbst

Wie ein guter Freund,
der im Sterben liegt

Marcel Winatschek

Dass der Sommer vorbei geht, das bleibt in Berlin nie lange unbemerkt. Obwohl die Sonne noch versucht, uns mit wärmender Güte zu täuschen. Das Atmen fällt schwer, wenn wir hastig durch die Gassen eilen. Die Blätter werden gelb, wenn sie den Kampf gegen die unaufhaltsame Zeit verlieren. Die Herzen werden kälter, wenn wir ihre Güte benötigen.

Berlin im Herbst, das ist wie ein guter Freund, der im Sterben liegt. Wir nehmen uns mehr Zeit, um uns darüber klar zu werden, was wir wirklich wollen, im Leben. Wir gehen weniger aus, stürzen uns kopfüber in die Arbeit, um zu verdrängen, um uns zu beschäftigen, um etwas zu bewegen, wie sollen wir sonst eine Erinnerung schaffen?

Wenn die Bäume erst einmal kahl und die Straßen farblos sind, kommt die Hässlichkeit der Stadt zum Vorschein. Eine Hässlichkeit, der wir uns sonst, unter all dem Lachen und der Musik und der Aufregung, gar nicht bewusst sind, aber von der wir wissen, dass sie existiert, weil sie ihr Gesicht immer dann zeigt, wenn nichts mehr sie verdecken kann.

Plötzlich wandeln wir wieder durch die seelenlose Mischung aus maroden Gebäuden und korrupter Architektur, aus verschmierten Wänden und verlorener Scheiße, aus schwarz gekleideten Massen und einem grauen Firmament. Mit jedem Herbstanfang weicht das pure Leben aus der Stadt, der Puls wird ruhiger, das Adrenalin versiegt, die Nächte scheinen unendlich.

Der Bass zieht sich in den Untergrund zurück. Eingefallene Wesen, die an diesen Ort geflohen sind, um zu vergessen, suchen Schutz vor der angebrochenen Klarheit. Kein Licht im Kopf, nur kein Licht im Kopf. Was sie gesehen haben, soll im Dunkeln verbleiben, sie feiern nicht, um zu feiern, sondern um zu überleben. Der Herbst, das ist ihr Feind.

Junge und Alte, sie spüren es, Gäste und Bewohner, sie wissen es. Wenn der Sommer geht, an einen besseren Ort, dann stiehlt er dieses eine Gefühl. Das Gefühl, das wir hatten, als wir zum ersten Mal einen Fuß in diese Stadt gesetzt haben. Das uns befeuerte und uns den Zweifel nahm. Den Zweifel daran, dass hier unser neues Leben beginnt. Ganz sicher.

Während dem Winter ein Ende innewohnt, das wir alle wortlos akzeptieren, scheint uns der Herbst zu verhöhnen. Wir zerren an ihm wie ein kleines Kind, nein, bitte nicht, das darfst du nicht, lass die Freude da, lass das Leben da, lass den Sinn da. Doch er schaut nur ruhig auf uns herab und zieht seine ewige Runde – daran können auch wir nichts ändern.

Berlin im Herbst, das ist wie ein guter Freund, der im Sterben liegt. Uns bleibt nichts anderes übrig, als leise von ihm Abschied zu nehmen und ihm zu schwören, dass wir auch ohne ihn ein gutes Dasein führen werden. Ein erfülltes, ein ehrbares, ein unvergessliches. Die Hand, die wir halten, sie löst sich auf. Und uns bleibt nichts. Außer dem Andenken.

Wir treten nach draußen. Die Bäume sind kalt, die Straßen sind farblos. Kein Lachen, keine Musik, keine Aufregung. Schwarz gekleidete Körper schreiten rasch an uns vorbei. Dass sie gerade noch nackt am Strand getanzt haben, mit der verlorenen Liebe in der einen und einem gekonnt gerollten Joint in der anderen Hand, das scheinen sie vergessen zu haben. Nicht nur die Nächte werden kälter.

Im Herbst werden unsere Zweifel wieder lauter. Ob es wirklich eine gute Idee war, unser altes Leben fortzuwerfen, um hier von Neuem zu beginnen, fragen wir uns dann. Ob Berlin die richtige Wahl war, zwischen all den Möglichkeiten und Chancen und Städten. Ob wir mit dem, was wir jetzt, in diesem Augenblick, machen, wirklich, wirklich, wirklich zufrieden sind.

Wenn der Sommer die Ablenkung ist, dann ist der Herbst der Spiegel. Einer, dem wir uns nur schwer entziehen können. Wir blicken hinein und sehen nur uns selbst. Kein noch so guter Freund kann sich zwischen ihn und uns drängen, was wir dort sehen, das sind wir, niemand sonst. Und er will nur eine Antwort von uns, jedes Mal aufs Neue: Haben wir diese Stadt erobert – oder uns lediglich von ihr verschlucken lassen?

Als wir im Café auf die dunklen Gestalten starren, deren Existenz nur durch die Suche nach dieser Antwort gerechtfertigt wird, wird uns bewusst, dass das Ende der heißen Tage nicht unser Ende bedeuten muss. Und dass wir mehr können, als das Versprechen abzugeben, dass wir den nächsten Sommer, sofern wir ihn erleben, besser nutzen als den jetzigen.

Mehr Partys, mehr Drogen. Mehr Liebe, mehr Sex. Mehr Erfolg, mehr Geld. Was dieser Sommer nicht ermöglichen konnte, aufgrund welcher Ausreden auch immer, das soll der nächste gefälligst bieten. Aber das wird er nicht. Schließlich sind wir selbst daran schuld, dass wir die schweißgetränkten Tage und die hitzigen Nächte nicht genutzt haben. Sonst niemand.

Wir verschwenden nicht nur Lebensmittel oder Rohstoffe oder Geld, wir verschwenden Zeit. Zeit, die wir hätten nutzen können, um unser tristes Dasein mit Augenblicken zu füllen, die sich kurz vor unserem Ableben in einer gigantischen, monumentalen, mit Orchestermusik unterlegten Zusammenfassung abspielen wird. Doch momentan ist sie noch erschreckend leer.

Berlin im Herbst, das ist wie ein guter Freund, der im Sterben liegt. Bevor er die Augen schloss, mussten wir ihm ein Versprechen geben. Das Versprechen, nicht nur darauf zu warten, dass er wieder kommen würde, sondern die Zeit bis dahin nicht wertlos verebben zu lassen. Egal ob die Bäume kahl und die Straßen farblos sind. Schließlich fordert der Spiegel eine Antwort.

Die Fotografie stammt von Reiseuhu
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Sex im Job: Wie gut fickt mein Chef?

Es gibt ja die unterschiedlichsten und absurdesten Theorien über den Penis. Je größer die Nase desto größer ist er. Fingergröße ist gleich Gliedgröße. Je dünner der Mann desto dünner sein Schwanz. Bei Frauen kursieren da ganz andere Legenden. Je stiller und zurückhaltender die Frau im Alltag desto w...
Sex im Job: Wie gut fickt mein Chef?

Sex im Job

Wie gut fickt
mein Chef?

Christine Neder

Es gibt ja die unterschiedlichsten und absurdesten Theorien über den Penis. Je größer die Nase desto größer ist er. Fingergröße ist gleich Gliedgröße. Je dünner der Mann desto dünner sein Schwanz. Bei Frauen kursieren da ganz andere Legenden. Je stiller und zurückhaltender die Frau im Alltag desto wilder ist sie im Bett. Angeblich. Ich kenne Männer, die sich genau aus diesem Grund nur mit ruhigen Mäuschen verabreden. Die Hoffnung stirbt ja bekannterweise zuletzt und so auch der Wunsch der Typen nach einem wilden, unvergesslichen Fick. Eine Brillenschlange, die plötzlich im Bett zur Granate wird, die Peitsche rausholt und ihm Handschellen anlegt.

Seitdem mir jemand diese Mäuschen-Granaten-Theorie erzählt hat, kann ich nicht mehr damit aufhören, mir die Menschen, die ich kennenlerne, beim Geschlechtsverkehrt vorzustellen. Vielleicht bin ich ja gar nicht die Einzige. Vielleicht gibt es ja noch mehr Menschen da draußen, die sich bei jeder neuen Bekanntschaft, die sie machen, sei es im Supermarkt oder beim Yoga, vorstellen, wie sie beim Sex ist.

Diese Gedanken kommen einfach, schleichen sich an und erschrecken mich dann zu Tode. Wie er wohl die Brust einer Frau streichelt. Ob er eher der Kneter oder der Melker ist. Ob er ganz leicht reinbeißt. Oder sie steif rubbelt. Und sie? Ob sie sich so richtig fallen lassen kann. Oder beim Sex die Maniküre überprüft. Ob sie Männern einen bläst. Oder schon einmal Sperma im Gesicht hatte. Fragen über Fragen überschlagen sich in meinem kleinen Kopf und ich bin machtlos dagegen.

Besonders schäme ich mich für meine Fantasien beim Businessmeeting. Wenn mich mein Chef anschaut, mir was von Marketingkonzepten erzählt, und ich mich frage, ob er wohl einen Fetisch hat. Ich hatte einmal einen Vorgesetzten. Ende 20. Nicht sehr witzig oder wortgewandt aber sehr hübsch mit einem Jahresgehalt um die 120.000 Euro. Er hatte eine Vorliebe für gestreifte Hemden und den ausdruckslosesten Blick, den ich je in meinem Leben gesehen habe. Es war schon spannend, mir vorzustellen wie er aussieht, wenn er lacht.

Am Anfang hatte ich keine bösen Gedanken, weil ich davon überzeugt war, dass er Sex mit seinem Aktenkoffer hat. Oder gar keinen. Dann habe ich erfahren, dass er eine Lebensgefährtin hat und das Kopfkino ging los. Entweder er ist ein Schmusekätzchen, das gerne kuschelt, vorwiegend mit dem Gesicht zwischen den Brüsten der Frau oder den Lippen am Ohrläppchen.

Oder er ist genauso knallhart wie im Beruf, schleudert die Frau all abendlich aufs Bett und rammelt sie einmal schnell durch, bevor er sich wieder an den Schreibtisch setzt und Mails beantwortet. Oder er ist einer derjenigen, die gerne in ihrer Freizeit Sklaven spielen. Die den ganzen Abend auf allen Vieren vor dem Sofa kriechen, damit die Frau ihre Füße auf ihnen ablegen kann. Meinen Gedankengang schließe ich immer mit der Vorstellung ab, welche Geräusche mein Gegenüber wohl beim Orgasmus macht. Ob er der Schreier, der Quengler oder der Ja-Sager ist. Es ist nicht einfach, mit so einer blühenden Fantasie gesegnet zu sein.

Es gibt aber Ausnahmen. Begegnungen mit Menschen, vorwiegend Männern, wo mein Hirn völlig leer ist. Keine Kamasutra-Stellungen, keine Brunftschreie, keine steifen Glieder. Da schau ich meinem Gegenüber in die Augen und lande direkt im Herz. Da ist alles so glasklar, dass ich bis zum Knochenmark schauen kann. Da gibt es keinen Körper mehr, sondern nur noch eine Seele.

Da verliere ich mich im Dickicht der Augenbrauen, zähle jeden einzelnen Wimpernschlag, möchte schmecken, nur riechen, am Körper, vom Hals bis zur Fußsohle, und fahre hundertmal die Kontur der Lippe mit meinen Augen nach. Dann wird mein Puls ganz schnell und meine Hände feucht, meine Stimme vibriert und ich höre einfach nur zu, sauge jedes einzelne Wort auf, das mein Gegenüber sagt und spinne ein Liebesnetz daraus.

Ja, dann bin ich verliebt. Dann habe ich keine Vorstellungen, dann möchte ich erleben, frei von Erwartungen. Und das ist auch gut so. Das ist der natürliche Schutzmechanismus. Denn stellt euch vor, ihr findet jemanden richtig, richtig gut, spielt schon den ganzen Akt der Liebe im Kopf durch, wie perfekt eure Körper zusammen passen, wie jeder Handgriff und jeder Kuss sitzt und dann kommt alles anders.

Ganz anders und ganz schrecklich. Da passt und sitzt erst einmal gar nichts. Je höher die Erwartungen, desto größer der Druck und umso tiefer auch die Enttäuschung, wenn es nicht so ist, wie man es sich vorgestellt hat. Deswegen denke ich, unser Kopf schaltet bei Menschen, die wir wirklich mögen, alle Sexfantasien ab, um uns vor all zu großen Erschütterungen in Folge von zu großen Erwartungen zu schützen und uns die reine Seele einer Jungfrau zu geben. Denn lieber keine Vorstellung haben, dafür die Hoffnung, die wie wir ja schon wissen, als letztes stirbt.

Falls ihr mich also einmal kennen lernen solltet, in nächster Zeit, macht euch keine Gedanken über euer Aussehen oder Verhalten. Ich höre euch sowieso nur halb zu und in meinem Kopf läuft ein ganz anderer Film ab. Ein Porno, mit euch in der Hauptrolle.

Die Illustration stammt von Cerry, Icons8 und Smashicons
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Sailor Moon: Die Abenteuer eines magischen Mädchens

Bunny Tsukino ist ein fröhliches 14-jähriges Schulmädchen, das sich oft in ungewollten Schwierigkeiten befindet. Eines Tages rettet sie eine sprechende Katze namens Luna vor ein paar gemeinen Kindern, und ihr Leben verändert sich schlagartig für immer. Luna schenkt Bunny eine magische Brosche, die s...
Sailor Moon: Die Abenteuer eines magischen Mädchens

Sailor Moon

Die Abenteuer eines
magischen Mädchens

Annika Lorenz

Bunny Tsukino ist ein fröhliches 14-jähriges Schulmädchen, das sich oft in ungewollten Schwierigkeiten befindet. Eines Tages rettet sie eine sprechende Katze namens Luna vor ein paar gemeinen Kindern, und ihr Leben verändert sich schlagartig für immer. Luna schenkt Bunny eine magische Brosche, die sie in Sailor Moon, Verteidigerin von Liebe und Gerechtigkeit, verwandelt!

Nun muss sie gemeinsam mit ihrer tierischen Gefährtin zusammenarbeiten, um die anderen Sailor-Kriegerinnen und die dazugehörige Mondprinzessin zu finden, deren legendärer Silberkristall die einzige Hoffnung der Erde gegen die dunklen Mächte der bösen Königin Berylle ist. Und damit wären auch kurz die Anfänge von Sailor Moon erklärt, die zweifellos zu den beliebtesten Anime-Serien aller Zeiten zählt.

Doch es geht noch weiter. Denn nachdem Bunny und Luna mit der ziemlich nerdigen Sailor Merkur und der burschikosen Sailor Mars neue Freunde gefunden haben, setzen sie ihre Suche nach dem legendären Silberkristall fort, während zwei neue mächtige Verbündete in den Kampf ziehen. Sailor Jupiter ist die grosse und zähe Hüterin des Donners, und Sailor Venus gilt sowohl als die Hüterin der Liebe als auch gleichzeitig als das wohl erfahrenste Mitglied.

Sailor Moon selbst erhält mit der Zeit beeindruckende neue Kräfte und lernt immer mehr über den mysteriösen Tuxedo Mask, der komischerweise immer genau im richtigen Moment zu erscheinen scheint. Könnten ihre fernen Vergangenheiten miteinander verflochten sein, und hat das etwas mit der Mondprinzessin zu tun, die sie suchen? Alles läuft auf den finalen Kampf mit Königin Beryl hinaus, der den Sailor-Kriegerinnen wirklich alles abverlangen wird, um siegreich zu sein.

Sailor Moon ist der Inbegriff des weltweit geliebten Phänomens der magischen Mädchen und erzählt die kunterbunten Abenteuer der tollpatschigen 14-jährigen Schülerin und ihrer Freundinnen, die vom Schicksal auserwählt wurden, um die Mächte des Bösen zu besiegen. Die Legenden von Sailor Moon werden bereits seit über 20 Jahren in diversen Anime, Manga und Romanen erzählt und von zahlreichen Fans auf der ganzen Welt geschätzt.

Basierend auf Naoko Takeuchis erfolgreicher Grafikromanreihe erzählt Sailor Moon das fantastische Märchen von einer gutherzigen Heulsuse, die dazu bestimmt ist, die Welt vor dunklen Mächten zu schützen. Werden die Sailor-Kriegerinnen in der Lage sein, den legendären Silberkristall rechtzeitig zu finden, bevor die Welt in ewige Dunkelheit fällt? Na hoffentlich!

Sailor Moon ist auch heute noch sehenswert. Die liebenswerten Charaktere trösten über die längst überholten Monster-of-the-Week-Folgen hinweg. Wer sich gemeinsam mit ein paar taffen Mädels in ein ästhetisch beeindruckendes Tokio begeben und dort das ein oder andere magische Abenteuer erleben möchte, der ist bei Sailor Moon genau richtig. Und wer sich nicht bereits in den ersten Minuten in Bunny Tsukino und ihre besten Freundinnen verknallt, dem ist sowieso nicht mehr zu helfen.

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Die Illustration stammt von Naoko Takeuchi, Kodansha und Kazé
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Make-Up: Ich darf mit meinem Gesicht machen, was ich will!

Mir wird relativ häufig gesagt, dass ich ohne Make-Up viel hübscher aussehe als mit. Meistens in Verbindung mit Du brauchst diesen ganzen Kram gar nicht! oder Männer stehen auf Natürlichkeit!. Zu all diesen Menschen, die solche Sätze von sich geben, habe ich genau eins zu sagen: Fickt euch! Es g...
Make-Up: Ich darf mit meinem Gesicht machen, was ich will!

Make-Up

Ich darf mit meinem
Gesicht machen,
was ich will!

Nadine Kroll

Mir wird relativ häufig gesagt, dass ich ohne Make-Up viel hübscher aussehe als mit. Meistens in Verbindung mit „Du brauchst diesen ganzen Kram gar nicht!“ oder „Männer stehen auf Natürlichkeit!“. Zu all diesen Menschen, die solche Sätze von sich geben, habe ich genau eins zu sagen: Fickt euch! Es geht euch gar nichts an, ob und wie viel Zeug ich mir ins Gesicht schmiere.

Und Dinge wie „Du siehst heute sehr blass aus, bist du krank?“, könnt ihr euch auch sparen. Ich bin nicht krank, ich bin einfach nicht geschminkt. Und dazu meistens noch ziemlich unausgeschlafen, weil ich die Nacht entweder mit lernen, mit feiern oder mit Vögeln verbracht habe. Hört doch bitte einfach auf, mein Aussehen zu kommentieren.

Ich schminke mich verdammt gerne. Und zwar nicht nur, weil ich mich mit Make-Up attraktiver finde. Mir gefällt meine Fresse auch ohne den ganzen Kram ganz gut. Aber schminken macht mir nun mal Spaß und ich liebe es, dass ich damit mein Gesicht verändern kann, wie es mir beliebt. Ich trage Make-Up grundsätzlich für mich und nicht für andere.

Wenn ich also meine Augenringe unter einer dicken Schicht Concealer verschwinden lassen will, ist das meine Sache. Ich hab kein Problem damit, anderen Leuten die dunklen Schatten unter meinen Augen zu präsentieren. An manchen Tagen kotzen sie mich einfach selbst so an, dass ich sie überschminken muss. Selbiges gilt für Pickel. Insbesondere die, die aufgrund erhöhten Drogenkonsums entstanden sind. Es ist schon okay, dass sie da sind. Ich will sie bloß nicht immer sehen.

Natürlich trägt ein großer Teil der Frauen auch heute noch hauptsächlich Make-Up, weil das zu einem „tadellosen Erscheinungsbild“ dazu gehört. Es sind aber eben nicht alle. Und wie immer sollte hier nicht die Frau an sich hinterfragt werden, sondern eher die Gesellschaft, die erwartet, dass Frauen immer adrett gekleidet sowie perfekt frisiert und geschminkt sind. Es braucht verdammt viel Kraft, sich von diesen Erwartungen zu lösen und drauf zu scheißen, was andere über dein Aussehen sagen. Wenn nicht jeder ständig die Optik einer Frau kommentieren müsste, egal ob positiv oder negativ, wäre es um ein Vielfaches einfacher.

„Ihr Frauen habt’s so gut! Ihr könnt einfach alle Makel überschminken!“ Wer hat denn behauptet, dass es für Männer nicht okay ist, sich eine dicke Schicht Make-Up in die Fresse zu klatschen, das Gesicht nach Belieben zu konturieren, um die Stirn etwas kleiner und die Nase schmaler erscheinen zu lassen, oder knallpinken Lippenstift zu tragen? Ach, die Gesellschaft war’s! Entschuldigung, aber wenn du dir als Kerl von „der Gesellschaft“ verbieten lässt, dich zu schminken, weil sich das für einen „echten Mann“ nicht gehört, hast du einfach keine Eier in der Hose.

Es spricht absolut nichts dagegen, auch als Mann die eigenen Pickel oder Augenringe mit Concealer abzudecken. Ist alles eine Frage der Prioritäten. Und wenn es du dich als Mann mit deinen sogenannten „Makeln“ in unserer Gesellschaft wohler fühlst als mit ein bisschen Schminke, weil du Angst hast, man könne dich für die Verwendung von Make-Up verurteilen, beschwer dich halt auch darüber, dass Frauen alles abdecken „dürfen“ und du nicht.

Generell sind es eigentlich immer die Männer, die motzen, wenn es um das Thema Make-Up geht. Es ist immer zu viel oder zu wenig. Der einzige Look, der durchweg akzeptiert ist, ist der, bei dem die Frau sich zwanzig Tonnen Schminke ins Gesicht schmiert, nur um möglichst ungeschminkt auszusehen. Auf YouTube gibt es hunderte Tutorials dazu, wie das mit nur 58 verschiedenen Produkten funktioniert. Prinzipiell ja eine ganz gute Idee, aber in meinen Augen völlig unnötig. Wenn ich Make-Up trage, dann will ich das auch sehen. Und der „ungeschminkt“-Look funktioniert am besten, indem man einfach das tut, was das Wort schon sagt. Nämlich sich nicht schminken.

Die Entscheidung, ob und vor allem wie man sich schminkt, sollte dennoch jedem Menschen selbst überlassen werden. Es hat überhaupt nichts mit „Falschheit“ zu tun oder „jemandem etwas vormachen“. Ein bisschen, oder auch extrem viel, Make-Up ändert nichts am Charakter eines Menschen. Oder an seinen Qualitäten im Job. Oder, oder, oder. Der Spruch „Wer mich ungeschminkt nicht mag, hat mich geschminkt nicht verdient!“, ist genauso schwachsinnig wie „Ich schminke mich nicht, weil ich nichts zu verbergen habe!“. Alleine deshalb schon, weil solche Sätze immer als Rechtfertigung vor anderen benutzt werden.

Verdammt, steht doch einfach dazu, wenn ihr euch gerne die Augen dick mit schwarzem Kajal umrandet oder kein Make-Up benutzt, weil ihr euch ohne einfach schöner findet. Oder lediglich zu faul seid, euch zu schminken. Selbst wenn ihr euch das Gesicht jeden Tag in der Farbe einer Deutschlandflagge anmalt, geht das niemanden etwas an. Es vermittelt ein komisches Signal, definitiv, aber eigentlich darf niemand eure Intension dahinter hinterfragen. Niemand außer euch selbst.

Die vielzitierte Natürlichkeit wird genauso überbewertet wie ein Lippenstift von Chanel. Man sollte immer das tun und tragen, mit dem man sich wohl fühlt. Und das bezieht sich jetzt nicht nur auf Schminke, sondern auch auf Kleidung. Und den Charakter selbst.

Jeder Mensch kann für sich selbst entscheiden, ob und wie er sich schminkt. Ob er oder sie gerne Röcke trägt oder auf Unterwäsche verzichtet. Jeder Mensch hat einen Einfluss darauf, ob er ein Arschloch ist oder nicht. Schlechte Eigenschaften lassen sich genauso ablegen wie Make-Up. Es liegt eben nur nicht an Fremden, zu bestimmen, was man zu tun oder zu lassen hat, sondern immer an einem selbst.

Liebe Mädchen. Liebe Jungs. Schmiert euch in die Fresse, was ihr euch in die Fresse schmieren wollt. Ganz egal, ob das nun fünf Schichten Concealer und Rouge oder eine Schicht Nutella ist. Zieht an, was ihr anziehen wollt. Wenn ihr ab morgen eure Unterhose wie Doug Funnie auf dem Kopf tragen wollt, dann macht das. Benehmt euch, wie es euch beliebt.

Aber hört bitte damit auf, andere Menschen für ihr Erscheinungsbild zu judgen. Es geht euch nämlich gar nichts an, warum jemand wie aussieht und was er eventuell damit ausdrücken will. Meistens hat die Optik nämlich gar nichts über eine Person zu sagen. Zumindest nicht mehr als „Ich finde das geil, also mache ich das so.“

Die Fotografie stammt von Oz Seyrek
Der Text erschien in der Kategorie Mode mit den Themen
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Kurze Haare, kleine Brüste: Ich liebe Tomboys

Als ich mit zwölf Jahren meine allererste, sogenannte, Freundin in unserem selbstgebauten Geheimversteck irgendwo unter Pappkartons, Rattengift und Industriepaletten den nackten, haarigen Arsch kraulte, wusste ich, was mich mein restliches Leben lang erwarten würde. Denn sie war keines dieser normal...
Kurze Haare, kleine Brüste: Ich liebe Tomboys

Kurze Haare, kleine Brüste

Ich liebe
Tomboys

Marcel Winatschek

Als ich mit zwölf Jahren meine allererste, sogenannte, Freundin in unserem selbstgebauten Geheimversteck irgendwo unter Pappkartons, Rattengift und Industriepaletten den nackten, haarigen Arsch kraulte, wusste ich, was mich mein restliches Leben lang erwarten würde. Denn sie war keines dieser normalen Mädchen, die irgendwann anfingen, sich wie wild Make-up aufs Gesicht zu knallen, zur Pediküre zu gehen und sich die Beine zu rasieren, sondern mein bester Kumpel. Seit etlichen Jahren schon.

Wir sprangen als Power Rangers über Erdsäcke, schlugen uns im Wald gegenseitig windelweich und schauten spät abends zusammen mit ihren kleinen Brüdern die ersten Pornos auf TM3, nur um ihr eigen Fleisch und Blut dann auszulachen und johlend die Treppe hinunter zu stoßen. Ich bewunderte Maria mit jeder Faser meines Körpers. Sie war mein erster Tomboy.

Drei Jahre später hatten wir dann das erste Mal Sex. Sie kam gerade vom Kellnern im Lokal ihrer Mutter hoch in ihr Zimmer, wir redeten die ganze Nacht. Über wahnsinnige Träume und die Zukunft und Xavier Naidoo. Ich streifte ihr mit einer Handbewegung den hellgelben Slip vom Körper und wühlte mich durch ihren behaarten Unterleib.

Ein guter Freund schlummerte grinsend daneben, der Vollmond schien ins Zimmer – wie romantisch das doch war. Dass sie mir ein Jahr später beichtete, sie sei ja eigentlich lesbisch und hätte sich schon im Kindergarten am liebsten von Liesl und Beate beim Mittagsschlaf umarmen lassen, hielt mich nicht davon ab, diese Liebe zu weiblichen Kumpeltypen fortzusetzen.

Tatsächlich stand ich noch nie auf nervige Tussis. Mit ihren Stöckelschuhen und Handtäschchen und glitzernden Lippen. Obwohl ich mit einigen von ihnen zusammen war. Zum Testen. Was ich wollte, waren Mädels mit Verstand. Und Direktheit. Und Sinn für’s Grobe. Ich mochte diejenigen, die statt Tangas Boxershorts trugen. Die sich auf Skateboards blutige Knie einheimsten, anstatt im Solarium zu verbrennen.

Die sich durchsetzen konnten und frech waren und eine eigene Meinung hatten und verdammt noch mal eher das Leben fickten, als sich davon penetrieren zu lassen. Die man als gute Freunde kennen lernte und die plötzlich mit prallen Titten und fertiger Muschi schmunzelnd vor einem standen, aber sich dennoch nicht verändert hatten. Und dann ausprobierten, was neu war. Wie mit Maria. Oder Anastasia. Oder Wenke.

Eine gute Freundin meinte einmal zu mir, dass ich auf diese Art von Mädchen stehe, weil ich ohne Vater aufgewachsen bin. Und dadurch versuche, mit allen Mitteln verlorene Autorität zurück zu holen. Mag sein, aber das ändert nichts an der Tatsache, dass ich nichts mit Mädchen anfangen kann, die zu allem Ja und Amen sagen. Die unbedingt dem geltenden Schönheitsideal entsprechen müssen. Und die kichern und klimpern und niemals furzen oder grunzen oder schlagen. Wie öde. Dann kann ich auch mit einer Puppe zusammen sein.

Die schönsten und womöglich auch lehrreichsten Zeiten meines Lebens habe ich deswegen auch immer mit weiblichen Wesen erlebt, die eben mehr Kumpel als Freundin waren. Mit denen ich nachts um die Wette trinken und koksen und kotzen und grölen konnte, nur um sie anschließend auf dem Balkon durchnehmen zu dürfen, während Muse auf voller Lautstärke lief – weil es gerade Sommer war und die Stadt unter der Hitze zu zerschmelzen drohte. Die kleine, feste Brüste mit diesen wahnsinnig tollen, puffigen Nippeln hatten, weil Gott bis zur letzten Sekunde unentschieden war, welches Geschlecht er ihnen um seines Willen erteilen sollte. Und ich war ihm unendlich dankbar dafür.

Und die während des Sex erst einmal lautstark nebenan kacken gingen, nur um ein paar Minuten später grinsend zurück zu kehren, ihre abstrusen und verrückten Abenteuer auf dem Klo zu schildern und dann mit fettigem Salami-Sandwich und einer frisch geöffneten Flasche Bier im Mund weiter zu vögeln. Um anschließend selbst Fotos mit der miesen Digitalkamera vom Discounter von sich zu machen und am nächsten Tag an einen weiteren unserer Kumpel zu schicken. Das ist wahre Liebe, fernab von allen beschissenen Disney-Filmen und Bravo-Foto-Love-Storys und Bilderbuch-Ratgebern. Was für ein Dreck.

Also lebe ich mein Leben ganz normal weiter, schlafe ab und zu mit langweiligem Menschen, deren Geschichten schon tausend Mal erzählt worden sind, und hoffe insgeheim, dass ich mich irgendwann einmal richtig in einen vorlauten, durchgeknallten, anstandslosen, rülpsenden, furzenden, biertrinkenden, dreckig lachenden, ungeschminkten, kleinbrüstigen, selbstbewussten Kumpeltyp mit Sommersprossen und hübscher Scheide und verschmitzten Lächeln und abstrusen Erlebnissen verknalle, und umgekehrt, der keine Angst vor’m Leben hat und über jeden noch so hohlen Blondenwitz genau so widerlich lacht wie ich.

Der eine Vergangenheit zum Eintauchen hat. Mit Höhen und Tiefen und zum Niederknien tolle Lieblingsfilme und Lieder und sowieso. Der mehr Zeit mit anderen Jungs auf dem Fußballplatz als im Barbie-Traumhaus verbracht hat. Und der nun mal eine Sie ist, bei der man im ersten Augenblick weiß: Alter, mit der ist das ganze restliche Leben eine große Mischung aus Sex und Beer Pong und Großmäuler verprügeln und auf Reisen gehen und Autos anzünden und den Sonnenuntergang anhimmeln und Slipknot hören und Geld rauswerfen und Party machen und nackt im See planschen und sich gegenseitig Flaschen reinschieben und sich mit diesem ganz bestimmten Grinsen zulächeln, das man eben nur kennt, wenn man gerade seinen besten Freund fickt. Das ist das Beste. Am ganzen Leben. Versprochen.

Die Fotografie stammt von Daniel Apodaca
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Hände rein!Ich fiste Menschen zum Orgasmus

Fisting ist eines dieser Themen, die in Pornos zwar immer wieder vorkommen, in alltäglichen Gesprächen über und rund ums Thema Sex ständig totgeschwiegen werden. Warum eigentlich? Darüber, dass wir darauf stehen, von einem besonders mächtigen und harten Schwanz penetriert zu werden, können wir doch...
Hände rein!Ich fiste Menschen zum Orgasmus

Hände rein!

Ich fiste Menschen
zum Orgasmus

Nadine Kroll

Fisting ist eines dieser Themen, die in Pornos zwar immer wieder vorkommen, in alltäglichen Gesprächen über und rund ums Thema Sex ständig totgeschwiegen werden. Warum eigentlich? Darüber, dass wir darauf stehen, von einem besonders mächtigen und harten Schwanz penetriert zu werden, können wir doch auch offen sprechen.

Fisten scheint aber so eine Grenze zu sein, die zwar in den Fantasien vorhanden ist, sonst gäbe es ja nicht so viele Pornos, die sich diesem sogenannten Fetisch widmen, aber die in den seltensten Fällen ausgelebt wird. Vielleicht aus Angst, der Partner könne einen komisch finden, wenn man ihn darum bittet. Oder, weil man Schiss hat, dass dabei irgendwas reißen könnte oder sich Arschloch und Muschi nach einem ausgiebigen Fisting nicht mehr in ihren Ursprungszustand zurückbilden.

Beides ist absoluter Quatsch. Das weiß jeder, der schon mal einen riesengroßen, festen Haufen in die Schüssel gelegt hat. Arschlöcher leiern nicht aus. Und Muschis auch nicht. Auch wenn das ein Gerücht ist, das immer wieder gerne erzählt wird. Entweder man ist als Frau sehr eng gebaut, oder eben nicht.

Ein bisschen Beckenbodentraining oder eine Geburt ändern auch nicht so viel daran, dass man das tatsächlich spüren könnte. Sage ich euch als jemand, der seine Faust schon in Frauen hatte, die bereits ein Kind geboren haben und in solchen, die noch nie im Leben einen Schwanz in sich hatten. Man kann das Tabu, das lediglich im Kopf vorhanden ist, also einfach mal kurz beiseite schieben und Fisting ausprobieren. Sofern man denn Bock darauf hat. Und das haben mehr Menschen, als man denkt.

Ich kann euch keine Anleitung dafür geben, wie man richtig fistet und auch nicht sagen, was daran so unbeschreiblich geil ist. Ich kann, wie bei allen anderen Themen auch, nur von meinen eigenen Erfahrungen berichten. Und die waren eben unbeschreiblich geil. So geil, dass ich das, was ich dabei gelernt habe, an dieser Stelle gerne weitergeben möchte. Unter anderem, damit sich mehr Menschen ihren geheimen Fantasien endlich mal in der Realität stellen. Und damit sie merken, dass Fisting weder komisch, noch irgendwie gesundheitlich bedenklich ist, wenn man es richtig angeht.

Da die Vagina ist sehr dehnbar, schließlich ist sie unter anderem dazu da, Kinder direkt aus dem Mutterleib in unsere grausame Welt zu befördern. Dennoch sollte man natürlich behutsam vorgehen, wenn man eine Faust in eine Frau stecken will. Es soll ja irgendwo auch angenehm sein. Ein bisschen Schmerz kann schon ganz geil sein. Zu viel ist in solchen Fällen jedoch ein absoluter Abturner. Grundvoraussetzung für gutes Fisting ist, dass die Frau auch ordentlich feucht ist.

Das kann sie natürlich nur dann sein, wenn sie schon erregt ist. Direkt mal die Faust in die Muschi zu schieben, nur weil es gerade bockt, ist also nicht drin. Man beginnt am besten mit einem Finger und tastet sich dann ganz langsam voran. An manchen Tagen ist das leichter als an anderen. Man sollte also nicht verzweifeln, wenn es beim ersten Mal nicht klappt. Gutes Fisting braucht Geduld.

Entspannung und pure Geilheit allein reichen allerdings meistens nicht aus, um eine komplette Faust in einer Muschi zu versenken. Es kommt auch ein bisschen auf die Stellung an, in der man es versucht. Ich für mich habe herausgefunden, dass es am leichtesten ist, eine ganze Hand in mir aufzunehmen, wenn ich auf dem Bauch liege und mit einem Kissen mein Becken stütze. Abgesehen davon, dass meine Muskulatur dann wirklich komplett entspannt ist, bietet sich meinem Partner oder meiner Partnerin dann auch ein ziemlich geiler Blick auf meine Muschi und auf meinen Arsch.

Hat man dann erst mal die Hand in der Körperöffnung, sollte man auch da nicht sofort richtig hart loslegen, sondern der Muschi Zeit geben, sich an das neue Gefühl zu gewöhnen. So eine Faust ist deutlich größer als ein Schwanz – auch wenn ihr alle von euch denkt, ihr hättet krasse Riesenpimmel. Auch immer gut: Viel Gleitgel und Nitrilhandschuhe. Beides erleichtert die Sache ungemein und macht sie für alle Beteiligten angenehmer.

Mit Analfisting hab ich zumindest nur aktiv Erfahrung. Das heißt, hier war ich immer ausführende Person und nicht diejenige, die sich eine Faust in den Arsch hat rammen lassen. Es funktioniert aber nach dem gleichen Prinzip, nur dass man vorher auf jeden Fall kacken gehen und vielleicht auch eine Darmreinigung machen sollte. Es kann, wenn es richtig angegangen wird, jedenfalls auch extrem geil sein. Sowohl für die Person, die gefistet wird, als auch für die, die sich von einer Faust penetrieren lässt.

Der Anblick eines weit geöffneten Arschlochs muss nicht für jedermann total geil sein, aber das Gefühl, eine Faust im eigenen Arsch zu haben, so hab ich mir zumindest sagen lassen, ist eines der schärfsten, die es gibt. Und da ich ja auch unheimlich darauf stehe, mir Dinge in den Arsch schieben zu lassen, schließe ich nicht aus, auch in diesem Fall irgendwann mal nicht die gebende, sondern die empfangende Person zu sein. Es hat sich bisher einfach nur noch nicht ergeben.

Jemanden zu fisten, oder gefistet zu werden, ist eine extrem intime Erfahrung. Nicht nur auf körperlicher, sondern auch auf psychischer und emotionaler Ebene. Es ist definitiv mehr, als nur die Hand in jemandes Körper zu platzieren. Und es ist mehr als eine Fantasie, die uns die Pornoindustrie verkauft.

Selbstverständlich ist Fisting, wie so ziemlich alles, was mit Sex zu tun hat, zu einem sehr großen Teil Kopfsache. Aber ich hab ja schon häufiger erwähnt, dass Sex sowieso dann am besten ist, wenn man eben diesen einfach mal ausschaltet und sich seinen Wünschen hingibt. Natürlich nicht, ohne gewisse Sicherheitsvorkehrungen zu beachten, insbesondere bei solchen Praktiken. Aber die sollte man, wenn man Sex hat, sowieso so stark verinnerlicht haben, dass sie ganz von alleine kommen und als selbstverständlich angesehen werden.

Nun denn. Schiebt eure geilen Fäustchen in noch geilere, feuchte Löcher, wenn ihr Bock darauf habt. Lebt eure Fantasien aus, egal wie pervers sie sind, und macht euch nicht so viele Gedanken darüber, was andere Leute von euch denken könnten, wenn ihr auf solche Praktiken steht. Es ist Zeit für eine sexuelle Revolution und wir alle sollten dafür unsere Fäuste erheben. Oder eben in fremde Löcher stecken.

Die Fotografie stammt von Ian Dooley
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Hollow Knight: Im Königreich der Käfer

Hollow Knight gibt es quasi für jede Plattform unter der Sonne. Xbox, PlayStation und sogar für Nintendo-Konsolen - da haben die Entwickler wirklich ganze Arbeit geleistet. Höchste Zeit für uns also, euch dieses außergewöhnliche Schmankerl der Indie-Videospielriege kurz vorzustellen. Schließlich zäh...
Hollow Knight: Im Königreich der Käfer

Hollow Knight

Im Königreich
der Käfer

Marcel Winatschek

Hollow Knight gibt es quasi für jede Plattform unter der Sonne. Xbox, PlayStation und sogar für Nintendo-Konsolen – da haben die Entwickler wirklich ganze Arbeit geleistet. Höchste Zeit für uns also, euch dieses außergewöhnliche Schmankerl der Indie-Videospielriege kurz vorzustellen. Schließlich zählt der aus dem Süden von Australien stammende Jump’n‘-Run-Titel durch seine dunkle, schaurige und mysteriöse Art und Weise zu den schönsten Action-Adventures der vergangenen Jahre.

Tief unter der langsam verfallenden Stadt Dirtmouth liegt ein uraltes zerstörtes Königreich. So manch einen Abenteurer zieht es dort in den Untergrund, um nach Schätzen, Ruhm oder nach Antworten auf mysteriöse Geheimnisse zu suchen. In Hollow Knight bahnt ihr euch nun einen Weg durch eine seltsame Welt voller Insekten, Helden und andere verdorbene Kreaturen, ganz im überall beliebten Metroidvania-Stil.

Die Atmosphäre ist meist ziemlich unheimlich und manchmal sogar beunruhigend, aber hin und wieder weht ein Hauch von Humor und Leichtigkeit durch die düstere Spielwelt, besonders dann, wenn man sich mit all den seltsamen und wunderbaren Gestalten unterhält, die man unterwegs trifft. Hollow Knight sieht wahnsinnig gut aus, bietet fordernde und reaktionsschnelle Action und hat eine unglaubliche, bizarre Insektenwelt, die darum bettelt, erforscht und erobert zu werden – wenn ihr es denn drauf habt.

Ich hatte auf jeden Fall meinen Spaß mit dem Spiel, auch wenn ich an manchen Passagen schier verzweifelt bin. Das lag oft zwar nicht unbedingt am zu hohen Schwierigkeitsgrad, sondern einfach aus einer fatalen Mischung aus Tollpatschigkeit und einer irgendwann bei mir eintretenden „Augen zu und durch“-Einstellung, die nur zu noch mehr Fehlern geführt hat. Wer einen etwas höheren Frustpegel besitzt und sich von solchen Stellen den Spielspaß nicht verderben lässt, der findet mit Hollow Knight ein schönes, rundes und liebevoll durchdachtes Abenteuer.

Hollow Knight: Im Königreich der Käfer Hollow Knight: Im Königreich der Käfer Hollow Knight: Im Königreich der Käfer Hollow Knight: Im Königreich der Käfer Hollow Knight: Im Königreich der Käfer Hollow Knight: Im Königreich der Käfer Hollow Knight: Im Königreich der Käfer Hollow Knight: Im Königreich der Käfer Hollow Knight: Im Königreich der Käfer Hollow Knight: Im Königreich der Käfer Hollow Knight: Im Königreich der Käfer Hollow Knight: Im Königreich der Käfer Hollow Knight: Im Königreich der Käfer Hollow Knight: Im Königreich der Käfer Hollow Knight: Im Königreich der Käfer Hollow Knight: Im Königreich der Käfer Hollow Knight: Im Königreich der Käfer Hollow Knight: Im Königreich der Käfer Hollow Knight: Im Königreich der Käfer Hollow Knight: Im Königreich der Käfer Hollow Knight: Im Königreich der Käfer Hollow Knight: Im Königreich der Käfer Hollow Knight: Im Königreich der Käfer Hollow Knight: Im Königreich der Käfer Hollow Knight: Im Königreich der Käfer Hollow Knight: Im Königreich der Käfer
Die Illustration stammt von Team Cherry
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Familienduell: Die ganze Bagage

Unsere Familie ist quasi der Inbegriff des eigenen Ichs und besteht meist erst einmal aus Mutter, Vater und Kind. Wenn du als Kind die beiden Paarungswütigen deiner Gene im heutigen Zeitalter noch in greifbarer Sichtweite hast, kannst du dich schon mal glücklich schätzen. Ich kann es nicht unbedingt...
Familienduell: Die ganze Bagage

Familienduell

Die ganze
Bagage

Katrin Olszewski

Unsere Familie ist quasi der Inbegriff des eigenen Ichs und besteht meist erst einmal aus Mutter, Vater und Kind. Wenn du als Kind die beiden Paarungswütigen deiner Gene im heutigen Zeitalter noch in greifbarer Sichtweite hast, kannst du dich schon mal glücklich schätzen. Ich kann es nicht unbedingt. Zur Welt kam ich auf dem Teppich. Touchdown. Aber wer tief fällt, will bekanntlich auch hoch hinaus.

Während meine Mutter noch am Esstisch saß und Unmengen an Pilzragout verspeiste, befreite ich mich aus dem viel zu engen Nest, in dem ich einen Streitkampf mit der Nabelschnur führte, die stets versuchte sich schlangenartig um meinen Hals zu winden, sodass ich mein mehr oder minder vorhandenes Inneres kurzerhand in den Unterleib meiner Mutter hätte würgen können. Nicht zu reden von den aromatischen Düften, die in meiner Zone ihr Unwesen trieben. Vielleicht kam daher auch meine Apathie gegenüber Pilzen zustande. Dazu später mehr.

Groß geworden bin ich dann in einem elfstöckigen Neubau a.k.a. „Platte“ und das im wahrscheinlich tiefsten Osten Berlins, so tief, dass ich noch heute auf der Hinfahrt, zum Besuch meiner Mutter, Brotkrumen auf dem Weg streue, um auch Nummer sicher zu gehen, jemals wieder nach Hause in den guten Friedrichshain zu finden.

Nebenher lebte ich bei meiner Tante, Großtante, Kleintante und, natürlich, bei Mutter. Nur einen männlichen Part gab es nicht. Ich habe das nie in Frage gestellt, schließlich war ich erst zarte vier Jahre und hatte genügend weibliche Präsenz und gnadenlose Aufmerksamkeit, die sich auf männlicher Ebener in Zinksoldaten, King-Kong-Filmen und Matchbox-Spielzeugautos aus dem „Konsum“ auszahlte.

Bis eines Tages ein Mann das Haus meiner Tante betrat, mich auf seinen Schoss setzte, seine Brille zurecht schob und mir zwei farbige Malstifte in die Hand legte. Gelb und Blau. Freie deutsche Jugend. Diese Farbkombination hat sich ab diesem Tag in mein Gehirn gebrannt und ich erwische mich immer wieder dabei wie ich passend zu einem gelben Salzstreuer, heimlich einen blauen Pfefferstreuer kaufe. In der Art. Dazu bekam ich damals noch ein kleines Pioniers-Tuch von ihm umgebunden und ab dem Zeitpunkt hatte ich eine neue Aufgabe in meinem durchtriebenen Tagesablauf zu vermerken: Menschen observieren.

Ich folgte dem neuen Objekt „Mann“ auf Tritt und Schritt und lugte unauffällig mit meinem schwarzen, stets fliegenden, ja, auch ohne Wind, Hero-Cape um die Ecke, wenn er meine Mutter küsste, wenn er sich auf den Klodeckel setzte, wenn er sich an- und auszog. Und ich merkte irgendwann, dieser Mann tut meiner Mutter gut. Er machte sie glücklich.

Als ich 16 war, wendete sich das Blatt schlagartig. Teller flogen gegen Wände, vergammelte Joghurt-Becher füllten den Kühlschrank und ein gutgemeintes „Guten Morgen“ mit dem Betreten des Wohnzimmers äußerte sich in einem „Fresse halten, Fernseher läuft.“ Meine Eltern trennten sich und ich mich mit ihnen. „Wir Jungpioniere lieben unsere Eltern“ schallte es im Trommelwirbel dazu in meinem Kopf, als ich die Wohnung mit meinen drei Kisten verließ.

Von nun an wohnte ich in einer Abi-WG mit zwei Jungs aus meiner Stufe und wir hatten unseren Spaß. „Kiffen, Saufen, Scheiße bauen“ – lautete unsere solide Devise. Doch meine Mutter hatte Nachsicht, sie lüftete ein Geheimnis, welches mir den Schlag des Jahrhunderts ins Gesicht versetzen sollte.

Sie erzählte mir von meinem echten Vater. Von meinem Fleisch und Blut. Stereotype 99,9 % hatte der Vaterschaftstest damals ergeben, nachdem er sie geschwängert, betrogen und belogen hatte, um später in Texas ein neues Leben zu beginnen. Das war also mein Vater? Chuck Norris? Nein. Ein (St)ranger – ohne Norris.

Ich wollte Beweise sehen. Fotos. Doch es gab keine und gibt sie bis heute nicht. Meinen Vater habe ich nie gesehen. Ich kann mir an den Zehen und der Nasenspitze ausmalen, worin er mir ähnlich sehen mag, nur eben nicht in natura. Das war bitter und mein Stiefvater war beileibe kein genetischer Ersatz für mich.

Nach jahrelanger Akte-X-Recherche gelangte ich an seine Adresse und schrieb ihm unzählige Briefe, wartete monatelang mit starren Augen auf Antwort vor dem Briefschlitz meiner Tür und irgendwann vergaß ich, worauf ich überhaupt wartete… Und dann kam ein unbekannter Brief. Der Brief einer plötzlichen Schwester, die ich kurz darauf in Berlin zum Essen treffen sollte.

Wie auf einem Blind Date stellten wir uns gegenseitig Fragen, die stets mit einer zur Antwort gehörigen Nebenfrage beantwortet wurden. „Ich hasse Pilze. Und du?“ „Ich auch.“ Jackpot. Sie ist mir ähnlich, fast erschreckend ähnlich. Doch weder wusste ich von ihr, noch sie von mir und trotzdem haben wir ins im Menschendickicht des Planeten Erde gefunden. Auf ganz eigenem Weg und wir wachsen von Tag zu Tag mehr an- und miteinander.

Und selbst wenn ich meinen Vater nie zu Gesicht bekommen werde, so habe ich eine reiche Erkenntnis für mich gewonnen. Ich habe ein Stück Familie. Abso-fucking-lutely. Mutter und Schwester und mehr brauche ich nicht. Dazu muss ein Werner Schulze-Erdel nun auch keine hundert Leute mehr befragen, das Familienduell habe ich bereits gewonnen.

Die Illustration stammt von Icons8
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Super Nintendo: Die beste Konsole der Welt

Als ich zwölf Jahre alt war, rief ich am Samstag Vormittag bei einer Kindersendung des österreichischen Fernsehens an, weil die nette Frau und eine sprechende Handpuppe ein Super Nintendo verlosten, inklusive Donkey Kong Country. Und einen Game Boy – in grün – packten sie auch noch oben drauf. Ich e...
Super Nintendo: Die beste Konsole der Welt

Super Nintendo

Die beste Konsole
der Welt

Marcel Winatschek

Als ich zwölf Jahre alt war, rief ich am Samstag Vormittag bei einer Kindersendung des österreichischen Fernsehens an, weil die nette Frau und eine sprechende Handpuppe ein Super Nintendo verlosten, inklusive Donkey Kong Country. Und einen Game Boy – in grün – packten sie auch noch oben drauf. Ich erriet, dass der Löwe in dem Bilderätsel fehl am Platz war und gewann. Das war der schönste Tag meines Lebens. Wirklich. Das war der schönste Tag meines Lebens.

Mein Super Nintendo und ich waren unzertrennlich. Nicht nur, dass allein der pure Besitz mich zu einem beliebteren Kind in der Schule und meinem Freundeskreis machte, ich liebte und lebte jedes einzelne Spiel, das ich in meine Hände bekam. An jedem Wochenende fuhren meine Mutter und ich auf einen anderen Flohmarkt, um einen Schatz nach dem anderen nach Hause zu holen. Irgendwann kannte ich die dubiosen Verkäufer, die dort herum standen – und sie kannten mich.

Nintendo war für mich nicht nur irgendeine japanische Firma, die eben zufällig auch Videospiele herstellte, Nintendo war meine Religion. Super Mario World, The Legend of Zelda – A Link to the Past oder Starwing katapultierten mich in fremde Welten, von denen ich heute noch träume. Ich saß da und spielte. Ich spielte und ich spielte und ich spielte.

Während ich heute The Witcher, Grand Theft Auto oder Skyrim einlege und mich immer wieder frage, ob ich gerade wirklich nichts Besseres oder Sinnvolleres zu tun habe, als mich hier in virtuelle Abenteuer zu flüchten, zum Beispiel Geld verdienen oder mir eine Frau suchen oder ein Haus bauen, kannte ich dieses Gefühl damals nicht.

Und genau darum beneide ich mich heute selbst. Ich zockte Secret of Mana, Yoshi’s Island oder Chrono Trigger nicht einfach nur – ich kannte diese Spiele in- und auswendig. Und mit auswendig meine ich, dass ich wirklich jeden Charakter, jeden Pixel, jeden Winkeln, jede Abkürzung, jeden Bug, jeden Gegner kannte – und liebte.

Wenn ich einmal nicht weiter wusste, dann legte ich nicht einfach das nächste Spiel ein, so wie heute, sondern ich kaufte mir Zeitschriften, in denen Tipps und Tricks und manchmal ganze Karten drin waren, oder rief bei der Nintendo-Hotline an, die verlorenen Kindern wie mir weiterhalfen. Das Internet gab’s nicht. Nur mich und was auch immer da im Weg stand.

Und wenn ein Spiel zu Ende war, dann war das noch lange nicht das Ende. Ich spielte es noch mal und noch mal und noch mal. Allein und mit Freunden. Und noch mal. Jump’n’Runs, Autorennen, ja, sogar Rollenspiele. Wenn ich alles, was dieses Modul zu bieten hatte, herausgepresst hatte, dann steckte ich es in ein Action Replay und cheatete das Teil in andere Sphären.

Spazierte ich am Anfang von Zelda durch die Wände, um zu sehen, was die Dorfbewohner sagen, wenn ich dort noch vor dem ersten Kampf auftauchte? Na klar! Warpte ich mich in Lufia durch die Ahnenhöhle und in Terranigma durch NeoTokyo? Auf jeden Fall! Musste ich Chrono Trigger drei Tage lang am Stück durchspielen, weil ich durch den Adapter nicht speichern konnte? Oh yeah! Bereue ich auch nur eine Sekunde, die ich vor dieser Konsole verbracht habe? Auf keinen Fall!

Tatsächlich, und diese Meinung hat sich in den letzten Jahren immer mehr manifestiert, ist das Super Nintendo das Beste, was der Menschheit jemals passiert ist. Alles, was davor war, war grafisch zu schlecht, um wirklich in die Welten eintauchen zu können, alles, was danach kam, sah zu gut aus, um die Fantasie noch wirklich anzuregen.

Und ich gehe sogar noch einen Schritt weiter und sage: Die bunte Pixeloptik und der 16-Bit-Sound des Super Nintendos sind der absolute Höhepunkt der Videospielgeschichte. Denn die technischen Grenzen der Konsole waren der perfekte Rahmen für jeden Entwickler, um das kreativste Optimum aus den Spielen herauszuholen – wenn sie es denn konnten.

Heute setze ich mich vor ein Call of Duty, ein The Last of Us oder ein Assassin’s Creed. Und ich habe nicht das Gefühl, wirklich ein Spiel zu spielen, sondern von einer Cutscene zur nächsten getrieben zu werden. Als wären Level keine Level mehr, sondern nur noch ein Übel, um eine verwässerte Geschichte zu erzählen, die so jedem Kinoverleih zu peinlich gewesen wäre.

Jede technische Errungenschaft der vergangenen Dekaden, ob von Sony oder von Microsoft und sogar von Nintendo, werden relativiert, wenn man auf einer Party ist und Super Mario Kart einlegt. Oder Super Bomberman 2. Oder Super Street Fighter II. Pixel werden zu Universen, Sprites werden zu Charakteren, Chiptunes zu Hymnen. Und dann geht’s ab.

Ich kann mir heute keinen Titel auf der PlayStation, auf dem Nintendo 64 oder auf der Dreamcast angucken, ohne mich ehrlich zu fragen, wie wir diese schlecht aufgelöste Dreiecksorgie jemals wirklich erleben konnten, ohne uns lachend zu übergeben. Aber setzt mich vor ein Star Ocean, ein Super Probotector oder ein Parodius und ich verspreche euch, euer Herz schlägt höher, eure Hände greifen intuitiv zum Controller – und euer Abenteuer beginnt im nächsten Augenblick.

Wie viele andere aus meiner Generation glaubte auch ich, dass die nächste Konsolengeneration, nach dem Super Nintendo, nur noch heilvoller werden konnte. Das Club Nintendo Magazin und die Total! beschmissen uns regelrecht mit nicht zu glaubenden Informationen über das Nintendo 64. Also verkaufte ich mein Super Nintendo, und alles, was ich liebte, um genügend finanzielle Mittel für mein persönliches Upgrade zu haben. Nintendo wusste eben, wie ich zu verführen bin. Der Hype wirkte.

Ich möchte nicht sagen, dass ich meine Zeit mit dem Nintendo 64 bereue. The Legend of Zelda – Ocarina of Time & Majora’s Mask, Banjo-Kazooie oder Super Smash. Bros waren Erfahrungen, die ich nicht missen möchte. Aber wenn ich heute nachts wachliege, dann denke ich an mein Super Nintendo. Und alles, wofür es stand.

Seit einigen Wochen verbringe ich meine Freizeit nun in Facebook-Gruppen, auf denen Konsolen, Spiele und Zubehör getauscht und verscherbelt werden. Manchmal für viel, manchmal für wenig Geld. Und ja, ich bin kurz davor, jemand zu werden, der genügend neue Konsolengenerationen miterlebt hat und jetzt sagt: Nope, das wird nicht mehr besser.

Vielleicht rede ich mir auch nur alles ein. Womöglich befinde ich mich gerade in einer ausgewachsenen Quarterlife Crisis, in der man alles von früher besser findet, verklärt, verfälscht, subjektiv. Vielleicht werde auch ich bald zu einem alten Mann, der auf der Fensterbank lehnt und Kinder anbrüllt, weil die nicht wissen, wie toll es damals war. Die kleinen, nichtsnutzigen Scheißer.

Als ich zwölf Jahre alt war, rief ich am Samstag Vormittag bei einer Kindersendung des österreichischen Fernsehens an, weil die nette Frau und eine sprechende Handpuppe ein Super Nintendo verlosten, inklusive Donkey Kong Country. Und einen Game Boy – in grün – packten sie auch noch oben drauf. Ich erriet, dass der Löwe in dem Bilderätsel fehl am Platz war und gewann.

Das war der schönste Tag meines Lebens. Wirklich. Das war der schönste Tag meines Lebens. Und jetzt wünsche ich mir nichts Sehnlicheres, als wieder zwölf zu sein und zum ersten Mal in die kunterbunten Welten meines Super Nintendos abtauchen zu dürfen.

Die Fotografie stammt von Korie Cull
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Igittigitt auf Instagram: Hört auf, eure Füße zu fotografieren!

Wenn eine Sache nicht gerade zu den Stärken dieser Generation zählt, dann ist es Individualität. Ihr rennt in Massen zu Starbucks, ihr postet in Scharen auf Facebook, ihr hört geschlossen dieselben 08/15-Indie-Bands wie jeder andere auch. Und mit eurem in Tonnen gekauften iPhones macht ihr Fotos von...
Igittigitt auf Instagram: Hört auf, eure Füße zu fotografieren!

Igittigitt auf Instagram

Hört auf, eure Füße
zu fotografieren!

Marcel Winatschek

Wenn eine Sache nicht gerade zu den Stärken dieser Generation zählt, dann ist es Individualität. Ihr rennt in Massen zu Starbucks, ihr postet in Scharen auf Facebook, ihr hört geschlossen dieselben 08/15-Indie-Bands wie jeder andere auch. Und mit eurem in Tonnen gekauften iPhones macht ihr Fotos von den immer selben, langweiligen Sachen.

Erst dachtet ihr, dass jeder unbedingt eure zusammen gepressten Lippen als Profilfoto sehen will. Weil ihr das von irgendwem kopiert habt. Dann seid ihr darauf gekommen, jeden Morgen euer Früchtemüsli abzulichten. Weil ihr das von irgendwem kopiert habt. Und jetzt wird man von nackten Füßen mit Filtern geradezu überschwemmt. Weil… genau.

Da scheint gerade einmal seit wenigen Tagen die Sonne und es wird ein paar Grad wärmer schon haut es bei euch die Persönlichkeitssicherung raus und in euch flimmert nur noch ein Gedanke: Dass ihr unbedingt eure sonst in Nike Air Max gepressten Quadratlatschen auf der Wiese, auf der Bierbank, im See um die Ecke verewigen müsst.

Dabei weiß sogar die amerikanische News-, Meme– und Reddit-Copycat-Seite BuzzFeed, dass Füße fotografieren zu den nervigsten Klischees auf Instagram, Twitter und Facebook überhaupt zählt und es wirklich jedem zum Hals heraushängt, sich durch ein Meer aus bunt lackierten Zehen zu tippen.

Am schlimmsten sind diejenigen von euch, die sich erst stundenlang rasieren und die Nägel lackieren, sich anschließend in ein idyllisches Postkartenmotiv legen und unter dem mit VSCO verhunzten Foto schreiben, wie hässlich sie doch eigentlich ihre Füße finden. Aber dann denken, dass ihre 52 Follower das doch unbedingt sehen wollen.

Die Wahrheit ist: Nein! Niemand will eure Latschen sehen, besonders nicht mehrere Dutzend verschiedene pro Minute, wenn man sich einmal dazu herablässt und gelangweilt durch den Instagram-Feed scrollt. Außer ein paar sehr seltsame Typen – aber die können sich auch auf gewissen billigen Fetischseiten aufgeilen.

Hier ist die Faustregel für jeden von euch, der gerade im Begriff ist, seine nackten Unterteile zu fotografieren: Bist du Selena Gomez? Nein? Bist du Scarlett Johansson? Nein? Bist du Karlie Kloss? Nein? Gut, dann lass‘ es sein! Zurück mit dir an das Frühstücksmüsli, die Sonnenuntergänge und, wenn es denn unbedingt sein muss, dein Gesicht. Oder noch besser: Lass‘ dir mal was Neues einfallen!

Die Fotografie stammt von Heather Morse
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Zerstör mich!Liebe muss die Hölle sein

Meine beste Freundin, die womöglich nur eine gute Bekannte ist, schaut mich immer wieder verstört an, wenn ich ihr erzähle, dass ich schlichtweg mit keinem Mann zusammen sein kann, der mich nicht an meine mentalen Grenzen und darüber hinaus treibt. Such dir doch einfach mal einen ganz normalen Type...
Zerstör mich!Liebe muss die Hölle sein

Zerstör mich!

Liebe muss
die Hölle sein

Mia Jung

Meine beste Freundin, die womöglich nur eine gute Bekannte ist, schaut mich immer wieder verstört an, wenn ich ihr erzähle, dass ich schlichtweg mit keinem Mann zusammen sein kann, der mich nicht an meine mentalen Grenzen und darüber hinaus treibt. „Such dir doch einfach mal einen ganz normalen Typen!“ rät sie mir dann. Doch egal, wie sehr ich mir das auch wünschen würde, ich kann es nicht.

Ich war 14, als ich meinen ersten richtigen Freund traf. Er war 17 und psychisch gestört. Das wusste ich anfangs aber nicht. Mir war nur wichtig, dass er schlank, ja, fast schon schmächtig war, lange, dunkle Haare hatte und mich verstand. Er spielte in einer Band, schrieb Kurzgeschichten über die Liebe, die er aber niemals veröffentlichte, und küsste so zart und doch stark, dass ich allein bei dem Gedanken daran heute noch feucht werde.

Zu Beginn unserer Beziehung taten wir ganz normale Paardinge. Eis essen gehen. Im Kino knutschen. Wein trinken und dabei Musik hören. Am Ende unserer Beziehung zog ihn meine Mutter heulend und kreischend an seinen langen Haaren aus meinem Zimmer, während sein aufgeschnittener Arm unseren Flurteppich voll blutete und er aus voller Kehle „My Heart Will Go On“ brüllte. Zwischen Anfang und Ende lagen dreieinhalb Jahre. Das war zugleich die schönste als auch die schlimmste Zeit in meinem Leben.

Wenn andere Frauen erzählen, dass sie von ihrem Freund psychisch missbraucht wurden, dann möchte ich nur laut lachen und sie zurück in ihr ödes, mittelmäßiges Leben schicken, das sie für so krass und schlimm und deprimierend halten. Die emotionale Hölle ist nämlich nicht traurig und auch nicht hart, sie ist wunderschön. Fast schon magisch. Besonders zu zweit. Wer etwas anderes denkt, der ist nie bis ans Ende gegangen.

Als ich merkte, dass unsere Beziehung irgendwie anders war als die meiner Klassenkameraden, war ich gerade dabei, der Katze meiner Nachbarin den Schwanz mit einem Küchenmesser abzuschneiden. Die Wetten, die mein Freund und ich uns ausdachten, waren anfangs noch harmlos und ziemlich lustig, wurden aber immer abstruser, ekliger und auch gefährlicher. Meine Freunde, die ich seit dem Kindergarten kannte, hatten irgendwann Angst vor mir.

Aus der Clique von ungefähr zehn Leuten waren nach und nach nur noch wir beide übrig, weil wir uns von den anderen abkapselten. Die begriffen uns nicht, die waren zu normal. Wir verstanden die Welt, aber die Welt verstand uns nicht. Wir redeten jede Nacht stundenlang über Dinge, die sich andere nicht auszusprechen trauten. Tod, Schmerzen, die Sterne. Wir waren eins, alle anderen waren einsam. Solche Verlierer.

Ich begann, alle anderen Menschen zu hassen, weil sie so normal waren. Von dem netten Mädchen, das ich vor dieser Beziehung war, war danach nicht mehr viel übrig. Mein Freund lehrte mich, dass das Leben eine einzige Farce ist, die man nur dadurch austricksen konnte, indem man immer etwas Unerwartetes tat. Und das taten wir. Und es war großartig. Gott wusste nicht, mit wem er sich da anlegte.

Wir waren auf jeder Ebene ebenbürtig. Er versuchte nicht, mich zu manipulieren, sondern ich verband sein krankes Gehirn mit meinem. Und so wurden aus zwei ver- und zerstörten Seelen eine. Wir dachten irgendwann wie eine Person. Für uns war das ganz normal. Und wenn Liebe jemals einen wahre Definition haben sollte, dann diese. Natürlich klingt das nach jugendlicher Emoscheiße, aber es war, als wären wir die einzigen Wesen in einem viel zu großen Universum, die wirklich zusammen gehörten.

Er tat alles, was ich sagte. Und ich tat alles, was er sagte. Er trat seinem Chef auf einem Betriebsausflug zwischen die Beine, weil ich es sagte. Und ich ließ mich von einem übergewichtigen Türken mittleren Alters auf der McDonald’s-Toilette bumsen, weil er es sagte. Es war keineswegs, als hätte ich meinen Kopf abgeschaltet, sondern als würden wir jede noch so kleine Entscheidung gemeinsam treffen.

Natürlich war selbst diese wunderschöne Hölle nicht für die Ewigkeit bestimmt. Irgendwann driftete er in eine von MDMA geflutete Welt ab, in der ich keinen Halt fand. Er war von Tag zu Tag fröhlicher und glücklicher, während meine Gedanken immer düsterer wurden. Unsere perfekte Harmonie schien uns zu entgleiten. Ich tat alles, was er sagte, aber er irgendwann nicht mehr, was ich sagte. Und das machte mich wütend.

Ich saß nachts allein in meinem Zimmer und malte mir aus, welche schlimmen Dinge ich ihm und seiner Familie antun würde, sollte er mich verlassen. Er hatte mich in diese dunkle Parallelwelt gebracht und nun dort allein zurück gelassen. Ich wollte nicht, dass er glücklich ist. Ich wollte, dass er mit mir gemeinsam zerstört ist.

Um ihn eifersüchtig zu machen, begann ich etwas mit einem blonden Schönling aus meiner Klasse. Doch das interessierte ihn gar nicht. Dafür gefiel mein Ersatzfreund meiner Mutter so gut, dass sie vor Glück fast weinte. „Gott sei Dank“, sagte sie damals. „Ich dachte schon, du würdest für immer mit diesem Idioten zusammen sein.“ Ich lächelte nur. Was wusste sie schon.

Das ging ein paar Monate so und ich begann fast zu glauben, dass ich wieder ein normaler Mensch werden könnte, mit normalen Kinoabenden und normalen Partys und normalen Abendessen bei den Eltern des jeweils anderen. Bis eines Abends mein Freund vor der Tür stand. Es regnete. Seine langen, dunklen Haare waren ganz nass. Ich wollte mich am liebsten sofort in ihnen vergraben.

Ich weiß nicht, ob er betrunken oder high oder einfach nur verstört war, aber er sagte, er hätte ein Mädchen kennengelernt, eines mit Locken und einem süßen Lächeln und sie wäre in einer 80s-Tanzgruppe und Klassensprecherin. Sie wäre ganz großartig, aber irgendwie würde sie ihm emotional nicht so viel bedeuten wie ich. Er würde mich vermissen. Ob ich ihm nochmal eine Chance geben würde.

Man könnte jetzt denken, dass ich aus Spaß „Wetten, du traust dich nicht, dir die Pulsadern aufzuschneiden!“ sagte, aber ich meinte es vollkommen ernst. Wenn er wirklich mit mir zusammen sein will, dann macht er es auch, dachte ich mir. Natürlich wollte ich nicht, dass er starb. Ich wollte nur, dass er tat, was ich ihm sagte. Dass er mir seine Treue bewies. Seine unendliche Loyalität.

Der Schnitt war nicht lebensgefährlich, aber er blutete wie ein Schwein. Meine Mutter rastete aus, der Krankenwagen und die Polizei kamen, Nachbarn hatten sie gerufen. Ich schlief noch einige Nächte auf dem länglichen Fleck, bis er plötzlich weg war. Meinen Freund sah ich danach nur noch einige Male, aber wir sprachen nicht mehr viel miteinander. Ich galt als Psycho, er begann Verschwörungstheorien zu entwickeln. Satelliten würden ihn beobachten. Sein Handy warf er in einen nahegelegenen See.

Ich habe versucht, danach wieder eine normale Beziehung mit einem normalen Menschen zu führen. Aber es klappt nicht. Wenn deine erste Beziehung dir so viele innerliche Türen geöffnet hat, von denen du vorher nicht einmal wusstest, dass sie existieren, dann kannst du nicht mehr so tun, als würdest du sie nicht kennen. Du wirst inkompatibel für Leute, die noch nie gewisse Schalter in ihrem Gehirn umgelegt haben.

Mein nächster Freund war Steuerfachangestellter oder irgend so ein Scheiß. Seine Eltern waren Anwälte. Ich hätte ihnen vor lauter Gewohnheit an die Wand kotzen können. Der Typ versagte schon bei der ersten Wette, die ich ihm auferlegte, dabei war sie noch harmlos. Er sollte ein fremdes Mädchen auf einer Party küssen, auf der wir waren, ohne vorher mit ihr zu sprechen. Natürlich traute er sich das nicht. Aus lauter Enttäuschung machte ich noch auf der Stelle mit ihm Schluss und habe dem Türsteher einen geblasen.

Seitdem befinde ich mich in einem Limbo der Langeweile. Ich fühle mich, als hätte ich alle meine Emotionen bereits gelebt, als wäre ich ausgefühlt, als wäre der Rest meines Lebens lediglich ein Warten auf den Tod. Ich würde alles geben, um nur noch eine Nacht wie die zu erleben, in der die Welt noch in Ordnung war. In der ich mich zu Hause fühlte, in der Gewissheit, dass wir eins waren und alle anderen nicht.

Meine beste Freundin, die womöglich nur eine gute Bekannte ist, schaut mich immer wieder verstört an, wenn ich ihr erzähle, dass ich schlichtweg mit keinem Mann zusammen sein kann, der mich nicht an meine mentalen Grenzen und darüber hinaus treibt. „Such dir doch einfach mal einen ganz normalen Typen!“ rät sie mir dann. Doch egal, wie sehr ich mir das auch wünschen würde, ich kann es nicht.

Die Fotografie stammt von Hoang Loc
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Was sind wir eigentlich? Zwischen Liebe und Gleichgültigkeit

Wenn man jemanden kennenlernt, den man mag, also mehr mag, als man Freunde mag, kommt irgendwann unweigerlich diese eine Frage auf, die man sich kaum zu stellen traut, weil sie so unglaublich viel Macht hat. Zumindest hat sie das für mich. Ich habe vor einiger Zeit jemanden kennengelernt, den ich ma...
Was sind wir eigentlich? Zwischen Liebe und Gleichgültigkeit

Was sind wir eigentlich?

Zwischen Liebe und Gleichgültigkeit

Jana Seelig

Wenn man jemanden kennenlernt, den man mag, also mehr mag, als man Freunde mag, kommt irgendwann unweigerlich diese eine Frage auf, die man sich kaum zu stellen traut, weil sie so unglaublich viel Macht hat. Zumindest hat sie das für mich. Ich habe vor einiger Zeit jemanden kennengelernt, den ich mag. Den ich mehr mag, als man Freunde mag.

Wir treffen uns recht regelmäßig, gehen Cocktails trinken und ins Kino, verbringen die Abende gemeinsam auf der Couch, lesen uns gegenseitig Bücher vor und schlafen bei- und miteinander. Manchmal verbringen wir morgens noch eine halbe Stunde knutschend im Hausflur, bis wir bereit sind, uns voneinander zu verabschieden und manchmal geht das auch ganz schnell, High Five und Tschüss.

Wir lachen und wir streiten viel, meist über schwachsinnigen Scheiß, wie, welcher nun der beste Charakter von „Glee“ ist, ziehen den jeweils anderen mit seinen seltsamen Marotten auf und schicken uns Sprachnachrichten zu, in denen wir viel zu laut und viel zu schief die schlimmsten Popsongs der 90er-Jahre wiedergeben, die der andere dann sinnvoll ergänzen muss, wie beim „Riff-Off“ von Pitch Perfect.

Im Prinzip führen wir die perfekte Beziehung – nur, dass wir eigentlich keine Beziehung führen. Ich glaube, ich würde gern mit ihm zusammen sein, also so richtig fest zusammen sein, doch momentan ist alles so perfekt, dass ich mich nicht traue, die Frage zu stellen, die mir so dringlich auf den Lippen brennt, weil so viel Angst mit in ihr schwingt. Es ist die Angst, all das zu verlieren, was ich gerade mit ihm erlebe, weil die Frage, oder besser gesagt die Antwort darauf, mir all das plötzlich nehmen könnte.

Meine Freunde sagen, dass es in unserem Fall überhaupt nicht nötig ist, diese Frage zu stellen. „Ihr führt eine Beziehung“, sagen sie, „da gibt es nichts zu hinterfragen.“ Sie fügen dann hinzu, dass das nicht zu übersehen wäre und dass ich mich nicht so stressen soll, weil doch alles so perfekt ist und wir beide so kitschig sind, wie es nur ein Paar sein kann. Nur, dass wir halt einfach kein Paar sind.

Wir sind irgendwas zwischen besten Freunden, die miteinander schlafen, und flüchtigen Bekannten, die sich auf der Straße nur kurz zunicken, wenn sie sich zufällig begegnen. Unser Verhältnis zueinander ist von Tag zu Tag irgendwie unterschiedlich, doch es ist immer schön, nie unangenehm. Wir können 24 Stunden am Stück miteinander kommunizieren, aber auch mal drei Tage gar nicht miteinander reden. Egal wie es ist, es ist okay, und das, das ist schon irgendwie besonders.

Auch mein bester Freund ist gerade frisch verliebt. Sechs Wochen lang trifft er sich nun schon mit diesem Mädchen, diesem einen Mädchen, von dem er sagt, dass er wirklich in sie verliebt ist. Das hält ihn allerdings nicht davon ab, sich auch mit anderen Mädchen zu treffen. Nicht so, wie er sich mit diesem einen Mädchen trifft, aber er küsst sie auch und schläft mit ihnen, nur dass die anderen im Gegensatz zu diesem einen Mädchen nicht über Nacht bleiben dürfen und er sich auch nach zwei, drei Treffen einfach nicht mehr bei ihnen meldet.

Er macht das nicht, um irgendjemandem weh zu tun oder weil er sich nicht auf ein Mädchen festlegen will, denn er hat sich längst schon festgelegt, auf dieses eine Mädchen, dieses ganz Besondere, sondern nur, weil nicht klar ist, was sie sind. In meinen Augen sind sie eigentlich zusammen, nur dass es bisher keiner ausgesprochen hat.

Mein bester Freund ist der Meinung, dass man so etwas auch nicht aussprechen muss, weil sich alles irgendwie von selbst fügt und so wird, wie es sein soll, und trotzdem verstehe ich nicht, wieso er dann mit anderen schläft. Er ist nämlich nicht der polygame Typ, wenn es um mehr geht als einfache Ficks.

Auf die Frage, warum er genau das tut, also mit anderen schlafen, wo doch eigentlich ganz eindeutig die beiden zusammen sind oder zumindest zusammen gehören, hat er eine simple Antwort parat: „Weil ich glaube, dass sie es auch tut.“

Nachvollziehen kann ich das nicht, aber ich verstehe, was er mir damit sagen will: Solange nichts geklärt ist, keine Beziehung definiert, spricht absolut nichts dagegen, diese anderen, kleinen Affären mitzunehmen. Insbesondere dann nicht, wenn man noch überhaupt nicht weiß, wohin es einen eigentlich führt.

Es ist nämlich so: Mein bester Freund hat auch Angst. Angst, mit dieser einen Frage das zu ruinieren, was er gerade hat, und damit meine ich nicht die vielen Affären, sondern die Beziehung zu seinem Mädchen. Was, wenn sie etwas anderes will als er? Nämlich eben nicht zusammen sein, keine Zukunft planen, sondern einfach genießen, was gerade geht? Und deshalb nimmt er es einfach so hin und sagt diese Dinge von wegen „alles fügt sich irgendwann von selbst“ und „es wird so sein, wie es sein soll“ und belügt sich eigentlich nur selbst.

Abgesehen davon, dass diese ganzen Sätze etwas furchtbar Spirituelles haben, an das ich einfach nicht glauben kann, muss man heute, glaube ich, einfach definieren. Oder sich zumindest offen sagen, was man will, sich wünscht, sich erhofft. In einer Welt, in der hinter jeder Ecke ein potentieller Flirt wartet, verliert man zu schnell die Dinge, die einem wirklich etwas bedeuten.

Einfach, weil’s so leicht ist und ja auch irgendwo Spaß macht, dem nachzugehen, sich nicht festzulegen, die Optionen zu betrachten. Wir werden angetrieben vom Gedanken, etwas zu verpassen, wenn wir das nicht tun, und verpassen so viele Dinge, die so viel wertvoller sind als das.

Natürlich bleibt die Angst, diese Dinge oder besser gesagt Menschen, die wir als wirklich wertvoll erachten, zu verlieren, wenn wir nur diese eine Frage stellen, doch mal ehrlich: Ist die harte Realität, dass man vielleicht doch nicht das ist, was man sich wünscht zu sein, nicht besser, als einfach nicht zu wissen, was man ist?

Es nimmt einem doch so viele Grübeleien, wenn man ausspricht, was man denkt und hört, was der andere dazu zu sagen hat. Egal, wie die Antwort auch ausfällt: Es bringt einen voran. Wenn schon nicht zwei Menschen zusammen, dann wenigstens die Einzelperson, die dann ihren Fokus wieder gerade rücken und unbeschwerter leben kann, als sie es vielleicht unbewusst jetzt tut. Alles andere ist doch auf Dauer nur erdrückend. Und so bleibt einem eben doch nichts anderes übrig, als irgendwann zu fragen: „Was sind wir eigentlich?“

Die Fotografie stammt von Jonathan Leppan
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Mädchen in Los Angeles: Die kalifornische Schönheit

Dass es in Kalifornien nicht nur hübsche Landschaften, leckeres Essen und moderne Technologien gibt, beweist die Stylistin und Künstlerin Joanie Del Santo, die der Fotograf James Drew für C-Heads abgelichtet hat. Das aus Pasadena stammende Model hat die Sonne im Herzen und den Style am Körper. Wie m...
Mädchen in Los Angeles: Die kalifornische Schönheit

Mädchen in Los Angeles

Die kalifornische
Schönheit

Daniela Dietz

Dass es in Kalifornien nicht nur hübsche Landschaften, leckeres Essen und moderne Technologien gibt, beweist die Stylistin und Künstlerin Joanie Del Santo, die der Fotograf James Drew für C-Heads abgelichtet hat. Das aus Pasadena stammende Model hat die Sonne im Herzen und den Style am Körper. Wie man es eben von einer waschechten Westamerikanerin irgendwo rund um das angesagte Los Angeles erwartet.

„Ich kam als Dreijährige zur Mode„, erzählt uns Joanie. „Auf einer Dinnerparty habe ich die Schuhe der Freunde meiner Eltern gestohlen und mein erstes Lauftraining veranstaltet. Seit ich 17 bin, modele ich nun. Klamotten habe ich immer geliebt. Als ich meinen eigenen Style entwickelt habe, fragten mich Freunde ständig, ob ich ihnen auch bei ihrem helfen könnte. Alles entwickelte sich ziemlich organisch.“

Und weiter: „Ich habe auch meinen eigenen Onlinestore namens Saint Liberata eröffnet, in dem ich Vintagekleidung anbiete. Es ist das erste Projekt, das wirklich ganz allein mir gehört. Mein Opa modelt sogar auf der Seite. Außerdem bin ich ein riesiger Anime-Nerd. Ich liebe die japanische Kultur und finde sie faszinierend und speziell. Zum Unmut meiner Freunde verkleide ich mich sogar oft als Anime-Charakter.“ Ich bin verliebt.

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Die Fotografie stammt von James Drew
Als Model ist Joanie Del Santo zu sehen
Der Text erschien in der Kategorie Leben mit den Themen
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Terror in Tokio: In Japan ist die Hölle los

Wenn wir uns vorstellen, dass wir womöglich nur noch existieren, weil einige wenige kranke Köpfe auf diesem Planeten lediglich nicht bis zum Äußersten gegangen sind, dann wird uns ganz schwindelig. Wir, die normalen Bürger, diejenigen, die keine Armeen befehligen können, die keine Politiker kaufen k...
Terror in Tokio: In Japan ist die Hölle los

Terror in Tokio

In Japan ist
die Hölle los

Marcel Winatschek

Wenn wir uns vorstellen, dass wir womöglich nur noch existieren, weil einige wenige kranke Köpfe auf diesem Planeten lediglich nicht bis zum Äußersten gegangen sind, dann wird uns ganz schwindelig. Wir, die normalen Bürger, diejenigen, die keine Armeen befehligen können, die keine Politiker kaufen können, die keine Massen kontrollieren können, sind ihnen ausgesetzt, dem Hunger der Zielgerichteten, denjenigen, die wissen, was sie wollen, egal was, und wie sie es erreichen.

Auf den ersten Blick könnten Arata und Toji ganz normale Jungs sein, der eine groß und schlank, der andere wuschelig und mit Augen, in denen man träumend versinken kann. Lässig schlendern sie unter der heißen Sommersonne durch Tokio, vorbei an lärmenden Autos und Menschen und Zikaden. Dass sie vor einigen Wochen Plutonium aus einer Atomanlage entwendet haben und nun mit Bombenanschlägen die japanische Hauptstadt in Atem halten, sieht man ihnen nicht an. Wie auch?

Wer bei Terror in Tokio die üblichen Anime-Klischees erwartet, wird schwer enttäuscht. Die Saga um explodierende Wolkenkratzer, blutende U-Bahnfahrgäste und ratlose Polizisten ist erwachsen, ohne plump ins Horrorgenre abzurutschen. Auf billige Monster, spukende Häuser und kindliche Fratzen verzichtet Regisseur Shinichiro Watanabe ebenso wie auf überproportionale Brüste, kitschige J-Pop-Songs und riesige Roboter. Sailor Moon kann Tokio diesmal nicht retten.

Nine und Twelve sollten womöglich gar nicht existieren, weder unter ihren Alter Egos Arata und Toji noch sonst irgendwo, ihre Erinnerung beginnt in einem Labor am Ende der Welt und endet in einer kleinen Wohnung mitten in der asiatischen Metropole. Von dort aus planen sie detailliert ihre terroristischen Aktionen, von dort aus spielen sie mit dem Polizisten Kenjiro über YouTube Katz und Maus, von dort aus schlagen sie sich mit der ausgestoßenen Schülerin Lisa herum, sie wollte nicht sterben.

Die Erzählung ist technisch versiert und realitätsnah, sie weiß um die heutigen digitalen Möglichkeiten und macht sie sich zunutze. Nine und Twelve hacken, twittern und streamen sich durch die lachende Bevölkerung. Ihre Rätsel sind klug, die Motive liegen genauso im Dunkeln wie die zahlreichen Feinde, die dort draußen auf sie warten. Trotzdem wirkt die Geschichte niemals überdreht, sie nimmt sich die Momente der Ruhe heraus, auf beiden Seiten, das tut gut.

Mit Lisa können wir uns womöglich am einfachsten identifizieren. Von ihren Mitschülern gemobbt und ihrer Mutter missverstanden, wandelt sie ziellos durch die lauten Straßen von Shibuya, um sie herum telefonierende Passanten, es regnet. Die Leuchtreklamen füllen ihr Gesicht mit falschen Farben, wo soll sie hin, in einer Welt, in der niemand so ist wie sie, sie weint, wir wollen sie nur in den Arm nehmen. Die einzige Rettung ist womöglich ihr baldiges Ende.

Wer genug von großbrüstigen Fantasy-Kriegerinnen hat, von animierten Werbesendungen, von repetitiven Abenteuern ohne Ende und Verstand, der findet in Terror in Tokio eine wahre Oase der mentalen Substanz. Mit wunderschönen Zeichnungen von Kazuto Nakazawa und monumentalen Melodien von Yoko Kanno zeigt dieser Anime einmal mehr auf, in welch qualitativen Sphären wir uns heutzutage befinden, fernab von billigem Hentaimüll und ermüdenden High-School-Storys.

Und wenn man fälschlicherweise annimmt, man wüsste, um was es in diesem verzwickten Spiel um Leben und Tod, um Rache, Hass und Feuer, wirklich geht, dann taucht sie auf, Five, das Mädchen, so schön und kalt und erbarmungslos wie ein Schneesturm, mit den violetten Augen und dem üppigen Haar. Denn plötzlich ist man sich gar nicht mehr so sicher, wer von diesen Köpfen wirklich krank ist, sie würde bis zum Äußersten gehen. Daran gibt es gar keinen Zweifel.

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Die Illustration stammt von Mappa und Leonine
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Sommersprossen: Du hast da Sterne im Gesicht

173 Sommersprossen hatte Jule im Gesicht. Exakt nachgezählt. Ich konnte meine Augen, meine Gedanken und die Fingerkuppen nicht von ihr lassen, stocherte fast schon penetrant an ihrem runden Kopf herum. “Du hast da Sterne im Gesicht”, flüsterte ich ihr entgegen. Sie lächelte gütig, drückte meine...
Sommersprossen: Du hast da Sterne im Gesicht

Sommersprossen

Du hast da
Sterne im Gesicht

Marcel Winatschek

173 Sommersprossen hatte Jule im Gesicht. Exakt nachgezählt. Ich konnte meine Augen, meine Gedanken und die Fingerkuppen nicht von ihr lassen, stocherte fast schon penetrant an ihrem runden Kopf herum. “Du hast da Sterne im Gesicht”, flüsterte ich ihr entgegen.

Sie lächelte gütig, drückte meine Hand mit einem Kuss bewusst zur Seite und spazierte dann nur mit einem Haarreif bekleidet in die Küche, um sich einen Toast mit Marmelade zu machen. Womöglich war ich in diesem Moment wirklich glücklich.

Denn was ich noch für viel aufregender als das langweilige Idealbild von der groß gewachsenen Blondine oder der mit Schönheitsflecken überhäuften Brünetten inklusive aufgetunter, fast schon eckiger Hupen empfinde, sind diese kleinen Schätze im Antlitz sonnig strahlender Weiblichkeiten, die mich immer wie einen kleinen Hosenscheißer vor mich hin kichern lassen. Ich liebe sie. Wie kleine Märchen mit eigenen, unerforschten Geschichten sind die.

Und wehe dem, der Sommerflecken als kosmetisch störende Pigmentablagerungen beschimpft, Mädchen dieser Welt einredet sich wegen ihrer zu schämen oder Frauen gar dazu bringt sie sich medizinisch entfernen zu lassen!

Lasst uns also anstoßen auf die vielen kleine Lichtpunkte, die die Körper der schönsten Menschen überhaupt zahlreich bewohnen und freuen wir uns, dass Geschöpfe wie Jule ihre sogar stolz auf der linken Pobacke tragen – auch wenn das leider nicht jeder zu Gesicht bekommt.

Die Fotografie stammt von Raj Rana
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Mädchen in Brasilien: Zuhause mit Yasmin Shizue

Als ich 18 geworden bin, habe ich im Tattoostudio um die Ecke einen Termin gemacht, weil ich mir ein paar schwarze Sterne und einen Mond auf den Oberarm stechen lassen wollte. 50 Euro musste ich vorauszahlen und in einer Woche noch mal vorbei schauen. Natürlich bin ich dort nie wieder hingegangen, w...
Mädchen in Brasilien: Zuhause mit Yasmin Shizue

Mädchen in Brasilien

Zuhause mit
Yasmin Shizue

Daniela Dietz

Als ich 18 geworden bin, habe ich im Tattoostudio um die Ecke einen Termin gemacht, weil ich mir ein paar schwarze Sterne und einen Mond auf den Oberarm stechen lassen wollte. 50 Euro musste ich vorauszahlen und in einer Woche noch mal vorbei schauen. Natürlich bin ich dort nie wieder hingegangen, weil ich vor lauter Zweifel starr vor Angst war. Was ist, wenn ich Himmelskörper irgendwann nicht mehr toll finde?

Dieses Problem hat Yasmin Shizue aus Brasilien wohl nicht mehr. Die bezaubernde Tattooliebhaberin und -künstlerin sticht nicht nur kleine und große Meisterwerke auf die Haut von Menschen, die keine Zweifel mehr haben, sondern besitzt auch selbst ein paar nette Malereien, Botschaften und Symbole auf dem Körper. Die Fotografin Erika de Faria hat die hübsche Südamerikanerin nun für C-Heads digital verewigt.

„Kurz nachdem sie ihre Leidenschaft für das Zeichnen und Tattoos entdeckt hat, arbeitete Yasmin als Assistentin für einen Tätowierer, bevor sie kurz darauf ihr eigenes Studio eröffnete“, erzählt Erika. „Ihre Arbeit mit Tattoos, ihr feiner Pinselstrich, das ist wirklich etwas ganz Besonderes und die Elemente der Natur sind in ihren Zeichnungen ständig präsent und zeigen auch immer ein bisschen, wer sie wirklich ist.“

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Die Fotografie stammt von Erika de Faria
Als Model ist Yasmin Shizue zu sehen
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Ein Nachruf: Im Fernsehen läuft nur Scheiße

Fernsehen, das hieß für mich nach der Schule komatös vor Mila Superstar zu dösen, nachts eine Dosis Bob Ross: The Joy of Painting zum Einschlafen anzusehen oder mir einen Film reinzuziehen, auf den ich selbst nie gekommen wäre. Mal war der gut, mal schlecht. TV ist der Inbegriff des Passiven; vorgef...
Ein Nachruf: Im Fernsehen läuft nur Scheiße

Ein Nachruf

Im Fernsehen läuft
nur Scheiße

Maja Hoock

Fernsehen, das hieß für mich nach der Schule komatös vor Mila Superstar zu dösen, nachts eine Dosis Bob Ross: The Joy of Painting zum Einschlafen anzusehen oder mir einen Film reinzuziehen, auf den ich selbst nie gekommen wäre. Mal war der gut, mal schlecht. TV ist der Inbegriff des Passiven; vorgefertigtes Programm zu einer festen Zeit. Man braucht nur auf einen Knopf zu drücken und wird berieselt.

Dieses Gefühl war in den letzten Jahrzehnten fester Bestandteil des deutschen Alltags: Als das Fernsehen geboren wurde, wollte jeder ein TV-Gerät besitzen. Zwar lief damals nur Nazipropaganda, aber es flimmerte so schön im Wohnzimmer.

Irgendwann wurde sogar bestimmt, dass Fernsehen zur Grundversorgung gehört und Arbeitslose ein Recht auf TV-Geräte haben. Auch war Fernsehverbot für Kinder meiner Generation oft die einzige elterliche Strafe, die wirklich wirkte. Heute dagegen ist jungen Menschen TV genauso fremd, wie Zeitungen aus Papier. Das traditionelle Fernsehen ist tot.

Trotzdem wird fleißig so getan, als sei es noch lebendig. Wie in Immer Ärger mit Bernie: In dem 80er-Jahre-Film schleppte man Bernies Leiche im grellen Hawaiihemd durch die Gegend. Jetzt füllt man Sendezeit mit immer bunteren Inhalten. Es muss schon sehr schmutzig und nackt zugehen, um dem Zuschauer eine Reaktion abzutrotzen.

Auf Tutti Frutti, die Erotik-Show der 90er, in der mal ein Busen blitzte, folgte innerhalb von zwei Jahrzehnten Adam und Eva, worin es nur noch ums Nacktsein geht. Fernsehmacher wollen, dass jemand zusieht, egal um welchen Preis. Immerhin hängt eine riesige Industrie daran. Und diese scheint sich mit der digitalen Realität noch nicht so ganz angefreundet zu haben.

So werden in den öffentlich-rechtlichen Sendern Berufe künstlich beatmet, die als ausgestorben galten: Sendungen werden von drei Pulten live gefahren, obwohl es nur einen Knopfdruck bräuchte. Videos werden auf Kassetten ausgespielt, als seien die vergangenen zehn Jahre nicht passiert. Auf Redaktionskonferenzen wundert man sich über die schlechte Quote, Redakteure wissen zum Teil nicht mal von der Existenz der Mediathek und beraten darüber, wie man noch gleich die Jungen erreicht.

Die wiederum sind nicht nur nicht am öffentlich-rechtlichen Fernsehen interessiert – was das junge Angebot von ARD und ZDF im Netz sicher nicht ändern wird, solange die Machart die gleiche bleibt. Sie haben die Lust am TV generell verloren. Die Vorstellung, ausgewählte Sendungen zu festen Uhrzeiten anzuschauen, ist absurd geworden. Warum sollte man auch, wenn es bessere News, Dokumentionen und Filme zu jeder Zeit online gibt?

Das TV-freie Leben war lange mit einer bildungsbürgerlichen Antihaltung verbunden. Jetzt ist es bei den unter-24-Jährigen in allen Gesellschaftsschichten angekommen. Sie nutzen das Netz nun offiziell häufiger, als das TV. Niemand, den ich kenne, besitzt noch ein TV-Gerät. Bis auf zwei Ausnahmen: Meine Mutter und meine Nachbarin.

Die beiden Frauen stehen für generische Typ TV-Besitzern in Post-TV-Zeiten: Meine Mutter will sich nach der Arbeit berieseln lassen, nicht erst im Netz nach Filmen suchen. Wenn ich sie besuche, gebe ich mich mit ihr der Lust an schlechtem Fernsehen hin. Dann wird nicht Arte geschaut, wie ich es online in der Mediathek tue, sondern ich bade mich im leisen Ekel vor Bauer sucht Frau oder der beruhigenden Vorhersehbarkeit von Liebesfilmen made in Germany.

Die laufen immer gleich ab, da kann einem nichts passieren: Eine mit beidem Beinen im Leben stehende Frau – nicht zu hübsch, nicht zu hässlich – hat die Wahl zwischen zwei Männern. Schon in der ersten Minute ist klar, dass der „beste Freund“ – Wuschelhaare, erfolgloser Schriftsteller oder sinnlicher Koch – am Ende ihr Lover wird, nicht der Mann mit der fiesen Gel-Frisur.

Meine Nachbarin ist der andere Typ Fernsehbesitzerin: Die Einsame. Der Supermarkt um die Ecke ist ihr einziger sozialer Kontakt. Trotzdem kommen aus ihrer Wohnung jeden Abend Stimmen. Ihre Serien bilden das Hintergrundgeräusch, die Gespräche werden zu ihren Gesprächen, die Charaktere zu ihrer Familie.

Fernsehen mildert Einsamkeit anders, als Internet, denn jemand hat sich die Arbeit gemacht, und ein Programm für einen zusammengestellt. Die Zuschauer fühlen sich umsorgt. Darum gibt es übrigens auch einen Zusammenhang zwischen Stromausfällen und Selbstmordzahlen. Für einsame und erschöpfte Menschen ergibt es Sinn, das Fernsehen weiter lebendig zu halten wie die Leiche Bernie.

Der Film Immer Ärger mit Bernie ist übrigens eine Adaption von Immer Ärger mit Harry von Alfred Hitchcock und damit symptomatisch für das, was das Fernsehen angerichtet hat: Viele Filme aus den 50er- und 60er Jahren wurden in den 80ern völlig gehirnamputiert neu aufgelegt. Was war passiert?

Man musste Geld mit Werbung machen und begann, die niedersten Triebe der Zuschauer anzusprechen, damit sie zahlreich einschalten. Irgendwann hat man dann ganz aufgehört, ihnen etwas zuzutrauen. Schaut man sich das Fernsehprogramm an, ist es die logische Entwicklung dieser Tendenz.

Im sogenannten Bildungsfernsehen laufen Kochshows, Fußball und Musikantenstadl; die privaten Sender zeigen Frauentausch, „Sarah und Pietro in Love“ und Dschungelcamp. Dabei berufen sich die Macher auf eine Quote, die auf eine umstrittene Art erhoben wird – ein Kästchen, das in ausgewählten Testhaushalten installiert ist, zeichnet das eingeschaltete Programm auf.

Glücklicherweise gibt es jetzt andere Zahlen: Die Zuschauer klicken im Netz auf tief recherchierte Dokumentationen, Spielfilme, in denen man nicht die Handlung nach der ersten Minute vorhersagen kann und komplexe Serien, die genauso viel vom Leben erzählen, wie ein guter Roman – bis vor Kurzem wusste man in Deutschland nicht einmal, dass es so etwas überhaupt gibt.

Und: Sie wollen sich die Inhalte in der Originalsprache ansehen, nicht mehr schlecht synchronisiert. Das Publikum wird immer schlauer und will Qualität – zumindest manchmal. Darum gehen Netflix und Amazon Prime auch durch die Decke. Für die Lust am Trash ist nun YouTube zuständig. Natürlich wird mit Internetfernsehen nicht alles anders. Doch die Epoche des Passiven geht definitiv zu Ende und die Macht wandert zurück in die Hände der Zuschauer. Rest in Peace, TV. Bald wirst du retro.

Die Illustration stammt von Icons8
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Battle Royale: Der beste Teeniefilm der Welt

Damals, im Jahr 2002, war das Internet nicht nur unglaublich langsam, sondern wurde auch nach Minute abgerechnet. Der einzige richtige Film, den ich mir damals illegal durch FrostWire zog, weil das ungefähr zwei Tage lang dauerte und wahrscheinlich mehr kostete als eine Monatsrente, war Battle Royal...
Battle Royale: Der beste Teeniefilm der Welt

Battle Royale

Der beste Teeniefilm
der Welt

Marcel Winatschek

Damals, im Jahr 2002, war das Internet nicht nur unglaublich langsam, sondern wurde auch nach Minute abgerechnet. Der einzige richtige Film, den ich mir damals illegal durch FrostWire zog, weil das ungefähr zwei Tage lang dauerte und wahrscheinlich mehr kostete als eine Monatsrente, war Battle Royale. Ich musste ihn unbedingt sehen, nachdem irgendwo ein überaus blutiger Trailer aufgeploppt war.

Die Story ist schnell erklärt: Eine japanische Schulklasse wird auf einer verlassenen Insel ausgesetzt, um sich dort gegenseitig mit Pistolen, Schwertern und Pfannen die Köpfe einzuschlagen. Derjenige, der überlebt, darf zurück zu seiner Familie. Die anderen… naja… sind tot. Battle Royale ist ein Gedankenexperiment, das aufzeigt, was passiert, wenn Liebende und Freunde plötzlich zu Feinden werden.

Der YouTuber Nerdwriter geht sogar noch einen Schritt weiter. In seinem Video erklärt er, warum Battle Royale der beste Teeniefilm aller Zeiten ist. Er gehe nämlich an die Grenzen des mentalen Spektrums und würde dokumentieren, an welchem Punkt sich Psychen ändern, logische über emotionale Entscheidungen siegen und Menschen ihre gesellschaftliche Normung bekämpfen. Und es geht um Liebe. Um die erste, große Liebe.

Battle Royale: Der beste Teeniefilm der Welt
Die Fotografie stammt von Toei
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Dirty Eating: Von gesundem Essen muss ich kotzen

Vor ein paar Tagen habe ich mein Instagram-Profil gelöscht, weil ich es einfach nicht mehr aushielt. Eure ständigen Selfies und Katzenfotos gingen mir ja schon gewaltig auf die Nerven, doch dann kamt ihr mir auch noch mit diesem Quatsch von Detox und Clean Eating und habt alle Cheeseburger und Pizze...
Dirty Eating: Von gesundem Essen muss ich kotzen

Dirty Eating

Von gesundem Essen
muss ich kotzen

Nadine Kroll

Vor ein paar Tagen habe ich mein Instagram-Profil gelöscht, weil ich es einfach nicht mehr aushielt. Eure ständigen Selfies und Katzenfotos gingen mir ja schon gewaltig auf die Nerven, doch dann kamt ihr mir auch noch mit diesem Quatsch von Detox und Clean Eating und habt alle Cheeseburger und Pizzen aus meinem Instagram-Feed durch Bilder von grüner Pampe in Möchtergern-Fancy-Ikeagläsern ersetzt.

Und ich musste leider schon beim Anblick davon kotzen, also habe ich mein Profil gelöscht und mir erst mal ein Schnitzel gemacht. Mit Fritten und der fettigsten Jägersoße, die ich im Supermarkt bei den Fertiggerichten finden konnte. Als ihr plötzlich alle tierfreundliche Veganer wurdet und einen Supermarkt, der auf Verpackungen verzichtet, mit dem Geld unterstützt habt, von dem ihr früher eure Drogensucht und Alkoholexzesse finanziert habt, fand ich das noch okay. Ehrlich.

Tier- und Umweltschutz sind eine super Sache, aber die Spinatgetränke und armseligen Nüsschen, die ihr euch nun statt MDMA in den Mund steckt, die gehen mir zu weit, zumal alles, was man euch von Detox-Kuren und Clean Eating verspricht, noch nicht einmal wissenschaftlich bewiesen ist, aber was weiß ich schon, wer glaubt, dass diese Zuckerkügelchen namens Homöopathische Arzneimittel wirklich helfen, wird ja schließlich auch schneller gesund, obwohl belegt ist, dass sie faktisch rein gar nichts tun.

Clean Eating heißt ja in erster Linie, auf künstliche und chemisch hergestellte Lebensmittel zu verzichten. Ihr könnt euch also zuerst einmal von eurem geliebten Nutella verabschieden. Und der Bärchenwurst. Und dem Körnerbrot vom Bäcker. Und sogar dem “frisch gepressten Orangensaft” aus dem Kühlregal. Dafür dürft ihr dann aber sechsmal am Tag essen. Solange die Portionen nicht zu groß sind. Und natürlich selbst gemacht.

Positiv ist, dass ihr so nie wieder den ekligen Fraß in der Mensa in euch hinein drücken müsst. Dafür fällt halt auch der Lieblingsburger flach. Und das Feierabendbier. Aber hey, wer braucht das schon, wenn er stattdessen Algencocktails haben kann? Die machen die Haut dann schön und den Körper viel fitter und euch zu einem besseren Menschen. Und zu einem unglücklichen auch.

Denn egal wie viele gute Fette und Vitamine ihr mit dieser Art der Ernährung zu euch nehmt und egal wie gut die für euer Immunsystem und damit auch das Wohlbefinden sind: ich glaube daran, dass Soul Food glücklich macht – und niemand kaut ernsthaft gerne beim abendlichen Serien gucken an einer unbehandelten Karotte aus Muttis Garten herum, wenn er stattdessen Pepperoni-Pizza mit Käse im Rand haben kann, die auch noch bis ans Bett geliefert wird.

Diejenigen von euch, die so richtig hardcore drauf sind, machen neben Clean Eating auch noch eine Detox-Kur. Zwei Wochen lang nur püriertes Etwas, das aussieht wie Erbrochenes und genauso schmeckt. Ihr müsst mir gar nicht erzählen, dass das eigentlich voll lecker ist, ich hab’s nämlich probiert und spätestens am zweiten Tag hängt dir das Zeug zum Hals raus, da kannst du die Gemüsesorten variieren wie du willst.

Noch dazu macht es nicht satt, und von Hunger bekommt man nun mal schlechte Laune, da kann man “von innen heraus” so viel strahlen wie man will. Abgesehen davon, dass die angebliche Wirkung halt für den Arsch ist – und zwar nur für den, denn von eurer Verdauung könnt ihr euch für die gesamte Dauer eurer Detox-Kur getrost verabschieden. Und damit auch von euren Freunden, denn ganz ehrlich, niemand will Zeit mit einem schlecht gelaunten und permanent furzenden Menschen verbringen.

Jetzt mal im Ernst, Leute: wer von euch hält diesen Scheiß eigentlich durch? Geht euch das nicht nach allerspätestens vier Wochen so tierisch auf die Nerven, dass ihr euch nachts heimlich Schokoriegel in die gierigen kleinen Münder stopft und bei Mamas Sonntagsbraten mal wieder so richtig zulangt? Gesundes Essen hin oder her – braucht ihr nicht auch mal so ein richtig fettes Steak mit Senf und Ketchup, um euch wieder wie ein richtiger Mensch zu fühlen?

Und selbst wenn ihr eure Detox-Kuren und selbstgebastelten Clean-Eating-Pläne bis ins letzte Detail einhaltet: vermisst ihr nicht irgendwie doch was? Ich meine, was macht ihr zum Beispiel, wenn ihr auf dem Jahrmarkt an der Pommesbude vorbei lauft. Oder dem Stand, der diese ganzen vielen Zuckersachen verkauft. Vergießt ihr denn keine einzige Träne, dass ihr all den Scheiß, für den wir das Leben so lieben, nicht essen dürft oder könnt?

Ich glaube ja, dass viele von euch das nur für die anderen tun. Clean Eating als Vorbildfunktion für die drogenverseuchte Jugend. Sonst könntet ihr das nämlich machen, ohne ständig darüber zu reden. Eure scheiß Vitamindrinks auf Instagram sehen nämlich nicht mal gut aus. Im Gegensatz zu einem dicken mit Käse und Fleisch belegten Burger. Oder den zuckrigen bunten Cupcakes, die ihr auf den ganzen Bloggerevents, die ihr so gern besucht, weil es dort nämlich Goodie Bags gibt, immer gemampft habt.

Am besten fotografiert ihr eure “gesunden Drinks” und die dazugehörigen Selleriestangen noch direkt vor euren Sportschuhen und schreibt dazu, dass so ein widerlicher Smoothie genau das Richtige ist, wenn man von zwei bis drei anstrengenden Stunden Sport kommt, nach denen man sich ja auch sooo gut fühlt. Ich sag euch wie man sich wirklich fühlt: beschissen. Beschissen und ausgelaugt.

Wenn man vom Sport kommt – und ja, Bierflaschen vom Supermarkt an der Ecke in den vierten Stock der Altbauwohnung zu schleppen, ist auch Sport – dann hat man Bock auf Schokolade und Schnitzel, nicht auf Kartoffeln, Spiegelei und Spinat – ach halt, Kohlenhydrate esst ihr ja auch nicht, weil sie schlecht für die Figur und sowieso sehr ungesund sind.

Und das reibt ihr uns täglich in die Fresse. Auf Instagram. Und Twitter. Und euren Blogs, die eh keiner liest. Und so verderbt ihr uns unseren Appetit. Wenn ihr ganz übel drauf seid, hängt ihr sogar noch ein paar Links an, die uns zeigen, wie schlecht es eigentlich den Tieren geht, die wir Tag für Tag töten, um an unser Fleisch zu kommen und wie beschissen die Arbeiter in den Lebensmittelfabriken doch dran sind und die Kinder in Afrika, ach, die erst, haben ja nichts, während wir im Überfluss leben, von Zeug, das kein Mensch braucht.

Nur, davon wird es halt auch nicht besser. Und ich, ich brauche das. Weil ich nämlich Spaß am Essen habe. Ich will nicht darüber nachdenken, ob das, was ich als nächstes in mich hinein stopfe, irgendwie ethisch nicht okay oder am Ende vielleicht sogar krebserregend ist. Oder ob es mich fett und hässlich macht. Es ist mir nämlich egal, solang es schmeckt.

Ihr könnt ja essen was ihr wollt, das will ich schließlich auch, aber bitte hört auf, mir eure “tolle Ernährung” ständig um die Ohren zu hauen. Wenn ich das sehe, wird mir nämlich schlecht, und davon hat ja wohl niemand etwas.

Die Fotografie stammt von Thought Catalog
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Zeit für Liebe: Ich suche einen Freund

Gestern rief mich meine beste Freundin an und erzählte mir, dass sie und ihr Freund, mit dem sie seit etwa neun Monaten zusammen ist, in Zukunft auf Verhütung verzichten werden. Im ersten Moment hielt ich das für einen schlechten Scherz, doch dann wurde mir bewusst, dass die beiden sich wirklich ein...
Zeit für Liebe: Ich suche einen Freund

Zeit für Liebe

Ich suche
einen Freund

Nadine Kroll

Gestern rief mich meine beste Freundin an und erzählte mir, dass sie und ihr Freund, mit dem sie seit etwa neun Monaten zusammen ist, in Zukunft auf Verhütung verzichten werden. Im ersten Moment hielt ich das für einen schlechten Scherz, doch dann wurde mir bewusst, dass die beiden sich wirklich ein gemeinsames Kind wünschen. Und damit sind sie nicht die einzigen in meinem Freundeskreis. Gefühlt ist jeder meiner Bekannten gerade mit Verlobungen, dem Feiern von opulenten Hochzeiten oder dem Zeugen und Gebären von Nachkommen beschäftigt.

Nur ich sitze hier und masturbiere. Was mir zwar große Freude macht, immerhin habe ich im Gegensatz zu einigen meiner Bekannten dadurch regelmäßig fantastische Orgasmen. Doch irgendwie steigt in mir langsam aber sicher das Gefühl auf, dass ich mit den perfekten Leben meiner perfekten Freunde, die die perfekten Jobs haben und jetzt auch noch die perfekte Familie gründen, nicht mehr mithalten kann.

Eben weil ich Single bin, zu viel masturbiere und meine Tage und Nächte lieber in irgendwelchen Clubs verbringe, statt mich ernsthaft mit der Suche nach einem geeigneten Nebenjob oder, Gott bewahre, dem Abschluss meines Studiums zu beschäftigen.

Damit wird allerdings nun Schluss sein. Denn gestern Abend habe ich beschlossen: Die Suche nach einem neuen Freund wird bei mir ab sofort oberste Priorität haben. Ich habe nämlich wirklich keine Lust darauf, mich länger als Aussätzige zu fühlen, die ihr Leben nicht auf die Reihe bekommt und keinen Partner länger halten kann als ein paar unverbindliche Nächte.

Ich will nicht mehr die sein, die ihre verlobten und verheirateten Freunde damit unterhält, dass ihr auf der Clubtoilette ein völlig fremder Typ das Arschloch geleckt hat, während sie eine Line Koks geballert hat. Ich will endlich auch eine richtige Beziehung, mit der ich angeben kann und um die ich von meinen wenigen Single-Freundinnen beneidet werde.

Meine erste Amtshandlung, nachdem ich den Entschluss gefasst hatte, ab sofort meinen gesamten Fokus auf die Suche nach einem neuen festen Freund zu legen, war also, Tinder und die ganzen anderen Hook-Up-Apps zu deinstallieren und mich bei einem etwas elitäreren Partnervermittlungsdienst anzumelden. Richtig, die Rede ist von OkCupid.

Da kann man nämlich ganz gezielt nach Leuten suchen, die auch an einer festen Partnerschaft interessiert sind und sich so bald wie möglich fortpflanzen möchten. Gemeinsame Interessen zu haben ist für eine Beziehung sowieso essenziell, und jemand, der nur mit mir ins Bett möchte, kommt mir jetzt, da ich mich dazu entschieden habe, mir einen echten Partner zu angeln, nicht mehr in die Bude.

Leider bedeutet das auch, dass ich die drei Affären, die ich gerade am Laufen habe, irgendwann in den kommenden Tagen, oder Wochen, beenden muss. Von denen sind alleine zwei schon deshalb kein Heiratsmaterial, weil sie bereits Ehefrauen zuhause sitzen haben, die nichts von ihren Abenteuern mit mir wissen, und der andere kommt nicht infrage, weil er zu hässlich und dumm ist, als dass sich aus seinem Erbgut noch irgendetwas Vernünftiges machen ließe.

Aber wer wie ich auf der Suche nach einer richtigen Beziehung ist, der muss sich eben auch selbst optimieren, und dazu gehört nun mal, dass ich alten Ballast, sprich, alte Affären und Männer, die mir nicht mehr taugen, abwerfe und hinter mir lasse. Auch, wenn es schwerfällt.

Dazu kommt, dass ich mir mit der Feierwut, die ich in den letzten Monaten, wenn nicht sogar Jahren, an den Tag gelegt habe, optisch natürlich so überhaupt gar keinen Gefallen getan habe. Obwohl ich noch nicht einmal annähernd 30 bin, haben sich auf meiner Stirn und neben meinen Augen bereits kleine Falten gebildet. Von den eitrigen und rot glänzenden Pickeln, mit denen ich immer noch zu kämpfen habe, mal ganz abgesehen.

Meine Fuckbuddys hat das nie weiter gestört, aber die wollten genau wie ich ja auch nur das Eine. Jetzt, wo ich auf der Suche nach einer ernsthaften Partnerschaft bin, kann ich es mir selbstverständlich nicht mehr leisten herumzulaufen wie das asoziale Drogenopfer, das ich in Wirklichkeit bin.

Während ich also diesen Text tippe, entfaltet auf meinem Gesicht hoffentlich die Antipickelmaske endlich ihre Wirkung. Was die nicht bereinigt bekommt, wird später dann unter einer ordentlichen Schicht Camouflage-Make-Up verdeckt. Ich habe heute Abend nämlich bereits das erste Date mit meinem potenziellen Ehemann.

Weil ich aber nicht komplett bescheuert bin und glaube, dass der erstbeste Typ, den ich auf OkCupid aufgerissen habe, tatsächlich der Mann meiner Träume ist, habe ich mir für die kommenden zwei Wochen jeden Abend ein Date organisiert. Dafür hab ich unter anderem all meine Freundinnen und Freunde angeschrieben, die einen Single-Mann im erweiterten Freundeskreis haben, und sie gebeten, mir Dates mit diesen zu organisieren.

Das hat ganz wunderbar geklappt. Das Internet allein hat nämlich leider nicht genug Typen hergegeben, die Zeit und Lust hatten, sich auf ein ernsthaftes Date mit mir zu treffen und nicht nur zum Poppen und Kiffen. Weil mir die Sache mit der Beziehung aber durchaus sehr ernst ist, war es mir wichtig, mich die nächsten zwei Wochen ausschließlich mit der Partnersuche zu beschäftigen.

Leider ist mein letztes ernsthaftes Date nun doch schon eine ganze Weile her. Wie gesagt, ich war lange Zeit die geile Tante, die sich auf dem Klo eines Clubs das Arschloch lecken ließ, während sie Drogen nahm. Ein bisschen Angst habe ich schon davor, mit einem der zwölf Typen, die ich in den nächsten zwei Wochen treffen werde, ins Bett zu steigen, einfach weil ich nicht mehr weiß, wie Daten geht.

Deshalb werde ich die Zeit, die die Enthaarungscreme an meinen Beinen einwirkt, nutzen, um im Internet nach wertvollen Tipps für das erste Treffen zu suchen und vielleicht noch ein paar mentale Coachings, die ich auf YouTube gefunden habe, mitmachen, um wenigstens nicht ganz so unvorbereitet zu sein, wie ich mich gerade fühle.

Ich weiß wirklich nicht, wie das die anderen Leute aus meinem Umfeld gemacht haben, die in festen Partnerschaften sind, sich verloben, heiraten und plötzlich aufhören, auf die Verhütung zu verzichten, weil sie sich auf einmal vorstellen können, ihren Wodka-Tonic gegen vollgeschissene Windeln zu tauschen. Aber was ich weiß: Ich will es auch. Weil ich einfach nicht der letzte Loser in meinem Bekanntenkreis sein will, der all das nicht hat.

Die Fotografie stammt von Travis Grossen
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Entscheide dich!Zweifel essen Seele auf

Immer wieder stehen wir in unserem Leben vor den kurzen und simplen Fragen, die sich durch Interpunktion nicht minder von einer Antwort unterscheiden, und suchen nach den besten und unkompliziertesten Lösungswegen. Ich spreche weder von akribischen Wurzeln der Mathematik noch vom Flexionssystem der...
Entscheide dich!Zweifel essen Seele auf

Entscheide dich!

Zweifel essen
Seele auf

Katrin Olszewski

Immer wieder stehen wir in unserem Leben vor den kurzen und simplen Fragen, die sich durch Interpunktion nicht minder von einer Antwort unterscheiden, und suchen nach den besten und unkompliziertesten Lösungswegen. Ich spreche weder von akribischen Wurzeln der Mathematik noch vom Flexionssystem der nominalen Wortarten. Wir sitzen hier nicht im Unterricht von Frau Müller-Meyer, sondern im verfickten Schoß von Mister Life.

Der orangefarbene Anzug nimmt mir die Luft. Und das Augenlicht. Da nützt die tollste Rot-Grün-Schwäche nichts. Dieser furchtbare Anzug muss doch einfach Augenkrebs verursachen, denke ich während mich jemand auf der Ladefläche eines Miniflugzeuges absetzt. Wie kann die Berliner Stadtreinigung mit solchen Anzügen arbeiten, die werden doch alle blind?! Unmöglich eine Antwort auf meine Frage findend, blicke ich verdutzt durch die verschmutzten Scheiben und sehe wie ich mich in Sekundenschnelle von der Erdoberfläche entferne.

„Kann man damit auch ins All fliegen?“ scherze ich doof in Richtung Pilot und fummele nervös an meinem Anzug herum. Ich öffne den Reißverschluss und schnappe überfordert nach Luft. Der große Mann, der mich grob auf die Ladefläche geschleudert hat, trägt den gleichen bescheuerten Anzug und beobachtet konzentriert den Luftdruck auf seinem Tacho.

„Stop!“ brüllt er den Piloten an und grinst mich gespannt an. Hilfe, ich schwitze und bin rot und sterbe in genau jenem Moment. Wozu noch springen? Nein, das war eine dämliche Idee „Haha, na klar“ zu einer lebensbedrohlichen Situation zu sagen. Warum will ich bloß immer so cool sein? „Uncool sein ist das neue In“, lege ich in meinen Kopf fest, doch dafür scheint es nun auch zu spät.

„Komm schon“, der Apfelsinen-Mann zieht mich an einem Arm hoch und schreit durch den überlauten Luftdruck in mein Ohr: „Denk an die Banane!“ Er stellt mich an den Ausgang vom Flugzeug. Die riesige Flugzeugtür öffnet sich und es wird weiß. So weiß, dass mir vor Augen schwarz wird.

Das einzig Sichtbare sind Wolken in allen Formen und Bildern. Kurz blitzt der grüne Erdball unter mir auf als ich benebelt hinuntersehe. 4000 Meter, denke ich und spüre wie mich jemand kurzerhand und unüberlegt nach vorne schiebt und hinunterstößt. Schreiend fliege ich durch die dicke Wolkendecke hindurch…

Das war mein erster Sprung aus einem Flugzeug. Sky-Diving nennt man das, damit es „cool“ klingt. Ist es aber überhaupt nicht. Als ich damals an meinem zweiten Aufenthaltstag in Sydney aufwachte, fragte mich mein Roommate ganz nebenbei: „Kati, morgen Sky diven?“, schlaftrunken, einer Pro-Contra-Konversation dieser Uhrzeit noch nicht fähig, streckte ich meinen Daumen hoch und sabberte „Haha, na klar!“ in mein Kissen.

So passieren diese Sachen immer. Schläfrig, betrunken, bewusstlos. Nämlich in einem anderen Zustand als der, in dem man bei solchen Entscheidungen eigentlich sein sollte. Dinge, die man einfach so tut, ohne dass jemand danach gefragt hätte. Oder es irgendwie cool wäre.

Ich habe mehr idiotischen Schwachsinn in Australien gemacht als irgendwer in meiner Familie oder unter meinen Freunden vermutet hätte. Ich wurde in einem Käfig herabgetaucht und habe Haien zugewinkt, stand einem Krokodil in einem „Betreten verboten!“-Gebiet gegenüber und bin nackt, nur mit einem Topf auf dem Kopf bekleidet, in der Küche eines Vier-Sterne-Hotels aufgewacht.

All das habe ich seitdem nie wieder getan. Vielleicht bin ich mittlerweile zu erwachsen geworden oder es war so schlimm, dass ich es nie wieder tun könnte oder es liegt ganz einfach daran, dass ich mich nicht mehr in einem Land aufhalte, in dem mich keiner kennt. Die Problematik der Ja- oder Nein-Entscheidungen liegen meist auch nicht fern anderer, an uns gebundener Personen.

So stellt sich dieses Scheininstrument auch oft als Klarinette statt Flöte in einer Beziehung dar. Fremdgehen. Da kann man so oft man will aus dem Flugzeug springen, diese Entscheidung wird dich noch viel länger mit Gewissensbissen verfolgen als du möchtest. Nur das Furchtbare daran ist, zu einem Seitensprung sagt die Menschheit schneller Ja als zum Sprung aus 4000 Meter Höhe. Kostet ja auch nix.

Einmal das Rein-Raus-Spiel durchziehen und das war es dann schon. Als wäre quasi nichts passiert. So denken einige, aber so einfach ist die Fauxpas nicht zu revidieren oder ad acta zu legen. Vorher wird die Beziehung erst zu einem ungemütlichen Knäuel an Intrigen, Rachefeldzügen bis hin zum Exitus Letalis. Manchmal findet der Seitensprung auch ein gutes Ende. Aber dieser ist kein unüberlegter Luftsprung, der einer Spontanität der Leichtigkeit des Seins entspringt.

Das erste Mal Sex. Das mag noch eine ganz andere Liga sein. Da ist alles so spannend, so neu, so geplant (vielleicht?) und so tollpatschig. Eine schöne erste Erfahrung, die unter uns doch jeder gemacht hat. Ob früher oder später. Aber mindestens genauso wichtig und interessant. Diese Entscheidung wird uns im Teenie-Alter ganz automatisch abgenommen.

Wir strömen mit dem Fluss des Erwachsen-Werdens auf die Insel der Einzigartigkeit zu. Wer dazu Nein sagt, der ist irgendwie kaputt. Oder 6 Jahre alt. Daraufhin folgt die erste Zigarette, der erste Job, die erste Wohnung und irgendwann haben wir alles schon das erste Mal gemacht und erfreuen uns an kleinen Dingen, die wir nur einmal im Leben machen werden und die uns begeistern. Mal einmal. Mal zweimal. Vielleicht aber auch ein Leben lang… Ja oder nein?

Die Illustration stammt von Bogdan Magenta und Icons8
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Dating per App: Tinder darf man nicht ernst nehmen

Ich hatte mal einen Exfreund. Und wie es für Exfreunde seiner Art, Stichwort Musiker, so üblich ist, war er ein richtiger Arsch mit einem winzigen... naja... Ego und noch weniger Gewissen. Woher ich das weiß? Nun ja, zum Glück ist Berlin auch nur ein kleines Dorf, in dem jeder jeden kennt – und so b...
Dating per App: Tinder darf man nicht ernst nehmen

Dating per App

Tinder darf man
nicht ernst nehmen

Leni Garibov

Ich hatte mal einen Exfreund. Und wie es für Exfreunde seiner Art, Stichwort Musiker, so üblich ist, war er ein richtiger Arsch mit einem winzigen… naja… Ego und noch weniger Gewissen. Woher ich das weiß? Nun ja, zum Glück ist Berlin auch nur ein kleines Dorf, in dem jeder jeden kennt – und so bieb mir die frohe Botschaft über seine pickelige, 19-jährige Affäre beim besten Willen nicht erspart, genauso wenig wie die Details des romantischen Zusammentreffens der beiden Turteltauben: Tinder. What else.

Ich habe keine Ahnung, welche Synapsen ihren Einsatz verpasst haben und wo mein südländisches Temperament an dem Tag abgeblieben ist, aber statt Britney-reif auszuticken, habe ich nur mit den Schultern gezuckt und mir die App runter geladen. Okay, Letzteres habe ich mir nur ausgedacht. Fakt ist aber: Was er kann, kann ich schon lange.

Verändert die Liebe sich durch das Internet? Spielen echte Gefühle überhaupt noch eine Rolle? Oder werden wir zur Massenware, die nach links zu den Losern oder nach rechts in die engere Auswahl wandert? Wir sind ja hier unter uns, also kann ich es euch verraten: Trotz großer Klappe werde ich zum schüchternen Häufchen Elend, wenn es ums Flirten geht.

Ich kann mir schöne Augen schminken, dem Typen an der Bar aber keine schönen Augen machen. Ich kann meine Meinung lautstark vertreten, bekomme aber kein Wort raus, wenn ich jemanden richtig toll finde. Und ich war absolut dagegen, mich auf Tinder, Happn & Co. zu präsentieren, obwohl mein komplettes Leben fast nur im Internet stattfindet.

Aber hey, was tut man nicht alles für die Wissenschaft? Zwei, drei Klicks, Foto hochgeladen, angemeldet, fertig. Und wisst ihr was? Es war überhaupt nicht schlimm. Weil man das Ganze nicht zu ernst nehmen darf. Weil man nicht mit dem Vorhaben, seine große Liebe zu finden, aufs Herzchen klickt oder nach rechts wischt. Weil man auch da eines Besseren belehrt werden kann, wie die ein oder andere Geschichte beweist. Weil das Argument, man würde zur Billigware, schon bei dem Gedanken hinkt, weil beide zustimmen müssen und somit wissen, worauf sie sich da einlassen.

Und weil man im allerschlimmsten Fall mit der besten Freundin beim Späti um die Ecke sitzt, ihr das Handy in die Hand drückt und sie die nächsten fünf Typen aussuchen lässt, nur um zu sehen, ob es ein Match war. Strike! Yeah! Next Level! Es ist nur ein Spiel, das keinem – mit einem gesunden Menschenverstand – wehtut.

Und während wir da Tränen lachend mit dem Handy in der Hand sitzen, wie Teenies auf dem Schulhof kichern und sie laut „Neeeeeee, der doch nicht!“ schreit, setzt sich ein Unbekannter zu uns, holt sein Handy raus und grinst uns an, als hätte er seine verschollen geglaubten Geschwister mitten in der Wüste wiederentdeckt. „Ooah, ihr seid ja auch auf Tinder! Mal sehen, ob wir uns finden!“ Aber bevor er sich ins Partyleben verabschiedet, dürfen wir noch sein neues Profilfoto schießen und ihm viel Glück bei der Suche wünschen.

Wer weiß, vielleicht begegnet ihm die große Liebe online. Vielleicht bei der nächsten Party. Vielleicht auch beides, wie wir uns eben gerade. Sicher ist aber: meine Vorurteile habe ich abgelegt und tatsächlich nette Leute kennengelernt. Eine einzige schmierige Nachricht bekommen, die aber so lustig-dämlich war, dass ich es „Willy“ echt nicht übel nehmen konnte.

Zählen wir mal zusammen: Schlechte Erfahrungen: Null. Lachanfälle: gefühlt tausend. Nach links gewischt: den Typen mit dem eingeölten Modelbody, den mit einem romantischen Zitat über seinem Gesicht und den Exfreund, der mich irgendwann vom Bildschirm aus angrinste – für den hieß es nämlich: Game Over!

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Musik für Idioten: Im Radio läuft nur Scheiße

Radio hören ist ja bekanntermaßen eine der größten Foltermethoden, die unsere Gesellschaft derzeit kennt. Es ist wie ein gemein-gesellschaftlich akzeptiertes Quälinstrument, das besonders in Wartezimmern und auf Autofahrten mit kaputter Anlage zum Konsens gehört. Die furchtbaren Werbejingles, die...
Musik für Idioten: Im Radio läuft nur Scheiße

Musik für Idioten

Im Radio läuft
nur Scheiße

Sara Navid

Radio hören ist ja bekanntermaßen eine der größten Foltermethoden, die unsere Gesellschaft derzeit kennt. Es ist wie ein gemein-gesellschaftlich akzeptiertes Quälinstrument, das besonders in Wartezimmern und auf Autofahrten mit kaputter Anlage zum Konsens gehört.

Die furchtbaren Werbejingles, die sinnlosen Moderatorenansagen und natürlich die zwölf Minuten geschmacklose “Das gefällt doch jedem”-Musik der 80er, 90er und dem “Besten” von heute, das sich auf vier neue Tracks im Jahr beschränkt und einen in den Wahnsinn treiben kann.

VIVA gibt’s schon lange nicht mehr, MTV spielt nur schlecht synchronisierte Reality-Soaps und YouTube favorisiert nur den Dreck irgendwelcher Kellerrapper. Dass unsere musikalische Kultur verwahrlost und unsere Kinder mit Geschmackskrebs aufwachsen werden, ist leider eine Dystopie, die sich in Realität verwandelt.

Wir können versuchen, die Augen davor zu verschließen. Aber die Wahrheit wird uns einholen, sobald Spotify partout nicht laden will und wir ohne Schutz vor dem gehirnwaschenden Lärm im Fitnessstudio stehen und uns selbst den Freitod wünschen.

Diese Entwicklung an der Oberfläche ist durchaus verwunderlich, immerhin ist der Untergrund gesegnet von großartiger musikalischer Vielfalt. Von Rap Fusion über Neoclassical bis zum Future Bass haben sich in den letzten Jahren einige wunderbare Stränge neuer Genremixe entwickelt – Internet sei Dank.

Und die Avantgardisten und Trendsetter, die den Mainstream nicht umgehen, aber auch nicht direkt anvisieren, ziehen sich den Pop auf eine seelenstreichelnde Ebene, mit der auch meine Oma was anfangen könnte. Könnte, wenn es sie erreichen würde.

Und so bleibt es wieder den einsamen Einzelkämpfern überlassen, die gute Musik auch an Orte zu tragen, wo sie noch frisch und unbekannt ist. Ihr Würmer wusstet letztes Jahr noch nicht einmal, wie man Future Bass buchstabiert – und plötzlich hört ihr es überall, nur leider auf die schlechteste Art und Weise, die man sich vorstellen kann.

Keine Angst, ich werde nicht Flume dissen – ich disse nur die Leute, die an dieser Stelle aufhören weiter zu graben. Nur Vorwürfe kann man den armen, musikalisch hungernden Völkern nicht machen. Die großen Medienmonopole lassen ja keine gezielte Beschallung zu, vermutlich, weil sie intelligente Revolutionen fürchten, die zu mehr Nischen und zu weniger Umsatz führen.

Ihr und ich, wir wissen, dass es fantastische Musik gab in den letzten Jahren. Verdammt fette Tracks, wie ein guter SoundCloud-Mix nach dem anderen beweisen. Wir können uns jetzt gemeinsam High Five geben und uns gegenseitig die Pimmel dafür streicheln, dass wir geil sind und über den DJ-Ötzi-Shit im Radio stehen.

Viel wichtiger ist jedoch: Werdet zu Botschaftern. Bewegt euch nicht nur in den lamen Hipsterkreisen, die “so over it” sind, wenn James Blake furzt, sondern nutzt eure Überkonnektivität für humanitäre Missionen und schickt die eleganten Beats euren kleinen Brüdern und Schwestern, bevor sie zu Katy-Perry-Zombies werden und Future Bass nur als Krachmutant-Element in verstümmelten Popsongs kennen.

Rettet die Kinder! Macht den Untergrund zum Mainstream und befreit euch von dieser gespielten Coolness und der Antipathie gegenüber den ignoranten Losern, die keine gute Musik kennen. Verliert eure Hipsterness. Vergesst eure elitäre Scheiss-Attitüde. Spread the fucking word!

Geht um den Block und schreit den Leuten ins Gesicht, dass sie verarscht werden! Nicht nur für gesündere Autofahrten, sondern für kulturelle Vielfalt, für mehr Neuentdeckungen, für mehr geheime Talente, die sich in den Vorörtern Deutschlands verstecken. Macht mal ein #MeToo draus, ihr Pisser, und lasst gute Musik endlich regieren!

Die Illustration stammt von Icons8
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Ich bin HIV-positiv: Die Kraft, es zu sagen

Es gibt Geschichten im Leben, die hört man und kann sie nicht glauben. Oder will es lieber auch gar nicht. Wie die Story von der importierten Vogelspinne im Schlafzimmerbambus. Und die Schreckenssagen der Organmafia in Polen, die kommt um dir deine Nieren heraus herauszuschneiden. Oder eben die Gesc...
Ich bin HIV-positiv: Die Kraft, es zu sagen

Ich bin HIV-positiv

Die Kraft,
es zu sagen

Marcel Winatschek

Es gibt Geschichten im Leben, die hört man und kann sie nicht glauben. Oder will es lieber auch gar nicht. Wie die Story von der importierten Vogelspinne im Schlafzimmerbambus. Und die Schreckenssagen der Organmafia in Polen, die kommt um dir deine Nieren heraus herauszuschneiden. Oder eben die Geschichte meines Bekannten Johnny, dessen Leben in nur einer Nacht zerstört wurde.

Cooler Typ, Mitte Zwanzig, Barkeeper in einem angesagten Club in Berlin. Einfach jemand, mit dem man sich gerne trifft, um ‘ne gute Zeit zu haben. Immer Feiern und Spaß, doch seine letzte Party wird er nie wieder vergessen. Ihm wurden Drogen ins Glas geschmissen. Dann wurde er verschleppt, vergewaltigt, zurück gelassen. Als er am nächsten Morgen in einem Waldstück zu sich kam, war er blutverschmiert.

Als wäre das nicht schlimm genug gewesen, wurde er nach dieser Nacht positiv auf HIV getestet. Verdammte Scheiße. Da werdet ihr ohnmächtig an den Arsch der Welt gezogen, vergewaltigt und danach habt ihr auch noch verficktes HIV! Johnny war am Boden zerstört, war kraftlos, am Ende. Doch er hatte den Mut aus seiner neuen Krankheit keinen Hehl zu machen, erzählte jedem seine Geschichte, um andere davor zu warnen. Vor solchen Menschen, vor solchen Drogen, vor solchen Arschlöchern.

Als Dank für seine Offenheit wird er jetzt im Job und im Leben gemobbt. Gästen wird geraten, ihm nicht zu Nahe zu kommen. Erst recht keine Küsse, keine Berührungen. Er hat HIV, das ist schließlich ansteckend. Über die Luft, könnte man meinen, wenn man einigen Panikmachern dann so zuhört. Nur wenige setzen sich für ihn ein, viele schauen weg. Oder hauen gleich noch mit drauf, mit dem kann man’s ja schließlich machen.

Dass man heutzutage als HIV-infizierter Menschen, mit den richtigen Medikamenten, ein langes und erfülltes Leben führen kann, das ist den meisten egal. Sie sehen nur den Makel und eine größtenteils vollkommen irrelevante Gefahr für sich selbst, wenn sie denn nicht gerade ungeschützten Geschlechtsverkehr haben oder Spritzen austauschen. Und das alles passiert jetzt, in diesem Augenblick. In meiner Stadt.

Johnnys Geschichte geht mir seitdem nicht mehr aus dem Kopf. Nicht nur, weil ich nicht verstehe, wie Scheißhaufen von Menschen ihm nur so etwas Grausames antun konnten, sondern besonders, wie ich als Opfer in dieser Situation reagieren würde. Der Arzt sagt mir: „Sie sind HIV positiv!“ So. Und jetzt? Würde ich es offen in die weite Welt hinaus schreien und damit riskieren, ab jetzt gesellschaftlich gemieden zu werden? Leben zerstört, Karriere zerstört, Sex zerstört?

Oder würde ich es so gut es geht verheimlichen, nicht wahrhaben wollen, auf Teufel komm raus so weiter machen wie bisher, es nur niemandem erzählen? Inklusive schlechtem Gewissen, der potentiellen Ansteckung meiner weiteren Liebschaften und immer mit der Angst im Hinterkopf, dass es doch irgendwie rauskommt? Ehrlich gesagt: Ich weiß es nicht. Hättet ihr denn den Mut dazu?

Die Fotografie stammt von Nik Shuliahin
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Big Dick Problems: Der Club der großen Schwänze

Ich leide bereits seit meiner frühesten Kindheit an einer ziemlich ausgeprägten Version des Penisneids. Als ich an einem italienischen FKK-Strand, an den mich meine Eltern mit sechs oder sieben mitgeschleift haben, meinen ersten, richtigen, fremden Schwanz sah, überkam mich eine noch heute währende...
Big Dick Problems: Der Club der großen Schwänze

Big Dick Problems

Der Club der
großen Schwänze

Daniela Dietz

Ich leide bereits seit meiner frühesten Kindheit an einer ziemlich ausgeprägten Version des Penisneids. Als ich an einem italienischen FKK-Strand, an den mich meine Eltern mit sechs oder sieben mitgeschleift haben, meinen ersten, richtigen, fremden Schwanz sah, überkam mich eine noch heute währende Trauer, wenn ich daran zurück denke. Immer noch stelle ich mir vor, wie mein Leben wohl verlaufen wäre, wenn ich ein riesiges, männliches Geschlechtsteil besitzen würde, mit dem ich allerlei Jungs und Mädchen kreuz und quer durch die Prärie jagen könnte.

Dass ein großer Penis nicht nur Freude bereitet, beweisen die Mitglieder eines sehr besonderen Forums, das ganz fantasiefrei Big Dick Problems heißt. Hier treffen sich schwer behangene Jungs, mit denen es Gott besonders gut meinte, und sprechen ganz offen über die manchmal gar nicht so lustigen Herausforderungen im Leben von Typen, deren riesige Schwänze ihnen oft genug den Alltag erschweren. Sie tauschen Fotos von ihren Fleischpeitschen, geben sich gegenseitig Tipps beim Kauf von Kondomen und reden darüber, wie man Mädchen an zu dicke Geräte gewöhnt.

„Ich habe mit meinem Penis fast meine Freundin ermordet“, schreibt der User Turd Pussy. „Als ich einem Mädchen ein Dickpic schickte, glaubte sie mir nicht, dass das ich sei“, heult ein Junge namens Funkizeit69 herum. Und A Life of Lemons wurde an der Flughafenkontrolle aufgehalten, weil er ein ungewöhnlich großes Objekt in seiner Hose versteckt haben sollte. Vielleicht ist ein Leben als Typ mit großem Penis doch nicht so schön und aufregend, wie ich es mir immer vorgestellt habe. Da bleibe ich doch lieber bei meiner unauffällig zurückhaltenden, kleinen Vagina…

Big Dick Problems: Der Club der großen Schwänze
Die Illustration stammt von Marginalia und Icons 8
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Sport ist Mord: Ich scheiterte an der Bosstransformation

Kind, was ist denn mit dir passiert? Du siehst aber nicht gut aus! Das waren die ersten Sätze, die meine Mutter zu mir sagte, nachdem wir uns fast ein halbes Jahr lang nicht gesehen hatten. Sie besuchte mich gerade das erste Mal in meiner Wahlheimat Berlin, seit ich hergezogen war, und statt sich...
Sport ist Mord: Ich scheiterte an der Bosstransformation

Sport ist Mord

Ich scheiterte an der Bosstransformation

Sophie Fischer

„Kind, was ist denn mit dir passiert? Du siehst aber nicht gut aus!“ Das waren die ersten Sätze, die meine Mutter zu mir sagte, nachdem wir uns fast ein halbes Jahr lang nicht gesehen hatten. Sie besuchte mich gerade das erste Mal in meiner Wahlheimat Berlin, seit ich hergezogen war, und statt sich zu freuen, dass ich überhaupt noch lebte und offensichtlich nicht irgendwelchen Drogenhändler und Vergewaltigern zum Opfer gefallen war, beschwerte sie sich über mein äußeres.

Dabei sah ich gar nicht so scheiße aus. Ich hatte mir weder die Nächte um die Ohren geschlagen, noch die Haare bunt gefärbt, mir nichts ins Gesicht tätowieren lassen und blutunterlaufene Augen, wie sie mein kiffender Mitbewohner manchmal hat, konnte ich auch nicht bieten. Das Einzige, das sich verändert hatte, seit ich mein bescheidenes Dorf verlassen hatte, war mein Gewicht.

Seit meine Mutter und ich uns das letzte Mal gesehen hatten, hatte ich zwanzig Kilo zugenommen. Was ich nicht weiter verwunderlich finde in einer Stadt, in der es an jeder Ecke einen Dunkin‘ Donuts gibt und frittierte Kichererbsenbällchen mit Erdnusssoße für 2,50 Euro. Von den Pizzastücken, die einem hier regelrecht hinterhergeworfen wurden, ganz zu schweigen. Und den Versuchungen, die um 3 Uhr nachts in einem Spätkauf auf dich warten. Okay, ich sah fett aus. Aber fett ist nicht gleich scheiße!

Nichtsdestotrotz wurde mir nach der Bemerkung meiner Mutter klar, dass ich schleunigst etwas ändern musste. Meine Kondition hatte nachgelassen. Und ich seit bestimmt zwei Monaten die immer gleiche Jogginghose spazieren getragen, weil mir nichts anderes mehr passte, ich aber auch nicht zum Kleidung kaufen kam. Ich war einfach mit wichtigeren Dingen beschäftigt gewesen. Essen zum Beispiel.

Es blieb ja auch nicht bei diesem einen Seitenhieb von ihrer Seite. Da kamen noch ungefähr 100 mehr, die ich jetzt nicht alle rezitieren möchte. 100 pro Tag, versteht sich. Und sie alle deuteten mehr oder minder subtil an, dass ich richtig, richtig fett geworden war. Genau genommen sprechen wir von 78 Kilo bei einer Körpergröße von nur 1,60 Meter. Wie das aussieht, könnt ihr mit Sicherheit erahnen.

Ich ließ mir nachdem meine Mutter wieder abgereist war allerdings noch etwas Zeit mit der Suche nach einem geeigneten Diätprogramm. Oder, wie man es heute nennt: Ernährungsumstellung. Um ehrlich zu sein vergaß ich es komplett, bis ich auf einen Artikel in der Vice stieß, in der jemand die „Bosstransformation“ machte. Nennt mich ungebildet, aber ich hatte bis dato noch nie etwas von Kollegah gehört und bin mir sicher, dass er auch zukünftig nicht auf Heavy Rotation bei mir laufen wird. Vor allem nicht, seit ich herausfinden musste, dass der Typ offenbar Antisemit ist. Aber das Programm machte mich neugierig. Boss sein klingt nach etwas, das mir gefallen könnte.

Leider stellte sich sehr schnell heraus, dass das Programm einzig und allein auf Männer abzielte. Ich wäre wirklich gerne die erste Frau geworden, die prominent auf der Website der Bosstransformation gefeatured wird, war dann aber doch zu einschüchtert von den ganzen aufgepumpten Typen, die ich dort vorfand.

Meine Recherche führte mich weiter zur Influencerin Sophia Thiel, die ein eigenes Fitnessprogramm entwickelt hat und verkauft. Aber auch das konnte nicht ködern. Ich fand, dass es schlicht und ergreifend zu anstrengend für mich aussah. Ich bin eine verdammte Kugel, die meisten dort vorgestellten Fitnessübungen sind für mich nicht einmal ansatzweise ausführbar.

Schließlich stieß ich auf das „Bikini Bootcamp“ von Silke Kayadelen, die dem ein oder anderen aus der Sendung The Biggest Loser bekannt sein dürfte. Es versprach mir eine ganze Kleidungsgröße kleiner in nur drei Wochen. Sowohl das vorgeschriebene Ernährungs-, als auch das Sportprogramm sahen für mich machbar aus. Also kaufte ich mir hochmotiviert für 60 Euro einen Zugang zum Onlinekurs und legte los.

Tag 0 ist sogenannter Cleaning Day. Warum der so heißt, wird mir am späten Nachmittag bewusst. Mein Körper entledigt sich ohne mein weiteres Zutun auf allen Wegen die ihm zur Verfügung stehen sämtlicher Nahrung, die ich gestern und heute zu mir genommen habe. Nicht unbedingt das, was ich mir von so einem Programm erwartet hätte, aber hey, es gibt mehr als genug Leute, die sich regelmäßig den Finger in den Hals stecken und zu Abführmittel greifen, um schlank zu werden oder bleiben.

Umso besser, dass man den gleichen Effekt offenbar mit einem einfachen grünen Smoothie erzielen kann. Der Fitnesscheck, den man vor Beginn des Programms durchführen soll ergibt, dass ich sportlich eine totale Niete bin und meine Maße – auch die soll man an Tag 0 auf den Millimeter genau ausmessen – naja, reden wir nicht weiter drüber.

Bereits an Tag 1 des Programms bestätigt sich, was gestern bereits der Fitnesscheck ergeben hat: Ich bin der unsportlichste Mensch der Welt. Insgesamt investiert man pro Tag rund eine Stunde in Bewegung. Man macht Silke Kayadelen einfach alles nach, was sie einem in ihren Videos vorturnt und erwacht am nächsten Morgen mit dem Muskelkater des Todes.

Insgesamt ist das Programm aber machbar und ich sterbe nicht, wie vermutet, fast an einem Lungenkollaps oder allgemeiner Erschöpfung. Das Essen aus dem dazugehörigen Kochbuch schmeckt erstaunlich gut. Lediglich Kopfschmerzen, die angeblich vom Zuckerentzug her rühren, machen mir die ersten beiden Tage etwas zu schaffen. Im Verlauf der Woche wird es besser und auch wenn ich merke, dass mir Squats, Planks und Dips von Tag zu Tag leichter fallen – eine spaßige Freizeitaktivität sieht für mich anders aus.

Montag ist Wiegetag. Der Check nach einer Woche intensivem Training und strengem Einhalten des vorgegebenen Ernährungsplans ergibt, dass ich nach zwei Wochen gerade einmal 300 Gramm abgenommen habe. Ich bin enttäuscht und irgendwie entmutigt. Ich hatte mir als Zwischenergebnis irgendwie etwas anderes erhofft und einen Verlust von mindestens einem Kilo erwartet. Vor allem, da ich im Gegensatz zu sonst wirklich diszipliniert war und nicht im Übermaße Essen in mich hineinstopfte.

Dennoch mache ich weiter mit dem Programm. Ich merke allerdings, dass meine Motivation ob des geringen Gewichtsverlusts in der ersten Woche deutlich nachgelassen hat und werde schludriger. Zwar halte ich mich weiterhin an den Trainingsplan, gönne mir aber am Wochenende mit einer Freundin ein paar Drinks, obwohl Alkohol während des Programms eigentlich verboten ist.

Ich gebe in der dritten Woche auf. Mein Gewicht stagniert und ich habe keine Lust mehr, mich weiterhin zu quälen. Natürlich weiß ich, dass es meine eigene Schuld ist, weil ich konsequenter hätte sein müssen, aber wenn ich nicht sehr schnell große Ergebnisse sehe, verliere ich eben die Lust an der Sache. Dann doch lieber fett und Spaß dabei.

Das Programm scheint zwar vielen Menschen beim Abnehmen geholfen zu haben und sogar Spaß zu machen, aber mir persönlich war es dann doch zu viel Qual. Wenn man sich nicht ganz genau an die Vorgaben, ist alles für die Katz, und ich bin ein zu freiheitsliebender Mensch, als mir von irgendjemandem sagen zu lassen, was ich essen soll und wie ich mich zu bewegen habe, nur um dünn zu sein. Es muss eben auch fette Menschen geben auf dieser Welt. Nun gehöre ich zu diesem Kreis. Bevor ich mich weiterhin mit Squats, Planks und Dips quäle, lerne ich lieber, meinen Körper zu akzeptieren, auf die Kommentare meiner Mutter zu scheißen und meine Nachmittage im Dunkin‘ Donuts zu verbringen.

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Wahrheit oder Pflicht? Flaschendrehen ist das beste Spiel der Welt

Flaschendrehen, oder Wahrheit oder Pflicht, wie man es auch nennt - war so mit elf, zwölf Jahren mein absolutes Lieblingsspiel. Damals ging es natürlich noch ganz harmlos zu. Bei Wahrheit musste man solche Fragen beantworten wie Hast du schon mal jemanden geküsst? oder Hast du schon mal die Unt...
Wahrheit oder Pflicht? Flaschendrehen ist das beste Spiel der Welt

Wahrheit oder Pflicht?

Flaschendrehen ist das
beste Spiel der Welt

Nadine Kroll

Flaschendrehen, oder Wahrheit oder Pflicht, wie man es auch nennt – war so mit elf, zwölf Jahren mein absolutes Lieblingsspiel. Damals ging es natürlich noch ganz harmlos zu. Bei „Wahrheit“ musste man solche Fragen beantworten wie „Hast du schon mal jemanden geküsst?“ oder „Hast du schon mal die Unterschrift deiner Eltern gefälscht?“. Bei „Pflicht“ war so das Härteste, was ging, dass man sich mit Klamotten unter die Dusche stellen oder einen Scherzanruf beim verhasstesten Lehrer der Schule machen musste.

Irgendwann wurde das Spiel allerdings langweilig, und so geriet es für mehrere Jahre in Vergessenheit. Bis in etwa zu dem Alter, wo man anfing, regelmäßig zu saufen und sich die geleerten Bier– und Schnapsflaschen einfach dazu anboten, das gute alte Flaschendrehen wieder hervorzuholen.

Die Fragen waren natürlich nicht mehr so kindlich-unschuldig wie damals, als wir das Spiel zum ersten Mal entdeckt hatten und auch die Aufgaben, die man erledigen musste, wenn man „Pflicht“ wählte, waren alles andere als jugendfrei.

So musste man zum Beispiel seine schmutzigsten Sexfantasien mit den anderen Spielern teilen, für sechzig Sekunden den Sitznachbarn und die Sitznachbarin küssen, mit Zunge, zwei Flaschen Bier am Stück hintereinander weg exen oder seinen Arsch aus dem Fenster halten, sodass vorbeilaufende Passanten einen guten Blick auf alles hatten.

Die Extremversion davon war Strip-Flaschendrehen, dessen Regeln ich hier glaube ich gar nicht näher erläutern muss. Spätestens, wenn einer der Teilnehmer nur noch in BH und Höschen oder Boxershorts auf dem Boden saß, war allerdings auch hier Schluss. Irgendwann verlor allerdings auch das für uns seinen Reiz.

Es ist tatsächlich noch gar nicht allzu lange her, dass wir den Reiz, den dieses Spiel in unserer Jugend auf uns ausübte, zum wiederholten Male wiederentdeckten. Es war eine relativ harmlose WG-Party mit zehn oder elf verschiedenen Leuten. Wir haben geredet, getanzt und gesoffen, und eben so das gemacht, was auf solchen Partys üblich ist.

Bis, ja, bis jemand die kluge Idee hatte, dass man doch mal wieder Flaschendrehen spielen könnte. Etwa siebzig Prozent der anwesenden Personen verdrehte genervt die Augen, der Rest war sofort Feuer und Flamme. Nach den ersten paar noch relativ harmlosen Runden, gesellten sich jedoch auch die Leute dazu, die dem Spiel zuvor eher ablehnend entgegengestanden hatten.

Ich denke, ich muss nicht dazu sagen, dass das Spiel nach etlichen Flaschen Bier, Schnaps und Wein total eskalierte. Bereits nach einer halben Stunde waren die ersten Spieler splitterfasernackt und vergnügten sich miteinander in den verschiedenen Räumen der Wohnung, in der wir feierten, weil die Flasche und die Wahl auf Pflicht das so entschieden hatte.

Das hat uns alle so gekickt, dass wir irgendwann die Option „Wahrheit“ ganz rausfielen lassen und die Flasche letzten Endes nur noch entschied, wer mit wem als nächstes rummachen, fummeln oder ficken würde. Ich glaube, ich hatte bereits erwähnt, dass mein Freundeskreis, was das betrifft, sehr offen ist und dass es auch kein Problem darstellte, dass mindestens die Hälfte der anwesenden Personen in festen Beziehungen und teilweise sogar mit dem eigenen Partner da war.

Ich hatte an diesem Abend besonders großes Glück. Als ich wieder einmal an der Reihe war, die leere Beck’sFlasche zu drehen, zeigte sie auf eine Freundin von mir, die ich schon lange ziemlich geil fand, mit der sich allerdings bisher noch nie mehr als ein paar harmlose Knutschereien im Club ergeben hatten.

Wir gewannen eine Runde 7 Minuten im Himmel, das Spiel, bei dem man für exakt sieben Minuten in einen dunklen Schrank, oder in unserem Fall das Badezimmer, eingesperrt wird und dort tun und machen darf, was man schon immer mit der anderen Person machen wollte. Ich denke, ich muss nicht dazu sagen, dass wir unsere sieben Minuten dazu nutzen, unsere Körper zu erkunden.

Wir küssten und leckten uns, steckten unsere Finger in die feuchte Muschi der jeweils anderen, drückten uns gegenseitig an die kalten Fliesen an der Wand und gaben uns nicht mal Mühe, leise zu sein, obwohl wir genau wussten, dass sie anderen uns hören konnten.

Es ist erstaunlich, wie viele Orgasmen man in einer so kurzen Zeit haben und einem anderen Menschen bescheren kann. Und auch, wie wenig Hemmungen man plötzlich hat, wenn sich die Umstände nur ein klein wenig verändern. Immerhin hätten wir bereits zu früheren Zeitpunkten die Möglichkeit gehabt, es wild miteinander zu treiben. Haben wir aus irgendwelchen Gründen aber nicht.

Ein paar Runden später landete ich dann mit meinem Exfreund im Bett. Das war allerdings eher weniger geil. Auch wenn wir immer noch gute Freunde sind, es gibt definitiv Gründe, warum wir nicht mehr miteinander ins Bett gehen. Dieser Abend hat es ganz deutlich gezeigt, denn obwohl wir uns beide Mühe gaben, dem anderen wenigstens ein bisschen Lust zu bereiten, immerhin ging es bei dem Spiel ja auch irgendwie um genau das, lief so gut wie nichts.

Ich glaube, wir haben nach zwei gescheiterten Anläufen, den anderen zu erregen, fünf von den sieben Minuten nur darauf gewartet, dass uns jemand aus unserer misslichen Lage befreien würde. Aber auch das gehört eben dazu und macht ja auch einen gewissen Reiz aus, wenn man Flaschendrehen spielt.

Alles in allem endete ein zu Beginn eher typischer und harmloser Abend in einer riesengroßen Orgie. Für meine Freunde und mich definitiv ein Grund, jetzt mit Mitte 20 wieder häufiger zur Flasche zu greifen und Wahrheit oder Pflicht zu spielen.

Ich kann das jeder Clique, die genervt ist von den immer gleichen WG-Partys, die sich nach nur wenigen Stunden auflösen, damit die eine Hälfte in irgendwelche Clubs weiterziehen und die andere Hälfte nach Hause gehen kann, wirklich nur empfehlen.

Man muss ja nicht gleich mit so extremen Regeln spielen, wie wir das gerne tun. Für den Anfang tut’s auch eine ganz normale Runde Wahrheit oder Pflicht. Man lernt seine Freunde auf jeden Fall noch mal auf eine ganz andere, sehr intime Weise kennen. Und damit meine ich jetzt nicht auf sexueller Ebene. Und so gern ich auch erwachsen bin: Manchmal ist es einfach geil, sich wieder wie ein Teenager zu benehmen. Und wenn es nur bei einer Runde Flaschendrehen so ist und man am nächsten Tag aufsteht und ins Büro geht, als wäre nichts passiert.

Die Illustration stammt von Icons8
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Generation Babylos: Mein Leben ist wichtiger als ein Kind

Als meine Mutter so alt war wie ich, war sie mit mir schwanger. Vielleicht ist das der Grund, weshalb sie, und der Rest meiner Familie, mich so mit der Frage nervt, wann ich denn endlich mal Kinder bekommen möchte. Dass ich weder eine abgeschlossene Ausbildung, geschweige denn einen Beruf, von dem i...
Generation Babylos: Mein Leben ist wichtiger als ein Kind

Generation Babylos

Mein Leben ist
wichtiger als ein Kind

Nadine Kroll

Als meine Mutter so alt war wie ich, war sie mit mir schwanger. Vielleicht ist das der Grund, weshalb sie, und der Rest meiner Familie, mich so mit der Frage nervt, wann ich denn endlich mal Kinder bekommen möchte. Dass ich weder eine abgeschlossene Ausbildung, geschweige denn einen Beruf, von dem ich ein Kind ernähren könnte, noch einen festen Partner habe, lässt sie dabei völlig außer Acht.

Ich bin eine Frau. Es ist natürlich, dass ich Kinder will. Wenn nicht jetzt, dann wenigstens irgendwann. Sagt meine Mutter. Ich behaupte dennoch das Gegenteil. Ich bin eine Frau und will keine Kinder. Echt nicht. Wirklich nicht. Ich kann schon irgendwie verstehen, warum manche, viele, Menschen das Bedürfnis verspüren, eine Familie zu gründen, wie man so schön sagt. Nur, dass ich das irgendwie nicht habe, dieses Bedürfnis. Ich bin mit mir alleine glücklich. Und an vielen Tagen überfordert.

Ich finde Kinder nicht per se doof. Ja, es gibt viele beschissene Bälger da draußen, die mir mit ihrer bloßen Anwesenheit auf die Nerven gehen. Einfach, weil sie Kinder sind und sich nun mal nicht so verhalten können, wie Erwachsene das tun. Es gibt aber auch Kinder, die ich mag. Kinder, mit denen ich sogar gerne Zeit verbringe – solang ich weiß, dass ich sie nach ein paar Stunden wieder abgeben und mir ihre widerliche Kinderkotze aus der Kleidung waschen kann.

Klar, ich gebe zu, dass ich es sogar ganz süß finde, wenn mir ein Kind mit seinem schokoladenverschmierten Mund einen feuchten Kuss auf die Wange drückt. Aber eben nur, wenn ich weiß, dass ich das nicht regelmäßig mitmachen muss. Diese seltsame Zuneigung, die manche Kinder mir gegenüber an den Tag legen, überfordert mich. Wie schlimm muss das erst sein, wenn es kein fremdes, sondern das eigene Kind ist?

Ich glaube, ich hätte permanent Angst, es versehentlich zu töten. Oder ihm zumindest weh zu tun. Weil ich einfach furchtbar ungeschickt bin. Und auch egoistisch. Ich will meinen Egoismus nicht hinten anstellen. Für keinen Menschen dieser Welt. Nicht mal für ein Kind. Zumindest nicht für mehr als ein paar Stunden.

Wenn also meine Familie fragt, wann ich denn nun vorhabe, endlich ein Kind aus mir zu pressen, antworte ich genau das. Also alle der oben angeführten Dinge. Doch irgendwie haben alle beschlossen, mich zu überhören. Sie kontern dann mit Dingen wie „Das kommt noch, du bist schließlich eine Frau“, oder „Du solltest mit der Planung aber nicht mehr allzu lange warten, im Alter wird das Kinderkriegen schwer!“

Auf Letzteres antworte ich gerne mit „Und wenn ich dann zu alt bin, adoptiere ich eben eins“, nur um mir dann anhören zu dürfen, dass das lange nicht so schön ist, wie ein eigenes Kind zu zeugen. Damit meinen sie natürlich nicht, dass der Sex vorher ziemlich geil ist, sondern, dass man adoptierte Kinder nicht so gern hat wie sein eigenes. Abgesehen davon, dass ich diese Ansicht für schwachsinnig und schlichtweg falsch halte, will ich auch nach dieser Diskussion immer noch kein Kind. Weder ein eigenes, noch ein Adoptivkind.

Was das Erste betrifft, also „Das kommt noch, du bist ja schließlich eine Frau!“, weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll zu diskutieren. Ach, was heißt schon diskutieren. Einfach schreien möchte ich. All die Menschen anbrüllen, die noch immer denken, dass ein Kinderwunsch mit dem eigenen Geschlecht zu tun hätte.

Ich hatte mal einen Freund, der wollte unbedingt ein Kind. Ich war damals Anfang 20, er war Ende 20 und er wünschte sich ein Kind. Nicht irgendwann, sondern sofort. Nach nur drei Monaten habe ich bereits Schluss gemacht. Nicht, weil ich ihn nicht liebte, denn das tat ich, sondern weil ich wusste, dass wir keine Zukunft teilen würden. Er wollte ein Kind. Am liebsten sogar eine ganze Horde Kinder. Ich wollte das nicht. Und ich werde es nie wollen.

Ich war schon mit Männern zusammen, die Kinder aus vorangegangenen Beziehungen hatten. Das war für mich kein Problem. Sind ja nicht meine eigenen und ich machte den Kerlen von vornherein klar, dass ich zwar durchaus bereit bin, Zeit mit den Bälgern zu verbringen und auch auf sie aufzupassen, wenn die Herren arbeiten mussten, dass ich aber nie, nie, nie die Rolle der Ersatzmutter einnehmen würde, denn die liegt mir einfach nicht. Das habe sie auch alle akzeptiert.

Die Beziehungen sind nicht an den Kindern zerbrochen, sondern daran, dass die Väter solche… Daddys waren, und das nicht nur beim Sex. Da musste ich dann feststellen, dass Väter mir genauso wenig liegen wie Kinder. Mit Müttern hab ich’s noch nicht probiert, doch ich vermute, da sieht’s ähnlich aus. Wenn es nach mir ginge, hätte ich mir schon längst die Gebärmutter entfernen lassen. Ich brauche sie nämlich einfach nicht und werde sie auch niemals brauchen. Zumindest nicht, um Kinder zu kriegen.

Als ich das letzte Mal beim Frauenarzt war, sprach ich ihn auf eine Sterilisation an. Die Antwort hätte von meiner Mutter sein können. „Sie sind noch sehr jung, Sie werden irgendwann noch Kinder wollen.“ Nein, verdammt, das will ich nicht. Auf die Frage, ob man das zu Männern in meinem Alter auch sagen würde, die sich eine Sterilisation wünschen, weil sie wissen, dass sie keine Kinder möchten, bekam ich zu hören, dass das ja etwas anderes sei.

In dem Moment wäre ich fast explodiert, denn für mich ist das absolut nichts anderes. Noch einmal: ein Kinderwunsch hat nichts mit dem eigenen Geschlecht zu tun. Doch bevor es so weit kommen konnte, fand ich glücklicherweise mein Höschen wieder und den Weg hinaus aus der Praxis. Dass ich als Frau wirklich keine Kinder will, nicht jetzt und auch nicht irgendwann, scheint für unsere Gesellschaft nicht tragbar zu sein und manchmal, ja, manchmal komme ich mir damit ziemlich verarscht und auch alleine gelassen vor.

Immer dann zum Beispiel, wenn ich wieder auf eine Schwangere treffe, die das „alles gar nicht so geplant hatte“ und jetzt doch „überglücklich ist, dass es so gekommen ist“. In diesem Moment kann ich schlecht sagen, dass ich, sollte ich einmal versehentlich schwanger werden, sofort abtreiben würde, und zwar auch ohne nur eine Sekunde zu zögern, und so behalte ich meine Meinung für mich. Allein. Die Gesellschaft würde sie ja eh nicht akzeptieren.

Die Fotografie stammt von Jonathan Borba
Der Text erschien in der Kategorie Leben mit den Themen
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Hauptsache hart: Kleine Schwänze sind groß genug

Es ist ein noch recht kalter Herbsttag und ich sitze mit meinem Kumpel Sebastian auf einer Bank in der Hasenheide. Wir haben gerade frisches Weed gekauft und rollen eine Tüte, während Sebastians Hund auf der Wiese unsichtbaren Dingen nachjagt. Während ich darauf warte, dass mein Kumpel mit der Tü...
Hauptsache hart: Kleine Schwänze sind groß genug

Hauptsache hart

Kleine Schwänze
sind groß genug

Nadine Kroll

Es ist ein noch recht kalter Herbsttag und ich sitze mit meinem Kumpel Sebastian auf einer Bank in der Hasenheide. Wir haben gerade frisches Weed gekauft und rollen eine Tüte, während Sebastians Hund auf der Wiese unsichtbaren Dingen nachjagt.

Während ich darauf warte, dass mein Kumpel mit der Tüte fertig wird, damit ich endlich rauchen kann, folgt mein Blick unaufhörlich dem Köter, der gerade auf einen Busch zu rennt, wo ein Typ mit heruntergelassener Hose seinen Schwanz raushängen lässt und pisst.

„Weißt du, was mir ein absolut gutes Rätsel ist?“, sage ich zu Sebastian. „Dass Typen bei jeder Gelegenheit ihren scheiß Schwanz hervorholen und einem damit in der Fresse rumwedeln, wenn’s drauf ankommt im Schlafzimmer aber keinen hochbekommen. Sie verschicken ständig Fotos von ihrem ach so großen und ach so harten Schniedel, aber wenn sie dann vor dir stehen und die Hosen runterlassen, hängt dann so ein schlaffes Mini-Wini-Würstchen vor dir.“ „Was ist denn bei dir schon wieder los?“, fragt Sebastian. „Schlechten Sex gehabt?“

„Nee“, antworte ich, „gar keinen, weil ich schon wieder so einen Schlappschwanz im Bett hatte. Der war tierisch geil auf mich, aber hat einfach keinen hochbekommen und dann auch noch etwas davon gefaselt, dass seine Exfreundin seine Sexualität ruiniert hat und dass er jetzt Zeit braucht, dass er aber unbedingt mit mir schlafen will und ich ihm Zeit geben soll. Hab ich auch, aber als ich ihm das Kondom übergezogen hab, wurde sein Schwanz halt wieder schlaff und dann kam die Ausrede, dass er Kondom ja nicht gewohnt ist, weil seine Exfreundin mit der Pille verhütet hat und, ach, es geht mir einfach auf den Sack. Weißte, komm erst mal richtig auf deinen Schwanz klar und dann fick mich anständig. Punkt.“

„Boah, Nadine!“, sagt Sebastian und verdreht die Augen. „Du bist aber auch echt eine Bitch, was sowas betrifft.“ „Bin ich nicht!“, entgegne ich. „Alles, was ich sage ist: Du kannst nicht die ganze Zeit auf supergeilen Macker machen und dann wenn es wirklich drauf ankommt literally den Schwanz einziehen. Ist ja okay, wenn man mal keinen hochbekommt, ich wird auch nicht immer feucht, wenn ich geil bin, aber diese Rechtfertigungen sind einfach nervig und auch einfach ein riesen Abturn.“

„Schätzchen, ich hab dich wirklich gerne, aber Penisse sind so. Wenn sie funktionieren sollen, funktionieren sie ganz oft nicht. Ist mir auch schon oft genug passiert. Kopfsache.“ „Ja, versteh ich, aber ich bin doch keine Therapeutin, die sich um deine komischen Penisproblemchen zu kümmern hat. Wenn du geil bist, aber keinen hochbekommst, dann mach halt irgendwas anderes. Gib ja genug Wege, auf denen man Sex haben kann, ohne dass der Schwanz zum Einsatz kommt. Vor mir muss sich niemand dafür entschuldigen, dass er keinen Steifen kriegt.“

Sebastians Köter kommt angerannt und leckt mir mit meiner feuchten Zunge über die Hand. „Ach“, sage ich. „Warum sind Männer nicht ein bisschen mehr wie Hunde? Die denken einfach nicht nach, sondern stoßen zu, wenn sie geil sind. Und lecken können sie auch.“ „Die haben aber auch nicht den Anspruch, irgendjemanden zu befriedigen“, hakt Sebastian ein. „Die ficken, um sich fortzupflanzen, und nicht einfach so aus Spaß.“ „Glaub ich nicht“, sage ich. „Dein Hund besteigt so oft mein Bein, der hat Spaß an Sex.“

„Dass wir Typen so oft Probleme mit unseren Schwänzen haben, liegt aber auch an euch Frauen„, sagt Sebastian. „Wir haben eben auch Angst, euch nicht zu reichen. Wir wollen gut sein und euch befriedigen. Das kann dem Kopf schon so sehr zusetzen, dass der Penis plötzlich nicht mehr funktioniert, obwohl wir vielleicht fünf Minuten noch einen Riesenständer hatten und den auch fotografiert haben.“

„Jetzt mach aber mal einen Punkt“, entgegne ich. „Dass ihr keinen hochkriegt ist nicht die Schuld der Frauen. Wir können nichts für eure Gedanken. Ich hab noch nie einem Typen direkt gesagt, dass mit seinem Schwanz etwas nicht stimmt. Ich bin immer sehr höflich und lobe den Penis, sage dass er so schön groß ist und wundervoll anzusehen, dass er sich gut in mir anfühlt und gut schmeckt, dass ich ihn gerne lutsche und was mal halt so sagt, um das Ego eines Typen aufzubauen.“

„Mag sein“, sagt Sebastian. „Und dennoch sitzt du hier und erzählst mir, was für ein Loser dein letzter Typ war. Und du bist ja nicht die Einzige. Du glaubst gar nicht, wie oft sich bei mir schon irgendwelche Freundinnen ausgeheult haben, weil ihr Kerl es im Bett nicht bringt. Natürlich trifft mich das irgendwo auch und löst Ängste in mir aus. Bei jeder Partnerin, mit der ich ficken will, muss ich Angst haben, dass sie danach zu ihren Freundinnen rennt und ihnen erzählt, wie miserabel ich bin. Ihr seid da schon für den Druck mit verantwortlich.“

„Du spinnst“, sage ich und nehme endlich die langersehnte Tüte entgegen. Wir hören auf zu reden und genießen für eine Augenblick nur, wie das Gras uns langsam zudröhnt, während die Sonne uns in die Gesichter scheint. Nach einer halben Stunde trennen sich unsere Wege und Sebastian und sein Köter ziehen ab.

Dennoch hat mich das Gespräch mit ihm natürlich nachdenklich gestimmt. Worte können extrem vernichtend sein und Dinge in Menschen auslösen, die zu diesem Zeitpunkt nicht gewollt sind. Vielleicht müssen wir Damen mit unseren Worten vorsichtig den Männern gegenüber werden, mit denen wir nicht schlafen, uns aber gerne über Sex unterhalten.

Aber trotzdem: Wenn das eigene Ego stimmt, dann ist es glatt mal egal, wie groß der Schwanz eines Mannes ist, wie oft er Frauen in der Regel zum Orgasmus bringt und was andere Menschen darüber sagen. Wenn dein Ego stimmt und du selbstbewusst bist, eine Sache, die man meiner Meinung nach sowieso nur aus sich selbst ziehen kann, bist du ein guter Ficker.

Nur, weil manche Männer wirklich Schlappschwänze sind, trifft das ja nicht auf alle zu, und auch die müssten im Prinzip nur mal ein bisschen an ihrem Kopf arbeiten und die vermeintlichen Unzulänglichkeiten im Bett von sich schieben, um wieder einen vernünftigen Ständer zu kriegen und es den Frauen, die es wollen, mal so richtig hart zu besorgen.

Ich frage mich im übrigen, ob das bei schwulen