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Mädchenliebe: Anna schmeckte nach Himbeeren

Wenn wir mit einigen Mädchen zusammen auf dem Pausenhof, im Klassenzimmer oder bei jemandem zu Hause herum saßen und ich Anna von der Seite betrachtete, dann fiel mir immer nur ein Wort ein: Schönheit. Ihre blonden Haare. Die güldene Haut. Die blauen Augen. Die kleinen Sommersprossen. Ihr sportliche...
Mädchenliebe: Anna schmeckte nach Himbeeren

Mädchenliebe

Anna schmeckte
nach Himbeeren

Mia Jung

Wenn wir mit einigen Mädchen zusammen auf dem Pausenhof, im Klassenzimmer oder bei jemandem zu Hause herum saßen und ich Anna von der Seite betrachtete, dann fiel mir immer nur ein Wort ein: Schönheit. Ihre blonden Haare. Die güldene Haut. Die blauen Augen. Die kleinen Sommersprossen. Ihr sportlicher Körper. Die langen Beine. Die für ihr junges Alter bereits viel zu großen Brüste. Dass ihre Unterlippe dicker als ihre Oberlippe war. Die perfekt angeordneten, strahlend weißen Zähne, wenn sie lachte.

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Ich war nicht eifersüchtig auf sie. Dafür kannte ich ihre Schattenseiten zu gut. Und ich war auch nicht verliebt in sie. Dafür wollte ich zu sehr meinen ersten Penis berühren. Anna war meine beste Freundin. Wir kannten uns bereits seit dem Kindergarten. Ihr Vater war Arzt und ihre Mutter Lehrerin. Oder umgekehrt. Sie besaßen ein großes Haus in einer hübschen, mit hohen Bäumen bewachsenen Gegend.

Dass sie nicht zu den ärmsten Menschen in der Stadt gehörte, merkte ich, als ich zum ersten Mal bei ihr zu Besuch war und uns ihre Haushälterin Kekse mit warmer Milch anbot. Ihr Name war Helga. Sie war Polin und sehr nett. Annas Kinderzimmer war weiträumig und hell. Am großen Fenster thronte ein weißer Schreibtisch, auf dem ein paar bunte Bilder herum lagen. In der Ecke standen ein Barbie-Traumhaus und das dazugehörige Wohnmobil.

Anna war als Kind sehr freundlich, überaus zuvorkommend und fast schon nervend süß. Zu jedem. Alten Frauen und langsamen Tieren half sie über die Straße. Sie sprach mit Katzenbabys. Und jedes ihrer Kleidungsstücke musste entweder weiß, rosa oder mit mindestens einem funkelnden Herz bestickt sein. Ihre strohblonden Haare waren zu kleinen, niedlichen Zöpfen geflochten. Sie sagte zu jedem Menschen, der ihr begegnete, Hallo und Tschüs.

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Ihr Benehmen änderte sich schlagartig, als sie in der sechsten Klasse in die Pubertät kam. Über Nacht wurde sie zu einem ruhelosen, herrschsüchtigen und unhöflichen Balg, das nicht mehr gab, sondern forderte. Ihr linker Busen wuchs innerhalb von ein paar Monaten enorm, während der rechte ganz frech auf sich warten ließ. Das machte Anna so wütend, dass sie sich die langen Haare mit einer stumpfen Bastelschere absäbelte und ab da an als Rebellin galt.

Da mir noch nichts Neues wuchs, konnte ich ihr Verhalten nur schwer nachvollziehen. Meine beste Freundin schien gestorben zu sein. Was da in meinem Zimmer herum lachte und dabei gern künstlich grunzte, war eine Art mutierte Auferstehung, deren einzige Absicht es war, Chaos zu stiften. Oder zumindest ihre Eltern zu enttäuschen. Anna machte mir irgendwie Angst, faszinierte mich aber auch.

Sie lehnte sich aus dem Fenster und spuckte unschuldigen Passanten auf den Kopf. Ihren Vater nannte sie nur noch Adolf. Und ihren Barbies hatte sie den Kopf abgerissen und mit denen von Plastikpferden ersetzt. Mit den Puppen könne man super masturbieren, meinte sie dann. Ich kicherte, hatte aber keine Ahnung, ob sie das ernst meinte. Sie schob sich doch keine Barbie-Puppen mit Pferdeköpfen da unten rein, oder? Und wenn doch, welche Seite zuerst?

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Eine Freundin erzählte mir, dass Anna sich auf der Geburtstagsparty einer gemeinsamen Bekannten, auf die ich wegen meiner Eltern nicht gehen durfte, von Zehntklässlern an der linken Brust herum drücken ließ. Seitdem galt sie bei den Mädchen in unserer Klasse als Schlampe und bei den Jungs als potentielle Startrampe ins echte Leben. Anna genoss die Aufmerksamkeit. Sowohl die positive als auch die negative. Sie avancierte zur Königin der sechsten Klasse und hatte Spaß daran, andere herumzukommandieren. Und auch zu quälen. Wenn ihr besonders langweilig war.

Ich kam nie unter Annas Räder. Vielleicht respektierte sie mich zu sehr dafür. Oder wir kannten uns einfach schon zu lange. Womöglich hatte sie auch Angst davor, dass ich ausplaudern würde, wie zerbrechlich und labil sie innerlich wirklich ist, wenn sie es sich mit mir verscherzen würde. Anna achtete darauf, bei mir einen ebenbürtigen Ton anzuschlagen. Während sie die anderen wie Untergebene behandelte.

Ein Jahr später war auch Annas rechter Busen ausgewachsen. Sie hatte bereits ihr erstes Mal gehabt. Mit einem 21-Jährigen, den sie über ihren Cousin beim örtlichen Sportclub kennengelernt hatte. Als ich in der siebten Klasse meinen 13. Geburtstag mit einer Regenbogentorte, alkoholfreiem Sekt und meiner neuen Christina-Aguilera-CD in Dauerschleife feierte, setzte auch bei mir langsam die Pubertät ein. Annas Blick auf mich veränderte sich. Sie schien mich zu mustern, wurde neugierig, was sich bei mir tat.

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Anna und ich saßen zusammen in der hintersten Reihe. Ganz links. Direkt in der Schulbank neben dem Fenster. Sie auf der rechten, ich auf der linken Seite. Während unser Lehrer Herr Wachinger einige Primzahlen an die Tafel kritzelte und dabei, ironischerweise, eher schläfrig wirkte, beobachtete ich auf der Wiese neben unserem Pausenhof eine schwarze Katze, die sich rücklings an einen scheinbar ahnungslosen Vogel heranschlich. Bis ich plötzlich eine Hand auf meinem rechten Knie spürte.

Ich betrachtete weiterhin das natürliche, unter gemeinen Umständen tödlich endende Spiel zwischen dem seinen tiefsten Instinkten folgenden Raubtier und dem mutmaßlichen Opfer, das noch fröhlich vor sich hin hopste. Die mit einem hellrosa Nagellack verzierten und mir nur allzu bekannten, schlanken Finger fuhren allmählich nach oben und öffneten zunächst, überraschend geschickt, den Knopf und anschließend, vollkommen lautlos, den Reißverschluss meiner Jeans.

Als Anna ihre Hand unter meine dunkelblaue, mit einer für Kinder eventuell etwas zu lasziv zwinkernden Minnie Maus bedruckten Unterhose schob und selbst durch etwas mehr Entschlossenheit nicht weiter nach unten zu kommen schien, überlegte ich zunächst einen Augenblick, ob ich das jetzt gut fand oder eher nicht so, und spreizte anschließend meine Beine ein wenig. Aus Neugier. Und Höflichkeit.

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Anna tastete sich Zentimeter für Zentimeter an meinen kaum vorhandenen, aber schon jetzt ziemlich dunklen Schamhaaren vorbei in Richtung Eingang. Sie begann damit, am sich nun regelrecht nach der forschen Berührung der weichen Kuppen sehnenden Ziel angekommen, ihren Zeigefinger behutsam von unten nach oben zu streichen. Immer und immer wieder. Jedes Mal drängte sie sich dabei ein kleines Stückchen tiefer in meinen Schlitz.

Der Vogel war längst unbeschadet fortgeflogen und die Katze bereits im kaum erkennbaren Dickicht der diesen Teil des Schulgebäudes einrahmenden Hecke verschwunden. Aber ich blickte weiterhin wie gebannt auf die nun eigentlich vollkommen uninteressante Stelle im Gras, während ich klatschnass war und angespannt jede noch so kleine Bewegung zwischen meinen Beinen registrierte. Diese hatte ich unbewusst noch ein wenig weiter auseinander gedrückt. Um auch ja nicht dem, was da noch kommen möge, im Weg zu sein.

Anna kreiste nun einige Male mit ihrem stetig zittriger werdenden Mittelfinger um meine Öffnung. Sie verschloss diese mit seiner Spitze und versuchte kurz darauf, in mich einzudringen, entschied sich dann allerdings, im letzten Augenblick, doch dagegen. Vielleicht, weil sie genau wusste, dass ich immer noch Jungfrau war. Und sie mir dieses Erlebnis nicht rauben wollte. Oder weil sie einfach keine Lust hatte, danach mit einer blutverschmierten Hand durchs ganze Klassenzimmer laufen zu müssen.

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Als die Schulglocke pünktlich und vehement zum Beginn der nächsten Stunde läutete und meine Gedanken damit in alle Richtungen zerstreute, glitt Anna mit einer flinken Bewegung aus meiner Hose, stand auf und ging aus dem Raum. Ich zog den Reißverschluss wieder zu, drückte den Knopf in die dazugehörige Schlaufe und bedeckte alles ganz ordentlich mit dem unteren Teil meines T-Shirts. Mein klammer Schlüpfer drückte im Schritt. Anna und ich sprachen kein einziges Wort über das Geschehene. Nicht, weil es uns peinlich war, sondern weil es womöglich nichts darüber zu sagen gab.

Das Ganze wiederholte sich in den nächsten Wochen ein paar Mal. In unterschiedlicher Art, Herangehensweise und Intensität. Ohne dass es jemandem auffiel. Bis ich irgendwann schon fast darauf wartete, dass es wieder geschah. Doch Anna schien dem Gefummle letzten Endes überdrüssig zu werden. Zumindest hörte sie eines Tages damit auf und fing auch nicht mehr damit an. Ich fand das irgendwie schade, sprach sie aber nicht darauf an. Das wäre mir dann doch irgendwie zu peinlich gewesen.

Unsere Schule hatte einen Anbau spendiert bekommen, den im nächsten Jahr neue Stufen nutzen sollten, der bis dahin aber überwiegend leer stand und nur ab und zu für ausgelagerte Klassen und Gruppen gebraucht wurde. Donnerstag Nachmittag hatten wir dort Religionsunterricht mit Frau Damköhler. Sie philosophierte gerade über die Beziehung zwischen dem Christentum und dem Islam, als Anna mir einen Zettel zuschob. „Komm in fünf Minuten aufs Klo!“ Die i-Tüpfelchen waren kleine Herzen. Anna hob ihre Hand, fragte, ob sie pinkeln gehen dürfe, und verschwand aus der Tür. Ich wartete aufgeregt.

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Die Toiletten waren genauso steril und verlassen wie der Rest des Neubaus. Noch buhlten hier keine zwielichtigen Kritzeleien um die Aufmerksamkeit der Notdurft verrichtenden Besucher. In der hintersten Kabine wartete Anna schon ungeduldig auf mich. Sie zog mich hinein, schloss die Tür hinter mir und drückte mich sanft, aber bestimmt an die Wand. „Ich will mal was ausprobieren“, sagte sie kurz und knapp, ohne mir dabei in die Augen zu schauen, und ging vor mir in die Hocke, meinen Unterleib im Visier.

Anna öffnete ohne große Anstrengung meine Hose, fast so, als hätte sie Übung darin, fremde Beinkleider zu entfernen, und zog sowohl sie, als auch meinen Slip, mit einem Rutsch bis zu den weißen NikeSneakern nach unten. Um sich provisorisch abzustützen und nicht umzukippen, hatte sie beide Hände unterhalb meines Pos gelegt, sowohl auf der linken als auch auf der rechten Seite, und hob ihn dadurch ein wenig an. Anna musterte meinen immer feuchter werdenden Schoß mit einem fast schon kritisch wirkenden Blick.

Mit ihrem durch etwas zu viel Lipgloss glänzenden und bis zu mir hinauf nach Himbeeren riechenden Mund fuhr Anna bedächtig über den schamhaften Flaum hinab, so dass ich ihren Atem auf meiner Haut spüren konnte, nur um anschließend ihre kleine, feste Zunge entschlossen in meinen Spalt zu drücken. Ich war mucksmäuschenstill, spreizte aber meine Oberschenkel ein wenig. Aus Neugier. Und Höflichkeit.

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Es waren gerade zwei, drei Minuten vergangen, in denen Anna mit ihrer spitzen, rauen Zunge abwechselnd meinen Kitzler massierte und in mich eindrang, als ich unkontrolliert anfing zu zucken, womöglich etwas zu laut ausatmete und ihr Gemurmel zwischen meinen Beinen hörte. Ich hatte gar nicht gemerkt, dass ich Annas Kopf mit beiden Händen so fest gegen mein Becken drückte, dass ich dort anschließend tagelang blaue Flecken hatte. Hätte ich ein wenig länger gebraucht, wäre sie vermutlich erstickt.

Anna erhob sich ruckartig aus ihrer fast schon devot wirkenden Position, gab mir einen halbherzigen Kuss auf den Mund und ging anschließend, ohne die Situation auch nur eines weiteren Kommentars zu würdigen, schnurstracks auf den Gang. Verdutzt, außer Atem und mit herunter gelassener Hose lehnte ich an der Klowand. Anna schmeckte nach Himbeeren und Muschi. Ich tupfte mich mit etwas Toilettenpapier trocken, zog mich wieder an und begab mich ebenfalls zurück in den Unterricht von Frau Damköhler, um mehr über die komplizierten Verhältnisse diverser Glaubensrichtungen aus aller Welt zu erfahren.

Das war das letzte Mal, dass Anna und ich uns auf diese ganz besondere Art näher kamen. Zumindest war sie für mich besonders. Auch darüber haben wir nie ein Wort verloren. Eine Woche danach hatte sie ihren ersten richtigen Freund. Und ich berührte ein halbes Jahr später meinen ersten Penis. Er hieß Nick, war eine Stufe über uns und kam so doll in meiner Hand, dass ich Angst hatte, davon schwanger zu werden.

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Nach der Schule verloren Anna und ich uns aus den Augen. Sie studierte in einer anderen Stadt, lernte neue Leute kennen. Wie das eben so ist, bei Menschen, mit denen man offenbar nur aus Gewohnheit befreundet ist – oder weil sie zufällig in der Nähe wohnen. Heutzutage treffen wir uns alle paar Jahre, um gemeinsam einen Kaffee trinken zu gehen, wenn wir unerwartet in der selben Gegend sind. Dann lästern wir über alte Bekannte oder regen uns darüber auf, dass die Welt generell immer ein wenig dümmer wird.

Anna ist jetzt mit dem Manager eines französischen Automobilkonzerns verheiratet und erwartet gerade ihr erstes Kind. Einen Jungen, den sie Max nennen möchte. Oder Jan. Oder Fin. Hauptsache etwas Kurzes. Sie ist immer noch schön. Mit ihren blonden Haaren. Der güldenen Haut. Den blauen Augen. Den kleinen Sommersprossen. Ihrem sportlichen Körper. Den langen Beinen. Den großen Brüsten. Ihrer dicken, sinnlichen Unterlippe. Und den perfekt angeordneten, strahlend weißen Zähnen, wenn sie lacht.

Eifersüchtig bin ich auch künftig nicht auf Anna. Ihre Dämonen wird sie nämlich niemals alle los werden. Da bin ich mir sicher. Manchmal frage ich mich allerdings, ob sie auch heute noch so gern an die zwei, drei Minuten auf dem Mädchenklo zurück denkt, wie ich das manchmal tue, wenn ich mich allein und einsam fühle. Aber darauf ansprechen werde ich Anna nicht. Das wäre mir dann doch irgendwie zu peinlich.

Die Fotografie stammt von Roman Khripkov
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