Liebe Mama, lieber Papa - Geständnisse einer Prostituierten

Meine Eltern sind sehr stolz auf mein abgeschlossenes Jurastudium, meinen Job als Juristin und auf meinen Bruder und seine zwei Kinder im norddeutschen Reihenhaus. Weniger stolz sind sie darüber, dass…
Liebe Mama, lieber Papa - Geständnisse einer Prostituierten

Liebe Mama, lieber Papa

Meine Eltern sind sehr stolz auf mein abgeschlossenes Jurastudium, meinen Job als Juristin und auf meinen Bruder und seine zwei Kinder im norddeutschen Reihenhaus. Weniger stolz sind sie darüber, dass ich noch keine zwei Kinder und kein Reihenhaus habe, dafür würde ich einen festen Partner benötigen, aber den gibt es eben nicht so schnell für eine erfolgreiche und unabhängige Frau.

Überhaupt nicht stolz sind meine Eltern über mein Hobby als Escort, oder um es mit ihren Worten zu sagen „Unser Kind ist eine Hure, was haben wir falsch gemacht?“ Manche jungen Frauen lassen sich nackt für den Playboy fotografieren und erzählen es ihren Eltern erst dann, wenn das Männermagazin am Kiosk liegt, weil sie sich eigentlich dafür schämen diese Bilder gemacht zu haben.

Es soll Väter geben, die ihre erwachsenen Töchter im Playboy das erste Mal nackt gesehen haben. Die meisten von ihnen sollen stolz wie Oskar sein, aber viele geben es auch nicht zu, denn sich einfach nackt ausziehen, und damit von jedem der sich so ein Heft kaufen kann, begaffen lassen zu können, ist ein moralisches Problem.

Die Feststellung, dass ein Kind als Prostituierte arbeitet, ist ein noch viel größeres moralisches Problem. Wie haben meine Eltern erfahren, was ich mache, und hat es sie interessiert, warum ich es mache. Wie sie es erfahren haben, ist meiner Faulheit zu verdanken. Zudem auch noch meiner Abneigung bestimmte Dinge zu verbergen.

Hat es meine Eltern interessiert warum ich für Geld mit Männern schlafe? Eher weniger, denn die Tatsache alleine ist schon schlimm genug und wenn, dann machen Frauen es aus Geldnot oder weil sie als Kind von ihrem Vater sexuell missbraucht wurden. Beides kann ich für mich verneinen und für viele Kolleginnen sind dies wohl auch nicht die Gründe, warum sie als Escort arbeiten.

Meine Mutter fand es heraus, weil ich sie gebeten hatte, sich etwas Geld aus meiner „Spardose“ in der Küche zu nehmen. In dieser Spardose befanden sich von einem letzten Date einige etwas größere Scheine und daneben lag mein kleines Kassenbuch. Wie Mütter nun einmal sind, nämlich mit einer gewissen Neugier versehen, schaute sie in das Buch. Dann herrschte erst einmal längeres Schweigen, was mir nicht sofort auffiel. Meine Mutter zog los und meinte, sie komme gleich mit den Erledigungen wieder.

Nach zwei Stunden fiel mir auf, dass meine Mutter für ein paar Erledigungen im Supermarkt etwas lange brauchte. An ihr Handy ging sie nicht, da ich auch zu einem Termin musste, machte ich mich auf den Weg und fand meine Mutter in einem kleinen Café bei mir um die Ecke. Sie schaute auf die Straße und sah verheult aus. Ich setze mich zu ihr an den Tisch und fragte was los sei.

Wieder kamen ihr Tränen und dann fragte sie mich ganz direkt, ob ich für Geld mit Männern schlafen würde. Ob ihre Tochter eine Nutte sei, ob sie das verdient hätte und warum ich das machen würde. Meine Mutter hatte schlicht und einfach aus den wenigen Kassenbuchnotizen die richtigen Schlüsse gezogen.

Namen von Männern, versehen mit einem Datum und einer Uhrzeit und einem Geldbetrag sprechen eine eindeutige Sprache, auch wenn es nur wenige Einträge sind. Zuerst einmal zahlte ich die zwei Schnäpse und den Kaffee meiner Mutter, dann sagte ich meinen Termin ab und ging mit ihr nach Hause. Wohin sie zuerst nicht wollte, da sie dachte, ich würde auch dort meinem Nuttengeschäft nachgehen.

Der Tag wurde lang und ich musste viele Tränen meiner Mutter wegwischen bis sie einigermaßen verstand, was ich da tat und warum. Sie verstand es, aber sie würde es nie akzeptieren, darüber bin ich mir sofort im Klaren gewesen. Sie dachte, ich hätte Geldsorgen und sie würden mir helfen können, aber ich musste alle Gründe, die ihr einfielen, verneinen. Spaß ist für meine Mutter kein Grund gewesen. Sie habe auch nicht immer ein erfülltes Sexleben gehabt und mein Vater sei auch nicht gerade eine Sexkanone. Dinge die ich nicht hören wollte. Aber deshalb sei sie nicht mit einem anderen Mann ins Bett gegangen und schon gar nicht für Geld.

Nachdem meine Mutter und ich uns zwei Tage lang ausgesprochen hatten, und somit unser gemeinsames Wochenende in Frankfurt ein sehr monothematisches Wochenende war, musste sie wieder zurück zu meinem Vater ins Reihenhaus nach Norddeutschland. Sie müsse es ihm sagen hatte sie mir gesagt und sie tat es auch.

Was genau bei meinen Eltern im Reihenhaus passiert ist, als er es erfahren hatte, habe ich nie herausgefunden. Mein Vater sprach erst einmal zwei Monate nicht mit mir, dann rief er an und meldete einen Besuch an. Ein Nein würde er nicht akzeptieren, ich solle alle Termine absagen, vor allem wenn ich an diesem Tag einen Nuttentermin habe.

Ich bin eine selbstständige Frau und dennoch hatte ich die Hosen ziemlich voll, als er vor der Tür stand. Ein Strauß Blumen in der Hand und eine Flasche Sekt im Arm. „So etwas bekommst du von deinen Freiern wohl eher nicht!“ Mit diesen Worten begrüßte er mich. Es wurde ein langer Tag. Ein Tag, an dem ich ihm erklärte, warum ich keine Nutte bin, sondern wenn dann eine Hure. Warum Escort und Straßenstrich meilenweit voneinander entfernt sind und ich keinen Zuhälter habe, der mich regelmäßig schlägt und mich um mein Geld betrügt.

Es wäre gelogen, wenn mein Vater akzeptieren würde, was ich mache, aber er nimmt es hin und er spricht mit mir. Er will nichts über das Thema hören und verlangt auch von mir nicht darüber zu sprechen. Meine Mutter ist da anders. Manchmal will sie wissen wie ein Date gewesen ist, wenn sie weiß, dass ich einen Escorttermin habe. Sie findet es teilweise aufregend, vor allem, nachdem sie verstanden hat, was und warum ich es mache.

Meinen Vater habe ich einmal gefragt, ob es einen Unterschied machen würde, wenn ich mit vielen Männern schlafen würde, dafür dann aber kein Geld nehmen würde. Es gab natürlich einen Unterschied. Würde ich mit vielen Männern schlafen, ohne finanziellen Hintergrund, dann sei ich eben eine Schlampe. So bin ich die Hure für ihn.

Huren haben übrigens keine Chance auf ein intaktes Familienleben und aus diesem Grund hat sich mein Vater davon verabschiedet jemals Opa, von einem Kind von mir, zu werden. Meine Eltern wissen, was ich mache. Meine Mutter kann damit, auch wegen ihrer Neugier, leben und umgehen. Mein Vater ist enttäuscht und spielt der Familie und mir etwas vor. Die Wahrheit ist schmerzhaft, aber meine Eltern auf Dauer zu belügen, würde wohl noch mehr schmerzen.

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Illustration von Carl Gustaf Pilo
Der Text erschien in der Kategorie Sex mit den Themen Frauen, Geld, Mädchen, Pornografie und Prostitution
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