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Das Popkultur Magazin

Grillfleisch, Sperma, Einmannzelt: Ficken auf dem Festival

Es fängt immer alles vor der Bühne beim Konzert an, bei romantischer Feuerzeug-in-die-Höhe-halten-Stimmung, wenn du dich einsam fühlst und die Hüfte der Nebenfrau eine Kuhle der Geborgenheit zu sein scheint, in die du deine Hände legen und in der du Halt finden kannst. Ein bisschen schunkeln, bev...
Grillfleisch, Sperma, Einmannzelt: Ficken auf dem Festival

Grillfleisch, Sperma, Einmannzelt

Ficken auf
dem Festival

Christine Neder

Es fängt immer alles vor der Bühne beim Konzert an, bei romantischer Feuerzeug-in-die-Höhe-halten-Stimmung, wenn du dich einsam fühlst und die Hüfte der Nebenfrau eine Kuhle der Geborgenheit zu sein scheint, in die du deine Hände legen und in der du Halt finden kannst.

Ein bisschen schunkeln, bevor Nägel mit Köpfen gemacht werden. Dein Schwanz klopft von hinten an ihre Pobacken. Sie dreht sich um, steckt dir die Zunge in den Hals, spielt Propeller und die Sache ist geritzt. Zwei Menschen wollen Liebe. Jetzt. Sofort.

Auf dem Weg zum Zelt müsst ihr euch noch zurück halten. Anstaltshalber. Ficken in der Öffentlichkeit ist ja auch irgendwie verboten. Sollte aber eigentlich auf einem Festival so halb legal wie Kiffen sein. Um nicht unnötig miteinander reden zu müssen, kann manchmal ziemlich unsexy sein, wenn ein komischer Dialekt oder Geruch aus dem Mund kommt, und außerdem ist ja genau das Unbekannte so sexy, knutscht du einfach weiter, schiebst zum ersten Mal die Hand unter das Shirt und fühlst einen weichen, vom Pommesfett und Alkohol aufgeschwemmten und Schweiß leicht klebrigen, wohligen Körper.

Vor lauter Herumlecken kannst du dich gar nicht konzentrieren. Zu mir oder zu dir? An der leidigen Frage kommst du nicht vorbei. Schnell und in wenigen Worten klärt ihr, wer den Luxus eines Einmannzeltes hat oder welcher temporäre Mitbewohner am besten mit der Tatsache zurecht kommt, dass gleich hemmungslos auf seinem Daunenschlafsack abgespritzt wird. Echte Adrenalin-Junkies nehmen natürlich das fremde Zelt.

Lippe an Lippe gepresst lauft ihr über die Stolperlandschaft Zeltwiese, reißt euphorisch ein paar Heringe mit den Füßen aus dem Boden und bekommt schon die ersten Beschwerden. „Hey, geht’s noch, ihr Assis?“ Scheiß’ drauf! Denn endlich habt ihr die Liebeshöhle erreicht. Die Lippen müssen sich trennen, kein Grund Körperkontakt zu verlieren. Weiterfummeln.

Während du nervös im Stockfinstern den Reißverschluss zum Zelteingang sucht, tastet sich so manche Hand entlang des Hosenbundes, öffnet die Gürtelschnalle und fühlt schon einmal das Ausmaß des Gemächts. Noch kann sie wegrennen, falls nur ein kleines Wienerwürsten angeklopft hat. Sex im Zelt ist wie Dinner in the Dark.

Du weißt zwar grob, was serviert wird, aber was du wirklich bekommst, bleibt eine Überraschung, und weißt du erst, wenn du es probierst oder in den Mund steckt. Aber das macht auch den Nervenkitzel aus. Das Ungewissen, das Unbekannte und die Finsternis.

Nach so viel neuer Musik, die du den ganzen Tag über entdeckt hast, gehört zum krönenden Abschluss die Entdeckung und Eroberung eines frischen Körpers, das Ertasten einer fremden Brust, das Lecken eines unbekannten Oberschenkels, das Umklammern eines neuen Penis. Die Dunkelheit macht hemmungslos.

Scheiß’ auf die Cellulite, scheiß’ auf die Akne, scheiß’ auf die Welt da draußen. Sieht doch keiner. Es gibt nur zwei triebgesteuerte Körper, berauscht von Geilheit und Musik. Allzu viele akrobatische Stellungen sind aber nicht drin. Zu eng, zu klein, zu betrunken. Auch nicht schlimm, bei dem ganzen Überangebot an Kamasutra-Stellungen sehnst du dich eh back to the roots.

Einfach schnell verschmelzen, den steinharten Penis in die klitschnasse Muschi stecken und loslegen. Brüste kneten und Nippel ziehen nicht vergessen. Die Klassiker dürfen beim Sex im Zelt genauso wenig fehlen, wie die Toten Hosen auf Rock im Park. Die nassen Körper bewegen sich rhythmisch zum Bass, der in der Ferne wummert. Die Küsse werden salziger, die Luft dünner, das Gehirn matschiger und die Körper klebriger.

Es bildet sich ein kleiner See aka Feuchtgebiet im Lendenbereich, die Stoßbewegungen werden undefinierter und alles scheint außer Kontrolle zu geraten. Ficken auf Glatteis bei 36 Grad und 80 Prozent Luftfeuchtigkeit. Du schwimmst mit den Östrogenen und Androgenen in deinen Körperflüssigkeiten und produzierst beim Karnickelbumsen peinliche Quietsch-Platsch-Schleim-Geräusche.

Drauf geschissen, das raschelnde Nebengeräusch des Schlafsacks ist noch lauter und der Reißverschluss, der sich in deinen Oberschenkel bohrt, noch unangenehmer als die Genitalrutschpartie. Das hat ja schon wieder was.

Unbekannter Körper, unkontrollierbare Bewegungen, wie Masturbieren mit eingeschlafener Hand. Immer an die Geilheit denken und an die Tatsache, dass ihr es gerade zwischen 80.000 anderen Menschen treibt. 80.000 Menschen. Jeden Moment könnte einer reinschauen und euch beim intimsten Akt zugucken. Neben Kacken natürlich. Nur durch eine hauchdünne Membran seid ihr vom Voyeurismus der Außenwelt geschützt.

Der Gedanke erregt dich, leitet den Höhepunkt ein. Und jetzt? Schreien oder nicht schreien, das ist hier die Frage. Gentleman spielen, schweigen und genießen oder geiler Hecht sein und den Nachbarn zeigen, was du so drauf hast?

Ach, jetzt ist es auch schon egal! „Ich bin gleich… Oh Gott… Uuooaahhhhhhhhhhhhh…“ Der Schrei beim Orgasmus hört sich durch die Ohropax, die du natürlich drin gelassen hast, wie in einer Unterwasser-Traumwelt an. Und so fühlst du dich auch. Klitschnass und nicht wirklich am Leben.

Ihr sackt zufrieden und befriedigt zusammen. Wenn ihr nicht festklebt, streichelt ihr euch gegenseitig noch ein bisschen. Es geht hier nicht um Liebe, Kinder kriegen und Heiraten. Genau wie im Club wirst du auch auf einem Festival nicht deinen Traumpartner fürs Leben finden. Beim Ficken auf dem Festival geht es um animalische Triebe und das Gefühl von grenzenloser Freiheit. Selbstverwirklichung.

Den Namen hast du nach ein paar Tagen eh wieder vergessen. Vorausgesetzt du hast ihn zwischen dem Geschrei der anderen Leute und der lauten Musik überhaupt verstanden. Und wie genau das ganze Gebumse jetzt abgelaufen ist, wird dir auch nicht im Gedächtnis bleiben.

Doch was du niemals vergessen wirst, was sich wie ein Brandzeichen in die Nasenschleimhäute brennt – der Geruch. Der Geruch von Sex im Zelt. Der Duft von Alkohol und Grillfleisch aus dem Mund, gepaart mit Körpersekreten wie Schweiß und stinkende Füße, der vollendet wird mit einer Nuance Latex und Sperma. Aue de Sexival. Noch einmal tief ein- und ausatmen und dann, wie bei jedem guten Konzert, eine Zugabe abliefern.

Die Fotografie stammt von Daniele Colucci
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Halt's Maul, Berlin!Ich bin dann mal im Off-Modus

Es ist kurz vor drei Uhr. Ich sitze in meiner Wohnung in Kreuzberg, angelehnt an die kalte Zimmerwand. Jegliche Störgeräusche, künstliche Einflüsse und auch die Musik finden keine Aufmerksamkeit. Sie sind im Off-Modus. Ich bin im Off-Modus. Endlich. Mein Fenster vorsichtig angekippt – frische Luft m...
Halt's Maul, Berlin!Ich bin dann mal im Off-Modus

Halt's Maul, Berlin!

Ich bin dann mal
im Off-Modus

Wenke Walter

Es ist kurz vor drei Uhr. Ich sitze in meiner Wohnung in Kreuzberg, angelehnt an die kalte Zimmerwand. Jegliche Störgeräusche, künstliche Einflüsse und auch die Musik finden keine Aufmerksamkeit. Sie sind im Off-Modus. Ich bin im Off-Modus. Endlich. Mein Fenster vorsichtig angekippt – frische Luft muss immer rein. Ich will echten Sauersttoff atmen. Keinen Smog, keinen Rauch. Keine Sinnesillusionen mehr. Mit der Reinheit der Luft klärt sich auch mein Gedankennebel peu à peu. So langsam verstehe ich mal wieder. Solche Breaks braucht es ab und zu.

Natürlich ist es nachts. Nachts kann ich klarer denken. Die unruhigen Geister der Großstadt schlafen zum Glück. Endlich habe ich den nötigen Raum, um meine Gedanken auf den Spielplatz der Möglichkeiten zu entführen. Jetzt und hier können sie sich austoben. Ungeniert weit und lange im Unbekannten weilen. Wann, wenn nicht jetzt und hier? Keine Uhr, die tickt. Kein Wecker, der klingeln muss. Die kleine Freiheit. Die, die man sich täglich nehmen sollte aber nur viel zu selten nehmen will. Aus Angst vor dem Nichts, aber manchmal ist das genau das Richtige.

Berlin, du hast mich hart gemacht. Ich wollte dich so laut hören, wie ich nur konnte. Das habe ich. Angeschrien hast du mich. Du hast mir die verschiedensten Sekrete der Glückseligkeit aus allen möglichen Löchern gepustet. Mich im Anlitz des Vorzeige-Sonntags-Sonnenuntergangs tröpfchenweise weinen lassen. In großen Momenten warst du mein Pinky und ich dein Brain. Ich suhlte mich in deiner Coolness und übergoss mich unaufhörlich mit deinem individualistischen Charme des puren Purismus. But now, shut the fuck up. Please.

Berlin, ich will Stille. Bitte halt jetzt einfach deinen Mund und lass mich hier mit meiner Ruhe in Ruhe. Mach den Schmutz, die Autos und die widerliche Ignoranz jedes Einzelnen aus. Fahr auf Kur, leg dir ein Haustier zu oder kaufe dir einfach nur eine Pflanze. Mach Urlaub von dir selbst.

Jetzt mal ehrlich: Wie lange kann sich eine Hauptstadt eigentlich selbst ertragen, ohne kulturell zu implodieren? Menschen rasten grundlos aus, weil die Fassade bröckelt. Schöne, talentierte Individualisten transformieren zu geistlosen Seelenhyänen. Wäre es nicht tragisch? Der Aufstand der Hipster gegen das Hipstertum. Ach kommt, das wird nie passieren. Das ist Gedankenromantik.

Schürt diese Stadt also eine Art Selbsthass? Nein. Sie zwingt dich nur zur maßlosen Selbstreflexion. Eigentlich ist sie nichts anderes, als die ursprüngliche Idee der Seifenblase. Von weitem wirkt sie groß, stark, so voller Träume. Eine verschwommene Mischung aus der bunten Neugier nach unzählig vielen Dingen und der kindlichen Sehnsucht nach einem eigenen Platz in der Welt. Wer zu nah an die Blase kommt, läuft Gefahr sie zu zerstören.

Wenn sie dann wirklich mal durch Eigenverschulden zerplatzt, wird man ruhig und geht für eine Weile sicherheitshalber in den plötzlichen Off-Modus. Es ist noch nicht einmal vier Uhr. Die Wand, an der ich lehne, ist inzwischen auf Körpertemperatur gepimpt. Ich atme schon so lange diese Stille, dass ich sie nähre. Nur ein alter, zufriedener Buddha ist jetzt gechillter als ich. Berlin, ich liebe dich am meisten, wenn du ab und zu mal deinen Mund hältst und zuhörst.

Die Fotografie stammt von Stefan Widua
Der Text erschien in der Kategorie Leben mit den Themen
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Digitaler Feminismus: Ich zeige meine Brüste auf Instagram

Es war in der elften Klasse. Ich dementsprechend 17 Jahre alt. Letzte Reihe, blauer Hefter, Rechtskunde in der siebten und achten Stunde am Mittwoch. Ich verfolgte damals noch meinen ersten Berufswunsch: ich wollte Anwältin werden, Jura studieren. Aus keinem anderen Grund hätte ich sonst freiwillig...
Digitaler Feminismus: Ich zeige meine Brüste auf Instagram

Digitaler Feminismus

Ich zeige meine Brüste
auf Instagram

Lina Mallon

Es war in der elften Klasse. Ich dementsprechend 17 Jahre alt. Letzte Reihe, blauer Hefter, Rechtskunde in der siebten und achten Stunde am Mittwoch. Ich verfolgte damals noch meinen ersten Berufswunsch: ich wollte Anwältin werden, Jura studieren. Aus keinem anderen Grund hätte ich sonst freiwillig in einem Wahlkurs bis in den späten Nachmittag gesessen und während des Frontalunterrichts von der Tafel abgeschrieben.

Fälle zu recherchieren, zu lösen, über verschiedene Kausalketten zu debattieren, das hatte mir immer Spaß gemacht – aber die klassische Theorie, die wir alle drei Wochen erarbeiteten, in der man gängige Argumentation von Anklage, Verteidigung, Richter oder Täter abschrieb, um sie und ihre Kern- oder Schwachpunkte als auch die korrekte Widerlegung oder Stärkung auswendig zu lernen, als wäre es ein Schachzug, das hatte mich immer gelangweilt. Das meiste konnte man sich denken. Für einen Täter, gab es genau zwei große, übergeordnete Rechtfertigungsgründe. Immer die Gleichen. Gesetzlich verankert. Der Rest war immer hinfällig.

Also brachte ich gelangweilt die sechs Stichpunkte auf meinen Linienblock, die Frau Hofmann gerade noch einmal dem Kurs erläuterte. Es ging um Sexualstraftaten. In erster Linie Nötigung. Und auf einmal stockte ich. „Bekleidung der Frau„, stand dort unter „Täterargumente.“ und als Erklärung das Zitat: „Na, sie hatte ja einen sehr kurzen Rock an.“ „Entschuldigung…?“, fragte ich offen verwirrt dazwischen. „Ja, Lina?“ „Ich verstehe Punkt drei nicht.“ „Na, der erläutert ich doch von selbst, oder? Der Täter sieht seine Tat darin gebilligt, dass die Frau einen zu kurzen Rock getragen hätte.“ „Hä? Wieee?“

Ich weiß noch genau, wie absurd und unsinnig mir diese Zeile vorkam, sodass ich vollkommen davon überzeugt war, dass ich sie nicht richtig verstanden haben konnte. „Aber das ist ja keine Verteidigung? Wie soll denn eine Frau an einer sexuellen Nötigung Schuld haben, wenn sie einen kurzen Rock trägt?“ „Der Täter empfindet einen kurzen Rock in seiner Perspektive als Aufforderung, als Einladung.“ „Die Frau anzufassen? Oder zu nötigen?“ „Ja.“ „Das ist doch absurd. Das macht doch überhaupt keinen Sinn und war vielleicht vor 60 Jahren mal ein Punkt. Aber sowas sagt doch in der Praxis niemand mehr?“

Und dann rüttelte der Kurs zum ersten Mal an meinem Weltbild und ich war mir unsicher, ob ich nun unheimlich naiv und viel zu behütet in dieser Kleinstadt aufgewachsen bin oder aber meine innere, ganz natürliche, unbedarfte, feministische Überzeugung so stark, dass ich es für unmöglich hielt, dass man noch so über Frauen denken oder sie derartig aburteilen, sie und ihren Körper, ihre Entscheidung oder aber ihre Motive auf ein Kleidungsstück reduzieren würden.

Für mich war diese Perspektive so weit weg, so absurd, dass ich sie nicht in Betracht gezogen hatte. Und auf einmal mit ihr konfrontiert zu werden und sie auch noch mehrfach bestätigt zu wissen, das machte ich an diesem Tag erst betroffen und dann unheimlich wütend. Die Reaktion meines Umfeld: „Klar ist das scheiße. Aber das kann doch jetzt kein Schock für dich sein?“ Doch, war es.

Über zehn Jahre ist das nun her, dass ich mit einem, ich subtrahiere meine Gefühle aus den zwei Kursstunden mal, „WTF?!“ aus der Schule ging und gar nicht glauben wollte, dass so eine Denkstruktur tatsächlich noch in den Köpfen von Menschen vorkommen sollte.

Seitdem ist eine Menge passiert, eine Weiterentwicklung möchte man meinen, immerhin hatten wir zehn weitere Jahre Zeit uns zu bilden, gegenseitig aufzuklären, noch definierter zu reflektieren und veraltete, überholte und schlicht untragbar absurde Annahmen auszumerzen. Und obwohl wir noch immer an so viele Stellen struggeln, scheitern, uns nicht einig sind und auf der Stelle treten (warum genau verdienen Männer in so vielen Berufen weiterhin schlicht wegen eines anderen Chromosomenpaares mehr als Frauen?), hatte ich bis vor kurzem die, ich weigere mich noch immer das Attribut „naiv“ zu benutzen, auch wenn es sich so aufdrängt, Überzeugung, dass der Feminismus als solcher, den ich noch nie als Freifahrtschein für drängelnde Frauen, sondern als Gleichberechtigung und Bewegung für das Recht auf Handlungs- und Entscheidungsfreiheit verstanden habe, vorangekommen ist, sich gestärkt und entwickelt hat.

Bis vor ungefähr zwei Monaten. Solange hält zumindest die Diskussion an oder kommt immer wieder auf, in der ich mich nicht nur mit meiner Überzeugung, sondern neuerdings sogar mit meiner Person befinde. Aktuell werde ich das belastende Gefühl nicht los, dass ich noch nie so viel für meine Entscheidungsfreiheit, für meine Person als Ganzes und vor allem für weitere, größere Horizonte, gerade bei Frauen in ihrer Sicht auf andere Frauen, kämpfen musste.

Am Anfang ging es um mein Dekolleté, später direkt um meine Brüste, dann um meinen Hintern und schließlich diskutierten dritte, vierte und fünfte Frauen stundenlang und offenbar äußerst angegriffen darüber, ob es tatsächlich „nötig“ oder „überhaupt ok“ sei, dass ich oder andere Frauen sich überhaupt im Bikini oder, Gott bewahre, sogar sinnlich oder sexy auf Bildern zeigen würden. Und, das ist das Schlimmste, was das über mich oder sie aussagen würde. Über unsere Persönlichkeiten. Über unsere Bildung, Cleverness, über unsere Glaubwürdigkeit oder unseren Wert.

Dass ein stofffreier Hintern polarisiert, dass er nicht jedem gefällt, dass nicht jeder ihn fotografiert oder geteilt hätte, das habe ich erwartet. Dafür ist Instagram nun mal kein Bildband, den sich ausgewähltes Publikum mit Sinn für Ästhetik und Bildkomposition ansieht, sondern ein soziales Netzwerk, das vorrangig in Deutschland neben schnellen Hypes, vor allem aus Kritik und schneller Bewertung besteht. Dass du aneckst, dass du jemandem nicht gefällst und dass man es dir ungefragt sagen wird, damit musst du rechnen. Und das tat ich.

Was ich aber zu 100 Prozent unterschätzt hatte, was ich nicht erwartet hatte und was mich mit dem gleichen WTF?! im Nacken und schließlich der gleichen Wut im Bauch zurückließ, waren die anmaßenden Urteile und absurden Aussagen, mit denen vor allem Frauen auf mich zukamen. Ich hatte nicht erwartet, dass ganze Online-Redaktionen sich bis zur Mittagspause in ein Urlaubsbild hineinsteigern würden, dass man mir meine Persönlichkeit oder Arbeit absprechen oder sie herablassend diskutieren würde.

Sätze, wie: „Hast du die Aufmerksamkeit der Kerle so nötig, dass du hier ständig deine Titten zeigen musst?“ oder „Früher hab ich deine Texte mal spannend gefunden, aber heute lese ich sie nicht mehr, weil ich einfach nichts damit anfangen kann, wie billig du dich hier zeigst!“, „Ich fand mal, du warst eine starke, tolle Frau, aber wer hier solche Fotos teilt, den kann ich nicht ernst nehmen!“ „Krass! Hast du mal überlegt, dass jetzt auch PR-Menschen wissen, wie dein Busen geformt ist oder wie dein Hintern aussieht?“ „Was bitte bezweckst du eigentlich mit den Bildern? Dass man dich geil finden soll, weil du sonst nichts kannst?“ „Wie kann es einem so egal sein, wie wenig man jetzt noch Ernst genommen wird?“ „Boah, alles für die Likes wa? Armselig!“ oder auch „Wer was im Kopf hat, braucht solche Bilder nicht. Offenbar brauchst du sie aber. Schade, Lina.“, sind nur eine dezente Auswahl von dem, was ich immer wieder zu lesen bekam. Und bis heute verstehe ich nicht, warum genau sich vorrangig Frauen so angegriffen von anderen Frauen fühlen, dass sie das Bedürfnis haben, sie durch Aburteilen klein zu machen, sie zu verletzen oder zu bekämpfen. Es war mein Hintern, es sind meine Boobs, nicht die spanische Grippe und auch nicht Donald Trump.

Lisa kommentierte es mit den Worten: „Wenn die Diskussion nicht so wichtig wäre, ich fände sie so lächerlich. Und ich kam nicht darüber hinweg, dass es heutzutage tatsächlich noch und gerade unter Frauen selbst diskutiert werden musste, was man durfte, was man nicht durfte und was ein Paar Brüste über eine Persönlichkeit aussagen konnte.“

Noch schlimmer, werden solche Urteile dann natürlich unter dem falschen Deckmantel des Feminismus oder guten Geschmacks. Frei nach dem Motto: „Alles was keine offensichtlichen Kraftausdrücke oder Beleidigungen beherbergt ist eine ehrliche Meinung und muss auch so geschätzt werden.“

Während ich den Artikel, der vor einiger Zeit auf Journelles erschien, noch angeregt und gern las, auch wenn ich in vielen Punkten nicht zustimmen konnte, weil er als offene Diskussion, nicht so sehr als Beurteilung geschrieben und auch so behandelt wurde, gab es andere Artikel oder Äußerungen, bei denen sich mir der Magen umdrehte. Und das nicht deshalb, weil da Frauen anderer Meinung waren, als ich selbst, sondern, mal ganz distanziert betrachtet, überhaupt derlei Meinungen, Sichtweisen und Perspektiven auf Frauen besprochen und noch gegenseitig beklatscht wurden

In der Diskussion auf Journelles wurde zudem differenziert und konkret über bloße, nackte Darstellung, teilweise ohne jeden Anspruch als den körperlichen Reiz selbst, diskutiert. Zumindest da stimme ich den Mädels nämlich zu. Wenn Blumen im Schritt drapiert werden, ohne dass die Message dahinter eine Rolle spielt oder verwackelte Spiegelselfies im unaufgeräumten Wohnzimmer ausschließlich aus dem Grund geschossen werden, gepushte Brüste durchs Netz zu jagen, wenn Nacktheit nicht ein, sondern der einzige (!) Teil der Persönlichkeit einer Frau sein soll, das einzige Ausdrucksmittel, das sie hat oder zeigt, dann hinterfrage ich auch, dann bin ich bei der Kritik dabei.

Das große Problem: so ein Artikel gelingt natürlich nicht jedem. Differenzierung ist nicht die Königsklasse des Internets und so ploppten im Nachgang dann inspirierte Stimmen auf, die jegliche, sinnlichen und reizvollen Fotos an sich und die Frauen, die sie machten, kategorisch kritisierten, herabwürdigten oder aber gleich noch Unterstellungen hinsichtlich des Motivs drauf schmissen. Nacktheit kritisieren ist gerade Trend, also nicht lange nachdenken, sondern lospoltern, gehört werden.

In einem Artikel auf Zukkermaedchen.de werden zum Beispiel in pseudo solidarischer Wir-Form Frauen darüber belehrt wie die moderne Frau zu sein habe, worauf sie achten müsse und vor allem darüber: ein richtiges Maß zu finden. Aha. Frage: wie genau sieht das aus? Das lässt die Autorin offen. Müsse jeder für sich selbst wissen. Ist natürlich richtig. Aber wie genau soll eine junge Frau denn ihr eigenes Maß finden? Eines, in dem sie sich selbst wohl und ausgelebt fühlt, das ihr Spaß macht und das sie stärkt? Wie, wenn sie gar nicht den Mut haben darf, sich auszuprobieren, weil sie von der Angst klein gehalten wird, genau dann nämlich von solchen Artikeln und der klatschenden, weiblichen Leserschaft bewertet oder klein gemacht zu werden?

Man lässt es sich in diesem Text nämlich nicht nehmen immer wieder zwischen den geschmückten Zeilen die Unterstellung mitschwingen zu lassen, dass sinnliche oder, freizügige, Fotos, ja schlussendlich nur aus Like-Geilheit oder Aufmerksamkeitssehnsucht geschossen werden würden und zusätzlich jedes Bild, jeder Ausschnitt, jede Rocklänge dafür stehen würde, wer wir als Frau sind. What. The. Fuck.

Ich kann an dieser Stelle natürlich nur für mich sprechen, für meine Person, für meine Brüste und meine Fotos, aber: Ist euch jemals die Idee gekommen, dass es okay und gar nicht unbedingt wert ist hinterher zu fragen, wenn eine Frau mit sich selbst zufrieden ist? Wenn sie sich schön findet und das möglicherweise sogar zeigt? Dass das nichts ist, wovon man sich angegriffen oder offended fühlen muss, sondern wofür man eigentlich ein Lächeln und Respekt übrig haben darf? Weil man sich vielleicht selbst daran erinnert, was für ein empowerndes Gefühl es ist, sich stark, vielleicht sogar mutig und auch sinnlich zu fühlen? „Ein Welpe bringt mehr Aufmerksamkeit als meine nackten Boobs!“ Ich darf den Mob beruhigen: ein Welpe oder ein Sonnenuntergang bringen noch immer mehr Likes und Aufmerksamkeit als meine Brüste. Gosh, vielleicht sind die der eigentliche Feind?

Und wo wir schon mal dabei sind: ich zwänge mich nicht für Männer in High Heels, ich trage nicht für Skaterboys absichtlich lässige Sneaker, ich gebe keine 133 Euro für ein Unterwäscheset aus Spitze aus, weil ich davon ausgehe, dass sie Donnerstagnacht ein Typ auspacken würde und ich gehe auch nicht zum Sport in der Hoffnung, dass ich dadurch endlich attraktiv für noch mehr Männer wäre. Ihr auch nicht stimmt’s? Ja? Ihr macht das alles auch für euch selbst? Okay.

Wenn wir darüber d’accord sind, warum müssen wir dann aber an anderer Stelle davon ausgehen, dass Haut wiederum ausschließlich für Männer oder Aufmerksamkeit gezeigt wird und damit nicht mal den oft so gescholtenen Jungs die Option lassen, andere Frauen zu Objekten zu machen, sondern es gleich mal selbst tun?

Warum „wir“ denn „solche Fotos“ oder „Haut zeigen“? „Was sind eigentlich „solche Fotos?“ Wer legt da die undifferenzierte Bewertung fest? Ob wir es überhaupt nötig hätten, wird außerdem immer wieder gefragt. Wisst ihr was? Ich habe auch keinen roten Lippenstift nötig und trotzdem mag ich ihn. Was genau sagt das jetzt über mich aus? Ich habe eigentlich auch keine Designertaschen nötig. Und doch gebe ich manchmal absurd viel Geld für sie aus, schlicht, weil ich eine Schwäche für sie habe.

Um es ad absurdum zu treiben: eigentlich ist nicht einmal ein Dessert nötig, um satt zu werden. Warum man es trotzdem bestellt? Weil es fabelhaft schmeckt. Es ist für mich vollkommen sinnlos, wenn wir von tollen, sinnlichen Fotos und ästhetischer Bildsprache sprechen, eine Notwendigkeit zu definieren. Die wenigstens künstlerischen oder schönen Ding sind nötig, sie sind einfach die Kür.

Was sinnliche Aufnahmen eigentlich mit Feminismus zu tun hätten, steht dann noch im Raum. Auch hier kann ich wieder nur im Rahmen meiner eigenen Person antworten: Feminismus besteht für mich darin, dass ich es kann, ohne dabei einen anderen Menschen einzuschränken. Weil ich es will. Weil ich mich so entschieden habe. Weil es mir gefällt. Ich habe es nicht nötig. Ich habe Spaß daran.

Ich poste die diskutierten Fotos, weil ich meinen Körper mag, weil ich es unheimlich schön finde, endlich mit ihm zufrieden zu sein und die Bilder, die eine ästhetische Stimmung eingefangen haben oder mir schlicht gefallen, auch gerne teile. Es ist übrigens nicht das Kompliment an mich, das mir wirklich etwas bedeutet, sondern wenn mir, denn auch das ist passiert, eine andere Frau schreibt, dass sie sich dank mir oder meiner Ausstrahlung jetzt ebenso traut, zu sich selbst zu stehen oder sich sexy zu fühlen.

Ich glaube übrigens weder daran, dass Computerspiele, Songtexte, die Vogue noch ästhetische #SensualShots allein irgendeinen Teenager ins Verderben treiben oder zu unbedarfter, ja fast erzwungener Nacktheit verleiten. Und überhaupt, wer reduziert ein Bild denn ausschließlich auf Brüste? Die Frau, die einen Ausschnitt trägt und im Sonnenuntergang vor einer traumhaften Kulisse in ihrem Abendkleid posiert? Oder die, die das Bild anschaut, alles ignoriert und sich auf ein Drittel vom Brustansatz einschießt?

Ihr und eure Perspektive, seid diejenigen, die aus einer oft wunderschönen Bildkomposition etwas Plumpes machen. Und damit spreche ich bei weitem nicht nur für meine Arbeit. Und ja, ich finde es absurd, sogar erschreckend, dass es ernsthaft „Stärke“ braucht, damit eine Frau „sie selbst“ sein kann.

Das lese ich nämlich immer wieder. Dass andere Frauen mich stark finden. Weil ich zu meiner Meinung stehe. Oder meinen Körper mag. Dass mir Mädels schreiben, dass sie ihre Kurven oder ihre Brüste verstecken, weil sie Angst haben, dass sie sonst als „billig“ gelten. Dass Frauen Mitte Zwanzig bis heute nicht wissen, ob sie sich selbst eigentlich sexy finden oder gar finden wollen, weil ihnen irgendwie „nicht wohl“ dabei ist, allein Unterwäsche mit Spitzenbesatz zu versuchen. Weil sie sich „lächerlich“ finden, wenn sie sich „für Männer zur Schau stellen“.

Denn genau das wurde ihnen ja eingetrichtert. Dass junge Frauen sich gegenseitig bewerten, beurteilen und haten, sich slutshamen und beleidigen. Also: was ist gefährlicher? Ein Bild mit einem Brustansatz? Oder diese anmaßende, aburteilende und sehr eingeschränkte Perspektive auf andere Frauen, die ihr den Mädels da draußen vorlebt und mitgebt? In denen die ok und „richtig“ sind, die einem gewissen Maß entsprechen? Es halten? Und alle anderen? Was sind die? Was haben die es? Nötig? Ernsthaft?

Meine Freundin Nina sagte dazu sehr, sehr passend: Das Problem ist nicht die Frau, die sich zeigt wie sie will, sondern jene, die erst sagt, dass das eigentlich ganz toll ist – aber am Ende doch ein richtiges Maß braucht, um dem zu entsprechen, was sie selbst für sich zum Maß gemacht hat.

Während es immer mal wieder leicht fällt herablassende Bemerkungen abzuschütteln, sind es die versteckt und doch gezielt gesetzten „aber“, die tief sitzen, die eigentlich nur wie eine „andere Meinung, die es zu akzeptieren gilt“, klingen und doch der größte Feind des Feminismus und der oft zitierten #Girlpower sind.

„Ich bin ja Feministin, aber…“ „Also ich mag ja schön Fotos, aber…“ „Klar, jeder darf sich zeigen, wie er möchte, aber…“ Aber was? Aber ich urteile trotzdem über dich? Aber ich werte dich dennoch herab? Aber es gibt dennoch einen Rahmen? Aber du hast dich trotzdem zu mäßigen? Aber ich lasse es mir nicht nehmen dennoch zu unterstreichen, dass dieses sinnliche Bild zwar in der Theorie okay ist, ich aber trotzdem ein neidvolles „wenn man es braucht“, hinterher raunen will?

Und nein, ich will dabei weiß Gott nicht sagen, dass Feminismus die komplette Zustimmung beinhaltet, dass eine Feministin nicht kritisieren darf, dass sie totalitär sein muss, dass sie undifferenziert zustimmen sollte. Ganz im Gegenteil. Aber wie wäre eine mit einer Differenzierung? Nicht jede Frau, die sich gern sexy oder weiblich zeigt, möchte genau so wie Kim Kardashian sein.

Man könnte jetzt meinen, dass ich mich sehr an diesem Thema aufreibe, dass ich es vielleicht persönlich nehme. Und ganz ehrlich? Klar tue ich das. Weil ich erstmalig nicht nur mit meiner Meinung, sondern öffentlich mit meiner Person und meinem Körper, wenn es nach einigen geht ja sogar mit meinem Wert und meiner Persönlichkeit dafür einstehe. Weil ich zur Sprache gebracht werde, weil ich mittlerweile kein Bild mit einem Dekolleté mehr posten kann, ohne dass es, egal ob positiv oder negativ, bewertet und diskutiert wird.

An dieser Stelle übrigens nur dazwischengeworfen: Ich habe die Brüste nun mal. Sie sind da, sie sind natürlich, sie sind größer als der Durchschnitt. Ja. Aber würdet ihr den gleichen Ausschnitt auch so analysieren, wenn er mit einem A-Körbchen gefüllt wäre? Euch im schlimmsten Fall sogar offended fühlen? Kaum oder?

Und ja, manchmal macht es mich mürbe, manchmal verletzt es mich, wenn selbst enge Freunde oder Männer, die ich eigentlich sehr mag, plump über mich urteilen, manchmal halte ich die Absurdität nur schwer aus, in der vermeintliche Girlpower-Blogger erst auf den „Still not asking for it“-Zug aufspringen, in dem kein Ausschnitt dieser Welt eine Legitimation für Nötigung oder eines Zunahetretens wäre, um sich für ihre feministische Einstellung beklatschen zu lassen und dann drei Monate später Frauen für ihre Freizügigkeit bewerten, weil das gerade the topic ist.

Was dann hilft? Einen Schritt zurücktreten, auch wenn es manchmal schwerfällt, grinsen und denken: „Freunde, es sind zwei Boobs. Nur zwei Boobs. Meine Boobs. Nicht euer Endgegner.“ Es ist nicht ein ästhetisches Bild, das viel über eine Frau aussagt. Viel gesprächiger ist oftmals das, was eine andere Person, aus ihrer Perspektive, daraus machen will.

Die Fotografie stammt von Igor Starkov
Der Text erschien in der Kategorie Leben mit den Themen BHs, Bikinis, Blogger, Blogs,
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Gehorche mir!Ich bin eine junge Domina

Femdom ist die Abkürzung für Female Cominance und bezeichnet eine Spielart im BDSM, bei der die Frau die dominante Rolle übernimmt und ihren Partner oder ihre Partnerin sexuell unterwirft. Ich scheine so eine gewisse Ausstrahlung zu haben, denn ich werde immer wieder von anderen Menschen, insbeson...
Gehorche mir!Ich bin eine junge Domina

Gehorche mir!

Ich bin eine
junge Domina

Nadine Kroll

Femdom ist die Abkürzung für „Female Cominance“ und bezeichnet eine Spielart im BDSM, bei der die Frau die dominante Rolle übernimmt und ihren Partner oder ihre Partnerin sexuell unterwirft. Ich scheine so eine gewisse Ausstrahlung zu haben, denn ich werde immer wieder von anderen Menschen, insbesondere Männern, gefragt, ob ich sie nicht dominieren und zu meinen kleinen, perversen Sklaven machen wolle.

Über die Jahre hab ich nun schon so einige Erfahrungen in diesem doch recht ungewöhnlichen Bereich gesammelt. Ich habe Männer angepisst, in den Arsch gefickt, auf ihren Wunsch hin verprügelt, in Frauenkleidung herumlaufen und fremde Schwänze lutschen lassen und einem sogar einen Peniskäfig angelegt, um ihn dauerhaft keusch zu halten. Dieses ganze Ding der weiblichen Dominanz kickt mich. Es ist ein bisschen, als könne ich dort den ganzen Hass, der sich in mir über die Tage verteilt so ansammelt, herauslassen. Und zwar so, dass es mein Gegenüber auch noch erregt.

Für mich geht es dabei definitiv um die Umkehrung der patriarchalen Strukturen, mit denen man im Alltag ständig konfrontiert wird. Ich hasse Männer nicht, im Gegenteil, ich liebe sie, aber sie verdienen in meinen Augen keinesfalls so viel Macht, wie sie von Geburt aus haben. Ich steh drauf, ihnen das zu nehmen, indem ich sie zu meinen Füßen knien lasse, ihnen das Wort verbiete und sie mich als Frau in meiner vollen Weiblichkeit anbeten lasse. Es erregt mich, sexuell wie geistig.

Laut Statistiken trifft das nur auf knapp elf Prozent aller Damen, die im BDSM aktiv sind, zu. Ganz schön wenig eigentlich. Vielleicht kommen deshalb so viele Kerle zu mir, um sich mal so richtig runter machen zu lassen. Es gibt scheinbar einfach nicht genug Frauen, die bereit sind, ihren Partner zu dominieren. Die Gründe dafür will ich gar nicht hinterfragen. Ich glaube nicht daran, dass Kinks aus gesellschaftlichen Situationen heraus entstehen, sondern dass sie schon immer da sind, aber erst im Laufe des Lebens entdeckt werden.

Für Alice Schwarzer gibt es Frauen, die darauf stehen, Männer zu erniedrigen überhaupt nicht. Gisela Breitling, PorNo-Aktivistin, trieb das Ganze mit folgendem Zitat sogar auf die Spitze: „Dass weibliche Gewaltphantasie gegenüber Männern erotisch bzw. sexuell intendiert sein soll, ist eine psychologische Unmöglichkeit“ und weiter „dass Frauen auf diese Weise sexuell erregt werden können, dürfte zudem kaum realistisch sein.“

Im Prinzip sagt das nichts anderes aus, als dass Männer generell drauf abfahren, Frauen zu erniedrigen, weil sie es durch die patriarchale Struktur so gelernt haben und Frauen nur Erniedrigung genießen, weil Dominanz gegenüber Männern wider ihre Natur ist. Schwachsinn. Und vor allem eine Art von Feminismus, dem ich nicht angehören will, weil es allem, was ich über die Jahre hinweg über weibliche Sexualität gelernt habe, widerspricht.

Doch genug von der Theorie. Ich weiß, ihr wollt Geschichten hören. Sex, bei dem die Frau die Führung übernimmt, zählt jedenfalls schon mal nicht zu Femdom. Nur, weil ich als Frau ab und an beim Sex oben sitze, macht mich das noch lange nicht dominant, auch wenn das gerne so empfunden wird. Die Dominanz einer Femdom zeigt sich vor allem in Kontrolle. Und zwar kompletter Kontrolle über das Verhalten des Partners während des Geschlechtsakts.

Die meisten gehen, glaube ich, davon aus, dass ich es einfach gerne mag, Männern so richtig hart eine reinzuballern. Darum geht es aber tatsächlich nicht. Meine Rolle als Femdom lebt von Macht. Macht über die Sexualität meines Mannes. Ich schlage eigentlich nur zu, wenn ich meinen Partner bestrafen will. Und auch nur dann, wenn er es mir ausdrücklich erlaubt hat. Denn nicht jeder unterwürfige Kerl steht auch auf Schmerz. Mir sind die, die es tun, allerdings am liebsten.

Ich fahre eigentlich hauptsächlich darauf ab, Männer mit Worten mies zu behandeln, indem ich ihnen erzähle, dass sie armselige Schlappschwänze sind, die keinen hochbekommen und sich deshalb so gerne in den Arsch ficken lassen. Ich verbiete ihnen unfassbar gerne, zu kommen, weil es mich anmacht, wie sie um einen Orgasmus betteln. Einen Orgasmus, den sie bei mir im seltensten Fall bekommen, während sie mich so lange befriedigen müssen, bis ich nicht mehr kann.

Mit ihrer Zunge, mit ihren Fingern und manchmal auch mit ihrem Schwanz, den ich gerne so lange reite, bis die Typen, die da unter mir liegen, kurz vor’m Kommen sind, nur um dann aufzuhören und sie unbefriedigt nach Hause zu schicken, wo sie selbstverständlich nicht wichsen dürfen, bis ich es ausdrücklich erlaube. Und das tue ich selten. Genau das ist aber auch das, was diesen Männern so gefällt, auch wenn das für die Leute, denen es beim Sex hauptsächlich im Orgasmen geht, erst mal ziemlich komisch klingt. Es ist die Erniedrigung, die so kickt, und nicht der Sex an sich.

Die Spielarten, die ich bereits ausprobiert habe, sind tatsächlich so vielfältig, dass ich keinen Platz habe, sie alle aufzuführen. Aber ich hab durchaus schon dem ein oder anderen Kerl Lust bereitet, indem ich nichts anderes tat, als ihn anzuspucken. Ich habe etliche Männer, und auch die ein oder andere Frau, dazu bekommen, vor Geilheit und Schmerz laut zu schreien, indem ich ihnen in die Eier trat oder den Absatz meiner High Heels in ihr Arschloch schob. Einer spritze sogar alleine davon ab, dass ich ihm mit einem Lederpaddle den Arsch verdrosch. Da er es ohne meine Erlaubnis tat, wurde er natürlich dafür bestraft, indem er sein eigenes Sperma vom Boden auflecken musste.

Eine Femdom, wie ich es bin, lehrt und erzieht. Sie macht aus ihrem Bottom, wie der unterwürfige Part auch genannt wird, ihr kleines, dreckiges Spielzeug, das alle eigenen Wünsche ablegt und nur noch dient. Sie tut das aber nicht nur für sich, sondern auch für ihren Partner, denn selbst wenn im sexuellen Rahmen hier ein Ungleichgewicht herrscht, so ist das doch von beiden Seiten aus erwünscht und wird gezielt angestrebt.

Sex kickt mich generell nur dann, wenn es meinen Partner auch geil macht, ganz egal, ob es sich jetzt um schnöden Blümchensex handelt oder um eine Spielart, die von außen betrachtet aussieht wie Rache für all die Verbrechen, die Männer im Laufe der Geschichte uns Frauen zugefügt haben, ausgeführt an einem einzigen, armen Kerl, der nicht in der Lage ist, sich gegen eine radikale Feministin zu wehren.

Die Fotografie stammt von Dainis Graveris
Der Text erschien in der Kategorie Sex mit den Themen Alice Schwarzer, Ärsche, BDSM, Bestrafung,
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Super Potato: Wo die alten Spiele wohnen

Wir waren zu Besuch im Super Potato. Auch bekannt als das pure Videospielparadies des fernen Ostens. Das sich in Akihabara über mehrere Stockwerke erstreckende Geschäft ist vollgestopft mit allem, was Retrogamer das Herz höher schlagen lassen: Super-Nintendo-Rollenspiele, Dreamcast-Konsolen, Zelda-S...
Super Potato: Wo die alten Spiele wohnen

Super Potato

Wo die alten
Spiele wohnen

Marcel Winatschek

Wir waren zu Besuch im Super Potato. Auch bekannt als das pure Videospielparadies des fernen Ostens. Das sich in Akihabara über mehrere Stockwerke erstreckende Geschäft ist vollgestopft mit allem, was Retrogamer das Herz höher schlagen lassen: Super-Nintendo-Rollenspiele, Dreamcast-Konsolen, Zelda-Spieleberater, Final-FantasySoundtracks, das meiste zwischen fünf und 20 Euro – außer natürlich die ganz besonderen Juwele, wie limitierte Figuren oder rare Versionen.

Ganz oben findet ihr noch eine gut besuchte Spielhalle und einen kleinen Shop, in dem ihr Süßigkeiten, Getränke und Merchandise käuflich erwerben könnt. Ich habe mir in dem von außen ziemlich unscheinbar wirkenden Gebäude die japanische blaue Edition von Pokémon mitgehen lassen, inklusive Verpackung, Anleitung und Karte – für umgerechnet acht Euro. Ein Traum.

Solltet ihr also jemals in der japanischen Hauptstadt aufschlagen und ein von Nostalgie geplagter Videospieler sein, dann schaut im Super Potato vorbei, ihr werdet es auf keinen Fall bereuen. Es ist relativ einfach zu finden, fragt einfach die Passanten nach dem Weg. Und ich wühle mich weiter durch meine Tokio-Fotos, vielleicht entdecke ich ja noch die ein oder andere erwähnenswerte und gut bebilderte Attraktion, um sie euch in einer kleinen Galerie um die Ohren zu hauen. Bestimmt.

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Kristofferson San Pablo: Willkommen in Los Angeles

Egal, für wie toll, aufregend oder gar erfüllend ihr euer Leben an guten Tagen so haltet - das von Kristofferson San Pablo ist besser. Der in Manila auf den Philippinen geborene Fotograf und Künstler lebt heute glücklich und zufrieden im sonnigen Los Angeles. Und Kalifornien scheint ihm gut zu tun,...
Kristofferson San Pablo: Willkommen in Los Angeles

Kristofferson San Pablo

Willkommen in
Los Angeles

Daniela Dietz

Egal, für wie toll, aufregend oder gar erfüllend ihr euer Leben an guten Tagen so haltet – das von Kristofferson San Pablo ist besser. Der in Manila auf den Philippinen geborene Fotograf und Künstler lebt heute glücklich und zufrieden im sonnigen Los Angeles. Und Kalifornien scheint ihm gut zu tun, denn wenn man sich seine Abenteuer so ansieht, dann wird einem eines klar: Der Junge lässt nichts anbrennen.

Egal ob Roadtrips an magische Orte, von denen ihr noch nie etwas gehört habt, von den Simpsons inspirierte und manchmal nicht gerade jugendfreie Kunst oder hüllenlose Mädchen en masse, Kristofferson San Pablo zeigt uns, dass das Dasein nicht so deprimierend, traurig oder leer sein muss, wie einige von uns vielleicht denken. Man muss es nur selbst in die Hand nehmen, dieses Ungetüm namens Leben.

Das bunte Fototagebuch von Kristofferson San Pablo steckt jedenfalls voller plakativer wie sensibler Wunder, die das Leben ohne jeden Zweifel erst lebenswert machen. Vielleicht sollte sich der ein oder andere von uns eine große Scheibe dieser farbenfrohen Welt und ihrer Bewohner abschneiden. Denn zumindest oberflächlich betrachtet, scheint Kalifornien der Ort zu sein, an dem Träume wirklich wahr werden…

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Die Fotografie stammt von Kristofferson San Pablo
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Small Dick Problems: Der Club der kleinen Schwänze

Fast drei Monate lang hatte ich einen Freund mit einem kleinen Penis. Steffen, ein 28-jähriger Werbekaufmann, und ich haben uns auf der Abschiedsfeier eines Kumpels kennengelernt, der gemeinsam mit seiner Verlobten für ein Jahr auf Weltreise durch Südamerika, Asien und Australien ging. Beim alkoh...
Small Dick Problems: Der Club der kleinen Schwänze

Small Dick Problems

Der Club der
kleinen Schwänze

Daniela Dietz

Fast drei Monate lang hatte ich einen Freund mit einem kleinen Penis. Steffen, ein 28-jähriger Werbekaufmann, und ich haben uns auf der Abschiedsfeier eines Kumpels kennengelernt, der gemeinsam mit seiner Verlobten für ein Jahr auf Weltreise durch Südamerika, Asien und Australien ging.

Beim alkoholbedingten Fummeln auf dem Beifahrersitz seines Autos dachte ich noch, dass er dank Bier, Schnaps und viel zu viel Wodka einfach keinen Ständer mehr bekam, als ich mit meiner Hand in seiner geöffneten Hose herum tastete und nur eine weiche Fleischmasse und Haare fühlte. Ein paar Abende später wusste ich es dann allerdings besser: Er hatte schlichtweg einen kleinen Schwanz. Einen sehr kleinen.

„Kleine Schwänze sind für Arschficks da“, sagte einmal meine gute Bekannte Miri zu mir. Also machten Steffen und ich von dieser Lebensweisheit in der doppeldeutig kurzen Beziehung massiv Gebrauch. Aber nachdem meine rosarote Brille langsam verblich und ich noch so sehr auf Steffen herumrutschen konnte, ohne wirklich Spaß daran zu haben, beendete ich die Beziehung.

Das lag allerdings nicht nur an Steffens Minipenis, sondern auch an der Tatsache, dass ich schnell merkte, dass ihm seine genetisch bedingt winzige Männlichkeit das komplette Selbstbewusstsein, das er auf der Party noch dank Alkohol und guter Laune hatte, nahm. Am Ende war Steffen einfach nur noch eine weinerliche Klette mit einem kleinem Schwanz. Und mit dieser Mischung konnte ich beim besten Willen nichts anfangen.

Im Onlineforum „Small Dick Problems“ auf Reddit plaudern Jungs mit kaum sichtbarem Gemächt über genau solche Probleme. Wie überleben in einer Welt, in der Typen mit riesigen, pochenden Fleischpeitschen in von Testosteron getriebenen Herden auf die Jagd nach femininem Fickvieh gehen? Wie dem süßen Mädchen seiner Träume klar machen, dass man schon drin ist, egal, wie oft sie nun fragt? Welche Tipps in Sachen Schambehaarung und Zurechtzupfen gibt es, um das Stäbchen zumindest visuell zum Stab zu machen? Und helfen teure Penispumpen, schwere Gewichte und dubiose Tabletten aus dem Internet wirklich dabei, dass aus dem Zweig endlich ein Stamm wird?

„Wir haben uns das Leben mit einem kleinen Schwanz nicht ausgesucht, sondern umgekehrt“ ist der offizielle Slogan dieses Forums, in dem sich schlecht ausgestattete Typen gegenseitig Mut machen. „Ich kann einfach nicht mehr hören, dass es nicht auf die Größe ankommt“, schreibt darin ein User. „Meine Freundin macht sich in SMS mit anderen Typen über meinen kleinen Schwanz lustig“, ein anderer. Und: „Ich habe einem Mädchen ein von ihr gewünschtes Penisfoto geschickt und seitdem nichts mehr von ihr gehört. Was soll ich nur machen?“

Aber es gibt auch gute Nachrichten. Von Männern, die trotz oder gerade wegen eines extrem kurzen Glieds die große Liebe gefunden haben. Von Mädchen, die aus einem Fetisch für kleine Penisse eine wahre Leidenschaft gemacht haben und dem anderen Geschlecht damit den ein oder anderen sexuellen Gefallen tun. Und von Paaren, die gerade ihr erstes Kind bekommen haben. Denn egal ob kurz oder lang, ob dünn oder dick, ob krumm oder gerade: Irgendwo da draußen gibt es ein Mädchen, das die passende Muschi für genau dieses Gerät hat. Man muss sie nur finden…

Small Dick Problems
Die Fotografie stammt von Charles Deluvio
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Hauptsache hart: Kleine Schwänze sind groß genug

Es ist ein noch recht kalter Herbsttag und ich sitze mit meinem Kumpel Sebastian auf einer Bank in der Hasenheide. Wir haben gerade frisches Weed gekauft und rollen eine Tüte, während Sebastians Hund auf der Wiese unsichtbaren Dingen nachjagt. Während ich darauf warte, dass mein Kumpel mit der Tü...
Hauptsache hart: Kleine Schwänze sind groß genug

Hauptsache hart

Kleine Schwänze
sind groß genug

Nadine Kroll

Es ist ein noch recht kalter Herbsttag und ich sitze mit meinem Kumpel Sebastian auf einer Bank in der Hasenheide. Wir haben gerade frisches Weed gekauft und rollen eine Tüte, während Sebastians Hund auf der Wiese unsichtbaren Dingen nachjagt.

Während ich darauf warte, dass mein Kumpel mit der Tüte fertig wird, damit ich endlich rauchen kann, folgt mein Blick unaufhörlich dem Köter, der gerade auf einen Busch zu rennt, wo ein Typ mit heruntergelassener Hose seinen Schwanz raushängen lässt und pisst.

„Weißt du, was mir ein absolut gutes Rätsel ist?“, sage ich zu Sebastian. „Dass Typen bei jeder Gelegenheit ihren scheiß Schwanz hervorholen und einem damit in der Fresse rumwedeln, wenn’s drauf ankommt im Schlafzimmer aber keinen hochbekommen. Sie verschicken ständig Fotos von ihrem ach so großen und ach so harten Schniedel, aber wenn sie dann vor dir stehen und die Hosen runterlassen, hängt dann so ein schlaffes Mini-Wini-Würstchen vor dir.“ „Was ist denn bei dir schon wieder los?“, fragt Sebastian. „Schlechten Sex gehabt?“

„Nee“, antworte ich, „gar keinen, weil ich schon wieder so einen Schlappschwanz im Bett hatte. Der war tierisch geil auf mich, aber hat einfach keinen hochbekommen und dann auch noch etwas davon gefaselt, dass seine Exfreundin seine Sexualität ruiniert hat und dass er jetzt Zeit braucht, dass er aber unbedingt mit mir schlafen will und ich ihm Zeit geben soll. Hab ich auch, aber als ich ihm das Kondom übergezogen hab, wurde sein Schwanz halt wieder schlaff und dann kam die Ausrede, dass er Kondom ja nicht gewohnt ist, weil seine Exfreundin mit der Pille verhütet hat und, ach, es geht mir einfach auf den Sack. Weißte, komm erst mal richtig auf deinen Schwanz klar und dann fick mich anständig. Punkt.“

„Boah, Nadine!“, sagt Sebastian und verdreht die Augen. „Du bist aber auch echt eine Bitch, was sowas betrifft.“ „Bin ich nicht!“, entgegne ich. „Alles, was ich sage ist: Du kannst nicht die ganze Zeit auf supergeilen Macker machen und dann wenn es wirklich drauf ankommt literally den Schwanz einziehen. Ist ja okay, wenn man mal keinen hochbekommt, ich wird auch nicht immer feucht, wenn ich geil bin, aber diese Rechtfertigungen sind einfach nervig und auch einfach ein riesen Abturn.“

„Schätzchen, ich hab dich wirklich gerne, aber Penisse sind so. Wenn sie funktionieren sollen, funktionieren sie ganz oft nicht. Ist mir auch schon oft genug passiert. Kopfsache.“ „Ja, versteh ich, aber ich bin doch keine Therapeutin, die sich um deine komischen Penisproblemchen zu kümmern hat. Wenn du geil bist, aber keinen hochbekommst, dann mach halt irgendwas anderes. Gib ja genug Wege, auf denen man Sex haben kann, ohne dass der Schwanz zum Einsatz kommt. Vor mir muss sich niemand dafür entschuldigen, dass er keinen Steifen kriegt.“

Sebastians Köter kommt angerannt und leckt mir mit meiner feuchten Zunge über die Hand. „Ach“, sage ich. „Warum sind Männer nicht ein bisschen mehr wie Hunde? Die denken einfach nicht nach, sondern stoßen zu, wenn sie geil sind. Und lecken können sie auch.“ „Die haben aber auch nicht den Anspruch, irgendjemanden zu befriedigen“, hakt Sebastian ein. „Die ficken, um sich fortzupflanzen, und nicht einfach so aus Spaß.“ „Glaub ich nicht“, sage ich. „Dein Hund besteigt so oft mein Bein, der hat Spaß an Sex.“

„Dass wir Typen so oft Probleme mit unseren Schwänzen haben, liegt aber auch an euch Frauen„, sagt Sebastian. „Wir haben eben auch Angst, euch nicht zu reichen. Wir wollen gut sein und euch befriedigen. Das kann dem Kopf schon so sehr zusetzen, dass der Penis plötzlich nicht mehr funktioniert, obwohl wir vielleicht fünf Minuten noch einen Riesenständer hatten und den auch fotografiert haben.“

„Jetzt mach aber mal einen Punkt“, entgegne ich. „Dass ihr keinen hochkriegt ist nicht die Schuld der Frauen. Wir können nichts für eure Gedanken. Ich hab noch nie einem Typen direkt gesagt, dass mit seinem Schwanz etwas nicht stimmt. Ich bin immer sehr höflich und lobe den Penis, sage dass er so schön groß ist und wundervoll anzusehen, dass er sich gut in mir anfühlt und gut schmeckt, dass ich ihn gerne lutsche und was mal halt so sagt, um das Ego eines Typen aufzubauen.“

„Mag sein“, sagt Sebastian. „Und dennoch sitzt du hier und erzählst mir, was für ein Loser dein letzter Typ war. Und du bist ja nicht die Einzige. Du glaubst gar nicht, wie oft sich bei mir schon irgendwelche Freundinnen ausgeheult haben, weil ihr Kerl es im Bett nicht bringt. Natürlich trifft mich das irgendwo auch und löst Ängste in mir aus. Bei jeder Partnerin, mit der ich ficken will, muss ich Angst haben, dass sie danach zu ihren Freundinnen rennt und ihnen erzählt, wie miserabel ich bin. Ihr seid da schon für den Druck mit verantwortlich.“

„Du spinnst“, sage ich und nehme endlich die langersehnte Tüte entgegen. Wir hören auf zu reden und genießen für eine Augenblick nur, wie das Gras uns langsam zudröhnt, während die Sonne uns in die Gesichter scheint. Nach einer halben Stunde trennen sich unsere Wege und Sebastian und sein Köter ziehen ab.

Dennoch hat mich das Gespräch mit ihm natürlich nachdenklich gestimmt. Worte können extrem vernichtend sein und Dinge in Menschen auslösen, die zu diesem Zeitpunkt nicht gewollt sind. Vielleicht müssen wir Damen mit unseren Worten vorsichtig den Männern gegenüber werden, mit denen wir nicht schlafen, uns aber gerne über Sex unterhalten.

Aber trotzdem: Wenn das eigene Ego stimmt, dann ist es glatt mal egal, wie groß der Schwanz eines Mannes ist, wie oft er Frauen in der Regel zum Orgasmus bringt und was andere Menschen darüber sagen. Wenn dein Ego stimmt und du selbstbewusst bist, eine Sache, die man meiner Meinung nach sowieso nur aus sich selbst ziehen kann, bist du ein guter Ficker.

Nur, weil manche Männer wirklich Schlappschwänze sind, trifft das ja nicht auf alle zu, und auch die müssten im Prinzip nur mal ein bisschen an ihrem Kopf arbeiten und die vermeintlichen Unzulänglichkeiten im Bett von sich schieben, um wieder einen vernünftigen Ständer zu kriegen und es den Frauen, die es wollen, mal so richtig hart zu besorgen.

Ich frage mich im übrigen, ob das bei schwulen Männern auch so ist. Ich habe fast den Eindruck, es sind nur die Heten, die solche Probleme mit ihren Schwänzen haben, obwohl ja bei Schwulen tatsächlich ein richtiger Schwanzvergleich stattfindet, wenn beide die Hosen runterlassen.

Und klar, dass das die Penisprobleme von Heteromännern wieder auf das Konto der Frauen geht. Es ist ja sowieso an allem, was bei Typen nicht richtig läuft, der Feminismus schuld mit seinen starken Stimmen und starken Frauen, die wissen, was sie wollen und sich das auch nehmen.

Die Fotografie stammt von Charles Deluvio
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Beziehungspause: Lass uns lieber Schluss machen

Ich brauche eine Pause von dir. Es war der dritte Streit innerhalb von nur zwei Wochen, und der Grund dafür war eine Nichtigkeit. So bedeutungslos, dass ich heute, ein paar Jahre später, nicht einmal mehr sagen kann, warum wir uns damals eigentlich in die Haare gekriegt haben. Vermutlich ging es d...
Beziehungspause: Lass uns lieber Schluss machen

Beziehungspause

Lass uns lieber
Schluss machen

Jana Seelig

„Ich brauche eine Pause von dir.“ Es war der dritte Streit innerhalb von nur zwei Wochen, und der Grund dafür war eine Nichtigkeit. So bedeutungslos, dass ich heute, ein paar Jahre später, nicht einmal mehr sagen kann, warum wir uns damals eigentlich in die Haare gekriegt haben. Vermutlich ging es darum, dass einer von uns mal wieder den Müll nicht rausgebracht hatte, oder die neuste Folge einer Serie, die wir gemeinsam schauen wollten, ohne den anderen angesehen hatte. Ich weiß es wirklich nicht mehr.

Was mir aber in Erinnerung blieb, war dieser eine Satz, der alles zwischen uns veränderte. „Ich brauche eine Pause von dir.“ Gesprochen von meinem damaligen Freund, und das auch noch während einer verbalen Auseinandersetzung. Ich war wie vor den Kopf gestoßen. Intuitiv wusste ich, dass es hier nicht um eine kurze Auszeit ging, bis die erhitzten Gemüter sich wieder beruhigt hatten, sondern eine richtige Pause. Eine Pause von unserer Beziehung.

Zwei Tage nach unserem Streit, als sich alles wieder etwas beruhigt hatte, setzten wir uns zusammen und redeten miteinander, ganz ruhig und sachlich. Es lief schon länger nicht mehr richtig gut zwischen uns, aber, da waren wir uns einig, die Gefühle füreinander waren noch vorhanden. Somit war es für meinen Freund ausgeschlossen, dass wir Schluss machen würden.

Er wollte lediglich eine Auszeit haben, um sich neu zu sortieren und auch mir die Chance geben, dasselbe zu tun. Einer Beziehungspause stand ich zwar skeptisch gegenüber, weil es für mich gleichbedeutend mit einer richtigen Trennung war, doch am Ende des Tages willigte ich ein. Ich wollte ihn nicht verlieren, und er mich offensichtlich auch nicht.

Gemeinsam stellten wir ein paar Regeln auf, an die sich während der Probezeit ohne einander jeder von uns zu halten hatte. Wir einigten uns auf einen Zeitraum von sechs Wochen, in denen wir beide keinen Kontakt zueinander haben würden, und tun und lassen würden, was wir wollten, ohne auch nur im Kopf auf den anderen und seine Gefühle Rücksicht nehmen zu müssen.

Es war praktisch wie eine richtige Trennung. Zwar sprach es keiner von uns aus, aber es war klar, dass während dieser sechs Wochen auch Liebeleien und Sex mit anderen kein Tabu waren. Nach Ablauf dieser Frist wollten wir uns treffen. Mit der festen Absicht, unsere Beziehung wieder zu beleben und es noch einmal miteinander zu versuchen. Wir glaubten beide nicht daran, dass sich an unseren Gefühlen füreinander etwas ändern würde, und genau das war der Grund, warum auch ich in eine Trennung auf Zeit einwilligte.

Wenn ich ehrlich war, konnte ich ein wenig Raum für mich alleine auch sehr gut gebrauchen. Da wir zusammen wohnten, musste einer von uns vorübergehend ausziehen. Die Entscheidung fiel auf meinen Freund, weil die Idee einer Beziehungspause von ihm gekommen war und er einen guten Kumpel hatte, in dessen WG gerade ein Zimmer freigeworden war, das er kurzfristig beziehen konnte. Wir verbrachten noch eine letzte Nacht miteinander, bevor er am nächsten Tag einen Koffer mit dem Nötigsten packte und verschwand.

Die ersten Tage ohne ihn waren wirklich hart. Ich fragte mich ständig, was er machte, und ob es ihm auch so schlecht ging wie mir, oder ob er seine neu gewonnene Freiheit genoss und durch die Clubs zog, mit fremden Frauen flirtete und die Zeit seines Lebens hatte. Es fühlte sich an wie Liebeskummer, dabei war mir gar nicht das Herz gebrochen worden.

Ich wünschte mir, dass es ihm gut ging, aber gleichzeitig, dass er mich so vermisste, dass er einfach anrief und die selbst auferlegte Kontaktsperre brach, während ich eisern dagegen ankämpfte, nicht diejenige zu sein, die zum Hörer griff und ihm sagte, dass es eine schwachsinnige Idee war, sich auf Zeit zu trennen.

Nach einer Woche Herzschmerz raffte ich mich das erste Mal so richtig auf und tat all die Dinge, von denen ich wusste, dass sie meinen Freund an mir störten. Ich hörte die furchtbarste Popmusik, die die Welt je gehört hat, auf voller Lautstärke, sang dazu laut in meine Haarbürste und ließ meine Kaffeetassen dort stehen, wo ich nun mal am liebsten meinen Kaffee trank, auf dem Fußboden direkt vor der Heizung.

Ich verbrachte Stunden in der Badewanne, wo ich einfach nur herum lag und träumte, und klatschte mir mehr Make-up ins Gesicht als es eine Dragqueen jemals tun würde. Ich rief meine Singlefreundinnen an, die ich zugegebenermaßen etwas vernachlässigt hatte, und ging mit ihnen bis in die frühen Morgenstunden tanzen, arbeitete Dinge ab, die ich schon ewig vor mir hergeschoben hatte und begann, wieder Klavier zu spielen.

Bereits in der dritten Woche merkte ich, dass das Vermissen weniger wurde und dass ich irgendwie Gefallen an meinem „Single-Leben“ fand. An einem Abend knutschte ich sogar mit einem Fremden, und auch wenn es sich etwas komisch anfühlte, genoss ich es doch irgendwie. Im Laufe der Zeit fühlte ich mich immer freier – und hatte das Gefühl, wieder mehr bei mir selbst anzukommen.

Genau sechs Wochen nach seinem vorübergehenden Auszug meldete sich mein Freund wieder. Wir verabredeten ein Treffen an einem neutralen Ort, wo wir ungestört miteinander über die vergangene Zeit und unsere Gefühle sprechen konnten, ohne von Erinnerungen überflutet zu werden. Schließlich wollten wir die Sache neutral angehen, uns weder streiten, noch direkt im Bett landen. Die Wahl fiel schließlich auf einen Park.

Das Wiedersehen verlief zwar herzlich, aber wir beide spürten, dass zwischen uns eine gewisse Distanz herrschte. Insgeheim merkten wir wohl beide, worauf es hinauslaufen würde, wollten dem jeweils anderen aber auch nicht auf die Füße treten. Wir machten ein bisschen Smalltalk, kamen dann aber recht schnell zur Sache. Meinem Freund war es fast genauso ergangen wie mir. Nach anfänglichen Zweifeln und ein bisschen Liebeskummer hatte auch er eine Richtung eingeschlagen, die während unserer Beziehung irgendwie auf der Strecke geblieben war.

Obwohl wir zu Beginn unserer Pause noch der festen überzeugung waren, dass wir nach einer kurzen Auszeit wieder zueinander finden würden, war klar, dass unsere Partnerschaft hier zu Ende gehen würde. Nicht, weil wir uns nicht mehr möchten, sondern weil wir beide gemerkt hatten, dass wir doch noch nicht bereit dazu waren, uns zu binden. Zwar schlossen wir nicht aus, es irgendwann noch einmal zu versuchen, doch jetzt und hier war nicht die Zeit dazu.

Und das war es. Eine Woche später zog er aus. Wir blieben in losem, freundschaftlichen Kontakt, trafen uns ein paar Mal auf ein Bier, aber mehr war es auch nicht. Einige meiner Freundinnen meinten, die Beziehungspause wäre eine dumme Idee gewesen, und dass er und ich noch immer zusammen wären, wenn wir uns nicht vorübergehend getrennt hätten. Ich wage diese These anzuzweifeln. Vielleicht hätten wir noch ein, zwei Jahre mehr geschafft, aber so richtig glücklich wären wir vermutlich nicht damit geworden.

Von daher war es wohl die richtige Entscheidung, die Liebe für einen Moment auf Standby zu setzen, auch wenn ich das in jetzigen Partnerschaften anders handhaben würde. Ich glaube durchaus, dass es Paare gibt, die nach einer solchen Bewährungsprobe wieder zusammenfinden. Ich habe für mich aber auch gemerkt, dass ich nicht der Typ für so etwas bin. Und bevor ich noch einmal eine Trennung auf Zeit eingehen würde, eher Schluss machen würde.

Die Fotografie stammt von SingSing Wade Kim
Der Text erschien in der Kategorie Liebe mit den Themen
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Tiny Tits: Mädchen mit kleinen Brüsten

Eigentlich müsste es mir ja egal sein, was andere Menschen über meine nicht ganz so groß geratenen Möpse denken. Schließlich gehen die nur mich was an. Sonst niemanden. Und wer auch immer gerade an ihnen herum lutscht, darf sich erst recht nicht beschweren. Hallo, du kommst in mein Haus, in mein Bet...
Tiny Tits: Mädchen mit kleinen Brüsten

Tiny Tits

Mädchen mit
kleinen Brüsten

Daniela Dietz

Eigentlich müsste es mir ja egal sein, was andere Menschen über meine nicht ganz so groß geratenen Möpse denken. Schließlich gehen die nur mich was an. Sonst niemanden. Und wer auch immer gerade an ihnen herum lutscht, darf sich erst recht nicht beschweren. Hallo, du kommst in mein Haus, in mein Bett und dann sind dir meine Titten zu klein? No way, Bitch!

Trotzdem ist es irgendwie ganz nett, dass es da draußen genügend Leute gibt, die nicht auf Palinas Megamelonen stehen, sondern auf handgroße Wundertüten, mit deren Kreation Allah zwar ein wenig sparsam war, die allerdings weder die Schwerkraft noch tellergroße Brustwarzen fürchten müssen. Kleine Titten sind cool, das predigen wir auf AMY&PINK in diversen Artikeln schließlich bereits seit Jahren.

Die Jungs und Mädels drüben im Onlineforum Tiny Tits, einem global geliebten Subreddit, feiern Göttinnen mit Mückenstichen regelrecht ab. Je kleiner, desto besser, möchte man meinen, aber selbst mittelgroße Brüste sind dort noch ein Grund mal so richtig auszurasten. Es ist doch irgendwie schön, wenn meine beiden Lieblinge endlich den Zuspruch bekommen, den sie verdienen.

Die Illustration stammt von William-Adolphe Bouguereau
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Spaß zu zweit: Ich liebe meine Mitbewohnerin

Ohne das Konzept Wohngemeinschaft wäre ich vermutlich schon lange tot. Jeder meiner vergangenen Mitbewohner rettete mir mindestens einmal das Leben. Egal ob ich den Gasherd anließ, mich in einer lauschigen Dezembernacht bei minus zwölf Grad Celsius in einem durchsichtigen Nachthemd aussperrte oder b...
Spaß zu zweit: Ich liebe meine Mitbewohnerin

Spaß zu zweit

Ich liebe meine
Mitbewohnerin

Lena Freud

Ohne das Konzept Wohngemeinschaft wäre ich vermutlich schon lange tot. Jeder meiner vergangenen Mitbewohner rettete mir mindestens einmal das Leben. Egal ob ich den Gasherd anließ, mich in einer lauschigen Dezembernacht bei minus zwölf Grad Celsius in einem durchsichtigen Nachthemd aussperrte oder beim Schlafwandeln eine Packung Erdnüsse aß, auf die ich nun mal mit Atemnot und einem raschen Anschwellen meines gesamten Kopfes reagiere. In letzter Sekunde kam immer der Mensch aus dem Zimmer nebenan, um mir zu Hilfe zu eilen.

Aber auch abgesehen von der Überlebenshilfe bringt das Zusammenwohnen viele Vorteile. Es ist billig, macht Spaß und es ist immer jemand da, dessen Kühlschrankfach gefüllt ist. Wobei das ja fast schon wieder unter Lebensrettung fällt. Außerdem finde ich es spannend, unterschiedliche Menschen und deren Lebensweisen kennenzulernen.

Ich liebe meine Mitbewohnerin abgöttisch. Wir haben den gleichen Modegeschmack, können ganze Abende damit zubringen über fette Mädchen in Röhrenjeans zu lästern und machen seit meinem Einzug vor einigen Monaten durchgehend die unterschiedlichsten Diäten, zwischen denen wir uns mit Schokolade und Kartoffelbrei vollstopfen, als gäbe es kein Morgen mehr.

Wenn ich abends nicht allein sein kann, macht sie eine Flasche Wein für uns auf, sie zwingt mich auszugehen, wenn ich Liebeskummer habe, und versichert mir am nächsten Morgen, dass der Typ, der mir eine falsche Telefonnummer gab, eine totale Hackfresse hatte. Eigentlich ist das alles ganz schön. Außer manchmal. Wenn ich sie töten möchte.

Weil sie nämlich genau die gleichen Klischeemacken hat, wie jeder andere Mitbewohner, mit dem ich bis jetzt das Vergnügen hatte. Alle haben sie eine Vorliebe für nächtliche Ruhestörung, eine Abneigung gegen das Spülen von Töpfen und Pfannen und obendrein leiden sie an chronischer Unfähigkeit, meine Lebensmittel von ihren eigenen zu unterscheiden.

Seitdem ich in WGs wohne, fühle ich mich bestens gerüstet für eine Zukunft als Mutter. Die wichtigsten Regeln für das Zusammenleben mit Mitbewohnern sind die gleichen, die auch für das Zusammenleben mit Kindern gelten. Erstens: Für Süßigkeiten, Alkohol und Drogen gibt es kein sicheres Versteck. Sie finden alles. Am besten schaffst du das Zeug gar nicht erst ins Haus. Zweitens: Sei um Gottes Willen ruhig beim Sex, wenn du nicht willst, dass sie irgendwann im Türrahmen stehen und schockiert zusehen. Drittens: Wenn sie am nächsten Morgen immer noch nicht da sind, besteht Grund zu Sorge. Immer.

Die auffälligste Gemeinsamkeit von Kindern und meiner Mitbewohnerin: Hinter dem süßen Kulleraugengesicht steckt ein unfassbares Zerstörungspotential. Ob sie nun gewaltsam den halbem Wasserhahn à la “Ich habe nur ganz normal zugedreht, ehrlich!” aus dem Waschbecken reißt, Telefonanschlüsse zerstört oder meinen ganzen Satz teurer Rotweingläser nach und nach beim Abspülen zerbricht.

Sie macht es nie absichtlich, aber dafür sehr konsequent. Aber das sind Dinge, über die man mit ein bisschen Übung hinwegsehen kann. Das regelmäßige „Wir haben übrigens deinen Wodka getrunken…“ ist dagegen nur schwer verzeihlich. Genauso wie die Tatsache, dass ich jeden zweiten Morgen kalt duschen muss, weil sie gerne mal drei Stunden lang das ganze warme Wasser verbraucht.

Wenn sie abends aus der Arbeit kommt, hat sie schlechte Laune. Wenn sie morgens aus dem Bett steigt auch. Und dazwischen sowieso. Ausserdem hat sie diese besondere Gabe, meinem Männerbesuch den Kopf zu verdrehen. Ich hasse es, wenn das passiert. Ständig muss ich die Pornofantasien meiner Freunde abkühlen, in denen wir mädchenhaft kichernd den ganzen Tag nackt durch die Wohnung tollen, und werde um das Privileg beneidet, sie morgens nach dem Duschen sehen zu dürfen.

In all diesen Momenten möchte ich mich an den Computer setzen und ein Wohnungsgesuch aufgeben. Nie wieder WG. Einfach mal Ruhe haben, nicht mehr das Stöhnen aus dem Nebenzimmer mit Hardcore-Musik übertönen müssen. In Hello-Kitty-Unterwäsche durch die Wohnung moshen, Slayer in einer angemessenen Lautstärke hören und nebenbei die Sexy Sport Clips im Nachtprogramm gucken. Endlich nackt und ungeschminkt auf dem Küchenboden sitzen und Nudelsuppe direkt aus dem Topf trinken, ohne dabei erwischt zu werden. Sturmfrei für immer. So stelle ich mir das wahre, das richtige Leben vor.

Naja, zumindest bis sie dann wirklich mal für ein paar Tage zu ihren Eltern fährt. Denn bereits nach 24 Stunden stelle ich fest, dass Misosuppe zum Frühstück allein irgendwie nur halb so gut schmeckt, dass es blöd ist, den sexy Nachbarn unten im Garten allein anzuschmachten und ich allein Angst im Dunkeln habe. Und in diesen Augenblicken wird mir bewusst, dass ich tatsächlich die Einzige bin, die das Privileg hat, zuzusehen, wie sie morgens, nach drei Stunden im Bad, nackt und nass aus der Dusche steigt. Fuck, so kann ich ihr einfach nicht böse sein.

Die Fotografie stammt von Womanizer WOW Tech
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Nachtgedanken: Das Ende der Welt

Eigentlich hattest du dich ja schon längst damit abgefunden, dass du seit Monaten weder richtig lachen noch weinen konntest. Zu einem gefühlsleeren Phantom in dieser ewig selben Berliner Welt verkamst, das von Party zu Party, von Mensch zu Mensch geisterte, und dennoch nicht mehr richtig teilnahm. A...
Nachtgedanken: Das Ende der Welt

Nachtgedanken

Das Ende
der Welt

Marcel Winatschek

Eigentlich hattest du dich ja schon längst damit abgefunden, dass du seit Monaten weder richtig lachen noch weinen konntest. Zu einem gefühlsleeren Phantom in dieser ewig selben Berliner Welt verkamst, das von Party zu Party, von Mensch zu Mensch geisterte, und dennoch nicht mehr richtig teilnahm. Am Leben. Alles war zu einem immer gleichen alltäglichen Brei verkommen. Egal wie angestrengt du auch suchtest.

Und dann sitzt du da und in einem einzigen Augenblick ändert sich alles. Du siehst es nicht. Keine Explosion, kein Schrei, kein Ende. Nichts. Nur du und dein Kopf und irgendein Schalter, der sich darin umlegte. Plötzlich. Und der dich dazu zwingt heraus zu stürmen aus der verkommenen Normalität.

Dann taumelst du mit Tränen in den Augen durch die Stadt. Nicht wegen der Liebe. Oder dem Tod. Oder Verlust. Oder verletztem Stolz. Sondern einfach, weil von einer auf die andere Sekunde irgendwas in dir brannte, was du längst unter “Verloren” abgelegt hattest. Und du nicht mehr klarkommst, nicht ver­stehst, du mit aller Gewalt an dem festhalten wolltest, was dich kaputt machte. Und das nun nicht mehr da war.

Betrunken und verwirrt rufst du deine Freunde an, verlangst nach einer Ordnung, einer Devise, irgendeiner Art von Vernunft. Aber die kann dir natürlich niemand geben. Weil keiner das Problem erkennt, weder du noch sie noch irgendwer. Was ist eigentlich dein Problem? Also schreibst du um 5 Uhr morgens irgendwelche pseudodepressiven Texte, die du am nächsten Tag mitsamt dem Rechner, auf dem sie erstellt wurden, in einen nahegelegenen Container werfen und in Ekstase zerfetzen möchtest.

Keine Playlist der Welt kann dich zu dieser vergessenen Zeit beruhigen und so bleibt dir nichts anderes mehr übrig als abzuwarten. Ob du dir das womöglich nicht alles nur einbildest. Auf Drama machst. Zu viel Bier. Oder zu viel Mensch. Oder zu viel Dunkelheit, die dich fragend anblickt und schulterzuckend auf den nächsten Sonnenaufgang verweist. Der wird schließlich schon wissen, was zu tun ist.

Wie ein trauriger Irrer verweilst du nun in deinem Bett, leicht vor und zurück wippend. Mit dieser Farblosigkeit im Blick. Wartend auf die Dinge, die da kommen mögen. Ein Satz, eine Information, die dich in einen wütenden Feuerball verwandelt. Damit du wenigstens noch mitmachen kannst. An der Zerstörung deines kleinen Universums. Denn in einem einzigen Augenblick ändert sich alles.

Die Fotografie stammt von Jonny Caspari
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Digitale Trennungen: Hast du mich gerade auf Facebook entfreundet?

Weiß noch jemand, wie verdammt unangenehm es in Zeiten ohne Facebook & Co., also früher, gewesen ist, beste Freundschaften zu beenden? Für jene, die sich kaum an ein Leben ohne soziale Netzwerke erinnern können, hier ein kleiner Erinnerungsschub: Man rief die betreffende Person an und machte ein Tre...
Digitale Trennungen: Hast du mich gerade auf Facebook entfreundet?

Digitale Trennungen

Hast du mich gerade auf Facebook entfreundet?

Daniela Lindner

Weiß noch jemand, wie verdammt unangenehm es in Zeiten ohne Facebook & Co., also früher, gewesen ist, beste Freundschaften zu beenden? Für jene, die sich kaum an ein Leben ohne soziale Netzwerke erinnern können, hier ein kleiner Erinnerungsschub: Man rief die betreffende Person an und machte ein Treffen aus. In einem Café. Oder in der Lieblingsbar. Oder eben gerade nicht in der Lieblingsbar, um den Ort der Freude nicht negativ zu konditionieren. Erinnerung ist schließlich ein fragiles Konzept.

Man traf sich dann und beendete die Freundschaft vis-à-vis. So mit anschauen und so, ihr wisst schon. Ja, dazu gehört natürlich etwas Mut. Und ja, es ist wahrscheinlich immer unangenehm, dem Gegenüber persönlich ins Gesicht zu sagen, dass man sich nun distanzieren möchte und ab dem jetzigen Moment keinen Wert mehr auf die Gesellschaft des anderen legt.

Vor allem dann, wenn man jahrelang unzertrennlich jeden Scheiß miteinander gelebt und erlebt hat und jetzt erklären muss, warum man nun getrennte Wege gehen möchte. Gründe dafür gibt es zahlreich: Sex mit dem Partner des anderen, Sex mit mehreren Partnern des anderen und natürlich vieles mehr.

Da saß einem nun ein Mensch gegenüber, den man über Jahre geschätzt, mit dem man viel Zeit verbracht und Gedanken geteilt hat. Höchstwahrscheinlich wurde man bei einem solchen Treffen Zeuge verschiedener Emotionen, wie Trauer, Enttäuschung oder Wut. Tränen flossen, böse Begriffe fielen, man lag sich schluchzend in den Armen und wünschte sich alles Gute für die Zukunft.

Dank Facebook kann man sich das Leben dies betreffend nun ungemein erleichtern: Stichwort Button „Freund/in entfernen“. Schwups. Weg. Erledigt. Emotionen Fehlanzeige. Falls man zu der eher zart besaiteten Abteilung gehören sollte, die mit dramatischen persönlichen Nachrichten als Reaktion auf das unsanfte Ende der besten Freundschaft nicht so gut klar kommt, kein Problem: Einfach mit „Blockieren“ einstellen, dass der andere einen in den Weiten von Facebook nicht mehr finden kann und man wird auf ewig seine Ruhe haben und auch nicht zu dem vollzogenen Schritt des „Entaddens“ Stellung nehmen müssen.

Bis vor kurzem war ich wirklich der festen Überzeugung gewesen, dass mir so etwas niemals passieren würde. Ich bin nämlich reif und besonnen und meine besten Freunde sind natürlich genauso reif und besonnen wie ich, sonst wären sie nicht meine besten Freunde, versteht sich. Bis vor kurzem war ich der festen Überzeugung gewesen, dass meine Freunde niemals Facebook nutzen würde, um ihren Standpunkt deutlich zu machen und ihre Bedürfnisse durchzusetzen.

Bis vor kurzem war ich der festen Überzeugung gewesen, dass zwischenmenschliche Beziehungen auch in Zeiten der Beschleunigung und der sozialen Netzwerke einen realen, fühlbaren Wert besitzen. Bis ich letzten Sommer von der Hochzeit einer Freundin in meine Wohnung in Wien zurückgekommen war und festgestellt habe, dass sie mich noch am Tag meiner Abreise aus Facebook entfernt hatte.

Ich kannte sie schon seit zwölf Jahren. Ich hatte sie seit einer gefühlten Ewigkeit nicht gesehen, den Weg von 900 Kilometer in den Norden von Deutschland aber trotz Geldmangels gerne in Kauf genommen, um am angeblich wichtigsten Tag in ihrem Leben dabei sein zu können. Eingeladen hatte sie mich per Facebook, ins Ausland telefonieren ist schließlich teuer, auch wenn es um eine Hochzeit geht.

Da sie mir versichert hatte, dass ich auf der ausklappbaren Couch in ihrem Wohnzimmer übernachten könne, war ich doch etwas verwundert, als sie mir am Abend vor ihrer Hochzeit eröffnete, dass ich mir die 120 mal 200 Zentimeter große Liegefläche mit drei Typen teilen sollte, die ich noch nie zuvor in meinem Leben gesehen hatte.

Ich meine, ich bin ja nicht unsozial, unnötig anspruchsvoll oder ähnliches, eine Isomatte hätte mir schon auch gereicht und wenn ich von dieser Platznot vor meiner Ankunft in Kenntnis gesetzt worden wäre, hätte ich mir auch meine beschissene Isomatte mitgenommen und mich auf ein freies Stück Boden verzogen und die Klappe gehalten.

Aber dem war nicht so und somit saß ich abends in einem kleinen Dorf, ohne weitere Übernachtungsmöglichkeiten, fest und versuchte mit den drei Typen klarzukommen, von denen sich einer bestimmt tagelang nicht geduscht hatte – wovon ich ausgegangen war, weil er sich während seines Monologs über Nachhaltigkeit mehrmals seine fettigen, ungewaschenen Strähnen aus dem Gesicht gestrichen hat.

Als ich meiner Freundin am Tag der Abreise und nach einer Nacht ohne Schlaf meinen Unmut verbal deutlich machte, indem ich ihr ganz direkt ins Gesicht sagte, wie scheiße ich ihr Verhalten finden würde, meinte sie nur, dass ich mich in den letzten Jahren verändert hätte und wir bestimmt irgendwann mal wieder voneinander hören werden.

Verändert? Nein ich hatte schon vor Jahren keinen Bock darauf gehabt, mich an ungewaschene Möchtegern-Hippies zu kuscheln. Voneinander hören? Damit meinte sie wohl, dass sie mich aus Facebook und Skype entfernen wird. Ich für meinen Teil saß ein paar Stunden später auf dem Weg nach Wien verwirrt auf meinem Sitzplatz im ICE – der mich eine unverschämte Summe gekostet hatte – und dachte darüber nach, wie man die Freundschaft wieder kitten könnte.

Zuhause angekommen starrte ich dann zunächst eine Weile fassungslos in den Bildschirm meines Notebooks, auf ihr Profilbild und auf das „Freund/in hinzufügen“, bis mich eine Welle der Erleichterung überkam. Nach zwölf Jahren emotionaler Auseinandersetzungen und Streitereien nun endlich ein glattes Ende.

Sie hatte mit meinem Exfreund gevögelt und ich hatte ihr verziehen. Sie hatte einen mit mir geplanten und bezahlten Urlaub platzen lassen – um mit ihrem neuen Freund zu vögeln, und ich bin allein gefahren und habe ihr verziehen.

Damals hatten wir noch kein Facebook. Damals haben wir uns getroffen, geredet, argumentiert, gestritten und uns schließlich wieder vertragen. Damals sind wir auf ein Bier und einen Jägermeister gegangen und haben uns gern gehabt. Damals, als sie mit meinem Freund geschlafen hat, saßen wir eben etwas länger zusammen, um zu reden. Damals, wenn wir schon Facebook gehabt hätten, ich hätte sie nicht gelöscht. Ganz sicher nicht.

Ich schaue immer noch auf ihr Bild, „Freund/in hinzufügen“ und auf einmal denke ich mir, ganz oder gar nicht und spüre, wie sich in mir all die aufgestaute Wut bündelt, die seit langem in mir brodelt und raus will, verliere jegliche Reife und Besonnenheit, klicke auf „Blockieren“ und mache damit für alle Zeit unmöglich, dass sie mich finden kann. Nie wieder. Ganz sicher.

Die Illustration stammt von Flamenco und Icons8
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Die ultimative Freiheit: Ist eine Weltreise wirklich die Lösung?

Ich habe funktioniert. Das halte ich mir bis heute vor. Ich habe funktioniert, und jedem dabei vorgemacht, dass es mir gut geht. In Wahrheit war ich am Ende meiner Nerven, lag nach der Arbeit fast regunglos auf der Couch und ließ mich von vorbeiflimmernen TV-Sendungen, Weed-Knospen und dem Gemurmel...
Die ultimative Freiheit: Ist eine Weltreise wirklich die Lösung?

Die ultimative Freiheit

Ist eine Weltreise
wirklich die Lösung?

Sara Navid

Ich habe funktioniert. Das halte ich mir bis heute vor. Ich habe funktioniert, und jedem dabei vorgemacht, dass es mir gut geht. In Wahrheit war ich am Ende meiner Nerven, lag nach der Arbeit fast regunglos auf der Couch und ließ mich von vorbeiflimmernen TV-Sendungen, Weed-Knospen und dem Gemurmel meiner Mitbewohner berieseln. Ich habe alles vergessen aus dieser Zeit, weil es nichts gibt, woran ich mich erinnern müsste. Nicht ein einziges Detal in sechs Monaten, das mir wichtig gewesen wäre.

Als ich beschloss, alles hinzuschmeissen und auf eine Reise zu gehen, war ich nervlich bereits am Ende. Dass ich den Mut und die Entscheidungskraft dafür aufbrachte, grenzte damals an ein Wunder. Zu auswegslos erschien mir meine Situation. Kein Abschluss, keine Perspektive, fast vollständig alleine und mitten im Anfang einer blühenden Depression. Ich hatte mir dieses Schicksal erarbeitet, indem ich allen Ratschlägen von Freunden und Familie den Fickfinger zeigte, um “mein eigenes Ding” zu machen.

Heute weiß ich selbstverständlich, dass es eben nicht die falsche Entscheidung war, das alles in seiner Summe wieder zu einem Gesamtbild führt, welches so natürlich erscheint. Aber damals war es hart, auf die Fresse zu fliegen mit der so angepriesenen Selbstständigkeit und Unabhängigkeit, für die man sich selbst geknebelt hat.

Also sparte ich mein Geld. Was anderes hatte ich auch nicht. Ich beschloss, weit weg zu fliegen und den scheinbar unerreichbaren Traum einer Weltreise zu verwirklichen. Ich wollte nicht einfach nur weg. Ich wollte mich auch selbst verlassen und all das, was den Zynismus in mich gehämmert hat. Die täglichen, mechanischen Routinen.

Aufstehen, anziehen, nicht nachdenken, U-Bahn fahren, arbeiten, Mittagessen, nicht nachdenken, nach Hause gehen, auf die Couch legen, nicht nachdenken. Jede Unregelmäßigkeit in diesem Alltag wurde mit nächtlichen Heulkrämpfen quittiert, die in ihrem Pathos kaum zu überbieten sind. Damals war dieses Gefühl des bodenlosen Verlustes das einzige, was in mir noch emotional funktionierte. Klar, es rettete mich, aber um welchen Preis?

Meine Schuhe, meine Klamotten, meine Möbel. Fast alles habe ich verkauft, verschenkt oder zerstört, um mir auf dieser Reise neue Ideale zu suchen. Kein Konsum mehr, nur noch ein Rucksack mit dem Nötigsten. Keine Kompromisse mehr. Nur noch da hin gehen, wo man sein will. Gefühle, Sinne und Charakter sammeln, einfangen, und dokumentieren. Nicht mehr nur ziellos für das Leben planen und sich von unerfüllten Vorstellungen enttäuschen lassen, sondern alles, was passiert, als einen wahr gewordenen Wunsch ansehen.

Ich verließ meine Wahlheimat und flog nach Südostasien, um ein neues Leben zu beginnen. Nein, natürlich wollte ich nicht “wegrennen”. Ich hatte mit niemandem auf dem Planeten Erde Stress und keiner wollte mir was antun. Ich war zufrieden damit, alles geschmissen zu haben und in einer angenehmen, freiheitlichen Perspektivlosigkeit zu schweben. Ich war sehr, sehr glücklich, mit der Tatsache, dass ich es mir selbst und alleine ermöglicht habe, diesen globalen Traum vom “Reisen”, egal in welcher Form, zu einem Fakt zu machen, zu einem Punkt in meiner Biografie, der sich nie wieder löschen lässt.

Nie war ich entschlossen, alles für immer zu verlassen. Aber im Hinterkopf spukte immer, auf der ganzen Reise, über fast acht Monate hinweg ein penetranter Gedanke, der sich nicht abschütteln ließ: vielleicht bleibe ich ja für immer weg. Vielleicht finde ich irgendwo einen Platz, an dem ich mich entfalten kann und glücklich bin, ohne das noch viel gemacht werden muss.

Aber ich wartete vergeblich auf diesen Moment der Epiphanie. Er kam nicht an den schönsten Wasserfällen Thailands, er kam nicht unter dem unfassbaren Sternenhimmel in Vietnam, er kam nicht inmitten der Ruinen von Angkor Wat, er kam einfach nicht. Etwas anderes kam dafür. Noch mehr Zynismus, noch mehr Unglück.

Ich blicke mit gemischten Gefühlen auf die Reise zurück. Was hatte ich mir vorgestellt? Man kann sich unmöglich von seiner Erziehung, seinem Wesen, seinem gesellschaftlichen Umfeld, seinem Charakter befreien, ohne eine sehr lange andauernde Generalüberholung durchzustehen. Einen Rucksack aufzuschnallen kommt dem nicht nahe.

Backpacking war für mich nur im touristischen Sinne erleuchtend. Es geht nicht mehr um die Suche nach verschollenen Kulturen und abenteuerlichen Begegnungen. Backpacking ist der Pauschalurlaub der modernen Hippies. Alles wird vorgekaut, und jeder Versuch, von den üblichen Trampelpfaden abzuweichen, ist umso schwerer geworden.

Aber wenn ich ehrlich bin: Es war mir egal, wie viele andere junge Menschen sich meinen Weg teilten. Ich stellte schnell fest, dass ich sowieso nicht alleine sein wollte. Mit ihnen wollte ich auch nicht da sein, aber alleine? Die einsamen Momente am Strand haben mich fast umgebracht. Jedes Mal, wenn ich mehr als zwei Tage ohne Internet, ohne meine Standleitung nach Hause verbringen musste, bin ich nervös geworden.

Wenn ich das so erzähle, entsteht schnell der Eindruck, ich würde es bereuen. Ein bisschen blitzt Reue nur dann auf, wenn ich mir vorrechne, was ich mit dem Geld sonst alles hätte anstellen können. Aber natürlich bereue ich diese Auszeit nicht. Sie hat mir die Richtung für die nächste Etappe gegeben. Nach Hause fahren, außerhalb des Plans. Nach Hause fahren und da anfangen, wo ich aufgehört habe. Zurück in die Großstadt und mich mit ihr vertragen. Dieser Prozess war nicht mehr so schwierig wie vor der Reise, als ich mich schon mit Berlin konsolidiert hatte. Nicht zuletzt dank meiner damals neu gewonnenen Freunde.

Mit all den Dingen, die seit meiner Rückkehr Anfang des Jahres passiert sind – Wohnung suchen, Arbeiten, Studium, Freunde, Beziehung, Geld, immer nur dieses scheiss Geld – war sehr wenig Zeit geblieben, um die Reise würdig zu reflektieren. Immer hat es mich gewurmt, dass ich nichts “mitgenommen” hatte, außer ein paar Anekdoten für unterhaltsame Bargespräche. Nicht mal meine Bräune ist noch da. Und der endlose Sommer, dem ich hinterhergechelt bin, den habe ich auch nicht gehabt.

Ich kam zurück und verfiel wieder dem Mist, der mich damals schon angekotzt hatte: Konsum, Fast Food, Oberflächlichkeiten, meine Internetabhängigkeit, mein Zynismus. Selbst die schönsten Momente in der Natur unberührter Länder sind in meiner Erinnerung nur noch verschwommen. Alle Menschen, die mir begegnet sind und nun ständig in meinem Facebook-Stream auftauchen, sind wieder – genauso wie ich – im Alltag angekommen, berichten von Arbeit, Kindern oder anderen Dingen, die in etwa so belanglos sind, wie das Leben eines jeden Roboters.

Es war eine schöne Zeit, keine Frage. Ich habe viel Inspiration gesammelt, viel gelernt, viel gemacht und vor allem habe ich sehr oft ausschlafen können, fast ein halbes Jahr lang nur Sonne erlebt, hatte unendlich viel Spaß. Aber der mir selbst auferlegte Druck “Du musst jetzt daraus etwas ziehen, du musst etwas für dich nach Hause mitnehmen!” hat es mir unmöglich gemacht, es als das zu erleben, was es nun einmal war. Eine Reise. Ein hin und wieder stressiger Urlaub, der sehr lange anhielt. Eine ziellose Auszeit, die für Entspannung sorgen sollte.

Ich habe es mir selbst versaut. Vielleicht ist das mein Key Learning. Dass ich nicht reisen muss, um glücklich zu sein. Was ich jetzt bin. Vielleicht habe ich es auch immer noch nicht gerafft, dass ich nichts mitnehmen musste, um die Reise als “Erfolg” anzusehen. In jeglicher Hinsicht. Immerhin frage ich auch jetzt noch laut nach einer Lernerfahrung, die nie stattgefunden hat. Oft aber gibt es Augenblicke, da macht das alles Sinn. Dann erzähle ich irgendwem davon, dass ich auf dieser Reise war, und es funkelt in seinen Augen und sie sind völlig fasziniert von der Idee, eines Tages aussteigen und für ein Jahr oder gar Jahre herumreisen zu können.

Viele Menschen teilen sich diesen Traum. Dann wird mir erst bewusst, dass ich ihn verwirklicht habe. Ich, für mich ganz alleine, habe etwas für mich, ganz alleine getan. Niemand muss dafür stolz auf mich sein, ich bin nicht einzigartig, aber ich weiß, was ich dafür durchhalten musste und wo ich jetzt dank dieser Entscheidung bin. Wenn mich also demnächst wieder jemand fragt, ob sich so eine Reise lohnt, dann werde ich ganz offen sagen: Jede Erfüllung eines Traumes lohnt sich, wenn man sie sich selbst schenkt. Auch, wenn man am Ende herausfinden muss, dass es nicht der eigene Traum war.

Die Fotografie stammt von Evan Krause
Der Text erschien in der Kategorie Reisen mit den Themen Afghanistan, Afrika, Ägypten, Albanien, Algerien, Amsterdam, Andorra, Angola, Anguilla,
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Prostitution im Studium: Ich bin jung und brauche das Geld

Vergiss alles, was du kanntest, denn jetzt bin ich da, um dir ein neues sinnliches Paradies zu erschließen. Das klingt gut. So kann ich meine Zukunft beginnen – ein erotisches Pathos, eine neue Handynummer und eine glatt rasierte Muschi. Jetzt muss mich nur noch jemand anrufen und schlappe hundert...
Prostitution im Studium: Ich bin jung und brauche das Geld

Prostitution im Studium

Ich bin jung und
brauche das Geld

Sarah Gerlach

Vergiss alles, was du kanntest, denn jetzt bin ich da, um dir ein neues sinnliches Paradies zu erschließen.“ Das klingt gut. So kann ich meine Zukunft beginnen – ein erotisches Pathos, eine neue Handynummer und eine glatt rasierte Muschi. Jetzt muss mich nur noch jemand anrufen und schlappe hundert Euro übrig haben. Ich starre auf den Bildschirm und sehe sie vor mir. In drei kurzen Sätzen zusammengefasst und mit vier Nacktbildern verziert: Meine glorreiche Zukunft als Prostituierte.

Das war so nicht geplant. Ich habe Abitur gemacht, meine Praktika bei mehr oder weniger namhaften Zeitungen absolviert. Immer mit erstklassigen Bewertungen und dem Versprechen, angerufen zu werden, sobald es eine freie Stelle für mich gibt. Ich habe hart an mir gearbeitet und eloquent geschrieben. Angerufen hat aber keiner. Zurückgerufen auch nicht.

Jetzt sitze ich also an meinem stotternden Toshiba-Computer und stelle Erotikannoncen ins Netz. Die Bilder habe ich mit meiner Webcam gemacht, die Dessous von meiner Freundin ausgeliehen. Der Text ist inspiriert von einer erfahrenen Nutte, die sich im Internet Wildkatze nennt.

Es ist nicht so, als hätte ich nicht auch einen anderen Job machen können. Kassiererin vielleicht. Oder Eisverkäuferin. Mit Putzen hätte ich meine Probleme, aber wenn das Geld stimmt? Ich dachte darüber nach, recherchierte, wurde fündig. Reinigungsfachkraft für 6,50 Euro die Stunde. Da brauchte ich nicht lange rechnen. Klodeckel bezahlen mir die Monatsmiete nicht. Was blieb dann noch? Die Antwort war einfach: Sex.

Darin bin ich eigentlich nicht besonders gut. Das darf man nicht falsch verstehen. Es ist nicht so, dass ich nicht gerne mit Männern schlafe. Für gewöhnlich empfinde ich aber etwas dabei. Nicht immer Liebe, klar. Aber wenigstens Angst vor einer kalten Nacht. Oder ich bin hemmungslos betrunken. Da wirkt die Nacht meist noch viel kälter als sonst, muss ich zugeben. Da kann es schon mal sein, dass aus der anfänglichen Seelenverwandtschaft nicht viel mehr entsteht als der kurze Rausch vom selben Schnaps.

Aber so? Ganz ohne Abhängigkeitsbekundungen, ohne verzweifeltes Mundaneinanderpressen, ohne stundenlanges Warten auf den Rückruf? Ich weiß nicht. Na gut, warten muss ich jetzt ja auch. Auf den ersten Anruf. Da geht es nur nicht um Liebe, sondern um die nächste Miete. Liegt das wirklich so weit auseinander?

Ich bin aufgeregt. Mein Herz pumpt einen Haufen Adrenalin in meinen Körper. Das passt nun überhaupt nicht. Was soll ich sagen, wenn das Telefon klingelt? Muss ich meine Stimme verstellen? Hat Pamela Anderson eigentlich erst den Rock ausgezogen oder das Hemd? Das sind so Fragen. Ich weiß ja nicht einmal, wie man ein Kondom richtig überzieht.

So etwas lernt man in der Schule nicht. Da schaut man bunte Katzenfilme, diskutiert über Spermien und Eierstöcke. Aber Kondomüberziehen? In meinen Beziehungen habe ich immer darauf verzichtet. Stört die partnerschaftliche Bindung, finde ich. Ein Stück Kautschuk in einem drin, wie soll denn da Romantik aufkommen?

An AIDS sterben will ich aber nicht. Mit zwanzig ist man zwar nicht unbedingt erwachsen, aber an die Zukunft denkt man schon, zumindest ab und zu. Außerdem muss Sex für Geld nicht unbedingt romantisch sein. Dennoch, wie soll er denn sein? Mir gehen sämtliche Horrorszenarien durch den Kopf. Ich habe weder Lederröcke noch Peitschen zu Hause.

Von Kliniksex erst kurz zuvor gehört. Ich schaue manchmal Pornos. Aber nur die, in denen sich die Pärchen küssen. Küssen kann ich noch am besten. Aber das fällt bei Sex für Geld ja flach. Blasen bekomme ich vielleicht noch hin, wenn der Mann mir da ein bisschen hilft. Das will jeder schließlich anders haben. Doch was mache ich, wenn der Kerl über mich drüber rutscht? Muss ich dreckige Wörter sagen und laut schreien, wenn ich so tue, als würde ich kommen?

Meine Partner haben sich nie bei mir beschwert. Aber die haben auch kein Geld bezahlt. Ich bin verunsichert und nervös. Ich kann nicht fassen, so viel Sex gehabt zu haben, ohne je etwas darüber zu wissen. Die Illusion einer unwiderstehlichen Erotikbombe, die ich von mir hatte, zerbricht in viele kleine Teile. Das Fazit: Ich bin noch richtig unschuldig.

Das Jobcenter hilft einem da auch nicht gerade weiter. Es sollte eine Weiterbildung geben. Trockenübungen vielleicht. Selbsthilfegruppen für Anfänger. Da kann man fragen, was man so macht, wenn vor der Haustür ein monströses sechzigjähriges Tier auf einen wartet und dann in der Wohnung masturbiert. Ganz haarig, eingehüllt in Schweiß und Feierabendbier, frisch von der Baustelle. Da flüchte ich eigentlich schon, wenn sich der nur neben mich in die Straßenbahn setzt.

Ich sitze da und warte. Was soll ich nur tun, wenn das Telefon klingelt? Ich starre auf meine nackten Brüste auf dem Bildschirm, dann auf mein Handy. Immer im Wechsel. Das ist viel schlimmer als die Abiprüfung. Als das Telefon klingelt, nehme ich nicht ab. Ich kann einfach nicht. Ich lösche die Kontaktanzeige, den Traum vom schnellen Geld, den ersten Millionen auf dem eigenen Konto.

Was, wenn die ganze Sache auffliegt? Wenn Mama nicht mehr reden will, wenn mir Papa nichts mehr zu sagen hat? Ich seufze. Mein Mut reicht nicht weit genug. Ich fürchte mich vor Repression, vor zerbrechenden Bindungen, vom gesellschaftlichen Selbstmord. Das kleine Mädchen, das sich in der Abizeitung über Intimbehaarung ausgelassen hat, widersteht nicht dem sozialen Druck. Immer eine große Klappe gehabt, nie sind den schönen Worten Taten gefolgt. Das war schon immer so.

Es ist nicht leicht, Prostituierte zu sein. Jede Frau, die sowas macht, besitzt meine volle Bewunderung. Ganz im Ernst. Was würde dieses haarige Bauarbeitertier denn machen, wenn es keine Frau gibt, die bereit ist, für Geld mit ihm zu schlafen? Prostituierte wenden eine Menge Schaden von uns ab. Vielleicht sind sie sogar die wahren Retter unserer Gesellschaft.

Dennoch. Mein sinnliches Paradies, von dem ich schrieb, gibt es in Zukunft wohl nur noch mit der Illusion von Liebe. Oder betrunken an der Bar. Meistens dann umsonst. Wenn mir aber mal jemand einen Fünfzigeuroschein in die Tasche schieben will, habe ich trotzdem nichts dagegen. Ich öffne das Schreibprogramm und tippe in langsamen Abständen Wörter in das weiße Feld: Bewerbung als Kassiererin. Nicht besonders lukrativ. Aber für den Einzelhandel hatte ich schon immer ein Herz.

Die Fotografie stammt von Garin Chadwick
Der Text erschien in der Kategorie Sex mit den Themen
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Make-Up: Ich darf mit meinem Gesicht machen, was ich will!

Mir wird relativ häufig gesagt, dass ich ohne Make-Up viel hübscher aussehe als mit. Meistens in Verbindung mit Du brauchst diesen ganzen Kram gar nicht! oder Männer stehen auf Natürlichkeit!. Zu all diesen Menschen, die solche Sätze von sich geben, habe ich genau eins zu sagen: Fickt euch! Es g...
Make-Up: Ich darf mit meinem Gesicht machen, was ich will!

Make-Up

Ich darf mit meinem
Gesicht machen,
was ich will!

Nadine Kroll

Mir wird relativ häufig gesagt, dass ich ohne Make-Up viel hübscher aussehe als mit. Meistens in Verbindung mit „Du brauchst diesen ganzen Kram gar nicht!“ oder „Männer stehen auf Natürlichkeit!“. Zu all diesen Menschen, die solche Sätze von sich geben, habe ich genau eins zu sagen: Fickt euch! Es geht euch gar nichts an, ob und wie viel Zeug ich mir ins Gesicht schmiere.

Und Dinge wie „Du siehst heute sehr blass aus, bist du krank?“, könnt ihr euch auch sparen. Ich bin nicht krank, ich bin einfach nicht geschminkt. Und dazu meistens noch ziemlich unausgeschlafen, weil ich die Nacht entweder mit lernen, mit feiern oder mit Vögeln verbracht habe. Hört doch bitte einfach auf, mein Aussehen zu kommentieren.

Ich schminke mich verdammt gerne. Und zwar nicht nur, weil ich mich mit Make-Up attraktiver finde. Mir gefällt meine Fresse auch ohne den ganzen Kram ganz gut. Aber schminken macht mir nun mal Spaß und ich liebe es, dass ich damit mein Gesicht verändern kann, wie es mir beliebt. Ich trage Make-Up grundsätzlich für mich und nicht für andere.

Wenn ich also meine Augenringe unter einer dicken Schicht Concealer verschwinden lassen will, ist das meine Sache. Ich hab kein Problem damit, anderen Leuten die dunklen Schatten unter meinen Augen zu präsentieren. An manchen Tagen kotzen sie mich einfach selbst so an, dass ich sie überschminken muss. Selbiges gilt für Pickel. Insbesondere die, die aufgrund erhöhten Drogenkonsums entstanden sind. Es ist schon okay, dass sie da sind. Ich will sie bloß nicht immer sehen.

Natürlich trägt ein großer Teil der Frauen auch heute noch hauptsächlich Make-Up, weil das zu einem „tadellosen Erscheinungsbild“ dazu gehört. Es sind aber eben nicht alle. Und wie immer sollte hier nicht die Frau an sich hinterfragt werden, sondern eher die Gesellschaft, die erwartet, dass Frauen immer adrett gekleidet sowie perfekt frisiert und geschminkt sind. Es braucht verdammt viel Kraft, sich von diesen Erwartungen zu lösen und drauf zu scheißen, was andere über dein Aussehen sagen. Wenn nicht jeder ständig die Optik einer Frau kommentieren müsste, egal ob positiv oder negativ, wäre es um ein Vielfaches einfacher.

„Ihr Frauen habt’s so gut! Ihr könnt einfach alle Makel überschminken!“ Wer hat denn behauptet, dass es für Männer nicht okay ist, sich eine dicke Schicht Make-Up in die Fresse zu klatschen, das Gesicht nach Belieben zu konturieren, um die Stirn etwas kleiner und die Nase schmaler erscheinen zu lassen, oder knallpinken Lippenstift zu tragen? Ach, die Gesellschaft war’s! Entschuldigung, aber wenn du dir als Kerl von „der Gesellschaft“ verbieten lässt, dich zu schminken, weil sich das für einen „echten Mann“ nicht gehört, hast du einfach keine Eier in der Hose.

Es spricht absolut nichts dagegen, auch als Mann die eigenen Pickel oder Augenringe mit Concealer abzudecken. Ist alles eine Frage der Prioritäten. Und wenn es du dich als Mann mit deinen sogenannten „Makeln“ in unserer Gesellschaft wohler fühlst als mit ein bisschen Schminke, weil du Angst hast, man könne dich für die Verwendung von Make-Up verurteilen, beschwer dich halt auch darüber, dass Frauen alles abdecken „dürfen“ und du nicht.

Generell sind es eigentlich immer die Männer, die motzen, wenn es um das Thema Make-Up geht. Es ist immer zu viel oder zu wenig. Der einzige Look, der durchweg akzeptiert ist, ist der, bei dem die Frau sich zwanzig Tonnen Schminke ins Gesicht schmiert, nur um möglichst ungeschminkt auszusehen. Auf YouTube gibt es hunderte Tutorials dazu, wie das mit nur 58 verschiedenen Produkten funktioniert. Prinzipiell ja eine ganz gute Idee, aber in meinen Augen völlig unnötig. Wenn ich Make-Up trage, dann will ich das auch sehen. Und der „ungeschminkt“-Look funktioniert am besten, indem man einfach das tut, was das Wort schon sagt. Nämlich sich nicht schminken.

Die Entscheidung, ob und vor allem wie man sich schminkt, sollte dennoch jedem Menschen selbst überlassen werden. Es hat überhaupt nichts mit „Falschheit“ zu tun oder „jemandem etwas vormachen“. Ein bisschen, oder auch extrem viel, Make-Up ändert nichts am Charakter eines Menschen. Oder an seinen Qualitäten im Job. Oder, oder, oder. Der Spruch „Wer mich ungeschminkt nicht mag, hat mich geschminkt nicht verdient!“, ist genauso schwachsinnig wie „Ich schminke mich nicht, weil ich nichts zu verbergen habe!“. Alleine deshalb schon, weil solche Sätze immer als Rechtfertigung vor anderen benutzt werden.

Verdammt, steht doch einfach dazu, wenn ihr euch gerne die Augen dick mit schwarzem Kajal umrandet oder kein Make-Up benutzt, weil ihr euch ohne einfach schöner findet. Oder lediglich zu faul seid, euch zu schminken. Selbst wenn ihr euch das Gesicht jeden Tag in der Farbe einer Deutschlandflagge anmalt, geht das niemanden etwas an. Es vermittelt ein komisches Signal, definitiv, aber eigentlich darf niemand eure Intension dahinter hinterfragen. Niemand außer euch selbst.

Die vielzitierte Natürlichkeit wird genauso überbewertet wie ein Lippenstift von Chanel. Man sollte immer das tun und tragen, mit dem man sich wohl fühlt. Und das bezieht sich jetzt nicht nur auf Schminke, sondern auch auf Kleidung. Und den Charakter selbst.

Jeder Mensch kann für sich selbst entscheiden, ob und wie er sich schminkt. Ob er oder sie gerne Röcke trägt oder auf Unterwäsche verzichtet. Jeder Mensch hat einen Einfluss darauf, ob er ein Arschloch ist oder nicht. Schlechte Eigenschaften lassen sich genauso ablegen wie Make-Up. Es liegt eben nur nicht an Fremden, zu bestimmen, was man zu tun oder zu lassen hat, sondern immer an einem selbst.

Liebe Mädchen. Liebe Jungs. Schmiert euch in die Fresse, was ihr euch in die Fresse schmieren wollt. Ganz egal, ob das nun fünf Schichten Concealer und Rouge oder eine Schicht Nutella ist. Zieht an, was ihr anziehen wollt. Wenn ihr ab morgen eure Unterhose wie Doug Funnie auf dem Kopf tragen wollt, dann macht das. Benehmt euch, wie es euch beliebt.

Aber hört bitte damit auf, andere Menschen für ihr Erscheinungsbild zu judgen. Es geht euch nämlich gar nichts an, warum jemand wie aussieht und was er eventuell damit ausdrücken will. Meistens hat die Optik nämlich gar nichts über eine Person zu sagen. Zumindest nicht mehr als „Ich finde das geil, also mache ich das so.“

Die Fotografie stammt von Oz Seyrek
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Nihon Noir: Tokio bei Nacht

Tokio ist natürlich nicht nur am Tag schön, wenn die bunt angezogenen Schulmädchen durch Harajuku streifen, hektische Anzugträger ins Büro eilen und verliebte Pärchen im Yoyogi-Park picknicken, sondern ganz besonders auch nachts, wenn die Stadt im Dunkeln versinkt und die unzähligen Neonlichter die...
Nihon Noir: Tokio bei Nacht

Nihon Noir

Tokio bei
Nacht

Marcel Winatschek

Tokio ist natürlich nicht nur am Tag schön, wenn die bunt angezogenen Schulmädchen durch Harajuku streifen, hektische Anzugträger ins Büro eilen und verliebte Pärchen im Yoyogi-Park picknicken, sondern ganz besonders auch nachts, wenn die Stadt im Dunkeln versinkt und die unzähligen Neonlichter die Häuser in unnatürlich grelle Lichter hüllen.

Gerne spaziere ich nachts durch die kleinen Gassen der Megametropole. Vorbei an betrunkenen Geschäftsmännern, die sich die Krawatten um die Köpfe gebunden haben. Vorbei an winzigen Supermärkten, die auch um diese Zeit um die Besucher buhlen. Und vorbei an lecker duftenden Ramen-Restaurants, in denen so manch einsames Herz ein wenig innere Wärme sucht.

Der aus dem australischen Melbourne stammende Fotograf Tom Blachford hat Tokio mit seiner Bilderserie „Nihon Noir“ in eine fantastische Cyberpunk-Fantasie verwandelt, die direkt aus „Blade Runner“ oder „Ghost in the Shell“ entstammen könnte, und so bewiesen, dass die gigantische Stadt im fernen Osten vielleicht gerade bei Nacht ihr wahres Gesicht zeigt.

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Die Fotografie stammt von Tom Blachford
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Wie lebt man mit Krebs? Der Feind in meiner Brust

Das heißt im Klartext, Sie haben zwar diesen kleinen Knoten in der Brust, aber keinen Krebs. Die Ärztin lächelt mich an. Ich weiß nicht, wie ich jetzt reagieren soll. Ich lächle zurück. Vor Kurzem fand sie besagten Knoten bei einer Vorsorgeuntersuchung. In meiner linken Brust. Die ist statistisch...
Wie lebt man mit Krebs? Der Feind in meiner Brust

Wie lebt man mit Krebs?

Der Feind in
meiner Brust

Lena Freud

„Das heißt im Klartext, Sie haben zwar diesen kleinen Knoten in der Brust, aber keinen Krebs.“ Die Ärztin lächelt mich an. Ich weiß nicht, wie ich jetzt reagieren soll. Ich lächle zurück. Vor Kurzem fand sie besagten Knoten bei einer Vorsorgeuntersuchung. In meiner linken Brust. Die ist statistisch gesehen häufiger betroffen, wie ich später nachlese.

Sie erwähnte zum ersten Mal das Wort “Brustkrebs”. Und ich bekam ein komisches Gefühl. Jetzt scheint es sich in Luft aufzulösen. Das denke ich zumindest. Denn noch Tage später ertappe ich mich bei diesem kleinen, aufdringlichen “Was wäre wenn?”-Gedanken. Ich möchte mit jemandem darüber sprechen.

In einem Forum lerne ich Sabrina kennen. Sie ist 34 Jahre alt und wohnt in Saarbrücken. Wir verabreden uns für den Abend zu einem spontanen Skype-Interview. Sabrinas Gespräch nach der Mammographie verlief anders als meines.

Sabrina hat Brustkrebs. Als ich die Webcam einschalte, lächelt mir eine hübsche Frau entgegen. Ich bin überrascht. Sie sieht nicht krank aus, trägt dezentes Make Up und Schmuck. Nur der bunte Schal, den sie sich um den Kopf geschlungen hat, lässt vermuten, dass die Chemotherapie, die Sabrina vor Kurzem über sich ergehen lassen musste, Spuren auf ihrem Körper hinterlassen hat.

Hallo Sabrina. Ich freue darauf, ein wenig mit dir über deine Krankheit zu sprechen.

Danke, ich finde das Thema sehr wichtig und erzähle meine Geschichte nicht zum ersten Mal. Brustkrebs ist ein Thema, das uns alle an geht, das jeden treffen kann. Selbst Männer können erkranken. Die richtige Vorsorge ist wichtig, Früherkennung kann, natürlich nicht nur bei dieser Krebsart, in so vielen Fällen Leben retten.

Ich finde es bewundernswert, dass dir Aufklärung und Prävention so wichtig sind. Schließlich steckst du ja noch mitten in dieser Geschichte drin. Ist das nicht anstrengend?

Nein. Ich will über dieses Thema sprechen. Seit der Diagnose habe ich viel darüber gelesen, ich bin ein richtiger Experte auf dem Gebiet geworden. Manchmal sind die Ärzte beeindruckt von meinem Wissen. Das klingt jetzt blöd, aber ich will meinen Feind so gut wie möglich kennen. Und andere sollten das auch tun.

Nein, das klingt ganz und gar nicht blöd. Ich habe mich ja bis zur Diagnose auch recht umfassend informiert. Wie hast du erfahren, dass du Krebs hast?

Bei einer Routineuntersuchung beim Frauenarzt. Und da war er dann. Ein relativ großer, überraschend harter Knoten. Die Ärztin ließ mich selbst daran fühlen. Ich erschrak, weil ich ihn nicht schon vorher entdeckt hatte. Da wuchert etwas still und leise in deinem Körper vor sich hin und dann merkst du es nicht einmal. Es folgten einige Untersuchungen. Dann der Befund. Brustkrebs. Vermutlich hätte ich in Panik verfallen sollen, über den Tod nachdenken oder sonstwas. Aber ich saß nur da und fühlte mich taub.

Ich wusste nichts über Krebs, hatte keine Ahnung, was da vor sich ging und wie ich behandelt werden würde. Und ich hatte auch kaum Zeit dazu. Die folgenden Ereignisse rissen mich einfach fort. Der Tumor musste entfernt werden, dabei musste man mir die linke Brust abnehmen. Ich empfand das als enormen Eingriff in meine Weiblichkeit, auch wenn es eine lebensrettende Notwendigkeit war.

Es folgten Chemotherapie und Bestrahlung, wohl die Schlimmste Zeit meines Lebens. Alles zehrte mich aus, ich wartete nur noch auf den Tag, an dem die Behandlung endlich zu Ende sein würde. Ich wusste nicht, wie viel ich noch ertragen sollte.

Nach der Therapie schloss ich mich einer Selbsthilfegruppe für betroffene Frauen an und machte eine Psychotherapie sowie eine Reha. Ich erholte mich und setzte mich mit dem Thema auseinander. Begann mich langsam wieder aufzubauen und mich über Brustkrebs zu informieren.

Aber damit war deine Geschichte noch nicht zu Ende.

Richtig. Vor Kurzem entdeckte ich selbst etwas Beunruhigendes in meiner aufgebauten Brust und ging zum Arzt. Der Tumor von damals war nicht komplett heraus operiert worden und auch nicht durch die Chemotherapie besiegt. Also wieder Krebs.

Hast du dich anders gefühlt, jetzt, wo du wusstest, wie die Behandlung verlaufen wird?

Ja. Weißt du, nach der ersten Therapie, insbesondere der schrecklichen Bestrahlung, habe ich immer gesagt: „So etwas mache ich nie wieder. Lieber sterbe ich, als nochmals durch diese Hölle zu gehen!“ Aber es kam natürlich anders.

Ich hatte einen überraschend großen Überlebenswillen entwickelt, war gestärkt aus der ersten Krise hervorgegangen, und wollte jetzt, beim zweiten Mal, dem Krebs ganz bewusst den Kampf ansagen. Ich setzte mich bei den Ärzten durch, bestand auf eine Chemotherapie, wollte keine Bestrahlung mehr. Ich stellte meinen Lebensstil um, ernähre mich jetzt gesünder, komme zu Ruhe und achte sehr genau auf mich.

Wie siehst du deine Zukunft?

Realistisch.

Das heißt?

Ich habe den Krebs nicht besiegt. Und wenn es soweit ist, kann er immer wieder kommen. Aber ich habe gelernt zu kämpfen. Ich liebe mein Leben, habe einen tollen Ehemann, der mich unterstützt, wo es nur geht. Aber ich lebe nicht in einer Traumwelt. Der Krebs hat mir viel genommen. Ich möchte, dass die Menschen Bescheid wissen, über das, was mit ihnen passieren kann. Darüber, dass es hart ist.

Aber niemand sollte, so wie ich bei meiner ersten Behandlung, so ohnmächtig und hilflos mit ansehen, wie das alles passiert, ohne zu wissen, was geschieht. Mit dem Wissen über meine Erkrankung habe ich ihr den Schrecken genommen. Ich weiß, dass ich Chancen auf Heilung habe. Und die werde ich ergreifen. Ich werde garantiert nicht aufgeben.

Die Illustration stammt von Icons8
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Battle Royale: Der beste Teeniefilm der Welt

Damals, im Jahr 2002, war das Internet nicht nur unglaublich langsam, sondern wurde auch nach Minute abgerechnet. Der einzige richtige Film, den ich mir damals illegal durch FrostWire zog, weil das ungefähr zwei Tage lang dauerte und wahrscheinlich mehr kostete als eine Monatsrente, war Battle Royal...
Battle Royale: Der beste Teeniefilm der Welt

Battle Royale

Der beste Teeniefilm
der Welt

Marcel Winatschek

Damals, im Jahr 2002, war das Internet nicht nur unglaublich langsam, sondern wurde auch nach Minute abgerechnet. Der einzige richtige Film, den ich mir damals illegal durch FrostWire zog, weil das ungefähr zwei Tage lang dauerte und wahrscheinlich mehr kostete als eine Monatsrente, war Battle Royale. Ich musste ihn unbedingt sehen, nachdem irgendwo ein überaus blutiger Trailer aufgeploppt war.

Die Story ist schnell erklärt: Eine japanische Schulklasse wird auf einer verlassenen Insel ausgesetzt, um sich dort gegenseitig mit Pistolen, Schwertern und Pfannen die Köpfe einzuschlagen. Derjenige, der überlebt, darf zurück zu seiner Familie. Die anderen… naja… sind tot. Battle Royale ist ein Gedankenexperiment, das aufzeigt, was passiert, wenn Liebende und Freunde plötzlich zu Feinden werden.

Der YouTuber Nerdwriter geht sogar noch einen Schritt weiter. In seinem Video erklärt er, warum Battle Royale der beste Teeniefilm aller Zeiten ist. Er gehe nämlich an die Grenzen des mentalen Spektrums und würde dokumentieren, an welchem Punkt sich Psychen ändern, logische über emotionale Entscheidungen siegen und Menschen ihre gesellschaftliche Normung bekämpfen. Und es geht um Liebe. Um die erste, große Liebe.

Battle Royale: Der beste Teeniefilm der Welt
Die Fotografie stammt von Toei
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Mädchen in Toronto: Zuhause mit Sarah Nicole Harvey

Sagt doch einfach mal Hallo zu Sarah Nicole Harvey, der hübschen Muse, die gleichzeitig auch noch Model, Künstlerin und Fotografin ist und in Toronto ihr kreatives Unwesen treibt. Und, nein, sie ist kein Charakter aus der Serie Pretty Little Liars. Zumindest glauben wir das. Man weiß heutzutage ja s...
Mädchen in Toronto: Zuhause mit Sarah Nicole Harvey

Mädchen in Toronto

Zuhause mit Sarah
Nicole Harvey

Daniela Dietz

Sagt doch einfach mal Hallo zu Sarah Nicole Harvey, der hübschen Muse, die gleichzeitig auch noch Model, Künstlerin und Fotografin ist und in Toronto ihr kreatives Unwesen treibt. Und, nein, sie ist kein Charakter aus der Serie Pretty Little Liars. Zumindest glauben wir das. Man weiß heutzutage ja schließlich nie so genau, nicht wahr? Eben.

Sarah ist jetzt seit einigen Jahren in der „Industrie“, wie sie es nennt, dabei. Sie modelte für Brautmoden und Beautyprodukte, sie stand für teure Mode und ganz ohne Klamotten vor der Kamera und sie nimmt den Fotoapparat auch gerne mal selbst in die Hand und verewigt sich damit am liebsten selbst – solange eben niemand anderes da ist, den sie ablichten kцnnte.

Ihre neueste Selbstportraitserie entstand für Sticks & Stones und heißt „Bored Stiff“. Natürlich war Sarah auch schon in anderen Magazinen zu sehen. Zum Beispiel der italienischen Vogue, dem Nakid Magazine und dem Boathouse Stores, aber manchmal, da liebt sie es einfach in einem kleinen Rahmen zu agieren. „Ich mache mir einen heißen Kaffee, zünde mir eine Zigarette an und ziehe mich aus,“ erzählt uns Sarah Nicole Harvey. Schließlich sei sie immer gelangweilt, immer unruhig, immer unbefriedigt. Ich verstehe dich, Sarah. Ich verstehe dich total…

Sarah Harvey Sarah Harvey Sarah Harvey Sarah Harvey Sarah Harvey Sarah Harvey Sarah Harvey Sarah Harvey Sarah Harvey Sarah Harvey
Die Fotografie stammt von Sarah Nicole Harvey
Als Model ist Sarah Nicole Harvey zu sehen
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Sexting für Anfänger: Die geheime Kunst der digitalen Nacktfotos

Alte Leute haben einen besonders kreativen Begriff dafür erfunden, wenn ihr euren Kommilitonen Nacktfotos von euch schickt: Sexting. Und weil sie nicht gerade begeistert davon sind, dass wir uns gegenseitig unsere primären und sekundären Geschlechtsteile zeigen, gibt es immer wieder Aufklärungs- und...
Sexting für Anfänger: Die geheime Kunst der digitalen Nacktfotos

Sexting für Anfänger

Die geheime Kunst der digitalen Nacktfotos

Daniela Dietz

Alte Leute haben einen besonders kreativen Begriff dafür erfunden, wenn ihr euren Kommilitonen Nacktfotos von euch schickt: Sexting. Und weil sie nicht gerade begeistert davon sind, dass wir uns gegenseitig unsere primären und sekundären Geschlechtsteile zeigen, gibt es immer wieder Aufklärungs- und Medienkampagnen, die uns davor warnen und abhalten sollen, die eigenen entblößten Körper quer durchs Internet zu schicken.

Da uns allen klar ist, welchen Nutzen solche Initiativen haben, nämlich gar keinen, und dass sich Professoren, die sich immer wieder laut und öffentlich empören, wahrscheinlich selbst erst mal einen runterholen, wenn sie Nudes ihrer eigenen Studentinnen im Internet entdecken, gibt es an dieser Stelle wertvolle Tipps für digitale Nacktfotos – damit ihr am Ende nicht allzu doof da steht, wenn die halbe Uni sie in die Finger bekommt.

Alle paar Wochen schüttet das Internet mehr schlecht als recht ansehnliche Nacktaufnahmen von irgendwelchen meist drittklassigen Promis vor uns aus, die aussehen, als hätte sie gerade ein Paparazzo durchs Badfenster beim Kacken erschreckt. Mieses Licht, noch miesere Pose, mieseste Auflösung.

Wer will denn so in die Geschichte eingehen? Wenn ihr euch schon die Mühe macht, euren unbedeckten Körper zur Schau zu stellen, dann müsst ihr das in einer Art und Weise zelebrieren, die alle anderen umhaut und euch und eure Auffassungen vom Leben niemals wieder in Frage stellt.

Hütet euch also davor, schnell irgendwelche dahin gerotzten Bilder eurer Brüste mitsamt BH-Abdrücken oder der mit Stoppeln, Fusseln und weißem Schmodder bedeckten Muschi zu machen. Schminkt euch, stylet euch, wascht euch und eure Haare. Und rasiert euch, falls ihr nicht gerade zu den Mädchen gehört, die den wärmenden Busch zelebrieren und keine Lust darauf haben, da unten wie eine Grundschülerin auszusehen.

Gebt euch einfach ein wenig Mühe, schließlich wollt ihr nicht denselben dilettantischen Fehler machen wie schon so viele andere Leichtgläubige vor euch und am schlimmsten noch zu hastig zwischen zwei wichtigen Terminen auf die unmenschlichste Art und Weise zu Selfies zwingen lassen, die euch im Nachhinein nur noch leid tun können. Denn Reue ist ein schreckliches Gefühl.

Nichts ist peinlicher, als ein Nacktfoto von euch, auf dem ihr ausseht wie ein 80er-Jahre-Pornostar. Werft euch nicht die Schminke und den Lippenstift ins Gesicht, posiert nicht, als würde euch gleich ein Pferd aus einer anderen Dimension von hinten rammeln und leckt euch auch nicht lasziv über den sabbernden Mund. Das will doch niemand sehen!

Je natürlicher ist ausseht umso sexuell attraktiver fühlt ihr euch und seid ihr auch für andere. Stellt oder legt euch ganz normal hin, guckt sexy, aber nicht übertrieben, und seht von bescheuerten Gesten wie dem Duckface, Posen aus Kinofilmen oder dem in die Kamera gestreckten Peace-Zeichen ab.

Wer selbst auf Nackedeibildern selbstbewusst und auf eine natürliche Art und Weise sexy rüberkommt, der gewinnt sowohl den Respekt des Betrachters als auch seinen eigenen. Sich ausziehen und davon Bilder machen, das kann wirklich jeder. Die Magie eures entblößten Körpers rüberbringen, das schaffen allerdings nur sehr wenige.

Selbst Mädchen mit dem schönsten Körper, den krassesten Augen und dem heißesten Lächeln sind bereits über eine Sache gestolpert: Ihr ätzendes Zimmer. Denn auf den Fotos, die ihr so in die Welt pustet, seid nicht nur ihr selbst zu sehen, sondern auch euer schonungslos dargestelltes offenes Leben.

Dreckige Unterwäscheberge am Boden, versiffte Fantaflaschen auf dem vollgemüllten Schreibtisch, uralte rosa Teddybären auf dem Schrank, peinliche Kinderfotos aus der Vorschule an der Wand und am besten auch noch euren vibrierenden besten Freund auf dem Bett – mit dem Sexting verratet ihr manchmal mehr als ihr überhaupt wollt.

Versichert euch also entweder, dass ihr eine Stelle in eurem Zimmer findet, die nicht aussieht, als ob gerade der Dritte Weltkrieg ausgebrochen wäre, oder flüchtet gleich in einen anderen Raum – am besten das Bad. Und wenn ihr euch dafür entscheidet, euch durch einen Spiegel zu fotografieren, dann putzt ihn vorher! Schlieren und Flecke wurden schon so mancher Schwester zum Verhängnis.

Wer, warum auch immer, immer noch mit seinem aufklappbaren und fast schon auseinander fallenden Razr von Motorola herum rennt, der weiß, wie beschissen so manche eingebaute Handykamera sein kann. Und alles, was ihr damit fotografiert, sieht auch beschissen aus. Was für euch wiederum bedeutet: Euer Körper sieht beschissen aus.

Entweder ihr setzt beim Sexting auf die neueste Technik, also das brandaktuelle iPhone, ein sehr gutes AndroidHandy oder am besten gleich eine teure Spiegelreflexkamera, oder auf das genaue Gegenteil: Analog, also zum Beispiel das gute alte Polaroidformat, das euch gleich noch kreativer aussehen lässt. Sexting? Nein: Das ist fuckin‘ Kunst!

Pixelige Bilder eurer Fotze mögen zwar so manches Detail verstecken, aber im Grunde bedeutet das lediglich eins: Am Ende wissen alle, dass ihr Nacktfotos verschickt habt, das Problem ist nur: Ihr seht auf ihnen aus wie im Jahr 2003. Und das wollt ihr euch und der Welt da draußen nun wirklich nicht antun.

Wer zum ersten Mal in seinem Leben ein Nudeselfie macht, der dürfte ein wenig mit den Möglichkeiten der Entblößung überfordert sein. Wie viel zeige ich? Was zeige ich? Wie nah zeige ich es? Muss mein Gesicht mit drauf sein? Steht irgendwer da draußen auf meine seltsam geformten Füße?

Gleich vorweg: Fotos eures Körper, auf dem ihr das Gesicht aufgrund einer scheinbaren Anonymität abgeschnitten habt, scheinen zwar am Anfang am Logischsten zu sein, aber die wirkliche Erotik entfaltet sich erst, wenn man auch eure Augen sehen kann. Die sind nämlich der Schlüssel zur digitalen wie, wenn wir mal ganz ehrlich sind, auch analogen Sexualität.

Aber ihr müsst euch nicht gleich breitbeinig eine mutierte Zucchini durch eure gedehnten Schamlippen in den Uterus prügeln, um auch nur irgendeinen Hauch von Aufmerksamkeit zu erregen. Fangt klein an, zeigt erst mal nur einen Nippel – und wenn ihr euch danach noch wohl fühlt, womöglich mehr. Lasst euch auf keinen Fall hetzen, weder von euch selbst noch von eurem notgeilen Gegenüber.

Jawohl, die Verlockung ist nicht gerade klein, dass ihr eure ewigen Fettröllchen, die Schwangerschaftsstreifen oder die jetzt schon auftretende Cellulite nach der Aufnahme mit Photoshop wegpinselt, aber das Problem an der Sache ist, dass keiner von euch das wirklich drauf hat. Am Ende verbiegt sich nämlich der Hintergrund – und das ist peinlich.

Arbeitet von vornherein so, dass alle Problemzonen, die ihr womöglich verstecken wollt, nicht unbedingt sichtbar sind. Und sucht euch eine vorteilhafte Pose auf, bei der nicht eure ganze Wampe über dem Stuhl klebt oder beide Hängebrüste, warum auch immer ihr die jetzt schon habt, nach links und rechts schaukeln.

Wenn ihr wollt, könnt ihr entweder einen Instagram-Filter verwenden, um die Kontraste und Farbstufen so hinzudrehen, dass ihr besser ausseht, oder ihr setzt gleich auf Schwarz und Weiß. Wenn euer kleiner Bruder dann eure Bilder im Netz entdeckt, könnt ihr wenigstens zu eurer Verteidigung sagen, dass ihr die Aufnahmen für ein Kunstprojekt erstellt habt. Oder so.

Macht am besten so viele Fotos von euch wie nur irgendwie möglich, mit verschiedenen Gesichtsausdrücken, Posen, Winkeln. Einmal mit und einmal ohne Selbstauslöser, einmal von nah, einmal von fern. Danach könnt ihr in Ruhe aussuchen, welche Bilder ihr freigeben wollt und welche in die Umlaufbahn geschossen werden.

Seid sehr sorgfältig dabei und achtet bei den ausgewählten Fotos auf jedes nur erdenkliche Detail. Denn ihr müsst bedenken: Jede dieser kleinen Zeitbomben kann theoretisch genau das Bild sein, das euch am Ende in den gerade entblößt in die Kamera gehaltenen Arsch beißt – und ihr müsst hundertprozentig dazu stehen können.

Löscht am besten alle Originalaufnahmen, die ihr nicht benötigt, für immer von eurer Kamera, eurem Handy und eurem Computer. Und eurem USB-Stick, eurem CD-Rohling und euer Diskette. Und aus der Cloud. Nicht dass am Ende noch der gesamte Ordner Meine Pussy auf dem nächsten Universitätscomputer auftaucht.

Seid ihr in dem Bereich bereits etwas fortgeschritten, dürft ihr auch gerne kreativer werden. Irgendwann hat man nämlich keine Lust mehr darauf, blöd vor seinem Spiegel zu stehen und ein stumpfes Vollbildfoto von seiner Statur nach dem anderen zu machen. Selfies können schließlich so viel aufregender sein als nur das.

Egal, ob ihr den nahegelegenen Wald fahrt, um dort nur in Socken auf einem Baum zu sitzen, eine noch nie da gewesene FKK-Reise durch Südostasien veranstaltet oder euch in euer Lieblingsnerdkostüm presst, nur um an den richtigen Stellen freie Sicht aufs Wesentliche zu erlauben: Sexting kann Spaß machen!

Und ihr müsst euch auch nicht alleine mit der Kamera vergnügen – holt eure allerbesten Freunde dazu, euren gerade mal wieder aktuellen Liebhaber oder euer gerade frisch herausgeplopptes Katzenbaby, solange ihr nichts Verbotenes mit dem kleinen Bündel anstellt – das kommt dann eher weniger gut bei der breiten Masse da draußen an.

An wen auch immer ihr die Teile letzten Endes verschickt, ihr könnt euch sicher sein: Früher oder später tauchen sie im Internet auf! Entweder, weil euer Exfreund sauer auf euch ist und in einem notgeilen Moment Rachepornos auf YouPorn hoch lädt, weil durch die ständige Synchronisierung mit euren Geräten jeder kleine Mist automatisch ins Netz gesaugt wird – oder weil ihr einfach das falsche Bild auf Facebook veröffentlicht.

Deswegen sind drei Dinge besonders wichtig. Erstens: Ihr dürft kein Problem damit haben, dass euch andere Menschen nackt sehen – egal ob eure Kollegen, eure Freunde oder eure Familie. Zweitens: Ihr müsst euch sicher sein, dass ihr nur Fotos verschickt, hinter denen ihr zu 100 Prozent steht. Und drittens: Seid mental darauf vorbereitet.

Es ist nicht das Ende der Welt, wenn wildfremde Menschen eure Titten sehen. Schließlich haben fünfzig Prozent der Weltbevölkerung und nicht gerade wenige fette Typen ebenfalls Brüste, und zwar meistens hässlichere, und Muschis sind eigentlich auch nichts Besonderes. Lasst euch auch nicht mobben! Die meisten, die euch verarschen, haben selbst am meisten Probleme mit sich selbst. Am besten ignoriert ihr sie knallhart und lebt mit einer neuen Erfahrung im Gepäck ein sexuelles erfüllteres Dasein weiter.

Die Illustration stammt von Icons8
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Der Musiker im Gespräch: Mikky Ekko, wie sehr magst du Rihanna?

Wir leben nicht nur in einer Zeit, die uns vorgibt, in der Vergangenheit zu leben, sondern auch in einer Zeit, in der wir wie kleine Kinder das Übernatürliche beschwören. Eine dieser Serien, die jene Sehnsüchte spiegeln, war Teen Wolf, die in den USA auf MTV ausgestrahlt wurde. Den Song zum Vorspann...
Der Musiker im Gespräch: Mikky Ekko, wie sehr magst du Rihanna?

Der Musiker im Gespräch

Mikky Ekko, wie sehr
magst du Rihanna?

Meltem Toprak

Wir leben nicht nur in einer Zeit, die uns vorgibt, in der Vergangenheit zu leben, sondern auch in einer Zeit, in der wir wie kleine Kinder das Übernatürliche beschwören. Eine dieser Serien, die jene Sehnsüchte spiegeln, war Teen Wolf, die in den USA auf MTV ausgestrahlt wurde. Den Song zum Vorspann Who Are You, Really? hat der amerikanische Künstler Mikky Ekko geschrieben. Mit dieser Frage hat er sich Jahre später selbst konfrontiert, nachdem er als Sohn eines Predigers mit seinem Vater durch den tiefen Süden Amerikas gereist ist, umgeben von Gospelmusik und Armut.

Um seinen ganz persönlichen Traum zu leben, ließ Mikky sich in Nashville nieder, bis der Produzent Clams Casino, der schon mit A$AP Rocky zusammen gearbeitet hat, auf ihn zu kam. Entstanden ist aus der gemeinsamen Arbeit Mikkys Debütsingle “Pull Me Down”. Der internationale Durchbruch gelang ihm mit dem Song “Stay”, den er gemeinsam mit Rihanna bei den Grammys performte.

Fangen wir gleich mit den Zeilen aus deinem Song an: „Who are you really, Mikky Ekko? And where are you going?“

Ich bin auf einer Reise der ständigen Verbesserung. Ich baue etwas auf, breche zusammen und baue wieder. Im Moment werde ich in viele Richtungen gezogen, die ich nicht zählen kann. Es scheint mir, dass Fokussieren und Prioritäten setzen zum wichtigsten Teil meines menschlichen Wachstums geworden ist. Damit verbessert sich die Kunst auch in einem relativen Verhältnis.

Was muss man als Kind der Wilden, wie es in deinem Song “We Must Be Killers” heißt, denn faken?

Menschsein. Liebe zeigen. Liebe ist ein merkwürdiger Organismus, der meistens mehr von mir verlangt als ich geben möchte, aber aus gutem Grund. Echte Liebe erfordert puren Einsatz und Arbeit. Ich bin nicht gut darin, aber ich bin mir bewusst, wann ich nicht alles gebe, das ich habe.

Es ist der Titel des Songs, der im Vorspann der amerikanischen Serie “Teen Wolf” läuft. Glaubst du an das Übernatürliche?

In meinen Augen ist das Leben so übernatürlich wie ich es selbst zulasse. Mein Problem ist meist meine eigene Natur. Ich versuche besser in dem zu sein, was ich bin und weniger Zeit, damit zu verbringen, wer das überhaupt ist.

Als du jung warst, bist du mit deinem Vater durch Louisiana, Mississippi, und den Rest des tiefen Südens gereist. Was hast du da erlebt, vor allem als Sohn eines Predigers?

Meine Mutter und mein Vater haben uns immer beigebracht, eigenständig zu denken. Als Familie standen wir uns alle immer sehr nahe, auch wenn wir nicht in allem die selbe Meinung haben. Schon von klein auf habe ich gelernt, jede individuelle Meinung zu respektieren. Ich habe auch zu reflektieren gelernt. Zurzeit wird den Menschen so viel passive Information aufgezwungen, dass ich selbst gar nicht weiß, wie jeder die Zeit zum Reflektieren finden soll. Es wird schon zur echten Kunst, wenn sich der Raum von Technik und sozialen Netzwerken so ausdehnt.

Wie hat sich das angefühlt, als Clams Casino dich gefragt hat, ob ihr zusammen arbeiten wollt? Der Produzent von “I’m God” muss ein ziemlich interessanter Typ sein.

Clams ist ein guter Freund geworden. Ich war definitiv begeistert vom Gedanken, mit ihm abzuhängen. Weißt du, ich habe seinen Sound schon immer geliebt. Wenn man so eine Sache angeht, muss man aber von Erwartungen loslassen. Wir haben das beide gemacht und uns kennengelernt. Zum Glück hat es geklappt. Für mich ist es sinnvoller, am Anfang alles einfach und persönlich zu halten. Wenn das klappt, entsteht daraus auch Kunst. Manchmal muss man sich selbst auch zwingen, zu wachsen und Kunst zu schaffen. Aber unsere Zusammenarbeit war definitiv nicht so. Zum Glück! Clams und ich tauschen uns immer noch sehr oft aus.

Denkst du, dass Kanye den Titel für sein Album gestohlen hat? Oder leidet jeder Künstler unter Größenwahn und glaubt, Gott zu sein?

Ich denke, dass jeder Mensch fähig ist, so zu fühlen. Ich kann mir vorstellen, dass wir als Künstler weniger zurückhaltend sind, wenn es darum geht, das auszudrücken. Ha! Ich würde aber niemals für Kanye sprechen. Er ist in seinem eigenen Gebiet. Ich hoffe nur, dass Menschen, die so großen Einfluss haben, Freunde haben, von denen sie wirklich geliebt werden. Diese Art der Darstellung scheint mir echt sehr wild. Ich kann nicht einmal beginnen, mir das vorzustellen.

Und was ist mit dir? Wie sieht deine eigene Quelle für deine Songs aus?

Ich werde bohren, bis die Quelle trocken ist. Dann werde ich weitermachen. Hoffentlich verschwende ich nicht das Wasser, das ich bekomme.

Du hast einmal Folgendes getwittert: „This world is unreal like a snake in a rope.“ Was meinst du damit?

Mein guter Freund Damian Taylor war in der Stadt. Er hat mir das Label Sublime Frequencies gezeigt. Das Label hat so viel interessante Musik! Ich bin gerade dabei, mich weiter zu bewegen, daher überlege ich gerade, wohin ich es hinschicken werde. Schaut es euch an, wenn ihr Lust habt.

Für dich als Künstler muss sich das das, was gerade passiert, unwirklich anfühlen. Mit Rihanna zusammen hast du den Song “Stay” bei den Grammys performed. Wie kam es zu der Zusammenarbeit?

Ich bin immer noch nicht sicher, wie Rihanna den Song entdeckt hat. Ich habe den Song anfangs für meine Aufnahmen gemacht. Wir hatten den Song ein paar Produzenten zugeschickt, aber eines Tages einen Anruf bekommen. Rihanna wolle den Song für ihre Aufnahmen. Ich habe einfach aufgelegt, weil ich davon ausgegangen bin, dass ich reingelegt wurde. Das Telefon hat wieder geklingelt und ich hörte nur “Nein, ernsthaft, setz’ dich hin! Wir müssen darüber reden.” Hier sind wir nun, nach ein paar wilden Monaten.

Was für eine Frau ist Rihanna? Erkläre sie in den Worten eines Poeten, aber, bitte, über – oder untertreibe nicht. Sei einfach ehrlich!

In der kurzen Zeit, in der ich ihr nahe war, ist das mein Eindruck: Rihanna scheint die Stärke jeder Frau zu besitzen und den Antrieb aller Frauen. Ihre Präsenz ist einfach, komplex und zwingend wie eine junge Königin eines derben Romans. Die meisten Erinnerungen drehen sich um die Proben für die größte Show meines Lebens, also ist es möglich, dass meine Gedanken woanders waren, haha. Aber das war mein erster Eindruck.

Du hörst sehr unterschiedliche Musik. Von den Shrines bis Kendrick Lamar ist alles dabei. Wäre Kendrick auch ein möglicher Duettpartner? Was gefällt dir persönlich an dieser Art von Hip Hop und Rap?

Jeder liebt Kendrick. Ich denke, es ist Ehrlichkeit, was die Leute anzieht. Sein Schreibstil ist ein einziger Hybrid aus Neuem, Alten, Einfachen und Komplexem. Ich würde gerne ein Publikum anziehen, das sich auf ähnliche Art zu mir angezogen fühlt. Die besten Künstler sind immer die vergrößerte Version von sich selbst, nicht wahr? Ich denke, dass das alle Kunstmedien einschließt. Ich bin in dieser Debatte trotzdem ein Sucker. Auch wenn ich falsch liege. Für mich ist es gut, aus meiner eigenen bequemen Zone raus zu kommen.

Was können wir von dir in Zukunft erwarten? Was ist dein Traum?

Ich hoffe, dass ich einen neuen Platz für Menschen schaffen kann, der meine Träume widerspiegelt. Ich möchte erklären, was ich weiß, in der Hoffnung, dass Leute die Fehler vermeiden, die ich selbst begangen habe. Es ist der einzige Traum, den ich habe. Ich lebe in diesem Traum jeden Tag, wenn ich aufstehe. Sonst würde ich verschlafen.

Die Fotografie stammt von Naj Jamaï
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Hipster, Huren, Hengste: Die Hamburger Partyszene ist ein Witz

Es reicht. Ich habe die Nase voll. Endgültig. Klar, ich liebe die Großstadt. Und sie liebt mich. Manchmal. Vor allem liebe ich Hamburg, denn wie könnte man diesen windigen Ort des Glücks nicht lieben? Ich wohne hier, ich ergieße mich in diesen losen Zusammenhalt aus Häusern, Straßen und Häfen, ich m...
Hipster, Huren, Hengste: Die Hamburger Partyszene ist ein Witz

Hipster, Huren, Hengste

Die Hamburger
Partyszene ist ein Witz

Christin Hauer

Es reicht. Ich habe die Nase voll. Endgültig. Klar, ich liebe die Großstadt. Und sie liebt mich. Manchmal. Vor allem liebe ich Hamburg, denn wie könnte man diesen windigen Ort des Glücks nicht lieben? Ich wohne hier, ich ergieße mich in diesen losen Zusammenhalt aus Häusern, Straßen und Häfen, ich möchte hier sein und nirgends anderswo, aber Hamburg, du machst es mir schwer. Jedes Wochenende aufs Neue. Und das macht mich kaputt. Langsam, aber sicher.

Hier, in meinem Leben, einem nicht allzu alten Dasein der schwindenden positiven Gefühle, in dem pseudocoole Szenekinder das Ruder übernommen haben, die umher wandelnden Herzlosen mit den toten Augen, die fahlen Gesichter ohne Seele, indem sie die einst besten Clubs der ganzen Welt mit Mottopartys vergewaltigen, die niemand haben wollte und keiner braucht.

„20er Jahre“, „Bad Taste“ oder „Erzähl’s nicht meinem Freund“ heißen die vermeintlichen Feierlichkeiten der Menschen ohne Liebe zu sich selbst, Namen also, die mindestens genauso kreativ wie die inspirationslose Kostümierung der abgestumpften Gäste sind. „Hauptsache billig“, sollten sie allesamt heißen, die nächtlichen Aktivitäten, Ausnahmen gibt es nicht.

Niemand von ihnen gibt sich Mühe, die schnell dahin gerotzten Vorgaben werden bestenfalls ignoriert und meistens sogar falsch verstanden. Mit Absicht. 20er Jahre, das heißt nicht sich nuttig in schwarzer Spitze an der Wand herumzureiben, sondern den stilvollen Geist einer vergangenen Lebensart zu zelebrieren.

Während betrunkene Männer mit einer großen Flasche Schnaps am Tisch sitzen, hüpfen kleine Mädchen um sie herum. Die Typen lechzen, gieren, ich muss fast brechen, wie sie die Töchter anstarren und ihnen dank der zu kurzen Shorts und Röcke die Milz lecken könnten.

Ich bin jetzt 22. Und selbst mir ist das zu blöd. „Ich bin zu alt für diesen Scheiß hier“, denke ich mir dann. 22, eigentlich sollte doch jetzt erst das Leben anfangen, oder? Aber dank meines Nebenjobs als Barkeeperin, so finanziert man sich hier nämlich das Studium, muss ich diese ganze Misere auch noch jedes Wochenende durch machen, immer wieder aufs Neue.

Kleine Mädchen lassen sich Zungen, Finger und Längeres in den Hals stecken, nur, um am Ende an einem der lieblos verzierten Tische sitzen zu dürfen und sich mit zwölf anderen Leuten billigen Alkohol in Massen ins Gesicht zu werfen.

Am nächsten Morgen berichten sie ihren vor Neid berstenden Freundinnen in der Hauptschule davon, wie cool sie waren, die wissen das bereits, denn schließlich haben sie ja am selben Abend Instagram mit verwackelten Partyfotos geflutet, mit ihren champagnerfarbenen iPhones, die sie von ihren Vätern zum Geburtstag geschenkt bekommen hatten. Danke, Papa.

Leider haben sie die Geräte aber noch am selben Abend im Club verloren oder bei fastreichen Anzugträgern in der Wohnung mit Aussicht liegen gelassen. Shit happens. Egal, nächstes Wochenende sitzen die kleinen Mäuschen ja am nächsten Tisch, vielleicht sind diesmal ja sogar ein paar HSV-Spieler dabei, die ihr einen Wodka-Maracuja nach dem anderen einschenken. Das wäre dann ja das große Los für die wandelnden Vaginas, und vielleicht verwandeln sie sich dann in Spielerfrauen. Hurra.

Ich vermisse die Abende in Clubs, an denen noch alles echt war, wir und die, an denen noch gute DJs gebucht wurden. Wir pilgerten dort hin, um uns zu verausgaben, körperlich, geistig, es war toll, Erfahrungen, die es so nirgends gab.

Dort ging es nicht darum, verwöhnte Szenekinder zu treffen und sich ein Küsschen links und rechts zu geben, sondern darum, sich selbst zu finden. Heute ist alles anders. Der “DJ” ist jetzt dein bekiffter Nachbar mit MacBook, er war billig und da, warum sollte man noch gutes Geld investieren? Was er zu Hause kann, kann er schließlich auch in einem Club.

Als ich vor langer Zeit nach Hamburg zog, mit einem warmen Gefühl im Herzen, das ich kaum beschreiben kann, legte Steve Aoki auf. Ich war noch zu jung und musste mich mit viel Mühe ins heiße Innere des Gebäudes schummeln. Für mich gab’s keinen Alkohol, das war mir egal, wirklich, mir ging es nur um diesen Schwall an puren Emotionen, welche ich nur dort verspürte.

Hier gab es keine kleinen Jungs, die ihr Taschengeld damit aufbesserten, indem sie Playlists „auflegten“. Das war echt. Und jeder wusste es. Ich wollte für immer dort bleiben. Gemeinsam mit jedem lachenden Gesicht, das genau dasselbe fühlte.

Heute interessiert sich in Hamburg niemand mehr für die Musik. Jetzt geht es darum, möglichst aufreizend von einem der unzähligen Partyfotografen, die sich zu oft auf LastNightsParty oder The Cobrasnake herum getrieben haben, ablichten zu lassen. Sie machen schließlich geile Fotos von dir, in dem superengen Top mit Ausschnitt bis zur äußeren Schamlippe.

Am Montag Morgen weiß zwar niemand mehr wie der DJ hieß, aber immerhin gibt’s dieses tolle Foto von dir, auf dem du vor einer grauen Betonwand stehst und deine Möpse reibst, auf Facebook und über den Betten perverser Partyhengste. Herzlichen Glückwunsch. Deine Eltern freuen sich bestimmt über dieses Bild, vielleicht wird es ja die nächste Weihnachtskarte.

Wer heute spontan in einem Club vorbei schauen möchte, um sich eine schöne Zeit zu machen, der hat schlechte Karten, denn das ist schier unmöglich. In diesem Jahr finden hier nur noch 30 verschiedene Partyreihen statt, die alle gleich sind und irgendwie nur von drei seltsamen Menschen veranstaltet werden.

Hier hängen die immer gleichen kleinen Mädchen und alten Säcke ab, die ihre immer gleiche Show aus Alkohol, Knete und Geschlechtsteilen abziehen. Wenn du dort bist, willst du nur noch nach Hause – außer du hast dich in einen Menschen verwandelt, der du nie sein wolltest.

Also fällt man in seinen eigenen vier Wänden deprimiert ins Bett, schwört sich selbst, dass man nie wieder auf so eine ätzende Veranstaltung geht und löscht seinen Namen von allen Veranstaltungsseiten bei Facebook. Und doch ist es nahezu unmöglich, aus diesem Kreislauf der schwellenden Hoffnung und niederschlagenden Depression zu fliehen.

Schließlich habe auch ich Bedürfnisse, jede Menge davon, das ist auch mein gutes Recht, ich möchte mich bewegen und Spaß haben und meine Freunde treffen, an Orten, an denen großartige Musik gespielt wird und tolle Menschen tanzen und lila Wolken vorbeiziehen.

Ich liebe Hamburg. Wie könnte man das auch nicht? Und vielleicht wird irgendwann wieder alles gut. Wenn die vergewaltigenden Mottopartys fort sind. Und die pseudocoolen Szenekinder. Und die kleinen Mädchen.

Die Fotografie stammt von Neal E. Johnson
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Ganz ohne Sex: Männer und Frauen können miteinander befreundet sein

Erst gestern saß ich mit einem guten Freund in meiner Küche und wir haben darüber philosophiert, ob Männer und Frauen miteinander befreundet sein können. Die Frage ist wahrscheinlich so alt wie Uschi Glas und trotzdem fällt es uns immer wieder schwer, darauf eine Antwort zu finden. Es ist die alte H...
Ganz ohne Sex: Männer und Frauen können miteinander befreundet sein

Ganz ohne Sex

Männer und Frauen
können miteinander
befreundet sein

Leni Garibov

Erst gestern saß ich mit einem guten Freund in meiner Küche und wir haben darüber philosophiert, ob Männer und Frauen miteinander befreundet sein können. Die Frage ist wahrscheinlich so alt wie Uschi Glas und trotzdem fällt es uns immer wieder schwer, darauf eine Antwort zu finden. Es ist die alte Harry-und-Sally-Leier, mit der Gegner der Mann-Frau-Freundschaften alle Pro-Argumente zunichte machen wollen – und meist fällt es mir auch schwer, dem zu widersprechen.

Tausend mal erlebt, wie Sandkastenfreunde zu Pärchen wurden, ab und zu realisiert, dass ich selbst den ein oder anderen Kumpel ganz süß fand und oft war das Knistern zwischen zwei eigentlich platonisch befreundeten Menschen einfach nicht zu übersehen. Ja, stimmt alles. Aber eben nicht immer.

Wenn Freundschaften zwischen Männlein und Weiblein so unmöglich wären, dann hätte ich mit der Hälfte meiner Jungs einfach längst keinen Kontakt mehr. Manchmal begegnet man nun mal jemandem, der weder optisch noch gefühlstechnisch ins eigene Beuteschema passt – dessen Herz aber so riesig ist wie meine Freude darüber, ihn zu meinen Freunden zählen zu dürfen.

Und jetzt? Soll ich das Ganze in Frage stellen, nur weil der Besagte einen Penis hat? Oder sollen alle meine männlichen Freunde eine künstlich-verkrampfte Distanz zu mir wahren – nur aufgrund meines X-Chromosoms?

Klar, über echte Männerfreundschaften kursieren Legenden und auch meine Mädelsrunde würde ich um nichts in der Welt hergeben wollen, aber wozu sich selbst idiotische Grenzen setzen, wenn man einfach aufs eigene Bauchgefühl vertrauen und sich mit den Menschen umgeben sollte, die einem guttun? Welchem Geschlecht diese angehören, ist für mich dabei zweitrangig.

Und trotzdem muss ich zugeben, dass das Thema kein leichtes ist und viele daran zu knabbern haben – erst recht, wenn der Partner eine beste Freundin hat oder die Traumfrau mit einem anderen Typen rumhängt. Aber das hat mit Vertrauen zu tun und nichts mit der Unmöglichkeit dieser Freundschaften. Denn dass sie möglich sind, ist sicher. Sonst könnten wir niemals locker beieinander sitzen und in der Küche über diesen Quatsch philosophieren.

Die Fotografie stammt von Toa Heftiba
Der Text erschien in der Kategorie Leben mit den Themen
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Misosuppe: Das japanische Nationalgericht

Klar, wenn du an japanisches Essen denkst, dann schießen dir zuerst Gerichte wie Sushi, Tempura und vielleicht noch Teriyaki in den Kopf. Aber die fernöstliche Küche hält noch eine ganz andere Leibspeise bereit, die hier gerne einmal als schnöde Vorspeise abgeschrieben wird. Dabei gehört sie doch zu...
Misosuppe: Das japanische Nationalgericht

Misosuppe

Das japanische Nationalgericht

Marcel Winatschek

Klar, wenn du an japanisches Essen denkst, dann schießen dir zuerst Gerichte wie Sushi, Tempura und vielleicht noch Teriyaki in den Kopf. Aber die fernöstliche Küche hält noch eine ganz andere Leibspeise bereit, die hier gerne einmal als schnöde Vorspeise abgeschrieben wird. Dabei gehört sie doch zu den japanischen Nationalgerichten: Die Misosuppe!

In Japan ist die Misosuppe heute vor allem zum traditionellen Frühstück üblich, wo sie zusammen mit Reis aufgetischt wird. Die Hauptgeschmacksgeber sind Dashi, also Fischsud, und Miso, eine aus Sojabohnen gewonnene Paste. An Neujahr wird die Misosuppe oft durch Zugabe von Mochi, also Reiskuchen verfeinert, die in der Suppe mitgekocht und dadurch weich werden.

Misosuppe wird in Japan nur sehr selten mit einem Löffel, sondern meistens mit Stäbchen gegessen. Dabei werden die festen Bestandteile mit den Stäbchen gegessen und die Suppe aus der Schüssel getrunken. Dieses süße Video zeigt dir, wie du ganz einfach deine eigene Misosuppe zaubern kannst. Zum Beispiel mit Popcorn, Tomaten und Speck. Oishii desu ne!

Misosuppe: Das japanische Nationalgericht
Die Fotografie stammt von Marukome
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Crossing Souls: Zurück in die Achtziger

Spätestens seit der Netflix-Serie Stranger Things sind die Achtziger wieder in aller Munde. Mutige Kids, die im Stil von Stephen King und Steven Spielberg illustre Abenteuer erleben. Gegen Außerirdische, gegen das Militär, gegen Erwachsene, die ihnen den Spaß am Mysteriösen nicht gönnen. Und ganz im...
Crossing Souls: Zurück in die Achtziger

Crossing Souls

Zurück in die
Achtziger

Marcel Winatschek

Spätestens seit der Netflix-Serie Stranger Things sind die Achtziger wieder in aller Munde. Mutige Kids, die im Stil von Stephen King und Steven Spielberg illustre Abenteuer erleben. Gegen Außerirdische, gegen das Militär, gegen Erwachsene, die ihnen den Spaß am Mysteriösen nicht gönnen. Und ganz im Geiste von Elfi & Co. gibt es jetzt auch ein Videospiel, das euch den Zauber dieser Zeit vermitteln will.

Crossing Souls heißt das gute Indiestück aus Spanien, das euch im wieder modernen Pixellook die Geschichte von ein paar Jugendlichen aus Kalifornien im Jahr 1986 erzählt. Die entdecken nämlich einen pinken Zauberstein, der es ihnen erlaubt, zwischen zwei Dimensionen hin und her zu wechseln. Können sie die Welt vor dem Untergang und damit auch ihre Familien und sich selbst retten? Das liegt ganz an euch!

Während die Illustrationen an sich wie die auf einer billigen Cornflakespackung wirken, ist der Pixellook absolut großartig. Popkulturelle Anspielungen findet ihr quasi an jeder Ecke. Ghostbusters, Zurück in die Zukunft, E.T.Crossing Souls ist eine kunterbunte Wundertüte der nostalgischen Referenzen. Wer darauf Lust hat, der kann sich das Spiel für die Konsole und den PC herunter laden.

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Die Illustration stammt von Fourattic
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Arjuna: Ein mutiges Mädchen rettet die Welt

Die Welt, wir wie sie kennen, ist dem Abgrund nahe. Abgeholzte Regenwälder, verschmutzte Meere und vergiftete Lebensmittel. Kein Ort, der nicht besudelt oder unstimmig wäre. Ein Planet, den wir mit unserer Habgier und Sucht nach mehr, schneller in den Abgrund stoßen, als es und lieb ist. Und unsere...
Arjuna: Ein mutiges Mädchen rettet die Welt

Arjuna

Ein mutiges Mädchen
rettet die Welt

Marcel Winatschek

Die Welt, wir wie sie kennen, ist dem Abgrund nahe. Abgeholzte Regenwälder, verschmutzte Meere und vergiftete Lebensmittel. Kein Ort, der nicht besudelt oder unstimmig wäre. Ein Planet, den wir mit unserer Habgier und Sucht nach mehr, schneller in den Abgrund stoßen, als es und lieb ist. Und unsere einzige Hoffnung auf Rettung liegt in den Händen eines 16-jähriges Mädchens aus Japan, das bei einem Motorradunfall ums Leben gekommen ist und im Jenseits auf sein Schicksal trifft.

Earth Maiden Arjuna ist ein Anime, der nicht nur die Botschaft einer besseren Zukunft in sich trägt und vor unserem derzeitigen Lebensstil warnt, sondern diese Eigenschaften auch auf eine opulent und sympathische Art und Weise präsentiert. Während man mit den Protagonisten bis zum Schluss mit heult und bangt, ob sie das Dunkle, das sich über uns alle gelegt hat, noch aufhalten können, bricht beim Ansehen eine wahre Flut an epischen Momenten, einnehmender Musik und riesigen Bildern los.

Regierungen, Industrien und auch wir als Konsumenten bekommen in der 13-teiligen Serie so viel Fett weg, dass aufmerksame Zuseher niemals wieder etwas mit Staatssystemen, Lügenbeuteln und Fertiggerichten zu tun haben und sich so schnell wie nur möglich auf einen einsamen Berg zurück ziehen möchten. Arjuna verrät uns viele Wahrheiten, denen man nur mit offenem Herzen lauschen muss, um etwas zu verändern. Ob wir jedoch gewillt sind, sie auch in die Tat umzusetzen, das liegt einzig und allein bei uns.

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Die Illustration stammt von Bandai und Satelight
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Luo Yang: Geschichten aus China

Dass wir beide im selben Jahr geboren sind, verbindet uns, Luo Yang und mich. 1984. Ich mache mir über Politik nicht viele Gedanken, erzählt sie mir, als ich sie nach dem Land frage, in dem sie lebt. Und ich glaube auch nicht, dass sie einen Einfluss auf meine Arbeiten oder mein Leben hat. Ich kü...
Luo Yang: Geschichten aus China

Luo Yang

Geschichten
aus China

Marcel Winatschek

Dass wir beide im selben Jahr geboren sind, verbindet uns, Luo Yang und mich. 1984. „Ich mache mir über Politik nicht viele Gedanken“, erzählt sie mir, als ich sie nach dem Land frage, in dem sie lebt. „Und ich glaube auch nicht, dass sie einen Einfluss auf meine Arbeiten oder mein Leben hat. Ich kümmere mich lieber um Menschen um mich herum, obwohl deren Leben natürlich von Politik beeinflusst wird. Ein wenig.“

Ai Weiwei ist ein Pionier und Künstler, den ich sehr respektiere“, antwortet sie auf meine Frage nach dem chinesischen Rebell, den die Welt kennt und liebt. „Aber wir stammen aus zwei verschiedenen Generationen. Seine Arbeiten beruhen mehr auf der Gesellschaft und der Politik, ich hingegen sorge mich eher um die Emotionen der Menschen um mich herum. Seine Probleme konfrontieren mich deswegen nicht direkt.“

Ich frage nach dem vor einigen Jahren verstorbenen Ren Hang. „Er war ein guter Freund von mir. Ich habe kurz vor ihm mit dem Fotografieren begonnen und wir trafen uns auf einer meiner Ausstellungen im Jahr 2009, als er noch nach seinem eigenen Stil suchte. Seine Beharrlichkeit und Anstrengung haben sich gegen die strenge chinesische Realität durchgesetzt und ihm die Aufmerksamkeit des Westens eingebracht.“

Wird Rens doch sehr offensive und alternative Kunst etwas in China und der Welt hinterlassen, frage ich Luo. „Es ist schwer zu sagen, ob er China zum Besseren verändert hat, aber zumindest hat er mehr chinesischen Künstlern und jungen Menschen den Mut und die Kraft gegeben, ihr wahres Selbst zu verfolgen, und Menschen aus dem Westen die junge Generation Chinas näher zu bringen. Ren war ein mutiger Mann.“

Ich erzähle Luo, dass ich Mian Mian liebe. „Ich weiß, dass ihre Bücher im Westen sehr bekannt sind, aber ich kenne sie nicht besonders gut. Sie ist eine der Pioniere, die mit ihren Erfahrungen und ihrem Körper schreiben. Wir haben ein paar gemeinsame Freunde und ich kenne ihr frühes, wildes Leben. Die Mädchen, die ich fotografiere, teilen einige Gemeinsamkeiten mit ihr. Sie sind mutig, jung, verloren und schön.“

„Die chinesische Generation der Achtziger Jahre ist in einer Kluft gefangen,“ antwortet Luo, als ich sie nach unserem gemeinsamen Geburtsjahr frage. „Wir haben die traditionellen Kulturen unserer Vorgänger übernommen und leben seit der Öffnung des Landes im Konflikt mit uns selbst. Wir wollen freier sein, werden aber von unseren Familienwerten zurückgehalten. Ich kenne westliche Gleichaltrige nicht allzu gut, doch im Grunde sind wir alle gleich. Wir teilen alle die gleichen Emotionen und Probleme, unabhängig von geografischen und kulturellen Unterschieden.“

Eine letzte und fast schon klischeereiche Frage habe ich dann aber doch noch. Was möchte Luo den Deutschen über China und seine junge, neue Generation mitteilen? „Ich arbeite nun bereits seit über zehn Jahren als Fotografin und habe große Veränderungen gesehen, was die Generation der Achtziger und Neunziger angeht. Die neue Generation scheint entspannter und treuer gegenüber sich selbst zu sein.

Und weil China sich in jeder Sekunde weiter entwickelt und verändert, wird es immer mehr und mehr junge, interessante Menschen geben. Vielleicht haben das Internet und die sozialen Medien die Welt näher zusammengebracht. Kommt nach China und lernt das Land und die Jungen besser kennen!“

Luo Yang Luo Yang Luo Yang Luo Yang Luo Yang Luo Yang Luo Yang Luo Yang Luo Yang Luo Yang Luo Yang Luo Yang Luo Yang Luo Yang Luo Yang Luo Yang Luo Yang Luo Yang Luo Yang Luo Yang Luo Yang Luo Yang Luo Yang Luo Yang Luo Yang Luo Yang Luo Yang Luo Yang Luo Yang Luo Yang
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Nike Air Max: Der Schuh für Mitläufer

„Der Air Max von Nike ist der durchgefickteste Schuh, den es gibt“, kommentiert meine Freundin Magda eben jenes Kleidungsstück, das alle Füße ziert, als wir in einer überteuerten Bar in Berlin-Mitte sitzen. Und da Produkte, die von Mitläufern fast schon panisch konsumiert werden, um bitte doch irgen...
Nike Air Max: Der Schuh für Mitläufer

Nike Air Max

Der Schuh
für Mitläufer

Meltem Toprak

„Der Air Max von Nike ist der durchgefickteste Schuh, den es gibt“, kommentiert meine Freundin Magda eben jenes Kleidungsstück, das alle Füße ziert, als wir in einer überteuerten Bar in BerlinMitte sitzen. Und da Produkte, die von Mitläufern fast schon panisch konsumiert werden, um bitte doch irgendwie cool zu sein, keine lange Haltbarkeitsdauer haben, muss ich es euch leider an dieser Stelle mitteilen: Das Teil ist dem Ende geweiht.

Denn wenn ihn schon die Protagonistin von Journelles, einem der stillosesten Modeblogs, das Deutschland zu bieten hat, in einem ihrer immer gleichen Outfit-Posts vorstellt, nur um wenige Tage später in nietenbesetzten, spitzen Schuhen aufzutauchen, dann kann ich nur noch den Kopf schütteln. Sind deutsche Modeblogger etwa gar keine selbstbewussten Trendsetter und Stilikonen? Gehören sie gar zu den kommerziellen Mitläufern?

In einem Land wie Deutschland, das den westlichen Stil von New York bis Kopenhagen rauf und runter kopiert, dabei den Jack-Wolfskin-Stil der Mütter verleugnet, wahrscheinlich schon. Stil hat man nicht, indem man Blogs und Magazine durchforstet, um das zu tragen, was die vermeintlichen Vorbilder tragen. Stil besitzt der, der Persönlichkeit hat, reflektieren kann, um zu wissen, wie er wahrgenommen wird und werden möchte.

Selbst die 14-jährige Hannah aus Köln macht sich über den Hype Gedanken. Sie habe die Schuhe nicht, weil sie „Swag“ seien. Kein Produkt hat sich in letzter Zeit einem so extremen Imagewandel unterziehen können, dass er vom Erkennungszeichen der Hip-Hop-Fans zum Status-Symbol der reichen Gören avanciert ist. Hipster können endlich wieder als Mitläufer oder Trendhuren bezeichnet werden, denn die Vintage-Klamotten aus den Second-Hand-Läden wurden erneut durch angepasste Logo-Teile wie Kenzo, Herschel und Co. ersetzt.

Neulich stieg ich in einer deutschen Provinz bei Darmstadt, die Berlin entgegen der Vorurteile gar nicht mal so ungleich ist, in einen Schulbus ein. Ich war umzingelt von 16-jährigen pubertierenden Kindern, die allesamt diesen Schuh und sich selbst feierten. Wahrscheinlich um dabei etwaige Minderwertigkeitskomplexe zu unterdrücken. Ob in der Hauptstadt oder auf dem Dorf, von Ghetto natürlich keine Spur.

„Ich trag’ meine Air Max und ich geh’ den harten Weg“, singt Fler und trägt den zurzeit begehrtesten Sneaker der Jugend. Bushido besitzt ihn auch, und Kanye West hat ihn sowieso. Die momentanen Marken-Botschafter haben ohne Zweifel zum Trend beigetragen. Für viele Musiker ist der Schuh Modekultur statt Trend. Oft hingegen steckt dahinter auch ein dicker Werbedeal.

Während Bushido und Fler das Ghetto stilisieren und Wahrheiten auspacken möchten, gilt Kanye West hingegen zwar als intellektuell und bigott, wird aber meist für die elektronischen „Dope Beats“ gefeiert. Damit finden sich Nachahmer der unterschiedlichsten Genres zusammen.

Doch der sportliche Sneaker, wie der von Nike, ist Hip Hop, Kultur der Lässigen, Verweilenden, Nachdenklichen, aber Unkomplizierten. Neben dem Beat und dem angeberischen Gehabe lesen sich auch Zeilen der Perspektivlosigkeit, verbauten Zukunft und Abgeschiedenheit.

Wie ihn die Masse auf der Straße und auf Blogs kombiniert, hat mit Unkompliziertem nichts zu tun. Dieser „ach-so-lässige Look“ ist bemüht und durchdacht. Anfang der 2010er trugen die ersten ihn, erheblich vom musikalischen Talent und Trendsetter Kanye West inspiriert, doch nun hat er die Massen erreicht, die sogenannten “Wannabes”. Um einen, eben jenen Schuh zu tragen, gibt es keine Voraussetzungen oder Bestimmungen.

Mode macht frei, kann im Spiel von Stereotypen erlöst werden und neue Bilder entstehen lassen. Das Gleiche geschah mit dem Overknee im selben Zeitraum. Ein Stiefel, der die Berufskleidung einer Prostituierten prägt, wurde im Winter von etlichen Frauen übernommen, sodass diese weiblicher und sexier wahrgenommen wurden.

Der Schuh der Hip-Hop-Szene, die im Kern patriarchalisch ist, aber zurzeit auch Grenzüberschreitungen mit Kanye West, Frank Ocean oder Cro unternimmt, wirkt sich auch auf den Kleidungsstil des männlichen Geschlecht aus. Lässig, aber kantig wirkt der Junge, der gerade dabei ist, erwachsen zu werden.

Wenn nun nicht mehr nur die „Ghetto-Kinder“ diesen Schuh tragen, sondern auch die elitären Jugendlichen der Gymnasien, findet eine Verschmelzung statt. Wenn Menschen ein Interesse teilen, führt das verschiedene Gruppen zusammen. Aber dieser Schuh gibt nur den Anschein eine Gruppe zu haben.

Statt mit Erlebnissen dazuzugehören oder durch Akzeptanz der eigenen Person, ist es für jeden in der Jugend ganz selbstverständlich, sich mit Klamotten beweisen zu müssen. Die eigene Persönlichkeit ist noch nicht entwickelt, und somit ist das Einzige, was man nach außen hin tragen kann, das Äußere selbst. Und so scheint es auch all jenen nicht erwachsen werden Wollenden zu gehen.

Länger Kind sein, mag zwar den Anschein geben, länger leben zu können, aber wer will schon ohne Persönlichkeit und Haltung mit „angesagten“ Schuhen durch die Gegend hopsen? Mit den coolen, nachdenklichen, politischen Kindern aus ärmlichen Verhältnissen haben die angespannten, haltungslosen, elitären Kids doch nicht wirklich etwas gemeinsam.

Auch eben jene, die in der Mitte hängen geblieben sind, zwischen ihrem Migrationshintergrund und dem neuen Akademiker-Kreis, und sich dabei wie Kanye West fühlen, während sie die „Ausländer“ als „Neudeutsche“ hinter sich lassen, sind auch nicht besser.

Aber so lassen Trendopfer sich vom Geschmack der Authentischen beeinflussen, adaptieren saisonal den Stil der anderen und machen ihn damit zum Produkt der Masse. Viele tragen einen Schuh, weil er “in” ist, statt aus Überzeugung. Ombre Hair, Carhartt-Mütze, Military Jacke oder steriler schwarzer Mantel mit Ledereinsatz. Das mag die übliche Kombination sein. Die Jungs tragen dazu Hochwasserröhe, Parker und Beanie-Mütze. Auf Modekommentar heißt es „Air Max seien kein Trend, sondern eine Lebenseinstellung“.

Ganz genau, sie sind Lebenseinstellung, was auch heißen mag, dass man sie länger als einen Winter trägt und den Schuh nicht ganz plötzlich abstoßend findet, wenn sie dann doch keiner mehr nutzt. Jene Air-Max-Träger trugen zuvor auch den Timberland, die Keds-Kopie von H&M, Creepers.

„Markenidentität ist zum Sinnstifter von Heimat geworden, weil sie sowohl Identitätsangebote zur Verfügung stellt als auch die Räume, in denen die gewonnene Identität erprobt, erlebt und angeeignet werden kann“, heißt es in dem Buch Wer hat Angst vor Niketown von Friedrich von Borries.

Es ist ein warmes, vertrautes Gefühl, in einer fremden Stadt anzukommen, aber am Kleidungsstil einen ähnlichen Lebensstil ablesen zu können und sich damit 2000 Kilometer entfernt wie zu Hause zu fühlen. Aber was muss das für eine oberflächliche Heimat sein, die dich nur bestätigen soll? Schuhe wie diese erwecken den Eindruck, das Gegenüber sei up-to-date.

Aber genau so ist es mit Trends. Sie simulieren nur globale Offenheit, Weltgewandtheit und großes Wissen. Up-to-date sein sollte nicht bedeuten, die angesagtesten Bars und Shops zu kennen, sondern zu wissen, was auf der Welt vor sich geht, die Zeitung in die Hand zu nehmen und an Debatten teilzunehmen. Das erreicht man schon gar nicht mit einem Schuh.

Und wie sieht nun dieser Lebensstil aus? Kapitalismuskritik nimmt ab, Konsum zu, ausgebeutete Kinder und schlechte Arbeitsbedingungen bleiben. Und wir? Sind wir glücklicher mit solchen bunten, poppigen Dingern an den Füßen? Wenn wir den Schuh am Abend ausziehen und in den Spiegel sehen, legen wir dann nicht auch die Facette einer heilen, glücklichen und selbstbewussten Persönlichkeit ab?

Den Swoosh von Nike gibt man sich selbst beim Tragen wie der Lehrer mit einem Häkchen bei guter Leistung: Ich trage Nikes, yeap, ich bin’s! „Heute mag ein beschissener Tag sein, aber mit diesen Schuhen bin ich einfach zu geil, um mich noch heute Abend aus dem Fenster zu werfen!“ Lohnt es sich wirklich ein Leben haben zu wollen, das nur von außen hin bunt scheint? Gefällt ein Schuh der Masse, glauben viele, er müsse gut sein.

Wir werden sehen, wer die Treter noch anbehält, sobald der nächste neue It-Schuh kommen wird. Wer ihn aus Überzeugung trägt, wird ihn, ob in oder nicht, jedenfalls noch lange lieben. Das sind genau die Menschen, die Trends setzen. Aus Leidenschaft. Und nicht wenige Tage später plötzlich mit neuen sauberen Tretern antanzen. Am Ende stellt sich nämlich ganz schnell heraus, wer wirklich selbstbewusst ist und zum eigenen Lebensstil und Geschmack steht. Und deswegen auch von den Mitläufern respektiert wird.

Die Fotografie stammt von Alexander Rotker
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Kita, Koks und Kater Blau: Meine Wohnungssuche in Berlin

Während ich unter der Dusche stehe, mir leblos die Haare wasche, beschwerlich die Zähne putze und überhaupt erst richtig wach werde, klingelt es sirenenartig im Zehn-Sekunden-Takt an der Wohnungstür. Ich hasse diese Momente und reagiere auf eben solche meist mit der Gleichgültigkeit des monoton flie...
Kita, Koks und Kater Blau: Meine Wohnungssuche in Berlin

Kita, Koks und Kater Blau

Meine Wohnungssuche
in Berlin

Katrin Olszewski

Während ich unter der Dusche stehe, mir leblos die Haare wasche, beschwerlich die Zähne putze und überhaupt erst richtig wach werde, klingelt es sirenenartig im Zehn-Sekunden-Takt an der Wohnungstür. Ich hasse diese Momente und reagiere auf eben solche meist mit der Gleichgültigkeit des monoton fließenden Wasserstrahls vor meinen Augen.

Der Postbote soll mit seiner Weihnachtsladung an Paketen doch bitte zu unserem Hartz-IV-Nachbarn gehen, der eh nichts anderes zu tun halt, als sich einen wunderbar original laminierten Arno-Dübel-Gedenktisch zu basteln, philosophiere ich noch, als es heftig zu klopfen und lärmen anfängt. Sondereinsatzkommando? Nein, viel schlimmer noch, es ist mein alter Kollege Tobias.

Das Temperament lässt sich quasi an seinen Lippen ablesen, als ich in der Tür stehe und ihn phlegmatisch hereinwinke. Die Wohnungsbesichtigung war wohl wieder ein Schuss in den Ofen. Tobias sucht seit etwa einem Jahr seine Traumwohnung in Berlin und findet, in seinem Fall, natürlich keine. „Welcome to the Circus“ könnte es auch heißen, wenn man die Absage eines Makler-Hipsters in die Tasche steckt.

Bei der Ausschreibung der Inserate fängt es ja bekanntlich schon an. Wir bieten: Wohnung zur Zwischenmiete, zum Tausch, für mindestens hundert Monatsmieten Provision, Mietzuschlag wegen Neubezug, selbstständige Mängelbeseitigung, mit Schimmel und ohne Klo. Wow, da wohne ich doch lieber gleich auf der Straße.

Die Chance, in Berlin reibungslos eine Wohnung zu finden, ist in etwa so groß, wie Karl Lagerfeld im Hawaiihemd oder Jürgen von der Lippe im Anzug zu begegnen. Kein Wunder auch, bei der momentan rapide steigenden Bevölkerungszahl, die sich proportional zu den Kothäufchen an den Straßenecken verhält. Aber warum ist das so?

Ich selbst bin Berlinerin und quasi ein Urgestein in den einst friedlichen Gefilden meiner Geburtsstätte. Doch im Laufe meiner pubertären Achterbahnfahrten musste ich feststellen, dass auch die Welt sich immer weiter dreht und die Menschheit mit ihr. Es ist die Zeit des Lebens, die uns dazu zwingt neue Orte zu erkunden, uns zu suchen und zu finden. Und sei es auf dem Penny-Parkplatz in Plauen.

Aber Berlin ist Metropole. Berlin ist Mutterstadt. Berlin ist so wunderbar. Kita, Koks und Kater Blau, denken viele und packen ihre Bündel Scheine ein, um sich auf den Weg in die große Stadt zu machen. Reiche Söhne investieren dank Papi in Aktien und kaufen Wohnungen oder ganze Bezirke.

Jaja, es ist traurig und eine alte Leier, ich weiß. Aber mit dem explodierenden Überangebot an Eigentumswohnungen und der rigorosen Anfechtung der letzten drei besetzten Häuser in Berlin, sinkt die Hoffnung auf das einst so starke Gemeinschaftsgefühl und hinterlässt just den hässlichen Status Quo einer egoistischen und kapitalistischen Gesellschaft.

So ist es nun auch mit der Wohnungssuche. Die Werbespots von Zalando machen es vor, die Bewerber in Kreuzberg machen es nach. Allein vor meinem Haus fand neulich eine Besichtigung mit 64 Leuten statt. Ich habe nachgezählt, weil ich es selbst nicht glauben wollte und der Meinung war, es wäre jemand aus dem Fenster gesprungen und ich hätte unverzüglich den Notarzt zu rufen. Doch als der Makler seine 64 hysterischen BWLer an die Hand nahm und ins Haus führte, war mir alles klar.

Nun hängt Tobias ebenfalls im Fadenschein des Netzes fest und hofft, endlich von der schwarzen Witwe erkannt zu werden, die stets ihre flinken Beine in Bewegung hält, um alles an sich zu reißen, was einen guten Geschmack und ein bisschen Provision in petto hat.

Mittlerweile hat er sich mit dem Gedanken abgefunden, das in Berlin kein Luxusloft, sondern eine solide und warme Behausung auch viel wert ist, und man frei nach Arno Dübel mit den Worten „Man soll sich doch so wenig Arbeit machen wie es geht.“ gut leben kann. Ansonsten zieht man einfach nach Plauen.

Die Fotografie stammt von Jonas Denil
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Fleshlight: Mach’s gut, rechte Hand

Letztens klingelte Dieter, der gestörte russische Postbote, an unserer Tür und brachte uns zwei von diesen Fleshlights vorbei. Ein Geschenk von Brian. Für was auch immer. Ich packte sie aus und hatte plötzlich zwei riesige Plastiktaschenlampen in der Hand. Eine in schwarz und eine in schimmerndem Pe...
Fleshlight: Mach’s gut, rechte Hand

Fleshlight

Mach's gut,
rechte Hand

Marcel Winatschek

Letztens klingelte Dieter, der gestörte russische Postbote, an unserer Tür und brachte uns zwei von diesen Fleshlights vorbei. Ein Geschenk von Brian. Für was auch immer. Ich packte sie aus und hatte plötzlich zwei riesige Plastiktaschenlampen in der Hand. Eine in schwarz und eine in schimmerndem Perlweiß. Nur dass kein funktionierendes Licht in ihnen drin war, sondern zwei Gummimuschis. Ich war total aufgeregt.

Jede von ihnen ist unterschiedlich geformt. Eine ist sehr eng und sieht aus wie das primäre Geschlechtsteil von Rotschopf-Pornostar Ariel Vortex, ich informierte mich ausführlich, und die andere ist etwas weiter und mit größeren Schamlippen und nennt sich total sexy „Build Your Own Texture“. Jeder kann sich also seine Traumfotze basteln. Das finde ich sehr gut. Wie Lego für Erwachsene ist das.

Ich wartete ganz feierlich und mit Vorfreude im Gesicht auf den Abend, machte etwas Anregendes zu essen. Muscheln mit Weißwein und Sahne auf einem Rucolabett. Dazu gab es frische Oliven und einen Pinot Grigio. Ich zündete ein paar Kerzen an, schaltete das Licht aus und schnappte mir Ariels weiches, warmes und nasses Loch. Fap, fap, fap. Ahh, ohh, uhh. Nach drei Minuten war ich fertig. Wow. Effizient!

Denn sind wir doch mal ehrlich: Onanieren kostet Zeit. An schlechten Tagen sitzen wir eine Stunde oder länger vor einem miesen Porno nach dem anderen und rubbeln uns zu Tode, während wir Emails checken und Pizza bestellen. Nur für diesen kurzen Schuss ins Leere und einem dummen Gesichtsausdruck. Die Zeit könnten wir auch besser investieren. Fremdsprachen lernen. Aktien kaufen. Freundinnen finden. Oder so etwas.

Im Internet gibt’s die Teile ab 35 Euro. Wenn ihr keine allzu perversen Leute seid. Allerdings könnt ihr auch Zombies, Aliens oder Arschlöcher ficken – das kostet dann halt ein wenig mehr. Aber egal: Es lohnt sich. Wirklich. Falls ihr also gerade kein Mädchen an eurer Seite habt oder einfach mal mental fremd gehen wollt und nur ein paar Minuten Zeit habt, dann sind diese Fleshlights echt eine lustige Sache.

Wenn ihr ein wenig Taschengeld über habt und eure Masturbationssessions effektiver nutzen wollt, dann schickt eure rechte Hand in Rente und gebt diesen schwabbeligen Dingern eine Chance. Vorteil: Sie fühlen sich unglaublich echt an und ihr müsst sie nur mit Wasser abwaschen. Nachteil: Ihr seht in den paar Minuten aus, als würdet ihr einen verstopften Handstaubsauger vögeln. Zieht währenddessen also lieber die Vorhänge zu…

Fleshlight: Mach’s gut, rechte Hand
Die Fotografie stammt von Fleshlight
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Sind wir zu idealistisch? Nur mal kurz die Welt retten

Neulich stand ich im Supermarkt und sah, dass ein Stück gutes Rindfleischsteak nicht mehr als drei Euro kostete. Ich freute mich. Von ganzem Herzen. Denn das bedeutete, dass auch ich nun in den Genuss von tierischem Fett kommen würde. Bei dem Preis konnte mich weder die ungebumste Fleischthekenverkä...
Sind wir zu idealistisch? Nur mal kurz die Welt retten

Sind wir zu idealistisch?

Nur mal kurz
die Welt retten

Sara Navid

Neulich stand ich im Supermarkt und sah, dass ein Stück gutes Rindfleischsteak nicht mehr als drei Euro kostete. Ich freute mich. Von ganzem Herzen. Denn das bedeutete, dass auch ich nun in den Genuss von tierischem Fett kommen würde. Bei dem Preis konnte mich weder die ungebumste Fleischthekenverkäuferin abhalten noch die stumm urteilenden Gesichtsausdrücke auf der Fresse einer ollen Veganermutti, die ihr Balg vor sich hinschob, damit klein Lucille-Sophie bloß nichts von dieser barbarischen Kultur des Fleischkonsums mitbekam.

Mit meiner unnatürlich hochgezüchteten toten Kuh in der Hand rannte ich schleunigst nach Hause, um mir einen netten Gaumenfick zu gönnen. Wer studiert und sich schon bei 2,50 über das üppige Warenangebot an der Uni-Mensa aufregt, wobei das zugegeben auch sehr viel mit Konsistenz, Geschmack und der Schweinesülze in Aspik zu tun haben könnte, dem sind 3 Euro für ein prachtvolles Stück meliertes rotes Fleisch gerade günstig genug, um nicht auszurasten und noch eine Cola dazu zu kaufen.

Zu Hause schlug mir dann ein Gedanke entgegen, der die Euphorie in einen sagenhaften Weltschmerz umkippte und mir das Essen versaute. Wenn dieses Stück Fleisch nur so wenig Geld kostet, jeden Tag von Verschwendung in deutschen Supermärkten berichtet wird, auf der anderen Seite des Planeten Kinder sterben und unsere Tiere in Gewächshäusern und niederen Umständen künstlich großgezogen um abgeschlachtet zu werden – was bedeutet das dann für mich? Was bedeutet das für unsere Gesellschaft? Kann ich dieses billige, weil massenproduzierte und vielleicht qualitativ zweifelhafte Fleisch dann ohne ein schlechtes Gewissen genießen?

Also legte ich das Fleisch zurück in den Kühlschrank und überlegte, wie ich in dieser Situation vorgehen würde. Genau, ich würde nie wieder Fleisch essen, welches nicht unzweifelhaft zu Lebzeiten auf satten, saftigen Weiden gegrast hat und täglich von kleinen Kindern gestreichelt wurde. Ich komme nicht um den Gedanken herum, dass diese Kühe wahrscheinlich ein angenehmeres Leben haben als ich, aber so viel sei ihnen doch gegönnt, wenn sie schon daran glauben müssen. Natürlich löste das den Rest der Probleme auch nicht.

Denn eigentlich müsste man nach diesem persönlichen Schritt auch noch die Umverteilung einleiten, das gute Fleisch nach Afrika schicken und sich selbst wieder in Relation zu den Preisen setzten, die so etwas kosten soll. Nein, ein Stück Fleisch sollte mehr wert sein als drei Euro.

Fleisch sollte so teuer sein, wie es eben muss, wenn es großartige Qualität sein soll, wenn jedes Rind einen Gute-Nacht-Song vorgespielt bekommen soll. Aber nicht nur das Fleisch: Auch das Gemüse! Nein, nicht nur das Gemüse: Auch das Leder! Und nicht nur das Leder: Eigentlich alles! Nichts soll mehr billig sein! Alles soll wertvoll sein.

Handarbeit soll sich wieder lohnen, weil die Leute nicht gegen kleine kambodschanische Händchen konkurrieren müssen, die für einen Hungerlohn schuften. Alles soll sich wieder lohnen. Produkte sollen wieder so gemacht sein – und entsprechend auch eine preisliche Investition darstellen – dass man sie sich nur noch einmal kaufen muss, und nicht alle Jahre wieder. Unserem Einkommen wäre damit gedient, und das, was heute verhältnismäßig luxuriös erscheint, wäre dann eine annehmbare Normalität, bei der jeder zum Zug kommt.

Die Lösung auf gesellschaftlicher Ebene ist damit gefunden, wir können uns nun anderen Dingen widmen. Doch bis diese umgesetzt wird, braucht es durchaus eine stärkere Kraft, eine Bewegung, die individuelle Entscheidungen (“Ich kaufe kein billiges Fleisch”) auf eine kollektive überträgt (“Es lohnt sich nicht mehr, Fleisch in Massenware zu verkaufen, denn die kaufen ja nur noch glückliche Rinder”).

Und schon habe ich alle Hoffnung verloren, denn auch, wenn man in seinem kleinen Mikrokosmos einen gewissen Schritt in Richtung “bessere Welt für mich” machen kann, ändert es im seltensten Fall etwas. Im besten Fall hat man eine geringfügige Chance, sich anzuschließen oder andere leidenschaftliche Gutmenschen zu finden, die sich für das Thema begeistern lassen. Dann kriegt man auch durchdachte Bewegungen zusammen, die gesellschaftlich motiviert einen Umbruch einfordern, unabhängig ihrer Herkunft oder ihres gesellschaftlichen Standes.

Aber nun wollen wir alle Teil von etwas Größerem sein. Es erscheint uns klug zu rebellieren, es macht Sinn, einen Paradigmenwechsel sowohl in Politik als auch in Wirtschaftsbereichen zu fordern. Und vielleicht findet dieser gerade statt, das will ich dem nicht vorwegnehmen. Aber was macht man in dieser Zwischenphase? Muss man sich nicht trotzdem ernähren? Nicht trotzdem zur Arbeit gehen? Geld verdienen und dann wieder ausgeben, um Sanktionen aus dem Weg zu gehen, um sich weiterhin in der Gesellschaft aktiv zu beteiligen?

Diese Widersprüche finden sich gerade überall. Natürlich könnte ich jetzt auch nur noch vom guten Fleisch leben. Ich kann selbstverständlich auch Vegetarierin werden – allerdings verurteile ich nicht den Fleischkonsum selbst, sondern nur die Produktionsweise, weshalb das keine tolle Alternative für mich ist.

Aber dann verzerre ich aufgrund meiner Ideale das Verhältnis zu meiner aktuellen Realität. Ich würde mir auch nur noch Produkte aus Handarbeit fertigen lassen, um das Handwerk zu unterstützen und ein Zeichen gegenüber der Ausbeutung von Dritte-Welt-Ländern zu setzen. Aber das kann ich mir nicht leisten. Und wenn ich es versuchen würde, könnte ich auch schnell keine Miete mehr bezahlen.

Und dann lässt sich das ja auch so schön einfach auf alle anderen Dinge des Lebens übertragen. Ich will nicht sexistisch sein, aber dann müsste ich auch meine Arbeitswelt, die Akademie, die Umgangsprache, die meisten Filme, vor allem mich selbst, die Musik, die ich höre, und meine Freunde auf täglicher Basis kritisieren. Gleichzeitig möchte ich aber noch ein humorvoller, lockerer, spontaner Mensch sein, der auch mal verzeiht und sagt: Das ist okay.

Ich möchte mich nicht leeren, hedonistischen Zielen hingeben. Aber ich will auch mal gedankenlos genießen können. Das steht im größten Widerspruch zu allen Maximen, die mir gerade in die Quere kommen. Saufen, aber nicht alkoholabhängig werden. Essen, aber nicht dick sein. Reisen und mich weiterbilden, aber bloß keinen umweltbelastenden Fußabdruck hinterlassen. Geld verdienen, aber nicht auf Kosten anderer.

Alles muss in einer perfekten Balance sein, da sonst der Kompromiss der Zufriedenheit lange auf sich warten lässt. Schlimmer noch, als sich dann dem Urteil anderer hingeben zu müssen, weil man ihnen irgendwie auf den Schlips getreten ist, ist, wenn man sich selbst an den gegebenen Normen misst und sich deshalb wegen eines Stücks Fleisch die Birne heiß kocht und nicht weiß, ob das jetzt richtig oder falsch ist. Ob Gesellschaftskritik auch beim Individuum anfängt, oder ob man mal einen Schritt zurücktreten sollte, weil man sich selbst nicht aus der Gleichung herausnehmen kann.

Jeder von uns hat irgendwelche abstrahierten Vorstellungen davon, welche Probleme man wie lösen sollte, um der perfekten, gerechten Welt näher zu kommen. Leider führt das in meinen Augen oft dazu, dass man mit dem Anspruch der Unfehlbarkeit eines Charakters eine Selbstbewusstseinsstörung beschwört, bei der sich jeder fragt: War das jetzt höflich genug? Ist das politisch korrekt? Hätte ich das sagen sollen? Darf ich das machen?

Und dann haben wir eigentlich auch schon das Spiel verloren. Wir können nicht in diesem Idealismus leben, ohne einen gewissen (Welt-)Schmerz zu empfinden. Auf der anderen Seite können wir in einer perfekten Balance der Menschheit, bei einem Verzicht auf Ecken und Kanten, wohl auch keine Besonderheit in unseren Kulturen mehr hervorbringen.

Nicht jeder muss alles können, und manchmal ist das Verbinden unserer Hände hinter dem Rücken aufgrund von konventioneller Maßstäbe und der Angst, diese zu brechen, nur eine Ablenkung von dem, was wir vielleicht für die Welt beitragen könnten. Auch, wenn wir dabei nicht politisch korrekt sind.

Die Fotografie stammt von Ehimetalor Akhere Unuabona
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Mädchen in Asien: Eine Reise durch Japan

Japan ist für viele ein Land der scheinbar unendlich Träume. Wer hier her kommt, der taucht ein in eine Abenteuer der technologischen Moderne und traditionellen Kultur. Tokio, Kyoto, Osaka, jede Stadt hat ihren ganz eigenen Reiz und wer sich außerhalb der Stadtgrenzen wagt, der bekommt das echte Jap...
Mädchen in Asien: Eine Reise durch Japan

Mädchen in Asien

Eine Reise
durch Japan

Annika Lorenz

Japan ist für viele ein Land der scheinbar unendlich Träume. Wer hier her kommt, der taucht ein in eine Abenteuer der technologischen Moderne und traditionellen Kultur. Tokio, Kyoto, Osaka, jede Stadt hat ihren ganz eigenen Reiz und wer sich außerhalb der Stadtgrenzen wagt, der bekommt das echte Japan zu spüren, das wilde Japan, das unberührte Japan. Eine naturgebundene Welt, die aus der Zeit zu fallen scheint.

Der Fotograf Peter Baumann und das Model Maria Kn sind quer durch das Land der aufgehenden Sonne gereist, um sich komplett und ausgiebig dem ostasiatischen Flair hinzugeben und Japan auch von Seiten zu erleben, die so manchem Reisenden verborgen bleiben. Denn das Land ist viel mehr als nur eine Aneinanderreihung auffälliger Klischees. Japan steckt voller kleiner und großer Wunder, wenn man sie denn nur sehen möchte.

Maria und ich sind drei Wochen lang quer durch Japan gereist“, erzählt uns Peter. „Von Tokio durch die Präfekturen von Kanagawa nach Kyoto und Hiroshima und am Ende wieder zurück nach Tokio. Wir schießen auf unseren Reisen immer auch Fashionstrecken und da wir unser Gepäck klein halten wollten, kam Maria auf die Idee, während unseres Roundtrips quasi nebenbei immer das selbe Outfit zu inszenieren. Und seien wir mal ehrlich: Es ist ja auch einfacher, nur ein Kleid in den Rucksack zu stopfen, um es immer dabei zu haben.“ Dem kann ich nur zustimmen.

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Die Fotografie stammt von Peter Baumann
Als Model ist Maria Kn zu sehen
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Kaash Paige: Frischer Hip Hop aus Texas

Kaash Paige wurde im mehr oder weniger beschaulichen Grand Prairie in Texas geboren und begann ihre musikalische Karriere bereits in der Highschool. Man kann schließlich nie früh genug anfangen. Obwohl sie Musik immer schon gern hörte, nahm sie sie erst in ihrem zweiten Jahr an der Schule so richtig...
Kaash Paige: Frischer Hip Hop aus Texas

Kaash Paige

Frischer Hip Hop
aus Texas

Annika Lorenz

Kaash Paige wurde im mehr oder weniger beschaulichen Grand Prairie in Texas geboren und begann ihre musikalische Karriere bereits in der Highschool. Man kann schließlich nie früh genug anfangen. Obwohl sie Musik immer schon gern hörte, nahm sie sie erst in ihrem zweiten Jahr an der Schule so richtig ernst.

Nämlich genau dann, als sie beschloss, ihren ersten Song an der Seite ihres Freundes Josiah mit dem Titel Skrilla auf dem Pausenhof zu verteilen. Das Duo nannte sich The Fooly Gang und gewann an ihrer Schule schnell an Popularität, was ihr das Selbstvertrauen gab, es auch außerhalb des Klassenzimmers zu probieren.

Also schrieb Kaash weiterhin fleißig Lieder. Einer ihrer ersten Hits, um es ins Radio zu schaffen, entstand, als sie das Haus staubsaugte und die kalifornische Rapperin Doja Cat hörte. Als sie sich einen Text für einen Remix der Melodie ausdachte, ließ sie ihn von ihrem Vater aufschreiben, woraus der Titel DND entstand, der in der Radiosendung The Box auf Hot 97 in Houston ausgestrahlt wurde.

Nachdem sie im Radio gespielt wurde, war Kaash sich sicher, etwas in der Musikbranche reißen zu wollen. Sie fügte Paige zu ihrem Namen hinzu, was sie zu Kaash Paige machte, und veröffentlichte Tracks mit den Titeln Uber You To My Oasis, Mindset of a Playa und London und anschließend ihr mit Lob überhäuftes Debütalbum Teenage Fever.

Auf die Frage nach ihrem Namen antwortet sie uns trocken: „Kaash Paige ist mein Geschäft und meine Marke, ich bin stolz auf die junge Dame, die ich werde und mit der ich umgeben bin, und ich hoffe, mit ihr so einige Leben zu verändern!“ Kaash bedeutet: „Kill All Arrogance Stop Hatred!“ Und dieses Lebensmotto fließt in jede Melodie und jede Zeile ihrer Musik mit ein.

Kaash Paige: Frischer Hip Hop aus Texas Kaash Paige: Frischer Hip Hop aus Texas Kaash Paige: Frischer Hip Hop aus Texas Kaash Paige: Frischer Hip Hop aus Texas Kaash Paige: Frischer Hip Hop aus Texas
Die Fotografie stammt von Haus of Creators und Universal Music
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Mind Game: Gott ist tot

Ein Taugenichts verliebt sich in ein Mädchen mit großen Brüsten und wird bei einem Überfall in den Arsch geschossen. So normal beginnt Mind Game, der, sagen wir mal, bewusstseinserweiternde Anime von Robin Nishi und Masaaki Yuasa. Nach dem unrühmlichen Ableben trifft der junge Mann dann auf einen kö...
Mind Game: Gott ist tot

Mind Game

Gott ist tot

Marcel Winatschek

Ein Taugenichts verliebt sich in ein Mädchen mit großen Brüsten und wird bei einem Überfall in den Arsch geschossen. So normal beginnt Mind Game, der, sagen wir mal, bewusstseinserweiternde Anime von Robin Nishi und Masaaki Yuasa. Nach dem unrühmlichen Ableben trifft der junge Mann dann auf einen körperlich ziemlich instabilen Gott, der ihm mit magischen Riesenbildschirmen und Spiegeln eine zweite Chance ins Leben verpasst.

Die nutzt er, flieht mit einer gescheiterten Schwimmerin und ihrer burschikosen Schwester vor Gangstern, Comic-Figuren und hässlichen Franzosen und erzählt währenddessen die Geschichte einer gestrandeten Weltraum-Crew, die sich von dem Dung eines extrem tollpatschigen Aliens ernähren muss und irgendwann merkt, dass ihre einzige Chance aus dem Dilemma der vaginale Ausgang einer auf der Toilette sitzenden Japanerin ist. Die ganze Bande landet irgendwann im Bauch eines Wals, trifft auf einen schrulligen alten Mann und entdeckt bald ihren eigenen Sinn des Lebens.

Weil ich zu dumm zum Kiffen war und mein bewusstseinserweiternder Kakao auch nicht so richtig zünden wollte, musste ich gestern Nacht die Grenzen meiner Gedankenwelt auf andere Art und Weise versetzen und zog mir Mind Game vom japanischen Studio 4°C hinein, die sich auch für Batman Gotham Knight und Animatrix verantwortlich zeigen.

Schnellwechselnde Szenen, harte Schnitte und eine bescheuerte Story, gepaart mit grellen Farben und unterschiedlichsten Zeichenstilen, brachten meinen Kopf zum Platzen und schafften es mich mit einem Feuerwerk aus Kreativität und Inspiration so zu verwirren, dass ich anschließend in einer embryonalen Stellung auf dem harten Boden lag und mir wünschte, Gott wäre mein neuer bester Freund.

Wer mutig ist und sich nicht immer nur bei Disneys Alice im Wunderland und der Rocky Horror Picture Show die Birne wegballern möchte, der darf sich ruhig einmal an diesem japanischen Animationswerk versuchen und dadurch auf eine bildgewaltige Odyssee von Robin Nishi und Masaaki Yuasa durch eure Fantasie gehen. Für Komplettnüchterne ist der Streifen zwar nicht geeignet, alle anderen werden aber ihre pure Freude an Mind Game haben. Nishi, Gott und dicke Titten forever.

Mind Game: Gott ist tot Mind Game: Gott ist tot Mind Game: Gott ist tot Mind Game: Gott ist tot Mind Game: Gott ist tot Mind Game: Gott ist tot Mind Game: Gott ist tot Mind Game: Gott ist tot Mind Game: Gott ist tot Mind Game: Gott ist tot Mind Game: Gott ist tot Mind Game: Gott ist tot Mind Game: Gott ist tot Mind Game: Gott ist tot Mind Game: Gott ist tot Mind Game: Gott ist tot Mind Game: Gott ist tot Mind Game: Gott ist tot Mind Game: Gott ist tot Mind Game: Gott ist tot Mind Game: Gott ist tot Mind Game: Gott ist tot Mind Game: Gott ist tot Mind Game: Gott ist tot Mind Game: Gott ist tot Mind Game: Gott ist tot Mind Game: Gott ist tot Mind Game: Gott ist tot Mind Game: Gott ist tot Mind Game: Gott ist tot
Die Illustration stammt von Studio 4°C und Rapid Eye Movies
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Zeit für Liebe: Ich suche einen Freund

Gestern rief mich meine beste Freundin an und erzählte mir, dass sie und ihr Freund, mit dem sie seit etwa neun Monaten zusammen ist, in Zukunft auf Verhütung verzichten werden. Im ersten Moment hielt ich das für einen schlechten Scherz, doch dann wurde mir bewusst, dass die beiden sich wirklich ein...
Zeit für Liebe: Ich suche einen Freund

Zeit für Liebe

Ich suche
einen Freund

Nadine Kroll

Gestern rief mich meine beste Freundin an und erzählte mir, dass sie und ihr Freund, mit dem sie seit etwa neun Monaten zusammen ist, in Zukunft auf Verhütung verzichten werden. Im ersten Moment hielt ich das für einen schlechten Scherz, doch dann wurde mir bewusst, dass die beiden sich wirklich ein gemeinsames Kind wünschen. Und damit sind sie nicht die einzigen in meinem Freundeskreis. Gefühlt ist jeder meiner Bekannten gerade mit Verlobungen, dem Feiern von opulenten Hochzeiten oder dem Zeugen und Gebären von Nachkommen beschäftigt.

Nur ich sitze hier und masturbiere. Was mir zwar große Freude macht, immerhin habe ich im Gegensatz zu einigen meiner Bekannten dadurch regelmäßig fantastische Orgasmen. Doch irgendwie steigt in mir langsam aber sicher das Gefühl auf, dass ich mit den perfekten Leben meiner perfekten Freunde, die die perfekten Jobs haben und jetzt auch noch die perfekte Familie gründen, nicht mehr mithalten kann.

Eben weil ich Single bin, zu viel masturbiere und meine Tage und Nächte lieber in irgendwelchen Clubs verbringe, statt mich ernsthaft mit der Suche nach einem geeigneten Nebenjob oder, Gott bewahre, dem Abschluss meines Studiums zu beschäftigen.

Damit wird allerdings nun Schluss sein. Denn gestern Abend habe ich beschlossen: Die Suche nach einem neuen Freund wird bei mir ab sofort oberste Priorität haben. Ich habe nämlich wirklich keine Lust darauf, mich länger als Aussätzige zu fühlen, die ihr Leben nicht auf die Reihe bekommt und keinen Partner länger halten kann als ein paar unverbindliche Nächte.

Ich will nicht mehr die sein, die ihre verlobten und verheirateten Freunde damit unterhält, dass ihr auf der Clubtoilette ein völlig fremder Typ das Arschloch geleckt hat, während sie eine Line Koks geballert hat. Ich will endlich auch eine richtige Beziehung, mit der ich angeben kann und um die ich von meinen wenigen Single-Freundinnen beneidet werde.

Meine erste Amtshandlung, nachdem ich den Entschluss gefasst hatte, ab sofort meinen gesamten Fokus auf die Suche nach einem neuen festen Freund zu legen, war also, Tinder und die ganzen anderen Hook-Up-Apps zu deinstallieren und mich bei einem etwas elitäreren Partnervermittlungsdienst anzumelden. Richtig, die Rede ist von OkCupid.

Da kann man nämlich ganz gezielt nach Leuten suchen, die auch an einer festen Partnerschaft interessiert sind und sich so bald wie möglich fortpflanzen möchten. Gemeinsame Interessen zu haben ist für eine Beziehung sowieso essenziell, und jemand, der nur mit mir ins Bett möchte, kommt mir jetzt, da ich mich dazu entschieden habe, mir einen echten Partner zu angeln, nicht mehr in die Bude.

Leider bedeutet das auch, dass ich die drei Affären, die ich gerade am Laufen habe, irgendwann in den kommenden Tagen, oder Wochen, beenden muss. Von denen sind alleine zwei schon deshalb kein Heiratsmaterial, weil sie bereits Ehefrauen zuhause sitzen haben, die nichts von ihren Abenteuern mit mir wissen, und der andere kommt nicht infrage, weil er zu hässlich und dumm ist, als dass sich aus seinem Erbgut noch irgendetwas Vernünftiges machen ließe.

Aber wer wie ich auf der Suche nach einer richtigen Beziehung ist, der muss sich eben auch selbst optimieren, und dazu gehört nun mal, dass ich alten Ballast, sprich, alte Affären und Männer, die mir nicht mehr taugen, abwerfe und hinter mir lasse. Auch, wenn es schwerfällt.

Dazu kommt, dass ich mir mit der Feierwut, die ich in den letzten Monaten, wenn nicht sogar Jahren, an den Tag gelegt habe, optisch natürlich so überhaupt gar keinen Gefallen getan habe. Obwohl ich noch nicht einmal annähernd 30 bin, haben sich auf meiner Stirn und neben meinen Augen bereits kleine Falten gebildet. Von den eitrigen und rot glänzenden Pickeln, mit denen ich immer noch zu kämpfen habe, mal ganz abgesehen.

Meine Fuckbuddys hat das nie weiter gestört, aber die wollten genau wie ich ja auch nur das Eine. Jetzt, wo ich auf der Suche nach einer ernsthaften Partnerschaft bin, kann ich es mir selbstverständlich nicht mehr leisten herumzulaufen wie das asoziale Drogenopfer, das ich in Wirklichkeit bin.

Während ich also diesen Text tippe, entfaltet auf meinem Gesicht hoffentlich die Antipickelmaske endlich ihre Wirkung. Was die nicht bereinigt bekommt, wird später dann unter einer ordentlichen Schicht Camouflage-Make-Up verdeckt. Ich habe heute Abend nämlich bereits das erste Date mit meinem potenziellen Ehemann.

Weil ich aber nicht komplett bescheuert bin und glaube, dass der erstbeste Typ, den ich auf OkCupid aufgerissen habe, tatsächlich der Mann meiner Träume ist, habe ich mir für die kommenden zwei Wochen jeden Abend ein Date organisiert. Dafür hab ich unter anderem all meine Freundinnen und Freunde angeschrieben, die einen Single-Mann im erweiterten Freundeskreis haben, und sie gebeten, mir Dates mit diesen zu organisieren.

Das hat ganz wunderbar geklappt. Das Internet allein hat nämlich leider nicht genug Typen hergegeben, die Zeit und Lust hatten, sich auf ein ernsthaftes Date mit mir zu treffen und nicht nur zum Poppen und Kiffen. Weil mir die Sache mit der Beziehung aber durchaus sehr ernst ist, war es mir wichtig, mich die nächsten zwei Wochen ausschließlich mit der Partnersuche zu beschäftigen.

Leider ist mein letztes ernsthaftes Date nun doch schon eine ganze Weile her. Wie gesagt, ich war lange Zeit die geile Tante, die sich auf dem Klo eines Clubs das Arschloch lecken ließ, während sie Drogen nahm. Ein bisschen Angst habe ich schon davor, mit einem der zwölf Typen, die ich in den nächsten zwei Wochen treffen werde, ins Bett zu steigen, einfach weil ich nicht mehr weiß, wie Daten geht.

Deshalb werde ich die Zeit, die die Enthaarungscreme an meinen Beinen einwirkt, nutzen, um im Internet nach wertvollen Tipps für das erste Treffen zu suchen und vielleicht noch ein paar mentale Coachings, die ich auf YouTube gefunden habe, mitmachen, um wenigstens nicht ganz so unvorbereitet zu sein, wie ich mich gerade fühle.

Ich weiß wirklich nicht, wie das die anderen Leute aus meinem Umfeld gemacht haben, die in festen Partnerschaften sind, sich verloben, heiraten und plötzlich aufhören, auf die Verhütung zu verzichten, weil sie sich auf einmal vorstellen können, ihren Wodka-Tonic gegen vollgeschissene Windeln zu tauschen. Aber was ich weiß: Ich will es auch. Weil ich einfach nicht der letzte Loser in meinem Bekanntenkreis sein will, der all das nicht hat.

Die Fotografie stammt von Travis Grossen
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Mädchen in Texas: Ein Nachmittag mit Taylor Green

Alle paar Jahre überlege ich mir nun bereits, ob ich mir nicht auch mal ein Tattoo zulegen möchte. Zumindest ein kleines. So für den Anfang. Als Zwölfjährige wollte ich unbedingt schwarze Sterne auf dem Oberarm haben, aber meine Eltern hatten es mir verboten. Und das war wahrscheinlich auch besser s...
Mädchen in Texas: Ein Nachmittag mit Taylor Green

Mädchen in Texas

Ein Nachmittag
mit Taylor Green

Daniela Dietz

Alle paar Jahre überlege ich mir nun bereits, ob ich mir nicht auch mal ein Tattoo zulegen möchte. Zumindest ein kleines. So für den Anfang. Als Zwölfjährige wollte ich unbedingt schwarze Sterne auf dem Oberarm haben, aber meine Eltern hatten es mir verboten. Und das war wahrscheinlich auch besser so. Heute möchte ich mir vielleicht ein kleines Herz auf die Hand oder ein ungefülltes Dreieck auf dem Unterarm.

Taylor Green aus Austin im sonnigen Texas ist da offensichtlich schon ein Stückchen weiter. Die erdverbundene Liebhaberin der Pflanzen, der Tiere und gewisser übersinnlicher Spiritualitäten hat ihre kindlichen Anfangsängste überwunden und ist heute eine wahrlich wunderschön tätowierte Göttin. Arme, Beine, Oberkörper – überall finden sich kunterbunte Kunstwerke, die so manche persönliche Geschichte visuell erzählen.

Der ebenfalls in den USA geborene und auch dort arbeitende Fotograf Dalton Campbell durfte Taylor nun für das Self Control Magazine ablichten. Und zwar dort, wo es Miss Greenery nun einmal am besten gefällt: In der freien Natur. Und vielleicht hat mich Taylor Green mit ihren körperlichen Kunstwerken ja davon überzeugt, mir selbst bald ein Tattoo stechen zu lassen. Nur wo und was, das bleibt noch mein kleines Geheimnis…

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Die Fotografie stammt von Dalton Campbell
Als Model ist Taylor Green zu sehen
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Sie kommt von Herzen: Hassliebe ist das ehrlichste Gefühl

Wenn man von Liebe spricht, schwingt der Hass immer ein bisschen mit. Es ist ja so: Ohne Hass könnte die Liebe gar nicht existieren. Ich meine, woher sollst du denn wissen, was Liebe ist, wenn du noch nie richtig gehasst hast? Und woher weißt du, wie sich Hass anfühlt, wenn du noch nie richtig gelie...
Sie kommt von Herzen: Hassliebe ist das ehrlichste Gefühl

Sie kommt von Herzen

Hassliebe ist das
ehrlichste Gefühl

Jana Seelig

Wenn man von Liebe spricht, schwingt der Hass immer ein bisschen mit. Es ist ja so: Ohne Hass könnte die Liebe gar nicht existieren. Ich meine, woher sollst du denn wissen, was Liebe ist, wenn du noch nie richtig gehasst hast? Und woher weißt du, wie sich Hass anfühlt, wenn du noch nie richtig geliebt hast?

Ehrlich jetzt, Liebe und Hass, die gehen Hand in Hand und Curse hat in den Zweitausendern sogar mal einen Song dazu gemacht, “Kann man sich gleichzeitig lieben und hassen?” fragte er da. Ich kann ihm heute sagen, dass das geht. Vielleicht ist das diese Hassliebe, von der man immer hört. Die immer herhalten muss, wenn man es nicht mehr erklären kann.

Es ist irgendwie krass, wenn Liebe und Hass sich so nah sind: Das ist einfach das stärkste Gefühl, also für mich zumindest. Dieser Moment, wenn Hass das Gefühl von Liebe nicht ersetzt oder mindert, sondern sogar noch verstärkt. Wenn du nicht liebst und hasst, dann spürst du Gleichgültigkeit und das ist wirklich das schlimmste Gefühl. Weil es nicht einmal so ein richtiges Gefühl ist irgendwie, also für mich zumindest.

Ich hab schon viel geliebt, naja, nicht so richtig, nicht so wie man Menschen liebt oder lieben sollte. Eher so, wie man Pommes liebt. Oder Schokolade. Aber ich habe schon geliebt, denke ich. Das Ding ist nur: irgendwann war ich immer satt. Also nicht jetzt von den Pommes und der Schokolade. Satt von der Liebe. Sie war mir irgendwann egal, also, sie ist irgendwann irgendwie unspektakulär geworden, wie das halt so ist, wenn du jeden Tag nur Pommes isst oder Schokolade.

Das ist schon alles geil, aber irgendwann hast du halt auch einfach genug und dann willst du eben andere Sachen. Ich meine damit jetzt noch nicht mal unbedingt ein Steak vom Kobe-Rind, sondern eher die kulinarischen Kleinigkeiten: Dass die Pommes mal zu salzig sind und die Schokolade mal zu bitter. Oder andersherum. Mit dieser Hassliebe ist es hingegen so, dass sie mich voll vereinnahmt. Ich esse und esse und ich werde einfach nicht satt. Und das, obwohl mir schon ganz schlecht davon ist. Obwohl es mir eigentlich auch schon gar nicht mehr schmeckt.

Mit Liebe und Hass ist es ja so: Sie müssen sich nicht immer auf Menschen beziehen. Über die Jahre, die wir nun schon zusammen sind, haben Berlin und ich zum Beispiel so ein Ritual entwickelt: Immer, wenn ich die Stadt verlassen muss, weil sie es mir mal wieder schwer gemacht hat, einfach nur glücklich mit ihr sein zu können, schenkt sie mir so einen Moment, der mir zeigt, dass es falsch wäre, ihr für immer den Rücken zu kehren.

Das klingt jetzt etwas umständlich. Einfach gesagt: Ich glaube, die Stadt will trotz aller Niederlagen und Rückschritte, dass ich wiederkomme. Wieder nach Hause. Ich glaube, das ist diese Hassliebe, von der man immer hört. Man will sie auf keinen Fall loslassen, weil man glaubt, der Hass garantiere einem die Liebe. Zwei zum Preis von einem. Purer Zeitgeist. Und trotzdem würde man lieber nur einen ganzen Sack von dem einen kaufen. In dem Fall natürlich einen Sack voll Liebe.

Wo die Liebe hinfällt, kann man ja nie sagen. Sie passiert einfach so für sich, ohne dass man es will und steuern kann. Hass hingegen, der ist schon sehr konkret. Zumindest erlebe ich das so. Fest. Hart. Konkret. So empfinde ich Hass. Okay, das ist vielleicht ein sehr starkes Wort, also Hass an sich, genau wie Liebe auch, aber Hass macht es mir nicht schwer, Worte für ihn zu finden.

Ich hasse ja relativ viel. Nazis zum Beispiel. Oder Haie. Wirklich, ich hasse Haie. Und ich weiß nicht einmal genau wieso. Und trotzdem üben sie auf mich eine solche Faszination aus, dass ich geradezu besessen von ihnen bin. Wenn irgendwo ein Haifilm läuft, muss ich ihn sehen. Wenn irgendwo ein Buch über Haie erscheint, muss ich es lesen.

Jedes Poster, jedes Shirt, auf dem ein Hai zu sehen ist: Ich muss es haben. Verdammt, ich habe sogar einen scheiß Hai tätowiert. weil ich diese Tiere hasse – und ich liebe das Tattoo. Genau wie ich Haie auch irgendwie liebe. So versucht man vielleicht immer instinktiv die Liebe gegen den Hass gewinnen zu lassen.

Vielleicht erfährt man Hassliebe sehr oft. Man weiß es nur eben nicht, bis man mal länger drüber nachdenkt. Bis es einen Anlass dazu gibt. Diesen Moment, wenn Hass das Gefühl von Liebe nicht mindert, sondern sogar noch verstärkt, habe ich erst einmal bei einem Menschen erlebt, und das war irgendwie krass, also dass Liebe und Hass sich so nah waren.

Ich habe den Typen, den ich so hassliebe, vom ersten Moment an gehasst. Da bin ich mir heute zumindest ganz sicher. Seine Arroganz. Die Art, wie er spricht und sich bewegt. Ja, sogar seinen verdammten Bart, der nicht so richtig zu seinem vor Überheblichkeit nur so strotzendem Grinsen passt – doch irgendwie war da etwas an ihm, das mich sofort in seinen Bann zog.

Vielleicht die Arroganz. Oder die Art, wie er sprach und sich bewegte. Ja, vielleicht sogar sein verdammter Bart, der nicht so richtig zu seinem vor Überheblichkeit nur so strotzendem Grinsen passte. Ich habe den Typen, den ich so hassliebe, vom ersten Moment an geliebt. Da bin ich mir heute ganz sicher.

Wir waren nicht lange zusammen, ein halbes Jahr vielleicht, und ich glaube, er hat mich auch ziemlich gehasst. Meine viel zu große Nase. Meine Aufsässigkeit. Und dass ich ihm immer ins Wort gefallen bin – doch irgendwie war da was an mir, das ihn sofort in meinen Bann gezogen hat. Vielleicht die viel zu große Nase. Oder meine Aufsässigkeit. Ja, vielleicht sogar die Tatsache, dass ich ihm immer ins Wort gefallen bin. Er hat mich vom ersten Moment an geliebt.

Wir waren nicht lange zusammen, ein halbes Jahr vielleicht, und während dieses halben Jahres, waren wir ziemlich oft getrennt. Weil wir uns gehasst haben. Unzählige Streitgespräche haben wir geführt, uns immer wieder geschworen, nie wieder ein Wort miteinander zu sprechen – doch das Ding ist eben, zum Küssen braucht man keine Worte.

Und so viel Hass in unseren Worten steckte, so viel Liebe steckte auch in unseren Küssen. Und wenn wir dann da lagen und rauchten, die Wangen rot vom Sex und den Ohrfeigen, die wir uns gaben, weil wir uns hassten, während wir uns liebten, schlugen unsere Herzen mindestens genauso wild, wie es unsere Fäuste die meiste Zeit über wollten. Immer dann waren wir zusammen.

Wir waren nicht lange zusammen, ein halbes Jahr vielleicht, doch diese Hassliebe, die ist immer noch da, auch wenn wir längst nicht mehr zusammen sind. Irgendwann haben wir Schluss gemacht, weil sie uns so vereinnahmt hat und sind zurück gegangen zu der viel zu süßen Schokolade und den ungesalzenen Pommes, denn die haben uns auf Dauer niemals unglücklich gemacht – weil wir immer wussten, was wir an ihnen haben. Und außerdem gibt es auch noch das Steak vom Kobe-Rind.

Die Fotografie stammt von Igor Miske
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Animemesse in Tokio: Wo die Trickfilme gefeiert werden

Die Geschichte der Anime beginnt im frühen 20. Jahrhundert. Als Filmemacher noch mit neuen Animationstechniken experimentierten. Den Anspruch auf den ersten Anime der Menschheitsgeschichte hat wohl Katsudo Shashin, ein undatiertes und privates Werk eines unbekannten Schöpfers. Im Jahr 1917 erschie...
Animemesse in Tokio: Wo die Trickfilme gefeiert werden

Animemesse in Tokio

Wo die Trickfilme
gefeiert werden

Marcel Winatschek

Die Geschichte der Anime beginnt im frühen 20. Jahrhundert. Als Filmemacher noch mit neuen Animationstechniken experimentierten. Den Anspruch auf den ersten Anime der Menschheitsgeschichte hat wohl „Katsudo Shashin“, ein undatiertes und privates Werk eines unbekannten Schöpfers. Im Jahr 1917 erschienen die ersten professionellen und öffentlich ausgestellten Werke.

Animatoren wie Oten Shimokawa und Seitarou Kitayama produzierten zahlreiche Werke, wobei der älteste erhaltene Film „Kouchis Namakura Gatana“ ist, ein zweiminütiger Clip über einen Samurai, der versucht, ein neues Schwert an seinem Ziel zu testen, nur um eine Niederlage zu erleiden. Das große Kanto-Erdbeben von 1923 führte zu einer weitreichenden Zerstörung der Infrastruktur Japans und zur Demolierung des Lagers von Oten, wodurch die meisten dieser frühen Werke vernichtet wurden.

Der Erfolg von Walt Disneys Spielfilm „Schneewittchen und die sieben Zwerge“ aus dem Jahr 1937 beeinflusste viele japanische Trickfilmer zutiefst, und in den 1970er Jahren erlebte das Land der aufgehenden Sonne einen sprunghaften Anstieg der Popularität von Manga, Comics und Graphic Novels, von denen viele später animiert wurden.

Besondere Aufmerksamkeit erregte die Arbeit von Osamu Tezuka. Er wurde als Legende und Gott des Manga bezeichnet. Seine Werke und die anderer Pioniere auf diesem Gebiet inspirierte ein ganzes Genre, das auch heute noch ein grundlegendes Element des Anime ist. Nach einigen erfolgreichen Adaptionen von Anime in Überseemärkten verzeichneten Anime dort seit den 1980ern immer größere Erfolge.

Ich persönlich liebe Anime. Fantastische Geschichten, gepaart mit peppigen Charakteren, schönen Zeichnungen und epischer Musik. Das Beste an der japanischen Animation im Allgemeinen ist die große Vielfalt, in der sie existiert. Jeder einzelne von ihnen ist wie eine offene Tür in ein anderes Abenteuer. Einige sind dunkel, andere sind glücklich. Manche sind süß, manche sind sexy. Manche sind harmlos, manche sind aufregend.

Sucht euch einfach eines aus und finden euch in einem alternativen Universum wieder, in dem plötzlich alles möglich erscheint. Anime sind die perfekte Flucht für den unterdrückten Geist. Und weil wir Anime so toll finden, haben wir uns auf der alljährlichen Tokyo International Anime Fair einmal genauer angeschaut, was es mit den japanischen Trickfilmen so auf sich hat.

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Megalomaniac: Ich bin der Durchschnitt

Ich stehe auf einer Bühne. Meine Augen sind weit offen, doch ich fühle mich geblendet von der mich umgebenden Schwärze. Kein einziger Schimmer dringt durch die blinde Dunkelheit in meinen Kopf, und doch zweifle ich meine Sinne nicht an, denn hinter dem schweren Vorhang aus Samt, den ich mir nur denk...
Megalomaniac: Ich bin der Durchschnitt

Megalomaniac

Ich bin der
Durchschnitt

Sara Navid

Ich stehe auf einer Bühne. Meine Augen sind weit offen, doch ich fühle mich geblendet von der mich umgebenden Schwärze. Kein einziger Schimmer dringt durch die blinde Dunkelheit in meinen Kopf, und doch zweifle ich meine Sinne nicht an, denn hinter dem schweren Vorhang aus Samt, den ich mir nur denken kann, höre ich das Tosen des Publikums. Sie rufen und schreien, sie stampfen mit ihren Füßen wild auf dem Holzboden des riesigen Saales.

Wir befinden uns im Audimax der Welt – Fernsehkameras aller Nationen, die besten Fotografen, alle wichtigen Menschen und auch die unwichtigen, Männer, Frauen, Kinder – junge, kranke, alte, starke Menschen – Politiker, Ökonomen, Philosophen, Künstler, Kulturschaffende, Wissenschaftler, der Papst – alle sind gekommen. Alle warten darauf, dass der Vorhang fällt, für die größte Inszenierung aller Zeiten… für mein Leben.

Leider ist das Leben kein dramatisches Schauspiel, das von Superhelden und Geheimagenten bespickt ist, und so ist alles, was fällt, meistens ich selbst, und zwar auf den Boden, der Nase nach. Und oft breche ich mir dabei auch noch einen Zahn ab. Dabei ist dieser Traum vom Rampenlicht, so unrealistisch er sein mag, und ich meine nicht nur, weil ich kein so besonderer Mensch bin, sondern weil ich auch keine besonders rampenlichtige Persönlichkeit habe, etwas, dass mich schon seit Anbeginn meiner wirren Gedankenchronik begleitet.

Und egal, in welcher Form, es läuft immer darauf hinaus, dass die Menschen zu mir aufblicken. Ob ich als verschrobene, unentdeckte Sängerin einer avant-gardistischen Rockband meine kleinen Songs trällere, oder ob ich als höchstkriminelle, neumodische, aber gutmeinende, weibliche Robin Hood die Welt auf den Kopf stelle, Kriege beende und für das Recht auf Gerechtigkeit kämpfe. Jeder kennt meinen Namen. Und ich bin irgendwer. Ich bin irgendwer, der wichtig ist.

Auch, wenn diese sehr selbst-zentrierte Form der Tagträumerei maßlos und überheblich wirkt, glaube ich kaum, damit auf weitem Flur alleine zu stehen. Ich kenne viele Menschen, die würden nicht zugeben, dass sie nach Anerkennung, nach Macht streben. Aber ey, lügt euch nicht an. Wir streben nach Aufmerksamkeit, und wir sterben, in der Hoffnung, auch nach unserem Tod mit Aufmerksamkeit übergossen zu werden.

Größenwahn? Vielleicht. Aber es muss auch nicht der Thron der Welt sein, den ich gedanklich besteige. Es würde schon reichen, wenn ein einziger Mensch – ein existierender, klar denkender Mensch – eines Tages in Ehrfurcht vor meinem Werk, vor meinem Leben steht und sagt: Krass. Das hätte niemand anderes so machen können. Das hat niemand vor ihr so gemacht. Das ist einzigartig. Diese Sara Navid war eine Vorreiterin auf ihrem Feld.

Diese Ehrfurcht – kein Neid, wohlgemerkt, sondern nur positiver Respekt und ein daraus resultierender “Aufblick”-Mechanismus – ist auch das, was mir jeden Tag begegnet. Vor allem in der Uni. Da liest man pro Woche zwei bis siebenhundert Seiten von geistigen Orgasmen, die in einem perfekten Tiramisu der Geschmacksexplosionen verarbeitet wurden.

Da sind Naturwissenschaftler, Geisteswissenschaftler, Sozial- und Kulturwissenschaftler, Philosophen, Theoretiker im weitesten Sinne die mit ihren Standpunkten, ihren Systemkritiken und ihren “neuen” Gedankenverknüpfungen die Tore zu neuen Welten öffneten. Die unsere Welt heute weitaus mehr prägen als es jeder Barack Obama es könnte. Wir lesen heute noch Aufsätze von großartigen Menschen, die vor hundert Jahren verfasst wurden. Und mit jedem fertig gelesenen Text, der auf den Stapel “erledigt” gelegt wird, vergrößert sich auch der Abstand zwischen mir und allen großen Persönlichkeiten, die tatsächlich einen Wert für unsere Gesellschaft beigetragen haben.

Hier bin also ich. Inmitten von sieben Milliarden Menschen. Ich lese Weber und Marx und Cassirer und Habermas und denke mir, wer bin ich eigentlich? Ich werde niemals so etwas schreiben können. Und selbst wenn ich es schreiben könnte: meine Intelligenz reicht nicht aus, um das zu erreichen, was die Ikonen des Erfolgs und der Weltgeschichte vor mir erreicht haben. Selbst, wenn ich das Maß an mich selber nicht so hoch stecken würde, bliebe das Ergebnis identisch. Jedes Mal, wenn ich meine Lieblingswochenzeitung aufschlage, lese ich mindestens einen Text, dessen Inhalt weitaus alles übersteigt, was ich jemals auch nur im Ansatz für überhaupt möglich hielt.

Und nicht mal so weit muss man gehen. Es reicht schon, an dem Gedanken einer Hausarbeit zu versagen, weil man genau weiß, dass da nicht genug Wissen ist, um zu triumphieren. Es reicht schon, andere Blogs zu lesen, es reicht, die Gedankengänge jüngerer Kollegen oder Kommilitonen zu verfolgen, um festzustellen, shit, da komme ich nicht ran, in keinster Weise.

Und dann stellt man sich unweigerlich die Frage: Wozu mache ich das überhaupt? Wer möchte ich sein? Ein Teil der intellektuellen Elite? Jemand, der vor seiner Zeit lebt, und unter einem normativen Erfolgsdruck leidet? Oder jemand, der sich dem Kompromiss der Gegenwart anschließt, und sagt, naja, dann ist es eben so, wie es ist – und mehr als versuchen kann ich es auch nicht.

Das zwickt ganz schön. Das Gefühl, zum Durchschnitt zu gehören, und in keiner Leistung vortreffliche Arbeit zu machen, keinen Bestandteil des Charakters zu besitzen, der einen hervorhebt. Viel schlimmer: Man bewirkt nichts. Man ist ein Teil der wabernden Masse mit eigenem kleinen Mikrokosmos. Dann dauert es nur ein paar Generationen, bis man vergessen wird. Bis jemand anderes diesen Platz einnimmt.

An vielen Tagen stört mich das alles nicht. Mein kleiner Mikrokosmos reicht mir vollkommen, um Zufriedenheit an den Tag zu legen. Doch gibt es diese Momente, wo das Gefühl, die Sterne seien unerreichbar, mir die Luft zum Atmen abschneidet. Wo ich alles stehen und liegen lassen möchte und glaube, dass diese Gesellschaft mich aussaugt, und dass ich nie eine Chance hatte, und und und… Der Knick im Ego kann gerne auch zu einer Runde Mitleidsdusche führen.

Und dann macht man weiter. Mit den gleichen Träumen. Dass man eines Tages vor einem schwarzen, schweren Vorhang aus Samt steht. Dass die Menschen einem applaudieren, weil man es geschafft hat, die Probleme unserer Welt zu bändigen. Oder weil man ein Lied singt, welches, wenn auch nur wenige, Menschen glücklich macht. Oder weil man einen Text schreibt, der so durchdacht und klug ist, dass die Menge ihre Anerkennung beipflichten möchte. Und vielleicht braucht es ja manchmal einen unrealistischen Traum, um eine realistische Einschätzung seiner selbst zu erzielen.

Die Illustration stammt von Icons8
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Linke Gewalt: Widerstand und Prügel

Sagen wir es direkt mal so, wie es ist: Die linke Szene hat ein Gewaltproblem. Nein, ich rede nicht vom Anzünden von Autos oder Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, was, seien wir mal ehrlich, einer der lächerlichsten Straftatbestände ist, die das Strafgesetzbuch zu bieten hat. Abgesehen von der S...
Linke Gewalt: Widerstand und Prügel

Linke Gewalt

Widerstand
und Prügel

Lena Freud

Sagen wir es direkt mal so, wie es ist: Die linke Szene hat ein Gewaltproblem. Nein, ich rede nicht vom Anzünden von Autos oder Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, was, seien wir mal ehrlich, einer der lächerlichsten Straftatbestände ist, die das Strafgesetzbuch zu bieten hat. Abgesehen von der Strafbarkeit für den Besitz von Marihuana vielleicht.

Nein, wovon ich spreche ist die linke Szene und ihr Problem mit Gewalt gegenüber Frauen. Und wenn ich „Frauen“ sage, dann schließt das Transfrauen, genderqueere oder intersexuelle Personen und solche, die von der Gesellschaft als weiblich gelesen werden, mit ein. Auch wenn nicht öffentlich darüber geredet wird, die hinter vorgehaltener Hand weitergegebenen Warnungen („Halte dich besser von XY fern, der hat sich mehr als nur einer Frau gegenüber übergriffig verhalten!“) kennen wir alle.

Man würde wohl nicht vermuten, dass solche Stille-Post-Spiele über gewalttätige Männer in der linken Szene Gang und Gäbe sind, schließlich gilt sie nach außen hin als besonders feministisch und setzt sich gegen lautstark gegen Diskriminierung ein und damit unter anderem auch gegen Sexismus. Die übergriffigen, das sind immer die anderen. Wenn jemand aus dem eher mittleren bis rechten Spektrum mit Gewalt auffällt, wundert das eigentlich niemanden mehr so richtig.

Wenn es sich jedoch um einen Mann aus der linken Szene handelt, dem öffentlich sexuelle, emotionale, homophobe oder rassistische Gewalt vorgeworfen wird, will das erst einmal niemand so richtig glauben. Schließlich ist ja bekannt, dass dieser Mensch ein Feminist ist und bei Demos für Frauenrechte immer in der ersten Reihe mit marschiert. Dem traut man Gewalt einfach nicht zu – außer vielleicht ein paar Steinwürfe in Richtung Polizisten. Und auch nur dann, wenn die Polizei sich als Erstes gewalttätig verhalten hat. Aus purer Notwehr, sozusagen.

Fakt ist jedoch: In der linken Szene gibt es Gewalt. Und sie richtet sich nicht etwa ausschließlich gegen „das System“, sondern in erster Linie gegen marginalisierte Menschen innerhalb der eigenen Strukturen. Die Sache ist jedoch, dass die Gewalt der Linken gegen die Menschen, für die sie vorgeben, zu kämpfen, sehr viel subtiler von statten geht als das, was wir in den Medien zu sehen kriegen, wenn über „linke Gewalt“ berichtet wird.

Es fliegen keine Molotow-Cocktails durch die eigenen Reihen, und es zündet auch niemand Autos an, die jemandem aus der eigenen Gruppierung gehören oder schlägt seine Frau auf offener Straße windelweich. Und dennoch ist sie da, die Gewalt. Die Öffentlichkeit bekommt sie nur nicht mit, weil sie verschwiegen, abgestritten und so gut es geht vertuscht wird. Und zwar von den Menschen, die vorgeben, für mehr Gerechtigkeit zu kämpfen. Es ist ihr linker Status, der die Täter davor schützt, bestraft zu werden und die Glaubwürdigkeit der Opfer untergräbt.

Die linke Szene besteht nach wie vor überwiegend aus Männern. Aus weißen, heterosexuellen Männer wohlgemerkt, die Diskriminierung so gut wie nie am eigenen Leib erfahren hat, denn die meisten von ihnen stammen aus guten Elternhäusern, in denen Geld nie eine Rolle spielte und haben sich bewusst dafür entschieden, „links“ zu sein – und nicht etwa, weil sie es sein mussten, in etwa, weil das eigene diskriminiert werden sie dazu zwang. Strukturelle Diskriminierung, wie Homosexuelle, Transsexuelle, Frauen, People of Color oder Menschen mit Behinderungen oder psychischen Erkrankungen sie erleben, kennen diese Männer nur aus Erzählungen von anderen.

Sie sind genauso privilegiert aufgewachsen wie die weißen, heterosexuellen Männer, die sich später nicht explizit linken Gruppierungen anschließen und wurden dementsprechend schon immer von patriarchalen Strukturen geschützt, die sie als vollkommen normal erachten. Vielleicht, weil sie es nicht anders kennen. Vielleicht aber auch, weil sie gewisse Privilegien, die ihnen aufgrund dessen zuteilwerden, einfach nicht ablegen wollen.

Es sind besonders diese linken „Feministen“, die immer wieder betonen, dass es bei Feminismus ja um Gleichberechtigung ginge und es deshalb auch nicht okay sei, Männer von vornherein irgendwo auszuschließen – seien es nun Konzerte, auf denen nur Frauen als Gäste zugelassen werden oder Sportarten wie Rollerderby, bei denen Männer nun einmal nicht teilnehmen dürfen.

In solchen Fällen vergessen sie nur allzu gerne, dass es dabei keineswegs darum geht, Männer zu „diskriminieren“, sondern ausschließlich darum, einen sicheren Ort für Frauen zu schaffen, in dem diese vor übergriffigen Männer geschützt werden und ausnahmsweise einmal eine sorglose Zeit verbringen können, da sie nicht damit rechnen müssen, jederzeit belästigt zu werden. Sei es nun körperlich oder auch „nur“ verbal.

Es ist also kein Wunder, dass Warnungen über übergriffige Männer aus dem linken Spektrum fast ausschließlich durch das Stille-Post-Spiel von Frau zu Frau getragen werden, statt sie offen innerhalb der Gruppe zu diskutieren. Die betroffenen Frauen, die sich trauen, ihre Erlebnisse zu teilen, werden größtenteils als „zu sensibel“ abgestempelt. Man traut dem beschuldigten Mann auch einfach keine Gewalt zu. Schließlich ist ja bekannt, dass er „Feminist“ ist und sich für die Rechte von Frauen stark macht. „Er“ würde so etwas einfach nicht tun.

Viel wahrscheinlicher, als dass ein Mann, der sich als links bezeichnet, sich auf irgendeine Art und Weise gewalttätig verhält, ist doch, dass es „nur ein Missverständnis“ war. „Ein kleiner Spaß, der viel zu ernst genommen wurde.“ „Feministinnen müssen das abkönnen!“, heißt es dann gerne mal. Oder „Ich hab den Witz von meinem schwarzen Freund und der fand ihn extrem lustig, er kann also nicht so rassistisch sein!“

Linke Gewalt ist, abgesehen von besagten Steinwürfen auf Polizisten und auf rechte Läden geworfene Molotow-Cocktails, jedoch vor allem eins: subtil. Sie beginnt und endet immer mit emotionaler Einschüchterung und Manipulation. Dazwischen ist alles möglich. Von „harmlosen“ Witzen mit sexistischen und rassistischen Inhalten bis hin zu Vergewaltigungen. Ein „Nein!“ wird auch hier noch nicht als „Nein!“ gelesen, sondern maximal als „Überzeug’ mich!“

Die linkspolitische Einstellung schützt. Die meisten Männer wissen das und nutzen es aus. Sie wissen, dass den Opfern sowieso niemand Glauben schenken würde, weil die vorgeworfene Gewalttätigkeit nicht mit dem Bild, das sie anderen von sich präsentieren, konform geht. Und so fahren sie fröhlich fort damit. Eine Ächtung haben sie nicht zu befürchten – und wenn doch, haben sie tausende von Ausreden parat, die ihre Taten auf irgendeine Art und Wiese doch rechtfertigen und können sich im Zweifelsfall auf all das stützen, was sie schon für marginalisierte Personen getan haben. Ein „Ausrutscher“ kann jedem Mal passieren. „Alle Menschen machen Fehler!“

Deswegen bleibt am Ende nur das Stille-Post-Spiel statt die öffentliche Diskussion um Gewalt innerhalb der linken Bewegung untereinander. Die Warnungen, die mir über einzelne Personen zugetragen wurden, entpuppten sich bisher allesamt als berechtigt. Und die großen, einflussreichen, mächtigen der linken Szene? Schweigt. Obwohl das Tuscheln über die internen Gewaltstrukturen längst nicht mehr zu überhören sind.

Die Fotografie stammt von Jean Toir
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Ghosting: Von Freunden und Geistern

Ich bin wütend, so unendlich wütend, und... enttäuscht. Ich dachte, dass ich dieses blöde Wort Enttäuschung nicht noch einmal in Bezug auf Freundschaften verwenden würde beziehungsweise müsste. Aber naja, man lernt wohl nie aus. Mir ist bewusst, dass ich nicht immer mit allen Menschen für immer be...
Ghosting: Von Freunden und Geistern

Ghosting

Von Freunden
und Geistern

Michelle Teichmann

Ich bin wütend, so unendlich wütend, und… enttäuscht. Ich dachte, dass ich dieses blöde Wort „Enttäuschung“ nicht noch einmal in Bezug auf Freundschaften verwenden würde beziehungsweise müsste. Aber naja, man lernt wohl nie aus. Mir ist bewusst, dass ich nicht immer mit allen Menschen für immer befreundet sein werde, aber wenn Personen einfach aus meinem Leben verschwinden dann ist das echt hart. Mich macht es wahnsinnig keine Antwort oder Erklärung zu haben.

Was eigentlich passiert ist? Ich wurde geghostet. Geghostet von einer Freundin, die mir mal alles aus ihrem Leben erzählt hat, die ich jede Woche gesehen habe und der ich vertraut habe. Jetzt ist sie verschwunden. Sie ist nur noch ein Geist und die Erinnerung an sie sucht mich heim, wenn ich es am wenigstens erwarte.

Meine Freundin hat sich öfter Wochen nicht gemeldet, weil sie busy mit der Arbeit war, verreist ist oder etwas anderes vorhatte. Aber eigentlich hatten wir uns davor immer getroffen und drüber geredet, dass sie weg ist und was sie macht und wo ich sein werde und was in meinem Leben los ist. Doch nach einer längeren Zeit sah ich einen Tweet und dachte: „Was macht sie denn jetzt schon wieder?“ Doch kurz danach dachte ich nur, dass es ihr Leben ist und sie es so leben soll, wie sie es für richtig hält.

Wochen später kam eine Nachricht von ihr, dass sie sich eine Weile nicht melden würde und erst mal abtauchen würde. Ich wusste nicht was los ist, aber gab ihr den Raum, den sie brauchte. Der Raum, den ich dachte, dass sie ihn brauchen würde. Nachfragen hätten die Situation wahrscheinlich nicht besser gemacht und ich wollte nicht aufdringlich sein.

Doch nach ein, zwei Wochen versuchte ich sie per SMS zu erreichen und auch sie anzurufen, was mich nur auf ihre Mailbox weiterleitete. Ich bekam Angst. Schreckliche Angst. Was wenn ihr etwas passiert ist? Ich war es zwar gewohnt nicht immer Kontakt zu haben, aber wenn ich ihr schrieb, dann antwortete sie spätestens einen Tag später darauf. Irgendwas stimmte nicht. Ich wartete mittlerweile fünf Tage.

Ich durchforstete ihre Social Media Kanäle und bekam eine Panikattacke als ich sah, dass jemand schrieb, dass sie nicht mehr da sei und dass das nicht passiert sein kann. Ich war geschockt und konnte nur noch weinen und nicht mehr aufhören. Ich schrieb ihr auf jedem einzelnen Social Media Channel, schaute ob ich bei ihren Freunden oder sogar Eltern oder Arbeitskollegen einen Hinweis finden könnte und wurde panisch.

Ich fühlte mich schuldig, weil ich nicht wusste und immer noch nicht weiß, was passiert ist und fing nur an zu heulen. Es ist ein schreckliches Gefühl nicht zu wissen was bei einer Freundin los ist und sie auch nicht kontaktieren zu können. Ich fühlte mich einfach verdammt hilflos und schrieb mehrere Personen in ihrem Umfeld an, weil ich panische Angst um sie hatte und auf Antworten von anderen hoffte.

Ich hatte das Gefühl nie wieder zu ihr durchdringen zu können, sie nie wieder zu hören und nicht zu wissen was passiert ist. In dieser Nacht konnte ich mir nicht vorstellen, wie die Welt ohne sie weiter existieren könnte. Nach Stunden bekam ich nur eine Nachricht, dass jemand sie kontaktieren würde und in einem letzten verzweifelten Versuch schrieb ich eine Email an sie, weil ich einmal gelesen habe, dass man seine Mailadresse eigentlich nie im Leben ändert.

Ich schrieb ihr und als ich mitten in der Nacht aufwachte bekam ich ein Lebenszeichen von ihr. Ich war glücklich, aber auch verdammt wütend auf sie. Ich solle mir keine Sorgen machen und alles sei okay. Ich wusste, dass nicht alles okay ist und ich war auch nicht okay. Die ganze Sache war nicht in Ordnung! Ich hörte auf sie zu kontaktieren, weil sie das scheinbar nicht wollte. Ich hatte sie verloren und habe es immer noch.

Wochen später sah ich auf Instagram einen neuen Follower. Sie folgte mir nach vier Jahren das erste Mal auf Insta und ich wollte das Handy am liebsten aus dem Fenster schmeißen. Ich fragte mich, was das zur Hölle soll. Ich bin es leid hinter Antworten her zu rennen, die ich nicht bekomme. So viele Nachrichten sind ins Leere gelaufen und ich habe keine Kraft weiter darüber nachzudenken, warum sie so gehandelt hat, wie sie es hat.

Natürlich kann ich verstehen, wenn man nicht sprechen möchte, mal keinen Kontakt haben zu wollen und wenn einem alles zu viel wird, aber auf der anderen Seite gehören zu Beziehungen, ob in einer Beziehung oder Freundschaft, immer mehr als eine Person. Das was man tut, wirkt sich auf andere aus und kann verdammt verletzend sein.

Geghostet zu werden ist aber echt ein anderes Level. Ghosting beschreibt, dass Phänomen, dass jemand ohne Ankündigung vollständig den Kontakt und die Kommunikation abbricht. Das kann nicht nur bei Beziehungen passieren, sondern auch in Freundschaften.

Häufig fühlen sich die „Verlassenen“ für die Situation verantwortlich und fühlen sich schuldig, bekommen aber keine Antworten was schief gelaufen sei und ob man etwas anders hätte machen können. Ich fand es echt nicht cool zu erfahren, dass sie nicht einmal mehr hier in Berlin wohnt. Ich habe es über einen Tweet erfahren, weil sie jemanden für ihre Wohnung suchte, aber da war sie schon längst nicht mehr da.

Falls ihr euch einmal von jemanden trennt oder keinen Kontakt mehr haben wollt, dann sagt dass der Person einfach, textet ihr, macht eine Sprachnachricht oder schreibt eine verdammt Postkarte. Es ist echt nicht cool, die andere Person im Dunkeln zu lassen, auch wenn ihr keine Kraft habt euch darum zu kümmern. Ein kurzes: Ich will kein Kontakt mehr, ich melde mich nicht, es tut mir leid – das hätte mir gereicht. Einfach aus dem Grund, dass ich immer noch darüber nachdenke, warum sie mir nicht gesagt hat, was bei ihr im Leben los ist.

Ich habe mir Vorwürfe gemacht, dass ich nicht gesehen habe, wie schlecht es ihr geht, dass ich ihr nicht geholfen habe und dass ich eine verdammt miese Freundin gewesen bin, dass ich ein schlechter Mensch wäre und anderes. Dabei lag es nicht an mir. Ich habe versucht zu helfen, gesagt, dass ich für sie da bin und sie hat mich im Stich gelassen, jedenfalls hat es sich für mich genauso angefühlt.

Wenn ein Freund oder eine Freundin zum Geist wird, dann tut das echt verdammt weh. Geister kann man nicht sehen und tauchen einfach aus dem Nichts auf. Ich sehe, wie sie Sachen postet, aber dann ist sie wieder verschwunden. Sie tauchen nur dann auf, wenn sie es wollen und sind schneller wieder verschwunden als man sehen kann.

Die Fotografie stammt von Jr Korpa
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Nude in Nature: Mädchen im Grünen

In Stefan Imielskis Buch Nude in Nature lässt es sich ohne Umschweife abtauchen. Er zeigt, wie perfekt die Körper nackter Models und die variantenreiche Natur zusammen passen. 23 der hübschesten Mädchen der Welt hat er in seinem bildgewaltigen Werk vereint, keine Hüllen, keine Masken, keine Störunge...
Nude in Nature: Mädchen im Grünen

Nude in Nature

Mädchen im
Grünen

Daniela Dietz

In Stefan Imielskis Buch Nude in Nature lässt es sich ohne Umschweife abtauchen. Er zeigt, wie perfekt die Körper nackter Models und die variantenreiche Natur zusammen passen. 23 der hübschesten Mädchen der Welt hat er in seinem bildgewaltigen Werk vereint, keine Hüllen, keine Masken, keine Störungen, keine Abschweifungen. Nur seine Kamera und Menschen, die zwischen Bäumen, Gräsern und Büschen zu verschwimmen scheinen. Und dann ist da noch das Meer, da große weite Meer, in dem so mancher hüllenloser Mädchenkörper für immer zu versinken droht.

Die Liste seiner humanen Objekte ist lang und schön. Raica Oliveira aus Brasilien, Anastasia Bondarenko aus der Ukraine, Sabrina Rathje, Sissel Grubbe, Jasmin Soe, Katrine Riggelsen und Moe Brandi aus Dänemark, Alicija Ruchala, Paulina Cybulska, Janeta Samp und Sylwia Dorenda aus Polen, Domenika Krcmarikova aus der Slowakei, Olga de Mar aus Lettland, Senta Schnabl aus Deutschland, Maryon Bertrand und Sarah Kali aus Frankreich, Leeny Ivanisvili aus Estland, Alys Hale aus Großbritannien, Lada Kravchenko, Tina Lozovskaya und Olga Shukurenko aus Russland, Julia Välimäki aus Finnland und Marike Wessels aus Südafrika.

Wer kann solch geballter Schönheit schon widerstehen? Eben. Wer sich selbst ein Bild davon machen möchte, wie gut unbekleidete Mädchen und die Macht der Natur miteinander harmonieren, der kann Stefan Imielskis Buch Nude in Nature, das 453 Seiten stark, gänzlich auf Zypern, Mallorca, Ibiza und im bezaubernden Kapstadt entstanden ist und sich zweifelsfrei auf jedem Wohnzimmer- und Nachttisch der Bundesrepublik gut macht, natürlich käuflich erwerben. Zum Beispiel auf Amazon. Und das solltet ihr auch machen.

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Die Fotografie stammt von Stefan Imielski
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Lass uns Freunde bleiben: Wie macht man richtig Schluss?

Schluss machen, das ist ja so ein Ding. Ich meine, wenn mit dir Schluss gemacht wird, das ist scheiße, ja. Aber Schluss machen, das ist noch viel schlimmer. Wenn mit dir Schluss gemacht wird, dann tut das verdammt weh und du leidest und hörst traurige Musik und gehst saufen und fickst fremde Mensche...
Lass uns Freunde bleiben: Wie macht man richtig Schluss?

Lass uns Freunde bleiben

Wie macht man
richtig Schluss?

Jana Seelig

Schluss machen, das ist ja so ein Ding. Ich meine, wenn mit dir Schluss gemacht wird, das ist scheiße, ja. Aber Schluss machen, das ist noch viel schlimmer. Wenn mit dir Schluss gemacht wird, dann tut das verdammt weh und du leidest und hörst traurige Musik und gehst saufen und fickst fremde Menschen, und irgendwann, so hofft du, irgendwann ist der Schmerz halt weg, betäubt oder ersetzt von anderen Schmerzen, die du dir dann selbst zufügst, bewusst und unbewusst.

Wenn mit dir Schluss gemacht wird, dann tut das verdammt weh und du leidest, aber das Leiden, weißt du, das Leiden ist halt irgendwann vorbei. Jemand anderes hat für dich entschieden, dass du jetzt zu leiden hast, genau jetzt, nicht irgendwann, und natürlich ist es immer scheiße und passt nie richtig rein ins Leben, aber nur wer die Kontrolle verliert, der kann auch wirklich loslassen. Wer die Kontrolle verliert, kann loslassen, weil er es muss.

Was aber, wenn du die Kontrolle hast? Wenn du derjenige bist, der entscheidet, ob es so weiter geht oder nicht? Schluss machen ist scheiße. Nicht nur für den, mit dem Schluss gemacht wird, sondern auch für den, der den Schritt wagt und Schluss macht. Es wird ja selten im Affekt Schluss gemacht, zum Beispiel während eines Streits, zumindest nicht endgültig, sondern meist nur temporär. Schluss machen, das ist ein Prozess, der sich über Wochen, vielleicht Monate, und manchmal sogar Jahre hinzieht.

Wenn man sich neu verliebt zum Beispiel, macht man ja nicht sofort mit dem alten Partner Schluss. Die alte Beziehung ist an sich ja okay, die neue, die könnte vielleicht aber besser sein. Bevor man aber das Alte beendet, testet man das Neue meist erst an. Es gilt, die Antworten auf wichtigsten Fragen zu finden. Sind meine Gefühle echt? Oder finde ich das Neue nur spannend, weil das Alte gerade nicht richtig läuft?

Im besten Fall quält man sich ein paar Wochen mit dem Gedanken herum, dass man nach Ablauf der Probezeit ja mit einer der Personen Schluss machen muss. Im schlimmsten Fall hört diese Probezeit erst auf, wenn die beiden davon erfahren und selbst Konsequenzen ziehen. Dann steht man nämlich alleine da. Und als Fremdgeher.

Auch toxische Beziehungen sind schwer zu beenden. Man weiß, dass der Partner echt nicht gut tut, doch Schluss machen, das geht einfach nicht. Da hilft auch kein Zureden von Freunden, Verwandten oder Menschen aus dem Internet. Einen Ast, an den man sich noch klammern kann, den findet man doch immer. Und wenn’s sein muss, springt man eben von Baum zu Baum, bis alle Äste weggebrochen und die Wälder komplett abgeholzt sind.

Der Gedanke ist bei jedem Ast und jedem Baum und jedem Wald der gleiche. Er dreht sich ausschließlich ums Schluss machen. Naja, und natürlich um die Frage, was mit dir passiert, wenn du wirklich Schluss machst. Die Antwort darauf ist auch immer gleich. Wenn du Schluss machst, dann stirbst du. Du stirbst, weil du dir selbst das nimmst, das du am liebsten has(s)t. Dass du sowieso schon kurz davor bist zu sterben, ignorierst du ganz gekonnt. Toxische Beziehungen sind der Tod auf Raten, genau wie ein langsam wirkendes Gift.

In manchen Fällen sind auch mehr als zwei vom Schluss machen betroffen. Haustiere zum Beispiel. Und bei manchen sogar Kinder. Macht man Schluss, aus welchem Grund auch immer, verliert man nicht nur einen, sondern zwei, drei, vier geliebte Menschen. Oder Tiere. Und die geplante Zukunft. Das „für immer“, das man sich einst versprochen hat.

Und dann gibt es natürlich diese Beziehungen, bei denen man sich einfach auseinander lebt. Es ist ein schleichender Prozess, den man so eigentlich nicht wahr haben will. Auseinanderleben, das klingt schon so scheiße. Sagen wir lieber, man hat sich entfremdet. Irgendwann hat sich irgendwo der gemeinsame Weg in zwei verschiedene Richtungen aufgeteilt.

Einer ist rechts abgebogen, der andere links und bemerkt hat man es erst, als es schon längst zu spät war, noch einmal umzukehren, um gemeinsam zu entscheiden, welche Biegung man denn nehmen soll. In den meisten Fällen wissen das ja beide, aber irgendwann kommt halt der Streckenabschnitt, an dem es Zeit ist, aufzugeben und die weiße Fahne zu schwenken, weil ein gemeinsames Ziel eben nicht in Sicht ist, nur dass der eine eben früher an diesem Abschnitt ist als der andere, und an dem liegt es dann, die Worte auszusprechen. Wir haben uns auseinander gelebt.

Wir haben uns auseinander gelebt. Das ist wohl der beschissenste Satz, den man sagen kann, wenn man mit jemandem Schluss macht. Naja, nach „Ich lieb dich einfach nicht genug!“ und „Lass uns Freunde bleiben!“ natürlich.

Doch wie macht man eigentlich richtig Schluss? Ich meine, so von Anfang an. Ohne diese quälenden Phasen der Ungewissheit und die Gefühlsabwägungen und die Hoffnungsschweife am eher düsteren Horizont. Und ohne all die Floskeln, die man so im Kopf hat, weil man sie irgendwann mal wo gehört oder gelesen oder sich selbst wochenlang zurecht gelegt hat.

Geht das überhaupt, richtig Schluss machen? Also so, dass man dabei keinen schwer verletzt? Nicht das Gegenüber, aber halt auch nicht sich selbst. Es ist ja einfach so: verletzt man seinen Partner, verletzt man auch sich selbst. Aus einem Zweikampf, bei dem beide ziemlich gleich stark sind, kommt keiner unverwundet raus.

Wie man falsch Schluss macht, das wissen wir. Man hat uns erklärt, dass man zum Schluss machen keine Freunde oder Kurznachrichten schickt. Dass man nicht einfach abhaut, sondern sich der Verantwortung stellt. Wie man falsch Schluss macht, das wissen wir, doch wie man es richtig macht, hat man vergessen uns zu sagen.

Als das letzte Mal mit mir Schluss gemacht wurde, war das ziemlich, ziemlich schlimm. Ich habe geraucht und getrunken, geweint und gelitten und mein Tagebuch mit Tränen, Wein und Worten vollgeschmiert. Und als die Tränen getrocknet, der Wein getrunken und die Worte geschrieben waren, war ich wieder okay.

Ich war okay, bis ich Schluss machen musste. Ich habe wieder geraucht und getrunken, geweint und gelitten und mein Tagebuch mit Tränen, Wein und Worten vollgeschmiert. Die Tränen, die sind nie versiegt, sondern im Laufe der Zeit bloß bitterer geworden. Den Wein, den habe ich einfach nachgekauft. Ich habe so viele Sorten durchprobiert, bis mir nur noch der Wein im Tetra Pack blieb, und auch den habe ich getrunken, bis zum allerletzten Schluck. Doch die richtigen Worte? Die habe ich nie gefunden.

Die Fotografie stammt von Roberto Nickson
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Akira: Cyberpunk vom Feinsten

Willkommen im düsteren, dreckigen, lediglich von den kunterbunten Neonlichtern der Hochhäuser erhellten Neo-Tokio, erbaut auf der übrig gebliebenen Asche einer japanischen Hauptstadt, die durch eine Explosion unbekannter Herkunft, die wiederum den Dritten Weltkrieg auslöste, zerstört wurde. Das L...
Akira: Cyberpunk vom Feinsten

Akira

Cyberpunk
vom Feinsten

Marcel Winatschek

Willkommen im düsteren, dreckigen, lediglich von den kunterbunten Neonlichtern der Hochhäuser erhellten Neo-Tokio, erbaut auf der übrig gebliebenen Asche einer japanischen Hauptstadt, die durch eine Explosion unbekannter Herkunft, die wiederum den Dritten Weltkrieg auslöste, zerstört wurde.

Das Leben zweier gewitzter Jugendfreunde, Tetsuo und Kaneda, ändert sich für immer, als in Tetsuo paranormale Fähigkeiten zu erwachen beginnen, die ihn wiederum zur Zielscheibe einer schattenhaften Agentur machen, die vor nichts zurückschrecken wird, um eine weitere Katastrophe wie diejenige, die Tokio dem Erdboden gleichgemacht hat, zu verhindern. Der Kern der Motivation der Agentur ist eine rohe, alles verzehrende Angst vor einer unvorstellbaren, monströsen Macht, die nur als Akira bekannt ist.

1982 veröffentlichte Kodansha das erste Kapitel von Akira, einer dystopischen Saga, die in Neo-Tokio spielt, einer Stadt, die sich von einem thermonuklearen Angriff erholt, wo die Straßen an Motorradbanden abgetreten wurden und die Reichen und Mächtigen gefährliche Experimente mit zerstörerischen, übernatürlichen Kräften durchführen, die sie nicht kontrollieren können. 1988 wurde der Manga in den damals teuersten Trickfilm aller Zeiten adaptiert, der Akiras Einfluss aus der Manga-Welt heraus und auf die globale Bühne brachte.

Akira ist nicht nur ein Film, er ist die Genesis eines Genres. Katsuhiro Otomos bahnbrechender Cyberpunk-Klassiker verwischte die Grenzen der japanischen Animation und zwang die Welt, in die Zukunft zu blicken. Akiras Ankunft erschütterte das traditionelle Denken und schuf Raum für Filme wie Matrix, die in die brutaler Realität geträumt wurden.

Ohne Kaneda und Tetsuo, ohne übernatürliche Rebellen und psionische Mörder, ohne dieses abgrundtief geile Motorrad, wäre unsere Welt ein weitaus weniger aufregender Ort, um zu existieren. Aber der Manga wurde zum Film, und der Film wurde zum Phänomen, und die Welt nahm Notiz davon. Jetzt ist Akira überall. Wenn ihr sie auf den Straßen nicht sehen könnt, wenn ihr sie nicht fühlen könnt, wie sie in eurem Gehirn herumkriecht, dann müsst ihr noch eingeweiht werden, in die dunkle, hoffnungslose Welt von Akira. Willkommen in Neo-Tokio.

Akira: Cyberpunk vom Feinsten Akira: Cyberpunk vom Feinsten Akira: Cyberpunk vom Feinsten Akira: Cyberpunk vom Feinsten Akira: Cyberpunk vom Feinsten Akira: Cyberpunk vom Feinsten Akira: Cyberpunk vom Feinsten Akira: Cyberpunk vom Feinsten Akira: Cyberpunk vom Feinsten Akira: Cyberpunk vom Feinsten Akira: Cyberpunk vom Feinsten Akira: Cyberpunk vom Feinsten Akira: Cyberpunk vom Feinsten Akira: Cyberpunk vom Feinsten Akira: Cyberpunk vom Feinsten Akira: Cyberpunk vom Feinsten Akira: Cyberpunk vom Feinsten Akira: Cyberpunk vom Feinsten Akira: Cyberpunk vom Feinsten Akira: Cyberpunk vom Feinsten Akira: Cyberpunk vom Feinsten Akira: Cyberpunk vom Feinsten Akira: Cyberpunk vom Feinsten Akira: Cyberpunk vom Feinsten Akira: Cyberpunk vom Feinsten Akira: Cyberpunk vom Feinsten
Die Illustration stammt von Katsuhiro Otomo, Kodansha, Mash•Room und Leonine
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Kawaii Monster Café: Supersüßes Tokio

Natürlich hat Tokio auch seine normalen Seiten. Seine ordinären Seiten. Sogar seine langweiligen Seiten. Männer in dunklen Anzügen. Wahre Wände aus hohen Wolkenkratzern. Laute und überfüllte U-Bahnen. Aber dann tretet ihr durch eine Tür und plötzlich seid befindet ihr euch im zuckersüßen Tokio, wo a...
Kawaii Monster Café: Supersüßes Tokio

Kawaii Monster Café

Supersüßes
Tokio

Daniela Dietz

Natürlich hat Tokio auch seine normalen Seiten. Seine ordinären Seiten. Sogar seine langweiligen Seiten. Männer in dunklen Anzügen. Wahre Wände aus hohen Wolkenkratzern. Laute und überfüllte U-Bahnen. Aber dann tretet ihr durch eine Tür und plötzlich seid befindet ihr euch im zuckersüßen Tokio, wo alles kawaii und fluffig und kunterbunt ist.

Willkommen im Kawaii Monster Café, dem Ort in der japanischen Hauptstadt, an dem ihr den Spaß eures Lebens haben könnt. Das mitten in Harajuku gelegene Etablissement vereint alles, was süß ist, an einem Ort. Einhörner, auf denen ihr reiten könnt, rosa Torten, auf denen ihr herum tollen könnt, babymäßige Milchfläschchen, die kopfüber von der Decke hängen.

Im Grunde besteht das Kawaii Monster Café aus dem „Sweets Go Round“-Kuchen und vier Bereichen, die „Mushroom Disco“, „Milk Stand“, „Bar Experiment“ und „Mel-Tea Room genannt wurden. Sebastian Masuda hat das Restaurant entworfen. Die bunten Speisen sowie die putzigen „Monster Girls“ werden euren Besuch unvergesslich machen. Mitten in Harajuku. Mitten in Tokio.

Kawaii Monster Café: Supersüßes Tokio Kawaii Monster Café: Supersüßes Tokio Kawaii Monster Café: Supersüßes Tokio Kawaii Monster Café: Supersüßes Tokio
Die Fotografie stammt von Marlen Stahlhuth
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Wahrheit oder Pflicht? Flaschendrehen ist das beste Spiel der Welt

Flaschendrehen, oder Wahrheit oder Pflicht, wie man es auch nennt - war so mit elf, zwölf Jahren mein absolutes Lieblingsspiel. Damals ging es natürlich noch ganz harmlos zu. Bei Wahrheit musste man solche Fragen beantworten wie Hast du schon mal jemanden geküsst? oder Hast du schon mal die Unt...
Wahrheit oder Pflicht? Flaschendrehen ist das beste Spiel der Welt

Wahrheit oder Pflicht?

Flaschendrehen ist das
beste Spiel der Welt

Nadine Kroll

Flaschendrehen, oder Wahrheit oder Pflicht, wie man es auch nennt – war so mit elf, zwölf Jahren mein absolutes Lieblingsspiel. Damals ging es natürlich noch ganz harmlos zu. Bei „Wahrheit“ musste man solche Fragen beantworten wie „Hast du schon mal jemanden geküsst?“ oder „Hast du schon mal die Unterschrift deiner Eltern gefälscht?“. Bei „Pflicht“ war so das Härteste, was ging, dass man sich mit Klamotten unter die Dusche stellen oder einen Scherzanruf beim verhasstesten Lehrer der Schule machen musste.

Irgendwann wurde das Spiel allerdings langweilig, und so geriet es für mehrere Jahre in Vergessenheit. Bis in etwa zu dem Alter, wo man anfing, regelmäßig zu saufen und sich die geleerten Bier– und Schnapsflaschen einfach dazu anboten, das gute alte Flaschendrehen wieder hervorzuholen.

Die Fragen waren natürlich nicht mehr so kindlich-unschuldig wie damals, als wir das Spiel zum ersten Mal entdeckt hatten und auch die Aufgaben, die man erledigen musste, wenn man „Pflicht“ wählte, waren alles andere als jugendfrei.

So musste man zum Beispiel seine schmutzigsten Sexfantasien mit den anderen Spielern teilen, für sechzig Sekunden den Sitznachbarn und die Sitznachbarin küssen, mit Zunge, zwei Flaschen Bier am Stück hintereinander weg exen oder seinen Arsch aus dem Fenster halten, sodass vorbeilaufende Passanten einen guten Blick auf alles hatten.

Die Extremversion davon war Strip-Flaschendrehen, dessen Regeln ich hier glaube ich gar nicht näher erläutern muss. Spätestens, wenn einer der Teilnehmer nur noch in BH und Höschen oder Boxershorts auf dem Boden saß, war allerdings auch hier Schluss. Irgendwann verlor allerdings auch das für uns seinen Reiz.

Es ist tatsächlich noch gar nicht allzu lange her, dass wir den Reiz, den dieses Spiel in unserer Jugend auf uns ausübte, zum wiederholten Male wiederentdeckten. Es war eine relativ harmlose WG-Party mit zehn oder elf verschiedenen Leuten. Wir haben geredet, getanzt und gesoffen, und eben so das gemacht, was auf solchen Partys üblich ist.

Bis, ja, bis jemand die kluge Idee hatte, dass man doch mal wieder Flaschendrehen spielen könnte. Etwa siebzig Prozent der anwesenden Personen verdrehte genervt die Augen, der Rest war sofort Feuer und Flamme. Nach den ersten paar noch relativ harmlosen Runden, gesellten sich jedoch auch die Leute dazu, die dem Spiel zuvor eher ablehnend entgegengestanden hatten.

Ich denke, ich muss nicht dazu sagen, dass das Spiel nach etlichen Flaschen Bier, Schnaps und Wein total eskalierte. Bereits nach einer halben Stunde waren die ersten Spieler splitterfasernackt und vergnügten sich miteinander in den verschiedenen Räumen der Wohnung, in der wir feierten, weil die Flasche und die Wahl auf Pflicht das so entschieden hatte.

Das hat uns alle so gekickt, dass wir irgendwann die Option „Wahrheit“ ganz rausfielen lassen und die Flasche letzten Endes nur noch entschied, wer mit wem als nächstes rummachen, fummeln oder ficken würde. Ich glaube, ich hatte bereits erwähnt, dass mein Freundeskreis, was das betrifft, sehr offen ist und dass es auch kein Problem darstellte, dass mindestens die Hälfte der anwesenden Personen in festen Beziehungen und teilweise sogar mit dem eigenen Partner da war.

Ich hatte an diesem Abend besonders großes Glück. Als ich wieder einmal an der Reihe war, die leere Beck’sFlasche zu drehen, zeigte sie auf eine Freundin von mir, die ich schon lange ziemlich geil fand, mit der sich allerdings bisher noch nie mehr als ein paar harmlose Knutschereien im Club ergeben hatten.

Wir gewannen eine Runde 7 Minuten im Himmel, das Spiel, bei dem man für exakt sieben Minuten in einen dunklen Schrank, oder in unserem Fall das Badezimmer, eingesperrt wird und dort tun und machen darf, was man schon immer mit der anderen Person machen wollte. Ich denke, ich muss nicht dazu sagen, dass wir unsere sieben Minuten dazu nutzen, unsere Körper zu erkunden.

Wir küssten und leckten uns, steckten unsere Finger in die feuchte Muschi der jeweils anderen, drückten uns gegenseitig an die kalten Fliesen an der Wand und gaben uns nicht mal Mühe, leise zu sein, obwohl wir genau wussten, dass sie anderen uns hören konnten.

Es ist erstaunlich, wie viele Orgasmen man in einer so kurzen Zeit haben und einem anderen Menschen bescheren kann. Und auch, wie wenig Hemmungen man plötzlich hat, wenn sich die Umstände nur ein klein wenig verändern. Immerhin hätten wir bereits zu früheren Zeitpunkten die Möglichkeit gehabt, es wild miteinander zu treiben. Haben wir aus irgendwelchen Gründen aber nicht.

Ein paar Runden später landete ich dann mit meinem Exfreund im Bett. Das war allerdings eher weniger geil. Auch wenn wir immer noch gute Freunde sind, es gibt definitiv Gründe, warum wir nicht mehr miteinander ins Bett gehen. Dieser Abend hat es ganz deutlich gezeigt, denn obwohl wir uns beide Mühe gaben, dem anderen wenigstens ein bisschen Lust zu bereiten, immerhin ging es bei dem Spiel ja auch irgendwie um genau das, lief so gut wie nichts.

Ich glaube, wir haben nach zwei gescheiterten Anläufen, den anderen zu erregen, fünf von den sieben Minuten nur darauf gewartet, dass uns jemand aus unserer misslichen Lage befreien würde. Aber auch das gehört eben dazu und macht ja auch einen gewissen Reiz aus, wenn man Flaschendrehen spielt.

Alles in allem endete ein zu Beginn eher typischer und harmloser Abend in einer riesengroßen Orgie. Für meine Freunde und mich definitiv ein Grund, jetzt mit Mitte 20 wieder häufiger zur Flasche zu greifen und Wahrheit oder Pflicht zu spielen.

Ich kann das jeder Clique, die genervt ist von den immer gleichen WG-Partys, die sich nach nur wenigen Stunden auflösen, damit die eine Hälfte in irgendwelche Clubs weiterziehen und die andere Hälfte nach Hause gehen kann, wirklich nur empfehlen.

Man muss ja nicht gleich mit so extremen Regeln spielen, wie wir das gerne tun. Für den Anfang tut’s auch eine ganz normale Runde Wahrheit oder Pflicht. Man lernt seine Freunde auf jeden Fall noch mal auf eine ganz andere, sehr intime Weise kennen. Und damit meine ich jetzt nicht auf sexueller Ebene. Und so gern ich auch erwachsen bin: Manchmal ist es einfach geil, sich wieder wie ein Teenager zu benehmen. Und wenn es nur bei einer Runde Flaschendrehen so ist und man am nächsten Tag aufsteht und ins Büro geht, als wäre nichts passiert.

Die Illustration stammt von Icons8
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Alle unter einem Dach: Die perfekte Wohngemeinschaft

Eine Wohnung in Berlin zu finden, das ist ungefähr so einfach, wie in einem dieser Touriclubs einen guten Drink zu bekommen. Vom Letzteren lasse ich eh die Finger und greife lieber zum stillen Wasser, die Sache mit dem Dach über dem Kopf lässt sich aber nicht so einfach klären. Mit etwas Geschick kl...
Alle unter einem Dach: Die perfekte Wohngemeinschaft

Alle unter einem Dach

Die perfekte
Wohngemeinschaft

Leni Garibov

Eine Wohnung in Berlin zu finden, das ist ungefähr so einfach, wie in einem dieser Touriclubs einen guten Drink zu bekommen. Vom Letzteren lasse ich eh die Finger und greife lieber zum stillen Wasser, die Sache mit dem Dach über dem Kopf lässt sich aber nicht so einfach klären. Mit etwas Geschick klappt das aber früher oder später – aber wem erzähle ich das, ihr seid bestimmt Experten darin, euch beim Vermieter im frisch gebügelten Konfirmationsanzug einzuschleimen, Bürgschaften zu fälschen und eure Verdienstnachweise zu frisieren.

Was angesichts der tränen- und alkoholgetränkten Erzählungen etlicher Partybekanntschaften, WG-Traumata scheinen als Smalltalk-Thema der Shit zu sein, eher weniger zu funktionieren scheint, ist die Sache mit dem Zusammenwohnen. Sandkastenfreundschaften sind daran zerbrochen, kleine Kriege wurden zu großen Dramen und das alles nur, weil die Pragmatik des Zusammenwohnens den ein oder anderen an der Realität voller Geschirrberge und leerer Kühlschränke zerbrechen ließ. Doch es ist nicht unmöglich, die perfekte Wohngemeinschaft zu führen.

Der Dramaturgie halber wollte ich den Punkt Vertrauen eigentlich ganz am Ende aufführen und euch etwas Philosophisches mit auf den Weg geben, aber so verzweifelt, wie manch ein Wohnungs- und Mitbewohnersuchender ist, wird die Vertrauensfrage gern außer Acht gelassen – was oft sehr unschön und im großen Rumgeheule endet.

Schließlich wundert es niemanden, dass man auch mit einem vorbestraften Ex-Junkie Vorlieb nehmen würde, solange er die Kaution bezahlen kann. Schaltet euer Köpfchen ein, konsultiert das eigene Bauchgefühl und verlasst euch notfalls auf die Menschenkenntnis eurer Freunde, die ihr als Casting-Jury anheuern und sie mitentscheiden lassen könnt, wer ins WG-Recall kommt.

Machen wir doch gleich mit den unangenehmen Themen weiter, dann haben wir es hinter uns gebracht. Geld ist etwas, worüber man gerade unter Freunden nur ungern redet – aber sobald der Vermieter eine kleine Entschädigung dafür haben möchte, dass er euch ein Dach über den Köpfchen garantiert, wird es Zeit für Moneytalk.

Setzt euch am besten noch vor dem Einzug zusammen, rechnet alle monatlichen Ausgaben durch und teilt sie so auf, dass bei der Berechnung keiner das Gefühl hat, dem anderen dafür eine runterhauen zu müssen. Die so ermittelte Summe überweist einer dem anderen am besten per Dauerauftrag und schon könnt ihr euch wichtigeren Themen des Lebens widmen. Easy, oder?

Die Küche ist das Zentrum einer Wohngemeinschaft, und zwar nicht, weil sie manchmal knallpinke Wände hat, sondern weil hier Essen gehortet wird. Anfangs kann man sich zwar noch allein mit Tiefkühlpizza ernähren, aber irgendwann will man dann vielleicht doch erwachsen werden und sich etwas gesünder ernähren. Manche kaufen sich dann einen Dampfgarer und nennen ihn Ulf. Aber ich schweife ab.

Worauf ich hinauswollte: Wenn ihr gern zusammen kocht, richtet euch am besten eine WG-Kasse ein und kauft davon für alle ein. Ansonsten gilt: wenn du den verdammten Joghurt nicht gekauft hast, dann iss ihn nicht. Wenn du ihn denn doch unbedingt verfuttern musstest, kauf einen neuen und versuche, diesen nicht auch noch aufzuessen. Ausnahmen: Schokolade. Wenn du eine Ritter Sport Dunkle Nuss siehst, iss sie! Ohne Rücksicht auf Verluste.

Dass jeder sein Zimmer jeder so einrichten darf, wie er möchte, ist ja quasi im Grundgesetz verankert. Schwieriger wird es, wenn mehrere komplett verschiedene Welten aufeinanderprallen. Während so mancher, meist weibliche, Modefreak alle Ecken einer Wohnung als Schuhlager annektiert, sucht der andere womöglich verzweifelt nach einem geeigneten Platz für seinen noch nicht vorhandenen Riesensessel. Bei einem muss alles möglichst farblich passen, dem anderen ist wichtig, dass etwas seinen Zweck erfüllt.

Oft bringt man gefühlt hundert Möbelstücke aus seiner alten Wohnung mit, während der andere sich mit einem kleinen Schrank in seinem Zimmer zufrieden gibt. Wenn es bei euch aber weniger entspannt läuft und jeder unbedingt sein Lieblingsposter im Flur aufhängen möchte, hilft nur noch Verhandeln. Oder Würfeln. Ausgeklügelte Tauschgeschäfte schaffen Abhilfe: „Wenn du dieses hässliche Bild auf der Stelle verbrennst, lasse ich die Lavalampe nur noch sonntags an!“ So wurden schon Menschenleben gerettet.

Uuuuuh, ein ganz heikles Thema ist das Putzen. Spätestens dann, wenn einer zufrieden ist, solange er sich durch den Müllberg zur Tür graben kann und der andere einen Hygiene-Fimmel mitbringt. Oft wirft man sich dann gegenseitig Beleidigungen an den Kopf. Über unsere Mütter. Und andere fiese Sachen.

Dann hilt nur eins: Sich beruhigen, Tee gemacht und beschließen, die Aufgaben zu verteilen: Der eine wäscht dann womöglich ab und bringt den Müll raus, der andere schnappt sich regelmäßig den Staubsauger und putzt das Klo. Ihr könnt aber natürlich Putzpläne schreiben, euch Aufräumhilfe holen oder das alles anders klären – aber klärt es! Und zwar möglichst, bevor ihr wegen Geruchsbelästigung aus der Wohnung geworfen werdet.

So gern man seinen Mitbewohner auch mag, manchmal muss es einfach ein ruhiger Abend sein, an dem man Mädchenfilme guckt und sich die Nägel lackieren kann. Auf der anderen Seite ist der Mitbewohner bestimmt auch ganz froh, sich nicht von morgens bis abends das eigene Gelaber über die neuen Sneaker anhören zu müssen – zumindest solange es nicht um richtig tolle geht.

Und da wir jetzt alle erwachsen und mitten im Leben sind, wäre es gar nicht mal so übel, ein gewisses Takt- und Feingefühl dafür zu entwickeln, wann man einander das Herz ausschütteln kann und wann man den anderen lieber in Ruhe lassen sollte. Gilt übrigens auch für mitgebrachte Freunde, Spontanpartys in der Klausurphase und Sexytime, gepaart mit dünnen Wänden. Der andere wird es euch mit ewiger Liebe und Freundschaft danken und damit wären wir schon beim letzten Punkt angekommen.

Eigentlich überflüssig zu erwähnen, aber der Vollständigkeit halber muss es ja doch sein: fangt niemals, nie, nie und unter keinen Umständen etwas mit euren WG-Mitbewohnern an! Egal, wie heiß euch die neu eingezogene Schnitte an einem lahmen Sonntagabend erscheinen mag und wie sexy ihr eigentlich Bärte bei Männern findet: das alles könnt ihr euch auch bei Menschen holen, die nicht in euren Mietvertrag stehen.

Eigentlich ist es Wahnsinn, dass darin noch keine beidseitige Friendzone-Klausel verpflichtend eingeführt wurde, aber nachdem ich Horrorgeschichten von mitternächtlichen Liebeserklärungen zwischen Küche und Klo gehört habe – und von darauffolgenden überstürzten Auszügen – kann ich euch nur raten, von WG-Amore die Finger zu lassen. Ihr wisst ja: Wohnungen sind heutzutage wirklich schwer zu kriegen…

Die Fotografie stammt von Jason Briscoe
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Verwöhnt, weltfremd, undankbar: Wir sind die Generation der Heulsusen

Baby Boomer, Golf, Generation X – seit Beginn der Neunziger Jahre wurde jede Generation von Menschen in einzigartigen Kategorien mit mehr oder minder amüsanten Namen zusammengefasst. Alles ab dem Jahrgang 1989 ist jetzt die sogenannte Generation Y. Generation Y – das sind wir. Und wir, wir sind imme...
Verwöhnt, weltfremd, undankbar: Wir sind die Generation der Heulsusen

Verwöhnt, weltfremd, undankbar

Wir sind die Generation
der Heulsusen

Alexandra Brechlin

Baby Boomer, Golf, Generation X – seit Beginn der Neunziger Jahre wurde jede Generation von Menschen in einzigartigen Kategorien mit mehr oder minder amüsanten Namen zusammengefasst. Alles ab dem Jahrgang 1989 ist jetzt die sogenannte Generation Y. Generation Y – das sind wir. Und wir, wir sind immer noch nicht ganz erwachsen.

Darüber wird viel in den Medien diskutiert. Und genau darüber regen wir uns gerne auf. Denn so selbstbewusst und ehrgeizig, wie wir kategorisiert werden, genauso auch verweichlicht und verwöhnt sind wir letzten Endes. Vor allem: verwöhnt. Mein Opa erzählt oft von seiner Kindheit, da geht es um den Krieg, zerstörte Wohnungen, Ratten essen, die Rebellion der zu kurzen Miniröcke und Revolte gegen die Obrigkeit.

Unsere Generation dagegen zieht mit MacBook, iPhone und vor allem jeder Menge Geld, natürlich von Mama und Papa in den Arsch geschoben, durch die weite Welt und verlangt vor allem eines lautstark: Spaß. Spaß am laufenden Band. Und vielleicht nebenbei noch ein kleines bisschen die Welt retten, für das gute Gefühl. Und so.

Kurz gesagt: Uns stehen alle möglichen Türen offen. Wirklich. Von Anfang an. Wir sind jung, wir sind schön, wir sind intelligent – wir kennen uns aus. Hauptschule, Realschule, Abitur. Ausbildung, Weltreise, Studium. Wir können alles, wenn wir nur wollen. Nur eine Frage hält uns zurück: Wer soll sich da noch entscheiden können?

Heute Kunstgeschichte, morgen BWL. Anders als die Generationen vor uns haben wir nur eine Qual: die Qual der Wahl – zwischen 3.000 Ausbildungsberufen und über 17.000 Studiengängen. Wir, mit einer Kindheit im Reihenhaus mit Garten, mit Haustier und Mamas die uns in ihrem Auto von der Schule abholen und uns zum Klavier und Tennisunterricht fahren, und wir, die Englisch bereits im Kindergarten lernen.

Von unseren Eltern aus der Generation X wurden wir gefördert, verhätschelt und gefeiert. Schon als kleiner Hosenmatz war uns immer die volle Aufmerksamkeit gewiss. Wir durften mitentscheiden wohin die Familie in den Urlaub fährt und welche Farbe das neue Familienauto haben soll. Wir wurden immer ernst und an die Hand genommen, die Welt wurde uns erklärt.

Wir wissen, was es heißt, sich frei zu entfalten und verwirklichen zu dürfen. Da ist es doch nur logisch, dass wir das auch im Erwachsenenleben beibehalten wollen. Papas Lieblingstöchter studieren ein Jahr lang Modedesign, dann doch lieber Kunst, nur um im Anschluss eine Frisörausbildung zu machen. Wir folgen schließlich lediglich unseren Gefühlen.

Dazwischen werden Wohnung, Essen, Unterhaltung, Fitness, Reisen, Sozialleben, Krankenkasse und das tausendste Paar Schuhe bezahlt. Die Freiheit von heute und das erkämpfte Geld der Generation vor uns, müssen schließlich auch irgendwie ihre Wertschätzung finden. Ich mach’ mir die Welt, wie sie mir gefällt.

Scherzhaft werden wir von einigen auch „Generation Pippi“ genannt. Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminz Efraimstochter Langstrumpf, eine autonome Göre, die mit ihren Streichen und ihrer rotzigen Lebensart zur Heldin einer ganzen Bevölkerungsschicht wurde. Wir lassen uns nichts gefallen, wir wissen, was wir wollen, wann wir es wollen.

Generation Y. Das Y wird wie im Englischen ausgesprochen. Why. Warum. Wir sind die Generation der Fragen. Fragen wie: Passt mein Studiengang wirklich zu meinen Ambitionen? Zu meinem Charakter? Bin ich nicht noch viel zu jung, um in festen Strukturen zu arbeiten? Werde ich auch in 20 Jahren noch Freude an meinem Beruf haben? Warum mache ich nichts Kreativeres? Bin ich nicht unterbezahlt?

Freizeit statt Karriere, Sonderurlaub statt Stress: Wir geben für den Beruf nicht mehr alles. Wir erwarten. Immerhin sind wir auch herausragend gut ausgebildet. Macht Platz – jetzt kommen wir! Job, Gehalt, Selbstverwirklichung, Aufmerksamkeit, Fürsorge, Mitsprache. Chefs, die auf unsere Bedürfnisse eingehen. Arbeit, die uns gänzlich erfüllt.

Und wenn wir nicht bekommen, was wir uns wünschen, von wem auch immer, dann werden wir trotzig, stampfen mit den Füßen auf, schmollen, ziehen uns zurück und machen lieber gar nichts – oder studieren einfach weiter. Auf ein Neues. Alles ist besser als das hier. Für uns, die die Wahl haben, ist das schon fast eine Pflicht.

Unsere Generation ist entgegen mancher Ansicht weder faul noch dumm noch undankbar. Eigentlich sind wir sogar sehr fleißig. Wenn wir uns denn Aufgaben und Herausforderungen stellen dürfen, die wir für würdig erachten. Wir haben ganz verschrobene Ansichten von der Arbeit und dem Leben – und das sorgt für Konflikte.

Im Gegensatz zu den Generationen vor uns, sehen wir uns gerne als Weltverbesserer. Und das ist nichts Schlechtes. Aber müssen wir wirklich anfangen zu heulen, weil Papa uns nach dem vierten Studienabbruch doch mal den Geldhahn abdreht oder wir uns erst einmal in einem Praktikum nach oben arbeiten müssen und plötzlich sogar unsere Miete selbst zahlen sollen?

Das haben die vielen Generationen vor uns auch getan. Und wisst ihr was? Die haben ihre Zähne zusammengebissen, durchgehalten – und leben auch noch. Überraschung! Vielleicht ist aus ihnen am Ende nicht Anna Wintour, Gisele Bündchen oder Steve Jobs geworden, aber das Leben ist eben kein Süßigkeitenladen.

Nicht wenigen davon geht es trotzdem, oder sogar, prima. Die haben einen Job, mit einem echten Gehalt, mit Versicherungen, mit Rücklagen. Also liebe Kinder, bitte wacht endlich auf und lasst euch gesagt sein: Reißt euch zusammen! Denn so einfach ist das Leben nicht. Willkommen in der Realität. Generation Y – das sind wir. Und wir, wir sind immer noch nicht ganz erwachsen.

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Berühmte Brüste: Wer sich Nacktfotos von Promis anschaut, ist ein Arschloch

Wir sind die Generation Nacktfoto. Ehrlich, ich kenne niemanden in meinem Alter, der noch nie seinen Penis oder seine Brüste fotografiert und das Bild anschließend an seinen Partner, seine Affäre oder zumindest den engsten Freundeskreis weitergeleitet hat. Mein Handy zum Beispiel ist voll mit Sc...
Berühmte Brüste: Wer sich Nacktfotos von Promis anschaut, ist ein Arschloch

Berühmte Brüste

Wer sich Nacktfotos
von Promis anschaut,
ist ein Arschloch

Nadine Kroll

Wir sind die Generation Nacktfoto. Ehrlich, ich kenne niemanden in meinem Alter, der noch nie seinen Penis oder seine Brüste fotografiert und das Bild anschließend an seinen Partner, seine Affäre oder zumindest den engsten Freundeskreis weitergeleitet hat.

Mein Handy zum Beispiel ist voll mit Schwanzbildern der Exaffären und Unterwäschefotos der besten Freundinnen. Und natürlich Nacktfotos von mir. Das Gerät ist also eine tickende Zeitbombe. Was, wenn es in falsche Hände gerät?

Ich liebe es, meine Titten zu fotografieren. Warum? In allererster Linie, weil ich sie großartig finde. Wirklich, wirklich großartig. So wie andere Leute tagtäglich Selfies von ihrem mehr oder weniger demolierten Gesicht machen, fotografiere ich eben meine Brüste. Und verschicke sie. Mal für Geld, mal umsonst. Schließlich kann ich mit ihnen machen, was auch immer ich möchte.

Ich finde es nämlich nicht schlimm, Nacktfotos zu verschicken. Und zu bekommen. Es gibt allerdings eine goldene Regel, an die ich mich immer halte, auch im betrunkensten, im freudigsten und erregtesten Zustand: Ich verschicke Nacktfotos nur, wenn ich damit leben könnte, dass diese früher oder später im Netz landen. Irgendwo. Irgendwann. Und irgendwie.

Natürlich möchte ich nicht, dass Bilder von meiner Muschi für alle sichtbar auf Reddit oder 4chan oder sonst wo landen. Wenn ich das wollte, würde ich sie nämlich der Allgemeinheit zugänglich machen. Zum Beispiel auf Twitter. Oder Instagram. Oder AMY&PINK. Oder eben Portalen, auf denen sich geile Böcke, wie ihr es seid, Fotos von fremden Mädchen herunterladen können, um dazu kräftig zu wichsen.

Ich verschicke meine Nacktfotos ausschließlich an Leute, die ich persönlich kenne. Meistens ficke ich diese Leute auch. Oder möchte von ihnen einfach nur die direkte Bestätigung erhalten, dass meine Brüste tatsächlich so fantastisch sind, wie ich immer geglaubt habe und auch heute noch glaube. Ob das nun zwei oder zweihundert sind, tut dabei nichts zur Sache. Die Entscheidung, wer mich nackt sehen darf, liegt nämlich immer nur bei mir. Auch, wenn es nur um einfache Bilder geht.

Ich habe schon in der Mittelstufe, als wir unsere kaum vorhandenen Titten noch mit Einwegkameras knipsten, gelernt, dass es nicht okay ist, die Nacktfotos der verhassten Mitschülerin für alle sichtbar ans schwarze Brett zu hängen.

Wieso sollte es dann also okay sein, sich in das Handy einer fremden Person zu hacken, um ihre Fotos zu stehlen und gleich der ganzen Welt über das Internet zugänglich zu machen? Weil die Person vielleicht nicht bekannt ist und wir natürlich alle wissen wollen, wie die Brüste unserer allerliebsten Film- und Fernsehstars aussehen?

Auf Reddit, 4chan & Co. tauchen dank gut geplanter Leaks, wie zum Beispiel „The Fappening„, immer wieder allerlei Nacktfotos von Prominenten auf. Überaus private Schnappschüsse, für deren Veröffentlichung sie und die vielen anderen bekannte Frauen, die dort abgebildet werden, nie ihr Einverständnis gegeben haben.

Eine Schauspielerin, wie sie mit gespreizten Beinen ein Glas Wein trinkt. Ein Model, wie es sich, ganz außer Atem, auf den Rücken spritzen lässt. Oder eine Sängerin, wie sie ihrem Freund eine Videoaufnahme ihrer Brüste schickt. Und genau an dieser intimen Stelle liegt das Problem.

Natürlich lechzen wir alle nach Tittenbildern von schönen Frauen. Den ganzen Tag lang könnte ich sie studieren, in ihnen vergehen. Und ich persönlich sehne mich auch nach Nacktfotos von männlichen Prominenten wie Johnny Depp oder Ryan Gosling.

Doch natürlich werden in erster Linie die Handys von Frauen gehackt, merkt ihr was? Aber mal ehrlich: Für genau so etwas hat Hugh Hefner uns den Playboy geschenkt. Einverständnis ist das Stichwort, das hier nur allzu gerne vergessen wird.

Wenn weibliche Stars und Sternchen in Magazinen oder auf Internetseiten blank ziehen wollen, dann sollen sie das tun. Was aber auf ihren eigenen Handys gespeichert ist, ist privat – und das sollte auch so bleiben. Ganz egal, ob ihr euch gerne mal einen auf diese Bilder runterholen würdet oder nicht. Seid ihr nicht die Ersten, die schreien, wenn die NSA die SMS, die ihr in betrunkenem Zustand an eure Exfreundin oder Mutter schreibt, mitliest? Eben.

„Wenn man Nacktfotos mit seinem Handy macht, muss man mit sowas rechnen!“, ist kein Argument. Stichwort: Victim Blaming. „Stell’ dir mal vor, das würde jemand bei deiner Tochter oder Schwester oder Freundin machen!“ als Gegenargument übrigens genauso wenig hilfreich.

Wann, wie, wo und vor allem für wen sich jemand, und ich sage hier gezielt nicht „eine Frau“, obwohl wir alle wissen, dass es in den wenigsten Fällen Männer sind, die sich von der Gesellschaft so behandeln lassen müssen, zu einem sexuellen Objekt machen will, ist immer der Person selbst überlassen.

Wenn also Nacktfotos von jemanden nicht direkt an euch oder die Presse gehen, dann habt ihr gefälligst eure schmutzigen Griffel davon zu lassen. Sonst verwandelt ihr euch nämlich schnurstracks in genau die Sexualstraftäter, die ihr sonst in der Öffentlichkeit so gnadenlos und hart verurteilt.

Und falls ihr mal wieder enormen Druck auf euren kleinen Eiern haben solltet, dann fragt doch einfach eure liebe, kleine Freundin, ob sie euch nicht ein paar offenherzige Nacktbilder von sich schickt. Ihr dürft dann aber auch nicht sauer darüber sein, wenn jemand euch das Handy plötzlich klaut und die privaten Fotos ins Netz stellt. Denn: „Damit muss man ja rechnen!“

Die Illustration stammt von Clip und Icons8
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