Gottesfrüchte - Eine Ode an die Brust

Wenn ich einmal sterbe, dann möchte ich in einem Paradies aus Brüsten wieder erwachen, aus großen und kleinen, aus runden und flachen, aus weißen und schwarzen. Wie Hügel reichen sie…
Gottesfrüchte - Eine Ode an die Brust

Gottesfrüchte

Wenn ich einmal sterbe, dann möchte ich in einem Paradies aus Brüsten wieder erwachen, aus großen und kleinen, aus runden und flachen, aus weißen und schwarzen. Wie Hügel reichen sie aus dem Boden, wie Berge am Horizont erstrecken sie sich, wie Äste hängen sie an den Bäumen, wie Steine liegen sie da. Sie sind Wolken. Ein Fluss aus Milch ergießt sich vor mir, brodelnd stürzt er einen Hang herab. Ich streife durch die in den Himmel wachsenden Härchen, vorbei an haushohen Warzen, manche dunkelbraun, manche hellrot. Ihre Höfe laden die vorbei ziehenden Passanten zu einer baldigen Übernachtung ein.

Selbstverständlich sind Pos wichtig. Sie dürfen weder zu eben noch zu wuchtig sein, fest und doch elastisch. Wie Pfirsiche. Wie Äpfel. Niemals wie Fallobst. Aber sie können meinen Blick nicht lange auf sich ziehen, egal wie wohlgeformt sie auch sein mögen. Die Magie, sie liegt an einem anderen Ort, dieser hier ist nur der Weg dorthin, ein zweigeteilter Kontinent, der lediglich zur Durchreise dient. „Bitte, dreh’ dich um!“, flehe ich sie an und finde mich wieder in meinem eigenen Himmel.

Mit kleinen Flügeln bestückt, flattern sie über den Boden, ich werfe mich auf sie und drücke meinen Kopf in sie hinein, bis ich keine Luft mehr bekomme, sie kichern, sie lieben mich. Ihr nennt sie Titten, Möpse oder Hupen, nichts davon wird ihnen gerecht, ich schmettere euren peinlichen Versuche, ihnen eine angemessene Bezeichnung zu verleihen, höhnisch ab, tituliere sie selbst als Gott, war in allen Belangen ein Blasphemiker, bis ich die Erlösung durch ihr schöpferisches Dasein erblickte. Nennt mich Brustmessias! Ich baue ihnen einen Schrein, eine Kirche, einen Tempel. Kommt herein! Diese Sekte ist die einzig wahre.

Wissenschaftler sind Scharlatane, wenn es um meinen Erlöser geht. Sie reduzieren seine Wunder und Zauber, bezeichnen ihn als ennuyanten Matsch aus Haut und Fett und Nerven. Vergänglich, mehr nicht. Ärzte hacken sich gegen ein wenig Sold laut lachend durch sein Bindegewebe, durch Drüsenläppchen und Achsellymphknoten. Medizinische Notwendigkeit kann ich noch verstehen, tückische Schönheitsideale nicht. Ich möchte weinen. Hört doch endlich auf damit, schändet ihn nicht, lasst Gott in Ruhe! Sie hören mich nicht, die Menschenmetzger, ihr Glaube ist längst vergangen. Nichts und niemand kann sie mehr wahren.

Wer mich von meiner Religion abbringen möchte, der hat schlechte Karten. Mein Eldorado existiert wirklich, ich habe es mit meinen eigenen Augen gesehen, warum sollte ich ihm abtrünnig werden? Nichts spricht dafür, so viel dagegen. All die Prediger von Hintern, von Scheiden, von Füßen, ihr betet zur falschen Rettung, merkt ihr das denn nicht? Guckt sie euch doch an, die Kates und Palinas und Emilys dieser Welt – habt ihr denn gar nichts von ihnen gelernt? Lasst mich euch missionieren, ihr törichten Atheisten, blickt empor und öffnet eure Münder, sonst werdet ihr eures kurzen Lebens nicht mehr froh!

Meine Hände wandern, meine Blicke sind starr, mein Puls rast. Die Nacht ist herein gebrochen, die Stimmen sind erloschen, die Hüllen fallen. Da, ich fühle sie. Ihre Wärme, ihre Weichheit, ihre Geschichte. Sie sind das feminine Synonym für intelligente Stärke, ihre Nachgiebigkeit kommt nicht ohne Forderung. Keine Kraft dieses Planeten kann mich nun mehr davon abbringen, mich ihnen für alle Ewigkeit zu widmen. Nimm mein Leben, du ebenmäßiger, aus der Pubertät erwachter Gott, wie kann ich nicht an ihm hängen, darf ich doch im Gegenzug für immer an deiner Seite weilen. Wenn ich einmal sterbe, dann möchte ich in einem Paradies aus Brüsten wieder erwachen, aus großen und kleinen, aus runden und flachen, aus weißen und schwarzen.

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Illustration von Hugues Merle
Der Text erschien in der Kategorie Sex mit den Themen Brüste, Frauen, Körper, Mädchen und One-Night-Stands
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