Ficken statt Fortnite - Die Jugend ist an die Jugend verschwendet

Eine traurige Wahrheit schwebt wie eine dunkle Wolke über unserem gesamten Leben. Vom Anfang bis zum Ende ist sie der Schlüssel zu unseren geplatzten Träumen, bereuten Entscheidungen und vernichteten Hoffnungen.…
Ficken statt Fortnite - Die Jugend ist an die Jugend verschwendet

Ficken statt Fortnite

Die Jugend ist an die
Jugend verschwendet

Eine traurige Wahrheit schwebt wie eine dunkle Wolke über unserem gesamten Leben. Vom Anfang bis zum Ende ist sie der Schlüssel zu unseren geplatzten Träumen, bereuten Entscheidungen und vernichteten Hoffnungen. Von der Geburt bis zu unserem Tod wacht sie über uns, bringt uns zur Verzweiflung, wie eine niemals greifbare Antwort, deren kurze Berührung uns in tausend Teile zerbersten lassen würde. Die Jugend ist an die Jugend verschwendet.

Dass ich nicht mehr jung war, fühlte ich zum ersten Mal auf einer Party, auf der auch meine wenige Jahre jüngere Cousine eingeladen war. Sie sieht aus wie ich. Oder anders ausgedrückt: Ich sah einmal so aus wie sie. Wir quatschten mit einem süßen Typen. Er war Anwalt. Oder DJ. Oder Anwalts-DJ. Ist ja auch scheißegal, was er war.

Als wir uns in die Nacht verabschiedeten, fragte er nach einer Nummer. Großkotzig fing ich an mit „Null, Eins, Fünf…“ „Nene, nicht deine. Deine!“ Der Anwalts-DJ sah meine Cousine an. Sie sah mich an. Ich sah beide an und wollte lachen, konnte es aber nicht. Während sie ihm ihre Nummer ins Handy tippte, brannte sich dieser Satz in meinen Kopf hinein. „Nene, nicht deine.“ „Nene. Nicht deine.“ „Nene. Nicht. Deine.“

Der Anwalts-DJ wollte meine Nummer nicht einmal aus Höflichkeit. Nicht einmal als Ersatzfick war ich noch gut genug, falls meine Cousine ihn abblitzen ließ und sich einfach nicht bei ihm meldete, und er trotzdem einen warmen Körper für eine kühle Nacht brauchte. Er schien mich gemustert zu haben und sich gedacht zu haben: Ne, da wichs‘ ich lieber, anstatt da drüber rutschen zu müssen.

Plötzlich war sie da. Die Panik. Und die tickende Uhr, die sie mitbrachte. Im Handumdrehen war ich alt. Gehörte ich in dem einen Moment noch zu den festen, prallen, vor Sexualität quasi nur so strotzenden Jugendlichen, mit denen jeder, der nicht gehirntot war, Geschlechtsverkehr haben wollte, war ich im nächsten nichts weiter als eine alte, verdorrte Pflaume, die quasi bereits in den Wechseljahren steckte und nun lediglich auf den Tod warten konnte. Ist das ein graues Haar auf meinem Kopf?

Meine Cousine ist jung, hübsch und könnte Model für eine Bebe-Hautcreme-Werbung sein, so wie sie jeden Raum erstrahlen lässt, in den sie tritt. Sie ist das, was alte Menschen, mich nun eingeschlossen, für die jugendliche Schönheit in Person halten. Ihre Haare sind blond, ihre Augen sind blau, ihre Lippen sind groß, ihre Hüften sind schmal, ihre Titten sind prall. Sie ist so perfekt, dass Inzest plötzlich eine Option für mich war.

Und was macht meine Cousine aus ihrer Jugend? Gar nichts. Sie sitzt den ganzen Tag zu Hause herum und lernt, weil sie einmal Medizin studieren möchte und auf ein Stipendium hofft. Einen Freund hatte sie noch nie, dafür hat sie bereits mit einem Jungen geschlafen und zweien einen geblasen. Im Grunde ist sie also noch Jungfrau.

Wenn wir zusammen feiern gehen, ist sie kein Mauerblümchen, nein, sie tanzt, sie lacht, sie trinkt. Und dann geht sie nach Hause und schaut vielleicht noch eine Folge von „The Good Doctor“ auf Netflix, um morgen wieder fit zu sein, frühmorgens joggen zu gehen und anschließend wieder zu lernen. Wie so eine verdammte Streberin, die man früher auf dem Pausenhof grün und blau geprügelt hätte.

Meine Cousine ist jung und ich bin alt. Das wäre ja in Ordnung. So ist eben der Lauf der Dinge. Wir waren alle mal jung und viele von uns werden alt. So ist das eben. Aber diese Wahrheit wäre leichter zu verdauen, wenn meine Cousine wenigstens etwas aus ihrer Jugend machen würde. Doch sie denkt nicht ans Jetzt, sie denkt nur an ihre Zukunft.

Junge Menschen wollen alles, nur nicht jung sein. Sie möchten die grenzenlose Freiheiten spüren, die die Erwachsenen sich hart erarbeitet haben. Doch diese Freiheit gibt es gar nicht. Sie existiert nicht. Sie ist eine Falle, aus der du nicht mehr entkommen kannst. Nur durch den Tod. Erwachsen sein ist scheiße. Das weiß jeder, der plötzlich nicht mehr jung war.

Natürlich kannst du theoretisch alles machen, was du willst, wenn du erst einmal erwachsen bist. Du kannst hin fahren, wo du willst, trinken, was du willst, essen, was du willst, kaufen, was du willst, ficken, wen du willst. Theoretisch kannst du das zumindest alles machen. Die Realität sieht leider anders aus.

In der Praxis kannst du einmal im Jahr für zwei Wochen nach Mallorca fliegen, weil du sonst deinen Job verlierst, zwei Biere am Wochenende trinken, weil du sonst als Alkoholiker giltst und sowieso nichts mehr verträgst, lieber Salat statt Cheeseburger in dich hinein stopfen, weil du sonst mit einem Kran aus deiner Wohnung gerettet werden musst, besser ein gebrauchtes iPhone 8 als den neuen Scheiß kaufen, weil du dir nichts anderes leisten kannst, und dir vom hässlichen Dietmar auf dem Parkplatz von irgendeiner Ü30-Party in den Schritt spritzen lassen, weil dich niemand Hübscheres und Jüngeres mehr ranlässt.

Es gibt einen Grund, warum alte Frauen ihre gesamte Rente für irgendwelche beschissenen Cremes und Elixiere ausgeben, die ihnen ewige Jugend versprechen. Weil sie gemerkt haben, dass nichts sich so gut anfühlt, wie jung zu sein. Jede Frau über dreißig, die behauptet, sie wäre mit ihrem Alter zufrieden, würde ihre Reife genießen, müsse sich keine Sorgen um die Zukunft machen, lügt. Und glaubt das auch noch.

Warum lügen sie? Weil sie sich irgendwie schön reden müssen, dass sie sich direkt auf der Überholspur in den nächsten Sarg befinden. Ihr Mann wird sie schon bald für die jüngere Sekretärin verlassen, weil sie es nicht mehr für nötig halten, sich die grauen Schamhaare abzurasieren oder sich unter ihren Hängetitten zu waschen. Sie sind alt und können das nicht mehr ändern.

Irgendwann wird meine Cousine Chefärztin in irgendeinem versifften Klinikum sein. Natürlich ohne ihre schmalen Hüften und prallen Titten. Und ihre wallend blonden Haare werden ihr auch ausgegangen sein. Und trotz ihres Geldes, ihrer Karriere und ihrer Erfolge wird sie ihrer Jugend nachweinen und sich wünschen, dass sie mehr aus dieser kurzen Zeitspanne gemacht hätte als nur zu Hause zu sitzen, zu lernen und Netflix zu schauen.

Es ist ein Schlag ins Gesicht für alte, vergreiste und bald tote Menschen wie uns, wenn die jungen Leute nichts aus ihrer Lebensfrische macht. Wenn sie den ganzen Tag zu Hause hocken und für Medizin büffeln oder „Fortnite“ zocken, anstatt sich ihre festen Leiber beim Rudelbumsen auf irgendeinem Kindergeburtstag vollsauen zu lassen. Eine traurige Wahrheit schwebt wie eine dunkle Wolke über unserem gesamten Leben: Die Jugend ist an die Jugend verschwendet. Und jetzt runter von meinem Rasen!

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Die Fotografie stammt von Roberto Nickson
Der Text erschien in der Kategorie Sex mit den Themen Beziehungen, Fortnite, Frauen, Jugend, Jungs, Kinder, Mädchen, Männer, Netflix, One-Night-Stands und Studium
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