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Ficken, Feiern, Fetische: Der Kit Kat Club hat mich pervers gemacht

"Berlin got you!", sagt der tätowierte Partyfotograf aus dem Kit Kat Club zu mir. "Berlin got you!", wiederholt er und betont noch einmal, wie sehr ich mich verändert hatte. Meinen Arsch wollte er trotzdem fotografieren. Ich verdrehe meine Augen und halte mein Hinterteil in seine Kamera.
Ficken, Feiern, Fetische: Der Kit Kat Club hat mich pervers gemacht
Ficken, Feiern, Fetische: Der Kit Kat Club hat mich pervers gemacht

Ficken, Feiern, Fetische

Der Kit Kat Club hat
mich pervers gemacht

Sarah-Julia Sabukoschek
Sarah-Julia Sabukoschek

"Berlin got you!", sagt der tätowierte Partyfotograf aus dem Kit Kat Club zu mir. "Berlin got you!", wiederholt er und betont noch einmal, wie sehr ich mich verändert hatte. Meinen Arsch wollte er trotzdem fotografieren. Ich verdrehe meine Augen und halte mein Hinterteil in seine Kamera.

Ein bisschen nach Porno fühlt sich das Ganze schon an, aber was soll's. Sollen doch später alle sehen, wie geil ich im verruchten Kit Kat Club aussehe. Und schließlich lebe ich jetzt in Berlin, da kann man sich schon mal etwas mehr erlauben als anderswo. Am Ende behaupte ich einfach, es sei Kunst, und die Sache hat sich.

Die Leute aus meinem Heimatkaff zerreißen sich das Maul sowieso. Nach etwa fünf Schnappschüssen wendet sich der Fotograf wieder von mir ab und begibt sich auf die Suche nach weiteren Ärschen in Netzstrumpfhosen und mit Glitzertitten, die er verewigen kann.

"Berlin got him!", sagt meine Freundin grinsend zu mir, als neben uns ein Typ seinen Schniedel rausholt und ihn zu rubbeln beginnt. Dafür, dass wir soeben ungefragter Weise zu einer fleischgewordenen Wichsvorlage geworden waren, fühlte es sich gar nicht mal so seltsam und gar nicht mal so neu an. Danke fürs Trauma, du Wichser!

Mit Wichser meine ich das Patriachat. Und den Typen mit seinem runzligen Schniedel meine ich damit auch. "Berlin got me!" Was soll das überhaupt heißen? Außer dass meine Outfits immer weniger Haut bedeckten, gab es doch keinen Unterschied. Oder doch? Hat mich Berlin wirklich gegottet?

Ich finde, im Kit Kat Club kann man die Leute in etwa drei Kategorien einteilen. Einmal gibt es die Newcomerinnen und Newcomer, zu denen auch ich anfangs gehörte. Dann gibt es die BDSM-Hippies, wie ich sie nenne, und dann noch die Endgegner: Die Perversen.

Wie es der Technogott, oder der Sexgott, so wollte, gehörte auch ich zu jenen, die den klassischen Kit-Kat-Club-Werdegang hinlegten. Ich mutierte von der Newcomerin zum BDSM-Hippie. Und vom BDSM-Hippie zur Perversen. Aber dazu komme ich später noch. Jedoch möchte ich so am Rande anmerken, dass das bei mir deutlich schneller ging als bei anderen. Von nun an kann mir also niemand mehr vorwerfen, ich wäre keine anständige Karrierefrau.

Die Kategorie "Newcomerin" erklärt sich, glaube ich, von selbst. Man erkennt sie daran, dass sie noch richtige Kleidungsstücke tragen. Kleidungsstücke, die sie bedecken und so. Bei den Newcomern hoffe ich immer, dass denen ihr Stock im Arsch wenigstens eine anständige Prostatamassage beschert.

Als Frau brachte mir der Stock im Arsch ja eher weniger, also ließ ich ihn und das wahrhaftige Scheißgefühl, welches damit einherging, bald hinter mir. Mit dem Stock fielen auch die Klamotten und ich zelebriete tanzend "Free the nipple” auf eine ganz neue Art. "Free the nipple, bounce the tittle”, hatte ich das getauft, und ja, ich finde das sehr witzig. Kein Grund, mir beim Reden nicht weiterhin in die Augen zu schauen.

BDSM-Hippies heißen die Leute der zweiten Kategorie, weil sie für mich einfach Hippies sind. Sie lieben die Freiheit. Statt Blumen im Haar tragen sie halt Klammern an den Nippeln und Halsbänder. Auch wenn es bei so manchen Folterspielchen, die ich dort zu Augen bekam, nicht danach aussah, sind die meisten von ihnen tatsächlich friedlich gesinnt.

Dass die BDSM-Hippies ebenfalls eindeutig nicht der gesellschaftlichen Norm entsprechen, muss ich, glaube ich, auch nicht weiter ausführen. Ich meine, im String oder völlig nackt zu mittelmäßigem Techno die Titten oder den Schniedel, oder beides, im Takt wackeln zu lassen, ist doch nicht mal ein ansatzweise normales Hobby. "Es lebe die Abnormalität!", heißt es hier.

Und jeder Fetisch wird beklatscht. Ich muss zugeben, so ein Fußfetisch, zum Beispiel, das ist schon wirklich etwas Tolles. Also wer noch nie seine Zehen gelutscht bekommen hat, der sollte das schleunigst nachholen. Einen Footblowie sozusagen. Aber jetzt bin ich etwas abgeschweift.

Seit "Free the nipple, bounce the tittle" gehörte ich jedenfalls auch offiziell zu den BDSM-Hippies und ich war stolz drauf. Meine Mutter fand's eklig. "Mama, das ist befreiend!" sage ich ihr dann immer, aber was soll's. Nicht jeder kann meine alternativ-hedonistisch gesellschaftskritische Weltansicht und meinen Way of Living verstehen.

Die nennen mich dann liebevoll einen Freak oder pervers. Und ich sage absichtlich liebevoll, weil sich "pervers" mittlerweile irgendwie wie ein Kompliment anfühlt. Und diese Erkenntnis, liebe Leute, katapultierte mich ins Reich der Perversen. Ich glaube, Berlin got me!

Der Text wurde von Sarah-Julia Sabukoschek geschrieben. Die Fotografie stammt von Artem Labunsky. Der Artikel erschien in der Kategorie Sex mit den Themen Ärsche, BDSM, Berlin, CarneBall Bizarre, Clubs, Feminismus, Fetische, Frauen, Hippies, Jungs, Kit Kat Club, Latex, Mädchen, Männer, Masturbation, Missirajin, Mitte, Muschis, Nasty Trash Girl, Nippel, Onanie, One-Night-Stands, Partys, Penisse, Schwänze, Selbstbefriedigung, Techno und Wichsvorlagen. Wenn er euch gefällt, könnt ihr ihn auf Facebook, Twitter, WhatsApp, Pinterest und Tumblr oder per Email teilen. Ihr habt etwas zu sagen? Schickt uns einen Leserbrief!
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