Einmal ficken, weiter schicken - Ich lasse mich gerne erniedrigen

Ich würde mich als starke Persönlichkeit bezeichnen. Klug, frech, hübsch. Zumindest, wenn ich will. Mein Selbstbewusstsein ist groß genug, dass ich mich nicht von anderen Meinungen definieren oder charakterisieren lasse.…
Einmal ficken, weiter schicken - Ich lasse mich gerne erniedrigen

Einmal ficken, weiter schicken

Ich lasse mich
gerne erniedrigen

Ich würde mich als starke Persönlichkeit bezeichnen. Klug, frech, hübsch. Zumindest, wenn ich will. Mein Selbstbewusstsein ist groß genug, dass ich mich nicht von anderen Meinungen definieren oder charakterisieren lasse. Aber dennoch nicht so überheblich, dass ich ein sozial unfähiger Mensch wäre.

Wer mich trifft, der überlegt es sich zweimal, ob er sich mit mir und meinem modernen Weltbild anlegt oder doch lieber rasch den Mund hält. Denn nach nur wenigen gewechselten Worten mit mir versteht er, dass er es hier mit jemandem zu tun hat, der ganz genau weiß, was er für die Spezies, zu der er gehört, wert ist. Meine totale Arroganz und Ignoranz allen mich zu unterdrückenden Versuchen gegenüber hat schon etliche kleine Jungs und gestandene Männer zum Weinen gebracht. Und zwar zurecht.

Ich verdiene mein eigenes Geld. Ich bin erfolgreich im Studium und im Beruf. Und ich lebe mein Leben so, wie ich es für richtig halte. Und zwar zu einhundert Prozent. Ich bin die Art von Frau, die andere Frauen unbedingt sein wollen und an diesem Ziel verzweifeln. Ich lasse mich nicht auf meine Geschlechtsorgane reduzieren. Ganz im Gegenteil. Im Grunde bin ich der Feminismus in Person – in jeglicher Hinsicht.

Und dennoch gibt es Momente, in denen ich gerne erniedrigt werde. Von Männern. Wenn sie mich auffordern, endlich den Mund zu halten, meine Jeans bis zu den Knien herunterzuziehen und mich über den Schreibtisch in einem nur für mich gemieteten Hotelzimmer zu beugen, während sie ein Glas Whisky in der Hand haltend auf dem Sessel in der Ecke sitzen und grinsen, dann macht mich das geil.

Wenn eine flüchtige Tinderbekanntschaft und ihre spontan dazu gerufenen, bereits betrunkenen Arbeitskollegen, die ich vorher noch nie in meinem Leben getroffen habe und auch nie wieder sehen werde, nacheinander in meinem Gesicht, auf meine Brüste und in meinen Schoß kommen und währenddessen lachend fragen, ob dieser Anblick wohl meinem Vater gefallen würde, dann macht mich das geil.

Wenn ich nackt und zusammengekauert, nur mit Socken und einem zerrissenen Slip bekleidet und als kleine Hure beschimpft, auf dem Boden liege, während aus all meinen Körperöffnungen Sperma von verschiedenen Schwänzen quellt, und davon auch noch Fotos und Videos gemacht werden, die anschließend per WhatsApp an mir vollkommen fremde Menschen geschickt werden, dann macht mich das geil.

Es macht mir Spaß, gewürgt, bespuckt und geohrfeigt zu werden. Während meinem Gegenüber vollkommen egal ist, was ich für ein Mensch bin. Was ich bevorzugt esse. Welche Serie ich momentan auf Netflix schaue. Welche Musik ich am liebsten höre. Was ich witzig finde und was eben nicht. Wie ich gerne küsse.

Dem, der mich gerade fickt, geht es lediglich darum, dass ich ein junger, fast noch mädchenhaften Körper bin, blonde Haare habe und zwei feste Titten als auch mehrere enge, rasierte Löcher mitbringe, die er nach Lust und Laune benutzen kann. Nur um mich, nachdem er sich an mir vergangen hat, wie ein verbrauchtes Stück Fleisch zur Seite zu stoßen und nie wieder anzuschauen. Einmal ficken, weiter schicken.

Mir bereitet es Freude, wenn ich daran denke, dass im Internet diverse, in den vergangenen zehn Jahren mit mir in der Hauptrolle produzierte Nacktbilder und Sexfilmchen im Internet herum schwirren und sich Menschen auf der ganzen Welt bei ihrem Anblick selbst befriedigen. Jung oder alt. Allein oder als Paar. Fremd oder sogar jemand, den ich kenne, und der es erregend findet, dass er weiß, wer ich bin, wo ich wohne, wer meine Liebsten und meine Freunde sind, und wie meine primären und sekundären Geschlechtsorgane aussehen, während sie von nassen Zungen geleckt und dicken Gliedern gedehnt werden.

Warum ich mir herausnehme, meine eigene Erniedrigung zu zelebrieren und dabei sogar noch Lust zu empfinden? Weil ich selbst über meinen Körper und meine Gefühle bestimmen darf. Weil ich mich bewusst dazu entschieden habe, mich in ausgewählten Situationen wie eine billige Prostituierte zu fühlen, deren einzige Daseinsberechtigung es ist, mächtigeren Männern in jeglicher Hinsicht zu dienen.

Ich gebe ihnen die ausdrückliche Erlaubnis, mich temporär auf meine körperlichen Eigenschaften zu reduzieren, alles andere, was mich zu einem intelligenten, autonomen und individuellen Menschen mit allerlei Rechten und einer Persönlichkeit macht, auszublenden, und mich so zu missbrauchen, wie sie es in diesem Augenblick für richtig erachten. Und ich lasse dies über mich ergehen. Weil ich es möchte.

Ich entscheide selbst, wie ich meine Wünsche, meine Erwartungen und meine Sexualität auslebe. Ich lasse mir von niemandem vorschreiben, mit wie vielen Männern und Frauen ich welche Dinge machen darf – und welche eben nicht. Es steht jedem frei, mit keinem, mit einem oder mit allen Menschen zu schlafen, die er auf seinem Weg trifft. Das Leben ist zu kurz, um sich in irgendeiner Form limitieren zu lassen.

Wenn ich aus dem Hotelzimmer trete, das lediglich aus dem einzigen Grund gebucht worden war, um mich darin so hart zu ficken, wie es nur irgendwie menschlich möglich ist, während ich mir noch mit einem gebrauchten Taschentuch die Wichse aus meinem Gesicht wische und hinter mir gelacht, gejohlt und gefeiert wird, dann bin ich immer noch dieselbe starke Frau, die ich auch zuvor und währenddessen war.

Und ja, ich bin mir um die Ignoranz der Männer, die laut grunzend nacheinander in mich hinein oder auf mich drauf ejakuliert haben, dieser Selbsteinschätzung gegenüber sehr wohl bewusst. In ihren Augen bin ich nur eine billige, naive Fotze, die sich einredet, so etwas wie Stolz, Würde und Anmut zu besitzen, während sie auf allen Vieren und mit Spucke in den Haaren um Gnade und Papas pulsierenden Penis winselt.

Wenn ich am nächsten Tag in die Uni fahre, konzentriert in der Vorlesung sitze und mich nachmittags mit ein paar guten Freundinnen auf einen Kaffee in der Innenstadt treffe, dann bin ich so eloquent, witzig und clever, wie man es eben von mir gewohnt ist und auch irgendwie erwartet. Ich bin genau die vielseitig strahlende Persönlichkeit, die ich mir in den vergangenen Dekaden aus Erfahrungen, Erlebnissen und der ein oder anderen Zeichentrickserie zusammen gebastelt habe. Und meine Sexualität ist ein Teil von mir.

Ich liebe diese immer neuen, immer anderen, immer überraschenden Ausflüge in die Abgründe der menschlichen Laszivität. Sie sind aufregend. Sie machen Spaß. Sie geben mir meinem sozialen Umfeld und der Gesellschaft im Allgemeinen gegenüber ein fast schon hochnäsiges Selbstbewusstsein, das ich sonst nicht gehabt hätte, wenn ich mich vor allem, was man eben „doch nicht macht“ verschließen würde.

Wenn man von seinen lieben und weltoffenen Eltern zu einem rundum kompetenten Menschen erzogen wurde, der mit Recht auf alles scheißt, was andere denken und sagen und meinen, dann öffnet sich ein kunterbuntes Dasein voller Wunder, Besonderheiten und Überraschungen, von dem andere nur träumen können. Das sind dann nämlich diejenigen, die spät nachts vor ihrem Laptop sitzen und sich an alten Nacktfotos von mir einen runter holen müssen. Und das, während ich schon wieder auf dem Weg zu meinem nächsten Abenteuer bin und mein Leben als kluge, freche, hübsche Frau in vollen Zügen genieße.

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