Eine Nacht mit Folgen - Ich habe mit meinem Mitbewohner geschlafen

Eigentlich war Max gar nicht mein Typ. Blond, schlaksig und ein wenig nerdig, wie so ein typischer Informatikstudent eben. Durch seine schwarz umrandete Brille drängten sich zwei smaragdgrün Augen, wenn…
Eine Nacht mit Folgen - Ich habe mit meinem Mitbewohner geschlafen

Eine Nacht mit Folgen

Eigentlich war Max gar nicht mein Typ. Blond, schlaksig und ein wenig nerdig, wie so ein typischer Informatikstudent eben. Durch seine schwarz umrandete Brille drängten sich zwei smaragdgrün Augen, wenn er lachte, dann grunzte er manchmal etwas. Oft polterte aus seinem Zimmer lauter, dumpfer Techno, während er an der Webseite eines Berliner Startups, das das Tinder für Staubsauger oder so etwas in der Art sein wollte, bastelte. Wäre Max mir auf der Straße entgegen gekommen oder hätte er mich auf einer Party angequatscht, dann hätte ich ihn kaum beachtet. Zu wenig Muskeln, zu wenig Charisma, zu wenig dunkle Haare. Eigentlich war Max gar nicht mein Typ.

Fast ein halbes Jahr lang hatte ich mit Max und Sophie in einer WG in Kreuzberg gewohnt. Sophie studierte Verpackungstechnik im vierten Semester und war selten zu Hause. Oft übernachtete sie bei ihrem Freund, mit dem sie bereits seit der Schulzeit zusammen war. Sophie war sehr ordentlich. Wenn sie kochte, war das Geschirr danach sofort gewaschen. Wenn sie duschte, wischte sie das Glas mit einem eigenen Schaber trocken. Und wenn sie eine kleine Party veranstaltete, waren die leeren Flaschen und Chipstüten bereits am nächsten Morgen verschwunden.

Meine angeborene chaotische Art vertrugen sich zwar nicht immer reibungslos mit dem Putzfimmel von Sophie und der logischen Mentalität von Max, aber erstens war ich froh, ein Zimmer gefunden zu haben, und zweitens redete ich mir ein, dass die beiden mich in gewissen Dingen zu einem besseren Menschen machten. Ließ ich früher Pizzaschachteln, Unterwäsche und Sektflaschen kreuz und quer in meinem Zimmer und drumherum liegen, achtete ich nun darauf, nicht allzu negativ aufzufallen. Für Max und Sophie war ich vielleicht so etwas wie eine frische Brise, zumindest redete ich mir das ein.

Das lief auch alles ganz gut, bis ich eines Nachts sturzbetrunken von einer Party bei meiner besten Freundin zurück kam. Leise versuchte ich mich in die Wohnung zu schleichen, was daran scheiterte, dass ich beim Hereinkommen über den Teppich stolperte und so blöd gegen die Garderobe knallte, dass ich die Hälfte der Jacken mitsamt Aufhänger herunterriss. Sophies sonst übliches Gemeckere blieb allerdings aus, die nächtigte bei ihrem Freund. Stattdessen trat Max aus seinem hell erleuchteten Zimmer. Er hatte ein Stück Pizza in der Hand, auf seinem Computermonitor lief „World of Warcraft“, aus den Lautsprechern polterte ein nicht enden wollender Beat.

„Alles in Ordnung?“ fragte er kurz, stopfte sich das Pizzastück in den Mund und half mir auf. „Ja, ja, passt schon…“ kicherte ich benommen. „Hast du noch Pizza übrig?“, stotterte ich dann. „Ähm, ja, klar!“ stotterte er zurück. Ich holte zwei Flaschen Beck’s aus dem Kühlschrank und folgte ihm in sein Zimmer, nur um von einer halben Salamipizza begrüßt zu werden. Wie ein wildes Tier stürzte ich mich auf sie. Max wusste nicht, ob er lächeln oder mich von seiner Pizza stoßen sollte, aber er blieb höflich und schaute zu, wie ich den belegten Brotfladen in mich hinein stopfte. Satt, und vom Bier gleich noch mehr beschwipst, saß ich auf seinem Bett und wir begannen ein wenig zu plaudern.

über meine und seine Eltern, über seine Jugend in Hamburg, über Berlin und die Leute und die Partys und die Uni und warum wir nicht mehr CDU wählen wollen, obwohl wir das beide bei der letzten Wahl getan hatten. Max verwandelte sich vom schlaksigen Nerd in einen Menschen mit außergewöhnlichen Gedanken und emotionalem Tiefgang. Vielleicht war ich auch einfach nur besoffen und ein wenig notgeil. Und natürlich schliefen wir in dieser Nacht miteinander. Dass mich ein schlecht animiertes und seltsam atmendes 3D-Skelett auf dem Monitor anglotzte, während ich mit heruntergezogener Unterhose vor Max kniete, hätte ich womöglich als schlechtes Omen interpretieren sollen.

Nach dem Sex verabschiedete ich mich in mein Zimmer, nur um am nächsten Morgen auf einen Kater und einen kaum sprechenden Max zu treffen. Er saß beim Frühstück und schmierte sich ein Brötchen, als ich nur mit einem Nachthemd bekleidet in die Küche wankte. „Guten Morgen!“ begrüßte ich ihn wohl etwas zu laut, es kam nur ein emotionsloses „Moin“ zurück. Er sah nicht so aus, als wolle er Gesellschaft, also goss ich mir ein Glas Milch ein, verschwand wieder in meinem Zimmer und legte mich erneut ins Bett.

„Ihr habt was?!“ schreckte mich einige Stunden später Sophies Gebrüll aus dem Schlaf. Dann Gepolter. Dann ein Klopfen an der Tür. „Du hast mit Max gevögelt?!“ schnauzte sie mich an. Noch halb im Schlaf gab ich nur ein „Ja, und?“ zurück, das Sophie wohl so sehr aufregte, dass sie aus meinem Zimmer in ihres stürmte und die Tür zuknallte.

Es stellte sich heraus, dass Max und Sophie seit einigen Wochen eine Affäre hatten und heimlich vögelten, wenn ich nicht zu Hause war. Und da ich generell schwer von Begriff bin, bekam ich weder vom regelmäßigen Geschlechtsverkehr noch von der Tatsache, dass Sophie sich in Max verliebt hatte und mit dem Gedanken spielte, ihren Freund für ihn zu verlassen, etwas mit.

Während ich mich wie bei „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ fühlte, weigerte Sophie sich ab diesem Morgen auch nur noch ein Wort mit mir zu sprechen. Die nächsten Wochen lebte ich also mit einer mich hassenden Putzfetischistin und einem überforderten Nerd zusammen, bevor es mir zu bunt wurde und ich mir eine neue WG in der Nähe meiner besten Freundin suchte.

Die letzten WhatsApp-Nachrichten, die ich mit Max austauschte, erzählten davon, dass Sophies Freund mit ihr Schluss gemacht hatte und die WG kurz danach aufgelöst wurde, weil herauskam, dass Max gar nichts von Sophie wollte. Außer eben Sex.

Auch heute noch frage ich mich, ob ich schuld daran war, dass diese sich bis dahin eigentlich ganz gut funktionierende WG aufgelöst hatte. Ob ich einfach nicht nach einem Stück Pizza hätte fragen sollen. Oder ob ich meine Hose hätte anlassen sollen, als dieses Computerskelett direkt in meine nicht ganz reine Seele schaute. Aber heute können sowohl ich als auch meine drei neuen Mitbewohner über diese Geschichte lachen, wenn wir sie uns bei einer Salamipzza und der ein oder anderen Flasche Beck’s erzählen. Und zwar immer und immer wieder.

Bücher über Sex auf Amazon kaufen

Fotografie von We-Vibe
Der Text erschien in der Kategorie Sex mit den Themen Beziehungen, Frauen, Jungs, Mädchen, Männer, One-Night-Stands und Wohngemeinschaften
Wenn euch dieser Artikel gefällt, könnt ihr ihn auf Facebook, Twitter, WhatsApp, Pinterest und Tumblr oder per Email teilen
Ihr habt etwas zu sagen? Schickt uns einen Leserbrief!
EMPFEHLUNGEN
Weitere Artikel lesen
Impressum
AMY&PINK

Herausgeber

Marcel Winatschek

AMY&PINK ist euer digitales Popkulturmagazin und gibt euch alles, was ihr über Mode, Kunst, Musik, Filme, Spiele, Essen, Reisen, Liebe, Sex und das Leben im Allgemeinen wissen müsst. Jeden Tag aufs Neue.

Sendet uns eure CDs, Filme, Serien, Bücher, Magazine, Comics, Getränke, Videospiele, Schuhe, Kleidungsstücke, technischen Spielereien und weitere schöne Dinge an die folgende Adresse und vielleicht stellen wir sie auf AMY&PINK vor.

Wenn ihr auf AMY&PINK werben oder veröffentlicht werden wollt, eine rechtliche oder inhaltliche Anfrage habt oder weitere generelle Informationen benötigt, dann schickt uns eine Email!

Adresse

AMY&PINK
Bgm.-Strauß-Straße 8
86807 Buchloe
Deutschland

Kontakt

Email: kontakt@amypink.com
Telefon: +49 157 34335280

Kategorien
Leben  Mode  Kunst  Musik  Filme  Spiele  Essen  Reisen  Liebe  Sex

Themen
Mädchen  Frauen  Jungs  Männer  Fotografie  Beziehungen  One-Night-Stands  Japan  Internet  Berlin  Asien  Tokio  Deutschland  Gesundheit  Instagram  Gedanken  Feminismus  Partys  Anime  Emotionen  Liebeskummer  Drogen  Manga  Facebook  Blogs  Studium  Freundschaft  Beziehung  YouTube  Pornografie  Gefühle  Alkohol  Twitter  Karriere  USA  Depressionen  Pop  Sexismus  Tinder  Jugend  Kyoto  Krankheiten  Hass  Shibuya  Onanie  Penisse  Masturbation  Interviews  Harajuku  Bücher  Geld  Kinder  Comics  Kreuzberg  Arbeit  Hip Hop  Ängste  Nintendo  Fantasy  Brüste  Australien  Cartoons  Teenager  Los Angeles  Prostitution  WhatsApp  Wohngemeinschaften  Osaka  Trennung  Sailor Moon  Reddit  PlayStation  Selbstbefriedigung  Homosexualität  Psychologie  Handys  Europa  Berghain  New York  Finanzen  Analsex  Fitness  Rassismus  Friedrichshain  Shimokitazawa  England  Sexting  Urlaub  Nacktfotos  Menschen  Muschis  Schule  Vibratoren  Xbox  Paare  Geschichten  Familie  Speed  Gewalt  Smartphones  

© 2020  •  Alle Rechte vorbehalten

Wir übernehmen keine Verantwortung oder Haftung für unverlangte Einsendungen.

Mit dem Erhalt von Fotografien, Texten und ähnlichen analogen wie digitalen Materialien erklärt sich der Einsender dazu bereit, dass er die vollen Rechte daran besitzt und diese kostenfrei, lizenzfrei und für unbestimmte Zeit auf AMY&PINK veröffentlicht werden dürfen.

Diese Webseite verwendet Cookies und wird finanziell sowie inhaltlich durch Werbung, Produktplatzierungen und Affiliate-Links unterstützt.

Bei jedem vermittelten Kauf über Amazon erhalten wir einen kleinen Anteil.

Weitere Informationen findet ihr in unserer Datenschutzerklärung.