Die Vielfickerin - Ich bin eine Schlampe und stolz darauf

Ich will ganz ehrlich sein: Ich mache mir nichts aus dem Gerede anderer. Was Menschen, die nicht meine Freunde sind, über mich oder auch direkt zu mir sagen, ist mir…
Die Vielfickerin - Ich bin eine Schlampe und stolz darauf

Die Vielfickerin

Ich will ganz ehrlich sein: Ich mache mir nichts aus dem Gerede anderer. Was Menschen, die nicht meine Freunde sind, über mich oder auch direkt zu mir sagen, ist mir ziemlich egal. Deshalb verfolge ich auch nicht, was ihr mir für Leserbriefe schickt. Ich schreibe nicht, um euch zu befriedigen, sondern um mein Mitteilungsbedürfnis zu stillen. Und natürlich, weil ich es geil finde, für die „Rotze“, die ich von mir gebe, auch noch Geld zu kassieren.

Am Wochenende allerdings war mir extrem langweilig. Meine Freunde waren alle ausgeflogen und ich hatte kein Gras mehr im Haus, weil leider auch mein Dealer weg war. Also fing ich aus lauter Verzweiflung an, mich durch das Internet zu klicken und blieb irgendwann bei meinen eigenen Artikeln hängen. Und bei den dazugehörigen Leserbriefen.

Größtenteils war das, was darin stand, ziemlich langweilig. Monotone Wiederholungen von Dingen, die ich mir schon viel zu oft im Leben anhören musste und über die ich einfach nur noch gähnen kann. Ehrlich, Leute, lasst euch mal was Neues einfallen. Frauen als Schlampe zu betiteln ist doch schon out, seit Sido seine Maske abgenommen hat und viel mehr Würdig wurde als er jemals Gangsterrapper war.

Ich habe nicht die leiseste Ahnung, was es euch bringt, mich eine Nutte, Hure oder ähnliches zu nennen. Soll das etwa eine Beleidigung sein? Ernsthaft, Leute. Das sind Berufe, so wie Bankkaufmann oder Dealer. Denkt ihr wirklich, das würde mich auch nur im entferntesten angreifen?

Meine Eltern haben nicht viel Erziehungsarbeit geleistet bei mir, aber sie haben mir immerhin beigebracht, was eine Schlampe ist, während bei einigen von euch da echt was schief gelaufen zu sein scheint. Sogar meine Therapeutin nennt mich manchmal Schlampe und da ist nichts Schlimmes bei.

Eine Schlampe ist nämlich ein Frau, die tierisch unordentlich ist und gerne mal ihr Äußeres vernachlässigt. Und dass das auf mich zutrifft, kann ich nun wirklich nicht abstreiten. So habe ich das zumindest gelernt. Das männliche Pendant dazu ist übrigens Schlamper oder Schlunz, nur falls ihr mal jemanden zurechtweisen wollt.

Letztere werden ausschließlich in einem nicht sexuellen Kontext benutzt, während es mittlerweile sehr üblich scheint, das Wort „Schlampe“ auf Frauen anzuwenden, die sexuell aktiv sind. Das männliche Gegenstück dazu scheint „männliche Schlampe“ zu sein, aber dass das sprachwissenschaftlich korrekt ist, wage ich zu bezweifeln.

Ich finde es nicht schlimm, eine „Schlampe“ zu sein. Weder in dem einen, noch in dem anderen Zusammenhang. Ich bin unordentlich, ich rasiere mir die Achseln nicht und ich habe Sex, wann, wo und mit wem ich will. Männern, Frauen, Menschen die sich irgendwo zwischen diesen Geschlechtern bewegen, egal.

Was ich allerdings sehr wohl schlimm finde, ist, dass ihr meine Freiheit, oder besser gesagt, die Freiheiten, die ich mir herausnehme, weil ich einfach Bock drauf habe, so abwertet. Ihr wollt nicht mit so vielen Menschen wie möglich Sex haben, euch ins Gesicht spritzen, in den Arsch ficken oder von einer großbusigen Domina auf dem Schwanz herumtrampeln lassen, während sie euch Tiernamen gibt? Gut. Dann tut es nicht. Euch zwingt ja niemand zu genau diesen Dingen.

Ihr wollt nicht mit jemandem in die Kiste steigen, dessen Muschi schon mehr als drei Schwänze mit einem feuchten Kuss begrüßt hat oder der jede Nacht ein anderes Paar Titten mit nach Hause nimmt? Das ist total okay. Ich verstehe zwar nicht, warum die Anzahl der vorangegangenen Sexualpartner für euch relevant ist, an dieser Stelle sei gesagt, dass Löcher nicht „ausleiern“, weder vorne, noch hinten, aber die Entscheidung liegt ja schließlich bei euch.

Wenn ich allerdings eine Theorie zu diesem Denken abgeben müsste, dann wäre das, dass ihr einfach nur Angst davor habt, schlechter als der oder die Vorgänger zu ficken und deshalb Wert darauf legt, dass euer Geschlechtspartner noch möglichst unbefleckt ist, also so wenig fremdes Sperma oder Fotzenschleim wie möglich am eigenen Körper hatte. Falls ich damit falsch liege, lasse ich mich allerdings gerne eines Besseren belehren – ich lese die Leserbriefe diesmal auch, versprochen.

Ich habe lange überlegt, ob ich den Teil, der jetzt kommt, einfach mit „Ich bin gerne eine Schlampe“ beginne, doch irgendwie wäre das falsch. Ich bin jemand, der gerne Sex hat. Jemand, der zu seinen Vorlieben steht und Spaß an neuen Dingen hat. Sex gehört zu meinem Leben wie wie Fleischwurst, die ich jeden Morgen verdrücke – und, nein, das ist keine besonders geschickt gewählte Metapher. Ich mag Fleischwurst. Und ich mag Sex.

Ich liebe das berauschende Gefühl eines Orgasmus, das mich oft noch stundenlang später grinsen lässt. Ganz egal, ob ich ihn mir selbst besorgt oder von anderen besorgen lassen hab. Ehrlich, Mann, wenn ich könnte, würde ich den ganzen Tag Orgasmen haben. Und die erreicht man eben durch Sex. Guten Sex. Sehr guten Sex. Und den, den habe ich einfach.

Weil es ihn mir erlaube. Mir gönne. Auf all die Vorurteile scheiße, die man mir entgegen bringt, wenn ich sage, dass ich manchmal Tage damit verbringe, mir das Hirn rausvögeln zu lassen und anderen das Hirn herauszuvögeln. Weil es geil ist. Sex fetzt, Mann. Und das wisst ihr.

Wenn ihr mich also eine Schlampe, Hure, Nutte, Bitch oder einfach nur Drecksau nennen wollt, weil ich mir nehme, was ich will: nur zu. Dann müsst ihr aber auch damit rechnen, dass ich euch für minderbemittelt halte. Nicht, weil ihr meinen Lebensstil kritisiert, sondern weil ihr meint, mir mit einem angeblichen Schimpfwort einen Stempel aufdrücken zu müssen, der mich in eine eurer Schubladen sortiert. Eine, die ihr klammheimlich immer dann, wenn keiner guckt, wieder herauszieht und nachschaut, ob noch alles gleich geblieben ist. Sonst würdet ihr die „Rotze“, die ich hier verbreite, ja nicht ständig lesen. Und mit einem eurer Schubladenwörter kommentieren.

Wenn ich für guten Sex in Kauf nehmen muss, dass die ach so offene und aufgeklärte Gesellschaft mich als etwas sieht, das nicht toleriert, aber trotzdem mit staunend offen stehenden Mündern abwertend kommentiert werden darf, dann ist das eben so. Meine Orgasmen gleichen das aus. Und abgesehen davon, beleidigt mich das sowieso nicht.

Drüber nachdenken solltet ihr trotzdem mal, bevor ihr solche Worte in den Mund nehmt. Es gibt da draußen nämlich sehr wohl Menschen, die ihr mit eurer beschissenen Wortwahl diskriminiert. Und das, Leute, muss echt nicht sein. Dann einfach doch lieber mal einen großen Schwanz in den Mund nehmen und brav die Klappe halten.

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Illustration von Dainis Graveris
Der Text erschien in der Kategorie Sex mit den Themen Beziehungen, Jungs, Mädchen, One-Night-Stands und Schlampen
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