Startseite  Startseite   Über uns  Über uns   Redaktion  Redaktion   Mitmachen  Mitmachen   Werbung  Werbung   Kontakt  Kontakt

Facebook  Facebook   Twitter  Twitter   Instagram  Instagram   Tumblr  Tumblr   Pinterest  Pinterest   Suche  Suche

Suche

Suche

Das Popkultur Magazin

Blowjobs: Spuckst du noch oder schluckst du schon?

An meinem ersten Blowjob wäre ich beinahe erstickt. Weder Steffens verträumt in die Ferne schweifender Blick noch irgendeine Art von Stöhnen, Räuspern oder warnender Ansage à la Baby, ich komm' gleich! signalisierten den Schwall an nach alten Socken schmeckendem Sperma, der sich in den kommenden A...
Blowjobs: Spuckst du noch oder schluckst du schon?

Blowjobs

Spuckst du noch oder
schluckst du schon?

Daniela Dietz

An meinem ersten Blowjob wäre ich beinahe erstickt. Weder Steffens verträumt in die Ferne schweifender Blick noch irgendeine Art von Stöhnen, Räuspern oder warnender Ansage à la „Baby, ich komm‘ gleich!“ signalisierten den Schwall an nach alten Socken schmeckendem Sperma, der sich in den kommenden Augenblicken zuerst in meinen Mund, anschließend meinen Hals und, weil ich nicht darauf vorbereitet war, auch in meine Atemwege katapultierte.

EMPFEHLUNG

Weil ich ausgerechnet in genau diesem Moment Luft holen musste, kippte ich hustend nach hinten um und versuchte mich dabei reflexartig an Steffens Penis festzuhalten, um nicht gegen sein mit Nintendospielen und lustigen Taschenbüchern gefülltes Regal zu knallen. Was er anscheinend eher so semigut fand. Auf jeden Fall schlug er mich mit der flachen Hand zur Seite und ich rotzte seine Wichse auf den Teppich.

Dieses sowohl sexuell als auch romantisch nicht gerade einwandfreie Erlebnis hätte mich eigentlich davon abhalten sollen, jemals wieder ein männliches Geschlechtsteil auch nur in die Nähe meiner Körperöffnungen zu lassen.

Aber ich wollte nicht aufgeben. Dafür hatte ich zu viele Folgen von Sex and the City gesehen und somit genügend Lebensweisheiten von Samantha Jones gelernt. Ich wusste: Eine Frau musste Schwänze lutschen können. Und zwar nicht nur gut, sondern so, dass die Typen noch ihrem Altenpfleger davon erzählen würden.

ANZEIGE

Also fing ich an zu üben. An allem, was auch nur irgendwie phallusartig wirkte. Gurken, Bananen, Wiener Würstchen. Ich schob mir so viele Lebensmittel so tief in den Rachen, dass ich diverse Schwertschlucker- und Landwirtschaftspreise hätte gewinnen sollen. Ich bin nämlich die wahre Gurkenkönigin.

Meine Eltern dachten sicherlich, ich litt an Bulimie, so oft, wie ich aufs Klo rannte und es vollkotzte. Aber mein fetter Arsch bewies das Gegenteil. Meistens aß ich die Wiener Würstchen nämlich brav auf, nachdem ich sie mir oral eingeführt hatte. Oder legte sie zumindest ordentlich zurück in den Kühlschrank. Lebensmittelverschwendung konnte man mir jedenfalls nicht vorwerfen.

Natürlich lutschte ich ab und zu auch mal an Klassenkameraden, Kommilitonen und dem ein oder anderen Rettungsschwimmer im Urlaub herum. Aber ich hatte nie das Gefühl, dass ich wirklich epische Blowjobs geben würde. Sie kamen in meinen Mund. Ich schluckte fleißig runter. Sie lachten die notgeile Atmosphäre mehr oder weniger charmant hinfort. Das war’s. Einer bedankte sich höchstens mal.

EMPFEHLUNG

Aber dass ich in ihren Augen eine Mischung aus Weihnachten, Geburtstag und dem Genuss des ersten Biers erblickte, ein Feuerwerk der Emotionen, das meine orale Darbietung mit Friedrich Schiller, Pablo Picasso und Wolfgang Amadeus Mozart gleichsetzen würde, das blieb mir lange verwehrt. Meine Blowjobs sollten ihnen gefälligst die Tore zum Paradies öffnen und keine schnell dahin erzählte Geschichte beim Fußballtraining werden. „Hat Daniela dir auch einen geblasen?“ „Ja. Ging so, oder?“ „Schon.“

Ich wollte eine Blowjobmeisterin werden, die Königin der Deepthroats, wie sie Welt noch nicht gesehen hatte. Also schaute ich mir YouTubeVideos zum Thema an, las Bücher, übte an freiwilligen besten Freunden herum, die mir vorher hoch und heilig schworen, dass sie sich ja nicht in mich verliebten, nur weil ich ihnen den Schwengel mit meiner Zunge massierte. Obst, Gemüse und zu Wurst verarbeitete Fleischprodukte reichten mir nicht mehr. Ich musste wissen, wie die Gegenseite agierte. Wie sie sich bewegte. Wann sie versuchte, mir das Teil bis zum Anschlag reinzudrücken.

Und es funktionierte. Ich wurde immer besser, avancierte mit jedem neuen Kniefall zum absoluten Blasebalg. Nach einigen Jahren hatte ich eine so ausgefeilte Atemtechnik entwickelt, dass ich selbst die dicksten, längsten und wuchtigsten Stämme in meinem Rachen aufnehmen konnte, ohne zu ersticken. Auch wenn die Männer es manchmal geradezu darauf anzulegen schienen. So schnell, ruckartig und hart, wie manche sie in meinen Kopf hinein prügelten. Inklusive Drehbewegungen. Was stimmt nicht mit euch?

ANZEIGE

Ich hatte mir meinen Würgreflex komplett abtrainiert. Hielt meinen Oberkörper gerade, damit die Penisse vollständig in mich hinein gleiten konnten. Und brauchte anschließend auch keine Hände mehr, um die in Windeseile zum Raubtier mutierten Kavaliere zu stimulieren. Zumindest nicht mehr vorne.

Da ich nun alle Finger frei hatte, konnte ich ihnen einen oder zwei davon in den Po schieben, während ich mit den anderen kontinuierlich am Gehänge herum fummelte. Ich wurde zur perfekt geölten Melkmaschine, die nur ein Ziel hatte: Gut in dem zu sein, was sie sich vorgenommen hatte.

Wenn die Typen heute tief in meinen Rachen spritzen, während sie die Augen vor Ekstase geschlossen halten, wild an meinen Brüsten herum drücken und ihren rasierten Schritt ganz fest gegen meine Nase pressen, fühle ich mich toll. Nicht unterdrückt, nicht billig und schon gar nicht schmutzig.

ANZEIGE

Sex ist ein Geben und Nehmen. Ich gebe gut. Also fordere ich, dass man mir auch gut gibt. So einfach ist das. Ich habe hart, haha, daran gearbeitet, dass ich gut Schwänze lutschen kann. Ohne Husten. Ohne Ausspucken. Und auch ohne Hände.

Hatte ich bei Steffens spontanem Spermaausbruch noch Sterne gesehen, weil ich vor lauter Keuchen, Verschlucken und der darauf auch noch folgenden Ohrfeige beinahe ohnmächtig geworden wäre, würde ich seinen Kinderpimmel heute zum Frühstück essen. Wenn es legal wäre. Aber der ist ja jetzt auch schon über 30. Von daher dürfte ich das.

Worauf ich eigentlich hinaus möchte: Blowjobs kann man lernen. Deepthroats kann man lernen. Sexuelle Befriedigung bei sich selbst und bei allen anderen kann man lernen. Und man ist auch keine Schlampe, nur weil man etwas gut kann. Und wenn man eine ist, dann sollte man gefälligst stolz darauf sein. Sucht euch aus, was ihr seid. Ist doch egal. Hauptsache ihr habt Spaß daran.

ANZEIGE

Wenn euer Macker das nächste Mal wieder diesen widerlichen Schlafzimmerblick aufsetzt und in Richtung müffelndem Hosenstall zeigt, dann könnt ihr entweder seufzen und die nächste viertel Stunde an was Schönes denken oder ihr zerstört den Mistkerl mit dem besten Oralverkehr, den der Loser jemals bekommen hat – und auch bekommen wird.

Denn wenn ihr keinen Bock auf den krummen, krüppeligen Schwanz von eurem Alten habt, dann ist er wahrscheinlich auch nicht der Richtige für euch. Und, Steffen, falls du das hier liest: Das nächste Mal hau ich zurück! Oder spuck‘ dir deine beige Bumsbrühe direkt ins Gesicht…

Die Fotografie stammt von Dainis Graveris
Wenn euch dieser Artikel gefällt, könnt ihr ihn auf Facebook, Twitter, WhatsApp, Pinterest und Tumblr oder per Email teilen
Ihr habt etwas zu sagen? Schickt uns einen Leserbrief!
EMPFEHLUNGEN
Weitere Artikel lesen