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Das Popkultur Magazin

Türkisches Paradies: Ein Stückchen Dekadenz in Didim

Didim ist nicht nur irgendein Urlaubsort, an dem getrunken und gefeiert wird. Denn beim Namen der Stadt beginnend, trägt es Geschichte, die leider im eigenen Land kaum Achtung geschenkt bekommt. Es sind die Deutschen und Franzosen, die das Geld und Interesse haben, um das kulturelle Erbe zu entdecke...
Türkisches Paradies: Ein Stückchen Dekadenz in Didim

Türkisches Paradies

Ein Stückchen
Dekadenz in Didim

Meltem Toprak

Didim ist nicht nur irgendein Urlaubsort, an dem getrunken und gefeiert wird. Denn beim Namen der Stadt beginnend, trägt es Geschichte, die leider im eigenen Land kaum Achtung geschenkt bekommt. Es sind die Deutschen und Franzosen, die das Geld und Interesse haben, um das kulturelle Erbe zu entdecken und erhalten. Archäologen kommen jedes Jahr hierher, um rund um den Apollontempel weiter herum zu graben. Das Orakelheiligtum ist dem „griechischen und römischen Gott des Lichts, des Frühling, der Kunst und der Weissagung“ gewidmet.

Mein erster Halt ist also Didim, eine kleine Stadt zwischen Izmir und Bodrum an der Ägäis, an der ich mich nun seit einigen Wochen aufhalte. Sie ist eine dieser Touristenstrandstädte, die massenweise von Engländern belagert werden, die auf Şemamê Halay tanzen, vielleicht ohne zu ahnen, dass das Wort eigentlich kurdisch ist.

Etwas über die türkische Kultur weiß leider kaum einer der Briten, die 25 Prozent der Einwohner Didims ausmachen. Ein anderer Teil besteht aus in Deutschland lebenden türkischen Arbeitern, meist Aleviten, für die der Besitz eines Ferienhauses möglich ist, da es zum Leben und Urlaubmachen im Vergleich zu Bodrum und Cesme noch günstig ist.

Apropos Cesme, da würde sich Kıvanç Tatlıtuğ eigentlich aufhalten, aber in der Werbung für türkische Fanta erklärt er, warum er dort nicht hingeht. Die Werbung hat funktioniert. Ich trinke Yedigün, obwohl ich nur Coke liebe. Aber keine Pepsi-Cola. Diese Dose, auf dem er verpixelt abgebildet ist, soll also die einzige Annäherung sein, wie sich später herausstellen wird.

Kopftuchträger lockt es hier aber auch gern öfter hin. Die Menschen sind so tolerant und aufgeklärt. Hier schreit keiner auf, wenn er eine dicke Frau mit Kopftuch in einem Raumschiffkostüm aus dem Wasser heraus watscheln sieht. Obwohl sie aussieht wie ein Baywatch-Hottie, an dessen Körper jede einzelne Rundung optimal zu erkennen ist.

Aber während meines Aufenthalts hat ja zum Glück auch schon der Ramadan-Monat angefangen. Das bedeutet, dass viele zurück in die Heimat fahren, um dort zu fasten und an Bayram die Festtage wieder am Meer zu zelebrieren. Während man hier also wenigstens ungestört essen und trinken kann, sieht es im Osten der Türken schon wieder ganz anders aus, wie ich später spüren werde. Denn die meisten Urlauber sind Aleviten, die ihren Glauben sehr liberal ausführen.

Die Küste muss sich, ohne gefragt zu werden, verkaufen, Kultur geht verloren, um Geld zu machen, weil es einfach nicht anders geht. Es entstehen also Subkulturen. In der Nachbarschaft wohnen Engländer, Iren, Deutsche, Amerikaner und Türken aus dem eigenen Land und Deutschland, Frankreich Österreich. Das nenne ich Multi-Kulti.

Meine Freundin Kiana ist Halbjamaikanerin und die Enkelin meiner Nachbarn. Kianas Großeltern sind sehr herzliche Menschen, haben immer ein Englisch-Türkisch-Wörterbuch auf dem Tisch auf der Veranda liegen, wenn ich sie besuchen komme, und grüßen ihre Nachbarn mit einem Merhaba oder Günaydin.

Kiana selbst lebt in Manchester, und geht bald aufs College. Ihre Großeltern aber wohnen schon seit einigen Jahren hier in Didim und genießen wahrlich das gute Wetter, welches übrigens sehr häufig ihre Antwort auf die Frage nach ihrem Wohlbefinden ist.

Rot sind sie auch, und Bier trinken sie auch ganz gern, und ein letztes Vorurteil lässt sich auch noch bestätigen: Sie haben ein Foto von der Hochzeit von Kate und Prinz William in ihrem Wohnzimmer hängen. Ich musste zweimal hinsehen, denn mit meinen anderen englischen Nachbarn, einem jungen Paar aus Liverpool, haben wir noch über das Trara gelacht, das soweit ging, dass man Straßenfeste für die Hochzeit organisiert hatte.

Obwohl ich die britische Insel noch nie betreten habe, lerne ich sie so doch irgendwie kennen, und wie sehr sich die regionalen Kulturen in Deutschland voneinander unterscheiden zeigen mir die zahlreichen Deutschtürken, die hier sind. Und darüber muss ich wirklich lachen, denn im Flugzeug Richtung Türkei las ich im ZEITmagazin noch über bestehende Vorurteile und sie alle haben sich bestätigt.

Die Münchner erzählen mir im Beachclub von Dekadenz und ich lache innerlich, „schnöselig sind sie dem ZEITmagazin zufolge, während sich die Frankfurter, so eingebildet wie sie sind, gegenüber sitzen und kein Wort reden.

Das sind eben die “Versnobten”, die an der Zeil entlang bis hin zur Fressgass stolzieren mit der Nase in der Höhe. Und die Berliner sind so kommunikativ und „ruppig“, dass sie dich einfach ansprechen, wenn sie dich beim Vorbeilaufen nur Deutsch reden hören. Und die aus Nordrhein-Westfalen sind einfach einfach.”

Nerelisin? Woher kommst du, die erste Frage, die der Türke dem Gegenüber stellt. Das fragt man sich erst auf Deutsch, und dann im Laufe des Gespräches auf Türkisch, da uns die deutsche Kultur in erster Linie schon verbindet.

Doch da die kulturellen Unterschiede regional viel unterschiedlicher als in Deutschland sind, möchte man auch immer wissen, woher der Gesprächspartner aus der Türkei kommt. Das heißt eigentlich, woher die Eltern kommen. Die Türken, die in der Türkei leben, nennen wir übrigens Türken-Türken, so wie man uns eben in Deutschland Deutsch-Türken nennt.

Denn was viele nicht wissen: Die Türkei ist ein Vielvölkerstaat, mit Menschen deren Vorfahren aus Bulgarien, Griechenland, Armenien, Iran und Aserbaidschan stammen. Außerdem gibt es Minderheiten wie Zazas, Kurden und Laz. Geht man also an das Schwarze Meer trifft man auf ein Volk mit eigener Sprache, eigenen Sitten und Gebräuchen, während die Menschen an der Ägäis, bekannt für ihren westlichen Lebensstil, vor allem in Izmir weniger traditionell sind.

Damit wir, eine Gruppe junger Deutschtürken, in der Sonne vom Morgen und dem Alkohol der Nacht nicht ganz verdummen, liest einer aus der iPhoneApp “Unnützes Wissen” vor, wir diskutieren über Politik, das Migrationsproblem, Religion und Wissenschaft, die ewigen Aleviten– und Sunniten-Konflikte, und weiteres, aber immer mit der deutschen Fähigkeit zur Kritik.

Morgens Medusa Beach Club, abends Medusa Beach Club. Und wir bezahlen für eine Cola und einem Red Bull unter dem Pseudonym Replay oder Coke ohne Kohlensäure 7,50 Euro, weil es der einzig gute Club in Didim ist. Der Bürgersteig vor diesem „Edelclub“ wird auch dem Vorurteil des schlechten türkischen Bürgersteigs gerecht. Hey, es braucht wirklich keinen deutschen Ingenieur, um zu wissen, dass ein drei Meter hoher Bürgersteig, nicht ergonomisch ist.

Vom Einkaufen und Essengehen rate ich euch hier ab, es sei denn ihr wollt eine Stunde lang von einem türkischen Verkäufer mit britischem Akzent, ohne nie auf der Insel gewesen zu sein, vollgelabert werden oder euch von schlechtem Fast Food ernähren.

Da es hier weder den deutschen Döner, noch ein Ordnungsamt gibt, und ich sehr deutsch bin, esse ich unterwegs das einzige, was vor meinen Augen zubereitet wird: Kumpir, eine große Kartoffel in Alufolie gebacken, die in der Mitte aufgeschnitten, mit Butter gemischt und mit verschiedenen Füllungen wie Oliven, Würstchen, Salat zu einem köstlichen Snack wird, was man hier vor oder nach dem Feiern gerne isst.

Auf dem Basar kaufen wir uns Gemüse und Obst, um zu Hause ein gesundes Mahl zuzubereiten. Da fragt doch ernsthaft eine Frau, die fastet, ob meine Schwester nicht Oliven für sie probieren könne, um zu sagen, welche Sorte die köstlichste ist. Ja, es passieren schon seltsame Dinge, wenn man hier einkaufen geht.

Wenn man hier eine Waschmaschine kauft und Vertragskunde des größten Konkurrenten Vodafones ist, bekommt man mit dem bloßen Senden einer SMS mit dem Inhalt „Avantage“ an die 54542 Rabatt in Höhe von 100 Euro auf ein Elektrogerät.

Und wie klein die Welt wirklich ist, merkt man daran, dass sich sowohl die Kunden im Elektroladen, als auch die in der gegenüberliegenden Bank bei einer Bevölkerungzahl von 75 Millionen als eigentliche Bekannte aus dem winzigen Dorf in Anatolien herausstellen. So was passiert eben nur in der Türkei.

Aber es geschehen auch Dinge zum Nachdenken, wenn man einkaufen geht. Als ich einen Jugendlichen mit blauen Nikes sehe, der einen Holzrad vor sich herschiebt, um Tontüpfe zu verkaufen, blicke ich ihn kurz an und im nächsten Moment sehe ich meine Mutter einen Topf begutachten und kaufen. Mein Vater ruft ihr verärgert zu, dass sie doch schon einen habe.

In dem Augenblick, in dem meine Mutter ihm das Geld gibt, sagt er noch, nein Tante, wenn der Onkel schimpft, nimm es lieber nicht. So viel Verständnis von einem jungen Verkäufer, der sich wahrscheinlich etwas Kleingeld für das Studium verdient. Er ist nicht der Einzige. Viele Menschen reisen aus Anatolien hier her, um zu arbeiten, während andere hier Urlaub machen. Und allein deshalb weiß man es zu schätzen, und merkt sich fürs Leben, dass auch das mal wieder keine Selbstverständlichkeit ist.

Die Fotografie stammt von Caglar Araz
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Bumsen statt BAföG: Prostituiert euch!

Ich habe überlegt, diesen Text mit dem Satz Sexarbeit ist etwas ganz Tolles! zu beginnen. Und mich aus den nahe liegendsten Gründen dagegen entschieden. Sexarbeit ist eine Arbeit wie jede andere. Sie dient dem Geldverdienen, wie jeder normale Job eben auch. Und der Job, den man sich in unserem L...
Bumsen statt BAföG: Prostituiert euch!

Bumsen statt BAföG

Prostituiert
euch!

Nadine Kroll

Ich habe überlegt, diesen Text mit dem Satz „Sexarbeit ist etwas ganz Tolles!“ zu beginnen. Und mich aus den nahe liegendsten Gründen dagegen entschieden. Sexarbeit ist eine Arbeit wie jede andere. Sie dient dem Geldverdienen, wie jeder „normale“ Job eben auch. Und der Job, den man sich in unserem Land ja glücklicherweise in den meisten Fällen selbst aussuchen kann, macht im Normalfall an einem Großteil der Tage auch noch Spaß.

Pornos zu drehen ist im Prinzip ja nichts anderes als Brötchen zu verkaufen. Nur dass man bei Ersterem halt nackt ist. Und Prostitution ist nicht nur das älteste, sondern in meinen Augen auch das ehrlichste Gewerbe der Welt. Für Prostitution werden keine Tiere geschlachtet und, zumindest, wenn alles mit rechten Dingen zugeht, keine Menschen getötet. Die Erde wird nicht ihrer natürlichen Ressourcen beraubt. Und bereichern tut sich daran niemand, außer der Arbeitskraft selbst. Sofern natürlich kein Zuhälter dahintersteht.

Ein Mensch verkauft lediglich seinen Körper und nicht wie andere Menschen, man werfe an dieser Stelle einen Blick auf die Leute, die hinter der BILD-Zeitung, RTL oder den großen Banken dieser Welt stecken, seine Seele.

Mittlerweile ist ja bekannt, dass sich ein Großteil der Studentinnen und Studenten mit Gelegenheitsprostitution, oftmals einfach „Hostessjobs“ genannt, damit nicht jeder sofort weiß, was wirklich Sache ist, über Wasser hält. Auch ich stand bereits des Öfteren vor der Wahl hungern oder ficken. Weil das BAföG nicht mal ansatzweise die Materialkosten deckt, die man als Student eben so hat. Und für mich war die Entscheidung jedes Mal klar.

Ich sprach das Thema genau einmal meiner Mutter gegenüber an, als ich wieder mal in einer finanziellen Notlage war. Nicht, weil ich Geld von ihr wollte, sondern weil ich wissen wollte, wie sie wohl reagiert, wenn sie wüsste, dass ich meinen Körper verkaufe. Um die Situation zumindest vorerst in den Griff zu kriegen. Ich bekam eine Standpauke ohnegleichen.

Sie sagte mir, dass ich viel zu intelligent sei, um auf so etwas angewiesen zu sein. Dass es da draußen jede Menge andere Jobs gibt. Dass ich mir meine zukünftige Karriere als was auch immer ruinieren könne, wenn rauskäme, dass ich mal als Nutte tätig war. Dass ich sie wirklich enttäuschen würde, wenn ich diesen Plan so durchziehen würde, wie ich ihn ihr geschildert hatte. Und dass, bevor ich mich wirklich prostituieren müsse, sie einfach mehr arbeiten und finanziell für mich aufkommen würde.

Sie hat also gleich alle Klischees und Vorurteile rausgehauen, die ich persönlich schon lange nicht mehr hören kann. Zum Schweigen gebracht habe ich meine Mutter erst, als ich vorschlug, es dann stattdessen mit dem Verkauf von Drogen zu versuchen. Von der Idee war sie übrigens ähnlich angetan wie von meiner Karriere als Prostituierte. Nämlich gar nicht.

Keine Ahnung, wieso eigentlich so viele Menschen, die nicht direkt davon betroffen sind, so ein großes Problem mit Sexarbeit haben. Zumindest, wenn man sie damit konfrontiert. Zuhause, vor dem Computer, also da, wo einen niemand sehen kann, ziehen sie sich ja auch gerne die Sexfilmchen rein, für die sie die Menschen, die dafür sorgen, dass sie exakt das tun können, also Pornos gucken und dazu wichsen, im Alltag aufs Allerschärfte verurteilen.

Das Problem scheint aber immer dann am größten zu sein, wenn die eigene Tochter oder der eigene Sohn beruflich in die Sexarbeit gehen möchte. Andere dürfen das ja machen, aber nicht mein Kind. Mein Kind hat etwas Besseres verdient als das. Falsch. Dein Kind hat in erster Linie verdient, sein Leben nach seinen eigenen Bestimmungen zu leben.

Und wenn es gerne für Geld Schwänze lutschen oder sich in den Arsch ficken lassen will, dann ist es sein gutes Recht, genau das zu tun. Mit Kameras drum herum. Ohne Kameras. Mit zwanzig verschiedenen Menschen an einem Tag oder alleine mit dem Vibrator vor der Webcam. Wenn du dein Kind liebst, dann unterstützt du es. Ganz egal, ob es Busfahrer, Wirtschaftsunternehmerin oder Sexarbeiter werden will.

Natürlich gibt es noch die andere Seite. Also die, die vor allem das Prostitutionsgewerbe an sich toll findet, weil da ja arme, verzweifelte Kerle, die sonst niemanden abgeben, sich sexuell befriedigen lassen können, aber selbst das Angebot natürlich niemals in Anspruch nehmen würden, weil sie es ja gar nicht nötig haben, zu einer Nutte zu gehen. Entschuldigung, aber habt ihr vielleicht mal darüber nachgedacht, dass Menschen Prostitution nicht in Anspruch nehmen, weil sie sonst nichts zu ficken finden, sondern weil sie es toll finden?

Es gibt Menschen, die sich daran aufgeilen, andere für Sex zu bezahlen. Ob das jetzt ethisch korrekt ist oder nicht, darüber lässt sich natürlich wieder streiten, aber es gibt eben viele verschiedene Gründe, warum insbesondere Männer sich gerne von Huren verwöhnen lassen. Menschen, die Prostitution in Anspruch nehmen, sind keine Schlappschwänze, auch wenn ihr sie gerne als solche abstempelt. Im Gegenteil. Sie gehen ja dort hin, um mal wieder ordentlich zu ficken und ihren prächtigen Schniedel in eine feuchte und willige Muschi zu stecken.

Wenn du Pornokonsument bist, dann hinterfrage doch an dieser Stelle kurz, warum du solche Filme schaust. Weil es geil ist, oder? Weil es deine Fantasie anregt und befriedigt. Es ist exakt das Gleiche, was Prostituierte auch tun, nur dass im Falle von Pornos du derjenige bist, der Hand an sich legt und es im Fall der „käuflichen Lust“ eben eine Nutte ist, die das für dich übernimmt. Scheiß Doppelmoral, echt jetzt.

Ich wünsche mir für alle Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter und die Menschen, die Sexarbeit in Anspruch nehmen, egal ob das jetzt durch Pornos, Bordellbesuche oder andere sexuelle Dinge, die man so kaufen kann, sind, dass das alles nicht mehr so abwertend betrachtet wird, wo es doch schon seit Jahrhunderten ein fester und auch wichtiger Bestandteil unserer Gesellschaft ist.

Und ich wünsche mir mehr Pornos für Frauen. Sowohl homo-, als auch heterosexuelle. Unsere Vorlieben werden nämlich tatsächlich allgemein noch viel zu wenig bedient. Außerdem wünsche ich mir ein Bordell für Frauen. Sowas scheint es nämlich auch noch nicht zu geben. Ich würde ja tatsächlich eines eröffnen, aber ich bezweifle, dass meine Mutter mir das nötige Startkapital für ein solches Unternehmen leiht.

Die Fotografie stammt von Garin Chadwick
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Traditionelles Kyoto: Ein Besuch im Yasaka-Schrein

Jeder Schritt durch Kyoto, die alte Kaiserstadt, die im Westen der japanischen Hauptinsel Honshu im Ballungsgebiet Kansai liegt, ist gleichzeitig eine Reise durch die Vergangenheit und die Moderne. An jeder Ecke wird die Geschichte dieses wunderbaren Landes am Leben erhalten und mit futuristischen E...
Traditionelles Kyoto: Ein Besuch im Yasaka-Schrein

Traditionelles Kyoto

Ein Besuch im
Yasaka-Schrein

Daniela Dietz

Jeder Schritt durch Kyoto, die alte Kaiserstadt, die im Westen der japanischen Hauptinsel Honshu im Ballungsgebiet Kansai liegt, ist gleichzeitig eine Reise durch die Vergangenheit und die Moderne. An jeder Ecke wird die Geschichte dieses wunderbaren Landes am Leben erhalten und mit futuristischen Errungenschaften ergänzt. Nicht umsonst gilt Kyoto gemeinsam mit Uji und Otsu als UNESCO-Weltkulturerbe.

über 1600 Tempel und Schreine sind in ganz Kyoto verteilt. Einer der schönsten und farbenfrohsten ist ganz klar der altehrwürdige Yasaka-Schrein im Gion-Viertel des Stadtbezirks Higashiyama. Gelegen am östlichen Ende der Shijo-dori, wurde er im Jahre 656 im Gion-Zukuri-Stil erbaut und ist Susano-no-o-mikoto als Haupt-Kami zusammen mit seiner Ehefrau Inada-hime-no-mikoto geweiht.

Im Jahr 869 wurden die Omikoshi, also die tragbaren Schreine, des Gion-Schreins durch die Straßen von Kyoto getragen, um eine gefährliche Seuche zu bekämpfen, die die Stadt befallen hatte. Dies war der Beginn des traditionellen Gion-Matsuri, eines alljährlichen Festivals, das weltberühmt wurde. Wenn ihr also einmal in Kyoto seid, dann lasst euch den Yasaka-Schrein auf keinen Fall entgehen!

Traditionelles Kyoto: Ein Besuch im Yasaka-Schrein Traditionelles Kyoto: Ein Besuch im Yasaka-Schrein Traditionelles Kyoto: Ein Besuch im Yasaka-Schrein Traditionelles Kyoto: Ein Besuch im Yasaka-Schrein Traditionelles Kyoto: Ein Besuch im Yasaka-Schrein
Die Fotografie stammt von Marlen Stahlhuth
Der Text erschien in der Kategorie Reisen mit den Themen
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Zwangsneurosen: Mein Freund hat Probleme

Die Zwangsneurose meines Freundes hat unsere Beziehung schon das ein oder andere Mal einer echten Belastungsprobe unterzogen. Nein, mein Freund ist nicht der Typ Mensch, der die Krise bekommt, wenn sein Sandwich nicht in zwei perfekte Dreiecke geschnitten wurde oder wenn ein rotes Gummibärchen zwisc...
Zwangsneurosen: Mein Freund hat Probleme

Zwangsneurosen

Mein Freund
hat Probleme

Lina Martin

Die Zwangsneurose meines Freundes hat unsere Beziehung schon das ein oder andere Mal einer echten Belastungsprobe unterzogen. Nein, mein Freund ist nicht der Typ Mensch, der die Krise bekommt, wenn sein Sandwich nicht in zwei perfekte Dreiecke geschnitten wurde oder wenn ein rotes Gummibärchen zwischen lauter grünen liegt.

Das sind nämlich Dinge, an denen sich fast jeder von uns optisch stößt, und wenn ihr mir nicht glaubt, gebt doch bei Google einfach mal „OCD Nightmare“ ein. Herzlichen Glückwunsch, ihr seid durchschnittliche Menschen mit einem durchschnittlichen Sinn für Ästhetik, die maximal ein wenig unangenehm berührt sind, wenn ihr solche Dinge seht.

Mein Freund allerdings hat eine ernstzunehmende Erkrankung, bei der er gewisse Dinge nach einem ganz bestimmten Prinzip machen muss, damit seine Welt nicht aus dem Gleichgewicht gerät. Für einen gesunden Menschen mag das nicht logisch erscheinen, für meinen Freund aber gibt es nur eine korrekte Art, Dinge zu tun. Und in seinem Kopf ist jeder, der nicht so handelt wie er, die Person, die etwas ganz grundlegend falsch macht.

Wenn du also jemanden kennst oder selbst zu den Leuten gehörst, die sich vermeintlich häufig die Hände waschen müssen oder in Bussen und Bahnen die Stangen zum Festhalten nicht anfassen, ist das vergleichsweise harmlos. Es ist einfach normal, die Keime von wildfremden Personen nicht an sich haben zu wollen und die Flossen unter fließendes Wasser zu halten, nachdem man etwas angefasst hat, das man eklig fand. Oder bevor man etwas anfassen wird, das man sich eventuell in den Mund schieben will. Und damit meine ich Essen, keine Penisse.

Wobei es ja auch Menschen geben soll, die sich nicht einmal die Hände waschen, wenn sie gerade auf dem Klo waren. Das ist, abgesehen davon, dass es tatsächlich unhygienisch und widerwärtig ist, schon mehr als fragwürdig. Da muss in der Erziehung auch so einiges schief gelaufen sein. Eine ernstgemeinte psychische Erkrankung ist es aber nicht. Schließlich zwingt einen keine innere Stimme, nach dem Kacken aufs Händewaschen zu verzichten.

Es gibt aber eben Leute, die von so einer Art innerer Stimme gezwungen werden, bestimmte Dinge zu tun oder zu lassen. Zum Beispiel, alles was man tut exakt acht Mal zu machen. Wenn man draußen unterwegs ist niemals schattige Stellen zu berühren, weder mit den Füßen, noch mit irgendeinem anderen Körperteil. Oder aber jede Bewegung, die man mit der rechten Hälfte des Körpers gemacht hat, auch noch einmal genauso mit der linken Körperhälfte zu wiederholen.

Mein Freund ist eine dieser Personen, die so eine innere Stimme hat, die ihn zu Dingen zwingt, die anderen unlogisch und vollkommen zurecht abnormal erscheinen. Also, er hört jetzt nicht einen kleinen Mann in seinem Ohr, der ihm sagt, dass er sich genau acht Mal für exakt acht Sekunden die Hände waschen muss, nachdem er pinkeln war. Aber sinnbildlich ist es in etwa so.

Es sind Gedanken, gegen die er sich nicht wehren kann, egal wie viel Willenskraft er aufbringt, und die er dann auch befolgen muss. Sonst passieren schlimme Dinge. Tun sie natürlich nicht wirklich, die Welt geht nicht unter, nur weil mein Freund sich jetzt nicht die vorgegebene Zeit die Hände waschen konnte, aber für ihn tut sie das. Und das äußerst sich dann in ziemlich schlimmen Panikattacken.

Aber mal weg von dem ganzen theoretischen Kram. Ich wollte euch ja erzählen, wie es ist, mit jemandem zusammen zu sein, der eine Zwangsneurose hat. Also wie unser Alltag aussieht und was er vor allem für mich bedeutet, als die Person, die nur zwar indirekt von dieser Störung betroffen ist, aber trotzdem irgendwie damit leben und fertig werden muss. Ja, mein Freund hat einen ziemlich großen Leidensdruck, der garantiert größer als meiner ist. Dennoch ist sein OCD auch für mich eine Last, die ich mittragen muss. Weil ich ihn wirklich ziemlich doll liebe.

Mein Freund muss alle Dinge, die er tut, so oft machen, dass die Zahl der ausgeführten Aktionen sich am Ende durch drei teilen lässt. Wenn eine Treppe zum Beispiel 12 Stufen hat, ist das okay. Wenn sie allerdings 13 Stufen hat, muss er die Treppe dreimal hoch und wieder runter laufen, damit er auf 39 Stufen kommt, was sich wiederum durch drei teilen lässt. Tut er das nicht, bekommt er akute Panikzustände, die sich unter anderem in Schweiß- oder Tränenausbrüchen äußern können.

Er kann auch nur Dinge essen, wenn sie sich durch drei teilen lassen. Eine Pizza zum Beispiel muss er in 12 Stücke geschnitten serviert bekommen. Wenn sie im Restaurant nur geviertelt an den Tisch gebracht wird, kann das bereits Angstzustände bei ihm auslösen. Auch wenn es ganz einfach ist, eine geviertelte Pizza noch schnell in zwölf Stücke zu schneiden und so für ihn essbar zu machen.

Zuhause in unserer Wohnung, wir leben seit rund zwei Jahren zusammen, hat alles seinen festen Platz. Aber nicht so wie bei psychisch gesunden Menschen, wo zwar alles seinen groben Platz hat, aber die Teller im Regal mal zwei Zentimeter rechts oder links stehen, sondern ich meine einen richtig festen Platz, der von meinem Freund vorher genau ausgemessen wurde.

Tassen zum Beispiel müssen exakt drei Zentimeter vom Regalrand entfernt platziert werden. Wenn wir Gäste haben und die ihre Schuhe im Flur nicht an der genau dafür vorhergesehenen Stelle ausziehen und abstellen, oder, noch schlimmer, sich auf den Sessel setzen, der nicht für Gäste, sondern für meinen Freund bestimmt ist, kann das zu unkontrollierbaren Wutausbrüchen bei ihm führen.

Ich weiß, dass ihr jetzt alle an Sheldon Cooper denkt, aber ich kann euch versichern: Das ist noch mal etwas ganz Anderes. Mein Freund wird nicht wütend, weil sich jemand auf seinen Platz setzt und er nicht mehr den perfekten Blick auf den Fernseher hat, sondern weil eine solche Kleinigkeit bereits seine ganze Welt im Inneren durcheinanderbringt. Die Wut ist bei ihm ein Schutzmechanismus und nicht einfach nur ein Arschloch-Move, wie das etwa bei Sheldon Cooper der Fall ist.

Generell bestimmt eigentlich immer mein Freund, was, wie, wo und weshalb gemacht wird. Alle anderen Menschen, die mit ihm zu tun haben, müssen sich ihm und seiner Zwangsneurose anpassen. Weil es, zumindest momentan, nicht anders geht und jede Veränderung zu einem kleinen Nervenzusammenbruch bei ihm führt, der ihn erst einmal tagelang aus der Bahn wirft.

Abgesehen davon, dass er auf andere komisch wirkt und seine Verhaltensweisen wirklich anstrengend sind, erlebt er sich nicht als gestört. Zumindest nicht solange alles nach seinen Regeln läuft. Seinen Leidensdruck kann er umgehen, solange er jeden Tag dasselbe machen kann. Kritisch wird es erst, wenn er zum Beispiel aufgrund einer Baustelle einen anderen Weg zur Arbeit nehmen muss oder er anderweitig in seiner Routine und seinen alltäglichen Abläufen gestört wird.

Ihr könnt euch denken, wie oft das gut geht. Aber Zwangsgestörte wären ja auch nicht zwangsgestört, wenn sich in ihnen nicht immer neue Zwänge aufbauen würden, mit denen sie beispielsweise Wutaus- und Nervenzusammenbrüche umgehen können, wenn jemand die Tasse im Regal einen Zentimeter zu weit nach hinten geschoben hat. Zum Beispiel fangen sie dann an, immer wenn das vorkommt, dreimal auf ihren linken Daumen zu beißen. Oder ähnliches.

Jedenfalls habt ihr, die ihr von euch behauptet, dass ihr ja „so OCD seid“, weil ihr eure Bücher gerne alphabetisch und eure Stifte gerne farblich sortiert, tatsächlich einfach ganz normal. Aber darüber, dass ihr mit solchen Aussagen Krankheiten verharmlost, solltet ihr euch wirklich mal Gedanken machen.

Die Fotografie stammt von Vino Li
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Spirited Away: Chihiros Reise ins Zauberland

Spirited Away spielt im ländlichen Japan und erzählt die Geschichte der zehnjährigen Chihiro Ogino und ihrer etwas gestressten Eltern, die auf dem Weg zu ihrem neuen Zuhause in der Vorstadt sind. Nachdem die Familie eine falsche Abzweigung genommen hat, gelangt sie zu einem, wie sie glaubt, verlasse...
Spirited Away: Chihiros Reise ins Zauberland

Spirited Away

Chihiros Reise
ins Zauberland

Annika Lorenz

Spirited Away spielt im ländlichen Japan und erzählt die Geschichte der zehnjährigen Chihiro Ogino und ihrer etwas gestressten Eltern, die auf dem Weg zu ihrem neuen Zuhause in der Vorstadt sind. Nachdem die Familie eine falsche Abzweigung genommen hat, gelangt sie zu einem, wie sie glaubt, verlassenen Vergnügungspark. Chihiros Eltern werden bald von einem Buffet mit unwiderstehlichen Speisen verführt, das sie beinahe so verzehrt, wie sie es verzehren. Schnell verwandeln sie sich in große quiekende Schweine.

Als Chihiro nach Hilfe sucht, findet sie in Haku, einem mysteriösen Jungen mit magischen Kräften, einen Freund und Verbündeten. Er macht sie mit den Geistern bekannt, die nachts den Vergnügungspark bewohnen.

Chihiro muss zur Arbeit zu Yubaba gehen, einer grimmigen alten Frau mit riesigem Kopf und kurzem Körper, die ein Thermalbad für alle möglichen fantastischen Kreaturen und Götter betreibt. Ihre Erfahrungen mit diesen Geistern, Monstern und Wesen aus alten Legenden führen zu einer Reihe von außergewöhnlichen und unterhaltsamen Abenteuern, die ihre wildesten Vorstellungen übersteigen.

Hayao Miyazakis Filme sind immer um starke Charaktere herum aufgebaut, und Spirited Away enthält einige der auffallend originellsten Kreaturen, die je gesehen wurden. Im Mittelpunkt der Erzählung steht Chihiro, die zehnjährige Heldin. Sie beginnt als ein ziemlich mürrisches, verwöhntes Kind mit einer Neigung zur Panik, wenn etwas schief geht, aber sie entwickelt über Zeit die Fähigkeit, ruhig zu bleiben, wenn andere es nicht sind. Sie gibt niemals auf, wenn sie sich einmal ihre Ziele gesetzt hat. Chihiro trifft und befreundet sich mit einer Vielzahl von Wesen in der Geisterwelt und findet sich eher früher als später in einem fantastischen Märchen voller unvergessener Wunder, Magie und Fantasien wieder.

Chihiros Reise ins Zauberland ist eine wunderschöne Geschichte über Mut und Willenskraft, die jeder einmal gesehen haben sollte. Der Film ist nicht nur eine faszinierende Reise für die ganze Familie, sondern für viele auch das Portal in die kunterbunte Welt der Anime. Und wer erst einmal damit begonnen hat, sich für die japanischen Animationsfilme und -serien zu begeistern, der wird so schnell nicht mehr damit aufhören. Denn Anime sind eine aufregende Welt für sich…

Spirited Away: Chihiros Reise ins Zauberland Spirited Away: Chihiros Reise ins Zauberland Spirited Away: Chihiros Reise ins Zauberland Spirited Away: Chihiros Reise ins Zauberland Spirited Away: Chihiros Reise ins Zauberland Spirited Away: Chihiros Reise ins Zauberland Spirited Away: Chihiros Reise ins Zauberland Spirited Away: Chihiros Reise ins Zauberland Spirited Away: Chihiros Reise ins Zauberland Spirited Away: Chihiros Reise ins Zauberland Spirited Away: Chihiros Reise ins Zauberland Spirited Away: Chihiros Reise ins Zauberland Spirited Away: Chihiros Reise ins Zauberland Spirited Away: Chihiros Reise ins Zauberland Spirited Away: Chihiros Reise ins Zauberland Spirited Away: Chihiros Reise ins Zauberland Spirited Away: Chihiros Reise ins Zauberland Spirited Away: Chihiros Reise ins Zauberland Spirited Away: Chihiros Reise ins Zauberland Spirited Away: Chihiros Reise ins Zauberland
Die Illustration stammt von Studio Ghibli und Leonine
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Ficken für Fortgeschrittene: Sex ist nur schmutzig, wenn er richtig gemacht wird

Vor langer, langer Zeit gab es mal ein Online-Portal, das sich StudiVZ nannte. Das war so etwas wie Facebook, aber für Leute, die noch zur Uni gingen. Oder zumindest so taten. Eigentlich war es dazu gedacht, sich mit Mitstudierenden und Freunden besser und schneller vernetzen zu können, aber wenn wi...
Ficken für Fortgeschrittene: Sex ist nur schmutzig, wenn er richtig gemacht wird

Ficken für Fortgeschrittene

Sex ist nur schmutzig,
wenn er richtig
gemacht wird

Lena Freud

Vor langer, langer Zeit gab es mal ein Online-Portal, das sich StudiVZ nannte. Das war so etwas wie Facebook, aber für Leute, die noch zur Uni gingen. Oder zumindest so taten. Eigentlich war es dazu gedacht, sich mit Mitstudierenden und Freunden besser und schneller vernetzen zu können, aber wenn wir ehrlich sind, waren wir da doch alle nur angemeldet, um irgendwelchen sinnlosen Gruppen beizutreten, die nur dazu dienten, unsere Profile und damit auch uns selbst ein wenig cooler aussehen zu lassen.

Die hießen beispielsweise „Wenn man Tiere nicht essen darf, warum sind sie dann aus Fleisch?“, „Es gibt bessere Partys als das Rügenwalder Mühlenfest!“, „Ich fand Hitler schon scheiße, als er noch in ganz kleinen Clubs spielte!“ oder aber „Guter Sex ist, wenn selbst die Nachbarn danach eine rauchen!“.

Ursprünglich waren diese Gruppen wohl mal dazu gedacht, um mit Gleichgesinnten über bestimmte Themen diskutieren zu können. Dafür wurden sie allerdings so gut wie nie genutzt. Es ging um nicht mehr und nicht weniger, um den eigenen Charakter anhand der Gruppentitel irgendwie zu umreißen und so allen Kommilitoninnen und Kommilitonen zu zeigen, was für ein cooler Typ oder eine heiße Braut man war. Nur Streber traten irgendwelchen Gruppen bei, in denen tatsächlich über Hausarbeiten und anstehende Klausuren geredet wurde.

Wie ihr euch sicher alle vorstellen könnt, gehörte ich nicht dazu. Meine Gruppen drehten sich alle um Feiern, Ficken und Fäkalhumor. Vermutlich wundert es euch deshalb auch nicht, wenn ich euch verrate, dass meine Lieblingsgruppe eine war, die den vielsagenden Titel „Dreck ist nur schmutzig, wenn er richtig gemacht wird!“ war. Aber um die soll es hier heute gar nicht gehen. Sondern um die StudiVZ-Gruppe, der dieser Name nachempfunden war: „Sex ist nur schmutzig, wenn er richtig gemacht wird!“

Seit #MeToo zuerst durch die sozialen Netzwerke und dann durch die Medien gejagt wurde, haben Männer auf der ganzen Welt ein großes Problem, das zumindest in ihren Augen schwerer zu wiegen scheint, als dass Frauen auf der ganzen Welt tagein, tagaus mit sexueller Belästigung zu kämpfen haben, die – Überraschung – in den allermeisten Fällen von Männern ausgeübt wird.

Mann hat Angst, dass bald schon ein „harmloser Flirt“ zur Anzeige gebracht wird und beschwert sich, dass die Frauen von heute immer prüder werden, was „Sex“ betrifft, aber zeitgleich ihren Körper mit weiten Ausschnitten, kurzen Röcken und engen Hosen so zur Schau stellen, dass Mann das ja nur als Einladung zum sofortigen Geschlechtsverkehr verstehen könne.

In sozialen Netzwerken – in erster Linie Twitter und Instagram – tun Frauen zwar gerne so, als wären sie sehr aufgeschlossen und versaut, aber wenn Mann ihnen dann ein Penisfoto schickt oder sie fragt, ob sie Bock haben zu ficken, stellen sie einen direkt als sexistisches Schwein an den Pranger.

Wer soll denn da den Überblick behalten, was man noch darf und was nicht? Wie soll man überhaupt noch Frauen kennenlernen? Und das Wichtigste: Wie findet man zwischen den ganzen Feministinnen noch eine, die im Bett zwar genauso dirty ist wie man selbst, aber eben auch keine Schlampe?

Nun, genau das möchte ich heute gerne erklären. Und zwar anhand der bereits oben erwähnten StudiVz-Gruppe „Sex ist nur schmutzig, wenn er richtig gemacht wird!“. Es ist nämlich so, dass Frauen keineswegs prüder geworden sind. Sexismus zu benennen und sich dagegen zu wehren, bedeutet nicht, dass wir keine Lust haben, zu ficken und gefickt zu werden.

Genauso, wie Titten zu zeigen oder Röcke zu tragen, die mehr freigeben als sie verdecken, nicht bedeutet, dass man keine Feministin ist, die Wert darauf legt, mit ein wenig Anstand und Respekt behandelt zu werden. Die meisten Frauen stehen genauso sehr auf Sex wie es Männer tun.

Aber – und damit kommen wir zum Punkt – Sex ist eben nur schmutzig, wenn er richtig gemacht wird. Und dazu gehört in erster Linie, dass er einvernehmlich ist und allen Beteiligten gleichermaßen Spaß macht. Ich sage bewusst „allen Beteiligten“, weil Sex sich nicht auf zwei Personen beschränken muss.

Wir Frauen reden so gerne über Sex, weil wir ihn eben mögen. Und wir reden über Sexismus, weil er uns stört. Beides sind vollkommen unterschiedliche Dinge, die in unserer Gesellschaft aber leider doch Hand in Hand gehen. Das liegt vor allem daran, dass sie meisten Kerle Sex und Sexismus nicht voneinander unterscheiden können. Aber ich will euch jetzt wirklich nicht erklären, was sexistisch ist und was nicht, sondern lieber darüber schreiben, wie Mann den dreckigen Sex bekommt, der er sich wünscht.

Zu allererst wäre da der Punkt, dass Typen einfach häufig viel zu plump vorgehen. Ganz ehrlich: Wer von euch hat schon mal eine Frau herumgekriegt, indem er ihr auf der Straße hinterhergerufen hat, dass er gerne mal seinen Schwanz in sie schieben würde? Niemand. Aus dem einfachen Grund, dass es so respektlos ist, dass Frauen sich nicht mal dann darauf einlassen würden, wenn ihr Ryan Gosling persönlich wärt.

Geilen Sex bekommt ihr, indem ihr auf die Bedürfnisse von Frauen eingeht und sie nicht etwa von oben herab behandelt oder ihnen vorschreibt, was sie zu tun haben. Wenn ihr gemeinsam über Vorlieben und Abneigungen sprecht. Vielleicht nicht unbedingt beim ersten Date, aber eben dann, wenn so langsam klar wird, dass ihr miteinander im Bett landet werdet.

Es hilft auf alle Fälle, als Mann erst einmal zuzuhören, bevor man solche Ansprüche stellt wie „Du musst auf alle Fälle deepthroaten können, und wenn du dich nicht in den Arsch ficken lässt, dann wird das eh nichts mit uns beiden!“. Die meisten Frauen machen das von ganz alleine. Vorausgesetzt, sie haben Bock auf euch.

Wir sind nämlich genauso dirty, wie wir im Internet gerne tun. Nur bestimmen wir gerne selbst darüber, wer seinen Schwanz jetzt in uns schieben darf und wer nicht. Und da haben sexistische Schweine nun mal schlechtere Karten als die Typen, die uns nicht direkt ihren Penis ins Gesicht klatschen wollen oder uns sagen, dass wir viel zu prüde sind, nur weil wir ein wenig Respekt verlangen, bevor ihr uns ficken dürft. Und danach übrigens auch.

Wer nett ist, steigert seine Chancen auf Sex um 100 Prozent. Und wer erwartet, dass wir all die Sachen tun, die man so in Pornos zu sehen bekommt, der sollte erst einmal einen Realitätscheck machen, ob er selbst überhaupt das leisten kann, was die Typen in den Pornos leisten – und uns dann die Zeit geben, uns erst einmal so wohl zu fühlen, dass wir von uns aus verlangen, dass ihr uns euren Schwanz bis zum Anschlag in den Arsch schiebt.

Wer dreckigen Sex will, der muss es eben richtig machen. Und das geht am Einfachsten, wenn man sich als Typ erst mal selbst zurückhält und sich stattdessen um unsere Bedürfnisse kümmert. Allen voran Respekt im täglichen Umgang miteinander. Übrigens: Wer Sex für das Geilste hält, hat noch nie richtig gegrillt.

Die Fotografie stammt von Dainis Graveris
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Mädchen in Los Angeles: Der kalifornische Engel

Ich weiß nicht so genau, ob diese Eigenschaft von mir ein Vorteil fürs Leben oder doch eher ein grausamer Nachteil ist, aber ich verknalle mich jeden Tag in neue Menschen, die ich irgendwo treffe, sehe oder auch nur gedanklich streife. Meistens in Mädchen, weil, sind wir doch mal ehrlich, die sind e...
Mädchen in Los Angeles: Der kalifornische Engel

Mädchen in Los Angeles

Der kalifornische
Engel

Daniela Dietz

Ich weiß nicht so genau, ob diese Eigenschaft von mir ein Vorteil fürs Leben oder doch eher ein grausamer Nachteil ist, aber ich verknalle mich jeden Tag in neue Menschen, die ich irgendwo treffe, sehe oder auch nur gedanklich streife. Meistens in Mädchen, weil, sind wir doch mal ehrlich, die sind einfach die besseren Menschen – mit weitem Abstand.

Das hier ist Dagny aus der teilweise wunderschönen, amerikanischen Westküstenstadt Los Angeles. Ich würde sie als engelhaftes Model bezeichnen, das trotz einer magischen Eleganz trotzdem auf dem Boden geblieben zu sein scheint. Auf ihrem Instagram-Kanal finden sich neben allerlei Bikinibildern auch kluge Sprüche und Backstagefotos aus ihrem Leben.

Die Fotografin Lauren Marie hat Dagny zur Protagonistin in ihrem neuen Fotoshooting gemacht und die retro-angehauchte Bildserie „Before You Arrived“ genannt. Wer mehr über die Fotografin Lauren Marie lernen will, der kann einfach mal hier vorbei schauen. Und wer mehr von Dagny, dem engelsgleichen Model, sehen möchte, der dürfte hier gut bedient sein.

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Die Fotografie stammt von Lauren Marie
Als Model ist Dagny Paige zu sehen
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Musik, Drogen, Gummistiefel: Festivals sind mein Zuhause

Die Vorfreude auf ein Festival kann bis ins Unermessliche steigen. Hat man erstmal das Line-up mental auf seinen Unterarm getackert, ist der Schlüpfergummi der Erwartungen oft schon bis zum Anschlag gespannt. Monate vorher wechseln die Emotionen zwischen grenzenloser Freude auf die persönlichen Supe...
Musik, Drogen, Gummistiefel: Festivals sind mein Zuhause

Musik, Drogen, Gummistiefel

Festivals sind
mein Zuhause

Wenke Walter

Die Vorfreude auf ein Festival kann bis ins Unermessliche steigen. Hat man erstmal das Line-up mental auf seinen Unterarm getackert, ist der Schlüpfergummi der Erwartungen oft schon bis zum Anschlag gespannt. Monate vorher wechseln die Emotionen zwischen grenzenloser Freude auf die persönlichen Superhelden und die Angst einen davon verpassen zu können.

Ist man dann erst einmal dort, kommt sowieso alles anders. Die fetten Cumuluswolken formen sich zu einem gigantischen Stinkefinger und der blaue Engländer neben dir baut sein Zelt direkt in dein Zelt. Jetzt heißt es locker bleiben und das Beste daraus machen.

Allein schon, um deine Solidarität gegenüber dem Wert des Tickets zu zeigen und dem damit verbundenen Pennerdasein gehörig zu trotzen. Statt wertvollem Zucker pumpt man seine Blutbahn lieber mit THC, Speed oder anderem bewusstseinserweiternden Gedöns voll. Um den bedingungslosen Enthusiasmus zu deinem zu machen.

Mit den Gummistiefeln fest an den Waden und der Sonne im Rücken reiht man sich in die noch ganz akzeptabel riechende Menschenschlange ein. Statt dem gewohnten Dollarzeichen in den Augen, wird jetzt das Festivalbändchen zum Objekt der Begierde.

Den Stress erstmal bewältigt, geht es auf das Gelände. Kein Gras, keine Natur. Aber egal. Was zählt, ist der Plan. Bis zur Besinnungslosigkeit in der Partymeute verschmelzen zu wollen und sich am Morgen nicht mal an die den eigenen Vornamen erinnern zu können. Plan. Check. Oder auch nicht.

Eigentlich willst du jetzt Bier, aber dein Körper giert nach dem einfachen Klaren, nach Wasser. Der erste Schein ist weg und Du stellst dir nüchtern sein vor. Klappt nicht. Ab zur Main-Stage, denn das Line-up wartet nicht auf dich. Genauso wie du ist es auf Speed und kennt keine Gnade.

Was du verpeilst, verpasst du. Wenn du es schaffst, rastest du aus. Aggressiv vorgehende Ellebogen, zerlatschte Schuhe und eine leicht demolierte Visage sind dein Markenzeichen. Es ist dir egal. Party. Mutti kennt mich, doch zum Glück weiß sie von allem nichts.

Erster Tag und Geld ist so gut wie weg. Verzweiflung trifft auf „Drauf geschissen“. Afterhour neben Kevin-Pascal und die Welt gehört dir. Jutebeutel und Fake-Ray-Ban im Klo runtergespült, jetzt heißt es Freiheit. Die ersten Sonnenstrahlen am Morgen vermitteln dir das Gefühl eines längst vergessenden Superhelden. Du bist da und zurück im gleichen Moment.

Auf dem Weg zu deinem Zelt könnte jeder dein Freund sein. Doch dir ist das egal, du bist zu sehr damit beschäftigt zu genießen und nicht über diese verdammten Zeltheringe nachzudenken, geschweige denn zu stolpern. Zufrieden angekommen, aber vollgepumpt mit Harn, wird das 3,35-minütige Entleeren des Beutels bei deinem Zeltnachbarn vollzogen. So wie es sich gehört. Glücklich und tot fällst du in deinen Schlafsack und machst dich selbst dem Erdboden gleich. Morgen geht’s weiter. Alkoholabbau, beeile dich!

Die Fotografie stammt von Krists Luhaers
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Battle Royale: Der beste Teeniefilm der Welt

Damals, im Jahr 2002, war das Internet nicht nur unglaublich langsam, sondern wurde auch nach Minute abgerechnet. Der einzige richtige Film, den ich mir damals illegal durch FrostWire zog, weil das ungefähr zwei Tage lang dauerte und wahrscheinlich mehr kostete als eine Monatsrente, war Battle Royal...
Battle Royale: Der beste Teeniefilm der Welt

Battle Royale

Der beste Teeniefilm
der Welt

Marcel Winatschek

Damals, im Jahr 2002, war das Internet nicht nur unglaublich langsam, sondern wurde auch nach Minute abgerechnet. Der einzige richtige Film, den ich mir damals illegal durch FrostWire zog, weil das ungefähr zwei Tage lang dauerte und wahrscheinlich mehr kostete als eine Monatsrente, war Battle Royale. Ich musste ihn unbedingt sehen, nachdem irgendwo ein überaus blutiger Trailer aufgeploppt war.

Die Story ist schnell erklärt: Eine japanische Schulklasse wird auf einer verlassenen Insel ausgesetzt, um sich dort gegenseitig mit Pistolen, Schwertern und Pfannen die Köpfe einzuschlagen. Derjenige, der überlebt, darf zurück zu seiner Familie. Die anderen… naja… sind tot. Battle Royale ist ein Gedankenexperiment, das aufzeigt, was passiert, wenn Liebende und Freunde plötzlich zu Feinden werden.

Der YouTuber Nerdwriter geht sogar noch einen Schritt weiter. In seinem Video erklärt er, warum Battle Royale der beste Teeniefilm aller Zeiten ist. Er gehe nämlich an die Grenzen des mentalen Spektrums und würde dokumentieren, an welchem Punkt sich Psychen ändern, logische über emotionale Entscheidungen siegen und Menschen ihre gesellschaftliche Normung bekämpfen. Und es geht um Liebe. Um die erste, große Liebe.

Battle Royale: Der beste Teeniefilm der Welt
Die Fotografie stammt von Toei
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Megalomaniac: Ich bin der Durchschnitt

Ich stehe auf einer Bühne. Meine Augen sind weit offen, doch ich fühle mich geblendet von der mich umgebenden Schwärze. Kein einziger Schimmer dringt durch die blinde Dunkelheit in meinen Kopf, und doch zweifle ich meine Sinne nicht an, denn hinter dem schweren Vorhang aus Samt, den ich mir nur denk...
Megalomaniac: Ich bin der Durchschnitt

Megalomaniac

Ich bin der
Durchschnitt

Sara Navid

Ich stehe auf einer Bühne. Meine Augen sind weit offen, doch ich fühle mich geblendet von der mich umgebenden Schwärze. Kein einziger Schimmer dringt durch die blinde Dunkelheit in meinen Kopf, und doch zweifle ich meine Sinne nicht an, denn hinter dem schweren Vorhang aus Samt, den ich mir nur denken kann, höre ich das Tosen des Publikums. Sie rufen und schreien, sie stampfen mit ihren Füßen wild auf dem Holzboden des riesigen Saales.

Wir befinden uns im Audimax der Welt – Fernsehkameras aller Nationen, die besten Fotografen, alle wichtigen Menschen und auch die unwichtigen, Männer, Frauen, Kinder – junge, kranke, alte, starke Menschen – Politiker, Ökonomen, Philosophen, Künstler, Kulturschaffende, Wissenschaftler, der Papst – alle sind gekommen. Alle warten darauf, dass der Vorhang fällt, für die größte Inszenierung aller Zeiten… für mein Leben.

Leider ist das Leben kein dramatisches Schauspiel, das von Superhelden und Geheimagenten bespickt ist, und so ist alles, was fällt, meistens ich selbst, und zwar auf den Boden, der Nase nach. Und oft breche ich mir dabei auch noch einen Zahn ab. Dabei ist dieser Traum vom Rampenlicht, so unrealistisch er sein mag, und ich meine nicht nur, weil ich kein so besonderer Mensch bin, sondern weil ich auch keine besonders rampenlichtige Persönlichkeit habe, etwas, dass mich schon seit Anbeginn meiner wirren Gedankenchronik begleitet.

Und egal, in welcher Form, es läuft immer darauf hinaus, dass die Menschen zu mir aufblicken. Ob ich als verschrobene, unentdeckte Sängerin einer avant-gardistischen Rockband meine kleinen Songs trällere, oder ob ich als höchstkriminelle, neumodische, aber gutmeinende, weibliche Robin Hood die Welt auf den Kopf stelle, Kriege beende und für das Recht auf Gerechtigkeit kämpfe. Jeder kennt meinen Namen. Und ich bin irgendwer. Ich bin irgendwer, der wichtig ist.

Auch, wenn diese sehr selbst-zentrierte Form der Tagträumerei maßlos und überheblich wirkt, glaube ich kaum, damit auf weitem Flur alleine zu stehen. Ich kenne viele Menschen, die würden nicht zugeben, dass sie nach Anerkennung, nach Macht streben. Aber ey, lügt euch nicht an. Wir streben nach Aufmerksamkeit, und wir sterben, in der Hoffnung, auch nach unserem Tod mit Aufmerksamkeit übergossen zu werden.

Größenwahn? Vielleicht. Aber es muss auch nicht der Thron der Welt sein, den ich gedanklich besteige. Es würde schon reichen, wenn ein einziger Mensch – ein existierender, klar denkender Mensch – eines Tages in Ehrfurcht vor meinem Werk, vor meinem Leben steht und sagt: Krass. Das hätte niemand anderes so machen können. Das hat niemand vor ihr so gemacht. Das ist einzigartig. Diese Sara Navid war eine Vorreiterin auf ihrem Feld.

Diese Ehrfurcht – kein Neid, wohlgemerkt, sondern nur positiver Respekt und ein daraus resultierender “Aufblick”-Mechanismus – ist auch das, was mir jeden Tag begegnet. Vor allem in der Uni. Da liest man pro Woche zwei bis siebenhundert Seiten von geistigen Orgasmen, die in einem perfekten Tiramisu der Geschmacksexplosionen verarbeitet wurden.

Da sind Naturwissenschaftler, Geisteswissenschaftler, Sozial- und Kulturwissenschaftler, Philosophen, Theoretiker im weitesten Sinne die mit ihren Standpunkten, ihren Systemkritiken und ihren “neuen” Gedankenverknüpfungen die Tore zu neuen Welten öffneten. Die unsere Welt heute weitaus mehr prägen als es jeder Barack Obama es könnte. Wir lesen heute noch Aufsätze von großartigen Menschen, die vor hundert Jahren verfasst wurden. Und mit jedem fertig gelesenen Text, der auf den Stapel “erledigt” gelegt wird, vergrößert sich auch der Abstand zwischen mir und allen großen Persönlichkeiten, die tatsächlich einen Wert für unsere Gesellschaft beigetragen haben.

Hier bin also ich. Inmitten von sieben Milliarden Menschen. Ich lese Weber und Marx und Cassirer und Habermas und denke mir, wer bin ich eigentlich? Ich werde niemals so etwas schreiben können. Und selbst wenn ich es schreiben könnte: meine Intelligenz reicht nicht aus, um das zu erreichen, was die Ikonen des Erfolgs und der Weltgeschichte vor mir erreicht haben. Selbst, wenn ich das Maß an mich selber nicht so hoch stecken würde, bliebe das Ergebnis identisch. Jedes Mal, wenn ich meine Lieblingswochenzeitung aufschlage, lese ich mindestens einen Text, dessen Inhalt weitaus alles übersteigt, was ich jemals auch nur im Ansatz für überhaupt möglich hielt.

Und nicht mal so weit muss man gehen. Es reicht schon, an dem Gedanken einer Hausarbeit zu versagen, weil man genau weiß, dass da nicht genug Wissen ist, um zu triumphieren. Es reicht schon, andere Blogs zu lesen, es reicht, die Gedankengänge jüngerer Kollegen oder Kommilitonen zu verfolgen, um festzustellen, shit, da komme ich nicht ran, in keinster Weise.

Und dann stellt man sich unweigerlich die Frage: Wozu mache ich das überhaupt? Wer möchte ich sein? Ein Teil der intellektuellen Elite? Jemand, der vor seiner Zeit lebt, und unter einem normativen Erfolgsdruck leidet? Oder jemand, der sich dem Kompromiss der Gegenwart anschließt, und sagt, naja, dann ist es eben so, wie es ist – und mehr als versuchen kann ich es auch nicht.

Das zwickt ganz schön. Das Gefühl, zum Durchschnitt zu gehören, und in keiner Leistung vortreffliche Arbeit zu machen, keinen Bestandteil des Charakters zu besitzen, der einen hervorhebt. Viel schlimmer: Man bewirkt nichts. Man ist ein Teil der wabernden Masse mit eigenem kleinen Mikrokosmos. Dann dauert es nur ein paar Generationen, bis man vergessen wird. Bis jemand anderes diesen Platz einnimmt.

An vielen Tagen stört mich das alles nicht. Mein kleiner Mikrokosmos reicht mir vollkommen, um Zufriedenheit an den Tag zu legen. Doch gibt es diese Momente, wo das Gefühl, die Sterne seien unerreichbar, mir die Luft zum Atmen abschneidet. Wo ich alles stehen und liegen lassen möchte und glaube, dass diese Gesellschaft mich aussaugt, und dass ich nie eine Chance hatte, und und und… Der Knick im Ego kann gerne auch zu einer Runde Mitleidsdusche führen.

Und dann macht man weiter. Mit den gleichen Träumen. Dass man eines Tages vor einem schwarzen, schweren Vorhang aus Samt steht. Dass die Menschen einem applaudieren, weil man es geschafft hat, die Probleme unserer Welt zu bändigen. Oder weil man ein Lied singt, welches, wenn auch nur wenige, Menschen glücklich macht. Oder weil man einen Text schreibt, der so durchdacht und klug ist, dass die Menge ihre Anerkennung beipflichten möchte. Und vielleicht braucht es ja manchmal einen unrealistischen Traum, um eine realistische Einschätzung seiner selbst zu erzielen.

Die Illustration stammt von Icons8
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Sport ist Mord: Ich scheiterte an der Bosstransformation

Kind, was ist denn mit dir passiert? Du siehst aber nicht gut aus! Das waren die ersten Sätze, die meine Mutter zu mir sagte, nachdem wir uns fast ein halbes Jahr lang nicht gesehen hatten. Sie besuchte mich gerade das erste Mal in meiner Wahlheimat Berlin, seit ich hergezogen war, und statt sich...
Sport ist Mord: Ich scheiterte an der Bosstransformation

Sport ist Mord

Ich scheiterte an der Bosstransformation

Sophie Fischer

„Kind, was ist denn mit dir passiert? Du siehst aber nicht gut aus!“ Das waren die ersten Sätze, die meine Mutter zu mir sagte, nachdem wir uns fast ein halbes Jahr lang nicht gesehen hatten. Sie besuchte mich gerade das erste Mal in meiner Wahlheimat Berlin, seit ich hergezogen war, und statt sich zu freuen, dass ich überhaupt noch lebte und offensichtlich nicht irgendwelchen Drogenhändler und Vergewaltigern zum Opfer gefallen war, beschwerte sie sich über mein äußeres.

Dabei sah ich gar nicht so scheiße aus. Ich hatte mir weder die Nächte um die Ohren geschlagen, noch die Haare bunt gefärbt, mir nichts ins Gesicht tätowieren lassen und blutunterlaufene Augen, wie sie mein kiffender Mitbewohner manchmal hat, konnte ich auch nicht bieten. Das Einzige, das sich verändert hatte, seit ich mein bescheidenes Dorf verlassen hatte, war mein Gewicht.

Seit meine Mutter und ich uns das letzte Mal gesehen hatten, hatte ich zwanzig Kilo zugenommen. Was ich nicht weiter verwunderlich finde in einer Stadt, in der es an jeder Ecke einen Dunkin‘ Donuts gibt und frittierte Kichererbsenbällchen mit Erdnusssoße für 2,50 Euro. Von den Pizzastücken, die einem hier regelrecht hinterhergeworfen wurden, ganz zu schweigen. Und den Versuchungen, die um 3 Uhr nachts in einem Spätkauf auf dich warten. Okay, ich sah fett aus. Aber fett ist nicht gleich scheiße!

Nichtsdestotrotz wurde mir nach der Bemerkung meiner Mutter klar, dass ich schleunigst etwas ändern musste. Meine Kondition hatte nachgelassen. Und ich seit bestimmt zwei Monaten die immer gleiche Jogginghose spazieren getragen, weil mir nichts anderes mehr passte, ich aber auch nicht zum Kleidung kaufen kam. Ich war einfach mit wichtigeren Dingen beschäftigt gewesen. Essen zum Beispiel.

Es blieb ja auch nicht bei diesem einen Seitenhieb von ihrer Seite. Da kamen noch ungefähr 100 mehr, die ich jetzt nicht alle rezitieren möchte. 100 pro Tag, versteht sich. Und sie alle deuteten mehr oder minder subtil an, dass ich richtig, richtig fett geworden war. Genau genommen sprechen wir von 78 Kilo bei einer Körpergröße von nur 1,60 Meter. Wie das aussieht, könnt ihr mit Sicherheit erahnen.

Ich ließ mir nachdem meine Mutter wieder abgereist war allerdings noch etwas Zeit mit der Suche nach einem geeigneten Diätprogramm. Oder, wie man es heute nennt: Ernährungsumstellung. Um ehrlich zu sein vergaß ich es komplett, bis ich auf einen Artikel in der Vice stieß, in der jemand die „Bosstransformation“ machte. Nennt mich ungebildet, aber ich hatte bis dato noch nie etwas von Kollegah gehört und bin mir sicher, dass er auch zukünftig nicht auf Heavy Rotation bei mir laufen wird. Vor allem nicht, seit ich herausfinden musste, dass der Typ offenbar Antisemit ist. Aber das Programm machte mich neugierig. Boss sein klingt nach etwas, das mir gefallen könnte.

Leider stellte sich sehr schnell heraus, dass das Programm einzig und allein auf Männer abzielte. Ich wäre wirklich gerne die erste Frau geworden, die prominent auf der Website der Bosstransformation gefeatured wird, war dann aber doch zu einschüchtert von den ganzen aufgepumpten Typen, die ich dort vorfand.

Meine Recherche führte mich weiter zur Influencerin Sophia Thiel, die ein eigenes Fitnessprogramm entwickelt hat und verkauft. Aber auch das konnte nicht ködern. Ich fand, dass es schlicht und ergreifend zu anstrengend für mich aussah. Ich bin eine verdammte Kugel, die meisten dort vorgestellten Fitnessübungen sind für mich nicht einmal ansatzweise ausführbar.

Schließlich stieß ich auf das „Bikini Bootcamp“ von Silke Kayadelen, die dem ein oder anderen aus der Sendung The Biggest Loser bekannt sein dürfte. Es versprach mir eine ganze Kleidungsgröße kleiner in nur drei Wochen. Sowohl das vorgeschriebene Ernährungs-, als auch das Sportprogramm sahen für mich machbar aus. Also kaufte ich mir hochmotiviert für 60 Euro einen Zugang zum Onlinekurs und legte los.

Tag 0 ist sogenannter Cleaning Day. Warum der so heißt, wird mir am späten Nachmittag bewusst. Mein Körper entledigt sich ohne mein weiteres Zutun auf allen Wegen die ihm zur Verfügung stehen sämtlicher Nahrung, die ich gestern und heute zu mir genommen habe. Nicht unbedingt das, was ich mir von so einem Programm erwartet hätte, aber hey, es gibt mehr als genug Leute, die sich regelmäßig den Finger in den Hals stecken und zu Abführmittel greifen, um schlank zu werden oder bleiben.

Umso besser, dass man den gleichen Effekt offenbar mit einem einfachen grünen Smoothie erzielen kann. Der Fitnesscheck, den man vor Beginn des Programms durchführen soll ergibt, dass ich sportlich eine totale Niete bin und meine Maße – auch die soll man an Tag 0 auf den Millimeter genau ausmessen – naja, reden wir nicht weiter drüber.

Bereits an Tag 1 des Programms bestätigt sich, was gestern bereits der Fitnesscheck ergeben hat: Ich bin der unsportlichste Mensch der Welt. Insgesamt investiert man pro Tag rund eine Stunde in Bewegung. Man macht Silke Kayadelen einfach alles nach, was sie einem in ihren Videos vorturnt und erwacht am nächsten Morgen mit dem Muskelkater des Todes.

Insgesamt ist das Programm aber machbar und ich sterbe nicht, wie vermutet, fast an einem Lungenkollaps oder allgemeiner Erschöpfung. Das Essen aus dem dazugehörigen Kochbuch schmeckt erstaunlich gut. Lediglich Kopfschmerzen, die angeblich vom Zuckerentzug her rühren, machen mir die ersten beiden Tage etwas zu schaffen. Im Verlauf der Woche wird es besser und auch wenn ich merke, dass mir Squats, Planks und Dips von Tag zu Tag leichter fallen – eine spaßige Freizeitaktivität sieht für mich anders aus.

Montag ist Wiegetag. Der Check nach einer Woche intensivem Training und strengem Einhalten des vorgegebenen Ernährungsplans ergibt, dass ich nach zwei Wochen gerade einmal 300 Gramm abgenommen habe. Ich bin enttäuscht und irgendwie entmutigt. Ich hatte mir als Zwischenergebnis irgendwie etwas anderes erhofft und einen Verlust von mindestens einem Kilo erwartet. Vor allem, da ich im Gegensatz zu sonst wirklich diszipliniert war und nicht im Übermaße Essen in mich hineinstopfte.

Dennoch mache ich weiter mit dem Programm. Ich merke allerdings, dass meine Motivation ob des geringen Gewichtsverlusts in der ersten Woche deutlich nachgelassen hat und werde schludriger. Zwar halte ich mich weiterhin an den Trainingsplan, gönne mir aber am Wochenende mit einer Freundin ein paar Drinks, obwohl Alkohol während des Programms eigentlich verboten ist.

Ich gebe in der dritten Woche auf. Mein Gewicht stagniert und ich habe keine Lust mehr, mich weiterhin zu quälen. Natürlich weiß ich, dass es meine eigene Schuld ist, weil ich konsequenter hätte sein müssen, aber wenn ich nicht sehr schnell große Ergebnisse sehe, verliere ich eben die Lust an der Sache. Dann doch lieber fett und Spaß dabei.

Das Programm scheint zwar vielen Menschen beim Abnehmen geholfen zu haben und sogar Spaß zu machen, aber mir persönlich war es dann doch zu viel Qual. Wenn man sich nicht ganz genau an die Vorgaben, ist alles für die Katz, und ich bin ein zu freiheitsliebender Mensch, als mir von irgendjemandem sagen zu lassen, was ich essen soll und wie ich mich zu bewegen habe, nur um dünn zu sein. Es muss eben auch fette Menschen geben auf dieser Welt. Nun gehöre ich zu diesem Kreis. Bevor ich mich weiterhin mit Squats, Planks und Dips quäle, lerne ich lieber, meinen Körper zu akzeptieren, auf die Kommentare meiner Mutter zu scheißen und meine Nachmittage im Dunkin‘ Donuts zu verbringen.

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Familienduell: Die ganze Bagage

Unsere Familie ist quasi der Inbegriff des eigenen Ichs und besteht meist erst einmal aus Mutter, Vater und Kind. Wenn du als Kind die beiden Paarungswütigen deiner Gene im heutigen Zeitalter noch in greifbarer Sichtweite hast, kannst du dich schon mal glücklich schätzen. Ich kann es nicht unbedingt...
Familienduell: Die ganze Bagage

Familienduell

Die ganze
Bagage

Katrin Olszewski

Unsere Familie ist quasi der Inbegriff des eigenen Ichs und besteht meist erst einmal aus Mutter, Vater und Kind. Wenn du als Kind die beiden Paarungswütigen deiner Gene im heutigen Zeitalter noch in greifbarer Sichtweite hast, kannst du dich schon mal glücklich schätzen. Ich kann es nicht unbedingt. Zur Welt kam ich auf dem Teppich. Touchdown. Aber wer tief fällt, will bekanntlich auch hoch hinaus.

Während meine Mutter noch am Esstisch saß und Unmengen an Pilzragout verspeiste, befreite ich mich aus dem viel zu engen Nest, in dem ich einen Streitkampf mit der Nabelschnur führte, die stets versuchte sich schlangenartig um meinen Hals zu winden, sodass ich mein mehr oder minder vorhandenes Inneres kurzerhand in den Unterleib meiner Mutter hätte würgen können. Nicht zu reden von den aromatischen Düften, die in meiner Zone ihr Unwesen trieben. Vielleicht kam daher auch meine Apathie gegenüber Pilzen zustande. Dazu später mehr.

Groß geworden bin ich dann in einem elfstöckigen Neubau a.k.a. „Platte“ und das im wahrscheinlich tiefsten Osten Berlins, so tief, dass ich noch heute auf der Hinfahrt, zum Besuch meiner Mutter, Brotkrumen auf dem Weg streue, um auch Nummer sicher zu gehen, jemals wieder nach Hause in den guten Friedrichshain zu finden.

Nebenher lebte ich bei meiner Tante, Großtante, Kleintante und, natürlich, bei Mutter. Nur einen männlichen Part gab es nicht. Ich habe das nie in Frage gestellt, schließlich war ich erst zarte vier Jahre und hatte genügend weibliche Präsenz und gnadenlose Aufmerksamkeit, die sich auf männlicher Ebener in Zinksoldaten, King-Kong-Filmen und Matchbox-Spielzeugautos aus dem „Konsum“ auszahlte.

Bis eines Tages ein Mann das Haus meiner Tante betrat, mich auf seinen Schoss setzte, seine Brille zurecht schob und mir zwei farbige Malstifte in die Hand legte. Gelb und Blau. Freie deutsche Jugend. Diese Farbkombination hat sich ab diesem Tag in mein Gehirn gebrannt und ich erwische mich immer wieder dabei wie ich passend zu einem gelben Salzstreuer, heimlich einen blauen Pfefferstreuer kaufe. In der Art. Dazu bekam ich damals noch ein kleines Pioniers-Tuch von ihm umgebunden und ab dem Zeitpunkt hatte ich eine neue Aufgabe in meinem durchtriebenen Tagesablauf zu vermerken: Menschen observieren.

Ich folgte dem neuen Objekt „Mann“ auf Tritt und Schritt und lugte unauffällig mit meinem schwarzen, stets fliegenden, ja, auch ohne Wind, Hero-Cape um die Ecke, wenn er meine Mutter küsste, wenn er sich auf den Klodeckel setzte, wenn er sich an- und auszog. Und ich merkte irgendwann, dieser Mann tut meiner Mutter gut. Er machte sie glücklich.

Als ich 16 war, wendete sich das Blatt schlagartig. Teller flogen gegen Wände, vergammelte Joghurt-Becher füllten den Kühlschrank und ein gutgemeintes „Guten Morgen“ mit dem Betreten des Wohnzimmers äußerte sich in einem „Fresse halten, Fernseher läuft.“ Meine Eltern trennten sich und ich mich mit ihnen. „Wir Jungpioniere lieben unsere Eltern“ schallte es im Trommelwirbel dazu in meinem Kopf, als ich die Wohnung mit meinen drei Kisten verließ.

Von nun an wohnte ich in einer Abi-WG mit zwei Jungs aus meiner Stufe und wir hatten unseren Spaß. „Kiffen, Saufen, Scheiße bauen“ – lautete unsere solide Devise. Doch meine Mutter hatte Nachsicht, sie lüftete ein Geheimnis, welches mir den Schlag des Jahrhunderts ins Gesicht versetzen sollte.

Sie erzählte mir von meinem echten Vater. Von meinem Fleisch und Blut. Stereotype 99,9 % hatte der Vaterschaftstest damals ergeben, nachdem er sie geschwängert, betrogen und belogen hatte, um später in Texas ein neues Leben zu beginnen. Das war also mein Vater? Chuck Norris? Nein. Ein (St)ranger – ohne Norris.

Ich wollte Beweise sehen. Fotos. Doch es gab keine und gibt sie bis heute nicht. Meinen Vater habe ich nie gesehen. Ich kann mir an den Zehen und der Nasenspitze ausmalen, worin er mir ähnlich sehen mag, nur eben nicht in natura. Das war bitter und mein Stiefvater war beileibe kein genetischer Ersatz für mich.

Nach jahrelanger Akte-X-Recherche gelangte ich an seine Adresse und schrieb ihm unzählige Briefe, wartete monatelang mit starren Augen auf Antwort vor dem Briefschlitz meiner Tür und irgendwann vergaß ich, worauf ich überhaupt wartete… Und dann kam ein unbekannter Brief. Der Brief einer plötzlichen Schwester, die ich kurz darauf in Berlin zum Essen treffen sollte.

Wie auf einem Blind Date stellten wir uns gegenseitig Fragen, die stets mit einer zur Antwort gehörigen Nebenfrage beantwortet wurden. „Ich hasse Pilze. Und du?“ „Ich auch.“ Jackpot. Sie ist mir ähnlich, fast erschreckend ähnlich. Doch weder wusste ich von ihr, noch sie von mir und trotzdem haben wir ins im Menschendickicht des Planeten Erde gefunden. Auf ganz eigenem Weg und wir wachsen von Tag zu Tag mehr an- und miteinander.

Und selbst wenn ich meinen Vater nie zu Gesicht bekommen werde, so habe ich eine reiche Erkenntnis für mich gewonnen. Ich habe ein Stück Familie. Abso-fucking-lutely. Mutter und Schwester und mehr brauche ich nicht. Dazu muss ein Werner Schulze-Erdel nun auch keine hundert Leute mehr befragen, das Familienduell habe ich bereits gewonnen.

Die Illustration stammt von Icons8
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Mädchen in Los Angeles: Ein Tag mit Cynda McElvana

Ich weiß nicht so genau, ob diese Eigenschaft von mir ein Vorteil fürs Leben oder doch eher ein grausamer Nachteil ist, aber ich verknalle mich jeden Tag in neue Menschen, die ich irgendwo treffe, sehe oder auch nur gedanklich streife. Meistens in Mädchen, weil, sind wir doch mal ehrlich, die sind e...
Mädchen in Los Angeles: Ein Tag mit Cynda McElvana

Mädchen in Los Angeles

Ein Tag mit
Cynda McElvana

Daniela Dietz

Ich weiß nicht so genau, ob diese Eigenschaft von mir ein Vorteil fürs Leben oder doch eher ein grausamer Nachteil ist, aber ich verknalle mich jeden Tag in neue Menschen, die ich irgendwo treffe, sehe oder auch nur gedanklich streife. Meistens in Mädchen, weil, sind wir doch mal ehrlich, die sind einfach die besseren Menschen – mit weitem Abstand.

Das hier ist Cynda McElvana aus der teilweise wunderschönen, amerikanischen Westküstenstadt Los Angeles. Ich würde sie als engelhaftes Model bezeichnen, das trotz einer magischen Eleganz trotzdem auf dem Boden geblieben zu sein scheint. Auf ihrem Instagram-Kanal finden sich neben allerlei Bikinibildern auch kluge Sprüche und Backstagefotos aus ihrem Leben.

Der Fotograf Darren Ankenman hat Cynda zur Protagonistin in seinem neuen Fotoshooting für das legendäre französische Purple Magazin gemacht. Wer mehr über den Fotografen Darren Ankenman und seine bildgewaltigen Abenteuer lernen will, der kann einfach mal hier vorbei schauen. Und wer mehr von Cynda McElvana, dem engelsgleichen Model aus der zu ihr perfekt passenden Metropole Los Angeles, sehen möchte, der dürfte hier gut bedient sein.

Mädchen in Los Angeles: Ein Tag mit Cynda McElvana Mädchen in Los Angeles: Ein Tag mit Cynda McElvana Mädchen in Los Angeles: Ein Tag mit Cynda McElvana Mädchen in Los Angeles: Ein Tag mit Cynda McElvana Mädchen in Los Angeles: Ein Tag mit Cynda McElvana Mädchen in Los Angeles: Ein Tag mit Cynda McElvana Mädchen in Los Angeles: Ein Tag mit Cynda McElvana Mädchen in Los Angeles: Ein Tag mit Cynda McElvana Mädchen in Los Angeles: Ein Tag mit Cynda McElvana Mädchen in Los Angeles: Ein Tag mit Cynda McElvana Mädchen in Los Angeles: Ein Tag mit Cynda McElvana Mädchen in Los Angeles: Ein Tag mit Cynda McElvana Mädchen in Los Angeles: Ein Tag mit Cynda McElvana Mädchen in Los Angeles: Ein Tag mit Cynda McElvana Mädchen in Los Angeles: Ein Tag mit Cynda McElvana Mädchen in Los Angeles: Ein Tag mit Cynda McElvana Mädchen in Los Angeles: Ein Tag mit Cynda McElvana
Die Fotografie stammt von Darren Ankenman
Als Model ist Cynda McElvana zu sehen
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Sailor Moon: Die Abenteuer eines magischen Mädchens

Bunny Tsukino ist ein fröhliches 14-jähriges Schulmädchen, das sich oft in ungewollten Schwierigkeiten befindet. Eines Tages rettet sie eine sprechende Katze namens Luna vor ein paar gemeinen Kindern, und ihr Leben verändert sich schlagartig für immer. Luna schenkt Bunny eine magische Brosche, die s...
Sailor Moon: Die Abenteuer eines magischen Mädchens

Sailor Moon

Die Abenteuer eines
magischen Mädchens

Annika Lorenz

Bunny Tsukino ist ein fröhliches 14-jähriges Schulmädchen, das sich oft in ungewollten Schwierigkeiten befindet. Eines Tages rettet sie eine sprechende Katze namens Luna vor ein paar gemeinen Kindern, und ihr Leben verändert sich schlagartig für immer. Luna schenkt Bunny eine magische Brosche, die sie in Sailor Moon, Verteidigerin von Liebe und Gerechtigkeit, verwandelt!

Nun muss sie gemeinsam mit ihrer tierischen Gefährtin zusammenarbeiten, um die anderen Sailor-Kriegerinnen und die dazugehörige Mondprinzessin zu finden, deren legendärer Silberkristall die einzige Hoffnung der Erde gegen die dunklen Mächte der bösen Königin Berylle ist. Und damit wären auch kurz die Anfänge von Sailor Moon erklärt, die zweifellos zu den beliebtesten Anime-Serien aller Zeiten zählt.

Doch es geht noch weiter. Denn nachdem Bunny und Luna mit der ziemlich nerdigen Sailor Merkur und der burschikosen Sailor Mars neue Freunde gefunden haben, setzen sie ihre Suche nach dem legendären Silberkristall fort, während zwei neue mächtige Verbündete in den Kampf ziehen. Sailor Jupiter ist die grosse und zähe Hüterin des Donners, und Sailor Venus gilt sowohl als die Hüterin der Liebe als auch gleichzeitig als das wohl erfahrenste Mitglied.

Sailor Moon selbst erhält mit der Zeit beeindruckende neue Kräfte und lernt immer mehr über den mysteriösen Tuxedo Mask, der komischerweise immer genau im richtigen Moment zu erscheinen scheint. Könnten ihre fernen Vergangenheiten miteinander verflochten sein, und hat das etwas mit der Mondprinzessin zu tun, die sie suchen? Alles läuft auf den finalen Kampf mit Königin Beryl hinaus, der den Sailor-Kriegerinnen wirklich alles abverlangen wird, um siegreich zu sein.

Sailor Moon ist der Inbegriff des weltweit geliebten Phänomens der magischen Mädchen und erzählt die kunterbunten Abenteuer der tollpatschigen 14-jährigen Schülerin und ihrer Freundinnen, die vom Schicksal auserwählt wurden, um die Mächte des Bösen zu besiegen. Die Legenden von Sailor Moon werden bereits seit über 20 Jahren in diversen Anime, Manga und Romanen erzählt und von zahlreichen Fans auf der ganzen Welt geschätzt.

Basierend auf Naoko Takeuchis erfolgreicher Grafikromanreihe erzählt Sailor Moon das fantastische Märchen von einer gutherzigen Heulsuse, die dazu bestimmt ist, die Welt vor dunklen Mächten zu schützen. Werden die Sailor-Kriegerinnen in der Lage sein, den legendären Silberkristall rechtzeitig zu finden, bevor die Welt in ewige Dunkelheit fällt? Na hoffentlich!

Sailor Moon ist auch heute noch sehenswert. Die liebenswerten Charaktere trösten über die längst überholten Monster-of-the-Week-Folgen hinweg. Wer sich gemeinsam mit ein paar taffen Mädels in ein ästhetisch beeindruckendes Tokio begeben und dort das ein oder andere magische Abenteuer erleben möchte, der ist bei Sailor Moon genau richtig. Und wer sich nicht bereits in den ersten Minuten in Bunny Tsukino und ihre besten Freundinnen verknallt, dem ist sowieso nicht mehr zu helfen.

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Die Illustration stammt von Naoko Takeuchi, Kodansha und Kazé
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Das Buschmädchen: Ich habe Achselhaare und bin stolz darauf

Seit etwa zwei Monaten lasse ich nun schon meine Achselhaare wachsen. Okay, das war zunächst keine bewusste Entscheidung, ich war vielmehr zu faul zum Rasieren. Zwischen den Beinen trage ich schon lange einen Busch und, ganz ehrlich, die Kerle stehen darauf. Vielleicht, weil sie so das Gefühl hab...
Das Buschmädchen: Ich habe Achselhaare und bin stolz darauf

Das Buschmädchen

Ich habe Achselhaare
und bin stolz darauf

Nadine Kroll

Seit etwa zwei Monaten lasse ich nun schon meine Achselhaare wachsen. Okay, das war zunächst keine bewusste Entscheidung, ich war vielmehr zu faul zum Rasieren. Zwischen den Beinen trage ich schon lange einen Busch und, ganz ehrlich, die Kerle stehen darauf.

Vielleicht, weil sie so das Gefühl haben, ihren Schwanz in eine richtige Frau zu stecken, und die sind nun mal untenrum behaart. Jetzt kräuselt sich auch unter meinen Armen was und ehrlich: Ich finde es ziemlich geil. Es spart mir nicht nur unheimlich viel Zeit im Bad, sondern sieht auch noch echt sexy aus. Finde ich.

Meine Freundinnen nennen den kleinen aber gut gestutzten Busch unter meinen Armen „mutig“. Sie selbst sind alle glattrasiert und irgendwie gehört sich das ja auch so. Sagt zumindest die Gesellschaft. Ich zumindest habe noch keine Frau in einer dieser möchtegern-glamourösen Zeitschriften gesehen, die nicht kahl unter den Armen war. Und obendrein auch noch sämtliche Poren und Fältchen aus den Achsel heraus retuschiert bekommen hätte.

Manchmal geht das sogar so weit, dass am Ende gar keine Achsel mehr übrig ist. Mittlerweile scheint das gar nicht mehr zu den Photoshop-Fails zu gehören, sondern ganz normal zu sein. Versteh ich. Achseln sind ja an sich auch irgendwie eklig. Mich würde zumindest niemand dazu bekommen, die eines fremden Menschen abzulecken. Wobei ich gehört habe, dass es Leute geben soll, die dafür sogar eine Menge Geld bezahlen. Also, um anderen Menschen mal kräftig durch die Achselhöhle zu lecken und am besten dabei auch noch ganz viel Schweiß mit der eigenen Zunge aufzusammeln.

So hat jeder eben seinen eigenen Fetisch und meiner ist seit kurzem eben Achselhaare. Bei Männern befand ich rasierte Achseln schon immer für einen riesigen Abturner. Ebenso wie komplett rasierte Gesichter, Bäuche oder Genitalien. Nur an den Eier ist’s okay für mich. Also die Ganzhaarentfernung, wenn man das so nennen will.

Wobei es mir ein großes Rätsel ist, wie man das überhaupt hinbekommt als Kerl. Die meisten zucken ja schon zusammen, wenn man an den Eiern nur sanft zupackt. Wie das aussieht, wenn sie mit einem scharfen Rasierer an den Genitalien vor dem Badezimmerspiegel stehen, will ich mir lieber gar nicht vorstellen.

Seit Neustem mag ich aber auch behaarte Mädchen. Also Mädchen, die unter den Armen nicht rasiert, epiliert und gewachst sind. Leider gibt es davon noch immer viel zu wenige, und ich glaub, ich weiß, woran das liegt.

Kürzlich habe ich von einer Party mal wieder einen Mann mit nach Hause geschleppt – und ich weiß, was ihr jetzt denkt: „Jaja, Nadine, die kleine Bitch, erzählt uns wieder ihre Sexgeschichten“, und ja, das stimmt, denn ich weiß, ihr hört, beziehungsweise lest, sie gern!

Ich habe also einen Mann mit nach Hause geschleppt, weil ich derbe Bock aufs Ficken hatte. Und ehrlich: ich liebe ficken, ihr liebt ficken, fast jeder Mensch liebt ficken, also lasst uns einfach ficken sagen. Aufgerissen habe ich ihn in einem dieser kleinen, schäbigen Clubs in Friedrichshain, die viel zu schlechte Musik spielen und trotzdem immer so überfüllt sind, dass fast kein Platz zum Tanzen bleibt.

Er war einer dieser großen, dürren Typen mit Brille und Vollbart, Karohemd und viel zu engen Jeans, die Schuhe bereits abgeranzt, der Jutebeutel voller Flecken von selbstgemischtem Mexikaner, von dem er eine Flasche mit den in Club geschmuggelt hatte. Ich mag diese Art von Jungs sehr gern. Sie halten sich für besonders cool, sind aber eigentlich bloß ein Klischee. Und vermutlich sagen sie das Gleiche über mich.

Nachdem wir also eine Weile im Club geknutscht hatten und ich seinen Ständer mehr als nur erahnen konnte, schleppte ich ihn mit in meine Wohnung. Dort wurde direkt weiter geknutscht und der restliche Mexikaner geleert. Als es dann zur Sache ging, er mir ungeschickt mein enges Shirt über den Kopf zog und dabei meine Achselhaare zum Vorschein brachte, war es mit der sexuellen Stimmung auf seiner Seite gleich vorbei.

„Du bist nicht rasiert“, sagte er. „Stimmt“, antwortete ich, „findest du das etwa schlimm?“ „Alter, das ist mega eklig. Dabei wirkst du sonst nicht ungepflegt.“ Man stelle sich das Szenario an dieser Stelle bildlich vor: Ein Typ mit abgeranzten Schuhen und einem Jutebeutel, auf dem sich vermutlich mehr Flecken der verschiedensten Flüssigkeiten befanden, als Sasha Grey während ihrer ganzen Karriere jemals im Gesicht und in den Haaren hatte, wollte mir gerade erzählen, ich sei ungepflegt, weil ich meine Achseln nicht rasierte.

„Du hast nicht zufällig ’nen Rasierer da?“, fragte er. „Wenn du die kurz wegmachen würdest, dann könnten wir hier weiter machen.“ In dem Moment war klar: Es musste etwas wieder weg. Das waren allerdings nicht meine Achselhaare, sondern der Typ, den ich hier gerade vor mir hatte.

Wer aufgrund ein paar feiner Härchen keinen mehr hoch bekommt, kann auch sonst keine Granate im Bett sein. Glaube ich. Meine Exfreunde und –freundinnen zumindest hat es nie davon abgehalten, mich zu ficken, wenn ich mal keine Lust hatte, mich zu enthaaren. Egal wo.

Das ist mir danach, zumindest so ähnlich, noch zwei weitere Male passiert und ich vermute, das ist genau der Grund, weshalb sich die meisten Mädchen, die zumindest mal mit Achselbehaarung experimentiert haben, früher oder später wieder von ihnen trennten.

Ich plädiere an dieser Stelle allerdings ganz klar für behaarte Achseln bei Mädchen und Frauen! Ob als feministisches Statement, um die Typen, die euch auf der Straße immer eklig hinterher pfeifen, verstummen zu lassen oder einfach nur, weil ihr es geil findet: Lasst die Haare dort ruhig stehen. Und an den Beinen gerne auch.

Niemand wird gerne als ungepflegt bezeichnet, auch wenn so ein paar Haare mit Sicherheit kein Anzeichen von Unreinlichkeit oder gar grober Fahrlässigkeit bei der Körperpflege sind. Sie sind eben einfach da. Letzten Endes hat es niemanden zu interessieren, warum ihr euch rasiert oder nicht. Schon gar keine creepy dudes, die euch nur mal an das feuchte Höschen wollen. Und es gibt ja auch noch Leute, wie mich zum Beispiel, die sich an unrasierten Mädchenachseln durchaus erfreuen.

Die Fotografie stammt von Billie
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Haarlose Muschis: Mein erstes Mal Heißwachs

Erinnert ihr euch an euer erstes Mal? Wahrscheinlich nur noch vage, ihr wart ja erst dreizehn, das ist schon mindestens zwei Jahre her. Aber ich meine euer erstes Mal mit eurem aktuellen Lebensabschnittsgeficke. Na? Eben, schon eher. Kennt ihr die Aufregung in der Vorbereitungsphase? Wenn man zur Dr...
Haarlose Muschis: Mein erstes Mal Heißwachs

Haarlose Muschis

Mein erstes Mal
Heißwachs

Diana Kozacek

Erinnert ihr euch an euer erstes Mal? Wahrscheinlich nur noch vage, ihr wart ja erst dreizehn, das ist schon mindestens zwei Jahre her. Aber ich meine euer erstes Mal mit eurem aktuellen Lebensabschnittsgeficke. Na? Eben, schon eher. Kennt ihr die Aufregung in der Vorbereitungsphase? Wenn man zur Drogerie hüpft, wie auf Federn, und hofft, dass die genoppten Kondome so richtig Schwung in die Ikea-Laken bringen? Gleich daneben im Regal war das Heißwachs und mein großer Fehler in Vorbereitungsphase. Mein erstes Mal echtes Heißwachs.

An der Kasse beim Rossmann wusste die Frau ganz genau, was ich wollte, deswegen sah sie mir auch tief in die Augen: Genoppte Kondome, Gleitgel, Heißwachs, Panzertape, Gummibärchen. Vielleicht stellte sie sich vor, wie ich die Gummibärchen von ihr runter knabberte. Oder sie hat einfach nur geschielt und mir gar nicht tief in die Augen gesehen. Sondern an die Decke.

Freudig hüpfend verließ ich Rossmann, oder Rossmann verließ mich, ich erinnere mich nicht mehr an die dreißig Minuten vor meinem großen Schmerz, ich weiß nur, dass es nicht meine Schuld ist. Sondern die der Gesellschaft. Seit Mitte der Neunziger predigt man schließlich der Frau von Welt, eine Kosmopolitin zu sein.

Sich eine Landebahn einzurasieren, oder auch ein Bermudadreieck. Oder auch ganz brasilianisch seinem Venushügel eine Glatze zu verpassen. Ich wollte auch eine Kosmopolitin sein. Aber ich war auch schon mal kurz davor, mir Hello Kitty in meine Vagina rasieren.

Ich las die Gebrauchsanweisung. Natürlich tat ich das nicht, was kann so schwer daran sein, einen Becher in die Mikrowelle zu stellen? Das tue ich jeden Tag, nur diesmal sollte ich es eben nicht essen. Also holte ich die kochende, nach Erdbeeren und Zucker stinkende Masse heraus, rührte um und aß es nicht. Ich ließ es stehen und fragte mich, ob ich schon alt genug dafür bin. Ich blätterte in der Bravo Girl. Ja, ich bin alt genug.

Auf der Haut war es dann auch angenehm, aber ich war von Erdbeeren benebelt und atmete es munter weiter ein. Das Papier bekam ich auch noch auf meine Schatzkiste, ja, so nenne ich sie, aber dann kamen Zweifel auf. Was, wenn ich das nun runterreiße? Was, wenn sie dann weg ist? Einfach so? Verschwunden, im Bermudadreieck?

So stand ich dann etwa zwanzig Minuten. Vielleicht auch länger, es war dunkel draußen. Aufgeben kam absolut nicht in Frage und mit einem Papierstreifen und Erdbeermasse zwischen den Beinen ging ich zur Mikrowelle, um es noch einmal aufzuwärmen. Ich blätterte wieder in der Bravo Girl und mittlerweile fragen Neunjährige, ob man beim Petting schwanger werden kann. Verkommene Gesellschaft, Petting und haarlose Muschis.

Als es zum erlösenden Klingeln kam, war’s das auch schon. Es schmolz dahin, mit Becher. Ich fiel auf die Knie, dabei riss der Papierstreifen weg und ich schrie. Ich schrie vor Enttäuschung, vor Wut, vor Schmerz. Mein erstes Mal echtes Heißwachs endete damit, dass ich nackt auf dem kalten Küchenboden herum kroch, mir weinend meine Schatzkiste knetete und die Gesellschaft hasste. Und Kosmopolitinnen. Und Neunjährige. Hoffentlich ist der Busch bald wieder in.

Die Fotografie stammt von Billie
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Zerstör mich!Liebe muss die Hölle sein

Meine beste Freundin, die womöglich nur eine gute Bekannte ist, schaut mich immer wieder verstört an, wenn ich ihr erzähle, dass ich schlichtweg mit keinem Mann zusammen sein kann, der mich nicht an meine mentalen Grenzen und darüber hinaus treibt. Such dir doch einfach mal einen ganz normalen Type...
Zerstör mich!Liebe muss die Hölle sein

Zerstör mich!

Liebe muss
die Hölle sein

Mia Jung

Meine beste Freundin, die womöglich nur eine gute Bekannte ist, schaut mich immer wieder verstört an, wenn ich ihr erzähle, dass ich schlichtweg mit keinem Mann zusammen sein kann, der mich nicht an meine mentalen Grenzen und darüber hinaus treibt. „Such dir doch einfach mal einen ganz normalen Typen!“ rät sie mir dann. Doch egal, wie sehr ich mir das auch wünschen würde, ich kann es nicht.

Ich war 14, als ich meinen ersten richtigen Freund traf. Er war 17 und psychisch gestört. Das wusste ich anfangs aber nicht. Mir war nur wichtig, dass er schlank, ja, fast schon schmächtig war, lange, dunkle Haare hatte und mich verstand. Er spielte in einer Band, schrieb Kurzgeschichten über die Liebe, die er aber niemals veröffentlichte, und küsste so zart und doch stark, dass ich allein bei dem Gedanken daran heute noch feucht werde.

Zu Beginn unserer Beziehung taten wir ganz normale Paardinge. Eis essen gehen. Im Kino knutschen. Wein trinken und dabei Musik hören. Am Ende unserer Beziehung zog ihn meine Mutter heulend und kreischend an seinen langen Haaren aus meinem Zimmer, während sein aufgeschnittener Arm unseren Flurteppich voll blutete und er aus voller Kehle „My Heart Will Go On“ brüllte. Zwischen Anfang und Ende lagen dreieinhalb Jahre. Das war zugleich die schönste als auch die schlimmste Zeit in meinem Leben.

Wenn andere Frauen erzählen, dass sie von ihrem Freund psychisch missbraucht wurden, dann möchte ich nur laut lachen und sie zurück in ihr ödes, mittelmäßiges Leben schicken, das sie für so krass und schlimm und deprimierend halten. Die emotionale Hölle ist nämlich nicht traurig und auch nicht hart, sie ist wunderschön. Fast schon magisch. Besonders zu zweit. Wer etwas anderes denkt, der ist nie bis ans Ende gegangen.

Als ich merkte, dass unsere Beziehung irgendwie anders war als die meiner Klassenkameraden, war ich gerade dabei, der Katze meiner Nachbarin den Schwanz mit einem Küchenmesser abzuschneiden. Die Wetten, die mein Freund und ich uns ausdachten, waren anfangs noch harmlos und ziemlich lustig, wurden aber immer abstruser, ekliger und auch gefährlicher. Meine Freunde, die ich seit dem Kindergarten kannte, hatten irgendwann Angst vor mir.

Aus der Clique von ungefähr zehn Leuten waren nach und nach nur noch wir beide übrig, weil wir uns von den anderen abkapselten. Die begriffen uns nicht, die waren zu normal. Wir verstanden die Welt, aber die Welt verstand uns nicht. Wir redeten jede Nacht stundenlang über Dinge, die sich andere nicht auszusprechen trauten. Tod, Schmerzen, die Sterne. Wir waren eins, alle anderen waren einsam. Solche Verlierer.

Ich begann, alle anderen Menschen zu hassen, weil sie so normal waren. Von dem netten Mädchen, das ich vor dieser Beziehung war, war danach nicht mehr viel übrig. Mein Freund lehrte mich, dass das Leben eine einzige Farce ist, die man nur dadurch austricksen konnte, indem man immer etwas Unerwartetes tat. Und das taten wir. Und es war großartig. Gott wusste nicht, mit wem er sich da anlegte.

Wir waren auf jeder Ebene ebenbürtig. Er versuchte nicht, mich zu manipulieren, sondern ich verband sein krankes Gehirn mit meinem. Und so wurden aus zwei ver- und zerstörten Seelen eine. Wir dachten irgendwann wie eine Person. Für uns war das ganz normal. Und wenn Liebe jemals einen wahre Definition haben sollte, dann diese. Natürlich klingt das nach jugendlicher Emoscheiße, aber es war, als wären wir die einzigen Wesen in einem viel zu großen Universum, die wirklich zusammen gehörten.

Er tat alles, was ich sagte. Und ich tat alles, was er sagte. Er trat seinem Chef auf einem Betriebsausflug zwischen die Beine, weil ich es sagte. Und ich ließ mich von einem übergewichtigen Türken mittleren Alters auf der McDonald’s-Toilette bumsen, weil er es sagte. Es war keineswegs, als hätte ich meinen Kopf abgeschaltet, sondern als würden wir jede noch so kleine Entscheidung gemeinsam treffen.

Natürlich war selbst diese wunderschöne Hölle nicht für die Ewigkeit bestimmt. Irgendwann driftete er in eine von MDMA geflutete Welt ab, in der ich keinen Halt fand. Er war von Tag zu Tag fröhlicher und glücklicher, während meine Gedanken immer düsterer wurden. Unsere perfekte Harmonie schien uns zu entgleiten. Ich tat alles, was er sagte, aber er irgendwann nicht mehr, was ich sagte. Und das machte mich wütend.

Ich saß nachts allein in meinem Zimmer und malte mir aus, welche schlimmen Dinge ich ihm und seiner Familie antun würde, sollte er mich verlassen. Er hatte mich in diese dunkle Parallelwelt gebracht und nun dort allein zurück gelassen. Ich wollte nicht, dass er glücklich ist. Ich wollte, dass er mit mir gemeinsam zerstört ist.

Um ihn eifersüchtig zu machen, begann ich etwas mit einem blonden Schönling aus meiner Klasse. Doch das interessierte ihn gar nicht. Dafür gefiel mein Ersatzfreund meiner Mutter so gut, dass sie vor Glück fast weinte. „Gott sei Dank“, sagte sie damals. „Ich dachte schon, du würdest für immer mit diesem Idioten zusammen sein.“ Ich lächelte nur. Was wusste sie schon.

Das ging ein paar Monate so und ich begann fast zu glauben, dass ich wieder ein normaler Mensch werden könnte, mit normalen Kinoabenden und normalen Partys und normalen Abendessen bei den Eltern des jeweils anderen. Bis eines Abends mein Freund vor der Tür stand. Es regnete. Seine langen, dunklen Haare waren ganz nass. Ich wollte mich am liebsten sofort in ihnen vergraben.

Ich weiß nicht, ob er betrunken oder high oder einfach nur verstört war, aber er sagte, er hätte ein Mädchen kennengelernt, eines mit Locken und einem süßen Lächeln und sie wäre in einer 80s-Tanzgruppe und Klassensprecherin. Sie wäre ganz großartig, aber irgendwie würde sie ihm emotional nicht so viel bedeuten wie ich. Er würde mich vermissen. Ob ich ihm nochmal eine Chance geben würde.

Man könnte jetzt denken, dass ich aus Spaß „Wetten, du traust dich nicht, dir die Pulsadern aufzuschneiden!“ sagte, aber ich meinte es vollkommen ernst. Wenn er wirklich mit mir zusammen sein will, dann macht er es auch, dachte ich mir. Natürlich wollte ich nicht, dass er starb. Ich wollte nur, dass er tat, was ich ihm sagte. Dass er mir seine Treue bewies. Seine unendliche Loyalität.

Der Schnitt war nicht lebensgefährlich, aber er blutete wie ein Schwein. Meine Mutter rastete aus, der Krankenwagen und die Polizei kamen, Nachbarn hatten sie gerufen. Ich schlief noch einige Nächte auf dem länglichen Fleck, bis er plötzlich weg war. Meinen Freund sah ich danach nur noch einige Male, aber wir sprachen nicht mehr viel miteinander. Ich galt als Psycho, er begann Verschwörungstheorien zu entwickeln. Satelliten würden ihn beobachten. Sein Handy warf er in einen nahegelegenen See.

Ich habe versucht, danach wieder eine normale Beziehung mit einem normalen Menschen zu führen. Aber es klappt nicht. Wenn deine erste Beziehung dir so viele innerliche Türen geöffnet hat, von denen du vorher nicht einmal wusstest, dass sie existieren, dann kannst du nicht mehr so tun, als würdest du sie nicht kennen. Du wirst inkompatibel für Leute, die noch nie gewisse Schalter in ihrem Gehirn umgelegt haben.

Mein nächster Freund war Steuerfachangestellter oder irgend so ein Scheiß. Seine Eltern waren Anwälte. Ich hätte ihnen vor lauter Gewohnheit an die Wand kotzen können. Der Typ versagte schon bei der ersten Wette, die ich ihm auferlegte, dabei war sie noch harmlos. Er sollte ein fremdes Mädchen auf einer Party küssen, auf der wir waren, ohne vorher mit ihr zu sprechen. Natürlich traute er sich das nicht. Aus lauter Enttäuschung machte ich noch auf der Stelle mit ihm Schluss und habe dem Türsteher einen geblasen.

Seitdem befinde ich mich in einem Limbo der Langeweile. Ich fühle mich, als hätte ich alle meine Emotionen bereits gelebt, als wäre ich ausgefühlt, als wäre der Rest meines Lebens lediglich ein Warten auf den Tod. Ich würde alles geben, um nur noch eine Nacht wie die zu erleben, in der die Welt noch in Ordnung war. In der ich mich zu Hause fühlte, in der Gewissheit, dass wir eins waren und alle anderen nicht.

Meine beste Freundin, die womöglich nur eine gute Bekannte ist, schaut mich immer wieder verstört an, wenn ich ihr erzähle, dass ich schlichtweg mit keinem Mann zusammen sein kann, der mich nicht an meine mentalen Grenzen und darüber hinaus treibt. „Such dir doch einfach mal einen ganz normalen Typen!“ rät sie mir dann. Doch egal, wie sehr ich mir das auch wünschen würde, ich kann es nicht.

Die Fotografie stammt von Hoang Loc
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Ignoriert und ausgenutzt: Mein Leben als Ersatzfreundin

Es ist 4 Uhr nachts und alles, was ich will, ist ins Bett zu gehen. Was ich aber stattdessen mache? Ich warte, dass eine Freundin vom Feiern kommt, wieder mal eine Party auf die ich nicht eingeladen wurde, und ich ihr die Tür aufmachen kann. Hey, ich weiß, dass es schon echt spät ist, aber kann ich...
Ignoriert und ausgenutzt: Mein Leben als Ersatzfreundin

Ignoriert und ausgenutzt

Mein Leben als
Ersatzfreundin

Michelle Teichmann

Es ist 4 Uhr nachts und alles, was ich will, ist ins Bett zu gehen. Was ich aber stattdessen mache? Ich warte, dass eine Freundin vom Feiern kommt, wieder mal eine Party auf die ich nicht eingeladen wurde, und ich ihr die Tür aufmachen kann. „Hey, ich weiß, dass es schon echt spät ist, aber kann ich heute bei dir pennen? Lara hat einen Typen mit nach Hause genommen und ich weiß gerade nicht wo hin.“ Sie hat mal wieder ihre Wohnung untervermietet.

„Ja, klar. Komm vorbei!“, tippe ich halb im Schlaf und frage mich, warum Sie ausgerechnet immer mich fragt. Naja, wahrscheinlich, weil ich immer „Ja“ sage. Ich bin schon fast auf dem Sofa eingeschlafen, als es endlich klingelt. Meine Freundin braucht gefühlte Ewigkeiten bis in den dritten Stock und sie hat deutlich zu viel getrunken. „Sorry, sorry, sorry. Ich wusste echt nicht wohin und ich hoffe ich mache keine Umstände.“ Ich sage nur, dass ich jetzt wieder schlafen gehe und drücke ihr eine Decke und ein Kissen in die Hand. „Danke.“

Am nächsten Morgen wache ich auf und darf mir anhören, wie viel Spaß sie mit Lara hatte, wo sie überall waren (und ich nicht) und dass ich die Rettung in der Not war. Ich fühle mich kurz wie Mutter Theresa und fange an, darüber nachzudenken, warum ich mich so oft wie die Ersatzfreundin fühle. Ich habe nicht sonderlich viele Freunde, aber dafür sehr gute, für die ich viel mache und die meiste Zeit macht es mir auch nichts aus. Aber irgendwann ist es dann auch mal genug.

Manchmal frage ich mich, ob ich nur die Person bin, die fürs Zuhören gerade vor Ort ist. Die nur gefragt wird, ob man mit Essen gehen will, weil der anderen Person gerade langweilig ist und ihr jemand abgesagt hat, die das Essen erstmal bezahlt, weil das Restaurant keine Kartenzahlung anbietet und sie mal wieder vergessen hat Geld zu holen und dann auch vergisst mir das Geld wieder zu geben.

Meine Probleme sind die meiste Zeit egal. Ich höre ihr die meiste Zeit gerne zu, aber mittlerweile ist es mir egal, ob Tim ein netter Typ ist, dass sie mit Ryan nicht mehr spricht, „weil er ein Opfer ist“, wie sie sagt, und warum Katha zur Schauspieluni geht.

Ich erzähle nicht, dass ich am liebsten meinen Job kündigen will, dass ich mich auf Tinder angemeldet habe, weil ich sonst wohl nie jemanden kennen lernen würde, und dass ich heimlich in jemanden verliebt bin, der aber nicht in meiner Liga ist, den ich aber doch irgendwie jede Woche sehe. Irgendwann habe ich aufgehört über bestimmte Themen zu sprechen, weil ich von ihr keine richtige Antwort bekommen habe, außer ein „Ja, musst du selber wissen, aber ich würde es nicht so machen.“ Es ist einfach nur noch anstrengend. Ich gebe auf und höre ihr zu, wie immer.

Ein anderes Mal wollen wir zusammen auf ein Konzert gehen. Eine andere Freundin und ich fahren schon los, weil sie sich noch fertig machen muss. Alles kein Problem. Als sie endlich da ist, ist das Konzert fast vorbei, sie ist mega genervt, weil ihr warm ist und ich fühle mich schuldig, weil ich wollte, dass sie mitkommt. Wir gehen kurz vor die Tür. Ich spreche die schlechte Stimmung nicht an, weil es das nur noch verschlimmern würde. Kurze Zeit später treffe ich einen Freund, erzähle ihm, dass Madam mal wieder einen kleinen Diva-Auftritt hatte und sie bekommt es mit.

„Warum erzählst du ihm denn alles? Kannst du nichts für dich behalten?“ Ich denke mir nur: „Er hört mir, im Gegensatz zu dir, zu.“ Wenigstens ist sie jetzt nicht mehr die Einzige, die genervt ist. Ich verschwinde auf die Toilette und will nur noch nach Hause. Ich versuche das Beste aus der Situation zu machen und frage, ob wir drei wieder reingehen wollen.

Drinnen werden Neue-Deutsche-Welle-Songs von zwei verkleideten Männern gesungen, zwei Typen diskutieren lautstark mit dem Barpersonal, keine Ahnung, wer was geklaut haben soll, die Musik ist viel zu laut, das Licht viel zu dunkel, und ich bekomme tierische Kopfschmerzen. „Wollen wir gehen“, schlägt Sam vor. „Ja, ich habe auch kein Bock mehr.“ „Immer müsst ihr entscheiden!“ „Willst du denn noch bleiben?“, frage ich sie.

Es entbrennt eine Diskussion, wer was wann wo wie entschieden hat und ich sage nur, dass sie gerne bleiben kann und ich nach Hause gehe. Wir müssen denselben Heimweg nehmen und schweigen uns die ganze Fahrt über an. Was für eine tolle Party. Der Award für die mieseste Stimmung geht definitiv an diesen Abend. Am Tag darauf sagt sie nur: „Sprich bitte nicht mehr mit ihm über mich!“ Wow, jetzt verbietet sie mir schon, mit wem ich über was spreche. Als ob es immer nur um sie gehen würde.

Ich habe das Gefühl, dass ich immer nur dann gut genug ist, wenn niemand anderes gerade verfügbar ist. Bin ich tatsächlich nur ein Ersatz? Ich google das Wort. Ersatz. 61.500.000 Ergebnisse. Scheinbar wurde schon viel ersetzt. Die erste Definition, die auftaucht, bestätigt meine Theorie. „Person, Sache, die anstelle einer anderen Person oder Sache eingesetzt wird oder werden kann, deren Funktion übernimmt.“ Ich fühle mich wie ein Ersatz und bin sogar einer. Vielleicht beginne ich gleich nach meiner Recherche einen Ersatz für diese Freundin zu finden.

Die Fotografie stammt von Dario Valenzuela
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Einsam durch Technik: Das Internet ist schuld an meiner Depression

Das Blöde an einer Depression ist ja, dass sie schleichend kommt. Und dass man sie nicht wahrhaben will, bevor es zu spät ist. Schließlich ist heute quasi jeder über 14 depressiv. Früher war man traurig oder hatte Liebeskummer oder war einfach nur in der Pubertät - heute ist man depressiv. Depressio...
Einsam durch Technik: Das Internet ist schuld an meiner Depression

Einsam durch Technik

Das Internet ist schuld
an meiner Depression

Marcel Winatschek

Das Blöde an einer Depression ist ja, dass sie schleichend kommt. Und dass man sie nicht wahrhaben will, bevor es zu spät ist. Schließlich ist heute quasi jeder über 14 depressiv. Früher war man traurig oder hatte Liebeskummer oder war einfach nur in der Pubertät – heute ist man depressiv. Depressionen sind zu einer wahren Volkskrankheit verkommen, die viele Leute nicht ernst nehmen – und am wenigsten man selbst.

Ich wollte nie depressiv sein. Und selbst, wenn man gespürt hat, dass man nicht nur unausgeglichen oder betrübt oder über einen längeren Zeitraum hinweg seltsam drauf war, sondern dass das mehr als nur eine emotional niedrige Phase sein muss, dann wollte ich alles, nur nicht depressiv sein. Weil es heute quasi fast schon in Mode ist, an Burnout oder dunklen Gedanken zu leiden.

Wer mit nichts anderem mehr auf sich aufmerksam machen kann, der wird eben lauthals depressiv. Am besten erfindet man gleich einen ganzen Hashtag, mit dem man der Welt da draußen zeigen kann, dass man jetzt offiziell mental nicht mehr auf der Höhe ist. „Du bist gut drauf? Schön für dich, also ich bin depressiv!“

Wie fette Leute stolz darauf sind, sich zum Abendessen zwei Familienpizzen reinzuschieben und sie für ihren individuellen Lebensstil gefälligst auch noch respektiert werden wollen, so sind Depressive fast schon stolz darauf, einen an der Klatsche zu haben. „Ich kann nicht arbeiten, ich habe Burnout!“, rufen sie dann jedem zu, der es hören will – oder eben nicht. Und ich wollte nicht zu diesen Menschen gehören. Niemals! Vielleicht bin ich ja depressiv, dachte ich mir, aber sicherlich möchte ich eines nicht sein: Stolz darauf.

Anstatt wie es sich gehört, zu einer Therapie zu gehen und sich seinen gleichgültig dahin dümpelten Gedanken, ohne jede Höhen und Tiefen, zu stellen, wollte ich mich selbst aus der Umarmung dieses emotionalen Tiefs befreien. Das ging natürlich komplett nach hinten los. Immer und immer wieder. über Jahre hinweg versuchte ich herauszufinden, wie ich mein Leben um meine Depression herum bauen kann, so dass dieses große, schwarze Loch in der Mitte einfach brav vor sich hin löchern kann, während ich versuche, mich selbst drumherum zu jonglieren.

Ich löschte Social Media, weil ich irgendwo im Internet las, dass es einen glücklicher und befreiter machte, wenn man nicht mehr ständig abwechselnd auf Instagram, Twitter und Tinder guckte. Und Facebook ist eh böse, also weg damit. Ich löschte WhatsApp, Telegram und Messenger weil ich nicht vier Chats gleichzeitig nutzen wollte und die meisten Bekannten auf WhatsApp eh nur blöde Gifs und uralte Memes teilten und darüber auch noch lachten, während ich mein Handy nur gegen die Wand hauen wollte. Und ich löschte all meine Computerspiele vom Laptop, weil ich dachte, ich wäre jetzt zu alt für diesen Scheiß und müsste mich endlich meinem Alter gerecht verhalten.

Also saß ich ab jetzt vor meinem leeren Laptop und meinem noch leereren Handy und war mir sicher, dass sich mein Leben jetzt wieder zum Guten wenden würde, nein, müsste. Schließlich hatte ich alle Tipps und Tricks, die das Internet für jemanden, der quasi im Internet lebt, bereit hielt, befolgt. Außer natürlich diejenigen, dass man zu seiner Depression stehen und endlich zum Therapeuten gehen muss. So ein Quatsch, dachte ich mir, die Technik hat mich schließlich depressiv gemacht, also kann sie mich auch wieder glücklich machen.

Ohne Facebook, WhatsApp & Co. vereinsamte ich zwar zusehendst, aber ich wusste ja, dass das nicht leicht werden würde. „Mark Zuckerberg hat keine Macht über mein Sozialleben!“ war mein neues Mantra. Und während alle anderen draußen am Fenster vorbei liefen, Sprachnachrichten in WhatsApp brüllten, gephotoshoppte Urlaubsbilder auf Instagram likten und Fake News auf Facebook teilten, fühlte ich mich zwar allein, aber trotzdem klüger als alle anderen.

Ihr Idioten, dachte ich mir dann, nutzt immer noch Technik, die euch verrät, verarscht und für dumm verkauft – wie unterbelichtet muss man sein? „Ha, ha, ha!“ lachte ich mich einsam in den Schlaf und war mir sicher, dass es alles besser werden würde, dass ich meine Depression besiegt hatte, indem ich Apps von meinem Telefon löschte.

Ich würde euch jetzt gerne erzählen, dass ich natürlich ein kluger Mann bin und längst gemerkt habe, dass das nicht der richtige Weg ist, dass ich mich bereits vor Monaten, nein, Jahren beim Therapeuten angemeldet habe und mir dort meine Probleme von der Seele plaudere. Aber dem ist nicht so.

Anstatt das Logische zu tun, war ich lieber damit beschäftigt, Facebook alle paar Tage zu löschen und mich wieder dort anzumelden, meine Musiksammlung zu Tode zu ordnen und mich im Privatsphären-Subreddit mit Ängsten zu versorgen. Irgendwo in den Tiefen des Internets, dachte ich mir, muss schließlich die Lösung liegen. In irgendeinem Blog, in irgendeinem Forum, in irgendeinem Meme, in irgendeinem YouTube-Video.

Doch da war nichts. Außer noch mehr Verunsicherungen und Menschen, die einsam, allein und depressiv waren. Und je mehr ich im Internet lese, schaue und höre, desto mehr dämmert mir eine Wahrheit, die ich nicht wahrhaben möchte, weil sie mich aus meinem jahrzehntelange gesponnenen Kokon reißen würde: Dass Technik zwar ein, wenn nicht gar der Grund für meine Depression, aber niemals ein Heilmittel sein kann.

Doch wenn ich eines gar nicht leiden mag, dann sind es Logik und Realität. Das Blöde an einer Depression ist ja, dass sie schleichend kommt. Und dass man sie nicht wahrhaben will, bevor es zu spät ist. Noch blöder ist es allerdings, wenn man sie zwar endlich einsieht, aber nichts macht, um sie wirkungsvoll zu bekämpfen und stattdessen weiter eine nicht vorhandene Lösung im Internet sucht…

Die Fotografie stammt von Stefan Spassov
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Digitale Revolution: Blogger sind die besseren Journalisten

Ich wollte mal „was mit Medien machen“. Frauenzeitschriften, so was in der Art. Bisschen reisen, bisschen schminken, seine eigenen nutzlosen, oberflächlichen Gedanken als tiefschürfende Philosophie verkaufen – klingt doch gut, oder? Ja, tut es. Zumindest wenn man bei sich zuhause zahlungswillige Elt...
Digitale Revolution: Blogger sind die besseren Journalisten

Digitale Revolution

Blogger sind die
besseren Journalisten

Nina Ponath

Ich wollte mal „was mit Medien machen“. Frauenzeitschriften, so was in der Art. Bisschen reisen, bisschen schminken, seine eigenen nutzlosen, oberflächlichen Gedanken als tiefschürfende Philosophie verkaufen – klingt doch gut, oder? Ja, tut es. Zumindest wenn man bei sich zuhause zahlungswillige Eltern sitzen hat, die einem mit Freude das monatliche Gehalt mit Taschengeld ersetzen. Und das nicht nur während der fünf Jahre Studium, sondern auch noch danach, während der zwei bis fünf unbezahlten Praktika bei Print und Digital, Fernseh- und Radiosendern.

Dem Journalismus geht’s schlecht? Wen wundert’s? Am Ende kriegen nur die Vollidioten den Job, deren Eltern im Hintergrund am längsten zahlen. Der Rest, der einigermaßen was in der Birne hat, sitzt schon lange nicht mehr in tristen Großraum-Redaktionen, in denen es ähnlich kreativ zugeht wie in der städtischen Sparkasse, sondern ist in den Blogs zu finden. So bleiben dem klassischen Journalismus nur noch die Leute, die sich kriecherisch-duckend für das Praktikum oder den 450-Euro-Aushilfsjob bedanken. Ist ja auch geil, 20.000 Euro für’s Studium verprasst und gleich so ein krasser Karrierestart, gratuliere euch.

Wobei das Wort „Studium“ vielleicht auch nicht gerade das richtige Wort ist, für den Bildungsweg der 2.0-Journalisten. Wer später mal beim typischen Unterhaltungs-, Mode– und People-Journalismus landen will, studiert längst nicht mehr einfach Medien- und Kommunikationswissenschaften, Journalismus oder Publizistik. Wer schafft denn bitte auch schon den N.C. von 1,0, der dafür verlangt wird? Da müsste man ja voll schlau sein und so.

Ist ja aber auch gar nicht nötig, gibt ja genügend private Akademien, an denen man für so Lifestyle-mäßig-klingende Studiengänge wie „Modejournalismus“, „Communication“ oder „Trend-und Markenmanagement“ gezielt und schon bestens spezialisiert auf das spätere Medium vorbereitet wird.

Schade nur, dass von den gefühlten 100.000 privaten Akademien, die sich wohl mal eben dachten: „Ey, lass mal ‘ne Schule gründen und neue Studiengänge ausdenken, mal schauen wer’s glaubt…“, nur wenige Absolventen gebraucht werden. Und ärgerlich, dass die Abschlüsse nicht immer staatlich anerkannt sind. Der Preis ist dafür ganz real: satte 450 bis 600 Euro muss man im Monat mindestens hinblättern – so viel, wie man an staatlichen Universitäten gerade mal im Semester bezahlt.

Das ist aber egal, denn Mama und Papa machen das schon – und wenn’s hilft… Tut es aber nicht, zumindest nicht der Karriere. Man könnte ja eigentlich denken, dass Magazine, Fernsehen und Co. sich dankbar dafür zeigen, dass ihre zukünftigen Mitarbeiter für ihre Ausbildung so viel auszugeben wie andere für einen Kleinwagen

Ist ja eigentlich ganz nett, wenn man bedenkt, dass andere Arbeitgeber so schön blöd sind, ihre Azubis sogar zu bezahlen. Aber nein: Das Studium an einer Privatakademie ist noch lange nicht das Ende der Ausbildung.

Warum sollte man auch den 28-jährigen Studienabsolventen, deren Eltern es ganz offensichtlich geschafft haben, die letzten 10 Jahre den Lebensunterhalt der lieben Kinder zu stemmen, so etwas Essenzielles wie ein Volontariat oder gleich eine Anstellung als Redakteur anbieten? Wäre jetzt ja viel zu plötzlich, so karrieremäßig durchzustarten. Da geht noch mehr.

Mehr Praktikum, darauf haben sich alle großen Medienkonzerne geeinigt: Ohne genügend Erfahrung darf man hier kein Praktikum machen. Und nein, „Erfahrung“ heißt nicht, dass man voller Herzblut für die Studentenzeitung geschrieben hat. „Erfahrung“ heißt, dass man Praktika bei mindestens einer Tageszeitung und bei einem Onlinemedium gemacht haben muss.

Je mehr desto besser, kostet dem Verlag dann ja auch viel weniger, seine Praktikanten einzuarbeiten. Davon gibt es nämlich regelmäßig neue, denn das Perverse ist, dass ein Praktikum schon lange nicht mehr den Einstieg ins richtige Berufsleben bedeutet. Ein Praktikum öffnet allemal die Tür zum nächsten Praktikum.

Irgendwie spricht es nicht gerade für Journalisten, Leute, die uns Wissen und Erfahrungen vermitteln wollen, dass sie dankbar nickend zustimmen, wenn sie nach beendeten Studium und bereits zwei absolvierten Praktika ihre neue, alte bekannte Position antreten: Praktikant, was sonst. Es spricht auch nicht für Journalisten, die per se selbstbewusst ihre eigene Meinung vertreten sollen, dass sie sich freiwillig dermaßen von ihren Eltern oder anderen Geldgebern abhängig machen.

Überhaupt sollten sich Medienhäuser fragen, wen sie am Ende anziehen. Mag nämlich sein, dass Journalisten, die mit viel Herzblut dabei sind, eine lange Ausdauer beweisen – aber selbst für solche Menschen spricht es nicht, sich bereitwillig unter Wert zu verkaufen.

Ich will damit nicht sagen, dass alle Leute, die heutzutage noch in den klassischen Medien arbeiten wollen, zwangsweise dumm sind. Trotzdem haftet Menschen, die ihre eigene Bildung und Arbeit nicht wertschätzen, aus Angst, das unterbezahlte Praktikum an einen der anderen zwanzig Anwärter zu verlieren, etwas von einem Schaf an. Die Herde – der Großteil der willigen “Journalisten“ und „Redakteure“ 2.0 würde es mit sich machen lassen. Also lässt man es selbst auch mit sich machen.

Besonders freundliche Medienhäuser ködern die willigen Schafe mit der Aussicht auf ein Volontariat. Bescheid kriegt man – wie sollte es auch anders sein – natürlich erst nach dem mindestens dreimonatigen absolvierten Praktikum. Ah ja. Dass man Praktikanten bevorzugt, die bereit sind, sich ganze sechs Monate für das Gehalt eines Minijobbers krumm zu machen, um am Ende davon nicht mal das eigene Essen zahlen zu können, versteht sich von selbst, oder?

Manche Verlage sind sogar noch schlauer: Ganz nach dem Vorbild der Medienakademien gründen sie hausinterne Journalistenschulen. Praktikanten, die mit 28 Jahren immer noch nicht ihren eigenen Lebensunterhalt bestreiten können, müssen ja nicht den ganz großen Sprung ins Volontariat machen. Die geben sich bestimmt auch mit einem Platz an der hausinternen Journalistenschule zufrieden. Da darf man dann zwei Jahre lang als Schüler ganz legal ausgebeutet werden. Knapp 1.000 Euro monatliches Gehalt für die 40-Stunden-Woche, ist das nicht toll?

Die Absolventen bringen die richtige Einstellung dann auch gleich gratis mit: Für die eigene Meinung einstehen? Viel zu anstrengend. Neues ausprobieren? Warum denn, wenn man doch Altes so schön neu aufbereiten kann? Jetzt mit der lang ersehnten Anstellung als Junior-Redakteur und dem ersten Gehaltscheck muss man ja auch irgendwie flüssig bleiben.

Und so gibt es wohl nicht einen Mac, in keiner einzigen Redaktion, bei dem die Blogs Ohhhmhhh, Lilies Diary oder Journelles nicht in der Favoriten-Liste eingespeichert sind. Ist doch super, wie die Blogger-Mädels dort Dinge testen, die man dann, ein bis zwei Wochen verspätet, schön zitieren kann, das Ganze gespickt mit fremden Gedanken, die den Redakteuren, leidenschaftslos und mittelintelligent, so nie in den Sinn kommen würden.

Lieber Journalismus, du sparst dadurch natürlich gewaltig. Statt deine Angestellten tariflich zu bezahlen, setzt du halt einfach ein paar Praktikanten und Daddy’s Girls hin, die machen das schon. Dabei übersiehst du regelmäßig euren treusten Mitarbeiter: Das Echo, das in jedem eurer Artikel mitschwingt und schon vom nächsten Ruf der Blogger übertönt wird. Gratuliere, lieber Journalismus, so schaufelst du dir wirklich selbst ein Grab.

Die Illustration stammt von Lime und Icons8
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Kneipen, Fummeln, Nostalgie: Kleinstadtgedanken

Kleinstädte tragen ihren Namen nicht ohne Grund. Und jedes auch nur irgendwie erdenkliche Vorurteil über sie ist wahr. Jeder kennt jeden. Die Inzestrate ist überdurchschnittlich hoch. Die Tageszeitung, die sich meist gleich über mehrere Dörfer und Wiesen erstreckt, berichtet bevorzugt über den 75. G...
Kneipen, Fummeln, Nostalgie: Kleinstadtgedanken

Kneipen, Fummeln, Nostalgie

Kleinstadt
gedanken

Marcel Winatschek

Kleinstädte tragen ihren Namen nicht ohne Grund. Und jedes auch nur irgendwie erdenkliche Vorurteil über sie ist wahr. Jeder kennt jeden. Die Inzestrate ist überdurchschnittlich hoch. Die Tageszeitung, die sich meist gleich über mehrere Dörfer und Wiesen erstreckt, berichtet bevorzugt über den 75. Geburtstag des Gartenvereins oder fotografiert kleine Kinder dabei, wie sie den dritten Platz im regionalen Taekwondo-Turnier gewonnen haben. Total exotisch und so. Und in so einer Umgebung muss sich irgendwann jeder eine Frage stellen: Bleiben – oder gehen?

Meine Kleinstadt heißt Buchloe. Sie liegt in Bayern, irgendwo zwischen Augsburg, Landsberg am Lech und Kaufbeuren. Wenn euch das etwas sagt. Und als es eigentlich schon fast zu spät war, habe ich mich dazu entschieden zu gehen. Nach Berlin. In die große weite Welt. Um etwas anderes aus meinem Leben zu machen, außer meine Freundin zu heiraten, mit ihr in ein Einfamilienhaus auf dem Acker ihres Vaters zu ziehen und danach fleißig kleine FC-Bayern-Fans zu zeugen. Ein anderer Lebensstil ist dort drüben schließlich nicht gern gesehen.

Wenn ich heute an Weihnachten oder Ostern nach Hause komme, um meine Familie zu besuchen, dann fühle ich mich überlegen. Weil ich es geschafft habe. Rede ich mir zumindest selbst ein. Raus aus dem blauweißen Einerlei, hinein in die schnelllebige Welt, bestehend aus Partys, Drogen und Z-Promis. Oder zu Hause herumsitzen und sich einen runterholen, weil man ja im Zentrum der deutschen Macht sitzt. Gleich neben dem Fernsehturm und diesem Typen, der ständig irgendwas von Ischen, Muckefuck und Jummilutscha durch den Kiez brüllt.

Es gibt gute Gründe, warum ich meine Freunde in dieser öden Idylle zurückgelassen habe. Geld ist einer. Abwechslung. Perspektive. Großstadtflair. Solche Begriffe eben. Und oft habe ich gar keine Zeit darüber nachzudenken, wie mein Leben wohl ausgesehen hätte, wenn ich damals nicht weggegangen wäre. Vor knapp fünf Jahren. Diese Frage stellt sich irgendwann jeder einmal. Und manchmal holt sie einen ein.

Dann sitze ich spät nachts mit einer Flasche Wein vor dem Facebook-Stream und klicke mich durch bekannte Gesichter, die sich für ein Leben im Einerlei entschieden haben. Oder einfach zu faul waren wegzugehen. Sie feiern Fasching zusammen, sind alle ein wenig älter und dicker geworden. Aber sie lachen und trinken und scheinen nicht zu bereuen, dass sie nicht hunderte, gar tausende Kilometer weit weg gezogen sind, um woanders ihr Glück zu suchen. Und damit womöglich das Risiko einzugehen, gebrochen und pleite zurückzukehren.

Sie gehen geduldig ihrem Achtstundenberuf im Getränkemarkt oder Altenheim nach, freuen sich über den McDonald’s 20 Kilometer weiter und treffen sich abends für abends in der Stammkneipe. Oder wenn es mal etwas wasted zugehen soll, dann fahren sie eben in die Großraumdisco ein paar Dörfer weiter. Wo sie dann zu David Guetta abgehen oder dem Bachelor zujubeln. Denn kennt man ja von RTL.

Manchmal vermisse ich diese Menschen. Klar, das sind genau diejenigen, die jeden Tag brav auf Facebook ihre Glücksnuss öffnen. Und uns zu solch sinnlosen Apps wie dem Geburtstags-Kalender einladen. Oder Fotos von gequälten Hundebabys posten und darunter “Wen ich den erwische schneide ich ihn den Pimel ab!!” schreiben. Wie man das halt so macht. In Bayern.

Aber dann überkommt mich doch die Nostalgie und ich denke daran zurück, wie wir uns im warmen Sommerregen mit Jägermeister betranken. Vor einer dieser Holzhütten, aus der laut Groove Coverage ertönte. Wie wir in einen Wohnwagen eingebrochen und von den Besitzern heraus geprügelt worden sind, nur um am nächsten Tag als randalierende Jugendliche in der Zeitung zu stehen. Wie Jule und ich um Mitternacht auf der kleinen Holzbank am Bach saßen und sie sich auf mich drauf kniete. Um mir Sternschnuppen zu zeigen. Und zu fummeln.

Es macht mich manchmal depressiv zu sehen, dass diese Leute nach all den Jahren noch immer befreundet sind und miteinander ihre Zeit verbringen. Oder gar ein Paar sind, verheiratet, Kinder haben. Wir waren dumme Spasten mit Scheiße im Hirn, machten Straßen, Felder, Schulen, Wälder, Seen, Wohnungen, Kneipen, Keller, Zimmer und Betten unsicher. Und sie sind immer noch zusammen. Und ich bin weg. Ganz weit weg. Um vier Uhr morgens, mit einer Flasche Wein in meiner Hand, finde ich das irgendwie traurig.

Und obwohl ich die Antworten darauf eigentlich ganz genau weiß, stelle ich mir dann selbst ein paar Fragen, bevor ich endlich unruhig einschlafe. Wäre mein Leben in der Kleinstadt so schlimm gewesen? War es das alles wert, um meine Freunde für immer aufzugeben? Was würde ich heute wohl machen, wenn ich nicht nach Berlin gegangen wäre? Pizzafahrer? Lagerfacharbeiter? Hartz-IV-Empfänger?

In irgendeinem Paralleluniversum sitze ich jetzt in meiner Kleinstadt und wundere mich, wie mein Leben wohl verlaufen wäre, wenn ich mich damals entschieden hätte fortzugehen. Dann schlage ich die Zeitung auf und lese vom 75. Geburtstag des Gartenvereins. Und freue mich, dass die kleinen Kinder den 3. Platz im regionalen Taekwondo-Turnier gewonnen haben. Total exotisch und so.

Die Fotografie stammt von Tom Rumble
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Tetsushi Tsuruki: Mädchen in Tokio

Für viele von uns ist Japan das Land der tausend Träume, ein fernes Paradies, in dem Hoffnungen wahr und Sorgen vertrieben werden. Die Realität ist in diesem Gedankenkonstrukt oft nur ein Hindernis, in unserer Fantasie erschaffen wir eine fernöstliche Parallelwelt, in der wir endlich glücklich sind...
Tetsushi Tsuruki: Mädchen in Tokio

Tetsushi Tsuruki

Mädchen
in Tokio

Marcel Winatschek

Für viele von uns ist Japan das Land der tausend Träume, ein fernes Paradies, in dem Hoffnungen wahr und Sorgen vertrieben werden. Die Realität ist in diesem Gedankenkonstrukt oft nur ein Hindernis, in unserer Fantasie erschaffen wir eine fernöstliche Parallelwelt, in der wir endlich glücklich sind – egal wie sehr die harten, kalten Fakten auch dagegen sprechen.

Denn Japan ist kein Wunderland, kein kunterbunter Fiebertraum, der Inselstaat am anderen Ende der Erde erscheint bei näherem Hinsehen als zerrissene Nation voller gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und auch im tiefsten Sinn menschlicher Probleme.

Der japanische Fotograf Tetsushi Tsuruki zeigt uns sein Heimatland von einer gänzlich ungeschminkten Seite. Keine Filter, keine falschen Erwartungen. Japan ist hier lediglich eine Kulisse, mit Menschen bestückt, die sich längst ihrer äußeren Hüllen, und damit dem sozialen Schutz, entledigt haben.

Tetsushi leuchtet mit dem Blitzlicht seiner Kamera tief in die humanen und zerbrochenen Seelen seiner Protagonisten. In diesem alternativen Paradies herrscht die Wahrheit in ihrer pursten kreativen Form. Wer hier überlebt, der weiß um die Herausforderungen seiner Umwelt.

In Tetsushis Realität sehen wir blutbeträufelte Hotelbettlaken, nackte Mädchen im Badewasser, den blauweißen Himmel über den niemals zu enden scheinenden Hochhäusern Tokios. Seine Reisen führen ihn in die hintersten, versteckten und von bloßem Auge schnell übersehenen Ecken einer Stadt, die niemals schläft, deren verschmutzte Reinheit erst nach dem Sonnenuntergang sichtbar wird.

Hinter den stumpfen, schwarzen Fenstern der mit Leuchtreklamen bestückten Fassaden verewigt er Momentaufnahmen eines Landes der tausend Träume, ein fernes Paradies, in dem Hoffnungen wahr und Sorgen vertrieben werden. Wenn man sich denn vollends bewusst ist, gegen welche Realität man seine eigene tauscht.

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Die Fotografie stammt von Tetsushi Tsuruki
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Mädchen in Texas: Ein Nachmittag mit Taylor Green

Alle paar Jahre überlege ich mir nun bereits, ob ich mir nicht auch mal ein Tattoo zulegen möchte. Zumindest ein kleines. So für den Anfang. Als Zwölfjährige wollte ich unbedingt schwarze Sterne auf dem Oberarm haben, aber meine Eltern hatten es mir verboten. Und das war wahrscheinlich auch besser s...
Mädchen in Texas: Ein Nachmittag mit Taylor Green

Mädchen in Texas

Ein Nachmittag
mit Taylor Green

Daniela Dietz

Alle paar Jahre überlege ich mir nun bereits, ob ich mir nicht auch mal ein Tattoo zulegen möchte. Zumindest ein kleines. So für den Anfang. Als Zwölfjährige wollte ich unbedingt schwarze Sterne auf dem Oberarm haben, aber meine Eltern hatten es mir verboten. Und das war wahrscheinlich auch besser so. Heute möchte ich mir vielleicht ein kleines Herz auf die Hand oder ein ungefülltes Dreieck auf dem Unterarm.

Taylor Green aus Austin im sonnigen Texas ist da offensichtlich schon ein Stückchen weiter. Die erdverbundene Liebhaberin der Pflanzen, der Tiere und gewisser übersinnlicher Spiritualitäten hat ihre kindlichen Anfangsängste überwunden und ist heute eine wahrlich wunderschön tätowierte Göttin. Arme, Beine, Oberkörper – überall finden sich kunterbunte Kunstwerke, die so manche persönliche Geschichte visuell erzählen.

Der ebenfalls in den USA geborene und auch dort arbeitende Fotograf Dalton Campbell durfte Taylor nun für das Self Control Magazine ablichten. Und zwar dort, wo es Miss Greenery nun einmal am besten gefällt: In der freien Natur. Und vielleicht hat mich Taylor Green mit ihren körperlichen Kunstwerken ja davon überzeugt, mir selbst bald ein Tattoo stechen zu lassen. Nur wo und was, das bleibt noch mein kleines Geheimnis…

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Die Fotografie stammt von Dalton Campbell
Als Model ist Taylor Green zu sehen
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Mädchen in Australien: Zuhause mit Kirby White

Es gibt zwei Dinge, die mich ganz besonders an Instagram nerven. Erstens: Dass es so süchtig macht, dass ich gar nicht merke, wenn ich eine halbe Stunde am Stück durch meinen Feed gescrollt bin und mir eine Story und ein Foto nach dem anderen gegeben habe. Und zweitens: Dass ich immer ein wenig f...
Mädchen in Australien: Zuhause mit Kirby White

Mädchen in Australien

Zuhause mit
Kirby White

Daniela Dietz

Es gibt zwei Dinge, die mich ganz besonders an Instagram nerven. Erstens: Dass es so süchtig macht, dass ich gar nicht merke, wenn ich eine halbe Stunde am Stück durch meinen Feed gescrollt bin und mir eine Story und ein Foto nach dem anderen gegeben habe.

Und zweitens: Dass ich immer ein wenig frustriert werde, wenn alle auf den Bildern viel schönere und aufregendere und tollere Leben habe als ich. Und, ja, ich weiß, dass die meisten Leute ihre vermeintlich so spontanen Schnappschüsse durch irgendwelche gecrackten Beauty-Apps jagen, aber trotzdem…

Kirby White zum Beispiel ist ein mehr als gechilltes Model aus New South Wales in Australien, dessen Instagram-Feed so nice und unaufgeregt, aber dennoch wunderschön ist. Sie chillt mit ihren Freunden am Strand, auf der Couch oder in der Dusche – und selbst diese sonst so banalen Aktivitäten sehen bei ihr so viel spannender und lebenswerter aus als bei mir.

Wenn ich in der Dusche stehe, kann ich froh sein, wenn ich nicht gerade auf der herunter gefallenen Shampooflasche ausrutsche und mir das Genick breche, während ich gleichzeitig darüber nachdenke, ob es jetzt in Ordnung ist, in der Dusche zu pinkeln oder nicht…

Der australische Fotograf David Collier findet Kirby wohl genauso toll wie ich, schließlich hat er das Down-under-Model zum Objekt seiner letzten Fotosession fürs Nakid Magazine gemacht. „Miss White“ heißt das Ganze und es zeigt Kirby bei ganz alltäglichen Aufgaben. Putzen, duschen, chillen, alles in irgendeinem hübschen Apartment auf dem inselhaften Kontinent.

Und was könnte die Fotos noch besser als entblößte Brüste machen? Genau: Pizza! Hach, Kirby, würde ich jetzt einen Flaschengeist finden und an ihm rubbeln, ich würde mir dreimal wünschen, dass ich mein schnödes Leben mit dir tauschen könnte…

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Gendersternchen: Was für ein*e Scheiß*e

Wir haben in letzter Zeit einige grammatikalisch fragwürdigen Leserbriefe erhalten, in der uns teilweise nicht sehr höfliche Individuen mehr oder weniger nett dazu aufforderten, doch gefälligst Gendergaps oder -sternchen in unseren Texten zu verwenden. Wenn ihr nicht wisst, was das ist, dann gehö...
Gendersternchen: Was für ein*e Scheiß*e

Gendersternchen

Was für ein*e
Scheiß*e

Marcel Winatschek

Wir haben in letzter Zeit einige grammatikalisch fragwürdigen Leserbriefe erhalten, in der uns teilweise nicht sehr höfliche Individuen mehr oder weniger nett dazu aufforderten, doch gefälligst Gendergaps oder -sternchen in unseren Texten zu verwenden.

Wenn ihr nicht wisst, was das ist, dann gehört ihr zu den letzten mental gesunden Menschen auf diesem Planeten. Und wenn ihr doch etwas mit ihnen anfangen könnt, dann habt ihr euch von einer aus dem Ruder gelaufenen Sprachkampagne fehlleiten lassen, deren einzige Daseinsberechtigung die Erfüllung eines kaum stillbaren Aufmerksamkeitsdefizits diverser Autoren ist, die ohne deren Verwendung vollkommen irrelevant wären.

Wenn man in Texten nicht Busfahrer und Busfahrerinnen, sondern Busfahrer*innen schreibt, dann sprechen Wissenschaftler und alle, die sich für welche halten, vom Gendersternchen. Einige feministische Blogs, linke Onlineforen und experimentelle Schülerzeitungen großer, deutscher Verlage verwenden sie, um zu zeigen, dass Sexismus auch im geschriebenen Wort keinen Einzug einhalten darf. Zumindest ist das die offizielle Stellungnahme, warum sie das machen.

Und weil Frauen immer noch weniger verdienen als Männer, weil der im Straßenverkehr nicht ganz ungefährliche Stecher einer der Kardashians jetzt keinen Penis mehr hat und weil es heutzutage 2913 Geschlechtsbezeichnungen, von denen einer ein Delfin ist, der im Körper einer homosexuellen Straßenlaterne in Bremen gefangen ist, gibt, sind Gendersternchen quasi nicht nur der gute Ton, sondern eine gesellschaftliche Pflicht.

Wir haben bei AMY&PINK lange, breit und ausführlich darüber diskutiert, ob auch wir nun endlich pseudomodern werden und ebenfalls die Gendersternchen in unseren Texten einführen sollen, nein, müssen, nein, dürfen. Und wenn ich lange, breit und ausführlich sage, dann meine ich damit, dass einer die Leserbriefe laut vorgelesen hat, während die anderen Pizza mit THC-Butter futterten und laut lachten. Das war dann auch schon die Antwort.

Es ist doch so: Gendergaps, -sternchen oder was auch immer es jetzt noch in dieser Form gibt, sind nicht nur unlesbar und sehen scheiße aus, sie werden auch noch von Menschen benutzt, denen es nicht um den Delfin, der im Körper einer homosexuellen Straßenlaterne in Bremen gefangen ist, geht, sondern lediglich darum, sich in der Öffentlichkeit zu profilieren und zu zeigen, wie modern und liberal man doch ist.

Wer Gendersternchen in seinen Texten verwendet, der fordert auch eine Frauenquote in der Prostatakrebs-Selbsthilfegruppe, der spricht auch chinesische Touristengruppen auf Deutsch an, weil es ja sein könnte, dass sie gar nicht aus Peking, sondern aus Bottrop-Kirchhellen kommen, der trägt auch ein „Black Lives Matter“-T-Shirt, obwohl er noch nie einen Schwarzen gesehen hat, der fragt auch beim Masturbieren um eine schriftliche, vom Notar bestätigte Erlaubnis, weil es ja sein könnte, dass sein Körper gerade keine Lust darauf hat, unsittlich berührt zu werden.

Die ideologisch überkompensierende Gegenreaktion, zu der die Gendersternchen zweifellos zählen, ist zu einem gesellschaftlichen Stigma verkommen, das von der AfD dazu benutzt wird, mehr oder weniger besorgte Bürger davon zu überzeugen, dass Ausländer ihre Blondinen vögeln und Jobs übernehmen, dass sie die Bundeskanzlerin ins Mittelmeer abschieben müssen, damit sie weiterhin ungestört Frontalkraft, Sleipnir und Absurd im nahegelegenen Bierzelt hören können, und dass die Erde eigentlich flach ist – woran wahrscheinlich die USA schuld sind. Oder ein Flüchtling. Aber auf gar keinen Fall Russland.

Einige Medien haben sich deshalb dazu entschieden, alles in ihrer Macht stehende zu tun, um sich so weit wie möglich von diesen im wahrsten Sinne des Wortes verrückten Leuten zu distanzieren, egal, ob das nun gut für den Leser ist oder eben nicht. Ihnen geht es scheinbar nur noch darum, nach außen hin zu zeigen: Seht her, wir sind das genaue Gegenteil von AfD, Pegida und der Identitären Bewegung. Und von Hitler.

Sie wiederholen zwölf Mal am Tag, dass Frauen in der Welt ungerecht behandelt werden, und erreichen durch diese ständig gleiche und monotone Aussage lediglich, dass es nur noch diejenigen interessiert, die sowieso schon ihrer Meinung sind. Sie katapultieren sich dadurch in eine Meinungsblase, aus der sie nicht mehr heraus kommen und in der sie nur noch die Bestätigung von sich selbst und einigen Klonen erhalten.

Wenn ich meinen Freunden erzähle, dass männliche Küken in den ersten Minuten ihres Lebens in den Häcksler wandern, weil sie keine Eier legen, dann sind sie schockiert und denken vielleicht sogar über dieses Thema nach. Wenn ich ihnen das jede halbe Stunde erzähle, zünden sie mich wahrscheinlich nach einer Woche an, damit ich endlich die Klappe halte. Wahrheiten sind auch wahr, wenn man sie nicht zu Tode repetiert.

Gendersternchen sind nicht nur unleserlich, bescheuert und werden von Menschen verwendet, die sich geil fühlen, weil sie so viel besser und klüger und moderner sind als der Rest der Welt, sie schrecken auch Leute ab, die sonst womöglich offen für neue Impulse, Gedanken und Ideen gewesen wären. Das ist nicht nur schade, sondern auch einer der größeren Gründe, warum wir uns gegen ihre Verwendung entschieden haben.

Wahrscheinlich kommt sowieso irgendwann raus, dass Gendergaps und -sternchen nur ein ziemlich schief gelaufener Aprilscherz eines Frauen hassenden und Chemtrails fürchtenden Flatearther-Nazis gewesen sind, der sich auch heute noch darüber schief und kantig lacht, dass Feministen diesen grammatikalischen Verkehrsunfall tatsächlich ernsthaft in ihren sich ständig wiederholenden Manifesten verwenden.

Wenn ihr also, warum auch immer, darauf gehofft habt, dass wir bei AMY&PINK in naher Zukunft Gendergaps oder -sternchen verwenden, dann muss ich euch leider enttäuschen. „Liebe Leser*innen“ werdet ihr in nächster Zeit nicht bei uns lesen. Ob ihr das nun gut findet oder nicht, liegt natürlich ganz bei euch. Aber irgendetwas sagt mir, dass die meisten Leser von AMY&PINK mit uns einer Meinung sind. Und das zurecht.

Gendersternchen sind nämlich nicht nur unnötig, sondern auch noch störend. Die deutsche Sprache legt genügend Mittel bereit, um genderneutrale oder genderinklusive Aussagen zu treffen, da braucht es keine verkünstelten Versuche mit Sternchen, Unterstrichen oder seltsamen Kombinationen aus Klein- und Großbuchstaben, um das zu erreichen.

Gendersternchen sehen nicht nur scheiße aus, sie erreichen auch das genaue Gegenteil einer sprachlichen Gleichstellung, weil sie die Frau mit einem Stern vom vorher genannten Mann abgrenzen und nach hinten schieben, fast so, als dürfe sie in einem metaphorischen Bus nur auf den letzten Plätzen sitzen.

Und wenn ihr mich jetzt für einen Sexisten, Rassisten oder, warum auch immer, einen Bolschewisten haltet, dann lasst mich euch an dieser Stelle mitteilen, dass auch die Gesellschaft für deutsche Sprache meiner Meinung ist, die ausdrücklich davon abrät, das Gendersternchen und ähnlich problematische Formen zu verwenden, denn, und ich zitiere, „die orthografische und grammatische Richtigkeit und Einheitlichkeit, Lesbarkeit und die Verständlichkeit eines Textes stünden an erster Stelle“. Natürlich.

Die Illustration stammt von OpenMoji
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NoFap: Nie wieder Wichsen

Mein bester Freund hat mir letztens bei einem nachmittäglichen Kaffee erzählt, dass er bis zu fünfmal am Tag onaniert - und ihn das fertig macht. Er wacht morgens auf und holt sich einen runter, geht in der Uni aufs Klo und holt sich einen runter, trifft sich mit Freundinnen und holt sich davor eine...
NoFap: Nie wieder Wichsen

NoFap

Nie wieder
Wichsen

Daniela Dietz

Mein bester Freund hat mir letztens bei einem nachmittäglichen Kaffee erzählt, dass er bis zu fünfmal am Tag onaniert – und ihn das fertig macht. Er wacht morgens auf und holt sich einen runter, geht in der Uni aufs Klo und holt sich einen runter, trifft sich mit Freundinnen und holt sich davor einen runter, geht schlafen und holt sich einen runter und wacht mitten in der Nacht auf und holt sich einen runter.

Da ihn das nicht nur Zeit, sondern auch Kraft kostet, hat er sich dazu entschieden, nicht mehr zu wichsen. Um das in die Realität umzusetzen, hat er sich in einem Subreddit namens NoFap umgesehen. Hier helfen Jungs sich dabei, ihr aus dem Ruder gelaufenes Onanieverhalten in den Griff zu bekommen. Schließlich kann schon der Abdruck eines Nippels unter einem T-Shirt ausreichen, damit die Palme gewedelt werden muss.

„Wenn Donald Trump Präsident werden kann, dann kann ich auch aufhören zu wichsen!“, schreibt zum Beispiel ein anonymer Handanleger. „Ich habe seit 90 Tagen nicht onaniert und fühle mich großartig!“, ein anderer. Und: „Dank meiner eigenen Enthaltsamkeit habe ich mir meinen Traum erfüllt und bin Feuerwehrmann geworden!“ Nicht schlecht! Wenn also auch ihr euch Zeit, Energie und womöglich auch Geld sparen wollt, dann wisst ihr ja jetzt, wo ihr eure Reise beginnen solltet. Mal sehen, wie lange mein bester Freund durchhält. Die Wetten laufen jedenfalls bereits…

NoFap: Nie wieder Wichsen
Die Fotografie stammt von Charles Deluvio
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Ein Tag in Tokio: Die schönste Stadt der Welt

Geblendet von den kunterbunten Lichtern und Lost in Translation wie einst Scarlett Johansson und Bill Murray, wird ein Besuch in Tokio eure Erwartungen zweifelsfrei übertreffen. Denn hinter jeder Ecke lauert ein neues Wunder, eine neue Überraschung, ein neues Abenteuer. Die Stadt ist ein riesiges, i...
Ein Tag in Tokio: Die schönste Stadt der Welt

Ein Tag in Tokio

Die schönste
Stadt der Welt

Annika Lorenz

Geblendet von den kunterbunten Lichtern und Lost in Translation wie einst Scarlett Johansson und Bill Murray, wird ein Besuch in Tokio eure Erwartungen zweifelsfrei übertreffen. Denn hinter jeder Ecke lauert ein neues Wunder, eine neue Überraschung, ein neues Abenteuer. Die Stadt ist ein riesiges, intensives, sich ständig weiter ausbreitendes und auch atmendes Tentakelmonster aus Kunst, Kultur und Menschen, eine bizarre Kombination aus Tradition und extremer Modernität an einem Ort, der rund um die Uhr von Leben wimmelt.

Tokio ist so groß, dass es schwer zu verstehen ist, vor allem als Besucher, und doch ist das U-Bahn-System seltsam logisch. Wenn ihr euch erst einmal damit vertraut gemacht habt, wird es zu eurem unterirdischen Eingangstor zur Erkundung der lauten und manchmal sogar ruhigen Metropole.

Macht euch bereit für leckeres Essen, Shopping in allen Facetten, aufregendes Theater, feuchtfröhliches Nachtleben, majestätische Sehenswürdigkeiten, und überall Geräusche und Lichter, wie ihr sie noch nie zuvor gesehen habt. Kommt mit einer vollen Brieftasche und einem voll aufgeladenen Akku und macht euch bereit, die schönste Stadt der Welt zu erkunden.

Das Essen in Japan ist ein so wichtiger Teil der Kultur und so gut, dass man das Land buchstäblich nur zum Essen besuchen könnte. Der beste Ort, um ein schmackhaftes japanisches Essen zu bekommen, ist ein Izakaya. Das entspricht einer japanischen Kneipe, in der man von Sashimi über Tempura bis hin zu unglaublichem japanischen Kartoffelsalat alles bekommen kann. Jeder hat sein Lieblingsrestaurant, und meines ist das Touhachi in Nakameguro, das eine Station von Shibuya aus zu finden ist.

Für Fischliebhaber gibt es auf dem Markt in Toyosu die berühmten Thunfischauktionen, die für die Öffentlichkeit, meist Touristen, um fünf Uhr morgens geöffnet sind. Wenn ihr keine Lust darauf habt, euch mit anderen Touristen durch die Hallen zu quetschen, dann geht lieber gegen 17 Uhr zu den Märkten am Bahnhof Okachimachi, wo die Einheimischen um die besten Preise feilschen, da die Fischverkäufer Restbestände verkaufen. In der Nähe gibt es Izakaya-Lokale der alten Schule, wo ihr, wenn die Fischer einen guten Tag hatten, vom Kugelfisch bis zum ethisch verwerflichen Wal alles bestellen können.

Wenn ihr euch von all dem etwas überwältigt fühlt, dann besucht das touristenfreundliche Gonpachi in Nishiazabu, wo Quentin Tarantino bereits Szenen von Kill Bill gedreht hat. Das Essen dort ist ziemlich gut und bietet euch eine illustre Einführung in die japanische Küche. Andere touristenfreundliche traditionelle Restaurants sind das Ohashi und das Kotaro in Shibuya, während das Muginae in Shinagawa mit köstlichen Ramen lockt.

Die Japaner sind nicht gerade dafür bekannt, dass sie ihren Alkohol, den sie gerne literweise in sich hinein kippen, gut vertragen, aber das hindert sie sicher nicht daran, einen schönen Abend zu verbringen. Taucht kopfüber in den Kulturschock im Golden-Gai-Viertel von Shinjuku ein, das durch sechs klaustrophobische Gassen miteinander verbunden ist und wo über 150 winzige Bars aufeinander und umeinander gestapelt sind. Eine bekanntere, aber immer noch sehr gemütliche Bar findet ihr im Kinfolk in Nakameguro, in dem sich jeden Abend eine illustre Mischung aus Japanern und Gaijins bei ihren köstlichen, aber sehr starken Cocktails trifft.

Später am Abend ist eine Karaoke-Session ein wesentlicher Teil des Tokio-Erlebnisses, denn in vielen Bars in Shibuya gibt es von Mitternacht bis fünf Uhr morgens Nomihodai-Deals, also all you can drink, um die Stimmbänder aufzuwärmen.

Wenn ihr euch beim Singen lieber nicht zum Idioten machen und stattdessen lieber in die Clubszene Tokios eintauchen möchtet, versucht es mit dem Dommune. Dieser winzige Club mit Platz für nur 50 Menschen überträgt seine Partys live ins Internet, damit auch daheim gebliebene Tokioter mitfeiern können. Internationale DJs wie Fourtet und Jamie XX haben kürzlich so vor über 10.000 Menschen gespielt.

Man kann nicht nicht einkaufen gehen, während man in Tokio ist. Selbst wenn ihr knapp bei Kasse seid, solltet ihr euch umsehen und gleichzeitig im Konsumwahn verlieren. Die Japaner lieben es, einzukaufen, und jede Art und Weise von Mode wird angeboten: High-End-Boutiquen in Ginza, japanische Modehäuser in Aoyama und Daikanyama sowie Mode, Schreibwaren und Spielzeug im Überfluss in Shinjuku und Shibuya.

Die Inbegriff der japanischen Modeerfahrung findet ihr aber in Harajuku, der Heimat aller neuen Modetrends in Asien. Besucht es am besten an einem Sonntag und gesellt euch zu Tausenden von Kids, die in verschiedenen, kunterbunten Aufmachungen die Straßen bevölkern. Probiert es im Laforet für den Streetstyle, Big Love für Schallplatten und Kiddy Land für alles, was mit Hello Kitty & Co. zu tun hat. Besucht auch das Pass the Baton im Untergeschoss des Omotesando-Hills-Gebäudes, denn dort gibt es einzigartige Second-Hand-Klamotten, die ihr euch wirklich nicht entgehen lassen solltet.

Irgendwann solltet ihr euch auch eurer nerdigen Seite zuwenden, dem, was die Einheimischen Otaku nennen, Kinder und erwachsene Männer, die von Videospielen, Spielzeug und Comics besessen sind. Ihr Mekka liegt in Akihabara, auch Electric Town genannt, der Heimat des achtstöckigen Techno-Drome-Mandarake-Komplexes und der berühmt berüchtigten Maid-Cafés. Eine weniger touristische, aber ebenso merkwürdige Szene findet sich ein paar Haltestellen weiter am Nakano Broadway, der Heimat von echten Geek-Freaks, Spielzeugsammlern und Fanatikern.

Ihr habt euch nun also vollgefuttert, getrunken und seid in einem Club tanzen gegangen, aber nun braucht ihr eine Bleibe für die Nacht, und, keine Sorge, wie immer gibt es in Tokio eine Fülle von Möglichkeiten. Für ein normales Hotel mit großartiger Lage ist das Shibuya XL preisgünstig, während das Claska Hotel in Meguro mit einer Galerie in der Lobby eine trendigere Option ist. Kapselhotels sind eine beliebte, erschwingliche Option für Tokio-Besucher, in denen jeder Gast in einer kleinen Schlafkabine von etwa einem Meter Breite übernachtet.

Das Central Inn Gotanda ist supergünstig und erlaubt Männern und Frauen in den gemischten Schlafsälen zu übernachten. In einem Manga-Café zu schlafen ist noch billiger, wenn man den letzten Zug verpasst hat und sich kein Taxi nach Hause leisten kann, da es in Tokio keine Nachtbusse gibt und die U-Bahn um 12:30 Uhr schließt.

Dort könnt ihr euch mit Getränken eindecken, euch Manga ausleihen und bis fünf Uhr morgens auf den ersten Zug warten. Und auch Love Hotels, in denen man stundenweise für ein Zimmer bezahlt, sind eine interessante Erfahrung. Nicht ganz so billig, aber oft wahnsinnig kreativ dekoriert, sucht ihr euch einfach ein Zimmer am Automateneingang aus und schleicht euch für ein kurzes Nickerchen hinein.

Wenn ihr in Japan seid, solltet ihr euch auch einige Tempel und Schreine ansehen, aber nicht mehr als drei, denn wenn ihr keine Experte seid, werdet ihr sowieso nicht wirklich in der Lage sein, den Unterschied zu erkennen. Wenn ihr es nicht bis nach Kyoto, der alten Hauptstadt Japans, schafft, solltet ihr euch zumindest den Meiji Jingu in Harajuku ansehen. Er ist ab sechs Uhr morgens geöffnet, und, wenn ihr so früh aufstehen könnt, ist es das wirklich wert, denn mit weniger Leuten dort ist es ein perfekter Ort, um sein inneres Zen zu finden.

In Tokio gibt es allerlei hohe Gebäude, die mal modern, mal eher traditionell gehalten sind und von denen man oft einen freien Blick auf die Skyline bis zur Spitze des Tokyo Metropolitan Government Building in Shinjuku hat. Alternativ könnt ihr für 2300 Yen das Sky Deck auf dem Dach des Hotels Roppongi Hills besuchen, um einen romantischen Blick auf die nächtliche Stadt zu genießen.

Im Ticket inbegriffen ist der Eintritt in das Mori Art Museum im 53. Stock, in dem immer abwechselnd Ausstellungen zeitgenössischer Kunst von hoher Qualität gezeigt werden. Und natürlich zählen auch der Tokyo Tower sowie der Tokyo Skytree zu tollen Orten, an denen ihr einen wunderschönen Ausblick über die Metropole haben könnt.

Für die ganz Gescheiten bietet sich das einzige Parasitenmuseum der Welt in Meguro an, das kostenlos ist, ebenso wie das Ikebukuro-Erdbebenmuseum, wo ihr eine kostenlose 7-Punkte-Erschütterung erleben könnt. Und schließlich könnt ihr euch für den Preis einer Tasse Kaffee mit ein paar coolen Katzen in einem der zahlreichen Cat Cafés abhängen. In Tokio ist schließlich wirklich für jeden etwas dabei.

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Die Fotografie stammt von Marlen Stahlhuth
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Berliner Begegnungen: Morgens vor dem Berghain

Die Berliner Clubszene ist kein festes, starres Gebilde, das schon immer so war und auch immer so sein wird, sondern ein atmendes, pulsierendes, lebendiges Wesen, in dessem Inneren sich die kreative wie verlorene Seelen verlieren. Alle paar Monate schließt ein Club und ein neuer öffnet, Lieblings...
Berliner Begegnungen: Morgens vor dem Berghain

Berliner Begegnungen

Morgens vor
dem Berghain

Annika Lorenz

Die Berliner Clubszene ist kein festes, starres Gebilde, das schon immer so war und auch immer so sein wird, sondern ein atmendes, pulsierendes, lebendiges Wesen, in dessem Inneren sich die kreative wie verlorene Seelen verlieren.

Alle paar Monate schließt ein Club und ein neuer öffnet, Lieblingsetablissements verschwinden und man muss sich an neue Orte, neue Gesichter, neue Gefühle gewöhnen, nur so bleibt man eins mit einer Stadt, die einem im wortwörtlichsten Sinn den Atem rauben kann. Wer in dieses Universum voller Lichter, Töne und Gesichter eintaucht, der trifft sie, die Menschen, die dort zu Hause sind, in der vollkommenen Zelebrierung des Lebens.

Die aus Paris stammende Fotografin Sabrina Jeblaoui hat sich längst in die deutsche Hauptstadt und damit auch in die hiesige Clubszene verliebt. Auf ihrem Instagram-Account NachtClubsBerlin verewigt sie die Menschen, die in legendären Feierhäusern wie dem Berghain, dem Tresor oder der Griessmuehle ein und aus gehen und sich dort die Jugend um die Ohren hauen.

„Ich bin fasziniert von dieser einzigartigen Stadt, da Lebensstil und Mode so divers sind und die Menschen sich frei fühlen, zu sein wer sie sind und gleichzeitig ebenso, wer sie sein wollen“, erzählt Sabrina der Redakteurin Franziska Müller-Degenhardt vom Hauptstadtblog iHeartBerlin. „Berlin hilft einem auch dabei, seine Grenzen und damit sich selbst kennenzulernen – wenn man das möchte.“

Und weiter: „Ich liebe die Energie, die die Clubs hier haben, und kann durch sie der Realität einige Stunden entkommen, tanzen und die verschiedensten Leute treffen. Nachdem ich meine ersten Fotos auf meinem eigenen Instagram-Kanal veröffentlicht hatte, entschied ich mich NachtClubsBerlin zu erstellen, wodurch die von mir fotografierten Personen ihre Fotos leicht finden können.“

„Nach und nach ist es jetzt zu einer kleinen Community geworden“, fährt Sabrina fort. „Die Leute folgen meiner Seite aus mehreren Gründen: Diejenigen, die nicht in Berlin leben, können einen Eindruck von seiner Partyszene bekommen, und für andere kann es inspirierend sein zu sehen, was man in einem Techno Club so anzieht.“ Und es ist doch immer interessant zu sehen, wer morgens so aus dem Berghain spaziert…

Berghain Berlin Berghain Berlin Berghain Berlin Berghain Berlin Berghain Berlin Berghain Berlin Berghain Berlin Berghain Berlin Berghain Berlin Berghain Berlin Berghain Berlin Berghain Berlin Berghain Berlin Berghain Berlin
Die Fotografie stammt von Sabrina Jeblaoui
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Stalking: Von Jägern und Gejagten

“Als ich ihn kennen lernte, schmeichelte mir die Hartnäckigkeit, mit der er mich um ein Date bat sehr. Ich fühlte mich zum ersten Mal wirklich begehrt. Er war sehr aufmerksam, frech und schien wirklich nur Augen für mich zu haben.” So beginnt Nadias Erzählung über einen Mann, der ihr das Leben zur H...
Stalking: Von Jägern und Gejagten

Stalking

Von Jägern
und Gejagten

Lena Freud

“Als ich ihn kennen lernte, schmeichelte mir die Hartnäckigkeit, mit der er mich um ein Date bat sehr. Ich fühlte mich zum ersten Mal wirklich begehrt. Er war sehr aufmerksam, frech und schien wirklich nur Augen für mich zu haben.” So beginnt Nadias Erzählung über einen Mann, der ihr das Leben zur Hölle machte, ihre Beziehung zerstörte und dafür sorgte, dass sie sich über acht Monate lang in ihrer eigenen Wohnung nicht mehr sicher fühlen konnte.

Dabei begann alles so harmlos. Fast schon ein wenig kitschig. An einem sonnigen Tag im Mai fährt Nadia zu Daniel nach Hause. Sie wird ihm erklären, warum er viel zu viel für seine Haftpflichtversicherung bei der Konkurrenz bezahlt. Nadia ist Versicherungskauffrau. Daniel ein Kunde. Er ist groß, blond, sehr attraktiv und frisch geschieden. Und es knistert ein bisschen.

Aus einem Kaffee werden drei, die beiden unterhalten sich lange und gut, der Nachmittag geht in den Abend über. “Ich ließ mich auf einen kleinen Flirt mit ihm ein. Es tat mir gut, dass sich ein Mann wie er für mich interessierte”, erzählt mir Nadia in einem kleinen Telefoninterview. “Und ich nahm seine Einladung zum Essen für das folgende Wochenende an.” Der Nachmittag mit Daniel tut ihr gut. Doch als sie an diesem Tag nach Hause kommt und ihren Freund auf dem Sofa sitzen sieht, überfällt sie das schlechte Gewissen. Sie ruft Daniel an und sagt das Abendessen ab.

Der steht vier Tage später trotzdem nach Feierabend vor Nadias Agentur, um sie auszuführen. Sie entscheidet sich lieber nach Hause zu fahren, kann aber kaum ihre Freude über einen so gut aussehenden und hartnäckigen Verehrer verbergen, der ihr auch in den nächsten Wochen Schokolade und Einladungen zukommen lassen wird, frech um sie herum tänzelt, wenn sie abends das Büro verlässt und jede ihrer Absagen mit einem selbstbewussten Grinsen aufnimmt, wissend, dass er es morgen wieder versuchen wird.

“Ich war nach vier Wochen kurz davor weich zu werden. Dass ein Mann alles tat um ein Date mit mir zu bekommen, war berauschend. Ich fand das alles wild romantisch”. Bis Daniel, der wilde Romantiker, eines Abends an ihrer Tür klingelt und ihr zur Begrüssung die Nase bricht.

Stalking ist ein weit verbreitetes Phänomen. Man geht davon aus, dass etwa elf Prozent aller Menschen einmal in ihrem Leben gestalkt werden. In etwa einem Fünftel der Fälle kommt es zu Handgreiflichkeiten. Die Zahlen sind erschreckend, die Justiz reagierte trotzdem lange Zeit nur bedingt. Erst im Jahr 2007 wurde der Tatbestand der Nachstellung ins Strafgesetzbuch aufgenommen und wird seitdem mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren geahndet.

Durch die häufigen Fälle des Prominenten-Stalkings findet sich das Thema oft in den Medien wieder. Man hört regelmäßig von Opfern, die verfolgt, übermässig verehrt, bedroht, angegriffen oder gar schwer verletzt werden. Auch von den psychischen Folgen. Von der Angst, in den eigenen vier Wänden nicht mehr sicher zu sein. Weniger erfahren wir dagegen über die Täter.

Martin schreibt mir mit einer Emailadresse, die er extra für diesen Zweck angelegt hat, an eine Emailadresse, die ich extra für diesen Zweck angelegt habe. Er möchte um jeden Preis anonym bleiben. Und ich möchte es auch. Denn Martin hat richtig Scheiße gebaut. Es hatte alles ganz harmlos angefangen. Mit der netten Kollegin aus der Buchhaltung, auf die er ein Auge geworfen hatte.

“Eigentlich kann ich nicht sagen, dass ich verliebt in Katja war. Aber irgendetwas faszinierte mich an ihr. Ich fühlte mich zu ihr hingezogen, habe sie aber nicht ein einziges Mal angesprochen. Dafür klaute ich hin und wieder einzelne Gegenstände von ihrem Schreibtisch, versuchte Schriftstücke, die sie verfasst hatte in die Hände zu bekommen. Einmal nahm ich einfach so ihre Jacke mit. Ohne nachzudenken. Ich wollte ein Stück von ihr besitzen. Klar war das falsch. Ich wusste das. Aber gestoppt hat mich das nicht.”

Jahrelang bleibt es bei diesen sogenannten Kleinigkeiten. Bis Katja umzieht und in eine Zweigstelle versetzt wird. Martin will nicht so einfach aus ihrem Leben verschwinden. Er findet ihre neue Adresse heraus, fängt an ihr heimlich zu folgen, sie zu beobachten und lernt schließlich all ihre Gewohnheiten in und auswendig. “Niemand kannte sie besser als ich, dabei wusste sie nicht einmal, dass ich da bin.”

Nach einigen Monaten wird er offensiver, ruft mehrmals am Tag an, schreibt Briefe, Emails, SMS. Fragt Katjas Freunde und ihre neuen Kollegen unauffällig aus. Sie wechselt mehrmals die Telefonnummer, er findet sie immer wieder heraus. “Anfangs hatte ich diese fast zärtlichen Gefühle für sie. Doch je mehr sie sich mir entzog, desto mehr Macht wollte ich über sie. Ich wollte dass sie sich nirgendwo mehr sicher fühlen konnte. Ich hatte sie in der Hand, spielte mit ihr, jagte sie nach Lust und Laune. Ich war wie im Rausch.”

Drei Jahre lang hetzt er sein Opfer, das in dieser Zeit zweimal umzieht. Doch er spürt, wie ihm langsam die Kontrolle über sein perfektes Machtspiel entgleitet. “Meine Gewaltfantasien nahmen zu, wurden zunehmend dringlicher. Ich bekam Probleme im Job und mein Privatleben litt extrem. Ich konnte mich auf nichts anderes konzentrieren. Ich phantasierte davon, ihr wehzutun, vielleicht auch zu vergewaltigen. Irgendwann malte ich mir aus, wie es wäre, sie zu töten. Und da wusste ich plötzlich: Ich brauche Hilfe.”

Wer als Täter Hilfe sucht, hat es nicht leicht. Es gib nur wenige Anlaufstellen wie etwa “Stop Stalking” in Berlin, wo Stalkern die Möglichkeit geboten wird, sich mit speziell diesem Problem an ein kompetentes Team aus Psychotherapeuten und Sozialarbeitern zu wenden.

Auch zur Polizei zu gehen erscheint wenig attraktiv. Denn Stalking ist keine Krankheit, sondern eine Straftat. Diese erwächst aber aus psychischen Problemen, geht oft einher mit narzisstischen Persönlichkeitsstörungen. Hilfe findet man in erster Linie also beim Psychologen, wo die Ursachen erkannt werden können.

Martin befindet sich nun seit zwei Jahren in Behandlung, kennt die Ursachen für seine Taten und hat sich momentan unter Kontrolle. Ein Happy End ist das für ihn noch lange nicht. Er weiß, dass er jederzeit in seine alten Muster zurückfallen kann. So wie Daniel, der Nadia nun nach fast drei Jahren, mehreren Anzeigen, einer Trennung und einem Umzug in eine andere Stadt in Ruhe lässt. Für’s Erste.

Die Illustration stammt von Maria Shukshina und Icons8
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Kindergeld statt Hartz IV: Wenn ich keine Arbeit finde, lasse ich mich schwängern

„Vielleicht sollte ich einfach schwanger werden“, sage ich. Kurze Pause. „Hm ja“, antwortet sie. „Alt genug wärst du, und du bist immerhin in einer festen Beziehung.“ Es ist das erste Mal, dass ich den Gedanken ausspreche, der mir in den letzten Wochen immer wieder durch den Kopf gewandert ist. Schw...
Kindergeld statt Hartz IV: Wenn ich keine Arbeit finde, lasse ich mich schwängern

Kindergeld statt Hartz IV

Wenn ich keine Arbeit
finde, lasse ich mich
schwängern

Vanessa Freitag

„Vielleicht sollte ich einfach schwanger werden“, sage ich. Kurze Pause. „Hm ja“, antwortet sie. „Alt genug wärst du, und du bist immerhin in einer festen Beziehung.“ Es ist das erste Mal, dass ich den Gedanken ausspreche, der mir in den letzten Wochen immer wieder durch den Kopf gewandert ist. Schwanger werden.

Nicht, weil ich ein Kind will. Nicht jetzt jedenfalls. Auch nicht, weil ich meinen Freund so sehr liebe, dass ich eine Familie mit ihm gründen will. Nicht jetzt jedenfalls. Und auch nicht, weil ich ihn an mich binden will oder so gerne „Vater, Mutter, Kind“ spiele. Nein. Aber weil es leichter ist. Leichter als einen Job zu finden.

Generation Praktikum. Die durchschnittliche Akademikerin ist nach ihrem Studium neun Monate arbeitslos. Also alles noch im Rahmen. Im ersten Semester gab es sogar an der Uni eine Infoveranstaltung, in der man uns mitteilte, dass wir nach dem Studium nur schlecht bezahlte Jobs bekommen werden, auf die wir auch noch lange warten müssen. Das hat man davon, wenn man Kulturwissenschaften studiert.

Besser werden die Chancen auf dem Arbeitsmarkt auch nicht durch das Hauptfach Kreatives Schreiben. Alles also vorher klar gewesen, alles vorher schon gehört. Das Ganze kommt nicht plötzlich für mich, ich wusste, was mich erwartet. Eine Kommilitonin hat nach ihrem Abschluss drei Jahre lang bei Starbucks gearbeitet und „Moccafrapucchinoicedlatte“ auf Pappbecher geschrieben, statt Texte zu schreiben.

Jeden Tag standen ihr kleine Mädchen gegenüber und blickten sie mit mitleidigen Augen an. „Auch ihr werdet mal arbeitslos sein, wartet’s nur ab, ihr kleinen Möchtegern-Modeblogger! Eure Euphorie wird verschwinden, sobald ihr in der wahren Welt da draußen überleben müsst“, wollte sie ihnen entgegen schreien.

Jeden Tag standen ihr erfolgreiche Geschäftsleute gegenüber und blickten sie gar nicht an, sondern nur auf ihre Uhr. „Ihr werdet vielleicht nie arbeitslos sein, aber irgendwann was von mir wollen, wenn ich erfolgreich bin, eines Tages, wartet’s nur ab“, wollte sie ihnen entgegen rufen und in ihren Espresso Macchiato spucken.

Eine andere Kommilitonin putzte, nachdem sie ihr Studium mit 1,0 abgeschlossen hat, mehrere Jahre die Wohnungen von fremden Leuten, die wahrscheinlich mit einem Realschulabschluss und einer Ausbildung mit 19 schon an ihre unbefristete Vollzeitstelle kamen. Sie staubsaugte ihren Fußboden, wischte ihre Scheiße aus dem Klo, fingerte ihre Essensreste aus dem Abfluss, machte ihr Bett, räumte benutzte Kondome weg, wischte Staub, goss die Pflanzen und wusch ihre dreckige Wäsche.

Und immer wieder sage ich mir: „Ich wusste, worauf ich mich einlasse. Geisteswissenschaftliches Studium. Es dauert halt, aber dann kommt der Job schon. Die nächste Bewerbung musst du nur ein bisschen besser schreiben!“ Und alle sagen: „Ja ja, das dauert, du wusstest das doch!“

Doch keiner sagte einem vorher, wie kacke das ganze wirklich ist. Nicht zu wissen, wo man in den nächsten Monaten leben wird. Flexibilität ftw. Das Jobcenter fragen zu müssen, ob man am Wochenende weg darf. Alle Kämpfe, die man in der Pubertät mit den Eltern führte, scheinen sinnlos gewesen zu sein. Jetzt ist jemand Neues da, der einem sagt: „Hamburg über’s Wochenende? Ne ne, das geht nicht!“

Wie scheiße es ist, Bewerbungen zu schreiben, für Jobs, die man nicht will, in Städten, die man nicht mag, weil man von Tag zu Tag verzweifelter wird. Weil man die Deadline im Nacken sitzen hat. Wer den Anschluss verpasst, findet gar keinen Job mehr. Für ein Jahr raus, für immer raus. Also fängt man an, sich für Ehrenämter zu bewerben. „Hallo, darf ich bitte umsonst für sie arbeiten?“

„Vielleicht sollte ich einfach schwanger werden“, sage ich. Kurze Pause. „Das ist aber ein bisschen armselig“, antwortet sie. Es ist das zweite Mal, dass ich den Gedanken ausspreche, der mir in den letzten Monaten immer wieder durch den Kopf gewandert ist. Schwanger werden, weil ich keinen Job finde. Ja, armselig ist das, wie so vieles im Leben. Aber leichter, wie so vieles Armselige.

Endlich kein Herumgedruckse mehr auf die Frage „Und was machst du jetzt so? Dein Studium ist doch schon ’ne Weile fertig…“ Nein. Ab jetzt immer eine Antwort parat. Und immer was zu tun. Eine dicke Kugel als Bauch – und keiner fragt mehr nach. Alle gucken nur. Und ich kann Pläne machen, Bio-Essen kochen, eine Wickelkommode kaufen, die beste auf dem Markt. Endlich mal wieder gut sein.

Kinder kriegen ist angesehener als Hartz IV kriegen. Kinder kriegen erfüllt, sagt man. Hartz IV kriegen nicht. Und später dann kann ich sagen: „Ach du, ich konnte ja nicht arbeiten, ich wollte ja, aber dann kamst du!“ Und ich kann mein Kind ein bisschen hassen und mir ein bisschen sagen, dass es meine Karriere versaut hat und ich sonst schon etwas gefunden hätte.

Dass ich sonst schon erfolgreich gewesen wäre. Aber dass ich dann nun mal gefickt habe und schwanger und anschließend Mutter wurde und dann eben keine Bewerbungen mehr schrieb, sondern nach dem perfekten Kinderwagen googelte. Und ganz leise kann ich auch mich ein bisschen hassen.

Ich wusste, was mich erwartet. Der Arbeitsmarkt ist hart. Der Arbeitsmarkt im kreativen Bereich ist härter. Noch härter ist aber der Arbeitsmarkt im kreativen Bereich für eine Mutter mit Kind. Dann also einfach wieder ficken. Wieder ein Kind kriegen, statt Bewerbungen zu schreiben. Wieder armselig, aber leichter?

Lieber Arbeitsmarkt, liebe Welt da draußen, liebe Mädchen bei Starbucks, liebe Geschäftsleute, ich möchte kein Kind, nicht jetzt jedenfalls. Ich möchte nicht schwanger werden. Ich möchte vielleicht ficken, aber nur mit Kondom. Safer Sex ftw. Aber ich möchte einen Job und ich möchte vielleicht sogar für meine Arbeit bezahlt werden.

Ich möchte vor allem noch wissen, um was es mir einmal ging, bevor ich Bewerbungen nach Buxtehude schickte, nur um auf die gewünschte Anzahl für’s Jobcenter zu kommen. Ich möchte eine Arbeit für die ich studiert habe, die mir Spaß macht. Und dann irgendwann möchte ich vielleicht auch schwanger werden. Danke.

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Super Nintendo: Die beste Konsole der Welt

Als ich zwölf Jahre alt war, rief ich am Samstag Vormittag bei einer Kindersendung des österreichischen Fernsehens an, weil die nette Frau und eine sprechende Handpuppe ein Super Nintendo verlosten, inklusive Donkey Kong Country. Und einen Game Boy – in grün – packten sie auch noch oben drauf. Ich e...
Super Nintendo: Die beste Konsole der Welt

Super Nintendo

Die beste Konsole
der Welt

Marcel Winatschek

Als ich zwölf Jahre alt war, rief ich am Samstag Vormittag bei einer Kindersendung des österreichischen Fernsehens an, weil die nette Frau und eine sprechende Handpuppe ein Super Nintendo verlosten, inklusive Donkey Kong Country. Und einen Game Boy – in grün – packten sie auch noch oben drauf. Ich erriet, dass der Löwe in dem Bilderätsel fehl am Platz war und gewann. Das war der schönste Tag meines Lebens. Wirklich. Das war der schönste Tag meines Lebens.

Mein Super Nintendo und ich waren unzertrennlich. Nicht nur, dass allein der pure Besitz mich zu einem beliebteren Kind in der Schule und meinem Freundeskreis machte, ich liebte und lebte jedes einzelne Spiel, das ich in meine Hände bekam. An jedem Wochenende fuhren meine Mutter und ich auf einen anderen Flohmarkt, um einen Schatz nach dem anderen nach Hause zu holen. Irgendwann kannte ich die dubiosen Verkäufer, die dort herum standen – und sie kannten mich.

Nintendo war für mich nicht nur irgendeine japanische Firma, die eben zufällig auch Videospiele herstellte, Nintendo war meine Religion. Super Mario World, The Legend of Zelda – A Link to the Past oder Starwing katapultierten mich in fremde Welten, von denen ich heute noch träume. Ich saß da und spielte. Ich spielte und ich spielte und ich spielte.

Während ich heute The Witcher, Grand Theft Auto oder Skyrim einlege und mich immer wieder frage, ob ich gerade wirklich nichts Besseres oder Sinnvolleres zu tun habe, als mich hier in virtuelle Abenteuer zu flüchten, zum Beispiel Geld verdienen oder mir eine Frau suchen oder ein Haus bauen, kannte ich dieses Gefühl damals nicht.

Und genau darum beneide ich mich heute selbst. Ich zockte Secret of Mana, Yoshi’s Island oder Chrono Trigger nicht einfach nur – ich kannte diese Spiele in- und auswendig. Und mit auswendig meine ich, dass ich wirklich jeden Charakter, jeden Pixel, jeden Winkeln, jede Abkürzung, jeden Bug, jeden Gegner kannte – und liebte.

Wenn ich einmal nicht weiter wusste, dann legte ich nicht einfach das nächste Spiel ein, so wie heute, sondern ich kaufte mir Zeitschriften, in denen Tipps und Tricks und manchmal ganze Karten drin waren, oder rief bei der Nintendo-Hotline an, die verlorenen Kindern wie mir weiterhalfen. Das Internet gab’s nicht. Nur mich und was auch immer da im Weg stand.

Und wenn ein Spiel zu Ende war, dann war das noch lange nicht das Ende. Ich spielte es noch mal und noch mal und noch mal. Allein und mit Freunden. Und noch mal. Jump’n’Runs, Autorennen, ja, sogar Rollenspiele. Wenn ich alles, was dieses Modul zu bieten hatte, herausgepresst hatte, dann steckte ich es in ein Action Replay und cheatete das Teil in andere Sphären.

Spazierte ich am Anfang von Zelda durch die Wände, um zu sehen, was die Dorfbewohner sagen, wenn ich dort noch vor dem ersten Kampf auftauchte? Na klar! Warpte ich mich in Lufia durch die Ahnenhöhle und in Terranigma durch NeoTokyo? Auf jeden Fall! Musste ich Chrono Trigger drei Tage lang am Stück durchspielen, weil ich durch den Adapter nicht speichern konnte? Oh yeah! Bereue ich auch nur eine Sekunde, die ich vor dieser Konsole verbracht habe? Auf keinen Fall!

Tatsächlich, und diese Meinung hat sich in den letzten Jahren immer mehr manifestiert, ist das Super Nintendo das Beste, was der Menschheit jemals passiert ist. Alles, was davor war, war grafisch zu schlecht, um wirklich in die Welten eintauchen zu können, alles, was danach kam, sah zu gut aus, um die Fantasie noch wirklich anzuregen.

Und ich gehe sogar noch einen Schritt weiter und sage: Die bunte Pixeloptik und der 16-Bit-Sound des Super Nintendos sind der absolute Höhepunkt der Videospielgeschichte. Denn die technischen Grenzen der Konsole waren der perfekte Rahmen für jeden Entwickler, um das kreativste Optimum aus den Spielen herauszuholen – wenn sie es denn konnten.

Heute setze ich mich vor ein Call of Duty, ein The Last of Us oder ein Assassin’s Creed. Und ich habe nicht das Gefühl, wirklich ein Spiel zu spielen, sondern von einer Cutscene zur nächsten getrieben zu werden. Als wären Level keine Level mehr, sondern nur noch ein Übel, um eine verwässerte Geschichte zu erzählen, die so jedem Kinoverleih zu peinlich gewesen wäre.

Jede technische Errungenschaft der vergangenen Dekaden, ob von Sony oder von Microsoft und sogar von Nintendo, werden relativiert, wenn man auf einer Party ist und Super Mario Kart einlegt. Oder Super Bomberman 2. Oder Super Street Fighter II. Pixel werden zu Universen, Sprites werden zu Charakteren, Chiptunes zu Hymnen. Und dann geht’s ab.

Ich kann mir heute keinen Titel auf der PlayStation, auf dem Nintendo 64 oder auf der Dreamcast angucken, ohne mich ehrlich zu fragen, wie wir diese schlecht aufgelöste Dreiecksorgie jemals wirklich erleben konnten, ohne uns lachend zu übergeben. Aber setzt mich vor ein Star Ocean, ein Super Probotector oder ein Parodius und ich verspreche euch, euer Herz schlägt höher, eure Hände greifen intuitiv zum Controller – und euer Abenteuer beginnt im nächsten Augenblick.

Wie viele andere aus meiner Generation glaubte auch ich, dass die nächste Konsolengeneration, nach dem Super Nintendo, nur noch heilvoller werden konnte. Das Club Nintendo Magazin und die Total! beschmissen uns regelrecht mit nicht zu glaubenden Informationen über das Nintendo 64. Also verkaufte ich mein Super Nintendo, und alles, was ich liebte, um genügend finanzielle Mittel für mein persönliches Upgrade zu haben. Nintendo wusste eben, wie ich zu verführen bin. Der Hype wirkte.

Ich möchte nicht sagen, dass ich meine Zeit mit dem Nintendo 64 bereue. The Legend of Zelda – Ocarina of Time & Majora’s Mask, Banjo-Kazooie oder Super Smash. Bros waren Erfahrungen, die ich nicht missen möchte. Aber wenn ich heute nachts wachliege, dann denke ich an mein Super Nintendo. Und alles, wofür es stand.

Seit einigen Wochen verbringe ich meine Freizeit nun in Facebook-Gruppen, auf denen Konsolen, Spiele und Zubehör getauscht und verscherbelt werden. Manchmal für viel, manchmal für wenig Geld. Und ja, ich bin kurz davor, jemand zu werden, der genügend neue Konsolengenerationen miterlebt hat und jetzt sagt: Nope, das wird nicht mehr besser.

Vielleicht rede ich mir auch nur alles ein. Womöglich befinde ich mich gerade in einer ausgewachsenen Quarterlife Crisis, in der man alles von früher besser findet, verklärt, verfälscht, subjektiv. Vielleicht werde auch ich bald zu einem alten Mann, der auf der Fensterbank lehnt und Kinder anbrüllt, weil die nicht wissen, wie toll es damals war. Die kleinen, nichtsnutzigen Scheißer.

Als ich zwölf Jahre alt war, rief ich am Samstag Vormittag bei einer Kindersendung des österreichischen Fernsehens an, weil die nette Frau und eine sprechende Handpuppe ein Super Nintendo verlosten, inklusive Donkey Kong Country. Und einen Game Boy – in grün – packten sie auch noch oben drauf. Ich erriet, dass der Löwe in dem Bilderätsel fehl am Platz war und gewann.

Das war der schönste Tag meines Lebens. Wirklich. Das war der schönste Tag meines Lebens. Und jetzt wünsche ich mir nichts Sehnlicheres, als wieder zwölf zu sein und zum ersten Mal in die kunterbunten Welten meines Super Nintendos abtauchen zu dürfen.

Die Fotografie stammt von Korie Cull
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Sexting für Anfänger: Die geheime Kunst der digitalen Nacktfotos

Alte Leute haben einen besonders kreativen Begriff dafür erfunden, wenn ihr euren Kommilitonen Nacktfotos von euch schickt: Sexting. Und weil sie nicht gerade begeistert davon sind, dass wir uns gegenseitig unsere primären und sekundären Geschlechtsteile zeigen, gibt es immer wieder Aufklärungs- und...
Sexting für Anfänger: Die geheime Kunst der digitalen Nacktfotos

Sexting für Anfänger

Die geheime Kunst der digitalen Nacktfotos

Daniela Dietz

Alte Leute haben einen besonders kreativen Begriff dafür erfunden, wenn ihr euren Kommilitonen Nacktfotos von euch schickt: Sexting. Und weil sie nicht gerade begeistert davon sind, dass wir uns gegenseitig unsere primären und sekundären Geschlechtsteile zeigen, gibt es immer wieder Aufklärungs- und Medienkampagnen, die uns davor warnen und abhalten sollen, die eigenen entblößten Körper quer durchs Internet zu schicken.

Da uns allen klar ist, welchen Nutzen solche Initiativen haben, nämlich gar keinen, und dass sich Professoren, die sich immer wieder laut und öffentlich empören, wahrscheinlich selbst erst mal einen runterholen, wenn sie Nudes ihrer eigenen Studentinnen im Internet entdecken, gibt es an dieser Stelle wertvolle Tipps für digitale Nacktfotos – damit ihr am Ende nicht allzu doof da steht, wenn die halbe Uni sie in die Finger bekommt.

Alle paar Wochen schüttet das Internet mehr schlecht als recht ansehnliche Nacktaufnahmen von irgendwelchen meist drittklassigen Promis vor uns aus, die aussehen, als hätte sie gerade ein Paparazzo durchs Badfenster beim Kacken erschreckt. Mieses Licht, noch miesere Pose, mieseste Auflösung.

Wer will denn so in die Geschichte eingehen? Wenn ihr euch schon die Mühe macht, euren unbedeckten Körper zur Schau zu stellen, dann müsst ihr das in einer Art und Weise zelebrieren, die alle anderen umhaut und euch und eure Auffassungen vom Leben niemals wieder in Frage stellt.

Hütet euch also davor, schnell irgendwelche dahin gerotzten Bilder eurer Brüste mitsamt BH-Abdrücken oder der mit Stoppeln, Fusseln und weißem Schmodder bedeckten Muschi zu machen. Schminkt euch, stylet euch, wascht euch und eure Haare. Und rasiert euch, falls ihr nicht gerade zu den Mädchen gehört, die den wärmenden Busch zelebrieren und keine Lust darauf haben, da unten wie eine Grundschülerin auszusehen.

Gebt euch einfach ein wenig Mühe, schließlich wollt ihr nicht denselben dilettantischen Fehler machen wie schon so viele andere Leichtgläubige vor euch und am schlimmsten noch zu hastig zwischen zwei wichtigen Terminen auf die unmenschlichste Art und Weise zu Selfies zwingen lassen, die euch im Nachhinein nur noch leid tun können. Denn Reue ist ein schreckliches Gefühl.

Nichts ist peinlicher, als ein Nacktfoto von euch, auf dem ihr ausseht wie ein 80er-Jahre-Pornostar. Werft euch nicht die Schminke und den Lippenstift ins Gesicht, posiert nicht, als würde euch gleich ein Pferd aus einer anderen Dimension von hinten rammeln und leckt euch auch nicht lasziv über den sabbernden Mund. Das will doch niemand sehen!

Je natürlicher ist ausseht umso sexuell attraktiver fühlt ihr euch und seid ihr auch für andere. Stellt oder legt euch ganz normal hin, guckt sexy, aber nicht übertrieben, und seht von bescheuerten Gesten wie dem Duckface, Posen aus Kinofilmen oder dem in die Kamera gestreckten Peace-Zeichen ab.

Wer selbst auf Nackedeibildern selbstbewusst und auf eine natürliche Art und Weise sexy rüberkommt, der gewinnt sowohl den Respekt des Betrachters als auch seinen eigenen. Sich ausziehen und davon Bilder machen, das kann wirklich jeder. Die Magie eures entblößten Körpers rüberbringen, das schaffen allerdings nur sehr wenige.

Selbst Mädchen mit dem schönsten Körper, den krassesten Augen und dem heißesten Lächeln sind bereits über eine Sache gestolpert: Ihr ätzendes Zimmer. Denn auf den Fotos, die ihr so in die Welt pustet, seid nicht nur ihr selbst zu sehen, sondern auch euer schonungslos dargestelltes offenes Leben.

Dreckige Unterwäscheberge am Boden, versiffte Fantaflaschen auf dem vollgemüllten Schreibtisch, uralte rosa Teddybären auf dem Schrank, peinliche Kinderfotos aus der Vorschule an der Wand und am besten auch noch euren vibrierenden besten Freund auf dem Bett – mit dem Sexting verratet ihr manchmal mehr als ihr überhaupt wollt.

Versichert euch also entweder, dass ihr eine Stelle in eurem Zimmer findet, die nicht aussieht, als ob gerade der Dritte Weltkrieg ausgebrochen wäre, oder flüchtet gleich in einen anderen Raum – am besten das Bad. Und wenn ihr euch dafür entscheidet, euch durch einen Spiegel zu fotografieren, dann putzt ihn vorher! Schlieren und Flecke wurden schon so mancher Schwester zum Verhängnis.

Wer, warum auch immer, immer noch mit seinem aufklappbaren und fast schon auseinander fallenden Razr von Motorola herum rennt, der weiß, wie beschissen so manche eingebaute Handykamera sein kann. Und alles, was ihr damit fotografiert, sieht auch beschissen aus. Was für euch wiederum bedeutet: Euer Körper sieht beschissen aus.

Entweder ihr setzt beim Sexting auf die neueste Technik, also das brandaktuelle iPhone, ein sehr gutes AndroidHandy oder am besten gleich eine teure Spiegelreflexkamera, oder auf das genaue Gegenteil: Analog, also zum Beispiel das gute alte Polaroidformat, das euch gleich noch kreativer aussehen lässt. Sexting? Nein: Das ist fuckin‘ Kunst!

Pixelige Bilder eurer Fotze mögen zwar so manches Detail verstecken, aber im Grunde bedeutet das lediglich eins: Am Ende wissen alle, dass ihr Nacktfotos verschickt habt, das Problem ist nur: Ihr seht auf ihnen aus wie im Jahr 2003. Und das wollt ihr euch und der Welt da draußen nun wirklich nicht antun.

Wer zum ersten Mal in seinem Leben ein Nudeselfie macht, der dürfte ein wenig mit den Möglichkeiten der Entblößung überfordert sein. Wie viel zeige ich? Was zeige ich? Wie nah zeige ich es? Muss mein Gesicht mit drauf sein? Steht irgendwer da draußen auf meine seltsam geformten Füße?

Gleich vorweg: Fotos eures Körper, auf dem ihr das Gesicht aufgrund einer scheinbaren Anonymität abgeschnitten habt, scheinen zwar am Anfang am Logischsten zu sein, aber die wirkliche Erotik entfaltet sich erst, wenn man auch eure Augen sehen kann. Die sind nämlich der Schlüssel zur digitalen wie, wenn wir mal ganz ehrlich sind, auch analogen Sexualität.

Aber ihr müsst euch nicht gleich breitbeinig eine mutierte Zucchini durch eure gedehnten Schamlippen in den Uterus prügeln, um auch nur irgendeinen Hauch von Aufmerksamkeit zu erregen. Fangt klein an, zeigt erst mal nur einen Nippel – und wenn ihr euch danach noch wohl fühlt, womöglich mehr. Lasst euch auf keinen Fall hetzen, weder von euch selbst noch von eurem notgeilen Gegenüber.

Jawohl, die Verlockung ist nicht gerade klein, dass ihr eure ewigen Fettröllchen, die Schwangerschaftsstreifen oder die jetzt schon auftretende Cellulite nach der Aufnahme mit Photoshop wegpinselt, aber das Problem an der Sache ist, dass keiner von euch das wirklich drauf hat. Am Ende verbiegt sich nämlich der Hintergrund – und das ist peinlich.

Arbeitet von vornherein so, dass alle Problemzonen, die ihr womöglich verstecken wollt, nicht unbedingt sichtbar sind. Und sucht euch eine vorteilhafte Pose auf, bei der nicht eure ganze Wampe über dem Stuhl klebt oder beide Hängebrüste, warum auch immer ihr die jetzt schon habt, nach links und rechts schaukeln.

Wenn ihr wollt, könnt ihr entweder einen Instagram-Filter verwenden, um die Kontraste und Farbstufen so hinzudrehen, dass ihr besser ausseht, oder ihr setzt gleich auf Schwarz und Weiß. Wenn euer kleiner Bruder dann eure Bilder im Netz entdeckt, könnt ihr wenigstens zu eurer Verteidigung sagen, dass ihr die Aufnahmen für ein Kunstprojekt erstellt habt. Oder so.

Macht am besten so viele Fotos von euch wie nur irgendwie möglich, mit verschiedenen Gesichtsausdrücken, Posen, Winkeln. Einmal mit und einmal ohne Selbstauslöser, einmal von nah, einmal von fern. Danach könnt ihr in Ruhe aussuchen, welche Bilder ihr freigeben wollt und welche in die Umlaufbahn geschossen werden.

Seid sehr sorgfältig dabei und achtet bei den ausgewählten Fotos auf jedes nur erdenkliche Detail. Denn ihr müsst bedenken: Jede dieser kleinen Zeitbomben kann theoretisch genau das Bild sein, das euch am Ende in den gerade entblößt in die Kamera gehaltenen Arsch beißt – und ihr müsst hundertprozentig dazu stehen können.

Löscht am besten alle Originalaufnahmen, die ihr nicht benötigt, für immer von eurer Kamera, eurem Handy und eurem Computer. Und eurem USB-Stick, eurem CD-Rohling und euer Diskette. Und aus der Cloud. Nicht dass am Ende noch der gesamte Ordner Meine Pussy auf dem nächsten Universitätscomputer auftaucht.

Seid ihr in dem Bereich bereits etwas fortgeschritten, dürft ihr auch gerne kreativer werden. Irgendwann hat man nämlich keine Lust mehr darauf, blöd vor seinem Spiegel zu stehen und ein stumpfes Vollbildfoto von seiner Statur nach dem anderen zu machen. Selfies können schließlich so viel aufregender sein als nur das.

Egal, ob ihr den nahegelegenen Wald fahrt, um dort nur in Socken auf einem Baum zu sitzen, eine noch nie da gewesene FKK-Reise durch Südostasien veranstaltet oder euch in euer Lieblingsnerdkostüm presst, nur um an den richtigen Stellen freie Sicht aufs Wesentliche zu erlauben: Sexting kann Spaß machen!

Und ihr müsst euch auch nicht alleine mit der Kamera vergnügen – holt eure allerbesten Freunde dazu, euren gerade mal wieder aktuellen Liebhaber oder euer gerade frisch herausgeplopptes Katzenbaby, solange ihr nichts Verbotenes mit dem kleinen Bündel anstellt – das kommt dann eher weniger gut bei der breiten Masse da draußen an.

An wen auch immer ihr die Teile letzten Endes verschickt, ihr könnt euch sicher sein: Früher oder später tauchen sie im Internet auf! Entweder, weil euer Exfreund sauer auf euch ist und in einem notgeilen Moment Rachepornos auf YouPorn hoch lädt, weil durch die ständige Synchronisierung mit euren Geräten jeder kleine Mist automatisch ins Netz gesaugt wird – oder weil ihr einfach das falsche Bild auf Facebook veröffentlicht.

Deswegen sind drei Dinge besonders wichtig. Erstens: Ihr dürft kein Problem damit haben, dass euch andere Menschen nackt sehen – egal ob eure Kollegen, eure Freunde oder eure Familie. Zweitens: Ihr müsst euch sicher sein, dass ihr nur Fotos verschickt, hinter denen ihr zu 100 Prozent steht. Und drittens: Seid mental darauf vorbereitet.

Es ist nicht das Ende der Welt, wenn wildfremde Menschen eure Titten sehen. Schließlich haben fünfzig Prozent der Weltbevölkerung und nicht gerade wenige fette Typen ebenfalls Brüste, und zwar meistens hässlichere, und Muschis sind eigentlich auch nichts Besonderes. Lasst euch auch nicht mobben! Die meisten, die euch verarschen, haben selbst am meisten Probleme mit sich selbst. Am besten ignoriert ihr sie knallhart und lebt mit einer neuen Erfahrung im Gepäck ein sexuelles erfüllteres Dasein weiter.

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Grillfleisch, Sperma, Einmannzelt: Ficken auf dem Festival

Es fängt immer alles vor der Bühne beim Konzert an, bei romantischer Feuerzeug-in-die-Höhe-halten-Stimmung, wenn du dich einsam fühlst und die Hüfte der Nebenfrau eine Kuhle der Geborgenheit zu sein scheint, in die du deine Hände legen und in der du Halt finden kannst. Ein bisschen schunkeln, bev...
Grillfleisch, Sperma, Einmannzelt: Ficken auf dem Festival

Grillfleisch, Sperma, Einmannzelt

Ficken auf
dem Festival

Christine Neder

Es fängt immer alles vor der Bühne beim Konzert an, bei romantischer Feuerzeug-in-die-Höhe-halten-Stimmung, wenn du dich einsam fühlst und die Hüfte der Nebenfrau eine Kuhle der Geborgenheit zu sein scheint, in die du deine Hände legen und in der du Halt finden kannst.

Ein bisschen schunkeln, bevor Nägel mit Köpfen gemacht werden. Dein Schwanz klopft von hinten an ihre Pobacken. Sie dreht sich um, steckt dir die Zunge in den Hals, spielt Propeller und die Sache ist geritzt. Zwei Menschen wollen Liebe. Jetzt. Sofort.

Auf dem Weg zum Zelt müsst ihr euch noch zurück halten. Anstaltshalber. Ficken in der Öffentlichkeit ist ja auch irgendwie verboten. Sollte aber eigentlich auf einem Festival so halb legal wie Kiffen sein. Um nicht unnötig miteinander reden zu müssen, kann manchmal ziemlich unsexy sein, wenn ein komischer Dialekt oder Geruch aus dem Mund kommt, und außerdem ist ja genau das Unbekannte so sexy, knutscht du einfach weiter, schiebst zum ersten Mal die Hand unter das Shirt und fühlst einen weichen, vom Pommesfett und Alkohol aufgeschwemmten und Schweiß leicht klebrigen, wohligen Körper.

Vor lauter Herumlecken kannst du dich gar nicht konzentrieren. Zu mir oder zu dir? An der leidigen Frage kommst du nicht vorbei. Schnell und in wenigen Worten klärt ihr, wer den Luxus eines Einmannzeltes hat oder welcher temporäre Mitbewohner am besten mit der Tatsache zurecht kommt, dass gleich hemmungslos auf seinem Daunenschlafsack abgespritzt wird. Echte Adrenalin-Junkies nehmen natürlich das fremde Zelt.

Lippe an Lippe gepresst lauft ihr über die Stolperlandschaft Zeltwiese, reißt euphorisch ein paar Heringe mit den Füßen aus dem Boden und bekommt schon die ersten Beschwerden. „Hey, geht’s noch, ihr Assis?“ Scheiß’ drauf! Denn endlich habt ihr die Liebeshöhle erreicht. Die Lippen müssen sich trennen, kein Grund Körperkontakt zu verlieren. Weiterfummeln.

Während du nervös im Stockfinstern den Reißverschluss zum Zelteingang sucht, tastet sich so manche Hand entlang des Hosenbundes, öffnet die Gürtelschnalle und fühlt schon einmal das Ausmaß des Gemächts. Noch kann sie wegrennen, falls nur ein kleines Wienerwürsten angeklopft hat. Sex im Zelt ist wie Dinner in the Dark.

Du weißt zwar grob, was serviert wird, aber was du wirklich bekommst, bleibt eine Überraschung, und weißt du erst, wenn du es probierst oder in den Mund steckt. Aber das macht auch den Nervenkitzel aus. Das Ungewissen, das Unbekannte und die Finsternis.

Nach so viel neuer Musik, die du den ganzen Tag über entdeckt hast, gehört zum krönenden Abschluss die Entdeckung und Eroberung eines frischen Körpers, das Ertasten einer fremden Brust, das Lecken eines unbekannten Oberschenkels, das Umklammern eines neuen Penis. Die Dunkelheit macht hemmungslos.

Scheiß’ auf die Cellulite, scheiß’ auf die Akne, scheiß’ auf die Welt da draußen. Sieht doch keiner. Es gibt nur zwei triebgesteuerte Körper, berauscht von Geilheit und Musik. Allzu viele akrobatische Stellungen sind aber nicht drin. Zu eng, zu klein, zu betrunken. Auch nicht schlimm, bei dem ganzen Überangebot an Kamasutra-Stellungen sehnst du dich eh back to the roots.

Einfach schnell verschmelzen, den steinharten Penis in die klitschnasse Muschi stecken und loslegen. Brüste kneten und Nippel ziehen nicht vergessen. Die Klassiker dürfen beim Sex im Zelt genauso wenig fehlen, wie die Toten Hosen auf Rock im Park. Die nassen Körper bewegen sich rhythmisch zum Bass, der in der Ferne wummert. Die Küsse werden salziger, die Luft dünner, das Gehirn matschiger und die Körper klebriger.

Es bildet sich ein kleiner See aka Feuchtgebiet im Lendenbereich, die Stoßbewegungen werden undefinierter und alles scheint außer Kontrolle zu geraten. Ficken auf Glatteis bei 36 Grad und 80 Prozent Luftfeuchtigkeit. Du schwimmst mit den Östrogenen und Androgenen in deinen Körperflüssigkeiten und produzierst beim Karnickelbumsen peinliche Quietsch-Platsch-Schleim-Geräusche.

Drauf geschissen, das raschelnde Nebengeräusch des Schlafsacks ist noch lauter und der Reißverschluss, der sich in deinen Oberschenkel bohrt, noch unangenehmer als die Genitalrutschpartie. Das hat ja schon wieder was.

Unbekannter Körper, unkontrollierbare Bewegungen, wie Masturbieren mit eingeschlafener Hand. Immer an die Geilheit denken und an die Tatsache, dass ihr es gerade zwischen 80.000 anderen Menschen treibt. 80.000 Menschen. Jeden Moment könnte einer reinschauen und euch beim intimsten Akt zugucken. Neben Kacken natürlich. Nur durch eine hauchdünne Membran seid ihr vom Voyeurismus der Außenwelt geschützt.

Der Gedanke erregt dich, leitet den Höhepunkt ein. Und jetzt? Schreien oder nicht schreien, das ist hier die Frage. Gentleman spielen, schweigen und genießen oder geiler Hecht sein und den Nachbarn zeigen, was du so drauf hast?

Ach, jetzt ist es auch schon egal! „Ich bin gleich… Oh Gott… Uuooaahhhhhhhhhhhhh…“ Der Schrei beim Orgasmus hört sich durch die Ohropax, die du natürlich drin gelassen hast, wie in einer Unterwasser-Traumwelt an. Und so fühlst du dich auch. Klitschnass und nicht wirklich am Leben.

Ihr sackt zufrieden und befriedigt zusammen. Wenn ihr nicht festklebt, streichelt ihr euch gegenseitig noch ein bisschen. Es geht hier nicht um Liebe, Kinder kriegen und Heiraten. Genau wie im Club wirst du auch auf einem Festival nicht deinen Traumpartner fürs Leben finden. Beim Ficken auf dem Festival geht es um animalische Triebe und das Gefühl von grenzenloser Freiheit. Selbstverwirklichung.

Den Namen hast du nach ein paar Tagen eh wieder vergessen. Vorausgesetzt du hast ihn zwischen dem Geschrei der anderen Leute und der lauten Musik überhaupt verstanden. Und wie genau das ganze Gebumse jetzt abgelaufen ist, wird dir auch nicht im Gedächtnis bleiben.

Doch was du niemals vergessen wirst, was sich wie ein Brandzeichen in die Nasenschleimhäute brennt – der Geruch. Der Geruch von Sex im Zelt. Der Duft von Alkohol und Grillfleisch aus dem Mund, gepaart mit Körpersekreten wie Schweiß und stinkende Füße, der vollendet wird mit einer Nuance Latex und Sperma. Aue de Sexival. Noch einmal tief ein- und ausatmen und dann, wie bei jedem guten Konzert, eine Zugabe abliefern.

Die Fotografie stammt von Daniele Colucci
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Kranke Hauptstadt: Berlin macht depressiv

„Es liegt nicht an dir, es liegt an Berlin“, war die Reaktion meiner Familie, als ich zum ersten Mal von meinen Depression erzählte. Von den depressiven Episoden, um genau zu sein. Eine echte Depression ist schon was anderes, als das, was ich habe. Glaube ich. Hoffe ich. Aber manchmal habe ich eb...
Kranke Hauptstadt: Berlin macht depressiv

Kranke Hauptstadt

Berlin macht
depressiv

Nadine Kroll

„Es liegt nicht an dir, es liegt an Berlin“, war die Reaktion meiner Familie, als ich zum ersten Mal von meinen Depression erzählte. Von den depressiven Episoden, um genau zu sein. Eine echte Depression ist schon was anderes, als das, was ich habe. Glaube ich. Hoffe ich.

Aber manchmal habe ich eben solche Momente, in denen ich wochenlang nicht das Haus verlasse, nein, noch nicht einmal so richtig das Bett. Ich liege nur so da und starre die Decke an, wie man das halt so macht, wenn man depressive Episoden hat, das hat auch nichts mit Traurigkeit zu tun. Ich bin einfach nur leer. Die Stadt hat mich aufs Derbste ausgelaugt, sagt zumindest meine Familie.

Ich war ein glückliches Kind. Das klingt nach Floskel, aber war nun mal echt so. Als Kind bin ich auf Bäume geklettert und habe dort aus alten Brettern, die ich in der Nachbarschaft gefunden habe, ein Haus gebaut, in dem ich mich mit meinen Lieblingsbüchern verkriechen konnte, wenn ich keine Lust auf die anderen Kinder hatte. Oder auf meine Eltern und deren Eltern. Ich habe viel gelesen.

Ich hab den Nachbarn Kirschen geklaut und die Kerne auf vorbeifahrende Autos gespuckt. Und zwar so, dass sie auf jeden Fall ein paar hübsche Kratzer im Lack hinterließen. Später dann bin ich mit den coolen Jungs aus der Nachbarschaft losgezogen, habe von ihnen skaten gelernt und wie man den perfekten Joint dreht. Essentials eben.

Bereits mit dreizehn Jahren war ich auf den angesagtesten Partys in der Gegend unterwegs, kannte die wichtigsten Leute der Kleinstadt und trug die schönsten Klamotten von New Yorker und Pimkie, die ich mit aller Coolness, die ich aufbringen konnte, mitgehen ließ. Ich bin oft von zu Hause abgehauen, habe bei Freunden geschlafen oder auf irgendeiner Parkbank.

Bacardi-Cola war mein bester Freund, das Lied „Rebell“ von den Ärzten meine heimliche Hymne. Also alles ganz normal. Ja, ich war ein glückliches Kind und ein glücklicher Teenager, der trotz einiger Fehlstunden mit Bestnote sein Abitur bestand. Alles war gut. Dann wurde ich neunzehn und zog in die Großstadt.

Dass ich depressiv wurde, oder depressive Episoden durchlebt habe, um genau zu sein, lag nicht an mir, es lag an Berlin. Sagte meine Familie, als ich am Telefon zum ersten Mal ganz bewusst über meine psychische Situation sprach. Berlin macht einsam. Einsamkeit macht krank. In Berlin ist ja irgendwie jeder allein.

Ihr wisst das doch alle aus dem Radio und aus den Clubs von Mitte bis Friedrichshain. Peter Fox hat das vor ein paar Jahren besungen, und selbst eure Großeltern kennen den Song, in dem Berlin von schwarz zu blau wird, aber sind wir mal ehrlich, schaut euch diese Betonnutte doch mal an: Grau ist ihre Farbe und in einer Stadt, die selten so bunt ist, wie sie vorgibt zu sein, kann es doch nicht verwundern, dass es einen erwischt und man zuerst aufhört das Haus zu verlassen und irgendwann nur noch im Bett lebt und die Decke anstarrt, die halt auch davon nicht schöner wird, dass man in einem Altbau lebt, mit Stuck und, yeah: Dielenboden!

Ich war eine glückliche Neu-Berlinerin. Ja, ja, das ist wieder eine Standardfloskel aus meinem in Berlin notwendigen Floskelrepertoire. Aber es war tatsächlich so: Ich war neu in der Stadt und ich war glücklich. Ich bin nahezu täglich zur Uni gegangen und hab meine Kommilitonen mit der Perfektion meiner Joints beeindruckt, eben so, wie es die coolen Jungs aus der Nachbarschaft mir früher beigebracht haben.

Ich landete schnell auf den angesagtesten Partys in der Gegend, kannte die wichtigsten Leute der Stadt und trug Klamotten von Cheap Monday und Weekday mit der Coolness, mit der ich früher bei New Yorker und Pimkie meine Glitzerfummel mitgehen ließ. Ich war selten zu Hause, schlief bei Leuten, die sich Freunde nannten oder bei echt beschissenen One-Night-Stands.

Sternburg-Bier und mit Milchpulver gestrecktes Speed waren meine besten Freunde. Die Tracks von Kalkbrenner, egal ob Fritz oder Paul, waren meine heimlichen Hymnen. Ich ging auf Konzerte und ließ mir oft weh tun, aber immer nur am Körper, nie im Kopf oder im Herzen. Berlin war immer Love Parade und jeden Tag liebte ich etwas anderes.

Bis nichts mehr da war, das ich lieben konnte. Außer dem Speed, dem Koks, dem MDMA und dem Alkohol, den ich jeden Tag in mich reinschüttete. Und den beschissenen One-Night-Stands, die mich an manchen einsam-kalten Nächten warm hielten. Ich war eine glückliche Neu-Berlinerin, bis die Stadt mich in sich auf sog und anfing, mich leise zu verdauen und dann ausscheißen zu wollen.

Naja, eigentlich war ich nie unglücklich. Oder traurig, denn wenn man depressive Episoden hat, hat das echt nichts mit Traurigkeit zu tun, es fühlt sich einfach leer an und die Stadt, die ist zu voll, irgendwie. Mit den depressiven Episoden kommt die Angst. Die Angst vor dem Versagen und Kontrollverlust, dem Kontrollverlust, den man sich durch die Partys und die Drogen und die ständig wechselnden Geschlechtspartner immer ganz bewusst herauf beschworen hat. Das Einzige, das einen aufrecht hält, ist das Starren auf die Altbaudecke und ein schwaches Klopfen in der Brust, das einen daran erinnert, dass man noch lebt. Und der Stuck. Und der Dielenboden.

Ich habe meiner Familie nie erzählt, was ich so trieb. Weder in meiner Kindheit, noch zu meiner Zeit als frisch in Berlin angekommene Studentin. Und doch war ihnen klar: Dass ich so bin, wie ich bin, liegt nicht an mir, es liegt an Berlin. Weil hier jeder kifft und säuft, nachts oft auf Parkbänken schläft, die Uni schwänzt und außer skaten und feiern keine Hobbys hat.

Und so nahmen sie an, dass auch ich das tue. Die Schuld, die liegt alleine bei Berlin und an den Menschen, die hier leben. In der Kleinstadt wäre mir das nicht passiert. In der Kleinstadt stirbt man ganz klassisch, in dem man sich am Wochenende im Golf GTI mit hundertachtzig Sachen nach dem Discobesuch um einen Baum wickelt. Oder aus Langeweile.

Ich habe meiner Familie lange geglaubt. Also, was Berlin und mich betrifft. Irgendwann habe ich meine Sachen gepackt und bin nach Hause gefahren, also dort hin, wo man mein Zuhause stets vermutet hat. Ich bin also zurück in die Heimat, genau dort hin, wo man meine Heimat stets vermutet hat, weil ich als Kind so glücklich war. Genau dort hin, wo ich noch nie alleine war und auch dort hin, wo ich so fleißig für die Schule war. Familien neigen ja schnell zu ‘früher war alles besser’.

Meine Familie hat gesagt, wenn ich zurück komme, dann wird es so wie früher. Nur: früher war es auch schon schlecht. Ich war kein glückliches Kind und auch kein glücklicher Teenager. Ich habe schon früh meine Sorgen, den dunklen Teil meiner Seele, erstickt und in Berlin fing ich dann endlich an zu atmen, weil ich zum ersten Mal für mich war. Nach zwei Wochen bin ich zurück nach Berlin. Mir ist nämlich daheim eins klar geworden: Es liegt nicht an Berlin. Es liegt an euch.

Die Fotografie stammt von Flo Karr
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Digitaler Lifestyle: Mit dem MediaPad M2 von Huawei durch Berlin

Das Leben in der großen Stadt steckt voller Wunder, voller Geheimnisse, voller Überraschungen. Aber es kann auch sehr schnell ziemlich verwirrend und unklar werden. Das, was du jetzt wirklich brauchst, ist ein digitaler Kamerad, der immer an deiner Seite ist und dich durch den Dschungel der wundersc...
Digitaler Lifestyle: Mit dem MediaPad M2 von Huawei durch Berlin

Digitaler Lifestyle

Mit dem MediaPad M2 von Huawei durch Berlin

Annika Lorenz

Das Leben in der großen Stadt steckt voller Wunder, voller Geheimnisse, voller Überraschungen. Aber es kann auch sehr schnell ziemlich verwirrend und unklar werden. Das, was du jetzt wirklich brauchst, ist ein digitaler Kamerad, der immer an deiner Seite ist und dich durch den Dschungel der wunderschönen Metropolen dieser Welt führt, egal ob wo sie liegen.

Wir haben die Instagram-Liebhaberin, Medienstudentin und Kunstenthusiastin Anouk dazu eingeladen, das neue Huawei MediaPad M2 an ihren Lieblingsorten in Deutschlands Wunderwelt Berlin zu testen. Wir schlenderten zu einem veganen Paradies namens Dandy Diner, sahen uns in der Vintageschatztruhe Made in Berlin um und aßen Leckereien bei Yoli Frozen Yogurt.

Das Huawei MediaPad M2 definiert die Welt des Tablets neu. Dank seines neuen, noch reaktionsfreudigeren Displays kannst Du mit einem Stylus schreiben, zeichnen und Apps bedienen. Und erstmalig kannst Du Dich mit dem neuen Fingerprint-Sensor sicher und schnell identifizieren. Mit diesem technischen Wunderwerk machen Ausflüge in den Großstadtdschungel gleich noch mehr Spaß.

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Die Fotografie stammt von Marlen Stahlhuth
Als Model ist Anouk Aoki zu sehen
Mit freundlicher Unterstützung von Huawei
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Oh! My Goddess: Verliebt in eine Göttin

Früher war bekanntlich alles besser. Die Musik. Das Wetter. Das Essen. Die Liebe. Und natürlich auch das Fernsehen. Heute läuft da ja nur noch Scheiße. Aber waren auch die Anime besser? Das könnte man zumindest meinen. Sailor Moon. Cowboy Bebop. Neon Genesis Evangelion. Alles Klassiker von damals, d...
Oh! My Goddess: Verliebt in eine Göttin

Oh! My Goddess

Verliebt in
eine Göttin

Marcel Winatschek

Früher war bekanntlich alles besser. Die Musik. Das Wetter. Das Essen. Die Liebe. Und natürlich auch das Fernsehen. Heute läuft da ja nur noch Scheiße. Aber waren auch die Anime besser? Das könnte man zumindest meinen. Sailor Moon. Cowboy Bebop. Neon Genesis Evangelion. Alles Klassiker von damals, die auch heute noch durch ihre sympathischen Charaktere, durch ihre tollen Geschichten oder schlichtweg durch ihre schiere Epik überzeugen.

Oh! My Goddess ist ohne jeden Zweifel ein Klassiker. Der 2005 erschienene, auf einem Manga basierende Anime wird auch Dekaden später noch als eine der beliebtesten Animationsserien aus dem Land der aufgehenden Sonne gefeiert. Sympathische Charaktere? Auf jeden Fall! Eine tolle Geschichte? Öhm, joah, wenn man das so nennen will. Die schiere Epik? Naja.

Worum geht’s? Keiichi Morisato ist ein Student im zweiten Jahr an der Uni, der versehentlich den Technischen Göttinnen-Notdienst anruft. Die Göttin Belldandy taucht auf und teilt ihm mit, dass ihre Agentur von ihm einen Systemantrag erhalten hat und ihm einen einzigen Wunsch erfüllen soll. In dem Glauben, dass ihm ein Streich gespielt wird, wünscht er sich, dass sie für immer bei ihm bleibt. Und sein Wunsch wird erfüllt.

Da er nicht in der Lage ist, mit Belldandy in seinen reinen Männerwohnheimen zu leben, sind sie gezwungen, sich nach einer alternativen Unterkunft umzusehen und schließlich in einem alten buddhistischen Tempel Unterschlupf zu suchen.

Sie dürfen dort auf unbestimmte Zeit bleiben, weil der dort lebende Mönch auf eine Pilgerreise nach Indien aufgebrochen ist, nachdem er von Belldandys angeborener Güte beeindruckt war. Keiichis Leben mit Belldandy wird noch hektischer, als ihre ältere Schwester Urd und ihre jüngere Schwester Skuld ebenfalls einziehen. Es folgen eine Reihe von Abenteuern, während sich seine Beziehung zu Belldandy entwickelt.

Es gibt einen Grund, warum Animeserien von heute nicht mehr so gemacht werden, wie die Animeserien von damals. Und dieser Grund heißt: Ideenlosigkeit. Keiichi ist der typische, schüchterne 08/15-Japanofuckboy, der schon beim Anblick von zwei busenförmigen Wolken Nasenbluten bekommt. Belldandy ist perfekt. Punkt. Und alle anderen Charaktere sind… da.

Bei Oh! My Goddess wird in 26 Folgen versucht, den kreativen Anfang mit dem emotionalen Ende zu verbinden. Was dazwischen passiert, ist vollkommen irrelevant. Haben die Macher anfangs noch probiert, die ungewöhnliche Situation, in der Keiichi sich nach seinem Wunsch nun einmal befindet, mal witzig, mal traurig zu erzählen, werden die Geschichten mit der Zeit immer abstruser. Und das nicht im positiven Sinn.

Spätestens nach der Mitte der Serie pöbeln nur noch irgendwelche Göttinnen und Dämoninnen sich gegenseitig an. Dann fahren sie plötzlich ein Autorennen, lassen Roboter aufeinander los, und irgendwann explodiert irgendwas, während ein pseudohomosexueller Motorradclub jubelt. Ende. Nächste Folge. Wieder das Gleiche. Und wenn sie mal für eine Episode nur so um die drei Yen an Budget übrig hatten, dann spielt die eben komplett in einem Haus. Ab und zu sieht man mal den Garten. Wow.

Manche Folgen sind das Zelluloid nicht wert, auf dem sie gebannt worden sind. Da laufen das Intro und kurz darauf der Abspann und man fragt sich: Was ist da jetzt eigentlich passiert? Ist da überhaupt irgendetwas passiert? Die kleine Göttin und ihre ältere Schwester hatten Streit und Keiichi ist hingefallen. Das war’s. Da war das Titellied noch das Beste an der Folge.

Oh! My Goddess ist das perfekte Nebenherguckabenteuer. Es versprüht den Charme einer RTL2Animeserie, in denen man sich ebenfalls von Folge zu Folge getragen hat und bei denen es nicht schlimm war, wenn man mal eine davon versäumt hat, weil man sich doch mal aufgerafft hat und mit Freunden beim Fußballspielen war.

Im Grunde könnt ihr nämlich die ersten fünf und die letzten fünf Episoden von Oh! My Goddess schauen und habt nichts verpasst. Und falls ihr euch dabei fragt, was ein vorher nicht da gewesener Charakter für eine Relevanz hat? Die Antwort ist immer: Gar keine. Er war einfach plötzlich da. Und macht Ärger. Das ist alles.

Oh! My Goddess wäre eine bessere Serie gewesen, wenn man sich einfach auf die Beziehung zwischen Keiichi und Belldandy konzentriert hätte. Und wer auch immer den Vorschlag gemacht hat, dass es doch lustig wäre, wenn nach und nach Belldandys komplette Familie auftauchen könne, hätte noch vor Beendigung des Satzes fristlos gefeuert werden sollen. Früher war alles besser. Außer Oh! My Goddess.

Oh! My Goddess: Verliebt in eine Göttin
Die Illustration stammt von Kosuke Fujishima und Kodansha
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Ein Tag in Lissabon: Die Stadt der verbrannten Hirne

Passend zum Wetter und meiner aufgeheizten Attitüde, beschloss ich letzte Woche den billigsten Billigflug bei meiner liebsten Fluggesellschaft Ryanair zu buchen, um einfach nur ein paar Tage der kalten und dreckigen Mutterstadt zu entrinnen und mich von der Sonne und der Dekadenz des Touristen-Dasei...
Ein Tag in Lissabon: Die Stadt der verbrannten Hirne

Ein Tag in Lissabon

Die Stadt der
verbrannten Hirne

Katrin Olszewski

Passend zum Wetter und meiner aufgeheizten Attitüde, beschloss ich letzte Woche den billigsten Billigflug bei meiner liebsten Fluggesellschaft Ryanair zu buchen, um einfach nur ein paar Tage der kalten und dreckigen Mutterstadt zu entrinnen und mich von der Sonne und der Dekadenz des Touristen-Daseins in einem anderen Land brutzeln zu lassen. 34 Euro nach Faro. Hin- und Rückflug. Fünf Tage. Check.

Drei Shirts, zwei Röcke und meine löchrigen Keds sollten mir zu einem akuten Freiheitsgefühl für die nächsten 120 Stunden ohne Schlaf verhelfen. Mark Ronson & The Business Intl. hüllten mich nebenbei in eine, ja sagen wir „ohrgasmische Reiselaune“. Und ohne Bier wird’s sowieso schnell langweilig. Also, Sonnenbrille auf, Zigarette an und los ging es!

Faro ist eine niedliche und gemütliche Hafenstadt, die sich extrem gut in einer Stunde auf der To-Do- oder To-See-Liste abstreichen lässt und das sogar als Packesel, kriechend auf allen Vieren. Doch ich will mehr als nur ein Packesel sein. Ich will Action, Menschen und Strand. Der Bus bringt mich in die Haupt- und größte Stadt Portugals: Lissabon. Jetzt kann das Leben der Visionen und Impressionen beginnen…

Ich steige aus. Es ist nachts um eins an einem Freitagabend. Der Plan lautet: Hostel finden, Klamotten in die Ecke schmeißen, Friese stylen und auf ins Viertel Bairro Alto. Hier hält sich die moderne Wegwerf-Gesellschaft Lissabons auf, die nach jeder Sause von der Stadtreinigung die Straße runtergespült wird, wenn sie den Absprung nach Hause nicht mehr schafft oder den Weg ins Krankenhaus nicht mehr findet.

Die Devise lautet: Ein Drink = Ein Euro. Kann das gut gehen? Hier schütten die Leute schon fünf Cuba Libre weg, während in Berlin noch die Limette vom Barmann im Glas zerstoßen wird. Das gleicht wohl einer noch viel absurderen Mentalität als der auf Mallorca. Ich halte mich davon fern und trinke bescheiden meinen Jägermeister.

Doch mein Körper möchte das nicht – Epic Fail. Deswegen gibt’s ab sofort im Wechsel dazu das gute, ehrliche Bier Sagres. Schließlich möchte ich mich noch daran erinnern, warum ich am nächsten Morgen zerknüllt im Mülleimer aufwache und meine Haare kahl rasiert sind. So weit kommt’s zu meinem Glück aber nicht, denn ich wurde scheinbar zu etwas Besserem auserkoren – einer spontanen Komparsenrolle in Francis Ford Coppolas neuestem Streifen The Godfather of Lisboa.

Ich stehe in einer versifften Imbissbude und genehmige mir einen kleinen Snack zwischen circa vierzig farbigen Einwohnern. Und fühle mich ein bisschen unangenehm beobachtet, wie ich da nun sitze mit blonden Haaren und weißer Haut. Doch im nächsten Moment soll die Aufmerksamkeit auf mich, durch einen Waffenschuss in die Luft, abgelöst werden. Oh. My. God! Ein Schuss!

Ich wende mich in die Richtung des Terrorgewitters und entdecke einen durchgeknallten Typen, der wie irre seine Waffe durch die Gegend schleudert, schreit und spuckt. Kaum kann ich mich zu Boden werfen, umzingelt die Polizei den Laden und greift sich den schusswütigen Psychopathen. In dem dreiminütigen Kopfkino sehe ich meinen Namen im Abspann laufen. Die erste Sicherheit ist gegeben, ich atme auf und die Menschen um mich herum verlassen im Affenzahn das Gebäude. Nur ich nicht.

Ich sitze stumm hinter der Theke und wage mich nicht zu bewegen. Bis mir jemand von oben zuruft: „Move! Go away! We will close now!“ Aha, vielen Dank für die Aufmerksamkeit und freundliche Anweisung, denke ich pissig und trotte wie ein nasser Hund von dannen. Ich zittere immer noch, als ich ins Taxi einsteige, der Taxifahrer mich idiotisch angrinst und ins Hostel fährt.

Der erste Kulturschock ist überwunden. So derbe hab ich noch nicht mal den 1. Mai in Berlin erlebt, aber da werden meist auch nur die Autos in die Luft gejagt und nicht die Menschen. Aufgrund der Umstände der letzten Nacht gibt’s ab sofort eine neue Strategie im Ausgeh-Verfahren.

Weil die Bars in Lissabon um drei schließen und die Clubs erst dann öffnen, halte ich mich einfach solange in einer Bar auf, bis mein Wecker klingelt und mich aus dem Bier-Bett wirft. Dann renne ich schnell in den nächsten Club und bleibe dort, bis dieser schließt und so weiter und so fort. Mission possible.

Neue Runde, neues Glück. Wie geplant, geht’s gleich in die Kneipe, bevor ich überhaupt der tödlichen Ein-Euro-Versuchung zum Opfer fallen kann. Hier mach ich es mir bequem an der Bar, lausche den elektronischen Klängen des im Batik-Look gekleideten japanischen DJs und fühle mich zum ersten Mal sicher. Ich bestelle Getränke mit lustigen Namen und genieße die Ruhe.

Der Barmann wundert sich über meinen fatalen Geschmack alkoholischer Drinks und hat Sorge, dass mir der Magen ausgepumpt werden müsse, wenn ich das Namensspiel fortsetze. Ich sage: „Ich habe doch keine Ahnung.“ Auf Englisch natürlich.

Er horcht auf und fragt, wie ich dazu komme hier unterwegs zu sein und dann auch noch alleine. Das ist doch schon ein bisschen lebensgefährlich. Haha, nichts im Gegensatz zu meinem gestrigen Erlebnis. Das glaubt mir keiner! Der Barmann schon. Alfonso heißt er. Er bietet mir an, später mit ihm und seinen Amigos um die Häuser zu ziehen.

Wir gehen in jeden Club. Nach dem fünften Besuch brauch ich eine Pause. Sitzen und essen und so, sage ich. Die Jungs warten brav und wollen auch kurz in einem Store vorbeischauen und ein bisschen Energie abholen. Ich habe keinen Plan und gehe mit. Vor dem Laden sitzen drei Leute und gucken mich schief an. Sie zupfen an ihren verkrusteten Röhrenhosen rum und richten die neonfarbenden Sonnenbrillen, als sie mich grüßen. Und nun ist Warten angesagt.

Mehr und mehr Menschen versammeln sich. Ich bin kurz vor’m Einnicken, wegen eines ewig langen Portugiesen-Palavers, bis der Laden endlich aufmacht. Die Menschenmassen stürmen das Geschäft, als wäre Ausverkauf bei Media Markt. Ich kratze mich vom Bordstein ab und betrete diesen völlig zertreten.

Als Erstes werfe ich einen Blick in die Vitrinen. Eine Apotheke? Es gibt kleine Tütchen, worauf Teufel, Totenköpfe und irgendein Typ, ich vermute Nikki Sixx, abgedruckt sind und komme schnell zur Besinnung. Ich stehe in einem Drug-Store. Alfonso erzählt mir hier wäre alles legal.

Schon seit Anfang der 2000er wird der Konsum in Portugal nicht mehr bestraft oder verfolgt. Das gilt nicht nur für weiche Drogen sondern auch für schwere Suchtmittel wie Heroin. Seitdem ist die Kriminalitätsrate extrem gesunken. Sonst hätte mir hier wahrscheinlich auch schon ein Arm gefehlt.

Nachdem sich nun jeder seines Spaßes bedient hat, geht es weiter zur After-Hour an den Strand. Hier scheint nun die Tochter Coppolas, Sofia, an ihrem neuen Film Lost in Fascination gewerkelt zu haben. Der beige-rote Sand glänzt in der Sonne, die Füße werden vom kalten Wasser erfrischt und der Dancefloor bietet schattige Plätzchen vor dem munter wackelnden Musikspender.

Wir tanzen und lachen und schwitzen und sind glücklich. Irgendwann falle ich erschöpft zu Boden und schlafe ein. Als ich aufwache sind alle weg, die Menschen, die Musik, die Sonnenschirme, der Alkohol und die Drogen. Was zurückbleibt ist ein Sonnenbrand der Superlative. So sehr, dass jeder Schritt auf dem Heimweg wehtut und ich meine kross gebratenen Beine erschöpft hinter mir her schleifen muss. Und genau das habe ich nun wirklich auf dieser Reise gelernt: Use Sunblocker, feel safe!

Die Fotografie stammt von Zsolt Cserna
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Whisky, Joints und Ravioli: Mein neues Leben in Berlin

Es ist Freitagabend in Berlin und ich sitze mit meinen beiden Mitbewohnern an dem Klapptisch in unserer Küche. Berna und ich haben ein Glas Weißweinschorle vor uns stehen, Maxi, unser Mitbewohner, trinkt Whisky mit Ginger Ale zu seinem allabendlichen Joint. Daran, dass er so viel kifft, habe ich mic...
Whisky, Joints und Ravioli: Mein neues Leben in Berlin

Whisky, Joints und Ravioli

Mein neues
Leben in Berlin

Sophie Fischer

Es ist Freitagabend in Berlin und ich sitze mit meinen beiden Mitbewohnern an dem Klapptisch in unserer Küche. Berna und ich haben ein Glas Weißweinschorle vor uns stehen, Maxi, unser Mitbewohner, trinkt Whisky mit Ginger Ale zu seinem allabendlichen Joint. Daran, dass er so viel kifft, habe ich mich auch nach vier Wochen in dieser WG noch nicht so ganz gewöhnen können, aber man hatte mich bereits vor meinem Umzug in die Hauptstadt darauf hingewiesen, dass illegale Rauschmittel in Berlin schon irgendwie zum guten Ton gehörten. So weit, selbst mal Haschisch zu probieren, bin ich allerdings noch lange nicht.

Wir sprechen gerade die Abendplanung durch, denn heute wollen wir gerne mal etwas zu dritt unternehmen. Auch, um uns besser kennenzulernen. Der Alltag funktioniert zwar schon ganz gut zwischen zwischen uns dreien, nicht zuletzt, weil Berna und Maxi nun schon seit etwas über zwei Jahren gemeinsam hier im Wedding wohnen, aber richtig zusammen aus waren wir noch nie, seit ich bei ihnen eingezogen bin.

„Ich hab Lust auf Essen gehen“, werfe ich in die Runde. „Also, ich meine jetzt nicht Currywurst oder Döner oder irgendetwas Anderes, das so typisch für Berlin ist, sondern ich meine so richtig Essen gehen, in irgendeinem schicken Restaurant. Und mit schick meine ich nicht superteuer, sondern eben … Naja, ihr wisst schon, eben keine Imbissbude, sondern irgendetwas, wo man nett sitzen und quatschen kann, aber eben auch leckeres Essen und vielleicht ein, zwei Gläschen guten Wein bekommt.“

Mein Blick wandert herunter zu meinem fast leeren Glas und ich überlege, ob ich mir noch einmal etwas nachschenken soll, aber entscheide mich dagegen. Irgendwie habe ich bereits jetzt im Gefühl, dass ich heute noch mehr als genug Gelegenheiten bekommen werde, Alkohol zu mir zu nehmen.

Berna ist sofort Feuer und Flamme. „Ich weiß, wo wir hingehen können“, plappert sie euphorisch drauf los. „Es gibt da diesen Laden in Kreuzberg, Gorgonzola Club heißt der, da will ich schon ewig mal hin, hab’s aber bisher nie geschafft!“ Maxi verdreht die Augen und drückt die Reste seines „Blunts“, wie er es nennt, in einem zum Aschenbecher umfunktionierten Blumentopf aus. „Bei sowas bin ich raus!“, sagt er. „Ich dachte, wir gehen einen saufen!“ „Ach Maxi“, antworten Berna und ich wie aus einem Mund und ziehen das „I“ in seinem Namen dabei extra lang.

„Wir können danach doch immer noch was trinken gehen“, sage ich. „Und außerdem schuldest du mir sowieso noch ein Abendessen“, hängt Berna an, „du weißt schon, dafür, dass ich vor deiner Mutter so getan habe, als würde dein Gras mir gehören!“ „Das hat kauft sie dir übrigens bis heute nichts ab“, meint Maxi mürrisch. „Aber okay, ich bin dabei, unter der Voraussetzung, dass wir uns anschließend noch abschießen gehen!“ „Machen wir“, verspricht ihm Berna, und ich zeige meine Zustimmung mit einem Nicken.

Knapp eineinhalb Stunden später finden wir uns im Gorgonzola Club wieder, der an diesem Freitagabend so voll ist, dass wir Glück haben, überhaupt noch einen Tisch zu ergattern. Der Laden ist ganz hübsch eingerichtet, irgendwie italienisch-rustikal. Nur die rot-weiß-karierten Tischdecken aus Papier wirken in diesem Ambiente fehl am Platz. Berna lässt Maxi und mich wissen, dass eine Kommilitonin ihr die Ravioli hier empfohlen hat, also bestellen wir drei verschiedene Portionen Ravioli, einen großen Teller Antipasti und natürlich Wein, zwei Gläser weiß, und ein Glas rot.

Während wir auf das Essen warten, was nicht nur gefühlt, sondern tatsächlich eine halbe Ewigkeit dauert, weil unsere Bestellung mit der eines anderen Tisches durcheinandergebracht wurde, unterhalten wir uns über das Leben und das Lieben in der Großstadt. Ich hatte vor meinem Umzug nach Berlin über zwei Jahre lang einen festen Freund, von dem ich mich allerdings getrennt habe, nachdem klar war, dass ich nach Berlin und er für ein Praktikum nach New York gehen würde. Eine Fernbeziehung kam für uns beide nicht in Frage, und ich gestehe meinen beiden Mitbewohnern, dass ich irgendwie ganz froh bin, die Hauptstadt als Single erkunden zu können, was Maxi unwillkürlich schmunzeln lässt.

„Werde bloß nicht so wie er“, sagt Berna und macht mit dem Kopf eine Bewegung in Richtung Maxi, während sie sich eine Olive in den Mund steckt. „Jedes zweite Wochenende bringt er ein anderes TinderDate mit nach Hause, und ich darf dann deren Haare aus dem Duschsieb fischen!“ „Das sind ausschließlich deine Haare“, kontert Maxi zurück und Berna wirft ihre lange blonde Mähne über die Schulter, fast so, als sei sie Beyoncé persönlich.

Die Salbeiravioli im Gorgonzola Club sind wirklich fantastisch, so dass der Fehler mit der verwechselten Bestellung zumindest von meiner Seite aus sofort wieder verziehen ist. Beim Essen erfahre ich ein bisschen mehr über das Liebesleben meiner beiden Mitbewohner, zum Beispiel, dass Berna bisexuell ist und in den letzten Jahren ausschließlich mit Frauen zusammen war, und dass Maxi keine Lust hat, sich zu binden. Ihre Frage danach, ob ich jemals einen richtigen One-Night-Stand hatte, muss ich verneinen. Berna meint, das würde schon noch kommen, und dass sowas in Berlin Gang und Gäbe ist.

Nach dem Essen zieht Maxi uns weiter in die Fahimi Bar, seine Stammbar in Kreuzberg, wie er sagt. Dort bestellt er für uns alle eine Runde „Dillinger Escape Plan“, einen Drink, von dem er schwört, dass wir ihn auf jeden Fall probieren müssen. Was wir serviert bekommen, riecht ein wenig wie das Wasser, in dem saure Gurken eingelegt sind, schmeckt aber erstaunlich gut. Ein Blick auf die Karte verrät mir, warum der Cocktail so nach Gurkenwasser riecht. Neben Gin, Holunderblütenlikör und Zitronensaft enthält dieser nämlich auch noch Gurke, Dill und etwas Meersalz.

Leider ist die Bar an diesem Abend ziemlich voll und laut, was vielleicht auch ihrer Lage direkt am berühmt-berüchtigten Kottbusser Tor geschuldet ist. Ich merke, dass ich langsam ganz schön müde werde, im Gegensatz zu Maxi und Berna, die jetzt erst richtig aufdrehen und bereits Pläne schmieden, wo es als nächstes hingehen soll. Wir bestellen noch eine zweite Runde, bevor wir gemeinsam aufbrechen, doch trotz ihres Bettels und Flehens, noch mit ihnen in den Kater Blau zu gehen und die Nacht zum Tag zu machen, kann ich widerstehen und mich von den beiden losreißen.

Wir verabschieden uns mit Umarmungen von einander, und während sie sich in ein Taxi Richtung Club schwingen, steige ich in die nächste U-Bahn, die zu unserer Wohnung fährt. Ich bin noch nicht bereit für so eine richtige Partynacht in Berlin. Aber was nicht ist, kann ja noch werden, und gerade freue ich mich einfach nur, einen tollen, wenn auch ruhigen Abend mit meinen fantastischen Mitbewohnern in dieser aufregenden Stadt gehabt zu haben.

Die Fotografie stammt von Yeo Khee
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Stil in Tokio: Japanische Straßenmode

Bevor Japan früher oder später in einem Atomkrieg mit Nordkorea landet, endgültig im Meer versinkt oder aufgrund sinkender Geburtenraten schlicht und einfach ausstirbt und individuelle Kleidungsstile nicht wirklich mehr viel zählen, haben wir uns in den überfüllten Straßen von Tokio umgeschaut, um e...
Stil in Tokio: Japanische Straßenmode

Stil in Tokio

Japanische
Straßenmode

Daniela Dietz

Bevor Japan früher oder später in einem Atomkrieg mit Nordkorea landet, endgültig im Meer versinkt oder aufgrund sinkender Geburtenraten schlicht und einfach ausstirbt und individuelle Kleidungsstile nicht wirklich mehr viel zählen, haben wir uns in den überfüllten Straßen von Tokio umgeschaut, um ein paar wahrlich grandios angezogene Menschen zu fotografieren und den ein oder anderen hier im modisch oft eher trüben und schnöden Deutschland zu inspirieren.

In den Untiefen von Shibuya, Harajuku und Shimokitazawa sind wir dann auf ein paar würdige Leute gestoßen, deren Styles uns ziemlich umgehauen haben. So etwas sieht man in München, Hamburg, Köln und sogar dem sonst so kreativen Berlin eher selten. Also haben wir laut “Sumimasen!” gerufen, die Kamera drauf gehalten und ein Stück modische Zeitgeschichte festgehalten.

Unter anderem sind die kunterbunte Suzy, die cooler als cool in einer der zahlreichen Seitengassen chillt, auf unseren Schnappschüssen gelandet. Dann sind da die Hypebeasts Kazuki und Akira, der Rotschopf Lilly, die Vollzeitmuse Hirari und ein bunter Kauz, dessen Namen wir zwar nicht verstanden haben, aber der uns sicher mitteilen wollte, dass Bilder sowieso mehr als Worte sagen.

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Die Fotografie stammt von Marlen Stahlhuth
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Kreativität war gestern: Berlin ist die Hauptstadt der kulturellen Bedeutungslosigkeit

Nein, das hier bezieht sich nicht auf zur Schau getragenen Hedonismus, nicht auf exzessive Partys, nicht auf freie Liebe, nicht auf eure Fahrräder oder euren Haarschnitt oder eure politische Einstellung und nein, um eure Outfits geht es auch nicht. Mich beschäftigt das System Berlin an sich, der...
Kreativität war gestern: Berlin ist die Hauptstadt der kulturellen Bedeutungslosigkeit

Kreativität war gestern

Berlin ist die Hauptstadt
der kulturellen
Bedeutungslosigkeit

Manuel Iljitsch

Nein, das hier bezieht sich nicht auf zur Schau getragenen Hedonismus, nicht auf exzessive Partys, nicht auf freie Liebe, nicht auf eure Fahrräder oder euren Haarschnitt oder eure politische Einstellung und nein, um eure Outfits geht es auch nicht.

Mich beschäftigt das System Berlin an sich, der molten boredom pot Berlin, dieser Diskurs der Dilettanten, euer kollektiver Exhibitionismus, dessen Nacktheit längst Schablone ist. 
Naja, gut. Dann geht es wohl auch um alles im ersten Absatz erwähnte, auf eine Art. 
Schamlosigkeit, aber erst einmal in Hinblick auf Kunst, oder das, was als solche durchgeht.

Berlin, es gab da einmal eine gewisse Hürde, eine ganz persönliche Hürde oder eine institutionelle oder beide kombiniert, die es zu überwinden galt, bevor man sich mit einem Werk an die Öffentlichkeit wagte. Was auch immer die Öffentlichkeit sei – in Berlin ist sie zumindest hinreichend definiert. Die weit geöffneten Augen und Münder und Gesichter.

Sicher, besagte Hürden haben so manchem großen Kopf und kleinen Rädchen zugesetzt. Haben vielen Menschen zu Unrecht Leben und Werk erschwert, mal mehr, mal weniger, sie scheitern lassen. Aber das war wichtig. Für sie. Und für euch. Und für uns. 
Von daher: schön und gut, die ganze Geschichte mit der Demokratisierung der Kunst. Schön und gut.

Heute braucht man kein teures Studio mehr, um Musik zu produzieren, keinen Verlag, um ein e-Book zu publizieren, und nur eine iPhone-Kamera, um Preise zu gewinnen. Jeder art-dirigiert an Blogs und Instagram herum, schön und gut. Ein wenig Kreativbalsam, eine kleine Sternstunde für das reizüberflutete Ego, wenn einem gefolgt wird, wenn man gefällt.

Dass die Kuchenstücke immer kleiner werden, je mehr Mädels sich mit Creepers an den Füßen an den Tisch aus Lemonaid-Kisten gesellen – das wirst du auch schon bemerkt haben, Berlin, meine liebe. Das bemerkt jeder. Deswegen hat ja auch keiner Kohle. Warum einen Kreativen bezahlen, wenn es 150 Alternativen im selben Café gibt, die es umsonst tun.

Das verdirbt nicht nur die Preise, Berlin, das führt vor allem zu einem Phänomen: dass ein Großteil dessen, was aus dir hervorkommt, scheiße ist. Einfach scheiße. Das bleibt so, auch wenn dir deine nahen und fernen Freunde ständig das Gegenteil erzählen, weil sie befürchten, du könntest ihnen im Gegenzug die Arschkriecherei verwehren.

Du bist ein ganz gut funktionierendes System, Berlin, so schnell bringt man dich nicht ins Straucheln. Du stehst stabil, während du deine müden Eier im Mund hast und an deinem eigenen, einzigen Strang ziehst. 
Begeistert reiht sich jedes Teilchen ein, Berlin, du bist eine dämlich vor sich hin strahlende rousseausche Amöbe. Schön und gut!

Und all das lässt sich ja auch leicht positiv formulieren: entweder ist es eben der Vibe der Stadt, die kreative Energie, die überschäumende Freiheit etc etc – oder das Berlin, das ich hier besinge, ist das Berlin der Anderen, das man beschmunzelt, von dem es sich abzugrenzen gilt, weil man sonst nicht mehr akzeptiert wird. Auf der einen oder anderen Seite.

Ja, so ist es, unser Berlin, und man legt eine verträumt nostalgische Nuance unter die Hornbrille und in die Mundwinkel, Problem gelöst. 
Man muss dich ja mögen, Berlin. Du bist betongewordene Networking-Utopie, du bist Mutterschoß der dörflichen Seele, die sich ihre Verlorenheit in die dünnen Haare koloriert und in dir endlich Verständnis und Einheit wiederfindet.

Du tust dem Menschen im selben Maße gut wie die freie Marktwirtschaft. Gibst ihm die produktive Illusion der unbegrenzten Entfaltungsmöglichkeiten, der freien Wahl, und weist ihm höflich seinen Platz zu. Und frisst ihn langsam auf, oh! Berlin frisst mich auf, oh Lord sie frisst mich auf, und doch will ich nichts andres als ihr Fraß zu sein, so stöhnen masochistisch die kleinen Schwäbinnen, während sie in irgendeinem Park ganz leicht in den bleichen Knien wippen, auf schlechtem MDMA, die Gardine ihrer Oma um den Kopf gewickelt, und fühlen sich Madame del Rey so nah wie nie.

Schön und gut bist du, Berlin, ich komme dich gern besuchen. Mich stört nur deine Ironielosigkeit. Wenn wieder einer deiner Söhne so einen genialen Moment hatte, zum Beispiel. Er irgendeinen hippen Slogan auf ein T-Shirt schreibt, darauf basierend einen Shop, ein Mixtape, eine Snapback- und Beutelkollektion aus dem Boden stampft, dann ist das zwar Demokratie par excellence américaine, was mir nur fehlt ist das gequälte Schmunzeln. Nimm deine Scheiße nicht so ernst, Berlin!

Denn wenn wir ehrlich sind: außerhalb deiner eingeebneten Stadtmauern hört deine Öffentlichkeit auf. Naja, Stuttgart ausgenommen. Und die Ecken Madrids und Barcelonas, wo es keine Arbeitsplätze gibt. Dort munkelt man: in dir, Berlin, geht Arbeitslosigkeit und –verweigerung, Unterbezahlung und –gewicht, Reizhusten und –überflutung als Lifestyle durch.

In den schickeren Ecken – dort, wo es vor zwanzig, dreißig, vierzig Jahren besonders dreckig war – werden Bürgerinitiativen gegründet, Cafés platziert, Spielplätze gebaut, Biomärkte eröffnet, Bäume umhäkelt und Schilder in die Fenster des ersten Stocks gehängt, die unerbittlich auf die Nachtruhe ab zweiundzwanzig Uhr hinweisen. Die Kinder müssen schließlich schlafen, damit sie im globalen Vergleich nicht wegen unterdurchschnittlicher Munterkeit schlecht abschneiden.

Gemeinsam für unseren Kiez. Gemeinsam gegen Sauerkirschbaumäste, die vom benachbarten Grundstück aus in meinen Schrebergarten ragen. Gemeinsam gegen Diskriminierung, gemeinsam für Jungmigrantenstipendien, um eine gesunde Mischung in der KiTa zu gewährleisten. Gemeinsam wohlwollend lächeln und auf Schultern klopfen.

Gemeinsam das Logo der Initiative auf Jutebeutel drucken. Gemeinsam. Gemeinsam tweeten, gemeinsam gut gekühlten Vinho Verde trinken im Park, während die Sonne scheint. Reclaim your City, reklamiere deinen fehlerhaften Wollschal, nutze Reclam-Hefte als Dekorationsobjekte. Rieche am Klo, dein Stuhl ist der schadstofffreie Zement der neuen Welt.

So, Berlin, du Zuckermaus, ich habe mich ein wenig in dir verlaufen. War nett gemeint, jedenfalls. Wie du braunäugig unter deiner Mütze hervor lugst, entzückend ist das. Betrachten wir dich einfach mal als ausgedehnte liminale Phase. Tu mir nur einen Gefallen und sei konsequent: wer Kunst für Zahnarztpraxen macht, der steht dem Zahnarztdasein vielleicht näher als der Kunst. So ist er eben, der Diskurs der Dilettanten, euer kollektiver Exhibitionismus, dessen Nacktheit längst Schablone ist.

Die Fotografie stammt von Jonas Tebbe
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Der Dealer und ich: Eine Begegnung in Berlin

Vor einem Jahr treffe ich Jamaal zum ersten Mal. Mit Kapuze auf dem Kopf und Wein in der Hand sitzt er allein vor dem Spätshop meines Vertrauens und konsumiert im Sekundentakt. Völlig verpeilt stürme ich schon fast an ihm vorbei, als sein ehrliches Lächeln mich unerwartet stolpern lässt. In diese...
Der Dealer und ich: Eine Begegnung in Berlin

Der Dealer und ich

Eine Begegnung
in Berlin

Wenke Walter

Vor einem Jahr treffe ich Jamaal zum ersten Mal. Mit Kapuze auf dem Kopf und Wein in der Hand sitzt er allein vor dem Spätshop meines Vertrauens und konsumiert im Sekundentakt. Völlig verpeilt stürme ich schon fast an ihm vorbei, als sein ehrliches Lächeln mich unerwartet stolpern lässt.

In diesem Moment weiß ich, dass Weitergehen keine Option ist. Gründe dafür gibt es genug. Jamaal reicht mir mit aufgerissenen Augen eine Zigarette und lächelt. Einander fremd genießen wir diesen einen kurzen Moment der Stille. Dann fangen wir an zu sprechen.

Jaamal, wo kommst du her? Ich hab Dich hier noch nie gesehen.

Ich komme aus Senegal, doch die letzten drei Jahre habe ich in Mailand gewohnt. Ich bin erst seit einem Monat in Berlin und empfinde es als eine Art Befreiung.

Warum Befreiung?

Ich lebte dort mit meiner Frau und meiner kleinen Tochter. Doch zu meinem richtigen Zuhause wurde es nie. Italien macht es Farbigen nicht wirklich einfach, sich akzeptiert und als Teil des Landes zu fühlen. Jeden Tag empfand ich wie ein Ausgestoßener, ein Fremder.

Mit gesenkten Blick nimmt Jamaal einen heftigen Schluck von dem Wein und bietet mir erneut eine Zigarette an. Obwohl wir uns erst seit einigen Minuten kennen, spüre ich eine Art emotionale Verbundenheit.

Berlin steht für dich also für einen Neuanfang?

Ja. Erstmal wollte ich weg von der Diskriminierung. Weg von dem Hass. Jetzt merke ich, dass es nicht überall so sein muss. Hier sind die Menschen viel offener und toleranter.

Und deine Familie? Was ist mit deiner Frau und deiner kleinen Tochter?

Sie ist nicht mehr meine Frau. Wir lassen uns scheiden, weil wir am Ende zu oft gestritten haben und unterschiedliche Lebensauffassungen haben. Meine Tochter liebe ich natürlich über alles. Doch ich musste einfach weg, weil dieser Zustand nicht mehr auszuhalten war.

Ist deine Frau Italienerin?

Ja, aber ich lernte sie in Senegal kennen. Wir verliebten uns unsterblich ineinander und mir war sofort klar, dass ich mit ihr nach Mailand gehen würde, weil es ihre Heimatstadt ist.

Eine schöne Geschichte, mit einer traurigen Wendung. Wie fühlt es sich für dich an, jetzt wieder so völlig allein zu sein und bei Null anfangen zu müssen?

Es ist schwer und noch so frisch, doch ich bereue es nicht. Berlin zeigt mir neue Möglichkeiten, neue Freiheiten. Hier fühle ich mich als Mensch, nicht primär als Farbiger.

Plötzlich springt Jaamal auf und fragt mich, ob wir den Wein nicht mitnehmen wollen. Klar, entgegne ich ihm leicht überrascht. Wir verschwinden in die Nacht und setzen uns auf eine ruhig gelegene Bank an der Spree.

Was genau machst du jetzt?

Ich verdiene Geld, indem ich Drogen verticke. Am Abend rennen hier ein Haufen Touristen rum, die ständig nur das Ziel haben drauf zu sein um die ganze Nacht feiern zu können. Gras, Speed, Kokain. Sie kaufen alles, egal wie teuer es ist. Damit lässt sich gut und schnell Geld verdienen.

Ja. Hier laufen meistens mehr Touristen als Anwohner durch den Kiez. Ist mir auch schon aufgefallen, dass die entweder drauf sind oder drauf sein wollen. Doch was ist mit dir? Das Drogen verticken alleine macht dich doch nicht glücklich, oder?

Nein, aber so schnell verdiene ich woanders erstmal kein Geld. Ich spreche sechs Sprachen und habe kein Problem damit, Menschen offen anzusprechen. Das ist mein Schlüssel. Seitdem ich in Berlin bin, habe ich keine Nacht geschlafen. Auch wenn ich will, es geht einfach nicht. Meistens lege ich mich am Vormittag in meinem Hostelzimmer für ein paar Stunden hin, um später wieder in den Park oder abends in die Clubs zu gehen.

Ich bin auch ein Nachtmensch, aber dein Pensum würde ich wahrscheinlich nicht durchhalten. Wie machst du das?

Ab und zu nehme ich Speed. Es hält wach und du frierst nicht. Ich bin diese Kälte nicht gewohnt. Aber mit Wodka und ein paar Lines spüre ich kaum noch was.

Speed und Kokain ähneln sich äußerlich ja sehr. Doch im Preis unterscheiden sie sich immens. Nutzt du das ab und auch aus?

Naja. Manchmal verkaufe ich Speed, obwohl die Leute nach Kokain fragen. Damit bekomme ich ungefähr das Sechsfache im Preis. In einer guten Nacht verdiene ich im Club und auf den Straßen schon mal tausend Euro.

Okay. Das ist ein ziemlich deftiger Tagessatz. Und dein Gewissen spielt damit?

Ja, wie gesagt die Leute wollen Party machen um jeden Preis. Sie übernachten im Hostel, aber sind nie da, weil sie Berlin in der ganzen Bandbreite wahrnehmen wollen. Beide Seiten sind in dem Fall ziemlich hungrig.

Du dealst, um zu hier zu leben, aber dein Herz ist doch bestimmt in Senegal und bei deiner Tochter?

Ja, natürlich. Wenn es mir möglich ist meine Tochter zu besuchen, werde ich es tun. Doch mein Herz wird immer in Afrika sein. Dort wohnt auch meine Mutter. Für mich ist und bleibt sie der wichtigste Mensch in meinem Leben.

Jaamal, hast du einen Traum?

Irgendwann will ich zurück nach Senegal gehen, um eine kleine Bar aufzumachen. Dort wartet meine Familie, die Sonne und das Land, was ich meine Heimat nenne. Das ist mein Traum.

Der Wunsch, Jaamal einmal fest zu drücken überkommt mich. Ich tue es. Wir atmen beide tief durch und genießen die Stille, während uns ein paar verlorene Sterne ins Gesicht strahlen. Jetzt sind wir keine Fremden mehr.

Die Fotografie stammt von Hidde Schalm
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Die McFit-Hölle: Sport ist Mord

Letztes Jahr wurde mir auf meiner Rucksackreise durch Südostasien vor allem nahe gebracht, wieso Asiaten eigentlich immer so eine schmächtige Statur haben. Weil ihr Essen meistens Durchfall verursacht. Es schmeckt fantastisch und sieht eigentlich recht gesund aus, aber ein kausaler Zusammenhang zwis...
Die McFit-Hölle: Sport ist Mord

Die McFit-Hölle

Sport ist
Mord

Sara Navid

Letztes Jahr wurde mir auf meiner Rucksackreise durch Südostasien vor allem nahe gebracht, wieso Asiaten eigentlich immer so eine schmächtige Statur haben. Weil ihr Essen meistens Durchfall verursacht. Es schmeckt fantastisch und sieht eigentlich recht gesund aus, aber ein kausaler Zusammenhang zwischen der Nahrungsmittelaufnahme und den regen Magen-Darm-Aktivitäten muss bestehen. Anders können sich meine Oberschenkel nicht den Gewichtsverlust von zehn Kilogramm innerhalb von sechs Monaten erklären.

Vielleicht neige ich hier zu übereilten Schlussfolgerungen. Vielleicht lag es auch an meinen Muschi-Organen, die nur mit luftdicht abgepackten Lebensmitteln und sterilem Porzellan klarkommen. Arme Backpackerjahre sind keine Herrenjahre. Die Ost-Asiaten haben sicherlich eine durchschnittliche Darmflora und können genauso gut und stabil kacken gehen, wie alle anderen gesunden Menschen.

Obwohl ich sicherlich als Folge der Ernährungsumstellung mit Verätzungen an sensiblen Stellen rechnen muss, hatte meine kleine Reise in die Activia-Hämisphäre einen großen Vorteil zu verbuchen. Ich war rank und schlank und konnte im Bikini, wenn schon nicht mit einem ganzheitlichen Frauenbild, dann wenigstens mit einem schlanken Bauch triumphieren. Dann sollte man aber auch betonen, dass das an Thailands Stränden nicht besonders schwer ist. Dort konkurriert man hauptsächlich mit fettbäuchigen Sextouristen aus Westeuropa.

Die kleine Reise hat ein Ende genommen und meine Auto-Schlankheit leider auch. Bedauerlicherweise hat die psychologische Umstellung nicht ganz mitgezogen. Ich war zwar zurück beim festen Stuhlgang, allerdings nicht bei den proportionalen Essgewohnheiten. Und so kam es, dass ich innerhalb weniger Monate ungefähr zehn Kilo zunahm und heute aussehe, als hätte sich eine Fettschwarte mit Eigenleben um meinen zarten Elefantenkuhkörper gelegt.

Den Prozess konnte ich jeden Morgen am Spiegel beobachten, jedoch war ich machtlos. Tiefkühlpizza, drei Mal am Tag Chilli Cheese Fries bei Burgermeister und ein Sommer voller Eis-am-Stiel. Auch in der Grätsche berühren sich meine Beine noch, und meine Kimme schwitzt, wenn ich mich beim Aufstehen strecken möchte. Jetzt ziehe ich die Zügel der Disziplinlosigkeit. Spätestens, wenn man dem Zug hinterherrennt und dabei Blut kotzt und schwitzt, als käme man gerade frisch aus einem Brandkatastrophengebiet, muss man zur Tat schreiten, die Hand erheben und laut rufen: Stop! Hungertime!

Ich werfe alle meine Prinzipien der “effizienten Faulheit”, das bedeutet “zu faul sein, um sich etwas zu essen zu machen, deshalb einfach weiterhungern” als Diätregelung, über Bord, denn der Appetit hat ein Monster erschaffen, welches mein Bewusstsein hypnotisiert und dafür sorgt, dass ich den ganzen Tag nichts anderes mache, außer Fettklumpen in meinen Rachen zu schieben und Flüssigschmalz zu gurgeln.

Ganz ehrlich: Wenn das so weiter ginge, ich wäre schon bald die Hauptrolle für das Remake von “Feed”. Und deshalb bin ich jetzt eines dieser Opfer, Sklavin der Schönheitsideal-Gesellschaft, die zwei bis drei Mal die Woche in die McFit-Filiale ihres Vertrauens reinrollen, um etwas für ihr Geschlechtsverkehr-Rating zu tun.

McFit, der 24-Stunden Discounter für Menschen, die “Sport” machen wollen, ist ja ein Biotrop für Kulturen, denen man sonst nicht nahe kommt. Pumper, die sich gegenseitig per Grunzlaute anfeuern, Schwule, die stundenlang den Stepper für einen begehrenswerten Knackarsch belegen, Michaela und Sabine, die sich seit der Scheidung den Yoga-Kurs nicht mehr leisten können und natürlich ich, wie immer die Einzige, die ins Fitnessstudio geht, um tatsächlich abzunehmen. Mein Schwabbel und mein Wabbel fallen auf, aber ich bin da jetzt hart und lasse niemanden über mich urteilen, ohne nicht mindestens genauso angeekelt zurück zu spucken.

Das Gerät meiner Wahl ist der Crosstrainer. Das Wort alleine bringt mich schon zum schwefeligen angstfurzen. Nach jeder halbstündigen Session sehne ich mich nach Nachkriegsreha und einer Streicheleinheit. Ich verstehe das nicht, wie Menschen tatsächlich Spaß an Sport haben. Wisst ihr, was Spaß für mich ist? Essen. Und rumliegen.

Ich will keinen Sport machen, niemand will Sport machen, man muss Sport machen, so lange man noch keinen Mann so hart gegen die Wand gebumst hat, dass Kinder aus dem eigenen Arsch fallen. Die Option der Fortpflanzung möchte ich mir irgendwie erhalten – und das geht nur, wenn man unter den Speckfalten meine primären Geschlechtsteile auch noch findet.

Ich habe auch andere Formen der Kalorienabnahme in Erwägung gezogen. Eine Salat-Diät, die mich wütend macht. Speed, weil ich ja nicht genug Suchtprobleme zu bewältigen habe. Teamsport, damit mir auch alle schön beim Sterben zusehen können. Fett absaugen, die Kohle sitzt ja locker unter den Achseln. Aber der soziale Druck im Fitnessstudio und die Selbstgeißelung vor dem Spiegel sollten das nötigste Commitment herauspressen, um Ergebnisse zu erzielen.

Aber das Schlimmste an so einer drastischen Maßnahme ist wahrscheinlich nicht einmal der Sport, sondern der ausbleibende Effekt. Ich habe nämlich nicht das Gefühl, dass sich mein Körper im Zustand des Bewegens oder des Nicht-Essens von seinen Fettreserven ernährt. Eigentlich habe ich die meiste Zeit nur noch mehr Lust als sonst, in einen Laib Käse zu beißen und mich unter eine Cola-Dusche zu stellen.

Wie machen das die Leute, die sich bedingungslos selbst lieben und das als Motivationsgrundlage für gesunde Ernährung und Sport (!) nehmen? Wieso reicht es nicht, drei Mal am Tag einfach irgendetwas zu essen und täglich die fünf Stockwerke in die eigene Wohnung hoch und wieder runter zu laufen? Ich komme zu dem Schluss, dass das Leben ein Arschloch ist und die Dringlichkeit von Sport in meinem Leben die Strafe für all meine Sünden ist. Und ihr so?

Die Fotografie stammt von Şule Makaroğlu
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Kita, Koks und Kater Blau: Meine Wohnungssuche in Berlin

Während ich unter der Dusche stehe, mir leblos die Haare wasche, beschwerlich die Zähne putze und überhaupt erst richtig wach werde, klingelt es sirenenartig im Zehn-Sekunden-Takt an der Wohnungstür. Ich hasse diese Momente und reagiere auf eben solche meist mit der Gleichgültigkeit des monoton flie...
Kita, Koks und Kater Blau: Meine Wohnungssuche in Berlin

Kita, Koks und Kater Blau

Meine Wohnungssuche
in Berlin

Katrin Olszewski

Während ich unter der Dusche stehe, mir leblos die Haare wasche, beschwerlich die Zähne putze und überhaupt erst richtig wach werde, klingelt es sirenenartig im Zehn-Sekunden-Takt an der Wohnungstür. Ich hasse diese Momente und reagiere auf eben solche meist mit der Gleichgültigkeit des monoton fließenden Wasserstrahls vor meinen Augen.

Der Postbote soll mit seiner Weihnachtsladung an Paketen doch bitte zu unserem Hartz-IV-Nachbarn gehen, der eh nichts anderes zu tun halt, als sich einen wunderbar original laminierten Arno-Dübel-Gedenktisch zu basteln, philosophiere ich noch, als es heftig zu klopfen und lärmen anfängt. Sondereinsatzkommando? Nein, viel schlimmer noch, es ist mein alter Kollege Tobias.

Das Temperament lässt sich quasi an seinen Lippen ablesen, als ich in der Tür stehe und ihn phlegmatisch hereinwinke. Die Wohnungsbesichtigung war wohl wieder ein Schuss in den Ofen. Tobias sucht seit etwa einem Jahr seine Traumwohnung in Berlin und findet, in seinem Fall, natürlich keine. „Welcome to the Circus“ könnte es auch heißen, wenn man die Absage eines Makler-Hipsters in die Tasche steckt.

Bei der Ausschreibung der Inserate fängt es ja bekanntlich schon an. Wir bieten: Wohnung zur Zwischenmiete, zum Tausch, für mindestens hundert Monatsmieten Provision, Mietzuschlag wegen Neubezug, selbstständige Mängelbeseitigung, mit Schimmel und ohne Klo. Wow, da wohne ich doch lieber gleich auf der Straße.

Die Chance, in Berlin reibungslos eine Wohnung zu finden, ist in etwa so groß, wie Karl Lagerfeld im Hawaiihemd oder Jürgen von der Lippe im Anzug zu begegnen. Kein Wunder auch, bei der momentan rapide steigenden Bevölkerungszahl, die sich proportional zu den Kothäufchen an den Straßenecken verhält. Aber warum ist das so?

Ich selbst bin Berlinerin und quasi ein Urgestein in den einst friedlichen Gefilden meiner Geburtsstätte. Doch im Laufe meiner pubertären Achterbahnfahrten musste ich feststellen, dass auch die Welt sich immer weiter dreht und die Menschheit mit ihr. Es ist die Zeit des Lebens, die uns dazu zwingt neue Orte zu erkunden, uns zu suchen und zu finden. Und sei es auf dem Penny-Parkplatz in Plauen.

Aber Berlin ist Metropole. Berlin ist Mutterstadt. Berlin ist so wunderbar. Kita, Koks und Kater Blau, denken viele und packen ihre Bündel Scheine ein, um sich auf den Weg in die große Stadt zu machen. Reiche Söhne investieren dank Papi in Aktien und kaufen Wohnungen oder ganze Bezirke.

Jaja, es ist traurig und eine alte Leier, ich weiß. Aber mit dem explodierenden Überangebot an Eigentumswohnungen und der rigorosen Anfechtung der letzten drei besetzten Häuser in Berlin, sinkt die Hoffnung auf das einst so starke Gemeinschaftsgefühl und hinterlässt just den hässlichen Status Quo einer egoistischen und kapitalistischen Gesellschaft.

So ist es nun auch mit der Wohnungssuche. Die Werbespots von Zalando machen es vor, die Bewerber in Kreuzberg machen es nach. Allein vor meinem Haus fand neulich eine Besichtigung mit 64 Leuten statt. Ich habe nachgezählt, weil ich es selbst nicht glauben wollte und der Meinung war, es wäre jemand aus dem Fenster gesprungen und ich hätte unverzüglich den Notarzt zu rufen. Doch als der Makler seine 64 hysterischen BWLer an die Hand nahm und ins Haus führte, war mir alles klar.

Nun hängt Tobias ebenfalls im Fadenschein des Netzes fest und hofft, endlich von der schwarzen Witwe erkannt zu werden, die stets ihre flinken Beine in Bewegung hält, um alles an sich zu reißen, was einen guten Geschmack und ein bisschen Provision in petto hat.

Mittlerweile hat er sich mit dem Gedanken abgefunden, das in Berlin kein Luxusloft, sondern eine solide und warme Behausung auch viel wert ist, und man frei nach Arno Dübel mit den Worten „Man soll sich doch so wenig Arbeit machen wie es geht.“ gut leben kann. Ansonsten zieht man einfach nach Plauen.

Die Fotografie stammt von Jonas Denil
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Japan bei Nacht: Tokio schläft

Wie ihr wisst, ist Tokio meine absolute Lieblingsstadt auf dieser Welt. Und wahrscheinlich auch im noch unentdeckten Rest des Universums. Ich war in New York, London, Paris - nichts kommt auch annähernd an diese immer blinkende, immer leuchtende, immer glühende Metropole heran. Wer in die japanis...
Japan bei Nacht: Tokio schläft

Japan bei Nacht

Tokio
schläft

Marcel Winatschek

Wie ihr wisst, ist Tokio meine absolute Lieblingsstadt auf dieser Welt. Und wahrscheinlich auch im noch unentdeckten Rest des Universums. Ich war in New York, London, Paris – nichts kommt auch annähernd an diese immer blinkende, immer leuchtende, immer glühende Metropole heran.

Wer in die japanische Hauptstadt eintaucht, der kommt als anderer Mensch wieder heraus, wer mit offenen Augen und Ohren durch die Spielhallen, Izakayas und Konbinis von Shibuya, Akihabara und Shimokitazawa streift, der möchte nie wieder von dort fort, der will für immer ein Teil dieser aufregenden Parallelwelt sein, die so voller Abenteuer, Musik und Leben steckt.

Aber Tokio kann auch anders. Der Fotograf Robert Götzfried zeigt uns die Metropole am anderen Ende der Welt von ihrer ruhigen Seite. Nachts streifte er durch die Straßen der japanischen Hauptstadt und verewigte in seinen Bildern das Gesicht eines kulturellen Schmelztiegels, das so nur wenige sehen können.

Tokyo Sleeps Tonight“ nennt der Wahlmünchener sein mehrere mysteriös dunkle Bilder umfassendes Werk und bezeichnet damit auch das Gefühl, welches einen beim Anblick überkommt. Tokio als menschenleeres und vielleicht auch deshalb wunderschönes Universum, das so anders ist als das Tokio, das man sonst kennt.

„Ich wollte die Stadt abseits der berühmten Hotspots wie Shibuya oder dem Tokyo Sky Tree vorstellen“, erzählt Robert uns. „Gelandet bin ich dann in den Wohnvierteln von Minato City. Es ist der Teil der Stadt, in dem echte Menschen leben und abhängen – oder auch nicht.“

Und weiter: „Im Gegensatz zum Rest von Tokio sind diese Teile der Stadt nachts einfach leer. Ich denke, es macht vollkommen Sinn – die meisten Leute müssen am nächsten Tag zur Arbeit gehen, genau wie überall auf der Welt. Ich habe eine Stadt gefunden, die schläft.“ Es ist doch irgendwie beruhigend zu wissen, dass auch diese immer blinkende, immer leuchtende, immer glühende Metropole nachts zur Ruhe kommt – zumindest teilweise.

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Die Fotografie stammt von Robert Götzfried
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Hollow Knight: Im Königreich der Käfer

Hollow Knight gibt es quasi für jede Plattform unter der Sonne. Xbox, PlayStation und sogar für Nintendo-Konsolen - da haben die Entwickler wirklich ganze Arbeit geleistet. Höchste Zeit für uns also, euch dieses außergewöhnliche Schmankerl der Indie-Videospielriege kurz vorzustellen. Schließlich zäh...
Hollow Knight: Im Königreich der Käfer

Hollow Knight

Im Königreich
der Käfer

Marcel Winatschek

Hollow Knight gibt es quasi für jede Plattform unter der Sonne. Xbox, PlayStation und sogar für Nintendo-Konsolen – da haben die Entwickler wirklich ganze Arbeit geleistet. Höchste Zeit für uns also, euch dieses außergewöhnliche Schmankerl der Indie-Videospielriege kurz vorzustellen. Schließlich zählt der aus dem Süden von Australien stammende Jump’n‘-Run-Titel durch seine dunkle, schaurige und mysteriöse Art und Weise zu den schönsten Action-Adventures der vergangenen Jahre.

Tief unter der langsam verfallenden Stadt Dirtmouth liegt ein uraltes zerstörtes Königreich. So manch einen Abenteurer zieht es dort in den Untergrund, um nach Schätzen, Ruhm oder nach Antworten auf mysteriöse Geheimnisse zu suchen. In Hollow Knight bahnt ihr euch nun einen Weg durch eine seltsame Welt voller Insekten, Helden und andere verdorbene Kreaturen, ganz im überall beliebten Metroidvania-Stil.

Die Atmosphäre ist meist ziemlich unheimlich und manchmal sogar beunruhigend, aber hin und wieder weht ein Hauch von Humor und Leichtigkeit durch die düstere Spielwelt, besonders dann, wenn man sich mit all den seltsamen und wunderbaren Gestalten unterhält, die man unterwegs trifft. Hollow Knight sieht wahnsinnig gut aus, bietet fordernde und reaktionsschnelle Action und hat eine unglaubliche, bizarre Insektenwelt, die darum bettelt, erforscht und erobert zu werden – wenn ihr es denn drauf habt.

Ich hatte auf jeden Fall meinen Spaß mit dem Spiel, auch wenn ich an manchen Passagen schier verzweifelt bin. Das lag oft zwar nicht unbedingt am zu hohen Schwierigkeitsgrad, sondern einfach aus einer fatalen Mischung aus Tollpatschigkeit und einer irgendwann bei mir eintretenden „Augen zu und durch“-Einstellung, die nur zu noch mehr Fehlern geführt hat. Wer einen etwas höheren Frustpegel besitzt und sich von solchen Stellen den Spielspaß nicht verderben lässt, der findet mit Hollow Knight ein schönes, rundes und liebevoll durchdachtes Abenteuer.

Hollow Knight: Im Königreich der Käfer Hollow Knight: Im Königreich der Käfer Hollow Knight: Im Königreich der Käfer Hollow Knight: Im Königreich der Käfer Hollow Knight: Im Königreich der Käfer Hollow Knight: Im Königreich der Käfer Hollow Knight: Im Königreich der Käfer Hollow Knight: Im Königreich der Käfer Hollow Knight: Im Königreich der Käfer Hollow Knight: Im Königreich der Käfer Hollow Knight: Im Königreich der Käfer Hollow Knight: Im Königreich der Käfer Hollow Knight: Im Königreich der Käfer Hollow Knight: Im Königreich der Käfer Hollow Knight: Im Königreich der Käfer Hollow Knight: Im Königreich der Käfer Hollow Knight: Im Königreich der Käfer Hollow Knight: Im Königreich der Käfer Hollow Knight: Im Königreich der Käfer Hollow Knight: Im Königreich der Käfer Hollow Knight: Im Königreich der Käfer Hollow Knight: Im Königreich der Käfer Hollow Knight: Im Königreich der Käfer Hollow Knight: Im Königreich der Käfer Hollow Knight: Im Königreich der Käfer Hollow Knight: Im Königreich der Käfer
Die Illustration stammt von Team Cherry
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Die Modebloggerin: Im Bett mit Masha Sedgwick

Ich war ja schon ein Fan von Masha Sedgwick, da war sie noch ein totaler Emo. Wie ich übrigens. Emofrisur, Emo-Make-up, Emogedanken. Wir waren damals alle ein wenig emotionell. Es gehört zu unserer Geschichte. Am Bahnhof abhängen und das Leben dunkel an sich vorbei ziehen lassen. Sich darüber Gedank...
Die Modebloggerin: Im Bett mit Masha Sedgwick

Die Modebloggerin

Im Bett mit
Masha Sedgwick

Daniela Dietz

Ich war ja schon ein Fan von Masha Sedgwick, da war sie noch ein totaler Emo. Wie ich übrigens. Emofrisur, Emo-Make-up, Emogedanken. Wir waren damals alle ein wenig emotionell. Es gehört zu unserer Geschichte. Am Bahnhof abhängen und das Leben dunkel an sich vorbei ziehen lassen. Sich darüber Gedanken machen. Ganz sanft. Ganz tief. Ganz gefühlvoll.

über diese lichtlose Zeit des Lebens scheint die kreative Künstlerin längst hinweg zu sein. Heute gehört Masha zu den beliebtesten und populärsten Modebloggerinnen des Landes. Sie schreibt über Klamotten, Kaffee und Frisuren, nimmt sich aber auch die Zeit, ihren Meinungen und Gedanken in epischen Texten freien Lauf zu lassen. Wie man das eben so macht. Als erfolgreiche Modebloggerin.

„Als ich meinen Eltern erzählte, dass ich mich ganz aufs Bloggen konzentrieren möchte, sah ich so viele Fragen in ihren Gesichtern,“ erzählt uns Masha. „Aber statt an jahrhundertelangen Traditionen festzuhalten, sollten wir uns darauf konzentrieren, was wir wirklich können und wollen. Womöglich können wir in Zukunft nur noch durch Leidenschaft und Hingabe Geld verdienen.“ Amen.

Die Modebloggerin: Im Bett mit Masha Sedgwick Die Modebloggerin: Im Bett mit Masha Sedgwick Die Modebloggerin: Im Bett mit Masha Sedgwick Die Modebloggerin: Im Bett mit Masha Sedgwick Die Modebloggerin: Im Bett mit Masha Sedgwick Die Modebloggerin: Im Bett mit Masha Sedgwick Die Modebloggerin: Im Bett mit Masha Sedgwick Die Modebloggerin: Im Bett mit Masha Sedgwick Die Modebloggerin: Im Bett mit Masha Sedgwick Die Modebloggerin: Im Bett mit Masha Sedgwick
Die Fotografie stammt von Maximilian Motel
Als Model ist Masha Sedgwick zu sehen
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Cat Heaven Island: Willkommen auf der Katzeninsel

Ihr habt bereits zwölf Katzen zu Hause, fürchtet aber, dass ihr noch mehr braucht? Allerdings steigt euch euer Vermieter bereits aufs Dach und würde euch sowie Mimi, Mira, Lili, Mia, Nelly, Sari, Luna, Nicky, Molly, Coco, Mucki und Kira am liebsten noch heute noch hochkantig rauswerden? Wir haben da...
Cat Heaven Island: Willkommen auf der Katzeninsel

Cat Heaven Island

Willkommen auf
der Katzeninsel

Marcel Winatschek

Ihr habt bereits zwölf Katzen zu Hause, fürchtet aber, dass ihr noch mehr braucht? Allerdings steigt euch euer Vermieter bereits aufs Dach und würde euch sowie Mimi, Mira, Lili, Mia, Nelly, Sari, Luna, Nicky, Molly, Coco, Mucki und Kira am liebsten noch heute noch hochkantig rauswerden? Wir haben da die perfekte Lösung für euch…

Auf der japanischen Insel Tashirojima, die im Volksmund gerne “Cat Heaven Island” genannt wird, leben mehr Katzen als Menschen. Sie schauen den Fischern beim Angeln zu, streunen durch die längst verlassene Schule und paaren sich ganz oben, auf dem höchsten Hügel, im blassen Licht des Vollmondes. Könnte es einen schöneren Ort für euch geben? Wohl kaum.

Landon Donoho und seine Kollegen haben ein paar Bewohner der Insel bei ihrem täglichen Treiben begleitet und hat aus dem kleinen Video dank Kickstarter nun eine richtige Dokumentation gemacht, um die Geschichte einer Insel zu erzählen, die vom Tsunami gezeichnet, vom Weggang der Jungen gebeutelt und dank der Klänge ihrer haarigen Bewohner auf vier Pfoten in der ganzen Welt bekannt ist.

Cat Heaven Island: Willkommen auf der Katzeninsel
Die Fotografie stammt von Christopher Michael Wong
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Drogen, Groupies, Egoschweine: Ficke niemals einen Rapper!

Schon klar. Du bist seit Teenagerzeiten großer Rap-Fan, hast früher so hart zu Eminem masturbiert, wie die Girls heute zu Drake, und möchtest nichts sehnlicher als endlich die Frau an der Seite eines Mannes zu sein, der stark, erfolgreich und irgendwie gefährlich ist. Bevor du aber zum nächsten K...
Drogen, Groupies, Egoschweine: Ficke niemals einen Rapper!

Drogen, Groupies, Egoschweine

Ficke niemals
einen Rapper!

Suzie Grime

Schon klar. Du bist seit Teenagerzeiten großer Rap-Fan, hast früher so hart zu Eminem masturbiert, wie die Girls heute zu Drake, und möchtest nichts sehnlicher als endlich die Frau an der Seite eines Mannes zu sein, der stark, erfolgreich und irgendwie gefährlich ist.

Bevor du aber zum nächsten Konzert gehst, die Security-Guards penetrierst und denkst, dein Groupie-Verhalten würde dir die große Liebe einbringen, lass mich dich warnen: In Wirklichkeit ist es nämlich ziemlich beschissen, einen Rapper zu daten. Sollte es dir dennoch wie eine gute Idee vorkommen, hier ein kleiner Guide.

Der Hipster-Rapper: Er ist der feuchte Traum einer jeden 13-Jährigen: Gut gekleidet, ziemlich witzig und mit einer Stimme gesegnet, die nicht nur „Whisky„, sondern vor allem „Sex“ schreit, auch wenn viele seiner Fans noch nicht mal wissen, wie das überhaupt geht. In den letzten Jahren hat er die meiste Zeit im Studio, auf Tour oder Preisverleihungen verbracht und nicht nur die deutsche Rap-Landschaft mit seinen Hits dominiert, sondern gleichermaßen den Mainstream.

Er ist die Art von Typ, der um seine Optik und seinen Erfolg weiß und es deswegen sehr genießt zu flirten. Auch wenn er sehr charmant ist, ist es praktisch unmöglich mit ihm auf ein normales Date zu gehen, es sei denn man hat Lust alle fünf Meter auf ein hyperventilierendes Teeniegirl zu treffen, für das man dann auch noch den Fotografen spielen darf.

Da es aber wahrscheinlich nicht dein Lebensziel ist, einen ganzen Bildband voller heulender Mädchen zu fotografieren, denen Rotze aus der Nase läuft, während dein Stecher gelangweilt den Arm um sie legt, werdet ihr euch nur noch bei ihm zu Hause treffen. Die gemeinsamen Abende werden also überwiegend daraus bestehen rumzuhängen, Pizza zu bestellen und zu kiffen.

Keine Frage: Wenn du jemanden gefunden hast, der immer einen lächerlich großen Vorrat deiner Lieblingsdroge in der Wohnung hat, dir ab und zu limitierte Sneaker schenkt und spaßeshalber nackt die Tür öffnet, dann bist du erst mal ziemlich happy. Da er und seine Band aber Meinungsführer einer ganzen Generation sind, wirst du leider mehr Zeit damit verbringen durchgeknallte Stalkerinnen auf Facebook und Instagram blockieren zu müssen, als du unterm Strich effektiv gevögelt wirst.

Abgesehen davon wäre es sowieso ziemlich naiv davon auszugehen, dass du die Einzige bist, ab einem gewissen Bekanntheitsgrad heißt es für einen Rapper nämlich nicht nur „Cash rules everything around me“ sondern auch „Groupies rule everything around me“. Die Schwierigkeit liegt aber nicht darin, dass ihm ständig und überall Muschi angeboten wird. Viel eher ist es das, was diese Dauer-Beweihräucherung mit seinem Hirn macht. Kritisierst du ihn, wird er sich aufspielen wie eine verdammte Diva.

Wenn dir die gelegentlichen Stimmungsschwankungen aber nichts ausmachen, dich die Sidechick-Politik nicht stört und du damit klarkommst, dass er manchmal Tage braucht um auf eine SMS zu antworten, dann seid ihr vermutlich das perfekte Paar. Allerdings wirst du wohl oder übel der Tatsache ins Auge blicken müssen, dass du trotz all deiner verständnisvollen Geduld immer die Nummer Zwei bleiben wirst. Den ersten Platz teilt er sich nämlich mit seiner Mainbitch namens Musik.

Der Gangster-Rapper: Assi-Slang, Bomberjacke, BMW: Der Gangster-Rapper tut nicht nur so als wäre er aus dem Ghetto, er ist es tatsächlich. Seine abgebrochene Mechanikerausbildung und der fehlende Hauptschulabschluss haben ihn allerdings nicht daran gehindert, seine Träume zu verwirklichen. Heute kann er deswegen genau die Art von Frau, die ihn damals immer eiskalt abserviert hat, mit in die Restaurants nehmen, die er sich früher nie leisten konnte.

Auch wenn man es nie vermuten würde, dieser Stereotyp ist trotz seines polizeilichen Führungszeugnisses ein Gentleman der alten Schule: Er ist nett, höflich und zuvorkommend, nennt dich „Baby“ und weiß genau, wo sich dein Platz als Frau befindet: Auf dem Rücken oder in der Küche. Seid ihr aber zusammen auf Tour, so wird er dich in teure Hotels einladen, dich bitten die Reizwäsche anzuziehen, die er dir kürzlich geschenkt hat, während er Champagner und Koks aufs Zimmer bestellt.

In diesen Nächten fühlt es sich so an, als seid ihr Bonnie und Clyde. Wenn du aber im Morgengrauen zu dir kommst, werden dir nicht nur die Haare auf seinem Rücken auffallen, sondern mit ihnen die Tatsache, dass das Leben eben doch kein Hollywood– Streifen ist und ihr euch lediglich in einem seiner klischeebehafteten, beschissenen Musikvideos befindet. Du als austauschbare, nuttige Nebendarstellerin inklusive.

Natürlich ist es von Vorteil mit einem Typen zusammen zu sein, dessen Oberarme fast größer sind als sein Ego. Solltest du dich jemals mit einer kriminellen Gang anlegen, werden er und seine Entourage das Problem schon für dich regeln. Wenn du aber eine von den Frauen bist, die noch einen Teil ihrer Selbstachtung und Würde besitzen, dann solltest du diese gleich zusammen mit deinen Gefühlen weg sperren, bevor er ein weiteres Mal „Baby, ich mag dich wirklich“ daher säuselt und es wieder nicht so meint.

Das Einzige, was diese Art von Mann nämlich wirklich mag, ist es die Kontrolle zu haben. Sein Mädchen bist du eben nur, solange der Haushalt in Ordnung ist, du nicht alleine feiern gehst und immer artig Schwanz lutschst. Da Chabos bekanntlich wissen, wer der Babo ist, wird es dir nicht schwer fallen, hier deine Rolle ausfindig zu machen.

Lass dich nicht blenden von seinen Muskeln, den gemeinsamen Drogenexzessen und Geschenken. Letzten Endes ist und bleibt er ein Hartzer im Kostüm eines Musikers, der zwar eine Menge Kohle, dafür aber einen viel zu niedrigen IQ hat. Du kriegst zwar den Jungen aus dem Plattenbau, niemals aber den Plattenbau aus dem Jungen.

Der Drogen-Rapper: Typen dieser Spezies haben sich früher nicht den Lernstoff, sondern anderes Zeug auf dem Pausenhof reingezogen. Was irgendwann mit einem Joint auf der Schultoilette begann, endete in einem Lebenslauf voller exzessiver Perioden in denen Alkohol, verschreibungspflichtige Medikamente und illegale Substanzen die Hauptrolle spielen. Heute lebt der DrogenRapper genau von diesen Erfahrungen: Seine witzigen Texte skizzieren eine rebellische Jugend, die bis heute nicht angehalten zu haben scheint.

Er ist die Art von Typ, der sich damals schon immer zu cool für alles vorkam, weswegen er bis heute nichts auf die Meinung anderer gibt. Seinen kindlichen Humor hat er sich bis heute bewahrt, was euer Date in der heruntergekommenen Kneipe, in der er eine Legende ist, überhaupt erst erträglich machen wird. Keine Sorge, beim ersten Treffen wird er wohl kaum auf Keta sein.

Wenn er dich aber später am Abend fragt, ob du noch mit zu ihm kommen willst, sag lieber nein, er ist nämlich trotz Fahrverbots mit seiner Schrottkarre da und hat vermutlich noch was anderes intus, als die Drinks, auf die er dich gerade nicht eingeladen hat. Wie soll er sich das ohne Top-10-Hit auch leisten können.

Wenn du dich momentan in einer Phase befindest, in der du dich gegen den Stock im Arsch deiner Eltern auflehnen möchtest, dann ist er genau der richtige Macker für dich. Sie werden ihn nämlich hassen. Durch ihn wirst du endlich den Mut haben die Drogen auszuprobieren, vor denen du vorher immer Schiss hattest.

Die Welt da draußen wird sich grenzenlos für dich anfühlen und seine Rostlaube dir wie ein Ticket in die Freiheit vorkommen. Solltet ihr aber die richtige Abzweigung verpassen und in Fledermausland abstürzen, wirst du früher oder später selbst anfangen im Supermarkt deinen Billigwein mit Pfand zu bezahlen. Betrachte diesen Punkt als den Anfang vom Ende.

Nach ein paar Nächten in seinem von leeren Bierflaschen umzingelten Bett wird dir nämlich auffallen, dass er ohne Schlaftabletten nicht pennen und wegen des Speeds ohne Viagra nicht bumsen kann, was so ziemlich der Inbegriff eines Losers ist.

Eure zukünftige Beziehung kannst du dir deswegen als Endlosschleife von Streitereien um den letzten Trip und nächsten Fick vorstellen, was nicht nur müh- sondern auch armselig ist. Es gibt noch andere Wege deine Jugend zu verschwenden. Verbringe sie nicht mit einem Rapper, der sich wegen der Zersetzung seiner Denkfähigkeit durch krassen Mischkonsum eh nicht an dich erinnern wird, wenn er Mitte Vierzig wegen einer Leberzirrhose draufgeht.

Der Emo-Rapper: Der Emo-Rapper ist ein Phänomen ohne seinesgleichen. Da er ein sehr bodenständiger Typ ist, hat er vor seiner Rap-Karriere sicherheitshalber was Anständiges gelernt: Mediendesign. Obwohl er privat ziemlich locker drauf ist, sind seine Songs das, was man eine akustische Depression nennen würde: Gesellschaftskritisch, selbstreflektiert, nahezu poetisch.

Rechnet man das alles zusammen, kommt man schnell darauf, dass er ein Mensch zu sein scheint, der sich für die schönen, gefühlvollen und auch ernsthaften Dinge des Lebens interessiert. Das wiederum macht ihn genau zu dem sensiblen Mann, den du dir schon dein ganzes Leben lang gewünscht hast.

Gemeinsam könntet ihr euch Nächte lang über intellektuelle Themen unterhalten, Wein trinken und im Morgengrauen eng umschlungen auf dem Teppichboden einschlafen. Zwar würdest du seinen Weltschmerz und die Wunden seiner Vergangenheit nicht heilen können, vielleicht würde er aber eines Tages einen verdammten Hit über eure Liebes-Story schreiben, einen Preis dafür gewinnen und dich damit zur stolzesten Rapper-Gattin der Welt machen.

Hey, komm mal raus aus deiner Scheinwelt. Auch wenn er ein EmoRapper ist, ist er noch immer ein Mann. Und Männer haben ja bekanntlich keine Gefühle, vor allem nicht wenn sie Rapper sind. Logisch! Auch wenn ich dich nicht enttäuschen möchte: Das Image deines Angebeteten hat leider nicht wirklich viel mit ihm zutun.

Klar, er ist auch in Wirklichkeit ein ziemlich melancholischer Typ, der viel Zeit damit verbringt seinen Kopf zu zermartern, allerdings wird er keinen Bock darauf haben, dich daran teilhaben zu lassen. Gefühle zu zeigen bedeutet in der Männerwelt eben Schwäche, und Schwäche bedeutet in der Frauenwelt dass wir nicht gevögelt werden wollen.

Da aber auch EmosRapper mehr als gerne einen wegstecken, solltest du nicht unbedingt versuchen an den Kern seines Inneren heranzukommen. Da drin ist er nämlich noch immer ein trotziger zehnjähriger Junge, der sich gegen deinen versuchten Tiefgang wehren wird. Betrachte eure gemeinsame Zeit lieber als oberflächliches Kumpeltum mit witzigen Gesprächen und sexy Vorzügen. Ihm dabei zuzusehen, wie er sich nächtlich in den Schlaf weint, wäre sowieso nur eine gewisse Zeit lang unterhaltsam.

Die Fotografie stammt von Dom Hill
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Gute Laune? Nein danke!Ich bin gerne schlecht drauf

Ich bin kein besonders freundlicher Mensch und bin es, soweit ich denken kann, auch nie wirklich gewesen. 
Schon in der Schule wurde ich teilweise wegen meines fiesen Blicks gemieden, was nicht heißt, dass ich keine Freunde hatte, nur Leute, die ich nicht kannte, konnten sich Sympathie meinerseits n...
Gute Laune? Nein danke!Ich bin gerne schlecht drauf

Gute Laune? Nein danke!

Ich bin gerne
schlecht drauf

Anna-Charleen Klahölter

Ich bin kein besonders freundlicher Mensch und bin es, soweit ich denken kann, auch nie wirklich gewesen. 
Schon in der Schule wurde ich teilweise wegen meines fiesen Blicks gemieden, was nicht heißt, dass ich keine Freunde hatte, nur Leute, die ich nicht kannte, konnten sich Sympathie meinerseits nun mal abschminken.

Eine Ärztin hat mal mit kritischem Blick auf mich herabschauend, in einem Tonfall, der meine Anwesenheit offensichtlich komplett ignorierte, zu meiner Mutter gesagt: „Ihre Tochter ist ein zu sehr ernstes Kind!” Schon damals war mir geheuchelte Freundlichkeit zu wider.

Heute gehöre ich zu der Sorte Menschen, die dem Kontrolleur in der Bahn wortlos und mit einem vernichtenden Blick der Gleichgültigkeit ihr Ticket reichen und weder ein “Bitte” oder “Danke” in Erwägung ziehen. Oft kommt es vor, dass Leute mich mit diesem Lari-Fari-Spruch an die Schulter tätschelnd anzufeuern versuchen: „Hey, lach doch mal!“ Gequältes Lächeln. „Na, das sieht doch gleich viel schöner aus.“ Ja und jetzt verschwinde endlich, es fängt schon an weh zu tun!

Es ist nicht so, dass ich permanent schlecht gelaunt bin, ganz im Gegenteil sogar. Unter meinen Freunden bin ich bekannt dafür, stets für einen Lacher zu sorgen, und finde das klappt auch ganz gut. Ich bin der Meister der Situationskomik, wenn man, ohne narzisstisch zu wirken, überhaupt so glänzend über sich sprechen darf.

Ausgeglichen bin ich nur leider ganz und gar nicht. Tränen gibt es so ziemlich immer, vor Lachen, vor Wut oder aus Trauer. Ich springe von einem Extrem ins andere und Leute nennen mich anstrengend. Bücher wie “Gesetz der Anziehung”, “Bestellungen beim Universum” oder “Wie finde ich des Lebens Sinn” geben eine Anleitung darüber, wie man durch bewusst positives Denken zu einem erfüllteren, glücklicheren Menschen wird.

Die Autoren dozieren darin beispielsweise von notwendig umgewandelter Grammatik, wie die Idee anstatt „Morgen werde ich die Präsentation nicht verhauen“ zu sagen: „Morgen, bei der Präsentation, wird alles gut laufen!“ Es geht darum, dass unser Unterbewusstsein die Verneinung nicht verarbeiten kann und zwangsläufig auf das gegenteilige Ziel hinarbeitet.

Das klassische Beispiel zur Veranschaulichung ist das Pendant zu autonomen Training: “Denken sie nun nicht an einen Eisbären”. Wie der Protagonist in Steven Kings “Kinder des Zorns” habe ich mit aller Kraft versucht, meinen Geist zu versperren. Vergeblich. Ich dachte zwangsläufig an den grimmigen, durchs ewige Eis stampfenden Arktisbewohner. An dieser Theorie ist somit vorerst tatsächlich etwas dran.

Weil mir aber ein allmorgendliches rituelles Selbstgespräch, dessen Inhalt aus „Ich schaffe das!“ und dessen mehrmalige Wiederholung, unterstützt durch den latent aufdringlichen Geruch eines Lavendelräucherstäbchens, noch nicht wirklich meinen Glauben an selbsterfüllende Prophezeiung festigen konnte, habe ich weiterhin heiter Leute, die mich versehentlich in der Bahn anrempeln, angezischt und meine schlechte Laune leidenschaftlich, fast schon feierlich, ausgelebt.

Bis mir ein Freund, ein pauschal freundlich und den Leuten unaufhörlich „Guten Tag!“ wünschender Mensch, ein Buch empfahl, das sich auf wissenschaftlicher und physikalischer Ebene mit diesem Thema auseinandersetzt. Frei von jeglicher Spiritualität wird nachvollziehbar erklärt, dass und wie wir in der Lage sind, durch unseren Willen buchstäblich Berge zu versetzen.

Ich werde keinen Vortrag darüber halten und Interessierten selbstverständlich die Spannung nicht nehmen, aber ich denke, das Ende kann ich verraten: Der Mensch ist autonom! Als kleine Anekdote dazu muss ich erwähnen, dass genau diesen Satz mir letztes Wochenende ein Typ, den ich im Suff auf einer Party kennengelernt hatte, voll penetrant ins Ohr gebrüllt hat: „Du bist autonom!”

Auch wenn ich nicht sagen würde, dass ich mich nach unzähliger Literatur und endlosen WG-Küchengesprächen zu einem vollständig bewusst positiv denkendem Menschen entwickelt habe, muss ich sagen, dass ich wenigstens einen Willen dazu entwickele – und das ist doch schon mal eine Menge wert.

Das aber beinahe einschneidendste Erlebnis, das sich auf mein Verhalten gegenüber meinen Mitmenschen ausgeübt hat, war der letzte nasskalte Sonntag in meinem sympathisch grauen Dortmund. Als ich die künstlerisch verzierten Nachkriegsgebäude auf der öffentlichen Mülltonne, bekannt als Nordstädter Bürgersteig, verkatert entlang flanierte, kreuzte ich den Weg einer betagten, vom Alter geschrumpften Dame.

Mit ihrem pastellpinken, typischen Omaanorak, marschierte sie, den Verkehr vollkommen missachtend, quer über die Straße. Im ersten Augenblick dachte ich mir, auch wenn man das über Senioren nicht sagen soll: „Ganz niedlich, die Kleine!” Doch ich sollte gleich darauf eines Besseren belehrt werden.

Denn schon als sie den Bordstein erreichte und mit ihren fancy Gummischlappen am Bürgersteig hängen blieb, fluchte sie plötzlich in einem Tonfall, der selbst dem schlimmsten Kneipenschläger nicht gestanden hätte. Entsetzt schaute ich sie an. Die Alte setzte noch einen drauf und rotzte mit angewidertem, wütendem Blick direkt vor mir auf den Boden.

Dass ich eines Tages nicht so ein verbittertes, einsames Fräulein mit einer grabestiefen Zornesfalte werden möchte, hat mir diese Show auf jeden Fall bewusst werden lassen. Ein gepflegter Zynismus an der einen oder anderen Stelle muss schon noch sein und ist und bleibt einfach meistens sehr witzig.

Andererseits bin ich jetzt gerne bereit, der Kassiererin morgens beim Bäcker oder der anscheinend chronisch genervten Empfangsdame beim Arzt ein Lächeln zu schenken und einen schönen Tag zu wünschen. Es wird mich aller Meinung nach länger jung aussehen lassen und mir meinen weiteren Werdegang leichter gestalten.

Falls mir das alles eines Tages den Spaß am aktiv schlecht gelaunt sein dann doch nicht ersetzen kann, werde ich einfach allem einen so ironischen Beigeschmack hinzugeben, dass mein Gegenüber vielleicht verwirrt, mein Lächeln aber auf jeden Fall von Herzen kommen wird.

Die Illustration stammt von Flamenco und Icons8
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Mädchen in Kalifornien: Ein Ausflug mit Emily Iacometti

Ich sage es ganz ehrlich: Ich bin nicht für den Winter gemacht. Während andere es sich gerne mit einer heißen Tasse voller dunkelbraunem Kakao und einem Marshmallow obendrauf, in einer dicken Decke eingemummelt gemütlich machen, stehe ich am Fenster und denke mir: Na komm schon, Sonne! Wo bist du n...
Mädchen in Kalifornien: Ein Ausflug mit Emily Iacometti

Mädchen in Kalifornien

Ein Ausflug mit
Emily Iacometti

Daniela Dietz

Ich sage es ganz ehrlich: Ich bin nicht für den Winter gemacht. Während andere es sich gerne mit einer heißen Tasse voller dunkelbraunem Kakao und einem Marshmallow obendrauf, in einer dicken Decke eingemummelt gemütlich machen, stehe ich am Fenster und denke mir: „Na komm schon, Sonne! Wo bist du nur?“ Ich brauche ihre wärmenden Strahlen auf dem Körper, möchte mich im Vitamin D suhlen, will in knappen Klamotten von Park zu Eisdiele und zurück hüpfen und es mir gutgehen lassen. Aber der jährliche Winter macht meinem Plan immer und immer wieder einen Strich durch die Rechnung.

Während wir in der dunklen und kalten Jahreszeit vor uns hin zittern, regiert auf der anderen Seite der Welt der Hochsommer. Mit allem was dazu gehört. Einem strahlen blauen, von der gigantischen Sonne verzierten Himmel, Strand, Wellen, Palmen, braungebrannten Surfern, die im Meer vor sich hingleiten, nur um von allen anderen bewundert zu werden. Inklusive mir. Was würde ich jetzt nicht alles geben, um dort zu sein, im äußersten Süden, in den Armen eines Johnnys, Mikes oder Eddys liegend, die mit Hai-Tattoos überseht sind und in der einen Hand ihr Surfbrett und in der anderen ein kühles Bier halten.

Aber weil ich hier im eiskalten Deutschland festsitze, freue ich mich zumindest, dass es woanders Fotografen gibt, die die Sonne in viereckigen Bildern um die Welt schicken und dafür auch in Mitteleuropa für ein bisschen Sommer-Feeling sorgen. Die Hauptrolle in James Geers kunterbunten Fotografien spielt die Beachgöttin Emily Iacometti, die uns mit ihrem sonnigen Gemüt die Lust am Leben zurück gibt – selbst in so dunklen Zeiten wie diesen. Also sitzen wir hier, gucken uns ihr Lächeln an, während sie oben ohne am Ufer chillt und versuchen, den Dezember, den Januar und den Februar einigermaßen heil zu überstehen…

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Als Model ist Emily Iacometti zu sehen
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