Suche

Suche

Das Popkultur Magazin

Traumland Türkei: Auf den Spuren meiner Großeltern

Knapp sieben Wochen meiner Semesterferien verbringe ich auch dieses Jahr wieder in der Türkei. Doch nur die Wenigsten können sich vorstellen, wie ich diese lange Zeit dort gestalte und aus welchem Grund es mich jedes Jahr aufs Neue in dieses Land lockt. Mit der Annahme, dass es in die Heimat geht, l...
Traumland Türkei: Auf den Spuren meiner Großeltern

Traumland Türkei

Auf den Spuren
meiner Großeltern

Meltem Toprak

Knapp sieben Wochen meiner Semesterferien verbringe ich auch dieses Jahr wieder in der Türkei. Doch nur die Wenigsten können sich vorstellen, wie ich diese lange Zeit dort gestalte und aus welchem Grund es mich jedes Jahr aufs Neue in dieses Land lockt. Mit der Annahme, dass es in die Heimat geht, liegen alle falsch, denn geboren und aufgewachsen bin ich in Darmstadt. Doch wenn es nicht einmal die Heimat meiner Eltern ist, wie mein Vater oft nach über 50 Jahren in Deutschland sagt, dann ist es jedenfalls die meiner Großeltern.

ANZEIGE

In den Siebziger Jahren nämlich war unter zahlreichen Gastarbeitern aus Italien, Griechenland und der Türkei auch mein Großvater, der mit seiner Frau und seinen Kindern in das deutsche Land emigrierte, um sich eine Existenz aufzubauen. In den Sommerferien reise ich also als Enkelin eines Gastarbeiters mit der Familie für sechs Wochen in die Türkei, um Urlaub am Meer zu machen, Freunde zu besuchen und den Onkel in der großartigen Stadt Istanbul zu sehen. Vor allem aber um mir meinen Wurzeln bewusst zu werden.

Oft wundere ich mich darüber, noch mehr aber es sind viele meiner deutschen Freunde, für die es unbegreiflich ist, dass ich immer noch meinen ganzen Sommer mit meinen Eltern und beiden älteren Geschwistern verbringe. Sind wir doch alle gemeinsam in einer Gesellschaft aufgewachsen, die stark individualisiert ist. Aber als Kind anatolischer Eltern, habe ich natürlich ein bestimmtes Verständnis von Zusammenhalt und Umgang in einer Familie vermittelt bekommen, und selbst für mich entschieden, es anzunehmen.

Natürlich aber hat jeder das Recht, seine Prioritäten selbst zu setzen. Doch denke ich, dass gerade in meinem Fall, die Auseinandersetzung mit der Familie und dem Ursprung eine wichtige Bedeutung bei der Identifikationssuche hat. Diejenigen, die zwischen zwei Kulturen aufwachsen, können sicher nachempfinden, weshalb man also die Heimat der Eltern auch als einen Annäherungsversuch des eigenen Ichs schätzt und diese nur stärker kennenlernen möchte, um sich selbst zu verstehen und sich der eigenen Person bewusst zu werden.

ANZEIGE

Einen anderen Grund meines Aufenthalts möchte ich nicht verschweigen. Denn der Brad Pitt des Osten, der in allen muslimischen Ländern verehrt und vergöttert wird, ist eben ein Türke mit goldblondem Haar und blauen Augen, der von allen Frauen überall gejagt wird. So sehe ich dieses Jahr diese zwei Monate meiner Semesterferien als reales Zeitpensum, in dem ich den begehrtesten Mann der Türkei treffen kann.

Nein, der eigentliche Grund ist natürlich ein ganz anderer. Denn auch wenn ich jedes Jahr hier her kommen sollte, ist es niemals eine Wiederholung, wie viele vielleicht annehmen. Ich sehe und erlebe niemals dasselbe. Weil es immer neue Menschen kennen zu lernen gibt, alle mit ihren eigenen Geschichten. Von der Metropole Istanbul bis zu einem winzigen Dorf in Anatolien.

Bis ich aber erst einmal Kıvanç Tatlıtuğ in Istanbul aufspüren kann, halte ich mich im Urlaubsort Didim auf und reise dann weiter in den Osten der Türkei, dann wieder zurück an das „größte Freilichtmuseum der Welt“ und in neun Stunden nach Istanbul mit dem Auto und dann ab nach Deutschland durch Europa. Es herrschen noch immer viele Vorurteile, die zwar menschlich sind, aber noch lange kein Hindernis sein sollten, die Türkei zu besuchen. Denn keine Nation ist es nicht wert, ungesehen zu bleiben.

EMPFEHLUNG

Ich fliege also in das Land, als Tourist und Reisender zugleich mit deutschem Akzent, Zeitverständnis und Diskretion, indem Mustafa Kemal Atatürk das laizistische Modell eingeführt hat, das längst keines mehr ist, indem ein junges Mädchen als potentielle Schwiegertochter Tee kochen können muss, obwohl Kaffee das meist getrunkene Getränk ist.

Ich reise in das Land, in dem nach den USA am meisten Coca Cola getrunken und Fernsehen, es gibt 60 Serien, wovon die meisten zu Ramadan beginnen, geschaut wird. Es ist das Land, in dem der Verkäufer dich Tante, Schwester, Bruder, Onkel nennt. Es ist das Land, in dem der Döner leider etwas anders schmeckt, weil Türken keine Soßen, aber dafür Brot, das aussieht wie eine Serviette, mögen.

Es ist die Heimat der Monobraue by Nature, aber, was viele nicht wissen, das Land, in dem die häufigste Augenfarbe Grün ist – und nicht braun. Aber niemals reichen diese Fakten aus, um das Land in solch großen Tönen zu rühmen. Denn selbst meine Lehrerin sagte einmal, als es um die Wahl des Studienfahrtsortes ging, wenn es in der Türkei keine Kultur zu sehen gibt, ja wo dann.

EMPFEHLUNG

Unzählige Tempel, Moscheen, Kirchen, Saraybauten und Konaks, die mit ihrer Architektur aus der Antike bis aus dem Osmanischen Reich jeden Besucher in Staunen versetzen gibt es in der Türkei. Beim Anblick der zweitgrößten Bibliothek der Antike in Pergamon und dem Mausoleum von Halikarnassos in Bodrum, eines der sieben Weltwunder, ist es nicht nur mein nerdiges Archäologenherz, das höher schlägt.

Moderne und Tradition treffen in diesem so wahnsinnig interessanten Land aufeinander. Miniröcke passieren an Burkas in der Heimat Homers vorbei, Farben, Menschen, Geschichten. Und auch das ist noch immer nicht alles. Begleitet mich in den nächsten Wochen auf meiner Reise durch die Türkei und lernt dabei eines der größten Schätze unserer Welt kennen.

Die Fotografie stammt von Wei Pan
Wenn euch dieser Artikel gefällt, könnt ihr ihn auf Facebook, Twitter, WhatsApp, Pinterest und Tumblr oder per Email teilen
Für jeden vermittelten Verkauf über Amazon erhalten wir einen kleinen Anteil
Ihr habt etwas zu sagen? Schickt uns einen Leserbrief!
EMPFEHLUNGEN
Ein Tag in Lissabon - Die Stadt der verbrannten Hirne
Ein Tag in Lissabon - Die Stadt der verbrannten Hirne
Passend zum Wetter und meiner aufgeheizten Attitüde, beschloss ich letzte Woche den billigsten Billigflug bei meiner liebsten Fluggesellschaft Ryanair zu buchen, um einfach nur ein paar Tage der kalten und dreckigen Mutterstadt zu entrinnen und mich von der Sonne und der Dekadenz des Touristen-Daseins in einem anderen Land brutzeln zu las…
Passend zum Wetter und meiner aufgeheizten Attitüde, beschloss ich letzte Woche den billigsten Billigflug bei meiner liebsten Fluggesellschaft Ryanair zu buchen, um einfach nur ein paar Tage der kalten und dreckigen Mutterstadt zu entrinnen und mich von der Sonne und de…
Ein Tag in Seoul - Superschönes Südkorea
Ein Tag in Seoul - Superschönes Südkorea
Hach, es ist kaum in Worte zu fassen, wie schön Seoul ist. Wie bunt es ist. Wie lebhaft und so voller Geheimnisse. Dank des gigantischen Erfolgs von K-Pop und diverser Seifenopern in westlichen Gefilden sind auch immer mehr Augen auf das Land am anderen Ende der Welt und ganz besonders deren pulsierende Hauptstadt gerichtet. Der scheinbar…
Hach, es ist kaum in Worte zu fassen, wie schön Seoul ist. Wie bunt es ist. Wie lebhaft und so voller Geheimnisse. Dank des gigantischen Erfolgs von K-Pop und diverser Seifenopern in westlichen Gefilden sind auch immer mehr Augen auf das Land am anderen Ende der Welt un…
Die ultimative Freiheit - Ist eine Weltreise wirklich die Lösung?
Die ultimative Freiheit - Ist eine Weltreise wirklich die Lösung?
Ich habe funktioniert. Das halte ich mir bis heute vor. Ich habe funktioniert, und jedem dabei vorgemacht, dass es mir gut geht. In Wahrheit war ich am Ende meiner Nerven, lag nach der Arbeit fast regunglos auf der Couch und ließ mich von vorbeiflimmernen TV-Sendungen, Weed-Knospen und dem Gemurmel meiner Mitbewohner berieseln. Ich habe a…
Ich habe funktioniert. Das halte ich mir bis heute vor. Ich habe funktioniert, und jedem dabei vorgemacht, dass es mir gut geht. In Wahrheit war ich am Ende meiner Nerven, lag nach der Arbeit fast regunglos auf der Couch und ließ mich von vorbeiflimmernen TV-Sendungen,…
Wunderschöne Türkei - Glaube und Freiheit in Erzincan
Wunderschöne Türkei - Glaube und Freiheit in Erzincan
Seit einer Woche bin ich nun wieder zurück in Deutschland, aber was ich in der Geburtsstadt meiner Eltern alles erlebt und erfahren habe, lässt mich trotzdem nicht mehr so schnell los. Mit fünf Kleidungsstücken in der Reisetasche und einem dauerungeschminkten Gesicht, ging es von Didim in 18 Stunden mit dem Auto nach Erzincan, der Stadt i…
Seit einer Woche bin ich nun wieder zurück in Deutschland, aber was ich in der Geburtsstadt meiner Eltern alles erlebt und erfahren habe, lässt mich trotzdem nicht mehr so schnell los. Mit fünf Kleidungsstücken in der Reisetasche und einem dauerungeschminkten Gesicht, g…
Super Tamade - Osakas verrücktester Supermarkt
Super Tamade - Osakas verrücktester Supermarkt
So ganz geheuer ist uns die Super Tamade-Kette in Osaka ja nicht gerade. In diversen Reiseführern im Netz wird davon berichtet, dass die japanische Mafia die Kaufmärkte zur Geldwäsche nutzt. Und nicht nur das, anscheinend solle auch die Qualität unter den übergünstigen Preisen leiden. Von rohem Fisch und Fleisch möge man doch lieber die F…
So ganz geheuer ist uns die Super Tamade-Kette in Osaka ja nicht gerade. In diversen Reiseführern im Netz wird davon berichtet, dass die japanische Mafia die Kaufmärkte zur Geldwäsche nutzt. Und nicht nur das, anscheinend solle auch die Qualität unter den übergünstigen…
Kunterbuntes Japan - Abenteuer in Tokio
Kunterbuntes Japan - Abenteuer in Tokio
Da Tokio ja bekanntlich die schönste Stadt der Welt ist und wir immer ganz heiß darauf sind, Bilder aus den hintersten Ecken von Shibuya, Harajuku und Akihabara zu Gesicht zu bekommen, waren wir ganz froh darüber, dass die Fotografin Lauren Engel mit ihrer Crew in der japanischen Hauptstadt unterwegs war und uns einige Urlaubsbilder mitge…
Da Tokio ja bekanntlich die schönste Stadt der Welt ist und wir immer ganz heiß darauf sind, Bilder aus den hintersten Ecken von Shibuya, Harajuku und Akihabara zu Gesicht zu bekommen, waren wir ganz froh darüber, dass die Fotografin Lauren Engel mit ihrer Crew in der j…
Animemesse in Tokio - Wo die Trickfilme gefeiert werden
Animemesse in Tokio - Wo die Trickfilme gefeiert werden
Die Geschichte der Anime beginnt im frühen 20. Jahrhundert. Als Filmemacher noch mit neuen Animationstechniken experimentierten. Den Anspruch auf den ersten Anime der Menschheitsgeschichte hat wohl "Katsudo Shashin", ein undatiertes und privates Werk eines unbekannten Schöpfers. Im Jahr 1917 erschienen die ersten professionellen und öffen…
Die Geschichte der Anime beginnt im frühen 20. Jahrhundert. Als Filmemacher noch mit neuen Animationstechniken experimentierten. Den Anspruch auf den ersten Anime der Menschheitsgeschichte hat wohl "Katsudo Shashin", ein undatiertes und privates Werk eines unbekannten S…
Traditionelles Kyoto - Ein Besuch im Yasaka-Schrein
Traditionelles Kyoto - Ein Besuch im Yasaka-Schrein
Jeder Schritt durch Kyoto, die alte Kaiserstadt, die im Westen der japanischen Hauptinsel Honshu im Ballungsgebiet Kansai liegt, ist gleichzeitig eine Reise durch die Vergangenheit und die Moderne. An jeder Ecke wird die Geschichte dieses wunderbaren Landes am Leben erhalten und mit futuristischen Errungenschaften ergänzt. Nicht umsonst g…
Jeder Schritt durch Kyoto, die alte Kaiserstadt, die im Westen der japanischen Hauptinsel Honshu im Ballungsgebiet Kansai liegt, ist gleichzeitig eine Reise durch die Vergangenheit und die Moderne. An jeder Ecke wird die Geschichte dieses wunderbaren Landes am Leben erh…
Weitere Artikel lesen