Teuer, Techno, Türsteher - Clubs sind scheiße

Wochenende, Saufen, geil! Aber die Frage ist: Wo? Ich bin ja ein großer Freund von Haus- und Ackerpartys. Aus vielerlei Gründen. Die Alternative dazu, Clubbesuche, finde ich nämlich ganz schön…
Teuer, Techno, Türsteher - Clubs sind scheiße

Teuer, Techno, Türsteher

Clubs sind
scheiße

Wochenende, Saufen, geil! Aber die Frage ist: Wo? Ich bin ja ein großer Freund von Haus- und Ackerpartys. Aus vielerlei Gründen. Die Alternative dazu, Clubbesuche, finde ich nämlich ganz schön scheiße. Auch aus vielerlei Gründen. Aber die überwiegen. Und zwar ziemlich schwer.

Es geht schon damit los, dass man ein riesigen Haufen Geld los ist, bevor es überhaupt los geht. Denn meistens ist der Eintritt nicht gerade billig. Gerade wenn man gerne mal in irgendwelchen Technoschuppen abhängt, in dem gerade ein, zwei namenhafte DJs auflegen. Da kann der Eintritt locker mal um die dreißig Euro kosten. Wer nicht gerade mit der Ausbildung durch ist und noch bei Mutti wohnt, wird schnell merken, dass das das wöchentliche Budget um einiges sprengt. Sofern man nicht drei von vier Wochenenden auf die Feierei verzichten will.

Ja, der Eintritt ist teuer, wenn man es denn überhaupt so weit schafft. Denn wenn man sich mal außerhalb der Provinzdiscos bewegt und irgendetwas besuchen möchte, das „hip und angesagt“ ist, steht zwischen einem selbst und der Tür noch die ultimative Instanz: Der Türsteher. Meistens sitzt er mit eiserner Miene auf einem Barhocker und richtet über die Massen, die vor ihm stehen.

Er ist der Mann, der entscheidet, wer reinkommt und wer nicht. Ihm gefällt das Shirt nicht, das du trägst? Tja, Pech gehabt. Du hast keine Frauen dabei? Tja, Pech gehabt. Deine Brille sitzt schief? Auch Pech gehabt. Je nach Beliebtheit des Clubs steht man natürlich vorher auch noch an, nur um dann durch die Laune des Türstehers wieder nach Hause zu können.

Hat man es dann doch mit bereits geschmälertem Portmonee reingeschafft, nachdem man dem Heidi-Klum-Blick des Türstehers standgehalten hat, geht der Stress gleich weiter. Meistens dauert es keine fünf Minuten, bis irgendein besoffener Hohlkopf sich seinen Weg durch die Menge bahnt und dabei möglichst jeden anrempelt. Natürlich nur, um zu provozieren.

Es gibt in Clubs immer diese eine kleine Personengruppe, die nicht zum Feiern hingeht. Also auch, aber nicht nur. Die gehen da auch hin, um sich zu boxen. Gerne bekommt man auch den Klassiker „Was schaust du denn so?“ in allen erdenklichen Varianten zu hören.

Aber nicht nur der Eintritt ist teuer. Der Wucher beginnt meist erst bei den Getränkepreisen. Wer mit einem vollen Geldbeutel hereinkam, wird nach der Getränkebestellung mit einem leeren wieder nach Hause gehen. Es fängt bei den Preisen für die normalen Gläser an und hört bei den ganzen Flaschen auf. Niemand, der noch bei Verstand ist, hält die 40 bis 80 Euro für eine Flasche Wodka für gerechtfertigt.

Meistens ist es dann nicht mal guter Alkohol, sondern irgendeine Plörre, die der Club wegen des Sponsorings verkauft. Dazu kommt noch, dass man selbst nicht für das Befüllen des Glases zuständig ist. Das Einzige, was man tun kann, ist zu hoffen, dass die Person hinter der Bar die Mischung auch ordentlich macht und man sein Geld nicht für ein Glas Cola rausgeworfen hat.

Dann gibt’s da noch den DJ. Es ist nicht zu leugnen, dass es wirklich gute DJs gibt, die die Stimmung im Raum und das Gefühl, das in der Luft liegt, richtig deuten können und die perfekten Songs spielen. Dann gibt es aber noch die Fraktion »Spotify-Fade«, die nur DJ geworden sind, weil es man da angeblich die ganzen Frauen abbekommt.

Da kommt es dann schon mal vor, dass gerade ein richtig geiler Song läuft, aber dann, statt den logischen nächsten Schritt zu gehen und einen weiteren geilen Song zu spielen, der letzte Müll aufgelegt wird. Du stehst mitten auf der Tanzfläche und hast richtig Spaß, doch dann läuft plötzlich irgendein ballermannartiger Chartsong. Was tust du dann? Dich durch die Tanzfläche kämpfen ist scheiße, zum DJ gehen und ihm sagen, was für einen scheiß Job er macht, auch. Dann heißt es eben dableiben und schlechte Musik ertragen.

In den meisten Fällen beginnt der Abend auch nicht in der Schlange vor der Clubtür, sondern bei irgendwem Zuhause oder auf dem Parkplatz. Da wird dann mit der ganzen Clique vorgetrunken. Irgendwann ist es aber soweit, dass man sich zum Club aufmachen muss. Meistens ist das aber genau dann, wenn’s gerade am Geilsten ist. Dann wenn man es sich richtig gemütlich gemacht hat, sich gerade das Glas aufgefüllt hat oder gerade so richtig gut im Gespräch ist. Warum also nicht das Vordringen auf den ganzen Abend ausdehnen und direkt eine Hausparty starten?

Am schlimmsten ist es aber, wenn man nachts beim Feiern, meistens so zwischen zwei Uhr und vier Uhr, Hunger bekommt. Wenn man Glück hat, gibt es im Club eine Art Bistro oder Imbiss, bei dem es was zu Essen gibt. Wenn das aber nicht der Fall ist, ist man aufgeschmissen. Hungernd im Club tanzen gehört nicht gerade zu meinen Lieblingsbeschäftigungen.

Bei Hauspartys kann man nachts noch schön den Kühlschrank plündern. Oder noch besser: Einfach anfangen zu kochen. Auf den Hauspartys, auf denen ich war, wurde nachts schon mal ganz gerne eine Tiefkühlpizza in den Ofen geschoben oder es wurden die Fischstäbchen in die Pfanne gehauen. Quasi das fettige Katerfrühstück, bevor man wieder nüchtern ist.

Es soll ja auch Leute geben, die nicht gerne tanzen. Das Problem ist dann natürlich, dass man meistens nur dumm rumsteht. Sollte es Tische zum Sitzen geben, stehen die entweder im VIP-Bereich oder sind schon belegt. Ergattert man doch einen Sitzplatz, ist die Musik meistens zu laut, um sich richtig unterhalten zu können.

Da taucht auch schon das nächste Problem auf: Wenn man mit jemandem reden will, muss man der Person ziemlich auf die Pelle rücken und seinen Kopf nah genug an das Ohr halten. Kein Problem, wenn man das auch möchte. Allerdings kommt einem dann jeder Creep, der bei normaler Lautstärke vielleicht noch einen Mindestabstand eingehalten hätte, im Club definitiv zu nahe.

Clubbesuche sind im Winter nochmal nerviger als sonst. Nämlich aus einem ganz bestimmten Grund: Wegen der Jacke beziehungsweise dem Mantel. Ohne Jacke oder Mantel hinzugehen ist auch nicht gerade optimal, wenn man nicht gerade mit dem Auto direkt vor die Tür fährt. Je nach Club kann man die Sachen auch nicht den ganzen Abend irgendwo hinlegen.

Die einzige Option bleibt da die Garderobe, wofür man wieder anstehen muss. Wenn du Pech hast und zu Stoßzeiten deine Jacke abholen willst, kann es sein, dass man da gut und gerne mal ne halbe Stunde ansteht. Davon, was los ist, wenn man den Zettel mit der Nummer verliert, will ich gar nicht erst anfangen.

Von den Türstehern hatte ich es vorhin schon mal. Aber auch von den Asis, die nur in den Club gehen um irgendjemandem aufs Maul hauen zu können. Zwischen diesen zwei Gruppen zeigt sich aber eine Schnittmenge. Je nachdem, wieviel der Club für seine Sicherheitsleute ausgeben will, sind dann auch mal Hobbyboxer dabei, die das was ihnen in der Birne fehlt, in den Armen haben. Da wird dann nicht lange diskutiert, sondern lieber gleich eine Schelle verteilt.

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Die Fotografie stammt von Matty Adame
Der Text erschien in der Kategorie Musik mit den Themen Alkohol, Berghain, Berlin, Clubs, Dance, DJs, Drogen, Elektro, Geld, Hauspartys, Hip Hop, KitKatClub, Partys, Pop, Techno und Türsteher
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