Das Popkultur Magazin

Musik für Idioten: Im Radio läuft nur Scheiße

Radio hören ist ja bekanntermaßen eine der größten Foltermethoden, die unsere Gesellschaft derzeit kennt. Es ist wie ein gemein-gesellschaftlich akzeptiertes Quälinstrument, das besonders in Wartezimmern und auf Autofahrten mit kaputter Anlage zum Konsens gehört.
Musik für Idioten: Im Radio läuft nur Scheiße
Musik für Idioten: Im Radio läuft nur Scheiße

Musik für Idioten

Im Radio läuft
nur Scheiße

Sara Navid
Sara Navid

Radio hören ist ja bekanntermaßen eine der größten Foltermethoden, die unsere Gesellschaft derzeit kennt. Es ist wie ein gemein-gesellschaftlich akzeptiertes Quälinstrument, das besonders in Wartezimmern und auf Autofahrten mit kaputter Anlage zum Konsens gehört.

Die furchtbaren Werbejingles, die sinnlosen Moderatorenansagen und natürlich die zwölf Minuten geschmacklose “Das gefällt doch jedem”-Musik der 80er, 90er und dem “Besten” von heute, das sich auf vier neue Tracks im Jahr beschränkt und einen in den Wahnsinn treiben kann.

VIVA gibt’s schon lange nicht mehr, MTV spielt nur schlecht synchronisierte Reality-Soaps und YouTube favorisiert nur den Dreck irgendwelcher Kellerrapper. Dass unsere musikalische Kultur verwahrlost und unsere Kinder mit Geschmackskrebs aufwachsen werden, ist leider eine Dystopie, die sich in Realität verwandelt.

Wir können versuchen, die Augen davor zu verschließen. Aber die Wahrheit wird uns einholen, sobald Spotify partout nicht laden will und wir ohne Schutz vor dem gehirnwaschenden Lärm im Fitnessstudio stehen und uns selbst den Freitod wünschen.

Diese Entwicklung an der Oberfläche ist durchaus verwunderlich, immerhin ist der Untergrund gesegnet von großartiger musikalischer Vielfalt. Von Rap Fusion über Neoclassical bis zum Future Bass haben sich in den letzten Jahren einige wunderbare Stränge neuer Genremixe entwickelt – Internet sei Dank.

Und die Avantgardisten und Trendsetter, die den Mainstream nicht umgehen, aber auch nicht direkt anvisieren, ziehen sich den Pop auf eine seelenstreichelnde Ebene, mit der auch meine Oma was anfangen könnte. Könnte, wenn es sie erreichen würde.

Und so bleibt es wieder den einsamen Einzelkämpfern überlassen, die gute Musik auch an Orte zu tragen, wo sie noch frisch und unbekannt ist. Ihr Würmer wusstet letztes Jahr noch nicht einmal, wie man Future Bass buchstabiert – und plötzlich hört ihr es überall, nur leider auf die schlechteste Art und Weise, die man sich vorstellen kann.

Keine Angst, ich werde nicht Flume dissen – ich disse nur die Leute, die an dieser Stelle aufhören weiter zu graben. Nur Vorwürfe kann man den armen, musikalisch hungernden Völkern nicht machen. Die großen Medienmonopole lassen ja keine gezielte Beschallung zu, vermutlich, weil sie intelligente Revolutionen fürchten, die zu mehr Nischen und zu weniger Umsatz führen.

Ihr und ich, wir wissen, dass es fantastische Musik gab in den letzten Jahren. Verdammt fette Tracks, wie ein guter SoundCloud-Mix nach dem anderen beweisen. Wir können uns jetzt gemeinsam High Five geben und uns gegenseitig die Pimmel dafür streicheln, dass wir geil sind und über den DJ-Ötzi-Shit im Radio stehen.

Viel wichtiger ist jedoch: Werdet zu Botschaftern. Bewegt euch nicht nur in den lamen Hipsterkreisen, die “so over it” sind, wenn James Blake furzt, sondern nutzt eure Überkonnektivität für humanitäre Missionen und schickt die eleganten Beats euren kleinen Brüdern und Schwestern, bevor sie zu Katy-Perry-Zombies werden und Future Bass nur als Krachmutant-Element in verstümmelten Popsongs kennen.

Rettet die Kinder! Macht den Untergrund zum Mainstream und befreit euch von dieser gespielten Coolness und der Antipathie gegenüber den ignoranten Losern, die keine gute Musik kennen. Verliert eure Hipsterness. Vergesst eure elitäre Scheiss-Attitüde. Spread the fucking word!

Geht um den Block und schreit den Leuten ins Gesicht, dass sie verarscht werden! Nicht nur für gesündere Autofahrten, sondern für kulturelle Vielfalt, für mehr Neuentdeckungen, für mehr geheime Talente, die sich in den Vorörtern Deutschlands verstecken. Macht mal ein #MeToo draus, ihr Pisser, und lasst gute Musik endlich regieren!

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Der Text wurde von Sara Navid geschrieben. Das Bild stammt von Alex Pale, Ouch! und Icons8. Der Artikel erschien in der Kategorie Musik mit den Themen Apple Music, DJ Ötzi, Future Bass, Hip Hop, James Blake, Katy Perry, Kultur, Mainstream, MTV, Neoclassical, Pop, Radio, Rap, SoundCloud, Spotify, Techno, Viva und YouTube. Wenn er euch gefällt, könnt ihr ihn auf Facebook, Twitter, WhatsApp, Pinterest und Tumblr oder per Email teilen. Ihr habt etwas zu sagen? Schickt uns einen Leserbrief!
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