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Modeblogger: Marionetten der Werbeindustrie

Gibt es etwas, das Blogger besser können, als ihre eigene Meinung kund zu tun? Daniel Decker umschreibt es treffend: “Was mich interessiert, blogge ich, auch wenn es keinen interessiert!” Und weil es so Spaß macht, als Blogger auch mal nicht zu gefallen, gibt es Gott sei Dank auch ein paar freche Bu...
Modeblogger: Marionetten der Werbeindustrie

Modeblogger

Marionetten der
Werbeindustrie

Natalie Mayroth

Gibt es etwas, das Blogger besser können, als ihre eigene Meinung kund zu tun? Daniel Decker umschreibt es treffend: “Was mich interessiert, blogge ich, auch wenn es keinen interessiert!” Und weil es so Spaß macht, als Blogger auch mal nicht zu gefallen, gibt es Gott sei Dank auch ein paar freche Buben wie die Dandys, die sich ihre Werbegeschenke wie eine Flasche Schampus in den Allerwertesten schieben.

EMPFEHLUNG

Diese Haltung vermisse ich jedoch oftmals! Wird die Meinungsvielfalt auch auf Modeblogs langfristig erhalten bleiben, oder ertrinken wir wie alle Hipster irgendwann im kommerziellen Mainstream? Ich mache mir Sorgen um die heranwachsende emanzipierte „Ich blogge für egal was, solange ich Schminke oder Geld bekomme”-Riege.

Schminke kann hierbei optional auch in ein Computerspiel umgewandelt werden. Leuten, denen völlig die Abstraktion von Marketingmaschinerie, eigener Meinung und dem Wunsch nach Aufmerksamkeit und Einfluss, kurz gesagt dem Blogfame, zu Kopf steigt. Was ihr macht, hat durchaus Unterhaltungswert, doch es ist kein Journalismus. Seid euch darüber im Klaren!

Mich nervt dieser Hype um Modeblogger, der vor allem von kleinen Mädchen zelebriert wird. Jeder will nur möglichst bekannt sein, als kleiner Goldfisch mit im Teich der Modehaie schwimmen, kostenlose Geschenke abgreifen und sich selbst darstellen. Dafür wird fleißig Content produziert. Doch eigentlich geht es den meisten nicht um den Inhalt.

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Hauptsache, ein Onlineshop ist verlinkt und die Seite wurde für die Google Search optimiert. Wie beliebt dieser kleine Traum ist, zeigen Veranstaltungen wie der “Blogger Bazaar“, die überrannt werden. Einmal Fashion Week mit Modebloggern für Normalos. Eigentlich nett gedacht ist es jedoch lediglich eine Reproduktion des Systems in sich selbst. Firmen versuchen, ihre Produkte zu streuen und Besucher zahlen auch noch Eintritt dafür. Jeder, der gerne Bloggerfeeling schnuppern möchte, kann es hier. Eine Entwicklung, die es kritisch zu beobachten gilt.

Und warum regen sich dann manche Blogger auf, als „Hobbyautoren“ bezeichnet zu werden? Sind Hobbys heutzutage zu uncool, oder was? Die Begriffe „Autor“ und „Journalist“ sind in Deutschland nicht geschützt. Jeder kann sich Redakteur schimpfen, Head of Blog Business Development, whatever.

Gebt euch lustige Tiernamen oder eben Berufsbezeichnungen. Es sei euch auch vergönnt, wenn ihr euch euer eigenes Blogimperium aufbauen und die Miete für euer trendy Büro mit euren besten Freunden aus Werbegeldern speist, aber Journalisten oder Redakteure seid ihr deshalb längst nicht.

EMPFEHLUNG

Aber was macht sie aus, die wahren Journalisten? Mit Sicherheit eine gute Portion Handwerkszeug, eine gewisse Objektivität und Unbefangenheit, mit der sie an ihre Themen herantreten. Als bloggende Freelance-Studentin tapse ich hier selbst auf sehr dünnem Eis, aber ich finde es traurig, wenn ein Werbefeature mit einem redaktionell aufbereiteten Beitrag vertauscht wird.

Ist hier die Unwissenheit oder die pure Ignoranz schuld? Darf man da nicht einmal fragen, wann ihr lieben Blogger euer Oberstübchen einschalten wollt und einmal darüber nachdenkt, was ihr tagtäglich von euch gebt? Freie Meinungsäußerung: ja. Aber verschont uns mit lieblos getexteter Werbung.

Wenn ihr bloggt, um eure Haltung zu zeigen, dann macht es doch bitte auch und präsentiert nicht nur in Modalpartikeln wie „Ich bin ja ein großer Fan von…“ den liebsten Lippenstift. Hat das, was ihr macht, irgendeinen Mehrwert, außer anderen eure vermeintlich persönlichen Favoriten vorzugaukeln? Für diese Empfehlung steht ihr immerhin mit eurem Namen.

EMPFEHLUNG

Liebe Autoren da draußen, ja ich meine euch, die ihre Advertorials, von Firmen gesponserte Werbetexte, nicht kennzeichnen und über Dosen mit Tieren, die nach Gummibärchensaft riechen, oder über Töpfchen mit Gesichtspflege berichten. Ihr seid nichts anderes als Werbetexter. Jeder sucht im Web seinen Weg, um mit seinem Talent und seinen Kapazitäten Geld zu verdienen.

Und was gibt es Schöneres, wenn die eigene Meinung Bares wert ist. Doch das Geld, das ihr damit verdient, bekommt ihr nicht wegen der Qualität eures Schreibstils, der Recherche oder dem tieferen Sinn dahinter, es geht lediglich, um die Platzierung eines Produkts. Darauf wäre ich nicht stolz. Es tut mir leid, das zu sagen. Werbetexten hat nichts mit Journalismus zu tun.

Verkauft euch nicht so billig. Viele Journalisten wandern vom Handwerk zur PR über, da sich damit leichter sicheres Geld verdienen lässt, wenn die eigene Familie grüßt und man nach Sicherheit sucht. Das ist keineswegs verwerflich. Es ist legitim, zudem muss gute PR auch gekonnt sein. Und ganz ohne ist dieser Beruf “Journalist” sicherlich auch nicht.

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Man steht immer in einem kritischen Licht, vor allem, wenn man auch über die unangenehmen Dinge im Leben berichtet. Es wird gerne über sie geschimpft, und wer verdient mit dem Schreiben (noch) richtig Geld? Vielleicht Magazin- oder Zeitungsredakteure, wenn sie Glück haben und nicht in Berlin angestellt sind.

Als Freier sieht es nicht gut aus. Niemand will wirklich viel für Qualität zahlen und BuzzFeed und Co. sorgen im kostenlosen World Wide Web ganz schön für Furore. Sie teilen freudig euer Motto „Content is King“: lieber eine Überschrift mehr als ein Mal nachdenken. Das schmerzt, denn die persönliche Meinung prägt die Vielfalt.

Doch träumen wir wirklich alle davon, auf Fashion Partys zu rennen, Champagner zu trinken und mit Händen voller Goodie-Bags nach Hause zu stolzieren? 15 Minuten Fame für jeden. Oder sollten wir diese Blase, als das was sie ist, erkennen? Ob ihr Teil davon sein wollt oder doch lieber wieder eure eigene Meinung kund tut, müsst ihr letztendlich selbst entscheiden.

Die Fotografie stammt von Humphrey Muleba
Der Text erschien in der Kategorie Mode mit den Themen Berlin, Blogs, Frauen, Geld, Hipster, Influencer, Internet, Journalismus, Karriere, Konsum, Mädchen, Magazine, Modeblogs und Zeitungen
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