Mein erstes Mal Heißwachs - Haarlose Muschis bedeuten Krieg

Erinnert ihr euch an euer erstes Mal? Wahrscheinlich nur noch vage, ihr wart ja erst 13, das ist schon mindestens zwei Jahre her. Aber ich meine euer erstes Mal mit…
Mein erstes Mal Heißwachs - Haarlose Muschis bedeuten Krieg

Mein erstes Mal Heißwachs

Erinnert ihr euch an euer erstes Mal? Wahrscheinlich nur noch vage, ihr wart ja erst 13, das ist schon mindestens zwei Jahre her. Aber ich meine euer erstes Mal mit eurem aktuellen Lebensabschnittsgeficke. Na? Eben, schon eher. Kennt ihr die Aufregung in der Vorbereitungsphase? Wenn man zur Drogerie hüpft, wie auf Federn, und hofft, dass die genoppten Kondome so richtig Schwung in die Ikea-Laken bringen? Gleich daneben im Regal war das Heißwachs und mein großer Fehler in Vorbereitungsphase. Mein erstes Mal echtes Heißwachs.

An der Kasse beim Rossmann wusste die Frau ganz genau, was ich wollte, deswegen sah sie mir auch tief in die Augen: Genoppte Kondome, Gleitgel, Heißwachs, Panzertape, Gummibärchen. Vielleicht stellte sie sich vor, wie ich die Gummibärchen von ihr runter knabberte. Oder sie hat einfach nur geschielt und mir gar nicht tief in die Augen gesehen. Sondern an die Decke.

Freudig hüpfend verließ ich Rossmann, oder Rossmann verließ mich, ich erinnere mich nicht mehr an die 30 Minuten vor meinem großen Schmerz, ich weiß nur, dass es nicht meine Schuld ist. Sondern die der Gesellschaft. Seit Mitte der Neunziger predigt man schließlich der Frau von Welt, eine Kosmopolitin zu sein.

Sich eine Landebahn einzurasieren, oder auch ein Bermuda-Dreieck. Oder auch ganz brasilianisch seinem Venushügel eine Glatze zu verpassen. Ich wollte auch eine Kosmopolitin sein. Aber ich war auch schon mal kurz davor, mir Hello Kitty in meine Vagina rasieren.

Ich las die Gebrauchsanweisung. Natürlich tat ich das nicht, was kann so schwer daran sein, einen Becher in die Mikrowelle zu stellen? Das tue ich jeden Tag, nur diesmal sollte ich es eben nicht essen. Also holte ich die kochende, nach Erdbeeren und Zucker stinkende Masse heraus, rührte um und aß es nicht. Ich ließ es stehen und fragte mich, ob ich schon alt genug dafür bin. Ich blätterte in der Bravo Girl. Ja, ich bin alt genug.

Auf der Haut war es dann auch angenehm, aber ich war von Erdbeeren benebelt und atmete es munter weiter ein. Das Papier bekam ich auch noch auf meine Schatzkiste (ja, so nenne ich sie), aber dann kamen Zweifel auf. Was, wenn ich das nun runterreiße? Was, wenn sie dann weg ist? Einfach so? Verschwunden, im Bermudadreieck?

So stand ich dann etwa 20 Minuten. Vielleicht auch länger, es war dunkel draußen. Aufgeben kam absolut nicht in Frage und mit einem Papierstreifen und Erdbeermasse zwischen den Beinen ging ich zur Mikrowelle, um es noch einmal aufzuwärmen. Ich blätterte wieder in der Bravo Girl und mittlerweile fragen 9-Jährige, ob man beim Petting schwanger werden kann. Verkommene Gesellschaft, Petting und haarlose Muschis.

Als es zum erlösenden Klingeln kam, war’s das auch schon. Es schmolz dahin, mit Becher. Ich fiel auf die Knie, dabei riss der Papierstreifen weg und ich schrie. Ich schrie vor Enttäuschung, vor Wut, vor Schmerz. Mein erstes Mal echtes Heißwachs endete damit, dass ich nackt auf dem kalten Küchenboden herum kroch, mir weinend meine Schatzkiste knetete und die Gesellschaft hasste. Und Kosmopolitinnen. Und 9-Jährige. Hoffentlich ist der Busch bald wieder in.

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Illustration von Pierre Bonnard
Der Text erschien in der Kategorie Mode mit den Themen Frauen, Haarentfernung, Körperpflege, Kosmetik und Mädchen
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