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Kreativ sein liegt im Trend: Mode, Macher und Moderne

Vollkommen egal, ob Beuys oder Warhol, Dali oder Ernst. Durch Selbstinszenierung und Selbststilisierung sind Künstler der Moderne vor das eigene Werk gerückt, gar selbst zum Werk geworden. Manch einer nimmt selbst jede Möglichkeit zur Darstellung wahr und dabei ist Kleidung oftmals Instrument der Expression. Filzhut, silberne Perücke oder Schnurrbart gaben ihnen ein unverwechselbares Aussehen und wurden zum unübersehbaren Erkennungsmerkmal. Seit Mode in unserer Gesellschaft immer mehr an Bedeut…
Kreativ sein liegt im Trend: Mode, Macher und Moderne
Kreativ sein liegt im Trend: Mode, Macher und Moderne
Kreativ sein liegt im Trend
Mode, Macher und Moderne
Text: Meltem Toprak  Fotografie: Junior Reis

Vollkommen egal, ob Beuys oder Warhol, Dali oder Ernst. Durch Selbstinszenierung und Selbststilisierung sind Künstler der Moderne vor das eigene Werk gerückt, gar selbst zum Werk geworden. Manch einer nimmt selbst jede Möglichkeit zur Darstellung wahr und dabei ist Kleidung oftmals Instrument der Expression. Filzhut, silberne Perücke oder Schnurrbart gaben ihnen ein unverwechselbares Aussehen und wurden zum unübersehbaren Erkennungsmerkmal.

Seit Mode in unserer Gesellschaft immer mehr an Bedeutung gewinnt und sich als Mittel zum Erhalt der Aufmerksamkeit erwiesen hat, ist es bei so viel Glanz schwer zu erkennen, was wirklich noch Gold ist. Der Modestil der Moderne, der Nostalgie aufgreift und sie mit auffälligem Futurismus verbindet, möchte am Körper mit Kleidung Interesse wecken und hat sich vom Wunsch, schlicht “klassisch schön” auszusehen, verabschiedet. Doch bei all der bunten, überladenen Kleiderhaken stellt sich die Frage: Wer sieht nicht nur kreativ aus, sondern ist es sogar?

Kreativität bedeutet Schöpfung. Der bekannteste Schöpfer ist Gott, in allen Religionen und auch außerhalb ist er mit diesem Image wohl der Bekannteste. Der Schöpfer ist der, der sich seine eigene Welt schafft. In einer Gesellschaft, in der die Visualisierung aller Disziplinen im Bereich der Kunst anerkannt ist, wird die Komik und dem (teilweise erzwungenen) Wahn eine unvorstellbar große Anerkennung zuteil gewiesen.

Wer kreativ ist, ist anders. Und das möchte doch jeder sein, der eigentlich normal ist. Und da anders sein in ist, muss man ja irgendwie kreativ werden. Logisch oder? Aber worin besteht der Reiz des kreativ-seins? Als Künstler lebt man entweder in Luxus und hat unermesslich viel Zeit alles und jeden in Frage zu stellen oder man lebt in Verhältnissen, dass es fast an der Armut grenzt. Und aus Leid entstehen bekanntlich noch mehr egozentrische Fragezeichen.

Filme, Zeitschriften, vor allem aber der Ruhm mancher Künstler haben das Bild des Irren verherrlicht. Seit Kunst sich gelegentlich selbst mit Mode und Design fremd geht, und kommerziell geworden ist, seit Street-Art jeden anspricht, findet sie mehr Zugang zu den verschiedensten Menschen. Die Grenzen werden damit unüberschaubar. Doch ganz anerkannt ist sie nicht, die zeitgenössische Kunst, doch da die eigene Betitlung der Begrifflichkeit des Künstlers nicht geschützt ist, kann sich wohl jeder als freischaffender Künstler bezeichnen.

Dahinter steckt eine gewisse Arroganz, wenn nicht gar Einbildung. Der Künstler ist das Genie, das die Welt aus einer anderen Perspektive betrachtet, aus der Luftperspektive eben, so wie Gott das tut. Er ist intellektuell und sonderbar. Die primitive Masse hingegen beschäftigt sich nicht mit dem Wesentlichen, der Künstler aber versucht, die Fragen des Lebens zu beantworten und schafft dies noch dazu, indem er seine Ergebnisse mit Sinn für Ästhetik darstellt.

Somit könnte man doch meinen, ist der Künstler genau das Exemplar, das Goethe in Faust beschreibt. Er gehört zu den Menschen, die nach der Erkenntnis streben und herausfinden möchten, was die „Welt im Innern zusammenhält“. Doch ist Faust nicht eigentlich der hinterfragende, deprimierte Wissenschaftler, der in einer Gelehrtenkrise steckt?

Während der Künstler aus sich selbst schöpft und für die daraus resultierende Subjektivität der Darstellung gerühmt wird, muss der Wissenschaftler eines vorweisen: Wissen, Disziplin und Leistung. Künstler der zeitgenössischen Kunst, Literatur und Musik stehen damit undenkbar in Verbindung ihrer Arbeit, es dreht sich lediglich um ihre Person. Und worum geht es in der Wissenschaft? Um Fortschritt.

Ich spreche nicht von Künstlern, die Neues schaffen. Ich spreche von denen, die das nur gerne würden, um Leistungsnachweisen aus dem Weg zu gehen und auf der Suche nach einem Forum der Selbstdarstellung sind. Zu allem Überfluss wird in der Subkultur der Jugend dabei die Beschäftigung mit der Kunst der Wissenschaft kleingeredet. Denn einer, der Kunst studiert, ist noch lange kein Künstler.

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