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Das Popkultur Magazin

Das Buschmädchen: Ich habe Achselhaare und bin stolz darauf

Seit etwa zwei Monaten lasse ich nun schon meine Achselhaare wachsen. Okay, das war zunächst keine bewusste Entscheidung, ich war vielmehr zu faul zum Rasieren. Zwischen den Beinen trage ich schon lange einen Busch und, ganz ehrlich, die Kerle stehen darauf. Vielleicht, weil sie so das Gefühl hab...
Das Buschmädchen: Ich habe Achselhaare und bin stolz darauf

Das Buschmädchen

Ich habe Achselhaare
und bin stolz darauf

Nadine Kroll

Seit etwa zwei Monaten lasse ich nun schon meine Achselhaare wachsen. Okay, das war zunächst keine bewusste Entscheidung, ich war vielmehr zu faul zum Rasieren. Zwischen den Beinen trage ich schon lange einen Busch und, ganz ehrlich, die Kerle stehen darauf.

Vielleicht, weil sie so das Gefühl haben, ihren Schwanz in eine richtige Frau zu stecken, und die sind nun mal untenrum behaart. Jetzt kräuselt sich auch unter meinen Armen was und ehrlich: Ich finde es ziemlich geil. Es spart mir nicht nur unheimlich viel Zeit im Bad, sondern sieht auch noch echt sexy aus. Finde ich.

Meine Freundinnen nennen den kleinen aber gut gestutzten Busch unter meinen Armen „mutig“. Sie selbst sind alle glattrasiert und irgendwie gehört sich das ja auch so. Sagt zumindest die Gesellschaft. Ich zumindest habe noch keine Frau in einer dieser möchtegern-glamourösen Zeitschriften gesehen, die nicht kahl unter den Armen war. Und obendrein auch noch sämtliche Poren und Fältchen aus den Achsel heraus retuschiert bekommen hätte.

Manchmal geht das sogar so weit, dass am Ende gar keine Achsel mehr übrig ist. Mittlerweile scheint das gar nicht mehr zu den Photoshop-Fails zu gehören, sondern ganz normal zu sein. Versteh ich. Achseln sind ja an sich auch irgendwie eklig. Mich würde zumindest niemand dazu bekommen, die eines fremden Menschen abzulecken. Wobei ich gehört habe, dass es Leute geben soll, die dafür sogar eine Menge Geld bezahlen. Also, um anderen Menschen mal kräftig durch die Achselhöhle zu lecken und am besten dabei auch noch ganz viel Schweiß mit der eigenen Zunge aufzusammeln.

So hat jeder eben seinen eigenen Fetisch und meiner ist seit kurzem eben Achselhaare. Bei Männern befand ich rasierte Achseln schon immer für einen riesigen Abturner. Ebenso wie komplett rasierte Gesichter, Bäuche oder Genitalien. Nur an den Eier ist’s okay für mich. Also die Ganzhaarentfernung, wenn man das so nennen will.

Wobei es mir ein großes Rätsel ist, wie man das überhaupt hinbekommt als Kerl. Die meisten zucken ja schon zusammen, wenn man an den Eiern nur sanft zupackt. Wie das aussieht, wenn sie mit einem scharfen Rasierer an den Genitalien vor dem Badezimmerspiegel stehen, will ich mir lieber gar nicht vorstellen.

Seit Neustem mag ich aber auch behaarte Mädchen. Also Mädchen, die unter den Armen nicht rasiert, epiliert und gewachst sind. Leider gibt es davon noch immer viel zu wenige, und ich glaub, ich weiß, woran das liegt.

Kürzlich habe ich von einer Party mal wieder einen Mann mit nach Hause geschleppt – und ich weiß, was ihr jetzt denkt: „Jaja, Nadine, die kleine Bitch, erzählt uns wieder ihre Sexgeschichten“, und ja, das stimmt, denn ich weiß, ihr hört, beziehungsweise lest, sie gern!

Ich habe also einen Mann mit nach Hause geschleppt, weil ich derbe Bock aufs Ficken hatte. Und ehrlich: ich liebe ficken, ihr liebt ficken, fast jeder Mensch liebt ficken, also lasst uns einfach ficken sagen. Aufgerissen habe ich ihn in einem dieser kleinen, schäbigen Clubs in Friedrichshain, die viel zu schlechte Musik spielen und trotzdem immer so überfüllt sind, dass fast kein Platz zum Tanzen bleibt.

Er war einer dieser großen, dürren Typen mit Brille und Vollbart, Karohemd und viel zu engen Jeans, die Schuhe bereits abgeranzt, der Jutebeutel voller Flecken von selbstgemischtem Mexikaner, von dem er eine Flasche mit den in Club geschmuggelt hatte. Ich mag diese Art von Jungs sehr gern. Sie halten sich für besonders cool, sind aber eigentlich bloß ein Klischee. Und vermutlich sagen sie das Gleiche über mich.

Nachdem wir also eine Weile im Club geknutscht hatten und ich seinen Ständer mehr als nur erahnen konnte, schleppte ich ihn mit in meine Wohnung. Dort wurde direkt weiter geknutscht und der restliche Mexikaner geleert. Als es dann zur Sache ging, er mir ungeschickt mein enges Shirt über den Kopf zog und dabei meine Achselhaare zum Vorschein brachte, war es mit der sexuellen Stimmung auf seiner Seite gleich vorbei.

„Du bist nicht rasiert“, sagte er. „Stimmt“, antwortete ich, „findest du das etwa schlimm?“ „Alter, das ist mega eklig. Dabei wirkst du sonst nicht ungepflegt.“ Man stelle sich das Szenario an dieser Stelle bildlich vor: Ein Typ mit abgeranzten Schuhen und einem Jutebeutel, auf dem sich vermutlich mehr Flecken der verschiedensten Flüssigkeiten befanden, als Sasha Grey während ihrer ganzen Karriere jemals im Gesicht und in den Haaren hatte, wollte mir gerade erzählen, ich sei ungepflegt, weil ich meine Achseln nicht rasierte.

„Du hast nicht zufällig ’nen Rasierer da?“, fragte er. „Wenn du die kurz wegmachen würdest, dann könnten wir hier weiter machen.“ In dem Moment war klar: Es musste etwas wieder weg. Das waren allerdings nicht meine Achselhaare, sondern der Typ, den ich hier gerade vor mir hatte.

Wer aufgrund ein paar feiner Härchen keinen mehr hoch bekommt, kann auch sonst keine Granate im Bett sein. Glaube ich. Meine Exfreunde und –freundinnen zumindest hat es nie davon abgehalten, mich zu ficken, wenn ich mal keine Lust hatte, mich zu enthaaren. Egal wo.

Das ist mir danach, zumindest so ähnlich, noch zwei weitere Male passiert und ich vermute, das ist genau der Grund, weshalb sich die meisten Mädchen, die zumindest mal mit Achselbehaarung experimentiert haben, früher oder später wieder von ihnen trennten.

Ich plädiere an dieser Stelle allerdings ganz klar für behaarte Achseln bei Mädchen und Frauen! Ob als feministisches Statement, um die Typen, die euch auf der Straße immer eklig hinterher pfeifen, verstummen zu lassen oder einfach nur, weil ihr es geil findet: Lasst die Haare dort ruhig stehen. Und an den Beinen gerne auch.

Niemand wird gerne als ungepflegt bezeichnet, auch wenn so ein paar Haare mit Sicherheit kein Anzeichen von Unreinlichkeit oder gar grober Fahrlässigkeit bei der Körperpflege sind. Sie sind eben einfach da. Letzten Endes hat es niemanden zu interessieren, warum ihr euch rasiert oder nicht. Schon gar keine creepy dudes, die euch nur mal an das feuchte Höschen wollen. Und es gibt ja auch noch Leute, wie mich zum Beispiel, die sich an unrasierten Mädchenachseln durchaus erfreuen.

Die Fotografie stammt von Billie
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