Wir sind keine Kinder mehr - Du machst mich Fühlen wie Tanzen

Als wir noch Kinder waren, aßen wir Eis mit dem ganzen Gesicht. Im Zweifel wurde der gesamte Kopf in den Verzehr dieser kalten Gaumenfreude mit einbezogen. Uns war völlig egal,…
Wir sind keine Kinder mehr - Du machst mich Fühlen wie Tanzen

Wir sind keine Kinder mehr

Du machst mich
fühlen wie tanzen

Als wir noch Kinder waren, aßen wir Eis mit dem ganzen Gesicht. Im Zweifel wurde der gesamte Kopf in den Verzehr dieser kalten Gaumenfreude mit einbezogen. Uns war völlig egal, ob wir das „gute T-Shirt“ oder die „gute Hose“ anhatten, uns war egal, ob unsere Gesichter hinterher so aussahen, als hätte die Hindenburg versucht, an unserem Mund anzudocken.

Hauptsache, das Eis hatte geschmeckt. Als Kind isst man kein Eis, man fühlt es. Ich hatte wahrscheinlich selten ein seligeres Lächeln im Gesicht, als dann, wenn ich einen eisverschmierten Mund hatte und in der Hand eine sich auflösende Waffel, aus der unten schon das Vanilleeis tropfte.

Wir sind keine Kinder mehr. Wir essen Eis mit der Zungenspitze und kontrollieren ständig in Schaufenstern, ob wir gekleckert haben, es ist wichtiger, dass wir beim Eis essen gut aussehen, als dass es schmeckt, jeder Waffelsplitter im Bart könnte ein Zacken aus der Krone sein.

Wir sind keine Kinder mehr. Ich blicke dich an, das Date ist vorbei, Zeit sich zu verabschieden. Ich möchte dir sagen, dass es der beste Abend seit langem war. Dass ich dich wieder sehen möchte. Ich möchte mit dir jetzt zum See und reinspringen, ich möchte mit dir in einen Fotoautomaten und Fotoautomatenfotos machen, ich möchte dir sagen, dass es kribbelt und es mir gut geht und ich dich toll finde, ich möchte möchte grad die Welt umarmen und ich möchte es dich wissen lassen. Weil es ein tolles Gefühl ist.

Aber ich habe Angst, irgendwas falsch zu machen. Ich werde es nicht sagen, „weil man sich nicht in die Karten schauen lassen sollte.“ Ich werde mich künstlich zusammenreißen, auf cool machen, nach Hause gehen und bei Gute Frage nachschauen, nach wie vielen Tagen Mann sich melden darf, ohne verzweifelt zu wirken. Ich werde mich nicht melden, sondern warten, bis du dich meldest. „Zappeln lassen“ nennt man das wohl, aber der Einzige, der zappeln wird, bin ich. Warum?

Warum gibt es in der Liebe Regeln, und wer hat die aufgestellt? Ich hasse Spielchen. Ich habe keine Ahnung, wie sie funktionieren, dieser ganze Mist verunsichert mich. Es könnte so einfach sein. Ich möchte dich, direkt nach dem wir uns verabschiedet und umgedreht haben, anrufen und dir sagen, dass es toll war. Dass du toll bist. Dass ich dich wieder sehen will. Und dass es ein Fehler war, jetzt schon nach Hause zu gehen. Und es mir egal ist, ob du das doof findest oder nicht. Oder andere.

Ich will dir sagen, was ich fühle. Weil es schön ist, was ich fühle. Aber ich werde es nicht tun. Weil ich Angst habe, dass es falsch rüberkommt. Weil man das so nicht macht. Weil wir keine Kinder mehr sind, weil wie man wirkt wichtiger ist als was man fühlt. Ich hasse es. Ich möchte wieder Eis essen wie früher, bis mein Bart weiß ist wie der vom Nikolaus und meine Haare Spitzen haben. Ich will Eis essen mit dem ganzen Gesicht.

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Die Fotografie stammt von Scott Broome
Der Text erschien in der Kategorie Liebe mit den Themen Beziehungen, Emotionen, Frauen, Geschichten, Jugend, Jungs, Kinder, Kindheit, Liebeskummer, Mädchen und Männer
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