Toxische Beziehungen - Du machst mich krank!

Für Menschen, die an einen missbräuchlichen Partner geraten sind, ist es häufig schwer zu erkennen, dass sie sich in einer toxischen Beziehung zu finden. Nicht selten wirken solche Verbindungen auf…
Toxische Beziehungen - Du machst mich krank!

Toxische Beziehungen

Du machst
mich krank!

Für Menschen, die an einen missbräuchlichen Partner geraten sind, ist es häufig schwer zu erkennen, dass sie sich in einer toxischen Beziehung zu finden. Nicht selten wirken solche Verbindungen auf den ersten, zweiten und auch fünften Blick wie Liebe. In der Realität allerdings handelt es sich um gewalttätiges Verhalten, mit dem einer der Partner den anderen kontrolliert, manipuliert und von sich abhängig macht. Dazu muss er gar nicht zuschlagen. Hier sind einige Warnzeichen, die darauf hindeuten können, dass du dich in einer Missbrauchsbeziehung befindest.

Das erste Treffen. Ihr unterhaltet euch über die klassischen Themen, die man auf einem ersten Date bespricht. Lieblingsfilme, überbewertete Musiker, Literatur, die euer Leben verändert hat. Egal, was du sagst – er oder sie stimmt dir zu. Du liebst Grey’s Anatomy? Er oder sie auch. Drake? Hat er oder sie auch noch nie gemocht. Du gestehst ihm oder ihr, dass du heimlich CDU wählst? So ein Zufall, macht er oder sie auch, und endlich kann er oder sie das mal sagen, ohne sich vor seinen oder ihren Freunden für diese Entscheidung rechtfertigen zu müssen!

Ihr habt so viel gemeinsam, dass es fast schon etwas unheimlich ist. Was dir nicht auffällt ist, dass nur er oder sie dir Fragen stellt und diese mit „Ich auch!“ beantwortet, ohne seine oder ihre Antwort auszuführen. Du bemerkst gar nicht, wie er oder sie deinen Fragen ausweicht, indem er oder sie Gegenfragen stellt, die du aufrichtig beantwortest, während du dich freust, jemanden kennengelernt zu haben, der genauso tickt wie du.

Als ihr euch verabschiedet, sagt er oder sie dir, dass er oder sie noch nie zuvor jemanden getroffen hat, der ihm oder ihr so ähnlich ist wie du und betont dabei, wie schön es doch ist, endlich einmal jemanden gefunden zu haben, mit dem man wirklich alles teilen kann. Du sagst, dass du das genauso empfindest. Es ist fast so, als seid ihr Seelenverwandte, die nach langer, schier endloser Suche, die so einige Herzensbrüche mit sich brachten, zusammengefunden haben. Auf jemanden wie dich hat er oder sie immer gewartet. Was du nicht bemerkst ist, dass das alles sehr nach Märchen klingt. Und die sind, wir wir alle wissen, leider nicht real.

Ihr kennt euch gerade mal eine Woche, da fängt er oder sie an, bereits eure gemeinsame Zukunft zu planen. Er oder sie will dir seine oder ihre Eltern vorstellen und unbedingt deine kennenlernen. Zwar ist noch nicht geklärt, ob ihr überhaupt eine Beziehung führt oder jemals führen würdet, aber er oder sie behandelt sich bereits so, als wärt ihr ein Paar.

Du genießt, dass er oder sie dir so viel Aufmerksamkeit schenkt und sich so viele Gedanken macht. Was du nicht bemerkt, ist dass er oder sie dabei eigentlich nur von sich und seinen oder ihren Wünschen spricht und deine Vorstellung von Zukunft, egal ob mit oder ohne ihn oder sie, völlig außer Acht lässt.

Er oder sie ist so glücklich, dass er oder sie dich gefunden hat. Seine oder ihre letzte Freundin ging echt gar nicht klar. Und wenn er oder sie ehrlich ist, dann leidet er oder sie auch immer noch unter dem, was sie oder er ihm angetan hat, sie oder er hatte eine psychische Störung, vorzugsweise litt sie oder er entweder an der Borderline-Persönlichkeitsstörung oder aber war manisch depressiv, und hat ihn oder sie dadurch regelrecht misshandelt. Als die Beziehung dann vorbei war, hat sie oder er auch noch angefangen, ihn oder sie zu stalken und wollte ihn oder sie einfach nicht in Ruhe lassen.

Er oder sie dachte zwischenzeitlich, er oder sie könne nie wieder lieben, so viel Angst hatte er oder sie zwischenzeitlich vor Beziehungen entwickelt, aber jetzt hat er oder sie ja dich, und mit dir ist alles gut. Du hast Mitleid mit ihm oder ihr, dass er oder sie so viele schlimme Dinge durchmachen musste und versprichst dir selbst, dass du immer gut zu ihm oder ihr sein wirst. Was du nicht bemerkst, ist dass er oder sie wirklich gar kein gutes Wort über seine Exfreundin oder ihren Exfreund zu sagen hat. Und über andere Expartner übrigens auch nicht.

Er oder sie erzählt dir immer wieder, wie toll er oder sie dich findet und was er oder sie alles mit dir vor hat, aber aus irgendeinem Grund fühlst du dich trotzdem einsam, wenn ihr zusammen seid. Pläne für gemeinsame Unternehmungen scheinen ständig in der letzten Minute zu scheitern, weil ihm oder ihr etwas anderes dazwischen kommt. Wenn ihr nicht zusammen seid, erzählt er oder sie zwar, wie sehr er oder sie dich vermisst und wie gerne er oder sie doch bei dir wäre – allerdings hat er oder sie leider so viele andere wichtige Dinge zu tun, sodass für ein Treffen mit dir leider keine Zeit bleibt.

Falls ihr euch dann doch mal seht, wirkt er oder sie unterkühlt. Von der angeblichen Sehnsucht, die er oder sie nach dir hatte, spürst du praktisch nichts. Weil du dich aber so sehr freust, endlich wieder mit ihm oder ihr zusammen zu sein, sprichst du es nicht an. Du willst schließlich keine Eiszeit herausbeschwören und gibst dich lieber mit dem zufrieden, was du hast. Es war ja sowieso schon großzügig von ihm oder ihr, seinen oder ihren Freunden abzusagen, damit er oder sie den Abend mit dir verbringen kann.

Du hast ihn oder sie gefragt, ob er oder sie mit dir ins Kino möchte, weil du einen ganz bestimmten Film ansehen wolltest. Er oder sie hat keine Lust darauf, denn er oder sie weiß, dass der Streifen ihm nicht gefallen würde. Du bist im ersten Moment traurig, denkst aber dann nicht weiter drüber nach, schließlich ist es dir wichtiger, Zeit mit ihm oder ihr zu verbringen, als diesen Film zu schauen.

Etwa zwei Wochen später erzählt er oder sie dir, dass er mit seinem besten Freund oder ihrer besten Freundin im Kino war, und dass der Film der absolute Hammer war. Es ist genau das Werk, das du mit ihm oder ihr sehen wolltest. Als du das aussprichst, sagt er oder sie dir, dass du das nie gesagt hast. Er oder sie kann sich an kein solches Gespräch erinnern, denn wenn es stattgefunden hätte, hätte er oder sie selbstverständlich ja gesagt und wäre mit dir ins Kino gegangen statt mit seinem besten Freund oder ihrer besten Freundin.

Du bist verwirrt, denn du warst eigentlich ziemlich sicher, dass du in genau diesem Film mit ihm oder ihr wolltest, und sagst dann, dass du dich wohl geirrt hast. Vermutlich hast du ihm oder ihr versehentlich den falschen Film genannt, das kann ja mal passieren. Was du nicht merkst ist, dass solche Situationen, in denen er oder sie sich nicht an Dinge, die du ihm oder ihr erzählt hast oder die er oder sie dir versprochen hat, erinnern kann, häufiger vorkommen als gewöhnlich.

Du bist eben manchmal etwas vergesslich, das ist ja schließlich ganz normal, und dafür, dass du zu doof warst, ihm oder ihr den richtigen Film und das korrekte Datum für dein Vorstellungsgespräch zu nennen, oder dir zu behalten, dass sein oder ihr Lieblingsessen gar nicht Sushi, sondern Currywurst ist, dafür kann er oder sie eben nichts.

Du äußerst, dass du dich in letzter Zeit sehr einsam fühlst und gerne mehr Zeit mit ihm oder ihr verbringen würdest. Er oder sie antwortet, dass er oder sie viel zu tun hat und du lernen sollst, dich anderweitig zu beschäftigen. Du sagst ihm oder ihr, dass du traurig bist. Er oder sie sagt, dass du überhaupt keinen Grund dazu hast. Du schreibst ihm oder ihr, wie sehr du ihn oder sie vermisst. Als Antwort bekommst du, dass es ihn oder sie nervt, wie du ihn oder sie mit Gefühlen unter Druck setzt. Du sagst ihm oder ihr, dass du ihn oder sie liebst. Er oder sie hält dir einen Vortrag, dass Liebe ein Konstrukt von Hollywoodfilmen ist und du das Wort gar nicht verstehst.

Du erzählst ihm oder ihr etwas, über das du dich besonders freust. Er oder sie sagt dir, dass das ja keine große Sache sei und du mal nicht so tun sollst, als hättest du einen Sechser im Lotto gewonnen. Du merkst inzwischen, dass irgendetwas hier nicht stimmt, suchst den Fehler aber konsequent bei dir. Du versuchst, deine Gefühle zukünftig besser zu kontrollieren, weil deine Emotionen für ihn oder sie zu belastend sind.

Irgendwie reagierst du momentan bei vielen Kleinigkeiten über. Wenn er oder sie sich eine Woche lang nicht bei dir meldet, rufst du ihn oder sie wütend an, warum er oder sie dich jetzt ignoriert, und stellst dann fest, dass du zu Unrecht wütend warst, denn er oder sie musste ja arbeiten, und deswegen musst du noch lang nicht so ein Drama machen.

Du wirst laut, weil du dich von einem offensichtlichen Witz angegriffen fühlst. Was du nicht merkst, ist dass du vollkommen normal reagierst und dass er oder sie derjenige ist, der dir einredet, dass du überempfindlich bist, während er gezielte Angriffe als Witze tarnt und dich mit vollster Absicht ignoriert.

Und zwar nicht nur bei ihm oder ihr, sondern bei allen Menschen, mit denen du zu tun hast. Dafür, dass du eine halbe Stunde gebraucht hast, um auf eine SMS zu antworten, weil du leider gerade ein Nickerchen gemacht hast. Dafür, dass du deine beste Freundin anrufst, obwohl du dir nicht sicher warst, ob sie nicht vielleicht gerade unterwegs war.

Dafür, dass du zwei Minuten zu spät zu einer Verabredung gekommen bist, weil die S-Bahn eine Störung hatte. Dafür, dass du deine Tage hast und deshalb nicht mit ihm oder ihr schlafen kannst. Dafür, dass dein Nagellack am rechten Zeigefinger abgeblättert ist. Du entschuldigst dich für einfach alles. Vor allen Dingen dafür, dass du nichts, aber auch gar nichts richtig machst.

Egal, was bei euch nicht richtig läuft, es ist immer deine Schuld. Er oder sie hat Stress auf der Arbeit? Deine Schuld. Die Milch im Kühlschrank ist sauer und er oder sie hat es erst gemerkt, als er von seinem Kaffee trank? Deine Schuld. Er oder sie will gerade nicht mit dir reden? Deine Schuld. Und was du ihm oder ihr getan hast, dass er oder sie gerade so wütend ist, nun, dass solltest du wohl selber wissen. Es ist immerhin deine Schuld, dass es so ist.

Du merkst, dass es keinen Sinn macht, darüber zu diskutieren. Verteidigst du dich für einen Vorwurf, den er oder sie dir macht, ist das der Beweis dafür, dass du schuldig bist. Verteidigst du dich nicht, erkennst du deine Schuld an und beweist somit, dass er allen Grund dazu hat, sauer auf dich zu sein. Eine Sache ist nun klar: Deine Beziehung macht dich krank. Und das solltest du schnellstens ändern!

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