Liebe, Leid und Lebewohl - Wir dürfen alles, nur nicht aufgeben

„Where does the good go?“, haben Tegan und Sara einmal in einem Song gefragt. Und, um ehrlich zu sein, denke ich über diese Frage momentan verdammt oft nach. Es ist…
Liebe, Leid und Lebewohl - Wir dürfen alles, nur nicht aufgeben

Liebe, Leid und Lebewohl

„Where does the good go?“, haben Tegan und Sara einmal in einem Song gefragt. Und, um ehrlich zu sein, denke ich über diese Frage momentan verdammt oft nach. Es ist ja so: Wenn das Gute gegangen ist, dann hat man meistens keine Ahnung, wo es eigentlich hin ist. Und es bringt auch nichts, darüber nachzudenken, weil es nun mal einfach weg ist.

Ich meine, unwiderruflich weg, weil seit dem Guten so viel Schlechtes passiert ist, dass man sich an das Gute kaum noch erinnern kann. Das Gute ist gegangen, das Schlechte ist geblieben – und du kannst nichts dagegen tun. Deswegen bringt es auch nichts, darüber nachzudenken, wohin das Gute eigentlich gegangen ist, weil es nun mal einfach weg ist.

Natürlich denke ich trotzdem darüber nach, wohin das Gute eigentlich verschwunden ist. Wohin die gute Zeit gegangen ist, in denen man gemeinsam im Bett lag und sich sagte, dass man alles schaffen kann, alles schaffen wird und in denen jede Nachricht bei WhatsApp mit einem Kuss-Emoji beendet wurde, obwohl man aus dem Alter längst schon raus ist.

Wohin die Momente verschwunden sind, in denen man dem anderen nur dabei zu sah, wie er rauchte und verliebt grinsen musste, wenn man sich bei dem Gedanken erwischte, dass dieser Mensch, der da gerade raucht, der wunderschönste Mensch der Welt ist und dass alles gerade so perfekt ist – selbst die Asche, die ihm von der Zigarette fällt und auf dem Teppichboden landet.

Was aus den Tagen wurde, in denen man nicht ohne den anderen existieren konnte, weil man nur dann wirklich glücklich war, wenn man mit ihm zusammen war. An denen man zusammen aufstand und zusammen einschlief und sich in der ganzen Zeit, die man nicht zusammen sein konnte, weil jeder noch ein eigenes Leben zu pflegen hatte, SMS schrieb, die auf Kuss-Emojis endeten, obwohl man aus dem Alter längst schon raus ist. Und natürlich über die Frage, warum die Witze, über die man gemeinsam so gelacht hat, nicht mehr so lustig sind, wenn man allein ist.

Es bleibt allerdings so: Wenn das Gute gegangen ist, dann hat man nun mal keine Ahnung, wo es eigentlich hin ist. Und es bringt auch nichts, darüber nachzudenken, weil es nun mal einfach weg ist – und jedes Nachdenken und Grübeln verursacht dann nur Schmerz, weil es nun mal unwiderruflich weg und weil seit dem Guten so viel Schlechtes passiert ist, dass es einfach nur weh tut, sich an das Gute zu erinnern und man früher oder später sowieso wieder auf dem Boden der Tatsachen landet, wo halt das Schlechte überwiegt.

Irgendwann ist das Gute einfach weg. Und ich kann mich noch genau an den Tag erinnern, als es bei mir das letzte Mal einfach fort ging und mir stattdessen das Schlechte schickte. An diesem Tag änderte sich alles. Wenn das Gute geht und nur das Schlechte bleibt, schreibt man sich plötzlich Nachrichten, die am Ende allenfalls das Bomben-Emoji, anstelle des altbewährten Kusssmileys, verdient hätten.

Man fängt an zu hassen, wie der andere raucht, weil er dabei so überheblich aussieht, und die Asche, die von der Zigarette fällt und auf dem Fußboden landet, macht einen nur noch aggressiv. Man will den anderen nicht mehr sehen und wünscht sich, er hätte niemals existiert, denn solange er da ist, wird man einfach nicht mehr glücklich.

Der erste Gedanke beim Aufwachen und der letzte vor dem Einschlafen gilt ihm, doch statt guten sind es plötzlich nur noch schlechte. Man hört auf, sein eigenes Leben zu pflegen und beginnt, sich mit den Dingen auseinander zu setzen, die bei dem anderen nicht richtig liefen und mit der Zeit entdeckt man immer mehr Dinge, die eher schlecht waren als gut und die Witze, über die man sonst immer gemeinsam gelacht hat, haben ihren lustigen Klang verloren und sind stattdessen nur noch Anekdoten einer Zeit, in der alles noch irgendwie anders war, doch anders heißt halt nicht besser.

Das Schlechte hat das Gute mit der Zeit einfach ersetzt und weil das Schlechte viel zu viel ist und statt dem Guten überwiegt, wird das Gute irgendwann halt auch einfach zum Schlechten, weil man nicht glauben kann, dass alles mal so gut war, wo jetzt doch alles nur noch schlecht ist, und dann denkt man, dass es schon immer schlecht gewesen sein muss, dass es nie gut gewesen sein kann, ich meine, wenn es wirklich mal so gut war, wie man das immer geglaubt hat, dann könnte es ja gar nicht ganz so schlecht sein, wie es nun gerade eben ist.

Wenn das Gute gegangen ist und nur das Schlechte geblieben, dann bleibt dir manchmal nichts anderes übrig, als die Suche nach dem Guten aufzugeben und das Schlechte einfach anzunehmen – vor allem dann, wenn sich irgendwie beide in der Suche nach dem Guten verrannt haben und das Schlechte dadurch noch mehr wurde. Zwei mal Minus ergibt nicht automatisch immer Plus, auch wenn unsere Lehrer uns das früher glauben lassen wollten.

Ich habe keine Ahnung, was da bei mir genau passiert ist, an dem Tag, an dem das Gute ging und mir das Schlechte schickte. Ich weiß nur, dass sich an dem Tag alles änderte und alles Gute plötzlich schlecht war und dann mal wieder gut, nur um danach noch schlechter zu werden und irgendwann hatte ich das Gefühl, mich einfach nur noch zu verrennen.

Und so beschloss ich, die Suche nach dem Guten aufzugeben und das Schlechte einfach anzunehmen, und als ich aufgegeben habe, also wirklich einfach aufgeben habe, das Gute ganz bewusst zu suchen, fand ich es wieder, in mir selbst – und dass ich es ausgerechnet in mir selbst gefunden habe, als ich aufgehört habe, in ihm danach zu suchen, hat mich zwar nicht schlauer gemacht, aber irgendwie zufriedener und so konnte ich das Schlechte endlich loslassen, ohne es ganz bewusst tun zu müssen.

Wenn ich dem Menschen, mit dem bei mir das Gute gegangen ist, noch eine Sache sagen könnte, dann dass ich das Gute hinter all dem Schlechten, das da war, doch wiedergefunden habe, auch wenn es nur durch Zufall war – denn die Dinge sind nicht einfach weg, so wie er das zu mir gesagt hat, sie gehen manchmal nur kurz verloren oder haben sich einfach gut versteckt.

„Where does the good go?“, haben Tegan & Sara mal in einem Song gefragt und ich glaube, ich habe die Antwort darauf gefunden. Ob man das Gute für immer gehen lässt oder nicht, liegt nämlich immer bei einem selbst – und solange es in einem selbst ist, bleibt es da auch, ohne dass man überhaupt darüber nachdenken muss.

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