Lass uns Freunde bleiben - Wir haben nie gelernt, richtig Schluss zu machen

Schluss machen, das ist ja so ein Ding. Ich meine, wenn mit dir Schluss gemacht wird, das ist scheiße, ja. Aber Schluss machen, das ist noch viel schlimmer. Wenn mit…
Lass uns Freunde bleiben - Wir haben nie gelernt, richtig Schluss zu machen

Lass uns Freunde bleiben

Schluss machen, das ist ja so ein Ding. Ich meine, wenn mit dir Schluss gemacht wird, das ist scheiße, ja. Aber Schluss machen, das ist noch viel schlimmer. Wenn mit dir Schluss gemacht wird, dann tut das verdammt weh und du leidest und hörst traurige Musik und gehst saufen und fickst fremde Menschen, und irgendwann, so hofft du, irgendwann ist der Schmerz halt weg, betäubt oder ersetzt von anderen Schmerzen, die du dir dann selbst zufügst, bewusst und unbewusst.

Wenn mit dir Schluss gemacht wird, dann tut das verdammt weh und du leidest, aber das Leiden, weißt du, das Leiden ist halt irgendwann vorbei. Jemand anderes hat für dich entschieden, dass du jetzt zu leiden hast, genau jetzt, nicht irgendwann, und natürlich ist es immer scheiße und passt nie richtig rein ins Leben, aber nur wer die Kontrolle verliert, der kann auch wirklich loslassen. Wer die Kontrolle verliert, kann loslassen, weil er es muss.

Was aber, wenn du die Kontrolle hast? Wenn du derjenige bist, der entscheidet, ob es so weiter geht oder nicht? Schluss machen ist scheiße. Nicht nur für den, mit dem Schluss gemacht wird, sondern auch für den, der den Schritt wagt und Schluss macht. Es wird ja selten im Affekt Schluss gemacht, zum Beispiel während eines Streits, zumindest nicht endgültig, sondern meist nur temporär. Schluss machen, das ist ein Prozess, der sich über Wochen, vielleicht Monate, und manchmal sogar Jahre hinzieht.

Wenn man sich neu verliebt zum Beispiel, macht man ja nicht sofort mit dem alten Partner Schluss. Die alte Beziehung ist an sich ja okay, die neue, die könnte vielleicht aber besser sein. Bevor man aber das Alte beendet, testet man das Neue meist erst an. Es gilt, die Antworten auf wichtigsten Fragen zu finden. Sind meine Gefühle echt? Oder finde ich das Neue nur spannend, weil das Alte gerade nicht richtig läuft? Im besten Fall quält man sich ein paar Wochen mit dem Gedanken herum, dass man nach Ablauf der Probezeit ja mit einer der Personen Schluss machen muss. Im schlimmsten Fall hört diese Probezeit erst auf, wenn die beiden davon erfahren und selbst Konsequenzen ziehen. Dann steht man nämlich alleine da. Und als Fremdgeher.

Auch toxische Beziehungen sind schwer zu beenden. Man weiß, dass der Partner echt nicht gut tut, doch Schluss machen, das geht einfach nicht. Da hilft auch kein Zureden von Freunden, Verwandten oder Menschen aus dem Internet. Einen Ast, an den man sich noch klammern kann, den findet man doch immer. Und wenn’s sein muss, springt man eben von Baum zu Baum, bis alle Äste weggebrochen und die Wälder komplett abgeholzt sind.

Der Gedanke ist bei jedem Ast und jedem Baum und jedem Wald der gleiche. Er dreht sich ausschließlich ums Schluss machen. Naja, und natürlich um die Frage, was mit dir passiert, wenn du wirklich Schluss machst. Die Antwort darauf ist auch immer gleich. Wenn du Schluss machst, dann stirbst du. Du stirbst, weil du dir selbst das nimmst, das du am liebsten has(s)t. Dass du sowieso schon kurz davor bist zu sterben, ignorierst du ganz gekonnt. Toxische Beziehungen sind der Tod auf Raten, genau wie ein langsam wirkendes Gift.

In manchen Fällen sind auch mehr als zwei vom Schluss machen betroffen. Haustiere zum Beispiel. Und bei manchen sogar Kinder. Macht man Schluss, aus welchem Grund auch immer, verliert man nicht nur einen, sondern zwei, drei, vier geliebte Menschen. Oder Tiere. Und die geplante Zukunft. Das „für immer“, das man sich einst versprochen hat.

Und dann gibt es natürlich diese Beziehungen, bei denen man sich einfach auseinander lebt. Es ist ein schleichender Prozess, den man so eigentlich nicht wahr haben will. Auseinanderleben, das klingt schon so scheiße. Sagen wir lieber, man hat sich entfremdet. Irgendwann hat sich irgendwo der gemeinsame Weg in zwei verschiedene Richtungen aufgeteilt.

Einer ist rechts abgebogen, der andere links und bemerkt hat man es erst, als es schon längst zu spät war, noch einmal umzukehren, um gemeinsam zu entscheiden, welche Biegung man denn nehmen soll. In den meisten Fällen wissen das ja beide, aber irgendwann kommt halt der Streckenabschnitt, an dem es Zeit ist, aufzugeben und die weiße Fahne zu schwenken, weil ein gemeinsames Ziel eben nicht in Sicht ist, nur dass der eine eben früher an diesem Abschnitt ist als der andere, und an dem liegt es dann, die Worte auszusprechen. Wir haben uns auseinander gelebt.

Wir haben uns auseinander gelebt. Das ist wohl der beschissenste Satz, den man sagen kann, wenn man mit jemandem Schluss macht. Naja, nach „Ich lieb dich einfach nicht genug!“ und „Lass uns Freunde bleiben!“ natürlich. Doch wie macht man eigentlich richtig Schluss? Ich meine, so von Anfang an. Ohne diese quälenden Phasen der Ungewissheit und die Gefühlsabwägungen und die Hoffnungsschweife am eher düsteren Horizont. Und ohne all die Floskeln, die man so im Kopf hat, weil man sie irgendwann mal wo gehört oder gelesen oder sich selbst wochenlang zurecht gelegt hat.

Geht das überhaupt, richtig Schluss machen? Also so, dass man dabei keinen schwer verletzt? Nicht das Gegenüber, aber halt auch nicht sich selbst. Es ist ja einfach so: verletzt man seinen Partner, verletzt man auch sich selbst. Aus einem Zweikampf, bei dem beide ziemlich gleich stark sind, kommt keiner unverwundet raus.

Wie man falsch Schluss macht, das wissen wir. Man hat uns erklärt, dass man zum Schluss machen keine Freunde oder Kurznachrichten schickt. Dass man nicht einfach abhaut, sondern sich der Verantwortung stellt. Wie man falsch Schluss macht, das wissen wir, doch wie man es richtig macht, hat man vergessen uns zu sagen.

Als das letzte Mal mit mir Schluss gemacht wurde, war das ziemlich, ziemlich schlimm. Ich habe geraucht und getrunken, geweint und gelitten und mein Tagebuch mit Tränen, Wein und Worten vollgeschmiert. Und als die Tränen getrocknet, der Wein getrunken und die Worte geschrieben waren, war ich wieder okay.

Ich war okay, bis ich Schluss machen musste. Ich habe wieder geraucht und getrunken, geweint und gelitten und mein Tagebuch mit Tränen, Wein und Worten vollgeschmiert. Die Tränen, die sind nie versiegt, sondern im Laufe der Zeit bloß bitterer geworden. Den Wein, den habe ich einfach nachgekauft. Ich habe so viele Sorten durchprobiert, bis mir nur noch der Wein im Tetra Pack blieb, und auch den habe ich getrunken, bis zum allerletzten Schluck. Doch die richtigen Worte? Die habe ich nie gefunden.

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Illustration von Maria Shukshina und Icons8
Der Text erschien in der Kategorie Liebe mit den Themen Beziehung, Freundschaft, Liebeskummer, Paare und Trennung
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