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Frech, stark, geil: Ich stehe auf böse Mädchen

"Ich will ein böses Mädchen. Eine, die sich an einem schlechten Tag mit mir und einer Vodka-Flasche abschießt und verrückte Sachen macht", sagt er mit einem sehnsüchtigen Glanz in den Augen zu mir. Ich kann nichts mehr machen außer seufzen, stelle meine Cola ab und reibe mir geschlagen die Schläfen. Da war es wieder. Das böse Mädchen.
Frech, stark, geil: Ich stehe auf böse Mädchen
Frech, stark, geil: Ich stehe auf böse Mädchen

Frech, stark, geil

Ich stehe auf
böse Mädchen

Sara Navid
Sara Navid

"Ich will ein böses Mädchen. Eine, die sich an einem schlechten Tag mit mir und einer Vodka-Flasche abschießt und verrückte Sachen macht", sagt er mit einem sehnsüchtigen Glanz in den Augen zu mir. Ich kann nichts mehr machen außer seufzen, stelle meine Cola ab und reibe mir geschlagen die Schläfen. Da war es wieder. Das böse Mädchen.

Wenn man ein gewisses Alter erreicht hat, dann entdeckt man schnell die Inkonsistenz der Aussagen zwischen den Geschlechtern und was diese eigentlich im echten Leben zu bedeuten haben, hauptsächlich nichts.

Aber Männer, meine liebsten Jungs, Brüder, Cousins, beste Freunde, Ex-Freunde, Typen, mit denen man mal auf einer Party rumgeknutscht hat, und Twitter-Bekanntschaften haben ein Muster gefunden, mit dem sie mich regelmäßig an die Grenzen meiner Geduld bringen können.

Es passiert meist, nachdem sie mal wieder von einer glitzernden Braut verlassen wurden, die sich für einen reicheren, hübscheren, talentierteren Mann entschieden hat. Sie haben es verkackt, und nun sehen sie sich nach einer um, die nicht so gefährlich heiß und süß ist. Sie wollen diesmal keine Perle, die in der Küche steht und ihren Tätigkeiten nachgeht. Nein.

Diesmal wollen sie ein böses Mädchen. Eine starke Frau. Eine, die alles voll im Griff hat und weiß, was sie will. Aber vor allem wen, nämlich ihn. Eine, die unerschütterlich in ihrer Meinung ist, mit viel Liebe, aber auch distanziert und ohne große Anforderungen. Kein Mädchen, dass sich ankettet und zur Last wird, sondern eine, die man gerne an sich heranzieht. Das sagen sie dann immer, meine Jungs. Sie wollen ein böses Mädchen.

Mir ist völlig bewusst, dass Frauen auch nicht gerade konsequent agieren was die Partnersuche angeht. Wenn überhaupt, dann ist das auf der anderen Seite noch viel wahnsinniger. Aber darüber wurde schon vor Jahrhunderten Konsens geschaffen, das wissen wir alle, dass Frauen spinnen. Nur Männer haben das irgendwie nicht richtig verstanden.

Männer wollen also eine atzige Frau. Aber keine dieser burschikosen Lesben-Kurzhaarschnitt Weiber, sondern eine, die Strapse trägt und nebenbei Topmodel ist. Da aber Aussehen nur nebensächlich ist, muss auf jeden Fall auch ein Doktortitel der Mathematik rein. Nerdig, schnittig, gut.

Sie guckt sich jedes Fußballspiel an und kann das Bier mit den Zähnen aufmachen, fragt ab und zu mal nach den Regeln um ihn erklären zu lassen, kocht fantastisches Essen, nackt, ist ein Tier im Bett und lässt sich auch gerne mal den Kaffee ans Bett bringen und sich verwöhnen.

Sie hat immer Zeit für ihn und seine Freunde, zickt nicht rum, wenn er PlayStation spielt, kifft gerne mit und macht ihm keine Vorwürfe, wenn er mal wieder sturzbetrunken von einer Party nach Hause kommt und noch kuscheln will.

Aber natürlich darf das nicht auf Kosten der Weiblichkeit sein. Sie soll im Inneren noch so unsicher sein, dass er sie aufpeppeln darf, wenn der Chef sie mal wieder angefahren hat. Und bei Komplimenten muss sie rot werden. Und wenn das Auto explodiert, darf er sie rennend aus der Rauchwolke tragen, weil hinter ihrer harten Fassade doch ein zierliches Wesen steckt, das gerettet werden möchte.

Sie wollen eine Frau so stark wie Hulk, die aber nicht stärker ist als er, die über seine Witze lacht, die völlig eigenständig und trotzdem sehr glücklich darüber ist, ihn zu haben, weil er ihr die nötige, fehlende, Stütze im Leben bietet. Die sie natürlich sonst ohne den Mann im Leben nicht hätte.

Sie soll draufhauen können, Alter. Sie soll richtig Ansage machen können und temperamentvoll und aufregend sein, aber bitte nicht zu sehr, und auch nicht immer, denn manchmal muss man auch vor dem Fernseher schmusen können, ohne über die wichtigen Sachen des Lebens diskutieren zu müssen.

Solange man noch nicht richtig im festen Leben steht, laufen die Karrieren nebeneinander, und Typ ist auch stolz auf sie. Bis er Kinder haben möchte, dann ist nämlich klar, dass sie ihre aufgeben muss. Auch ein böses Mädchen spürt den inneren Drang nach Familie, oder?

Während mein Kumpel also wieder anfängt, davon zu erzählen, wie sehr er auf Mädchen steht, die "ein eigenes Leben" haben, die dreckig und böse und trotzdem mädchenhaft sind, wie sehr er sich eine Freundin herbei sehnt, die mit ihm durch dick und dünn geht und Pornos nachspielt und um welche seine Kumpels ihn alle beneiden und die von seiner Mutter geliebt wird, frage ich mich eigentlich, ob er das Memo nicht bekommen hat: Das böse Mädchen, das er will, will ihn nicht.

Es will nicht erlöst werden, es will nicht gerettet werden, es muss nicht beschützt werden und es braucht ihn nicht. Deshalb ist es ja ein böses Mädchen. Sie lässt ihn links liegen, macht ihm die Hölle heiß, wenn er Scheiße baut, und rasiert sich die Haare an den Beinen nicht.

Mit "böse" meine ich natürlich stolz und eigensinnig und ein eigener, würdiger, selbstständiger Mensch, den man nicht auf seine Fähigkeiten in einer Beziehung reduzieren muss. Ein böses Mädchen, das sich von niemandem Scheiße geben lassen muss. Das meint er aber nicht.

Der Text wurde von Sara Navid geschrieben. Die Fotografie stammt von Nazar Strutynsky. Der Artikel erschien in der Kategorie Liebe mit den Themen Fetische, Frauen, Gedanken, Mädchen und Pornografie. Wenn er euch gefällt, könnt ihr ihn auf Facebook, Twitter, WhatsApp, Pinterest und Tumblr oder per Email teilen. Ihr habt etwas zu sagen? Schickt uns einen Leserbrief!
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