Fakes auf Tinder - Willst du mich verarschen?

Neunzig Prozent aller Menschen auf Tinder sind Fake. Dieser vollkommen realistische Fakt wurde von der Daniela-Dietz-Stiftung für angewandte Verarscheaufspürer in mehreren tausend Versuchen nachgewiesen, überprüft und für korrekt erachtet. Und,…
Fakes auf Tinder - Willst du mich verarschen?

Fakes auf Tinder

Willst du mich
verarschen?

Neunzig Prozent aller Menschen auf Tinder sind Fake. Dieser vollkommen realistische Fakt wurde von der Daniela-Dietz-Stiftung für angewandte Verarscheaufspürer in mehreren tausend Versuchen nachgewiesen, überprüft und für korrekt erachtet. Und, nein, ich spreche dabei nicht von Fakes à la Instagram, bei denen die hässlichste Ulrike ihre widerwärtigen Walbikinibilder so oft durch Photoshop und diverse Schönheitsoperationsapps jagt, bis sie aussieht wie die magersüchtige Version von Karlie Kloss.

Ich spreche von Menschen, die sich einfach irgendwelche Bilder aus dem Internet klauen, sie auf Tinder hochladen und sich dann noch eine mehr oder weniger kreative Bio einfallen lassen, um junge, dumme Mädchen oder alte, dumme Männer zu verarschen. Warum sie das machen? Um Nacktfotos abzugreifen. Oder Geld. Oder Passwörter. Oder was weiß denn ich, vielleicht finden sie’s einfach nur geil oder ihnen ist langweilig. Oder es spricht sonst keiner mit ihnen, wenn sie sich nicht als 18-jährige Models ausgeben.

Was man auch Catfishen nennt, hat vielerlei Gründe. Aber ich bin zu faul und nicht blöd, um jeden Faker zu fragen, warum er es macht. Jedoch ist es sehr anstrengend. Besonders wenn man seine Geschlechtspräferenzen auf Bisexuell eingestellt hat, um auch ja keinen Hottie zu verpassen. Dann muss man sich erst mal stundenlang durch irgendwelche dämlichen Fakeprofile wühlen, bis man endlich die große Liebe oder zumindest einen Körper, an den man sich an kühlen Winternächten anschmiegen kann, findet.

Oft ist es ganz einfach, Fakes zu erkennen. Die Fotos sehen dann meist so unscharf, verwaschen und scheiße aus, als wären sie schon hundert Mal runter- und wieder hochgeladen worden. Oder sie sind direkt aus Snapchat gescreenshottet. Dazu auch keine Bio, sondern, wenn überhaupt, nur einen Instagram-Link. Wahrscheinlich um Follower zu generieren. Was für eine dämliche Idee.

Dann gibt es Catfisher, die so dumm waren, sich über ihren Facebookaccount anzumelden und einzustellen, dass automatisch ihre auf Facebook hochgeladenen Bilder auch auf Tinder geteilt werden. Da ist sie dann, Simone, 18 aus Berlin, die als Profilbilder nur Fotos eines fetten dreißigjährigen Türken hat. Geil.

Das funktioniert übrigens auch umgekehrt: Da sind dann fünf heiße Bikinifotos hochgeladen worden und die blonde Schönheit, die da unter Palmen ein paar leckere Cocktails schlürft, während ihre laszive Biografie sich wie ein Softcoreporno liest, heißt dann Ralf. Oder Thorsten. Oder Detlev. Wie dumm muss man eigentlich sein?

Manche Fakes erkennt man leider erst, wenn man ihnen schon seine WhatsApp-Nummer gegeben hat, um ein paar Nacktfotos auszutauschen. Da schickt man dann einen halben Nippel und zurück kommt das am Kopf abgeschnittene Badewannenfoto von Belle Delphine, zu dem ich mich erst vergangene Woche selbst angefasst habe. Na toll. Nummer blockiert, Chat gelöscht, ins Kissen geweint, Abend gelaufen.

Es gibt aber auch Fälle, in denen Fakes richtig schwer zu erkennen sind. Da sitzt man dann fünf Minuten vor dem klug, kreativ und witzig ausgefüllten Profil und denkt sich: Hm… Ich weiß nicht so recht… Irgendwie sieht alles ganz gut aus. Bilder, Bio, Infos… Aber dennoch klingelt mein Fakedetektor! Seltsam, seltsam… Da hilft dann nur: Nach rechts wischen und auf das Beste hoffen.

Denn die Verzierung bei Tinder, Her & Co. ist vollkommen für den Arsch. Ich habe schon Profile mit tausend Mal verwendeten Stockfotos gesehen, die einen Verifizierungsbadge hatten. Wahrscheinlich war der Verifizierer in Bangladesch zu sehr damit beschäftigt, sich an den Profilfotos einen runter zu holen, anstatt wirklich nachzuschauen, ob die Person auch wirklich echt ist.

Ich habe übrigens über die Jahre hinweg ein paar Tipps und Tricks gelernt, wie man neunzig Prozent aller Fakeprofile sofort herausfinden kann, ohne sich allzu lange den Kopf darüber zu zerbrechen, ob der Waschbrettbauch auf den Bildern auch wirklich vor dem dazugehörigen Handy sitzt. Oder ob da gerade ein dicker, alter Gustav vor sich hin keucht.

Und, ja, die Grundsätze beim Fakeerkennen sollte wirklich jeder kennen. Nur ein Bild? Raus! Keine Bio? Raus! Nur ein Instagram-Link? Raus! Nur Fotos, die aussehen, als würden sie einem Influencer gehören? Raus! Nur Bilder von Arsch und Titten? Raus! Harald, 45, der sich als 18-jährige Studentin ausgibt? Raus – oder ein bisschen verarschen, falls euch langweilig ist, ganz wie ihr wollt.

Aber es gibt auch geheimere Tricks, wie man Fakes erkennt. Viele Catfisher achten nämlich nur darauf, dass sie Bilder einer heißen Blondine im Bikini hochladen. Aber sie vergessen dabei oft die Details im Hintergrund, die geradezu nach Fake schreien! Wenn man so etwas erkennt: Gleich melden und sich richtig, richtig geil fühlen, wenn ihr wisst, dass der Catfisher, sich die Mühe ganz umsonst gemacht hat!

Ein ganz großer Verräter sind Steckdosen! Schaut, was für Steckdosen im Hintergrund zu sehen sind. Keine Tamara aus Tübingen lebt in einem Haus, in dem es amerikanische Steckdosen gibt! Auch noch typisch amerikanisch: Wenn die Flagge der USA irgendwo hängt. Oder: Weiße Türen mit typisch, amerikanischen dekorativen Vertiefungen darin. Hat in Deutschland keine Sau. Generell gilt: Wenn die Wohnung der halbnackten Dame aussieht wie bei „Gilmore Girls“, „Friends“ oder „Modern Family“ – raus, raus, raus!

Auch gut: Nummernschilder von Autos im Hintergrund. Oder Telefonnummern bei Geschäften. Oder die Sprache von Schildern. Und, nein, niemand ist so oft im Urlaub, dass er nur Fotos mit kanadischen Kennzeichen besitzt. Ebenfalls entlarvend: Die Sprache der Bücher in den Regalen. Nur Englisch, Spanisch oder Russisch? Bitch, please.

Wenn ihr einen Schritt weiter gehen wollt, könnt ihr auch auf das Handy bei Selfies achten. Manche Faker laden einfach fünf Bilder von fünf verschiedenen Blondinen hoch, die sich ähnlich sehen. Mit fünf verschiedenen Handys in der Hand. Lol. Aus welchem Land stammen die Limoflaschen auf dem Tisch? Die DVDs im Schrank? Die Poster an der Wand?

Falls ihr euch nicht sicher seid, könnt ihr euren potentiellen Vaginastopfer auch fragen, ob er mal eine Nahaufnahme von seinen Büchern machen kann, die in Tinderbild Nummer 2 hinten im Regal stehen. Weil ihr wissen wollt, was er so für Bücher liest. Zwinker, Zwinker. Oder ihr fordert ihn einfach auf, eine bestimmte Geste zu machen und euch ein Foto davon zu schicken. Natürlich mit Gesicht drauf.

Es gibt so viele Möglichkeiten, Fakes zu entlarven. Was auch immer ganz gut funktioniert: Die Bilder herunterladen und anschließend in der Google Bildersuche wieder hochladen. Dieser Trick ist nicht neu. Was aber viele dabei vergessen: Die Faker wissen, dass ihr wisst, dass ihr die Bilder bei Google hochladen werdet. Um zu verhindern, dass sie dadurch entlarvt werden, haben sie die Fotos einfach gespiegelt! Was heißt das für euch: Einmal im Original und einmal horizontal gespiegelt hochladen: So wird aus eurem nächsten potentiellen Fick plötzlich ein schwuler, italienischer Influencer.

Warum ich das alles weiß? Weil ich selbst bereits dutzende Fakeprofile hatte, um irgendwelche Exfreunde, Kommilitonen oder den Vater meiner Freundin zu stalken. Bisher bin ich dabei noch nie erwischt worden. Und warum? Weil ich einfach gut in dem bin, was ich mache. Und der notgeile 08/15-Wolfgang von nebenan, der schlichtweg auf das Gesicht einer aus dem selben Ort stammenden Schülerin wichsen möchte, eben nicht.

Merkt euch einfach einen Grundsatz: Im Internet will euch jeder verarschen und ausnutzen. Immer. Egal, wer. Wenn ihr denkt: Ach, der ist doch ganz nett: Nein! Ihn gibt es gar nicht! Niemand im Internet ist echt! Werft euer Handy an die Wand, setzt euch draußen auf eine Bank und quatsch den erstbesten Typen an, der an euch vorbei läuft! Der ist echt. Sonst niemand. Thank you for coming to my TED Talk.

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Die Fotografie stammt von Igor Starkov
Der Text erschien in der Kategorie Liebe mit den Themen Catfish, Dating, Fakes, Frauen, Internet, Jungs, Mädchen, Männer, One-Night-Stands und Tinder
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