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Das Popkultur Magazin

Ausgespannt!Deine Freundin ist jetzt meine Freundin

Ich lernte Katha auf einer typischen Bauernparty am Rande meiner Heimatstadt kennen. Sie war groß, sie war hübsch, ihre langen schwarzen Haare wehten im nach billigen Bier und angekotzten Ecken riechenden Wind. Natürlich hatte sie einen Freund. Seit drei Jahren. Den Ferdinand. Der irgendwo bei der B...
Ausgespannt!Deine Freundin ist jetzt meine Freundin

Ausgespannt!

Deine Freundin ist
jetzt meine Freundin

Marcel Winatschek

Ich lernte Katha auf einer typischen Bauernparty am Rande meiner Heimatstadt kennen. Sie war groß, sie war hübsch, ihre langen schwarzen Haare wehten im nach billigen Bier und angekotzten Ecken riechenden Wind. Natürlich hatte sie einen Freund. Seit drei Jahren. Den Ferdinand. Der irgendwo bei der Bundeswehr war. Soldat. In der Kaserne. Oder im Krieg. Auf jeden Fall nicht hier. Bei ihr. Sein Pech.

Mein von Geburt an zu klein geratenes Gewissen schaltete um auf Fernsehgarten, als wir unseren johlenden Freunden um drei Uhr nachts den Rücken kehrten, um in der Wohnung ihrer etwas geistig behinderten großen Schwester die Sau raus zu lassen und uns beim einfallenden Mondlicht und etwas lallend ewige Liebe zu schwören. Darauf gleich noch einen.

Am nächsten Morgen platzte die Anzeige meines Handys. “Du hast dem Ferdi die Freundin ausgespannt? Alter…” war da zu lesen. “Du Held!”, sagten die einen, “Du Arsch!” die anderen. “Viel Glück!” ihre beste Freundin. Und damit meinte sie nicht unbedingt das Wohl unserer neu entfachten Liebe, sondern eher mein Körperliches. Denn Ferdi… naja, sagen wir es mal so: Selbst Betonwände sind für ihn kein Hindernis.

Ich könnte euch jetzt erzählen, wie ich ein paar Tage später seinen Fängen und dem im Anschlag gehaltenen Maschinengewehr, das wahrscheinlich eher ein krumm geratener Stock war, aber bei panischen Erlebnissen fantasiert man sich ja gerne etwas zusammen, nur knapp entkam, in Boxershorts zur nächsten Bushaltestelle rannte und eine verrückte Blumenlady um zwei Euro anbettelte.

Und wie der Hobby-Rambo heulend bei Katha anrief, um ihr seine ewige Liebe zu gestehen, und irgendwas von Hochzeit und Kindern stammelte und danach fast Selbstmord verübte, weil sie lachend auflegte und mir anschließend Nacktfotos von sich und ihrem Lieblingsteddy schickte. Aber das ist nicht der Rede wert, hielt unsere Beziehung doch gerade einmal drei Wochen.

Die Frage, die mich seit dieser einschneidenden Geschichte beschäftigt, eigentlich nicht so sehr, weil ich mein Gewissen irgendwann gegen vermeintlichen Internetruhm tauschte und sowieso in der Hölle landen werde, ist, wie schlimm es nun wirklich ist, einem anderen Menschen die Freundin auszuspannen? Wenn es ihr doch in der anderen Beziehung sicherlich ganz, ganz schlecht geht. Oder man sie viel, viel mehr liebt, als es der andere jemals könnte? Oder man einfach scheiße geil auf sie ist?

Oder sollte man sich der gesellschaftlichen Wut über das Thema ergeben und einfach abwarten, bis die Natur, oder in diesem Fall die Unbeständigkeit jedes Einzelnen, die Sache erledigt, damit man gleich nach der Trennung zuschlagen und die sexy Schulter zum Ausheulen bieten kann? Andererseits würde man mit einer aktiven Zerstörung einer anderen Beziehung die Sache doch nur beschleunigen, oder etwa nicht?

Ich habe Katha nach unserer Blitz-Liaison nur zwei Mal wieder gesehen. Beim ersten Mal erzählte sie mir von einer spontanen Analsexparty im Jeep ihres damaligen Chefs und seiner Freundin, beim zweiten Mal verkündete sie stolz auf dem Tisch einer Kneipe, dass Ferdi und sie im darauffolgenden Frühjahr in der kleinen Kapelle im Wald heiraten würden. Ich freute mich für die beiden. Ganz ehrlich.

Die Fotografie stammt von Lauren Richmond
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Breast Envy: Ich bin neidisch auf große Brüste

Der wirklich wichtige Unterschied zwischen kleinen Brüsten und kleinen Schwänzen ist ja, dass es Typen gibt, die explizit auf Minimöpse stehen, während sich niemand, aber auch wirklich niemand, für mikroskopisch männliche Fickutensilien interessiert. Wer will sich auch schon an traurigen Babykarotte...
Breast Envy: Ich bin neidisch auf große Brüste

Breast Envy

Ich bin neidisch
auf große Brüste

Daniela Dietz

Der wirklich wichtige Unterschied zwischen kleinen Brüsten und kleinen Schwänzen ist ja, dass es Typen gibt, die explizit auf Minimöpse stehen, während sich niemand, aber auch wirklich niemand, für mikroskopisch männliche Fickutensilien interessiert. Wer will sich auch schon an traurigen Babykarotten reiben, um abzugehen? Eben. Da kann man sich selbst und allen anderen noch so sehr einreden, dass es nicht auf die Größe ankommt. Wenn der Typ panisch mit einem Zahnstocher in einem herum bohrt, ist das ungefähr so geil wie Gras beim Wachsen zuzusehen. Wobei Gras wenigstens wächst…

Und dennoch hat meine beste Freundin Lisa solche Komplexe, was ihr flaches Wunderland angeht, dass ihre Laune merklich sinkt, sobald wir uns auch nur in der Nähe einer besser bestückten Dame aufhalten. Während eines kotzend in der Toilette endenden feuchtfröhlichen Abends hat sie ihre von Gott ziemlich vernachlässigte Oberweite mal heulend als „Krüppeltitten“ beschimpft, nachdem sie mal wieder einen ihrer Anfälle bekam. Und dann habe ich mich aufgrund meiner nicht gerade berauschend großen Oberweite selbst unwohl gefühlt. Danke, du blöde Kuh!

Dass Lisa mit ihrem unfassbaren Hass gegen alles, was größer, runder und praller ist als sie selbst, nicht allein da steht, zeigt das Forum Breast Envy, in dem sich Frauen treffen, die neidisch auf große Brüste sind. Dort diskutieren sie gemeinsam mit Männern, die wiederum irgendwie darauf stehen, dass Frauen eifersüchtig auf die Oberweiten anderer sind. Jeder hat nun einmal seinen ganz eigenen Fetisch. Und gemeinsam lässt es sich schließlich immer noch am besten jammern.

Die Fotografie stammt von Dainis Graveris
Der Text erschien in der Kategorie Sex mit den Themen
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Whisky, Joints und Ravioli: Mein neues Leben in Berlin

Es ist Freitagabend in Berlin und ich sitze mit meinen beiden Mitbewohnern an dem Klapptisch in unserer Küche. Berna und ich haben ein Glas Weißweinschorle vor uns stehen, Maxi, unser Mitbewohner, trinkt Whisky mit Ginger Ale zu seinem allabendlichen Joint. Daran, dass er so viel kifft, habe ich mic...
Whisky, Joints und Ravioli: Mein neues Leben in Berlin

Whisky, Joints und Ravioli

Mein neues
Leben in Berlin

Sophie Fischer

Es ist Freitagabend in Berlin und ich sitze mit meinen beiden Mitbewohnern an dem Klapptisch in unserer Küche. Berna und ich haben ein Glas Weißweinschorle vor uns stehen, Maxi, unser Mitbewohner, trinkt Whisky mit Ginger Ale zu seinem allabendlichen Joint. Daran, dass er so viel kifft, habe ich mich auch nach vier Wochen in dieser WG noch nicht so ganz gewöhnen können, aber man hatte mich bereits vor meinem Umzug in die Hauptstadt darauf hingewiesen, dass illegale Rauschmittel in Berlin schon irgendwie zum guten Ton gehörten. So weit, selbst mal Haschisch zu probieren, bin ich allerdings noch lange nicht.

Wir sprechen gerade die Abendplanung durch, denn heute wollen wir gerne mal etwas zu dritt unternehmen. Auch, um uns besser kennenzulernen. Der Alltag funktioniert zwar schon ganz gut zwischen zwischen uns dreien, nicht zuletzt, weil Berna und Maxi nun schon seit etwas über zwei Jahren gemeinsam hier im Wedding wohnen, aber richtig zusammen aus waren wir noch nie, seit ich bei ihnen eingezogen bin.

„Ich hab Lust auf Essen gehen“, werfe ich in die Runde. „Also, ich meine jetzt nicht Currywurst oder Döner oder irgendetwas Anderes, das so typisch für Berlin ist, sondern ich meine so richtig Essen gehen, in irgendeinem schicken Restaurant. Und mit schick meine ich nicht superteuer, sondern eben … Naja, ihr wisst schon, eben keine Imbissbude, sondern irgendetwas, wo man nett sitzen und quatschen kann, aber eben auch leckeres Essen und vielleicht ein, zwei Gläschen guten Wein bekommt.“

Mein Blick wandert herunter zu meinem fast leeren Glas und ich überlege, ob ich mir noch einmal etwas nachschenken soll, aber entscheide mich dagegen. Irgendwie habe ich bereits jetzt im Gefühl, dass ich heute noch mehr als genug Gelegenheiten bekommen werde, Alkohol zu mir zu nehmen.

Berna ist sofort Feuer und Flamme. „Ich weiß, wo wir hingehen können“, plappert sie euphorisch drauf los. „Es gibt da diesen Laden in Kreuzberg, Gorgonzola Club heißt der, da will ich schon ewig mal hin, hab’s aber bisher nie geschafft!“ Maxi verdreht die Augen und drückt die Reste seines „Blunts“, wie er es nennt, in einem zum Aschenbecher umfunktionierten Blumentopf aus. „Bei sowas bin ich raus!“, sagt er. „Ich dachte, wir gehen einen saufen!“ „Ach Maxi“, antworten Berna und ich wie aus einem Mund und ziehen das „I“ in seinem Namen dabei extra lang.

„Wir können danach doch immer noch was trinken gehen“, sage ich. „Und außerdem schuldest du mir sowieso noch ein Abendessen“, hängt Berna an, „du weißt schon, dafür, dass ich vor deiner Mutter so getan habe, als würde dein Gras mir gehören!“ „Das hat kauft sie dir übrigens bis heute nichts ab“, meint Maxi mürrisch. „Aber okay, ich bin dabei, unter der Voraussetzung, dass wir uns anschließend noch abschießen gehen!“ „Machen wir“, verspricht ihm Berna, und ich zeige meine Zustimmung mit einem Nicken.

Knapp eineinhalb Stunden später finden wir uns im Gorgonzola Club wieder, der an diesem Freitagabend so voll ist, dass wir Glück haben, überhaupt noch einen Tisch zu ergattern. Der Laden ist ganz hübsch eingerichtet, irgendwie italienisch-rustikal. Nur die rot-weiß-karierten Tischdecken aus Papier wirken in diesem Ambiente fehl am Platz. Berna lässt Maxi und mich wissen, dass eine Kommilitonin ihr die Ravioli hier empfohlen hat, also bestellen wir drei verschiedene Portionen Ravioli, einen großen Teller Antipasti und natürlich Wein, zwei Gläser weiß, und ein Glas rot.

Während wir auf das Essen warten, was nicht nur gefühlt, sondern tatsächlich eine halbe Ewigkeit dauert, weil unsere Bestellung mit der eines anderen Tisches durcheinandergebracht wurde, unterhalten wir uns über das Leben und das Lieben in der Großstadt. Ich hatte vor meinem Umzug nach Berlin über zwei Jahre lang einen festen Freund, von dem ich mich allerdings getrennt habe, nachdem klar war, dass ich nach Berlin und er für ein Praktikum nach New York gehen würde. Eine Fernbeziehung kam für uns beide nicht in Frage, und ich gestehe meinen beiden Mitbewohnern, dass ich irgendwie ganz froh bin, die Hauptstadt als Single erkunden zu können, was Maxi unwillkürlich schmunzeln lässt.

„Werde bloß nicht so wie er“, sagt Berna und macht mit dem Kopf eine Bewegung in Richtung Maxi, während sie sich eine Olive in den Mund steckt. „Jedes zweite Wochenende bringt er ein anderes TinderDate mit nach Hause, und ich darf dann deren Haare aus dem Duschsieb fischen!“ „Das sind ausschließlich deine Haare“, kontert Maxi zurück und Berna wirft ihre lange blonde Mähne über die Schulter, fast so, als sei sie Beyoncé persönlich.

Die Salbeiravioli im Gorgonzola Club sind wirklich fantastisch, so dass der Fehler mit der verwechselten Bestellung zumindest von meiner Seite aus sofort wieder verziehen ist. Beim Essen erfahre ich ein bisschen mehr über das Liebesleben meiner beiden Mitbewohner, zum Beispiel, dass Berna bisexuell ist und in den letzten Jahren ausschließlich mit Frauen zusammen war, und dass Maxi keine Lust hat, sich zu binden. Ihre Frage danach, ob ich jemals einen richtigen One-Night-Stand hatte, muss ich verneinen. Berna meint, das würde schon noch kommen, und dass sowas in Berlin Gang und Gäbe ist.

Nach dem Essen zieht Maxi uns weiter in die Fahimi Bar, seine Stammbar in Kreuzberg, wie er sagt. Dort bestellt er für uns alle eine Runde „Dillinger Escape Plan“, einen Drink, von dem er schwört, dass wir ihn auf jeden Fall probieren müssen. Was wir serviert bekommen, riecht ein wenig wie das Wasser, in dem saure Gurken eingelegt sind, schmeckt aber erstaunlich gut. Ein Blick auf die Karte verrät mir, warum der Cocktail so nach Gurkenwasser riecht. Neben Gin, Holunderblütenlikör und Zitronensaft enthält dieser nämlich auch noch Gurke, Dill und etwas Meersalz.

Leider ist die Bar an diesem Abend ziemlich voll und laut, was vielleicht auch ihrer Lage direkt am berühmt-berüchtigten Kottbusser Tor geschuldet ist. Ich merke, dass ich langsam ganz schön müde werde, im Gegensatz zu Maxi und Berna, die jetzt erst richtig aufdrehen und bereits Pläne schmieden, wo es als nächstes hingehen soll. Wir bestellen noch eine zweite Runde, bevor wir gemeinsam aufbrechen, doch trotz ihres Bettels und Flehens, noch mit ihnen in den Kater Blau zu gehen und die Nacht zum Tag zu machen, kann ich widerstehen und mich von den beiden losreißen.

Wir verabschieden uns mit Umarmungen von einander, und während sie sich in ein Taxi Richtung Club schwingen, steige ich in die nächste U-Bahn, die zu unserer Wohnung fährt. Ich bin noch nicht bereit für so eine richtige Partynacht in Berlin. Aber was nicht ist, kann ja noch werden, und gerade freue ich mich einfach nur, einen tollen, wenn auch ruhigen Abend mit meinen fantastischen Mitbewohnern in dieser aufregenden Stadt gehabt zu haben.

Die Fotografie stammt von Yeo Khee
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Mein neues Handy: Wir werden von Wurstfingernazis regiert

Wieder einmal hat Gott mich um die Pole Position des Lebens betrogen. Und wieder einmal passierte das im schleichenden Prozess. So schleichend, dass ich nicht mitbekam, wie der Heiligste der Heiligen mich fett trollte. Zuerst badete er mich in buttriger Sicherheit, nur um dann wiehernd und weinend v...
Mein neues Handy: Wir werden von Wurstfingernazis regiert

Mein neues Handy

Wir werden von
Wurstfingernazis
regiert

Sara Navid

Wieder einmal hat Gott mich um die Pole Position des Lebens betrogen. Und wieder einmal passierte das im schleichenden Prozess. So schleichend, dass ich nicht mitbekam, wie der Heiligste der Heiligen mich fett trollte. Zuerst badete er mich in buttriger Sicherheit, nur um dann wiehernd und weinend vor Freude zuzusehen, wie ich einen schmierigen Riesenberg Scheiße herunterrutsche.

Okay. Mag sein, dass das jetzt ein bisschen übertrieben dargestellt ist, aber es ändert nichts an meinem Empfinden gen der Ungerechtigkeiten, die das Leben so im Alltag mit sich bringen. Wie etwa: Ich war früher diejenige, die am Schnellsten und Intuitivsten mit elektronischen Geräten klargekommen ist.

Ich tippe mit zehn Fingern schneller als der durchschnittliche Vierzehnjährige sich einen runterwedeln kann, mein Videorekorder war immer korrekt programmiert, und bis ich dann in die Pubertät kam, als solche nervigen Sachen wie Liebe und Erwachsenwerden wichtiger wurden, kannte ich mich noch perfekt mit allen Fernseh-, Computer-, Konsolen- und Gadgetmarken aus.

Sicherlich kam das zu einem verhängnisvollen Preis: Ich war fett und hässlich und wenn man mich aus dem Keller holen wollte, musste man mir erst einen Ganzkörperschutzanzug überziehen und einen Kran mieten. Aber seht ihr, ich dachte, das hält an. Ich hielt mich für The Kid, das Gehirn, das mit dem ganzen Futurescheiß aufwächst und eines Tages wie die aufgeweckten Druffijugendlichen in „Hackers“ einfach allen anderen, vor allem den alten Erwachsenen, überlegen sein würde.

Aber ich wurde vom Leben, wie bereits erwähnt, betrogen. Alles fing damit an, dass ich mich dazu entschied, auf eine Reise zu gehen, anstatt mir einen neuen Computer, ein iPad und ein Smartphone zuzulegen. Ein Jahr später sind kleine Zwölfjährige in der U-Bahn, die mich angucken, als käme ich aus dem Mittelalter, wenn ich mein verstaubtes Nokia aus der Tasche wuchte.

Mein Nokia, so einfach in der elektronischen Bedienung es auch sein mag, kann immerhin vielfach verwertet werden: als Verankerung für die Aida, als Ziegelstein für die Randalen am ersten Mai und notfalls auch als Betonklotz zum Versenken unliebsamer Feinde. Natürlich ließ ich mir so etwas nicht gefallen und machte, nach ewigem Hin und Her der wirtschaftlichen Überlegungen, den Schritt in die Zukunft: Ich kaufte mir ein iPhone.

Ich sag mal so: Wenn das die Zukunft ist, dann werden wir hier eindeutig von Wurstfingernazis regiert. Die Hausfrau in mir kriegt einen Herzschlag, wenn sie die Schmierflecken auf dem Riesenbildschirm sieht. Es kann alles. Wirklich alles. Es kann den Empfang verlieren, es kann abstürzen, es kann mich unglaublich wütend machen und es kann mich davon abhalten, in betrunkenem Zustand meinen Ex anzurufen.

Dieses Telefon ist wunderschön, und ich bin mir ziemlich sicher, wenn ich mir eine Brille aufsetze und die Anleitung rauskrame, dann werde auch ich damit glücklich und zufrieden sein. Aber es ist zu intelligent für mich. Oder vielleicht bin ich einfach nur zu alt dafür. Und vielleicht, nur ganz vielleicht, nervt es mich, dass ich nicht mal mehr mit so unwichtigen Dingen wie Telefonen einfach nur zufrieden sein kann. Und sagt nichts: mit dem Pixel erging es mir genauso. Und mit dem Windowsscheiß auch.

Eine Million zwölfjährige Supernerds, die mittlerweile gesellschaftlich akzeptiert werden, können sich ja nicht irren. Und wer dankt mal den Vorreitern? Uns fetten, hässlichen Kindern, die sich sozial abschotten mussten, um einen Nerdpfad der Coolness zu ergründen? Wer dankt uns?!

Aber für mich ist die Lernkurve zu steil. Wenn ich heute in den Spiegel gucke, sehe ich nur meine Mutter, und wünsche mir nichts sehnlicher als eigene Kinder, die ich dann fragen kann, ob sie mal das Handy für mich programmieren können. Ich will ja den Anruf heute nicht verpassen.

Die Fotografie stammt von Paul Hanaoka
Der Text erschien in der Kategorie Mode mit den Themen
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Fifty Shades of Grey: Pornografie für prüde Hausfrauen

Print ist tot, das wissen wir alle, aber anscheinend noch nicht tot genug, um alle paar Jahre ein sogenanntes Skandalbuch aus seiner verrotteten Mitte zu pressen. Erst das widerliche Feuchtgebiete von Charlotte Roche, dann das links und rechts zusammen geklaute Axolotl Roadkill von Helene Hegemann –...
Fifty Shades of Grey: Pornografie für prüde Hausfrauen

Fifty Shades of Grey

Pornografie für
prüde Hausfrauen

Marcel Winatschek

Print ist tot, das wissen wir alle, aber anscheinend noch nicht tot genug, um alle paar Jahre ein sogenanntes Skandalbuch aus seiner verrotteten Mitte zu pressen. Erst das widerliche Feuchtgebiete von Charlotte Roche, dann das links und rechts zusammen geklaute Axolotl Roadkill von Helene Hegemann – und jetzt eben Fifty Shades of Grey von Erika Leonard – wer kennt sie nicht.

Worum geht’s? Die 21-jährige Literaturstudentin Anastasia Steele wird von dem älteren Unternehmer und Milliardär Christian Grey (wer kommt auf diese Namen?) nach Strich und Faden durchgepimpert, mitsamt der obligatorischen Sado-Maso-Spielchen, bei denen so mancher Jutta die Wechseljahre im Halse stecken bleiben.

Aber wem erzähle ich das? Schließlich seid ihr und eure seit Jahrzehnten sexuell vernachlässigten Mütter schuld daran, dass Fifty Shades of Grey das Erfolgreichste ist, was der globale Buchhandel in letzter Zeit hervorgebracht hat. Fiktive Idioten, die sich gegenseitig die Geschlechtsteile wund rubbeln, gehen nämlich immer. Besonders bei eingetrockneten Hausfrauen.

Wie sie da so spät abends im Bett liegen, die Mareikes und Claudias und Heikes. Den grauen Spitzenslip nach unten gezogen, in der einen Hand die dominanten Sexabenteuer einer jungen Frau, deren Namen direkt aus der He-Man-Zeichentrickserie entnommen zu sein scheint, in der anderen der abgenutzte Vibrator, den ihnen ihr Exmann Dieter, der heute lieber mit ebenso einer Anastasia abhängt, vor 20 Jahren aus dem Beate-Uhse-Shop mitgebracht hatte. Der war mal rosa, jetzt ist er beige.

Also liegen sie da breitbeinig in ihrem mit bunten Delfinbildern, sanften Nachttischlampen und einem schwarzen Wandschrank ausgestatteten Schlafzimmer, die Mareikes und Claudias und Heikes dieser Welt, und rubbeln sich grün und blau, während in ihrem Kopf eine nichtexistente, junge Ana penetriert wird. „Oh, ja, gib’s der kleinen Schlampe, Christian, ja, genau…!“

Dass Fifty Shades of Grey im Grunde nur eine miese Fanfiction zu Twilight ist, die Erika Leonard als The Master of the Universe unter dem ekligen Pseudonym Snowqueens Icedragon im Internet veröffentlichte und deren Hauptakteure eigentlich Edward Cullen und Bella Swan waren, stört dabei auch niemanden, weil ihr diesen Vampirscheiß ja auch abgefeiert habt.

Es geht nicht darum, dass Fifty Shades of Grey so sexuell verdorben ist, dass niemals nie, niemals, ein Mensch dieses krasse Schriftstück lesen darf, sondern, dass ihr, wieder einmal, auf einen konstruierten Skandal herein fallt, dessen Kern ungefähr so aufregend ist wie die Nacktfotos eurer 62-jährigen Nachbarin auf Pornhub – nämlich gar nicht.

Mit eurer bewussten Entscheidung, Geld für dieses Machwerk auszugeben, reiht ihr euch in die lange Schlange der Minderbemittelten ein, die Transformers im Kino gucken, den Urlaub im Tropical Islands verbringen und die AfD gar nicht so übel finden. Leute also, die denken, sie wären frei, aber eigentlich nur von einer dämlichen Entscheidung zur nächsten stolpern.

Im Grunde beweist ihr mit dem Konsum dieses aufgepumpten Groschenromans, dass ihr nicht nur leicht zu instrumentalisierende Idioten seid, die alles käuflich erwerben, was euch im Sat.1 Frühstücksfernsehen als verboten verkauft wird, sondern das aufregende Sexualleben einer Topfpflanze habt und schlecht geschriebene Fickgeschichten von irgendwelchen 51-jährigen Twilight-Fans (!) braucht, um auch nur irgendwie wieder auf Touren zu kommen.

Das Schlimme daran? Ihr merkt gar nicht mehr, wie ihr euch langsam, aber sicher, in eine dieser Mareikes und Claudias und Heikes verwandelt, die es schon romantisch finden, wenn ihr Hermann die stinkenden Socken beim Sex auszieht. Habt ihr euch so euer Leben vorgestellt, das ihr jetzt mit peinlichen SM-Storys, die euch nicht einmal selbst passiert sind, würzen müsst?

Fifty Shades of Grey ist ein prüder Porno für prüde Menschen, die der Meinung sind, dass die holprig formulierten Team-Edward-Sexfantasien einer Frau mittleren Alters das absolute Maximum sind, was der moderne Geschlechtsverkehr zwischen zwei oder mehreren inspirierenden Individuen zu bieten hat, und auf diesem Niveau vor sich hin existieren. Wie aufregend.

Die Fotografie stammt von Goldmann
Der Text erschien in der Kategorie Kunst mit den Themen
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Sex ohne Liebe: Drei kurze Stöße, dann kommt er

Meine beste Freundin hat gerade mit jemandem Schluss gemacht, mit dem sie sechs Jahre zusammen war. Sechs Jahre, das ist schon krass für unser Alter, finde ich. Die wenigsten Ehen halten heute noch so lange, Beziehungen schon gar nicht, nicht mit Anfang 20, wenn man noch nicht weiß, wo man hingehört...
Sex ohne Liebe: Drei kurze Stöße, dann kommt er

Sex ohne Liebe

Drei kurze Stöße,
dann kommt er

Nadine Kroll

Meine beste Freundin hat gerade mit jemandem Schluss gemacht, mit dem sie sechs Jahre zusammen war. Sechs Jahre, das ist schon krass für unser Alter, finde ich. Die wenigsten Ehen halten heute noch so lange, Beziehungen schon gar nicht, nicht mit Anfang 20, wenn man noch nicht weiß, wo man hingehört und landen will.

Sie hat also mit ihm Schluss gemacht, oder er mit ihr, ist ja auch egal, jedenfalls ist es aus, sechs Jahre für den Arsch. Er war ihr erster fester Freund, der Erste, mit dem mehr lief als nur Händchen halten und knutschen und vielleicht mal ein Griff an die vom Snoopy-BH geschützte Brust. Er war der Erste, der ihr sagte, dass er sie liebte, der Erste, den sie mit zu den Eltern nahm, und der Einzige, mit dem sie jemals schlief.

Sie waren eins von diesen kitschigen Bilderbuchpaaren, ihr wisst schon, die, die man aus Filmen kennt, die, die sich für ihr erstes Mal so richtig viel Zeit lassen und es dann im Lichtschein der Ikea-Kerzen im heimischen Kinderzimmer zum ersten Mal treiben, während das Album des Lieblingskünstlers läuft und die Kuscheltiere am Bettrand sitzen und dabei zusehen, wie er sich zum ersten Mal total ungeschickt ein Kondom über den vor Aufregung nur halbsteifen Schwanz zieht und dann genauso ungeschickt in ihre Muschi steckt, ein paar Küsse, zwei, drei kurze Stöße, dann kommt er, das ist schon irgendwie romantisch und süß, nur dass in Filmen der peinliche Teil natürlich ausgelassen wird und das erste Mal immer länger dauert als in echt.

Sechs Jahre lang haben sie sich geliebt, und ich sage hier bewusst geliebt und nicht gefickt, das ist es nämlich, was sie sechs Jahre lang gemacht haben, Liebe, sie haben Liebe gemacht und es wurde immer besser und sie immer glücklicher und jetzt ist es doch aus zwischen den beiden, die Liebe ist weg und der Sex und jetzt fehlt etwas, die Liebe und der Sex.

Die Liebe ist etwas, das sich nach so langer Zeit nicht leicht ersetzen lässt, der Sex allerdings schon, also, wenn man das kann, natürlich, den Sex ohne die Liebe. Meine beste Freundin hat bisher mit einem Mann geschlafen, ich schon mit viel mehr. Das war mal mit, mal ohne viel Gefühl und jetzt sitzt meine beste Freundin hier und fragt mich, wie das eigentlich ist, der Sex ohne die Liebe, und wie man das so macht.

Sex ohne Liebe zu bekommen, das ist gar nicht so schwer. Immerhin geht’s den meisten in der Großstadt nur ums Ficken, das sagen sie zumindest, aber glauben tu ich’s nicht. Wenn du in der Großstadt bist und Sex ohne Liebe willst, dann gehst du einfach in den nächstgelegenen Club und schnappst dir dort das, was du gerade willst.

Oder du meldest dich bei Tinder an, lädst ein paar Fotos von dir hoch, auf denen man deine Oberweite gut zu sehen kriegt, oder schreibst ein paar Mädchen an, ob sie Bock haben auf ein bisschen Spaß, irgendeine sagt schon ja, sofern du halbwegs gut aussiehst und kein totaler Creep bist, versteht sich. Sex ohne Liebe zu kriegen, das ist leichter als man denkt, niemand hier muss untervögelt sein, ehrlich nicht, doch guter Sex ohne Gefühle, ich glaube, den gibt es einfach nicht.

Ich muss jetzt ehrlich zu euch sein, so wie ich’s auch zu meiner besten Freundin war: Sex ohne Gefühle gibt mir nichts. Ich hab es sehr oft ausprobiert und teste es noch immer, doch Sex ohne Gefühle, das ist noch nicht mal Druckabbau, denn der Orgasmus, ich meine, wenn ich überhaupt einen habe, während mich ein random Dude penetriert, der kommt gar nicht im Kopf an, nur mein Körper reagiert auf die mechanische Stimulation, die ihm da jemand gibt. Das ist wie Selbstbefriedigung, nur in schlecht.

Es mag ja sein, dass es da draußen Leute gibt, die es total geil finden, ihre Geschlechtsorgane an den Genitalien möglichst vieler fremder Menschen zu reiben, doch ich gehöre nicht dazu. Wenn ich ehrlich bin. Zu euch. Und zu mir selbst. Klar, ich hatte schon ganz geile Ficks mit Menschen, die ich keine fünf Minuten kannte und mit denen ich kein Wort gewechselt habe, aber richtig guten Sex, den habe ich nur, wenn ich verliebt bin, wenn das Mechanische zu einem Gefühl wird, und zwei zu einem, wie man so schön sagt.

Man kann einfach aussprechen, was man fühlt und will und sich beim Ficken in die Augen schauen und den Orgasmus des anderen über den eigenen stellen und danach nebeneinander einschlafen, Arm in Arm, einfach so, ohne diese peinlichen Situationen am nächsten Morgen, wo man im Halbdunkeln seine Klamotten zusammen sucht oder über das Haustier des Mitbewohners des One-Night-Stands stolpert, weil man von dem ganzen Jägermeister, der in der Nacht davor durch die Kehle floss, immer noch betrunken ist.

Vor allem aber kann man etwas miteinander aufbauen, nicht nur eine Beziehung, eine Zukunft, nein, auch Sex. Man kann voneinander lernen und herausfinden, was man wirklich mag und was nicht und Grenzen überschreiten, vielleicht auch ein paar neue finden und diese dem Partner setzen, es geht nicht mehr um den Egoismus oder darum, dem anderen jetzt möglichst gut zu gefallen, sondern um ein wir, einen gemeinsamen Moment, der eben nicht nur geteilt wird, weil man einfach nicht allein sein kann.

Die Basis für guten Sex ist einfach Vertrauen, und für Vertrauen braucht’s eben Gefühle. Wie genau diese dann aussehen, kann unterschiedlich sein, aber ohne diese Gefühle ist’s eben nur Sex, ein bedeutungsloser Fick, und mal ehrlich, zu guten Ficks gehört eben viel mehr dazu als nur Schwänze und Muschis und das Wissen, wie man beides kombiniert.

Sex ohne Liebe ist somit eigentlich für’n Arsch, aber wir machen’s halt trotzdem, weil man uns gesagt hat, dass man das so macht, gerade wenn man erst mit jemandem Schluss gemacht hat, das altbewährte Trostpflaster eben, und es ist ja auch okay, wenn du Bock hast, go for it, aber nötig, nee, nötig ist das eigentlich nicht.

Meiner besten Freundin habe ich geraten, es sich einfach mal wieder richtig schön selbst zu besorgen. Das ist ja dann irgendwie auch Sex mit Liebe, und der unangenehme Walk of Shame bleibt einem auch erspart. Dafür behält man sich die Würde. Und weiß immer, wo der nächste Orgasmus her kommt, wenn man mal wieder ganz hart untervögelt ist.

Die Fotografie stammt von Annie Spratt
Der Text erschien in der Kategorie Sex mit den Themen
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Megalomaniac: Ich bin der Durchschnitt

Ich stehe auf einer Bühne. Meine Augen sind weit offen, doch ich fühle mich geblendet von der mich umgebenden Schwärze. Kein einziger Schimmer dringt durch die blinde Dunkelheit in meinen Kopf, und doch zweifle ich meine Sinne nicht an, denn hinter dem schweren Vorhang aus Samt, den ich mir nur denk...
Megalomaniac: Ich bin der Durchschnitt

Megalomaniac

Ich bin der
Durchschnitt

Sara Navid

Ich stehe auf einer Bühne. Meine Augen sind weit offen, doch ich fühle mich geblendet von der mich umgebenden Schwärze. Kein einziger Schimmer dringt durch die blinde Dunkelheit in meinen Kopf, und doch zweifle ich meine Sinne nicht an, denn hinter dem schweren Vorhang aus Samt, den ich mir nur denken kann, höre ich das Tosen des Publikums. Sie rufen und schreien, sie stampfen mit ihren Füßen wild auf dem Holzboden des riesigen Saales.

Wir befinden uns im Audimax der Welt – Fernsehkameras aller Nationen, die besten Fotografen, alle wichtigen Menschen und auch die unwichtigen, Männer, Frauen, Kinder – junge, kranke, alte, starke Menschen – Politiker, Ökonomen, Philosophen, Künstler, Kulturschaffende, Wissenschaftler, der Papst – alle sind gekommen. Alle warten darauf, dass der Vorhang fällt, für die größte Inszenierung aller Zeiten… für mein Leben.

Leider ist das Leben kein dramatisches Schauspiel, das von Superhelden und Geheimagenten bespickt ist, und so ist alles, was fällt, meistens ich selbst, und zwar auf den Boden, der Nase nach. Und oft breche ich mir dabei auch noch einen Zahn ab. Dabei ist dieser Traum vom Rampenlicht, so unrealistisch er sein mag, und ich meine nicht nur, weil ich kein so besonderer Mensch bin, sondern weil ich auch keine besonders rampenlichtige Persönlichkeit habe, etwas, dass mich schon seit Anbeginn meiner wirren Gedankenchronik begleitet.

Und egal, in welcher Form, es läuft immer darauf hinaus, dass die Menschen zu mir aufblicken. Ob ich als verschrobene, unentdeckte Sängerin einer avant-gardistischen Rockband meine kleinen Songs trällere, oder ob ich als höchstkriminelle, neumodische, aber gutmeinende, weibliche Robin Hood die Welt auf den Kopf stelle, Kriege beende und für das Recht auf Gerechtigkeit kämpfe. Jeder kennt meinen Namen. Und ich bin irgendwer. Ich bin irgendwer, der wichtig ist.

Auch, wenn diese sehr selbst-zentrierte Form der Tagträumerei maßlos und überheblich wirkt, glaube ich kaum, damit auf weitem Flur alleine zu stehen. Ich kenne viele Menschen, die würden nicht zugeben, dass sie nach Anerkennung, nach Macht streben. Aber ey, lügt euch nicht an. Wir streben nach Aufmerksamkeit, und wir sterben, in der Hoffnung, auch nach unserem Tod mit Aufmerksamkeit übergossen zu werden.

Größenwahn? Vielleicht. Aber es muss auch nicht der Thron der Welt sein, den ich gedanklich besteige. Es würde schon reichen, wenn ein einziger Mensch – ein existierender, klar denkender Mensch – eines Tages in Ehrfurcht vor meinem Werk, vor meinem Leben steht und sagt: Krass. Das hätte niemand anderes so machen können. Das hat niemand vor ihr so gemacht. Das ist einzigartig. Diese Sara Navid war eine Vorreiterin auf ihrem Feld.

Diese Ehrfurcht – kein Neid, wohlgemerkt, sondern nur positiver Respekt und ein daraus resultierender “Aufblick”-Mechanismus – ist auch das, was mir jeden Tag begegnet. Vor allem in der Uni. Da liest man pro Woche zwei bis siebenhundert Seiten von geistigen Orgasmen, die in einem perfekten Tiramisu der Geschmacksexplosionen verarbeitet wurden.

Da sind Naturwissenschaftler, Geisteswissenschaftler, Sozial- und Kulturwissenschaftler, Philosophen, Theoretiker im weitesten Sinne die mit ihren Standpunkten, ihren Systemkritiken und ihren “neuen” Gedankenverknüpfungen die Tore zu neuen Welten öffneten. Die unsere Welt heute weitaus mehr prägen als es jeder Barack Obama es könnte. Wir lesen heute noch Aufsätze von großartigen Menschen, die vor hundert Jahren verfasst wurden. Und mit jedem fertig gelesenen Text, der auf den Stapel “erledigt” gelegt wird, vergrößert sich auch der Abstand zwischen mir und allen großen Persönlichkeiten, die tatsächlich einen Wert für unsere Gesellschaft beigetragen haben.

Hier bin also ich. Inmitten von sieben Milliarden Menschen. Ich lese Weber und Marx und Cassirer und Habermas und denke mir, wer bin ich eigentlich? Ich werde niemals so etwas schreiben können. Und selbst wenn ich es schreiben könnte: meine Intelligenz reicht nicht aus, um das zu erreichen, was die Ikonen des Erfolgs und der Weltgeschichte vor mir erreicht haben. Selbst, wenn ich das Maß an mich selber nicht so hoch stecken würde, bliebe das Ergebnis identisch. Jedes Mal, wenn ich meine Lieblingswochenzeitung aufschlage, lese ich mindestens einen Text, dessen Inhalt weitaus alles übersteigt, was ich jemals auch nur im Ansatz für überhaupt möglich hielt.

Und nicht mal so weit muss man gehen. Es reicht schon, an dem Gedanken einer Hausarbeit zu versagen, weil man genau weiß, dass da nicht genug Wissen ist, um zu triumphieren. Es reicht schon, andere Blogs zu lesen, es reicht, die Gedankengänge jüngerer Kollegen oder Kommilitonen zu verfolgen, um festzustellen, shit, da komme ich nicht ran, in keinster Weise.

Und dann stellt man sich unweigerlich die Frage: Wozu mache ich das überhaupt? Wer möchte ich sein? Ein Teil der intellektuellen Elite? Jemand, der vor seiner Zeit lebt, und unter einem normativen Erfolgsdruck leidet? Oder jemand, der sich dem Kompromiss der Gegenwart anschließt, und sagt, naja, dann ist es eben so, wie es ist – und mehr als versuchen kann ich es auch nicht.

Das zwickt ganz schön. Das Gefühl, zum Durchschnitt zu gehören, und in keiner Leistung vortreffliche Arbeit zu machen, keinen Bestandteil des Charakters zu besitzen, der einen hervorhebt. Viel schlimmer: Man bewirkt nichts. Man ist ein Teil der wabernden Masse mit eigenem kleinen Mikrokosmos. Dann dauert es nur ein paar Generationen, bis man vergessen wird. Bis jemand anderes diesen Platz einnimmt.

An vielen Tagen stört mich das alles nicht. Mein kleiner Mikrokosmos reicht mir vollkommen, um Zufriedenheit an den Tag zu legen. Doch gibt es diese Momente, wo das Gefühl, die Sterne seien unerreichbar, mir die Luft zum Atmen abschneidet. Wo ich alles stehen und liegen lassen möchte und glaube, dass diese Gesellschaft mich aussaugt, und dass ich nie eine Chance hatte, und und und… Der Knick im Ego kann gerne auch zu einer Runde Mitleidsdusche führen.

Und dann macht man weiter. Mit den gleichen Träumen. Dass man eines Tages vor einem schwarzen, schweren Vorhang aus Samt steht. Dass die Menschen einem applaudieren, weil man es geschafft hat, die Probleme unserer Welt zu bändigen. Oder weil man ein Lied singt, welches, wenn auch nur wenige, Menschen glücklich macht. Oder weil man einen Text schreibt, der so durchdacht und klug ist, dass die Menge ihre Anerkennung beipflichten möchte. Und vielleicht braucht es ja manchmal einen unrealistischen Traum, um eine realistische Einschätzung seiner selbst zu erzielen.

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Tenga Air Tech: Selbstbefriedigung aus der Zukunft

Spaß mit sich selbst zu haben, kann ein wichtiger Teil eures Lebens sein - solange ihr es richtig machen. Und wenn es nicht mehr ausreicht, nur die Hand und ein Taschentuch zu benutzen, um diese Arbeit zu erledigen, gibt es viele coole Möglichkeiten, die Dinge ein bisschen anzuheizen. So wie die neu...
Tenga Air Tech: Selbstbefriedigung aus der Zukunft

Tenga Air Tech

Selbstbefriedigung
aus der Zukunft

Marcel Winatschek

Spaß mit sich selbst zu haben, kann ein wichtiger Teil eures Lebens sein – solange ihr es richtig machen. Und wenn es nicht mehr ausreicht, nur die Hand und ein Taschentuch zu benutzen, um diese Arbeit zu erledigen, gibt es viele coole Möglichkeiten, die Dinge ein bisschen anzuheizen. So wie die neuen Lustspielzeuge von Tenga aus Japan, die es in verschiedenen Formen und Farben gibt.

Ich hatte die Gelegenheit, zwei Neuauflagen der Produkte von Tenga auszuprobieren, den Air-Tech-Vakuumbecher, das neueste wiederverwendbare Gerät mit einer spiralförmigen „Air-Flow-Struktur“, und einige Versionen der Egg-Serie, eine Art dehnbare Gummimanschette mit verschiedenen Innenstrukturen. Beide wurden geschaffen, um euer Dasein auf diesem Planeten ein wenig angenehmer zu gestalten.

Der Air-Tech-Vakuumbecher zum Beispiel ist wie Sex mit einem sehr geilen Roboter. Mit seiner so genannten „Air-Flow Structure“ lässt das Gerät Luft im Inneren umher strömen, für eine einfache Anwendung und ein starkes Ansaugen, indem das Luftloch oben während des Gebrauchs abgedeckt wird. Danach werdet ihr mit niemandem mehr schlafen wollen, der nicht so technologisch modern gebaut ist. Es fühlt sich an wie eine unchristliche Kombination aus Sex und einem Blowjob – gleichzeitig.

Die Egg-Serie hingegen ist eher ein kleines, einfaches Gerät für Menschen, die eine unkomplizierte Zeit mit sich selbst haben wollen. Wählt einfach zwischen den bunten Editionen namens Spider, Twister oder Silky, knackt sie auf, füllt sie mit Gleitmittel – und schon kann es losgehen. Geschlechtsverkehr mit einem Ei? Ja, warum nicht: Masturbation war noch nie einfacher!

Wenn ihr also noch keinen besonderen Menschen gefunden haben, mit dem ihr die nächsten Tage, Wochen oder Monate verbringen wollt, oder wenn ihr auf euren aufgeschlossenen Partner zählen könnt, dann zündet euch ein paar Kerzen in eurem Schlafzimmer an, startet eure Kuschelrock-Playlist auf Spotify und macht euch bereit für eine unvergessliche Nacht mit euren neuen Tenga-Geräten!

Tenga Air Tech: Selbstbefriedigung aus der Zukunft
Mit freundlicher Unterstützung von Tenga
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Beabadoobee: Bedroompop vom Feinsten

Beabadoobee macht Musik, bei der das Zuhören genauso viel Spaß macht wie das Aussprechen ihres Künstlernamens. Die philippinisch-britische Künstlerin ist eine ästhetische wie kreative Wundertüte, die gerne Leute auf harmlose Art und Weise verarscht, ziemlich dumme Witze reißt und Musik macht, die un...
Beabadoobee: Bedroompop vom Feinsten

Beabadoobee

Bedroompop
vom Feinsten

Annika Lorenz

Beabadoobee macht Musik, bei der das Zuhören genauso viel Spaß macht wie das Aussprechen ihres Künstlernamens. Die philippinisch-britische Künstlerin ist eine ästhetische wie kreative Wundertüte, die gerne Leute auf harmlose Art und Weise verarscht, ziemlich dumme Witze reißt und Musik macht, die unter ihrer kunterbunten ersten Schicht genügend Spielraum für Spekulationen lässt.

Im Alter von 17 Jahren wurde Beabadoobee von der Schule geschmissen. Da sie sich komplett verloren fühlte und nicht wirklich wusste, was sie tun wollte, beschloss ihr Vater, ihr eine Gitarre zu kaufen, weil sie sich die ganze Zeit „wirklich langweilte“. Als sie sich selbst beibrachte, wie man spielt, lernte sie zunächst den 90er-Jahre-Klassiker Kiss Me von Sixpence None the Richer und schrieb anschließend ihren ersten Originaltitel Coffee – ein gedämpfter, emotionaler Bedroompopbop, der auf ein Mal viral ging.

Die in Asien geborene und in London aufgewachsene Beabadoobee, die in Wirklichkeit Bea Kristi heißt, ist zum alternativen Star ihrer Generation avanciert, irgendwo zwischen Clairo, Powfu und Mxmtoon. In ihren Songs geht es um das, was ihre Altersgenossen eben so interessiert: Liebe, Schmerz und Depressionen. Wer sich jung fühlt, der findet in Beabadoobee ein offenherziges Vorbild, dem man ruhig seine Emotionen in die Hände legen kann. Und wer sich alt fühlt, den erinnert die Sängerin an die Dinge im Leben, die wirklich wichtig sind.

Beabadoobee: Bedroompop vom Feinsten Beabadoobee: Bedroompop vom Feinsten Beabadoobee: Bedroompop vom Feinsten Beabadoobee: Bedroompop vom Feinsten Beabadoobee: Bedroompop vom Feinsten
Die Fotografie stammt von Jordan Curtis Hughes
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Super Nintendo: Die beste Konsole der Welt

Als ich zwölf Jahre alt war, rief ich am Samstag Vormittag bei einer Kindersendung des österreichischen Fernsehens an, weil die nette Frau und eine sprechende Handpuppe ein Super Nintendo verlosten, inklusive Donkey Kong Country. Und einen Game Boy – in grün – packten sie auch noch oben drauf. Ich e...
Super Nintendo: Die beste Konsole der Welt

Super Nintendo

Die beste Konsole
der Welt

Marcel Winatschek

Als ich zwölf Jahre alt war, rief ich am Samstag Vormittag bei einer Kindersendung des österreichischen Fernsehens an, weil die nette Frau und eine sprechende Handpuppe ein Super Nintendo verlosten, inklusive Donkey Kong Country. Und einen Game Boy – in grün – packten sie auch noch oben drauf. Ich erriet, dass der Löwe in dem Bilderätsel fehl am Platz war und gewann. Das war der schönste Tag meines Lebens. Wirklich. Das war der schönste Tag meines Lebens.

Mein Super Nintendo und ich waren unzertrennlich. Nicht nur, dass allein der pure Besitz mich zu einem beliebteren Kind in der Schule und meinem Freundeskreis machte, ich liebte und lebte jedes einzelne Spiel, das ich in meine Hände bekam. An jedem Wochenende fuhren meine Mutter und ich auf einen anderen Flohmarkt, um einen Schatz nach dem anderen nach Hause zu holen. Irgendwann kannte ich die dubiosen Verkäufer, die dort herum standen – und sie kannten mich.

Nintendo war für mich nicht nur irgendeine japanische Firma, die eben zufällig auch Videospiele herstellte, Nintendo war meine Religion. Super Mario World, The Legend of Zelda – A Link to the Past oder Starwing katapultierten mich in fremde Welten, von denen ich heute noch träume. Ich saß da und spielte. Ich spielte und ich spielte und ich spielte.

Während ich heute The Witcher, Grand Theft Auto oder Skyrim einlege und mich immer wieder frage, ob ich gerade wirklich nichts Besseres oder Sinnvolleres zu tun habe, als mich hier in virtuelle Abenteuer zu flüchten, zum Beispiel Geld verdienen oder mir eine Frau suchen oder ein Haus bauen, kannte ich dieses Gefühl damals nicht.

Und genau darum beneide ich mich heute selbst. Ich zockte Secret of Mana, Yoshi’s Island oder Chrono Trigger nicht einfach nur – ich kannte diese Spiele in- und auswendig. Und mit auswendig meine ich, dass ich wirklich jeden Charakter, jeden Pixel, jeden Winkeln, jede Abkürzung, jeden Bug, jeden Gegner kannte – und liebte.

Wenn ich einmal nicht weiter wusste, dann legte ich nicht einfach das nächste Spiel ein, so wie heute, sondern ich kaufte mir Zeitschriften, in denen Tipps und Tricks und manchmal ganze Karten drin waren, oder rief bei der Nintendo-Hotline an, die verlorenen Kindern wie mir weiterhalfen. Das Internet gab’s nicht. Nur mich und was auch immer da im Weg stand.

Und wenn ein Spiel zu Ende war, dann war das noch lange nicht das Ende. Ich spielte es noch mal und noch mal und noch mal. Allein und mit Freunden. Und noch mal. Jump’n’Runs, Autorennen, ja, sogar Rollenspiele. Wenn ich alles, was dieses Modul zu bieten hatte, herausgepresst hatte, dann steckte ich es in ein Action Replay und cheatete das Teil in andere Sphären.

Spazierte ich am Anfang von Zelda durch die Wände, um zu sehen, was die Dorfbewohner sagen, wenn ich dort noch vor dem ersten Kampf auftauchte? Na klar! Warpte ich mich in Lufia durch die Ahnenhöhle und in Terranigma durch NeoTokyo? Auf jeden Fall! Musste ich Chrono Trigger drei Tage lang am Stück durchspielen, weil ich durch den Adapter nicht speichern konnte? Oh yeah! Bereue ich auch nur eine Sekunde, die ich vor dieser Konsole verbracht habe? Auf keinen Fall!

Tatsächlich, und diese Meinung hat sich in den letzten Jahren immer mehr manifestiert, ist das Super Nintendo das Beste, was der Menschheit jemals passiert ist. Alles, was davor war, war grafisch zu schlecht, um wirklich in die Welten eintauchen zu können, alles, was danach kam, sah zu gut aus, um die Fantasie noch wirklich anzuregen.

Und ich gehe sogar noch einen Schritt weiter und sage: Die bunte Pixeloptik und der 16-Bit-Sound des Super Nintendos sind der absolute Höhepunkt der Videospielgeschichte. Denn die technischen Grenzen der Konsole waren der perfekte Rahmen für jeden Entwickler, um das kreativste Optimum aus den Spielen herauszuholen – wenn sie es denn konnten.

Heute setze ich mich vor ein Call of Duty, ein The Last of Us oder ein Assassin’s Creed. Und ich habe nicht das Gefühl, wirklich ein Spiel zu spielen, sondern von einer Cutscene zur nächsten getrieben zu werden. Als wären Level keine Level mehr, sondern nur noch ein Übel, um eine verwässerte Geschichte zu erzählen, die so jedem Kinoverleih zu peinlich gewesen wäre.

Jede technische Errungenschaft der vergangenen Dekaden, ob von Sony oder von Microsoft und sogar von Nintendo, werden relativiert, wenn man auf einer Party ist und Super Mario Kart einlegt. Oder Super Bomberman 2. Oder Super Street Fighter II. Pixel werden zu Universen, Sprites werden zu Charakteren, Chiptunes zu Hymnen. Und dann geht’s ab.

Ich kann mir heute keinen Titel auf der PlayStation, auf dem Nintendo 64 oder auf der Dreamcast angucken, ohne mich ehrlich zu fragen, wie wir diese schlecht aufgelöste Dreiecksorgie jemals wirklich erleben konnten, ohne uns lachend zu übergeben. Aber setzt mich vor ein Star Ocean, ein Super Probotector oder ein Parodius und ich verspreche euch, euer Herz schlägt höher, eure Hände greifen intuitiv zum Controller – und euer Abenteuer beginnt im nächsten Augenblick.

Wie viele andere aus meiner Generation glaubte auch ich, dass die nächste Konsolengeneration, nach dem Super Nintendo, nur noch heilvoller werden konnte. Das Club Nintendo Magazin und die Total! beschmissen uns regelrecht mit nicht zu glaubenden Informationen über das Nintendo 64. Also verkaufte ich mein Super Nintendo, und alles, was ich liebte, um genügend finanzielle Mittel für mein persönliches Upgrade zu haben. Nintendo wusste eben, wie ich zu verführen bin. Der Hype wirkte.

Ich möchte nicht sagen, dass ich meine Zeit mit dem Nintendo 64 bereue. The Legend of Zelda – Ocarina of Time & Majora’s Mask, Banjo-Kazooie oder Super Smash. Bros waren Erfahrungen, die ich nicht missen möchte. Aber wenn ich heute nachts wachliege, dann denke ich an mein Super Nintendo. Und alles, wofür es stand.

Seit einigen Wochen verbringe ich meine Freizeit nun in Facebook-Gruppen, auf denen Konsolen, Spiele und Zubehör getauscht und verscherbelt werden. Manchmal für viel, manchmal für wenig Geld. Und ja, ich bin kurz davor, jemand zu werden, der genügend neue Konsolengenerationen miterlebt hat und jetzt sagt: Nope, das wird nicht mehr besser.

Vielleicht rede ich mir auch nur alles ein. Womöglich befinde ich mich gerade in einer ausgewachsenen Quarterlife Crisis, in der man alles von früher besser findet, verklärt, verfälscht, subjektiv. Vielleicht werde auch ich bald zu einem alten Mann, der auf der Fensterbank lehnt und Kinder anbrüllt, weil die nicht wissen, wie toll es damals war. Die kleinen, nichtsnutzigen Scheißer.

Als ich zwölf Jahre alt war, rief ich am Samstag Vormittag bei einer Kindersendung des österreichischen Fernsehens an, weil die nette Frau und eine sprechende Handpuppe ein Super Nintendo verlosten, inklusive Donkey Kong Country. Und einen Game Boy – in grün – packten sie auch noch oben drauf. Ich erriet, dass der Löwe in dem Bilderätsel fehl am Platz war und gewann.

Das war der schönste Tag meines Lebens. Wirklich. Das war der schönste Tag meines Lebens. Und jetzt wünsche ich mir nichts Sehnlicheres, als wieder zwölf zu sein und zum ersten Mal in die kunterbunten Welten meines Super Nintendos abtauchen zu dürfen.

Die Fotografie stammt von Korie Cull
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Digitale Revolution: Blogger sind die besseren Journalisten

Ich wollte mal „was mit Medien machen“. Frauenzeitschriften, so was in der Art. Bisschen reisen, bisschen schminken, seine eigenen nutzlosen, oberflächlichen Gedanken als tiefschürfende Philosophie verkaufen – klingt doch gut, oder? Ja, tut es. Zumindest wenn man bei sich zuhause zahlungswillige Elt...
Digitale Revolution: Blogger sind die besseren Journalisten

Digitale Revolution

Blogger sind die
besseren Journalisten

Nina Ponath

Ich wollte mal „was mit Medien machen“. Frauenzeitschriften, so was in der Art. Bisschen reisen, bisschen schminken, seine eigenen nutzlosen, oberflächlichen Gedanken als tiefschürfende Philosophie verkaufen – klingt doch gut, oder? Ja, tut es. Zumindest wenn man bei sich zuhause zahlungswillige Eltern sitzen hat, die einem mit Freude das monatliche Gehalt mit Taschengeld ersetzen. Und das nicht nur während der fünf Jahre Studium, sondern auch noch danach, während der zwei bis fünf unbezahlten Praktika bei Print und Digital, Fernseh- und Radiosendern.

Dem Journalismus geht’s schlecht? Wen wundert’s? Am Ende kriegen nur die Vollidioten den Job, deren Eltern im Hintergrund am längsten zahlen. Der Rest, der einigermaßen was in der Birne hat, sitzt schon lange nicht mehr in tristen Großraum-Redaktionen, in denen es ähnlich kreativ zugeht wie in der städtischen Sparkasse, sondern ist in den Blogs zu finden. So bleiben dem klassischen Journalismus nur noch die Leute, die sich kriecherisch-duckend für das Praktikum oder den 450-Euro-Aushilfsjob bedanken. Ist ja auch geil, 20.000 Euro für’s Studium verprasst und gleich so ein krasser Karrierestart, gratuliere euch.

Wobei das Wort „Studium“ vielleicht auch nicht gerade das richtige Wort ist, für den Bildungsweg der 2.0-Journalisten. Wer später mal beim typischen Unterhaltungs-, Mode– und People-Journalismus landen will, studiert längst nicht mehr einfach Medien- und Kommunikationswissenschaften, Journalismus oder Publizistik. Wer schafft denn bitte auch schon den N.C. von 1,0, der dafür verlangt wird? Da müsste man ja voll schlau sein und so.

Ist ja aber auch gar nicht nötig, gibt ja genügend private Akademien, an denen man für so Lifestyle-mäßig-klingende Studiengänge wie „Modejournalismus“, „Communication“ oder „Trend-und Markenmanagement“ gezielt und schon bestens spezialisiert auf das spätere Medium vorbereitet wird.

Schade nur, dass von den gefühlten 100.000 privaten Akademien, die sich wohl mal eben dachten: „Ey, lass mal ‘ne Schule gründen und neue Studiengänge ausdenken, mal schauen wer’s glaubt…“, nur wenige Absolventen gebraucht werden. Und ärgerlich, dass die Abschlüsse nicht immer staatlich anerkannt sind. Der Preis ist dafür ganz real: satte 450 bis 600 Euro muss man im Monat mindestens hinblättern – so viel, wie man an staatlichen Universitäten gerade mal im Semester bezahlt.

Das ist aber egal, denn Mama und Papa machen das schon – und wenn’s hilft… Tut es aber nicht, zumindest nicht der Karriere. Man könnte ja eigentlich denken, dass Magazine, Fernsehen und Co. sich dankbar dafür zeigen, dass ihre zukünftigen Mitarbeiter für ihre Ausbildung so viel auszugeben wie andere für einen Kleinwagen

Ist ja eigentlich ganz nett, wenn man bedenkt, dass andere Arbeitgeber so schön blöd sind, ihre Azubis sogar zu bezahlen. Aber nein: Das Studium an einer Privatakademie ist noch lange nicht das Ende der Ausbildung.

Warum sollte man auch den 28-jährigen Studienabsolventen, deren Eltern es ganz offensichtlich geschafft haben, die letzten 10 Jahre den Lebensunterhalt der lieben Kinder zu stemmen, so etwas Essenzielles wie ein Volontariat oder gleich eine Anstellung als Redakteur anbieten? Wäre jetzt ja viel zu plötzlich, so karrieremäßig durchzustarten. Da geht noch mehr.

Mehr Praktikum, darauf haben sich alle großen Medienkonzerne geeinigt: Ohne genügend Erfahrung darf man hier kein Praktikum machen. Und nein, „Erfahrung“ heißt nicht, dass man voller Herzblut für die Studentenzeitung geschrieben hat. „Erfahrung“ heißt, dass man Praktika bei mindestens einer Tageszeitung und bei einem Onlinemedium gemacht haben muss.

Je mehr desto besser, kostet dem Verlag dann ja auch viel weniger, seine Praktikanten einzuarbeiten. Davon gibt es nämlich regelmäßig neue, denn das Perverse ist, dass ein Praktikum schon lange nicht mehr den Einstieg ins richtige Berufsleben bedeutet. Ein Praktikum öffnet allemal die Tür zum nächsten Praktikum.

Irgendwie spricht es nicht gerade für Journalisten, Leute, die uns Wissen und Erfahrungen vermitteln wollen, dass sie dankbar nickend zustimmen, wenn sie nach beendeten Studium und bereits zwei absolvierten Praktika ihre neue, alte bekannte Position antreten: Praktikant, was sonst. Es spricht auch nicht für Journalisten, die per se selbstbewusst ihre eigene Meinung vertreten sollen, dass sie sich freiwillig dermaßen von ihren Eltern oder anderen Geldgebern abhängig machen.

Überhaupt sollten sich Medienhäuser fragen, wen sie am Ende anziehen. Mag nämlich sein, dass Journalisten, die mit viel Herzblut dabei sind, eine lange Ausdauer beweisen – aber selbst für solche Menschen spricht es nicht, sich bereitwillig unter Wert zu verkaufen.

Ich will damit nicht sagen, dass alle Leute, die heutzutage noch in den klassischen Medien arbeiten wollen, zwangsweise dumm sind. Trotzdem haftet Menschen, die ihre eigene Bildung und Arbeit nicht wertschätzen, aus Angst, das unterbezahlte Praktikum an einen der anderen zwanzig Anwärter zu verlieren, etwas von einem Schaf an. Die Herde – der Großteil der willigen “Journalisten“ und „Redakteure“ 2.0 würde es mit sich machen lassen. Also lässt man es selbst auch mit sich machen.

Besonders freundliche Medienhäuser ködern die willigen Schafe mit der Aussicht auf ein Volontariat. Bescheid kriegt man – wie sollte es auch anders sein – natürlich erst nach dem mindestens dreimonatigen absolvierten Praktikum. Ah ja. Dass man Praktikanten bevorzugt, die bereit sind, sich ganze sechs Monate für das Gehalt eines Minijobbers krumm zu machen, um am Ende davon nicht mal das eigene Essen zahlen zu können, versteht sich von selbst, oder?

Manche Verlage sind sogar noch schlauer: Ganz nach dem Vorbild der Medienakademien gründen sie hausinterne Journalistenschulen. Praktikanten, die mit 28 Jahren immer noch nicht ihren eigenen Lebensunterhalt bestreiten können, müssen ja nicht den ganz großen Sprung ins Volontariat machen. Die geben sich bestimmt auch mit einem Platz an der hausinternen Journalistenschule zufrieden. Da darf man dann zwei Jahre lang als Schüler ganz legal ausgebeutet werden. Knapp 1.000 Euro monatliches Gehalt für die 40-Stunden-Woche, ist das nicht toll?

Die Absolventen bringen die richtige Einstellung dann auch gleich gratis mit: Für die eigene Meinung einstehen? Viel zu anstrengend. Neues ausprobieren? Warum denn, wenn man doch Altes so schön neu aufbereiten kann? Jetzt mit der lang ersehnten Anstellung als Junior-Redakteur und dem ersten Gehaltscheck muss man ja auch irgendwie flüssig bleiben.

Und so gibt es wohl nicht einen Mac, in keiner einzigen Redaktion, bei dem die Blogs Ohhhmhhh, Lilies Diary oder Journelles nicht in der Favoriten-Liste eingespeichert sind. Ist doch super, wie die Blogger-Mädels dort Dinge testen, die man dann, ein bis zwei Wochen verspätet, schön zitieren kann, das Ganze gespickt mit fremden Gedanken, die den Redakteuren, leidenschaftslos und mittelintelligent, so nie in den Sinn kommen würden.

Lieber Journalismus, du sparst dadurch natürlich gewaltig. Statt deine Angestellten tariflich zu bezahlen, setzt du halt einfach ein paar Praktikanten und Daddy’s Girls hin, die machen das schon. Dabei übersiehst du regelmäßig euren treusten Mitarbeiter: Das Echo, das in jedem eurer Artikel mitschwingt und schon vom nächsten Ruf der Blogger übertönt wird. Gratuliere, lieber Journalismus, so schaufelst du dir wirklich selbst ein Grab.

Die Illustration stammt von Lime und Icons8
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Generation One-Night-Stand: Tinder hat uns die große Liebe geklaut

Es ist einer dieser typischen Donnerstagabende, als ich mich nach der überaus anstrengenden Arbeit mit meiner an der einen Seite etwas zu braunen Tiefkühlpizza aus dem billigen Supermarkt von gegenüber neben meine Mitbewohnerin aufs Sofa setze, das mit der Pizza ist halb so schlimm – als Student leb...
Generation One-Night-Stand: Tinder hat uns die große Liebe geklaut

Generation One-Night-Stand

Tinder hat uns die
große Liebe geklaut

Anne Müller

Es ist einer dieser typischen Donnerstagabende, als ich mich nach der überaus anstrengenden Arbeit mit meiner an der einen Seite etwas zu braunen Tiefkühlpizza aus dem billigen Supermarkt von gegenüber neben meine Mitbewohnerin aufs Sofa setze, das mit der Pizza ist halb so schlimm – als Student lebt man schließlich nur von Luft und Liebe.

Da Letzteres in dieser Wohnung aktuell wohl nur in Form vom Schnurren der Katze vorhanden ist, sitzt meine Mitbewohnerin seit einer Stunde vor dem Fernseher, das Kissen umschlungen wie einen potentiellen Partner, und sieht sich auf dem wohl liebsten Privatsender der Deutschen „Doctor’s Diary“ an – Gretchen Haase in ihrem erbittertem Kampf um die große Liebe.

Wobei hier jedem halbwegs intelligenten und aufmerksamen Menschen nach maximal fünf Minuten klar ist, mit wem die moderne Version einer hoffnungslosen, blonden Romantikerin am Ende zusammen sein wird, ohne an dieser Stelle nun eure absolute Lieblingsserie spoilern zu wollen, Jugendschwarm und die große Liebe ihrer Träume: Marc Meier. Genau. Der.

Das einzig Realistische an der Serie ist wohl nur, dass sich die weiblich wohlgeformte Hauptdarstellerin zu jedem erdenklichen Zeitpunkt mit Schokolade tröstet. Pünktlich zum nächsten Werbeblock meldet sich das Smartphone mit lauten Tönen zu Wort, eine kurze, maximal drei Seiten lange, SMS, ja es gibt noch Leute die SMS schreiben, einer Freundin darüber, wie grausam ihr wohl hundertstes Date mit einer Onlinebekanntschaft war. Nie wieder würde sie so etwas machen. Das ist eine glatte Lüge.

Dank unzähligen Apps wie Tinder, Lovoo und Co. geht das Stalken, Liken und Treffen heute so schnell wie noch nie. Dabei denken wir nur noch selten an die überaus schwierigen Zeiten zurück, in denen man eine Facebook-Freundschaftsanfrage an eine Person, die man nicht direkt kannte oder zu den eigenen Freunden zählte, sogar noch mehr als recht begründen musste bzw. sich erst einmal in ein bis zwei Nachrichten vorstellte, um nicht als der totale Creep verschrien zu werden.

Inzwischen reichen also ein bis fünf mehr oder weniger freizügige Bilder, ein kurzer, müder Blick und eine schicksalshafte Wischbewegung aus, um zu entscheiden, wer ein potentieller Partner, für nur eine Nacht oder womöglich etwas länger, wäre. „Willkommen im Kaufhaus – Welches unserer vielfältigen Modelle hat ihnen denn am meisten zugesagt?“

Unsere überaus verwöhnte und undankbare Generation hat wohl das ambivalenteste Verhältnis zur Liebe, das man sich vorstellen kann. Einerseits träumen wir alle, ohne Ausnahme, von diesem einen, ganz besonderen Menschen und wollen die große Liebe, diese eine, die für immer oder zumindest bis zum selbstverursachten Lungenkrebs anhält.

Andererseits konsumieren wir einander, suchen immer nach der besten Option, wenn nicht alle Punkte auf der inneren Checkliste stimmen, sodass unser Leben wie geplant weiterläuft. Kein Kurzstopp in Love-City, um den Plan neu zu schreiben, ziehen wir weiter, wischen wieder nach links, bis uns der nächste potentielle Traumpartner auf dem kleinen Display anlächelt. Wer auch nur ansatzweise schwierig erscheint, wird gelöscht. So etwas können wir gerade wirklich nicht gebrauchen.

Um die Enttäuschung nach dem nächsten gescheiterten Date zu überwinden, trifft man sich dann freitags zum Kino, ein Muss in einer solchen Situation, natürlich der neueste Film von Schweiger oder Schweighöfer, Kerle die selbst keine Rollenvorbilder sind, was die ewige und große Liebe betrifft, erzählen einem in der gefühlt hundertsten Version der selben Story, wie groß und mächtig dieses Gefühl doch sei und dass man auch jeden Mist bauen darf, denn die große Liebe verzeiht einem das schon.

In der kalten und überaus unfairen Realität, auch bekannt als die echte Welt, gilt selbst heutzutage eben nicht das gütige Motto „Das Zimmermädchen und der Millionär“, sondern eine frostige Wahrheit namens „Der Adel heiratet immer in den gleichen Kreisen“, auch wenn wir allesamt seit William und Waity Katie vom märchenhaften Happy End träumen dürfen.

So laufen wir weiter durch die Gegend, auf der Suche nach etwas, dass man nicht wie ein paar billige Schuhe im Schlussverkauf finden kann, nicht auf Knopfdruck mit dem Prince Charming vom grell leuchtenden Werbeplakat auf der anderen Seite der Straße bestellen kann. Nicht, dass wir kein Happy End wollten, wir haben nur teilweise verlernt, wie man eines bekommt.

So verlangen wir vollstes und zweifelsfreies Vertrauen, lassen uns aber gleichzeitig unser eigenes in den Anderen nehmen, von Statusanzeigen – wer, wann, wo zuletzt online war, unsere Nachricht gelesen, aber (noch) nicht beantwortet hat. Wir wollen den Kontrollverlust, das Ungewisse, vermeiden, bei einem Gefühl, das jedoch genau diese Dinge mit sich bringt.

Und wenn wir mal ehrlich sind, ist es doch das, was wir wollen, jemanden treffen und das Gefühl zu haben, nicht mehr Herr oder Herrin unserer selbst zu sein, den ganzen Tag grinsend wie ein Honigkuchenpferd durch die Stadt laufen, von pfeifenden Vögeln und herunter fallenden Rosen umgeben, alles rosa und süß und frei und hoffnungsvoll. Wie schön!

Vielleicht ist es also mal wieder an der Zeit, die an Dramatik übersteigerte Komödie im Kino oder Zuhause in der DVD-Packung, das Smartphone und die App voll mit hübschen Männern und Frauen, und allem, was womöglich dazwischen liegt, in der vorgewärmten Hosentasche zu lassen, bis man es dann braucht, um sich die Nummer vom netten Kerl aus der Getränkeabteilung des Supermarktes oder der Bar, den man vorher natürlich nicht googlen konnte, zu speichern.

Denn seien wir doch alle an dieser Stelle mal ehrlich: Es ist doch auch viel schöner, auf die Frage „Und wo habt ihr euch kennen gelernt..?“ mit einer wahren Geschichte zu antworten. Und nicht mit einer, die man sich erträumt hat. Dann muss man auch nicht mehr die Donnerstagabende mit seiner soapguckenden Mitbewohnerin und der schnurrenden Katze verbringen.

Die Fotografie stammt von Igor Starkov
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Mädchen in Toronto: Zuhause mit Sarah Nicole Harvey

Sagt doch einfach mal Hallo zu Sarah Nicole Harvey, der hübschen Muse, die gleichzeitig auch noch Model, Künstlerin und Fotografin ist und in Toronto ihr kreatives Unwesen treibt. Und, nein, sie ist kein Charakter aus der Serie Pretty Little Liars. Zumindest glauben wir das. Man weiß heutzutage ja s...
Mädchen in Toronto: Zuhause mit Sarah Nicole Harvey

Mädchen in Toronto

Zuhause mit Sarah
Nicole Harvey

Daniela Dietz

Sagt doch einfach mal Hallo zu Sarah Nicole Harvey, der hübschen Muse, die gleichzeitig auch noch Model, Künstlerin und Fotografin ist und in Toronto ihr kreatives Unwesen treibt. Und, nein, sie ist kein Charakter aus der Serie Pretty Little Liars. Zumindest glauben wir das. Man weiß heutzutage ja schließlich nie so genau, nicht wahr? Eben.

Sarah ist jetzt seit einigen Jahren in der „Industrie“, wie sie es nennt, dabei. Sie modelte für Brautmoden und Beautyprodukte, sie stand für teure Mode und ganz ohne Klamotten vor der Kamera und sie nimmt den Fotoapparat auch gerne mal selbst in die Hand und verewigt sich damit am liebsten selbst – solange eben niemand anderes da ist, den sie ablichten kцnnte.

Ihre neueste Selbstportraitserie entstand für Sticks & Stones und heißt „Bored Stiff“. Natürlich war Sarah auch schon in anderen Magazinen zu sehen. Zum Beispiel der italienischen Vogue, dem Nakid Magazine und dem Boathouse Stores, aber manchmal, da liebt sie es einfach in einem kleinen Rahmen zu agieren. „Ich mache mir einen heißen Kaffee, zünde mir eine Zigarette an und ziehe mich aus,“ erzählt uns Sarah Nicole Harvey. Schließlich sei sie immer gelangweilt, immer unruhig, immer unbefriedigt. Ich verstehe dich, Sarah. Ich verstehe dich total…

Sarah Harvey Sarah Harvey Sarah Harvey Sarah Harvey Sarah Harvey Sarah Harvey Sarah Harvey Sarah Harvey Sarah Harvey Sarah Harvey
Die Fotografie stammt von Sarah Nicole Harvey
Als Model ist Sarah Nicole Harvey zu sehen
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Rassismus im Kopf: Alle Schwarzen haben große Schwänze

Ach Gott, ich kann euch sagen! Ich weiß einfach, wie die Welt sich dreht. Ich bin ein so aufgeschlossener, respektvoller Mensch! Kein Wunder, ich wohne ja nun mittlerweile auch seit fast fünf Jahren in Berlin. Hier ist heute schon trendy, was morgen erst in der Provinz ankommt. Hier ist man offen, m...
Rassismus im Kopf: Alle Schwarzen haben große Schwänze

Rassismus im Kopf

Alle Schwarzen haben
große Schwänze

Vanessa Freitag

Ach Gott, ich kann euch sagen! Ich weiß einfach, wie die Welt sich dreht. Ich bin ein so aufgeschlossener, respektvoller Mensch! Kein Wunder, ich wohne ja nun mittlerweile auch seit fast fünf Jahren in Berlin. Hier ist heute schon trendy, was morgen erst in der Provinz ankommt. Hier ist man offen, man tauscht sich aus. Hier ist Multikulti.

Die ganzen AfD-Nasen, Pegida-Heinis und Dorf-Ossis sollten mal nach Berlin kommen, vielleicht verlieren sie dann mal die Angst vor dem, was sie eigentlich gar nicht kennen, weil es bei ihnen so gut wie nicht existiert. Berlin hat mich so geformt, Leute. Rassismus gibt’s bei mir nicht; der alten Heimat namens Mecklenburg-Vorpommern, in der man gut und gerne mal noch das N-Wort für eine schwarze Person verwendet, bin ich zum Glück rechtzeitig entflohen. Also alles cool!

Gerade bin ich beim Vietnamesen essen, wie häufiger im Monat. Ich bin dort sehr gern. Mir gefällt die vietnamesische Küche. Während ich mein Bun Bo, leichter Salat mit in Zitronengras mariniertem Rindfleisch, frischen Kräutern und eingelegtem Gemüse, angerichtet auf einem Bett aus Reisnudeln, esse, beobachte ich am Bestelltresen, wie eine ostasiatisch aussehende Frau auf die Bedienung, ich vermute jetzt einfach mal sie ist Vietnamesin, zugeht, weil sie etwas von ihr haben möchte.

„Toothpick!“, sagt sie. Ich verstehe es sofort, sie hätte gern einen Zahnstocher. Die Bedienung ist allerdings noch am Rätseln, fragt mit einem charmanten „Hm?“ noch mal nach. „Toothpick!“, sagt die ostasiatische Frau erneut und deutet nun mit ihrem Finger in Richtung Zähne. Man muss kein Tabu-Genie sein, da sie den gesuchten Gegenstand ja schon genannt hat, eher Vorschul-Tabu, um jetzt aber wirklich zu wissen, was gemeint ist. Ja, jetzt hat sie es!

Sie bewegt sich in Richtung Kühlschrank und nimmt eine Flasche Bier heraus. Die Gästin schüttelt mit leichter Verzweiflung den Kopf, will aber noch nicht aufgeben, startet daher einen letzten Versuch. Ausspruch und Geste bleiben gleich, nur alles irgendwie eine Spur energischer. Es zahlt sich aus, die Bedienung reicht ihr einen Zahnstocher. Ich feiere innerlich und bin so erleichtert ob des glücklichen Ausgangs, ich hätte fast meinen mir unbekannten, mürrischen Sitznachbarn umarmt.

Das hätte aber auch schneller gehen können, oder nicht? Warum haben die beiden aneinander vorbei geredet und nicht einfach Chinesisch miteinander gesproch… Oh, Shit. Hast du das gerade wirklich gedacht? Klar, logisch, beides irgendwie Ostasiaten, vielleicht, die müssen sicher Chinesisch sprechen. Idiot!

Die vorpommersche Provinz steckt also noch in mir. Wobei, Bullshit, an der Provinz liegt’s nicht, wohl eher an meinem arschweißen Weiß-sein. Ich bin zu weiß, um nicht rassistisch zu sein. Und es geht hier nicht um den „Holzhammer-Rassismus“, den jeder vernünftige Mensch erkennt. Kein AfDRassismus, kein TrumpRassismus, kein „Öhm, aber…“-Rassismus. Es geht um diesen subtilen, alltäglichen Rassismus, der auch vor mir, der sich ja für ach so aufgeschlossen hält, nicht Halt macht.

Der Türke arbeitet natürlich im Dönerladen, der Chinese im Chinarestaurant, der Grieche ballert mich mit Ouzo zu, ein allein herumstehender, schwarzer Typ möchte mir möglicherweise Drogen verkaufen, und hat einen großen Pimmel, eine hübsche Hawaiianerin ist „exotisch“ und der dunkelhäutige Kerl da mit dem Vollbart, der gerade ins Kino kommt, hat möglicherweise eine Bombe unter seiner Jacke.

Das sind keine Dinge, die man laut herausschreit oder zähneknirschend vor sich hin denkt, sondern Gedanken, die einem meist nur für den Bruchteil einer Sekunde in den Kopf schießen, ehe, leicht verzögert, der gesunde Menschenverstand wie ein alter Diesel-Motor anspringt. Verdammt, und ich dachte meine Weste wäre weiß, so weiß wie meine Haut.

Die Fotografie stammt von Dorrell Tibbs
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Magersucht: Das Tagebuch eines dünnen Mädchens

Seit Wochen schon schlafe ich regelmäßig auf dem Teppichboden in meinem Zimmer. Genauer gesagt in meinem rosa und blaugestrichenen Kinderzimmer, mit dem grauen Fußboden und den Kuscheltieren auf dem Bett. Das Bett macht mir Angst. Würde ich statt auf dem Fussboden im Bett liegen, so fürchte ich, wür...
Magersucht: Das Tagebuch eines dünnen Mädchens

Magersucht

Das Tagebuch eines
dünnen Mädchens

Klara Stein

Seit Wochen schon schlafe ich regelmäßig auf dem Teppichboden in meinem Zimmer. Genauer gesagt in meinem rosa und blaugestrichenen Kinderzimmer, mit dem grauen Fußboden und den Kuscheltieren auf dem Bett. Das Bett macht mir Angst. Würde ich statt auf dem Fussboden im Bett liegen, so fürchte ich, würde ich nämlich tatsächlich schlafen. Womöglich stundenlang. Unkontrollierbar lang. Eine gruselige Vorstellung.

Denn ich möchte nicht schlafen, nein, darf nicht schlafen. Nur ein bisschen dösen. Ein bisschen ruhen. Aber auf keinen Fall darf ich schlafen. Wenn ich schlafe, dann verbrenne ich nämlich weniger Kalorien. Ein weiterer Vorteil ist, dass ich jetzt auch keinen Wecker mehr brauche. Der harte, kalte Boden drückt so sehr gegen meinen knochigen Rücken, dass ich die Minuten zähle, bis ich endlich aufstehen darf.

Aufstehen darf ich aber immer erst ab sechs. Keine Minute früher, keine Minute später. Ab dieser Zeit ist jeder Schritt geplant und ritualisiert. Ab jetzt überlasse ich nichts mehr dem Zufall. Der Gang zur Toilette, wie jeden Tag, das Zurechtrücken der Waage, wie jeden Tag, und das Ablegen aller Kleider, wie jeden Tag. Erst das Hemd, dann die Hose, dann die Unterwäsche, zuletzt die Socken und auch das Haargummi. Alles muss weg.

Der Moment der Wahrheit, mein Richterspruch. Fast schon zeremoniell atme ich langsam ein und wieder aus und schließe langsam die Augen. Die Vermessung meiner Sünden, mein Urteil in schwarzen digitalen Ziffern. Heute ließ die Waage Gnade walten: 44,7 Kilogramm. Das sind 200 Gramm weniger als gestern. Erleichterung – aber leicht genug bin ich trotzdem nicht. Auch die Tatsache, dass heute der 4. August ist, ändert nichts an meinem täglichen Prozedere. Denn dieser sommerlich-warme Dienstag ist so etwas wie ein neuer Abschnitt in meinem Leben.

Dieser neue Abschnitt beginnt auf Station 8 in Zimmer Nummer 24. Ab sofort mein Zimmer. Zum Einzug in mein neues Zuhause bekomme ich Besuch von meinen Zimmernachbarinnen und der Stationsschwester. Diese hat sogar ein kleines Präsent für mich: den Therapiewochenplan. Und plötzlich sind die steril-weißen Wände, die verstellbaren Krankenhausbetten und die Schläuche neben meinem Schrank gar nicht mehr so schlimm. Ich liebe Pläne.

Zwei Wochen später sitze ich immer noch in Zimmer Nummer 24 auf Station 8 und starre regungslos aus dem Fenster. Den Therapiewochenplan habe ich neben mein Bett links an die Regalwand geklebt, rechts daneben ein Foto von mir im schwarzen Kleid, lachend und mit meiner Mutter im Arm. Zwischen den beiden Bildern liegen genau 14 Monate, zwanzig Kilogramm und unzählige Nächte auf dem Fußboden.

Zimmer Nummer 24 darf ich nur zu den Untersuchungen, zu den Therapien und zu den gemeinsamen Mahlzeiten verlassen. Die restlichen Stunden muss ich in meinem Krankenhausbett verbringen und aus dem Fenster starren. Isolationshaft nenne ich es, Bettruhe zur körperlichen Stabilisierung nennt es der Oberarzt mit den hohen Geheimratsecken und der dreckigen Brille.

Von hier oben habe ich einen Ausblick über die ganze Stadt. Da unten rechts, gleich hinter dem langgezogenen Hügel, kommen die Uni und die Bibliothek. Noch vor ein paar Wochen saß ich genau da unten und habe jeden Tag acht Stunden lang die Bücher gewälzt.

Mittlerweile weiß ich nicht mal mehr, welche Bücher das überhaupt waren. Ich war im geistigen Vakuum. Während ich da saß und angestrengt versuchte, die Buchstaben zu entziffern, war in meinem Hirn nur noch Nebel. Ein stumpfes, dunkles Irgendwas, das alle Gedanken aufgesogen hat wie Löschpapier. Umso länger ich die Seiten anstarrte, desto mehr verwandelten sie sich plötzlich in Bilder von Pizza. In Bilder von Eiscreme oder von Sahnetorte.

Ich sah wackelnde Oberarme, zu enge Jeans und ausladende Hüften. Ich sah, wie die Kalorien lebendig wurden und wie sie sich auf den Weg in meine Oberschenkel machten. Ich sah tanzende Fettzellen und turnende Kohlenhydrate. Ich sah, wie meine Beine, noch während ich da saß, plötzlich auf ein Zehnfaches anschwollen und in jedem Moment zu platzen drohten.

Ich weiß nicht, wann es angefangen hat. Ich weiß nicht, ob ich irgendwann einfach aufgewacht bin und beschlossen habe abzunehmen. Was ich weiß, ist, dass ich schon immer „die Komische“ gewesen bin. Ich war es, neben die die Austauschschüler, die Störer und die Neuen in der Klasse platziert wurden, weil das der einzige freie Platz war.

Ich war es, die im Theaterstück in der sechsten Klasse mit der Zeile „Das dicke Ende kommt zum Schluss“ glänzen durfte. Ich war es, über die im Sportunterricht mit Schokoriegeln verhandelt wurde, wer mich ins Team aufnehmen muss. Ich war es, die die kreativsten und demütigsten Spitznamen verliehen bekam. Ich war es, die sich mit 13 Jahren so ungeliebt fühlte, dass sie 80 Schlaftabletten schluckte und sich versuchte, die Pulsadern mit einer Bastelschere aufzuschneiden.

Darauf folgten Höhen und Tiefen, auf der Waage und in sozialen Beziehungen. Ich wollte mich nie wieder ausgeliefert fühlen. Nie wieder wollte ich, dass andere Menschen so viel Macht über mich haben, dass ich ihnen unterlegen bin. Nie wieder wollte ich, dass meine Gefühle von anderen kontrolliert werden würden. Ich wollte besonders sein. Einzigartig, anders, herausragend. Unfehlbar, unnahbar und eiskalt. Ich wollte eine glatte, kantenlose, perfekte Barbiepuppe ohne Makel und ohne Angriffsfläche werden.

Und das wurde ich auch. Je mehr ich lernte meinen Hunger zu kontrollieren, desto mehr lernte ich auch meine Gefühle zu kontrollieren. Irgendwann hatte ich keinen Hunger und keine Gefühle mehr. Es war überwältigend. Ich allein, niemand anders, ja, nicht einmal mein eigener Körper, hatte nun mehr das Sagen über mich. Ich, nur ich, ich und niemand anders.

Ich bestimmte, wann ich aß, wie viel ich aß, ob ich überhaupt aß. Ich setzte mir Ziele. Erst waren es drei Kilo. Dann noch einmal drei. Dann waren es fünf. Ich schaffte sie alle und das nur durch meine reine Willenskraft. Ich hatte Ehrgeiz. Ich war so verdammt gut, in dem was ich tat. Die ganze Welt stand mir auf einmal offen. Konnte es noch besser werden? Und wie es das konnte. Ich hatte nicht nur Macht über mich, sondern auch über die anderen. Plötzlich war ich nicht mehr „die Dicke“ oder „die Komische“. Ich hatte endlich eine Identität bekommen.

Je fragiler und zerbrechlicher ich wurde, desto vorsichtiger wurde der Umgang mit mir. Wer mit mir sprach, nutze nur noch schonende, sanfte, zarte und federleichte Worte. Ich wurde in Zuckerwatte gepackt und mit Honig übergossen. Meine Erscheinung hauchte den anderen Ehrfurcht ein. Niemand mehr, der mich „Happy Hippo“ oder „Rollmops“ rufen würde. Die Angst, jedes falsche Wort könnte meine verhungerten Arme zerbrechen, war zu groß.

Jedes Kilo weniger war mein Triumph. Jedes Gramm, das ich abwarf, befreite mich von den Altlasten des Rollmopses. Jedes verlorene Kilo war ein Manifest an meine Außenwelt: Schaut mich an. Schaut mir dabei zu, wie ich mich zu Tode hungere. Schaut mich an, wie ihr nur daneben stehen könnt und machtlos seid. Schaut her, wen ihr damals faul und dick genannt habt.

Schaut euch an, was ich kann. Und ich kann noch mehr. Ja, verdammt, ich bin nicht mal ein bisschen außer Atem. Ich fange jetzt erst richtig an. Schaut her, wie dieser verhungerte Mensch besser funktionieren kann als ihr es jemals können werdet. Und ich funktionierte tatsächlich. Ich hatte Erfolge im Sport. Ich engagierte mich sozial. Ich gewann Wettbewerbe und Preise. Ich schaffte mein Abitur mit Auszeichnung. Ich gewann ein Stipendium. Und währenddessen wurde ich langsam aber sicher immer weniger.

Irgendwann war ich so wenig, dass ich es nicht mehr schaffte aufzustehen. Ich war so wenig, dass ich bei 30 Grad im Schatten zwei dicke Pullover getragen hatte und trotzdem fröstelte. Ich war so wenig, dass ich blaue Hände und lila Füße hatte. Ich war so wenig, dass sich auf meiner fast schon transparenten Haut ein Flaum aus Haaren gebildet hatte. Eine Art Schutzfell, das mich warmhalten sollte. Ich war so wenig, das ich an nichts anderes mehr denken konnte außer an Essen und an Gewicht. Ich hatte mich in meiner eigenen Welt verloren. In meinem Labyrinth aus Kaffeebechern und Kaugummipapierchen war ich dabei, mir mit meinem geliebten Maßband die Kehle abzuschnüren.

In Zimmer 24 auf Station 8 sind Kaugummi und Maßbänder verboten. Genau wie in meiner Welt, gibt es hier für alles eine Regel. 30 Minuten lang hat man für eine Mahlzeit Zeit. Zwei Gläser Wasser darf man maximal zu den Hauptmahlzeiten trinken. Teelöffel und Kuchengabeln stehen auf dem Index. Light-Produkte ebenfalls. Beim Essen darf auf keinen Fall über Kalorien gefachsimpelt werden.

Regelmäßigen Ausgang bekommt nur, wer brav zunimmt und immer aufisst. Wer so viel abnimmt, dass sein BMI in einen lebensgefährlichen Bereich rutscht, bekommt ein milchshakeähnliches Aufpäppel-Getränk, das es in den Sorten Waldfrucht, Vanille oder Cappuccino gibt. Und wer das nicht trinkt, der bekommt eine Sonde durch die Nase geschoben.

Auf Station 8 bin ich das erste Mal seit langem nicht mehr der Strippenzieher, sondern die Marionette. Eine Marionette, mit langen Fadenbeinen und feinen Fadenärmchen, die mit ihrem BMI von 15.2 nur eine von vielen Fadenmädchen ist. Eins haben wir Fadenmädchen alle gemeinsam: Wir sind hier, weil wir in unserem Leben in eine Sackgasse geraten sind.

Vielleicht hat uns irgendwer absichtlich in die Irre geschickt. Vielleicht waren wir auf der Flucht und haben nicht auf den Weg geachtet. Vielleicht war es dunkel und wir konnten die Kreuzung nicht erkennen. Vielleicht waren wir neugierig, wo uns der Trampelpfad hinführt. Gelandet sind wir dann alle hier, in einem sterilen und weißen Krankenhauszimmer auf Station 8. Wir sind dabei, unseren Weg zurück zu finden, zu dem Punkt, an dem wir falsch abgebogen sind. Und wenn wir diesen Weg gehen, dann müssen wir uns wohl oder übel auch verändern. Wir müssen die Metamorphose endlich wagen.

Und während ich über meinen langen Weg vor mir nachdenke, kommt mir plötzlich ein Gedanke. Bevor mir dieser Gedankte entwischt, kritzele ich ihn noch schnell in mein Notizbuch: „Als es Winter wurde und die kleine Raupe bemerkte, dass sie sich fortan nicht mehr vom süßen Nektar der Blüten nähren kann, beschloss sie zum Schmetterling zu werden. Doch als sie aus ihrem Kokon schlüpfte und ihre Flügel entfaltete, da war sie plötzlich gar nicht mehr hungrig.“

Die Fotografie stammt von Christopher Campbell
Der Text erschien in der Kategorie Essen mit den Themen
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Modeblogger: Marionetten der Werbeindustrie

Gibt es etwas, das Blogger besser können, als ihre eigene Meinung kund zu tun? Daniel Decker umschreibt es treffend: “Was mich interessiert, blogge ich, auch wenn es keinen interessiert!” Und weil es so Spaß macht, als Blogger auch mal nicht zu gefallen, gibt es Gott sei Dank auch ein paar freche Bu...
Modeblogger: Marionetten der Werbeindustrie

Modeblogger

Marionetten der
Werbeindustrie

Natalie Mayroth

Gibt es etwas, das Blogger besser können, als ihre eigene Meinung kund zu tun? Daniel Decker umschreibt es treffend: “Was mich interessiert, blogge ich, auch wenn es keinen interessiert!” Und weil es so Spaß macht, als Blogger auch mal nicht zu gefallen, gibt es Gott sei Dank auch ein paar freche Buben wie die Dandys, die sich ihre Werbegeschenke wie eine Flasche Schampus in den Allerwertesten schieben.

Diese Haltung vermisse ich jedoch oftmals! Wird die Meinungsvielfalt auch auf Modeblogs langfristig erhalten bleiben, oder ertrinken wir wie alle Hipster irgendwann im kommerziellen Mainstream? Ich mache mir Sorgen um die heranwachsende emanzipierte „Ich blogge für egal was, solange ich Schminke oder Geld bekomme”-Riege.

Schminke kann hierbei optional auch in ein Computerspiel umgewandelt werden. Leuten, denen völlig die Abstraktion von Marketingmaschinerie, eigener Meinung und dem Wunsch nach Aufmerksamkeit und Einfluss, kurz gesagt dem Blogfame, zu Kopf steigt. Was ihr macht, hat durchaus Unterhaltungswert, doch es ist kein Journalismus. Seid euch darüber im Klaren!

Mich nervt dieser Hype um Modeblogger, der vor allem von kleinen Mädchen zelebriert wird. Jeder will nur möglichst bekannt sein, als kleiner Goldfisch mit im Teich der Modehaie schwimmen, kostenlose Geschenke abgreifen und sich selbst darstellen. Dafür wird fleißig Content produziert. Doch eigentlich geht es den meisten nicht um den Inhalt.

Hauptsache, ein Onlineshop ist verlinkt und die Seite wurde für die Google Search optimiert. Wie beliebt dieser kleine Traum ist, zeigen Veranstaltungen wie der “Blogger Bazaar“, die überrannt werden. Einmal Fashion Week mit Modebloggern für Normalos. Eigentlich nett gedacht ist es jedoch lediglich eine Reproduktion des Systems in sich selbst. Firmen versuchen, ihre Produkte zu streuen und Besucher zahlen auch noch Eintritt dafür. Jeder, der gerne Bloggerfeeling schnuppern möchte, kann es hier. Eine Entwicklung, die es kritisch zu beobachten gilt.

Und warum regen sich dann manche Blogger auf, als „Hobbyautoren“ bezeichnet zu werden? Sind Hobbys heutzutage zu uncool, oder was? Die Begriffe „Autor“ und „Journalist“ sind in Deutschland nicht geschützt. Jeder kann sich Redakteur schimpfen, Head of Blog Business Development, whatever.

Gebt euch lustige Tiernamen oder eben Berufsbezeichnungen. Es sei euch auch vergönnt, wenn ihr euch euer eigenes Blogimperium aufbauen und die Miete für euer trendy Büro mit euren besten Freunden aus Werbegeldern speist, aber Journalisten oder Redakteure seid ihr deshalb längst nicht.

Aber was macht sie aus, die wahren Journalisten? Mit Sicherheit eine gute Portion Handwerkszeug, eine gewisse Objektivität und Unbefangenheit, mit der sie an ihre Themen herantreten. Als bloggende Freelance-Studentin tapse ich hier selbst auf sehr dünnem Eis, aber ich finde es traurig, wenn ein Werbefeature mit einem redaktionell aufbereiteten Beitrag vertauscht wird.

Ist hier die Unwissenheit oder die pure Ignoranz schuld? Darf man da nicht einmal fragen, wann ihr lieben Blogger euer Oberstübchen einschalten wollt und einmal darüber nachdenkt, was ihr tagtäglich von euch gebt? Freie Meinungsäußerung: ja. Aber verschont uns mit lieblos getexteter Werbung.

Wenn ihr bloggt, um eure Haltung zu zeigen, dann macht es doch bitte auch und präsentiert nicht nur in Modalpartikeln wie „Ich bin ja ein großer Fan von…“ den liebsten Lippenstift. Hat das, was ihr macht, irgendeinen Mehrwert, außer anderen eure vermeintlich persönlichen Favoriten vorzugaukeln? Für diese Empfehlung steht ihr immerhin mit eurem Namen.

Liebe Autoren da draußen, ja ich meine euch, die ihre Advertorials, von Firmen gesponserte Werbetexte, nicht kennzeichnen und über Dosen mit Tieren, die nach Gummibärchensaft riechen, oder über Töpfchen mit Gesichtspflege berichten. Ihr seid nichts anderes als Werbetexter. Jeder sucht im Web seinen Weg, um mit seinem Talent und seinen Kapazitäten Geld zu verdienen.

Und was gibt es Schöneres, wenn die eigene Meinung Bares wert ist. Doch das Geld, das ihr damit verdient, bekommt ihr nicht wegen der Qualität eures Schreibstils, der Recherche oder dem tieferen Sinn dahinter, es geht lediglich, um die Platzierung eines Produkts. Darauf wäre ich nicht stolz. Es tut mir leid, das zu sagen. Werbetexten hat nichts mit Journalismus zu tun.

Verkauft euch nicht so billig. Viele Journalisten wandern vom Handwerk zur PR über, da sich damit leichter sicheres Geld verdienen lässt, wenn die eigene Familie grüßt und man nach Sicherheit sucht. Das ist keineswegs verwerflich. Es ist legitim, zudem muss gute PR auch gekonnt sein. Und ganz ohne ist dieser Beruf “Journalist” sicherlich auch nicht.

Man steht immer in einem kritischen Licht, vor allem, wenn man auch über die unangenehmen Dinge im Leben berichtet. Es wird gerne über sie geschimpft, und wer verdient mit dem Schreiben (noch) richtig Geld? Vielleicht Magazin- oder Zeitungsredakteure, wenn sie Glück haben und nicht in Berlin angestellt sind.

Als Freier sieht es nicht gut aus. Niemand will wirklich viel für Qualität zahlen und BuzzFeed und Co. sorgen im kostenlosen World Wide Web ganz schön für Furore. Sie teilen freudig euer Motto „Content is King“: lieber eine Überschrift mehr als ein Mal nachdenken. Das schmerzt, denn die persönliche Meinung prägt die Vielfalt.

Doch träumen wir wirklich alle davon, auf Fashion Partys zu rennen, Champagner zu trinken und mit Händen voller Goodie-Bags nach Hause zu stolzieren? 15 Minuten Fame für jeden. Oder sollten wir diese Blase, als das was sie ist, erkennen? Ob ihr Teil davon sein wollt oder doch lieber wieder eure eigene Meinung kund tut, müsst ihr letztendlich selbst entscheiden.

Die Fotografie stammt von Humphrey Muleba
Der Text erschien in der Kategorie Mode mit den Themen
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Your Name: Die Geschichte einer grenzenlosen Liebe

Der Tag, an dem die Sterne fielen, veränderte zwei junge Leben für immer. Die Highschool-Schüler Mitsuha und Taki sind einander völlig fremd und führen getrennte Leben. Doch eines Nachts tauschen sie plötzlich die Plätze. Mitsuha wacht in Takis Körper auf, und er in ihrem. Dieses bizarre Ereignis...
Your Name: Die Geschichte einer grenzenlosen Liebe

Your Name

Die Geschichte einer grenzenlosen Liebe

Annika Lorenz

Der Tag, an dem die Sterne fielen, veränderte zwei junge Leben für immer. Die Highschool-Schüler Mitsuha und Taki sind einander völlig fremd und führen getrennte Leben. Doch eines Nachts tauschen sie plötzlich die Plätze. Mitsuha wacht in Takis Körper auf, und er in ihrem.

Dieses bizarre Ereignis geschieht weiterhin willkürlich, und die beiden müssen ihr Leben aufeinander abstimmen. Doch irgendwie funktioniert es. Sie bauen eine Verbindung auf und kommunizieren, indem sie Notizen, Botschaften und, was noch wichtiger ist, einen Eindruck hinterlassen.

Als ein hell leuchtender Komet den Nachthimmel erhellt, dämmert es Mitsuha und Taki. Sie wollen etwas mehr von dieser Verbindung – eine Chance, sich zu treffen, eine Gelegenheit, sich wirklich kennen zu lernen. An der Schicksalskette zupfend, versuchen sie, einen Weg zueinander zu finden. Aber Entfernung ist nicht das Einzige, was sie voneinander trennt. Ist ihr Band stark genug, um sich der grausamen Ironie der Zeit zu stellen? Oder ist ihre Begegnung nichts weiter als ein Wunsch an die Sterne?

Von Regisseur Makoto Shinkai kommt ein wunderschönes Märchen über die Zeit, den Faden des Schicksals und die Herzen zweier junger Seelen. Im Jahr 2002 debütierte er seinen ersten Film, Voices of a Distant Star, der ein wahres Werk der Liebe war. Da er fast jeden Aspekt des Films selbst geschaffen hatte, sandte Makotos erster Film aufgrund seines Ausdrucks und seiner beeindruckenden Weltanschauung Schockwellen durch die Anime-Welt.

In den nächsten Jahren produzierte er weiterhin Meisterwerke und erzielte 2013 mit The Garden of Words einen Hit, der bei einer limitierten Veröffentlichung über eine Million Dollar einbrachte. Von der Regie über das Schreiben bis hin zur Farbgestaltung setzt Makoto in jedem seiner Filme sein ganzes Können ein. In dem Moment, in dem man seine Arbeit sieht, weiß man, dass sie ausschließlich von ihm sein kann. Und Your Name ist eine seiner herausragendsten Arbeiten, die ihn für immer definieren werden.

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Die Illustration stammt von Makoto Shinkai, CoMix Wave und Leonine
Der Text erschien in der Kategorie Filme mit den Themen
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Traditionelles Tokio: Eine Zeitreise durch Japan

Wer an Tokio denkt, der denkt an gläserne Hochhäuser, bunt beleuchtete Werbeschilder, die in allen Farben des Regenbogens vor sich hin blinken, und technologische Errungenschaften, die es so nur in der Zukunft geben darf - und eben in der japanischen Hauptstadt. Doch die Metropole am anderen Ende...
Traditionelles Tokio: Eine Zeitreise durch Japan

Traditionelles Tokio

Eine Zeitreise
durch Japan

Daniela Dietz

Wer an Tokio denkt, der denkt an gläserne Hochhäuser, bunt beleuchtete Werbeschilder, die in allen Farben des Regenbogens vor sich hin blinken, und technologische Errungenschaften, die es so nur in der Zukunft geben darf – und eben in der japanischen Hauptstadt.

Doch die Metropole am anderen Ende der Welt hat auch eine traditionelle Seite. Man muss nur einmal kurz aus einer der viel belaufenen Einkaufsstraßen heraus treten und schon befindet man sich inmitten eines kleinen Waldes, einer alten Tempelanlage oder umringt von liebevoll gestalteten Schreinen.

Was jetzt Tokio ist, war früher Edo. Eine kleine, unbedeutende Stadt, die erst durch die dortige Errichtung einer Burg von Tokugawa Ieyasu, dem nach Oda Nobunaga und Toyotomi Hideyoshi dritten Reichseiniger des feudalen Japans, im Jahr 1590 zur größten und wichtigsten Stadt des Landes heran wuchs.

Und die alten Traditionen, die dort gepflegt wurden, findet man auch heute noch in ihren modernisierten Grundzügen. In jeder Straße, an jedem Platz, in jedem Haus, egal wie viel Beton, Technologie und Glas die Einwohner auch einsetzen, um sich das Leben zu erleichtern, überall weht ein Hauch von damals durch Tokio.

Und weil man die japanische Hauptstadt nicht erlebt hat, wenn man nur durch die touristischen Hot Spots von Shibuya, Harajuku und Shimokitazawa streift, deren lautes, kunterbuntes Treiben einem manchmal die Synapsen im Gehirn durchdrehen lässt, haben wir uns in einer kleinen, aber feinen Fotoreise auf die Spuren des alten Edos gemacht.

Viele von diesen altehrwürdigen Wundern findet man nach hunderten von Jahren natürlich nicht mehr vor, aber in so manchem Tempel, Restaurant und Wohnhaus haben wir den Geist des traditionellen Japans entdeckt – man muss nur mit einem offenen Bewusstsein herum wandern und ihn wirklich finden wollen.

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Die Fotografie stammt von Marlen Stahlhuth
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Was sind wir eigentlich? Zwischen Liebe und Gleichgültigkeit

Wenn man jemanden kennenlernt, den man mag, also mehr mag, als man Freunde mag, kommt irgendwann unweigerlich diese eine Frage auf, die man sich kaum zu stellen traut, weil sie so unglaublich viel Macht hat. Zumindest hat sie das für mich. Ich habe vor einiger Zeit jemanden kennengelernt, den ich ma...
Was sind wir eigentlich? Zwischen Liebe und Gleichgültigkeit

Was sind wir eigentlich?

Zwischen Liebe und Gleichgültigkeit

Jana Seelig

Wenn man jemanden kennenlernt, den man mag, also mehr mag, als man Freunde mag, kommt irgendwann unweigerlich diese eine Frage auf, die man sich kaum zu stellen traut, weil sie so unglaublich viel Macht hat. Zumindest hat sie das für mich. Ich habe vor einiger Zeit jemanden kennengelernt, den ich mag. Den ich mehr mag, als man Freunde mag.

Wir treffen uns recht regelmäßig, gehen Cocktails trinken und ins Kino, verbringen die Abende gemeinsam auf der Couch, lesen uns gegenseitig Bücher vor und schlafen bei- und miteinander. Manchmal verbringen wir morgens noch eine halbe Stunde knutschend im Hausflur, bis wir bereit sind, uns voneinander zu verabschieden und manchmal geht das auch ganz schnell, High Five und Tschüss.

Wir lachen und wir streiten viel, meist über schwachsinnigen Scheiß, wie, welcher nun der beste Charakter von „Glee“ ist, ziehen den jeweils anderen mit seinen seltsamen Marotten auf und schicken uns Sprachnachrichten zu, in denen wir viel zu laut und viel zu schief die schlimmsten Popsongs der 90er-Jahre wiedergeben, die der andere dann sinnvoll ergänzen muss, wie beim „Riff-Off“ von Pitch Perfect.

Im Prinzip führen wir die perfekte Beziehung – nur, dass wir eigentlich keine Beziehung führen. Ich glaube, ich würde gern mit ihm zusammen sein, also so richtig fest zusammen sein, doch momentan ist alles so perfekt, dass ich mich nicht traue, die Frage zu stellen, die mir so dringlich auf den Lippen brennt, weil so viel Angst mit in ihr schwingt. Es ist die Angst, all das zu verlieren, was ich gerade mit ihm erlebe, weil die Frage, oder besser gesagt die Antwort darauf, mir all das plötzlich nehmen könnte.

Meine Freunde sagen, dass es in unserem Fall überhaupt nicht nötig ist, diese Frage zu stellen. „Ihr führt eine Beziehung“, sagen sie, „da gibt es nichts zu hinterfragen.“ Sie fügen dann hinzu, dass das nicht zu übersehen wäre und dass ich mich nicht so stressen soll, weil doch alles so perfekt ist und wir beide so kitschig sind, wie es nur ein Paar sein kann. Nur, dass wir halt einfach kein Paar sind.

Wir sind irgendwas zwischen besten Freunden, die miteinander schlafen, und flüchtigen Bekannten, die sich auf der Straße nur kurz zunicken, wenn sie sich zufällig begegnen. Unser Verhältnis zueinander ist von Tag zu Tag irgendwie unterschiedlich, doch es ist immer schön, nie unangenehm. Wir können 24 Stunden am Stück miteinander kommunizieren, aber auch mal drei Tage gar nicht miteinander reden. Egal wie es ist, es ist okay, und das, das ist schon irgendwie besonders.

Auch mein bester Freund ist gerade frisch verliebt. Sechs Wochen lang trifft er sich nun schon mit diesem Mädchen, diesem einen Mädchen, von dem er sagt, dass er wirklich in sie verliebt ist. Das hält ihn allerdings nicht davon ab, sich auch mit anderen Mädchen zu treffen. Nicht so, wie er sich mit diesem einen Mädchen trifft, aber er küsst sie auch und schläft mit ihnen, nur dass die anderen im Gegensatz zu diesem einen Mädchen nicht über Nacht bleiben dürfen und er sich auch nach zwei, drei Treffen einfach nicht mehr bei ihnen meldet.

Er macht das nicht, um irgendjemandem weh zu tun oder weil er sich nicht auf ein Mädchen festlegen will, denn er hat sich längst schon festgelegt, auf dieses eine Mädchen, dieses ganz Besondere, sondern nur, weil nicht klar ist, was sie sind. In meinen Augen sind sie eigentlich zusammen, nur dass es bisher keiner ausgesprochen hat.

Mein bester Freund ist der Meinung, dass man so etwas auch nicht aussprechen muss, weil sich alles irgendwie von selbst fügt und so wird, wie es sein soll, und trotzdem verstehe ich nicht, wieso er dann mit anderen schläft. Er ist nämlich nicht der polygame Typ, wenn es um mehr geht als einfache Ficks.

Auf die Frage, warum er genau das tut, also mit anderen schlafen, wo doch eigentlich ganz eindeutig die beiden zusammen sind oder zumindest zusammen gehören, hat er eine simple Antwort parat: „Weil ich glaube, dass sie es auch tut.“

Nachvollziehen kann ich das nicht, aber ich verstehe, was er mir damit sagen will: Solange nichts geklärt ist, keine Beziehung definiert, spricht absolut nichts dagegen, diese anderen, kleinen Affären mitzunehmen. Insbesondere dann nicht, wenn man noch überhaupt nicht weiß, wohin es einen eigentlich führt.

Es ist nämlich so: Mein bester Freund hat auch Angst. Angst, mit dieser einen Frage das zu ruinieren, was er gerade hat, und damit meine ich nicht die vielen Affären, sondern die Beziehung zu seinem Mädchen. Was, wenn sie etwas anderes will als er? Nämlich eben nicht zusammen sein, keine Zukunft planen, sondern einfach genießen, was gerade geht? Und deshalb nimmt er es einfach so hin und sagt diese Dinge von wegen „alles fügt sich irgendwann von selbst“ und „es wird so sein, wie es sein soll“ und belügt sich eigentlich nur selbst.

Abgesehen davon, dass diese ganzen Sätze etwas furchtbar Spirituelles haben, an das ich einfach nicht glauben kann, muss man heute, glaube ich, einfach definieren. Oder sich zumindest offen sagen, was man will, sich wünscht, sich erhofft. In einer Welt, in der hinter jeder Ecke ein potentieller Flirt wartet, verliert man zu schnell die Dinge, die einem wirklich etwas bedeuten.

Einfach, weil’s so leicht ist und ja auch irgendwo Spaß macht, dem nachzugehen, sich nicht festzulegen, die Optionen zu betrachten. Wir werden angetrieben vom Gedanken, etwas zu verpassen, wenn wir das nicht tun, und verpassen so viele Dinge, die so viel wertvoller sind als das.

Natürlich bleibt die Angst, diese Dinge oder besser gesagt Menschen, die wir als wirklich wertvoll erachten, zu verlieren, wenn wir nur diese eine Frage stellen, doch mal ehrlich: Ist die harte Realität, dass man vielleicht doch nicht das ist, was man sich wünscht zu sein, nicht besser, als einfach nicht zu wissen, was man ist?

Es nimmt einem doch so viele Grübeleien, wenn man ausspricht, was man denkt und hört, was der andere dazu zu sagen hat. Egal, wie die Antwort auch ausfällt: Es bringt einen voran. Wenn schon nicht zwei Menschen zusammen, dann wenigstens die Einzelperson, die dann ihren Fokus wieder gerade rücken und unbeschwerter leben kann, als sie es vielleicht unbewusst jetzt tut. Alles andere ist doch auf Dauer nur erdrückend. Und so bleibt einem eben doch nichts anderes übrig, als irgendwann zu fragen: „Was sind wir eigentlich?“

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Digitale Entblößung: Niemand will deinen Schwanz sehen!

Das Smartphone, das Internet und vor allem Dating-Apps sind eine feine Sache. Mit nur einem Klick hat man damit Zugriff auf tausende mögliche Geschlechtspartner. Swipe nach rechts. Match. Ein paar Worte. Ficken. Es könnte alles so schön sein. Könnte. Wenn sich nicht im Netz ein Haufen Typen tummeln...
Digitale Entblößung: Niemand will deinen Schwanz sehen!

Digitale Entblößung

Niemand will deinen
Schwanz sehen!

Nadine Kroll

Das Smartphone, das Internet und vor allem DatingApps sind eine feine Sache. Mit nur einem Klick hat man damit Zugriff auf tausende mögliche Geschlechtspartner. Swipe nach rechts. Match. Ein paar Worte. Ficken. Es könnte alles so schön sein. Könnte. Wenn sich nicht im Netz ein Haufen Typen tummeln würden, die ungefragt Bilder von ihrem Schwanz verschicken.

Auf meinem Handy befindet sich ein Ordner, in dem gut und gerne 200 Penisfotos gespeichert sind. Ein sehr geringer Teil stammt von Männern, mit denen ich Sex hatte und die ich beim Sexting um ein Foto ihres harten Schwanzes gebeten hatte. Der überwiegende Prozentsatz ist jedoch ein Sammelsurium aus Penissen von Kerlen, zu denen ich nur flüchtig oder auch nie richtig Kontakt hatte. Swipe nach rechts. Match. Hier hast du ein Dickpic.

Ich frage mich schon seit geraumer Zeit, was es mit diesen Schwanzfotos eigentlich auf sich hat. Mit Handykameras bei schlechtem Licht aufgenommen sind sie nicht einmal ästhetisch. Und dass sie keineswegs erregend sind, wenn sie nicht von einem Partner stammen, mit dem man gerade sextet, brauche ich, glaube ich, nicht dazu sagen.

Warum verschicken also so viele Typen einfach ungefragt Fotos ihrer hässlichen Pimmel an fremde Mädchen aus dem Internet? Glauben sie wirklich, nur weil man ihren Schwanz gesehen hat, ist man sofort dazu bereit, mit ihnen in die Kiste zu steigen? Oder liegt der Kick viel mehr darin, dass man weiß, dass sich das Gegenüber über so viel ungewollte Offenheit vielleicht ärgert und angeekelt das Gesicht verzieht?

An manchen Tagen fühle ich mich von solchen Bildern regelrecht vergewaltigt. Ist vielleicht das wirklich die Intension der Männer, die ungebeten solche Bilder verschicken? Wollen sie damit einfach nur ihre Macht demonstrieren und sich daran aufgeilen, dass ein Mädchen für einen Moment gezwungen war, ihren Schwanz anzusehen, obwohl sie es nicht wollte? Sexuelle Übergriffigkeit als Kink. Das Wissen, dass man dafür vor Gericht nicht belangt werden kann, scheint es möglich zu machen. Wundern, wenn einige Typen im Netz nur deshalb so agieren, würde es mich jedenfalls nicht.

Als ich das Thema mal in meinem Freundeskreis ansprach, wurde schnell klar, dass jede Frau, die im Internet aktiv ist, schon mal mit einem Schwanzfoto eines völlig Fremden konfrontiert wurde, ohne dass sie danach gefragt hat. Irgendjemand ließ dann den supertollen Ratschlag „Wenn ihr das so scheiße findet, geht halt nicht ins Internet„, fallen. Nein. Fuck off!

Es ist nicht an den Frauen, das Internet zu meiden. Es ist an den Männern, nicht einfach Fotos ihrer meist mickrigen Dödel zu verschicken, wenn nicht explizit darum gebeten wurde. Für so etwas gibt es Portale. Da kann man seine Dickpics hochladen und diejenigen, die sie sehen wollen, können sich das dann dort anschauen. Freiwillig.

Ein anderer fragte, ob wir uns denn auch so aufregen würden, wenn uns eine fremde Braut ihre Brüste schicken würde. Er fände es ja mega, wenn Mädchen ihm ungefragt Tittenfotos schicken würden. Hat bisher allerdings keine gemacht. Und da sind wir auch schon beim Punkt: Ich kann nicht sagen, ob es mich so sehr stören würde, wenn ich ungefragt Fotos von fremden Brüsten bekommen würde. Es ist zumindest noch nie passiert. Und ich habe auch noch nie meine Titten an jemanden geschickt, der nicht darum gebeten hatte.

Frauen scheinen das nicht so zu machen wie Männer. Und deshalb ist es auch Schwachsinn, so darüber zu diskutieren. Abgesehen davon, dass Brüste noch mal ein ganz anderes Thema sind als Schwänze. Ich denke, an so einem paar Titten würde ich mich nicht weiter stören. Sie sind im Gegensatz zu Schwänzen wenigstens ästhetisch, immer. All boobs are beautiful.

Bekäme ich jetzt allerdings ungefragt das Foto einer Vagina geschickt, würde ich mich vermutlich genauso unwohl fühlen, wie wenn ich ein Penisbild bekomme. Genau beantworten kann ich das jedoch nicht. Es ist, wie gesagt, noch nie passiert. Auf die knapp 200 Penisfotos auf meinem Telefon kommen genau einmal die Brüste meiner Exfreundin, zweimal der Arsch einer anderen Ex und genau keine Muschi.

Ich bezweifle aber zugleich, dass irgendein Typ es geil fände, am Tag zwanzig verschiedene Muschis von fremden Frauen zu bekommen. Es sei denn, er ist ein totaler Creep, der im echten Leben keine Frau abkriegt und dem nicht anderes übrig bleibt, als sich an sowas aufzugeilen.

Es ist ja schon so, dass ich mir ganz gerne Schwänze ansehe. Nach Möglichkeit in real und nach Möglichkeit auch nur die von den Typen, die ich gerade in meinem Schlafzimmer habe. Mir wurde schon oft genug mitten auf der Straße ein Schwanz entgegengehalten, wenn auch nicht so häufig, wie mir Fotos geschickt wurden, und es hat mich nie auch nur im Geringsten angemacht. Penisfotos erregen mich nicht.

Gut ausgeleuchtet können sie im Zuge von ästhetischer Aktfotografie schon echt was hermachen, aber geil macht mich das eigentlich nie. Was mich an solchen Fotos fasziniert ist meist das Gesamtbild und nicht der Schwanz an sich. Und ich glaube, das geht den meisten Frauen so. Vielleicht spricht da aber auch nur die Kunststudentin aus mir.

Ich jedenfalls wäre glücklich, weniger häufig mit Fotos von fremden Pimmeln bombardiert zu werden, ohne das Internet, gewisse Seiten oder Apps meiden zu müssen. Es kann doch nicht so schwer sein, seinen Dödel einfach mal für sich zu behalten. Wenn man ihn so geil findet, dass man ihn ständig fotografieren muss, kann man das meinetwegen gerne machen. Man muss es ja nicht gleich jedem, der einem im Netz begegnet, unter die Nase reiben. Mache ich mit meinen Titten ja auch nicht.

Wobei ich mindestens genauso oft von Fremden um Fotos von meinen Brüsten gebeten werde, wie mir ungefragt Schwänze geschickt werden. Vermutlich stecken hinter den Accounts sogar die gleichen perversen Schweine. Lasst euch doch einfach mal was Neues einfallen bitte.

Ich fände es zur Abwechslung tatsächlich mal schön, statt einem Penis ein paar nette Worte geschickt zu bekommen. Oder statt Fotos von meinen Titten nach meinen Hobbys gefragt zu werden. Dann kann ich antworten, dass ich gerne ficke. Und wer weiß, vielleicht landet man nach einem solchen Gespräch vielleicht sogar gemeinsam im Bett. Mit Schwanzfotos alleine kriegt man mich jedenfalls nicht rum. Und meine Titten zeige ich auch nur, wem ich sie wirklich zeigen will. Seltsame Jungs aus dem Internet gehören jedenfalls nicht dazu.

Die Fotografie stammt von Dainis Graveris
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Blowjobs: Spuckst du noch oder schluckst du schon?

An meinem ersten Blowjob wäre ich beinahe erstickt. Weder Steffens verträumt in die Ferne schweifender Blick noch irgendeine Art von Stöhnen, Räuspern oder warnender Ansage à la Baby, ich komm' gleich! signalisierten den Schwall an nach alten Socken schmeckendem Sperma, der sich in den kommenden A...
Blowjobs: Spuckst du noch oder schluckst du schon?

Blowjobs

Spuckst du noch oder
schluckst du schon?

Daniela Dietz

An meinem ersten Blowjob wäre ich beinahe erstickt. Weder Steffens verträumt in die Ferne schweifender Blick noch irgendeine Art von Stöhnen, Räuspern oder warnender Ansage à la „Baby, ich komm‘ gleich!“ signalisierten den Schwall an nach alten Socken schmeckendem Sperma, der sich in den kommenden Augenblicken zuerst in meinen Mund, anschließend meinen Hals und, weil ich nicht darauf vorbereitet war, auch in meine Atemwege katapultierte.

Weil ich ausgerechnet in genau diesem Moment Luft holen musste, kippte ich hustend nach hinten um und versuchte mich dabei reflexartig an Steffens Penis festzuhalten, um nicht gegen sein mit Nintendospielen und lustigen Taschenbüchern gefülltes Regal zu knallen. Was er anscheinend eher so semigut fand. Auf jeden Fall schlug er mich mit der flachen Hand zur Seite und ich rotzte seine Wichse auf den Teppich.

Dieses sowohl sexuell als auch romantisch nicht gerade einwandfreie Erlebnis hätte mich eigentlich davon abhalten sollen, jemals wieder ein männliches Geschlechtsteil auch nur in die Nähe meiner Körperöffnungen zu lassen.

Aber ich wollte nicht aufgeben. Dafür hatte ich zu viele Folgen von Sex and the City gesehen und somit genügend Lebensweisheiten von Samantha Jones gelernt. Ich wusste: Eine Frau musste Schwänze lutschen können. Und zwar nicht nur gut, sondern so, dass die Typen noch ihrem Altenpfleger davon erzählen würden.

Also fing ich an zu üben. An allem, was auch nur irgendwie phallusartig wirkte. Gurken, Bananen, Wiener Würstchen. Ich schob mir so viele Lebensmittel so tief in den Rachen, dass ich diverse Schwertschlucker- und Landwirtschaftspreise hätte gewinnen sollen. Ich bin nämlich die wahre Gurkenkönigin.

Meine Eltern dachten sicherlich, ich litt an Bulimie, so oft, wie ich aufs Klo rannte und es vollkotzte. Aber mein fetter Arsch bewies das Gegenteil. Meistens aß ich die Wiener Würstchen nämlich brav auf, nachdem ich sie mir oral eingeführt hatte. Oder legte sie zumindest ordentlich zurück in den Kühlschrank. Lebensmittelverschwendung konnte man mir jedenfalls nicht vorwerfen.

Natürlich lutschte ich ab und zu auch mal an Klassenkameraden, Kommilitonen und dem ein oder anderen Rettungsschwimmer im Urlaub herum. Aber ich hatte nie das Gefühl, dass ich wirklich epische Blowjobs geben würde. Sie kamen in meinen Mund. Ich schluckte fleißig runter. Sie lachten die notgeile Atmosphäre mehr oder weniger charmant hinfort. Das war’s. Einer bedankte sich höchstens mal.

Aber dass ich in ihren Augen eine Mischung aus Weihnachten, Geburtstag und dem Genuss des ersten Biers erblickte, ein Feuerwerk der Emotionen, das meine orale Darbietung mit Friedrich Schiller, Pablo Picasso und Wolfgang Amadeus Mozart gleichsetzen würde, das blieb mir lange verwehrt. Meine Blowjobs sollten ihnen gefälligst die Tore zum Paradies öffnen und keine schnell dahin erzählte Geschichte beim Fußballtraining werden. „Hat Daniela dir auch einen geblasen?“ „Ja. Ging so, oder?“ „Schon.“

Ich wollte eine Blowjobmeisterin werden, die Königin der Deepthroats, wie sie Welt noch nicht gesehen hatte. Also schaute ich mir YouTubeVideos zum Thema an, las Bücher, übte an freiwilligen besten Freunden herum, die mir vorher hoch und heilig schworen, dass sie sich ja nicht in mich verliebten, nur weil ich ihnen den Schwengel mit meiner Zunge massierte. Obst, Gemüse und zu Wurst verarbeitete Fleischprodukte reichten mir nicht mehr. Ich musste wissen, wie die Gegenseite agierte. Wie sie sich bewegte. Wann sie versuchte, mir das Teil bis zum Anschlag reinzudrücken.

Und es funktionierte. Ich wurde immer besser, avancierte mit jedem neuen Kniefall zum absoluten Blasebalg. Nach einigen Jahren hatte ich eine so ausgefeilte Atemtechnik entwickelt, dass ich selbst die dicksten, längsten und wuchtigsten Stämme in meinem Rachen aufnehmen konnte, ohne zu ersticken. Auch wenn die Männer es manchmal geradezu darauf anzulegen schienen. So schnell, ruckartig und hart, wie manche sie in meinen Kopf hinein prügelten. Inklusive Drehbewegungen. Was stimmt nicht mit euch?

Ich hatte mir meinen Würgreflex komplett abtrainiert. Hielt meinen Oberkörper gerade, damit die Penisse vollständig in mich hinein gleiten konnten. Und brauchte anschließend auch keine Hände mehr, um die in Windeseile zum Raubtier mutierten Kavaliere zu stimulieren. Zumindest nicht mehr vorne.

Da ich nun alle Finger frei hatte, konnte ich ihnen einen oder zwei davon in den Po schieben, während ich mit den anderen kontinuierlich am Gehänge herum fummelte. Ich wurde zur perfekt geölten Melkmaschine, die nur ein Ziel hatte: Gut in dem zu sein, was sie sich vorgenommen hatte.

Wenn die Typen heute tief in meinen Rachen spritzen, während sie die Augen vor Ekstase geschlossen halten, wild an meinen Brüsten herum drücken und ihren rasierten Schritt ganz fest gegen meine Nase pressen, fühle ich mich toll. Nicht unterdrückt, nicht billig und schon gar nicht schmutzig.

Sex ist ein Geben und Nehmen. Ich gebe gut. Also fordere ich, dass man mir auch gut gibt. So einfach ist das. Ich habe hart, haha, daran gearbeitet, dass ich gut Schwänze lutschen kann. Ohne Husten. Ohne Ausspucken. Und auch ohne Hände.

Hatte ich bei Steffens spontanem Spermaausbruch noch Sterne gesehen, weil ich vor lauter Keuchen, Verschlucken und der darauf auch noch folgenden Ohrfeige beinahe ohnmächtig geworden wäre, würde ich seinen Kinderpimmel heute zum Frühstück essen. Wenn es legal wäre. Aber der ist ja jetzt auch schon über 30. Von daher dürfte ich das.

Worauf ich eigentlich hinaus möchte: Blowjobs kann man lernen. Deepthroats kann man lernen. Sexuelle Befriedigung bei sich selbst und bei allen anderen kann man lernen. Und man ist auch keine Schlampe, nur weil man etwas gut kann. Und wenn man eine ist, dann sollte man gefälligst stolz darauf sein. Sucht euch aus, was ihr seid. Ist doch egal. Hauptsache ihr habt Spaß daran.

Wenn euer Macker das nächste Mal wieder diesen widerlichen Schlafzimmerblick aufsetzt und in Richtung müffelndem Hosenstall zeigt, dann könnt ihr entweder seufzen und die nächste viertel Stunde an was Schönes denken oder ihr zerstört den Mistkerl mit dem besten Oralverkehr, den der Loser jemals bekommen hat – und auch bekommen wird.

Denn wenn ihr keinen Bock auf den krummen, krüppeligen Schwanz von eurem Alten habt, dann ist er wahrscheinlich auch nicht der Richtige für euch. Und, Steffen, falls du das hier liest: Das nächste Mal hau ich zurück! Oder spuck‘ dir deine beige Bumsbrühe direkt ins Gesicht…

Die Fotografie stammt von Dainis Graveris
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Mädchenclique: Freundinnen fürs Leben

Ich bin unter Jungs aufgewachsen. Mir wird oft gesagt, dass man das merkt. Wieso, das weiß ich selbst nicht so genau. Ich vermute mal, dass es daran liegt, dass mir einige Attribute, die man für typisch weiblich hält, einfach fehlen. Oder aber daran, dass ich gewisse Eigenschaften mitbringe, die a...
Mädchenclique: Freundinnen fürs Leben

Mädchenclique

Freundinnen
fürs Leben

Nadine Kroll

Ich bin unter Jungs aufgewachsen. Mir wird oft gesagt, dass man das merkt. Wieso, das weiß ich selbst nicht so genau. Ich vermute mal, dass es daran liegt, dass mir einige Attribute, die man für „typisch weiblich“ hält, einfach fehlen. Oder aber daran, dass ich gewisse Eigenschaften mitbringe, die als „nicht sonderlich mädchenhaft“ angesehen werden. Ich kann zum Beispiel lauter rülpsen als jeder Typ, dem ich bisher begegnet bin, massenhaft Bier trinken, ohne umzufallen sowie laut und rüpelhaft sexistische Witze erzählen und Prügeleien mit den Männern anfangen, die darüber lachen. 

Als ich jünger war, war ich verdammt stolz darauf, sagen zu können, dass ich mich mit Mädchen nicht verstehe und lieber mit Jungs abhänge. In meinen Augen machte mich das ziemlich einzigartig und die Jungs, mit denen ich mich umgab, waren begeistert, dass ich kein „typisches Mädchen“ war, das sich gerne die Nägel lackierte, shoppen ging und mit ihren Freundinnen über Jungs sprach.

Ich verbrachte meine ganze Jugend fast ausschließlich mit Jungs, hing mit ihnen nachmittags im Skatepark meiner kleinen Heimatstadt rum, stand am Wochenende total besoffen und grölend mit ihnen im Fußballstadion, lernte, wie man Joints baut, schaute meinen ersten richtigen Porno mit ihnen und war Schiedsrichterin beim obligatorischen Kekswichsen, weil ich damals noch nicht wusste, wie man als Frau abspritzt. Ich konnte mir absolut nicht vorstellen, „eine von denen“ zu sein, also hielt ich mich an meiner Jungsclique fest – bis ich Sophia traf.

Mit Sophia änderte sich schlagartig alles. Ich lernte sie im Physikunterricht kennen. Wir schrieben uns zuerst Nachrichten auf den Tischen. Nachdem eine fleißige Putzkolonne unsere Gespräche mit viel Scheuermittel von den alten Holzbänken entfernt hatte, wichen wir später auf immer größer und länger werdende Zettel um, die wir für die jeweils andere an einer geheimen Stelle im Physiksaal versteckten.

Ich hatte absolut keine Ahnung, dass es auch Mädchen wie sie gibt. Auch für sie war es ein Schock, dass ich keinen Penis, dafür aber zwei recht ausgeprägte Brüste hatte, als wir uns nach wochenlangem schriftlichem Austausche zum ersten Mal an der Tischtennisplatte auf dem Schulhof trafen, um mal richtig miteinander zu reden.

Sophia war genau wie ich. Eher burschikos, doch sich ihrer Wirkung als Frau bewusst. Nachdem wir den ersten Schockmoment überwunden hatten, war klar, dass wir Freundinnen sein würden. Von dem Tag an der Tischtennisplatte auf dem Schulhof an waren wir unzertrennlich.

Wir gingen gemeinsam mit den Jungs zum Skatepark, zündeten uns gegenseitig die Joints an und rissen einen sexistischen Witz nach dem anderen. Wenn einer der Jungs darüber lachte, drohten wir ihm Prügel an. Am Wochenende gingen wir gemeinsam in der schäbigen Dorfdisko auf Männerjagd und wenn die eine ein gutes Ziel erblickt hatte, ließ sie die andere an den Freigetränken, die das mit sich brachte, teilhaben. Ich hatte eine Verbündete gefunden, ohne nach ihr gesucht zu haben.

Durch Sophia eröffnete sich mir allerdings zusätzlich eine ganz andere Welt, nämlich eine, in der Frauen voll okay waren und in der es normal war, auch „weibliche Themen“ zu behandeln. Bis sie in mein Leben kam, war mir überhaupt nicht klar gewesen, dass mir bisher eine Frau gefehlt hatte. Eine Frau, mit der ich übers Menstruieren sprechen konnte, über Intimrasur und über BHs – Dinge eben, von denen Jungs im pubertierenden Alter nichts wissen wollen.

Nach und nach stießen immer weitere Mädchen zu unserer Clique. Sie waren alle etwas anders, eben einfach mehr so wie wir, und wir alle hatten gemeinsam, dass wir nicht gut mit anderen Mädchen konnten. Aber zusammen entwickelten wir uns zu einem unschlagbaren Team, das auf dem Schulhof gleichermaßen geehrt und gefürchtet und von Jungs allen Alters begehrt wurde.

Nur, dass Jungs uns plötzlich gar nicht mehr so interessierten wie zuvor, denn wir hatten ja uns. Und wir haben endlich erkannt, dass nicht alle Mädchen gleich doof sind, sondern richtig cool sein können, wenn man sich nur von den eigenen Vorurteilen freimacht und sich auf sie einlässt. Wir waren eine Girlgang, wie sie im Buche steht.

Unsere Mädchenclique von damals trifft sich immer noch alle zwei Jahre, um an die gute alte Zeit zu denken und die neusten persönlichen Geschichten auszutauschen. Obwohl wir uns alle in sehr unterschiedliche Richtungen entwickelt haben, sind wir einander immer noch wichtig. Jede von uns hat mittlerweile eine neue Girlgang gefunden, mit der sie ihre Freizeit verbringt und wir sind uns mittlerweile alle darin einig, dass Freundinnen wichtiger sind, als jeder Schwanz auf dieser Welt.

Uns wurde klar, dass unsere Antihaltung gegenüber anderen Frauen nicht cool, sondern lediglich sexistischer Quatsch war, der dem Frauenbild, wie es uns vermittelt wurde entsprach – und eben nicht dem, wie es wirklich ist. über die Jahre habe ich begriffen, dass meine frühere Verachtung für andere Frauen etwas war, das nicht aus mir selbst kam, sondern etwas, das aus der Gesellschaft auf mich einwirkte.

Die Rollen für Mann und Frau waren genauestens vorgegeben, und die Frau kam dabei immer schlechter weg. Ich wollte allerdings nicht schlecht sein und hab mich deswegen an die Jungs gehalten, weil ich in ihnen Vorbilder sah. Sie waren eben auch diejenigen, die von Lehrern, Eltern oder auch Wildfremden mehr Anerkennung bekamen als wir Mädchen – ohne was dafür zu tun. Und so hab ich mich, ohne es zu wissen schon ganz früh gegen mein eigenes Geschlecht gestellt, weil ich cool sein wollte.

Heute weiß ich, dass meine „Ich bin anders als die anderen Frauen!“-Attitüde völlig uncool war. Der anerzogene Hass von Frauen auf Frauen ist wohl eine der schlimmsten Sachen, die dem weiblichen Geschlecht, das sich sowieso schon immer gegen Männer behaupten muss, passieren kann. Und spätestens seit Beyoncé in die Welt gebrüllt hat, dass Mädchen die Welt regieren, sollte allen klar sein, dass echte Girlgangs wirklich rocken.

Die Fotografie stammt von Priscilla Du Preez
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Nostalgie in Tokio: Kunterbuntes Odaiba

Natürlich ist Tokio noch viel mehr als nur Shibuya, Akihabara und Harajuku. Wer mehr erleben möchte, als die normalen Touristen, der muss an Orte, die weniger bekannt, aber dennoch nicht weniger aufregend sind. Wie zum Beispiel Odaiba, die künstliche Insel in der Bucht von Tokio, die von den Einwohn...
Nostalgie in Tokio: Kunterbuntes Odaiba

Nostalgie in Tokio

Kunterbuntes
Odaiba

Daniela Dietz

Natürlich ist Tokio noch viel mehr als nur Shibuya, Akihabara und Harajuku. Wer mehr erleben möchte, als die normalen Touristen, der muss an Orte, die weniger bekannt, aber dennoch nicht weniger aufregend sind. Wie zum Beispiel Odaiba, die künstliche Insel in der Bucht von Tokio, die von den Einwohnern als beliebtes Unterhaltungs- und Einkaufsgebiet geschätzt wird.

Vor 1996 war Odaiba ein reines Businessviertel. Die japanische Wirtschaft war auf einem ihrer Höhepunkte und die Insel sollte das Modell des futuristischen Lebens werden. Insgesamt kostete der Bau der Insel über 10 Milliarden US-Dollar. Doch die Blase platzte im Jahr 1991. Dieses Ereignis nannten die Japaner „Kakaku Hakai.“ Bis 1995 war die Insel größtenteils verlassen.

Nach dem Umbau wurde aus Odaiba ein florierendes Unterhaltungs- und Einkaufszentrum mit allerlei Restaurants, Läden und Spielhallen. Eine riesige Gundam-Statue prangt dort über die Besucher, die meistens abends eintreffen, es gibt Manga und Sammelfiguren und Krimskrams ohne Ende. Odaiba ist ein buntes Spaßparadies, das Tokio-Besucher nicht versäumen sollten.

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Die Fotografie stammt von Marlen Stahlhuth
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Igittigitt auf Instagram: Hört auf, eure Füße zu fotografieren!

Wenn eine Sache nicht gerade zu den Stärken dieser Generation zählt, dann ist es Individualität. Ihr rennt in Massen zu Starbucks, ihr postet in Scharen auf Facebook, ihr hört geschlossen dieselben 08/15-Indie-Bands wie jeder andere auch. Und mit eurem in Tonnen gekauften iPhones macht ihr Fotos von...
Igittigitt auf Instagram: Hört auf, eure Füße zu fotografieren!

Igittigitt auf Instagram

Hört auf, eure Füße
zu fotografieren!

Marcel Winatschek

Wenn eine Sache nicht gerade zu den Stärken dieser Generation zählt, dann ist es Individualität. Ihr rennt in Massen zu Starbucks, ihr postet in Scharen auf Facebook, ihr hört geschlossen dieselben 08/15-Indie-Bands wie jeder andere auch. Und mit eurem in Tonnen gekauften iPhones macht ihr Fotos von den immer selben, langweiligen Sachen.

Erst dachtet ihr, dass jeder unbedingt eure zusammen gepressten Lippen als Profilfoto sehen will. Weil ihr das von irgendwem kopiert habt. Dann seid ihr darauf gekommen, jeden Morgen euer Früchtemüsli abzulichten. Weil ihr das von irgendwem kopiert habt. Und jetzt wird man von nackten Füßen mit Filtern geradezu überschwemmt. Weil… genau.

Da scheint gerade einmal seit wenigen Tagen die Sonne und es wird ein paar Grad wärmer schon haut es bei euch die Persönlichkeitssicherung raus und in euch flimmert nur noch ein Gedanke: Dass ihr unbedingt eure sonst in Nike Air Max gepressten Quadratlatschen auf der Wiese, auf der Bierbank, im See um die Ecke verewigen müsst.

Dabei weiß sogar die amerikanische News-, Meme– und Reddit-Copycat-Seite BuzzFeed, dass Füße fotografieren zu den nervigsten Klischees auf Instagram, Twitter und Facebook überhaupt zählt und es wirklich jedem zum Hals heraushängt, sich durch ein Meer aus bunt lackierten Zehen zu tippen.

Am schlimmsten sind diejenigen von euch, die sich erst stundenlang rasieren und die Nägel lackieren, sich anschließend in ein idyllisches Postkartenmotiv legen und unter dem mit VSCO verhunzten Foto schreiben, wie hässlich sie doch eigentlich ihre Füße finden. Aber dann denken, dass ihre 52 Follower das doch unbedingt sehen wollen.

Die Wahrheit ist: Nein! Niemand will eure Latschen sehen, besonders nicht mehrere Dutzend verschiedene pro Minute, wenn man sich einmal dazu herablässt und gelangweilt durch den Instagram-Feed scrollt. Außer ein paar sehr seltsame Typen – aber die können sich auch auf gewissen billigen Fetischseiten aufgeilen.

Hier ist die Faustregel für jeden von euch, der gerade im Begriff ist, seine nackten Unterteile zu fotografieren: Bist du Selena Gomez? Nein? Bist du Scarlett Johansson? Nein? Bist du Karlie Kloss? Nein? Gut, dann lass‘ es sein! Zurück mit dir an das Frühstücksmüsli, die Sonnenuntergänge und, wenn es denn unbedingt sein muss, dein Gesicht. Oder noch besser: Lass‘ dir mal was Neues einfallen!

Die Fotografie stammt von Heather Morse
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Hauptstadt der Exzesse: Berlin ist zum Ficken, Fummeln und Feiern da

Es ist einer dieser typischen Freitagabende in Berlin. Also einer von denen, an denen du zu Hause herum hängst und auf die Anrufe von Leuten wartest, die sich nur zum Feiern bei dir melden. Weil du nun mal die Person bist, die alle Türsteher und Dealer dieser Stadt beim Namen kennt und bei manchen s...
Hauptstadt der Exzesse: Berlin ist zum Ficken, Fummeln und Feiern da

Hauptstadt der Exzesse

Berlin ist zum Ficken,
Fummeln und Feiern da

Nadine Kroll

Es ist einer dieser typischen Freitagabende in Berlin. Also einer von denen, an denen du zu Hause herum hängst und auf die Anrufe von Leuten wartest, die sich nur zum Feiern bei dir melden. Weil du nun mal die Person bist, die alle Türsteher und Dealer dieser Stadt beim Namen kennt und bei manchen sogar weißt, wie ihre Kinder heißen und wo sie an ihren freien Tagen frühstücken gehen.

Du hast den Plan, wo heute die beste Party steigt und wo’s das beste Koks zu kaufen gibt. Weil du die Woche damit verbracht hast, nach all diesen Dingen zu suchen, während deine sogenannten Freunde ihren sogenannten Jobs nachgingen. Und deshalb bist du wichtig. Du hängst also zu Hause herum, wartest auf die Anrufe von Leuten, die sich nur zum Feiern bei dir melden und legst dir im Kopf drei Outfits zurecht.

Ein Outfit für’s Prince Charles, eines für den Fall, dass du drei Tage nicht nach Hause kommst, und eines, das gerade so okay ist, um noch schnell nebenan Gras zu kaufen. Im Prinzip sehen sie alle gleich aus. Dein Lieblingsshirt ist dreckig, natürlich, weil du von Montag bis Freitag schon so mit dem Wochenende beschäftigt warst, dass deine Wäsche, dein Geschirr und mit der Zeit auch deine Würde einfach liegen geblieben sind. So geht das, seit du in Berlin wohnst, und manchmal fragst du dich, ob das schon alles war, ob das jetzt echt dein Leben ist oder ob du nur die Fantasie lebst, du weißt schon, ob du nun eine von denen bist, vor der man dich als Kind immer gewarnt hat.

Ich spiele das Spiel jetzt seit fünf Jahren. Fünf Jahre Berlin, fünf Jahre die immer gleichen Wochenenden, nur dass der Freundeskreis ständig wechselt und hier ein Club schließt und dort wieder neu auf macht. Ich bin eines von den coolen Kids, glaube ich, eine von denen, die man um ihren Stammplatz auf der Gästeliste beneidet und darum, dass sie einen Fick drauf gibt, wie sie nach dem Feiern aussieht, und der auch egal ist, dass in ihrem Bett mittlerweile mehr Kerben sind als es Holz gibt.

Ich bin eines von den coolen Kids und damit auch wie jeder, der in Berlin etwas von sich hält. Ich mag das, Individualismus ist eh tot, nur manchmal habe ich halt keinen Bock drauf, und dann ziehe ich alleine los, es lebe der Individualismus. Ich will raus aus dem Klischee, hinein in das nächste.

Mit dem neuen Track von Alle Farben auf den Ohren und zwei Flaschen Bier im Beutel ziehe ich los, Partytram M10, nächster Halt: Warschauer Straße. Bei den Dealern auf dem Technostrich kaufe ich Gras für ’nen Zehner, lasse mich ein bisschen antatschen, das ist da irgendwie so üblich, die Medien berichteten. Keine zwei Meter kann man gehen, ohne mit „Mäuschen“ oder „Baby“ angequatscht zu werden, und ich frage mich, ob die Dealer so überhaupt etwas los werden, ich meine, bei Leuten, die noch nie etwas gekauft haben.

Mein Weg führt mich auf die Modersohnbrücke, die natürlich voller Leute ist, aber irgendwie kann man hier gut zusammen allein sein. Ich drehe mir einen Joint, und während ich ihn rauche, schaue ich auf die Bahngleise hinunter. Die Brücke schwingt bei jedem Auto, das darüber fährt, und es fühlt sich ein bisschen an wie betrunken sein.

Den Sonnenuntergang, wegen dem alle gekommen sind, nehme ich gar nicht richtig wahr. Irgendwann setzt der Fressflash ein, ihr kennt das ja, ich brauche jetzt dringend Schokolade und ‘nen Döner, mir eigentlich egal, Hauptsache Essen, und so lande ich in der Simon-Dach-Straße und stopfe mir Pizza für 2,50 Euro in den Rachen, von irgendwo her hört man Marteria singen oder Casper oder irgendeinen anderen dieser total überbewerteten Rapper, die hier wahrscheinlich auch immer ihre Pizza kaufen, immer dann, wenn keiner guckt.

Die Luft riecht nach Wasserpfeife, das ist hier so, erst wenn man wieder weiter nach unten kommt, mehr auf den Technostrich, wird der Geruch zu Gras. Und später in der Nacht kommt dann die Kotze dazu, die Kotze der Touristen, die zum ersten Mal Mexikaner trinken und sich MDMA einwerfen, weil man’s halt so macht, und dann erzählen sie jedem, wie geil Berlin doch ist und dass sie unbedingt ins Berghain wollen, während sie letzten Endes dann doch nur im Matrix landen.

Das Matrix, das ist ein mindestens genauso sagenumworbener Ort wie das Berghain. Jeder weiß wie es dort ist, obwohl er noch nie drin war, aber die Partys, die sind immer scheiße, genau wie die im Berghain immer geil sind und sowieso, in Clubs, in die echt jeder kann, da geht man sowieso nicht rein, wenn man Berliner ist und zu den coolen Kids gehört, und irgendwie reizt mich das gerade, also schnell noch ’nen Wodka gekauft und ein Gramm Speed gezogen, was echt kacke ist, ehrlich Leute, kauft nicht auf dem Technostrich, die zocken euch nur ab da. Über die Warschauer Brücke zu gehen, ist jetzt fast unmöglich, überall sind Menschen, viel zu viele Menschen.

Jemand sagt „Das ist Berlin!“ und mir kommt ein bisschen Kotze hoch, das ist vielleicht dein Berlin, aber nicht meins, echt nicht, oder vielleicht doch? Ich drängle mich vorbei, einmal links, Treppe runter, noch mal rechts. Hier ist es also, dieses Matrix.

Die Schlange vor dem Club ist lang, das Publikum eine Mischung aus überstylten Mädchen in High Heels und Jungs, die das erstbeste T-Shirt aus dem Schrank gezogen und noch keinen Bartwuchs haben. Durch die offenen Türen dringen dumpf die Beats, ich stehe trotz Schlange keine zehn Minuten an, das ist neu. Die Türsteher hier kenne ich nicht, Taschenkontrolle, Ausweis zeigen, kritischer Blick, „Du darfst rein!“, als sei das hier etwas Besonderes.

Drinnen stehen halbnackte Mädchen in einem Käfig und fassen sich gegenseitig an. Vor ihnen eine Gruppe Jungs, die den Mädchen laut grölend schmutzige Dinge zurufen. Also, ich glaube, dass es schmutzige Dinge sind, denn sie sprechen eine Sprache, die ich nicht verstehe, doch schön klingt sie nicht.

Ich gehe zur Bar und bestelle mir zwei Drinks, bezahle aber nur einen, das ist hier so „bei den Ladys“, sagt man mir. Bevor ich den ersten hinunter stürzen kann, werden sechs verschiedene Songs angespielt, immer einmal bis zum ersten Refrain, doch nie länger als ’ne Minute. Sind wohl die Charts, denn jeder außer mir kann sie mitsingen, und tanzen, verdammt, tanzen können die hier auch, nur hat es was von einem Softerotikfilm.

Ich bin gerade beim zweiten Drink, als mich ein Typ anspricht, deutlich jünger als ich, und ich habe keine Ahnung, was er sagt, aber mir ist langweilig, also schiebe ich ihm die Zunge in den Hals und er findet das voll okay. Wir knutschen noch so fünf, sechs Minuten weiter, dann nehme ich ihn an der Hand und ziehe ihn aus dem Club. Sein Englisch ist so mittel, zumindest hab ich verstanden, dass er in einer dieser schäbigen Jugendherbergen in der Warschauer Straße wohnt.

Also gehen wir zu ihm und ficken, und der Sex ist auch so mittel und irgendwann morgens stehe ich auf und ziehe mich an, verschwinde ohne „Tschüß“ zu sagen, laufe über die völlig leere Brücke, kaufe in der S-Bahn-Station noch ein trockenes Croissant und Kaffee, während im Radio leise Schwarz zu Blau spielt und fahre zurück in meinen Kiez. Vielleicht sind meine Freitagabende typisch und auch trostlos, aber hey, ich habe mein Berlin echt lieber als eures.

Die Fotografie stammt von Roman Khripkov
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Freier Sex für freie Drinks: Verkaufe ich mich unter Wert?

Ich halte es kaum aus, wache immer zu früh auf. Jedenfalls früh genug, um meinen Bettgenossen beim Schlafen zu beobachten. Aber da das Leben keine Matratzenwerbung ist, kann es schon mal passieren, dass der Mann zu meiner Rechten nicht liebevoll lächelnd und retouchiert neben mir schlummert, sondern...
Freier Sex für freie Drinks: Verkaufe ich mich unter Wert?

Freier Sex für freie Drinks

Verkaufe ich mich
unter Wert?

Diana Kozacek

Ich halte es kaum aus, wache immer zu früh auf. Jedenfalls früh genug, um meinen Bettgenossen beim Schlafen zu beobachten. Aber da das Leben keine Matratzenwerbung ist, kann es schon mal passieren, dass der Mann zu meiner Rechten nicht liebevoll lächelnd und retouchiert neben mir schlummert, sondern eher mit offenem Mund, sabbernd und schnarchend mein Kopfkissen durchweicht.

Manchmal sehe ich ihnen dabei zu, bin ganz erstaunt, wie komisch ihre Füße zucken und wie eklig sie riechen. Aber schließlich ich bin auch nicht porenlos, sondern nur hier, weil ein Long Island Iced Tea im Cookies 12 Euro kostet. Ich bin wegen der zu hohen Alkoholsteuern hier. Ich bin wegen der Innenpolitik hier.

Es war Mittwoch, nichts kam im Fernsehen und meine Einzelhandelsfreunde hatten am Donnerstag frei – so weit, so gut. Man geht nicht mit vielen Erwartungen in einen hippen Berlin-Mitte-Club, aber mit mindestens 50 Euro, von denen 75 Prozent für den Eintritt und weitere 20 Prozent für ‘nen Schnaps ausgegeben werden.

Pflichtbewusst tanzt man sich schwitzig und trinkt über kurz oder lang einen Kurzen oder einen Long Island Iced Tea, bis man sich setzt, am besten an die hippe Bar. Und da war er plötzlich. Ein Mann, ein Blick. Ich hab schon mal in der Brigitte davon gelesen: Die gesenkte Augenbraue, das verschmizte Lächeln von dem sich ein Primat auf Partnersuche eine Scheibe abschneiden könnte und ein zustimmendes Nicken.

Es war offensichtlich: Ich hatte etwas unglaublich Widerliches im Gesicht, also rannte ich auf die Damentoilette, wo sich meine Kollegin von ihrem iPhone eine Line Speed zog. Sie stellte eine Stoppuhr, ich stellte mich vor den Spiegel, aber alles war gut. Zurück an der Bar bekam ich einen Long Island Iced Tea für lau und ein weiteres Lächeln, das ich eigentlich gar nicht wollte.

Was folgte, waren drei weitere Gläser, noch zwei Kurze zum Mitnehmen und eine Taxifahrt. Ich hatte in der Brigitte davon gelesen. Diese einmalige Sache nennt man One Night Stand, sollte man die Person kennen und dessen Würde schätzen, ist es ein Fuck-Buddy, trifft beides nicht zu, befindet man sich in einer von RTL arrangierten Ehe.

Erster Fall tritt ein, wenn: Man erstens betrunken ist. Check. Man die Person zweitens im Rausch der Sinne recht anziehend findet. Check. Es drittens einige Stunden später nicht mehr der Fall ist. Check, check. Und da wären wir wieder: Der Sabber läuft aus seinem Mundwinkel, auf mein schönes Ikea-Kopfkissen. Und stinken tut er auch.

Ich habe nur noch zwei Fragen an mich und die erste wäre: Habe ich mich nun unter Wert verkauft oder beheben die hohen Cocktailpreise in Mitte diese Rechnung? Und die Zweite: Wie macht man das weg? Er ist schwer. Und in meiner Wohnung. Die Schnarchgeräusche werden leiser. Vielleicht habe ich ihn mit der Kraft meiner Gedanken getötet. Oder schlimmer: Er wacht auf.

Ich drehe mich zur Seite, stelle mich tot und hoffe, dass er von alleine geht, aber spüre stattdessen eine gut gemeinte, aber schlecht umgesetzte Berührung in meinem Nacken. „Guten Morgen, Mäuschen!” Verdammt, wir sind schon so weit, dass er mich nach Schädlingen benennt. „Guten Morgen, Stinkebär!“ Hört er die Ironie? Mir wird jedenfalls schlecht, ich stolpere raus und renne nackt, beuge mich, gehe auf meine Knie und spüle den Long Island Iced Tea runter, damit habe ich meine Bezahlung in die Kanalisation katapultiert. Jawohl, ich habe mich unter Wert verkauft.

Die Fotografie stammt von Taras Abbat
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Ich bin HIV-positiv: Die Kraft, es zu sagen

Es gibt Geschichten im Leben, die hört man und kann sie nicht glauben. Oder will es lieber auch gar nicht. Wie die Story von der importierten Vogelspinne im Schlafzimmerbambus. Und die Schreckenssagen der Organmafia in Polen, die kommt um dir deine Nieren heraus herauszuschneiden. Oder eben die Gesc...
Ich bin HIV-positiv: Die Kraft, es zu sagen

Ich bin HIV-positiv

Die Kraft,
es zu sagen

Marcel Winatschek

Es gibt Geschichten im Leben, die hört man und kann sie nicht glauben. Oder will es lieber auch gar nicht. Wie die Story von der importierten Vogelspinne im Schlafzimmerbambus. Und die Schreckenssagen der Organmafia in Polen, die kommt um dir deine Nieren heraus herauszuschneiden. Oder eben die Geschichte meines Bekannten Johnny, dessen Leben in nur einer Nacht zerstört wurde.

Cooler Typ, Mitte Zwanzig, Barkeeper in einem angesagten Club in Berlin. Einfach jemand, mit dem man sich gerne trifft, um ‘ne gute Zeit zu haben. Immer Feiern und Spaß, doch seine letzte Party wird er nie wieder vergessen. Ihm wurden Drogen ins Glas geschmissen. Dann wurde er verschleppt, vergewaltigt, zurück gelassen. Als er am nächsten Morgen in einem Waldstück zu sich kam, war er blutverschmiert.

Als wäre das nicht schlimm genug gewesen, wurde er nach dieser Nacht positiv auf HIV getestet. Verdammte Scheiße. Da werdet ihr ohnmächtig an den Arsch der Welt gezogen, vergewaltigt und danach habt ihr auch noch verficktes HIV! Johnny war am Boden zerstört, war kraftlos, am Ende. Doch er hatte den Mut aus seiner neuen Krankheit keinen Hehl zu machen, erzählte jedem seine Geschichte, um andere davor zu warnen. Vor solchen Menschen, vor solchen Drogen, vor solchen Arschlöchern.

Als Dank für seine Offenheit wird er jetzt im Job und im Leben gemobbt. Gästen wird geraten, ihm nicht zu Nahe zu kommen. Erst recht keine Küsse, keine Berührungen. Er hat HIV, das ist schließlich ansteckend. Über die Luft, könnte man meinen, wenn man einigen Panikmachern dann so zuhört. Nur wenige setzen sich für ihn ein, viele schauen weg. Oder hauen gleich noch mit drauf, mit dem kann man’s ja schließlich machen.

Dass man heutzutage als HIV-infizierter Menschen, mit den richtigen Medikamenten, ein langes und erfülltes Leben führen kann, das ist den meisten egal. Sie sehen nur den Makel und eine größtenteils vollkommen irrelevante Gefahr für sich selbst, wenn sie denn nicht gerade ungeschützten Geschlechtsverkehr haben oder Spritzen austauschen. Und das alles passiert jetzt, in diesem Augenblick. In meiner Stadt.

Johnnys Geschichte geht mir seitdem nicht mehr aus dem Kopf. Nicht nur, weil ich nicht verstehe, wie Scheißhaufen von Menschen ihm nur so etwas Grausames antun konnten, sondern besonders, wie ich als Opfer in dieser Situation reagieren würde. Der Arzt sagt mir: „Sie sind HIV positiv!“ So. Und jetzt? Würde ich es offen in die weite Welt hinaus schreien und damit riskieren, ab jetzt gesellschaftlich gemieden zu werden? Leben zerstört, Karriere zerstört, Sex zerstört?

Oder würde ich es so gut es geht verheimlichen, nicht wahrhaben wollen, auf Teufel komm raus so weiter machen wie bisher, es nur niemandem erzählen? Inklusive schlechtem Gewissen, der potentiellen Ansteckung meiner weiteren Liebschaften und immer mit der Angst im Hinterkopf, dass es doch irgendwie rauskommt? Ehrlich gesagt: Ich weiß es nicht. Hättet ihr denn den Mut dazu?

Die Fotografie stammt von Nik Shuliahin
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Scene Unseen: Tanzen in Tokio

Wenn ihr einmal durch die engen, überfüllten Straßen von Tokio wandelt, dann merkt ihr schnell, dass Japan ein Land ist, das andere kulturelle Schwingungen neugierig aufsaugt und diese ganz individuell an seine Bewohner weitergibt. Besonders junge Menschen sind mehr als heiß darauf, sich einem alter...
Scene Unseen: Tanzen in Tokio

Scene Unseen

Tanzen in
Tokio

Marcel Winatschek

Wenn ihr einmal durch die engen, überfüllten Straßen von Tokio wandelt, dann merkt ihr schnell, dass Japan ein Land ist, das andere kulturelle Schwingungen neugierig aufsaugt und diese ganz individuell an seine Bewohner weitergibt. Besonders junge Menschen sind mehr als heiß darauf, sich einem alternativen Lebensstil zu verschreiben. Hobbys werden zu Leidenschaften.

Seit den frühen Neunzigern feiert die Dancehall-Szene im Land der aufgehenden Sonne einen immer weiter wachsenden Siegeszug, mehr und mehr Jungs und Mädchen feiern den fröhlichen Mix aus Reggae und Hip-Hop, gepaart mit lauten Beats und schneller Musik. Stars wie Batty Bombom und Mighty Crown bringen eine ganze Generation zum Schwitzen.

In der Serie “Scene Unseen” und mit dem Hashtag #ListenForYourself bestückt, haben die Kreativköpfe Edward Lovelace und James Hall von D.A.R.Y.L. die pulsierende Dancehall-Szene in Tokio und drumherum für Bose besucht und geben Einblicke in spezielle Musikszenen, an Orten, an denen man diese Formen, Farben und Freuden womöglich gar nicht erwartet hätte.

Scene Unseen: Tanzen in Tokio
Mit freundlicher Unterstützung von Bose
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Sports Team: Der Indie-Rock ist zurück

In den frühen 2010ern war Indie-Rock das Musikgenre, das man hören musste, um auch nur irgendwie zur intellektuellen Oberschicht der jungen Erwachsenen zu zählen. Arctic Monkeys, Arcade Fire, Franz Ferdinand, Death Cab for Cutie, The Killers, Bloc Party, Kaiser Chiefs, Vampire Weekend. Sie alle l...
Sports Team: Der Indie-Rock ist zurück

Sports Team

Der Indie-Rock
ist zurück

Marcel Winatschek

In den frühen 2010ern war Indie-Rock das Musikgenre, das man hören musste, um auch nur irgendwie zur intellektuellen Oberschicht der jungen Erwachsenen zu zählen. Arctic Monkeys, Arcade Fire, Franz Ferdinand, Death Cab for Cutie, The Killers, Bloc Party, Kaiser Chiefs, Vampire Weekend.

Sie alle liefen mit ihren Hits und Geheimtipps auf unseren iPods rauf und runter – und als dann ein SoundCloud-Rapper nach dem anderen das Steuer der internationalen Musikszene übernahm, verstanden wir die Welt nicht mehr. Was zum Teufel ist ein Boogie Wit Da Hoodie?

Die Band Sports Team aus Cambridge macht Musik wie aus der guten, alten Zeit. Wenn die gute, alte Zeit irgendwo zwischen 2005 und 2015 war. Die sechsköpfige Gruppe rund um Songwriter Rob Knaggs wird in den britischen Medien schon in den allerhöchsten Tönen gelobt und sorgen in ihrer Heimat, noch bevor sie überhaupt ihr Debütalbum veröffentlicht haben, schon für jede Menge Aufsehen.

Sports Team haben sich an der Uni kennengelernt und leben mittlerweile zusammen in einer WG in Süd-London. Sie werden gerne mit Adjektiven wie „chaotisch“, „wild“ und „elektrisierend“ beschrieben, was vor allem an den rauschenden Live-Shows der Band liegt.

Diese sind so populär, dass Sports Team bereits diverse Hallen in London ausverkauft haben. Wer auf gut gemachten Indie Rock, wie den Song „Here’s the Thing“ steht, der ist bei Sports Team gut aufgehoben. Wer mehr von der Band hören möchte, der sollte sich einmal ihr Debütalbum „Deep Down Happy“ gönnen.

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Die Fotografie stammt von Universal Music
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Rakutaro Ogiwara: Junges Japan

Wenn ihr Menschen zum Thema Japan befragt, dann antworten diese meist mit Stereotypen. Sie kennen Sushi und vielleicht noch Sake. Sie kennen verrückte Fernsehshows und vielleicht noch Manga. Sie erwähnen womöglich sogar die Automaten, an denen Leute die gebrauchte Unterwäsche von minderjährigen Schu...
Rakutaro Ogiwara: Junges Japan

Rakutaro Ogiwara

Junges
Japan

Marcel Winatschek

Wenn ihr Menschen zum Thema Japan befragt, dann antworten diese meist mit Stereotypen. Sie kennen Sushi und vielleicht noch Sake. Sie kennen verrückte Fernsehshows und vielleicht noch Manga. Sie erwähnen womöglich sogar die Automaten, an denen Leute die gebrauchte Unterwäsche von minderjährigen Schulmädchen kaufen können, die gerade knapp bei Kasse sind.

Doch wer einen Fuß nach Japan setzt, der merkt schnell, dass das Land aus mehr besteht als nur süßen Animefiguren, farbenfrohen Videospielen und frisch geschnittenem Fisch. Die Nation wird gerade von einer unglaublich kreativen, überaus verspielten und oft auch sehr einsamen Jugend übernommen, die nur eines möchte: In einer Gesellschaft voller strikter Regeln überleben.

Der in Sagamihara lebende Künstler Rakutaro Ogiwara hat es sich zur Aufgabe gemacht, die jungen Einwohner seines Heimatlandes in seinen Fotografien zu verewigen. Auf seinem Instagram-Account teilt er spezielle, interessante und manchmal sogar magisch intime Momente von Menschen, deren Ideenreichtum oft nur von ihrer instinktiven Schüchternheit übertroffen wird.

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Die Fotografie stammt von Rakutaro Ogiwara
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Familienduell: Die ganze Bagage

Unsere Familie ist quasi der Inbegriff des eigenen Ichs und besteht meist erst einmal aus Mutter, Vater und Kind. Wenn du als Kind die beiden Paarungswütigen deiner Gene im heutigen Zeitalter noch in greifbarer Sichtweite hast, kannst du dich schon mal glücklich schätzen. Ich kann es nicht unbedingt...
Familienduell: Die ganze Bagage

Familienduell

Die ganze
Bagage

Katrin Olszewski

Unsere Familie ist quasi der Inbegriff des eigenen Ichs und besteht meist erst einmal aus Mutter, Vater und Kind. Wenn du als Kind die beiden Paarungswütigen deiner Gene im heutigen Zeitalter noch in greifbarer Sichtweite hast, kannst du dich schon mal glücklich schätzen. Ich kann es nicht unbedingt. Zur Welt kam ich auf dem Teppich. Touchdown. Aber wer tief fällt, will bekanntlich auch hoch hinaus.

Während meine Mutter noch am Esstisch saß und Unmengen an Pilzragout verspeiste, befreite ich mich aus dem viel zu engen Nest, in dem ich einen Streitkampf mit der Nabelschnur führte, die stets versuchte sich schlangenartig um meinen Hals zu winden, sodass ich mein mehr oder minder vorhandenes Inneres kurzerhand in den Unterleib meiner Mutter hätte würgen können. Nicht zu reden von den aromatischen Düften, die in meiner Zone ihr Unwesen trieben. Vielleicht kam daher auch meine Apathie gegenüber Pilzen zustande. Dazu später mehr.

Groß geworden bin ich dann in einem elfstöckigen Neubau a.k.a. „Platte“ und das im wahrscheinlich tiefsten Osten Berlins, so tief, dass ich noch heute auf der Hinfahrt, zum Besuch meiner Mutter, Brotkrumen auf dem Weg streue, um auch Nummer sicher zu gehen, jemals wieder nach Hause in den guten Friedrichshain zu finden.

Nebenher lebte ich bei meiner Tante, Großtante, Kleintante und, natürlich, bei Mutter. Nur einen männlichen Part gab es nicht. Ich habe das nie in Frage gestellt, schließlich war ich erst zarte vier Jahre und hatte genügend weibliche Präsenz und gnadenlose Aufmerksamkeit, die sich auf männlicher Ebener in Zinksoldaten, King-Kong-Filmen und Matchbox-Spielzeugautos aus dem „Konsum“ auszahlte.

Bis eines Tages ein Mann das Haus meiner Tante betrat, mich auf seinen Schoss setzte, seine Brille zurecht schob und mir zwei farbige Malstifte in die Hand legte. Gelb und Blau. Freie deutsche Jugend. Diese Farbkombination hat sich ab diesem Tag in mein Gehirn gebrannt und ich erwische mich immer wieder dabei wie ich passend zu einem gelben Salzstreuer, heimlich einen blauen Pfefferstreuer kaufe. In der Art. Dazu bekam ich damals noch ein kleines Pioniers-Tuch von ihm umgebunden und ab dem Zeitpunkt hatte ich eine neue Aufgabe in meinem durchtriebenen Tagesablauf zu vermerken: Menschen observieren.

Ich folgte dem neuen Objekt „Mann“ auf Tritt und Schritt und lugte unauffällig mit meinem schwarzen, stets fliegenden, ja, auch ohne Wind, Hero-Cape um die Ecke, wenn er meine Mutter küsste, wenn er sich auf den Klodeckel setzte, wenn er sich an- und auszog. Und ich merkte irgendwann, dieser Mann tut meiner Mutter gut. Er machte sie glücklich.

Als ich 16 war, wendete sich das Blatt schlagartig. Teller flogen gegen Wände, vergammelte Joghurt-Becher füllten den Kühlschrank und ein gutgemeintes „Guten Morgen“ mit dem Betreten des Wohnzimmers äußerte sich in einem „Fresse halten, Fernseher läuft.“ Meine Eltern trennten sich und ich mich mit ihnen. „Wir Jungpioniere lieben unsere Eltern“ schallte es im Trommelwirbel dazu in meinem Kopf, als ich die Wohnung mit meinen drei Kisten verließ.

Von nun an wohnte ich in einer Abi-WG mit zwei Jungs aus meiner Stufe und wir hatten unseren Spaß. „Kiffen, Saufen, Scheiße bauen“ – lautete unsere solide Devise. Doch meine Mutter hatte Nachsicht, sie lüftete ein Geheimnis, welches mir den Schlag des Jahrhunderts ins Gesicht versetzen sollte.

Sie erzählte mir von meinem echten Vater. Von meinem Fleisch und Blut. Stereotype 99,9 % hatte der Vaterschaftstest damals ergeben, nachdem er sie geschwängert, betrogen und belogen hatte, um später in Texas ein neues Leben zu beginnen. Das war also mein Vater? Chuck Norris? Nein. Ein (St)ranger – ohne Norris.

Ich wollte Beweise sehen. Fotos. Doch es gab keine und gibt sie bis heute nicht. Meinen Vater habe ich nie gesehen. Ich kann mir an den Zehen und der Nasenspitze ausmalen, worin er mir ähnlich sehen mag, nur eben nicht in natura. Das war bitter und mein Stiefvater war beileibe kein genetischer Ersatz für mich.

Nach jahrelanger Akte-X-Recherche gelangte ich an seine Adresse und schrieb ihm unzählige Briefe, wartete monatelang mit starren Augen auf Antwort vor dem Briefschlitz meiner Tür und irgendwann vergaß ich, worauf ich überhaupt wartete… Und dann kam ein unbekannter Brief. Der Brief einer plötzlichen Schwester, die ich kurz darauf in Berlin zum Essen treffen sollte.

Wie auf einem Blind Date stellten wir uns gegenseitig Fragen, die stets mit einer zur Antwort gehörigen Nebenfrage beantwortet wurden. „Ich hasse Pilze. Und du?“ „Ich auch.“ Jackpot. Sie ist mir ähnlich, fast erschreckend ähnlich. Doch weder wusste ich von ihr, noch sie von mir und trotzdem haben wir ins im Menschendickicht des Planeten Erde gefunden. Auf ganz eigenem Weg und wir wachsen von Tag zu Tag mehr an- und miteinander.

Und selbst wenn ich meinen Vater nie zu Gesicht bekommen werde, so habe ich eine reiche Erkenntnis für mich gewonnen. Ich habe ein Stück Familie. Abso-fucking-lutely. Mutter und Schwester und mehr brauche ich nicht. Dazu muss ein Werner Schulze-Erdel nun auch keine hundert Leute mehr befragen, das Familienduell habe ich bereits gewonnen.

Die Illustration stammt von Icons8
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Ein Tag in Kyoto: Japans magischste Stadt

Kyoto ist ein wahrhaft magischer Ort, das spürt man an jeder Ecke, auf jeder Straße, über jeder Brücke. Wer die alte Kaiserstadt betritt, wird mit jedem Schritt in eine andere Zeit versetzt. Moderne Manga-Läden grenzen an alte, kleine Kneipen und Restaurants. Wunderschöne Geishas schweben durch hell...
Ein Tag in Kyoto: Japans magischste Stadt

Ein Tag in Kyoto

Japans magischste
Stadt

Annika Lorenz

Kyoto ist ein wahrhaft magischer Ort, das spürt man an jeder Ecke, auf jeder Straße, über jeder Brücke. Wer die alte Kaiserstadt betritt, wird mit jedem Schritt in eine andere Zeit versetzt. Moderne Manga-Läden grenzen an alte, kleine Kneipen und Restaurants. Wunderschöne Geishas schweben durch hell blinkende Einkaufszentren. Traditionelle Tempel thronen über schicken Wolkenkratzern.

Die Metropole, die von 794 bis 1868 Sitz des kaiserlichen japanischen Hofes war, liegt etwa 400 Kilometer südwestlich von Tokio im zentralen Westen der japanischen Hauptinsel Honshu, etwa zehn Kilometer südwestlich des Biwa-Sees und etwa 40 Kilometer von Osaka entfernt.

Nach der klassischen chinesischen Geomantie ist Kyoto wie ein Schachbrett angelegt. Das Zentrum und der Süden sind das wirtschaftliche Herz der Stadt. Einige der touristischen Sehenswürdigkeiten befinden sich im Zentrum, aber die meisten der berühmten Tempel liegen im Norden.

Im Zentrum der Stadt Kyoto gibt es einen schönen Lebensmittelmarkt namens Nishiki Food Market, der tagtäglich die Esstische der Einwohner deckt und liebevoll Kyoto’s Kitchen genannt wird. In den Läden der überdachten Arkade kann man alles finden, von japanischen Essiggurken, Tee, Süßigkeiten und Tofu bis hin zu Keramik und anderen traditionellen Waren. Wenn euch etwas gefällt, dann geht einfach hin und schaut es euch genauer an oder probiert, die Besitzer der Läden werden euch Tipps und Tricks zur Seite stehen.

Am östlichen Ende des Nishiki-Marktes befindet sich der Nishiki Tenmangu-Schrein, der sich auf die Bedürfnisse von Studenten und Geschäftsleuten spezialisiert hat. Hier könnt ihr eine Münze einwerfen, um den mechanisierten Löwentänzer zu starten, der wiederum euer Glück und wie es generell in eurem Leben weiter geht bestimmen wird. Was wird euch das Schicksal bringen? Der Löwe verrät es euch.

Sogar innerhalb Japans ist es selten, ein Museum oder eine Bibliothek zu finden, die komplett den Manga gewidmet sind. Von kostbaren Nachkriegsstücken über moderne populäre Comics bis hin zu internationalen Publikationen hat das Internationale Manga-Museum in der Innenstadt von Kyoto etwa 300.000 verschiedene Werke gesammelt.

Das Gebäude selbst wurde aus einem alten Grundschulgebäude renoviert. Im Inneren des Hauses können die Besucher die „Manga-Wand“ mit ihrer riesigen Sammlung ausländischer und einheimischer Manga durchstöbern und vollständig in die Geschichte der japanischen Comics, abgeschottet Zeit und Raum, eintauchen.

Die Shijo Street verläuft durch das berühmte Vergnügungsviertel Gion. Hier findet ihr zahlreiche Geisha-Häuser und andere traditionelle Gebäude. Erkundet die Geschäfte, die Macha, eine Art bitterer, grüner Tee, verschiedene Süßigkeiten und Kimono-Accessoires anbieten und sich wiederum allesamt auf die eine Straße konzentrieren, die den Geist von Kyoto wirklich einfängt. Am östlichen Ende der Shijo-Straße befindet sich der Yasaka-Jinja-Schrein, das Gesicht von Gion. Die Arkade führt vom Bahnhof Keihan Shijo zum westlichen Tor des Yasaka Jinja-Schreins.

Das Teramachi-Einkaufszentrum ist voller Abwechslung, von Jugendbekleidungsgeschäften bis hin zu gebrauchten Büchern und Zeichnungen aus der Edo-Zeit, auch bekannt als Ukiyo-e. Viele Geschäfte, die sich auf lokal hergestellte Waren spezialisiert haben, führen Unikate, wie zum Beispiel Samurai-Perücken. Der nördliche Teil der Sanjo-Straße ist gesäumt von Cafés und traditionelleren Läden, die oft selbst hergestellte Waren wie Tee und Papier verkaufen.

Gion Corner ist ein einzigartiges Theater mit einstündigen Aufführungen von sieben professionellen Darstellungskünsten aus Kyoto – der klassischen Komödie des Kyogen, dem Kyomai-Tanz, der Gagaku-Musik des kaiserlichen Hofes, der Koto-Harfe, dem Bunraku-Puppentheater, der Teezeremonie und dem Blumenarrangement.

Die Gion-Ecke befindet sich in der Yasaka-Halle an der Nordseite der Kaburenjo-Halle von Gion, wo Geishas wunderschöne Präsentationen geben. Dort könnt ihr bei Interesse auch eine echte Teezeremonie erleben und euch in entspannter Atmosphäre über die Etikette der Teezeremonie informieren. Da die Erklärungen der Präsentationen auf Englisch gehalten werden, ist die Gion-Ecke bei Touristen aus dem Ausland sehr beliebt.

Wenn ihr den Kifune-Jinja-Schrein besucht, werdet ihr die Gegenwart verschiedener Götter und Geister spüren können. Vergesst hier die Hektik der Stadt in der Stille, mit dem beruhigenden Rauschen des Flusses, der direkt neben euch herum plätschert, und genießt das entspannende Gefühl der kühlen Luft, die vom Fluss her kommt. Der Kifune-Jinja-Schrein wird seit langem von Menschen besucht, die für Glück und Wohlstand, für die Ehe und für die Erfüllung ihrer Wünsche beten.

Der Kifune-Jinja-Schrein wird vom Kaiserhaus verehrt und ist vielen Menschen in Japan vertraut. Er sieht wunderschön aus, im frischen Grün des Frühlings, das jeden Tag dunkler wird, und die Gegend ist im Sommer wegen des Essens am Kawa-Doko-Flussufer beliebt. Der Schrein ist auch wegen seines flammenden Herbstlaubs und des dramatischen Kontrasts seiner roten Laternen, die im Winter mit weißem Schnee bedeckt sind, beliebt. Wenn ihr tief in Kyoto eintauchen wollt, solltet ihr ihm einen Besuch abstatten.

Für einen Abstecher ins Schrullige geht am besten zum Konkai-Komyoji-Tempel, unweit des berühmten Philosopher’s Walk in der Tetsugaku-no-michi-Straße und nur zehn Gehminuten von der Okazaki-michi-Bushaltestelle des Kyoto City Bus entfernt.

Der Tempel selbst hat ein beeindruckendes zweistöckiges Tor, und in der Mie-do-Halle steht eine hölzerne Sitzstatue von Honen, dem Gründer der Jodo-Sekte des Buddhismus. Die schönen Gärten des Tempels mit Sandmalereien stellen das Leben von Honen und anderen dar, die mit der Gründung des Tempels in Verbindung stehen. Im Herbst spiegeln sich die Ahornbäume, die die Tempelteiche umgeben, glänzend im Wasser.

Versteckt innerhalb des Tempelgeländes findet ihr eine ungewöhnliche Statue von Amida Buddha. Das ist vielleicht nicht das, woran ihr denkt, wenn ihr euch eine Buddha-Statue vorstellt, denn diese hat einen Kopf aus gelocktem Haar, der so groß ist, dass er fast wie ein Afro aussieht.

Man sagt, dass diese Amida-Figur so außergewöhnlich viel Zeit damit verbrachte, sich ihrer asketischen Ausbildung zu widmen und für das Schicksal der Menschheit zu beten, dass ihr Haar länger und wilder wurde, bis es sich hoch auf ihrem Kopf auftürmte. Es gibt nur 16 solcher Figuren in ganz Japan. Versucht, diesen ungewöhnliche Figur des Amida Buddha mit seinem wilden Haar zu fotografieren und auf Instagram zu posten.

Fushimi ist ein Teil von Kyoto, aber es fühlt sich irgendwie anders und nostalgisch an. Auf eine gute Art und Weise. Der Fushimi Inari-taisha-Schrein und seine prächtigen eintausend Zinnober-Tore sind auf der ganzen Welt bekannt, aber der Bezirk hat noch eine ganze Reihe weiterer verborgener Schätze zu bieten.

Der im Süden von Kyoto gelegene Schrein spielt seit langem eine wichtige Rolle als Verkehrsknotenpunkt, der Kyoto und Osaka über den Fluss verbindet. Aufgrund seiner reichlich vorhandenen unterirdischen Reserven an klarem, hochwertigem Wasser hat sich Fushimi auch zu einem Zentrum für die Sake-Produktion entwickelt, eine Tradition, die bis heute mit mehr als 20 aktiven Brauereien fortgeführt wird.

Und dann ist da noch der berühmte Kaiserpalast von Kyoto, der die Residenz der kaiserlichen Familie war, bis die Hauptstadt 1869 nach Tokio verlegt wurde. Ihr findet ihn im Gyoen-Park von Kyoto. Innerhalb des kaiserlichen Palastgeländes, das von einer überdachten Lehmmauer umgeben ist, befinden sich der Seiryo-den, die Palasthalle, und der Kyogosho, der Kleine Palast, die stark an diese dynastische Epoche erinnern. Mit Ausnahme von fünf Tagen im Frühjahr und Herbst, an denen der Kaiserpalast für die Öffentlichkeit zugänglich ist, müsst ihr im Voraus eine Genehmigung für den Besuch des Geländes beantragen.

Wenn Tokio euch zu laut, zu überfüllt und generell irgendwie zu verwirrend ist, dann werdet ihr Kyoto lieben. Hier ist alles ein wenig ruhiger und entspannter. Und vielleicht auch etwas natürlicher. Die altehrwürdigen Geister vergangener Epochen scheinen dafür zu sorgen, dass die Stadt nicht aus dem Gleichgewicht gerät. Traditionen findet ihr überall in Kyoto, aber die bunten Straßen sind weder staubig noch antiquiert. Und selbst wenn ihr nur einen Spaziergang am Kamo macht, werdet ihr euch im Handumdrehen in Kyoto und seine interessanten Bewohner verlieben.

Ein Tag in Kyoto: Japans magischste Stadt Ein Tag in Kyoto: Japans magischste Stadt Ein Tag in Kyoto: Japans magischste Stadt Ein Tag in Kyoto: Japans magischste Stadt Ein Tag in Kyoto: Japans magischste Stadt Ein Tag in Kyoto: Japans magischste Stadt Ein Tag in Kyoto: Japans magischste Stadt Ein Tag in Kyoto: Japans magischste Stadt Ein Tag in Kyoto: Japans magischste Stadt Ein Tag in Kyoto: Japans magischste Stadt
Die Fotografie stammt von Marlen Stahlhuth
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Miss Kobayashi's Dragon Maid: Die Drachenmädchen kommen

Betrunken macht man bekanntlich die dümmsten Dinge. Dem Ex eine WhatsApp-Nachricht mit angehängtem, nacktem Oberkörper schicken. Zum Beispiel. Sich einreden, dass der eine Wodkabull schon noch reingeht und man eine Stunde später bestimmt nicht in sein heimisches Kopfkissen kotzen wird. Oder sich mit...
Miss Kobayashi's Dragon Maid: Die Drachenmädchen kommen

Miss Kobayashi's Dragon Maid

Die Drachenmädchen
kommen

Marcel Winatschek

Betrunken macht man bekanntlich die dümmsten Dinge. Dem Ex eine WhatsApp-Nachricht mit angehängtem, nacktem Oberkörper schicken. Zum Beispiel. Sich einreden, dass der eine Wodkabull schon noch reingeht und man eine Stunde später bestimmt nicht in sein heimisches Kopfkissen kotzen wird. Oder sich mit einem Türsteher prügeln. Alles drei sehr dumme Sachen. Aber man tut, was man eben tun muss.

Kobayashi besäuft sich auch gern. Die japanische Programmiererin ist allein. Und hat Zeit. Zeit genug, um sich mit einer Flasche Sake auf den Weg in die Stadt und wieder aus der Stadt heraus zu machen. Dass sie dabei nicht lange nüchtern bleibt, versteht sich von selbst. Und weil Kobayashi so gut drauf ist, fährt sie in den Wald. Wie man das eben so macht. Als betrunkene Programmiererin.

Zwischen all den dunklen Bäumen und dem nächtlichen Gras trifft sie auf einen Drachen. Tohru. Wie man das eben so macht. Als betrunkene Programmiererin. Und sie lädt ihn zu sich nach Hause ein. Wie man das eben so macht. Als betrunkene Programmiererin. So beginnt die Geschichte von Miss Kobayashi’s Dragon Maid – und sie wird auch nicht weniger bescheuert.

Wer in dieser Animeserie nach Normalität sucht, der wird immer wieder schnell enttäuscht werden. Miss Kobayashi’s Dragon Maid ist eine Klischeebombe sondergleichen. Aber sie macht Spaß. Im Unterschied zu den anderen Klischeeanimes. Hier wird Wahnsinn noch groß geschrieben. Tohru verwandelt sich nämlich beim Eintritt in Kobayashi kleine Wohnung in eine hübsche Maid – und bleibt das auch.

Über die restlichen Charaktere muss man nicht viel sagen. Miss Kobayashi’s Dragon Maid weiß, dass es ein Anime ist. Und weil es weiß, dass es ein Anime ist, stammen auch alle Figuren aus Anime. Wir haben die niedliche Loli. Den durchgeknallten Otaku. Die großbrüstige Sexbombe. Den schüchternen Schüler. Die verfressene Büroangestellte. Den ständig genervten Miesepeter. Und, meinen persönlichen Liebling, die in die niedliche Loli verknallte Kindergartenfreundin, die zunächst ein kleines Arschloch ist, allerdings schon bald bei der kleinsten Berührung ihrer Angebeteten vor Freude platzt.

So folgt man in Miss Kobayashi’s Dragon Maid dem täglichen Leben von Kobayashi und ihrer nicht aus dieser Welt stammenden Haushälterin. Wir gehen mit ihnen Einkaufen. Und wir fahren in ein Badehaus. Und wir besuchen eine Comicmesse. Natürlich gemeinsam mit allerlei anderer kunterbunter Figuren, die nach und nach wie aus dem Nichts auftauchen und für noch mehr Chaos sorgen.

Die Serie Miss Kobayashi’s Dragon Maid ist vor allem eines: Fun, Fun, Fun. Von der ersten bis zur letzten Sekunde explodiert eine Animebombe nach der anderen. Mal klein, mal groß. Mal leise, mal laut. Mal intim, mal lustig. Aber immer mit ganz viel Liebe zu den Charakteren und dem Publikum.

Als erste Animeerfahrung würde ich Miss Kobayashi’s Dragon Maid nicht unbedingt empfehlen. Dafür sind doch eher die Filme von Studio Ghibli geeignet. Oder Your Name. Oder vielleicht auch Cowboy Bebop. Aber wer genug Anime geschaut hat, um mit dessen Vorurteilen spielerisch umgehen zu können, für den ist Miss Kobayashi’s Dragon Maid ein Feuerwerk der guten Laune. Garantiert.

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Hollow Knight: Im Königreich der Käfer

Hollow Knight gibt es quasi für jede Plattform unter der Sonne. Xbox, PlayStation und sogar für Nintendo-Konsolen - da haben die Entwickler wirklich ganze Arbeit geleistet. Höchste Zeit für uns also, euch dieses außergewöhnliche Schmankerl der Indie-Videospielriege kurz vorzustellen. Schließlich zäh...
Hollow Knight: Im Königreich der Käfer

Hollow Knight

Im Königreich
der Käfer

Marcel Winatschek

Hollow Knight gibt es quasi für jede Plattform unter der Sonne. Xbox, PlayStation und sogar für Nintendo-Konsolen – da haben die Entwickler wirklich ganze Arbeit geleistet. Höchste Zeit für uns also, euch dieses außergewöhnliche Schmankerl der Indie-Videospielriege kurz vorzustellen. Schließlich zählt der aus dem Süden von Australien stammende Jump’n‘-Run-Titel durch seine dunkle, schaurige und mysteriöse Art und Weise zu den schönsten Action-Adventures der vergangenen Jahre.

Tief unter der langsam verfallenden Stadt Dirtmouth liegt ein uraltes zerstörtes Königreich. So manch einen Abenteurer zieht es dort in den Untergrund, um nach Schätzen, Ruhm oder nach Antworten auf mysteriöse Geheimnisse zu suchen. In Hollow Knight bahnt ihr euch nun einen Weg durch eine seltsame Welt voller Insekten, Helden und andere verdorbene Kreaturen, ganz im überall beliebten Metroidvania-Stil.

Die Atmosphäre ist meist ziemlich unheimlich und manchmal sogar beunruhigend, aber hin und wieder weht ein Hauch von Humor und Leichtigkeit durch die düstere Spielwelt, besonders dann, wenn man sich mit all den seltsamen und wunderbaren Gestalten unterhält, die man unterwegs trifft. Hollow Knight sieht wahnsinnig gut aus, bietet fordernde und reaktionsschnelle Action und hat eine unglaubliche, bizarre Insektenwelt, die darum bettelt, erforscht und erobert zu werden – wenn ihr es denn drauf habt.

Ich hatte auf jeden Fall meinen Spaß mit dem Spiel, auch wenn ich an manchen Passagen schier verzweifelt bin. Das lag oft zwar nicht unbedingt am zu hohen Schwierigkeitsgrad, sondern einfach aus einer fatalen Mischung aus Tollpatschigkeit und einer irgendwann bei mir eintretenden „Augen zu und durch“-Einstellung, die nur zu noch mehr Fehlern geführt hat. Wer einen etwas höheren Frustpegel besitzt und sich von solchen Stellen den Spielspaß nicht verderben lässt, der findet mit Hollow Knight ein schönes, rundes und liebevoll durchdachtes Abenteuer.

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Die Illustration stammt von Team Cherry
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Rosalía: Futuristischer Flamenco

Wenn ihr an spanische Musik denkt, dann denkt ihr an schreckliche Urlaubssongs von Bands, denen selbst vollkommen egal ist, was sie da von sich geben, Hauptsache es klingt exotisch genug, dass betrunkene Mallorca-Touristen dazu halbnackt ihre mehrstöckigen Rettungsringe schwingen. Doch Rosalía is...
Rosalía: Futuristischer Flamenco

Rosalía

Futuristischer
Flamenco

Annika Lorenz

Wenn ihr an spanische Musik denkt, dann denkt ihr an schreckliche Urlaubssongs von Bands, denen selbst vollkommen egal ist, was sie da von sich geben, Hauptsache es klingt exotisch genug, dass betrunkene Mallorca-Touristen dazu halbnackt ihre mehrstöckigen Rettungsringe schwingen.

Doch Rosalía ist anders. Sie ist authentisch. Sie ist echt. Mit ihren Songs konnte sie rasant ein wachsendes Heer von globalen Fans gewinnen, die von ihrer einzigartigen Kombination von Flamenco, R&B und elektronischen Beats fasziniert sind, gepaart mit ihren Anspielungen auf die Bereiche der bildenden Kunst, Mode und Choreographie.

Das Lob der Musikkenner folgte nach den Vorabveröffentlichungen von Malamente und Pienso En Tu Mirá ziemlich schnell. Rosalía erhielt sechs Nominierungen für den Latin Grammy und nahm die Preise für den „Best Alternative Song“ und die „Best Urban Fusion Performance? mit nach Hause.

Auch das kritische Lob am Ende des Jahres folgte, wobei die junge spanische Künstlerin mehrere Nummer-1-Auszeichnungen für das beste Album, Video, Song und New Artist des Jahres erhielt. Und auch danach ging Rosalías Weg weiterhin rasant nach oben, mit besonderen Features beim Rolling Stone und Billboard, einem gemeinsamen Duett auf James Blakes neuem Album und einem Auftritt bei den MTV Europe Music Awards.

Letztens hat Rosalía, die weithin als „Latin Music’s Breakout Artist of the Year“ gefeiert wird, hat das nächste visuelle Kapitel ihres wegweisenden Albums El Mal Querer mit der Musikvideo-Veröffentlichung von De Aquн No Sales enthüllt.

Das Video, unter der Regie von Diana Kunst und Mau Morgу, setzt Rosalías charakteristische Mischung aus traditioneller und spanischer Ikonographie der nächsten Generation fort – in diesem Fall die Kombination aus Location des Videodrehs, die Windmühlen Alcazar de San Juan von Don Quixote, und der Rückkehr der unverwechselbaren Motorradkultur, die erstmals bei Malamente zu sehen war. Rosalía ist die neue spanische Königin. Und ihr könnt nichts dagegen machen.

Rosalía: Futuristischer Flamenco Rosalía: Futuristischer Flamenco Rosalía: Futuristischer Flamenco Rosalía: Futuristischer Flamenco Rosalía: Futuristischer Flamenco
Die Illustration stammt von Filip Custic
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Lass uns Freunde bleiben: Wie macht man richtig Schluss?

Schluss machen, das ist ja so ein Ding. Ich meine, wenn mit dir Schluss gemacht wird, das ist scheiße, ja. Aber Schluss machen, das ist noch viel schlimmer. Wenn mit dir Schluss gemacht wird, dann tut das verdammt weh und du leidest und hörst traurige Musik und gehst saufen und fickst fremde Mensche...
Lass uns Freunde bleiben: Wie macht man richtig Schluss?

Lass uns Freunde bleiben

Wie macht man
richtig Schluss?

Jana Seelig

Schluss machen, das ist ja so ein Ding. Ich meine, wenn mit dir Schluss gemacht wird, das ist scheiße, ja. Aber Schluss machen, das ist noch viel schlimmer. Wenn mit dir Schluss gemacht wird, dann tut das verdammt weh und du leidest und hörst traurige Musik und gehst saufen und fickst fremde Menschen, und irgendwann, so hofft du, irgendwann ist der Schmerz halt weg, betäubt oder ersetzt von anderen Schmerzen, die du dir dann selbst zufügst, bewusst und unbewusst.

Wenn mit dir Schluss gemacht wird, dann tut das verdammt weh und du leidest, aber das Leiden, weißt du, das Leiden ist halt irgendwann vorbei. Jemand anderes hat für dich entschieden, dass du jetzt zu leiden hast, genau jetzt, nicht irgendwann, und natürlich ist es immer scheiße und passt nie richtig rein ins Leben, aber nur wer die Kontrolle verliert, der kann auch wirklich loslassen. Wer die Kontrolle verliert, kann loslassen, weil er es muss.

Was aber, wenn du die Kontrolle hast? Wenn du derjenige bist, der entscheidet, ob es so weiter geht oder nicht? Schluss machen ist scheiße. Nicht nur für den, mit dem Schluss gemacht wird, sondern auch für den, der den Schritt wagt und Schluss macht. Es wird ja selten im Affekt Schluss gemacht, zum Beispiel während eines Streits, zumindest nicht endgültig, sondern meist nur temporär. Schluss machen, das ist ein Prozess, der sich über Wochen, vielleicht Monate, und manchmal sogar Jahre hinzieht.

Wenn man sich neu verliebt zum Beispiel, macht man ja nicht sofort mit dem alten Partner Schluss. Die alte Beziehung ist an sich ja okay, die neue, die könnte vielleicht aber besser sein. Bevor man aber das Alte beendet, testet man das Neue meist erst an. Es gilt, die Antworten auf wichtigsten Fragen zu finden. Sind meine Gefühle echt? Oder finde ich das Neue nur spannend, weil das Alte gerade nicht richtig läuft?

Im besten Fall quält man sich ein paar Wochen mit dem Gedanken herum, dass man nach Ablauf der Probezeit ja mit einer der Personen Schluss machen muss. Im schlimmsten Fall hört diese Probezeit erst auf, wenn die beiden davon erfahren und selbst Konsequenzen ziehen. Dann steht man nämlich alleine da. Und als Fremdgeher.

Auch toxische Beziehungen sind schwer zu beenden. Man weiß, dass der Partner echt nicht gut tut, doch Schluss machen, das geht einfach nicht. Da hilft auch kein Zureden von Freunden, Verwandten oder Menschen aus dem Internet. Einen Ast, an den man sich noch klammern kann, den findet man doch immer. Und wenn’s sein muss, springt man eben von Baum zu Baum, bis alle Äste weggebrochen und die Wälder komplett abgeholzt sind.

Der Gedanke ist bei jedem Ast und jedem Baum und jedem Wald der gleiche. Er dreht sich ausschließlich ums Schluss machen. Naja, und natürlich um die Frage, was mit dir passiert, wenn du wirklich Schluss machst. Die Antwort darauf ist auch immer gleich. Wenn du Schluss machst, dann stirbst du. Du stirbst, weil du dir selbst das nimmst, das du am liebsten has(s)t. Dass du sowieso schon kurz davor bist zu sterben, ignorierst du ganz gekonnt. Toxische Beziehungen sind der Tod auf Raten, genau wie ein langsam wirkendes Gift.

In manchen Fällen sind auch mehr als zwei vom Schluss machen betroffen. Haustiere zum Beispiel. Und bei manchen sogar Kinder. Macht man Schluss, aus welchem Grund auch immer, verliert man nicht nur einen, sondern zwei, drei, vier geliebte Menschen. Oder Tiere. Und die geplante Zukunft. Das „für immer“, das man sich einst versprochen hat.

Und dann gibt es natürlich diese Beziehungen, bei denen man sich einfach auseinander lebt. Es ist ein schleichender Prozess, den man so eigentlich nicht wahr haben will. Auseinanderleben, das klingt schon so scheiße. Sagen wir lieber, man hat sich entfremdet. Irgendwann hat sich irgendwo der gemeinsame Weg in zwei verschiedene Richtungen aufgeteilt.

Einer ist rechts abgebogen, der andere links und bemerkt hat man es erst, als es schon längst zu spät war, noch einmal umzukehren, um gemeinsam zu entscheiden, welche Biegung man denn nehmen soll. In den meisten Fällen wissen das ja beide, aber irgendwann kommt halt der Streckenabschnitt, an dem es Zeit ist, aufzugeben und die weiße Fahne zu schwenken, weil ein gemeinsames Ziel eben nicht in Sicht ist, nur dass der eine eben früher an diesem Abschnitt ist als der andere, und an dem liegt es dann, die Worte auszusprechen. Wir haben uns auseinander gelebt.

Wir haben uns auseinander gelebt. Das ist wohl der beschissenste Satz, den man sagen kann, wenn man mit jemandem Schluss macht. Naja, nach „Ich lieb dich einfach nicht genug!“ und „Lass uns Freunde bleiben!“ natürlich.

Doch wie macht man eigentlich richtig Schluss? Ich meine, so von Anfang an. Ohne diese quälenden Phasen der Ungewissheit und die Gefühlsabwägungen und die Hoffnungsschweife am eher düsteren Horizont. Und ohne all die Floskeln, die man so im Kopf hat, weil man sie irgendwann mal wo gehört oder gelesen oder sich selbst wochenlang zurecht gelegt hat.

Geht das überhaupt, richtig Schluss machen? Also so, dass man dabei keinen schwer verletzt? Nicht das Gegenüber, aber halt auch nicht sich selbst. Es ist ja einfach so: verletzt man seinen Partner, verletzt man auch sich selbst. Aus einem Zweikampf, bei dem beide ziemlich gleich stark sind, kommt keiner unverwundet raus.

Wie man falsch Schluss macht, das wissen wir. Man hat uns erklärt, dass man zum Schluss machen keine Freunde oder Kurznachrichten schickt. Dass man nicht einfach abhaut, sondern sich der Verantwortung stellt. Wie man falsch Schluss macht, das wissen wir, doch wie man es richtig macht, hat man vergessen uns zu sagen.

Als das letzte Mal mit mir Schluss gemacht wurde, war das ziemlich, ziemlich schlimm. Ich habe geraucht und getrunken, geweint und gelitten und mein Tagebuch mit Tränen, Wein und Worten vollgeschmiert. Und als die Tränen getrocknet, der Wein getrunken und die Worte geschrieben waren, war ich wieder okay.

Ich war okay, bis ich Schluss machen musste. Ich habe wieder geraucht und getrunken, geweint und gelitten und mein Tagebuch mit Tränen, Wein und Worten vollgeschmiert. Die Tränen, die sind nie versiegt, sondern im Laufe der Zeit bloß bitterer geworden. Den Wein, den habe ich einfach nachgekauft. Ich habe so viele Sorten durchprobiert, bis mir nur noch der Wein im Tetra Pack blieb, und auch den habe ich getrunken, bis zum allerletzten Schluck. Doch die richtigen Worte? Die habe ich nie gefunden.

Die Fotografie stammt von Roberto Nickson
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Kristofferson San Pablo: Willkommen in Los Angeles

Egal, für wie toll, aufregend oder gar erfüllend ihr euer Leben an guten Tagen so haltet - das von Kristofferson San Pablo ist besser. Der in Manila auf den Philippinen geborene Fotograf und Künstler lebt heute glücklich und zufrieden im sonnigen Los Angeles. Und Kalifornien scheint ihm gut zu tun,...
Kristofferson San Pablo: Willkommen in Los Angeles

Kristofferson San Pablo

Willkommen in
Los Angeles

Daniela Dietz

Egal, für wie toll, aufregend oder gar erfüllend ihr euer Leben an guten Tagen so haltet – das von Kristofferson San Pablo ist besser. Der in Manila auf den Philippinen geborene Fotograf und Künstler lebt heute glücklich und zufrieden im sonnigen Los Angeles. Und Kalifornien scheint ihm gut zu tun, denn wenn man sich seine Abenteuer so ansieht, dann wird einem eines klar: Der Junge lässt nichts anbrennen.

Egal ob Roadtrips an magische Orte, von denen ihr noch nie etwas gehört habt, von den Simpsons inspirierte und manchmal nicht gerade jugendfreie Kunst oder hüllenlose Mädchen en masse, Kristofferson San Pablo zeigt uns, dass das Dasein nicht so deprimierend, traurig oder leer sein muss, wie einige von uns vielleicht denken. Man muss es nur selbst in die Hand nehmen, dieses Ungetüm namens Leben.

Das bunte Fototagebuch von Kristofferson San Pablo steckt jedenfalls voller plakativer wie sensibler Wunder, die das Leben ohne jeden Zweifel erst lebenswert machen. Vielleicht sollte sich der ein oder andere von uns eine große Scheibe dieser farbenfrohen Welt und ihrer Bewohner abschneiden. Denn zumindest oberflächlich betrachtet, scheint Kalifornien der Ort zu sein, an dem Träume wirklich wahr werden…

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Die Fotografie stammt von Kristofferson San Pablo
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Ab ins Bett!Wir Frauen stehen auch auf schnellen Sex

Es ist ja die eine Sache, den Namen des Typen, neben dem man am frühen Sonntagmorgen, mitsamt Kopfschmerzen, Mundgeruch und zerrissener Unterwäsche, aufwacht, nicht zu kennen. Aber es ist erst eine wirklich überaus tragische Sache, hunderte von Typen zu kennen und neben keinem von ihnen aufzuwachen....
Ab ins Bett!Wir Frauen stehen auch auf schnellen Sex

Ab ins Bett!

Wir Frauen stehen auch
auf schnellen Sex

Franziska Kuhn

Es ist ja die eine Sache, den Namen des Typen, neben dem man am frühen Sonntagmorgen, mitsamt Kopfschmerzen, Mundgeruch und zerrissener Unterwäsche, aufwacht, nicht zu kennen. Aber es ist erst eine wirklich überaus tragische Sache, hunderte von Typen zu kennen und neben keinem von ihnen aufzuwachen. Egal wann. Und wie.

Was ich damit versuche, möglicherweise etwas umständlich, auszudrücken, ist folgendes: Was zur Hölle ist verdammt noch mal mit euch Männern los? Oder besser gesagt: Seit wann muss ich mich als Frau für eine unverbindliche Nacht so reinhängen? Was ist denn aus den Zeiten geworden, in denen High Heels und Push-Up Garant für eine siegreiche Nacht waren?

Ganz ehrlich, es wird langsam deprimierend. Da hübscht man sich stundenlang auf, pflastert die ganzen Füße zu, glüht ordentlich vor und trinkt Runde um Runde auf die grandiose Nacht, in der man sich von Sitte und geltender Moral verabschieden wird und einfach hemmungslos sein will. Um dann letztendlich nur wieder eine weitere missglückte und fruchtlose Odyssee zu erleben, in der man zu viel Geld für Drinks, Zigaretten, das Taxi ins eigene Zuhause und Brazilian Waxing ausgegeben hat.

Das kann doch nicht sein! Es darf nicht wahr sein. Ist es doch wohl eine evolutionsbiologische Tatsache, dass sich Männer und Frauen anziehen müssen. So schreibt es die Natur vor! Warum also setzt dieser Urinstinkt mit Einbruch der Dunkelheit bei euch Männern aus? An uns liegt es schon mal nicht, so viel ist klar. Denn die Frauen dieser Welt sind bereit!

Wir haben endlich aufgehört, von irgendwelchen Duftkerzenprinzen auf daher gerittenen weißen Schimmeln zu träumen. Wir wollen Abenteuer. Unverbindliche Abenteuer. Nicht reden, keinen Nummernaustausch, kein Frühstück. Wir wollen es auch mal dreckig, wollen schreien. Das einzige, was unserer wilden Nacht wirklich im Wege steht, seid schlichtweg ihr!

Passt doch mal auf, liebe Männer, es ist gar nicht so schwer. Vertraut eurem ersten Eindruck! Sehe ich aus, als wäre ich ziemlich willig und furchtbar leicht zu haben, dann bin ich es vermutlich auch. Denn absolut keine Frau geht abends aus dem Haus, ohne sich nicht ausgiebig mit ihrem Kleiderschrank und der Wirkung seines Inhalts beschäftigen zu haben.

Sehe ich billig aus, will ich es, bin ich es. Trefft ihr auf so eine Frau, dann macht euch doch ran und fackelt nicht großartig rum. Und wenn ich euch dann auch noch zeigen will, wie schnell mein Herz schlägt, eure Hand aber direkt auf meine Brüste lege, frag doch bitte nicht nach meiner letzten Bionote. Deutet die Signale, benutzt eure Männlichkeit und schleppt mich ab!

Aber: Moment mal. Männlichkeit? Ja, wo ist die denn eigentlich geblieben? Statt den unbändigen Drang zu verspüren, uns am besten gleich hier und jetzt so dermaßen durchzuknallen, dass die Klowände wackeln, stellt ihr euch an wie ein katholischer Knabenchor beim Klosterbesuch und wollt uns erst einmal in Ruhe kennen lernen. Warum denn?

Wenn ich Samstag Nacht mit einem Typen schlafen will, brauche ich davor weder Sternzeichen zu vergleichen noch die Story aus dem letzten Nordseeurlaub. Das wäre ja fast so, als würde ich den Verkäufer bei Edeka nach seiner Meinung über Stehlampen fragen, bevor ich bezahle. Wer braucht so was? Alles, was ich in diesem Moment von einem Mann will, ist Sex. Punkt.

Und jetzt tut nicht so schockiert. Während wir Frauen immer unabhängig und freier werden. Werdet ihr femininer. Eure Hosen immer enger, die Haare länger. Dazu kommt, dass ihr seit Neuestem ständig über eure Gefühle quatschen wollt und problemlos zwei Stunden mit Fünft-Klass-Fummeln verbringen könnt. Klar, ein Mann der mit seinen Händen umgehen kann, ist ein Gott. Aber Fünftklassfummeln macht euch sicherlich zu keinem.

Ihr müsst ja kein wilder Hengst sein, der es von der WG-Küche über die Dusche bis in euer Schlafzimmer schafft. Aber ein bissen Action solltet ihr uns schon bieten können. Entschuldigt euch auch nicht andauernd, wenn es bei nicht aufgeräumt ist. Seid ihr gut in dem, was ihr tut, werde ich es nicht mal merken. Traut euch einfach was, werft uns aufs nicht gemachte Bett, auf den Schreibtisch, auf den Boden – ganz egal! Aber um Gotteswillen: fangt nicht das Diskutieren darüber an!

Wir sind doch alle jung, geil und frei, nach Jahrhunderten, Jahrtausenden der Unterdrückung. Wir sollten feiern, trinken und Sex haben! Wieso sich zurückhalten? Sex ist schließlich kein Verbrechen. Jedenfalls bei uns nicht. Endlich sind wir in einer Zeit angekommen, in der auch die Frauen zu ihrer Sexualität, ihren Bedürfnissen und Phantasien stehen dürfen.

Wir sollten uns darüber freuen, dass die Geschlechter beginnen, sich einander anzunähern und diesen Schnittpunkt so gut und so oft wie möglich nutzen. Findet also euren Testosteronknopf und sucht nicht nach irgendeinem Haken, wenn sich eine Frau offensichtlich interessiert an euch zeigt. Wir leben im 21. Jahrhundert, da kann das passieren.

Wenn ich euch also das nächste Mal in meinem Lieblingsclub erzähle, dass ich, oh nein, meinen Haustürschlüssel vergessen habe, mir es aber gerade nicht wirklich gut geht und ich mich dringend irgendwo hinlegen muss, dann will ich natürlich nicht, dass ihr mich so schnell wie möglich in die Notaufnahme karrt! Ist denn das wirklich so schwer zu verstehen?

Die Fotografie stammt von We-Vibe
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Mädchen in Los Angeles: Die kalifornische Schönheit

Dass es in Kalifornien nicht nur hübsche Landschaften, leckeres Essen und moderne Technologien gibt, beweist die Stylistin und Künstlerin Joanie Del Santo, die der Fotograf James Drew für C-Heads abgelichtet hat. Das aus Pasadena stammende Model hat die Sonne im Herzen und den Style am Körper. Wie m...
Mädchen in Los Angeles: Die kalifornische Schönheit

Mädchen in Los Angeles

Die kalifornische
Schönheit

Daniela Dietz

Dass es in Kalifornien nicht nur hübsche Landschaften, leckeres Essen und moderne Technologien gibt, beweist die Stylistin und Künstlerin Joanie Del Santo, die der Fotograf James Drew für C-Heads abgelichtet hat. Das aus Pasadena stammende Model hat die Sonne im Herzen und den Style am Körper. Wie man es eben von einer waschechten Westamerikanerin irgendwo rund um das angesagte Los Angeles erwartet.

„Ich kam als Dreijährige zur Mode„, erzählt uns Joanie. „Auf einer Dinnerparty habe ich die Schuhe der Freunde meiner Eltern gestohlen und mein erstes Lauftraining veranstaltet. Seit ich 17 bin, modele ich nun. Klamotten habe ich immer geliebt. Als ich meinen eigenen Style entwickelt habe, fragten mich Freunde ständig, ob ich ihnen auch bei ihrem helfen könnte. Alles entwickelte sich ziemlich organisch.“

Und weiter: „Ich habe auch meinen eigenen Onlinestore namens Saint Liberata eröffnet, in dem ich Vintagekleidung anbiete. Es ist das erste Projekt, das wirklich ganz allein mir gehört. Mein Opa modelt sogar auf der Seite. Außerdem bin ich ein riesiger Anime-Nerd. Ich liebe die japanische Kultur und finde sie faszinierend und speziell. Zum Unmut meiner Freunde verkleide ich mich sogar oft als Anime-Charakter.“ Ich bin verliebt.

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Die Fotografie stammt von James Drew
Als Model ist Joanie Del Santo zu sehen
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Sex im Seniorenheim: Junge Liebe zwischen alten Menschen

Jasmin war ein durchgestylter, prinzipientreuer und überall rasierter Punk, dem die Gesellschaft, und alles was darin verwickelt war, direkt am Arsch vorbei ging. Sie hörte leidenschaftlich gerne Slipknot, In Extremo und Knorkator, hätte die Welt, in der wir leben, am liebsten in den unheiligen Flam...
Sex im Seniorenheim: Junge Liebe zwischen alten Menschen

Sex im Seniorenheim

Junge Liebe zwischen
alten Menschen

Marcel Winatschek

Jasmin war ein durchgestylter, prinzipientreuer und überall rasierter Punk, dem die Gesellschaft, und alles was darin verwickelt war, direkt am Arsch vorbei ging. Sie hörte leidenschaftlich gerne Slipknot, In Extremo und Knorkator, hätte die Welt, in der wir leben, am liebsten in den unheiligen Flammen der Herrschaftslosigkeit aufgehen sehen und stammte aus einer wildgewordenen Zigeunerfamilie, was sie nicht müde wurde jedem und allem auf die Nase zu binden, und zwar genau mit diesem Begriff.

Zum ersten Mal traf ich im nahegelegenen Seniorenheim auf sie, in dem ich irgendwo zwischen Schulabschluss und Weltherrschaft einem unterbezahlten und langweiligen Job an der Rezeption entgegen sehen durfte, während sie Sozialstunden ableistete und eure Großeltern mit Brettspielen, Grießbrei und Matheaufgaben nötigte. Sie war 16. Ich nicht.

Während Jasmin mich auf der Brücke vor dem ständig nach Weinbrand, Zigaretten und Tod riechenden Schuppen noch vollkommen ignorierte, machten wir einige Stunden später im Fahrstuhl herum, schmissen uns in der Kapelle im obersten Stock gegenseitig mit unseren Klamotten ab und zündeten anschließend im Gemeinschaftsraum einen Joint an, während unsere älteren Mitmenschen ein Mittagsschläfchen hielten. Außer Herr Brechtl – die Perversion auf zwei Rädern.

Der alte Mann im Rollstuhl starrte uns mit gierigen Augen an, als wir gerade wieder im Begriff waren uns schick für die Außenwelt zu machen und den Rest des Joints im Garten zu versenken, rief irgendwas von Penissen und Handtüchern und schleifte uns daraufhin in sein Zimmer, wo er uns bei einem Gläschen Tee erzählte warum er sich ein Zimmer mit Blick auf den Sportplatz der anliegenden Schule gewünscht hatte. Wegen der leichtbekleideten, jungen Mädchen.

Er präsentierte uns alte, verstaubte Alben mit Fotos seiner vielseitigen FKK-Urlaube irgendwo am Meer und betitelte uns mit Geschlechtsteilen und Begriffen aus einer längst vergangenen Zeit, ohne es böse zu meinen. Wir lachten, wir freuten, wir sangen und flohen so schnell wir konnten aus seinem freizügigen Reich, als er kurz eingenickt war.

Nachdem wir uns auf der Toilette dem Sinn des Lebens näher brachten, ich angesteckt von ihrem Enthusiasmus am liebsten auf der Stelle meine Religion ablegen und zur Anarchie übertreten wollte und wir uns gegenseitig mit den Händen zwischen den Beinen und den Lippen auf der Brust schworen, niemals diesem System aus Kapitalismus, Sozialismus und Fundamentalismus beizuwohnen, änderte sich mein Bewusstsein gegenüber Gott für immer.

Es ist ja nicht so, dass ich leicht von Dingen zu überzeugen wäre, doch nach dieser Offenbarung, dem Anfang meines neuen Lebens und dem geschürten Hass gegen meine eigene Spezies, feierten wir den Beginn unserer neuen Weltordnung erst einmal gebührend, in dem wir uns bei Lidl ein paar eingeschweißte Hot Dogs klauten.

Meine Überzeugung zu Jasmin und ihrer Meinung hätte keine Grenzen mehr gekannt, wäre womöglich unsterblich geworden und hätte diese unsere Nation ins Verderben des satanischen, ewigen Feuers gestürzt, wenn ich sie nicht zwei Wochen später auf einer Schulparty mit der blonden Sabrina – Grinsekatze, weiße Socken und eine unterschiedlich große Oberweite – betrogen hätte und wir der Anarchie, dem tiefen Wunsch nach Chaos und dem Hass auf alle Ismen zum Trotz am nächsten Tag zusammen Eisessen gegangen wären.

Jasmin soll deswegen so abgrundtief sauer gewesen sein, dass sie der Legende nach den Kopf ihres besten Freundes aus Wut über mich so stark gegen das Waschbecken in seinem Bad geschlagen hat, dass dieses in alle Einzelteile zerbrach. Und obwohl ich seitdem nichts mehr von ihr hörte, bin ich mir sicher, dass sie ganz tief unter der Erde an einem glühenden Racheplan schmiedet, der alle Beteiligte direkt zu ihr in die Hölle katapultieren wird, damit wir uns gemeinsam für alle Ewigkeit der größten Folter von allen hingeben müssen: den FKK-Anekdoten von Herrn Brechtl zu lauschen.

Die Fotografie stammt von Emiliano Vittoriosi
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Feminismus: Ein Vorwand, um sich an Männern zu rächen

Letztens scrollte ich, wie so oft, durch Twitter, auf der Suche nach ein wenig Ablenkung durch lustige Sprüche und witzige Alltagsanekdoten, als ich an einer Reihe von Tweets hängenblieb, die mir regelrecht die Kotze in den offenen Mund trieb, den ich vor lauter Schock auch gar nicht mehr zu schließ...
Feminismus: Ein Vorwand, um sich an Männern zu rächen

Feminismus

Ein Vorwand, um sich an
Männern zu rächen

Lukas Neumann

Letztens scrollte ich, wie so oft, durch Twitter, auf der Suche nach ein wenig Ablenkung durch lustige Sprüche und witzige Alltagsanekdoten, als ich an einer Reihe von Tweets hängenblieb, die mir regelrecht die Kotze in den offenen Mund trieb, den ich vor lauter Schock auch gar nicht mehr zu schließen vermochte.

Emily Lindin, laut ihrer Kurzbiografie auf Twitter Dokumentarfilmerin und Autorin bei der Teen Vogue, verfasste die folgenden Statements: „Hier kommt eine unbeliebte Meinung: Ich bin tatsächlich kein bisschen besorgt über unschuldige Männer, die wegen falscher Vorwürfe der sexuellen Belästigung ihre Jobs verlieren. Erstens sind Falschbeschuldigungen sehr selten, schon alleine diese überhaupt anzuführen grenzt an eine Entgleisungstaktik. Es ist ein mikroskopisch kleines Risiko [dass eine Falschbeschuldigung vorliegt] im Vergleich zu dem Problem, um das es geht (weltweite, systematische Unterdrückung der Hälfte der Bevölkerung).“

Weiter schreibt sie: „Noch wichtiger ist: Der Gewinn für uns, die endlich die Wahrheit erzählen dürfen, und der Einfluss, den das auf die Opfer hat, ist bei Weitem mehr wert als dass ein einzelner Mann seine Reputation verliert. Tut mir leid. Wenn einige unschuldige Männer ihren Ruf verlieren müssen in dem Prozess, das Patriarchat zu stürzen, ist das ein Preis, den ich bereit bin, dafür zu bezahlen. Wie viele unserer Reputationen haben unfairerweise gelitten? Wie viele unserer Leben sind bereits zerstört worden aufgrund von körperlicher Gewalt gegen uns? Warum war das hinnehmbar, aber ein einzelner (unfairer) Verlust einer Karriereoption ist es nicht?“

Emily erntet für diese Aussagen viel Zuspruch, wie sich anhand der Retweets und Likes ihres Statements zeigt, was mir persönlich die Kotze noch ein bisschen weiter die Speiseröhre hochtreibt. Was die selbsterklärte Feministin dort von sich gibt, ist genauso harmlos, wie es sexuelle übergriffe sind. Nämlich gar nicht. Menschen für Taten zu bestrafen, die sie nicht begangen haben, ist – da stimmt ihr mir hoffentlich alle zu – Gewalt. Und Falschbeschuldigungen sind genauso große übergriffe, wie es Vergewaltigungen sind, denn sie können ein ganzes Leben zerstören. Für immer.

Ich möchte euch an dieser Stelle die Geschichte eines guten Freundes erzählen. Dieser war vor einigen Jahren mit einer Frau zusammen, die ihn fälschlicherweise der Vergewaltigung bezichtigte. Erst vor gemeinsamen Bekannten, später auch vor der Polizei. Das Verfahren landete nie vor Gericht, weil keine Beweise für eine Vergewaltigung vorlagen, aber Zweifel an der Unschuld meines Freundes blieben. Auch dann noch, als er Facebook-Nachrichten vorlegte, in denen seine Exfreundin ihm damit drohte, ihm eine Vergewaltigung anzuhängen, sollte er es wagen und sich von ihr trennen.

Nachdem er trotzdem Schluss gemacht und sie ihn daraufhin bei der Polizei angezeigt hatte, rief sie ihn sogar an und sagte ihm, dass sie ihre Aussage zurückziehen würde, wenn er wieder mit ihr zusammenkäme. Er ging nicht darauf ein. Verzichtete nach der Verfahrenseinstellung aber auf eine Gegenanzeige wegen falscher Verdächtigung, weil er wusste, dass seine Exfreundin eine narzisstische Persönlichkeitsstörung hatte und statt einer Strafe des Gerichts therapeutische Hilfe benötigte.

Sein Ruf behielt dennoch große Kratzer zurück. Nicht zuletzt deshalb, weil er seine psychisch kranke Exfreundin nicht noch mehr bestrafen wollte. Er nahm den Rufmord einfach hin, weil er weder sich noch seiner Exfreundin noch mehr schaden wollte, als sie es bereits getan hatte. Und leidet bis heute darunter, dass er von einigen seiner Mitmenschen als Vergewaltiger gesehen wird, obwohl er nie etwas getan hat.

Schuld daran ist unter anderem der Ausruf „Glaubt den Frauen!“, auf den Feministinnen sich immer wieder berufen. Es mag sein, dass Frauen in der Vergangenheit zu selten Glauben geschenkt wurde. Das ändert aber nichts daran, dass jede Geschichte zwei Seiten hat, von denen es beide wert sind, gehört zu werden, bevor ein abschließendes Urteil über Schuld oder Unschuld gefällt wurde.

Versteht mich nicht falsch: Ich bin sehr wohl dafür, dass Menschen, die sexuelle Gewalt ausüben, dafür bestraft werden. Oder sagen wir besser: Dass Menschen, die generell Gewalt ausüben, ihre gerechte Strafe bekommen. Die kann und sollte allerdings nur ein Gericht verhängen. über Menschen, die jemanden physisch angreifen genauso wie über die Personen, die gezielte Rufschädigung betreiben und die Reputation eines Menschen zerstören, nur weil es ihnen gerade in den Kram passt.

Natürlich sollen und müssen Vergewaltigungsfälle restlos aufgeklärt werden, auch um potenzielle zukünftige Opfer schützen zu können. Jemanden vorschnell aufgrund einer einzelnen Aussage zu verurteilen und sozial zu ächten, ihm den Job wegzunehmen und von der Gesellschaft auszuschließen, ohne dass bewiesen ist, dass er die vorgeworfene Straftat überhaupt begangen hat, ist jedoch vollkommen falsch. Ich sage das mit einem Blick auf den G20-Aktivisten Fabio, der mehrere Monate in Untersuchungshaft saß, ohne dass ihm eine konkrete Straftat nachzuweisen wäre.

Warum nur, frage ich, ist in diesem Fall die Empörung so groß, während in den ganzen bekanntgewordenen Fällen angeblicher sexueller übergriffe alle nach Verurteilung schreien, ohne dass Beweise für die Aussagen der Frauen vorliegen? Der Feminismus misst hier mit zweierlei Maß. Und richtet über Dinge, über die er meiner Meinung nach nicht zu richten hat. Weil der Feminismus nun mal nicht die Justiz ist, sondern lediglich ein Haufen Einzelpersonen, denen nicht alle Fakten bekannt sind. Und der noch dazu dazu neigt, die Dinge eher emotional zu bewerten als so, wie sie bewertet werden sollten. Nämlich rational.

Mich wundert es keineswegs, dass Feminismus einen so schlechten Ruf hat, wenn ich mir so ansehe, wie schnell sich insbesondere im Netz ein wütender Mob zusammenschließt, der Vorwürfe aufgreift und aufbläst, die er irgendwo mal aufgeschnappt hat. Ohne sie auch nur ansatzweise zu hinterfragen.

Ich sage euch ganz ehrlich: Euer Feminismus kotzt mich an. Denn es geht längst nicht mehr um Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau, sondern nur noch darum, sich über die Dinge zu erheben und sie für die eigenen Zwecke zu instrumentalisieren. Notfalls auf die Kosten von unschuldigen Männern. Das ist nicht nur grundlegend falsch, sondern auch gewalttätig. Und irgendwie auch das, was Feministinnen so gerne anprangern. Nämlich Ungerechtigkeit aufgrund von Geschlechtszugehörigkeit.

Nicht alle Männer sind Gewalttäter und Vergewaltiger. Manche Frauen sind auch Lügnerinnen, die einfach nur ein bisschen Aufmerksamkeit wollen. Oder Rache an Exfreunden und ehemaligen Kollegen oder Vorgesetzen. Bevor ihr die nächste Sau wegen irgendwelcher Vorwürfe durchs Dorf treibt und ihnen alles was ihnen lieb ist nehmt, denkt doch bitte mal daran.

Die Fotografie stammt von Melani Sosa
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Mädchen in Australien: Zuhause mit Kirby White

Es gibt zwei Dinge, die mich ganz besonders an Instagram nerven. Erstens: Dass es so süchtig macht, dass ich gar nicht merke, wenn ich eine halbe Stunde am Stück durch meinen Feed gescrollt bin und mir eine Story und ein Foto nach dem anderen gegeben habe. Und zweitens: Dass ich immer ein wenig f...
Mädchen in Australien: Zuhause mit Kirby White

Mädchen in Australien

Zuhause mit
Kirby White

Daniela Dietz

Es gibt zwei Dinge, die mich ganz besonders an Instagram nerven. Erstens: Dass es so süchtig macht, dass ich gar nicht merke, wenn ich eine halbe Stunde am Stück durch meinen Feed gescrollt bin und mir eine Story und ein Foto nach dem anderen gegeben habe.

Und zweitens: Dass ich immer ein wenig frustriert werde, wenn alle auf den Bildern viel schönere und aufregendere und tollere Leben habe als ich. Und, ja, ich weiß, dass die meisten Leute ihre vermeintlich so spontanen Schnappschüsse durch irgendwelche gecrackten Beauty-Apps jagen, aber trotzdem…

Kirby White zum Beispiel ist ein mehr als gechilltes Model aus New South Wales in Australien, dessen Instagram-Feed so nice und unaufgeregt, aber dennoch wunderschön ist. Sie chillt mit ihren Freunden am Strand, auf der Couch oder in der Dusche – und selbst diese sonst so banalen Aktivitäten sehen bei ihr so viel spannender und lebenswerter aus als bei mir.

Wenn ich in der Dusche stehe, kann ich froh sein, wenn ich nicht gerade auf der herunter gefallenen Shampooflasche ausrutsche und mir das Genick breche, während ich gleichzeitig darüber nachdenke, ob es jetzt in Ordnung ist, in der Dusche zu pinkeln oder nicht…

Der australische Fotograf David Collier findet Kirby wohl genauso toll wie ich, schließlich hat er das Down-under-Model zum Objekt seiner letzten Fotosession fürs Nakid Magazine gemacht. „Miss White“ heißt das Ganze und es zeigt Kirby bei ganz alltäglichen Aufgaben. Putzen, duschen, chillen, alles in irgendeinem hübschen Apartment auf dem inselhaften Kontinent.

Und was könnte die Fotos noch besser als entblößte Brüste machen? Genau: Pizza! Hach, Kirby, würde ich jetzt einen Flaschengeist finden und an ihm rubbeln, ich würde mir dreimal wünschen, dass ich mein schnödes Leben mit dir tauschen könnte…

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Die Fotografie stammt von David Collier
Als Model ist Kirby White zu sehen
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Ficken für Fortgeschrittene: Sex ist nur schmutzig, wenn er richtig gemacht wird

Vor langer, langer Zeit gab es mal ein Online-Portal, das sich StudiVZ nannte. Das war so etwas wie Facebook, aber für Leute, die noch zur Uni gingen. Oder zumindest so taten. Eigentlich war es dazu gedacht, sich mit Mitstudierenden und Freunden besser und schneller vernetzen zu können, aber wenn wi...
Ficken für Fortgeschrittene: Sex ist nur schmutzig, wenn er richtig gemacht wird

Ficken für Fortgeschrittene

Sex ist nur schmutzig,
wenn er richtig
gemacht wird

Lena Freud

Vor langer, langer Zeit gab es mal ein Online-Portal, das sich StudiVZ nannte. Das war so etwas wie Facebook, aber für Leute, die noch zur Uni gingen. Oder zumindest so taten. Eigentlich war es dazu gedacht, sich mit Mitstudierenden und Freunden besser und schneller vernetzen zu können, aber wenn wir ehrlich sind, waren wir da doch alle nur angemeldet, um irgendwelchen sinnlosen Gruppen beizutreten, die nur dazu dienten, unsere Profile und damit auch uns selbst ein wenig cooler aussehen zu lassen.

Die hießen beispielsweise „Wenn man Tiere nicht essen darf, warum sind sie dann aus Fleisch?“, „Es gibt bessere Partys als das Rügenwalder Mühlenfest!“, „Ich fand Hitler schon scheiße, als er noch in ganz kleinen Clubs spielte!“ oder aber „Guter Sex ist, wenn selbst die Nachbarn danach eine rauchen!“.

Ursprünglich waren diese Gruppen wohl mal dazu gedacht, um mit Gleichgesinnten über bestimmte Themen diskutieren zu können. Dafür wurden sie allerdings so gut wie nie genutzt. Es ging um nicht mehr und nicht weniger, um den eigenen Charakter anhand der Gruppentitel irgendwie zu umreißen und so allen Kommilitoninnen und Kommilitonen zu zeigen, was für ein cooler Typ oder eine heiße Braut man war. Nur Streber traten irgendwelchen Gruppen bei, in denen tatsächlich über Hausarbeiten und anstehende Klausuren geredet wurde.

Wie ihr euch sicher alle vorstellen könnt, gehörte ich nicht dazu. Meine Gruppen drehten sich alle um Feiern, Ficken und Fäkalhumor. Vermutlich wundert es euch deshalb auch nicht, wenn ich euch verrate, dass meine Lieblingsgruppe eine war, die den vielsagenden Titel „Dreck ist nur schmutzig, wenn er richtig gemacht wird!“ war. Aber um die soll es hier heute gar nicht gehen. Sondern um die StudiVZ-Gruppe, der dieser Name nachempfunden war: „Sex ist nur schmutzig, wenn er richtig gemacht wird!“

Seit #MeToo zuerst durch die sozialen Netzwerke und dann durch die Medien gejagt wurde, haben Männer auf der ganzen Welt ein großes Problem, das zumindest in ihren Augen schwerer zu wiegen scheint, als dass Frauen auf der ganzen Welt tagein, tagaus mit sexueller Belästigung zu kämpfen haben, die – Überraschung – in den allermeisten Fällen von Männern ausgeübt wird.

Mann hat Angst, dass bald schon ein „harmloser Flirt“ zur Anzeige gebracht wird und beschwert sich, dass die Frauen von heute immer prüder werden, was „Sex“ betrifft, aber zeitgleich ihren Körper mit weiten Ausschnitten, kurzen Röcken und engen Hosen so zur Schau stellen, dass Mann das ja nur als Einladung zum sofortigen Geschlechtsverkehr verstehen könne.

In sozialen Netzwerken – in erster Linie Twitter und Instagram – tun Frauen zwar gerne so, als wären sie sehr aufgeschlossen und versaut, aber wenn Mann ihnen dann ein Penisfoto schickt oder sie fragt, ob sie Bock haben zu ficken, stellen sie einen direkt als sexistisches Schwein an den Pranger.

Wer soll denn da den Überblick behalten, was man noch darf und was nicht? Wie soll man überhaupt noch Frauen kennenlernen? Und das Wichtigste: Wie findet man zwischen den ganzen Feministinnen noch eine, die im Bett zwar genauso dirty ist wie man selbst, aber eben auch keine Schlampe?

Nun, genau das möchte ich heute gerne erklären. Und zwar anhand der bereits oben erwähnten StudiVz-Gruppe „Sex ist nur schmutzig, wenn er richtig gemacht wird!“. Es ist nämlich so, dass Frauen keineswegs prüder geworden sind. Sexismus zu benennen und sich dagegen zu wehren, bedeutet nicht, dass wir keine Lust haben, zu ficken und gefickt zu werden.

Genauso, wie Titten zu zeigen oder Röcke zu tragen, die mehr freigeben als sie verdecken, nicht bedeutet, dass man keine Feministin ist, die Wert darauf legt, mit ein wenig Anstand und Respekt behandelt zu werden. Die meisten Frauen stehen genauso sehr auf Sex wie es Männer tun.

Aber – und damit kommen wir zum Punkt – Sex ist eben nur schmutzig, wenn er richtig gemacht wird. Und dazu gehört in erster Linie, dass er einvernehmlich ist und allen Beteiligten gleichermaßen Spaß macht. Ich sage bewusst „allen Beteiligten“, weil Sex sich nicht auf zwei Personen beschränken muss.

Wir Frauen reden so gerne über Sex, weil wir ihn eben mögen. Und wir reden über Sexismus, weil er uns stört. Beides sind vollkommen unterschiedliche Dinge, die in unserer Gesellschaft aber leider doch Hand in Hand gehen. Das liegt vor allem daran, dass sie meisten Kerle Sex und Sexismus nicht voneinander unterscheiden können. Aber ich will euch jetzt wirklich nicht erklären, was sexistisch ist und was nicht, sondern lieber darüber schreiben, wie Mann den dreckigen Sex bekommt, der er sich wünscht.

Zu allererst wäre da der Punkt, dass Typen einfach häufig viel zu plump vorgehen. Ganz ehrlich: Wer von euch hat schon mal eine Frau herumgekriegt, indem er ihr auf der Straße hinterhergerufen hat, dass er gerne mal seinen Schwanz in sie schieben würde? Niemand. Aus dem einfachen Grund, dass es so respektlos ist, dass Frauen sich nicht mal dann darauf einlassen würden, wenn ihr Ryan Gosling persönlich wärt.

Geilen Sex bekommt ihr, indem ihr auf die Bedürfnisse von Frauen eingeht und sie nicht etwa von oben herab behandelt oder ihnen vorschreibt, was sie zu tun haben. Wenn ihr gemeinsam über Vorlieben und Abneigungen sprecht. Vielleicht nicht unbedingt beim ersten Date, aber eben dann, wenn so langsam klar wird, dass ihr miteinander im Bett landet werdet.

Es hilft auf alle Fälle, als Mann erst einmal zuzuhören, bevor man solche Ansprüche stellt wie „Du musst auf alle Fälle deepthroaten können, und wenn du dich nicht in den Arsch ficken lässt, dann wird das eh nichts mit uns beiden!“. Die meisten Frauen machen das von ganz alleine. Vorausgesetzt, sie haben Bock auf euch.

Wir sind nämlich genauso dirty, wie wir im Internet gerne tun. Nur bestimmen wir gerne selbst darüber, wer seinen Schwanz jetzt in uns schieben darf und wer nicht. Und da haben sexistische Schweine nun mal schlechtere Karten als die Typen, die uns nicht direkt ihren Penis ins Gesicht klatschen wollen oder uns sagen, dass wir viel zu prüde sind, nur weil wir ein wenig Respekt verlangen, bevor ihr uns ficken dürft. Und danach übrigens auch.

Wer nett ist, steigert seine Chancen auf Sex um 100 Prozent. Und wer erwartet, dass wir all die Sachen tun, die man so in Pornos zu sehen bekommt, der sollte erst einmal einen Realitätscheck machen, ob er selbst überhaupt das leisten kann, was die Typen in den Pornos leisten – und uns dann die Zeit geben, uns erst einmal so wohl zu fühlen, dass wir von uns aus verlangen, dass ihr uns euren Schwanz bis zum Anschlag in den Arsch schiebt.

Wer dreckigen Sex will, der muss es eben richtig machen. Und das geht am Einfachsten, wenn man sich als Typ erst mal selbst zurückhält und sich stattdessen um unsere Bedürfnisse kümmert. Allen voran Respekt im täglichen Umgang miteinander. Übrigens: Wer Sex für das Geilste hält, hat noch nie richtig gegrillt.

Die Fotografie stammt von Dainis Graveris
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Keine Angst vor AIDS: Ich habe mit einem HIV-infizierten Mann geschlafen

Ich habe kürzlich jemanden auf Tinder aufgerissen, der HIV-positiv ist. Erzählt hat er es mir bei unserem dritten Date, als wir gerade damit fertig waren, die dampfenden Ramenschüsseln vor uns auszulöffeln. Dabei war er ganz sachlich und ruhig, ein bisschen so, als würde er mir gerade erzählen, dass...
Keine Angst vor AIDS: Ich habe mit einem HIV-infizierten Mann geschlafen

Keine Angst vor AIDS

Ich habe mit einem
HIV-infizierten Mann
geschlafen

Nadine Kroll

Ich habe kürzlich jemanden auf Tinder aufgerissen, der HIV-positiv ist. Erzählt hat er es mir bei unserem dritten Date, als wir gerade damit fertig waren, die dampfenden Ramenschüsseln vor uns auszulöffeln. Dabei war er ganz sachlich und ruhig, ein bisschen so, als würde er mir gerade erzählen, dass er sich gestern im Schlussverkauf ein Paar blaue Socken gekauft hat.

Vermutlich war das auch der Grund, weshalb ich nicht wirklich geschockt war ob dieses doch sehr intimen Geständnisses. Hätte er angefangen zu heulen und mir erzählt, dass er womöglich an den Folgen der HIV-Infektion, also AIDS, sterben wird, hätte ich höchstwahrscheinlich mitgeheult. Was soll ich sagen, ich bin eben ein Sensibelchen, das extrem stark auf die Stimmungen anderer Menschen reagiert.

Ich selbst habe bereits drei oder vier HIV-Tests hinter mehr und muss sagen, dass sie alle gleichermaßen unangenehm waren, auch wenn das Ergebnis immer negativ zurückkam und ich somit trotz einiger Ausrutscher, bei denen ich ungeschützten Geschlechtsverkehr hatte, kerngesund war.

Von einer längst ausgeheilten da sofort nach der Entdeckung behandelten Chlamydien-Infektion mal abgesehen. Da auch in meinem direkten Umfeld niemand an HIV erkrankt war oder ist, zumindest weiß ich nichts davon, musste ich mich damit also noch nie näher auseinandersetzen.

Ich weiß, dass HIV-Infektionen zu AIDS führen können, das Risiko, dass dieser Fall eintritt, aufgrund der modernen Medikamente gen null geht – sofern man rechtzeitig von der Erkrankung erfährt und die Möglichkeit und Mittel hat, sich medizinisch behandeln zu lassen, versteht sich. Ich weiß auch, dass der überwiegende Teil der Menschen, die sich mit HIV infizieren, noch immer Männer sind, die ungeschützten Geschlechtsverkehr mit anderen Männern haben.

Ich weiß, dass HIV-Infektionen der Meldepflicht unterliegen, obwohl man sich anonym testen und beraten lassen kann und dass man streng genommen niemanden erzählen muss, dass man selbst HIV-positiv ist. Daneben mir ist natürlich bewusst, dass kaum eine Erkrankung so krass stigmatisiert wird, wie AIDS und die dem AIDS vorangegangene Infektion mit HI-Viren.

Und nun saß ich da, vor dem ersten offen HIV-positiven Menschen, den ich kennengelernt hatte und fragte mich, was seine Diagnose nun für mich bedeutete. Wir hatten uns bereits geküsst, aber ich wusste natürlich, dass man sich dabei nicht anstecken kann, wenn man sich nicht unbedingt gerade gegenseitig die Lippen zerkaute. Und jetzt wollte er offenbar mit mir ins Bett. Wieso sonst sollte er mir von seiner HIV-Infektion erzählen? Aus Spaß an der Freude nämlich sicher nicht.

Weil ich mir aber nicht ganz sicher war, fragte ich ihn, ob das ein indirektes Angebot für schmutzigen Sex war, oder ob ich ihm einfach ein bisschen was von meiner Borderline-Diagnose und dem Leben als irres Psychomädchen, das keine stabilen Beziehungen führen kann erzählen solle, weil unser Gespräch sich gerade in Richtung „Leute, vor denen andere Menschen richtig krasse Angst haben“ bewegte.

Im ersten Moment sah er sehr verwirrt aus, dann lachte er und sagte, dass er gerne mit mir ins Bett gegen würde, wenn ich denn keine Angst vor ihm hätte, woraufhin ich entgegnete, dass ich sehr gerne mit ihm ins Bett gehen würde, wenn er denn keine Angst vor mir hätte, womit beschlossene Sache war, dass wir miteinander ins Bett gehen würden, und zwar noch am selben Abend.

Die Möglichkeit, mich vor unserem Stelldichein noch ganz schnell um PrEP zu kümmern, fiel damit also weg. PrEP ist die Abkürzung für „Präexpositionsprophylaxe“, was auf Deutsch so viel bedeutet wie „Vorsorge vor einem Risikokontakt“, um den es sich bei meinem Date ja eindeutig handelte.

Bei dieser Art von Schutzmethode gegen eine HIV-Infektion nehmen Menschen, die sich bisher nicht mit dem Virus angesteckt haben, entweder täglich oder anlassbezogen, also vor und nach sexuellen Kontakten mit HIV-positiven Personen, ein HIVMedikament ein, um sich vor einer Ansteckung zu schützen.

Richtig angewandt schützt die Präexpositionsprophylaxe genauso gut wie Kondome und die sogenannte „Schutz durch Therapie“. Letzteres bedeutet, dass HIV-positive Personen, die regelmäßig HIVMedikamente einnehmen, trotz ihres positiven Status nicht länger ansteckend sind.

Kombiniert man Schutz durch Therapie, Kondome und PrEP, ist eine Ansteckung mit HIV also nahezu ausgeschlossen. Vorausgesetzt natürlich, man wendet die Methoden auch korrekt an und verzichtet nicht etwa auf Kondome, nur weil das Gegenüber behauptet hat, es sei gesund oder unter der Nachweisgrenze für HIV und somit nicht mehr ansteckend.

Nachdem wir die „Zu mir oder zu dir?“-Frage geklärt hatten und uns auch darüber einig waren, dass wir sämtliche sexuellen Aktivitäten, also auch Oralverkehr bei ihm und mir, nur mit Kondom ausüben würden, zahlten wir die Rechnung und machten uns auf den Weg in meine Wohnung.

Ab diesem Moment lief es eigentlich wie mit jedem anderen Sexualpartner auch. Noch im Flur begannen wir rumzumachen, zu fummeln und uns auszuziehen, bis wir schließlich in meinem Zimmer auf dem Bett landeten. Zum Glück machte meine Mitbewohnerin zusammen mit ihrem Freund gerade Heimaturlaub bei ihren Eltern, sodass es kein Problem war, dass wir praktisch schon direkt nachdem die Haustür ins Schloss gefallen war nackt waren!

Ich hatte mir Sex mit einer HIV-positiven Person immer anders vorgestellt, als es letztendlich war. Nicht, dass ich ständig über Sex mit HIV-infizierten Leuten fantasieren und dazu masturbieren würde, aber man macht sich eben schon so seine Gedanken, wenn man wie ich sexuell überaus aktiv ist.

Ich dachte von mir selbst immer, dass ich Berührungsängste hätte, spätestens, wenn es darum ginge, den Penis meines HIV-positiven Gegenübers anzufassen. War dann aber überhaupt nicht so, was aber vermutlich auf seine entspannte Art und seinen lockeren Umgang mit seiner Infektion zurückzuführen war.

Der Sex war absolut fantastisch. Genauere Details erspare ich euch an dieser Stelle lieber. Doch nur so viel: Ich hatte schon wesentlich schlechtere Lover, bei denen ich mir im Nachhinein mehr Gedanken darüber gemacht habe, dass sie mich mit irgendwas Ekligem ansteckt haben könnten, weil ich zum Beispiel festgestellt habe, dass sie sich weder nach dem Gang zur Toilette noch bevor sie ihre Finger in mir versenkt haben, die Hände gewaschen hatten.

Der HIV-positive Mann und ich daten übrigens noch immer, wenn auch nur sporadisch, weil wir uns auf eine Art Fickding geeinigt haben. Ich verzichte zwar auf PrEP, teste mich seitdem aber alle vier Wochen mit einem HIV-Selbsttest auf das Virus.

Und ja, vor meinen Freunden nenne ich ihn nicht „den HIV-Positiven“, denn die Erkrankung soll weder ihn noch unsere sexuelle Beziehung zueinander definieren. Stattdessen bezeichne ich ihn als „den besten Fick seit Jahren“. Das ist er nämlich wirklich. Auf allen erdenklichen Ebenen.

Die Fotografie stammt von Dainis Graveris
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Mädchen in Hamburg: Ein Nachmittag mit Julia

Dass Hamburg eine durch und durch wunderschöne Stadt ist, beweisen nicht nur die kunterbunten Straßen, idyllischen Häfen und ikonischen Etablissements, die überall verteilt sind, sondern auch die Menschen, die sich tagtäglich durch die Metropole an der Elbe bewegen. Wer das Glück hat, rund um Altona...
Mädchen in Hamburg: Ein Nachmittag mit Julia

Mädchen in Hamburg

Ein Nachmittag
mit Julia

Daniela Dietz

Dass Hamburg eine durch und durch wunderschöne Stadt ist, beweisen nicht nur die kunterbunten Straßen, idyllischen Häfen und ikonischen Etablissements, die überall verteilt sind, sondern auch die Menschen, die sich tagtäglich durch die Metropole an der Elbe bewegen. Wer das Glück hat, rund um Altona, Eimsbüttel oder das Schanzenviertel zu leben, weiß um die Liebe, die die Bewohner mit Hamburg verbinden.

Eine der bezaubernden Gestalten, die Hamburg Tag für Tag noch ein bisschen hübscher machen, ist Julia, die in einem netten Klamottenladen namens Vintage Gallery arbeitet und tatkräftig dafür sorgt, dass stilbewusste Menschen ihren Store noch stilbewusster verlassen. Der angehende Fotograf Daniel Dittus hat die Hamburger Schönheit an einem sonnigen Frühlingstag für Sticks & Stones verewigt. Mit einer Ananas.

„Wir renovieren gerade meine neue Wohnung und sind darin auf Tapeten aus den Siebzigern gestoßen“, erzählt Daniel uns. „Ich habe Julia durch einen Freund kennengelernt und war fasziniert von ihrem Style und ihrem Vibe. Also habe ich sie gefragt, ob sie nicht mal Lust auf ein Shooting hätte. Wir hatten Glück, die Sonne strahlte und Julia, die zuvor noch nie vor der Kamera stand, zog einfach ihr eigenes Ding durch.“ Wundervoll!

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Die Fotografie stammt von Daniel Dittus
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Selena Gomez: Vom Disneymädchen zum Superstar

Ich sage es jetzt mal, wie es wirklich ist: Selena Gomez ist der mit Abstand schönste, emotionalste, interessanteste, liebenswerteste und tollste Mensch auf diesem Planeten. Mit Abstand. Egal, durch wie viele Hochs und Tiefs sie auch geht, wie sehr die Welt auf sie herab und hinauf schaut und wie un...
Selena Gomez: Vom Disneymädchen zum Superstar

Selena Gomez

Vom Disneymädchen
zum Superstar

Marcel Winatschek

Ich sage es jetzt mal, wie es wirklich ist: Selena Gomez ist der mit Abstand schönste, emotionalste, interessanteste, liebenswerteste und tollste Mensch auf diesem Planeten. Mit Abstand. Egal, durch wie viele Hochs und Tiefs sie auch geht, wie sehr die Welt auf sie herab und hinauf schaut und wie unwohl sie sich bei all diesem Starrummel auch fühlt – sie kehrt immer wieder zurück. Immer wieder.

Selena Gomez lässt sich durch nichts und niemanden unterkriegen. Nicht von der Presse, nicht von Instagram, nicht von Justin Bieber, nicht von irgendeiner Krankheit. Selena Gomez ist die Stärke in Person. Und um das wiederholt zu beweisen, erfindet sie sich und ihre Musik immer wieder neu.

Ganz gleich, ob es sich um eine emotionale Abrechnung oder einen clubtauglichen Track handelt, Selena Gomez, die durch die Disney-Serie Die Zauberer vom Waverly Place bekannt wurde, manövriert sich mit einer dynamischen, anmutig zurückhaltenden Gesangspräsenz durch jedes Lied.

„Meine Priorität bei meiner Musik ist es, meine Stärken herauszufinden, und eine Möglichkeit, dies zu tun, bestand darin, meine tiefsten Gedanken zu erforschen“, sagt Selena. „Ich bin wirklich stolz darauf, und ich glaube, es hat mir geholfen, die bestmögliche Leistung zu erbringen.“

Ein weiterer wichtiger Punkt ihrer Arbeit: Sie schüttelte ihre Angst ab, in ihren Texten ihre Seele offen zu legen. „Es gibt Momente, in denen es mir unangenehm ist, bestimmte Dinge in meinem Leben anzusprechen, also musste ich daran arbeiten, stark genug zu werden“, erzählt Selena uns. „Schließlich habe ich gelernt, diese Barrieren zu überwinden, und dafür bin ich sehr dankbar. Es ist alles sehr emotional anstrengend, aber auf eine gute Art und Weise.“

Obwohl Selena, die unter anderem bereits mit international beliebten Künstlern wie Blackpink, Gucci Mane und Taylor Swift kooperiert hat, ganz offen zugibt, dass ihre Rolle als Popvorbild sie anfangs durchaus eingeschüchtert habe, packte sie die Gelegenheit schließlich beim Schopfe und kostete die neuen kreativen Freiräume aus.

“Ein so großer Teil meines Lebens hat sich nun schon in der Öffentlichkeit abgespielt, und ich stehe inzwischen an einem Punkt, an dem ich einfach die Dinge artikulieren will, die mir persönlich wichtig sind, ganz gleich, wie die Leute das dann aufnehmen oder darauf reagieren“, erzählt Selena uns. „Und ich will niemandem etwas vormachen: Alles, was ich singe, muss wirklich meine Gedanken und Gefühle widerspiegeln.” Und genau für diese Einstellung lieben wir sie.

Selena Gomez: Vom Disneymädchen zum Superstar Selena Gomez: Vom Disneymädchen zum Superstar Selena Gomez: Vom Disneymädchen zum Superstar Selena Gomez: Vom Disneymädchen zum Superstar Selena Gomez: Vom Disneymädchen zum Superstar
Die Fotografie stammt von A24, Interscope Records und YG Entertainment
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Sexting für Anfänger: Die geheime Kunst der digitalen Nacktfotos

Alte Leute haben einen besonders kreativen Begriff dafür erfunden, wenn ihr euren Kommilitonen Nacktfotos von euch schickt: Sexting. Und weil sie nicht gerade begeistert davon sind, dass wir uns gegenseitig unsere primären und sekundären Geschlechtsteile zeigen, gibt es immer wieder Aufklärungs- und...
Sexting für Anfänger: Die geheime Kunst der digitalen Nacktfotos

Sexting für Anfänger

Die geheime Kunst der digitalen Nacktfotos

Daniela Dietz

Alte Leute haben einen besonders kreativen Begriff dafür erfunden, wenn ihr euren Kommilitonen Nacktfotos von euch schickt: Sexting. Und weil sie nicht gerade begeistert davon sind, dass wir uns gegenseitig unsere primären und sekundären Geschlechtsteile zeigen, gibt es immer wieder Aufklärungs- und Medienkampagnen, die uns davor warnen und abhalten sollen, die eigenen entblößten Körper quer durchs Internet zu schicken.

Da uns allen klar ist, welchen Nutzen solche Initiativen haben, nämlich gar keinen, und dass sich Professoren, die sich immer wieder laut und öffentlich empören, wahrscheinlich selbst erst mal einen runterholen, wenn sie Nudes ihrer eigenen Studentinnen im Internet entdecken, gibt es an dieser Stelle wertvolle Tipps für digitale Nacktfotos – damit ihr am Ende nicht allzu doof da steht, wenn die halbe Uni sie in die Finger bekommt.

Alle paar Wochen schüttet das Internet mehr schlecht als recht ansehnliche Nacktaufnahmen von irgendwelchen meist drittklassigen Promis vor uns aus, die aussehen, als hätte sie gerade ein Paparazzo durchs Badfenster beim Kacken erschreckt. Mieses Licht, noch miesere Pose, mieseste Auflösung.

Wer will denn so in die Geschichte eingehen? Wenn ihr euch schon die Mühe macht, euren unbedeckten Körper zur Schau zu stellen, dann müsst ihr das in einer Art und Weise zelebrieren, die alle anderen umhaut und euch und eure Auffassungen vom Leben niemals wieder in Frage stellt.

Hütet euch also davor, schnell irgendwelche dahin gerotzten Bilder eurer Brüste mitsamt BH-Abdrücken oder der mit Stoppeln, Fusseln und weißem Schmodder bedeckten Muschi zu machen. Schminkt euch, stylet euch, wascht euch und eure Haare. Und rasiert euch, falls ihr nicht gerade zu den Mädchen gehört, die den wärmenden Busch zelebrieren und keine Lust darauf haben, da unten wie eine Grundschülerin auszusehen.

Gebt euch einfach ein wenig Mühe, schließlich wollt ihr nicht denselben dilettantischen Fehler machen wie schon so viele andere Leichtgläubige vor euch und am schlimmsten noch zu hastig zwischen zwei wichtigen Terminen auf die unmenschlichste Art und Weise zu Selfies zwingen lassen, die euch im Nachhinein nur noch leid tun können. Denn Reue ist ein schreckliches Gefühl.

Nichts ist peinlicher, als ein Nacktfoto von euch, auf dem ihr ausseht wie ein 80er-Jahre-Pornostar. Werft euch nicht die Schminke und den Lippenstift ins Gesicht, posiert nicht, als würde euch gleich ein Pferd aus einer anderen Dimension von hinten rammeln und leckt euch auch nicht lasziv über den sabbernden Mund. Das will doch niemand sehen!

Je natürlicher ist ausseht umso sexuell attraktiver fühlt ihr euch und seid ihr auch für andere. Stellt oder legt euch ganz normal hin, guckt sexy, aber nicht übertrieben, und seht von bescheuerten Gesten wie dem Duckface, Posen aus Kinofilmen oder dem in die Kamera gestreckten Peace-Zeichen ab.

Wer selbst auf Nackedeibildern selbstbewusst und auf eine natürliche Art und Weise sexy rüberkommt, der gewinnt sowohl den Respekt des Betrachters als auch seinen eigenen. Sich ausziehen und davon Bilder machen, das kann wirklich jeder. Die Magie eures entblößten Körpers rüberbringen, das schaffen allerdings nur sehr wenige.

Selbst Mädchen mit dem schönsten Körper, den krassesten Augen und dem heißesten Lächeln sind bereits über eine Sache gestolpert: Ihr ätzendes Zimmer. Denn auf den Fotos, die ihr so in die Welt pustet, seid nicht nur ihr selbst zu sehen, sondern auch euer schonungslos dargestelltes offenes Leben.

Dreckige Unterwäscheberge am Boden, versiffte Fantaflaschen auf dem vollgemüllten Schreibtisch, uralte rosa Teddybären auf dem Schrank, peinliche Kinderfotos aus der Vorschule an der Wand und am besten auch noch euren vibrierenden besten Freund auf dem Bett – mit dem Sexting verratet ihr manchmal mehr als ihr überhaupt wollt.

Versichert euch also entweder, dass ihr eine Stelle in eurem Zimmer findet, die nicht aussieht, als ob gerade der Dritte Weltkrieg ausgebrochen wäre, oder flüchtet gleich in einen anderen Raum – am besten das Bad. Und wenn ihr euch dafür entscheidet, euch durch einen Spiegel zu fotografieren, dann putzt ihn vorher! Schlieren und Flecke wurden schon so mancher Schwester zum Verhängnis.

Wer, warum auch immer, immer noch mit seinem aufklappbaren und fast schon auseinander fallenden Razr von Motorola herum rennt, der weiß, wie beschissen so manche eingebaute Handykamera sein kann. Und alles, was ihr damit fotografiert, sieht auch beschissen aus. Was für euch wiederum bedeutet: Euer Körper sieht beschissen aus.

Entweder ihr setzt beim Sexting auf die neueste Technik, also das brandaktuelle iPhone, ein sehr gutes AndroidHandy oder am besten gleich eine teure Spiegelreflexkamera, oder auf das genaue Gegenteil: Analog, also zum Beispiel das gute alte Polaroidformat, das euch gleich noch kreativer aussehen lässt. Sexting? Nein: Das ist fuckin‘ Kunst!

Pixelige Bilder eurer Fotze mögen zwar so manches Detail verstecken, aber im Grunde bedeutet das lediglich eins: Am Ende wissen alle, dass ihr Nacktfotos verschickt habt, das Problem ist nur: Ihr seht auf ihnen aus wie im Jahr 2003. Und das wollt ihr euch und der Welt da draußen nun wirklich nicht antun.

Wer zum ersten Mal in seinem Leben ein Nudeselfie macht, der dürfte ein wenig mit den Möglichkeiten der Entblößung überfordert sein. Wie viel zeige ich? Was zeige ich? Wie nah zeige ich es? Muss mein Gesicht mit drauf sein? Steht irgendwer da draußen auf meine seltsam geformten Füße?

Gleich vorweg: Fotos eures Körper, auf dem ihr das Gesicht aufgrund einer scheinbaren Anonymität abgeschnitten habt, scheinen zwar am Anfang am Logischsten zu sein, aber die wirkliche Erotik entfaltet sich erst, wenn man auch eure Augen sehen kann. Die sind nämlich der Schlüssel zur digitalen wie, wenn wir mal ganz ehrlich sind, auch analogen Sexualität.

Aber ihr müsst euch nicht gleich breitbeinig eine mutierte Zucchini durch eure gedehnten Schamlippen in den Uterus prügeln, um auch nur irgendeinen Hauch von Aufmerksamkeit zu erregen. Fangt klein an, zeigt erst mal nur einen Nippel – und wenn ihr euch danach noch wohl fühlt, womöglich mehr. Lasst euch auf keinen Fall hetzen, weder von euch selbst noch von eurem notgeilen Gegenüber.

Jawohl, die Verlockung ist nicht gerade klein, dass ihr eure ewigen Fettröllchen, die Schwangerschaftsstreifen oder die jetzt schon auftretende Cellulite nach der Aufnahme mit Photoshop wegpinselt, aber das Problem an der Sache ist, dass keiner von euch das wirklich drauf hat. Am Ende verbiegt sich nämlich der Hintergrund – und das ist peinlich.

Arbeitet von vornherein so, dass alle Problemzonen, die ihr womöglich verstecken wollt, nicht unbedingt sichtbar sind. Und sucht euch eine vorteilhafte Pose auf, bei der nicht eure ganze Wampe über dem Stuhl klebt oder beide Hängebrüste, warum auch immer ihr die jetzt schon habt, nach links und rechts schaukeln.

Wenn ihr wollt, könnt ihr entweder einen Instagram-Filter verwenden, um die Kontraste und Farbstufen so hinzudrehen, dass ihr besser ausseht, oder ihr setzt gleich auf Schwarz und Weiß. Wenn euer kleiner Bruder dann eure Bilder im Netz entdeckt, könnt ihr wenigstens zu eurer Verteidigung sagen, dass ihr die Aufnahmen für ein Kunstprojekt erstellt habt. Oder so.

Macht am besten so viele Fotos von euch wie nur irgendwie möglich, mit verschiedenen Gesichtsausdrücken, Posen, Winkeln. Einmal mit und einmal ohne Selbstauslöser, einmal von nah, einmal von fern. Danach könnt ihr in Ruhe aussuchen, welche Bilder ihr freigeben wollt und welche in die Umlaufbahn geschossen werden.

Seid sehr sorgfältig dabei und achtet bei den ausgewählten Fotos auf jedes nur erdenkliche Detail. Denn ihr müsst bedenken: Jede dieser kleinen Zeitbomben kann theoretisch genau das Bild sein, das euch am Ende in den gerade entblößt in die Kamera gehaltenen Arsch beißt – und ihr müsst hundertprozentig dazu stehen können.

Löscht am besten alle Originalaufnahmen, die ihr nicht benötigt, für immer von eurer Kamera, eurem Handy und eurem Computer. Und eurem USB-Stick, eurem CD-Rohling und euer Diskette. Und aus der Cloud. Nicht dass am Ende noch der gesamte Ordner Meine Pussy auf dem nächsten Universitätscomputer auftaucht.

Seid ihr in dem Bereich bereits etwas fortgeschritten, dürft ihr auch gerne kreativer werden. Irgendwann hat man nämlich keine Lust mehr darauf, blöd vor seinem Spiegel zu stehen und ein stumpfes Vollbildfoto von seiner Statur nach dem anderen zu machen. Selfies können schließlich so viel aufregender sein als nur das.

Egal, ob ihr den nahegelegenen Wald fahrt, um dort nur in Socken auf einem Baum zu sitzen, eine noch nie da gewesene FKK-Reise durch Südostasien veranstaltet oder euch in euer Lieblingsnerdkostüm presst, nur um an den richtigen Stellen freie Sicht aufs Wesentliche zu erlauben: Sexting kann Spaß machen!

Und ihr müsst euch auch nicht alleine mit der Kamera vergnügen – holt eure allerbesten Freunde dazu, euren gerade mal wieder aktuellen Liebhaber oder euer gerade frisch herausgeplopptes Katzenbaby, solange ihr nichts Verbotenes mit dem kleinen Bündel anstellt – das kommt dann eher weniger gut bei der breiten Masse da draußen an.

An wen auch immer ihr die Teile letzten Endes verschickt, ihr könnt euch sicher sein: Früher oder später tauchen sie im Internet auf! Entweder, weil euer Exfreund sauer auf euch ist und in einem notgeilen Moment Rachepornos auf YouPorn hoch lädt, weil durch die ständige Synchronisierung mit euren Geräten jeder kleine Mist automatisch ins Netz gesaugt wird – oder weil ihr einfach das falsche Bild auf Facebook veröffentlicht.

Deswegen sind drei Dinge besonders wichtig. Erstens: Ihr dürft kein Problem damit haben, dass euch andere Menschen nackt sehen – egal ob eure Kollegen, eure Freunde oder eure Familie. Zweitens: Ihr müsst euch sicher sein, dass ihr nur Fotos verschickt, hinter denen ihr zu 100 Prozent steht. Und drittens: Seid mental darauf vorbereitet.

Es ist nicht das Ende der Welt, wenn wildfremde Menschen eure Titten sehen. Schließlich haben fünfzig Prozent der Weltbevölkerung und nicht gerade wenige fette Typen ebenfalls Brüste, und zwar meistens hässlichere, und Muschis sind eigentlich auch nichts Besonderes. Lasst euch auch nicht mobben! Die meisten, die euch verarschen, haben selbst am meisten Probleme mit sich selbst. Am besten ignoriert ihr sie knallhart und lebt mit einer neuen Erfahrung im Gepäck ein sexuelles erfüllteres Dasein weiter.

Die Illustration stammt von Icons8
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In Another World with My Smartphone: Fantasy für Pädophile

Seid ihr schon mal vor dem Fernseher oder eurem Laptop gesessen und habt euch gefragt, was wohl das Dümmste ist, das ihr euch jetzt anschauen könnt, nachdem ihr das komplette Fernsehprogramm von RTL, ProSieben & Co. bereits durch hattet? Die Antwort ist: In Another World with My Smartphone. Das ist...
In Another World with My Smartphone: Fantasy für Pädophile

In Another World with My Smartphone

Fantasy für
Pädophile

Marcel Winatschek

Seid ihr schon mal vor dem Fernseher oder eurem Laptop gesessen und habt euch gefragt, was wohl das Dümmste ist, das ihr euch jetzt anschauen könnt, nachdem ihr das komplette Fernsehprogramm von RTL, ProSieben & Co. bereits durch hattet? Die Antwort ist: In Another World with My Smartphone. Das ist das Dümmste. Nicht der dümmste Anime, nein, sondern einfach nur das Dümmste, das jemals irgendwo, irgendwann, irgendwie kreiert und anschließend ausgestrahlt wurde. Mit Abstand. Mit Abstand das Dümmste.

Worum geht’s? Der fünfzehnjährige Touya Mochizuki wird versehentlich von Gott mit einem Blitz getötet. Als Entschuldigung lässt er ihn wieder auferstehen, aber da er ihn nicht in seine alte Welt zurückschicken kann, reinkarniert er ihn stattdessen mit einem einzigen freien Wunsch in eine Fantasiewelt.

Touya nutzt seinen Wunsch, um sein Smartphone in die neue Welt mitzunehmen, das Gott netterweise auch noch verbessert. So kann Touya damit zwar nicht mit seiner alten Welt in Kontakt treten, aber das Telefon kann durch Magie leicht wieder aufgeladen werden und funktioniert ansonsten wie zu Hause. Er kann sowohl Nachrichtenseiten aus seiner Welt lesen als auch Google Maps für seine neue Fantasywelt nutzen.

Weil Gott einen ziemlich guten Tag hatte, verstärkt er gleich noch Touyas physische, magische und kognitive Fähigkeiten obendrauf. Quasi als Wiedergutmachung dafür, dass er ihn aus Versehen ermordet hat. Touya nutzt seine zweite Chance im Leben voll aus und freundet sich mit vielen verschiedenen Leuten an, hauptsächlich mit Frauen und hochrangigen Menschen in der neuen Welt. Er beginnt, von Land zu Land zu reisen, löst politische Streitigkeiten, kleinere Quests und vergnügt sich nonchalant mit seinen neu gefundenen Verbündeten.

Was nach einem netten, kleinen Animeabenteuer für zwischendrin klingt, entpuppt sich nach den anfänglichen Folgen als sinnlose Tittenparade. Nachdem Touya in den ersten Episoden so um die zehn verschiedene 08/15-Mädchen kennengelernt hat, die vom Kleinkind über die Sexbombe bis hin zur 600 Jahre alten Vampirkönigin im Teenagerkörper reichen, geht es kurz darauf nur noch um die Frage, wen von den unterfickten Minderjährigen Touya irgendwann einmal heiraten wird.

In Another World with My Smartphone scheint von einem pubertären Zwölfjährigen geschrieben worden zu sein, der absolut keine Ahnung davon hat, wie soziale Interaktionen funktionieren sollten, damit sie auch nur irgendeinen Sinn ergeben.

Eine Folge dreht sich zum Beispiel lediglich um die überaus wichtige Frage, welche der zehn laufenden Wichsvorlagen für Perverse Touya zuerst ihr mehr oder weniger vorhandenes Unterhöschen zeigen darf. Ab und zu tauchen ein paar Ninjas, Monster oder Drachen auf, aber die sind nach fünf Minuten abgearbeitet, damit man schnell wieder zurück zum Wesentlichen kommen kann.

Ich habe In Another World with My Smartphone bis zum Ende geschaut. Nicht etwa, weil ich wissen wollte, ob die Serie vielleicht doch noch die Kurve bekommt und eine abenteuerliche Geschichte in einer auf den ersten Blick klischeehaften Fantasywelt erzählt, nein, mir war nach den ersten drei Folgen klar, dass das hier alles Müll ist.

Und In Another World with My Smartphone ist auch nicht witzig dumm oder lustig blöd, nein, In Another World with My Smartphone ist einfach nur scheiße. Ohne Wenn und Aber. Im Grunde war ich einfach nur zu faul, auszuschalten und mir etwas Neues zu suchen, was nebenher laufen kann, während ich mir die Börsenkurse notierte. Oder so.

Jeder, der für In Another World with My Smartphone verantwortlich ist oder daran beteiligt war, sollte in Grund und Boden geklagt werden. Ihr kennt mich: Ich mag Brüste. Kleine, große, junge, alte, helle, dunkle. Und mir ist es egal, wenn der Feminismus mit Füßen getreten wird, solange es in der Welt, die mir da vorgesetzt wird, Sinn ergibt.

Das ist ja das Tolle an Filmen und Serien: Sie können zeigen, was sie wollen. Sie müssen kein Vorbild sein. Sie dürfen über die Stränge schlagen. Nur weil im Tatort jede Woche ein armer Idiot erschossen wird, heißt das ja nicht automatisch, dass jeder Zuschauer Mord für eine gute Sache hält.

Aber In Another World with My Smartphone macht einfach keinen Sinn, für niemanden. Weder für die Zuschauer noch für die Protagonisten. Und wenn man sich endlich ein wenig auf die Figuren und die Welt eingelassen hat und denkt: „Ach, so schlimm ist es doch gar nicht“, dann werfen die Macher einfach noch ein paar halbbekleidete Irre in den animierten Harem für Idioten.

Was haben wir noch nicht gehabt? Roboter mit Titten? Hier, bitte! Wissenschaftlerin in Strapsen? Hier, bitte! Zwölfjährige mit Heiratsfetisch? Hier, bitte! Und jetzt prügelt euch alle um Touya, den verklemmten Loser im weißen Zuhältermantel, dessen einziges Alleinstellungsmerkmal ein magisches Handy ist. Selbst der pädophilste Harald muss sich bei In Another World with My Smartphone denken, dass er hier nach Strich und Faden verarscht wird.

Wenn ihr euch überlegt, doch mal bei In Another World with My Smartphone reinzuschauen, um euch ein eigenes Bild zu machen, dann kann ich nur sagen: Nein! Ich verbiete es euch! Jeder mehrmals überfahrene Waschbär auf der A7 kann euch eine bessere Geschichte liefern als das, was hier zu einem Anime zusammengekleistert worden ist, während die Macher mit offener Hose vor dem Zeichenbrett saßen und irgendwann jegliche Handlung über Bord geworfen haben, damit irrelevante Fantasymädchen sich Minute für Minute in ihrer absoluten Notgeilheit übertrumpfen können. In Another World with My Smartphone ist das Dümmste. Mit Abstand. Mit Abstand das Dümmste.

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Die Illustration stammt von Patora Fuyuhara, Eiji Usatsuka, Crunchyroll und TV Tokyo
Der Text erschien in der Kategorie Filme mit den Themen
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Mode in Tokio: Ein Abend im Banny

Wenn es um Mode in all ihren Formen, Farben und Großartigkeiten geht, dann ist die fernöstliche Metropole Tokio ein riesiges und monströses Universum voller kleiner und gigantischer Klamottenläden, gut versteckter Vintageshops und unabhängiger Galerien. Alte Geschäfte machen zu, neue sprießen wie Pi...
Mode in Tokio: Ein Abend im Banny

Mode in Tokio

Ein Abend
im Banny

Daniela Dietz

Wenn es um Mode in all ihren Formen, Farben und Großartigkeiten geht, dann ist die fernöstliche Metropole Tokio ein riesiges und monströses Universum voller kleiner und gigantischer Klamottenläden, gut versteckter Vintageshops und unabhängiger Galerien. Alte Geschäfte machen zu, neue sprießen wie Pilze aus dem Boden. In einer endlosen Wiederholung.

Es ist schwer, hier immer auf dem Laufenden zu bleiben. Doch was fast noch interessanter ist, als nur up-do-date in Sachen Mode zu sein, ist herauszufinden, wo die wirklich coolen Kids in Tokio abhängen, wenn sich die Sonne langsam zur Ruhe bettet und das geschäftige Nachtleben seinen Anfang nimmt. Also gingen wir zur Eröffnung von Banny, Tokios neuestem heißen Scheiß.

Hier gibt es Klamotten aus aller Welt. Neu und vintage. Dazu Zeitschriften, Sneaker, Taschen – und sogar Zahncreme. Klingt komisch, ist aber so. Zum Fest des Abends gab es Bier und Pizza, und noch mehr Zeug aus dem Family Mart von nebenan. Wenn ihr mal in Tokio seid, dann guckt im Banny vorbei, einfach bei der Meiji-Jingumae-Haltestelle aussteigen und los geht’s!

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Die Fotografie stammt von Marlen Stahlhuth
Der Text erschien in der Kategorie Mode mit den Themen
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Nihon Noir: Tokio bei Nacht

Tokio ist natürlich nicht nur am Tag schön, wenn die bunt angezogenen Schulmädchen durch Harajuku streifen, hektische Anzugträger ins Büro eilen und verliebte Pärchen im Yoyogi-Park picknicken, sondern ganz besonders auch nachts, wenn die Stadt im Dunkeln versinkt und die unzähligen Neonlichter die...
Nihon Noir: Tokio bei Nacht

Nihon Noir

Tokio bei
Nacht

Marcel Winatschek

Tokio ist natürlich nicht nur am Tag schön, wenn die bunt angezogenen Schulmädchen durch Harajuku streifen, hektische Anzugträger ins Büro eilen und verliebte Pärchen im Yoyogi-Park picknicken, sondern ganz besonders auch nachts, wenn die Stadt im Dunkeln versinkt und die unzähligen Neonlichter die Häuser in unnatürlich grelle Lichter hüllen.

Gerne spaziere ich nachts durch die kleinen Gassen der Megametropole. Vorbei an betrunkenen Geschäftsmännern, die sich die Krawatten um die Köpfe gebunden haben. Vorbei an winzigen Supermärkten, die auch um diese Zeit um die Besucher buhlen. Und vorbei an lecker duftenden Ramen-Restaurants, in denen so manch einsames Herz ein wenig innere Wärme sucht.

Der aus dem australischen Melbourne stammende Fotograf Tom Blachford hat Tokio mit seiner Bilderserie „Nihon Noir“ in eine fantastische Cyberpunk-Fantasie verwandelt, die direkt aus „Blade Runner“ oder „Ghost in the Shell“ entstammen könnte, und so bewiesen, dass die gigantische Stadt im fernen Osten vielleicht gerade bei Nacht ihr wahres Gesicht zeigt.

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Die Fotografie stammt von Tom Blachford
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