Zeig doch mal die Möpse! - Meine Brüste sind zu schön, um sie zu verstecken

Es ist Sonntag und es herrschen draußen um die 35 Grad. Die Welt wirkt wie eine schwitzige Imitation des Britney-Videos zu „I’m A Slave 4 U“. Und so sexy das…
Zeig doch mal die Möpse! - Meine Brüste sind zu schön, um sie zu verstecken

Zeig doch mal die Möpse!

Meine Brüste sind zu schön, um sie zu verstecken

Es ist Sonntag und es herrschen draußen um die 35 Grad. Die Welt wirkt wie eine schwitzige Imitation des Britney-Videos zu „I’m A Slave 4 U“. Und so sexy das auch aussehen kann: ich hänge derweil lieber in der kühlen Ostsee ab. Mit meinem bisexuellen Kumpel und meinem festen, heterosexuellen Freund, der spontan den 15-jährigen Trottel von damals mimt und die vorbeifahrenden Boote mitsamt mehr oder minder zahlreicher Besatzung ärgern möchte. Wie, das weiß er natürlich nicht so genau. Er ist schließlich Nutznießer und verlässt sich am liebsten auf andere. Also auf uns.

Typisch: „Los… jetzt!“, fordert er auf und natürlich geht das stilvolle Startsignal an mich. Ich sehe also diesen zauseligen Mittfünfziger am Steuer seines sicherlich überaus teuren Schiffchens schwitzen, was mich kurz daran erinnert, dass ich ja eigentlich noch immer von Geschlechtsverkehr mit einem älteren Mann träume, und darum weiß ich kurzerhand auch, was zu tun ist: Titten raus, Stimmung!

Das macht Laune, immer – so oder so. Mein bisexueller Freund glotzt auf meine Brüste und kann mit dem Starren gar nicht mehr aufhören, auch nicht als sie schon längst wieder hinter dem schwarzen Bikini verschwunden sind. Als er langsam wieder zu Sinnen kommt, weil nackte Brüste in 3D anscheinend die blanke Rarität geworden sind, da schließlich nur Schlampen zeigen, was sie von Natur aus haben, lobt er meine spontane Freizügigkeit: „Wow, die sehen klasse aus!“ Es dauert keine drei Sekunden, da folgt von rechts die zu erwartende Dauerschleife: „Musst du echt allen deine Titten zeigen?“

Ja – weil ich es kann! Ich bin ein Mädchen aus Ostdeutschland. Jung, blond – und schön. Bei uns ist FKK Gang und Gäbe. Meine Eltern waren beide Sportler, die duschen eh alle gemischt. Und als ich mal in einer Theatergruppe mitgespielt habe und mich darüber echauffierte, dass beim Umziehen die Jungs rein und raus gehen, gab es von unserer Lehrerin den Anranzer, dass hier bestimmt keiner kommt, um mir was wegzugucken. Wieso sollte ich also Probleme damit haben, meine bezaubernden 75B-Hügel zu zeigen, wenn sie gut sitzen und den Menschen einen schönen Anblick bereiten?

Mir guckt bestimmt keiner was weg, denn Titten hat jeder schon mal gesehen – und wenn meine noch nicht, dann eben jetzt. Mein Freund steht ebenfalls oberkörperfrei neben mir im Wasser und zeigt schon die ganze Zeit Nippel. Dabei könnte mein bisexueller Freund doch auch… darf er! Von mir aus sowieso.

Dabei zeigt sich der werte Herr Sexy doch sonst so freudig erregt über die weibliche Offenheit, die besonders im Showbusiness seit jeher gehegt und gepflegt wird: Hier Emily Ratajkowski und da noch ein Lob für Micaela Schäfer. Von Spekulationen über die Farbe und Größe eines Nippels bei den 08/15-Girls mal ganz zu schweigen. Da heißt es dann auf den unterschiedlichsten Veranstaltungen: „Geh du mal nachschauen.“ Er wäre ja sonst schließlich als Perverser enttarnt.

Es ist erstaunlich, wie viele Mädels mich dann gerührt über meine Hommage an ihre Brüste tatsächlich gucken lassen. Ich finde es toll, denn ich habe Spaß an schönen Busen. Klar, dass irgendwelche notgeilen Vollassis dann dumm aus der Wäsche gucken. Doch für jemanden, dem ein kleines Stöffchen namens BH als Indikator für billig oder anmutig dient, sei das die gerechte Strafe.

In den Siebzigern haben die Frauen alle BHs ohne Polsterung getragen, da wurden die Nippel im Büro, im Supermarkt, ja überall zur Schau gestellt. Und heute laufen junge Mädchen am See, mit den Händen auf den Oberkörper gedrückt, beschämt zu ihrem Handtuch, weil kleine pubertätsgestörte Jungs sie lauthals lachend auf ihre durchschimmernden Brustwarzen aufmerksam machen. Da möchte ich ihnen am liebsten meine blanken Brüste um die Ohren hauen, damit sie endlich mal die Klappe halten!

Warum darf also eine Emily Ratajkowski splitterfasernackt um einen Robin Thicke tanzen und ein jeder lobt sie als den anmutigen blanken Traum, wohingegen ich – zum Glück ohne Robin Thicke – für meine Brüste strafend angeschaut werde?

Doch, nein, das sind die verbotenen Fragen, immerhin wird man dafür ja doch nur wieder als die biedere Feministin abgehandelt und die findet schließlich jeder Mann scheiße. Ich bin kein Flittchen, nur weil hin und wieder jemand mal meine Oberweite betrachtet und würde sich die glorreiche Herrenrasse dabei nicht so pikiert zeigen, hätte niemand mehr ein Problem damit.

Alle Jungen, alle Mädchen: Zieht eure T-Shirts aus! Und wenn ihr mir dafür auch noch ein Bier spendiert, so wie vor drei Jahren an der Ostsee, als diese geschädigten Bengel ausgerechnet mich und meine zwei herausragendsten Argumente bestaunen wollten, dann bin ich nunmal dabei. Damals waren meine Freunde noch beschämt darüber, aber wie sagte schon meine Oma früher immer zu mir: Angriff ist die beste Verteidigung! Also: Mädels, befreit endlich eure Brüste!

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Die Illustration stammt von Travis Colbert
Der Text erschien in der Kategorie Leben mit den Themen BHs, Brüste, Feminismus, Frauen, Freiheit, Mädchen und Sexismus
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