Wer putzt das Klo? - Die perfekte Wohngemeinschaft

Eine Wohnung in Berlin zu finden, das ist ungefähr so einfach, wie in einem dieser Touri-Clubs einen guten Drink zu bekommen. Vom Letzteren lasse ich eh die Finger und greife…
Wer putzt das Klo? - Die perfekte Wohngemeinschaft

Wer putzt das Klo?

Eine Wohnung in Berlin zu finden, das ist ungefähr so einfach, wie in einem dieser Touri-Clubs einen guten Drink zu bekommen. Vom Letzteren lasse ich eh die Finger und greife lieber zum stillen Wasser, die Sache mit dem Dach über dem Kopf lässt sich aber nicht so einfach klären. Mit etwas Geschick klappt das aber früher oder später – aber wem erzähle ich das, ihr seid bestimmt Experten darin, euch beim Vermieter im frisch gebügelten Konfirmationsanzug einzuschleimen, Bürgschaften zu fälschen und eure Verdienstnachweise zu frisieren.

Was angesichts der tränen- und alkoholgetränkten Erzählungen etlicher Partybekanntschaften, WG-Traumata scheinen als Smalltalk-Thema der Shit zu sein, eher weniger zu funktionieren scheint, ist die Sache mit dem Zusammenwohnen. Sandkastenfreundschaften sind daran zerbrochen, kleine Kriege wurden zu großen Dramen und das alles nur, weil die Pragmatik des Zusammenwohnens den ein oder anderen an der Realität voller Geschirrberge und leerer Kühlschränke zerbrechen ließ. Doch es ist nicht unmöglich, die perfekte Wohngemeinschaft zu führen.

Der Dramaturgie halber wollte ich den Punkt Vertrauen eigentlich ganz am Ende aufführen und euch etwas Philosophisches mit auf den Weg geben, aber so verzweifelt, wie manch ein Wohnungs- und Mitbewohnersuchender ist, wird die Vertrauensfrage gern außer Acht gelassen – was oft sehr unschön und im großen Rumgeheule endet. Schließlich wundert es niemanden, dass man auch mit einem vorbestraften Ex-Junkie Vorlieb nehmen würde, solange er die Kaution bezahlen kann. Schaltet euer Köpfchen ein, konsultiert das eigene Bauchgefühl und verlasst euch notfalls auf die Menschenkenntnis eurer Freunde, die ihr als Casting-Jury anheuern und sie mitentscheiden lassen könnt, wer ins WG-Recall kommt.

Machen wir doch gleich mit den unangenehmen Themen weiter, dann haben wir es hinter uns gebracht. Geld ist etwas, worüber man gerade unter Freunden nur ungern redet – aber sobald der Vermieter eine kleine Entschädigung dafür haben möchte, dass er euch ein Dach über den Köpfchen garantiert, wird es Zeit für Moneytalk. Setzt euch am besten noch vor dem Einzug zusammen, rechnet alle monatlichen Ausgaben durch und teilt sie so auf, dass bei der Berechnung keiner das Gefühl hat, dem anderen dafür eine runterhauen zu müssen. Die so ermittelte Summe überweist einer dem anderen am besten per Dauerauftrag und schon könnt ihr euch wichtigeren Themen des Lebens widmen. Easy, oder?

Die Küche ist das Zentrum einer Wohngemeinschaft, und zwar nicht, weil sie manchmal knallpinke Wände hat, sondern weil hier Essen gehortet wird. Anfangs kann man sich zwar noch allein mit Tiefkühlpizza ernähren, aber irgendwann will man dann vielleicht doch erwachsen werden und sich etwas gesünder ernähren. Manche kaufen sich dann einen Dampfgarer und nennen ihn Ulf. Aber ich schweife ab.

Worauf ich hinauswollte: Wenn ihr gern zusammen kocht, richtet euch am besten eine WG-Kasse ein und kauft davon für alle ein. Ansonsten gilt: wenn du den verdammten Joghurt nicht gekauft hast, dann iss ihn nicht. Wenn du ihn denn doch unbedingt verfuttern musstest, kauf einen neuen und versuche, diesen nicht auch noch aufzuessen. Ausnahmen: Schokolade. Wenn du eine Ritter Sport Dunkle Nuss siehst, iss sie! Ohne Rücksicht auf Verluste.

Dass jeder sein Zimmer jeder so einrichten darf, wie er möchte, ist ja quasi im Grundgesetz verankert. Schwieriger wird es, wenn mehrere komplett verschiedene Welten aufeinanderprallen. Während so mancher, meist weibliche, Modefreak alle Ecken einer Wohnung als Schuhlager annektiert, sucht der andere womöglich verzweifelt nach einem geeigneten Platz für seinen noch nicht vorhandenen Riesensessel. Bei einem muss alles möglichst farblich passen, dem anderen ist wichtig, dass etwas seinen Zweck erfüllt.

Oft bringt man gefühlt hundert Möbelstücke aus seiner alten Wohnung mit, während der andere sich mit einem kleinen Schrank in seinem Zimmer zufrieden gibt. Wenn es bei euch aber weniger entspannt läuft und jeder unbedingt sein Lieblingsposter im Flur aufhängen möchte, hilft nur noch Verhandeln. Oder Würfeln. Ausgeklügelte Tauschgeschäfte schaffen Abhilfe: „Wenn du dieses hässliche Bild auf der Stelle verbrennst, lasse ich die Lavalampe nur noch sonntags an!“ So wurden schon Menschenleben gerettet.

Uuuuuh, ein ganz heikles Thema ist das Putzen. Spätestens dann, wenn einer zufrieden ist, solange er sich durch den Müllberg zur Tür graben kann und der andere einen Hygiene-Fimmel mitbringt. Oft wirft man sich dann gegenseitig Beleidigungen an den Kopf. Über unsere Mütter. Und andere fiese Sachen.

Dann hilt nur eins: Sich beruhigen, Tee gemacht und beschließen, die Aufgaben zu verteilen: Der eine wäscht dann womöglich ab und bringt den Müll raus, der andere schnappt sich regelmäßig den Staubsauger und putzt das Klo. Ihr könnt aber natürlich Putzpläne schreiben, euch Aufräumhilfe holen oder das alles anders klären – aber klärt es! Und zwar möglichst, bevor ihr wegen Geruchsbelästigung aus der Wohnung geworfen werdet.

So gern man seinen Mitbewohner auch mag, manchmal muss es einfach ein ruhiger Abend sein, an dem man Mädchenfilme guckt und sich die Nägel lackieren kann. Auf der anderen Seite ist der Mitbewohner bestimmt auch ganz froh, sich nicht von morgens bis abends das eigene Gelaber über die neuen Sneaker anhören zu müssen – zumindest solange es nicht um richtig tolle geht.

Und da wir jetzt alle erwachsen und mitten im Leben sind, wäre es gar nicht mal so übel, ein gewisses Takt- und Feingefühl dafür zu entwickeln, wann man einander das Herz ausschütteln kann und wann man den anderen lieber in Ruhe lassen sollte. Gilt übrigens auch für mitgebrachte Freunde, Spontanpartys in der Klausurphase und Sexytime, gepaart mit dünnen Wänden. Der andere wird es euch mit ewiger Liebe und Freundschaft danken und damit wären wir schon beim letzten Punkt angekommen.

Eigentlich überflüssig zu erwähnen, aber der Vollständigkeit halber muss es ja doch sein: fangt niemals, nie, nie und unter keinen Umständen etwas mit euren WG-Mitbewohnern an! Egal, wie heiß euch die neu eingezogene Schnitte an einem lahmen Sonntagabend erscheinen mag und wie sexy ihr eigentlich Bärte bei Männern findet: das alles könnt ihr euch auch bei Menschen holen, die nicht in euren Mietvertrag stehen.

Eigentlich ist es Wahnsinn, dass darin noch keine beidseitige Friendzone-Klausel verpflichtend eingeführt wurde, aber nachdem ich Horrorgeschichten von mitternächtlichen Liebeserklärungen zwischen Küche und Klo gehört habe – und von darauffolgenden überstürzten Auszügen – kann ich euch nur raten, von WG-Amore die Finger zu lassen. Ihr wisst ja: Wohnungen sind heutzutage wirklich schwer zu kriegen…

Bücher über Wohngemeinschaften auf Amazon kaufen

Illustration von Dmitry Nikulnikov und Icons8
Der Text erschien in der Kategorie Leben mit den Themen Berlin, Jungs, Mädchen, Studium und Wohngemeinschaften
Wenn euch dieser Artikel gefällt, könnt ihr ihn auf Facebook, Twitter, WhatsApp, Pinterest und Tumblr oder per Email teilen
Ihr habt etwas zu sagen? Schickt uns einen Leserbrief!
EMPFEHLUNGEN
Weitere Artikel lesen
Impressum
AMY&PINK

Herausgeber

Marcel Winatschek

AMY&PINK ist euer digitales Popkulturmagazin und gibt euch alles, was ihr über Mode, Kunst, Musik, Filme, Spiele, Essen, Reisen, Liebe, Sex und das Leben im Allgemeinen wissen müsst. Jeden Tag aufs Neue.

Sendet uns eure CDs, Filme, Serien, Bücher, Magazine, Comics, Getränke, Videospiele, Schuhe, Kleidungsstücke, technischen Spielereien und weitere schöne Dinge an die folgende Adresse und vielleicht stellen wir sie auf AMY&PINK vor.

Wenn ihr auf AMY&PINK werben oder veröffentlicht werden wollt, eine rechtliche oder inhaltliche Anfrage habt oder weitere generelle Informationen benötigt, dann schickt uns eine Email!

Adresse

AMY&PINK
Bgm.-Strauß-Straße 8
86807 Buchloe
Deutschland

Kontakt

Email: kontakt@amypink.com
Telefon: +49 157 34335280

Kategorien
Leben  Mode  Kunst  Musik  Filme  Spiele  Essen  Reisen  Liebe  Sex

Themen
Mädchen  Frauen  Jungs  Beziehungen  Männer  Fotografie  One-Night-Stands  Japan  Internet  Berlin  Asien  Tokio  Deutschland  Gesundheit  Instagram  Feminismus  Gedanken  Partys  Liebeskummer  Emotionen  Anime  Drogen  Manga  Facebook  Blogs  Beziehung  Freundschaft  Pornografie  Studium  Twitter  Gefühle  Karriere  YouTube  Depressionen  Tinder  Sexismus  Alkohol  Krankheiten  Jugend  USA  Geld  Hass  Onanie  Penisse  Harajuku  Kyoto  Bücher  Interviews  Shibuya  Masturbation  Kreuzberg  Hip Hop  Brüste  Arbeit  Ängste  Kinder  Australien  Nintendo  Pop  Prostitution  WhatsApp  Comics  Reddit  Teenager  Cartoons  Trennung  Fantasy  Wohngemeinschaften  PlayStation  Osaka  Friedrichshain  Homosexualität  Los Angeles  Rassismus  Analsex  Berghain  Urlaub  Menschen  Europa  Sailor Moon  Nacktfotos  Schule  Muschis  Xbox  Selbstbefriedigung  Shimokitazawa  Handys  Psychologie  England  Finanzen  Vibratoren  Sexting  Fitness  Speed  Gewalt  Haruki Murakami  Geschichten  HIV  MDMA  Familie  

© 2020  •  Alle Rechte vorbehalten

Wir übernehmen keine Verantwortung oder Haftung für unverlangte Einsendungen.

Mit dem Erhalt von Fotografien, Texten und ähnlichen analogen wie digitalen Materialien erklärt sich der Einsender dazu bereit, dass er die vollen Rechte daran besitzt und diese kostenfrei, lizenzfrei und für unbestimmte Zeit auf AMY&PINK veröffentlicht werden dürfen.

Diese Webseite verwendet Cookies und wird finanziell sowie inhaltlich durch Werbung, Produktplatzierungen und Affiliate-Links unterstützt.

Bei jedem vermittelten Kauf über Amazon erhalten wir einen kleinen Anteil.

Weitere Informationen findet ihr in unserer Datenschutzerklärung.