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Tarzan wohnt bei mir: Tausche Nachbarn

Angefangen hat alles vor etwa zwei Wochen, als es Montag morgens um circa 6:30 Uhr an meiner Wohnungstür klingelte. Nach kurzen Zweifeln, wer wohl so früh an meinen Nerven zerren will, kam mir eine meiner liebsten Freundinnen in den Sinn, die eventuell noch etwas vorbeibringen wollte. Aber so früh?...
Tarzan wohnt bei mir: Tausche Nachbarn

Tarzan wohnt bei mir

Tausche
Nachbarn

Carolin Schütz

Angefangen hat alles vor etwa zwei Wochen, als es Montag morgens um circa 6:30 Uhr an meiner Wohnungstür klingelte. Nach kurzen Zweifeln, wer wohl so früh an meinen Nerven zerren will, kam mir eine meiner liebsten Freundinnen in den Sinn, die eventuell noch etwas vorbeibringen wollte. Aber so früh? Und ohne davor noch mal Bescheid zu geben?

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Nach kurzem Zögern öffnete mein Freund die Tür und es blickte uns ein zugequollenes, leicht verstört hereinblickendes weibliches Wesen an, das wohl neben einer kilometerlangen Koksspur den Kasten Bier auch nicht verschmäht hatte. Mehr als unverständlich versuchte sie irgendwelche Worte aneinanderzureihen, die man sich leider durch den vermutlichen Drogeneinfluss nur schlecht zusammenreimen konnte.

Doch indem sie uns geistesgegenwärtig ihr Handy vor die Nase streckte und wir aus ihrem Mund irgendwas mit „Tastensperre“ entnehmen konnten, stellte sich heraus, dass es um das Entsperren eben dieser ging. Zwei Tastenklicke und das Problem war gelöst. Dachten wir.

Amüsiert davon, und mittlerweile auch wach, machte ich mich auf den Weg ins Bad, als es wieder an der Tür klingelt. Dieselbe verstörte Person mit demselben Problem. Leute, ist es wirklich möglich innerhalb von zwei Minuten das Entsperren eines Mobiltelefons wieder zu vergessen?

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Seitdem klingelt es alle paar Tage, meist zu solch unchristlichen Zeiten wie früh um fünf Uhr oder nachts um halb eins an meiner Tür. Geöffnet habe ich seitdem nicht mehr. Bin ich nun ein schlechter Mensch? Unsozial zu meinen Nachbarn? Oder ist es nur berechtigt auch mal seinem Schlaf nachzugehen?

Dann wäre da noch der tarzanähnlich aussehende Typ. Etwas kleiner. Anfang dreißig. Lange, leicht gelockte braune Haare. Viel zu gebräunter Teint für diese Jahreszeit. Schmal gebaut, trotz allem ziemlich durchtrainierter Körper.

Woher ich das mit dem durchtrainierten Körper weiß? Ich hätte es mir auch lieber erspart, aber vor zwei Tagen stand der besagte Typ kurz nach acht Uhr morgens in seiner offenen Wohnungstür. Beide Hände in die Hüften gestützt, rief er mehrmals ziemlich laut und angepisst „Hallooo?!“ durchs Treppenhaus.

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Nichts ahnend, woher das kommt, und die Treppen nach unten stürzend, um noch rechtzeitig die S-Bahn zu erwischen, rief ich einfach mal belustigt „Hallooo!!“ zurück, als ich plötzlich im ersten Stock diesen fast nackten Körper, lediglich mit einer verdammt knappen „Unterhose“ bekleidet, vor mir stehen sah.

„Hast du meine Waschmaschine?!“ Leicht verdutzt antwortete ich: “Äh, nein…?“ Wieso auch? Hat man ihm im Schlaf die Waschmaschine unter seinem Allerwertesten weggeklaut? War die verstörte Tussi mit dem Handy von neulich seine Freundin, Verlobte, Frau, Affäre, die aus Rache seine Waschmaschine mitgehen hat lassen?

Man weiß es nicht. Aber ich werde es sicherlich in den nächsten Wochen herausfinden. Eventuell sogar mit den beiden Freaks über mir: einer stellte sich damals als „Stefan und ich bin hauptberuflich DJ“ vor. Sehr von sich selbst überzeugt. Wer sonst stellt sich mit seinem Beruf als Zweitname vor?

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Der andere, „Holger und arbeite bei ProSieben“, wollte irgendwie nicht mehr von meiner Türschwelle treten und erzählte eifrig von dem Sender, bei dem er wohl für das Kaffe kochen zuständig ist, was mich natürlich wahnsinnig interessierte. Nicht. Beide sind meist nachts um halb drei aktiv, verrücken Schränke, bohren und hämmern und legen vor allem Platten auf. In einer eheunmenschlichen Lautstärke.

Und, nicht zu vergessen, das uralte Pärchen im obersten Stock, welches immer noch das Weihnachtsgeschenk meiner Tante gehamstert einbehalten hat, jedoch steif und fest behauptet, dieses nie angenommen zu haben. So. Und was machen eure Nachbarn Tag für Tag?

Die Fotografie stammt von Christian Stahl
Der Text erschien in der Kategorie Leben mit den Themen Berlin, Frauen, Jungs, Mädchen, Männer, Menschen, München, Nachbarn, ProSieben, Städte, WGs, Wohnen und Wohngemeinschaften
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