Paradigmenwechsel - Unser Kampf für eine falsche Zukunft

Jeden Tag begegnen wir ihnen wieder. Hart arbeitenden Menschen, die sich knechten lassen, die ihrem Weg nachgehen, die studieren, lernen, die sich streiten, die jeden Tag wieder aufstehen, nur um…
Paradigmenwechsel - Unser Kampf für eine falsche Zukunft

Paradigmenwechsel

Unser Kampf für eine falsche Zukunft

Jeden Tag begegnen wir ihnen wieder. Hart arbeitenden Menschen, die sich knechten lassen, die ihrem Weg nachgehen, die studieren, lernen, die sich streiten, die jeden Tag wieder aufstehen, nur um eine Ohrfeige zu kassieren und sich nicht einmal darüber beschweren, dass es so ist. Es ist einfach so, und nichts wird jemals etwas daran ändern.mehr Natur, mehr Verteilung, mehr Gerechtigkeit, mehr Freude am Leben. Vielleicht können wir so unsere Welt ja doch noch retten.

Der Konsens „Wer erfolgreich sein will, muss etwas dafür tun!“ wird uns allen schon von kleinauf imprägniert, ohne je die Frage zu beantworten, warum wir eigentlich erfolgreich sein müssen oder wer das bewertet. Also arbeiten wir, also versuchen wir uns vom Durchschnitt zu differenzieren und ein Momentum zu erfassen, welches uns an den Thron des Erfolgs katapultiert.mehr Natur, mehr Verteilung, mehr Gerechtigkeit, mehr Freude am Leben. Vielleicht können wir so unsere Welt ja doch noch retten.

Manche werden trauriger weise wie in „Death of a Salesman“ enden. Immer auf der Suche nach dem finanziellen und wirtschaftlichen Erfolg, der sie bestätigt. Wir Teenager und junge Erwachsene haben aus der Zeit unserer Eltern gelernt, dass diese Bestätigung nicht ausschließlich über ein Reihenhaus oder ein Auto kommt, sondern dass Liebe und Ehrlichkeit meistens einen erheblichen Teil des persönlichen „Erfolgs“ ausmachen können.

Doch leider gilt damals wie heute: Das Ansehen im öffentlichen Raum steigt, wenn man sich durchboxen konnte. Und auch jetzt zählt noch: Liebe kann keine Existenzen sichern, außer man wird von jemandem geliebt, der reich ist.mehr Natur, mehr Verteilung, mehr Gerechtigkeit, mehr Freude am Leben. Vielleicht können wir so unsere Welt ja doch noch retten.

Und so kämpfen und arbeiten wir Tag für Tag weiter. Die gelegentlichen Dellen der Revolutionen in den Nachrichten oder Bewegungen wie Fridays for Future mögen uns zwar daran erinnern, dass wir ungerecht behandelt werden von denen, die es, wie auch immer, einst geschafft haben, sich zu den ein Prozent zu machen, die unsere Welt regieren. Aber eigentlich wird uns nur umso mehr vor Augen geführt, dass wir es nicht sind.mehr Natur, mehr Verteilung, mehr Gerechtigkeit, mehr Freude am Leben. Vielleicht können wir so unsere Welt ja doch noch retten.

Und während wir noch unseren Geliebten ins Ohr flüstern, dass wir auf jeden Fall dafür sorgen müssen, dass unsere menschliche Nachwelt sich nicht mehr bekriegt und wir alle in Gleichheit leben können, kommen wir erst zum Orgasmus, wenn sich in unserem Kopf abzeichnet, wie WIR es sind, die das Geld und das Haus und das Ansehen in der Hand haben. Wir wollen den Fame, den wir an anderen kritisieren. Wir wollen Wachstum für alle, weil wir selbst davon profitieren würden, und wir wollen das Scheitern derer, die dieses Wachstum unterdrücken, weil sie unser Leid nicht verstehen.mehr Natur, mehr Verteilung, mehr Gerechtigkeit, mehr Freude am Leben. Vielleicht können wir so unsere Welt ja doch noch retten.

Doch was, wenn sie es verstehen? Was, wenn sie einst wie wir waren, und sich ihre Prestigeposition erkämpft haben? Befinden wir uns in einem moralischen Zwiespalt, einer unlösbaren Falle, die uns zu naiven Idealisten macht, während wir nichts haben, und dann zu selbstgefälligen Tyrannen formt, wenn wir das, was wir uns erkämpft haben, nicht abgeben möchten. Mehr Natur, mehr Verteilung, mehr Gerechtigkeit, mehr Freude am Leben. Vielleicht können wir so unsere Welt ja doch noch retten.

In einer der letzten Ausgabe der Zeit gab es einen Leitartikel von Bernd Ulrich zum Thema Wachstum und diesem allgemein gültigen Ansporn-Satz der Nachkriegszeit: Wir wollen, dass es unseren Kindern besser geht als uns. Mehr Natur, mehr Verteilung, mehr Gerechtigkeit, mehr Freude am Leben. Vielleicht können wir so unsere Welt ja doch noch retten.

Der Autor wirft hier aber die wohl spannendeste Frage auf, die man an diesem Punkt unserer Gesellschaft stellen kann: Warum? Warum wollen wir, dass es unseren Kindern besser geht? Es geht ihnen schon verdammt gut. Uns geht es verdammt gut. Wir werden geliebt, wir besitzen, wir haben Chancen, so viele wie noch nie. Wir haben die absolute Entscheidungsfreiheit über das, was wir machen und wollen.mehr Natur, mehr Verteilung, mehr Gerechtigkeit, mehr Freude am Leben. Vielleicht können wir so unsere Welt ja doch noch retten.

Das wirtschaftliche Wachstum kommt nämlich zum Preis vieler Dinge, wie wir immer und immer wieder feststellen müssen. Wir haben Schulden bei der Natur, bei den Banken, und am meisten schulden wir, das heisst womöglich fast alle Bewohner der westlichen Welt, der sogenannten dritten Welt ein Leben wie unser jetziges.mehr Natur, mehr Verteilung, mehr Gerechtigkeit, mehr Freude am Leben. Vielleicht können wir so unsere Welt ja doch noch retten.

Dieser Artikel hat mir die wohl nachhaltigste Gedankengänsehaut meines Lebens eingebracht. Ist es nicht Zeit, einen Schritt zurück zu machen – und ich meine nicht unbedingt, „hört auf zu arbeiten“, sondern tretet zurück von dem Bild, was wir von unserer Welt gemalt haben und lasst uns überlegen, ob nicht vielleicht „kein Wachstum“ besser wäre als „mehr Wachstum“. Mehr Natur, mehr Verteilung, mehr Gerechtigkeit, mehr Freude am Leben. Vielleicht können wir so unsere Welt ja doch noch retten.

Vielleicht ist es Zeit für einen Paradigmenwechsel in unserem Denken. Wir wollen überhaupt nicht mehr produzieren, wenn wir den ganzen Tag sowieso nur wegschmeissen. Wir wollen gar nicht mehr arbeiten, wenn wir mit dem verdienten Geld nur ein fehlerhaftes System ankurbeln. Wir wollen nicht noch mehr Last auf unseren Schultern häufen, sondern anfangen, abzutragen.mehr Natur, mehr Verteilung, mehr Gerechtigkeit, mehr Freude am Leben. Vielleicht können wir so unsere Welt ja doch noch retten.

Womöglich wäre es tatsächlich an der Zeit diese Perspektive als Normativ zu betrachten und zu sagen: Ich hoffe, meine Kinder werden weniger als ich haben. Weniger Konsum, weniger Wirtschaft, weniger Geld. Dafür mehr Natur, mehr Verteilung, mehr Gerechtigkeit, mehr Freude am Leben. Vielleicht können wir so unsere Welt ja doch noch retten.

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Die Fotografie stammt von Markus Spiske
Der Text erschien in der Kategorie Leben mit den Themen Deutschland, Europa, Fridays for Future, Idealismus, Klima, Klimawandel, Politik und Wirtschaft
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