Das Magazin für moderne Menschen

Nichts: Die unendliche Leere

Wir sitzen also alle zusammen in diesem riesigen Raum voller hart arbeitender Leute und versuchen ein Online-Magazin am Laufen zu halten. Das ist toll, das ist großartig, das macht gute Laune. Meistens jedenfalls. Denn trotz all der parallel im Blickfeld agierenden Google-Kalender und Schreibblöcke und Fundstück-Tabs, kann es leider immer wieder vorkommen, dass die große Masse Internet nichts her gibt, was vorstellungswert wäre. Dann sitzen wir auf dem Trockenen. Und das Geheule ist groß. Die U…
Nichts: Die unendliche Leere
Nichts: Die unendliche Leere
Nichts
Die unendliche Leere
Text: Marcel Winatschek  Fotografie: Kelly Sikkema

Wir sitzen also alle zusammen in diesem riesigen Raum voller hart arbeitender Leute und versuchen ein Online-Magazin am Laufen zu halten. Das ist toll, das ist großartig, das macht gute Laune. Meistens jedenfalls. Denn trotz all der parallel im Blickfeld agierenden Google-Kalender und Schreibblöcke und Fundstück-Tabs, kann es leider immer wieder vorkommen, dass die große Masse Internet nichts her gibt, was vorstellungswert wäre. Dann sitzen wir auf dem Trockenen. Und das Geheule ist groß.

Die Uhr sitzt uns im Nacken, die Hektik ist groß. Schnell: Geile Themen!! Frische, qualitativ hochwertige Musikvideos voll gepackt mit Underground und Indie, vielleicht ein bisschen Mainstream? Fehlanzeige. Dann eine tolle Fotoserie, inklusive Titten, Tiere und Talente? Nichts gefunden. Brandaktuelle News, die weder zu BILD, noch Financial Times sind, und die Welt, in der wir leben bereichern, diskutiert, in einem Licht erstrahlen lässt? Öhm… nö.

Scheißt auf gutes Wetter, niedrige Strahlenbelastung oder verliebte Gefühle. Denn es ist erstaunlich, wie sehr unsere gute Laune davon abhängt, ob dieses Medium namens AMY&PINK konsequent am Laufen bleibt. Diese Maschine, die nur mit einem gefüttert werden möchte: Digitalem Input. Und wie unglaublich radikal sich alles in uns in einen brodelnden Kessel aus Hass verwandelt, wenn wir das nicht schaffen.

Dabei denken wir natürlich nur an euch: Den Leser. Der wie ein ewig hungriges Küken in seinem aus Facebook und Twitter gebasteltem Nest sitzt und konsequent nach Neuem schreit. Nackte Haut, provokante News, persönlicher Scheiß. Die gute Mischung, Mal hier, mal da. Immer überraschend bleiben. Und knackig. Und sowieso. Denn wir wollen ja nicht irgendwas raushauen.

Während wir also Billy, die Büropflanze, zerschmetternd an die Wand werfen und opfernd gen Himmel beten, dass unsere Feedreader laut brüllen “Hiiier!! Theeema!! Geilo!!!” oder ein Bote mit der Raubkopie von Osamas Todesfoto herein rennt, fangen wir langsam an zu begreifen: Das Internet ist leer. Uns bleibt nichts anderes übrig als zu warten. Und brennende Papierflugzeuge aus dem Fenster segeln zu lassen.

Leben   Musik   Kunst   Filme   Mode   
Spiele   Essen   Reisen   Liebe   Sex
Facebook   Twitter   Instagram   Pinterest   Tumblr