Männer, Klappe halten! - Der Feminismus gehört uns Frauen

Wenn es ums Thema Feminismus geht, bin ich radikal und aggressiv. Männer, insbesondere weiße, heterosexuelle Männer, die ein gewisses Alter bereits überschritten haben, haben für mich da erst mal nicht…
Männer, Klappe halten! - Der Feminismus gehört uns Frauen

Männer, Klappe halten!

Der Feminismus
gehört uns Frauen

Wenn es ums Thema Feminismus geht, bin ich radikal und aggressiv. Männer, insbesondere weiße, heterosexuelle Männer, die ein gewisses Alter bereits überschritten haben, haben für mich da erst mal nicht mitzureden, sondern in erster Linie nur zuzuhören. Einfach aufgrund der Tatsache, dass sie eben keine Frauen sind und demnach auch nicht wissen, mit was für Problemen wir uns tagtäglich so herumzuschlagen haben.

Natürlich sind auch Männer auf gewisse Art und Weise von Sexismus betroffen. Die gängigsten Klischees sind wohl, dass sie immer stark sein müssen, keine Gefühle zeigen dürfen, vor allem Dingen unter keinen Umständen weinen, und irgendwie auch, breit und muskulös gebaut sein müssen, um als „richtiger Mann“ zu gelten und nicht als „Schwuchtel“. Es ist aber nun mal ein beschissener Fakt, dass in unserer Gesellschaft die Männer die Regeln machen und es für sie somit auch wesentlich einfacher ist, an diesen Klischees etwas zu ändern, indem sie sich bewusst dagegen stellen.

Feminismus geht jeden Menschen etwas an, ist in meinen Augen allerdings in erster Linie Frauensache. Ich für meinen Teil brauche keinen Mann, der für mich spricht, wenn es um die Rechte von Frauen geht. Ich habe selbst einen Mund. Und ich weiß ihn zu benutzen. Zumal Männer die meisten Dinge, um die es im Feminismus geht, nur aus Zeitungsartikeln oder Studien kennen und nie selbst von der Diskriminierung, die von gewissen Bereichen einfach ausgeht, betroffen waren.

Zum Beispiel, wenn es ums Thema Gehalt geht. Es ist ein Fakt, dass Frauen für die gleiche Arbeit weniger Geld bekommen als Männer. Warum ist eigentlich irrelevant. Wichtig ist nur, dass es so ist. Und dass sich das ändern muss. Dafür brauche ich aber keinen Mann, der mir sagt, dass ich mehr Geld fordern solle. Sondern einen, der mich von sich aus besser bezahlt. Oder noch besser: Eine Frau in der Führungsetage. Eine alleinstehende Woman of Colour, die zwei Kinder erzieht, während sie ihren Job schmeißt. Die werden nämlich am meisten diskriminiert. Auch von dem Feminismus, der von großen Tageszeitungen gefeiert wird.

Ich will einfach mal weniger Männer hören und dafür mehr Frauen. Das ist nicht diskriminierend, das ist gerecht. Kaum ein heterosexueller, weißer Mann muss sich eine Stimme erkämpfen. Diejenige, die nicht ins Konzept passen, allerdings schon. Und wenn sie dann endlich mal zu Gehör kommen, werden sie sofort niedergemacht. Mit Argumenten wie dass der moderne Feminismus ja nicht für Gleichberechtigung ist, sondern nur versucht, die armen, leidenden Männer, die um so viel kämpfen müssen, zu unterdrücken. Falsch.

Der moderne Feminismus kämpft für Gleichberechtigung. Eine Gleichberechtigung, die nicht möglich ist, wenn irgendwelche Dudes ihre Male Tears über die wirklichen Probleme in unserer Gesellschaft stellen. Tut mir leid, dass du mit einem weißen Penis geboren wurdest, du armer, hilfloser, diskriminierter Mann. Check mal bitte deine Privilegien, bevor du anfängst, rum zu heulen. Oder frag deine kleine Schwester, mit welchen Problemen sie so tagtäglich zu kämpfen hat.

Und willst du nicht, dass deine Tochter später mal die Chancen hat, alles zu erreichen, was sie erreichen will? Eben. Jetzt setz dich bitte für einen Moment mal hin und höre zu, statt immer dazwischen zu quaken. Hier wird nicht gegen dich gekämpft. Sondern für eine bessere Welt im Allgemeinen. Das Problem liegt nicht bei den Frauen, das Problem liegt bei dir. Zumindest dann, wenn du einer von diesen Kerlen bist, die nicht darauf klarkommen, dass Frauen den Mund aufmachen und sich auf einigen Gebieten vielleicht als stärker erweisen, als du selbst es bist. Das ist Feminismus. Gleichberechtigung. Jeder ist so stark wie er wirklich ist und nicht bloß so stark, wie seine Geschlechterrolle es ihm vorgibt zu sein.

Die meisten von uns Frauen sind es einfach leid, sich eurer perfekten Welt anzupassen. Denn für uns ist sie nicht perfekt. Wir haben allen Grund zu rebellieren, und das nicht nur aufgrund der weit auseinander klaffenden Gehälter und des Alltagssexismus, sondern wegen so vieler Dinge, die ihr bloß deshalb nicht versteht, weil ihr nicht zuhört.

Und ihr hört nicht zu, weil euch im Gegensatz zu uns nie jemand den Mund verboten hat, weil ihr ja Männer sein, und Männer sind so und Männer haben so zu sein. Wenn ihr also gerne diesem Klischee entsprecht: Bitteschön. Aber nehmt anderen Menschen, also denen, die dieses Klischee nicht erfüllen, nicht einfach die Chance, ihr eigenes Ding zu machen und dabei trotzdem vollkommen gleichberechtigt zu sein. Im Job. In Beziehungen. In allen Bereichen, die das alltägliche Leben und die Sexualität betreffen.

Niemand will den weißen Heteromännern etwas wegnehmen. Wir wollen nur das Gleiche haben. Und dafür arbeiten wir nicht euch nach unten, sondern uns nach oben, mit sämtlichen Mitteln, die uns zur Verfügung stehen. Abgesehen davon können wir euch gar nicht unterdrücken, auch wenn ihr das gerne so empfindet. Es gibt keine strukturelle Diskriminierung gegenüber Mehrheiten.

Was du als Einzelperson empfindest, wenn du einer starken Frau gegenüberstehst, die dir ihre Meinung ungeschönt ins Gesicht bläst, zählt in diesem Fall einfach nicht. Sie hat aufgrund unserer gesellschaftlichen Strukturen schon gar nicht die Macht dazu. Und wenn es diese Macht ist, vor der du solche Angst hast, dann ist dir leider auch nicht mehr zu helfen.

Denn ich als Frau bin dieser Macht jeden Tag ausgesetzt. Wenn du nur mal eine Sekunde wirklich ernsthaft nachdenkst, verstehst du vielleicht auch, weshalb ich so wütend bin. Und dann darfst du gerne mit mir brüllen, statt nur gegen mich. Aber erst dann. Ansonsten hast du tatsächlich mal zu schweigen.

Ich hasse Männer nicht, auch wenn mir das der ein oder andere nach diesen Zeilen vielleicht unterstellen will. Im Gegenteil, ich liebe Männer. Und ich liebe Schwänze. Was ich allerdings nicht mag, ist dieses Ungleichgewicht in unserer Gesellschaft. Und daran muss sich etwas ändern. Wenn ich dafür jeden mächtigen Mann auf dieser Welt anbrüllen muss, nur um in der Zukunft vielleicht wenigstens eine Kleinigkeit an der aktuellen Lage der Frauen zu ändern, dann mach ich das. Und zwar nicht, weil ich Männer gerne anschreie, obwohl ich das natürlich auch tue, sondern weil ich es einfach leid bin, immer die Fresse halten zu müssen, nur weil ich eine Frau bin.

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Die Fotografie stammt von Miguel Bruna
Der Text erschien in der Kategorie Leben mit den Themen Frauen, Jungs, Mädchen, Männer und Sexismus
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