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Kneipen, Fummeln, Nostalgie: Kleinstadtgedanken

Kleinstädte tragen ihren Namen nicht ohne Grund. Und jedes auch nur irgendwie erdenkliche Vorurteil über sie ist wahr. Jeder kennt jeden. Die Inzestrate ist überdurchschnittlich hoch. Die Tageszeitung, die sich meist gleich über mehrere Dörfer und Wiesen erstreckt, berichtet bevorzugt über den 75. G...
Kneipen, Fummeln, Nostalgie: Kleinstadtgedanken

Kneipen, Fummeln, Nostalgie

Kleinstadt
gedanken

Marcel Winatschek

Kleinstädte tragen ihren Namen nicht ohne Grund. Und jedes auch nur irgendwie erdenkliche Vorurteil über sie ist wahr. Jeder kennt jeden. Die Inzestrate ist überdurchschnittlich hoch. Die Tageszeitung, die sich meist gleich über mehrere Dörfer und Wiesen erstreckt, berichtet bevorzugt über den 75. Geburtstag des Gartenvereins oder fotografiert kleine Kinder dabei, wie sie den dritten Platz im regionalen Taekwondo-Turnier gewonnen haben. Total exotisch und so. Und in so einer Umgebung muss sich irgendwann jeder eine Frage stellen: Bleiben – oder gehen?

Meine Kleinstadt heißt Buchloe. Sie liegt in Bayern, irgendwo zwischen Augsburg, Landsberg am Lech und Kaufbeuren. Wenn euch das etwas sagt. Und als es eigentlich schon fast zu spät war, habe ich mich dazu entschieden zu gehen. Nach Berlin. In die große weite Welt. Um etwas anderes aus meinem Leben zu machen, außer meine Freundin zu heiraten, mit ihr in ein Einfamilienhaus auf dem Acker ihres Vaters zu ziehen und danach fleißig kleine FC-Bayern-Fans zu zeugen. Ein anderer Lebensstil ist dort drüben schließlich nicht gern gesehen.

Wenn ich heute an Weihnachten oder Ostern nach Hause komme, um meine Familie zu besuchen, dann fühle ich mich überlegen. Weil ich es geschafft habe. Rede ich mir zumindest selbst ein. Raus aus dem blauweißen Einerlei, hinein in die schnelllebige Welt, bestehend aus Partys, Drogen und Z-Promis. Oder zu Hause herumsitzen und sich einen runterholen, weil man ja im Zentrum der deutschen Macht sitzt. Gleich neben dem Fernsehturm und diesem Typen, der ständig irgendwas von Ischen, Muckefuck und Jummilutscha durch den Kiez brüllt.

Es gibt gute Gründe, warum ich meine Freunde in dieser öden Idylle zurückgelassen habe. Geld ist einer. Abwechslung. Perspektive. Großstadtflair. Solche Begriffe eben. Und oft habe ich gar keine Zeit darüber nachzudenken, wie mein Leben wohl ausgesehen hätte, wenn ich damals nicht weggegangen wäre. Vor knapp fünf Jahren. Diese Frage stellt sich irgendwann jeder einmal. Und manchmal holt sie einen ein.

Dann sitze ich spät nachts mit einer Flasche Wein vor dem Facebook-Stream und klicke mich durch bekannte Gesichter, die sich für ein Leben im Einerlei entschieden haben. Oder einfach zu faul waren wegzugehen. Sie feiern Fasching zusammen, sind alle ein wenig älter und dicker geworden. Aber sie lachen und trinken und scheinen nicht zu bereuen, dass sie nicht hunderte, gar tausende Kilometer weit weg gezogen sind, um woanders ihr Glück zu suchen. Und damit womöglich das Risiko einzugehen, gebrochen und pleite zurückzukehren.

Sie gehen geduldig ihrem Achtstundenberuf im Getränkemarkt oder Altenheim nach, freuen sich über den McDonald’s 20 Kilometer weiter und treffen sich abends für abends in der Stammkneipe. Oder wenn es mal etwas wasted zugehen soll, dann fahren sie eben in die Großraumdisco ein paar Dörfer weiter. Wo sie dann zu David Guetta abgehen oder dem Bachelor zujubeln. Denn kennt man ja von RTL.

Manchmal vermisse ich diese Menschen. Klar, das sind genau diejenigen, die jeden Tag brav auf Facebook ihre Glücksnuss öffnen. Und uns zu solch sinnlosen Apps wie dem Geburtstags-Kalender einladen. Oder Fotos von gequälten Hundebabys posten und darunter “Wen ich den erwische schneide ich ihn den Pimel ab!!” schreiben. Wie man das halt so macht. In Bayern.

Aber dann überkommt mich doch die Nostalgie und ich denke daran zurück, wie wir uns im warmen Sommerregen mit Jägermeister betranken. Vor einer dieser Holzhütten, aus der laut Groove Coverage ertönte. Wie wir in einen Wohnwagen eingebrochen und von den Besitzern heraus geprügelt worden sind, nur um am nächsten Tag als randalierende Jugendliche in der Zeitung zu stehen. Wie Jule und ich um Mitternacht auf der kleinen Holzbank am Bach saßen und sie sich auf mich drauf kniete. Um mir Sternschnuppen zu zeigen. Und zu fummeln.

Es macht mich manchmal depressiv zu sehen, dass diese Leute nach all den Jahren noch immer befreundet sind und miteinander ihre Zeit verbringen. Oder gar ein Paar sind, verheiratet, Kinder haben. Wir waren dumme Spasten mit Scheiße im Hirn, machten Straßen, Felder, Schulen, Wälder, Seen, Wohnungen, Kneipen, Keller, Zimmer und Betten unsicher. Und sie sind immer noch zusammen. Und ich bin weg. Ganz weit weg. Um vier Uhr morgens, mit einer Flasche Wein in meiner Hand, finde ich das irgendwie traurig.

Und obwohl ich die Antworten darauf eigentlich ganz genau weiß, stelle ich mir dann selbst ein paar Fragen, bevor ich endlich unruhig einschlafe. Wäre mein Leben in der Kleinstadt so schlimm gewesen? War es das alles wert, um meine Freunde für immer aufzugeben? Was würde ich heute wohl machen, wenn ich nicht nach Berlin gegangen wäre? Pizzafahrer? Lagerfacharbeiter? Hartz-IV-Empfänger?

In irgendeinem Paralleluniversum sitze ich jetzt in meiner Kleinstadt und wundere mich, wie mein Leben wohl verlaufen wäre, wenn ich mich damals entschieden hätte fortzugehen. Dann schlage ich die Zeitung auf und lese vom 75. Geburtstag des Gartenvereins. Und freue mich, dass die kleinen Kinder den 3. Platz im regionalen Taekwondo-Turnier gewonnen haben. Total exotisch und so.

Die Fotografie stammt von Tom Rumble
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Naaked: Muschis sind Kunst

Wer auf offen gelegte Geschlechtsteile aller Formen, Farben und Größen steht, der darf sich in Berlin zu jeder Tageszeit wie zu Hause fühlen. Ob bei Tag, ob bei Nacht, irgendwo gibt es junge Menschen, die ihre behaarten oder fein säuberlich rasierten Löcher, Hügel und Erhebungen jedem präsentieren,...
Naaked: Muschis sind Kunst

Naaked

Muschis sind
Kunst

Daniela Dietz

Wer auf offen gelegte Geschlechtsteile aller Formen, Farben und Größen steht, der darf sich in Berlin zu jeder Tageszeit wie zu Hause fühlen. Ob bei Tag, ob bei Nacht, irgendwo gibt es junge Menschen, die ihre behaarten oder fein säuberlich rasierten Löcher, Hügel und Erhebungen jedem präsentieren, der Lust darauf hat, sich an ihnen zu ergötzen. So wie ich.

Der Berliner Fotograf Peter Kaaden scheint ebenfalls ein großer Befürworter weiblicher Körperöffnungen zu sein, so feierte er doch im Studiolo Berlin mit bekannten Namen aus der umliegenden Medien-, Musik– und Kulturwelt und jeder Menge kühler Getränke seine neueste Ausstellung mit dem bedeutsamen Titel „Naaked“. Zu sehen sind große Detailaufnahmen mädchenhafter Eigenheiten, die Peter mit der Kamera seines Zahnarztes geschossen hat.

„Ich wollte das Gerät an Dingen ausprobieren, die ich mag, wie zum Beispiel nackte Körper„, erzählt uns Peter. „Plötzlich konnte ich Details erkennen, die ich vorher nicht gesehen hatte. Ich war den Körpern näher als je zuvor!“ Wolltet ihr nicht schon immer einmal eine überdimensionierte Muschi oder ein paar feste Brüste in eurem Wohnzimmer hängen haben? Dann schaut im Studiolo Berlin am Moritzplatz in Kreuzberg vorbei und erwerbt eines der freizügigen Kunstwerke!

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Die Fotografie stammt von Samuel Smelty
Der Text erschien in der Kategorie Kunst mit den Themen
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Klogeschichten: Gespräche übers Kacken zeigen dir, wer deine wahren Freunde sind

Es gibt einen ganz bestimmten, fast schon magischen, Moment in jeder Bekanntschaft - egal, ob es sich um eine aufkeimende Freundschaft oder eine frische Beziehung handelt - in der sich entscheidet, ob es sich um eine aufrechte, enge Bindung oder doch eher um ein für immer und ewig oberflächliches Mi...
Klogeschichten: Gespräche übers Kacken zeigen dir, wer deine wahren Freunde sind

Klogeschichten

Gespräche übers Kacken
zeigen dir, wer deine
wahren Freunde sind

Nadine Kroll

Es gibt einen ganz bestimmten, fast schon magischen, Moment in jeder Bekanntschaft – egal, ob es sich um eine aufkeimende Freundschaft oder eine frische Beziehung handelt – in der sich entscheidet, ob es sich um eine aufrechte, enge Bindung oder doch eher um ein für immer und ewig oberflächliches Miteinander handelt.

Das ist nicht etwa der Moment, wenn man seine ganze tragische Familiengeschichte auspackt oder dem Gegenüber anbietet, im Krankheitsfall eine Niere zu spenden, sondern ein ganz niederes, menschliches Bedürfnis, das ein jeder von uns hat, über das aber aus Höflichkeit, Scham oder anderen für mich nicht nachvollziehbaren Gründen gerne geschwiegen wird. Der Moment, in dem sich entscheidet, ob eine zwischenmenschliche Beziehung echt oder oberflächlich ist, ist der, in dem man das erste Mal miteinander übers Kacken spricht.

Der tägliche Stuhlgang ist in unserer Gesellschaft ein Tabuthema, über das niemand gerne spricht – dabei ist es eigentlich ein Bedürfnis wie jedes andere, und über unser Lieblingsessen oder die Sehnsucht nach einem heißen Bad schweigen wir ja auch nicht. Warum also sind die meisten von uns so verklemmt, dass sie nicht sagen können, wenn sie mal wieder richtig schön einen abseilen wollen.

Die Ekelgrenze kann’s nicht sein, denn alles, was der menschliche Körper so an Abfallprodukten produziert, ist ganz prinzipiell erst mal nicht eklig. Man muss sich den Achselschweiß seiner Mitmenschen ja nicht direkt ins Gesicht reiben lassen oder den eigenen Urin als Mahlzeit zu sich nehmen. Kann man aber, wenn man möchte.

Für mich ist Kacken ein Gesprächsthema wie jedes andere auch. Und ich hab auch echt kein Bock drauf, mit Leuten befreundet sein, zu denen ich sagen muss „Ich geh mir mal die Nase pudern“, wenn ich eigentlich meine, dass ich scheißen muss. Zumal „Nase pudern“ für mich bedeutet, dass ich mir eine ordentliche Ladung Kokain in die Birne ballere.

Schon lange bevor Darm mit Charme das Thema Stuhlgang gesellschaftsfähig gemacht hat, gehörte es zu den Dingen, die ich mit meinen Freundinnen und Freunden gerne besprach. Ist doch auch interessant, sich mal über die Häufigkeit des Kackens oder die verschiedenen Konsistenzen von Scheiße zu unterhalten.

Im Internet kursiert sogar eine Liste, auf der Dinge wie „Sprühwurst“, „Glückswurst“, „Aufregungsschiss“ und „Bierschiss“ genauestens definiert werden. Super Sache, vor allem, weil man daran merkt, dass man nicht der einzige Mensch der Welt ist, der manchmal so krasse Stinkbomben ins Klo legt, dass man einen ganzen Kontinent damit ausrotten könnte.

Ich muss gestehen, dass ich nicht immer so locker war, wenn’s ums Thema Kacken geht. Früher war das schon so, dass ich das Thema Stuhlgang so behandelt habe, wie auch meine Periode: Als wäre es bei Frauen gar nicht vorhanden. Demnach bin ich auch immer nach Hause gefahren, wenn mein Darm sich zu Wort gemeldet hat, statt meinen Haufen in die Schultoilette zu setzen. Auch bei Freunden scheißen war nicht drin. Generell konnte ich nirgendwo kacken, außer zuhause. Und darüber reden war halt auch nicht drin.

Geändert hat sich das alles schlagartig, als ich das erste Mal auf einem Festival war. Ich hatte mir im Vorfeld gar keine Sorgen um meinen Stuhlgang gemacht, schließlich kannte ich meinen Darm gut genug, um zu wissen, dass er gut und gerne eine Woche ohne die Erleichterung eines Schisses auskommt, wenn die heimische Toilette nicht in der Nähe ist.

Auf Festivals herrschen andere Gesetze als im normalen Leben. Da werden beispielsweise fiktive Götter aus Bierdosen angebetet, Menschen, die sich im normalen Leben nie begegnen würden, reiben ihre geschwitzten Körper aneinander, und es wird lauthals verkündet, dass der braune Schokobär drückt und man jetzt mal einen abseilen geht.

Besonders der erste Schiss auf einem Festival wird für gewöhnlich groß gefeiert. Vor allem dann, wenn er auf einem Dixiklo erfolgte und nicht auf einer dieser Toiletten, für die man Geld bezahlen muss, damit man in einem halbwegs sauberen Umfeld und mit etwas mehr Ruhe sein Geschäft erledigen kann.

Für mich war das zunächst sehr irritierend. Wie gesagt, ich kannte das nicht, dass man so offen über seine Darmtätigkeit spricht. Vor allem nicht als Mädchen. Gleich am zweiten Tag allerdings konfrontierte Sophia unsere Reisegruppe mit ihrem bereits jetzt nicht enden wollenden Bierschiss. Ich bewunderte sie, wie so oft, stieg aber noch nicht mit in das Thema ein.

Die anderen jedoch holten direkt ihre krassesten Scheißgeschichten hervor. Da war zum Beispiel der Typ, der eine Hand gekackt hatte. „Einen großen Haufen und fünf kleine Würstchen, echt jetzt!“ „Hast du ein Foto davon gemacht?“ Und ein anderer, der angab, extra schwarze Schokolade mitgenommen zu haben, damit seine Scheiße trotz des ganzen Bieres eine „normale“ Konsistenz behielt.

Ab da gab es eigentlich kein Halten mehr. Gefühlt der ganze Zeltplatz beteiligte sich an der Diskussion über eindeutig sichtbare, unverdaute Maiskörner im Kot, das Brennen, das man am Arschloch verspürte, wenn man ein zu scharfes Chili hatte und wenn sie gerade nicht darüber sprachen, blähten sie ihre Darmwinde in alle Richtungen des Geländes. Ich war zu keinem Zeitpunkt angeekelt, doch so richtig mitmachen wollte ich hier noch nicht.

Erst, als mein Darm sich am dritten Tag und nach viel zu viel Bier zu Wort meldete, zog ich Sophia zur Seite und erzählte ihr, dass ich jetzt auch endlich mal müsse. Eigentlich wollte ich von ihr nur wissen, ob sie zum Kacken auf die Dixiklos oder die bezahlbaren Toiletten ging, doch bevor sie aufhalten konnte, schrie sie unseren Begleitern zu: „Ey, Nadine geht endlich auch mal kacken!“ Ich bekam eine große Runde Applaus, eine Rolle Klopapier in die Hand gedrückt und die Anweisung, einfach das Dixiklo zu benutzen, da sich das Bezahlen für die „besseren“ Toiletten sowieso nicht lohnen würde.

Von da an war das Eis gebrochen. Nachdem ich einen mittelfesten Haufen in das kleine blaue und extrem stinkende Häuschen gesetzt hatte, ging ich zurück zu den anderen und erzählte ihnen davon. Von da an gehörte ich dazu. Meine Freundschaft zu der Truppe, mit der ich auf dem Festival war, war echt.

Seit diesem Tag hab ich auch kein Problem mehr damit, vor anderen Leuten über meinen Stuhlgang zu sprechen. Wer auf mein „Ich geh kacken!“ mit Abscheu oder Ekel reagiert, ist es nicht wert, mein Freund zu sein. Ich will einfach keine Beziehungen zu Menschen haben, die sich ihrer eigenen Körperfunktionen so sehr schämen, dass sie nicht offen sagen können, was Sache ist.

Die Fotografie stammt von Mitchell Orr
Der Text erschien in der Kategorie Leben mit den Themen
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Freier Sex für freie Drinks: Verkaufe ich mich unter Wert?

Ich halte es kaum aus, wache immer zu früh auf. Jedenfalls früh genug, um meinen Bettgenossen beim Schlafen zu beobachten. Aber da das Leben keine Matratzenwerbung ist, kann es schon mal passieren, dass der Mann zu meiner Rechten nicht liebevoll lächelnd und retouchiert neben mir schlummert, sondern...
Freier Sex für freie Drinks: Verkaufe ich mich unter Wert?

Freier Sex für freie Drinks

Verkaufe ich mich
unter Wert?

Diana Kozacek

Ich halte es kaum aus, wache immer zu früh auf. Jedenfalls früh genug, um meinen Bettgenossen beim Schlafen zu beobachten. Aber da das Leben keine Matratzenwerbung ist, kann es schon mal passieren, dass der Mann zu meiner Rechten nicht liebevoll lächelnd und retouchiert neben mir schlummert, sondern eher mit offenem Mund, sabbernd und schnarchend mein Kopfkissen durchweicht.

Manchmal sehe ich ihnen dabei zu, bin ganz erstaunt, wie komisch ihre Füße zucken und wie eklig sie riechen. Aber schließlich ich bin auch nicht porenlos, sondern nur hier, weil ein Long Island Iced Tea im Cookies 12 Euro kostet. Ich bin wegen der zu hohen Alkoholsteuern hier. Ich bin wegen der Innenpolitik hier.

Es war Mittwoch, nichts kam im Fernsehen und meine Einzelhandelsfreunde hatten am Donnerstag frei – so weit, so gut. Man geht nicht mit vielen Erwartungen in einen hippen Berlin-Mitte-Club, aber mit mindestens 50 Euro, von denen 75 Prozent für den Eintritt und weitere 20 Prozent für ‘nen Schnaps ausgegeben werden.

Pflichtbewusst tanzt man sich schwitzig und trinkt über kurz oder lang einen Kurzen oder einen Long Island Iced Tea, bis man sich setzt, am besten an die hippe Bar. Und da war er plötzlich. Ein Mann, ein Blick. Ich hab schon mal in der Brigitte davon gelesen: Die gesenkte Augenbraue, das verschmizte Lächeln von dem sich ein Primat auf Partnersuche eine Scheibe abschneiden könnte und ein zustimmendes Nicken.

Es war offensichtlich: Ich hatte etwas unglaublich Widerliches im Gesicht, also rannte ich auf die Damentoilette, wo sich meine Kollegin von ihrem iPhone eine Line Speed zog. Sie stellte eine Stoppuhr, ich stellte mich vor den Spiegel, aber alles war gut. Zurück an der Bar bekam ich einen Long Island Iced Tea für lau und ein weiteres Lächeln, das ich eigentlich gar nicht wollte.

Was folgte, waren drei weitere Gläser, noch zwei Kurze zum Mitnehmen und eine Taxifahrt. Ich hatte in der Brigitte davon gelesen. Diese einmalige Sache nennt man One Night Stand, sollte man die Person kennen und dessen Würde schätzen, ist es ein Fuck-Buddy, trifft beides nicht zu, befindet man sich in einer von RTL arrangierten Ehe.

Erster Fall tritt ein, wenn: Man erstens betrunken ist. Check. Man die Person zweitens im Rausch der Sinne recht anziehend findet. Check. Es drittens einige Stunden später nicht mehr der Fall ist. Check, check. Und da wären wir wieder: Der Sabber läuft aus seinem Mundwinkel, auf mein schönes Ikea-Kopfkissen. Und stinken tut er auch.

Ich habe nur noch zwei Fragen an mich und die erste wäre: Habe ich mich nun unter Wert verkauft oder beheben die hohen Cocktailpreise in Mitte diese Rechnung? Und die Zweite: Wie macht man das weg? Er ist schwer. Und in meiner Wohnung. Die Schnarchgeräusche werden leiser. Vielleicht habe ich ihn mit der Kraft meiner Gedanken getötet. Oder schlimmer: Er wacht auf.

Ich drehe mich zur Seite, stelle mich tot und hoffe, dass er von alleine geht, aber spüre stattdessen eine gut gemeinte, aber schlecht umgesetzte Berührung in meinem Nacken. „Guten Morgen, Mäuschen!” Verdammt, wir sind schon so weit, dass er mich nach Schädlingen benennt. „Guten Morgen, Stinkebär!“ Hört er die Ironie? Mir wird jedenfalls schlecht, ich stolpere raus und renne nackt, beuge mich, gehe auf meine Knie und spüle den Long Island Iced Tea runter, damit habe ich meine Bezahlung in die Kanalisation katapultiert. Jawohl, ich habe mich unter Wert verkauft.

Die Fotografie stammt von Taras Abbat
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Die Vielfickerin: Ich bin eine Schlampe und stolz darauf

Ich will ganz ehrlich sein: Ich mache mir nichts aus dem Gerede anderer. Was Menschen, die nicht meine Freunde sind, über mich oder auch direkt zu mir sagen, ist mir ziemlich egal. Deshalb verfolge ich auch nicht, was ihr mir für Leserbriefe schickt. Ich schreibe nicht, um euch zu befriedigen, sonde...
Die Vielfickerin: Ich bin eine Schlampe und stolz darauf

Die Vielfickerin

Ich bin eine Schlampe
und stolz darauf

Nadine Kroll

Ich will ganz ehrlich sein: Ich mache mir nichts aus dem Gerede anderer. Was Menschen, die nicht meine Freunde sind, über mich oder auch direkt zu mir sagen, ist mir ziemlich egal. Deshalb verfolge ich auch nicht, was ihr mir für Leserbriefe schickt. Ich schreibe nicht, um euch zu befriedigen, sondern um mein Mitteilungsbedürfnis zu stillen. Und natürlich, weil ich es geil finde, für die „Rotze“, die ich von mir gebe, auch noch Geld zu kassieren.

Am Wochenende allerdings war mir extrem langweilig. Meine Freunde waren alle ausgeflogen und ich hatte kein Gras mehr im Haus, weil leider auch mein Dealer weg war. Also fing ich aus lauter Verzweiflung an, mich durch das Internet zu klicken und blieb irgendwann bei meinen eigenen Artikeln hängen. Und bei den dazugehörigen Leserbriefen.

Größtenteils war das, was darin stand, ziemlich langweilig. Monotone Wiederholungen von Dingen, die ich mir schon viel zu oft im Leben anhören musste und über die ich einfach nur noch gähnen kann. Ehrlich, Leute, lasst euch mal was Neues einfallen. Frauen als Schlampe zu betiteln ist doch schon out, seit Sido seine Maske abgenommen hat und viel mehr Würdig wurde als er jemals Gangsterrapper war.

Ich habe nicht die leiseste Ahnung, was es euch bringt, mich eine Nutte, Hure oder ähnliches zu nennen. Soll das etwa eine Beleidigung sein? Ernsthaft, Leute. Das sind Berufe, so wie Bankkaufmann oder Dealer. Denkt ihr wirklich, das würde mich auch nur im entferntesten angreifen?

Meine Eltern haben nicht viel Erziehungsarbeit geleistet bei mir, aber sie haben mir immerhin beigebracht, was eine Schlampe ist, während bei einigen von euch da echt was schief gelaufen zu sein scheint. Sogar meine Therapeutin nennt mich manchmal Schlampe und da ist nichts Schlimmes bei.

Eine Schlampe ist nämlich ein Frau, die tierisch unordentlich ist und gerne mal ihr Äußeres vernachlässigt. Und dass das auf mich zutrifft, kann ich nun wirklich nicht abstreiten. So habe ich das zumindest gelernt. Das männliche Pendant dazu ist übrigens Schlamper oder Schlunz, nur falls ihr mal jemanden zurechtweisen wollt.

Letztere werden ausschließlich in einem nicht sexuellen Kontext benutzt, während es mittlerweile sehr üblich scheint, das Wort „Schlampe“ auf Frauen anzuwenden, die sexuell aktiv sind. Das männliche Gegenstück dazu scheint „männliche Schlampe“ zu sein, aber dass das sprachwissenschaftlich korrekt ist, wage ich zu bezweifeln.

Ich finde es nicht schlimm, eine „Schlampe“ zu sein. Weder in dem einen, noch in dem anderen Zusammenhang. Ich bin unordentlich, ich rasiere mir die Achseln nicht und ich habe Sex, wann, wo und mit wem ich will. Männern, Frauen, Menschen die sich irgendwo zwischen diesen Geschlechtern bewegen, egal.

Was ich allerdings sehr wohl schlimm finde, ist, dass ihr meine Freiheit, oder besser gesagt, die Freiheiten, die ich mir herausnehme, weil ich einfach Bock drauf habe, so abwertet. Ihr wollt nicht mit so vielen Menschen wie möglich Sex haben, euch ins Gesicht spritzen, in den Arsch ficken oder von einer großbusigen Domina auf dem Schwanz herumtrampeln lassen, während sie euch Tiernamen gibt? Gut. Dann tut es nicht. Euch zwingt ja niemand zu genau diesen Dingen.

Ihr wollt nicht mit jemandem in die Kiste steigen, dessen Muschi schon mehr als drei Schwänze mit einem feuchten Kuss begrüßt hat oder der jede Nacht ein anderes Paar Titten mit nach Hause nimmt? Das ist total okay. Ich verstehe zwar nicht, warum die Anzahl der vorangegangenen Sexualpartner für euch relevant ist, an dieser Stelle sei gesagt, dass Löcher nicht „ausleiern“, weder vorne, noch hinten, aber die Entscheidung liegt ja schließlich bei euch.

Wenn ich allerdings eine Theorie zu diesem Denken abgeben müsste, dann wäre das, dass ihr einfach nur Angst davor habt, schlechter als der oder die Vorgänger zu ficken und deshalb Wert darauf legt, dass euer Geschlechtspartner noch möglichst unbefleckt ist, also so wenig fremdes Sperma oder Fotzenschleim wie möglich am eigenen Körper hatte. Falls ich damit falsch liege, lasse ich mich allerdings gerne eines Besseren belehren – ich lese die Leserbriefe diesmal auch, versprochen.

Ich habe lange überlegt, ob ich den Teil, der jetzt kommt, einfach mit „Ich bin gerne eine Schlampe“ beginne, doch irgendwie wäre das falsch. Ich bin jemand, der gerne Sex hat. Jemand, der zu seinen Vorlieben steht und Spaß an neuen Dingen hat. Sex gehört zu meinem Leben wie wie Fleischwurst, die ich jeden Morgen verdrücke – und, nein, das ist keine besonders geschickt gewählte Metapher. Ich mag Fleischwurst. Und ich mag Sex.

Ich liebe das berauschende Gefühl eines Orgasmus, das mich oft noch stundenlang später grinsen lässt. Ganz egal, ob ich ihn mir selbst besorgt oder von anderen besorgen lassen hab. Ehrlich, Mann, wenn ich könnte, würde ich den ganzen Tag Orgasmen haben. Und die erreicht man eben durch Sex. Guten Sex. Sehr guten Sex. Und den, den habe ich einfach.

Weil es ihn mir erlaube. Mir gönne. Auf all die Vorurteile scheiße, die man mir entgegen bringt, wenn ich sage, dass ich manchmal Tage damit verbringe, mir das Hirn rausvögeln zu lassen und anderen das Hirn herauszuvögeln. Weil es geil ist. Sex fetzt, Mann. Und das wisst ihr.

Wenn ihr mich also eine Schlampe, Hure, Nutte, Bitch oder einfach nur Drecksau nennen wollt, weil ich mir nehme, was ich will: nur zu. Dann müsst ihr aber auch damit rechnen, dass ich euch für minderbemittelt halte. Nicht, weil ihr meinen Lebensstil kritisiert, sondern weil ihr meint, mir mit einem angeblichen Schimpfwort einen Stempel aufdrücken zu müssen, der mich in eine eurer Schubladen sortiert. Eine, die ihr klammheimlich immer dann, wenn keiner guckt, wieder herauszieht und nachschaut, ob noch alles gleich geblieben ist. Sonst würdet ihr die „Rotze“, die ich hier verbreite, ja nicht ständig lesen. Und mit einem eurer Schubladenwörter kommentieren.

Wenn ich für guten Sex in Kauf nehmen muss, dass die ach so offene und aufgeklärte Gesellschaft mich als etwas sieht, das nicht toleriert, aber trotzdem mit staunend offen stehenden Mündern abwertend kommentiert werden darf, dann ist das eben so. Meine Orgasmen gleichen das aus. Und abgesehen davon, beleidigt mich das sowieso nicht.

Drüber nachdenken solltet ihr trotzdem mal, bevor ihr solche Worte in den Mund nehmt. Es gibt da draußen nämlich sehr wohl Menschen, die ihr mit eurer beschissenen Wortwahl diskriminiert. Und das, Leute, muss echt nicht sein. Dann einfach doch lieber mal einen großen Schwanz in den Mund nehmen und brav die Klappe halten.

Die Fotografie stammt von Dainis Graveris
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Mind Game: Gott ist tot

Ein Taugenichts verliebt sich in ein Mädchen mit großen Brüsten und wird bei einem Überfall in den Arsch geschossen. So normal beginnt Mind Game, der, sagen wir mal, bewusstseinserweiternde Anime von Robin Nishi und Masaaki Yuasa. Nach dem unrühmlichen Ableben trifft der junge Mann dann auf einen kö...
Mind Game: Gott ist tot

Mind Game

Gott ist tot

Marcel Winatschek

Ein Taugenichts verliebt sich in ein Mädchen mit großen Brüsten und wird bei einem Überfall in den Arsch geschossen. So normal beginnt Mind Game, der, sagen wir mal, bewusstseinserweiternde Anime von Robin Nishi und Masaaki Yuasa. Nach dem unrühmlichen Ableben trifft der junge Mann dann auf einen körperlich ziemlich instabilen Gott, der ihm mit magischen Riesenbildschirmen und Spiegeln eine zweite Chance ins Leben verpasst.

Die nutzt er, flieht mit einer gescheiterten Schwimmerin und ihrer burschikosen Schwester vor Gangstern, Comic-Figuren und hässlichen Franzosen und erzählt währenddessen die Geschichte einer gestrandeten Weltraum-Crew, die sich von dem Dung eines extrem tollpatschigen Aliens ernähren muss und irgendwann merkt, dass ihre einzige Chance aus dem Dilemma der vaginale Ausgang einer auf der Toilette sitzenden Japanerin ist. Die ganze Bande landet irgendwann im Bauch eines Wals, trifft auf einen schrulligen alten Mann und entdeckt bald ihren eigenen Sinn des Lebens.

Weil ich zu dumm zum Kiffen war und mein bewusstseinserweiternder Kakao auch nicht so richtig zünden wollte, musste ich gestern Nacht die Grenzen meiner Gedankenwelt auf andere Art und Weise versetzen und zog mir Mind Game vom japanischen Studio 4°C hinein, die sich auch für Batman Gotham Knight und Animatrix verantwortlich zeigen.

Schnellwechselnde Szenen, harte Schnitte und eine bescheuerte Story, gepaart mit grellen Farben und unterschiedlichsten Zeichenstilen, brachten meinen Kopf zum Platzen und schafften es mich mit einem Feuerwerk aus Kreativität und Inspiration so zu verwirren, dass ich anschließend in einer embryonalen Stellung auf dem harten Boden lag und mir wünschte, Gott wäre mein neuer bester Freund.

Wer mutig ist und sich nicht immer nur bei Disneys Alice im Wunderland und der Rocky Horror Picture Show die Birne wegballern möchte, der darf sich ruhig einmal an diesem japanischen Animationswerk versuchen und dadurch auf eine bildgewaltige Odyssee von Robin Nishi und Masaaki Yuasa durch eure Fantasie gehen. Für Komplettnüchterne ist der Streifen zwar nicht geeignet, alle anderen werden aber ihre pure Freude an Mind Game haben. Nishi, Gott und dicke Titten forever.

Mind Game: Gott ist tot Mind Game: Gott ist tot Mind Game: Gott ist tot Mind Game: Gott ist tot Mind Game: Gott ist tot Mind Game: Gott ist tot Mind Game: Gott ist tot Mind Game: Gott ist tot Mind Game: Gott ist tot Mind Game: Gott ist tot Mind Game: Gott ist tot Mind Game: Gott ist tot Mind Game: Gott ist tot Mind Game: Gott ist tot Mind Game: Gott ist tot Mind Game: Gott ist tot Mind Game: Gott ist tot Mind Game: Gott ist tot Mind Game: Gott ist tot Mind Game: Gott ist tot Mind Game: Gott ist tot Mind Game: Gott ist tot Mind Game: Gott ist tot Mind Game: Gott ist tot Mind Game: Gott ist tot Mind Game: Gott ist tot Mind Game: Gott ist tot Mind Game: Gott ist tot Mind Game: Gott ist tot Mind Game: Gott ist tot
Die Illustration stammt von Studio 4°C und Rapid Eye Movies
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Dating per App: Tinder darf man nicht ernst nehmen

Ich hatte mal einen Exfreund. Und wie es für Exfreunde seiner Art, Stichwort Musiker, so üblich ist, war er ein richtiger Arsch mit einem winzigen... naja... Ego und noch weniger Gewissen. Woher ich das weiß? Nun ja, zum Glück ist Berlin auch nur ein kleines Dorf, in dem jeder jeden kennt – und so b...
Dating per App: Tinder darf man nicht ernst nehmen

Dating per App

Tinder darf man
nicht ernst nehmen

Leni Garibov

Ich hatte mal einen Exfreund. Und wie es für Exfreunde seiner Art, Stichwort Musiker, so üblich ist, war er ein richtiger Arsch mit einem winzigen… naja… Ego und noch weniger Gewissen. Woher ich das weiß? Nun ja, zum Glück ist Berlin auch nur ein kleines Dorf, in dem jeder jeden kennt – und so bieb mir die frohe Botschaft über seine pickelige, 19-jährige Affäre beim besten Willen nicht erspart, genauso wenig wie die Details des romantischen Zusammentreffens der beiden Turteltauben: Tinder. What else.

Ich habe keine Ahnung, welche Synapsen ihren Einsatz verpasst haben und wo mein südländisches Temperament an dem Tag abgeblieben ist, aber statt Britney-reif auszuticken, habe ich nur mit den Schultern gezuckt und mir die App runter geladen. Okay, Letzteres habe ich mir nur ausgedacht. Fakt ist aber: Was er kann, kann ich schon lange.

Verändert die Liebe sich durch das Internet? Spielen echte Gefühle überhaupt noch eine Rolle? Oder werden wir zur Massenware, die nach links zu den Losern oder nach rechts in die engere Auswahl wandert? Wir sind ja hier unter uns, also kann ich es euch verraten: Trotz großer Klappe werde ich zum schüchternen Häufchen Elend, wenn es ums Flirten geht.

Ich kann mir schöne Augen schminken, dem Typen an der Bar aber keine schönen Augen machen. Ich kann meine Meinung lautstark vertreten, bekomme aber kein Wort raus, wenn ich jemanden richtig toll finde. Und ich war absolut dagegen, mich auf Tinder, Happn & Co. zu präsentieren, obwohl mein komplettes Leben fast nur im Internet stattfindet.

Aber hey, was tut man nicht alles für die Wissenschaft? Zwei, drei Klicks, Foto hochgeladen, angemeldet, fertig. Und wisst ihr was? Es war überhaupt nicht schlimm. Weil man das Ganze nicht zu ernst nehmen darf. Weil man nicht mit dem Vorhaben, seine große Liebe zu finden, aufs Herzchen klickt oder nach rechts wischt. Weil man auch da eines Besseren belehrt werden kann, wie die ein oder andere Geschichte beweist. Weil das Argument, man würde zur Billigware, schon bei dem Gedanken hinkt, weil beide zustimmen müssen und somit wissen, worauf sie sich da einlassen.

Und weil man im allerschlimmsten Fall mit der besten Freundin beim Späti um die Ecke sitzt, ihr das Handy in die Hand drückt und sie die nächsten fünf Typen aussuchen lässt, nur um zu sehen, ob es ein Match war. Strike! Yeah! Next Level! Es ist nur ein Spiel, das keinem – mit einem gesunden Menschenverstand – wehtut.

Und während wir da Tränen lachend mit dem Handy in der Hand sitzen, wie Teenies auf dem Schulhof kichern und sie laut „Neeeeeee, der doch nicht!“ schreit, setzt sich ein Unbekannter zu uns, holt sein Handy raus und grinst uns an, als hätte er seine verschollen geglaubten Geschwister mitten in der Wüste wiederentdeckt. „Ooah, ihr seid ja auch auf Tinder! Mal sehen, ob wir uns finden!“ Aber bevor er sich ins Partyleben verabschiedet, dürfen wir noch sein neues Profilfoto schießen und ihm viel Glück bei der Suche wünschen.

Wer weiß, vielleicht begegnet ihm die große Liebe online. Vielleicht bei der nächsten Party. Vielleicht auch beides, wie wir uns eben gerade. Sicher ist aber: meine Vorurteile habe ich abgelegt und tatsächlich nette Leute kennengelernt. Eine einzige schmierige Nachricht bekommen, die aber so lustig-dämlich war, dass ich es „Willy“ echt nicht übel nehmen konnte.

Zählen wir mal zusammen: Schlechte Erfahrungen: Null. Lachanfälle: gefühlt tausend. Nach links gewischt: den Typen mit dem eingeölten Modelbody, den mit einem romantischen Zitat über seinem Gesicht und den Exfreund, der mich irgendwann vom Bildschirm aus angrinste – für den hieß es nämlich: Game Over!

Die Illustration stammt von Cherry und Icons8
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Guten Morgen: Sabber auf der Brust

„Ähm, hallo? Du kannst jetzt aufstehen“, sage ich, doch es tut sich nichts. Ich hebe den Kopf und betrachte den nackten Körper, der jetzt schon eine ganze Weile auf mir liegt. Höre ich da ein leises Schnarchen? Bitte nicht! Ich fühle mich wie lebendig begraben von einem Neunzig-Kilo-Kerl, der mich b...
Guten Morgen: Sabber auf der Brust

Guten Morgen

Sabber auf
der Brust

Sophie Krause

„Ähm, hallo? Du kannst jetzt aufstehen“, sage ich, doch es tut sich nichts. Ich hebe den Kopf und betrachte den nackten Körper, der jetzt schon eine ganze Weile auf mir liegt. Höre ich da ein leises Schnarchen? Bitte nicht! Ich fühle mich wie lebendig begraben von einem Neunzig-Kilo-Kerl, der mich bewegungsunfähig macht. Umständlich versuche ich mit meiner freien Hand, seinen Arm von meinem zu schieben. Boah, allein der wiegt so viel wie ein Sack Kartoffeln.

Von meinen Anstrengungen lässt sich der Typ gar nicht stören. Schlummert einfach weiter. Spinnt der? Der kann doch nicht einfach auf mir einpennen, sein schlaffes, kondombespanntes Glied noch zwischen meinen Beinen. Bääh. Und dabei hat er sich nicht mal wirklich verausgabt.

Eine schnelle Nummer war das, Tür auf, im Flur ausziehen, auf’s Bett schmeißen, rein, raus, fertig. Dort, wo sein Kopf es sich auf meiner Brust bequem gemacht hat, spüre ich plötzlich etwas Feuchtes auf mich tropfen. Der sabbert mir jetzt nicht ernsthaft auf die Titte?

In einem Ansturm von Ekel stemme ich mich ruckartig hoch. Sein Kopf rutscht von mir herunter und – oh Wunder – der Typ wacht endlich auf. „Hä? Was? Wo bin ich?“ Sein irritierter Blick scannt erst mich, dann das Zimmer. Langsam leckt er sich über die Lippen und wischt sich einen Speichelfaden vom Kinn.

„Guten Morgen“, begrüße ich ihn. Er grunzt etwas als Antwort und robbt von mir herunter. Auf der Bettkante bleibt er sitzen, rollt sich das Gummi vom Schwanz und lässt es neben dem Nachtisch auf den Boden fallen. „Der Mülleimer steht in der Küche.“

Während er in seine Jeans schlüpft, ziehe ich mir die Bettdecke bis unters Kinn. Besonders gesprächig ist er ja nicht gerade, aber soll mir recht sein. „Shit“, sagt er, mit einem Blick auf sein Handy. „Was ist?“, frage ich, obwohl mich die Antwort nicht sonderlich interessiert.

„Mein Mitbewohner hat seinen Schlüssel verloren und fragt, ob ich noch nach Hause komme.“ Ist klar. Wegen mir musst du dir garantiert keine Geschichten ausdenken. „Na, dann mach dich mal lieber schnell auf den Weg.“ „Jep. Bin schon weg.“

Ich stehe nicht auf, um ihn zur Wohnungstür zu bringen. Bevor er das Schlafzimmer verlässt, dreht er sich noch einmal zu mir um, weiß aber anscheinend nicht so recht, was er sagen soll. „Bis bald.“ Ich kann nur hoffen, dass sich das nicht bewahrheitet. Was für eine Luftnummer. Warum habe ich den überhaupt mitgenommen?

Die Fotografie stammt von Maddi Bazzocco
Der Text ist ein Auszug aus dem Buch "Frühwarnsystem" von Sophie Krause, das ihr auf Instagram auch in interaktiver Form bewundern könnt.
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Ey, Lockenkopf!Eine kleine Begegnung in Berlin

Schönen juten Tach, wie man in Berlin sagt. Mein Name ist Benno, und ich heiße euch herzlich willkommen zur Streetart-Foto-Rallye durch Friedrichshain und Kreuzberg.“ Unsere kleine Gruppe von neun Teilnehmern hat sich um den Rallye-Leiter versammelt, der mit seinen kreisrunden Brillengläsern genau...
Ey, Lockenkopf!Eine kleine Begegnung in Berlin

Ey, Lockenkopf!

Eine kleine Begegnung
in Berlin

Sophie Krause

„Schönen juten Tach, wie man in Berlin sagt. Mein Name ist Benno, und ich heiße euch herzlich willkommen zur Streetart-Foto-Rallye durch Friedrichshain und Kreuzberg.“ Unsere kleine Gruppe von neun Teilnehmern hat sich um den Rallye-Leiter versammelt, der mit seinen kreisrunden Brillengläsern genau so aussieht, wie man sich einen Künstler oder einen etwas sonderbaren Fotografen vorstellt. Ich schaue mir die anderen Teilnehmer an.

Ein händchenhaltendes Paar, das Tom und ich hätten sein können, ein Mann mittleren Alters, der bis zum Haaransatz mit Foto-Equipment beladen ist, zwei aufgebrezelte Spanierinnen, zwei Teenagermädels in bedruckten Banksy-Shirts und – ein großer, breiter, kahlrasierter Typ. Er mustert mich aus stahlblauen Augen. Sein Grinsen erinnert mich an das eines Trophäensammlers auf Wildtiersafari.

Schnell wende ich mich wieder Benno zu, der uns gerade erzählt, wie lange er diese Touren schon veranstaltet und was wir vom heutigen Tag erwarten können. So richtig bei der Sache bin ich allerdings nicht, denn ich werde das Gefühl nicht los, dass mich der kahlrasierte Typ immer noch beobachtet.

Ich warte ein paar Sekunden, bis ich vorsichtig zum Jäger und Sammler rüberschiele. Seine Arme sind fast vollständig schwarz, mit Tattoos zugehackt vom Handgelenk bis wer weiß wohin. Ein weißes, enganliegendes Shirt spannt nicht nur über seinen muskulösen Oberarmen. Auch die Brust ist gut trainiert und zeichnet sich unter dem dünnen Stoff ab. Der Typ könnte Kickboxer sein.

Auf jeden Fall sieht er nicht wie jemand aus, der scharf darauf ist, seinen freien Samstag mit einer handvoll Touris auf einer Foto-Rallye zu verbringen. Oder Hipstern. So wie ich in seinen Augen wahrscheinlich einer bin. Nagelneue, blauweiße Nikes, dazu eine dunkelblaue, enge Jeans und ein weißes Shirt mit hochgekrempelten Ärmeln. On-top gibt’s einen Jutebeutel und eine Kette aus teurem H&M-Gold.

„Wir sind hier auf dem RAW-Gelände“, erzählt Benno. „Weiß jemand, wofür die drei Buchstaben stehen?“ Alle schütteln den Kopf. Zumindest die, die ich sehen kann. Zu dem Kickboxer traue ich mich nicht schon wieder zu gucken. „Früher befand sich auf dem Gelände das Reichsbahnausbesserungswerk, hier wurden also Züge repariert.“

Wir laufen ein Stück weiter und bleiben neben dem Eingang eines flachen, länglichen, mit Graffitis übersäten Gebäudes stehen. Dort bilden wir einen Kreis um Benno und lauschen seinen Ausführungen. Der Kickboxer hat sich genau mir gegenüber positioniert. Wie er da steht: Beine leicht gespreizt, Arme vor der Brust verschränkt, durchgestreckter Rücken. Poserstyle. Türsteherattitüde. Der Typ ist wie ein Unfall. Man weiß, dass es schlimm ist, kann aber trotzdem nicht weggucken.

Er hat meinen Blick bemerkt und schenkt mir wieder ein gefährliches Grinsen. Schnell blicke ich weg, denn was ich noch mehr hasse als Typen, die wissen, dass sie geil sind, sind Typen, die wissen, dass sie geil sind und das von meinen Blicken dann auch noch bestätigt bekommen. „In der Halle hier links war also die Werkstatt, gleich daneben, in dem kleineren Gebäude das Planungsbüro für alle Einsätze und Transporte. Wie ihr seht, befindet sich in einem der Gebäude heute eine Skatehalle, in dem anderen ein Café.“

Nachdem wir nun bestens über den historischen Hintergrund des Geländes informiert sind, kommen wir endlich zum eigentlichen Thema: der Streetart. Benno erzählt uns, welche Künstler sich hier in den letzten Jahren verewigt haben. Wobei verewigen natürlich nicht das richtige Wort ist. Schließlich ist Streetart vor allem eins: unbeständig. Er zeigt uns Wände, die so oft übermalt wurden, dass der Putz zentimeterdick von ihnen abbröckelt. „In Friedrichshain besonders stark vertreten sind Stencils. Habt ihr schon mal gehört, oder?“

Eins der Teenagermädels meldet sich. „Das mit den Schablonen?“ Unser Rallye-Führer nickt zufrieden. „Richtig, bei Stencils entstehen die Motive, indem Farben durch Schablonen auf Papier gesprayt werden. Jede Farbe bekommt einen eigenen Schablonenschnitt, das Bild besteht also später aus mehreren Schichten und wird dann als eine Art übergroßer Papiersticker irgendwo ins Stadtbild geklebt. Natürlich könnten die Künstler die Farbe durch die Schablonen auch direkt an die Wand bringen, bräuchten dafür aber Zeit und Ruhe. Da Streetart in unserer Gesellschaft aber leider noch nicht als akzeptierte Kunstform angekommen, sondern offiziell verboten ist, müssen sie sich oft beeilen.“

Benno holt seine Kamera aus dem Rucksack und erklärt uns unsere erste Aufgabe. „Wir starten mit etwas Leichtem: Begebt euch auf Stencil-Suche und fotografiert, was ihr findet. Die Auswertung dazu erfolgt dann in der Gruppe.“ Gesagt, getan. Wir strömen in unterschiedliche Richtungen aus. Das Gelände entpuppt sich als unglaublich weitläufig. Hinter jeder Ecke offenbaren sich weitere unerforschte Gänge, Gebäude, besprühte Wände. Ich bin zwar nicht zum ersten Mal auf dem RAW-Gelände, war aber vorher nie abseits des Hauptwegs unterwegs, der zwischen den Clubs, Bars und Sporteinrichtungen hindurch führt.

Das Gebiet hier ist leider auch für seine Drogendealer, Junkies und Obdachlosen bekannt. Ich weiß also nicht, wessen „Zuhause“ oder Revier ich hinter der nächsten Ecke betrete. Oder wer mich kreischend von hinten anspringt, mir ins Ohr beißt oder mir mit einem fuchtelnden Messer die Kamera klauen will. Aber gut, an einem sonnigen Tag wie heute wird mir hier sicher nichts passieren.

Ich biege ab, einmal rechts, dann wieder links, und habe Glück. An der Rückseite der Skatehalle entdecke ich ein fast unbeschädigtes Stencil von Alias. Jackpot, Baby! Ich gehe noch einen Schritt näher, schaue es mir ganz genau an. „Das bekommste garantiert nicht runter. Brauchste gar nicht drüber nachdenken, Lockenkopf.“

Erschrocken drehe ich mich um. Na toll, der Kickboxer hat mich gefunden. „Als ob ich an dem Ding hier rum pulen würde.“ Nun kommt auch er näher und tastet den Rand des Stencils ab. „Na, man weiß ja nie, ne? Gibt ja genug Kaputte, die versuchen, die Bilder abzulösen, um sie sich zu Hause wieder aufzuhängen.“

„Mir reicht es, ein Foto davon zu machen“, sage ich etwas schnodderiger als gewollt. Der Kickboxer hebt beschwichtigend die Hände. „Okay, okay.“ Dann deutet er auf die Kamera um meinen Hals. „Schönes Teil hast du da. Das ist ’ne Nikon D5300, oder?“ Ich nicke. Damn right, und die ist hart erarbeitet und lange zusammengespart worden.

„Naja, jedenfalls gut, dass ich dich gefunden habe. Dachte, du brauchst vielleicht Begleitschutz.“ Ha, als ob! Ich will gerade etwas sagen, da zieht er seine Kamera nach vorne. „Dein Ernst?“ Er grinst und drückt den On-Button auf seiner Cam. „Gefällt dir mein Baby?“ „Du hast eine RED Scarlet mitgebracht? Nimmt man die nicht eher als Videokamera?“

„Uhh, Lockenkopf kennt sich aus, sehr schön. Aber hast recht, das Teil ist eigentlich zu wertvoll für den Einsatz hier. Kostet in der Zusammenstellung knapp dreißig Scheine.“ „Dreißig Hunderter?“, frage ich und ernte höhnendes Gelächter. „Häng mal noch ’ne Null dran.“

30.000?! Was für ein Proll! „Jetzt hast du mich aber wirklich schwer beeindruckt“, sage ich betont tonlos und lasse ihn stehen. Was will der überhaupt? Warum geht er nicht zu den aufgepimpten Spanierinnen? Die würden sich über eine knackige Berlinbekanntschaft, die sie heute Abend ins Berghain begleitet, sicher freuen.

„Hast du schon was Gutes geknipst?“, fragt er, während er aufholt. „Ich knipse nicht, ich fotografiere.“ Er schüttelt grinsend den Kopf. „Ach, so eine bist du, alles klar.“ Wie, so eine? „Ich heiße übrigens Mark.“ Er hält mir die Hand hin und schaut mir dabei so tief in die Augen, dass sich in mir eine einzelne Fledermaus durch die Gitterstäbe quetscht.

Ich blicke auf seine Hand hinunter, schüttle sie, verrate ihm aber nicht meinen Namen. „Und, wie bist du zu der Tour gekommen?“ Er lässt den Blick über die besprayten Wände schweifen. „Eigentlich bin ich nur hier, weil es mein bester Freund gestern in der Muckibude leicht übertrieben hat. Übler Hexenschuss, kann sich keinen Zentimeter mehr bewegen. Also habe ich angeboten, heute ein paar Fotos für ihn zu machen. Bring sie ihm später auf ’nem USB-Stick vorbei, dann hat er wenigstens digital an der Tour teilgenommen.“

Jetzt muss ich wirklich lachen. Was für ein Typ! „Was ist so lustig?“ „Du!“, platzt es aus mir heraus. Daraufhin schaut er mich so verunsichert an, dass es mir fast schon wieder leid tut. „Entschuldige, aber einem wie dir, hätte ich so viel Nächstenliebe gar nicht zugetraut„, schiebe ich deswegen schnell hinterher. “Allein die Vorstellung, wie du später an dem Krankenbett deines Kumpels sitzt und ihm deine Aufnahmen zeigst. Irgendwie romantisch.“ „Einem wie mir, ja? Dann lass dir mal gesagt sein, dass ich ein Meister der Tarnung bin, Lockenkopf“, sagt er, hält die Kamera in meine Richtung und drückt ab.

Die Fotografie stammt von Sean Robertson
Der Text ist ein Auszug aus dem Buch "Frühwarnsystem" von Sophie Krause, das ihr auf Instagram auch in interaktiver Form bewundern könnt.
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Animemesse in Tokio: Wo die Trickfilme gefeiert werden

Die Geschichte der Anime beginnt im frühen 20. Jahrhundert. Als Filmemacher noch mit neuen Animationstechniken experimentierten. Den Anspruch auf den ersten Anime der Menschheitsgeschichte hat wohl Katsudo Shashin, ein undatiertes und privates Werk eines unbekannten Schöpfers. Im Jahr 1917 erschie...
Animemesse in Tokio: Wo die Trickfilme gefeiert werden

Animemesse in Tokio

Wo die Trickfilme
gefeiert werden

Marcel Winatschek

Die Geschichte der Anime beginnt im frühen 20. Jahrhundert. Als Filmemacher noch mit neuen Animationstechniken experimentierten. Den Anspruch auf den ersten Anime der Menschheitsgeschichte hat wohl „Katsudo Shashin“, ein undatiertes und privates Werk eines unbekannten Schöpfers. Im Jahr 1917 erschienen die ersten professionellen und öffentlich ausgestellten Werke.

Animatoren wie Oten Shimokawa und Seitarou Kitayama produzierten zahlreiche Werke, wobei der älteste erhaltene Film „Kouchis Namakura Gatana“ ist, ein zweiminütiger Clip über einen Samurai, der versucht, ein neues Schwert an seinem Ziel zu testen, nur um eine Niederlage zu erleiden. Das große Kanto-Erdbeben von 1923 führte zu einer weitreichenden Zerstörung der Infrastruktur Japans und zur Demolierung des Lagers von Oten, wodurch die meisten dieser frühen Werke vernichtet wurden.

Der Erfolg von Walt Disneys Spielfilm „Schneewittchen und die sieben Zwerge“ aus dem Jahr 1937 beeinflusste viele japanische Trickfilmer zutiefst, und in den 1970er Jahren erlebte das Land der aufgehenden Sonne einen sprunghaften Anstieg der Popularität von Manga, Comics und Graphic Novels, von denen viele später animiert wurden.

Besondere Aufmerksamkeit erregte die Arbeit von Osamu Tezuka. Er wurde als Legende und Gott des Manga bezeichnet. Seine Werke und die anderer Pioniere auf diesem Gebiet inspirierte ein ganzes Genre, das auch heute noch ein grundlegendes Element des Anime ist. Nach einigen erfolgreichen Adaptionen von Anime in Überseemärkten verzeichneten Anime dort seit den 1980ern immer größere Erfolge.

Ich persönlich liebe Anime. Fantastische Geschichten, gepaart mit peppigen Charakteren, schönen Zeichnungen und epischer Musik. Das Beste an der japanischen Animation im Allgemeinen ist die große Vielfalt, in der sie existiert. Jeder einzelne von ihnen ist wie eine offene Tür in ein anderes Abenteuer. Einige sind dunkel, andere sind glücklich. Manche sind süß, manche sind sexy. Manche sind harmlos, manche sind aufregend.

Sucht euch einfach eines aus und finden euch in einem alternativen Universum wieder, in dem plötzlich alles möglich erscheint. Anime sind die perfekte Flucht für den unterdrückten Geist. Und weil wir Anime so toll finden, haben wir uns auf der alljährlichen Tokyo International Anime Fair einmal genauer angeschaut, was es mit den japanischen Trickfilmen so auf sich hat.

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Digitale Dystopie: Das Internet wurde uns entrissen

Im Jahr 2008 waren Blogs noch das Größte. Millionen von Menschen tippten Millionen von Meinungen in ihre kleinen, digitalen Tagebücher. Klar, vieles davon war Unsinn. Private Belanglosigkeiten, Kochrezepte, Fotos von neuen Klamotten, von der süßen Katze, von Topfpflanzen. Aber einige von ihnen nutzt...
Digitale Dystopie: Das Internet wurde uns entrissen

Digitale Dystopie

Das Internet wurde
uns entrissen

Marcel Winatschek

Im Jahr 2008 waren Blogs noch das Größte. Millionen von Menschen tippten Millionen von Meinungen in ihre kleinen, digitalen Tagebücher. Klar, vieles davon war Unsinn. Private Belanglosigkeiten, Kochrezepte, Fotos von neuen Klamotten, von der süßen Katze, von Topfpflanzen. Aber einige von ihnen nutzten ihre Blogs als Waffe, um eingestaubte politische Strukturen aufzubrechen und den Funken der Revolution in den Köpfen der Leser zu entfachen. Einer dieser Menschen ist der kanadisch-iranische Blogger Hossein Derakhshan – und er sollte teuer für seine eigene Meinung bezahlen.

Noch bevor die leisen und lauten Stimmen der Bevölkerung massenhaft in sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter und Snapchat gebündelt und als Machtmotor missbraucht wurden, wurde Hossein verhaftet und zwei Jahre später von der 15. Abteilung des Islamischen Revolutionsgerichts zu 19 Jahren und 6 Monaten Gefängnis sowie einer Geldstrafe von 30.000 Euro verurteilt, weil sein Blog langsam, aber sicher, zu gefährlich für die iranische Regierung wurde.

Am 19. November 2014 wurde Hossein nach einer Begnadigung durch Ajatollah Ali Khamenei aus der Haft entlassen. Er setzte sich vor seinen Laptop, öffnete ihn – und was er vorfand, war ein Internet, das nicht mehr sein Internet war, das ihm Kummer bereitete, das ihn verraten hatte. Was er vorfand, war das Hier und Heute.

„Blogs waren die Verkörperung der Dezentralisierung“, schreibt Hossein in seinem Artikel „The Web We Have to Save“. „Sie waren Fenster in die Leben von Menschen, von denen man nur wenig wusste, Brücken, die verschiedene Leben miteinander verbanden und dadurch veränderten. Blogs waren Cafés, in denen sich Menschen austauschen konnten, in denen sie Ideen teilten und sich für alle möglichen Themen interessierten.“

Doch in den letzten Jahren haben sich soziale Netzwerke aggressiv zur Basis von Informationen entwickelt. „Heute entscheidet der Stream, welche Informationen Menschen im Internet sehen. Nur noch wenige Benutzer rufen direkt Webseiten auf, stattdessen werden sie von einem niemals endenden Strom an Informationen gefüttert, die von komplexen – und geheimen – Algorithmen ausgewählt werden.“

Wir sind abhängig geworden. Von wenigen Firmen, die wiederum ihre eigenen Ziele verfolgen. Sie entscheiden, was wir sehen. Und noch schlimmer: Sie entscheiden auch, was wir nicht zu sehen bekommen. Kritische Stimmen verstummen unter einem Berg von vermeintlich lustigen Videos, sich wiederholenden Top-10-Listen und Bildern von Disney-Prinzessinen mit Kurzhaarfrisuren.

„Der Stream nimmt dir Arbeit ab, du musst keine Webseiten mehr öffnen, du brauchst keine Tabs mehr, nicht einmal ein Webbrowser ist mehr nötig. Du öffnest einfach Twitter oder Facebook auf deinem Smartphone und schon kannst du eintauchen. Der Berg ist zu dir gekommen. Algorithmen wählen alles für dich aus. Es fühlt sich großartig an, keine Zeit mehr auf so vielen Webseiten zu verschwenden.“

Doch was genau tauschen wir für diese Bequemlichkeit ein? „Es steht außer Frage, dass die Vielfalt der Themen und Meinungen in den letzten Jahren zurück gegangen ist.“ Da ist sich Hossein sicher. „Neue, andere, herausfordernde Ideen werden von den sozialen Netzwerken unterdrückt, weil sie sich gegen die Rangordnungsstrategie stellt, die beliebte Aussagen bevorzugt.“

Doch nicht nur die Anzahl der eigenen Ideen geht zurück. „Klar, die Einträge auf Twitter und Facebook sind privaten Blogs ziemlich ähnlich, sie stehen in einer bestimmten Reihenfolge und sie besitzen eigene Webadressen. Aber man hat keine Kontrolle über sie, ich kann sie nicht personalisieren, ich kann ihre Erscheinung nicht ändern. Das soziale Netzwerk gibt vor, wie sie auszusehen haben.“

Oder wie lange die Meinung zu sein hat. Wer auf Twitter etwas loswerden möchte, das mehr als eine Zeile lang ist, hat es schwer. Also begnügt man sich irgendwann mit prägnanten Aussagen, die am besten auch noch favorisiert und retweetet werden. Man biegt sich zurecht, solange man dafür ein gelbes Sternchen kassiert. Oder am besten gleich mehrere.

„Wenn ich mich bei Facebook einlogge, dann beginnt mein persönliches Fernsehen. Ich muss nur anfangen zu scrollen: Neue Profilbilder meiner Freunde, kleine Meinungen zu aktuellen Ereignissen, Links zu neuen Geschichten mit kurzen Informationen und natürlich selbstabspielenden Videos. Egal, was ich mache, ich bleibe innerhalb von Facebook. Und es zeigt mir nur das an, was ich womöglich mag. Das ist nicht das Internet, für das ich ins Gefängnis gegangen bin. Das ist nicht die Zukunft des Internets. Diese Zukunft ist Fernsehen.“

Das neue, verweichlichte Internet wird nicht einmal mehr von Diktaturen besonders ernst genommen. Hatte der Iran vor einigen Jahren noch gefährliche Blogger hinter Gittern gesperrt, blockt es heute nicht einmal mehr Instagram. Was können Menschen, die gefilterte Fotos von ihrem Frühstück machen, schon ausrichten? Eben.

„Ich vermisste die Zeit, als Leute noch verschiedenen Meinungen ausgesetzt waren und mehr als 140 Zeichen lasen“, seufzt Hossein. „Ich vermisse die Tage, als ich etwas auf meinem eigenen Blog veröffentlichen konnte, mit meiner eigenen Domain, ohne darüber nachdenken zu müssen, wie ich meine Meinung auf unzähligen sozialen Netzen bewerben muss, damit sie jemand liest. Als sich niemand um Likes und Reshares kümmerte. Das ist das Internet, an das ich mich vor dem Gefängnis erinnere. Das ist das Internet, das wir retten müssen.“

Die Fotografie stammt von Patrick Robert Doyle
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Was sind wir eigentlich? Zwischen Liebe und Gleichgültigkeit

Wenn man jemanden kennenlernt, den man mag, also mehr mag, als man Freunde mag, kommt irgendwann unweigerlich diese eine Frage auf, die man sich kaum zu stellen traut, weil sie so unglaublich viel Macht hat. Zumindest hat sie das für mich. Ich habe vor einiger Zeit jemanden kennengelernt, den ich ma...
Was sind wir eigentlich? Zwischen Liebe und Gleichgültigkeit

Was sind wir eigentlich?

Zwischen Liebe und Gleichgültigkeit

Jana Seelig

Wenn man jemanden kennenlernt, den man mag, also mehr mag, als man Freunde mag, kommt irgendwann unweigerlich diese eine Frage auf, die man sich kaum zu stellen traut, weil sie so unglaublich viel Macht hat. Zumindest hat sie das für mich. Ich habe vor einiger Zeit jemanden kennengelernt, den ich mag. Den ich mehr mag, als man Freunde mag.

Wir treffen uns recht regelmäßig, gehen Cocktails trinken und ins Kino, verbringen die Abende gemeinsam auf der Couch, lesen uns gegenseitig Bücher vor und schlafen bei- und miteinander. Manchmal verbringen wir morgens noch eine halbe Stunde knutschend im Hausflur, bis wir bereit sind, uns voneinander zu verabschieden und manchmal geht das auch ganz schnell, High Five und Tschüss.

Wir lachen und wir streiten viel, meist über schwachsinnigen Scheiß, wie, welcher nun der beste Charakter von „Glee“ ist, ziehen den jeweils anderen mit seinen seltsamen Marotten auf und schicken uns Sprachnachrichten zu, in denen wir viel zu laut und viel zu schief die schlimmsten Popsongs der 90er-Jahre wiedergeben, die der andere dann sinnvoll ergänzen muss, wie beim „Riff-Off“ von Pitch Perfect.

Im Prinzip führen wir die perfekte Beziehung – nur, dass wir eigentlich keine Beziehung führen. Ich glaube, ich würde gern mit ihm zusammen sein, also so richtig fest zusammen sein, doch momentan ist alles so perfekt, dass ich mich nicht traue, die Frage zu stellen, die mir so dringlich auf den Lippen brennt, weil so viel Angst mit in ihr schwingt. Es ist die Angst, all das zu verlieren, was ich gerade mit ihm erlebe, weil die Frage, oder besser gesagt die Antwort darauf, mir all das plötzlich nehmen könnte.

Meine Freunde sagen, dass es in unserem Fall überhaupt nicht nötig ist, diese Frage zu stellen. „Ihr führt eine Beziehung“, sagen sie, „da gibt es nichts zu hinterfragen.“ Sie fügen dann hinzu, dass das nicht zu übersehen wäre und dass ich mich nicht so stressen soll, weil doch alles so perfekt ist und wir beide so kitschig sind, wie es nur ein Paar sein kann. Nur, dass wir halt einfach kein Paar sind.

Wir sind irgendwas zwischen besten Freunden, die miteinander schlafen, und flüchtigen Bekannten, die sich auf der Straße nur kurz zunicken, wenn sie sich zufällig begegnen. Unser Verhältnis zueinander ist von Tag zu Tag irgendwie unterschiedlich, doch es ist immer schön, nie unangenehm. Wir können 24 Stunden am Stück miteinander kommunizieren, aber auch mal drei Tage gar nicht miteinander reden. Egal wie es ist, es ist okay, und das, das ist schon irgendwie besonders.

Auch mein bester Freund ist gerade frisch verliebt. Sechs Wochen lang trifft er sich nun schon mit diesem Mädchen, diesem einen Mädchen, von dem er sagt, dass er wirklich in sie verliebt ist. Das hält ihn allerdings nicht davon ab, sich auch mit anderen Mädchen zu treffen. Nicht so, wie er sich mit diesem einen Mädchen trifft, aber er küsst sie auch und schläft mit ihnen, nur dass die anderen im Gegensatz zu diesem einen Mädchen nicht über Nacht bleiben dürfen und er sich auch nach zwei, drei Treffen einfach nicht mehr bei ihnen meldet.

Er macht das nicht, um irgendjemandem weh zu tun oder weil er sich nicht auf ein Mädchen festlegen will, denn er hat sich längst schon festgelegt, auf dieses eine Mädchen, dieses ganz Besondere, sondern nur, weil nicht klar ist, was sie sind. In meinen Augen sind sie eigentlich zusammen, nur dass es bisher keiner ausgesprochen hat.

Mein bester Freund ist der Meinung, dass man so etwas auch nicht aussprechen muss, weil sich alles irgendwie von selbst fügt und so wird, wie es sein soll, und trotzdem verstehe ich nicht, wieso er dann mit anderen schläft. Er ist nämlich nicht der polygame Typ, wenn es um mehr geht als einfache Ficks.

Auf die Frage, warum er genau das tut, also mit anderen schlafen, wo doch eigentlich ganz eindeutig die beiden zusammen sind oder zumindest zusammen gehören, hat er eine simple Antwort parat: „Weil ich glaube, dass sie es auch tut.“

Nachvollziehen kann ich das nicht, aber ich verstehe, was er mir damit sagen will: Solange nichts geklärt ist, keine Beziehung definiert, spricht absolut nichts dagegen, diese anderen, kleinen Affären mitzunehmen. Insbesondere dann nicht, wenn man noch überhaupt nicht weiß, wohin es einen eigentlich führt.

Es ist nämlich so: Mein bester Freund hat auch Angst. Angst, mit dieser einen Frage das zu ruinieren, was er gerade hat, und damit meine ich nicht die vielen Affären, sondern die Beziehung zu seinem Mädchen. Was, wenn sie etwas anderes will als er? Nämlich eben nicht zusammen sein, keine Zukunft planen, sondern einfach genießen, was gerade geht? Und deshalb nimmt er es einfach so hin und sagt diese Dinge von wegen „alles fügt sich irgendwann von selbst“ und „es wird so sein, wie es sein soll“ und belügt sich eigentlich nur selbst.

Abgesehen davon, dass diese ganzen Sätze etwas furchtbar Spirituelles haben, an das ich einfach nicht glauben kann, muss man heute, glaube ich, einfach definieren. Oder sich zumindest offen sagen, was man will, sich wünscht, sich erhofft. In einer Welt, in der hinter jeder Ecke ein potentieller Flirt wartet, verliert man zu schnell die Dinge, die einem wirklich etwas bedeuten.

Einfach, weil’s so leicht ist und ja auch irgendwo Spaß macht, dem nachzugehen, sich nicht festzulegen, die Optionen zu betrachten. Wir werden angetrieben vom Gedanken, etwas zu verpassen, wenn wir das nicht tun, und verpassen so viele Dinge, die so viel wertvoller sind als das.

Natürlich bleibt die Angst, diese Dinge oder besser gesagt Menschen, die wir als wirklich wertvoll erachten, zu verlieren, wenn wir nur diese eine Frage stellen, doch mal ehrlich: Ist die harte Realität, dass man vielleicht doch nicht das ist, was man sich wünscht zu sein, nicht besser, als einfach nicht zu wissen, was man ist?

Es nimmt einem doch so viele Grübeleien, wenn man ausspricht, was man denkt und hört, was der andere dazu zu sagen hat. Egal, wie die Antwort auch ausfällt: Es bringt einen voran. Wenn schon nicht zwei Menschen zusammen, dann wenigstens die Einzelperson, die dann ihren Fokus wieder gerade rücken und unbeschwerter leben kann, als sie es vielleicht unbewusst jetzt tut. Alles andere ist doch auf Dauer nur erdrückend. Und so bleibt einem eben doch nichts anderes übrig, als irgendwann zu fragen: „Was sind wir eigentlich?“

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Kleine Brüste, schiefe Zähne: Fehlermenschen machen uns glücklich

Wenn ich so mein Liebesleben der letzten Jahre betrachte und mich frage, wo ich denn all meine Gefühle, die ich heute oftmals schmerzlich vermisse, eigentlich hingeschleudert habe, fällt mir auf, dass ich sie vor allem an eine Sache verschwendet habe: Kurze Liebeleien. Mein Beziehungsleben ist ge...
Kleine Brüste, schiefe Zähne: Fehlermenschen machen uns glücklich

Kleine Brüste, schiefe Zähne

Fehlermenschen machen
uns glücklich

Jana Seelig

Wenn ich so mein Liebesleben der letzten Jahre betrachte und mich frage, wo ich denn all meine Gefühle, die ich heute oftmals schmerzlich vermisse, eigentlich hingeschleudert habe, fällt mir auf, dass ich sie vor allem an eine Sache verschwendet habe: Kurze Liebeleien.

Mein Beziehungsleben ist geprägt von einigen kurzen, aber heftigen, und damit sogleich auch sehr instabilen, zwischenmenschlichen Kontakten, die manchmal nicht einmal über einen dreiwöchigen Chat per WhatsApp hinausgehen.

Nicht selten hat man deshalb versucht, mir die Diagnose „Borderline“ anzuhängen, und ich wünschte, es wäre echt so einfach, also einfach im Sinne von „Ich kann nichts dafür, ich hab da diese echt beschissene Krankheit, die mich immer wieder zu was führt“, aber das ist es eben leider nicht. Ich bin einfach gefühlsbeschränkt, auf meine ganz eigene Art und Weise.

Meistens weiß ich nicht mal, was und ob ich überhaupt etwas fühle. Ich finde einfach gut, was gerade da passiert und will das bis zum letzten Tropfen auskosten. Nur, dass ich so weit gar nicht komme, weil der letzte Tropfen einfach immer im Hals der ansonsten leeren Weinflasche hängen bleibt, weil ich denke „Ach, ist doch egal, die nächste Flasche wartet schon!“ und ich mir somit nicht einmal die Mühe mache, zu warten, bis der Tropfen draußen ist oder ich das metaphorische Glas nicht einmal bis zur Hälfte austrinken kann, weil mir das, was darin ist, irgendwie doch nicht richtig schmeckt, obwohl ich zu Beginn ganz gierig danach war.

Anders formuliert: Ich finde einen Menschen wahnsinnig interessant, verknalle mich vermutlich sogar ein kleines bisschen in ihn, merke nach drei Wochen, dass ich mir nicht vorstellen könnte, ihn für immer in meinem Leben zu haben und beende das Ganze, bevor es angefangen hat. Oder ich bin eben einfach zu faul, zu ungeduldig, zu gestresst, auf den Moment zu warten, in dem das anfängliche Verliebtsein zu etwas Echtem wird und widme mich einfach der nächsten Flasche. Und damit meine ich einen anderen Menschen, keinen Wein.

Das geht natürlich nicht nur mir so, sondern manchmal auch meinem Gegenüber, aber dem kann ich ja schlecht Vorwürfe für etwas machen, das ich ganz genau so tue. Es scheint aber so ein generelles Problem unserer Generation, dass wir uns einfach nicht mehr ganz normal verlieben können.

Irgendwas fehlt eben immer, seien es jetzt Zeit oder Lust, jemanden wirklich kennen, und lieben, zu lernen, oder dass wir über einfache Oberflächlichkeiten wie eine zu kleine Oberweite oder schiefe Zähne nicht mehr hinweg sehen können, weil es da draußen eben auch Menschen gibt, deren Brüste größer und deren Zähne irgendwie nicht ganz so schief sind.

Und statt uns auf das, was wir da vor uns haben, einzulassen, nutzen wir unsere spärliche Zeit mit der Suche nach etwas Schönerem, Größeren, Besseren, bis wir auch auf das keine Lust mehr haben, weil es schon wieder langweilig ist. Oder am Ende einfach doch zu groß, zu gerade, zu perfekt.

Gerade mit Letzterem hadere ich oft. Ich weiß, kein Mensch ist wirklich vollkommen perfekt, aber in meinen Augen gibt es so einige, die dem schon ziemlich nahe kommen, zumindest auf den ersten Blick. Und immer dann, wenn ich einen Menschen für perfekt befinde, nicht allgemein, sondern für mich, gehe ich besonders stark auf Rückzug, lasse das halb volle Glas stehen und schau mich nach einer Flasche um, die einen Sprung hat.

Einfach, weil ich nicht glauben kann, dass eine Sache so gut passt, wie sie in dem Moment gerade eben passt, es ist doch alles fehlerhaft, ich, du, er, sie, es, und bevor ich wirklich anfangen kann, nach diesem einen Fehler zu suchen, diesem klitzekleinen Stückchen, das beweist, das vor mir doch nur ein Mensch sitzt und keine nach meinen Maßstäben gebaute Maschine, haue ich eben lieber ab, nehme dafür aber etwas mit, das offensichtlich noch kaputter ist.

Das letzte fehlerhafte Stück Mensch, dem ich einen kurzen aber heftigen Besuch in meinem Herzen erlaubt habe, hatte diesen Fehler von Anfang an, offensichtlich. Ich wusste das und es hat mich gereizt. Ich wollte den Fehler bestätigt bekommen, so wie es am Ende eben auch kam. Es hat sich für mich gut angefühlt, obwohl es so tragisch gescheitert ist. Aber auch das wusste ich bereits und ws war mir wie so oft egal.

Ich hatte gar kein Interesse daran, hinter diesen Fehler zu blicken und den ganzen Mensch vor mir zu sehen. Einerseits, weil es mir viel zu viel Arbeit war und andererseits, weil ich es leid war, mit einer Flasche zu kämpfen, aus der der letzte Tropfen einfach nicht hinaus zu kriegen war und mich somit lieber der Flasche, deren Mindesthaltbarkeitsdatum längst schon überschritten war, beschäftigte.

Ich kann mich gut von Liebelei zu Liebelei hangeln, denn so ätzend ich sie finde, so viel geben sie mir auch. Aber immer nur für einen kurzen Moment – eben so lange, wie ich das, was da passiert für gut befinde und mir nicht vollkommen ernsthaft die Frage stellen muss, was und ob ich etwas fühle. Etwas Echtes, meine ich.

Dass ich mir die Frage eigentlich überhaupt nicht stellen muss, fällt mir immer erst zu spät auf. Ich weiß nämlich sehr wohl, wenn ich wirklich etwas fühle, wenn ich die ganze Flasche trinken will, bis auf den allerletzten Schluck und dann, verdammt, dann kehre ich auch zurück zu ihr – nur um festzustellen, dass sie die ganze Zeit nur verschlossen war und ich lediglich zu blöd, den Deckel aufzumachen, der mich vom letzten, kleinen Schluck darin getrennt hat, den ich so dringend gebraucht habe.

Das ist dann der Moment, in dem ich begreife, dass ich das andere nie gebraucht habe, all die Flaschen, die Liebeleien, weil das, was ich wollte, bereits vor mir stand und ich meine Kräfte nur falsch eingesetzt habe, weil mir das zu diesem Zeitpunkt so richtig erschien und ich ja auch Spaß an dem anderen hatte.

Es hat sich einfach nur nicht gelohnt, auf eben dieses andere zu setzen, weil das, was man eigentlich wollte, obwohl man sich dem nicht ganz bewusst war, mit etwas Kraft, Geduld und Köpfchen so einfach zu erreichen war. Und am Ende übrigens doch ganz perfekt, weil Fehler dann auch nicht mehr zählen.

Die Fotografie stammt von Toa Heftiba
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Oh! My Goddess: Verliebt in eine Göttin

Früher war bekanntlich alles besser. Die Musik. Das Wetter. Das Essen. Die Liebe. Und natürlich auch das Fernsehen. Heute läuft da ja nur noch Scheiße. Aber waren auch die Anime besser? Das könnte man zumindest meinen. Sailor Moon. Cowboy Bebop. Neon Genesis Evangelion. Alles Klassiker von damals, d...
Oh! My Goddess: Verliebt in eine Göttin

Oh! My Goddess

Verliebt in
eine Göttin

Marcel Winatschek

Früher war bekanntlich alles besser. Die Musik. Das Wetter. Das Essen. Die Liebe. Und natürlich auch das Fernsehen. Heute läuft da ja nur noch Scheiße. Aber waren auch die Anime besser? Das könnte man zumindest meinen. Sailor Moon. Cowboy Bebop. Neon Genesis Evangelion. Alles Klassiker von damals, die auch heute noch durch ihre sympathischen Charaktere, durch ihre tollen Geschichten oder schlichtweg durch ihre schiere Epik überzeugen.

Oh! My Goddess ist ohne jeden Zweifel ein Klassiker. Der 2005 erschienene, auf einem Manga basierende Anime wird auch Dekaden später noch als eine der beliebtesten Animationsserien aus dem Land der aufgehenden Sonne gefeiert. Sympathische Charaktere? Auf jeden Fall! Eine tolle Geschichte? Öhm, joah, wenn man das so nennen will. Die schiere Epik? Naja.

Worum geht’s? Keiichi Morisato ist ein Student im zweiten Jahr an der Uni, der versehentlich den Technischen Göttinnen-Notdienst anruft. Die Göttin Belldandy taucht auf und teilt ihm mit, dass ihre Agentur von ihm einen Systemantrag erhalten hat und ihm einen einzigen Wunsch erfüllen soll. In dem Glauben, dass ihm ein Streich gespielt wird, wünscht er sich, dass sie für immer bei ihm bleibt. Und sein Wunsch wird erfüllt.

Da er nicht in der Lage ist, mit Belldandy in seinen reinen Männerwohnheimen zu leben, sind sie gezwungen, sich nach einer alternativen Unterkunft umzusehen und schließlich in einem alten buddhistischen Tempel Unterschlupf zu suchen.

Sie dürfen dort auf unbestimmte Zeit bleiben, weil der dort lebende Mönch auf eine Pilgerreise nach Indien aufgebrochen ist, nachdem er von Belldandys angeborener Güte beeindruckt war. Keiichis Leben mit Belldandy wird noch hektischer, als ihre ältere Schwester Urd und ihre jüngere Schwester Skuld ebenfalls einziehen. Es folgen eine Reihe von Abenteuern, während sich seine Beziehung zu Belldandy entwickelt.

Es gibt einen Grund, warum Animeserien von heute nicht mehr so gemacht werden, wie die Animeserien von damals. Und dieser Grund heißt: Ideenlosigkeit. Keiichi ist der typische, schüchterne 08/15-Japanofuckboy, der schon beim Anblick von zwei busenförmigen Wolken Nasenbluten bekommt. Belldandy ist perfekt. Punkt. Und alle anderen Charaktere sind… da.

Bei Oh! My Goddess wird in 26 Folgen versucht, den kreativen Anfang mit dem emotionalen Ende zu verbinden. Was dazwischen passiert, ist vollkommen irrelevant. Haben die Macher anfangs noch probiert, die ungewöhnliche Situation, in der Keiichi sich nach seinem Wunsch nun einmal befindet, mal witzig, mal traurig zu erzählen, werden die Geschichten mit der Zeit immer abstruser. Und das nicht im positiven Sinn.

Spätestens nach der Mitte der Serie pöbeln nur noch irgendwelche Göttinnen und Dämoninnen sich gegenseitig an. Dann fahren sie plötzlich ein Autorennen, lassen Roboter aufeinander los, und irgendwann explodiert irgendwas, während ein pseudohomosexueller Motorradclub jubelt. Ende. Nächste Folge. Wieder das Gleiche. Und wenn sie mal für eine Episode nur so um die drei Yen an Budget übrig hatten, dann spielt die eben komplett in einem Haus. Ab und zu sieht man mal den Garten. Wow.

Manche Folgen sind das Zelluloid nicht wert, auf dem sie gebannt worden sind. Da laufen das Intro und kurz darauf der Abspann und man fragt sich: Was ist da jetzt eigentlich passiert? Ist da überhaupt irgendetwas passiert? Die kleine Göttin und ihre ältere Schwester hatten Streit und Keiichi ist hingefallen. Das war’s. Da war das Titellied noch das Beste an der Folge.

Oh! My Goddess ist das perfekte Nebenherguckabenteuer. Es versprüht den Charme einer RTL2Animeserie, in denen man sich ebenfalls von Folge zu Folge getragen hat und bei denen es nicht schlimm war, wenn man mal eine davon versäumt hat, weil man sich doch mal aufgerafft hat und mit Freunden beim Fußballspielen war.

Im Grunde könnt ihr nämlich die ersten fünf und die letzten fünf Episoden von Oh! My Goddess schauen und habt nichts verpasst. Und falls ihr euch dabei fragt, was ein vorher nicht da gewesener Charakter für eine Relevanz hat? Die Antwort ist immer: Gar keine. Er war einfach plötzlich da. Und macht Ärger. Das ist alles.

Oh! My Goddess wäre eine bessere Serie gewesen, wenn man sich einfach auf die Beziehung zwischen Keiichi und Belldandy konzentriert hätte. Und wer auch immer den Vorschlag gemacht hat, dass es doch lustig wäre, wenn nach und nach Belldandys komplette Familie auftauchen könne, hätte noch vor Beendigung des Satzes fristlos gefeuert werden sollen. Früher war alles besser. Außer Oh! My Goddess.

Oh! My Goddess: Verliebt in eine Göttin
Die Illustration stammt von Kosuke Fujishima und Kodansha
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Terror in Tokio: In Japan ist die Hölle los

Wenn wir uns vorstellen, dass wir womöglich nur noch existieren, weil einige wenige kranke Köpfe auf diesem Planeten lediglich nicht bis zum Äußersten gegangen sind, dann wird uns ganz schwindelig. Wir, die normalen Bürger, diejenigen, die keine Armeen befehligen können, die keine Politiker kaufen k...
Terror in Tokio: In Japan ist die Hölle los

Terror in Tokio

In Japan ist
die Hölle los

Marcel Winatschek

Wenn wir uns vorstellen, dass wir womöglich nur noch existieren, weil einige wenige kranke Köpfe auf diesem Planeten lediglich nicht bis zum Äußersten gegangen sind, dann wird uns ganz schwindelig. Wir, die normalen Bürger, diejenigen, die keine Armeen befehligen können, die keine Politiker kaufen können, die keine Massen kontrollieren können, sind ihnen ausgesetzt, dem Hunger der Zielgerichteten, denjenigen, die wissen, was sie wollen, egal was, und wie sie es erreichen.

Auf den ersten Blick könnten Arata und Toji ganz normale Jungs sein, der eine groß und schlank, der andere wuschelig und mit Augen, in denen man träumend versinken kann. Lässig schlendern sie unter der heißen Sommersonne durch Tokio, vorbei an lärmenden Autos und Menschen und Zikaden. Dass sie vor einigen Wochen Plutonium aus einer Atomanlage entwendet haben und nun mit Bombenanschlägen die japanische Hauptstadt in Atem halten, sieht man ihnen nicht an. Wie auch?

Wer bei Terror in Tokio die üblichen Anime-Klischees erwartet, wird schwer enttäuscht. Die Saga um explodierende Wolkenkratzer, blutende U-Bahnfahrgäste und ratlose Polizisten ist erwachsen, ohne plump ins Horrorgenre abzurutschen. Auf billige Monster, spukende Häuser und kindliche Fratzen verzichtet Regisseur Shinichiro Watanabe ebenso wie auf überproportionale Brüste, kitschige J-Pop-Songs und riesige Roboter. Sailor Moon kann Tokio diesmal nicht retten.

Nine und Twelve sollten womöglich gar nicht existieren, weder unter ihren Alter Egos Arata und Toji noch sonst irgendwo, ihre Erinnerung beginnt in einem Labor am Ende der Welt und endet in einer kleinen Wohnung mitten in der asiatischen Metropole. Von dort aus planen sie detailliert ihre terroristischen Aktionen, von dort aus spielen sie mit dem Polizisten Kenjiro über YouTube Katz und Maus, von dort aus schlagen sie sich mit der ausgestoßenen Schülerin Lisa herum, sie wollte nicht sterben.

Die Erzählung ist technisch versiert und realitätsnah, sie weiß um die heutigen digitalen Möglichkeiten und macht sie sich zunutze. Nine und Twelve hacken, twittern und streamen sich durch die lachende Bevölkerung. Ihre Rätsel sind klug, die Motive liegen genauso im Dunkeln wie die zahlreichen Feinde, die dort draußen auf sie warten. Trotzdem wirkt die Geschichte niemals überdreht, sie nimmt sich die Momente der Ruhe heraus, auf beiden Seiten, das tut gut.

Mit Lisa können wir uns womöglich am einfachsten identifizieren. Von ihren Mitschülern gemobbt und ihrer Mutter missverstanden, wandelt sie ziellos durch die lauten Straßen von Shibuya, um sie herum telefonierende Passanten, es regnet. Die Leuchtreklamen füllen ihr Gesicht mit falschen Farben, wo soll sie hin, in einer Welt, in der niemand so ist wie sie, sie weint, wir wollen sie nur in den Arm nehmen. Die einzige Rettung ist womöglich ihr baldiges Ende.

Wer genug von großbrüstigen Fantasy-Kriegerinnen hat, von animierten Werbesendungen, von repetitiven Abenteuern ohne Ende und Verstand, der findet in Terror in Tokio eine wahre Oase der mentalen Substanz. Mit wunderschönen Zeichnungen von Kazuto Nakazawa und monumentalen Melodien von Yoko Kanno zeigt dieser Anime einmal mehr auf, in welch qualitativen Sphären wir uns heutzutage befinden, fernab von billigem Hentaimüll und ermüdenden High-School-Storys.

Und wenn man fälschlicherweise annimmt, man wüsste, um was es in diesem verzwickten Spiel um Leben und Tod, um Rache, Hass und Feuer, wirklich geht, dann taucht sie auf, Five, das Mädchen, so schön und kalt und erbarmungslos wie ein Schneesturm, mit den violetten Augen und dem üppigen Haar. Denn plötzlich ist man sich gar nicht mehr so sicher, wer von diesen Köpfen wirklich krank ist, sie würde bis zum Äußersten gehen. Daran gibt es gar keinen Zweifel.

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Die Illustration stammt von Mappa und Leonine
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Kaash Paige: Frischer Hip Hop aus Texas

Kaash Paige wurde im mehr oder weniger beschaulichen Grand Prairie in Texas geboren und begann ihre musikalische Karriere bereits in der Highschool. Man kann schließlich nie früh genug anfangen. Obwohl sie Musik immer schon gern hörte, nahm sie sie erst in ihrem zweiten Jahr an der Schule so richtig...
Kaash Paige: Frischer Hip Hop aus Texas

Kaash Paige

Frischer Hip Hop
aus Texas

Annika Lorenz

Kaash Paige wurde im mehr oder weniger beschaulichen Grand Prairie in Texas geboren und begann ihre musikalische Karriere bereits in der Highschool. Man kann schließlich nie früh genug anfangen. Obwohl sie Musik immer schon gern hörte, nahm sie sie erst in ihrem zweiten Jahr an der Schule so richtig ernst.

Nämlich genau dann, als sie beschloss, ihren ersten Song an der Seite ihres Freundes Josiah mit dem Titel Skrilla auf dem Pausenhof zu verteilen. Das Duo nannte sich The Fooly Gang und gewann an ihrer Schule schnell an Popularität, was ihr das Selbstvertrauen gab, es auch außerhalb des Klassenzimmers zu probieren.

Also schrieb Kaash weiterhin fleißig Lieder. Einer ihrer ersten Hits, um es ins Radio zu schaffen, entstand, als sie das Haus staubsaugte und die kalifornische Rapperin Doja Cat hörte. Als sie sich einen Text für einen Remix der Melodie ausdachte, ließ sie ihn von ihrem Vater aufschreiben, woraus der Titel DND entstand, der in der Radiosendung The Box auf Hot 97 in Houston ausgestrahlt wurde.

Nachdem sie im Radio gespielt wurde, war Kaash sich sicher, etwas in der Musikbranche reißen zu wollen. Sie fügte Paige zu ihrem Namen hinzu, was sie zu Kaash Paige machte, und veröffentlichte Tracks mit den Titeln Uber You To My Oasis, Mindset of a Playa und London und anschließend ihr mit Lob überhäuftes Debütalbum Teenage Fever.

Auf die Frage nach ihrem Namen antwortet sie uns trocken: „Kaash Paige ist mein Geschäft und meine Marke, ich bin stolz auf die junge Dame, die ich werde und mit der ich umgeben bin, und ich hoffe, mit ihr so einige Leben zu verändern!“ Kaash bedeutet: „Kill All Arrogance Stop Hatred!“ Und dieses Lebensmotto fließt in jede Melodie und jede Zeile ihrer Musik mit ein.

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Die Fotografie stammt von Haus of Creators und Universal Music
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Nachtgedanken: Das Ende der Welt

Eigentlich hattest du dich ja schon längst damit abgefunden, dass du seit Monaten weder richtig lachen noch weinen konntest. Zu einem gefühlsleeren Phantom in dieser ewig selben Berliner Welt verkamst, das von Party zu Party, von Mensch zu Mensch geisterte, und dennoch nicht mehr richtig teilnahm. A...
Nachtgedanken: Das Ende der Welt

Nachtgedanken

Das Ende
der Welt

Marcel Winatschek

Eigentlich hattest du dich ja schon längst damit abgefunden, dass du seit Monaten weder richtig lachen noch weinen konntest. Zu einem gefühlsleeren Phantom in dieser ewig selben Berliner Welt verkamst, das von Party zu Party, von Mensch zu Mensch geisterte, und dennoch nicht mehr richtig teilnahm. Am Leben. Alles war zu einem immer gleichen alltäglichen Brei verkommen. Egal wie angestrengt du auch suchtest.

Und dann sitzt du da und in einem einzigen Augenblick ändert sich alles. Du siehst es nicht. Keine Explosion, kein Schrei, kein Ende. Nichts. Nur du und dein Kopf und irgendein Schalter, der sich darin umlegte. Plötzlich. Und der dich dazu zwingt heraus zu stürmen aus der verkommenen Normalität.

Dann taumelst du mit Tränen in den Augen durch die Stadt. Nicht wegen der Liebe. Oder dem Tod. Oder Verlust. Oder verletztem Stolz. Sondern einfach, weil von einer auf die andere Sekunde irgendwas in dir brannte, was du längst unter “Verloren” abgelegt hattest. Und du nicht mehr klarkommst, nicht ver­stehst, du mit aller Gewalt an dem festhalten wolltest, was dich kaputt machte. Und das nun nicht mehr da war.

Betrunken und verwirrt rufst du deine Freunde an, verlangst nach einer Ordnung, einer Devise, irgendeiner Art von Vernunft. Aber die kann dir natürlich niemand geben. Weil keiner das Problem erkennt, weder du noch sie noch irgendwer. Was ist eigentlich dein Problem? Also schreibst du um 5 Uhr morgens irgendwelche pseudodepressiven Texte, die du am nächsten Tag mitsamt dem Rechner, auf dem sie erstellt wurden, in einen nahegelegenen Container werfen und in Ekstase zerfetzen möchtest.

Keine Playlist der Welt kann dich zu dieser vergessenen Zeit beruhigen und so bleibt dir nichts anderes mehr übrig als abzuwarten. Ob du dir das womöglich nicht alles nur einbildest. Auf Drama machst. Zu viel Bier. Oder zu viel Mensch. Oder zu viel Dunkelheit, die dich fragend anblickt und schulterzuckend auf den nächsten Sonnenaufgang verweist. Der wird schließlich schon wissen, was zu tun ist.

Wie ein trauriger Irrer verweilst du nun in deinem Bett, leicht vor und zurück wippend. Mit dieser Farblosigkeit im Blick. Wartend auf die Dinge, die da kommen mögen. Ein Satz, eine Information, die dich in einen wütenden Feuerball verwandelt. Damit du wenigstens noch mitmachen kannst. An der Zerstörung deines kleinen Universums. Denn in einem einzigen Augenblick ändert sich alles.

Die Fotografie stammt von Jonny Caspari
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Sommersprossen: Du hast da Sterne im Gesicht

173 Sommersprossen hatte Jule im Gesicht. Exakt nachgezählt. Ich konnte meine Augen, meine Gedanken und die Fingerkuppen nicht von ihr lassen, stocherte fast schon penetrant an ihrem runden Kopf herum. “Du hast da Sterne im Gesicht”, flüsterte ich ihr entgegen. Sie lächelte gütig, drückte meine...
Sommersprossen: Du hast da Sterne im Gesicht

Sommersprossen

Du hast da
Sterne im Gesicht

Marcel Winatschek

173 Sommersprossen hatte Jule im Gesicht. Exakt nachgezählt. Ich konnte meine Augen, meine Gedanken und die Fingerkuppen nicht von ihr lassen, stocherte fast schon penetrant an ihrem runden Kopf herum. “Du hast da Sterne im Gesicht”, flüsterte ich ihr entgegen.

Sie lächelte gütig, drückte meine Hand mit einem Kuss bewusst zur Seite und spazierte dann nur mit einem Haarreif bekleidet in die Küche, um sich einen Toast mit Marmelade zu machen. Womöglich war ich in diesem Moment wirklich glücklich.

Denn was ich noch für viel aufregender als das langweilige Idealbild von der groß gewachsenen Blondine oder der mit Schönheitsflecken überhäuften Brünetten inklusive aufgetunter, fast schon eckiger Hupen empfinde, sind diese kleinen Schätze im Antlitz sonnig strahlender Weiblichkeiten, die mich immer wie einen kleinen Hosenscheißer vor mich hin kichern lassen. Ich liebe sie. Wie kleine Märchen mit eigenen, unerforschten Geschichten sind die.

Und wehe dem, der Sommerflecken als kosmetisch störende Pigmentablagerungen beschimpft, Mädchen dieser Welt einredet sich wegen ihrer zu schämen oder Frauen gar dazu bringt sie sich medizinisch entfernen zu lassen!

Lasst uns also anstoßen auf die vielen kleine Lichtpunkte, die die Körper der schönsten Menschen überhaupt zahlreich bewohnen und freuen wir uns, dass Geschöpfe wie Jule ihre sogar stolz auf der linken Pobacke tragen – auch wenn das leider nicht jeder zu Gesicht bekommt.

Die Fotografie stammt von Raj Rana
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Die Welt verbessern: Tausche Perfektion gegen Obsession

Nenn’ mir eine Sache, die du in der Welt verändern möchtest. Eine einzige Sache. Im Zuge der Gutmensch-Diskussion ist es vielleicht nur diese Aufgabe, der man sich stellen sollte. Es gibt genügend Punkte, an denen man arbeiten kann. Angefangen bei charakterlichen Lücken bishin zum Weltfrieden – für...
Die Welt verbessern: Tausche Perfektion gegen Obsession

Die Welt verbessern

Tausche Perfektion
gegen Obsession

Sara Navid

Nenn’ mir eine Sache, die du in der Welt verändern möchtest. Eine einzige Sache. Im Zuge der Gutmensch-Diskussion ist es vielleicht nur diese Aufgabe, der man sich stellen sollte. Es gibt genügend Punkte, an denen man arbeiten kann. Angefangen bei charakterlichen Lücken bishin zum Weltfrieden – für welche Dinge setzen wir uns ein, und was zeichnet uns aus?

Nicht jeder kann alles. Das merkt man vor allem dann, wenn Menschen des öffentlichen Leben enttäuschen. Sie mögen auf ihrem Feld unschlagbar oder herausragend sein, dennoch haben sie Fehler und gelangen ständig ins Fadenkreuz der Medien. Kritik, konstruktiv oder polemisch, wird immer dann abgefeuert, wenn jemand mit viel Verantwortung oder mit etwas zu sagen, seine Schwächen nach außen zeigt – auch dann, wenn es den Personen selbst nicht mal klar war, dass es sich um Schwächen handelt.

Rassismus und Sexismus im Alltag sind die gängigen Themen, mit denen man in Deutschland heutzutage konfrontiert wird. Mal ganz abgesehen vom Abschreiben bei wissenschaftlichen Arbeiten oder bei kostenlosen Urlaubs-Trips von Freunden. Politiker, also diejenigen, die wirklich ganz vorne im Rampenlicht stehen, haben es nicht leicht.

Aber auch der kleine, normalsterbliche Otto muss sich gefügig machen. In meinen Gedanken geht es darum, dass man hier mehr oder weniger dazu erzogen wird, es jedem Recht machen zu wollen. Dass sich niemand mehr richtig traut, mal den Mittelfinger zu zeigen, wenn man sich zu Unrecht behandelt fühlt oder einfach keinen Bock hat, perfekt zu wirken. Ja, Amen, Entschuldigung ist Konsens – was für ein Schwachsinn. Aber gilt das auch, wenn man seine menschlichen Schwächen so offen zur Schau stellt, selbst wenn sie nichts darüber aussagen, was man tatsächlich kann?

Nur um eines klar zu stellen: Ich möchte nicht als Devil’s Advocate mal wieder mehr zur Rebellion an Stellen auffordern, wo sie nicht hingehört. Es ist wichtig, gerade solche Themen wie Rassismus mit größter Vehemenz zu diskutieren und bloß nicht zu ignorieren. Jegliche Kritik ist angebracht. Allerdings fehlt mir eine gewisse Konsequenz im Aktivismus.

Wenn wir schon nicht alles richtig machen können, und jeder sollte sich über die eigenen Fehler im Klaren sein, dann bitte wenigstens eine, und nicht krampfhaft versuchen, das Sonnenscheindkind mit der reinen Weste zu sein. Ich habe nichts gegen Ecken und Kanten, gegen eine anti-konforme Einstellung. Ich stimme mit vielen Lebensentwürfen nicht überein, aber ich weiß es zu schätzen, wenn man mit Ehrgeiz und mit einem Ziel, die Welt zum besseren verändern zu wollen, seine Sache vertritt.

Vielleicht ist Kritik angebracht, wenn Mitglieder der renommierten Parteien plötzlich rassistische Aussagen in Schutz nehmen oder rechtfertigen wollen – fuck that, hard. Aber andererseits mögen sie vielleicht – nur vielleicht – für eine andere Sache einstehen, die für sie viel größer und wichtiger ist. Dabei geht es nicht um ein globales “größer und wichtiger”, jedes konfliktreiche Thema ist es wert, austariert zu werden.

Es geht um ein individuelles größer und wichtiger. Man kann sich nicht in zehn Teile splitten und hoffen, dass eins davon es schon irgendwie richtig macht. Dann lieber den Mittelfinger dort zeigen, wo man nicht mehr optimieren kann und will – aber nur, wenn man sich dafür auf das konzentriert, wo man eine Leidenschaft spürt. Perfektion im Tausch gegen eine einzige Sache, die dir wichtig ist. Eine einzige Sache, die die Welt – zum Besseren, hoffentlich – verändern wird.

Die Fotografie stammt von Elena Mozhvilo
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Die Berlinerin im Gespräch: Palina Rojinski, bist du glücklich?

Wenn eine Person auf diesem schnöden Planeten gerade viel herum kommt, dann ist es Palina Rojinski: Hauptstadtmädchen, DJ, Stilikone. Für TV-Shows hängt sie an den entlegensten Orten ab, in Filmen macht sie Berlin unsicher und privat fliegt sie einfach mal nach Mexiko, um ganz entspannt mit Delfinen...
Die Berlinerin im Gespräch: Palina Rojinski, bist du glücklich?

Die Berlinerin im Gespräch

Palina Rojinski, bist
du glücklich?

Marcel Winatschek

Wenn eine Person auf diesem schnöden Planeten gerade viel herum kommt, dann ist es Palina Rojinski: Hauptstadtmädchen, DJ, Stilikone. Für TV-Shows hängt sie an den entlegensten Orten ab, in Filmen macht sie Berlin unsicher und privat fliegt sie einfach mal nach Mexiko, um ganz entspannt mit Delfinen zu schwimmen. Was für ein Leben. Und dann wäre da noch ihr eigener Podcast, in dem sie mit interessanten Leuten quatscht. Und weil wir Palina so lieb haben, haben wir sie zu einem Gespräch eingeladen und mit ihr über Berlin, Wodka und Urlaub geplaudert. Hurra.

Wahrscheinlich habe ich, seitdem ich angefangen habe, Serien im Internet zu gucken, nicht mehr das Haus verlassen. Hängst du auch gerne zu Hause ab oder bist du eher die Abenteuerliche, die ständig durch überhitzte Clubs, volle Restaurants und fremde Städte zieht?

Ouh, ich weiß genau was du meinst! Man ist wie gefesselt und überlegt sich drei Mal, ob man jetzt wirklich in diesem spannenden Moment aufs Klo gehen sollte. Aber mich interessiert natürlich auch, wie andere Klos auf der Welt aussehen. Deswegen passt es ja ganz gut, dass ich Reisen liebe.

Mich im Dschungel zu verirren und nicht zu wissen, ob es ab 21 Uhr noch irgendwo ein Taxi gibt, aus Versehen eine bestialisch scharfe Salsa zu essen oder beim Schwimmen plötzlich einen Delfin neben mir zu haben. Das ist dann sogar noch besser als Flipper im TV schauen.

Ich gehe natürlich auch in Berlin gerne raus. Um den Block laufen, mit Freunden lecker essen gehen oder Flipper spielen. Spätestens, wenn meine Finger, zucken, weil ich schon länger nicht mehr aufgelegt habe, treibt mich das dann endgültig vor die Tür.

Dich hat es aus dem eisigen Sankt Petersburg ins leider viel zu oft verregnete Berlin verschlagen. Wie lange bist du denn schon hier und was hat das Dicke B, was deine Heimatstadt nicht zu bieten hat?

Seitdem ich sechs Jahre alt bin, lebe ich in Berlin. Somit habe ich zwei Heimatstädte: Das märchenhafte, aber gleichzeitig graue, harte, schroffe Sankt Petersburg und das coole, Multikulti-Berlin.

Beide Metropolen haben mich geprägt. Ich liebe Klassik und Kitsch, genau wie die Architektur in Sankt Petersburg, stehe aber auch auf Streetart, die Einschusslöcher in den Häusern aus dem Zweiten Weltkrieg und den losgelösten Lebensstil in Berlin. Aber leider gibt es hier keine Weißen Nächte

Wenigstens hast du dich auch im hiesigen Nachtleben ziemlich gut eingelebt, gehst gerne Party machen, legst sogar selbst auf. Was sind deine Lieblingsclubs in der City und wo treibst du dich tagsüber so rum?

Ich laufe der Musik nach und lande dabei in den unterschiedlichsten Clubs. Das Scala mochte ich zum Beipsiel sehr gerne, weil einige meiner Lieblingskünstler dort gespielt haben. Aber wie es in Berlin halt so ist, musste der Club schon wieder schließen. Stichwort Bar 25, die leider das gleiche Schicksal ereilt hat. Frisch ausgeschlafen ging ich gerne dorthin und machte Frühdance anstatt Frühsport. Spaziergänge mit meiner Französischen Bulldogge Iwan im Grunewald sind übrigens ein erfrischender Ausgleich.

Im Süddeutsche Zeitung Magazin habe ich gelesen, dass du aufgrund deines zweifachen deutschen Meistertitels in rhythmischer Sportgymnastik der absolute Hammer im Bett bist. Stimmt das und ist das der Geheimtipp für alle frustrierten Hausfrauen daheim an den Bildschirmen?

Ein bisschen Gymnastik kann nicht schaden.

Du arbeitest hin und wieder bei MTV und hast deshalb bestimmt einen ausgezeichneten Musikgeschmack. Was hörst du denn am liebsten und was sind deine persönlichen Lieblingsbands?

Zur Zeit höre ich viel und tanze vor allem viel zu UK Funky House, Booty Bass und Crunk. Zu meinen Favoriten gehören Rye Rye, Buraka Som Sistema, Little Boots, Fake Blood, aber auch romantische Chansons von Nouvelle Vague.

Du hast bereits für diverse Modemarken vor der Kamera gestanden. Würdest du dich selbst als modebewusst betiteln und wie wichtig sind dir die aktuellen Trends?

Ich stehe auf schöne, ausgefallene Sachen. Mag es die absurdesten Teile miteinander zu kombinieren und folge nicht bewusst Trends. Wenn mir ein Teil gefällt, und mein Portemonnaie es zulässt, kaufe ich es und bewahre es auf, bis es mich wie ein Blitzschlag trifft und ich die perfekte Kombination dazu gefunden habe.

Würdest du dich denn jetzt, in diesem Augenblick, als wirklich glücklich bezeichnen?

Ich bin gerade glücklich wie Bolle! Denn ich war gerade im Urlaub am Strand, sah Palmen und das türkisfarbene Meer und perfektionierte meine persönliche Bräunungsstudie mit verschiedenen Lichtschutzfaktoren.

Ich kenne viele Menschen, die von Berlin und seinen vielfältigen Versuchungen mit Haut und Haaren verschlungen wurden – und heute praktisch im Berghain-Keller wohnen. Hast du jemals Angst davor gehabt, dir selbst in dieser Stadt nicht mehr treu zu bleiben?

Ich bin nah am Beton gebaut. Wenn man in Berlin aufwächst, ist die Gefahr, von diesem Überangebot überwältigt zu werden, nicht so groß. Ich hatte aber auch immer schon einen inneren Kompass, der mir gesagt hat, wie viel von was gut für mich ist – und was eben nicht.

Wenn du damals nicht nach Berlin gekommen wärst, wie, glaubst du, würde dein Leben jetzt aussehen?

Wahrscheinlich wäre ich irgendwann nach Berlin gezogen.

Wann hast du zum letzten Mal so richtig Mut bewiesen?

Gut, dass du fragst. Ich habe einmal mit einem gefühlt zwei Meter großen Leguan gekuschelt. Zählt das schon? Ansonsten war ich bei “Offline” und “Circus HalliGalli” immer gut eingespannt. Ich weiß, wie eine Schlangensuppe schmeckt, und dass nicht alle davon begeistert sind von einer rotzevollen Außenreporterin zum Mauerfall befragt zu werden.

Lass‘ uns mal kurz politisch werden: Wie wichtig ist dir kulturelle Vielfalt in Deutschland?

Ich bin selbst Migrantenkind und bin in einer sehr vielfältigen Gesellschaft in Berlin großgeworden. Ich finde gegenseitigen Respekt sehr wichtig und finde es furchtbar, dass viele Menschen, die zum Beispiel bei Pegida mitlaufen, sich von einer diffusen Angst leiten lassen, anstatt die Fakten zu kennen.

Ja, vor solchen Menschen fürchte ich mich tatsächlich etwas. Hast du denn manchmal Angst vor der Zukunft?

Mein Motor ist Liebe. Ich liebe, was ich tue, und solange das so ist, habe ich auch keine Angst vor der Zukunft.

Okay, wieder zu etwas Erfreulicherem. Welche sind deine drei Lieblingsseiten im Internet?

Mein Onlinebanking, der Postillon und Pitchfork.

Oh, da fällt mir ein, ich soll dich noch schnell von meiner Freundin Hannah fragen, wie du es schaffst, immer, und ich zitiere, „so eine coole Frisur zu haben“ und was dein Lieblingsbier ist.

Danke! Das hör ich natürlich gerne, da meine Haare so kaputt sind, dass der Spliss schon Spliss hat. Meine Frisur bekomme ich in zwei Handgriffen zusammengesteckt und sie sieht jedes Mal anders aus. Da gibt’s nicht wirklich ein Geheimrezept. Ich hab gehört, Bier soll gut für die Haare sein. Hab ich auch mal ausprobiert, war mir dann aber alles zu verklebt. Ansonsten trinke ich Wodka. Aber Grüße an Hannah!

So, und welche Serie soll ich mir jetzt als nächstes angucken?

“Modern Family”. Maaaaanny ist der Beste!

Die Fotografie stammt von Marlen Stahlhuth und Adidas
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Gurren Lagann: Titten, Monster, Riesenroboter

Es gibt zwei verschiedene Arten von krank sein. Einmal die fluffig Lustige, bei der man frühmorgens zum Arzt schlendert, ihm einmal kurz ins Gesicht hustet und für die nächsten ein, wenn man Glück hat gleich zwei Wochen faul und mit Lieferando bewaffnet zu Hause herumliegt und endlich mal Zeit hat d...
Gurren Lagann: Titten, Monster, Riesenroboter

Gurren Lagann

Titten, Monster,
Riesenroboter

Marcel Winatschek

Es gibt zwei verschiedene Arten von krank sein. Einmal die fluffig Lustige, bei der man frühmorgens zum Arzt schlendert, ihm einmal kurz ins Gesicht hustet und für die nächsten ein, wenn man Glück hat gleich zwei Wochen faul und mit Lieferando bewaffnet zu Hause herumliegt und endlich mal Zeit hat die Wohnung aufzuräumen. Oder eine Gute-Besserungs-Party zu schmeißen.

Und dann gibt es die Schattenwelt, die Dimension des unendlichen Schmerzes, in der man verschwitzt und fiebrig mit Halluzinationen im Bett feststeckt, das Sonnenlicht wohl nie wieder sehen wird. Der einzige Freund in diesem trüben Universum aus Schleim und Husten und Niesen: Der Laptop. Der einem Ablenkung verschafft, wenn man nicht schlafen kann. Und die Kopfschmerzen einem Twitter und Facebook versauen.

In meinem Grippe-Fieberwahn brauchte ich irgendetwas, das mich so richtig ablenkt. Einen Anime. Der mich zum Weinen und Lachen und Nachdenken bringt, ohne mich mit realistischem Unsinn zu langweilen. Ein Typ namens Veed hat im Netz diese Liste veröffentlicht. Die 50 besten Anime. Seiner Meinung nach. Ja, One Piece. Ja, Neon Genesis Evangelion. Ja, Wolf’s Rain. Kenne ich alles, liebe ich alles.

Auf Platz 1 befindet sich Gurren Lagann. Und er schrieb dazu, dass die ersten Folgen scheiße sind, der Rest aber das Beste seien, was er jemals irgendwo gesehen hat. Was lustig ist. Denn als ich die Serie ausprobierte, cancelte ich das Teil nach Folge 4. Weil es öde war. Und immer dasselbe passierte. Wüste, Monster, Roboter. Tada. Aber was hatte ich schon zu verlieren?

Also gab ich der Show noch einmal eine Chance und guckte die insgesamt 27 Episoden am Stück durch. Nur zwangsweise unterbrochen durch Schlafen, Essen und Onanieren. Und ich weinte am Schluss. Wie ein kleines Kind. In meine vollgerotzten Taschentücher. Weil es so großartig war. Und ich einfach nicht wollte, dass es vorbei ist. Gurren Lagann.

Die Geschichte ist schnell erzählt. Ein kleiner Trottel namens Simon lebt zusammen mit seinem besten Kumpel Kamina in einem Dorf unter der Erde und verdient seine Brötchen mit dem Graben von Tunneln. Eines Tages fällt ein riesiges Ungeheuer, gemeinsam mit der großbrüstigen Yoko, durch die Steindecke, ein Roboter erscheint, Simon hat Superkräfte. Kampf, noch mehr Brüste.

Ab jetzt geht es darum, einen riesigen Bösewicht am Ende der Welt aufzusuchen, der seit Jahrhunderten die Menschheit der Zukunft unterdrückt. Simon und Kamina schließen sich einer Truppe Rebellen an, hauen mit ihren Mechas alles kurz und klein, kämpfen gegen Mutantenkröten, Badehäuser und humane Haie. Das klingt noch alles relativ normal. Wie japanische Zeichentrickfilme eben so sind.

Richtig geht es aber erst ab, wenn Kamina abkratzt. Was ziemlich früh passiert. Und richtig traurig ist. Und aus Gurren Lagann plötzlich ein Epos macht. Ab diesem Zeitpunkt wird so viel Story und Liebe und Wahnsinn in den Rest der Folgen gesteckt, das schaffen andere Serien nicht einmal in 16 Staffeln. Riesige Weltraumschlachten. Und die Frage nach dem Sinn. Und Verrat. Und noch mehr Brüste. Also lag ich da wie eine behinderte Banane im Bett und fand das alles ganz großartig, was da vor meinen Augen passierte.

Wahrscheinlich hat Gainax hier den Inbegriff des japanischen Animationsgenres geschaffen. Wer nach Kinderkacke wie Yu-Gi-Oh! und Beyblade das Vertrauen in die riesigen Kulleraugen verloren hat, der muss sich Gurren Lagann angucken. Daran führt gar kein Weg vorbei.

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Die Illustration stammt von Gainax und Anime Limited
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Brüste und Eier: Mieko Kawakami rechnet mit Japan ab

Japan ist trotz, oder gerade wegen, seines technologischen Fortschritts, seiner popkulturellen Erfolge und in seiner langen Geschichte mehrmals erzwungenen Öffnung der westlichen Welt gegenüber, ein Land der tief sitzenden, kaum überwindbaren gesellschaftlichen Abgründe. Japaner sind zutiefst ras...
Brüste und Eier: Mieko Kawakami rechnet mit Japan ab

Brüste und Eier

Mieko Kawakami
rechnet mit Japan ab

Marcel Winatschek

Japan ist trotz, oder gerade wegen, seines technologischen Fortschritts, seiner popkulturellen Erfolge und in seiner langen Geschichte mehrmals erzwungenen Öffnung der westlichen Welt gegenüber, ein Land der tief sitzenden, kaum überwindbaren gesellschaftlichen Abgründe.

Japaner sind zutiefst rassistisch, sowohl sich selbst als auch allen anderen gegenüber. Das merkt man daran, wie sie einen anschauen, wenn man am Bahnhof in Shibuya steht. Das merkt man, wie sie sich verhalten, wenn man sich die neue Ausgabe der Popeye in einem Konbini am Rande der Großstadt kauft. Das merkt man, wie sie versuchen, Englisch mit einem zu sprechen, obwohl man sie auf Japanisch begrüßt hat.

Japaner adaptieren amerikanische Lebensweisen, verachten aber jede noch so kleine Veränderung. Diverse Modeläden in Tokio tragen grammatikalisch vollkommen falsche englische Namen. Und zwar mit Stolz. Überall hantieren junge Menschen mit westlichen Begriffen, ohne ihre wahre Bedeutung auch nur zu erahnen.

Aber wenn man mit betrunkenen Japanern spricht, die man gerade um halb drei nachts beim All-You-Can-Drink-Karaoke auf dem Gang trifft, dann sind sie kurz davor, eine Revolution allem Amerikanischen gegenüber zu starten. „Wir brauchen Amerika nicht“, lallen sie dann. „Wir hassen Amerika!“ Vielleicht haben sie aber auch einfach zu viele Reportagen über eine gewisse Militärbasis in Okinawa gesehen.

Am schlimmsten jedoch, wenn es denn noch schlimmer geht, ist der Sexismus. Japanische Frauen werden, bis zu einem gewissen Alter, fetischiert und danach höchstens geduldet. Entweder steckt man sie in viel zu kurze Schuluniformen und lässt sie vor einer wilden Meute Büroangestellter mittleren Alters in riesigen Arenen zu vor Niedlichkeit triefenden Popmusik herum hopsen oder man schließt sie aus der Gesellschaft, den Gesprächen und der Familie aus, weil sie mit dreißig immer noch nicht verheiratet sind und ihr restliches Leben tunlichst in der Küche und auf den Knien verbringen sollen.

In den veralteten Konzernen der Nation herrscht eine Hierarchie, in der Penisse das Sagen und Vaginen gefälligst zu gehorchen haben. Eine Frau als Geschäftsführer ist hier ungefähr so realistisch, wie eines der AKB48-Idole ins Bett zu bekommen. Mit der Chefetage wird’s wohl eher nichts, Kleines, aber im nahegelegenen Lovehotel soll immer ein warmes Plätzchen frei sein, hört man. Die Beine breit zu machen, das dürfte schließlich selbst für dich nicht allzu kompliziert sein.

Die japanische Autorin Mieko Kawakami, die auch als Sängerin und Bloggerin Erfolge verzeichnete und bereits mit Büchern wie „Ms Ice Sandwich“, „Heaven“ und „I Love“ in ihrer Heimatnation für Aufsehen sorgte, rechnet in ihrem feministischen Epos Brüste und Eier mit der männerdominierten Gesellschaft im Land der aufgehenden Sonne ab. Im großen, wie im kleinen Stil. Mieko möchte Veränderung. Und zwar jetzt. Jetzt sofort.

Mieko stellt alle Vorurteile über den ansonsten recht ausgelutschten Erzähl- und Prosastil in Frage. Sie ist derzeit eine der meistgelesenen und von der Kritik gefeierten Autorinnen Japans und wird von Meisterschreiberling Haruki Murakami lauthals als seine junge Lieblingsschriftstellerin gefeiert. Spätestens bei solch hohem Lob sollte man hellhörig werden.

Brüste und Eier dreht sich um die Erfahrungen dreier Frauen, der dreißigjährigen, unverheirateten Erzählerin, ihrer älteren Schwester Makiko und Makikos Tochter Midoriko, die versuchen, ihren Platz in einer Gesellschaft zu finden, die nur drei Orte für eben diese kennt: Die Küche, das Bett oder, wenn es denn sein muss, einen Schreibtisch in den untersten Stockwerken der Hochhäuser.

Unfähig, mit ihrem veränderten Körper nach der Geburt zurechtzukommen, wird Makiko besessen von der Aussicht auf eine Operation zur Brustvergrößerung. Währenddessen ist ihre zwölfjährige Tochter Midoriko durch die Angst vor der bevorstehenden Pubertät gelähmt und sieht sich außerstande, die vagen, aber überwältigenden Ängste zu äußern, die mit dem Erwachsenwerden verbunden sind.

Die Erzählerin, die den größten Teil der Geschichte ungenannt bleibt, kämpft mit ihrer eigenen unbestimmbaren Identität, weder eine Tochter noch eine Mutter zu sein. Das Buch spielt an drei erdrückend heißen Tagen in Tokio und erzählt von einer Art Wiedersehen zwischen zwei Schwestern und dem Übergang der jungen Midoriko in die Weiblichkeit.

„Wenn man wissen will, wie arm jemand war, fragt man ihn am besten, wie viele Fenster die Wohnung hatte, in der er aufgewachsen ist.“ So ruhig beginnt Miekos Abrechnung mit dem Japan von heute. „Was er aß oder wie er sich kleidete, spielt keine Rolle. Um herauszufinden, wie arm jemand war, muss man ihn nach der Zahl seiner Fenster fragen. Genau, der Zahl seiner Fenster. Je weniger Fenster jemand hatte, falls er überhaupt eines hatte, desto größer die Armut.“

In Brüste und Eier findet kein blinder Hass Platz, kein Groll, keine Verachtung. Im Gegenteil. Der von Katja Busson übersetzte Roman ist ein interessanter und oft auch intimer Einblick in eine wundersame Gesellschaft, deren humane Defizite häufig von kunterbunten Anime, Manga und Reiseberichten mehr oder weniger gekonnt überdeckt werden. Miekos Schreibstil ist strukturiert, unaufgeregt und geordnet, fast so, wie man es auch von Haruki Murakami gewohnt ist, auch wenn ich mich davor scheue, jeden japanischen Autor mit ihm zu vergleichen. Aus diversen Gründen.

„Midoriko ging neben mir. Sie war immer noch etwas kleiner als ich, hatte aber deutlich längere Beine. ‚Haben alle Mädchen jetzt so lange Beine?‘, versuchte ich mit ihr ins Gespräch zu kommen, aber Midoriko nickte nur genervt und ließ sich zurückfallen. ‚Komm‘, sagte ich zu Makiko, die mit der alten, braunen Sporttasche an ihrem Ärmchen kämpfte, ‚gib mir die Tasche.‘ Aber Makiko lehnte jedes Mal ab. ‚Es geht schon‘, sagte sie, ‚lass nur, es geht schon‘, und gab die Tasche nicht aus der Hand.“

Es sind diese kleinen Begebenheiten zwischen Menschen, die sich nahe stehen und doch so fern zu sein scheinen, die Brüste und Eier zu einem Erlebnis machen. Man fühlt sich den Akteuren in dieser nur ein paar Flugstunden entfernten Welt verbunden, möchte, dass ihre Geschichte glücklich endet, bei all den vor kleinen und großen Ängsten gefütterten Schatten, die in ihren Köpfen hausen.

„Ich stellte mich gerade hin, drückte den Rücken durch und zog das Kinn ein. Dann drehte und wendete ich mich, ohne den Blick von meinem Spiegelbild abzuwenden. Auf halber Höhe sah ich meine Brüste. Zwei flache Hügel, die sich nicht wesentlich von denen Makikos unterschieden, mit braunen Brustwarzen darauf. Ein flacher Hintern, kurze Beine, um den Bauchnabel ein fleischiger Ring mit Falten. Es kam mir so vor, als würde sich mein Körper im Licht der Abendsonne, das durch das Fensterlten fiel, das ich noch nie geöffnet hatte, und im Neonlicht der Badezimmerlampe, im Spiegel verewigen.“

Die Stärke in Miekos Roman liegt in den nachvollziehbaren Gedanken der Charaktere, die kein Detail auslassen, um uns dessen Umwelt näher zu bringen. Was als feministisches Meisterwerk einer asiatischen Autorin gehandelt wird, entpuppt sich mit jedem weiteren gelesen Satz als Kammerspiel zwischen drei Frauen, die das Glück suchen, die Hoffnung womöglich zu diesem Zeitpunkt nicht ganz aufgegeben haben, noch nicht bereit sind, alles zu opfern, und innerhalb der Barrieren einer verrosteten und antiquarischen Gesellschaft agieren.

Wer in Brüste und Eier eine absolute 08/15-Abrechnung mit der Männerwelt sucht, einen obligatorischen Tritt in die metaphorischen Hoden, der wird enttäuscht werden. Mieko Kawakamis Erzählung ist ein dicht geflochtenes Zusammentreffen dreier Generationen, das von Gedanken, Emotionen und deren fast schon steriler Hinführungen zueinander getragen wird. Es geht um die Aufarbeitung einer schmerzhaften Vergangenheit und dem Blick in eine ungeahnte Zukunft, die nur jetzt und hier verändert werden könne, wenn man sich denn trauen würde.

Brüste und Eier thematisiert im weiteren Sinne die anhaltende Unterdrückung von Frauen in Japan und die Möglichkeit von Befreiung, Armut, häuslicher Gewalt und Reproduktionsethik. Mit einer Mischung aus Tragik, Komik und Realismus wird daraus eine lebensbejahende Reise, auf der es darum geht, innere Stärke und Frieden zu finden. Inmitten eines scheinbar uralten Mikrokosmos, der nicht darauf vorbereitet ist, dass dessen Bewohner einen Blick über seine Grenzen werfen.

Die Fotografie stammt von DuMont
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Small Dick Problems: Der Club der kleinen Schwänze

Fast drei Monate lang hatte ich einen Freund mit einem kleinen Penis. Steffen, ein 28-jähriger Werbekaufmann, und ich haben uns auf der Abschiedsfeier eines Kumpels kennengelernt, der gemeinsam mit seiner Verlobten für ein Jahr auf Weltreise durch Südamerika, Asien und Australien ging. Beim alkoh...
Small Dick Problems: Der Club der kleinen Schwänze

Small Dick Problems

Der Club der
kleinen Schwänze

Daniela Dietz

Fast drei Monate lang hatte ich einen Freund mit einem kleinen Penis. Steffen, ein 28-jähriger Werbekaufmann, und ich haben uns auf der Abschiedsfeier eines Kumpels kennengelernt, der gemeinsam mit seiner Verlobten für ein Jahr auf Weltreise durch Südamerika, Asien und Australien ging.

Beim alkoholbedingten Fummeln auf dem Beifahrersitz seines Autos dachte ich noch, dass er dank Bier, Schnaps und viel zu viel Wodka einfach keinen Ständer mehr bekam, als ich mit meiner Hand in seiner geöffneten Hose herum tastete und nur eine weiche Fleischmasse und Haare fühlte. Ein paar Abende später wusste ich es dann allerdings besser: Er hatte schlichtweg einen kleinen Schwanz. Einen sehr kleinen.

„Kleine Schwänze sind für Arschficks da“, sagte einmal meine gute Bekannte Miri zu mir. Also machten Steffen und ich von dieser Lebensweisheit in der doppeldeutig kurzen Beziehung massiv Gebrauch. Aber nachdem meine rosarote Brille langsam verblich und ich noch so sehr auf Steffen herumrutschen konnte, ohne wirklich Spaß daran zu haben, beendete ich die Beziehung.

Das lag allerdings nicht nur an Steffens Minipenis, sondern auch an der Tatsache, dass ich schnell merkte, dass ihm seine genetisch bedingt winzige Männlichkeit das komplette Selbstbewusstsein, das er auf der Party noch dank Alkohol und guter Laune hatte, nahm. Am Ende war Steffen einfach nur noch eine weinerliche Klette mit einem kleinem Schwanz. Und mit dieser Mischung konnte ich beim besten Willen nichts anfangen.

Im Onlineforum „Small Dick Problems“ auf Reddit plaudern Jungs mit kaum sichtbarem Gemächt über genau solche Probleme. Wie überleben in einer Welt, in der Typen mit riesigen, pochenden Fleischpeitschen in von Testosteron getriebenen Herden auf die Jagd nach femininem Fickvieh gehen? Wie dem süßen Mädchen seiner Träume klar machen, dass man schon drin ist, egal, wie oft sie nun fragt? Welche Tipps in Sachen Schambehaarung und Zurechtzupfen gibt es, um das Stäbchen zumindest visuell zum Stab zu machen? Und helfen teure Penispumpen, schwere Gewichte und dubiose Tabletten aus dem Internet wirklich dabei, dass aus dem Zweig endlich ein Stamm wird?

„Wir haben uns das Leben mit einem kleinen Schwanz nicht ausgesucht, sondern umgekehrt“ ist der offizielle Slogan dieses Forums, in dem sich schlecht ausgestattete Typen gegenseitig Mut machen. „Ich kann einfach nicht mehr hören, dass es nicht auf die Größe ankommt“, schreibt darin ein User. „Meine Freundin macht sich in SMS mit anderen Typen über meinen kleinen Schwanz lustig“, ein anderer. Und: „Ich habe einem Mädchen ein von ihr gewünschtes Penisfoto geschickt und seitdem nichts mehr von ihr gehört. Was soll ich nur machen?“

Aber es gibt auch gute Nachrichten. Von Männern, die trotz oder gerade wegen eines extrem kurzen Glieds die große Liebe gefunden haben. Von Mädchen, die aus einem Fetisch für kleine Penisse eine wahre Leidenschaft gemacht haben und dem anderen Geschlecht damit den ein oder anderen sexuellen Gefallen tun. Und von Paaren, die gerade ihr erstes Kind bekommen haben. Denn egal ob kurz oder lang, ob dünn oder dick, ob krumm oder gerade: Irgendwo da draußen gibt es ein Mädchen, das die passende Muschi für genau dieses Gerät hat. Man muss sie nur finden…

Small Dick Problems
Die Fotografie stammt von Charles Deluvio
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Generation Babylos: Mein Leben ist wichtiger als ein Kind

Als meine Mutter so alt war wie ich, war sie mit mir schwanger. Vielleicht ist das der Grund, weshalb sie, und der Rest meiner Familie, mich so mit der Frage nervt, wann ich denn endlich mal Kinder bekommen möchte. Dass ich weder eine abgeschlossene Ausbildung, geschweige denn einen Beruf, von dem i...
Generation Babylos: Mein Leben ist wichtiger als ein Kind

Generation Babylos

Mein Leben ist
wichtiger als ein Kind

Nadine Kroll

Als meine Mutter so alt war wie ich, war sie mit mir schwanger. Vielleicht ist das der Grund, weshalb sie, und der Rest meiner Familie, mich so mit der Frage nervt, wann ich denn endlich mal Kinder bekommen möchte. Dass ich weder eine abgeschlossene Ausbildung, geschweige denn einen Beruf, von dem ich ein Kind ernähren könnte, noch einen festen Partner habe, lässt sie dabei völlig außer Acht.

Ich bin eine Frau. Es ist natürlich, dass ich Kinder will. Wenn nicht jetzt, dann wenigstens irgendwann. Sagt meine Mutter. Ich behaupte dennoch das Gegenteil. Ich bin eine Frau und will keine Kinder. Echt nicht. Wirklich nicht. Ich kann schon irgendwie verstehen, warum manche, viele, Menschen das Bedürfnis verspüren, eine Familie zu gründen, wie man so schön sagt. Nur, dass ich das irgendwie nicht habe, dieses Bedürfnis. Ich bin mit mir alleine glücklich. Und an vielen Tagen überfordert.

Ich finde Kinder nicht per se doof. Ja, es gibt viele beschissene Bälger da draußen, die mir mit ihrer bloßen Anwesenheit auf die Nerven gehen. Einfach, weil sie Kinder sind und sich nun mal nicht so verhalten können, wie Erwachsene das tun. Es gibt aber auch Kinder, die ich mag. Kinder, mit denen ich sogar gerne Zeit verbringe – solang ich weiß, dass ich sie nach ein paar Stunden wieder abgeben und mir ihre widerliche Kinderkotze aus der Kleidung waschen kann.

Klar, ich gebe zu, dass ich es sogar ganz süß finde, wenn mir ein Kind mit seinem schokoladenverschmierten Mund einen feuchten Kuss auf die Wange drückt. Aber eben nur, wenn ich weiß, dass ich das nicht regelmäßig mitmachen muss. Diese seltsame Zuneigung, die manche Kinder mir gegenüber an den Tag legen, überfordert mich. Wie schlimm muss das erst sein, wenn es kein fremdes, sondern das eigene Kind ist?

Ich glaube, ich hätte permanent Angst, es versehentlich zu töten. Oder ihm zumindest weh zu tun. Weil ich einfach furchtbar ungeschickt bin. Und auch egoistisch. Ich will meinen Egoismus nicht hinten anstellen. Für keinen Menschen dieser Welt. Nicht mal für ein Kind. Zumindest nicht für mehr als ein paar Stunden.

Wenn also meine Familie fragt, wann ich denn nun vorhabe, endlich ein Kind aus mir zu pressen, antworte ich genau das. Also alle der oben angeführten Dinge. Doch irgendwie haben alle beschlossen, mich zu überhören. Sie kontern dann mit Dingen wie „Das kommt noch, du bist schließlich eine Frau“, oder „Du solltest mit der Planung aber nicht mehr allzu lange warten, im Alter wird das Kinderkriegen schwer!“

Auf Letzteres antworte ich gerne mit „Und wenn ich dann zu alt bin, adoptiere ich eben eins“, nur um mir dann anhören zu dürfen, dass das lange nicht so schön ist, wie ein eigenes Kind zu zeugen. Damit meinen sie natürlich nicht, dass der Sex vorher ziemlich geil ist, sondern, dass man adoptierte Kinder nicht so gern hat wie sein eigenes. Abgesehen davon, dass ich diese Ansicht für schwachsinnig und schlichtweg falsch halte, will ich auch nach dieser Diskussion immer noch kein Kind. Weder ein eigenes, noch ein Adoptivkind.

Was das Erste betrifft, also „Das kommt noch, du bist ja schließlich eine Frau!“, weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll zu diskutieren. Ach, was heißt schon diskutieren. Einfach schreien möchte ich. All die Menschen anbrüllen, die noch immer denken, dass ein Kinderwunsch mit dem eigenen Geschlecht zu tun hätte.

Ich hatte mal einen Freund, der wollte unbedingt ein Kind. Ich war damals Anfang 20, er war Ende 20 und er wünschte sich ein Kind. Nicht irgendwann, sondern sofort. Nach nur drei Monaten habe ich bereits Schluss gemacht. Nicht, weil ich ihn nicht liebte, denn das tat ich, sondern weil ich wusste, dass wir keine Zukunft teilen würden. Er wollte ein Kind. Am liebsten sogar eine ganze Horde Kinder. Ich wollte das nicht. Und ich werde es nie wollen.

Ich war schon mit Männern zusammen, die Kinder aus vorangegangenen Beziehungen hatten. Das war für mich kein Problem. Sind ja nicht meine eigenen und ich machte den Kerlen von vornherein klar, dass ich zwar durchaus bereit bin, Zeit mit den Bälgern zu verbringen und auch auf sie aufzupassen, wenn die Herren arbeiten mussten, dass ich aber nie, nie, nie die Rolle der Ersatzmutter einnehmen würde, denn die liegt mir einfach nicht. Das habe sie auch alle akzeptiert.

Die Beziehungen sind nicht an den Kindern zerbrochen, sondern daran, dass die Väter solche… Daddys waren, und das nicht nur beim Sex. Da musste ich dann feststellen, dass Väter mir genauso wenig liegen wie Kinder. Mit Müttern hab ich’s noch nicht probiert, doch ich vermute, da sieht’s ähnlich aus. Wenn es nach mir ginge, hätte ich mir schon längst die Gebärmutter entfernen lassen. Ich brauche sie nämlich einfach nicht und werde sie auch niemals brauchen. Zumindest nicht, um Kinder zu kriegen.

Als ich das letzte Mal beim Frauenarzt war, sprach ich ihn auf eine Sterilisation an. Die Antwort hätte von meiner Mutter sein können. „Sie sind noch sehr jung, Sie werden irgendwann noch Kinder wollen.“ Nein, verdammt, das will ich nicht. Auf die Frage, ob man das zu Männern in meinem Alter auch sagen würde, die sich eine Sterilisation wünschen, weil sie wissen, dass sie keine Kinder möchten, bekam ich zu hören, dass das ja etwas anderes sei.

In dem Moment wäre ich fast explodiert, denn für mich ist das absolut nichts anderes. Noch einmal: ein Kinderwunsch hat nichts mit dem eigenen Geschlecht zu tun. Doch bevor es so weit kommen konnte, fand ich glücklicherweise mein Höschen wieder und den Weg hinaus aus der Praxis. Dass ich als Frau wirklich keine Kinder will, nicht jetzt und auch nicht irgendwann, scheint für unsere Gesellschaft nicht tragbar zu sein und manchmal, ja, manchmal komme ich mir damit ziemlich verarscht und auch alleine gelassen vor.

Immer dann zum Beispiel, wenn ich wieder auf eine Schwangere treffe, die das „alles gar nicht so geplant hatte“ und jetzt doch „überglücklich ist, dass es so gekommen ist“. In diesem Moment kann ich schlecht sagen, dass ich, sollte ich einmal versehentlich schwanger werden, sofort abtreiben würde, und zwar auch ohne nur eine Sekunde zu zögern, und so behalte ich meine Meinung für mich. Allein. Die Gesellschaft würde sie ja eh nicht akzeptieren.

Die Fotografie stammt von Jonathan Borba
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Disneyland in Tokio: Zu Besuch bei Micky Maus

Ich könnte jetzt meinen Job kündigen, eine Tonne Eiscreme kaufen und so lange Disney-Filme gucken, bis ich sterbe. Also die animierten Streifen. Nicht diese beschissenen TV-Filme, in denen ADHD-Jugendliche tanzen und singen und das auch noch ernst meinen. Ich spreche von Arielle und Cinderella und D...
Disneyland in Tokio: Zu Besuch bei Micky Maus

Disneyland in Tokio

Zu Besuch bei
Micky Maus

Daniela Dietz

Ich könnte jetzt meinen Job kündigen, eine Tonne Eiscreme kaufen und so lange DisneyFilme gucken, bis ich sterbe. Also die animierten Streifen. Nicht diese beschissenen TV-Filme, in denen ADHD-Jugendliche tanzen und singen und das auch noch ernst meinen. Ich spreche von Arielle und Cinderella und Die Schöne und das Biest! Was für tolle Filme

Wir waren im Disneyland in Tokio, um uns damit einen mehr als großen Traum zu erfüllen. Und um unsere etwas ungesunde Disneysucht auch nur für ein paar Stunden in poppig süßer Umgebung zu ertränken. Micky Maus und Donald Duck und Dumbo waren da, um uns zu empfangen. Denn ein Tag im Disneyland ist nicht nur magisch, er ist bezaubernd!

Der Park besteht aus insgesamt Themenwelten, die allesamt unterschiedlich gestaltet wurden. Da haben wir das Abenteuerland, Mickys Cartoonstadt und auch ein Wild-West-Land. Wem das Disneyland in Frankreich zu langweilig geworden ist, warum auch immer, und mal etwas ganze Besonderes erleben will, der sollte sich gleich einen Flug buchen – und dann ab nach Tokio!

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Dating per App: Dumm, dümmer, Tinder

Die traurige Wahrheit ist doch, dass nur zwei verschiedene Arten von Menschen Datingapps nutzen: Diejenigen, die mit ihren Freunden aus Spaß einige Male nach links und rechts wischen, weil sie es, kicher, kicher, total lustig finden, und am nächsten Tag schon wieder vergessen haben, dass sie Tinder...
Dating per App: Dumm, dümmer, Tinder

Dating per App

Dumm, dümmer,
Tinder

Marcel Winatschek

Die traurige Wahrheit ist doch, dass nur zwei verschiedene Arten von Menschen Datingapps nutzen: Diejenigen, die mit ihren Freunden aus Spaß einige Male nach links und rechts wischen, weil sie es, kicher, kicher, total lustig finden, und am nächsten Tag schon wieder vergessen haben, dass sie Tinder überhaupt installiert haben. Und die anderen, die so verzweifelt sind, dass sie nicht nur im echten Leben niemanden aufreißen können, sondern auch auf allen anderen sozialen Plattformen versagt haben.

Wenn euch schon auf Facebook, Twitter und Instagram, all die Jahre lang, niemand wirklich so gut fand, dass er oder sie euch angeschrieben und zu einem baldigen Treffen gebeten hat, warum, um aller Welt, glaubt ihr dann, dass ihr gerade durch einen als Liebesapp getarnten digitalen Swingerclub den nächsten Stich landet?

Was mich den Kopf schütteln lässt, ist nicht etwa die Oberflächlichkeit, mit der da interessante Charaktere ins digitale Nirvana gewischt werden, weil auch nur irgendein Detail nicht stimmt, sondern dass man dummen Leuten heutzutage auf dumme Art und Weise einen Rahmen bieten muss, damit sie sich überhaupt ineinander verknallen können.

Wir leben in einer Zeit, in der Idioten zu jeder Tätigkeit eine App herunterladen können, weil sie zu beschränkt sind, ihr Leben alleine in den Griff zu bekommen. Hier eine Jogaapp, weil euch die YouTube-Suche anscheinend zu umständlich ist. Hier eine Rezepteapp, weil die Kochbücher eurer Mutter zu schwer sind. Hier eine Wetterapp, weil ihr zu faul seid, aus dem Fenster zu gucken. Hier eine Kalenderapp, weil ihr vergessen habt, dass nach Mittwoch Donnerstag kommt.

Und jetzt eben die Flut an Fickapps, weil die digitale Generation ohne die zugehörige App nicht einmal mehr weiß, für wen sie die Beine breitmachen sollen – und für wen eben nicht. Die sozial verkrüppelt sind und sich sogar beim ersten Date lieber WhatsApp-Nachrichten schicken, anstatt mit den dazugehörigen Organen zu interagieren, nämlich Mund und Ohren.

Grindr habe ich noch verstanden. Homo- oder bisexuelle Menschen suchen im Umkreis von ein paar 100 Metern jemanden, dem sie das Loch stopfen können. Hallo, poppen, ciao. Bravo! Aber Tinder, Happn & Co. verlagern peinliches Kennenlernen einfach nur ins Internet. „Ach, du stehst auf Bäume?“ „Ja… schon..“ „Aha.. und, was machst du so?“ „Öhm… Baum…?“

Tinder ist, als würde man minderbemittelte Lebensgescheiterte in einen großen, roten Kreis setzen und ihnen sagen: So, jetzt dürft ihr Liebi Liebi, Knutschi Knutschi und Ficki Ficki machen. Alle versuchen noch schnell zu klatschen und dann geht’s auch schon los.

„Genau, dein Penis muss in die Vagina von der Tanja, geeenau, ja, gut machst du das, Thorsten, sehr gut! Das gibt gleich ein Fleißbildchen in deine Geschlechtsverkehrsmappe!“ Kurzer Applaus, wieder einen Tag überlebt. Danke, iPhone!

Über Generationen hat es unsere Spezies geschafft, sich allein fortzupflanzen, sich womöglich sogar zu verlieben, und heute, auf der momentanen Spitze der Evolution, da brauchen wir plötzlich allerlei Apps, um morgens überhaupt die Haustür zu finden und nicht acht Stunden lang gegen eine Wand laufen, während wir auf unserem Handy Gesichter nach links und rechts wischen. Siri, wie wasche ich meine Kleidung? Siri, wie verhungere ich nicht? Siri, wie bekomme ich jemanden dazu, sich an meinem Penis zu reiben?

Wenn ihr jemanden kennen lernen wollt, dann geht mit euren Freunden auf eine gute Hausparty, zeigt euch von eurer besten Seite und kommt mit jemandem ins Gespräch. Aber versteckt euch nicht ständig hinter eurem Handy, wie so Psychopathen, die sich für supermodern halten, aber im Grunde einfach nur keine Ahnung haben, wie das Leben außerhalb ihres Screens funktioniert, und sogar eine App dafür brauchen, um nicht auszusterben. Eine schöne neue Zukunft habt ihr uns da eingebrockt.

Die Illustration stammt von Cherry und Icons8
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Clickbait, Pranks und Vollidioten: YouTube ist scheiße

Mittlerweile hat sich mein Konsumverhalten, was Medien angeht, komplett in Richtung Internet verschoben. Filme schaue ich auf Netflix, Amazon & Co. und meine tägliche Berieselung durch seichte Unterhaltung hole ich mir bei YouTube ab. Einen Fernsehanschluss besitze ich nicht einmal mehr. Ich glau...
Clickbait, Pranks und Vollidioten: YouTube ist scheiße

Clickbait, Pranks und Vollidioten

YouTube ist
scheiße

Markus Fendt

Mittlerweile hat sich mein Konsumverhalten, was Medien angeht, komplett in Richtung Internet verschoben. Filme schaue ich auf Netflix, Amazon & Co. und meine tägliche Berieselung durch seichte Unterhaltung hole ich mir bei YouTube ab. Einen Fernsehanschluss besitze ich nicht einmal mehr.

Ich glaube in all den Jahren, in denen ich jetzt schon im Internet unterwegs bin, stellt YouTube die von mir meist besuchte Seite dar. Ich bekam den Aufstieg und Fall der Außenseiter mit, danach den Aufstieg und Fall von Y-Titty und werde wahrscheinlich noch die ein oder anderen YouTuber dabei beobachten können. Was ich damit sagen will: Ich bin schon sehr lange im YouTube-Game. In letzter Zeit kotzen mich YouTube und vor allem die YouTuber an. Warum das so ist, will ich euch hier verraten.

Jahrelang predigte man geradezu auf YouTube, dass YouTube »das neue Ding« ist. Das Fernsehen kann abdanken, sich selbst begraben und am besten versammeln sich alle YouTuber um das Grab herum und spucken nochmal drauf. YouTube begann mal als Plattform auf der Amateurvideos geteilt wurden, irgendwelche Katzenvideos hochgeladen wurden oder man sah, wie jemand auf die Fresse flog. Nichts ist mehr von diesem Charme übrig geblieben.

Mittlerweile kann man sagen: Die Inhalte, die einem auf der Startseite, in der Suche, in den Vorschlägen und in den Trends entgegenkommen, sind der letzte Rotz und stehen dem berühmten Assi-TV in absolut nichts nach. Die Amateurvideos und kreativen Ideen wichen einer Durchkommerzionalisierung, bei der selbst das Fernsehen noch Augen macht.

Kaum ein großer YouTuber kommt heute noch ohne Management aus. Die Haupteinnahmequelle besteht nicht aus den Klicks. Die Kontaktpreise, die Kohle, die man für tausend Klicks bekommt, ist den meisten zu niedrig und so wird ganz tief in die Trickkiste gegriffen.

Was der große Bruder, das Fernsehen und vor allem der Film kann, kann man wohl erst Recht, dachte sich die YouTube-Landschaft und so werden heute Produkte platziert, bis dieses verfickte Ikearegal, das bei nahezu Allen im Hintergrund steht, aus den Nähten platzt. Da halten diese ganzen Anfang Zwanzigjährigen irgendwelche beschissene Beautyprodukte in die Kamera oder erzählen mir doch, wie geil dieses neuste technische Gadget ist, das niemand braucht.

Und das alles unter dem Deckmantel von Kreativität und Jugendlichkeit. Im Fernsehen lachen wir alle über diese Verkaufssender, wie QVC und wie sie nicht alle heißen, wir lachen über die Rentner, die darauf reinfallen und sich dort etwas bestellen. Dabei schaut gerade eine Generation irgendwelchen Hackfressen dabei zu, wie haargenau das Gleiche machen. Nur eben in cooler und nicht ganz so auffällig.

Wenn wir schon bei dem Vergleich mit dem Fernsehen sind: YouTube gilt als der Hort der Kreativität, der geilen Ideen und der jungen Macherinnen und Machern. Dort soll die Unterhaltung revolutioniert werden. Die Realität sieht anders aus. Schaut man sich die Trends oder die Startseite an schlägt einem die redundanteste Scheiße entgegen, die das Internet zu bieten hat.

Unzählige „Baden in Nutella / Burger / Chicken Wings / Cola / Was weiß ich“-Videos oder auch gerne mal „Pranks„. Von denen die meistens so durchgeskriptet, gestellt und dermaßen schlecht geschauspielert sind, dass die Laiendarsteller aus Mitten im Leben einen Oscar verdient hätten. Das ist aber nicht genug.

Mir schlagen noch fünfhunderttausend »Lifehack« Videos entgegen, in denen einfach nur strunzdumme Scheiße gezeigt wird, die meistens umständlicher ist, als einfach in den Laden zu fahren und sich das Teil was man braucht, für ein paar Euro zu kaufen. Da bastelt dann jemand aus einer Blechdose eine Käsereibe. Lecker Metallspäne im Essen. Oder irgendein Idiot steckt sich Knicklichter in die Fahrradspeichen. Wow, du Genie, da wäre nie im Leben wer drauf gekommen!

Oder es sind die typischen „Ich höre auf“-Videos zu sehen, in denen einem vorgeheult (manchmal wortwörtlich) wird, warum YouTuber XY jetzt keine Videos mehr macht, nur um dann eine Woche später das ganze Aufzulösen und irgendwelche fadenscheinige Gründe zu liefern, warum man doch weiter macht. Hier wird künstlich Drama erzeugt, weil es halt Klicks bringt.

Diese Masche wurde zuletzt von Apecrime auf die Spitze getrieben. Von einen Tag auf den anderen waren alle Videos auf „privat“. Nach einer Woche des Schweigens erklärte man, man könne sich nicht mehr mit dem alten Content identifizieren und wolle neue Wege gehen. Eine weitere Woche später war nichts mehr davon übrig. Heute zieren den Kanal der selbe redundante Müllinhalt, wie hier aufgezählt

Die Liste dieser sich immer wiederholenden Videos ist lang. Spontan fallen mir direkt noch „10 Arten von“-Videos und diese Videos, in denen irgendwelches krasse Essen getestet wird. Sowieso werden einfach sehr viele krasse Sachen gezeigt. Das Capslock im Titel und irgendwelche gephotoshopten Thumbnails dürfen dabei nicht fehlen. Clickbait ist hier das Stichwort.

Was bei Zeitungen zum Glück noch verpönt ist, ist auf YouTube gang und gebe. Da wird dann auch mal Blut auf das Thumbnail gepackt, oder der Klassiker: Brüste. Sex sells eben. Dass davon nichts im Video zu sehen ist, ist dabei natürlich klar.

Das Ganze bleibt aber nicht der Gipfel der Einfallslosigkeit. Dieser stellt eindeutig der Versuch von YouTubern da Kinofilme zu machen. In der Theorie klingt das alles richtig geil. Und das ist es auch. Es ist einfach großartig, wenn Leute ohne großes Studio, sondern nur durch gute Ideen die Möglichkeit bekommen einen Film zu drehen, der dann auch noch in Kinos läuft. Aber was bekamen wir? „Kartoffelsalat“ und „Bruder vor Luder„. Jeder, der noch einigermaßen bei Verstand ist, kann sich diesen Quatsch echt nicht anschauen.

Da werden irgendwelche „Witze“ abgefeiert, die so vielleicht in einem Witzebuch für die 4. Klasse stehen. Man ist sich nichtmal zu schade einen „Nur weil ich schwarz bin“-Witz oder den letzten Kalauer, den Otto vor 40 Jahren schon gebracht hat, auszupacken. Wer nicht gerade zum ersten mal mit Comedy in Berührung kommt wird darüber nicht lachen können, denn die meisten Jokes wurden so oder so ähnlich schon tausend mal erzählt.

YouTuber können zwar keine Filme machen, dafür können sie aber umso besser schauspielern. Zumindest vor eigenen 14-Jährigen Zielgruppe. Oder glaubt ihr, dass die wirklich so sind, wie sie sich in den Videos geben? Zugegeben, einige scheinen im wahren Leben wirklich auf dem geistigen Level einer Gurke zu sein, dazu später mehr. Aber der Großteil schlüpft einfach in eine Rolle, um den ganzen Kindern, die ihre Videos schauen weiß zu machen, sie wären »eine/r von Ihnen«.

Wenn man schon das Filmgeschäft nicht in Ruhe lassen kann ist es auch nur konsequent ins Musikgeschäft einzusteigen. Bibi mit ihrem Song in Fünft-Klässler-Englisch ist da bei weitem nicht die Erste. Jeder Clown auf YouTube dachte sich irgendwann mal er müsste mit „rappen“ anfangen, die ein oder andere Single oder sogar ein ganzes Album, natürlich nur echt mit Deluxe-Box-Edition, raushauen. Mit Musik hat das ganze meistens wenig zu tun. Objektiv gesehen ist das einfach scheiße.

Das Schlimmste an YouTube ist aber, dass die Asis und Hohlköpfe nach oben kommen. Auf YouTube gibt es keinen Redakteur oder Intendanten wie im Fernsehen, der sagt: „Ne, das ist komplett scheiße. Sowas können wir nicht bringen!“ Auf YouTube hat einer dieser Idioten eine Idee und die wird dann in die Welt geblasen. Auf keiner anderen medialen Plattform wäre es möglich, dass irgendwelche Leute wie die beiden Merts ihren homophoben Müll in die Welt tragen.

Da hast du dann auch einen KSFreak, der von sich erzählt, er habe mal mit einer schwarzen Frau geschlafen, weil er wissen wollte, ob die »anders sind, anders riechen, anders schmecken«. Wieder machen wolle er das aber natürlich nicht. Zuschauer seiner Kritiker bezeichnet er so nebenbei ganz gerne mal als „Schwuchtel„.

Oder Leon Machére, dessen Hobby-Bodyguards auf einem seiner »Konzerte« Zuschauer verprügeln. Von diesen Grundschulabbrechern gibt es noch einen ganzen Haufen mehr. So viele, dass man da mittlerweile den überblick verliert. Zum Schluss bleibt mir nur noch übrig euch den ultimativen Lifehack zu geben: Schaltet YouTube öfter mal ab oder schaut nur noch die guten Sachen.

Die Fotografie stammt von Gianandrea Villa
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Küssen, Saugen, Nuckeln: Eine Ode an den Mund

Der Begriff Oral ist ein wunderbares Wort, welches im alltäglichen Leben leider selten Verwendung findet. Dabei klingt es so harmonisch: Oralchirurgie, Oral B, Oralverkehr… Und da hört’s auch schon auf. Aber woran liegt das? Denn dieses kleine Wort umschreibt doch kurzerhand den Grundinstinkt des...
Küssen, Saugen, Nuckeln: Eine Ode an den Mund

Küssen, Saugen, Nuckeln

Eine Ode an
den Mund

Katrin Olszewski

Der Begriff „Oral“ ist ein wunderbares Wort, welches im alltäglichen Leben leider selten Verwendung findet. Dabei klingt es so harmonisch: Oralchirurgie, Oral B, Oralverkehr… Und da hört’s auch schon auf. Aber woran liegt das? Denn dieses kleine Wort umschreibt doch kurzerhand den Grundinstinkt des Menschen.

Die Triebtheorie von Sigmund Freud besagt: Wir werden von angeborenen Trieben gesteuert, bei denen es darum geht seinen Grundbedürfnissen zu folgen. Stimmt. Sigmund Freud entdeckte bei Säuglingen das Lustprinzip, das im Jugendalter in sexuelle Stimulationen umgewandelt wird.

Der Lustgewinn entsteht logischerweise durch Körperkontakt. Haut an Haut, sich an Gegenständen reiben, Saugen, Nuckeln. Und etliche andere Späße. Da fragt man sich doch, ob man als Kind eigentlich auch schon eine Erregung hatte, wenn einem die Mutti den Lutscher in den Mund geschoben hat.

Oder hat das alles mit der Persönlichkeit des Menschen zu tun? Ich empfinde es beispielsweise als ekelhaft in der Bahn zu sitzen und an einer Banane zu kauen, wenn mich ein alter Mann dabei beobachtet. Aber ich mag auch keine Bananen. Und alte Männer erst recht nicht.

Doch nehmen wir die Zigarette. Schaue ich mir Fotos mit rauchenden Menschen an, finde ich es sinnlich und ästhetisch, wie sich der Mund formt und der Qualm emporsteigt. Überlegen wir nur, wie es in den 50er-Jahren gewesen sein muss, als jeder Zweite im Film qualmte.

Das Kino war scheinbar ein einziger Orgasmus. In der Fiktion ist das gut vorstellbar, in der Wirklichkeit mag es schon wieder ganz anders aussehen. Wenn du deinem nichtrauchenden Gegenüber immer schön in die Fresse pustest, kriegst du höchstens eine rein.

Aber Raucher hin oder her. Fest steht, alles, was mit Mündern zu tun hat, ist eigentlich immer gut. Da wird mir keiner widersprechen. Sei es Mann oder Frau. Schließlich essen, reden, rauchen, trinken und lutschen wir mit ihnen. Münder sind nun mal ein fucking Event.

Die Fotografie stammt von Ian Dooley
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Cyberpunk-Klassiker: Wie Akira die Popkultur prägte

Egal, ob ihr euch heute bekannte, animierte Meisterwerke Neon Genesis Evangelion, Dragon Ball Z oder Ghost in the Shell anseht - ohne Akira hätte es all das niemals gegeben, zumindest nicht in dieser Form. Der 1988 in Japan erschiene apokalyptische Anime von Katsuhiro Otomo, Ryohei Suzuki, Shunzo Ka...
Cyberpunk-Klassiker: Wie Akira die Popkultur prägte

Cyberpunk-Klassiker

Wie Akira die
Popkultur prägte

Marcel Winatschek

Egal, ob ihr euch heute bekannte, animierte Meisterwerke Neon Genesis Evangelion, Dragon Ball Z oder Ghost in the Shell anseht – ohne Akira hätte es all das niemals gegeben, zumindest nicht in dieser Form. Der 1988 in Japan erschiene apokalyptische Anime von Katsuhiro Otomo, Ryohei Suzuki, Shunzo Kato und Izo Hashimoto hat wahrlich alles verändert – nicht nur in der fernöstlichen Popkultur.

Akira, in dessen Handlung Shotaro Kaneda und Tetsuo Shima Mitglied in einer Motorradgang im vom Dritten Weltkrieg gebeutelten Tokio der Zukunft sind und schon bald um das Ende der Welt kämpfen, sieht auch heute noch so episch wie am Erscheinungstag aus und beweist durch ein Feuerwerk an kreativen Ideen und künstlerischem Know-how, dass Anime mehr als perverse Fantasien verklemmter Kellerkinder sind.

Die Dokumentation The Impact of Akira: The Film that Changed Everything von Super Eyepatch Wolf zeigt euch, welchen Einfluss Akira auf die Welt hatte und wo man auch heute noch den Effekt des dystopischen Animes finden kann. Wer wiederum Akira noch nie gesehen hat, sollte das schleunigst nachholen. Schließlich sprechen wir hier wahrscheinlich vom wichtigsten asiatischen Werk der Nachkriegszeit.

Cyberpunk-Klassiker: Wie Akira die Popkultur prägte
Die Illustration stammt von Katsuhiro Otomo, Toho und Kodansha
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Fleshlight: Mach’s gut, rechte Hand

Letztens klingelte Dieter, der gestörte russische Postbote, an unserer Tür und brachte uns zwei von diesen Fleshlights vorbei. Ein Geschenk von Brian. Für was auch immer. Ich packte sie aus und hatte plötzlich zwei riesige Plastiktaschenlampen in der Hand. Eine in schwarz und eine in schimmerndem Pe...
Fleshlight: Mach’s gut, rechte Hand

Fleshlight

Mach's gut,
rechte Hand

Marcel Winatschek

Letztens klingelte Dieter, der gestörte russische Postbote, an unserer Tür und brachte uns zwei von diesen Fleshlights vorbei. Ein Geschenk von Brian. Für was auch immer. Ich packte sie aus und hatte plötzlich zwei riesige Plastiktaschenlampen in der Hand. Eine in schwarz und eine in schimmerndem Perlweiß. Nur dass kein funktionierendes Licht in ihnen drin war, sondern zwei Gummimuschis. Ich war total aufgeregt.

Jede von ihnen ist unterschiedlich geformt. Eine ist sehr eng und sieht aus wie das primäre Geschlechtsteil von Rotschopf-Pornostar Ariel Vortex, ich informierte mich ausführlich, und die andere ist etwas weiter und mit größeren Schamlippen und nennt sich total sexy „Build Your Own Texture“. Jeder kann sich also seine Traumfotze basteln. Das finde ich sehr gut. Wie Lego für Erwachsene ist das.

Ich wartete ganz feierlich und mit Vorfreude im Gesicht auf den Abend, machte etwas Anregendes zu essen. Muscheln mit Weißwein und Sahne auf einem Rucolabett. Dazu gab es frische Oliven und einen Pinot Grigio. Ich zündete ein paar Kerzen an, schaltete das Licht aus und schnappte mir Ariels weiches, warmes und nasses Loch. Fap, fap, fap. Ahh, ohh, uhh. Nach drei Minuten war ich fertig. Wow. Effizient!

Denn sind wir doch mal ehrlich: Onanieren kostet Zeit. An schlechten Tagen sitzen wir eine Stunde oder länger vor einem miesen Porno nach dem anderen und rubbeln uns zu Tode, während wir Emails checken und Pizza bestellen. Nur für diesen kurzen Schuss ins Leere und einem dummen Gesichtsausdruck. Die Zeit könnten wir auch besser investieren. Fremdsprachen lernen. Aktien kaufen. Freundinnen finden. Oder so etwas.

Im Internet gibt’s die Teile ab 35 Euro. Wenn ihr keine allzu perversen Leute seid. Allerdings könnt ihr auch Zombies, Aliens oder Arschlöcher ficken – das kostet dann halt ein wenig mehr. Aber egal: Es lohnt sich. Wirklich. Falls ihr also gerade kein Mädchen an eurer Seite habt oder einfach mal mental fremd gehen wollt und nur ein paar Minuten Zeit habt, dann sind diese Fleshlights echt eine lustige Sache.

Wenn ihr ein wenig Taschengeld über habt und eure Masturbationssessions effektiver nutzen wollt, dann schickt eure rechte Hand in Rente und gebt diesen schwabbeligen Dingern eine Chance. Vorteil: Sie fühlen sich unglaublich echt an und ihr müsst sie nur mit Wasser abwaschen. Nachteil: Ihr seht in den paar Minuten aus, als würdet ihr einen verstopften Handstaubsauger vögeln. Zieht währenddessen also lieber die Vorhänge zu…

Fleshlight: Mach’s gut, rechte Hand
Die Fotografie stammt von Fleshlight
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Mädchen in England: Zuhause mit Sho Haze

Als junges Mädchen habe ich immer eigene Magazine gemacht. Meist über irgendwelche Serien, meine Freundinnen oder eines der zahlreichen Hobbys, für die ich mich je eine Woche lang süchtig begeisterte, nur um sie anschließend gegen eine andere vollkommen dämliche Idee einzutauschen. Aber eigene Magaz...
Mädchen in England: Zuhause mit Sho Haze

Mädchen in England

Zuhause mit
Sho Haze

Daniela Dietz

Als junges Mädchen habe ich immer eigene Magazine gemacht. Meist über irgendwelche Serien, meine Freundinnen oder eines der zahlreichen Hobbys, für die ich mich je eine Woche lang süchtig begeisterte, nur um sie anschließend gegen eine andere vollkommen dämliche Idee einzutauschen. Aber eigene Magazine zu machen, das war toll. Egal wie scheiße sie aussahen.

Sho Haze ist eine englische Künstlerin aus Birmingham, die nicht nur Illustrationen zeichnet, sondern auch eigene Magazine gestaltet, die sie wiederum an ein ausgewähltes Publikum vertickt. Am liebsten erweckt sie mit ihren Stiften nackte Mädchen mit wuchtigen Brüsten zum Leben, die sich allerdings ab und zu in einer kunterbunten Welt des Todes wieder finden.

Für den Fotografen James Beddoes und Sticks & Stones hat die asiatisch angehauchte und feministisch aktive Sho nun selbst blankgezogen und versetzt sich so in das kreative Leben ihrer weiblichen Zeichnungen. über sich selbst erzählt uns Sho: „Ich habe das Gefühl, dass ich einen ziemlich eigenständigen Look habe.“ Ja, das kann man gut und gern so stehen lassen.

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Die Fotografie stammt von James Beddoes
Als Model ist Sho Haze zu sehen
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Benutz mich!Mein Leben als Sexsklavin

So gerne ich Männer dominiere, so gerne lasse ich mich auch von ihnen dominieren. Ich liebe das Gefühl von absoluter Macht genauso, wie sie komplett an eine andere Person abzugeben. Deshalb stimmte ich zu, für ein halbes Jahr als jemandes Sexsklavin zu dienen und all seinen Befehlen so gehorchen. Un...
Benutz mich!Mein Leben als Sexsklavin

Benutz mich!

Mein Leben als
Sexsklavin

Nadine Kroll

So gerne ich Männer dominiere, so gerne lasse ich mich auch von ihnen dominieren. Ich liebe das Gefühl von absoluter Macht genauso, wie sie komplett an eine andere Person abzugeben. Deshalb stimmte ich zu, für ein halbes Jahr als jemandes Sexsklavin zu dienen und all seinen Befehlen so gehorchen. Und es war kein Stück wie in 50 Shades of Grey.

Felix und ich lernten uns im Internet kennen. Es ging sofort ums Thema Sex und er kam ohne Umschweife zur Sache: Er war auf der Suche nach einer Sexsklavin, die er nach seinem Belieben erziehen konnte. Ich war interessiert, aber vorsichtig. Zwar hatte ich mich bereits häufiger beim Sex dominieren lassen, doch nie über einen längeren Zeitraum und auch nie im Alltag.

Das war allerdings genau das, was Felix von mir wollte. Also dass ich ihm nicht nur im Bett, sondern auch im „normalen Leben“ hörig war. Die Vorstellung machte mich schon an, aber ich wollte Felix auf alle Fälle kennenlernen, bevor ich so einer Beziehung zustimmte.

Wir trafen uns an einem öffentlichen Ort, wie es einem in solchen Fällen immer geraten wird, und zwar in meiner Lieblingsbar, wo alle Bartender mich mit Namen kennen und im Fall der Fälle eingreifen können. Meine Bedenken, Felix könne ein übergriffiger Typ sein, der gerne wehrlose Mädchen in dunklen Gassen vergewaltigt, erwiesen sich jedoch als völlig aus der Luft gegriffen.

Er war ein sehr höflicher und zuvorkommender Mann, der sehr darauf bedacht war, meine Grenzen zu wahren, gutaussehend und sympathisch. Einen Vorgeschmack auf das, was er wollte, bekam ich noch in der gleichen Nacht, auf der Toilette in der Bar, wo wir uns getroffen hatten. Er nahm mich von hinten, während er meinen Körper gegen die Wand presste und behielt im Anschluss mein Höschen als Andenken an mich, sodass ich gezwungen war, meinen Heimweg ohne Unterhose anzutreten. Es war wahnsinnig erregend.

Eine Woche später unterschrieb ich einen Sklavenvertrag, der mich für sechs Monate zu seinem Eigentum machte. Er durfte von nun an mit mir tun und lassen, was er wollte, im Bett, wie auch im Alltag. Wer hier jetzt wieder an 50 Shades of Grey denkt, den muss ich leider wieder enttäuschen.

Felix war kein Millionär, der mich mit dem Helikopter durch die ganze Stadt fliegen ließ, nur damit er mich vögeln konnte. Er war vor allen Dingen aber auch kein Vergewaltiger, der seinen Willen über meinen stellte und mich erpresste, wenn ihm nach etwas Anderem war als mir. Im Gegensatz zu Miss Anastasia Steele habe ich mich vollkommen freiwillig in diese Abhängigkeit begeben.

Und obwohl mir klar war, was mich erwartet, da ich in diesem Kontext weder jungfräulich noch blutige Anfängerin war, nahm Felix sich immer genug Zeit, um auf mich und meine Grenzen einzugehen und mit mir zu reden, wenn ich wegen etwas Bedenken hatte. Er war ein wirklich guter Dom. Im Gegensatz zu Christian Grey, dem man in meinen Augen alle Fesseln und Seile und Peitschen und sonstigen Gerätschaften wegnehmen sollte, weil er ein respektloses Arschloch ist, das eine der wichtigsten Regeln des BDSM, nämlich die des Konsens, also des Einverständnisses, missachtet.

In dem halben Jahr, das ich Felix diente, sorgte er sehr gut für mich. Er erzog mich auf eine bessere Art, als es Menschen jemals gekonnt hätten. Er lehrte mich eine gewisse Form von Respekt, nicht nur ihm, sondern auch anderen Menschen gegenüber. Es war klar, dass ich im Alltag jetzt nicht nur noch mich vertreten würde, sondern auch ihn.

Ich war sein Eigentum. Und sein Eigentum behandelt man pfleglich, sorgt aber auch dafür, dass es in der Weise funktioniert, wie es funktionieren soll. Es ging dabei also um wesentlich mehr, als nur um Sex. Was ihn erregte waren nicht bloße Schläge oder dass er mich ficken konnte, wann immer es ihm beliebte, sondern dass er die komplette Macht über mich hatte, in allem, was ich tat.

Auf seltsame Art und Weise gefiel mir das. Vielleicht, weil ich vor ihm immer das Krawallmädchen war, das sich nichts verbieten ließ, und es auch heute noch bin. Oder zumindest wieder bin, seit ich von Felix getrennt bin. Alles in allem war es eine aufregende Erfahrung, an der ich gewachsen und durch die ich neue Seiten an mir kennengelernt habe.

Natürlich spielte auch der Sex eine riesengroße Rolle. Ich musste zur Verfügung stehen, wann immer er es wollte. Und es machte mich an, so willenlos zu sein. Auch wenn ich an einem Tag mal keine Lust hatte zu vögeln, spätestens, wenn das Telefon klingelte und Felix am anderen Ende der Leitung war, triefte mein Höschen vor lauter Geilheit und Sehnsucht nach einem Fick mit ihm.

Ich durfte ohne seine Erlaubnis auch nicht masturbieren. Jeder meiner Orgasmen gehörte ihm. Und Gott, waren die gut! Wenn Felix mich fickte, dann nicht nur zu seinem Vergnügen, sondern auch zu meinem. Ihm war wichtig, dass ich an der Sache genauso viel Freude hatte wie er.

Wenn ich mich in seinen Augen unartig verhalten hatte, bestrafte er mich mit Schlägen, aber er ließ nie eine Gelegenheit aus, mich zu befriedigen und mich zum Kommen zu bringen, selbst wenn er längst schon fertig war. Dass ich mich dafür nicht mehr selbst anfassen durfte und auch meine sexuellen Kontakte zu anderen Menschen einstellen musste, war im Vergleich, was ich zu dem bekam, eine Sache, die ich gerne in Kauf nahm.

Unser Verhältnis lösten wir nach dem vertraglich festgelegten halben Jahr auf. Ganz langsam und behutsam, denn aus einer solchen, bewusst herbeigeführten, Abhängigkeit wieder herauszukommen, kann sehr schwer sein. Das weiß jeder, der schon mal verlassen wurde. Auch wenn es in den meisten Fällen nur die Macht der Gewohnheit ist, die so schmerzt.

Felix und ich nahmen uns genug Zeit, uns nach den sechs Monaten, die wir in einem eindeutig festgelegten Machtverhältnis standen, endlich auf einer gleichberechtigten Ebene kennenzulernen und die Abhängigkeiten, die wir voneinander hatten, auf diese Art zu lösen. Und es war gut so.

Warum wir den Vertrag nicht verlängert haben, obwohl alles so gut war? Nun, ein halbes Jahr ist eine lange Zeit. Und auch wenn sie super schön war und ich sie nicht missen will: Mir war doch auch nach etwas Neuem. Ich hatte mich bei Felix nie nach mehr Freiheit gesehnt, aber ich brauche sie. Das ist mir nach der Beziehung zu ihm besonders klargeworden.

Ich werde immer das Mädchen bleiben, das unbelehrbar ist und das sich im Alltag von nichts und niemandem was sagen lässt. Vor allen Dingen nicht von Männern. Sexsklavin sein und alle Freiheiten abzugeben ist super. Aber für mich eben auch nur dann, wenn ich die Möglichkeit habe, sie irgendwann zurück zu erlangen. Felix hat mir beides ermöglicht. Und aus unserem Verhältnis ist mittlerweile eine gute Freundschaft geworden, die absolut gleichberechtigt ist.

Die Fotografie stammt von Dainis Graveris
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Scene Unseen: Tanzen in Tokio

Wenn ihr einmal durch die engen, überfüllten Straßen von Tokio wandelt, dann merkt ihr schnell, dass Japan ein Land ist, das andere kulturelle Schwingungen neugierig aufsaugt und diese ganz individuell an seine Bewohner weitergibt. Besonders junge Menschen sind mehr als heiß darauf, sich einem alter...
Scene Unseen: Tanzen in Tokio

Scene Unseen

Tanzen in
Tokio

Marcel Winatschek

Wenn ihr einmal durch die engen, überfüllten Straßen von Tokio wandelt, dann merkt ihr schnell, dass Japan ein Land ist, das andere kulturelle Schwingungen neugierig aufsaugt und diese ganz individuell an seine Bewohner weitergibt. Besonders junge Menschen sind mehr als heiß darauf, sich einem alternativen Lebensstil zu verschreiben. Hobbys werden zu Leidenschaften.

Seit den frühen Neunzigern feiert die Dancehall-Szene im Land der aufgehenden Sonne einen immer weiter wachsenden Siegeszug, mehr und mehr Jungs und Mädchen feiern den fröhlichen Mix aus Reggae und Hip-Hop, gepaart mit lauten Beats und schneller Musik. Stars wie Batty Bombom und Mighty Crown bringen eine ganze Generation zum Schwitzen.

In der Serie “Scene Unseen” und mit dem Hashtag #ListenForYourself bestückt, haben die Kreativköpfe Edward Lovelace und James Hall von D.A.R.Y.L. die pulsierende Dancehall-Szene in Tokio und drumherum für Bose besucht und geben Einblicke in spezielle Musikszenen, an Orten, an denen man diese Formen, Farben und Freuden womöglich gar nicht erwartet hätte.

Scene Unseen: Tanzen in Tokio
Mit freundlicher Unterstützung von Bose
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Zum Dank gibt's Sex: Ich schlafe mit Männern, weil sie mich zum Essen einladen

Natürlich kann man jetzt schlimm finden, dass ich mit einer Menge Typen geschlafen habe, ohne das wirklich gewollt zu haben. Aber ehrlich gesagt geht mir das die meiste Zeit am Arsch vorbei. Ich bin es gewohnt, von Typen ausgenutzt und benutzt zu werden. So sehr, dass ich es inzwischen überhaupt nic...
Zum Dank gibt's Sex: Ich schlafe mit Männern, weil sie mich zum Essen einladen

Zum Dank gibt's Sex

Ich schlafe mit
Männern, weil sie mich
zum Essen einladen

Nadine Kroll

Natürlich kann man jetzt schlimm finden, dass ich mit einer Menge Typen geschlafen habe, ohne das wirklich gewollt zu haben. Aber ehrlich gesagt geht mir das die meiste Zeit am Arsch vorbei. Ich bin es gewohnt, von Typen ausgenutzt und benutzt zu werden. So sehr, dass ich es inzwischen überhaupt nicht mehr schlimm finde, aus Pflichtgefühl mit einem Typen zu schlafen, den ich in Wirklichkeit eigentlich gar nicht ficken will.

Vielmehr sehe ich es als eine Art Superpower, die ich über all die Jahre hinweg entwickelt habe, die irgendwelche Typen ihre Dinger in meine Körperöffnungen gesteckt haben, ohne dass ich wirklich Bock darauf hatte, mich von ihnen penetrieren zu lassen oder sonst irgendeine Art von Körperkontakt zu pflegen.

Ich hab mich von einem Typen in seinem Auto ficken lassen, weil ich dankbar dafür war, dass er mich nach einer Privatparty bis vor die Haustür meiner Eltern gefahren hat, sodass ich nicht im Dunkeln heimlaufen musste. Ich war ihm so dankbar dafür, dass er mich mit dieser großzügigen Tat davor geschützt hat, von irgendeinem wildfremden Mann auf dem dunklen Nachhauseweg vergewaltigt zu werden, dass ich mir auf dem Beifahrersitz von ihm in den Mund spritzen ließ, ohne es wirklich zu wollen.

Mit einem anderen hab ich gebumst, weil er mich erst ins Kino und dann auch noch zum Abendessen im Soho House eingeladen hat. Er hat bezahlt, also war für mich irgendwie klar, dass ich am selben Abend noch die Beine breit machen würde. Auch wenn ich den Typen selbst wirklich überhaupt nicht geil fand. Genau wie im Übrigen das Essen, das ich im Soho House serviert bekommen hatte, das ich aber auch einfach aus dem Grund komplett aufgegessen habe, weil es 37 Euro gekostet hat und ich ein höflicher Mensch bin.

Besagter Typ hat mich beim Rummachen gefragt, ob er mir auf den Arsch pissen darf. Ich hab nein gesagt, aber er hat es trotzdem gemacht. Im Nachhinein finde ich das sogar irgendwie okay. Ich meine, er hat für das Date mit mir ja locker achtzig Euro hingelegt. Das ist mehr, als eine Nutte in der Kurfürstenstraße für einen Fick bekommt. Und die nimmt sicherlich auch maximal die Hälfte ihrer Kunden wirklich freiwillig und gern mit sich ins Bett.

Die etlichen Male, die ich mit meinem letzten Freund gebumst habe, ohne wirklich Lust zu haben, von ihm penetriert oder geleckt zu werden, kann ich nicht einmal mehr zählen. Wir haben es seit Beginn unserer Beziehung bis zum Ende eigentlich jeden Tag getrieben, und nur so zweimal in der Woche hatte ich wirklich Lust darauf, an der Inszenierung mitzuwirken.

Es hat mich aber auch nicht weiter gestört, weil mein Exfreund sowieso zu dem Typ Mann gehört, der nach zwei bis drei Minuten mit einem lauten Grunzen über dir zusammenbricht und dann erst mal für ein paar Stunden schlafen muss, sodass ich nach jedem Fick mit ihm erst mal eine ganze Weile meine komplette Ruhe vor ihm hatte, was ich immer ziemlich gut fand.

Kann man wie gesagt alles richtig schlimm finden, und ich versteh sogar die Hardcorefeministinnen mit ihrem #Aufschrei und ihrem Gerede darüber, dass das ja irgendwie Gewalt ist, aber die Wahrheit ist: Erstens geht mir auch das komplett an meinem wunderschönen Arsch vorbei und zweitens gibt mir das Gefühl, von Jungs so ausgenutzt und benutzt zu werden, auch eine gewisse Art von Macht. Macht, die du nur hast, wenn du eine Muschi hast, die generell für alle Menschen offen steht, die nett sind und dich nicht so scheiße behandeln, wie das dein eigener Vater immer getan hat.

Indem ich mit mir machen lasse, was die Männer, die mich ficken, wollen, übe ich eigentlich eine Art von Macht über sie aus, schließlich fahren sie mich nach Hause oder kaufen mir ein teures Abendessen, und alles was ich dafür tun muss ist mit ihnen Sex zu haben, an den ich mich im Nachhinein sowieso nicht mehr erinnere, weil er so belanglos war wie die Typen selbst.

Ich bin übrigens nie vergewaltigt worden oder so, auch nicht als Kind, obwohl das mancher Hobbypsychologe hier bestimmt denkt, wenn er diese Zeilen von mir liest. Ich hab einfach nur sehr früh verstanden, wie das Prinzip Sex funktioniert und habe das Spiel perfektioniert.

Indem es mir absolut egal ist, was irgendwelche dahergelaufenen Kerle mit mir anstellen, kann ich mit all diesen abgefuckten Losern schlafen, ohne mich danach dreckig zu fühlen, auch wenn ich in erster Linie gar nicht mit ihnen bumsen wollte. Ich weiß, dass das für die meisten Menschen absolut keinen Sinn macht, aber bei mir ist das nun mal einfach so.

Als ich das mal einer Freundin so erzählt habe, hat sie auch ziemlich schockiert getan und mich gefragt, ob ich vielleicht asexuell bin, wenn ich all diesen Sex eigentlich gar nicht haben wollte. In Wirklichkeit war sie nur neidisch, glaube ich, dass ich das kann und sie dagegen nicht. Asexuell bin ich übrigens nicht.

Ich habe schon wirklich gerne Sex, nur eben auch mit einer ganzen Menge von Typen geschlafen, wo ich drauf hätte verzichten können, wenn die Situationen anders gewesen wären und ich ihnen nicht irgendwas dafür geschuldet hätte, dass sie nett zu mir waren, mich bei sich übernachten lassen oder mich ins Kino eingeladen haben.

Auf Rock am Ring habe ich zum Beispiel mal mit einem Typen gebumst, weil der mich in seinem Zelt hat schlafen lassen, nachdem ich einfach all meine Leute verloren hatte und orientierungslos über den Zeltplatz irrte. Natürlich hätte ich mich nicht von ihm ficken lassen, wenn ich mein eigenes Zelt wiedergefunden hätte, weil er wirklich nicht mein Typ war, aber ich war besoffen und er echt nett, und dadurch ist die Sache meines Erachtens nach auch nicht verwerflich.

Ich habe in den meisten Fällen, in denen ich mit irgendjemandem gefickt habe, zwar nicht explizit ja gesagt, aber nein gesagt hab ich wie erwähnt eben auch nicht, außer bei der Sache mit dem Anpissen. Und die war im Nachhinein betrachtet auch gar nicht so schlimm, ich meine, er hat mir ja nur auf den Arsch gepisst und dabei nicht weh getan.

Die Fotografie stammt von Dainis Graveris
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Ausgespannt!Deine Freundin ist jetzt meine Freundin

Ich lernte Katha auf einer typischen Bauernparty am Rande meiner Heimatstadt kennen. Sie war groß, sie war hübsch, ihre langen schwarzen Haare wehten im nach billigen Bier und angekotzten Ecken riechenden Wind. Natürlich hatte sie einen Freund. Seit drei Jahren. Den Ferdinand. Der irgendwo bei der B...
Ausgespannt!Deine Freundin ist jetzt meine Freundin

Ausgespannt!

Deine Freundin ist
jetzt meine Freundin

Marcel Winatschek

Ich lernte Katha auf einer typischen Bauernparty am Rande meiner Heimatstadt kennen. Sie war groß, sie war hübsch, ihre langen schwarzen Haare wehten im nach billigen Bier und angekotzten Ecken riechenden Wind. Natürlich hatte sie einen Freund. Seit drei Jahren. Den Ferdinand. Der irgendwo bei der Bundeswehr war. Soldat. In der Kaserne. Oder im Krieg. Auf jeden Fall nicht hier. Bei ihr. Sein Pech.

Mein von Geburt an zu klein geratenes Gewissen schaltete um auf Fernsehgarten, als wir unseren johlenden Freunden um drei Uhr nachts den Rücken kehrten, um in der Wohnung ihrer etwas geistig behinderten großen Schwester die Sau raus zu lassen und uns beim einfallenden Mondlicht und etwas lallend ewige Liebe zu schwören. Darauf gleich noch einen.

Am nächsten Morgen platzte die Anzeige meines Handys. “Du hast dem Ferdi die Freundin ausgespannt? Alter…” war da zu lesen. “Du Held!”, sagten die einen, “Du Arsch!” die anderen. “Viel Glück!” ihre beste Freundin. Und damit meinte sie nicht unbedingt das Wohl unserer neu entfachten Liebe, sondern eher mein Körperliches. Denn Ferdi… naja, sagen wir es mal so: Selbst Betonwände sind für ihn kein Hindernis.

Ich könnte euch jetzt erzählen, wie ich ein paar Tage später seinen Fängen und dem im Anschlag gehaltenen Maschinengewehr, das wahrscheinlich eher ein krumm geratener Stock war, aber bei panischen Erlebnissen fantasiert man sich ja gerne etwas zusammen, nur knapp entkam, in Boxershorts zur nächsten Bushaltestelle rannte und eine verrückte Blumenlady um zwei Euro anbettelte.

Und wie der Hobby-Rambo heulend bei Katha anrief, um ihr seine ewige Liebe zu gestehen, und irgendwas von Hochzeit und Kindern stammelte und danach fast Selbstmord verübte, weil sie lachend auflegte und mir anschließend Nacktfotos von sich und ihrem Lieblingsteddy schickte. Aber das ist nicht der Rede wert, hielt unsere Beziehung doch gerade einmal drei Wochen.

Die Frage, die mich seit dieser einschneidenden Geschichte beschäftigt, eigentlich nicht so sehr, weil ich mein Gewissen irgendwann gegen vermeintlichen Internetruhm tauschte und sowieso in der Hölle landen werde, ist, wie schlimm es nun wirklich ist, einem anderen Menschen die Freundin auszuspannen? Wenn es ihr doch in der anderen Beziehung sicherlich ganz, ganz schlecht geht. Oder man sie viel, viel mehr liebt, als es der andere jemals könnte? Oder man einfach scheiße geil auf sie ist?

Oder sollte man sich der gesellschaftlichen Wut über das Thema ergeben und einfach abwarten, bis die Natur, oder in diesem Fall die Unbeständigkeit jedes Einzelnen, die Sache erledigt, damit man gleich nach der Trennung zuschlagen und die sexy Schulter zum Ausheulen bieten kann? Andererseits würde man mit einer aktiven Zerstörung einer anderen Beziehung die Sache doch nur beschleunigen, oder etwa nicht?

Ich habe Katha nach unserer Blitz-Liaison nur zwei Mal wieder gesehen. Beim ersten Mal erzählte sie mir von einer spontanen Analsexparty im Jeep ihres damaligen Chefs und seiner Freundin, beim zweiten Mal verkündete sie stolz auf dem Tisch einer Kneipe, dass Ferdi und sie im darauffolgenden Frühjahr in der kleinen Kapelle im Wald heiraten würden. Ich freute mich für die beiden. Ganz ehrlich.

Die Fotografie stammt von Lauren Richmond
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Mädchen in London: Ein Nachmittag mit Emily und Graziella

Klar, wir reden uns zwar immer ein, dass wir in Berlin die Krassesten wären, aber sind wir doch mal ehrlich: Im Gegensatz zu London ist die deutsche Hauptstadt nur ein Dorf, das einen auf großen Macker macht. Keine fette Skyline, kein Club, der's länger als zwei Jahre aushält, ohne das Berghain zu s...
Mädchen in London: Ein Nachmittag mit Emily und Graziella

Mädchen in London

Ein Nachmittag mit
Emily und Graziella

Daniela Dietz

Klar, wir reden uns zwar immer ein, dass wir in Berlin die Krassesten wären, aber sind wir doch mal ehrlich: Im Gegensatz zu London ist die deutsche Hauptstadt nur ein Dorf, das einen auf großen Macker macht. Keine fette Skyline, kein Club, der’s länger als zwei Jahre aushält, ohne das Berghain zu sein, und keine Szene, die es sich leisten kann, sich als solche zu bezeichnen.

In der britischen Megametropole London hängen stattdessen wirkliche Girlgangs ab, die die Abgase der überfüllten und belebten Straßen atmen und sich in illegalen Pubs die Nächte um die Ohren hauen. Graziella Pini und Emily O’Donnell sind zwei aussagekräftige Mitglieder dieser feministischen Gruppierungen und der Fotograf James Beddoes hat sie für einen Nachmittag begleitet.

„Graziella ist für eine Woche nach London gekommen, um Emily zu besuchen“, erzählt James uns über sein Shooting für Sticks & Stones. „Ich war zufällig auch da, also lud ich die beiden ein, mit mir abzuhängen und das Ganze auf Film zu bannen. Wir haben uns Musik angehört, tanzten herum und plötzlich war ich ein Mitglied in der coolsten Londoner Girlgang aller Zeiten.“

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Die Fotografie stammt von James Beddoes
Als Models sind Emily J O'Donnell und Graziella Pini zu sehen
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Space Dandy: Chaos im Weltall

Wer sich heute durch die schieren Massen an neuen Anime-Serien wühlt, der wird mit alten Klischees, ausgelutschten Ideen und lieblosem Stil nur so zugeworfen, hinfort ist die Magie, die Hingabe, die Seele, überall werden langweilige Kids in Parallelwelten gesogen, kleine Schwestern lassen ihre Unter...
Space Dandy: Chaos im Weltall

Space Dandy

Chaos im
Weltall

Marcel Winatschek

Wer sich heute durch die schieren Massen an neuen Anime-Serien wühlt, der wird mit alten Klischees, ausgelutschten Ideen und lieblosem Stil nur so zugeworfen, hinfort ist die Magie, die Hingabe, die Seele, überall werden langweilige Kids in Parallelwelten gesogen, kleine Schwestern lassen ihre Unterhosen blitzen und nervige Typen denken, sie müssten Randale machen.

Aber es gibt sie doch, die glänzenden Perlen, die reinen Meisterwerke, die sich versteckt als animierte Zeichentrickfilme auf gewissen Webseiten dieser Welt verstecken. Space Dandy ist eines von ihnen, ein auf vielerlei Ebenen funktionierendes Werkzeug, um so viele Emotionen wie möglich abzurufen, und das gekonnt und nie erzwungen.

Im Grunde reisen ein selbstverliebtes Arschloch, eine notgeile Katze und ein depressiver Staubsauger durch die Zukunft, um seltene Aliens zu fangen und sie zu Geld zu machen. Ja, es geht um wippende Brüste und dämliche Oneliner und machthungrige Endgegner, aber im Kern ist Space Dandy, „a dandy guy in space“, gezeichnete Hingabe, an alles, was toll ist.

Fast jede Folge ist eine WTF-Explosion. Und nicht etwa im lustig verrückten Japan-Style, mit Tentakeln und Schulmädchen und LOL-Kawaii-Hä-Momenten. Die Episode Auch Pflanzen sind Lebewesen zum Beispiel ist ein Fiebertraum aus Farben, Formen und Geräuschen, Morgen ist ein neuer Tag beweist sich als sympathische Hommage an Täglich grüßt das Murmeltier und Gefährte auf der Reise durchs All hat noch heute einen Platz tief in meinem Herzen, als gefühlvolle Achterbahnfahrt zwischen aufkeimender Hoffnung, überwältigender Trauer und endloser Einsamkeit.

Auch wenn dem Zuschauer vordergründig die kunterbunten Planeten, die gekochten Nudelsuppen und die intelligenzlosen Zombies nur so um die Ohren fliegen und so manche Geschichte mit dem Ableben der Protagonisten endet, spielt sich im Kopf des Publikums ein Theaterstück der Wenns und Abers ab, die auch unsere heutige Realität beeinflussen könnten.

Was wäre denn passiert, wenn auf unserer Erde ein Komet eingeschlagen wäre, der den Pflanzen ein Bewusstsein, den Wunsch nach Wissen, verschafft hätte? Wie würde eine Umgebung aussehen, in der purer Hass und ewig währender Krieg die letzte Option ist? Und was passiert, wenn alltägliche Maschinen plötzlich Leidenschaft entwickeln und Begierde empfinden?

Space Dandy ist das Prunkstück eines Genres, das jahrzehntelang von generischen Franchises zerfleischt und vom einfältigen Westen verniedlicht wurde. Wunderschön, klug und ideenreich, ohne jedoch überheblich wirken zu wollen, und dabei doch oft so flach, peinlich und witzig, dass man nichts außer purer Liebe empfinden kann. A melty, milky kiss.

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Die Illustration stammt von Bones und Kazé
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Alle unter einem Dach: Die perfekte Wohngemeinschaft

Eine Wohnung in Berlin zu finden, das ist ungefähr so einfach, wie in einem dieser Touriclubs einen guten Drink zu bekommen. Vom Letzteren lasse ich eh die Finger und greife lieber zum stillen Wasser, die Sache mit dem Dach über dem Kopf lässt sich aber nicht so einfach klären. Mit etwas Geschick kl...
Alle unter einem Dach: Die perfekte Wohngemeinschaft

Alle unter einem Dach

Die perfekte
Wohngemeinschaft

Leni Garibov

Eine Wohnung in Berlin zu finden, das ist ungefähr so einfach, wie in einem dieser Touriclubs einen guten Drink zu bekommen. Vom Letzteren lasse ich eh die Finger und greife lieber zum stillen Wasser, die Sache mit dem Dach über dem Kopf lässt sich aber nicht so einfach klären. Mit etwas Geschick klappt das aber früher oder später – aber wem erzähle ich das, ihr seid bestimmt Experten darin, euch beim Vermieter im frisch gebügelten Konfirmationsanzug einzuschleimen, Bürgschaften zu fälschen und eure Verdienstnachweise zu frisieren.

Was angesichts der tränen- und alkoholgetränkten Erzählungen etlicher Partybekanntschaften, WG-Traumata scheinen als Smalltalk-Thema der Shit zu sein, eher weniger zu funktionieren scheint, ist die Sache mit dem Zusammenwohnen. Sandkastenfreundschaften sind daran zerbrochen, kleine Kriege wurden zu großen Dramen und das alles nur, weil die Pragmatik des Zusammenwohnens den ein oder anderen an der Realität voller Geschirrberge und leerer Kühlschränke zerbrechen ließ. Doch es ist nicht unmöglich, die perfekte Wohngemeinschaft zu führen.

Der Dramaturgie halber wollte ich den Punkt Vertrauen eigentlich ganz am Ende aufführen und euch etwas Philosophisches mit auf den Weg geben, aber so verzweifelt, wie manch ein Wohnungs- und Mitbewohnersuchender ist, wird die Vertrauensfrage gern außer Acht gelassen – was oft sehr unschön und im großen Rumgeheule endet.

Schließlich wundert es niemanden, dass man auch mit einem vorbestraften Ex-Junkie Vorlieb nehmen würde, solange er die Kaution bezahlen kann. Schaltet euer Köpfchen ein, konsultiert das eigene Bauchgefühl und verlasst euch notfalls auf die Menschenkenntnis eurer Freunde, die ihr als Casting-Jury anheuern und sie mitentscheiden lassen könnt, wer ins WG-Recall kommt.

Machen wir doch gleich mit den unangenehmen Themen weiter, dann haben wir es hinter uns gebracht. Geld ist etwas, worüber man gerade unter Freunden nur ungern redet – aber sobald der Vermieter eine kleine Entschädigung dafür haben möchte, dass er euch ein Dach über den Köpfchen garantiert, wird es Zeit für Moneytalk.

Setzt euch am besten noch vor dem Einzug zusammen, rechnet alle monatlichen Ausgaben durch und teilt sie so auf, dass bei der Berechnung keiner das Gefühl hat, dem anderen dafür eine runterhauen zu müssen. Die so ermittelte Summe überweist einer dem anderen am besten per Dauerauftrag und schon könnt ihr euch wichtigeren Themen des Lebens widmen. Easy, oder?

Die Küche ist das Zentrum einer Wohngemeinschaft, und zwar nicht, weil sie manchmal knallpinke Wände hat, sondern weil hier Essen gehortet wird. Anfangs kann man sich zwar noch allein mit Tiefkühlpizza ernähren, aber irgendwann will man dann vielleicht doch erwachsen werden und sich etwas gesünder ernähren. Manche kaufen sich dann einen Dampfgarer und nennen ihn Ulf. Aber ich schweife ab.

Worauf ich hinauswollte: Wenn ihr gern zusammen kocht, richtet euch am besten eine WG-Kasse ein und kauft davon für alle ein. Ansonsten gilt: wenn du den verdammten Joghurt nicht gekauft hast, dann iss ihn nicht. Wenn du ihn denn doch unbedingt verfuttern musstest, kauf einen neuen und versuche, diesen nicht auch noch aufzuessen. Ausnahmen: Schokolade. Wenn du eine Ritter Sport Dunkle Nuss siehst, iss sie! Ohne Rücksicht auf Verluste.

Dass jeder sein Zimmer jeder so einrichten darf, wie er möchte, ist ja quasi im Grundgesetz verankert. Schwieriger wird es, wenn mehrere komplett verschiedene Welten aufeinanderprallen. Während so mancher, meist weibliche, Modefreak alle Ecken einer Wohnung als Schuhlager annektiert, sucht der andere womöglich verzweifelt nach einem geeigneten Platz für seinen noch nicht vorhandenen Riesensessel. Bei einem muss alles möglichst farblich passen, dem anderen ist wichtig, dass etwas seinen Zweck erfüllt.

Oft bringt man gefühlt hundert Möbelstücke aus seiner alten Wohnung mit, während der andere sich mit einem kleinen Schrank in seinem Zimmer zufrieden gibt. Wenn es bei euch aber weniger entspannt läuft und jeder unbedingt sein Lieblingsposter im Flur aufhängen möchte, hilft nur noch Verhandeln. Oder Würfeln. Ausgeklügelte Tauschgeschäfte schaffen Abhilfe: „Wenn du dieses hässliche Bild auf der Stelle verbrennst, lasse ich die Lavalampe nur noch sonntags an!“ So wurden schon Menschenleben gerettet.

Uuuuuh, ein ganz heikles Thema ist das Putzen. Spätestens dann, wenn einer zufrieden ist, solange er sich durch den Müllberg zur Tür graben kann und der andere einen Hygiene-Fimmel mitbringt. Oft wirft man sich dann gegenseitig Beleidigungen an den Kopf. Über unsere Mütter. Und andere fiese Sachen.

Dann hilt nur eins: Sich beruhigen, Tee gemacht und beschließen, die Aufgaben zu verteilen: Der eine wäscht dann womöglich ab und bringt den Müll raus, der andere schnappt sich regelmäßig den Staubsauger und putzt das Klo. Ihr könnt aber natürlich Putzpläne schreiben, euch Aufräumhilfe holen oder das alles anders klären – aber klärt es! Und zwar möglichst, bevor ihr wegen Geruchsbelästigung aus der Wohnung geworfen werdet.

So gern man seinen Mitbewohner auch mag, manchmal muss es einfach ein ruhiger Abend sein, an dem man Mädchenfilme guckt und sich die Nägel lackieren kann. Auf der anderen Seite ist der Mitbewohner bestimmt auch ganz froh, sich nicht von morgens bis abends das eigene Gelaber über die neuen Sneaker anhören zu müssen – zumindest solange es nicht um richtig tolle geht.

Und da wir jetzt alle erwachsen und mitten im Leben sind, wäre es gar nicht mal so übel, ein gewisses Takt- und Feingefühl dafür zu entwickeln, wann man einander das Herz ausschütteln kann und wann man den anderen lieber in Ruhe lassen sollte. Gilt übrigens auch für mitgebrachte Freunde, Spontanpartys in der Klausurphase und Sexytime, gepaart mit dünnen Wänden. Der andere wird es euch mit ewiger Liebe und Freundschaft danken und damit wären wir schon beim letzten Punkt angekommen.

Eigentlich überflüssig zu erwähnen, aber der Vollständigkeit halber muss es ja doch sein: fangt niemals, nie, nie und unter keinen Umständen etwas mit euren WG-Mitbewohnern an! Egal, wie heiß euch die neu eingezogene Schnitte an einem lahmen Sonntagabend erscheinen mag und wie sexy ihr eigentlich Bärte bei Männern findet: das alles könnt ihr euch auch bei Menschen holen, die nicht in euren Mietvertrag stehen.

Eigentlich ist es Wahnsinn, dass darin noch keine beidseitige Friendzone-Klausel verpflichtend eingeführt wurde, aber nachdem ich Horrorgeschichten von mitternächtlichen Liebeserklärungen zwischen Küche und Klo gehört habe – und von darauffolgenden überstürzten Auszügen – kann ich euch nur raten, von WG-Amore die Finger zu lassen. Ihr wisst ja: Wohnungen sind heutzutage wirklich schwer zu kriegen…

Die Fotografie stammt von Jason Briscoe
Der Text erschien in der Kategorie Leben mit den Themen
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Fernsehen statt Feiern: Partys sind scheiße

Es ist Samstagabend und ich sitze zu Hause vor dem Fernseher. Netflix & Chill, wobei das in meinem Fall bedeutet, dass ich auf der Couch fläze und mir einen schlechten Film nach dem anderen reinziehe. Ich habe heute bereits Magic Mike gesehen, Magic Mike XXL, und wenn es ihn gäbe, ich würde mir auch...
Fernsehen statt Feiern: Partys sind scheiße

Fernsehen statt Feiern

Partys sind
scheiße

Sophie Fischer

Es ist Samstagabend und ich sitze zu Hause vor dem Fernseher. Netflix & Chill, wobei das in meinem Fall bedeutet, dass ich auf der Couch fläze und mir einen schlechten Film nach dem anderen reinziehe. Ich habe heute bereits Magic Mike gesehen, Magic Mike XXL, und wenn es ihn gäbe, ich würde mir auch noch Magic Mike XXXXL ansehen.

Leuten im Kino oder TV beim Feiern, und sich ausziehen, zuzugucken, finde ich inzwischen wertvoller, als mir selbst vor Clubs die Beine in den Bauch zu stehen und 10 oder gar 15 Euro Eintritt dafür zu bezahlen, dass ich am nächsten Tag mit leerem Geldbeutel und immer schlimmer werdenden Katern aufwache. Obwohl ich wirklich nur drei Bier getrunken habe. Amazon Prime, Netflix und Sky Ticket sind für mich bessere Freunde, als es irgendwelche Partybekanntschaften jemals sein könnten und ich schäme mich auch nicht, das offen zuzugeben.

Hallo, mein Name ist Sophie und ich bin offiziell zu alt für wilde Partys. Zwar bin ich „erst“ 24 und stehe damit „in der Blüte meines Lebens“, zumindest wenn man nach meinen Eltern geht, die mir ständig erzählen, ich solle die Zeit, in der ich noch ungebunden bin und keine Kinder habe, genießen. Wie das gehen soll, wenn man wie ich zehn bis zwölf Stunden pro Tag im Büro hängt und in seiner „Freizeit“ bereits Pitches für die kommende Woche vorbereiten muss, haben sie mir allerdings nicht verraten.

Vielleicht geht das mit Kokain, aber wie ich auf der Weihnachtsfeier meiner Firma festgestellt habe, ist koksen leider nicht mein Ding. Ich wage auch zu bezweifeln, dass meine Eltern mit „ich solle die Zeit genießen“ meinten, dass ich drogensüchtig werden soll, um Job und Privatleben so unter einen Hut zu bekommen, dass ich meinen Enkelkindern später erzählen kann, was für ein irres Partyleben ich doch hatte, während ich ganz nebenbei Karriere machte, Sexismus bekämpfte und ihre Mutter großzog.

Es ist nicht so, dass Partys mir keinen Spaß machen oder ich Menschen so sehr hasse, dass ich am liebsten jeden Kontakt mit ihnen vermeide. Im Gegenteil, ich würde mich durchaus als geselligen Menschen bezeichnen, der gerne unterwegs ist, neue Leute kennenlernt und zu Musik jeglicher Genres die Hüften schwingt.

Mir mangelt es nur irgendwie an der Energie, die andere Menschen zu haben scheinen, wenn sie nach einem anstrengenden Tag im Job oder in der Uni noch losziehen, um sich die Nächte um die Ohren zu schlagen, statt es sich – wie ich – vor dem Fernseher bequem zu machen, um für einen Moment mal zu genießen, dass man absolut nichts tun muss, außer auf einen viereckigen Kasten zu starren und Channing Tatum dabei zuzusehen, wie er sich vor wild grölendem Publikum nackig macht.

Während es mir früher – und damit meine ich so das Alter zwischen 16 und 21 Jahren – absolut nichts ausgemacht hat, ein ganzes Wochenende lang wach zu bleiben und am nächsten Montag trotzdem wieder zumindest halbwegs fit in Schule oder Uni zu sitzen, reicht inzwischen ein Schlafdefizit von nur sechs Stunden aus, um mich in einen sozial unerträglichen Zombie zu verwandeln, dessen Augenringe schwärzer sind als der Kaffee, den ich mir reinballern muss, um meine Lider wenigstens halbwegs offen zu halten und nicht bei der Arbeit vor dem Rechner, morgens in der U-Bahn oder sogar auf dem Heimweg beim Laufen auf offener Straße einzuschlafen.

Vom dem Kater, der mich inzwischen heimsucht, wenn ich auch nur ein halbes Gläschen Wein zu viel getrunken habe, will ich lieber gar nicht erst anfangen. Wobei, will ich doch. Denn wenn ich früher nach langen Nächsten vielleicht mal mit einem etwas flauen Gefühl im Magen aufgewacht bin, das sich nach einer heißen Dusche und einem angemessenen Frühstück sofort wieder verflüchtigt hatte, fühlt sich der Tag nach etwas Alkoholkonsum für mich inzwischen an, als würde mich mein eigener Körper auf möglichst qualvolle Art vollenden lassen wollen.

Und das obwohl ich mich im Gegensatz zu früher mittlerweile eigentlich ganz gut ernähre und mir ein, zwei oder auch drei Drinks nun wirklich nichts anhaben sollten. Tun sie aber leider trotzdem. Mehr auf jeden Fall, als die komplette Tüte Chips, die ich so manchem Abend auf der Couch bereits verdrückt habe. Ich weiß, ich weiß. Aber abgesehen von den gelegentlichen Snacks vor dem Fernseher ernähre ich mich wirklich gut. Zumindest besser als noch vor wenigen Jahren.

Vielleicht ist das gerade auch nur „so eine Phase“, in der man eben mal so einen Durchhänger hat und weniger Zeit auf Partys und in Clubs verbringt als früher. Kann ja sein, dass ich in sechs Monaten bis einem Jahr wieder richtig Lust darauf bekomme, mir die Nächte um die Ohren zu schlagen, weil es mir neue Energie schenkt, statt sie mir zu rauben. Momentan aber fühle ich mich zu alt für diesen Kram. Das ist aber nicht weiter schlimm, denn eigentlich, muss ich sagen, gefällt mir mein Leben aktuell ganz gut.

Zwar muss ich mich manchmal vor anderen Menschen dafür rechtfertigen, dass ich die Zeit lieber alleine zuhause verbringe, als mit ihnen auszugehen, und mir wurde sogar schon ein paar Mal unterstellt, depressiv zu sein, ich kann euch garantieren, dass dem nicht so ist, aber ich fühle mich damit nun mal gerade wohl.

Ich bin, um ehrlich zu sein, sogar ziemlich froh, dass ich nicht zu diesen Leuten gehöre, die eine Party nach der nächsten nachjagen und vom dem ständigen Gefühl umgetrieben zu werden, etwas zu verpassen, wenn sie sich hier und dort nicht blicken lassen und dies und jenes nicht auch noch mitnehmen.

Das Einzige, was ich verpasse, sind schlaflose Nächte, Alkohol– und Drogenexzesse, die mit fiesen Katern enden und One-Night-Stands, auf die man im Nachhinein betrachtet doch hätte verzichten können, weil sie mir nichts gebracht haben außer Angst, mich mit einem Tripper infiziert zu haben. Und das sind jetzt wirklich nicht die Dinge, auf die ich sonderlich viel Wert lege. Da nutze ich meine Freizeit dann doch lieber, um die Füße hochzulegen, mich von meinem anstrengenden Alltag zu erholen und all die Serien zu bingen, die ihr sehen würdet, für die euch aber vor lauter Feierei die Zeit fehlt.

Die Illustration stammt von Icons8
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Sport ist Mord: Ich scheiterte an der Bosstransformation

Kind, was ist denn mit dir passiert? Du siehst aber nicht gut aus! Das waren die ersten Sätze, die meine Mutter zu mir sagte, nachdem wir uns fast ein halbes Jahr lang nicht gesehen hatten. Sie besuchte mich gerade das erste Mal in meiner Wahlheimat Berlin, seit ich hergezogen war, und statt sich...
Sport ist Mord: Ich scheiterte an der Bosstransformation

Sport ist Mord

Ich scheiterte an der Bosstransformation

Sophie Fischer

„Kind, was ist denn mit dir passiert? Du siehst aber nicht gut aus!“ Das waren die ersten Sätze, die meine Mutter zu mir sagte, nachdem wir uns fast ein halbes Jahr lang nicht gesehen hatten. Sie besuchte mich gerade das erste Mal in meiner Wahlheimat Berlin, seit ich hergezogen war, und statt sich zu freuen, dass ich überhaupt noch lebte und offensichtlich nicht irgendwelchen Drogenhändler und Vergewaltigern zum Opfer gefallen war, beschwerte sie sich über mein äußeres.

Dabei sah ich gar nicht so scheiße aus. Ich hatte mir weder die Nächte um die Ohren geschlagen, noch die Haare bunt gefärbt, mir nichts ins Gesicht tätowieren lassen und blutunterlaufene Augen, wie sie mein kiffender Mitbewohner manchmal hat, konnte ich auch nicht bieten. Das Einzige, das sich verändert hatte, seit ich mein bescheidenes Dorf verlassen hatte, war mein Gewicht.

Seit meine Mutter und ich uns das letzte Mal gesehen hatten, hatte ich zwanzig Kilo zugenommen. Was ich nicht weiter verwunderlich finde in einer Stadt, in der es an jeder Ecke einen Dunkin‘ Donuts gibt und frittierte Kichererbsenbällchen mit Erdnusssoße für 2,50 Euro. Von den Pizzastücken, die einem hier regelrecht hinterhergeworfen wurden, ganz zu schweigen. Und den Versuchungen, die um 3 Uhr nachts in einem Spätkauf auf dich warten. Okay, ich sah fett aus. Aber fett ist nicht gleich scheiße!

Nichtsdestotrotz wurde mir nach der Bemerkung meiner Mutter klar, dass ich schleunigst etwas ändern musste. Meine Kondition hatte nachgelassen. Und ich seit bestimmt zwei Monaten die immer gleiche Jogginghose spazieren getragen, weil mir nichts anderes mehr passte, ich aber auch nicht zum Kleidung kaufen kam. Ich war einfach mit wichtigeren Dingen beschäftigt gewesen. Essen zum Beispiel.

Es blieb ja auch nicht bei diesem einen Seitenhieb von ihrer Seite. Da kamen noch ungefähr 100 mehr, die ich jetzt nicht alle rezitieren möchte. 100 pro Tag, versteht sich. Und sie alle deuteten mehr oder minder subtil an, dass ich richtig, richtig fett geworden war. Genau genommen sprechen wir von 78 Kilo bei einer Körpergröße von nur 1,60 Meter. Wie das aussieht, könnt ihr mit Sicherheit erahnen.

Ich ließ mir nachdem meine Mutter wieder abgereist war allerdings noch etwas Zeit mit der Suche nach einem geeigneten Diätprogramm. Oder, wie man es heute nennt: Ernährungsumstellung. Um ehrlich zu sein vergaß ich es komplett, bis ich auf einen Artikel in der Vice stieß, in der jemand die „Bosstransformation“ machte. Nennt mich ungebildet, aber ich hatte bis dato noch nie etwas von Kollegah gehört und bin mir sicher, dass er auch zukünftig nicht auf Heavy Rotation bei mir laufen wird. Vor allem nicht, seit ich herausfinden musste, dass der Typ offenbar Antisemit ist. Aber das Programm machte mich neugierig. Boss sein klingt nach etwas, das mir gefallen könnte.

Leider stellte sich sehr schnell heraus, dass das Programm einzig und allein auf Männer abzielte. Ich wäre wirklich gerne die erste Frau geworden, die prominent auf der Website der Bosstransformation gefeatured wird, war dann aber doch zu einschüchtert von den ganzen aufgepumpten Typen, die ich dort vorfand.

Meine Recherche führte mich weiter zur Influencerin Sophia Thiel, die ein eigenes Fitnessprogramm entwickelt hat und verkauft. Aber auch das konnte nicht ködern. Ich fand, dass es schlicht und ergreifend zu anstrengend für mich aussah. Ich bin eine verdammte Kugel, die meisten dort vorgestellten Fitnessübungen sind für mich nicht einmal ansatzweise ausführbar.

Schließlich stieß ich auf das „Bikini Bootcamp“ von Silke Kayadelen, die dem ein oder anderen aus der Sendung The Biggest Loser bekannt sein dürfte. Es versprach mir eine ganze Kleidungsgröße kleiner in nur drei Wochen. Sowohl das vorgeschriebene Ernährungs-, als auch das Sportprogramm sahen für mich machbar aus. Also kaufte ich mir hochmotiviert für 60 Euro einen Zugang zum Onlinekurs und legte los.

Tag 0 ist sogenannter Cleaning Day. Warum der so heißt, wird mir am späten Nachmittag bewusst. Mein Körper entledigt sich ohne mein weiteres Zutun auf allen Wegen die ihm zur Verfügung stehen sämtlicher Nahrung, die ich gestern und heute zu mir genommen habe. Nicht unbedingt das, was ich mir von so einem Programm erwartet hätte, aber hey, es gibt mehr als genug Leute, die sich regelmäßig den Finger in den Hals stecken und zu Abführmittel greifen, um schlank zu werden oder bleiben.

Umso besser, dass man den gleichen Effekt offenbar mit einem einfachen grünen Smoothie erzielen kann. Der Fitnesscheck, den man vor Beginn des Programms durchführen soll ergibt, dass ich sportlich eine totale Niete bin und meine Maße – auch die soll man an Tag 0 auf den Millimeter genau ausmessen – naja, reden wir nicht weiter drüber.

Bereits an Tag 1 des Programms bestätigt sich, was gestern bereits der Fitnesscheck ergeben hat: Ich bin der unsportlichste Mensch der Welt. Insgesamt investiert man pro Tag rund eine Stunde in Bewegung. Man macht Silke Kayadelen einfach alles nach, was sie einem in ihren Videos vorturnt und erwacht am nächsten Morgen mit dem Muskelkater des Todes.

Insgesamt ist das Programm aber machbar und ich sterbe nicht, wie vermutet, fast an einem Lungenkollaps oder allgemeiner Erschöpfung. Das Essen aus dem dazugehörigen Kochbuch schmeckt erstaunlich gut. Lediglich Kopfschmerzen, die angeblich vom Zuckerentzug her rühren, machen mir die ersten beiden Tage etwas zu schaffen. Im Verlauf der Woche wird es besser und auch wenn ich merke, dass mir Squats, Planks und Dips von Tag zu Tag leichter fallen – eine spaßige Freizeitaktivität sieht für mich anders aus.

Montag ist Wiegetag. Der Check nach einer Woche intensivem Training und strengem Einhalten des vorgegebenen Ernährungsplans ergibt, dass ich nach zwei Wochen gerade einmal 300 Gramm abgenommen habe. Ich bin enttäuscht und irgendwie entmutigt. Ich hatte mir als Zwischenergebnis irgendwie etwas anderes erhofft und einen Verlust von mindestens einem Kilo erwartet. Vor allem, da ich im Gegensatz zu sonst wirklich diszipliniert war und nicht im Übermaße Essen in mich hineinstopfte.

Dennoch mache ich weiter mit dem Programm. Ich merke allerdings, dass meine Motivation ob des geringen Gewichtsverlusts in der ersten Woche deutlich nachgelassen hat und werde schludriger. Zwar halte ich mich weiterhin an den Trainingsplan, gönne mir aber am Wochenende mit einer Freundin ein paar Drinks, obwohl Alkohol während des Programms eigentlich verboten ist.

Ich gebe in der dritten Woche auf. Mein Gewicht stagniert und ich habe keine Lust mehr, mich weiterhin zu quälen. Natürlich weiß ich, dass es meine eigene Schuld ist, weil ich konsequenter hätte sein müssen, aber wenn ich nicht sehr schnell große Ergebnisse sehe, verliere ich eben die Lust an der Sache. Dann doch lieber fett und Spaß dabei.

Das Programm scheint zwar vielen Menschen beim Abnehmen geholfen zu haben und sogar Spaß zu machen, aber mir persönlich war es dann doch zu viel Qual. Wenn man sich nicht ganz genau an die Vorgaben, ist alles für die Katz, und ich bin ein zu freiheitsliebender Mensch, als mir von irgendjemandem sagen zu lassen, was ich essen soll und wie ich mich zu bewegen habe, nur um dünn zu sein. Es muss eben auch fette Menschen geben auf dieser Welt. Nun gehöre ich zu diesem Kreis. Bevor ich mich weiterhin mit Squats, Planks und Dips quäle, lerne ich lieber, meinen Körper zu akzeptieren, auf die Kommentare meiner Mutter zu scheißen und meine Nachmittage im Dunkin‘ Donuts zu verbringen.

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Selbstbefriedigung: Wann hast du zum ersten Mal masturbiert?

Es ist manchmal richtig traurig, einsam zu sein und niemanden zu haben, mit dem man es sich im Bett gemütlich machen kann, um sich gegenseitig die Genitalien zu reiben, während nebenher eine mittelmäßige Netflix-Serie läuft und die vorhin bestellte Pizza kalt wird. Zum Glück kann man aber auch allei...
Selbstbefriedigung: Wann hast du zum ersten Mal masturbiert?

Selbstbefriedigung

Wann hast du zum ersten
Mal masturbiert?

Nadine Kroll

Es ist manchmal richtig traurig, einsam zu sein und niemanden zu haben, mit dem man es sich im Bett gemütlich machen kann, um sich gegenseitig die Genitalien zu reiben, während nebenher eine mittelmäßige Netflix-Serie läuft und die vorhin bestellte Pizza kalt wird. Zum Glück kann man aber auch allein genügend Spaß haben – und anschließend sogar noch die Pizza verputzen.

Wir werden ja ständig von den Medien darüber aufgeklärt, dass auch Frauen inzwischen das Masturbieren für sich entdeckt haben, und wer weiß, vielleicht erfindet ja bald jemand ein vibrierendes Gerät, mit dem sich Klitoris und G-Punkt stimulieren lassen, damit wird uns vor lauter Selbstbefriedigung nicht versehentlich eine Sehnenscheidenentzündung zuziehen.

Aber genug schlechte Witze für heute. Wir haben unsere Leser gefragt, wann sie das erste Mal masturbiert haben. Fünf von ihnen haben interessante Antworten gegeben. Vielleicht könnt ihr euch davon ja etwas abgucken, bis ihr jemanden gefunden habt, der eure Genitalien für euch streichelt und danach mit euch die übrig gebliebene Pizza isst.

Jana

Jana, 20, lesbisch

Mit 16. Meine damalige Freundin hat mir gezeigt, wie es geht. Sie hat meine Hand genommen und sie über meine Schamlippen und den Kitzler wandern lassen. Ich weiß nicht, ob man das jetzt wirklich als Selbstbefriedigung bezeichnen kann, aber erst danach hab ich angefangen, es mir regelmäßig selbst zu machen.rüste

Mark

Mark, 26, hetero

Ich war noch sehr jung, vielleicht so sieben oder acht Jahre alt. Mein Vater hatte mich in die Badewanne gesteckt, und da hab ich angefangen, an meinem Schwanz herumzuspielen unter Wasser. Ich glaube, das war alles von Schaum verdeckt, jedenfalls hat mein Vater das nicht mitgekriegt, und ich wusste auch nicht, dass ich da gerade etwas „Verbotenes“ tue.

Irgendwann hat er mich dann rausgeholt und abgetrocknet und weil ich noch immer nackt war, hab ich mit einer Hand meine Vorhaut vor und zurück geschoben. Das hat mein Dad dann natürlich mitbekommen und mich gefragt, was ich da mache. Ich hab ihm gesagt, dass sich das gut anfühlt und da ist er ganz rot angelaufen und auch richtig sauer geworden.

Ich musste wegen diesem Vorfall sogar zwei Wochen lang meinen Gameboy abgeben. Als kleines Kind raffst du ja auch nicht, dass das irgendwie verwerflich ist, sich so am Pimmel rumzuspielen, aber naja. Mit 13 oder 14 hab ich dann wieder angefangen, mich auf die Art zu befriedigen, aber ich hab immer drauf geachtet, dass bloß keiner zuhause ist.

Zeynep

Zeynep, 21, bisexuell

Ich komme aus einer sehr großen Familie und hab mir mit meiner älteren Schwester lange ein Zimmer teilen müssen. Sie ist vier Jahre älter als ich, und einmal hab beim Spielen ihren Vibrator gefunden. Okay, ich hab unter ihrem Bett geschnüffelt, was sie da versteckt hält, aber zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass ich nicht damit gerechnet hatte, Sexspielzeug in dem Schuhkarton den sie da stehen hatte zu finden, sondern eher Liebesbriefe von irgendwelchen Verehrern oder irgendwelche Poster von Zac Efron, die ihr einfach zu peinlich zum Aufhängen waren.

Jedenfalls stieß ich dabei auf einen Vibrator, so einen ganz Kitschigen in rosa, aber jetzt auch nichts Besonderes, also kein Markenvibrator, sondern was eher Billiges. Ich wusste natürlich, was das war, und auch wenn ich’s damals schon relativ eklig fand, mir etwas einzuführen, das meine große Schwester schon in sich hatte, war die Neugier am Ende stärker als mein Ekel.

Also hab ich ihn mir reingeschoben. Aber nur für drei oder vier Minuten, weil ich dann Angst bekam, meine Schwester könne ins Zimmer kommen und mich mit ihrem Vibrator in der Mumu erwischen. Ich hab ihn dann schnell an meinem Bettlaken abgewischt und zurück in den Schuhkarton gestopft. Sie weiß bis heute nichts davon, ist aber auch besser so.

Elvira

Elvira, 23, asexuell

Die meisten Leute denken, dass ich überhaupt nicht masturbiere, dadurch, dass ich ja asexuell bin. Das stimmt aber nicht. Ab und zu überkommt es mich doch, und dann mache ich es mir auch selbst. Allerdings hab ich glaube ich viel später mit Selbstbefriedigung angefangen als andere. Ich war schon 17, als ich zum ersten Mal Hand an mir anlegte und es war auch nicht sonderlich aufregend. Ich hab eben meinen Kitzler gerubbelt und versucht, mich mit der anderen Hand zu fingern, aber das ging nur so semi-gut.

Das war, nachdem ich mit meinen Freundinnen das erste Mal ganz offen über Selbstbefriedigung geredet habe und die mir eben erzählt hatten, wie sie es sich machen und wie sich das davon unterscheidet, wenn ihre Partner oder Partnerinnen das machen. Ich hatte damals auch noch keinen Sex gehabt, irgendwie war schon klar, dass mich das nicht so interessiert, obwohl ich damals noch nicht wusste, dass es sowas wie Asexualtität überhaupt gibt.

Jedenfalls hab ich dann einfach das gemacht, was die mir so erzählt haben beziehungsweise was ich halt aus der Bravo so wusste, und ich weiß auch, dass ich davon feucht geworden bin, aber so richtig gekickt hat es mich eben nicht. Meine Freundinnen haben mir dann zum 18. Geburtstag einen Vibrator geschenkt, das machen glaube ich ganz viele so, und das fand ich auf jeden Fall besser.

Inzwischen hab ich raus, wie ich mich gut selbst befriedigen kann, und ich mach es auch ganz gerne, aber ich muss eben auch echt Lust drauf haben. So aus Langeweile zu masturbieren oder so, wie andere manchmal erzählen, das gibt es bei mir nicht. Da guck ich ganz ehrlich lieber zum zwanzigsten Mal den gleichen Film auf Netflix.

Ole

Ole, 19, schwul

Mein erstes Mal war recht klassisch, glaube ich. In meiner Klasse wurden heimlich Schmuddelheftchen rumgereicht, und man hat die dann halt mit nach Hause genommen um sie anzusehen, weil die einem in der Schule sofort weggenommen wurden, wenn man damit erwischt wurde. Da war ich glaube ich so 13. Es waren auf alle Fälle Zeitungen mit lauter nackten Frauen drin, richtig explizit, mit gespreizten Beinen, man konnte wirklich alles sehen.

Abends hab ich dann versucht zu wichsen, also Schwanz anfassen, hoch und runter reiben, halt was die anderen Jungs, die das schon ausprobiert hatten zu diesen Heften, so erzählt haben, wie sie das so machen. Ich wusste ja auch schon so vom Fummeln beim Duschen, dass sich das irgendwie gut anfühlt, nur so richtig klappen wollte das mit der Wichserei dann nicht zu diesen Bildchen. Hat dann noch drei Jahre gedauert, bis ich gemerkt hab, dass ich einfach nicht auf Frauen steh‘, weil ich bei der Selbstbefriedigung später immer an Gerard Butler denken musste.

Die Fotografie stammt von CBS
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Das Buschmädchen: Ich habe Achselhaare und bin stolz darauf

Seit etwa zwei Monaten lasse ich nun schon meine Achselhaare wachsen. Okay, das war zunächst keine bewusste Entscheidung, ich war vielmehr zu faul zum Rasieren. Zwischen den Beinen trage ich schon lange einen Busch und, ganz ehrlich, die Kerle stehen darauf. Vielleicht, weil sie so das Gefühl hab...
Das Buschmädchen: Ich habe Achselhaare und bin stolz darauf

Das Buschmädchen

Ich habe Achselhaare
und bin stolz darauf

Nadine Kroll

Seit etwa zwei Monaten lasse ich nun schon meine Achselhaare wachsen. Okay, das war zunächst keine bewusste Entscheidung, ich war vielmehr zu faul zum Rasieren. Zwischen den Beinen trage ich schon lange einen Busch und, ganz ehrlich, die Kerle stehen darauf.

Vielleicht, weil sie so das Gefühl haben, ihren Schwanz in eine richtige Frau zu stecken, und die sind nun mal untenrum behaart. Jetzt kräuselt sich auch unter meinen Armen was und ehrlich: Ich finde es ziemlich geil. Es spart mir nicht nur unheimlich viel Zeit im Bad, sondern sieht auch noch echt sexy aus. Finde ich.

Meine Freundinnen nennen den kleinen aber gut gestutzten Busch unter meinen Armen „mutig“. Sie selbst sind alle glattrasiert und irgendwie gehört sich das ja auch so. Sagt zumindest die Gesellschaft. Ich zumindest habe noch keine Frau in einer dieser möchtegern-glamourösen Zeitschriften gesehen, die nicht kahl unter den Armen war. Und obendrein auch noch sämtliche Poren und Fältchen aus den Achsel heraus retuschiert bekommen hätte.

Manchmal geht das sogar so weit, dass am Ende gar keine Achsel mehr übrig ist. Mittlerweile scheint das gar nicht mehr zu den Photoshop-Fails zu gehören, sondern ganz normal zu sein. Versteh ich. Achseln sind ja an sich auch irgendwie eklig. Mich würde zumindest niemand dazu bekommen, die eines fremden Menschen abzulecken. Wobei ich gehört habe, dass es Leute geben soll, die dafür sogar eine Menge Geld bezahlen. Also, um anderen Menschen mal kräftig durch die Achselhöhle zu lecken und am besten dabei auch noch ganz viel Schweiß mit der eigenen Zunge aufzusammeln.

So hat jeder eben seinen eigenen Fetisch und meiner ist seit kurzem eben Achselhaare. Bei Männern befand ich rasierte Achseln schon immer für einen riesigen Abturner. Ebenso wie komplett rasierte Gesichter, Bäuche oder Genitalien. Nur an den Eier ist’s okay für mich. Also die Ganzhaarentfernung, wenn man das so nennen will.

Wobei es mir ein großes Rätsel ist, wie man das überhaupt hinbekommt als Kerl. Die meisten zucken ja schon zusammen, wenn man an den Eiern nur sanft zupackt. Wie das aussieht, wenn sie mit einem scharfen Rasierer an den Genitalien vor dem Badezimmerspiegel stehen, will ich mir lieber gar nicht vorstellen.

Seit Neustem mag ich aber auch behaarte Mädchen. Also Mädchen, die unter den Armen nicht rasiert, epiliert und gewachst sind. Leider gibt es davon noch immer viel zu wenige, und ich glaub, ich weiß, woran das liegt.

Kürzlich habe ich von einer Party mal wieder einen Mann mit nach Hause geschleppt – und ich weiß, was ihr jetzt denkt: „Jaja, Nadine, die kleine Bitch, erzählt uns wieder ihre Sexgeschichten“, und ja, das stimmt, denn ich weiß, ihr hört, beziehungsweise lest, sie gern!

Ich habe also einen Mann mit nach Hause geschleppt, weil ich derbe Bock aufs Ficken hatte. Und ehrlich: ich liebe ficken, ihr liebt ficken, fast jeder Mensch liebt ficken, also lasst uns einfach ficken sagen. Aufgerissen habe ich ihn in einem dieser kleinen, schäbigen Clubs in Friedrichshain, die viel zu schlechte Musik spielen und trotzdem immer so überfüllt sind, dass fast kein Platz zum Tanzen bleibt.

Er war einer dieser großen, dürren Typen mit Brille und Vollbart, Karohemd und viel zu engen Jeans, die Schuhe bereits abgeranzt, der Jutebeutel voller Flecken von selbstgemischtem Mexikaner, von dem er eine Flasche mit den in Club geschmuggelt hatte. Ich mag diese Art von Jungs sehr gern. Sie halten sich für besonders cool, sind aber eigentlich bloß ein Klischee. Und vermutlich sagen sie das Gleiche über mich.

Nachdem wir also eine Weile im Club geknutscht hatten und ich seinen Ständer mehr als nur erahnen konnte, schleppte ich ihn mit in meine Wohnung. Dort wurde direkt weiter geknutscht und der restliche Mexikaner geleert. Als es dann zur Sache ging, er mir ungeschickt mein enges Shirt über den Kopf zog und dabei meine Achselhaare zum Vorschein brachte, war es mit der sexuellen Stimmung auf seiner Seite gleich vorbei.

„Du bist nicht rasiert“, sagte er. „Stimmt“, antwortete ich, „findest du das etwa schlimm?“ „Alter, das ist mega eklig. Dabei wirkst du sonst nicht ungepflegt.“ Man stelle sich das Szenario an dieser Stelle bildlich vor: Ein Typ mit abgeranzten Schuhen und einem Jutebeutel, auf dem sich vermutlich mehr Flecken der verschiedensten Flüssigkeiten befanden, als Sasha Grey während ihrer ganzen Karriere jemals im Gesicht und in den Haaren hatte, wollte mir gerade erzählen, ich sei ungepflegt, weil ich meine Achseln nicht rasierte.

„Du hast nicht zufällig ’nen Rasierer da?“, fragte er. „Wenn du die kurz wegmachen würdest, dann könnten wir hier weiter machen.“ In dem Moment war klar: Es musste etwas wieder weg. Das waren allerdings nicht meine Achselhaare, sondern der Typ, den ich hier gerade vor mir hatte.

Wer aufgrund ein paar feiner Härchen keinen mehr hoch bekommt, kann auch sonst keine Granate im Bett sein. Glaube ich. Meine Exfreunde und –freundinnen zumindest hat es nie davon abgehalten, mich zu ficken, wenn ich mal keine Lust hatte, mich zu enthaaren. Egal wo.

Das ist mir danach, zumindest so ähnlich, noch zwei weitere Male passiert und ich vermute, das ist genau der Grund, weshalb sich die meisten Mädchen, die zumindest mal mit Achselbehaarung experimentiert haben, früher oder später wieder von ihnen trennten.

Ich plädiere an dieser Stelle allerdings ganz klar für behaarte Achseln bei Mädchen und Frauen! Ob als feministisches Statement, um die Typen, die euch auf der Straße immer eklig hinterher pfeifen, verstummen zu lassen oder einfach nur, weil ihr es geil findet: Lasst die Haare dort ruhig stehen. Und an den Beinen gerne auch.

Niemand wird gerne als ungepflegt bezeichnet, auch wenn so ein paar Haare mit Sicherheit kein Anzeichen von Unreinlichkeit oder gar grober Fahrlässigkeit bei der Körperpflege sind. Sie sind eben einfach da. Letzten Endes hat es niemanden zu interessieren, warum ihr euch rasiert oder nicht. Schon gar keine creepy dudes, die euch nur mal an das feuchte Höschen wollen. Und es gibt ja auch noch Leute, wie mich zum Beispiel, die sich an unrasierten Mädchenachseln durchaus erfreuen.

Die Fotografie stammt von Billie
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City Pop: Japanische Discohits

Wen auch immer ihr musikalisch in den Achtzigern gefeiert habt, egal ob Nena, Billy Ocean oder Rick Astley, denkt noch mal über eure Lieblingsstücke nach, denn die wahren Mensch gewordenen Schätze ertönten ganz im Osten der Welt aus den Autoradios der Tokioer Innenstadt und heißen Momoko Kikuchi, Ta...
City Pop: Japanische Discohits

City Pop

Japanische
Discohits

Marcel Winatschek

Wen auch immer ihr musikalisch in den Achtzigern gefeiert habt, egal ob Nena, Billy Ocean oder Rick Astley, denkt noch mal über eure Lieblingsstücke nach, denn die wahren Mensch gewordenen Schätze ertönten ganz im Osten der Welt aus den Autoradios der Tokioer Innenstadt und heißen Momoko Kikuchi, Tatsuro Yamashita und Mariya Takeuchi.

Die heute oft als Golden Idols in die Geschichte eingegangenen Schönheiten trällerten Texte über Liebe, Freundschaft und Weltschmerz über rosa poppige Discomusik. Die Devise war: Wer Stress machte, flog raus. Erfolg hatten nur diejenigen, deren Hits wahrlich leicht waren. Musikalisch wie textlich. Experimente waren Nische, der City Pop florierte in seiner vollen Pracht.

Wer mehr über die japanischen Meisterwerke der Achtziger Jahre erfahren möchte, der darf sich gerne zuerst diesen großartigen Artikel hier auf Electronic Beats durchlesen und anschließend in die Untiefen des noch viel großartigeren Blogs JPOP80SS eintauchten. Dort findet ihr nämlich (fast) jedes Album, das auch nur irgendeine Relevanz in Sachen City Pop hat. Sugoi desu ne!

City Pop: Japanische Discohits
Die Fotografie stammt von VAP
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Rache muss weh tun: Wenn du mir mein Herz brichst, breche ich dir dein Arschloch

„Wenn dir jemand das Herz bricht, dann brich ihm die Beine“, lautet ein zynisch illustrer Spruch, den man frisch Verlassenen gerne mit auf den Weg gibt. Als seelische Stütze, mit einem gut gemeinten Augenzwinkern hinterher. Schwachsinn, sage ich. Wenn jemand dein Herz fickt, dann ficke ihn. Aber so...
Rache muss weh tun: Wenn du mir mein Herz brichst, breche ich dir dein Arschloch

Rache muss weh tun

Wenn du mir mein Herz
brichst, breche ich dir
dein Arschloch

Nadine Kroll

„Wenn dir jemand das Herz bricht, dann brich ihm die Beine“, lautet ein zynisch illustrer Spruch, den man frisch Verlassenen gerne mit auf den Weg gibt. Als seelische Stütze, mit einem gut gemeinten Augenzwinkern hinterher. Schwachsinn, sage ich. Wenn jemand dein Herz fickt, dann ficke ihn. Aber so richtig. In den Arsch.

Ungefähr drei Monate ist es jetzt her, dass mein Freund mit mir Schluss gemacht hat, weil er ein nettes, braves und nicht so anstrengendes Mädchen kennengelernt hat. Natürlich war ich stinksauer und wünschte ihr die Pest an den Hals. Jeden Morgen, jeden Abend, jede Nacht. Bis ich merkte, dass der Fehler gar nicht bei ihr liegt, sondern bei ihm.

Die Sache mit den netten, braven und nicht so anstrengenden Mädchen ist nämlich die: Sie sind auch im Bett oftmals sehr nett und brav. Da werden nicht einfach mal so Fäuste in die Muschi gesteckt und ins Gesicht spritzen geht auch nicht klar. Mein Ex hatte sich jedoch dafür entschieden, statt der versauten Rotzgöre, die ihr Sexleben mit Vorliebe dem Internet erzählt, eines der lieben Mädchen seine neue Freundin zu nennen.

So kam es, dass er zwar echt verliebt, jedoch auch sexuell frustriert wurde und begann, mich mit den perversesten Nachrichten, die ich je in meinem Leben erhalten hatte, zu bombardieren. Und ich habe schon viele perverse Nachrichten in meinem Leben bekommen, schließlich mache ich ja auch keinen Hehl daraus, dass ich auf so etwas stehe.

Ich hatte mit dem Typen, von dem ich Dinge wusste, die die Grenzen des guten Geschmacks und sozialen Verständnisses leicht sprengten, bereits alles gemacht – von mehr oder weniger leckeren Golden Showers bis hin zur fast schon klinisch anmutenden Prostatamassage fehlte nichts, außer einer klitzekleinen Sache: dem gepflegten Fick mit einem Strap-On.

Eigentlich ficke ich damit nur Mädchen. Ich genieße es sehr, meinen großen, harten Gummischwanz in ihre feuchten Mösen zu schieben und sie beim Kommen zu beobachten, während ich sie zärtlich ficke und mit der Zunge ihre Nippel lecke. Mir geht dabei so richtig einer ab und ganz oft wünsche ich mir, einen richtigen Schwanz zu haben. Ich glaube nämlich, dass es ziemlich geil sein muss, wenn man am Schwanz spürt, wie feucht das Mädchen, das da unter einem liegt, eigentlich ist und wie sich die Muskeln in ihrer Muschi zusammen ziehen, wenn sie einen Orgasmus hat.

Männer damit in den Arsch zu ficken gibt mir eigentlich nichts. Zumindest gab es mir nichts, bis ich es ausprobierte. Ich dachte immer, ich sei nicht der Typ, der andere gerne erniedrigt. Bis… naja, bis ich meinen Gummischwanz in das bis dato jungfräuliche Arschloch meines Exfreundes steckte. Oder in mein Arschloch von Exfreund. Im Prinzip kann man es nennen, wie man will.

Mein Ex hatte meinen fast schon episch anmutenden Strap-On schon häufiger bewundert und ich glaube, insgeheim ist er auch heute noch neidisch darauf, dass ich selbst entscheiden kann, wie groß mein Schwanz ist. Und dass ich natürlich immer einen hoch kriege, was bei ihm leider nicht immer der Fall war.

Manchmal trug ich den ledernen Harnisch auch für ihn und ließ ihn an meinem großen, schwarzen Schwanz saugen, doch gefickt habe ich ihn damit nie. Wie gesagt, Erniedrigung ist eigentlich nichts für mich – und es gibt ja wohl kaum etwas Erniedrigenderes für einen Mann, als sich nackt vor ein Mädchen zu knien und sich von einem Gummischwanz, der größer und härter ist als der eigene, penetrieren zu lassen.

Es war ein Freitagmorgen und ich saß gerade mit meiner Mitbewohnerin im Wohnzimmer, um mir mit ihr alte „Buffy“-Folgen anzusehen, als mich seine WhatsApp-Nachricht erreichte: „Wir sollten es noch mal treiben, Baby. So richtig dreckig. Anspucken. Anpissen. Fisten. Und ich will, dass du mich mit dem Strap-On fickst.“

Meine erste Reaktion darauf war ein lautes Lachen, hatte er doch am Tag zuvor zu mir gesagt, dass er mich nicht mehr ficken will, weil er jetzt dieses Mädchen hat. Mein zweiter Gedanke war: Ich tu’s. Natürlich hätte ich seinen Schwanz gerne in mir gehabt, alleine um zu beweisen, dass ich viel geiler bin als „dieses Mädchen“, das den Begriff Deepthroat vermutlich nur aus dem Urban Dictionary kennt, wenn überhaupt.

Dass er jetzt jedoch angekrochen kam und wollte, dass ich meinen Schwanz in ihn stecke, machte die Sache noch viel spannender. Meine Mitbewohnerin saß derweil da und wusste nicht so genau, ob sie mich jetzt anfeuern oder aufhalten sollte – immerhin hatte mir der Typ aufs Übelste das Herz gebrochen und bei jedem Fick, den ich nach der Trennung eingegangen bin, immer ein Stück mehr davon behalten.

Letzten Endes entschied sie sich doch dazu, mich gehen zu lassen, half mir dabei, mir den Strap-On umzuschnallen – ich hatte nämlich vor, ganz stilecht mit Trenchcoat, Spitzenunterwäsche und besagtem Sexspielzeug bei meinem Exfreund aufzutauchen – und gab mir zur Verabschiedung High Five.

Als ich die Wohnung meines Ex, zu der ich noch immer einen Schlüssel besitze, betrat, lag dieser bereits mit heruntergelassener Hose auf der Couch, zog sie jedoch schnell wieder hoch, als er mich in meinem Aufzug sah. Er hatte Schiss, das konnte ich bis hierher spüren. In dem Moment wollte ich eigentlich schon wieder umkehren. Wenn ich eines noch weniger leiden kann als Lügner, dann sind das wohl Loser, die große Reden schwingen, bis sie mit der Situation, von der so angeblich so unglaublich krass träumen, konfrontiert werden.

Ich entschied mich jedoch dazu, zu bleiben und abzuwarten, bis er seinen Joint fertig geraucht hatte. Ich wollte dann doch nicht unverrichteter Dinge nach Hause kehren, nur um meiner Mitbewohnerin zu erzählen, dass mein Exfreund immer noch ein Arschloch ist, dessen Arschloch ich leider nie mit meinem Schwanz penetrieren durfte.

Also wartete ich, bis er fertig geraucht hatte, zwang ihn dann, sich vor mir zu entblößen und versohlte ihm den Arsch dafür, dass er mich so lange hatte warten lassen. Dann rammte ich ihm meinen großen, schwarzen Schwanz in sein kleines, enges Arschloch, wie er es zuvor immer so gern bei mir getan hatte und fickte ihn, bis er mich wimmernd darum bat, ihn endlich kommen zu lassen. Den Gefallen tat ich ihm allerdings nicht. Ich tauschte lediglich meinen Gummischwanz gegen einen Buttplug, den ich nicht mehr brauchte, ließ ihn den Strap-On noch schnell sauber lecken und verschwand grußlos in die Nacht.

Es war als letzter Fick geplant und ich finde, es ist nicht meine Aufgabe, einem Typen, der meistens schon nach fünf Minuten abgespritzt hat, weil das alles viel zu geil für ihn war, einen letzten Orgasmus zu verschaffen, während ich in der gesamten Beziehung nach jedem Fick eigentlich nur frustriert da lag und überlegte, wen ich wohl die Nacht darauf mit ins Bett nehme, nur um mal wieder so richtig geil zu kommen.

Soll sich doch die Neue damit rumschlagen. Statt eines Orgasmus habe ich eben meine Genugtuung bekommen. Und eine Geschichte, die noch bei so einigen Saufrunden mit Freunden für Erheiterung und große Augen sorgen wird. Noch bevor ich zu Hause ankam, hatte ich eine weitere Nachricht von ihm auf dem Handy: „Das war echt geil, auch wenn ich mir jetzt selbst einen runterholen musste. Doch bitte erzähl keinem etwas davon.“

Tja, liebe Jungs, und auch liebe Mädchen, was soll ich dazu sagen? Fangt endlich an, zu euren sexuellen Vorlieben zu stehen. Man unterhält sich sowieso darüber, ob im Netz oder privat. Und nichts ist so geil wie ein Mensch, der seine Perversion nach außen tragen kann, ohne dabei rot zu werden und das Stottern zu beginnen.

Die Fotografie stammt von Dainis Graveris
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Guestbook: Das Gästebuch der modernen Kultur

Hach, ich bin ja froh über jeden Blog und jedes Onlinemagazin, das heutzutage noch erscheint. Schließlich will in diesen stürmischen Zeiten jeder, der im Internet schnell reich und berühmt werden möchte, YouTuber, Streamer oder Influencer sein. Auf Instagram. Oder TikTok. Oder OnlyFans. Doch das jou...
Guestbook: Das Gästebuch der modernen Kultur

Guestbook

Das Gästebuch der modernen Kultur

Marcel Winatschek

Hach, ich bin ja froh über jeden Blog und jedes Onlinemagazin, das heutzutage noch erscheint. Schließlich will in diesen stürmischen Zeiten jeder, der im Internet schnell reich und berühmt werden möchte, YouTuber, Streamer oder Influencer sein. Auf Instagram. Oder TikTok. Oder OnlyFans. Doch das journalistische Magazin-Projekt von Saeed Kakavand, Anna Ross und Matthias Straub namens Guestbook Magazine ist nun mal genau das: Ein Onlinemagazin. In schön. Und bunt. Und mit Liebe gemacht.

Die Köpfe hinter dem kreativen Sammelwerk möchten die künstlerisch versierten Vordenker aus Europa und darüber hinaus zusammen bringen, ihre Geschichten erzählen, in Bildern und Texten und Mixtapes und Podcasts – und was sich eben sonst noch so alles ins Internet werfen lässt. Hauptsache interessant, Hauptsache zeitlos.

Denn eines will das Guestbook Magazin nicht sein: Vergänglich. Die Redakteure setzen darauf, dass ihre Artikel auch in ein, zwei, vielleicht sogar zehn Jahren noch lesens- und liebenswert sind. Was für eine wunderschöne Idee, denn wenn das ständig laute, immer blinkende, auf Teufel komm raus nach Aufmerksamkeit schreiende Internet etwas braucht, dann ist es Entschleunigung. Wirklich.

So finden sich im Guestbook Magazin dann auch Artikel, die nicht so wirklich viel mit der schnelllebigen Wegwerfkultur zu tun haben. Ein Rezept für leckeren Pfirsich Bellini zum Beispiel. Eine ausschweifende Ode an die Skatekultur. Und eine hübsche Fotoserie über die Banalität des Nacktseins.

Für die Namensfindung kreierten Saeed, Anna und Matthias ein mentales Gebäude, in dem, ähnlich wie in einem Hotel, zeitweise Gäste unterkommen, andere Besucher treffen, sich austauschen, gemeinsam Ideen diskutieren, ein Projekt umsetzen und zusammen Spaß haben können. Ein virtuelles Gästebuch von heute eben.

Doch so ganz digital bleibt es beim Guestbook Magazin nicht. Die beliebtesten Inhalte des Hefts aus Bits und Bytes erscheinen zweimal jährlich in einer handwerklich gekonnten Printausgabe, damit auch Menschen, die lieber auf gute, alte Berührungen stehen und gerne schöne Dinge in ihr Regal stellen oder auf den Wohnzimmertisch legen, nicht leer ausgehen.

Hoffen wir, dass die Macher des Projekts auch andere kreative Menschen, denen es jetzt bereits in den Fingern juckt, dazu inspirieren, ebenfalls einen Blog oder ein Magazin, egal ob digital oder analog, zu starten. Davon kann es schließlich niemals genug geben.

Guestbook: Das Gästebuch der modernen Kultur Guestbook: Das Gästebuch der modernen Kultur Guestbook: Das Gästebuch der modernen Kultur Guestbook: Das Gästebuch der modernen Kultur Guestbook: Das Gästebuch der modernen Kultur
Die Illustration stammt von Guestbook Magazine
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Berlin im Herbst: Wie ein guter Freund, der im Sterben liegt

Dass der Sommer vorbei geht, das bleibt in Berlin nie lange unbemerkt. Obwohl die Sonne noch versucht, uns mit wärmender Güte zu täuschen. Das Atmen fällt schwer, wenn wir hastig durch die Gassen eilen. Die Blätter werden gelb, wenn sie den Kampf gegen die unaufhaltsame Zeit verlieren. Die Herzen we...
Berlin im Herbst: Wie ein guter Freund, der im Sterben liegt

Berlin im Herbst

Wie ein guter Freund,
der im Sterben liegt

Marcel Winatschek

Dass der Sommer vorbei geht, das bleibt in Berlin nie lange unbemerkt. Obwohl die Sonne noch versucht, uns mit wärmender Güte zu täuschen. Das Atmen fällt schwer, wenn wir hastig durch die Gassen eilen. Die Blätter werden gelb, wenn sie den Kampf gegen die unaufhaltsame Zeit verlieren. Die Herzen werden kälter, wenn wir ihre Güte benötigen.

Berlin im Herbst, das ist wie ein guter Freund, der im Sterben liegt. Wir nehmen uns mehr Zeit, um uns darüber klar zu werden, was wir wirklich wollen, im Leben. Wir gehen weniger aus, stürzen uns kopfüber in die Arbeit, um zu verdrängen, um uns zu beschäftigen, um etwas zu bewegen, wie sollen wir sonst eine Erinnerung schaffen?

Wenn die Bäume erst einmal kahl und die Straßen farblos sind, kommt die Hässlichkeit der Stadt zum Vorschein. Eine Hässlichkeit, der wir uns sonst, unter all dem Lachen und der Musik und der Aufregung, gar nicht bewusst sind, aber von der wir wissen, dass sie existiert, weil sie ihr Gesicht immer dann zeigt, wenn nichts mehr sie verdecken kann.

Plötzlich wandeln wir wieder durch die seelenlose Mischung aus maroden Gebäuden und korrupter Architektur, aus verschmierten Wänden und verlorener Scheiße, aus schwarz gekleideten Massen und einem grauen Firmament. Mit jedem Herbstanfang weicht das pure Leben aus der Stadt, der Puls wird ruhiger, das Adrenalin versiegt, die Nächte scheinen unendlich.

Der Bass zieht sich in den Untergrund zurück. Eingefallene Wesen, die an diesen Ort geflohen sind, um zu vergessen, suchen Schutz vor der angebrochenen Klarheit. Kein Licht im Kopf, nur kein Licht im Kopf. Was sie gesehen haben, soll im Dunkeln verbleiben, sie feiern nicht, um zu feiern, sondern um zu überleben. Der Herbst, das ist ihr Feind.

Junge und Alte, sie spüren es, Gäste und Bewohner, sie wissen es. Wenn der Sommer geht, an einen besseren Ort, dann stiehlt er dieses eine Gefühl. Das Gefühl, das wir hatten, als wir zum ersten Mal einen Fuß in diese Stadt gesetzt haben. Das uns befeuerte und uns den Zweifel nahm. Den Zweifel daran, dass hier unser neues Leben beginnt. Ganz sicher.

Während dem Winter ein Ende innewohnt, das wir alle wortlos akzeptieren, scheint uns der Herbst zu verhöhnen. Wir zerren an ihm wie ein kleines Kind, nein, bitte nicht, das darfst du nicht, lass die Freude da, lass das Leben da, lass den Sinn da. Doch er schaut nur ruhig auf uns herab und zieht seine ewige Runde – daran können auch wir nichts ändern.

Berlin im Herbst, das ist wie ein guter Freund, der im Sterben liegt. Uns bleibt nichts anderes übrig, als leise von ihm Abschied zu nehmen und ihm zu schwören, dass wir auch ohne ihn ein gutes Dasein führen werden. Ein erfülltes, ein ehrbares, ein unvergessliches. Die Hand, die wir halten, sie löst sich auf. Und uns bleibt nichts. Außer dem Andenken.

Wir treten nach draußen. Die Bäume sind kalt, die Straßen sind farblos. Kein Lachen, keine Musik, keine Aufregung. Schwarz gekleidete Körper schreiten rasch an uns vorbei. Dass sie gerade noch nackt am Strand getanzt haben, mit der verlorenen Liebe in der einen und einem gekonnt gerollten Joint in der anderen Hand, das scheinen sie vergessen zu haben. Nicht nur die Nächte werden kälter.

Im Herbst werden unsere Zweifel wieder lauter. Ob es wirklich eine gute Idee war, unser altes Leben fortzuwerfen, um hier von Neuem zu beginnen, fragen wir uns dann. Ob Berlin die richtige Wahl war, zwischen all den Möglichkeiten und Chancen und Städten. Ob wir mit dem, was wir jetzt, in diesem Augenblick, machen, wirklich, wirklich, wirklich zufrieden sind.

Wenn der Sommer die Ablenkung ist, dann ist der Herbst der Spiegel. Einer, dem wir uns nur schwer entziehen können. Wir blicken hinein und sehen nur uns selbst. Kein noch so guter Freund kann sich zwischen ihn und uns drängen, was wir dort sehen, das sind wir, niemand sonst. Und er will nur eine Antwort von uns, jedes Mal aufs Neue: Haben wir diese Stadt erobert – oder uns lediglich von ihr verschlucken lassen?

Als wir im Café auf die dunklen Gestalten starren, deren Existenz nur durch die Suche nach dieser Antwort gerechtfertigt wird, wird uns bewusst, dass das Ende der heißen Tage nicht unser Ende bedeuten muss. Und dass wir mehr können, als das Versprechen abzugeben, dass wir den nächsten Sommer, sofern wir ihn erleben, besser nutzen als den jetzigen.

Mehr Partys, mehr Drogen. Mehr Liebe, mehr Sex. Mehr Erfolg, mehr Geld. Was dieser Sommer nicht ermöglichen konnte, aufgrund welcher Ausreden auch immer, das soll der nächste gefälligst bieten. Aber das wird er nicht. Schließlich sind wir selbst daran schuld, dass wir die schweißgetränkten Tage und die hitzigen Nächte nicht genutzt haben. Sonst niemand.

Wir verschwenden nicht nur Lebensmittel oder Rohstoffe oder Geld, wir verschwenden Zeit. Zeit, die wir hätten nutzen können, um unser tristes Dasein mit Augenblicken zu füllen, die sich kurz vor unserem Ableben in einer gigantischen, monumentalen, mit Orchestermusik unterlegten Zusammenfassung abspielen wird. Doch momentan ist sie noch erschreckend leer.

Berlin im Herbst, das ist wie ein guter Freund, der im Sterben liegt. Bevor er die Augen schloss, mussten wir ihm ein Versprechen geben. Das Versprechen, nicht nur darauf zu warten, dass er wieder kommen würde, sondern die Zeit bis dahin nicht wertlos verebben zu lassen. Egal ob die Bäume kahl und die Straßen farblos sind. Schließlich fordert der Spiegel eine Antwort.

Die Fotografie stammt von Reiseuhu
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Sex im Seniorenheim: Junge Liebe zwischen alten Menschen

Jasmin war ein durchgestylter, prinzipientreuer und überall rasierter Punk, dem die Gesellschaft, und alles was darin verwickelt war, direkt am Arsch vorbei ging. Sie hörte leidenschaftlich gerne Slipknot, In Extremo und Knorkator, hätte die Welt, in der wir leben, am liebsten in den unheiligen Flam...
Sex im Seniorenheim: Junge Liebe zwischen alten Menschen

Sex im Seniorenheim

Junge Liebe zwischen
alten Menschen

Marcel Winatschek

Jasmin war ein durchgestylter, prinzipientreuer und überall rasierter Punk, dem die Gesellschaft, und alles was darin verwickelt war, direkt am Arsch vorbei ging. Sie hörte leidenschaftlich gerne Slipknot, In Extremo und Knorkator, hätte die Welt, in der wir leben, am liebsten in den unheiligen Flammen der Herrschaftslosigkeit aufgehen sehen und stammte aus einer wildgewordenen Zigeunerfamilie, was sie nicht müde wurde jedem und allem auf die Nase zu binden, und zwar genau mit diesem Begriff.

Zum ersten Mal traf ich im nahegelegenen Seniorenheim auf sie, in dem ich irgendwo zwischen Schulabschluss und Weltherrschaft einem unterbezahlten und langweiligen Job an der Rezeption entgegen sehen durfte, während sie Sozialstunden ableistete und eure Großeltern mit Brettspielen, Grießbrei und Matheaufgaben nötigte. Sie war 16. Ich nicht.

Während Jasmin mich auf der Brücke vor dem ständig nach Weinbrand, Zigaretten und Tod riechenden Schuppen noch vollkommen ignorierte, machten wir einige Stunden später im Fahrstuhl herum, schmissen uns in der Kapelle im obersten Stock gegenseitig mit unseren Klamotten ab und zündeten anschließend im Gemeinschaftsraum einen Joint an, während unsere älteren Mitmenschen ein Mittagsschläfchen hielten. Außer Herr Brechtl – die Perversion auf zwei Rädern.

Der alte Mann im Rollstuhl starrte uns mit gierigen Augen an, als wir gerade wieder im Begriff waren uns schick für die Außenwelt zu machen und den Rest des Joints im Garten zu versenken, rief irgendwas von Penissen und Handtüchern und schleifte uns daraufhin in sein Zimmer, wo er uns bei einem Gläschen Tee erzählte warum er sich ein Zimmer mit Blick auf den Sportplatz der anliegenden Schule gewünscht hatte. Wegen der leichtbekleideten, jungen Mädchen.

Er präsentierte uns alte, verstaubte Alben mit Fotos seiner vielseitigen FKK-Urlaube irgendwo am Meer und betitelte uns mit Geschlechtsteilen und Begriffen aus einer längst vergangenen Zeit, ohne es böse zu meinen. Wir lachten, wir freuten, wir sangen und flohen so schnell wir konnten aus seinem freizügigen Reich, als er kurz eingenickt war.

Nachdem wir uns auf der Toilette dem Sinn des Lebens näher brachten, ich angesteckt von ihrem Enthusiasmus am liebsten auf der Stelle meine Religion ablegen und zur Anarchie übertreten wollte und wir uns gegenseitig mit den Händen zwischen den Beinen und den Lippen auf der Brust schworen, niemals diesem System aus Kapitalismus, Sozialismus und Fundamentalismus beizuwohnen, änderte sich mein Bewusstsein gegenüber Gott für immer.

Es ist ja nicht so, dass ich leicht von Dingen zu überzeugen wäre, doch nach dieser Offenbarung, dem Anfang meines neuen Lebens und dem geschürten Hass gegen meine eigene Spezies, feierten wir den Beginn unserer neuen Weltordnung erst einmal gebührend, in dem wir uns bei Lidl ein paar eingeschweißte Hot Dogs klauten.

Meine Überzeugung zu Jasmin und ihrer Meinung hätte keine Grenzen mehr gekannt, wäre womöglich unsterblich geworden und hätte diese unsere Nation ins Verderben des satanischen, ewigen Feuers gestürzt, wenn ich sie nicht zwei Wochen später auf einer Schulparty mit der blonden Sabrina – Grinsekatze, weiße Socken und eine unterschiedlich große Oberweite – betrogen hätte und wir der Anarchie, dem tiefen Wunsch nach Chaos und dem Hass auf alle Ismen zum Trotz am nächsten Tag zusammen Eisessen gegangen wären.

Jasmin soll deswegen so abgrundtief sauer gewesen sein, dass sie der Legende nach den Kopf ihres besten Freundes aus Wut über mich so stark gegen das Waschbecken in seinem Bad geschlagen hat, dass dieses in alle Einzelteile zerbrach. Und obwohl ich seitdem nichts mehr von ihr hörte, bin ich mir sicher, dass sie ganz tief unter der Erde an einem glühenden Racheplan schmiedet, der alle Beteiligte direkt zu ihr in die Hölle katapultieren wird, damit wir uns gemeinsam für alle Ewigkeit der größten Folter von allen hingeben müssen: den FKK-Anekdoten von Herrn Brechtl zu lauschen.

Die Fotografie stammt von Emiliano Vittoriosi
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Kristofferson San Pablo: Willkommen in Los Angeles

Egal, für wie toll, aufregend oder gar erfüllend ihr euer Leben an guten Tagen so haltet - das von Kristofferson San Pablo ist besser. Der in Manila auf den Philippinen geborene Fotograf und Künstler lebt heute glücklich und zufrieden im sonnigen Los Angeles. Und Kalifornien scheint ihm gut zu tun,...
Kristofferson San Pablo: Willkommen in Los Angeles

Kristofferson San Pablo

Willkommen in
Los Angeles

Daniela Dietz

Egal, für wie toll, aufregend oder gar erfüllend ihr euer Leben an guten Tagen so haltet – das von Kristofferson San Pablo ist besser. Der in Manila auf den Philippinen geborene Fotograf und Künstler lebt heute glücklich und zufrieden im sonnigen Los Angeles. Und Kalifornien scheint ihm gut zu tun, denn wenn man sich seine Abenteuer so ansieht, dann wird einem eines klar: Der Junge lässt nichts anbrennen.

Egal ob Roadtrips an magische Orte, von denen ihr noch nie etwas gehört habt, von den Simpsons inspirierte und manchmal nicht gerade jugendfreie Kunst oder hüllenlose Mädchen en masse, Kristofferson San Pablo zeigt uns, dass das Dasein nicht so deprimierend, traurig oder leer sein muss, wie einige von uns vielleicht denken. Man muss es nur selbst in die Hand nehmen, dieses Ungetüm namens Leben.

Das bunte Fototagebuch von Kristofferson San Pablo steckt jedenfalls voller plakativer wie sensibler Wunder, die das Leben ohne jeden Zweifel erst lebenswert machen. Vielleicht sollte sich der ein oder andere von uns eine große Scheibe dieser farbenfrohen Welt und ihrer Bewohner abschneiden. Denn zumindest oberflächlich betrachtet, scheint Kalifornien der Ort zu sein, an dem Träume wirklich wahr werden…

Kristofferson San Pablo: Willkommen in Los Angeles Kristofferson San Pablo: Willkommen in Los Angeles Kristofferson San Pablo: Willkommen in Los Angeles Kristofferson San Pablo: Willkommen in Los Angeles Kristofferson San Pablo: Willkommen in Los Angeles Kristofferson San Pablo: Willkommen in Los Angeles Kristofferson San Pablo: Willkommen in Los Angeles Kristofferson San Pablo: Willkommen in Los Angeles Kristofferson San Pablo: Willkommen in Los Angeles Kristofferson San Pablo: Willkommen in Los Angeles Kristofferson San Pablo: Willkommen in Los Angeles Kristofferson San Pablo: Willkommen in Los Angeles Kristofferson San Pablo: Willkommen in Los Angeles Kristofferson San Pablo: Willkommen in Los Angeles Kristofferson San Pablo: Willkommen in Los Angeles Kristofferson San Pablo: Willkommen in Los Angeles Kristofferson San Pablo: Willkommen in Los Angeles Kristofferson San Pablo: Willkommen in Los Angeles Kristofferson San Pablo: Willkommen in Los Angeles Kristofferson San Pablo: Willkommen in Los Angeles Kristofferson San Pablo: Willkommen in Los Angeles Kristofferson San Pablo: Willkommen in Los Angeles Kristofferson San Pablo: Willkommen in Los Angeles Kristofferson San Pablo: Willkommen in Los Angeles Kristofferson San Pablo: Willkommen in Los Angeles Kristofferson San Pablo: Willkommen in Los Angeles Kristofferson San Pablo: Willkommen in Los Angeles Kristofferson San Pablo: Willkommen in Los Angeles Kristofferson San Pablo: Willkommen in Los Angeles Kristofferson San Pablo: Willkommen in Los Angeles Kristofferson San Pablo: Willkommen in Los Angeles Kristofferson San Pablo: Willkommen in Los Angeles Kristofferson San Pablo: Willkommen in Los Angeles Kristofferson San Pablo: Willkommen in Los Angeles Kristofferson San Pablo: Willkommen in Los Angeles Kristofferson San Pablo: Willkommen in Los Angeles Kristofferson San Pablo: Willkommen in Los Angeles Kristofferson San Pablo: Willkommen in Los Angeles Kristofferson San Pablo: Willkommen in Los Angeles Kristofferson San Pablo: Willkommen in Los Angeles Kristofferson San Pablo: Willkommen in Los Angeles Kristofferson San Pablo: Willkommen in Los Angeles Kristofferson San Pablo: Willkommen in Los Angeles Kristofferson San Pablo: Willkommen in Los Angeles Kristofferson San Pablo: Willkommen in Los Angeles Kristofferson San Pablo: Willkommen in Los Angeles Kristofferson San Pablo: Willkommen in Los Angeles Kristofferson San Pablo: Willkommen in Los Angeles Kristofferson San Pablo: Willkommen in Los Angeles Kristofferson San Pablo: Willkommen in Los Angeles Kristofferson San Pablo: Willkommen in Los Angeles Kristofferson San Pablo: Willkommen in Los Angeles Kristofferson San Pablo: Willkommen in Los Angeles Kristofferson San Pablo: Willkommen in Los Angeles Kristofferson San Pablo: Willkommen in Los Angeles Kristofferson San Pablo: Willkommen in Los Angeles Kristofferson San Pablo: Willkommen in Los Angeles Kristofferson San Pablo: Willkommen in Los Angeles Kristofferson San Pablo: Willkommen in Los Angeles Kristofferson San Pablo: Willkommen in Los Angeles Kristofferson San Pablo: Willkommen in Los Angeles
Die Fotografie stammt von Kristofferson San Pablo
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Die Musiker im Gespräch: Tokio Hotel, wart ihr schon mal im Berghain?

Einmal im Leben Tokio Hotel zu treffen, das stand nicht auf meiner To-do-Liste. Sollte es aber. Wenn man überlegt, was aus den ganzen Weltstars geworden ist, die in jungen Jahren erfolgreich und relativ schnell abgehoben sind, wirken diese Jungs wie harmlose Studenten aus der Nachbarschaft. Gut, bra...
Die Musiker im Gespräch: Tokio Hotel, wart ihr schon mal im Berghain?

Die Musiker im Gespräch

Tokio Hotel, wart ihr
schon mal im Berghain?

Ines Aniol

Einmal im Leben Tokio Hotel zu treffen, das stand nicht auf meiner To-do-Liste. Sollte es aber. Wenn man überlegt, was aus den ganzen Weltstars geworden ist, die in jungen Jahren erfolgreich und relativ schnell abgehoben sind, wirken diese Jungs wie harmlose Studenten aus der Nachbarschaft. Gut, brav sind sie jetzt nicht unbedingt, aber ziemlich lustig und auf dem Boden geblieben. Oder: Das perfekte Tindermatch für einen kuriosen Saufabend.

In welchem Club könnte eure Musik gespielt werden?

Bill: Ich kenne mich mit der deutschen Clubszene nicht so gut aus, weil wir hier so selten feiern gegangen sind. Ich glaube in L.A. gibt es einige Clubs, wo die Platte laufen könnte. Zum Beispiel das Warwick. Oder XS in Las Vegas.

Jetzt kennen die meisten Leute, mich eingeschlossen, diese Läden nicht. Was läuft da so?

Tom: In diesen Clubs wird viel Elektro gespielt. Dort legen auch mal die Swedish House Mafia oder Skrillex auf. Wir haben von unseren Songs, die eh schon sehr elektronisch sind, noch mal Mixe machen lassen, die in echt viele Clubs passen würden.

Gibt es einen bestimmten Club, wo euch einer abgehen würde, wenn der eure Lieder spielt?

Bill: Also ich würde es ja feiern, wenn im Berghain ein Song von uns laufen würde (lacht laut).

Tom: Coachella wäre auch geil.

Welcher Party-Typ seid ihr?

Tom: Wir sind immer die Prollos, die besoffen in der Ecke hängen.

Ihr tanzt nicht?

Tom: Nur, wenn wir richtig betrunken sind. Auf Gustavs Hochzeit haben wir alle zu 90er-Jahre-Musik getanzt. Das war ganz witzig. Ansonsten sind wir nicht so die Tänzer.

Welcher Drink verleitet euch zum Tanzen?

Tom: Das war so ein Mix aus Tequila-Shots, Whiskey Cola, Rum Cola, Bier und Wein.

Das ist eine ordentliche Mische. Was ist geiler: Eine Party auf dem Roof in Los Angeles mit heißen Bitches und Freisuff oder eine Underground-Party in Berlin in einem miefigen Keller?

Tom: Also ich würde in den Keller gehen. Diese Partys in Los Angeles mit schönen Frauen hatte man jetzt schon ganz oft. In Berlin waren wir noch nicht so oft unterwegs. Außerdem mag ich es, wenn sich die Leute freier bewegen können und sich keine Gedanken darüber machen, wie sie gerade aussehen und ob sie den teuersten Drink in der Hand halten.

Bill: Ich finde es auch gut, wenn sich die Leute beim Feiern völlig fallen lassen und den Alltag vergessen.

Tom: Es gibt zwei Arten von Partys. Auf der einen bestellen die Typen teuren Champagner und reservieren extra Tische, um Frauen kennenzulernen…

Das seid ihr?!

Tom: Nee, das sind wir nicht. Das waren wir aber früher mal (alle lachen). Das waren wir mit 15. Und dann gibt es noch die Party, wo man einfach rausgeht und einen entspannten Abend mit Freunden haben will.

Wisst ihr noch wann ihr das erste Mal im Club wart?

Tom: (zu den Jungs) War das in Magdeburg, ein Club? Also wenn man diesen Club dazu zählt, dann mit 13.

War das, bevor ihr berühmt wurdet?

Tom: Ja.

Krass, das ist aber sehr früh. Ich dachte, dass ich mit 15 schon früh feiern gegangen bin.

Tom: Wir hatten gefakte Ausweise.

Bill: Der Laden hieß glaub ich Factory. Und dann waren wir ganz schnell in so Prollschuppen in München, mit 15.

Schnaps oder Bier?

Alle: Bier.

Eure beste Hollywood-Party?

Bill: Da in L.A. alles um zwei dicht macht, sind die Haus-Partys immer die besten. Ich kann mich an eine Kostüm-Party von so einem superreichen Typen erinnern. Das Motto war Moulin Rouge, alle waren schick und der hatte sogar den Cirque du Soleil gemietet, die im Pool aufgetreten sind. Das Haus war unendlich groß und irgendwann haben wir eine völlig neue Welt entdeckt mit Spa-Bereich in so einer Wellness-Oase.

Ich war irgendwann total dicht und saß in der Sauna mit meinem weißen Anzug. Alle Cirque-du-Soleil-Darsteller waren nackt und hatten Sex, während ich komplett angezogen dazwischen war und denen zugeschaut habe. Bis dann irgendwer kam und mich raus geholt hat. Das war eine extrem gute Party. Ach, und neulich waren wir noch auf einer guten Halloween-Party, wo wir am Ende besoffen gegenseitig diesen Taser von der Polizei an uns ausprobiert haben, um zu gucken, ob das wirklich funktioniert.

Und?

Bill: Ja, das tat total weh (lacht laut). Aber das war eine gute Party.

Wie sieht euer Kater-Tag nach einer heftigen Party aus?

Bill: Wir pennen superlang. Bis drei Uhr nachmittags oder so und dann wollen die Hunde auch mal raus. Meistens nehme ich dann eine Aspirin Complex, trinke einen starken Kaffee und dusche lang. Trotzdem bin ich dann den ganzen Tag verschwommen. Ich komm‘ damit allerdings ganz gut klar. Bei Tom ist das schon heftiger. Wenn der mal zu viel gesoffen oder einen Absturz hatte, trägt der das die ganze Woche noch mit sich rum.

Tom: Der Tag danach ist das Schlimmste. Danach brauche ich mindestens drei Tage, bis ich mich komplett davon erholt habe.

Gustav: Bist halt auch nicht mehr der Jüngste

Tom: Früher ging das alles noch schneller. Da waren wir abends trinken und haben am nächsten Morgen noch einen Bravo Starschnitt gemacht (lacht).

Seid ihr schon mal nicht in einen Club rein gekommen, weil euch keiner erkannt hat?

Bill: Neee, wir gehen eigentlich immer sicher, dass das vorher geklärt ist. In Los Angeles sind die Schlangen auch immer sehr lang und da passiert es sehr oft, dass auch berühmte Leute dazwischen stehen und nicht rein kommen, weil sie nicht gesehen werden. Darum gehen wir immer sicher, dass wir uns vorab ankündigen.

Der beste Ort im Club, um sexuell aktiv zu werden?

Bill: Das Klo wahrscheinlich. Ich würde auf’s Klo gehen. Das finde ich auch ganz gut.

Tom: Sexuell aktiv im Club? Das macht man eigentlich nicht. In den Angestellten-Bereich verschwinden, finde ich glaub ich am besten.

Georg: Man kann doch auch kurz raus ins Auto gehen. Also entschuldige mal bitte.

Wenn ihr noch mal 16 sein könntet, für einen Tag, was würdet ihr machen?

Georg (zu Tom): Ich glaube, es wäre für dich wie jeder andere Tag gewesen: Onanieren, onanieren, onanieren. (Alle lachen)

Worüber könnt ihr herzlich lachen?

Bill: Über Georg. Ich kann nicht wirklich über Witze oder Comedians lachen. Was ich total lustig finde, sind so spontane vercheckte Situationen.

Was an euch ist typisch deutsch und was typisch amerikanisch?

Bill: Unsere Genauigkeit und Pünktlichkeit ist typisch deutsch. Ich bin nie zu spät und schreibe mir immer alles auf. Typisch amerikanisch ist unser Englisch, weil wir so viel Zeit in Los Angeles verbracht haben und auch dort erst richtig Englisch gelernt haben. Wir benutzen schon oft die Worte Amazing und Like. Das finde ich furchtbar, aber ich kann es nicht mehr abstellen.

Habt ihr Angst vor einer bestimmten Droge?

Bill: Nö! (lacht). Wir haben mal ein Video gedreht zu Feel It All, was das Thema aufgreift. Mich interessieren diese Themen wie Drogen und Prostitution total. Diese ganzen Abgründe der Menschheit. Wie man dahin kommt und welche Geschichte sich dahinter verbirgt.

Tom: Ich hab eher Angst vor Sachen, die ich nicht kontrollieren kann. Wenn ich jetzt im Meer schwimme und dann ein Hai kommt und mich auffrisst. Bei einer Droge kannst du entscheiden, ob du sie nimmst oder nicht.

Habt ihr schon mal jemanden tätowiert?

Bill: Nein, würde ich aber ganz gerne.

Tom: Ich auch.

Bill: Das ist aber bestimmt gar nicht so einfach. Ich finde, da Georg noch keins hat, dürfen wir alle mal bei ihm ausprobieren.

Tom: Das stimmt. Ich würde das ganz witzig finden, wenn wir das machen würden.

Bill: Kann man einfach so eine Maschine kaufen?

Gustav: Die kann man bestimmt auch selber basteln. Ich würde mich auf jeden Fall von Tom tätowieren lassen.

Tom: Ich kann halt am besten zeichnen von uns.

Das heißt aber nicht, dass man deswegen auch gut tätowieren kann.

Tom: Das stimmt, aber die Jungs kennen mich gut genug und wissen, dass ich alles ein bisschen kann.

Georg: Aber nichts richtig.

Eure Lieblings-App?

Bill: Instagram.

Tom: Ich benutze mein Handy eigentlich nur, um zu telefonieren und SMS zu schreiben. Auch wenn ich immer das neueste iPhone habe. Ach, und ich hab noch eine n-tv-App. Da guck ich ab und zu mal rein (lacht).

Georg: Ich hab auch nur Instagram.

Gustav: Ja, Angry Birds halt.

Neben welcher Persönlichkeit würdet ihr gerne mal beim Pinkeln stehen?

Bill: Kevin Spacey.

Würde man da auch mal rüber gucken?

Bill: Ich weiß nicht, ob ich runter gucken würde, aber ich würde rüber gucken. Ja (lacht). Bei Tom wäre es auf jeden Fall Denzel Washington.

Tom: Ja stimmt, Denzel Washington.

Georg: Also beim Pissen gucke ich nach unten und versuche zu zielen. Mehr mache ich da nicht.

Bill: Glaub ich dir nicht. Du würdest doch hundertprozentig gerne mal jemanden auf dem Klo treffen wollen.

Tom (zu Georg): Du würdest doch hundertprozentig David Hasselhoff treffen wollen.

Georg: Dann aber nicht am Pissoire, sondern richtig auf der Schüssel (alle lachen).

Bill: Da würde ich mich auch unterhalten.

Georg: Da unterhalte ich mich immer ganz gerne.

Die Fotografie stammt von Sony Music
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Mein neues Handy: Wir werden von Wurstfingernazis regiert

Wieder einmal hat Gott mich um die Pole Position des Lebens betrogen. Und wieder einmal passierte das im schleichenden Prozess. So schleichend, dass ich nicht mitbekam, wie der Heiligste der Heiligen mich fett trollte. Zuerst badete er mich in buttriger Sicherheit, nur um dann wiehernd und weinend v...
Mein neues Handy: Wir werden von Wurstfingernazis regiert

Mein neues Handy

Wir werden von
Wurstfingernazis
regiert

Sara Navid

Wieder einmal hat Gott mich um die Pole Position des Lebens betrogen. Und wieder einmal passierte das im schleichenden Prozess. So schleichend, dass ich nicht mitbekam, wie der Heiligste der Heiligen mich fett trollte. Zuerst badete er mich in buttriger Sicherheit, nur um dann wiehernd und weinend vor Freude zuzusehen, wie ich einen schmierigen Riesenberg Scheiße herunterrutsche.

Okay. Mag sein, dass das jetzt ein bisschen übertrieben dargestellt ist, aber es ändert nichts an meinem Empfinden gen der Ungerechtigkeiten, die das Leben so im Alltag mit sich bringen. Wie etwa: Ich war früher diejenige, die am Schnellsten und Intuitivsten mit elektronischen Geräten klargekommen ist.

Ich tippe mit zehn Fingern schneller als der durchschnittliche Vierzehnjährige sich einen runterwedeln kann, mein Videorekorder war immer korrekt programmiert, und bis ich dann in die Pubertät kam, als solche nervigen Sachen wie Liebe und Erwachsenwerden wichtiger wurden, kannte ich mich noch perfekt mit allen Fernseh-, Computer-, Konsolen- und Gadgetmarken aus.

Sicherlich kam das zu einem verhängnisvollen Preis: Ich war fett und hässlich und wenn man mich aus dem Keller holen wollte, musste man mir erst einen Ganzkörperschutzanzug überziehen und einen Kran mieten. Aber seht ihr, ich dachte, das hält an. Ich hielt mich für The Kid, das Gehirn, das mit dem ganzen Futurescheiß aufwächst und eines Tages wie die aufgeweckten Druffijugendlichen in „Hackers“ einfach allen anderen, vor allem den alten Erwachsenen, überlegen sein würde.

Aber ich wurde vom Leben, wie bereits erwähnt, betrogen. Alles fing damit an, dass ich mich dazu entschied, auf eine Reise zu gehen, anstatt mir einen neuen Computer, ein iPad und ein Smartphone zuzulegen. Ein Jahr später sind kleine Zwölfjährige in der U-Bahn, die mich angucken, als käme ich aus dem Mittelalter, wenn ich mein verstaubtes Nokia aus der Tasche wuchte.

Mein Nokia, so einfach in der elektronischen Bedienung es auch sein mag, kann immerhin vielfach verwertet werden: als Verankerung für die Aida, als Ziegelstein für die Randalen am ersten Mai und notfalls auch als Betonklotz zum Versenken unliebsamer Feinde. Natürlich ließ ich mir so etwas nicht gefallen und machte, nach ewigem Hin und Her der wirtschaftlichen Überlegungen, den Schritt in die Zukunft: Ich kaufte mir ein iPhone.

Ich sag mal so: Wenn das die Zukunft ist, dann werden wir hier eindeutig von Wurstfingernazis regiert. Die Hausfrau in mir kriegt einen Herzschlag, wenn sie die Schmierflecken auf dem Riesenbildschirm sieht. Es kann alles. Wirklich alles. Es kann den Empfang verlieren, es kann abstürzen, es kann mich unglaublich wütend machen und es kann mich davon abhalten, in betrunkenem Zustand meinen Ex anzurufen.

Dieses Telefon ist wunderschön, und ich bin mir ziemlich sicher, wenn ich mir eine Brille aufsetze und die Anleitung rauskrame, dann werde auch ich damit glücklich und zufrieden sein. Aber es ist zu intelligent für mich. Oder vielleicht bin ich einfach nur zu alt dafür. Und vielleicht, nur ganz vielleicht, nervt es mich, dass ich nicht mal mehr mit so unwichtigen Dingen wie Telefonen einfach nur zufrieden sein kann. Und sagt nichts: mit dem Pixel erging es mir genauso. Und mit dem Windowsscheiß auch.

Eine Million zwölfjährige Supernerds, die mittlerweile gesellschaftlich akzeptiert werden, können sich ja nicht irren. Und wer dankt mal den Vorreitern? Uns fetten, hässlichen Kindern, die sich sozial abschotten mussten, um einen Nerdpfad der Coolness zu ergründen? Wer dankt uns?!

Aber für mich ist die Lernkurve zu steil. Wenn ich heute in den Spiegel gucke, sehe ich nur meine Mutter, und wünsche mir nichts sehnlicher als eigene Kinder, die ich dann fragen kann, ob sie mal das Handy für mich programmieren können. Ich will ja den Anruf heute nicht verpassen.

Die Fotografie stammt von Paul Hanaoka
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Mädchen in Los Angeles: Die kalifornische Schönheit

Dass es in Kalifornien nicht nur hübsche Landschaften, leckeres Essen und moderne Technologien gibt, beweist die Stylistin und Künstlerin Joanie Del Santo, die der Fotograf James Drew für C-Heads abgelichtet hat. Das aus Pasadena stammende Model hat die Sonne im Herzen und den Style am Körper. Wie m...
Mädchen in Los Angeles: Die kalifornische Schönheit

Mädchen in Los Angeles

Die kalifornische
Schönheit

Daniela Dietz

Dass es in Kalifornien nicht nur hübsche Landschaften, leckeres Essen und moderne Technologien gibt, beweist die Stylistin und Künstlerin Joanie Del Santo, die der Fotograf James Drew für C-Heads abgelichtet hat. Das aus Pasadena stammende Model hat die Sonne im Herzen und den Style am Körper. Wie man es eben von einer waschechten Westamerikanerin irgendwo rund um das angesagte Los Angeles erwartet.

„Ich kam als Dreijährige zur Mode„, erzählt uns Joanie. „Auf einer Dinnerparty habe ich die Schuhe der Freunde meiner Eltern gestohlen und mein erstes Lauftraining veranstaltet. Seit ich 17 bin, modele ich nun. Klamotten habe ich immer geliebt. Als ich meinen eigenen Style entwickelt habe, fragten mich Freunde ständig, ob ich ihnen auch bei ihrem helfen könnte. Alles entwickelte sich ziemlich organisch.“

Und weiter: „Ich habe auch meinen eigenen Onlinestore namens Saint Liberata eröffnet, in dem ich Vintagekleidung anbiete. Es ist das erste Projekt, das wirklich ganz allein mir gehört. Mein Opa modelt sogar auf der Seite. Außerdem bin ich ein riesiger Anime-Nerd. Ich liebe die japanische Kultur und finde sie faszinierend und speziell. Zum Unmut meiner Freunde verkleide ich mich sogar oft als Anime-Charakter.“ Ich bin verliebt.

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Die Fotografie stammt von James Drew
Als Model ist Joanie Del Santo zu sehen
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Die McFit-Hölle: Sport ist Mord

Letztes Jahr wurde mir auf meiner Rucksackreise durch Südostasien vor allem nahe gebracht, wieso Asiaten eigentlich immer so eine schmächtige Statur haben. Weil ihr Essen meistens Durchfall verursacht. Es schmeckt fantastisch und sieht eigentlich recht gesund aus, aber ein kausaler Zusammenhang zwis...
Die McFit-Hölle: Sport ist Mord

Die McFit-Hölle

Sport ist
Mord

Sara Navid

Letztes Jahr wurde mir auf meiner Rucksackreise durch Südostasien vor allem nahe gebracht, wieso Asiaten eigentlich immer so eine schmächtige Statur haben. Weil ihr Essen meistens Durchfall verursacht. Es schmeckt fantastisch und sieht eigentlich recht gesund aus, aber ein kausaler Zusammenhang zwischen der Nahrungsmittelaufnahme und den regen Magen-Darm-Aktivitäten muss bestehen. Anders können sich meine Oberschenkel nicht den Gewichtsverlust von zehn Kilogramm innerhalb von sechs Monaten erklären.

Vielleicht neige ich hier zu übereilten Schlussfolgerungen. Vielleicht lag es auch an meinen Muschi-Organen, die nur mit luftdicht abgepackten Lebensmitteln und sterilem Porzellan klarkommen. Arme Backpackerjahre sind keine Herrenjahre. Die Ost-Asiaten haben sicherlich eine durchschnittliche Darmflora und können genauso gut und stabil kacken gehen, wie alle anderen gesunden Menschen.

Obwohl ich sicherlich als Folge der Ernährungsumstellung mit Verätzungen an sensiblen Stellen rechnen muss, hatte meine kleine Reise in die Activia-Hämisphäre einen großen Vorteil zu verbuchen. Ich war rank und schlank und konnte im Bikini, wenn schon nicht mit einem ganzheitlichen Frauenbild, dann wenigstens mit einem schlanken Bauch triumphieren. Dann sollte man aber auch betonen, dass das an Thailands Stränden nicht besonders schwer ist. Dort konkurriert man hauptsächlich mit fettbäuchigen Sextouristen aus Westeuropa.

Die kleine Reise hat ein Ende genommen und meine Auto-Schlankheit leider auch. Bedauerlicherweise hat die psychologische Umstellung nicht ganz mitgezogen. Ich war zwar zurück beim festen Stuhlgang, allerdings nicht bei den proportionalen Essgewohnheiten. Und so kam es, dass ich innerhalb weniger Monate ungefähr zehn Kilo zunahm und heute aussehe, als hätte sich eine Fettschwarte mit Eigenleben um meinen zarten Elefantenkuhkörper gelegt.

Den Prozess konnte ich jeden Morgen am Spiegel beobachten, jedoch war ich machtlos. Tiefkühlpizza, drei Mal am Tag Chilli Cheese Fries bei Burgermeister und ein Sommer voller Eis-am-Stiel. Auch in der Grätsche berühren sich meine Beine noch, und meine Kimme schwitzt, wenn ich mich beim Aufstehen strecken möchte. Jetzt ziehe ich die Zügel der Disziplinlosigkeit. Spätestens, wenn man dem Zug hinterherrennt und dabei Blut kotzt und schwitzt, als käme man gerade frisch aus einem Brandkatastrophengebiet, muss man zur Tat schreiten, die Hand erheben und laut rufen: Stop! Hungertime!

Ich werfe alle meine Prinzipien der “effizienten Faulheit”, das bedeutet “zu faul sein, um sich etwas zu essen zu machen, deshalb einfach weiterhungern” als Diätregelung, über Bord, denn der Appetit hat ein Monster erschaffen, welches mein Bewusstsein hypnotisiert und dafür sorgt, dass ich den ganzen Tag nichts anderes mache, außer Fettklumpen in meinen Rachen zu schieben und Flüssigschmalz zu gurgeln.

Ganz ehrlich: Wenn das so weiter ginge, ich wäre schon bald die Hauptrolle für das Remake von “Feed”. Und deshalb bin ich jetzt eines dieser Opfer, Sklavin der Schönheitsideal-Gesellschaft, die zwei bis drei Mal die Woche in die McFit-Filiale ihres Vertrauens reinrollen, um etwas für ihr Geschlechtsverkehr-Rating zu tun.

McFit, der 24-Stunden Discounter für Menschen, die “Sport” machen wollen, ist ja ein Biotrop für Kulturen, denen man sonst nicht nahe kommt. Pumper, die sich gegenseitig per Grunzlaute anfeuern, Schwule, die stundenlang den Stepper für einen begehrenswerten Knackarsch belegen, Michaela und Sabine, die sich seit der Scheidung den Yoga-Kurs nicht mehr leisten können und natürlich ich, wie immer die Einzige, die ins Fitnessstudio geht, um tatsächlich abzunehmen. Mein Schwabbel und mein Wabbel fallen auf, aber ich bin da jetzt hart und lasse niemanden über mich urteilen, ohne nicht mindestens genauso angeekelt zurück zu spucken.

Das Gerät meiner Wahl ist der Crosstrainer. Das Wort alleine bringt mich schon zum schwefeligen angstfurzen. Nach jeder halbstündigen Session sehne ich mich nach Nachkriegsreha und einer Streicheleinheit. Ich verstehe das nicht, wie Menschen tatsächlich Spaß an Sport haben. Wisst ihr, was Spaß für mich ist? Essen. Und rumliegen.

Ich will keinen Sport machen, niemand will Sport machen, man muss Sport machen, so lange man noch keinen Mann so hart gegen die Wand gebumst hat, dass Kinder aus dem eigenen Arsch fallen. Die Option der Fortpflanzung möchte ich mir irgendwie erhalten – und das geht nur, wenn man unter den Speckfalten meine primären Geschlechtsteile auch noch findet.

Ich habe auch andere Formen der Kalorienabnahme in Erwägung gezogen. Eine Salat-Diät, die mich wütend macht. Speed, weil ich ja nicht genug Suchtprobleme zu bewältigen habe. Teamsport, damit mir auch alle schön beim Sterben zusehen können. Fett absaugen, die Kohle sitzt ja locker unter den Achseln. Aber der soziale Druck im Fitnessstudio und die Selbstgeißelung vor dem Spiegel sollten das nötigste Commitment herauspressen, um Ergebnisse zu erzielen.

Aber das Schlimmste an so einer drastischen Maßnahme ist wahrscheinlich nicht einmal der Sport, sondern der ausbleibende Effekt. Ich habe nämlich nicht das Gefühl, dass sich mein Körper im Zustand des Bewegens oder des Nicht-Essens von seinen Fettreserven ernährt. Eigentlich habe ich die meiste Zeit nur noch mehr Lust als sonst, in einen Laib Käse zu beißen und mich unter eine Cola-Dusche zu stellen.

Wie machen das die Leute, die sich bedingungslos selbst lieben und das als Motivationsgrundlage für gesunde Ernährung und Sport (!) nehmen? Wieso reicht es nicht, drei Mal am Tag einfach irgendetwas zu essen und täglich die fünf Stockwerke in die eigene Wohnung hoch und wieder runter zu laufen? Ich komme zu dem Schluss, dass das Leben ein Arschloch ist und die Dringlichkeit von Sport in meinem Leben die Strafe für all meine Sünden ist. Und ihr so?

Die Fotografie stammt von Şule Makaroğlu
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Attack on Titan: Hungrige Riesen

In dieser postapokalyptischen Science-Fiction-Geschichte wurde die Menschheit durch die bizarren, riesigen Humanoiden, die als die Titanen bekannt sind, fast komplett ausgelöscht. Als die menschenfressenden Riesen zum ersten Mal auftauchten, zogen sich die Menschen hinter massive Mauern zurück. Es i...
Attack on Titan: Hungrige Riesen

Attack on Titan

Hungrige
Riesen

Annika Lorenz

In dieser postapokalyptischen Science-Fiction-Geschichte wurde die Menschheit durch die bizarren, riesigen Humanoiden, die als die Titanen bekannt sind, fast komplett ausgelöscht. Als die menschenfressenden Riesen zum ersten Mal auftauchten, zogen sich die Menschen hinter massive Mauern zurück. Es ist wenig darüber bekannt, woher sie kamen und warum sie die Menschheit verzehren wollen.

Scheinbar unintelligent durchstreifen sie seit Jahren die Welt und töten jeden, den sie sehen. Im vergangenen Jahrhundert hat sich das, was von den Menschen übrig geblieben ist, in einer riesigen, von drei Mauern umgebenen Stadt versteckt. Die Menschen glauben, dass ihre fünfzig Meter hohen Walle sie vor den Monstern schützen werden, aber das plötzliche Auftauchen eines riesigen Titanen verändert von einen auf den anderen Augenblick alles.

Nach hundert Jahren Sicherheit durchbricht ein Titan von enormer Größe die Verteidigungsanlagen und entfesselt eine Flut von anderen Giganten und pures Gemetzel in den Straßen. Eren Jäger sieht hilflos zu, wie eine der Kreaturen seine Mutter verschlingt.

Er schwört, jeden Titanen zu töten, der auf der Erde wandelt. Eren und seine überlebenden Freunde melden sich, um gegen die unersättlichen Monster zu kämpfen. Die Zukunft sieht düster aus, aber an Eren ist mehr dran, als man auf den ersten Blick sieht: Er ist vielleicht die letzte Hoffnung der Menschheit gegen die Ausrottung.

Von Tetsuro Araki, dem Regisseur von Death Note und Highschool of the Dead, kommt eine Serie, die Anime News Network als intensive, aufwühlende und grafisch aufregende Achterbahnfahrt bezeichnet. Und das natürlich vollkommen zurecht.

Die Titanen sind gekommen, um ein Feuerwerk der Emotionen zu entfachen. Alles kann passieren. Niemand ist sicher. Attack on Titan ist der perfekte Anime für jeden Horror liebenden Fan oder einfach nur für Leute, die Geschichten über den Kampf ums Überleben gegen menschenfressende Giganten, die drohen, euch, eure Familie und alle, die ihr kennt, zu fressen, mögen.

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Die Illustration stammt von Hajime Isayama, Kodansha und Kazé
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Whisky, Joints und Ravioli: Mein neues Leben in Berlin

Es ist Freitagabend in Berlin und ich sitze mit meinen beiden Mitbewohnern an dem Klapptisch in unserer Küche. Berna und ich haben ein Glas Weißweinschorle vor uns stehen, Maxi, unser Mitbewohner, trinkt Whisky mit Ginger Ale zu seinem allabendlichen Joint. Daran, dass er so viel kifft, habe ich mic...
Whisky, Joints und Ravioli: Mein neues Leben in Berlin

Whisky, Joints und Ravioli

Mein neues
Leben in Berlin

Sophie Fischer

Es ist Freitagabend in Berlin und ich sitze mit meinen beiden Mitbewohnern an dem Klapptisch in unserer Küche. Berna und ich haben ein Glas Weißweinschorle vor uns stehen, Maxi, unser Mitbewohner, trinkt Whisky mit Ginger Ale zu seinem allabendlichen Joint. Daran, dass er so viel kifft, habe ich mich auch nach vier Wochen in dieser WG noch nicht so ganz gewöhnen können, aber man hatte mich bereits vor meinem Umzug in die Hauptstadt darauf hingewiesen, dass illegale Rauschmittel in Berlin schon irgendwie zum guten Ton gehörten. So weit, selbst mal Haschisch zu probieren, bin ich allerdings noch lange nicht.

Wir sprechen gerade die Abendplanung durch, denn heute wollen wir gerne mal etwas zu dritt unternehmen. Auch, um uns besser kennenzulernen. Der Alltag funktioniert zwar schon ganz gut zwischen zwischen uns dreien, nicht zuletzt, weil Berna und Maxi nun schon seit etwas über zwei Jahren gemeinsam hier im Wedding wohnen, aber richtig zusammen aus waren wir noch nie, seit ich bei ihnen eingezogen bin.

„Ich hab Lust auf Essen gehen“, werfe ich in die Runde. „Also, ich meine jetzt nicht Currywurst oder Döner oder irgendetwas Anderes, das so typisch für Berlin ist, sondern ich meine so richtig Essen gehen, in irgendeinem schicken Restaurant. Und mit schick meine ich nicht superteuer, sondern eben … Naja, ihr wisst schon, eben keine Imbissbude, sondern irgendetwas, wo man nett sitzen und quatschen kann, aber eben auch leckeres Essen und vielleicht ein, zwei Gläschen guten Wein bekommt.“

Mein Blick wandert herunter zu meinem fast leeren Glas und ich überlege, ob ich mir noch einmal etwas nachschenken soll, aber entscheide mich dagegen. Irgendwie habe ich bereits jetzt im Gefühl, dass ich heute noch mehr als genug Gelegenheiten bekommen werde, Alkohol zu mir zu nehmen.

Berna ist sofort Feuer und Flamme. „Ich weiß, wo wir hingehen können“, plappert sie euphorisch drauf los. „Es gibt da diesen Laden in Kreuzberg, Gorgonzola Club heißt der, da will ich schon ewig mal hin, hab’s aber bisher nie geschafft!“ Maxi verdreht die Augen und drückt die Reste seines „Blunts“, wie er es nennt, in einem zum Aschenbecher umfunktionierten Blumentopf aus. „Bei sowas bin ich raus!“, sagt er. „Ich dachte, wir gehen einen saufen!“ „Ach Maxi“, antworten Berna und ich wie aus einem Mund und ziehen das „I“ in seinem Namen dabei extra lang.

„Wir können danach doch immer noch was trinken gehen“, sage ich. „Und außerdem schuldest du mir sowieso noch ein Abendessen“, hängt Berna an, „du weißt schon, dafür, dass ich vor deiner Mutter so getan habe, als würde dein Gras mir gehören!“ „Das hat kauft sie dir übrigens bis heute nichts ab“, meint Maxi mürrisch. „Aber okay, ich bin dabei, unter der Voraussetzung, dass wir uns anschließend noch abschießen gehen!“ „Machen wir“, verspricht ihm Berna, und ich zeige meine Zustimmung mit einem Nicken.

Knapp eineinhalb Stunden später finden wir uns im Gorgonzola Club wieder, der an diesem Freitagabend so voll ist, dass wir Glück haben, überhaupt noch einen Tisch zu ergattern. Der Laden ist ganz hübsch eingerichtet, irgendwie italienisch-rustikal. Nur die rot-weiß-karierten Tischdecken aus Papier wirken in diesem Ambiente fehl am Platz. Berna lässt Maxi und mich wissen, dass eine Kommilitonin ihr die Ravioli hier empfohlen hat, also bestellen wir drei verschiedene Portionen Ravioli, einen großen Teller Antipasti und natürlich Wein, zwei Gläser weiß, und ein Glas rot.

Während wir auf das Essen warten, was nicht nur gefühlt, sondern tatsächlich eine halbe Ewigkeit dauert, weil unsere Bestellung mit der eines anderen Tisches durcheinandergebracht wurde, unterhalten wir uns über das Leben und das Lieben in der Großstadt. Ich hatte vor meinem Umzug nach Berlin über zwei Jahre lang einen festen Freund, von dem ich mich allerdings getrennt habe, nachdem klar war, dass ich nach Berlin und er für ein Praktikum nach New York gehen würde. Eine Fernbeziehung kam für uns beide nicht in Frage, und ich gestehe meinen beiden Mitbewohnern, dass ich irgendwie ganz froh bin, die Hauptstadt als Single erkunden zu können, was Maxi unwillkürlich schmunzeln lässt.

„Werde bloß nicht so wie er“, sagt Berna und macht mit dem Kopf eine Bewegung in Richtung Maxi, während sie sich eine Olive in den Mund steckt. „Jedes zweite Wochenende bringt er ein anderes TinderDate mit nach Hause, und ich darf dann deren Haare aus dem Duschsieb fischen!“ „Das sind ausschließlich deine Haare“, kontert Maxi zurück und Berna wirft ihre lange blonde Mähne über die Schulter, fast so, als sei sie Beyoncé persönlich.

Die Salbeiravioli im Gorgonzola Club sind wirklich fantastisch, so dass der Fehler mit der verwechselten Bestellung zumindest von meiner Seite aus sofort wieder verziehen ist. Beim Essen erfahre ich ein bisschen mehr über das Liebesleben meiner beiden Mitbewohner, zum Beispiel, dass Berna bisexuell ist und in den letzten Jahren ausschließlich mit Frauen zusammen war, und dass Maxi keine Lust hat, sich zu binden. Ihre Frage danach, ob ich jemals einen richtigen One-Night-Stand hatte, muss ich verneinen. Berna meint, das würde schon noch kommen, und dass sowas in Berlin Gang und Gäbe ist.

Nach dem Essen zieht Maxi uns weiter in die Fahimi Bar, seine Stammbar in Kreuzberg, wie er sagt. Dort bestellt er für uns alle eine Runde „Dillinger Escape Plan“, einen Drink, von dem er schwört, dass wir ihn auf jeden Fall probieren müssen. Was wir serviert bekommen, riecht ein wenig wie das Wasser, in dem saure Gurken eingelegt sind, schmeckt aber erstaunlich gut. Ein Blick auf die Karte verrät mir, warum der Cocktail so nach Gurkenwasser riecht. Neben Gin, Holunderblütenlikör und Zitronensaft enthält dieser nämlich auch noch Gurke, Dill und etwas Meersalz.

Leider ist die Bar an diesem Abend ziemlich voll und laut, was vielleicht auch ihrer Lage direkt am berühmt-berüchtigten Kottbusser Tor geschuldet ist. Ich merke, dass ich langsam ganz schön müde werde, im Gegensatz zu Maxi und Berna, die jetzt erst richtig aufdrehen und bereits Pläne schmieden, wo es als nächstes hingehen soll. Wir bestellen noch eine zweite Runde, bevor wir gemeinsam aufbrechen, doch trotz ihres Bettels und Flehens, noch mit ihnen in den Kater Blau zu gehen und die Nacht zum Tag zu machen, kann ich widerstehen und mich von den beiden losreißen.

Wir verabschieden uns mit Umarmungen von einander, und während sie sich in ein Taxi Richtung Club schwingen, steige ich in die nächste U-Bahn, die zu unserer Wohnung fährt. Ich bin noch nicht bereit für so eine richtige Partynacht in Berlin. Aber was nicht ist, kann ja noch werden, und gerade freue ich mich einfach nur, einen tollen, wenn auch ruhigen Abend mit meinen fantastischen Mitbewohnern in dieser aufregenden Stadt gehabt zu haben.

Die Fotografie stammt von Yeo Khee
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Kita, Koks und Kater Blau: Meine Wohnungssuche in Berlin

Während ich unter der Dusche stehe, mir leblos die Haare wasche, beschwerlich die Zähne putze und überhaupt erst richtig wach werde, klingelt es sirenenartig im Zehn-Sekunden-Takt an der Wohnungstür. Ich hasse diese Momente und reagiere auf eben solche meist mit der Gleichgültigkeit des monoton flie...
Kita, Koks und Kater Blau: Meine Wohnungssuche in Berlin

Kita, Koks und Kater Blau

Meine Wohnungssuche
in Berlin

Katrin Olszewski

Während ich unter der Dusche stehe, mir leblos die Haare wasche, beschwerlich die Zähne putze und überhaupt erst richtig wach werde, klingelt es sirenenartig im Zehn-Sekunden-Takt an der Wohnungstür. Ich hasse diese Momente und reagiere auf eben solche meist mit der Gleichgültigkeit des monoton fließenden Wasserstrahls vor meinen Augen.

Der Postbote soll mit seiner Weihnachtsladung an Paketen doch bitte zu unserem Hartz-IV-Nachbarn gehen, der eh nichts anderes zu tun halt, als sich einen wunderbar original laminierten Arno-Dübel-Gedenktisch zu basteln, philosophiere ich noch, als es heftig zu klopfen und lärmen anfängt. Sondereinsatzkommando? Nein, viel schlimmer noch, es ist mein alter Kollege Tobias.

Das Temperament lässt sich quasi an seinen Lippen ablesen, als ich in der Tür stehe und ihn phlegmatisch hereinwinke. Die Wohnungsbesichtigung war wohl wieder ein Schuss in den Ofen. Tobias sucht seit etwa einem Jahr seine Traumwohnung in Berlin und findet, in seinem Fall, natürlich keine. „Welcome to the Circus“ könnte es auch heißen, wenn man die Absage eines Makler-Hipsters in die Tasche steckt.

Bei der Ausschreibung der Inserate fängt es ja bekanntlich schon an. Wir bieten: Wohnung zur Zwischenmiete, zum Tausch, für mindestens hundert Monatsmieten Provision, Mietzuschlag wegen Neubezug, selbstständige Mängelbeseitigung, mit Schimmel und ohne Klo. Wow, da wohne ich doch lieber gleich auf der Straße.

Die Chance, in Berlin reibungslos eine Wohnung zu finden, ist in etwa so groß, wie Karl Lagerfeld im Hawaiihemd oder Jürgen von der Lippe im Anzug zu begegnen. Kein Wunder auch, bei der momentan rapide steigenden Bevölkerungszahl, die sich proportional zu den Kothäufchen an den Straßenecken verhält. Aber warum ist das so?

Ich selbst bin Berlinerin und quasi ein Urgestein in den einst friedlichen Gefilden meiner Geburtsstätte. Doch im Laufe meiner pubertären Achterbahnfahrten musste ich feststellen, dass auch die Welt sich immer weiter dreht und die Menschheit mit ihr. Es ist die Zeit des Lebens, die uns dazu zwingt neue Orte zu erkunden, uns zu suchen und zu finden. Und sei es auf dem Penny-Parkplatz in Plauen.

Aber Berlin ist Metropole. Berlin ist Mutterstadt. Berlin ist so wunderbar. Kita, Koks und Kater Blau, denken viele und packen ihre Bündel Scheine ein, um sich auf den Weg in die große Stadt zu machen. Reiche Söhne investieren dank Papi in Aktien und kaufen Wohnungen oder ganze Bezirke.

Jaja, es ist traurig und eine alte Leier, ich weiß. Aber mit dem explodierenden Überangebot an Eigentumswohnungen und der rigorosen Anfechtung der letzten drei besetzten Häuser in Berlin, sinkt die Hoffnung auf das einst so starke Gemeinschaftsgefühl und hinterlässt just den hässlichen Status Quo einer egoistischen und kapitalistischen Gesellschaft.

So ist es nun auch mit der Wohnungssuche. Die Werbespots von Zalando machen es vor, die Bewerber in Kreuzberg machen es nach. Allein vor meinem Haus fand neulich eine Besichtigung mit 64 Leuten statt. Ich habe nachgezählt, weil ich es selbst nicht glauben wollte und der Meinung war, es wäre jemand aus dem Fenster gesprungen und ich hätte unverzüglich den Notarzt zu rufen. Doch als der Makler seine 64 hysterischen BWLer an die Hand nahm und ins Haus führte, war mir alles klar.

Nun hängt Tobias ebenfalls im Fadenschein des Netzes fest und hofft, endlich von der schwarzen Witwe erkannt zu werden, die stets ihre flinken Beine in Bewegung hält, um alles an sich zu reißen, was einen guten Geschmack und ein bisschen Provision in petto hat.

Mittlerweile hat er sich mit dem Gedanken abgefunden, das in Berlin kein Luxusloft, sondern eine solide und warme Behausung auch viel wert ist, und man frei nach Arno Dübel mit den Worten „Man soll sich doch so wenig Arbeit machen wie es geht.“ gut leben kann. Ansonsten zieht man einfach nach Plauen.

Die Fotografie stammt von Jonas Denil
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Spirited Away: Chihiros Reise ins Zauberland

Spirited Away spielt im ländlichen Japan und erzählt die Geschichte der zehnjährigen Chihiro Ogino und ihrer etwas gestressten Eltern, die auf dem Weg zu ihrem neuen Zuhause in der Vorstadt sind. Nachdem die Familie eine falsche Abzweigung genommen hat, gelangt sie zu einem, wie sie glaubt, verlasse...
Spirited Away: Chihiros Reise ins Zauberland

Spirited Away

Chihiros Reise
ins Zauberland

Annika Lorenz

Spirited Away spielt im ländlichen Japan und erzählt die Geschichte der zehnjährigen Chihiro Ogino und ihrer etwas gestressten Eltern, die auf dem Weg zu ihrem neuen Zuhause in der Vorstadt sind. Nachdem die Familie eine falsche Abzweigung genommen hat, gelangt sie zu einem, wie sie glaubt, verlassenen Vergnügungspark. Chihiros Eltern werden bald von einem Buffet mit unwiderstehlichen Speisen verführt, das sie beinahe so verzehrt, wie sie es verzehren. Schnell verwandeln sie sich in große quiekende Schweine.

Als Chihiro nach Hilfe sucht, findet sie in Haku, einem mysteriösen Jungen mit magischen Kräften, einen Freund und Verbündeten. Er macht sie mit den Geistern bekannt, die nachts den Vergnügungspark bewohnen.

Chihiro muss zur Arbeit zu Yubaba gehen, einer grimmigen alten Frau mit riesigem Kopf und kurzem Körper, die ein Thermalbad für alle möglichen fantastischen Kreaturen und Götter betreibt. Ihre Erfahrungen mit diesen Geistern, Monstern und Wesen aus alten Legenden führen zu einer Reihe von außergewöhnlichen und unterhaltsamen Abenteuern, die ihre wildesten Vorstellungen übersteigen.

Hayao Miyazakis Filme sind immer um starke Charaktere herum aufgebaut, und Spirited Away enthält einige der auffallend originellsten Kreaturen, die je gesehen wurden. Im Mittelpunkt der Erzählung steht Chihiro, die zehnjährige Heldin. Sie beginnt als ein ziemlich mürrisches, verwöhntes Kind mit einer Neigung zur Panik, wenn etwas schief geht, aber sie entwickelt über Zeit die Fähigkeit, ruhig zu bleiben, wenn andere es nicht sind. Sie gibt niemals auf, wenn sie sich einmal ihre Ziele gesetzt hat. Chihiro trifft und befreundet sich mit einer Vielzahl von Wesen in der Geisterwelt und findet sich eher früher als später in einem fantastischen Märchen voller unvergessener Wunder, Magie und Fantasien wieder.

Chihiros Reise ins Zauberland ist eine wunderschöne Geschichte über Mut und Willenskraft, die jeder einmal gesehen haben sollte. Der Film ist nicht nur eine faszinierende Reise für die ganze Familie, sondern für viele auch das Portal in die kunterbunte Welt der Anime. Und wer erst einmal damit begonnen hat, sich für die japanischen Animationsfilme und -serien zu begeistern, der wird so schnell nicht mehr damit aufhören. Denn Anime sind eine aufregende Welt für sich…

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Die Illustration stammt von Studio Ghibli und Leonine
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Kritik, Kultur und Kommentare: Die deutsche Neidgesellschaft

Wilhelm Busch, einer der wichtigsten deutschen Dichter und Denker, behauptet: „Der Neid ist die aufrichtigste Form der Anerkennung.“ Der Philosoph Arthur Schopenhauer hingegen wird in seiner Beobachtung schon differenzierter und entzieht dem Gefühl einen kulturellen Zusammenhang. „In Deutschland ist...
Kritik, Kultur und Kommentare: Die deutsche Neidgesellschaft

Kritik, Kultur und Kommentare

Die deutsche
Neidgesellschaft

Meltem Toprak

Wilhelm Busch, einer der wichtigsten deutschen Dichter und Denker, behauptet: „Der Neid ist die aufrichtigste Form der Anerkennung.“ Der Philosoph Arthur Schopenhauer hingegen wird in seiner Beobachtung schon differenzierter und entzieht dem Gefühl einen kulturellen Zusammenhang. „In Deutschland ist die höchste Form der Anerkennung der Neid.“ Wenn sich diese Aussage nicht heute noch bestätigt. Seien wir ehrlich: die deutsche Gesellschaft ist die Neidgesellschaft schlechthin.

Anerkennung mag die beste Form der Kritik sein, welche der eigenen Arbeit entgegengebracht werden kann, aber ob es diese noch mit der Paarung von Neid ist, sei erst einmal dahingestellt. Für den, der beneidet wird, kann diese Art der Reaktion seiner Mitmenschen der Sieg sein. Doch gibt es immer zwei Seiten, die durchleuchtet werden müssen. Und das kann leider auch verheerend unglücklich enden.

Das ach so harmlose und erstrebenswerte Gefühl war eines der Ursachen der Verschwörungstheorien, welche die Propaganda des Nationalsozialismus nur bestärkten. Die Wirtschaftskrise von 1923, die viele Deutsche in den finanziellen Ruin stürzen ließ, sei eine Machenschaft und Manipulation der Juden. Wie entstehen derartige menschenverachtende Vorwürfe, um es milde auszudrücken? Ganz genau: Durch Neid. Untere Schichten hegten dieses Gefühl gegenüber den gutpositionierten Juden.

Niemand gibt sich mit dem zufrieden, was er hat. Es ist nicht nur so, dass häufig diejenigen, die es geschafft haben, Missgunst und Neid entgegengebracht bekommen, nein, die Arbeit wird ignoriert. Noch schlimmer. Sie wird verachtet und schlecht geredet. Kritik ist gut, sehr gut sogar, wenn nicht die beste erfolgversprechende Reaktion auf unser Tun. Denn nur so können wir an uns wirken und besser werden. Doch die Kritik aus unserem Umfeld ist oftmals keineswegs konstruktiv.

Es ist spürbar, dass sie das Ziel verfolgt, zu entblößen und zu erniedrigen, aus Selbstgefallen. Mit negativen Äußerungen wird versucht, Menschen an sich selbst zweifeln zu lassen, nur weil sie genau das sich selbst antun. Bewusst und aus Absicht. Weil diese Sorte von Menschen alles will, aber rein gar nichts dafür tut. Das hat dann auch nichts mehr mit dem sogenannten „positiven Neid“ zu tun, wie es manche Philosophen nennen, und der sich durch das Ungerechtigkeitsgefühl rechtfertigen lässt.

Dazu macht es die Demokratie des Internets nun auch noch jedem einzelnen möglich, sich zu äußern. Oft sind dann Kommentare voller Hass zu lesen. Während man im echten Leben noch besser damit umgehen kann, da man die Gewissheit hat, wer was sagt, sind es im Internet anonyme Menschen, die ohne ihre Identität zu verraten, die eigene Unzufriedenheit tarnend alles schlecht reden und sich über Personen äußern, die sie nicht kennen. Dagegen kann man leider nichts machen. Denn die Netiquette besteht weder in Blogs noch im echten Leben.

Doch es bringt nichts, von der Geschichte zu erzählen, wenn wir davon nichts lernen können. Das Problem muss da behoben werden, wo es entsteht. Im Menschen, denn man kann Neid nicht damit abtun, und es gutreden, indem man sagt „deine Anerkennung ist mein Sieg“. Wie kann man dieses Hauptcharakteristikum des Menschen überwinden, wovon uns die griechische Mythologie so oft erzählt?

Der Anti-Amerikanismus sollte sich bemildern, und gleichzeitig muss sich die deutsche Gesellschaft von ihr manches erklären lassen. Denn die Amerikaner bewundern jeden, der es schafft vom Tellerwäscher zum Millionär, den American Dream zu leben. Diese Menschen werden bejubelt, man nimmt sie sich als Vorbild und sagt aufblickend: “Hey, das möchte ich auch schaffen”. Es wird sicher oft in die Höhe gelobt. In Deutschland hingegen wird jedoch alles schlecht- und kleingeredet. Ein Schriftsteller erklärte mir mal dazu, wenn man die Wahl zwischen groß- und kleinreden hat, dann entscheidet man sich natürlich für das erste.

Da ich zwischen zwei Kulturen aufgewachsen bin, habe ich das Glück zwei Gesellschaften genauestens miteinander vergleichen zu können. In der Türkei trägt jedes Baby Monate, manchmal jahrelang die Nazar-Perle, die vor bösen Blicken schützen soll. Aus Tradition und natürlich auch aus Angst vor neidischen Menschen. Die gibt es nämlich auch in der Türkei, schließlich ist es nun einmal ein Grundcharakteristikum des Menschen. Doch unternimmt man unbewusst andere Maßnahmen, um es nicht auszuleben.

Doch dort sagt man jedem Kind, egal ob besonders oder nicht, “Mashallah, bist du schön” oder “Gott, beschütze dich”. Es ist nett gemeint, sicher auch ein Ausdruck der Gewohnheit, wenn auch nicht immer unbedingt das ehrlichste. Doch seit wann sollte man Kinder schon intensiv kritisieren. Menschen aus anderen Kulturen schaffen es dieses „Gefühlsgebilde“ nicht erst entstehen zu lassen.

Wie so häufig hat der wohl weiseste Mensch, den Österreich zu bieten hat, die Lösung parat. Nicht Ressentiment, sondern Bewunderung ist das Schlagwort. Sigmund Freud sagt Neid kann mit dem Gefühl der Bewunderung überwunden werden. Aufrichtig und tief kann eine Freundschaft nur werden, wenn man den Menschen, die man liebt vom Herzen alles gönnt. Die Formel ist die Umwandlung in ein Gefühl der Bewunderung.

Und für Goethe ist das universellste Glück die Lösung für alles. „Gegen große Vorzüge eines andern gibt es kein Rettungsmittel als die Liebe.“ Aber damit man nicht nur weniger neidisch sein muss, sondern auch weniger unzufrieden mit sich selbst, und letzteres sind wir ja alle mal, müssen wir uns selbst erinnern und erinnert werden. Wer wir sind und vor allem, was wir damit alles geschafft haben, statt sich ständig vorzuführen, was andere alles haben und können, was man selbst nicht hat, und nicht kann.

Man sollte sich der eigenen Fähigkeiten bewusst werden und nicht der Unfähigkeiten. Die Konzentration und Fokussierung auf das eigene Leben, die eigenen Leidenschaften muss man selbst endlich durchführen und erleben, nur so kann man sich selbst verwirklichen. Und ganz einfach: Durch Lob von Familie und Freunden, aber auch durch Fremde. Wenn man etwas Positives über jemanden denkt, dann kann man das auch ruhig mal sagen. Denn schließlich macht uns das alle glücklich und unserem Tag zu einem schöneren. Immer. Ohne Ausnahme.

Die Illustration stammt von Icons8
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Finger im Po: Der männliche G-Punkt

Der G-Punkt des Mannes liegt in seinem Arsch. Ich rede natürlich von der Prostata. Einem Teil des männlichen Körpers, über das im sexuellen Kontext viel zu selten gesprochen wird. Prostatamassagen sind absolut geil. Ich liebe es, Typen einen oder mehr Finger in ihren Arsch zu schieben und nur durch...
Finger im Po: Der männliche G-Punkt

Finger im Po

Der männliche
G-Punkt

Nadine Kroll

Der G-Punkt des Mannes liegt in seinem Arsch. Ich rede natürlich von der Prostata. Einem Teil des männlichen Körpers, über das im sexuellen Kontext viel zu selten gesprochen wird. Prostatamassagen sind absolut geil. Ich liebe es, Typen einen oder mehr Finger in ihren Arsch zu schieben und nur durch das Reiben dieses eines Punktes zum Orgasmus zu bringen.

Leider lassen das viel zu wenig heterosexuelle Kerle mit sich machen. Vermutlich, weil sie Angst haben, dann als schwul zu gelten. Die meisten rasten halt schon aus, wenn man mit den Fingern auch nur in die Nähe ihres Arschlochs kommt. Wollen aber selbst am liebsten alles, was es so an Spielzeug und Körperteilen gibt, im Darm einer Frau versenken. Nene, nicht mit mir. Wer Ärsche ficken will, muss zumindest bereit sein, das Gleiche mal passiv an sich auszuprobieren. Meinetwegen auch im Alleingang bei der Selbstbefriedigung. Spielzeug gibt es ja genug, und zur Not tut’s für’s Erste ja auch ein Finger der eigenen Hand.

Die Jungs, die sich regelmäßig anal befriedigen oder befriedigen lassen, sind sich für gewöhnlich einig, dass die Orgasmen, die durch die gezielte Reizung der Prostata herbeigeführt werden, wesentlich intensiver sind als die, die durch einfaches Abspritzen entstehen.

Nur zwei Typen, die ich befragt habe, sagten mir, dass sie das Ganze „nicht so geil“ fanden. Das ist die gleiche Anzahl von Typen, die bei meinen Befragungen zu ihrem Sexleben auch angaben, Blowjobs nicht befriedigend zu finden. Genauer gesagt: In Zahlen ist das absolut nichts.

Von den Kerlen, die vor mir zugaben, unfassbar darauf zu stehen, forderte aber knapp die Hälfte absolute Verschwiegenheit zu mir. Muss ja keiner wissen, dass man sich gerne mal von hinten nehmen lässt. Nee, muss auch keiner wissen. Dann sollte man aber auch nicht damit prahlen, wenn man es einer Frau mal „so richtig schön in den Arsch gegeben“ hat. Wenn man schon so offen mit seinem Sexleben umgeht, sollte man auch zu allem stehen, was man gerne macht. Mach ich ja genauso.

Ich hab mir das Gefühl, das entsteht, wenn ein Mann über den Arsch kommt, ja auch beschreiben lassen. Die Antworten fielen unterschiedlich aus, doch prinzipiell war man sich einig, dass ein Prostataorgasmus um einiges länger anhält als einer, der über das Stimulieren des Schwanzes zustande kommt. Die meisten bezeichnen ihn als „wohlig-warmes Gefühl, das in der Lendengegend entsteht, dann in den Bauch wandert und von da aus den ganzen Körper für mehrere Minuten einnimmt“.

Klingt für mich irgendwie wie mein eigener Orgasmus, und es ist ja kein Geheimnis, dass Frauen zwar seltener als Männer, dafür aber umso intensiver kommen. Wenn ich ein Typ wäre, wäre ich spätestens nachdem ich das gehört habe total wild darauf, mich in den Arsch fingern zu lassen. Aber ich ticke da ja generell ein wenig anders als die Masse. Ich würde auch einen Apfelkuchen ficken, wenn ich einen Schwanz auf Fleisch und Blut hätte und nicht nur einen, der aus Silikon gefertigt ist.

Natürlich können Prostatamassagen auch nur dann geil sein, wenn der gebende Partner weiß, was er tut. Man darf zum Beispiel keinesfalls mit langen Fingernägeln in den Arsch eines anderen Menschen eindringen, ich empfehle hier Nitrilhandschuhe, die schützen einerseits die empfindliche Darmwand und sorgen andererseits dafür, dass sich auch wirklich niemand die Finger schmutzig macht, und sinnloses Rumgestochere bringt es auch nicht.

Das sollte aber eigentlich jede Frau, die selbst schon mal extrem schlecht in die Muschi gefingert wurde, wissen. Außerdem zwingen erforderlich: Gleitgel. Spucke geht zur Not natürlich auch immer, ist auf Dauer aber wirklich nicht so geil, da sie ziemlich schnell wieder getrocknet ist. Spätestens beim Rausziehen des Fingers nach dem Orgasmus kann das mitunter ganz schön schmerzhaft werden, wie ich an meinem eigenen Arschloch bereits erfahren musste.

Die Prostata kann man auf jeden Fall fühlen. Selbst, wenn man massive, von Schwielen bedeckte Bauarbeiterhände hat. Sie befindet sich etwa vier bis sechs Zentimeter hinter dem Darmeingang, ist kastaniengroß und fühlt sich an wie die Schale einer Walnuss, nur in weich. Hat man diesen Punkt gefunden, was jetzt echt nicht allzu schwer ist, muss man diesen einfach leicht in kreisenden Bewegungen massieren, um bei einem Mann ungeahnte Gefühle hervorzurufen. Manche mögen es natürlich etwas härter, aber ein sanfter Druck reicht meist schon aus, um das Gegenüber durchdrehen zu lassen.

Um die Prostata zu massieren, muss man übrigens nicht zwangsläufig jemandem einen Finger in den Arsch schieben. Das geht nämlich auch „von außen“, quasi über die Stelle, die zwischen den Eiern und dem Arschloch liegt. Das ist dann zwar weniger intensiv für beide Partner, aber gerade, wenn man sich unsicher ist, ob einem das wirklich gefällt, sowohl passiv, als auch aktiv, ein guter Weg, um sich an eine „richtige Prostatamassage“ heranzutasten.

Mit der viel zitierten rektalen Untersuchung bei der Musterung hat das Verfahren übrigens sehr wenig zu tun. Leute, echt, ihr müsst mal lernen, zwischen medizinischen Techniken und Sexualpraktiken zu unterscheiden. Natürlich können Untersuchungen jemandes Kink sein. Dazu gehört dann meist allerdings deutlich mehr, als dass man jemandem mal kurz den Finger in den Arsch steckt und checkt, ob die Prostata in Ordnung ist.

Natürlich will ich niemandem vorschreiben, dass er Prostatamassagen genauso geil zu finden hat wie ich. Ich bin allerdings der Meinung, dass man nichts verurteilen sollte, was man noch nicht ausprobiert hat. Vor allem, da wir hier nicht von sowas reden wie Fäkalien, mit denen man sich gegenseitig die Körper einreibt und dann daran riecht, sondern einer Sache, die jetzt wirklich in keiner Weise irgendwie abartig oder komisch ist.

Und wer es als „schwul“ empfindet, sollte auf jeden Fall mal seine homophobe Einstellung hinterfragen. Kleine Info am Rande: Nicht jeder schwule Mann mag es gerne in den Arsch. Und nicht jeder Mann, der sich gerne von einer vollbusigen Dame mit einem Strap-On den Darm penetrieren lässt, würde das Gleiche auch mit einem Mann machen.

Sonst würde das ja auch bedeuten, dass jeder Typ, der gerne Frauen in den Arsch fickt, heimlich davon träumt, mal einen Kerl von hinten zu nehmen. Ob man Arschficks mag oder nicht, hat nichts mit der sexuellen Orientierung zu tun. Aber Doppelmoral wird ja gerade in diesem Kontext auch heutzutage noch besonders groß geschrieben.

Die Fotografie stammt von Charles Deluvio
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Mädchen in Asien: Eine Reise durch Japan

Japan ist für viele ein Land der scheinbar unendlich Träume. Wer hier her kommt, der taucht ein in eine Abenteuer der technologischen Moderne und traditionellen Kultur. Tokio, Kyoto, Osaka, jede Stadt hat ihren ganz eigenen Reiz und wer sich außerhalb der Stadtgrenzen wagt, der bekommt das echte Jap...
Mädchen in Asien: Eine Reise durch Japan

Mädchen in Asien

Eine Reise
durch Japan

Annika Lorenz

Japan ist für viele ein Land der scheinbar unendlich Träume. Wer hier her kommt, der taucht ein in eine Abenteuer der technologischen Moderne und traditionellen Kultur. Tokio, Kyoto, Osaka, jede Stadt hat ihren ganz eigenen Reiz und wer sich außerhalb der Stadtgrenzen wagt, der bekommt das echte Japan zu spüren, das wilde Japan, das unberührte Japan. Eine naturgebundene Welt, die aus der Zeit zu fallen scheint.

Der Fotograf Peter Baumann und das Model Maria Kn sind quer durch das Land der aufgehenden Sonne gereist, um sich komplett und ausgiebig dem ostasiatischen Flair hinzugeben und Japan auch von Seiten zu erleben, die so manchem Reisenden verborgen bleiben. Denn das Land ist viel mehr als nur eine Aneinanderreihung auffälliger Klischees. Japan steckt voller kleiner und großer Wunder, wenn man sie denn nur sehen möchte.

Maria und ich sind drei Wochen lang quer durch Japan gereist“, erzählt uns Peter. „Von Tokio durch die Präfekturen von Kanagawa nach Kyoto und Hiroshima und am Ende wieder zurück nach Tokio. Wir schießen auf unseren Reisen immer auch Fashionstrecken und da wir unser Gepäck klein halten wollten, kam Maria auf die Idee, während unseres Roundtrips quasi nebenbei immer das selbe Outfit zu inszenieren. Und seien wir mal ehrlich: Es ist ja auch einfacher, nur ein Kleid in den Rucksack zu stopfen, um es immer dabei zu haben.“ Dem kann ich nur zustimmen.

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Die Fotografie stammt von Peter Baumann
Als Model ist Maria Kn zu sehen
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Ein Tag in Lissabon: Die Stadt der verbrannten Hirne

Passend zum Wetter und meiner aufgeheizten Attitüde, beschloss ich letzte Woche den billigsten Billigflug bei meiner liebsten Fluggesellschaft Ryanair zu buchen, um einfach nur ein paar Tage der kalten und dreckigen Mutterstadt zu entrinnen und mich von der Sonne und der Dekadenz des Touristen-Dasei...
Ein Tag in Lissabon: Die Stadt der verbrannten Hirne

Ein Tag in Lissabon

Die Stadt der
verbrannten Hirne

Katrin Olszewski

Passend zum Wetter und meiner aufgeheizten Attitüde, beschloss ich letzte Woche den billigsten Billigflug bei meiner liebsten Fluggesellschaft Ryanair zu buchen, um einfach nur ein paar Tage der kalten und dreckigen Mutterstadt zu entrinnen und mich von der Sonne und der Dekadenz des Touristen-Daseins in einem anderen Land brutzeln zu lassen. 34 Euro nach Faro. Hin- und Rückflug. Fünf Tage. Check.

Drei Shirts, zwei Röcke und meine löchrigen Keds sollten mir zu einem akuten Freiheitsgefühl für die nächsten 120 Stunden ohne Schlaf verhelfen. Mark Ronson & The Business Intl. hüllten mich nebenbei in eine, ja sagen wir „ohrgasmische Reiselaune“. Und ohne Bier wird’s sowieso schnell langweilig. Also, Sonnenbrille auf, Zigarette an und los ging es!

Faro ist eine niedliche und gemütliche Hafenstadt, die sich extrem gut in einer Stunde auf der To-Do- oder To-See-Liste abstreichen lässt und das sogar als Packesel, kriechend auf allen Vieren. Doch ich will mehr als nur ein Packesel sein. Ich will Action, Menschen und Strand. Der Bus bringt mich in die Haupt- und größte Stadt Portugals: Lissabon. Jetzt kann das Leben der Visionen und Impressionen beginnen…

Ich steige aus. Es ist nachts um eins an einem Freitagabend. Der Plan lautet: Hostel finden, Klamotten in die Ecke schmeißen, Friese stylen und auf ins Viertel Bairro Alto. Hier hält sich die moderne Wegwerf-Gesellschaft Lissabons auf, die nach jeder Sause von der Stadtreinigung die Straße runtergespült wird, wenn sie den Absprung nach Hause nicht mehr schafft oder den Weg ins Krankenhaus nicht mehr findet.

Die Devise lautet: Ein Drink = Ein Euro. Kann das gut gehen? Hier schütten die Leute schon fünf Cuba Libre weg, während in Berlin noch die Limette vom Barmann im Glas zerstoßen wird. Das gleicht wohl einer noch viel absurderen Mentalität als der auf Mallorca. Ich halte mich davon fern und trinke bescheiden meinen Jägermeister.

Doch mein Körper möchte das nicht – Epic Fail. Deswegen gibt’s ab sofort im Wechsel dazu das gute, ehrliche Bier Sagres. Schließlich möchte ich mich noch daran erinnern, warum ich am nächsten Morgen zerknüllt im Mülleimer aufwache und meine Haare kahl rasiert sind. So weit kommt’s zu meinem Glück aber nicht, denn ich wurde scheinbar zu etwas Besserem auserkoren – einer spontanen Komparsenrolle in Francis Ford Coppolas neuestem Streifen The Godfather of Lisboa.

Ich stehe in einer versifften Imbissbude und genehmige mir einen kleinen Snack zwischen circa vierzig farbigen Einwohnern. Und fühle mich ein bisschen unangenehm beobachtet, wie ich da nun sitze mit blonden Haaren und weißer Haut. Doch im nächsten Moment soll die Aufmerksamkeit auf mich, durch einen Waffenschuss in die Luft, abgelöst werden. Oh. My. God! Ein Schuss!

Ich wende mich in die Richtung des Terrorgewitters und entdecke einen durchgeknallten Typen, der wie irre seine Waffe durch die Gegend schleudert, schreit und spuckt. Kaum kann ich mich zu Boden werfen, umzingelt die Polizei den Laden und greift sich den schusswütigen Psychopathen. In dem dreiminütigen Kopfkino sehe ich meinen Namen im Abspann laufen. Die erste Sicherheit ist gegeben, ich atme auf und die Menschen um mich herum verlassen im Affenzahn das Gebäude. Nur ich nicht.

Ich sitze stumm hinter der Theke und wage mich nicht zu bewegen. Bis mir jemand von oben zuruft: „Move! Go away! We will close now!“ Aha, vielen Dank für die Aufmerksamkeit und freundliche Anweisung, denke ich pissig und trotte wie ein nasser Hund von dannen. Ich zittere immer noch, als ich ins Taxi einsteige, der Taxifahrer mich idiotisch angrinst und ins Hostel fährt.

Der erste Kulturschock ist überwunden. So derbe hab ich noch nicht mal den 1. Mai in Berlin erlebt, aber da werden meist auch nur die Autos in die Luft gejagt und nicht die Menschen. Aufgrund der Umstände der letzten Nacht gibt’s ab sofort eine neue Strategie im Ausgeh-Verfahren.

Weil die Bars in Lissabon um drei schließen und die Clubs erst dann öffnen, halte ich mich einfach solange in einer Bar auf, bis mein Wecker klingelt und mich aus dem Bier-Bett wirft. Dann renne ich schnell in den nächsten Club und bleibe dort, bis dieser schließt und so weiter und so fort. Mission possible.

Neue Runde, neues Glück. Wie geplant, geht’s gleich in die Kneipe, bevor ich überhaupt der tödlichen Ein-Euro-Versuchung zum Opfer fallen kann. Hier mach ich es mir bequem an der Bar, lausche den elektronischen Klängen des im Batik-Look gekleideten japanischen DJs und fühle mich zum ersten Mal sicher. Ich bestelle Getränke mit lustigen Namen und genieße die Ruhe.

Der Barmann wundert sich über meinen fatalen Geschmack alkoholischer Drinks und hat Sorge, dass mir der Magen ausgepumpt werden müsse, wenn ich das Namensspiel fortsetze. Ich sage: „Ich habe doch keine Ahnung.“ Auf Englisch natürlich.

Er horcht auf und fragt, wie ich dazu komme hier unterwegs zu sein und dann auch noch alleine. Das ist doch schon ein bisschen lebensgefährlich. Haha, nichts im Gegensatz zu meinem gestrigen Erlebnis. Das glaubt mir keiner! Der Barmann schon. Alfonso heißt er. Er bietet mir an, später mit ihm und seinen Amigos um die Häuser zu ziehen.

Wir gehen in jeden Club. Nach dem fünften Besuch brauch ich eine Pause. Sitzen und essen und so, sage ich. Die Jungs warten brav und wollen auch kurz in einem Store vorbeischauen und ein bisschen Energie abholen. Ich habe keinen Plan und gehe mit. Vor dem Laden sitzen drei Leute und gucken mich schief an. Sie zupfen an ihren verkrusteten Röhrenhosen rum und richten die neonfarbenden Sonnenbrillen, als sie mich grüßen. Und nun ist Warten angesagt.

Mehr und mehr Menschen versammeln sich. Ich bin kurz vor’m Einnicken, wegen eines ewig langen Portugiesen-Palavers, bis der Laden endlich aufmacht. Die Menschenmassen stürmen das Geschäft, als wäre Ausverkauf bei Media Markt. Ich kratze mich vom Bordstein ab und betrete diesen völlig zertreten.

Als Erstes werfe ich einen Blick in die Vitrinen. Eine Apotheke? Es gibt kleine Tütchen, worauf Teufel, Totenköpfe und irgendein Typ, ich vermute Nikki Sixx, abgedruckt sind und komme schnell zur Besinnung. Ich stehe in einem Drug-Store. Alfonso erzählt mir hier wäre alles legal.

Schon seit Anfang der 2000er wird der Konsum in Portugal nicht mehr bestraft oder verfolgt. Das gilt nicht nur für weiche Drogen sondern auch für schwere Suchtmittel wie Heroin. Seitdem ist die Kriminalitätsrate extrem gesunken. Sonst hätte mir hier wahrscheinlich auch schon ein Arm gefehlt.

Nachdem sich nun jeder seines Spaßes bedient hat, geht es weiter zur After-Hour an den Strand. Hier scheint nun die Tochter Coppolas, Sofia, an ihrem neuen Film Lost in Fascination gewerkelt zu haben. Der beige-rote Sand glänzt in der Sonne, die Füße werden vom kalten Wasser erfrischt und der Dancefloor bietet schattige Plätzchen vor dem munter wackelnden Musikspender.

Wir tanzen und lachen und schwitzen und sind glücklich. Irgendwann falle ich erschöpft zu Boden und schlafe ein. Als ich aufwache sind alle weg, die Menschen, die Musik, die Sonnenschirme, der Alkohol und die Drogen. Was zurückbleibt ist ein Sonnenbrand der Superlative. So sehr, dass jeder Schritt auf dem Heimweg wehtut und ich meine kross gebratenen Beine erschöpft hinter mir her schleifen muss. Und genau das habe ich nun wirklich auf dieser Reise gelernt: Use Sunblocker, feel safe!

Die Fotografie stammt von Zsolt Cserna
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Sex im Job: Wie gut fickt mein Chef?

Es gibt ja die unterschiedlichsten und absurdesten Theorien über den Penis. Je größer die Nase desto größer ist er. Fingergröße ist gleich Gliedgröße. Je dünner der Mann desto dünner sein Schwanz. Bei Frauen kursieren da ganz andere Legenden. Je stiller und zurückhaltender die Frau im Alltag desto w...
Sex im Job: Wie gut fickt mein Chef?

Sex im Job

Wie gut fickt
mein Chef?

Christine Neder

Es gibt ja die unterschiedlichsten und absurdesten Theorien über den Penis. Je größer die Nase desto größer ist er. Fingergröße ist gleich Gliedgröße. Je dünner der Mann desto dünner sein Schwanz. Bei Frauen kursieren da ganz andere Legenden. Je stiller und zurückhaltender die Frau im Alltag desto wilder ist sie im Bett. Angeblich. Ich kenne Männer, die sich genau aus diesem Grund nur mit ruhigen Mäuschen verabreden. Die Hoffnung stirbt ja bekannterweise zuletzt und so auch der Wunsch der Typen nach einem wilden, unvergesslichen Fick. Eine Brillenschlange, die plötzlich im Bett zur Granate wird, die Peitsche rausholt und ihm Handschellen anlegt.

Seitdem mir jemand diese Mäuschen-Granaten-Theorie erzählt hat, kann ich nicht mehr damit aufhören, mir die Menschen, die ich kennenlerne, beim Geschlechtsverkehrt vorzustellen. Vielleicht bin ich ja gar nicht die Einzige. Vielleicht gibt es ja noch mehr Menschen da draußen, die sich bei jeder neuen Bekanntschaft, die sie machen, sei es im Supermarkt oder beim Yoga, vorstellen, wie sie beim Sex ist.

Diese Gedanken kommen einfach, schleichen sich an und erschrecken mich dann zu Tode. Wie er wohl die Brust einer Frau streichelt. Ob er eher der Kneter oder der Melker ist. Ob er ganz leicht reinbeißt. Oder sie steif rubbelt. Und sie? Ob sie sich so richtig fallen lassen kann. Oder beim Sex die Maniküre überprüft. Ob sie Männern einen bläst. Oder schon einmal Sperma im Gesicht hatte. Fragen über Fragen überschlagen sich in meinem kleinen Kopf und ich bin machtlos dagegen.

Besonders schäme ich mich für meine Fantasien beim Businessmeeting. Wenn mich mein Chef anschaut, mir was von Marketingkonzepten erzählt, und ich mich frage, ob er wohl einen Fetisch hat. Ich hatte einmal einen Vorgesetzten. Ende 20. Nicht sehr witzig oder wortgewandt aber sehr hübsch mit einem Jahresgehalt um die 120.000 Euro. Er hatte eine Vorliebe für gestreifte Hemden und den ausdruckslosesten Blick, den ich je in meinem Leben gesehen habe. Es war schon spannend, mir vorzustellen wie er aussieht, wenn er lacht.

Am Anfang hatte ich keine bösen Gedanken, weil ich davon überzeugt war, dass er Sex mit seinem Aktenkoffer hat. Oder gar keinen. Dann habe ich erfahren, dass er eine Lebensgefährtin hat und das Kopfkino ging los. Entweder er ist ein Schmusekätzchen, das gerne kuschelt, vorwiegend mit dem Gesicht zwischen den Brüsten der Frau oder den Lippen am Ohrläppchen.

Oder er ist genauso knallhart wie im Beruf, schleudert die Frau all abendlich aufs Bett und rammelt sie einmal schnell durch, bevor er sich wieder an den Schreibtisch setzt und Mails beantwortet. Oder er ist einer derjenigen, die gerne in ihrer Freizeit Sklaven spielen. Die den ganzen Abend auf allen Vieren vor dem Sofa kriechen, damit die Frau ihre Füße auf ihnen ablegen kann. Meinen Gedankengang schließe ich immer mit der Vorstellung ab, welche Geräusche mein Gegenüber wohl beim Orgasmus macht. Ob er der Schreier, der Quengler oder der Ja-Sager ist. Es ist nicht einfach, mit so einer blühenden Fantasie gesegnet zu sein.

Es gibt aber Ausnahmen. Begegnungen mit Menschen, vorwiegend Männern, wo mein Hirn völlig leer ist. Keine Kamasutra-Stellungen, keine Brunftschreie, keine steifen Glieder. Da schau ich meinem Gegenüber in die Augen und lande direkt im Herz. Da ist alles so glasklar, dass ich bis zum Knochenmark schauen kann. Da gibt es keinen Körper mehr, sondern nur noch eine Seele.

Da verliere ich mich im Dickicht der Augenbrauen, zähle jeden einzelnen Wimpernschlag, möchte schmecken, nur riechen, am Körper, vom Hals bis zur Fußsohle, und fahre hundertmal die Kontur der Lippe mit meinen Augen nach. Dann wird mein Puls ganz schnell und meine Hände feucht, meine Stimme vibriert und ich höre einfach nur zu, sauge jedes einzelne Wort auf, das mein Gegenüber sagt und spinne ein Liebesnetz daraus.

Ja, dann bin ich verliebt. Dann habe ich keine Vorstellungen, dann möchte ich erleben, frei von Erwartungen. Und das ist auch gut so. Das ist der natürliche Schutzmechanismus. Denn stellt euch vor, ihr findet jemanden richtig, richtig gut, spielt schon den ganzen Akt der Liebe im Kopf durch, wie perfekt eure Körper zusammen passen, wie jeder Handgriff und jeder Kuss sitzt und dann kommt alles anders.

Ganz anders und ganz schrecklich. Da passt und sitzt erst einmal gar nichts. Je höher die Erwartungen, desto größer der Druck und umso tiefer auch die Enttäuschung, wenn es nicht so ist, wie man es sich vorgestellt hat. Deswegen denke ich, unser Kopf schaltet bei Menschen, die wir wirklich mögen, alle Sexfantasien ab, um uns vor all zu großen Erschütterungen in Folge von zu großen Erwartungen zu schützen und uns die reine Seele einer Jungfrau zu geben. Denn lieber keine Vorstellung haben, dafür die Hoffnung, die wie wir ja schon wissen, als letztes stirbt.

Falls ihr mich also einmal kennen lernen solltet, in nächster Zeit, macht euch keine Gedanken über euer Aussehen oder Verhalten. Ich höre euch sowieso nur halb zu und in meinem Kopf läuft ein ganz anderer Film ab. Ein Porno, mit euch in der Hauptrolle.

Die Illustration stammt von Cerry, Icons8 und Smashicons
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Die Bäckereiüberfälle: Haruki Murakamis krimineller Fiebertraum

Ja, ich gebe es zu, ich befinde mich im Augenblick auf einer unwiderruflichen Haruki-Murakami-Pilgerfahrt, aber, hey, wie kann mir das auch nur eine einzelne Seele da draußen verübeln? Schließlich zählt der japanische Autor zu den Besten seiner Zunft. Und das gilt für die Vergangenheit, die Gegenwar...
Die Bäckereiüberfälle: Haruki Murakamis krimineller Fiebertraum

Die Bäckereiüberfälle

Haruki Murakamis
krimineller Fiebertraum

Marcel Winatschek

Ja, ich gebe es zu, ich befinde mich im Augenblick auf einer unwiderruflichen Haruki-Murakami-Pilgerfahrt, aber, hey, wie kann mir das auch nur eine einzelne Seele da draußen verübeln? Schließlich zählt der japanische Autor zu den Besten seiner Zunft. Und das gilt für die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft gleichermaßen.

Aber ich kann alle Skeptiker gut verstehen. An welches seiner Werke sollte man sich zuerst herantrauen, um dem Meister gerecht zu werden? Lieber mit dem allseits beliebten Naokos Lächeln beginnen? Sich in die Psychogeschichte Hard-Boiled Wonderland und das Ende der Welt heranwagen? Oder doch gleich das Epos 1Q84 als erste, neue Vision erleben?

Glück habt ihr. Schließlich gibt es ein kleines Büchlein mit dem fantastischen Titel Die Bäckereiüberfälle, übersetzt von Damian Larens, das wie eine kleine Demo agiert und euch die Light-Version eines Murakami-Romans in kurzen, feinen Häppchen auf dem Lesetisch serviert. Mit Illustrationen von Kat Menschik ermöglicht es euch, kurz einzutauchen, in seine Welt.

„Gott und Marx und John Lennon sind tot. Wir hatten Hunger, so viel stand fest, deshalb wollten wir Böses tun. Aber nicht der Hunger trieb uns zum Bösen, sondern das Böse trieb, indem es uns hungern ließ. Klingt irgendwie, ich weiß nicht, existenzialistisch. So machten wir uns auf zur Bäckerei. Mit Messern bewaffnet, gingen wir langsam die Geschäftsstraße entlang auf die Bäckerei zu. Wir kamen uns vor wie in High Noon. Mit jedem Schritt duftete es wohliger nach Brot.“

Euch zu viel zu verraten, das wäre kontraproduktiv. Aber im Groben geht es um zwei Freunde, die eines Tages beschließen, eine Bäckerei zu überfallen. Schließlich haben sie Hunger. Und was wäre bitte ein besserer Grund, um eine Bäckerei zu überfallen? Na eben. Doch die Tat endet anders, als sie es sich vorgestellt haben, und führt zu unaufhörlichem Übermut.

„Das Mädchen starrte uns verblüfft an. In den Verhaltensregeln für McDonald’s-Personal steht nirgendwo, wie man Kunden zu begegnen hat, die plötzlich Skimützen überziehen. Sie wollte mit dem weitermachen, was nach dem Willkommen bei McDonald’s kommt, aber ihr Mund gefror, und sie brachte kein Wort heraus. Nur ihr Arbeitslächeln blieb ihr unsicher an den Lippen hängen wie die Neumondsichel bei Tagesanbruch.“

Die Bäckereiüberfälle könnt ihr ruhig und mit einem Sandwich bewaffnet an einem Nachmittag durchlesen. Es ist eine kurze Geschichte über Recht und Ordnung, über Flüche und Frauen, über das Hier und Jetzt. Wer sie versteht, der ist bereit für eines von Haruki Murakamis größeren Werke, alle anderen wissen zum Schluss zumindest, dass aller bösen Dinge zwei sind.

Die Fotografie stammt von DuMont
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Paul Kalkbrenner: Der König von Deutschland

In Deutschland, Österreich und der Schweiz hatte er wirklich alles erreicht. Jetzt brauche es etwas Größeres. Paul Kalkbrenner meint damit den Rest der Welt. Dass international derzeit der EDM-Wahnsinn herrscht, kann ihm dabei nur helfen. Natürlich hat Paul keine Verbindung zu diesem Genre, aber er...
Paul Kalkbrenner: Der König von Deutschland

Paul Kalkbrenner

Der König von
Deutschland

Annika Lorenz

In Deutschland, Österreich und der Schweiz hatte er wirklich alles erreicht. Jetzt brauche es etwas Größeres. Paul Kalkbrenner meint damit den Rest der Welt. Dass international derzeit der EDM-Wahnsinn herrscht, kann ihm dabei nur helfen. Natürlich hat Paul keine Verbindung zu diesem Genre, aber er profitiert davon, dass die Massenraves der letzten Jahre einen vielversprechenden Nährboden für elektronische Musik geschaffen haben.

„All diese Musik hat Türen für andere elektronische Musiker geöffnet“, erklärt Paul uns. „Das sind alles Hörgewohnheiten: Wenn der Amerikaner zum Beispiel zehn Jahre „Bumm, Bumm, Bumm, Bumm, Bumm“ in den Ohren hat, dann haben vielleicht Künstler, die viel kleiner sind als ich jetzt, die Chance, erfolgreich zu werden“.

Repertoirekünstler, ja, das entspricht Pauls Selbstverständnis als klassischer Albumkünstler. Das ist seine Kunstform, alles andere ergibt für ihn keinen Sinn, betont er mehrfach. Wenn ihr mit Paul Kalkbrenner über seine Musik diskutieren wollt, solltet ihr es vermeiden, mit Referenznamen um euch zu werfen.

Nicht, dass sich das nicht mit seinem Ego vereinbaren ließe, der Mann ist so entspannt und locker, so etwas würde ihn nie treffen. Es ist nur so, dass ihm der Blick auf die Musik anderer Menschen ziemlich fremd ist. Stattdessen ist er rund um die Uhr mit seinen eigenen Produktionen beschäftigt. Schließlich ist es sein Ehrgeiz als Künstler, zeitlose Klassiker zu schreiben – für die Masse und die Liebhaber.

Paul Kalkbrenner erfindet sich gern neu, ohne zu vergessen, wo er herkommt. Der Film Berlin Calling hat ihn endgültig zum Kultstar gemacht, nicht nur in Deutschland, sondern überall, wo Berlin immer noch als Zentrum des kreativen Exzesses gesehen wird, wo Menschen früh morgens aus dem Berghain wanken, nur um zur Afterhour in der nächsten Spreebar aufzuschlagen.

Pauls Musik gehört zu Berlin, Leipzig und Dresden wie Currywurst und Döner, wie Bier und Koks, wie Punk und Anzug. Und es ist immer wieder erstaunlich zu beobachten, wie er sich künstlerisch kontinuierlich neu auslebt, um mit seiner Musik nicht nur Deutschland, nicht nur Österreich und nicht nur die Schweiz, sondern die ganze Welt zu erobern.

Paul Kalkbrenner: Der König von Deutschland Paul Kalkbrenner: Der König von Deutschland Paul Kalkbrenner: Der König von Deutschland Paul Kalkbrenner: Der König von Deutschland Paul Kalkbrenner: Der König von Deutschland
Die Fotografie stammt von Olaf Heine
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Mädchen in Texas: Ein Nachmittag mit Taylor Green

Alle paar Jahre überlege ich mir nun bereits, ob ich mir nicht auch mal ein Tattoo zulegen möchte. Zumindest ein kleines. So für den Anfang. Als Zwölfjährige wollte ich unbedingt schwarze Sterne auf dem Oberarm haben, aber meine Eltern hatten es mir verboten. Und das war wahrscheinlich auch besser s...
Mädchen in Texas: Ein Nachmittag mit Taylor Green

Mädchen in Texas

Ein Nachmittag
mit Taylor Green

Daniela Dietz

Alle paar Jahre überlege ich mir nun bereits, ob ich mir nicht auch mal ein Tattoo zulegen möchte. Zumindest ein kleines. So für den Anfang. Als Zwölfjährige wollte ich unbedingt schwarze Sterne auf dem Oberarm haben, aber meine Eltern hatten es mir verboten. Und das war wahrscheinlich auch besser so. Heute möchte ich mir vielleicht ein kleines Herz auf die Hand oder ein ungefülltes Dreieck auf dem Unterarm.

Taylor Green aus Austin im sonnigen Texas ist da offensichtlich schon ein Stückchen weiter. Die erdverbundene Liebhaberin der Pflanzen, der Tiere und gewisser übersinnlicher Spiritualitäten hat ihre kindlichen Anfangsängste überwunden und ist heute eine wahrlich wunderschön tätowierte Göttin. Arme, Beine, Oberkörper – überall finden sich kunterbunte Kunstwerke, die so manche persönliche Geschichte visuell erzählen.

Der ebenfalls in den USA geborene und auch dort arbeitende Fotograf Dalton Campbell durfte Taylor nun für das Self Control Magazine ablichten. Und zwar dort, wo es Miss Greenery nun einmal am besten gefällt: In der freien Natur. Und vielleicht hat mich Taylor Green mit ihren körperlichen Kunstwerken ja davon überzeugt, mir selbst bald ein Tattoo stechen zu lassen. Nur wo und was, das bleibt noch mein kleines Geheimnis…

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Misosuppe: Das japanische Nationalgericht

Klar, wenn du an japanisches Essen denkst, dann schießen dir zuerst Gerichte wie Sushi, Tempura und vielleicht noch Teriyaki in den Kopf. Aber die fernöstliche Küche hält noch eine ganz andere Leibspeise bereit, die hier gerne einmal als schnöde Vorspeise abgeschrieben wird. Dabei gehört sie doch zu...