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Das Popkultur Magazin

Hipster, Huren, Hengste: Die Hamburger Partyszene ist ein Witz

Es reicht. Ich habe die Nase voll. Endgültig. Klar, ich liebe die Großstadt. Und sie liebt mich. Manchmal. Vor allem liebe ich Hamburg, denn wie könnte man diesen windigen Ort des Glücks nicht lieben? Ich wohne hier, ich ergieße mich in diesen losen Zusammenhalt aus Häusern, Straßen und Häfen, ich m...
Hipster, Huren, Hengste: Die Hamburger Partyszene ist ein Witz

Hipster, Huren, Hengste

Die Hamburger
Partyszene ist ein Witz

Christin Hauer

Es reicht. Ich habe die Nase voll. Endgültig. Klar, ich liebe die Großstadt. Und sie liebt mich. Manchmal. Vor allem liebe ich Hamburg, denn wie könnte man diesen windigen Ort des Glücks nicht lieben? Ich wohne hier, ich ergieße mich in diesen losen Zusammenhalt aus Häusern, Straßen und Häfen, ich möchte hier sein und nirgends anderswo, aber Hamburg, du machst es mir schwer. Jedes Wochenende aufs Neue. Und das macht mich kaputt. Langsam, aber sicher.

Hier, in meinem Leben, einem nicht allzu alten Dasein der schwindenden positiven Gefühle, in dem pseudocoole Szenekinder das Ruder übernommen haben, die umher wandelnden Herzlosen mit den toten Augen, die fahlen Gesichter ohne Seele, indem sie die einst besten Clubs der ganzen Welt mit Mottopartys vergewaltigen, die niemand haben wollte und keiner braucht.

„20er Jahre“, „Bad Taste“ oder „Erzähl’s nicht meinem Freund“ heißen die vermeintlichen Feierlichkeiten der Menschen ohne Liebe zu sich selbst, Namen also, die mindestens genauso kreativ wie die inspirationslose Kostümierung der abgestumpften Gäste sind. „Hauptsache billig“, sollten sie allesamt heißen, die nächtlichen Aktivitäten, Ausnahmen gibt es nicht.

Niemand von ihnen gibt sich Mühe, die schnell dahin gerotzten Vorgaben werden bestenfalls ignoriert und meistens sogar falsch verstanden. Mit Absicht. 20er Jahre, das heißt nicht sich nuttig in schwarzer Spitze an der Wand herumzureiben, sondern den stilvollen Geist einer vergangenen Lebensart zu zelebrieren.

Während betrunkene Männer mit einer großen Flasche Schnaps am Tisch sitzen, hüpfen kleine Mädchen um sie herum. Die Typen lechzen, gieren, ich muss fast brechen, wie sie die Töchter anstarren und ihnen dank der zu kurzen Shorts und Röcke die Milz lecken könnten.

Ich bin jetzt 22. Und selbst mir ist das zu blöd. „Ich bin zu alt für diesen Scheiß hier“, denke ich mir dann. 22, eigentlich sollte doch jetzt erst das Leben anfangen, oder? Aber dank meines Nebenjobs als Barkeeperin, so finanziert man sich hier nämlich das Studium, muss ich diese ganze Misere auch noch jedes Wochenende durch machen, immer wieder aufs Neue.

Kleine Mädchen lassen sich Zungen, Finger und Längeres in den Hals stecken, nur, um am Ende an einem der lieblos verzierten Tische sitzen zu dürfen und sich mit zwölf anderen Leuten billigen Alkohol in Massen ins Gesicht zu werfen.

Am nächsten Morgen berichten sie ihren vor Neid berstenden Freundinnen in der Hauptschule davon, wie cool sie waren, die wissen das bereits, denn schließlich haben sie ja am selben Abend Instagram mit verwackelten Partyfotos geflutet, mit ihren champagnerfarbenen iPhones, die sie von ihren Vätern zum Geburtstag geschenkt bekommen hatten. Danke, Papa.

Leider haben sie die Geräte aber noch am selben Abend im Club verloren oder bei fastreichen Anzugträgern in der Wohnung mit Aussicht liegen gelassen. Shit happens. Egal, nächstes Wochenende sitzen die kleinen Mäuschen ja am nächsten Tisch, vielleicht sind diesmal ja sogar ein paar HSV-Spieler dabei, die ihr einen Wodka-Maracuja nach dem anderen einschenken. Das wäre dann ja das große Los für die wandelnden Vaginas, und vielleicht verwandeln sie sich dann in Spielerfrauen. Hurra.

Ich vermisse die Abende in Clubs, an denen noch alles echt war, wir und die, an denen noch gute DJs gebucht wurden. Wir pilgerten dort hin, um uns zu verausgaben, körperlich, geistig, es war toll, Erfahrungen, die es so nirgends gab.

Dort ging es nicht darum, verwöhnte Szenekinder zu treffen und sich ein Küsschen links und rechts zu geben, sondern darum, sich selbst zu finden. Heute ist alles anders. Der “DJ” ist jetzt dein bekiffter Nachbar mit MacBook, er war billig und da, warum sollte man noch gutes Geld investieren? Was er zu Hause kann, kann er schließlich auch in einem Club.

Als ich vor langer Zeit nach Hamburg zog, mit einem warmen Gefühl im Herzen, das ich kaum beschreiben kann, legte Steve Aoki auf. Ich war noch zu jung und musste mich mit viel Mühe ins heiße Innere des Gebäudes schummeln. Für mich gab’s keinen Alkohol, das war mir egal, wirklich, mir ging es nur um diesen Schwall an puren Emotionen, welche ich nur dort verspürte.

Hier gab es keine kleinen Jungs, die ihr Taschengeld damit aufbesserten, indem sie Playlists „auflegten“. Das war echt. Und jeder wusste es. Ich wollte für immer dort bleiben. Gemeinsam mit jedem lachenden Gesicht, das genau dasselbe fühlte.

Heute interessiert sich in Hamburg niemand mehr für die Musik. Jetzt geht es darum, möglichst aufreizend von einem der unzähligen Partyfotografen, die sich zu oft auf LastNightsParty oder The Cobrasnake herum getrieben haben, ablichten zu lassen. Sie machen schließlich geile Fotos von dir, in dem superengen Top mit Ausschnitt bis zur äußeren Schamlippe.

Am Montag Morgen weiß zwar niemand mehr wie der DJ hieß, aber immerhin gibt’s dieses tolle Foto von dir, auf dem du vor einer grauen Betonwand stehst und deine Möpse reibst, auf Facebook und über den Betten perverser Partyhengste. Herzlichen Glückwunsch. Deine Eltern freuen sich bestimmt über dieses Bild, vielleicht wird es ja die nächste Weihnachtskarte.

Wer heute spontan in einem Club vorbei schauen möchte, um sich eine schöne Zeit zu machen, der hat schlechte Karten, denn das ist schier unmöglich. In diesem Jahr finden hier nur noch 30 verschiedene Partyreihen statt, die alle gleich sind und irgendwie nur von drei seltsamen Menschen veranstaltet werden.

Hier hängen die immer gleichen kleinen Mädchen und alten Säcke ab, die ihre immer gleiche Show aus Alkohol, Knete und Geschlechtsteilen abziehen. Wenn du dort bist, willst du nur noch nach Hause – außer du hast dich in einen Menschen verwandelt, der du nie sein wolltest.

Also fällt man in seinen eigenen vier Wänden deprimiert ins Bett, schwört sich selbst, dass man nie wieder auf so eine ätzende Veranstaltung geht und löscht seinen Namen von allen Veranstaltungsseiten bei Facebook. Und doch ist es nahezu unmöglich, aus diesem Kreislauf der schwellenden Hoffnung und niederschlagenden Depression zu fliehen.

Schließlich habe auch ich Bedürfnisse, jede Menge davon, das ist auch mein gutes Recht, ich möchte mich bewegen und Spaß haben und meine Freunde treffen, an Orten, an denen großartige Musik gespielt wird und tolle Menschen tanzen und lila Wolken vorbeiziehen.

Ich liebe Hamburg. Wie könnte man das auch nicht? Und vielleicht wird irgendwann wieder alles gut. Wenn die vergewaltigenden Mottopartys fort sind. Und die pseudocoolen Szenekinder. Und die kleinen Mädchen.

Die Fotografie stammt von Neal E. Johnson
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Der Feind in meinem Bett: Mein Freund hat ein Mädchen vergewaltigt

Vor knapp drei Jahren hat mein Freund ein Mädchen vergewaltigt. Nicht so, wie sich das manche vielleicht vorstellen, in einer dunklen Gasse und mit viel Gewalt. Oder auf einer Party, wo sie so betrunken war, dass sie nicht mehr Nein sagen konnte. Die beiden waren damals ein Paar. Er wollte Sex un...
Der Feind in meinem Bett: Mein Freund hat ein Mädchen vergewaltigt

Der Feind in meinem Bett

Mein Freund hat ein
Mädchen vergewaltigt

Nadine Kroll

Vor knapp drei Jahren hat mein Freund ein Mädchen vergewaltigt. Nicht so, wie sich das manche vielleicht vorstellen, in einer dunklen Gasse und mit viel Gewalt. Oder auf einer Party, wo sie so betrunken war, dass sie nicht mehr Nein sagen konnte.

Die beiden waren damals ein Paar. Er wollte Sex und sie hat nein gesagt. Er hat ihre Worte übergangen und trotzdem mit ihr Sex gehabt, gegen ihren Willen. Mein Freund hat ein Mädchen vergewaltigt, in ihrem Schlafzimmer, ihrem eigenen Bett. Sie hat sich noch in derselben Nacht von ihm getrennt. Ich hingegen bin noch immer mit ihm zusammen, obwohl ich weiß, dass er sie vergewaltigt hat.

Mein Freund wurde dafür nie angeklagt, und wo kein Richter, da kein Urteil. Ich weiß, dass dieses Mädchen ihn nicht angezeigt hat. Ich weiß auch, warum sie es nicht getan hat. Ihr hätte sowieso niemand geglaubt. Wäre sie vor Gericht gegangen, hätte man ihr zumindest eine Teilschuld unterstellt. Die Strafe wäre zu milde ausgefallen, denn mein Freund streitet nicht ab, dass er sie vergewaltigt hat.

Er hat es zu keinem Zeitpunkt abgestritten. Schon in der Nacht, als er das Mädchen vergewaltigt hat, war ihm klar, was er da tat. Er hat es trotzdem gemacht. Mit ihr Sex gehabt, obwohl sie nein gesagt hat. Mir ihr Sex gehabt, gerade weil sie nein zu ihm gesagt hat. Weil er seinen Willen um jeden Preis durchsetzen wollte. Weil er Macht demonstrieren wollte. So hat er es zumindest mir erzählt.

Seit der Vergewaltigung haben sich beide in Therapie begeben, sowohl das Mädchen als auch mein Freund. Seit fast zwei Jahren sind wir nun zusammen, eins davon ist er bereits in Therapie. Er sagt, er fühlt sich selbst als Opfer seiner Triebe. Er sagt auch, dass er so erzogen worden ist, dass eine Frau ihm zu gehorchen hat. Und dass er nicht wieder Täter werden will.

Ich bin mit einem Vergewaltiger zusammen und ich weiß, was das bedeutet. Was es für das Mädchen von vor drei Jahren bedeutet, aber auch, was es für mich bedeuten kann. Dennoch liebe ich meinen Freund und bin bereit, das Risiko einzugehen, dass er eines Tages oder nachts nicht an sich halten kann und sich an mir vergeht. Mich vergewaltigt, so wie er einst schon mal ein Mädchen vergewaltigt hat.

Mein Freund ist kein gewalttätiger Typ. Das war er nie, und wird es auch nie sein. Er hat noch nie die Hand gegen mich oder jemand anderes erhoben. Dennoch ist er ein Vergewaltiger. Das lässt sich weder leugnen, noch lässt es sich ignorieren. Ich weiß bereits seit dem Tag, an dem wir zusammenkamen, was er diesem anderen Mädchen angetan hat. Trotzdem könnte ich mich niemals von ihm trennen. Trotzdem bin ich verliebt in ihn.

Ich habe die Frau, die mein Freund vergewaltigt hat, nie persönlich kennengelernt. Ich kenne sie nur von Bildern auf Facebook und auf Instagram. Manchmal würde ich gerne mit ihr sprechen und sie fragen, wie sie die Nacht damals empfunden hat. Ob sie meinem Freund das, was er getan hat, verziehen hat, oder ob sie ihm verzeihen will.

Ich möchte sie fragen, ob sie mir verzeiht, dass ich mit ihm zusammen bin, obwohl ich von seiner Tat weiß. Ich möchte sie fragen, ob sie inzwischen glücklich ist, ob es einen Mann an ihrer Seite gibt, ob sie immer noch oder schon wieder vertrauen kann. Ich denke nicht sehr oft an sie, aber wenn, dann glaube ich, dass ich ihren Schmerz schon etwas fühlen kann. Auch wenn mein Freund mich noch nie vergewaltigt hat, sondern sie.

Ich würde schon sagen, dass er sich seitdem verändert hat. Er weiß, was er getan hat und auch, dass es nie wieder passieren darf. Aus diesem Grund habe ich auch keine Angst vor ihm, auch wenn sich natürlich nicht ausschließen lässt, dass er mir irgendwann mal das antut, was er diesem Mädchen vor drei Jahren angetan hat.

Ich vertraue ihm zu 100 Prozent, und zumindest ich habe ihm die Vergewaltigung verziehen. Auch wenn ich, streng genommen, weiß, dass ich ihm nicht an ihrer Stelle verzeihen kann. Ich habe es trotzdem getan, denn ich glaube, hätte ich ihm nicht für sie verziehen, dann könnte ich ihn nicht so lieben, wie ich das tue. Ich hoffe, dass sie mich in der Hinsicht versteht. Auch Vergewaltiger brauchen Liebe. Auch Vergewaltiger können Liebe gebe.

Vor knapp drei Jahren hat mein Freund ein Mädchen vergewaltigt. Nicht so, wie sich die meisten das wahrscheinlich vorstellen, in einer dunklen Gasse und mit viel Gewalt. Oder auf einer Party, wo sie so betrunken war, dass sie nicht mehr Nein sagen konnte.

Er und sie waren damals ein Paar. Er wollte Sex und sie hat nein gesagt. Er hat ihre Worte ignoriert und trotzdem mit ihr Sex gehabt, gegen ihren Willen. Mein Freund hat ein Mädchen vergewaltigt. In ihrem Schlafzimmer. In ihrem Bett. Sie hat sich noch in derselben Nacht von ihm getrennt. Ich aber bin bis heute mit ihm zusammen. Obwohl ich weiß, dass er ein Mädchen vergewaltigt hat.

Ich habe ihm dafür verziehen und mir, und ich würde lügen, wenn ich sagte, dass es einfach für mich war. Mein Freund ist ein Vergewaltiger. Trotzdem liebe ich ihn, will mit ihm alt werden und mit ihm Kinder kriegen. Ich weiß, dass er seinen Fehler bereut und dass er die Verantwortung für seine Tat übernimmt. Auch wenn er vom Gesetz her nie bestraft wurde.

Und ich wünsche mir, dass es mir andere Menschen gleichtun, denn wir alle machen Fehler, verletzen Menschen und behandeln sie ungerecht. Ich finde es wichtig, in die Zukunft zu schauen und Menschen eine zweite Chance zu geben. Auch dann, wenn sie, wie mein Freund, ein Mädchen vergewaltigt haben.

Die Fotografie stammt von Nel Mel
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Rosalía: Futuristischer Flamenco

Wenn ihr an spanische Musik denkt, dann denkt ihr an schreckliche Urlaubssongs von Bands, denen selbst vollkommen egal ist, was sie da von sich geben, Hauptsache es klingt exotisch genug, dass betrunkene Mallorca-Touristen dazu halbnackt ihre mehrstöckigen Rettungsringe schwingen. Doch Rosalía is...
Rosalía: Futuristischer Flamenco

Rosalía

Futuristischer
Flamenco

Annika Lorenz

Wenn ihr an spanische Musik denkt, dann denkt ihr an schreckliche Urlaubssongs von Bands, denen selbst vollkommen egal ist, was sie da von sich geben, Hauptsache es klingt exotisch genug, dass betrunkene Mallorca-Touristen dazu halbnackt ihre mehrstöckigen Rettungsringe schwingen.

Doch Rosalía ist anders. Sie ist authentisch. Sie ist echt. Mit ihren Songs konnte sie rasant ein wachsendes Heer von globalen Fans gewinnen, die von ihrer einzigartigen Kombination von Flamenco, R&B und elektronischen Beats fasziniert sind, gepaart mit ihren Anspielungen auf die Bereiche der bildenden Kunst, Mode und Choreographie.

Das Lob der Musikkenner folgte nach den Vorabveröffentlichungen von Malamente und Pienso En Tu Mirá ziemlich schnell. Rosalía erhielt sechs Nominierungen für den Latin Grammy und nahm die Preise für den „Best Alternative Song“ und die „Best Urban Fusion Performance? mit nach Hause.

Auch das kritische Lob am Ende des Jahres folgte, wobei die junge spanische Künstlerin mehrere Nummer-1-Auszeichnungen für das beste Album, Video, Song und New Artist des Jahres erhielt. Und auch danach ging Rosalías Weg weiterhin rasant nach oben, mit besonderen Features beim Rolling Stone und Billboard, einem gemeinsamen Duett auf James Blakes neuem Album und einem Auftritt bei den MTV Europe Music Awards.

Letztens hat Rosalía, die weithin als „Latin Music’s Breakout Artist of the Year“ gefeiert wird, hat das nächste visuelle Kapitel ihres wegweisenden Albums El Mal Querer mit der Musikvideo-Veröffentlichung von De Aquн No Sales enthüllt.

Das Video, unter der Regie von Diana Kunst und Mau Morgу, setzt Rosalías charakteristische Mischung aus traditioneller und spanischer Ikonographie der nächsten Generation fort – in diesem Fall die Kombination aus Location des Videodrehs, die Windmühlen Alcazar de San Juan von Don Quixote, und der Rückkehr der unverwechselbaren Motorradkultur, die erstmals bei Malamente zu sehen war. Rosalía ist die neue spanische Königin. Und ihr könnt nichts dagegen machen.

Rosalía: Futuristischer Flamenco Rosalía: Futuristischer Flamenco Rosalía: Futuristischer Flamenco Rosalía: Futuristischer Flamenco Rosalía: Futuristischer Flamenco
Die Illustration stammt von Filip Custic
Der Text erschien in der Kategorie Musik mit den Themen
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Klogeschichten: Gespräche übers Kacken zeigen dir, wer deine wahren Freunde sind

Es gibt einen ganz bestimmten, fast schon magischen, Moment in jeder Bekanntschaft - egal, ob es sich um eine aufkeimende Freundschaft oder eine frische Beziehung handelt - in der sich entscheidet, ob es sich um eine aufrechte, enge Bindung oder doch eher um ein für immer und ewig oberflächliches Mi...
Klogeschichten: Gespräche übers Kacken zeigen dir, wer deine wahren Freunde sind

Klogeschichten

Gespräche übers Kacken
zeigen dir, wer deine
wahren Freunde sind

Nadine Kroll

Es gibt einen ganz bestimmten, fast schon magischen, Moment in jeder Bekanntschaft – egal, ob es sich um eine aufkeimende Freundschaft oder eine frische Beziehung handelt – in der sich entscheidet, ob es sich um eine aufrechte, enge Bindung oder doch eher um ein für immer und ewig oberflächliches Miteinander handelt.

Das ist nicht etwa der Moment, wenn man seine ganze tragische Familiengeschichte auspackt oder dem Gegenüber anbietet, im Krankheitsfall eine Niere zu spenden, sondern ein ganz niederes, menschliches Bedürfnis, das ein jeder von uns hat, über das aber aus Höflichkeit, Scham oder anderen für mich nicht nachvollziehbaren Gründen gerne geschwiegen wird. Der Moment, in dem sich entscheidet, ob eine zwischenmenschliche Beziehung echt oder oberflächlich ist, ist der, in dem man das erste Mal miteinander übers Kacken spricht.

Der tägliche Stuhlgang ist in unserer Gesellschaft ein Tabuthema, über das niemand gerne spricht – dabei ist es eigentlich ein Bedürfnis wie jedes andere, und über unser Lieblingsessen oder die Sehnsucht nach einem heißen Bad schweigen wir ja auch nicht. Warum also sind die meisten von uns so verklemmt, dass sie nicht sagen können, wenn sie mal wieder richtig schön einen abseilen wollen.

Die Ekelgrenze kann’s nicht sein, denn alles, was der menschliche Körper so an Abfallprodukten produziert, ist ganz prinzipiell erst mal nicht eklig. Man muss sich den Achselschweiß seiner Mitmenschen ja nicht direkt ins Gesicht reiben lassen oder den eigenen Urin als Mahlzeit zu sich nehmen. Kann man aber, wenn man möchte.

Für mich ist Kacken ein Gesprächsthema wie jedes andere auch. Und ich hab auch echt kein Bock drauf, mit Leuten befreundet sein, zu denen ich sagen muss „Ich geh mir mal die Nase pudern“, wenn ich eigentlich meine, dass ich scheißen muss. Zumal „Nase pudern“ für mich bedeutet, dass ich mir eine ordentliche Ladung Kokain in die Birne ballere.

Schon lange bevor Darm mit Charme das Thema Stuhlgang gesellschaftsfähig gemacht hat, gehörte es zu den Dingen, die ich mit meinen Freundinnen und Freunden gerne besprach. Ist doch auch interessant, sich mal über die Häufigkeit des Kackens oder die verschiedenen Konsistenzen von Scheiße zu unterhalten.

Im Internet kursiert sogar eine Liste, auf der Dinge wie „Sprühwurst“, „Glückswurst“, „Aufregungsschiss“ und „Bierschiss“ genauestens definiert werden. Super Sache, vor allem, weil man daran merkt, dass man nicht der einzige Mensch der Welt ist, der manchmal so krasse Stinkbomben ins Klo legt, dass man einen ganzen Kontinent damit ausrotten könnte.

Ich muss gestehen, dass ich nicht immer so locker war, wenn’s ums Thema Kacken geht. Früher war das schon so, dass ich das Thema Stuhlgang so behandelt habe, wie auch meine Periode: Als wäre es bei Frauen gar nicht vorhanden. Demnach bin ich auch immer nach Hause gefahren, wenn mein Darm sich zu Wort gemeldet hat, statt meinen Haufen in die Schultoilette zu setzen. Auch bei Freunden scheißen war nicht drin. Generell konnte ich nirgendwo kacken, außer zuhause. Und darüber reden war halt auch nicht drin.

Geändert hat sich das alles schlagartig, als ich das erste Mal auf einem Festival war. Ich hatte mir im Vorfeld gar keine Sorgen um meinen Stuhlgang gemacht, schließlich kannte ich meinen Darm gut genug, um zu wissen, dass er gut und gerne eine Woche ohne die Erleichterung eines Schisses auskommt, wenn die heimische Toilette nicht in der Nähe ist.

Auf Festivals herrschen andere Gesetze als im normalen Leben. Da werden beispielsweise fiktive Götter aus Bierdosen angebetet, Menschen, die sich im normalen Leben nie begegnen würden, reiben ihre geschwitzten Körper aneinander, und es wird lauthals verkündet, dass der braune Schokobär drückt und man jetzt mal einen abseilen geht.

Besonders der erste Schiss auf einem Festival wird für gewöhnlich groß gefeiert. Vor allem dann, wenn er auf einem Dixiklo erfolgte und nicht auf einer dieser Toiletten, für die man Geld bezahlen muss, damit man in einem halbwegs sauberen Umfeld und mit etwas mehr Ruhe sein Geschäft erledigen kann.

Für mich war das zunächst sehr irritierend. Wie gesagt, ich kannte das nicht, dass man so offen über seine Darmtätigkeit spricht. Vor allem nicht als Mädchen. Gleich am zweiten Tag allerdings konfrontierte Sophia unsere Reisegruppe mit ihrem bereits jetzt nicht enden wollenden Bierschiss. Ich bewunderte sie, wie so oft, stieg aber noch nicht mit in das Thema ein.

Die anderen jedoch holten direkt ihre krassesten Scheißgeschichten hervor. Da war zum Beispiel der Typ, der eine Hand gekackt hatte. „Einen großen Haufen und fünf kleine Würstchen, echt jetzt!“ „Hast du ein Foto davon gemacht?“ Und ein anderer, der angab, extra schwarze Schokolade mitgenommen zu haben, damit seine Scheiße trotz des ganzen Bieres eine „normale“ Konsistenz behielt.

Ab da gab es eigentlich kein Halten mehr. Gefühlt der ganze Zeltplatz beteiligte sich an der Diskussion über eindeutig sichtbare, unverdaute Maiskörner im Kot, das Brennen, das man am Arschloch verspürte, wenn man ein zu scharfes Chili hatte und wenn sie gerade nicht darüber sprachen, blähten sie ihre Darmwinde in alle Richtungen des Geländes. Ich war zu keinem Zeitpunkt angeekelt, doch so richtig mitmachen wollte ich hier noch nicht.

Erst, als mein Darm sich am dritten Tag und nach viel zu viel Bier zu Wort meldete, zog ich Sophia zur Seite und erzählte ihr, dass ich jetzt auch endlich mal müsse. Eigentlich wollte ich von ihr nur wissen, ob sie zum Kacken auf die Dixiklos oder die bezahlbaren Toiletten ging, doch bevor sie aufhalten konnte, schrie sie unseren Begleitern zu: „Ey, Nadine geht endlich auch mal kacken!“ Ich bekam eine große Runde Applaus, eine Rolle Klopapier in die Hand gedrückt und die Anweisung, einfach das Dixiklo zu benutzen, da sich das Bezahlen für die „besseren“ Toiletten sowieso nicht lohnen würde.

Von da an war das Eis gebrochen. Nachdem ich einen mittelfesten Haufen in das kleine blaue und extrem stinkende Häuschen gesetzt hatte, ging ich zurück zu den anderen und erzählte ihnen davon. Von da an gehörte ich dazu. Meine Freundschaft zu der Truppe, mit der ich auf dem Festival war, war echt.

Seit diesem Tag hab ich auch kein Problem mehr damit, vor anderen Leuten über meinen Stuhlgang zu sprechen. Wer auf mein „Ich geh kacken!“ mit Abscheu oder Ekel reagiert, ist es nicht wert, mein Freund zu sein. Ich will einfach keine Beziehungen zu Menschen haben, die sich ihrer eigenen Körperfunktionen so sehr schämen, dass sie nicht offen sagen können, was Sache ist.

Die Fotografie stammt von Mitchell Orr
Der Text erschien in der Kategorie Leben mit den Themen
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Anime Architecture: Ein visueller Reiseführer in andere Welten

Anime sind so viel mehr als süße Mädchen mit großen Augen und noch größeren Brüsten. Kein anderes Medium bietet eine so reichhaltige Interpretation verschiedener Universen, Reisen und Abenteuer, in denen alles möglich zu sein scheint. Die japanische Animationskultur ist zur Spitze des menschlichen G...
Anime Architecture: Ein visueller Reiseführer in andere Welten

Anime Architecture

Ein visueller Reiseführer
in andere Welten

Marcel Winatschek

Anime sind so viel mehr als süße Mädchen mit großen Augen und noch größeren Brüsten. Kein anderes Medium bietet eine so reichhaltige Interpretation verschiedener Universen, Reisen und Abenteuer, in denen alles möglich zu sein scheint. Die japanische Animationskultur ist zur Spitze des menschlichen Geschichtenerzählens gereift.

Nehmt zum Beispiel Akira von Katsuhiro Otomo, nehmt Neon Genesis Evangelion von Hideaki Anno, nehmt Die letzten Glühwürmchen von Isao Takahata. Und es sind nicht nur die vielfältigen Charaktere und schönen Geschichten, die uns für ein paar Stunden in den Bann ziehen, es ist auch die ausgefeilte Architektur von Gebäuden, Maschinen und Städten, die uns einen Eindruck von einer anderen Welt vermitteln.

Der deutsche Kurator Stefan Riekeles war Künstlerischer Leiter des Japan Media Arts Festival Dortmund und kuratierte 2011 die Ausstellung ‚Proto Anime Cut‘. Er war Programmdirektor des International Symposium on Electronic Art 2010 und kuratierte Ausstellungen für das Transmediale Festival für Kunst und digitale Kultur Berlin. Er hat einen Master of Arts in Kultur- und Audiokommunikationswissenschaften von der Humboldt-Universität und der Technischen Universität Berlin – und nicht zuletzt liebt er die Kunst der japanischen Animation so sehr, dass er sogar Bücher darüber schreibt.

Sein neues Buch „Anime Architecture“ zeigt die atemberaubenden Stadtbilder und Gebäudestrukturen, die von den meist verehrten Regisseuren und Illustratoren japanischer Animationsfilme geschaffen wurden. Es ist eine überwältigende Reise hinter die Kulissen futuristischer Megastädte und urbaner Zentren der nahen Zukunft. Die Schöpfer dieser Anime haben einprägsame und detailgetreue Welten gezaubert, deren Einflüsse seit Jahrzehnten in Kino, Literatur, Comics und Videospielen zu spüren sind.

Die längst überfällige Hommage bietet einen unvergleichlichen Überblick über filmische Höchstleistungen – darunter Material von Akira, Ghost in the Shell, Patlabor, Neon Genesis Evangelion und Tekkonkinkreet – anhand von Original-Hintergrundmalereien, Storyboards, Entwürfen, Inspirationsquellen und Filmausschnitten.

Produziert in direkter Zusammenarbeit mit den originalen japanischen Produktionsstudios, bietet „Anime Architecture“ privilegierte Einblicke in die frühesten Konzeptionsphasen ikonischer Szenen bis hin zu ihrer Entwicklung zu fertigen Filmen. Das Buch kann direkt hier gekauft werden.

Anime Architecture: Ein visueller Reiseführer in andere Welten Anime Architecture: Ein visueller Reiseführer in andere Welten Anime Architecture: Ein visueller Reiseführer in andere Welten Anime Architecture: Ein visueller Reiseführer in andere Welten Anime Architecture: Ein visueller Reiseführer in andere Welten Anime Architecture: Ein visueller Reiseführer in andere Welten Anime Architecture: Ein visueller Reiseführer in andere Welten Anime Architecture: Ein visueller Reiseführer in andere Welten
Die Fotografie stammt von Stefan Riekeles
Der Text erschien in der Kategorie Kunst mit den Themen
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Drogen, Groupies, Egoschweine: Ficke niemals einen Rapper!

Schon klar. Du bist seit Teenagerzeiten großer Rap-Fan, hast früher so hart zu Eminem masturbiert, wie die Girls heute zu Drake, und möchtest nichts sehnlicher als endlich die Frau an der Seite eines Mannes zu sein, der stark, erfolgreich und irgendwie gefährlich ist. Bevor du aber zum nächsten K...
Drogen, Groupies, Egoschweine: Ficke niemals einen Rapper!

Drogen, Groupies, Egoschweine

Ficke niemals
einen Rapper!

Suzie Grime

Schon klar. Du bist seit Teenagerzeiten großer Rap-Fan, hast früher so hart zu Eminem masturbiert, wie die Girls heute zu Drake, und möchtest nichts sehnlicher als endlich die Frau an der Seite eines Mannes zu sein, der stark, erfolgreich und irgendwie gefährlich ist.

Bevor du aber zum nächsten Konzert gehst, die Security-Guards penetrierst und denkst, dein Groupie-Verhalten würde dir die große Liebe einbringen, lass mich dich warnen: In Wirklichkeit ist es nämlich ziemlich beschissen, einen Rapper zu daten. Sollte es dir dennoch wie eine gute Idee vorkommen, hier ein kleiner Guide.

Der Hipster-Rapper: Er ist der feuchte Traum einer jeden 13-Jährigen: Gut gekleidet, ziemlich witzig und mit einer Stimme gesegnet, die nicht nur „Whisky„, sondern vor allem „Sex“ schreit, auch wenn viele seiner Fans noch nicht mal wissen, wie das überhaupt geht. In den letzten Jahren hat er die meiste Zeit im Studio, auf Tour oder Preisverleihungen verbracht und nicht nur die deutsche Rap-Landschaft mit seinen Hits dominiert, sondern gleichermaßen den Mainstream.

Er ist die Art von Typ, der um seine Optik und seinen Erfolg weiß und es deswegen sehr genießt zu flirten. Auch wenn er sehr charmant ist, ist es praktisch unmöglich mit ihm auf ein normales Date zu gehen, es sei denn man hat Lust alle fünf Meter auf ein hyperventilierendes Teeniegirl zu treffen, für das man dann auch noch den Fotografen spielen darf.

Da es aber wahrscheinlich nicht dein Lebensziel ist, einen ganzen Bildband voller heulender Mädchen zu fotografieren, denen Rotze aus der Nase läuft, während dein Stecher gelangweilt den Arm um sie legt, werdet ihr euch nur noch bei ihm zu Hause treffen. Die gemeinsamen Abende werden also überwiegend daraus bestehen rumzuhängen, Pizza zu bestellen und zu kiffen.

Keine Frage: Wenn du jemanden gefunden hast, der immer einen lächerlich großen Vorrat deiner Lieblingsdroge in der Wohnung hat, dir ab und zu limitierte Sneaker schenkt und spaßeshalber nackt die Tür öffnet, dann bist du erst mal ziemlich happy. Da er und seine Band aber Meinungsführer einer ganzen Generation sind, wirst du leider mehr Zeit damit verbringen durchgeknallte Stalkerinnen auf Facebook und Instagram blockieren zu müssen, als du unterm Strich effektiv gevögelt wirst.

Abgesehen davon wäre es sowieso ziemlich naiv davon auszugehen, dass du die Einzige bist, ab einem gewissen Bekanntheitsgrad heißt es für einen Rapper nämlich nicht nur „Cash rules everything around me“ sondern auch „Groupies rule everything around me“. Die Schwierigkeit liegt aber nicht darin, dass ihm ständig und überall Muschi angeboten wird. Viel eher ist es das, was diese Dauer-Beweihräucherung mit seinem Hirn macht. Kritisierst du ihn, wird er sich aufspielen wie eine verdammte Diva.

Wenn dir die gelegentlichen Stimmungsschwankungen aber nichts ausmachen, dich die Sidechick-Politik nicht stört und du damit klarkommst, dass er manchmal Tage braucht um auf eine SMS zu antworten, dann seid ihr vermutlich das perfekte Paar. Allerdings wirst du wohl oder übel der Tatsache ins Auge blicken müssen, dass du trotz all deiner verständnisvollen Geduld immer die Nummer Zwei bleiben wirst. Den ersten Platz teilt er sich nämlich mit seiner Mainbitch namens Musik.

Der Gangster-Rapper: Assi-Slang, Bomberjacke, BMW: Der Gangster-Rapper tut nicht nur so als wäre er aus dem Ghetto, er ist es tatsächlich. Seine abgebrochene Mechanikerausbildung und der fehlende Hauptschulabschluss haben ihn allerdings nicht daran gehindert, seine Träume zu verwirklichen. Heute kann er deswegen genau die Art von Frau, die ihn damals immer eiskalt abserviert hat, mit in die Restaurants nehmen, die er sich früher nie leisten konnte.

Auch wenn man es nie vermuten würde, dieser Stereotyp ist trotz seines polizeilichen Führungszeugnisses ein Gentleman der alten Schule: Er ist nett, höflich und zuvorkommend, nennt dich „Baby“ und weiß genau, wo sich dein Platz als Frau befindet: Auf dem Rücken oder in der Küche. Seid ihr aber zusammen auf Tour, so wird er dich in teure Hotels einladen, dich bitten die Reizwäsche anzuziehen, die er dir kürzlich geschenkt hat, während er Champagner und Koks aufs Zimmer bestellt.

In diesen Nächten fühlt es sich so an, als seid ihr Bonnie und Clyde. Wenn du aber im Morgengrauen zu dir kommst, werden dir nicht nur die Haare auf seinem Rücken auffallen, sondern mit ihnen die Tatsache, dass das Leben eben doch kein Hollywood– Streifen ist und ihr euch lediglich in einem seiner klischeebehafteten, beschissenen Musikvideos befindet. Du als austauschbare, nuttige Nebendarstellerin inklusive.

Natürlich ist es von Vorteil mit einem Typen zusammen zu sein, dessen Oberarme fast größer sind als sein Ego. Solltest du dich jemals mit einer kriminellen Gang anlegen, werden er und seine Entourage das Problem schon für dich regeln. Wenn du aber eine von den Frauen bist, die noch einen Teil ihrer Selbstachtung und Würde besitzen, dann solltest du diese gleich zusammen mit deinen Gefühlen weg sperren, bevor er ein weiteres Mal „Baby, ich mag dich wirklich“ daher säuselt und es wieder nicht so meint.

Das Einzige, was diese Art von Mann nämlich wirklich mag, ist es die Kontrolle zu haben. Sein Mädchen bist du eben nur, solange der Haushalt in Ordnung ist, du nicht alleine feiern gehst und immer artig Schwanz lutschst. Da Chabos bekanntlich wissen, wer der Babo ist, wird es dir nicht schwer fallen, hier deine Rolle ausfindig zu machen.

Lass dich nicht blenden von seinen Muskeln, den gemeinsamen Drogenexzessen und Geschenken. Letzten Endes ist und bleibt er ein Hartzer im Kostüm eines Musikers, der zwar eine Menge Kohle, dafür aber einen viel zu niedrigen IQ hat. Du kriegst zwar den Jungen aus dem Plattenbau, niemals aber den Plattenbau aus dem Jungen.

Der Drogen-Rapper: Typen dieser Spezies haben sich früher nicht den Lernstoff, sondern anderes Zeug auf dem Pausenhof reingezogen. Was irgendwann mit einem Joint auf der Schultoilette begann, endete in einem Lebenslauf voller exzessiver Perioden in denen Alkohol, verschreibungspflichtige Medikamente und illegale Substanzen die Hauptrolle spielen. Heute lebt der DrogenRapper genau von diesen Erfahrungen: Seine witzigen Texte skizzieren eine rebellische Jugend, die bis heute nicht angehalten zu haben scheint.

Er ist die Art von Typ, der sich damals schon immer zu cool für alles vorkam, weswegen er bis heute nichts auf die Meinung anderer gibt. Seinen kindlichen Humor hat er sich bis heute bewahrt, was euer Date in der heruntergekommenen Kneipe, in der er eine Legende ist, überhaupt erst erträglich machen wird. Keine Sorge, beim ersten Treffen wird er wohl kaum auf Keta sein.

Wenn er dich aber später am Abend fragt, ob du noch mit zu ihm kommen willst, sag lieber nein, er ist nämlich trotz Fahrverbots mit seiner Schrottkarre da und hat vermutlich noch was anderes intus, als die Drinks, auf die er dich gerade nicht eingeladen hat. Wie soll er sich das ohne Top-10-Hit auch leisten können.

Wenn du dich momentan in einer Phase befindest, in der du dich gegen den Stock im Arsch deiner Eltern auflehnen möchtest, dann ist er genau der richtige Macker für dich. Sie werden ihn nämlich hassen. Durch ihn wirst du endlich den Mut haben die Drogen auszuprobieren, vor denen du vorher immer Schiss hattest.

Die Welt da draußen wird sich grenzenlos für dich anfühlen und seine Rostlaube dir wie ein Ticket in die Freiheit vorkommen. Solltet ihr aber die richtige Abzweigung verpassen und in Fledermausland abstürzen, wirst du früher oder später selbst anfangen im Supermarkt deinen Billigwein mit Pfand zu bezahlen. Betrachte diesen Punkt als den Anfang vom Ende.

Nach ein paar Nächten in seinem von leeren Bierflaschen umzingelten Bett wird dir nämlich auffallen, dass er ohne Schlaftabletten nicht pennen und wegen des Speeds ohne Viagra nicht bumsen kann, was so ziemlich der Inbegriff eines Losers ist.

Eure zukünftige Beziehung kannst du dir deswegen als Endlosschleife von Streitereien um den letzten Trip und nächsten Fick vorstellen, was nicht nur müh- sondern auch armselig ist. Es gibt noch andere Wege deine Jugend zu verschwenden. Verbringe sie nicht mit einem Rapper, der sich wegen der Zersetzung seiner Denkfähigkeit durch krassen Mischkonsum eh nicht an dich erinnern wird, wenn er Mitte Vierzig wegen einer Leberzirrhose draufgeht.

Der Emo-Rapper: Der Emo-Rapper ist ein Phänomen ohne seinesgleichen. Da er ein sehr bodenständiger Typ ist, hat er vor seiner Rap-Karriere sicherheitshalber was Anständiges gelernt: Mediendesign. Obwohl er privat ziemlich locker drauf ist, sind seine Songs das, was man eine akustische Depression nennen würde: Gesellschaftskritisch, selbstreflektiert, nahezu poetisch.

Rechnet man das alles zusammen, kommt man schnell darauf, dass er ein Mensch zu sein scheint, der sich für die schönen, gefühlvollen und auch ernsthaften Dinge des Lebens interessiert. Das wiederum macht ihn genau zu dem sensiblen Mann, den du dir schon dein ganzes Leben lang gewünscht hast.

Gemeinsam könntet ihr euch Nächte lang über intellektuelle Themen unterhalten, Wein trinken und im Morgengrauen eng umschlungen auf dem Teppichboden einschlafen. Zwar würdest du seinen Weltschmerz und die Wunden seiner Vergangenheit nicht heilen können, vielleicht würde er aber eines Tages einen verdammten Hit über eure Liebes-Story schreiben, einen Preis dafür gewinnen und dich damit zur stolzesten Rapper-Gattin der Welt machen.

Hey, komm mal raus aus deiner Scheinwelt. Auch wenn er ein EmoRapper ist, ist er noch immer ein Mann. Und Männer haben ja bekanntlich keine Gefühle, vor allem nicht wenn sie Rapper sind. Logisch! Auch wenn ich dich nicht enttäuschen möchte: Das Image deines Angebeteten hat leider nicht wirklich viel mit ihm zutun.

Klar, er ist auch in Wirklichkeit ein ziemlich melancholischer Typ, der viel Zeit damit verbringt seinen Kopf zu zermartern, allerdings wird er keinen Bock darauf haben, dich daran teilhaben zu lassen. Gefühle zu zeigen bedeutet in der Männerwelt eben Schwäche, und Schwäche bedeutet in der Frauenwelt dass wir nicht gevögelt werden wollen.

Da aber auch EmosRapper mehr als gerne einen wegstecken, solltest du nicht unbedingt versuchen an den Kern seines Inneren heranzukommen. Da drin ist er nämlich noch immer ein trotziger zehnjähriger Junge, der sich gegen deinen versuchten Tiefgang wehren wird. Betrachte eure gemeinsame Zeit lieber als oberflächliches Kumpeltum mit witzigen Gesprächen und sexy Vorzügen. Ihm dabei zuzusehen, wie er sich nächtlich in den Schlaf weint, wäre sowieso nur eine gewisse Zeit lang unterhaltsam.

Die Fotografie stammt von Dom Hill
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Wut, Hass, Ernst: Der deutsche Feminismus nervt

Wenn ihr eure Körper mal auf eine dieser selbsthuldigenden Blogger-Events schleift, dann werdet ihr schnell feststellen, dass ihr im Grunde nur die Auswahl zwischen vier verschiedenen Themen habt. Mode, Politik, Technik – und Feminismus. Während ich bei Modetagungen nur blöd mit einem Gläschen Ch...
Wut, Hass, Ernst: Der deutsche Feminismus nervt

Wut, Hass, Ernst

Der deutsche
Feminismus nervt

Marcel Winatschek

Wenn ihr eure Körper mal auf eine dieser selbsthuldigenden Blogger-Events schleift, dann werdet ihr schnell feststellen, dass ihr im Grunde nur die Auswahl zwischen vier verschiedenen Themen habt. Mode, Politik, Technik – und Feminismus.

Während ich bei Modetagungen nur blöd mit einem Gläschen Champagner in der Ecke stehe, weil ich nun mal keine Ahnung von der neuen Versace-Kollektion habe, bei der Politik immer lieber ein bisschen links verweile und der Technik mit meinem fast jährlichen Kauf des neuen iPhones Buße tue, werde ich bei Panels, die sich um Frauenrechte drehen, immer so wütend und gelangweilt gleichzeitig, dass ich am liebsten den Stuhl anzünden und laut losschreien würde.

Ich bin in einer Generation aufgewachsen, in der selbstbewusste, starke und inspirierende Frauen die Selbstverständlichkeit waren. Im Kindergarten, in der Schule, im Arbeitsalltag, unter Freunden – ich konnte nicht einmal nachvollziehen, warum irgendwer irgendwo ernsthaft laut von sich geben konnte, dass Frauen weniger Rechte oder Chancen oder Möglichkeiten haben sollten als Männer, ohne dafür laut ausgelacht zu werden.

Typen, die in Talkshows predigten, dass sie nur Jungfrauen ficken würden, dass der Herd der geeignete Platz für Fotzen ist, dass ein paar Schläge am Tag normal seien, um die Alte wieder zur Vernunft zu bringen. Solche Aussagen nahm ich nicht einmal ernst, dachte sie wären von einem geldgeilen RTL-Team geschrieben worden, um das Publikum gegen sie aufzubringen, so weit hergeholt war dieser Scheiß für mich.

Das alles gehört für mich in die gleiche Kategorie wie Rassismus, Klassismus oder, ja, Kannibalismus: Begriffe aus einer alten, fast schon mystischen Zeit, in der reiche Typen Sklaven hielten und missbrauchten, Prinzen keine Hofmägde heiraten durften, Seefahrer von Buschmenschen verspeist wurden. So abwegig und fernab jeder modernen Realität, dass ich nichts davon ernst nehmen kann. Warum auch?

Mein tiefherziger Respekt gilt allen starken Frauen, die sich jemals gegen die Diskriminierung von Geschlechtern eingesetzt haben. Im großen wie im kleinen Stil. Die sich selbst, ihre Familie, ihre Freunde aufgegeben haben, die gekämpft haben, die ihr Leben gegeben haben, um zu beweisen, dass Menschen nicht weniger wertvoll sind, nur weil sie keinen Penis zwischen den Beinen baumeln haben.

Warum überkommt mich dann trotzdem diese unruhige Mischung aus Wut, Humorlosigkeit und Langeweile, wenn ich eine feministische Publikation lese oder einer feministischen Rede zuhöre, obwohl ich doch ihre Forderungen, ihre Botschaften, ihre Ziele im Großen und Ganzen vollends unterstütze? Weil die feministische Bewegung nur aus wütenden, humorlosen und langweiligen Menschen besteht.

Sie wollen den Salzstreuer in Salzstreuerin umbenennen und meinen das ernst. Sie fordern eine bundesweite Frauenquote, die doch im Endeffekt nur wieder die längst angestaubte Geschlechterteilung unterstützt, und meinen das ernst. Sie gehen auf Slutwalks und meinen das ernst. Sie verleumden die menschliche Sexualität und meinen das ernst. Sie folgen Alice Schwarzer. Und meinen das ernst.

„Beim bloßen Aussprechen des Wortes Feminismus explodiert in nicht wenigen Köpfen eine gigantische Bombe“, meint Vorzeigebloggerin Nike van Dinther. „Zusammengesetzt aus stereotypen Sichtweisen, Bildern von Achselhaar oder Mademoiselle Peaches, wie sich auf der Musical-Bühne einen Plastikpenis umschnallt, von unattraktiven Politikerinnen, von der grausamen Alice Schwarzer und richtig fiesen Männerhasserinnen.“

„Wer sich jetzt fragt, wieso man sich denn zwangsläufig einer Gruppe zugehörig fühlen muss, dem lege ich eine Antwort auf meine Frage bezüglich dieser Thematik in einem Bloggerforum ans Herz: Weil es das zwischenmenschliche Agieren erleichtert, wenn man Dinge, Menschen, Einstellung etc. unter einem Begriff zusammen fassen kann und man Gleichgesinnte schneller findet.“ Und da hat sie Recht.

Im Grunde sollte jeder moderne, intelligente und aufgeklärte Mensch ein Feminist sein. Er sollte sich für die Rechte aller Menschen einsetzen, gegen Ungerechtigkeit, für Aufklärung, gegen Diskriminierung. Aber wenn die Bewegung, die eben diese Ziele mit aller Kraft verfolgt, so uninspirierend, so weltfremd und so unsympathisch auftritt, dann ist Antipathie und ein damit verbundener Abstand vorprogrammiert.

Der Feminismus in Deutschland und auf der Welt würde es um einiges einfacher haben und auch viel mehr männliche Unterstützer haben, wenn er nicht nur moderne Forderungen hätte, sondern diese eben auch modern präsentieren würde. Weg von der dieser unglaublichen Ernsthaftigkeit, weg von diesen Klischees, die er immer noch verkörpert, weg von dieser Verbissenheit, dieser Wortwahl, diesen Idolen.

Wir alle, egal ob Frauen oder Männer, wünschen uns einen jüngeren, frischeren und umgangsfreundlicheren Feminismus, der dem heutigen Zeitgeist entspricht, den wir freiwillig verteidigen, den wir gerne und selbstverständlich leben. Der diese brennende Herzenslust in jedem Einzelnen von uns aktiviert, damit wir alle gemeinsam daran arbeiten können, dass Gleichberechtigung von ganz allein Einzug in unsere Gesellschaft findet. Ohne Quoten. Ohne Wortvergewaltigungen. Und ohne, dass ich am liebsten den Stuhl anzünden und laut losschreien würde.

Die Illustration stammt von Murat Kalkavan und Icons8
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Kita, Koks und Kater Blau: Meine Wohnungssuche in Berlin

Während ich unter der Dusche stehe, mir leblos die Haare wasche, beschwerlich die Zähne putze und überhaupt erst richtig wach werde, klingelt es sirenenartig im Zehn-Sekunden-Takt an der Wohnungstür. Ich hasse diese Momente und reagiere auf eben solche meist mit der Gleichgültigkeit des monoton flie...
Kita, Koks und Kater Blau: Meine Wohnungssuche in Berlin

Kita, Koks und Kater Blau

Meine Wohnungssuche
in Berlin

Katrin Olszewski

Während ich unter der Dusche stehe, mir leblos die Haare wasche, beschwerlich die Zähne putze und überhaupt erst richtig wach werde, klingelt es sirenenartig im Zehn-Sekunden-Takt an der Wohnungstür. Ich hasse diese Momente und reagiere auf eben solche meist mit der Gleichgültigkeit des monoton fließenden Wasserstrahls vor meinen Augen.

Der Postbote soll mit seiner Weihnachtsladung an Paketen doch bitte zu unserem Hartz-IV-Nachbarn gehen, der eh nichts anderes zu tun halt, als sich einen wunderbar original laminierten Arno-Dübel-Gedenktisch zu basteln, philosophiere ich noch, als es heftig zu klopfen und lärmen anfängt. Sondereinsatzkommando? Nein, viel schlimmer noch, es ist mein alter Kollege Tobias.

Das Temperament lässt sich quasi an seinen Lippen ablesen, als ich in der Tür stehe und ihn phlegmatisch hereinwinke. Die Wohnungsbesichtigung war wohl wieder ein Schuss in den Ofen. Tobias sucht seit etwa einem Jahr seine Traumwohnung in Berlin und findet, in seinem Fall, natürlich keine. „Welcome to the Circus“ könnte es auch heißen, wenn man die Absage eines Makler-Hipsters in die Tasche steckt.

Bei der Ausschreibung der Inserate fängt es ja bekanntlich schon an. Wir bieten: Wohnung zur Zwischenmiete, zum Tausch, für mindestens hundert Monatsmieten Provision, Mietzuschlag wegen Neubezug, selbstständige Mängelbeseitigung, mit Schimmel und ohne Klo. Wow, da wohne ich doch lieber gleich auf der Straße.

Die Chance, in Berlin reibungslos eine Wohnung zu finden, ist in etwa so groß, wie Karl Lagerfeld im Hawaiihemd oder Jürgen von der Lippe im Anzug zu begegnen. Kein Wunder auch, bei der momentan rapide steigenden Bevölkerungszahl, die sich proportional zu den Kothäufchen an den Straßenecken verhält. Aber warum ist das so?

Ich selbst bin Berlinerin und quasi ein Urgestein in den einst friedlichen Gefilden meiner Geburtsstätte. Doch im Laufe meiner pubertären Achterbahnfahrten musste ich feststellen, dass auch die Welt sich immer weiter dreht und die Menschheit mit ihr. Es ist die Zeit des Lebens, die uns dazu zwingt neue Orte zu erkunden, uns zu suchen und zu finden. Und sei es auf dem Penny-Parkplatz in Plauen.

Aber Berlin ist Metropole. Berlin ist Mutterstadt. Berlin ist so wunderbar. Kita, Koks und Kater Blau, denken viele und packen ihre Bündel Scheine ein, um sich auf den Weg in die große Stadt zu machen. Reiche Söhne investieren dank Papi in Aktien und kaufen Wohnungen oder ganze Bezirke.

Jaja, es ist traurig und eine alte Leier, ich weiß. Aber mit dem explodierenden Überangebot an Eigentumswohnungen und der rigorosen Anfechtung der letzten drei besetzten Häuser in Berlin, sinkt die Hoffnung auf das einst so starke Gemeinschaftsgefühl und hinterlässt just den hässlichen Status Quo einer egoistischen und kapitalistischen Gesellschaft.

So ist es nun auch mit der Wohnungssuche. Die Werbespots von Zalando machen es vor, die Bewerber in Kreuzberg machen es nach. Allein vor meinem Haus fand neulich eine Besichtigung mit 64 Leuten statt. Ich habe nachgezählt, weil ich es selbst nicht glauben wollte und der Meinung war, es wäre jemand aus dem Fenster gesprungen und ich hätte unverzüglich den Notarzt zu rufen. Doch als der Makler seine 64 hysterischen BWLer an die Hand nahm und ins Haus führte, war mir alles klar.

Nun hängt Tobias ebenfalls im Fadenschein des Netzes fest und hofft, endlich von der schwarzen Witwe erkannt zu werden, die stets ihre flinken Beine in Bewegung hält, um alles an sich zu reißen, was einen guten Geschmack und ein bisschen Provision in petto hat.

Mittlerweile hat er sich mit dem Gedanken abgefunden, das in Berlin kein Luxusloft, sondern eine solide und warme Behausung auch viel wert ist, und man frei nach Arno Dübel mit den Worten „Man soll sich doch so wenig Arbeit machen wie es geht.“ gut leben kann. Ansonsten zieht man einfach nach Plauen.

Die Fotografie stammt von Jonas Denil
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Farbenfrohes Japan: Digitale Kunst in Tokio

In Tokio gibt es ja allerhand zu entdecken. Egal, ob ihr in den wuseligen Straßen von Harajuku auf der Suche nach den neuesten Klamotten umher streift, in Asakusa den Geistern der längst Verstorbenen huldigt oder euch in Shimokitazawa leckere Burger mit richtig viel Käse in den Mund stopft. Die j...
Farbenfrohes Japan: Digitale Kunst in Tokio

Farbenfrohes Japan

Digitale Kunst
in Tokio

Daniela Dietz

In Tokio gibt es ja allerhand zu entdecken. Egal, ob ihr in den wuseligen Straßen von Harajuku auf der Suche nach den neuesten Klamotten umher streift, in Asakusa den Geistern der längst Verstorbenen huldigt oder euch in Shimokitazawa leckere Burger mit richtig viel Käse in den Mund stopft.

Die japanische Hauptstadt hat wirklich für jeden etwas zu bieten. Doch nicht nur Liebhaber von Mode, Musik und Foodspielereien kommen hier voll auf ihre Kosten, nein, auch Kunstfans dürfen sich in den zahlreichen und unterschiedlichen Museen, Ausstellungen und Galerien vergnügen.

Besonders schön anzusehen ist dabei das digitale Kunstmuseum in Odaiba, das zur Zeit die Ausstellung TeamLab Borderless zeigt. Hier werden Licht und Farben zur wahren Kunstform avanciert. überall leuchtet und blinkt und funkelt es.

In dieser alternativen Wunderwelt scheint es keine Grenzen zu geben – und auch keine Karte. Denn diese visuelle Ausstellung muss jeder für sich selbst entdecken, hier gibt es keinen falschen Weg, keine Sackgasse. Ob links herum oder rechts herum, nur wer mit offenen Augen und einem offenen Herzen durch die Ausstellung schwebt, wird eins mit dem, was er sieht.

Hier kommuniziert Kunst miteinander, Räume werden zu Gängen, Werke verändern sich ständig. Alles beeinflusst alles, nicht nur die Besucher, sondern auch das Gesehene selbst. Und das Tolle an der Ausstellung TeamLab Borderless ist, das man selbst Teil dieses kunterbunten Universums werden kann – was natürlich auch optimal für ein paar ganz besondere Selfies für Instagram ist.

In dieser dreidimensionalen, 10.000 Quadratmeter großen Welt verliert und findet sich jeder, der auch nur einen Fuß hinein setzt. In Tokio gibt es ja allerhand zu entdecken. Und dieses Erlebnis ist etwas ganz Besonderes. Die Ausstellung TeamLab Borderless findet zur Zeit im Mori Gebäude des digitalen Kunstmuseums in Odaiba statt und ich kann jedem nur empfehlen, dort vorbei zu schauen, falls ihr gerade in der Nähe seid.

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Die Fotografie stammt von Marlen Stahlhuth
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Berliner Begegnungen: Morgens vor dem Berghain

Die Berliner Clubszene ist kein festes, starres Gebilde, das schon immer so war und auch immer so sein wird, sondern ein atmendes, pulsierendes, lebendiges Wesen, in dessem Inneren sich die kreative wie verlorene Seelen verlieren. Alle paar Monate schließt ein Club und ein neuer öffnet, Lieblings...
Berliner Begegnungen: Morgens vor dem Berghain

Berliner Begegnungen

Morgens vor
dem Berghain

Annika Lorenz

Die Berliner Clubszene ist kein festes, starres Gebilde, das schon immer so war und auch immer so sein wird, sondern ein atmendes, pulsierendes, lebendiges Wesen, in dessem Inneren sich die kreative wie verlorene Seelen verlieren.

Alle paar Monate schließt ein Club und ein neuer öffnet, Lieblingsetablissements verschwinden und man muss sich an neue Orte, neue Gesichter, neue Gefühle gewöhnen, nur so bleibt man eins mit einer Stadt, die einem im wortwörtlichsten Sinn den Atem rauben kann. Wer in dieses Universum voller Lichter, Töne und Gesichter eintaucht, der trifft sie, die Menschen, die dort zu Hause sind, in der vollkommenen Zelebrierung des Lebens.

Die aus Paris stammende Fotografin Sabrina Jeblaoui hat sich längst in die deutsche Hauptstadt und damit auch in die hiesige Clubszene verliebt. Auf ihrem Instagram-Account NachtClubsBerlin verewigt sie die Menschen, die in legendären Feierhäusern wie dem Berghain, dem Tresor oder der Griessmuehle ein und aus gehen und sich dort die Jugend um die Ohren hauen.

„Ich bin fasziniert von dieser einzigartigen Stadt, da Lebensstil und Mode so divers sind und die Menschen sich frei fühlen, zu sein wer sie sind und gleichzeitig ebenso, wer sie sein wollen“, erzählt Sabrina der Redakteurin Franziska Müller-Degenhardt vom Hauptstadtblog iHeartBerlin. „Berlin hilft einem auch dabei, seine Grenzen und damit sich selbst kennenzulernen – wenn man das möchte.“

Und weiter: „Ich liebe die Energie, die die Clubs hier haben, und kann durch sie der Realität einige Stunden entkommen, tanzen und die verschiedensten Leute treffen. Nachdem ich meine ersten Fotos auf meinem eigenen Instagram-Kanal veröffentlicht hatte, entschied ich mich NachtClubsBerlin zu erstellen, wodurch die von mir fotografierten Personen ihre Fotos leicht finden können.“

„Nach und nach ist es jetzt zu einer kleinen Community geworden“, fährt Sabrina fort. „Die Leute folgen meiner Seite aus mehreren Gründen: Diejenigen, die nicht in Berlin leben, können einen Eindruck von seiner Partyszene bekommen, und für andere kann es inspirierend sein zu sehen, was man in einem Techno Club so anzieht.“ Und es ist doch immer interessant zu sehen, wer morgens so aus dem Berghain spaziert…

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Die Fotografie stammt von Sabrina Jeblaoui
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