Das Magazin für moderne Menschen

Große Träume: Geht nicht, gibt's nicht

Wenn man träumt, ist man frei. Zumindest fühlt es sich genauso an. Rennen, fliegen, sehen, fühlen, alles scheint so dermaßen grenzenlos. Die Superlative des Gefühls. Alles ist möglich. Es formt sich eine gigantische Blase des Enthusiasmus. Der Traum. Ich weiß, dass nicht jeder träumt, nicht jeder so oft und intensiv. Ich tue es und liebe es. Um ehrlich zu sein, ist es ein riesengroßer Teil von mir. Die Tatsache, dass ich meine Fantasie zum Leben erwecken kann, ist mir unglaublich heilig. Es ver…
Große Träume: Geht nicht, gibt's nicht
Große Träume: Geht nicht, gibt's nicht
Große Träume
Geht nicht, gibt's nicht
Text: Lena Freud  Fotografie: Randy Tarampi

Wenn man träumt, ist man frei. Zumindest fühlt es sich genauso an. Rennen, fliegen, sehen, fühlen, alles scheint so dermaßen grenzenlos. Die Superlative des Gefühls. Alles ist möglich. Es formt sich eine gigantische Blase des Enthusiasmus. Der Traum. Ich weiß, dass nicht jeder träumt, nicht jeder so oft und intensiv. Ich tue es und liebe es. Um ehrlich zu sein, ist es ein riesengroßer Teil von mir.

Die Tatsache, dass ich meine Fantasie zum Leben erwecken kann, ist mir unglaublich heilig. Es vergeht keine Nacht, in der ich nicht träume, in der ich nicht meinen tiefsten Sehnsüchten und Wünschen nach giere. Ewig läuft man einer reproduzierbar, nie ausgehenden Droge hinterher, auf der man sowieso schon die ganze Zeit ist. Süchtig nach schlafen, süchtig nach träumen.

Das eine ist das Träumen, das andere, was man damit macht. Bewusstsein ist alles, gerade wenn es um das eigene Unterbewusstsein geht. Habt ihr euch schon mal gefragt, wie es ist, wenn man alles, aber auch wirklich alles Vorstellbare, ob visuell oder emotional, umsetzen kann? Es fühlt sich an, als wäre man sein eigener Gott. Als würde man selbst bestimmen, welche Farben deine Welt idealisieren, welche Menschen sich darin bewegen und wie man selbst darin agiert.

Es ist wie in dem Drama Hinter dem Horizont. Ich bin Robin Williams und male mir meine eigene Welt, so wie sie mir gefällt. Rette alle und jeden, fliege, bis ich stürze, um es wieder und wieder zu probieren. Von wegen du schläfst, genau diese Augenblicke sind unvergleichliche Momentaufnahmen deiner Seele. Du bist so real, dass es wehtut. Ja, auch Schmerz kann man fühlen, während man träumt. Man kann fallen, man empfindet Trauer, Unzufriedenheit, Begierde, Sehnsucht, Glück, Vollkommenheit. Die ganze Palette eben. Dein Gehirn ist nämlich ein Genie.

In der Theorie habe ich mich nicht wirklich oft mit dem Thema Träumen beschäftigt. Ich tue es einfach, rekapituliere, reflektiere und versuche es irgendwie zu werten. Das heißt nicht, dass es richtig ist, aber auch nicht, dass es falsch ist. Es ist mir klar , dass es mehrere Traumphasen gibt. Und Wachträume. Leute, ich glaub Wachträume sind der ultimative Trip des Lebens. Als ich über Wachträume zum ersten Mal etwas las, saß ich in einer sauerstofflosen Arztpraxis mit der passiv aktiven Gang La Bazillus. Plötzlich war ich so neugierig, dass ich mich selbst in Sekundenschnelle placebo-gesund las.

Abends im Bett wendete ich das neue Wissen an. In dem Artikel hieß es, das du kurz vor dem Einschlafen darüber nachdenken und es dir vorstellen musst. Was willst du träumen, was soll passieren? Ich tat es und es funktionierte. Es war das erste und letzte Mal das ich einen Wachtraum hatte. Man kann es sich ungefähr so vorstellen, du bist in deinem Traum, aber dein Gehirn realisiert das du träumst, deshalb kannst alles und jeden steuern. Der Gott-Modus ist on. Alle Menschen, die du je kennengelernt hast, tummeln sich in deiner surrealen Welt.

Ein sozialer Orgasmus trifft auf einen persönlichen Overkill-Moment. Du bist so sehr du selbst und doch so weit weg von dir, von deinem bewussten Ich. Es ist wirklich schwer vorstellbar für jemanden, der nicht das Alles-ist-möglich-Gefühl kennt. Keine Grenzen, keine Türen, keine Zeit. Man bewegt sich in einem fantastischen Vakuum.

Und dann bin ich aufgewacht. Es hat sich angefühlt, als wäre ich drei Wochen auf einem Wenke-rennt-durch-ihr-eigenes-Leben-Trip gewesen. Mein Hormonhaushalt feierte Fasching, meine Erinnerung war eine einzige Party. Hoch und runter. Mal war alles wieder da, mal fühlte ich unendliche Leere.

Es war wie ein Trip in einen selbst hinein. Heftig, beängstigend, kontrollierbar unkontrollierbar, befreiend. Einzigartig. In einem Wort, es war unvergleichlich. Auf ein Mal war ich ein angefixter Traumjunkie, der sein Unterbewusstsein endlos feiern und den Fantasiefanatismus bis zur Endlosigkeit implodieren lassen wollte. Doch es ging nicht mehr. Es war das erste und letzte Mal, dass ich einen Wachtraum hatte.

Leute, träumen ist etwas Goßartiges. Jeder kann es, man muss es nur wollen. Nicht umsonst hatte ich dubios verrückte Träume. Bungee-Jumping mit Schlafsocken. Eigentlich schlafe ich nicht mal mit Socken. Ein stranger LSD-Trip in einem Auto. Als Beifahrer in einer Tunnelrealität, die sich sekündlich in ewig expandierende Dreidimensionalitäten steigerte. Einmal rettete ich einen namenlosen Pudel vom Balkon. Keine Ahnung warum. Ich weiß, dass ich den kleinen sabbernden Staubfeger mochte.

Alles, was sich in unserem kleinen Kasten mit Reizen, Emotionen und unerfüllten Wünschen abspielt, muss irgendwann raus. Egal wie. Träumt es euch von der Seele. Und wenn ihr nur für einen klitzekleinen Moment frei sein könnt. Von da an werdet ihr es immer wieder wollen. Die Fähigkeit zu träumen macht das Leben wertvoller, schöner, größer, einfach besser. Träumen ist fliegen, träumen ist Freiheit.

Leben   Musik   Kunst   Filme   Mode   
Spiele   Essen   Reisen   Liebe   Sex
Facebook   Twitter   Instagram   Pinterest   Tumblr