Generation Babylos - Mein Leben ist wichtiger als ein Kind

Als meine Mutter so alt war wie ich, war sie mit mir schwanger. Vielleicht ist das der Grund, weshalb sie, und der Rest meiner Familie, mich so mit der Frage…
Generation Babylos - Mein Leben ist wichtiger als ein Kind

Generation Babylos

Als meine Mutter so alt war wie ich, war sie mit mir schwanger. Vielleicht ist das der Grund, weshalb sie, und der Rest meiner Familie, mich so mit der Frage nervt, wann ich denn endlich mal Kinder bekommen möchte. Dass ich weder eine abgeschlossene Ausbildung, geschweige denn einen Beruf, von dem ich ein Kind ernähren könnte, noch einen festen Partner habe, lässt sie dabei völlig außer Acht.

Ich bin eine Frau. Es ist natürlich, dass ich Kinder will. Wenn nicht jetzt, dann wenigstens irgendwann. Sagt meine Mutter. Ich behaupte dennoch das Gegenteil. Ich bin eine Frau und will keine Kinder. Echt nicht. Wirklich nicht. Ich kann schon irgendwie verstehen, warum manche, viele, Menschen das Bedürfnis verspüren, eine Familie zu gründen, wie man so schön sagt. Nur, dass ich das irgendwie nicht habe, dieses Bedürfnis. Ich bin mit mir alleine glücklich. Und an vielen Tagen überfordert.

Ich finde Kinder nicht per se doof. Ja, es gibt viele beschissene Bälger da draußen, die mir mit ihrer bloßen Anwesenheit auf die Nerven gehen. Einfach, weil sie Kinder sind und sich nun mal nicht so verhalten können, wie Erwachsene das tun. Es gibt aber auch Kinder, die ich mag. Kinder, mit denen ich sogar gerne Zeit verbringe – solang ich weiß, dass ich sie nach ein paar Stunden wieder abgeben und mir ihre widerliche Kinderkotze aus der Kleidung waschen kann.

Klar, ich gebe zu, dass ich es sogar ganz süß finde, wenn mir ein Kind mit seinem schokoladenverschmierten Mund einen feuchten Kuss auf die Wange drückt. Aber eben nur, wenn ich weiß, dass ich das nicht regelmäßig mitmachen muss. Diese seltsame Zuneigung, die manche Kinder mir gegenüber an den Tag legen, überfordert mich. Wie schlimm muss das erst sein, wenn es kein fremdes, sondern das eigene Kind ist?

Ich glaube, ich hätte permanent Angst, es versehentlich zu töten. Oder ihm zumindest weh zu tun. Weil ich einfach furchtbar ungeschickt bin. Und auch egoistisch. Ich will meinen Egoismus nicht hinten anstellen. Für keinen Menschen dieser Welt. Nicht mal für ein Kind. Zumindest nicht für mehr als ein paar Stunden.

Wenn also meine Familie fragt, wann ich denn nun vorhabe, endlich ein Kind aus mir zu pressen, antworte ich genau das. Also alle der oben angeführten Dinge. Doch irgendwie haben alle beschlossen, mich zu überhören. Sie kontern dann mit Dingen wie „Das kommt noch, du bist schließlich eine Frau“, oder „Du solltest mit der Planung aber nicht mehr allzu lange warten, im Alter wird das Kinderkriegen schwer!“

Auf Letzteres antworte ich gerne mit „Und wenn ich dann zu alt bin, adoptiere ich eben eins“, nur um mir dann anhören zu dürfen, dass das lange nicht so schön ist, wie ein eigenes Kind zu zeugen. Damit meinen sie natürlich nicht, dass der Sex vorher ziemlich geil ist, sondern, dass man adoptierte Kinder nicht so gern hat wie sein eigenes. Abgesehen davon, dass ich diese Ansicht für schwachsinnig und schlichtweg falsch halte, will ich auch nach dieser Diskussion immer noch kein Kind. Weder ein eigenes, noch ein Adoptivkind.

Was das Erste betrifft, also „Das kommt noch, du bist ja schließlich eine Frau!“, weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll zu diskutieren. Ach, was heißt schon diskutieren. Einfach schreien möchte ich. All die Menschen anbrüllen, die noch immer denken, dass ein Kinderwunsch mit dem eigenen Geschlecht zu tun hätte.

Ich hatte mal einen Freund, der wollte unbedingt ein Kind. Ich war damals Anfang 20, er war Ende 20 und er wünschte sich ein Kind. Nicht irgendwann, sondern sofort. Nach nur drei Monaten habe ich bereits Schluss gemacht. Nicht, weil ich ihn nicht liebte, denn das tat ich, sondern weil ich wusste, dass wir keine Zukunft teilen würden. Er wollte ein Kind. Am liebsten sogar eine ganze Horde Kinder. Ich wollte das nicht. Und ich werde es nie wollen.

Ich war schon mit Männern zusammen, die Kinder aus vorangegangenen Beziehungen hatten. Das war für mich kein Problem. Sind ja nicht meine eigenen und ich machte den Kerlen von vornherein klar, dass ich zwar durchaus bereit bin, Zeit mit den Bälgern zu verbringen und auch auf sie aufzupassen, wenn die Herren arbeiten mussten, dass ich aber nie, nie, nie die Rolle der Ersatzmutter einnehmen würde, denn die liegt mir einfach nicht. Das habe sie auch alle akzeptiert.

Die Beziehungen sind nicht an den Kindern zerbrochen, sondern daran, dass die Väter solche… Daddys waren, und das nicht nur beim Sex. Da musste ich dann feststellen, dass Väter mir genauso wenig liegen wie Kinder. Mit Müttern hab ich’s noch nicht probiert, doch ich vermute, da sieht’s ähnlich aus. Wenn es nach mir ginge, hätte ich mir schon längst die Gebärmutter entfernen lassen. Ich brauche sie nämlich einfach nicht und werde sie auch niemals brauchen. Zumindest nicht, um Kinder zu kriegen.

Als ich das letzte Mal beim Frauenarzt war, sprach ich ihn auf eine Sterilisation an. Die Antwort hätte von meiner Mutter sein können. „Sie sind noch sehr jung, Sie werden irgendwann noch Kinder wollen.“ Nein, verdammt, das will ich nicht. Auf die Frage, ob man das zu Männern in meinem Alter auch sagen würde, die sich eine Sterilisation wünschen, weil sie wissen, dass sie keine Kinder möchten, bekam ich zu hören, dass das ja etwas anderes sei.

In dem Moment wäre ich fast explodiert, denn für mich ist das absolut nichts anderes. Noch einmal: ein Kinderwunsch hat nichts mit dem eigenen Geschlecht zu tun. Doch bevor es so weit kommen konnte, fand ich glücklicherweise mein Höschen wieder und den Weg hinaus aus der Praxis. Dass ich als Frau wirklich keine Kinder will, nicht jetzt und auch nicht irgendwann, scheint für unsere Gesellschaft nicht tragbar zu sein und manchmal, ja, manchmal komme ich mir damit ziemlich verarscht und auch alleine gelassen vor.

Immer dann zum Beispiel, wenn ich wieder auf eine Schwangere treffe, die das „alles gar nicht so geplant hatte“ und jetzt doch „überglücklich ist, dass es so gekommen ist“. In diesem Moment kann ich schlecht sagen, dass ich, sollte ich einmal versehentlich schwanger werden, sofort abtreiben würde, und zwar auch ohne nur eine Sekunde zu zögern, und so behalte ich meine Meinung für mich. Allein. Die Gesellschaft würde sie ja eh nicht akzeptieren.

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Illustration von Murat Kalkavan und Icons8
Der Text erschien in der Kategorie Leben mit den Themen Adoption, Babys, Eltern, Familie, Kinder und Schwangerschaft
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