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Forever Alone - Die entscheidende Einsamkeit

Nicht selten ist es die Einsamkeit, die uns daran zweifeln lässt, ob die Entscheidungen, die wir bislang getroffen haben, die richtigen waren. Dann sitzen, liegen wir Tage, Wochen, ja manchmal sogar Monate in einer Art Wachkoma, sind unzufrieden mit uns selbst, mit den anderen, mit allem. Und es ist...
Forever Alone:Die entscheidende Einsamkeit

Forever Alone

Die entscheidende
Einsamkeit

Nicht selten ist es die Einsamkeit, die uns daran zweifeln lässt, ob die Entscheidungen, die wir bislang getroffen haben, die richtigen waren. Dann sitzen, liegen wir Tage, Wochen, ja manchmal sogar Monate in einer Art Wachkoma, sind unzufrieden mit uns selbst, mit den anderen, mit allem. Und es ist vollkommen irrelevant, wie viele Freunde, Bekannte und Liebschaften um einen herum schwirren.

Wenn wir das Gefühl haben, dass etwas in diesem Leben nicht so ist, wie es nun einmal sein sollte, dann werden wir depressiv, ziehen uns zurück, wollen am liebsten im Bett versinken. Und können gar nicht mehr erahnen, wo wir um Gottes Willen die Kraft hernehmen sollen, jemals wieder aufzustehen. Wir werden hier sterben. Ohne Zweifel.

Eine von mir im betrunkenen Zustand schnell zusammengeschusterte, aber vollkommen stichfeste Theorie lautet, dass wir uns umso einsamer fühlen, umso einen phänomenaleren Freundeskreis wir in der Vergangenheit hatten. Irgendwann in der Jugend vielleicht. Ein kleines, aber unzerstörbares Universum an Menschen, die wir Tag und Nacht mit unserer privaten Scheiße vollstopfen konnten. Unangemeldet.

Mit denen wir Polizisten auf offener Straße verarschten, nur um dann mit vergammelten Ostereiern um uns werfend davon zu laufen. Und mit denen wir Mädchen verführten, Telefonzellen bepissten, Freibäder enterten, Käsewürstchen klauten, Videospiele zockten, im Rudel pennten, Pornos guckten, Schule schwänzten, Fahrräder versenkten und die Gastgeber mieser Partys verprügelten.

Hat man erst einmal erlebt, was wahre Freundschaften alles bewegen und für Gefühle auslösen können, ist alles, was danach kommt, nur noch oberflächliches Kaffeekränzchen mit Menschen, die zufällig am selben Ort zur selben Zeit leben. Man mag sich, man kennt sich, man trifft sich. Ist ja alles ganz schön. Aber dieses Band aus Treue und Liebe und Erlebnissen und Geheimnissen ist schon längst nichts weiter, als eine immer ferner werdende Erinnerung an vergangene Momente.

Wenn wir dann also Tage, Nächte, Ewigkeiten ohne analoge Konversation vor dem Computer sitzen, uns eine Flasche Wein nach der anderen zwischen die trockenen Lippen schütten und den Timelines dieser Welt mehr defensiv als offensiv folgen, dann kommen einem so manch trübe Gedanken in den Sinn. Besonders im Herbst. Die Decke erdrückt uns.

Ob es denn nun wirklich eine gute Idee war, seine Heimat zu verlassen, um in der großen, bösen Stadt nach dem Glück und dem Geld zu graben. Na klar, zu Hause würde man wahrscheinlich im Hartz IV versinken und um 13 Uhr von einer Kneipe zur nächsten ziehen, aber zumindest hätte man dann die Menschen, die einen besser kennen als alle Mütter und Beziehungen und Ärzte zusammen, nicht zurück gelassen.

Womöglich ist diese depressive Einsamkeit aber auch ein nicht unübersehbares Zeichen dafür, dass es langsam Zeit wird. Zeit, den nächsten Schritt zu wagen. Fort von einem Leben, das sich etabliert hat und dessen Überraschungen bereits ausgeschöpft sind. Wieder Mut zeigen, etwas riskieren, nicht verharren. Stillstand ist Tod, bleiben das Ende. Eigentlich wissen wir das doch.

Warum nicht wie Sara eine Weltreise starten? Nur um dann zu merken, dass das Glück wohl doch nicht am anderen Ende der Welt liegt. Aber die Suche allein es wert war, das herauszufinden. Oder wie Hannah in eine euch unbekannte Stadt ziehen und alles wieder neu entdecken. Leute, Orte, Liebeleien. Oder eben diesen einen, ganz persönlichen Traum verwirklichen, den man vor Jahren zu den Akten gelegt hat. Weil einem das scheiß Leben in die Quere gekommen ist. Den man aber dennoch nie so ganz vergessen hat.

Und letzten Endes läuft es eben auf diese eine Entscheidung hinaus. Haben wir jetzt endlich die Eier, die Gedanken in die Tat umzusetzen, mit denen wir Tag aus, Tag ein einschlafen und aufwachen und von denen wir wissen, dass sie unserem Dasein eine Berechtigung geben, oder bleiben wir auf unserem fetten Arsch sitzen, lassen die Zeit weiter an uns vorbei rieseln und müssen in ferner Zukunft mit Tränen in den Augen zugeben, dass wir die zahlreichen Chancen und Möglichkeiten nicht genutzt haben. Let’s go oder forever alone. Wir haben die Wahl.

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Die Fotografie stammt von Fabrizio Verrecchia
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