Feminismus - Ein Vorwand, um sich an Männern zu rächen

Letztens scrollte ich, wie so oft, durch Twitter, auf der Suche nach ein wenig Ablenkung durch lustige Sprüche und witzige Alltagsanekdoten, als ich an einer Reihe von Tweets hängenblieb, die…
Feminismus - Ein Vorwand, um sich an Männern zu rächen

Feminismus

Letztens scrollte ich, wie so oft, durch Twitter, auf der Suche nach ein wenig Ablenkung durch lustige Sprüche und witzige Alltagsanekdoten, als ich an einer Reihe von Tweets hängenblieb, die mir regelrecht die Kotze in den offenen Mund trieb, den ich vor lauter Schock auch gar nicht mehr zu schließen vermochte.

Emily Lindin, laut ihrer Kurzbiografie auf Twitter Dokumentarfilmerin und Autorin bei der Teen Vogue, verfasste die folgenden Statements: „Hier kommt eine unbeliebte Meinung: Ich bin tatsächlich kein bisschen besorgt über unschuldige Männer, die wegen falscher Vorwürfe der sexuellen Belästigung ihre Jobs verlieren. Erstens sind Falschbeschuldigungen sehr selten, schon alleine diese überhaupt anzuführen grenzt an eine Entgleisungstaktik. Es ist ein mikroskopisch kleines Risiko [dass eine Falschbeschuldigung vorliegt] im Vergleich zu dem Problem, um das es geht (weltweite, systematische Unterdrückung der Hälfte der Bevölkerung).“

Weiter schreibt sie: „Noch wichtiger ist: Der Gewinn für uns, die endlich die Wahrheit erzählen dürfen, und der Einfluss, den das auf die Opfer hat, ist bei Weitem mehr wert als dass ein einzelner Mann seine Reputation verliert. Tut mir leid. Wenn einige unschuldige Männer ihren Ruf verlieren müssen in dem Prozess, das Patriarchat zu stürzen, ist das ein Preis, den ich bereit bin, dafür zu bezahlen. Wie viele unserer Reputationen haben unfairerweise gelitten? Wie viele unserer Leben sind bereits zerstört worden aufgrund von körperlicher Gewalt gegen uns? Warum war das hinnehmbar, aber ein einzelner (unfairer) Verlust einer Karriereoption ist es nicht?“

Emily erntet für diese Aussagen viel Zuspruch, wie sich anhand der Retweets und Likes ihres Statements zeigt, was mir persönlich die Kotze noch ein bisschen weiter die Speiseröhre hochtreibt. Was die selbsterklärte Feministin dort von sich gibt, ist genauso harmlos, wie es sexuelle übergriffe sind. Nämlich gar nicht. Menschen für Taten zu bestrafen, die sie nicht begangen haben, ist – da stimmt ihr mir hoffentlich alle zu – Gewalt. Und Falschbeschuldigungen sind genauso große übergriffe, wie es Vergewaltigungen sind, denn sie können ein ganzes Leben zerstören. Für immer.

Ich möchte euch an dieser Stelle die Geschichte eines guten Freundes erzählen. Dieser war vor einigen Jahren mit einer Frau zusammen, die ihn fälschlicherweise der Vergewaltigung bezichtigte. Erst vor gemeinsamen Bekannten, später auch vor der Polizei. Das Verfahren landete nie vor Gericht, weil keine Beweise für eine Vergewaltigung vorlagen, aber Zweifel an der Unschuld meines Freundes blieben. Auch dann noch, als er Facebook-Nachrichten vorlegte, in denen seine Ex-Freundin ihm damit drohte, ihm eine Vergewaltigung anzuhängen, sollte er es wagen und sich von ihr trennen.

Nachdem er trotzdem Schluss gemacht und sie ihn daraufhin bei der Polizei angezeigt hatte, rief sie ihn sogar an und sagte ihm, dass sie ihre Aussage zurückziehen würde, wenn er wieder mit ihr zusammenkäme. Er ging nicht darauf ein. Verzichtete nach der Verfahrenseinstellung aber auf eine Gegenanzeige wegen falscher Verdächtigung, weil er wusste, dass seine Ex-Freundin eine narzisstische Persönlichkeitsstörung hatte und statt einer Strafe des Gerichts therapeutische Hilfe benötigte.

Sein Ruf behielt dennoch große Kratzer zurück. Nicht zuletzt deshalb, weil er seine psychisch kranke Ex-Freundin nicht noch mehr bestrafen wollte. Er nahm den Rufmord einfach hin, weil er weder sich noch seiner Ex-Freundin noch mehr schaden wollte, als sie es bereits getan hatte. Und leidet bis heute darunter, dass er von einigen seiner Mitmenschen als Vergewaltiger gesehen wird, obwohl er nie etwas getan hat.

Schuld daran ist unter anderem der Ausruf „Glaubt den Frauen!“, auf den Feministinnen sich immer wieder berufen. Es mag sein, dass Frauen in der Vergangenheit zu selten Glauben geschenkt wurde. Das ändert aber nichts daran, dass jede Geschichte zwei Seiten hat, von denen es beide wert sind, gehört zu werden, bevor ein abschließendes Urteil über Schuld oder Unschuld gefällt wurde.

Versteht mich nicht falsch: Ich bin sehr wohl dafür, dass Menschen, die sexuelle Gewalt ausüben, dafür bestraft werden. Oder sagen wir besser: Dass Menschen, die generell Gewalt ausüben, ihre gerechte Strafe bekommen. Die kann und sollte allerdings nur ein Gericht verhängen. über Menschen, die jemanden physisch angreifen genauso wie über die Personen, die gezielte Rufschädigung betreiben und die Reputation eines Menschen zerstören, nur weil es ihnen gerade in den Kram passt.

Natürlich sollen und müssen Vergewaltigungsfälle restlos aufgeklärt werden, auch um potenzielle zukünftige Opfer schützen zu können. Jemanden vorschnell aufgrund einer einzelnen Aussage zu verurteilen und sozial zu ächten, ihm den Job wegzunehmen und von der Gesellschaft auszuschließen, ohne dass bewiesen ist, dass er die vorgeworfene Straftat überhaupt begangen hat, ist jedoch vollkommen falsch. Ich sage das mit einem Blick auf den G20-Aktivisten Fabio, der seit mehreren Wochen in Untersuchungshaft sitzt, ohne dass ihm eine konkrete Straftat nachzuweisen wäre.

Warum nur, frage ich, ist in diesem Fall die Empörung so groß, während in den ganzen bekanntgewordenen Fällen angeblicher sexueller übergriffe alle nach Verurteilung schreien, ohne dass Beweise für die Aussagen der Frauen vorliegen? Der Feminismus misst hier mit zweierlei Maß. Und richtet über Dinge, über die er meiner Meinung nach nicht zu richten hat. Weil der Feminismus nun mal nicht die Justiz ist, sondern lediglich ein Haufen Einzelpersonen, denen nicht alle Fakten bekannt sind. Und der noch dazu dazu neigt, die Dinge eher emotional zu bewerten als so, wie sie bewertet werden sollten. Nämlich rational.

Mich wundert es keineswegs, dass Feminismus einen so schlechten Ruf hat, wenn ich mir so ansehe, wie schnell sich insbesondere im Netz ein wütender Mob zusammenschließt, der Vorwürfe aufgreift und aufbläst, die er irgendwo mal aufgeschnappt hat. Ohne sie auch nur ansatzweise zu hinterfragen.

Ich sage euch ganz ehrlich: Euer Feminismus kotzt mich an. Denn es geht längst nicht mehr um Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau, sondern nur noch darum, sich über die Dinge zu erheben und sie für die eigenen Zwecke zu instrumentalisieren. Notfalls auf die Kosten von unschuldigen Männern. Das ist nicht nur grundlegend falsch, sondern auch gewalttätig. Und irgendwie auch das, was Feministinnen so gerne anprangern. Nämlich Ungerechtigkeit aufgrund von Geschlechtszugehörigkeit.

Nicht alle Männer sind Gewalttäter und Vergewaltiger. Manche Frauen sind auch Lügnerinnen, die einfach nur ein bisschen Aufmerksamkeit wollen. Oder Rache an Exfreunden und ehemaligen Kollegen oder Vorgesetzen. Bevor ihr die nächste Sau wegen irgendwelcher Vorwürfe durchs Dorf treibt und ihnen alles was ihnen lieb ist nehmt, denkt doch bitte mal daran.

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Fotografie von Melani Sosa
Der Text erschien in der Kategorie Leben mit den Themen Feminismus, Frauen, Hass, Internet, Mädchen, Sexismus und Twitter
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