Digitale Freiheit - Fick dich, Facebook

Als die neue Generation der sozialen Netzwerke vor rund zehn Jahren zuerst in den Vereinigten Staaten und kurz darauf auch in Deutschland Fuß fassten, waren sie eine willkommene Schaubühne, um…
Digitale Freiheit - Fick dich, Facebook

Digitale Freiheit

Als die neue Generation der sozialen Netzwerke vor rund zehn Jahren zuerst in den Vereinigten Staaten und kurz darauf auch in Deutschland Fuß fassten, waren sie eine willkommene Schaubühne, um Menschen auch über die Grenzen des offenen Internets hinweg zu erreichen. Also bauten wir uns kleine Communities auf Facebook, Twitter und später auch Instagram auf, nur um viel zu spät zu bemerken, in welche ausweglose Abhängigkeit wir uns da hineinmanövrierten. Plötzlich verlangten die Netzwerke Geld dafür, dass wir unsere organisch gewachsenen Zielgruppen erreichten, nachdem wir zuvor jahrelang freiwillig und kostenlos Nutzer zu eben diesen Firmen gelotst haben.

Heute befinden wir uns in der seltsamen Situation, dass wir mit unseren auf Facebook, Twitter & Co. geteilten Beiträgen nur einen Bruchteil derer erreichen, die unsere Webseite in den sozialen Medien abonniert haben, weil wir dort nicht nur systematisch kleingehalten und sogar zensiert werden, sondern auch in der ständigen Angst leben müssen, dass unsere Kanäle gesperrt werden, wenn wir auch nur den Hauch einer weiblichen Brustwarze zeigen oder von einer kleinen Gruppe an sich durch einen unserer Artikel vor den Kopf gestoßenen Nutzern ins Visier genommen und dank der automatisierten Meldefunktion an den digitalen Pranger gestellt werden.

Das ist aber nicht einmal das eigentliche Problem. Würden wir hinter den Werten stehen, die diese Firmen verkörpern, dann würden wir weiter dafür kämpfen, unsere Sichtbarkeit in deren Kanäle zu erhöhen, dann würden wir uns gerne an ihre altbackenen Hausregeln halten, dann würden wir uns auch wohl dabei fühlen, unsere Leser davon zu überzeugen, dass es eine gute Idee ist, dort Konten zu eröffnen, um nicht nur uns, sondern auch anderen interessanten Webseiten und Individuen zu folgen. Doch wir stehen nicht nur nicht hinter den Werten dieser Konzerne, nein, wir sind geradezu angewidert von dem, was aus ihnen geworden ist.

Denn sind wir mal ehrlich: Facebook ist dank seiner Agenda und den auf Krawall programmierten Algorithmen nichts weiter als ein Brutplatz der extremen Hirngespinste von aus der Gesellschaft verbannten Frührentnern, Twitter hat sich nicht zuletzt dank der Präsenz von Donald Trump in einen aus Hass und Geschrei gefüllten Tunnel der politisch motivierten Idioten verwandelt und wer auf Instagram sein Glück sucht, der ist verloren, der verschmilzt in einem immer und immer wieder durch Photoshop gezogenen Gemälde mit anderen armen Seelen, die die Realität längst hinter sich gelassen haben.

Deshalb haben wir uns dazu entschieden, von nun an kein aktiver Teil dieser sogenannten sozialen Medien mehr zu sein und unsere sozialen Kanäle auf Facebook, Twitter, Instagram, Tumblr, Pinterest, und was sich in der vergangenen Dekade sonst noch so angesammelt hat, nur noch in mehr oder weniger automatisierter Form zu befüllen. Wir werden dort keine Antworten mehr geben, keine Reaktionen, keine Likes, Retweets oder sonst irgendwas. Einfach nur noch unsere neuen Artikel raushauen – sonst nichts.

Wer uns Fragen, Kritik oder Nacktfotos schicken möchte, der kann das von nun an gerne durch einen Leserbrief machen. Es dürfte genügend Social-Media-Manager geben, die diesen Schritt für den absoluten digitalen Selbstmord halten, aber wir haben in den letzten Jahren allerlei Startups gesehen, die ganze Redaktionen auf eben diesen Kanälen verheizt haben, nur um kurz darauf sang- und klanglos unterzugehen.

Wer die Artikel von AMY&PINK ab jetzt konsumieren möchte, dem empfehlen wir das entweder durch den Besuch unserer Webseite oder durch das Abonnement unseres RSS-Feeds zu machen. Letzteres funktioniert zum Beispiel über Webseiten wie Feedly, Feedbin und Inoreader, Apps wie Reeder, NetNewsWire und Flym oder auch das Feedreader Plugin von Feeder für Google Chrome, Firefox sowie Safari.

Dort könnt ihr dann nicht nur AMY&PINK, sondern auch alle eure anderen Lieblingsblogs und -onlinemagazine sowie in einigen Fällen sogar Twitter-Accounts, YouTube-Kanäle und Instagram-Profile hinzufügen. So verpasst ihr nichts mehr und müsst euch auch nicht mit irgendwelchen mysteriösen Algorithmen, Vorauswahlen und Glocken herum ärgern.

Mit diesem Schritt wollen wir sowohl unsere Unabhängigkeit als Onlinemagazin zumindest teilweise wiederherstellen als auch einen kleinen Beitrag zu einem freieren Internet leisten. Es kann schließlich nicht sein, dass für manche Menschen das Internet nur noch aus Facebook, YouTube und Instagram besteht – oder in welcher Blase sie sonst noch vor sich hin vegetieren. Ganz ohne soziale Medien können wir zwar noch nicht, aber kleine Schritte sind ja schließlich auch schon etwas.

Das Internet ist groß, bunt und aufregend – und genau das wollen wir mit AMY&PINK sowohl beweisen als auch vorleben. Wer weiß, vielleicht gibt es in naher oder ferner Zukunft eine neue Generation sozialer Netzwerke, die diese scheinbar aus der Mode gekommenen Werte ebenfalls teilen, aber bis es soweit ist, genießen wir den kleinen, aber feinen Hauch unserer neu gewonnenen Freiheit. Darauf erst einmal ein kühles Gläschen Gin Tonic!

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Fotografie von Prateek Katyal
Der Text erschien in der Kategorie Leben mit den Themen Facebook, Instagram, Internet, Pinterest und Twitter
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