Blogs als Beruf - Ich bin Blogger, gib mir Geld!

Eine nagelneue schwarze Handtasche. Wert: Um die 70 Euro. Wie kann das sein, fragt sie sich – sie hatte doch gar nichts bestellt. Eine weiße Karte lüftet das Geheimnis: „Ein…
Blogs als Beruf - Ich bin Blogger, gib mir Geld!

Blogs als Beruf

Ich bin Blogger,
gib mir Geld!

Eine nagelneue schwarze Handtasche. Wert: Um die 70 Euro. Wie kann das sein, fragt sie sich – sie hatte doch gar nichts bestellt. Eine weiße Karte lüftet das Geheimnis: „Ein kleines Dankeschön dafür, dass du so einen tollen Blog hast!“, steht dort per Hand geschrieben. Nina freut sich, ach wie nett. Innerhalb von zwei Stunden hat sie Fotos von sich und der Tasche in ihrem hell eingerichteten Zimmer gemacht und diese mitsamt Link zum Hersteller ins Internet gestellt. Ein Gewinn für beide Seiten? Nicht wirklich.

Es dauert nicht lange, bis Nina in einer kleinen Excel-Datei landen wird, erstellt von einer Angestellten der Agentur, die ihr die Tasche zugeschickt hat. Dass sie einen Blogpost für ein Werbegeschenk über 70 Euro veröffentlicht, wird dort stehen. Damit hat sich Nina gerade selbst ihre Bedeutsamkeit und die ihres Herzensprojekts ausgesucht, die sie so schnell nicht positiv verändern wird. Die Frage, ob sich die ambitionierte Bloggerin gerade weit unter Wert verkauft hat, beantwortet sich schon fast von selbst.

Seit einigen Jahren lebe ich nun vom Bloggen. Ich kann damit meine Miete bezahlen, mein Essen, Bücher, Filme, Musik, Zeitungen, Videospiele – und all die Ereignisse, für die Berlin eben so Geld verlangt. Allzu schwer ist das nicht, man muss nur ein paar einfache Regeln befolgen, die ich durch Erfahrung gelernt habe, und an die ich mich halte. Jedenfalls meistens. Welche das sind, möchte ich euch an dieser Stelle mitteilen.

Sei kein Blogger!

Blogs gibt es wie Sand am Meer. Modeblogs, Techblogs, Politblogs, Filmblogs, Privatblogs. Blogs über Autos, über Essen, über Reisen, über Musik, über Städte – ja sogar über Tampons, Vampire und Bastelutensilien. Nicht zu vergessen die zahlreichen BuzzFeed- und Reddit-Kopien. Wer mit dem Bloggen Geld verdienen möchte, der darf keinen Blog haben – er muss eine Instanz werden!

Seiten wie Nerdcore, Stil in Berlin oder Journelles gibt es überall, in allen Varianten, in allen Formen, in allen Abstufungen des Erfolgs. Aber warum werden gerade sie so ausgezeichnet, gebucht und besucht? Weil sie es durch eine wiedererkennbare Persönlichkeit, harte Arbeit und ein spezielles Themengebiet geschafft haben, aus der Masse der Blogspot-Neulinge und WordPress-Versteher herauszustechen und so die Anlaufstelle für viele interessierte Besucher und damit auch Werbetreibende zu werden.

Auch das zu schaffen, ist nicht besonders schwierig. Ihr müsst euch lediglich darüber im Klaren sein, was eure Stärken sind und für was ihr euch interessiert. Seid ihr in irgendeiner Form außergewöhnlich? Dann schreibt über euch und was ihr erlebt – wie Sara! Seht ihr wahnsinnig gut aus? Dann überhäuft eure Besucher mit Fotos von euch – wie Kenza! Lebt ihr für ein einziges Thema und möchtet die Welt da draußen daran teilhaben lassen? Dann macht dieses Thema zu eurer digitalen Leidenschaft – wie Christine! Oder Matthias. Oder Nike und Sarah.

Sei du selbst!

In der deutschen und internationalen Blogszene ist nichts wichtiger als ein starkes Image, um sich einen Namen zwischen all den Jessies, Annas und MC Winkels zu machen. Bastelt aus euren Stärken, Leidenschaften und auch aus euren Schwächen ein digitales Ich zusammen, das das Potential besitzt, geliebt, gehasst und gekannt zu werden. Ihr müsst eure Standpunkte haben – und diese auch verbal durchsetzen können.

Stellt euch selbst in den Mittelpunkt und vermarktet euch, ohne überheblich oder eingebildet zu wirken. Vorausgesetzt natürlich, dass nicht genau das euer ausgesuchtes Image ist. Das digitale Arschloch funktioniert genauso gut wie das hübsche Modemädchen mit Wiedererkennungswert. Durch das Internet habt ihr die Möglichkeit, euch neu zu erfinden – aber nur solange ihr euch selbst treu bleibt.

Das Schlimmste, was euch passieren kann, ist nicht beachtet zu werden. Wer langweilige Blogposts mit einer nicht greifbaren Persönlichkeit vermischt, der darf sich nicht wundern, warum er nach allen Regeln der Kunst übergangen wird. Agenturen buchen lediglich die Superstars eines Genres – oder diejenigen, die erfolgreich so tun als wären sie welche.

Sei professionell!

Agenturangestellte merken schnell, ob ihr etwas langsam im Kopf seid und sie euch somit ausnutzen können. Wer keine korrekte Groß- und Kleinschreibung beherrscht, „LOL“ und „ROFL“ im alltäglichen Kommunikationsverkehr verwendet und Fachbegriffe wie TKP, Expandable Super Banner oder Unique Visitors nicht kennt, der hat quasi schon verloren. Steigt ihr mit Vermarktern und Kunden in den Ring, müsst ihr diese Begriffe im Schlaf beherrschen – oder so charismatisch (oder erfolgreich) sein, dass man euch diese Wissenslücken verzeiht.

Erstellt ein ausführliches, aber knackiges Media Kit mit InDesign, das ihr potentiellen Geldgebern zukommen lassen könnt. Was steht da drin? Eine kleine Zusammenfassung über die Geschichte eures Blogs, eine genau Eingrenzung der Zielgruppe (Alter, Themen, Geschlecht…) und eure Besucherzahlen sowie die Reichweite eurer Social-Media-Kanäle. Dazu ein paar Bilder, eure Kontaktinformationen und eine kleine Auflistung, mit welchen Firmen ihr bereits zusammen gearbeitet habt. Verpackt alles in einem schönen Design – voilà!

Vergesst bei dem ganzen professionellen Getue nicht, ihr selbst zu bleiben. Niemand ist den ganzen Tag lang ein effektiver Roboter. Seid sympathisch, witzig, aber verwechselt die Menschen, die in den Agenturen arbeiten – und die ihr bei längerer Zusammenarbeit näher kennen lernen werdet – nicht mit euren Freunden. Geht es ums Geschäft, dann müsst ihr charmant, aber bestimmend sein. Sie wollen, dass ihr über ein Produkt oder eine Dienstleistung schreibt – und ihr wollt Geld. Ganz einfach.

Sei wertvoll!

Viel zu oft musste ich schon mit ansehen, dass aufstrebende Blogger ihre digitalen Lieblinge mit Werbung tapezieren, obwohl sie im Gegenzug dafür ein Geschenk, einen Gutschein oder oft nur ein leeres Versprechen auf eine baldige Zusammenarbeit bekommen haben. Viele freuen sich allein schon über die Tatsache, dass Agenturen und Labels auf sie aufmerksam wurden und merken gar nicht, dass sie nichts weiter als eine Adresse in einer ellenlangen, unpersönlichen Auflistung sind, die irgendein armer und übermüdeter Praktikant erstellt hat.

Der Grundsatz lautet: Wer euch für seine kommerziellen Zwecke nutzen will, der muss euch dafür auch etwas zahlen. Denn schließlich rechnen Agenturen jeden Artikel und jeden Link in bare Münze um. Die Frage, wie viel ihr denn nun verlangen sollt, ist nicht immer einfach zu beantworten. Einige Blogs wünschen sich nur 200 Euro, andere 1500 – oder sogar mehr – für einen einzigen Post. Ob sie das allerdings bekommen, ist eine ganz andere Frage. Ungefähr gilt: Seid ihr klein, nehmt 290 Euro pro Artikel! Seid ihr mittelgroß, verlangt 490 Euro! Seid ihr groß, verlangt 890 Euro!

Links auf eurem Facebook- oder Twitter-Profil kosten extra. Produkte, die nicht zu eurer Zielgruppe passen, solltet ihr ablehnen. Auch wenn eine Menge Geld dahinter steckt. Bei einigen Anfragen könnt ihr mehr Geld verlangen, wenn ihr das Gefühl habt, dass ihr ihnen das wert seid. Wer mehrere Artikel auf einmal bucht, bekommt einen Mengenrabatt. Dasselbe gilt bei Agenturen, die euch mehrmals im Monat buchen. Auch ihnen könnt ihr ab und zu einen Gefallen im Sinn von Ermäßigungen geben – aber lasst euch nicht ausnutzen und zum Dauersonderangebot degradieren! Natürlich könnt ihr ab und zu auch über Produkte und Reisen umsonst schreiben, solange ihr sie wirklich selbst toll findet. Sonst nicht.

Sei leidenschaftlich!

In aller Regel gilt: Umso mehr Zeit und Arbeit ihr in euren Blog steckt umso mehr Erfolg wird er haben. Natürlich ist das nur der Fall, wenn er eine reelle Chance besitzt, dass sich andere für ihn und auch euch interessieren. Ist das Thema so fernab jeglicher Realität und seid ihr, Pardon, langweilig und zu einfach gestrickt, dann wird die große Bloggerreise für euch ungefähr denselben Erfahrungswert haben wie der Versuch, eine Betonmauer mit eurem Kopf zu durchstoßen. Ihr könnt aber immer noch Gemüse anbauen. Oder „Let’s Plays“ auf YouTube hochladen.

Auch wenn ihr am Anfang noch kein Geld mit dem Bloggen verdient, so solltet ihr euer eigenes investieren, um einen guten Start hinzulegen. Kauft euch eine eigene Domain und einen eigenen Webspace, aber nur .de oder .com, kauft euch die richtige Software, zum Beispiel Photoshop, Microsoft Office oder Apple iWork, kauft euch die richtige Ausrüstung, zum Beispiel eine Spiegelreflexkamera, ein Smartphone, einen Laptop. Wer einfach, effektiv und gekonnt bloggen möchte, der kommt um die richtigen technischen Freunde nicht herum – egal ob digital oder analog.

Für euren Blog verwendet ihr am besten die Open-Source-Version von WordPress. Fragt einfach euren nerdigen Freund, der seit Jahren heimlich in euch verknallt ist, ob er sie euch auf den gerade gemieteten Webspace installiert. Er macht das gerne. Kauft euch anschließend ein tolles Theme auf Themeforest und ändert es nach euren Wünschen ab – zum Beispiel mit eigenen Bildern, anderen Farben, neuen Funktionen. Nur wer ein individuelles Design hat, wird von Agenturen ernst genommen.

Sei sozial!

Ich muss hier niemandem mehr erklären, wie wichtig soziale Netzwerke sind, um euren Blog bekannt zu machen und mit euren Besuchern zu interagieren. Auf Facebook und Feedly teilt ihr eure Artikel, auf Twitter „redet“ ihr mit Lesern, Kollegen und Freunden, auf Instagram, Snapchat und TikTok postet ihr euer Leben, auf Pinterest und Tumblr veröffentlicht ihr eure bildlichen Fundstücke und mischt Fotos eures eigenen Blogs dazwischen, YouTube verwendet ihr als Besuchermultiplikator – wenn ihr denn in Videos genauso ansprechend wie in euren Texten wirkt.

Leider ist es immer noch so, dass sich Agenturen wenig darum scheren, wer zu euren Followern und Fans gehört, einzig und allein eine hohe Nummer öffnet euch den Weg zu Buchungen. Grundsatz: Umso höher die Zahl umso mehr Geld könnt ihr verlangen. Also tut alles, um diesen Wert nach oben zu treiben! Interagiert höflich und gekonnt mit eurem Publikum, seid aber auch mal frech und – ganz wichtig – menschlich!

Doch nicht nur mit euren Seitenaufrufenden solltet ihr sozial umgehen, auch mit den Vertretern von Agenturen und Firmen müsst ihr eine ständige Kommunikation am Laufen halten. Trefft euch zum Lunch, auf der re:publica, auf Partys. In der Branche bekannte Gesichter haben kein Problem mehr damit, ihren Blog zu monetarisieren und weitere Türen in andere Bereiche der Medienbranche zu öffnen.

Fazit

Natürlich halte auch ich mich nicht immer an alle Regeln. Manchmal beantworte ich keine Mails, weil ich lieber ein Glas Wein trinke und in „Civilization“ vertieft bin. Manchmal verlange ich zu wenig Geld für einen Artikel, weil ich die Ansprechpartnerin kenne oder nicht schnell genug überlegt habe. Manchmal vernachlässige ich Social-Media-Kanäle, weil ich eine Sinnkrise habe und mich frage, was das denn eigentlich alles bringen soll.

Aber das ist okay. Wichtig ist nur, dass ihr trotz temporärer Ausfälle das Ziel nicht aus den Augen verliert und selbst herausfindet, was für euch funktioniert – und was nicht. Welche Nische für euch die richtige ist. Welche Sprache ihr verwendet. Ob ihr es als einzelner Blog oder als kollektives Magazin versuchen wollt. Ob ihr nur Fundstücke wiederverwertet oder eigene Inhalte fabriziert. Oder beides.

Nina hat jedenfalls aus ihrem Fehler gelernt. Egal wie geschmeichelt sie auch von diesem scheinbar so netten Werbegeschenk war, sie weiß, dass dahinter ein kalkulierter Versuch stand, günstig Werbung zu machen und für SEO wichtige Backlinks zu bekommen. Das Internet ist nichts anderes als eine riesige Konsumbranche. Und ihr könnt selbst entscheiden, welche Rolle ihr in diesem Meer aus Blogs, Agenturen und Produkten spielt.

Bücher über Blogs auf Amazon kaufen

Bei jedem vermittelten Kauf über Amazon erhalten wir einen kleinen Anteil
Die Fotografie stammt von Štefan Štefančík
Der Text erschien in der Kategorie Leben mit den Themen Blogs, Facebook, Feedly, Internet, Pinterest, Snapchat, TikTok, Tumblr, Twitter und YouTube
Wenn dieser Artikel euch gefällt, könnt ihr ihn auf Facebook, Twitter, WhatsApp, Pinterest und Tumblr oder per Email teilen
Ihr habt etwas zu sagen? Schickt uns einen Leserbrief!

Warning: include(produkte_sneaker.php): failed to open stream: No such file or directory in /homepages/24/d800420176/htdocs/wp-content/themes/magazin/single.php on line 24

Warning: include(): Failed opening 'produkte_sneaker.php' for inclusion (include_path='.:/usr/lib/php7.4') in /homepages/24/d800420176/htdocs/wp-content/themes/magazin/single.php on line 24
Weitere Artikel lesen
AMY&PINK

AMY&PINK ist euer digitales Popkulturmagazin und gibt euch alles, was ihr über Mode, Kunst, Musik, Filme, Spiele, Essen, Reisen, Liebe, Sex und das Leben im Allgemeinen wissen müsst. Jeden Tag aufs Neue.

Sendet uns eure CDs, Filme, Serien, Bücher, Magazine, Comics, Getränke, Videospiele, Schuhe, Kleidungsstücke, technischen Spielereien und weitere schöne Dinge und vielleicht stellen wir sie auf AMY&PINK vor.

Wenn ihr auf AMY&PINK werben oder veröffentlicht werden wollt, eine rechtliche oder inhaltliche Anfrage habt oder weitere generelle Informationen benötigt, dann schickt uns eine Email!

Kategorien
Leben  Mode  Kunst  Musik  Filme  Spiele  Essen  Reisen  Liebe  Sex

Themen
Mädchen  Frauen  Jungs  Männer  Fotografie  Beziehungen  One-Night-Stands  Internet  Japan  Berlin  Asien  Tokio  Deutschland  Gedanken  Gesundheit  Studium  Emotionen  Jugend  Pornografie  Anime  Liebeskummer  Partys  Karriere  Manga  USA  Drogen  Masturbation  Instagram  Onanie  Geld  Blogs  Alkohol  Feminismus  Facebook  Twitter  YouTube  Comics  Kinder  Cartoons  Freundschaft  Selbstbefriedigung  Depressionen  Pop  Interviews  Tinder  Ängste  Penisse  Krankheiten  Bücher  Geschichten  Kreuzberg  Gefühle  Fantasy  Finanzen  Beziehung  Vibratoren  Shibuya  Hip Hop  Muschis  Los Angeles  Sexismus  Werbung  Arbeit  Zukunft  WhatsApp  Harajuku  Serien  Friedrichshain  Politik  Prostitution  Fetische  Schule  Vaginen  Hass  Kyoto  New York  Kindheit  Schwänze  Wohngemeinschaften  Brüste  Europa  Nintendo  Dildos  Gewalt  Shimokitazawa  Australien  Familie  Akihabara  Reddit  Teenager  Dating  England  Berghain  Orgasmen  Südkorea  Netflix  PlayStation  Psychologie  Science-Fiction  Handys  

Kanäle
Facebook  Twitter  Instagram  Tumblr  Pinterest  Feedly

© 2020  •  Alle Rechte vorbehalten

Wir übernehmen keine Verantwortung oder Haftung für unverlangte Einsendungen.

Mit dem Erhalt von Fotografien, Texten und ähnlichen analogen wie digitalen Materialien erklärt sich der Einsender dazu bereit, dass er die vollen Rechte daran besitzt und diese kostenfrei, lizenzfrei und für unbestimmte Zeit auf AMY&PINK veröffentlicht werden dürfen.

Diese Webseite wird durch Werbung, Produktplatzierungen und Affiliate-Links unterstützt.

Bei jedem vermittelten Kauf über Amazon erhalten wir einen kleinen Anteil

Weitere Informationen findet ihr in unserem Impressum und in unserer Datenschutzerklärung.