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Auf dem Balkon: Wenn die Welt uns zu Füßen liegt

Ich schnappe mir das Zigarettenpäckchen, das einer meiner Freunde auf der WG-Party vergessen hat, und schleiche mich damit raus auf dem Balkon. Ich nehme mir eine Zigarette heraus, stecke sie mir in den Mund und zünde sie mit einem Streichholz an. Draußen ist es kalt und dunkel und die Flamme des kleinen Streichholzes verzaubert mich ein wenig. Einfach so. Streichhölzer mag ich lieber als Feuerzeuge.
Auf dem Balkon: Wenn die Welt uns zu Füßen liegt
Auf dem Balkon: Wenn die Welt uns zu Füßen liegt

Auf dem Balkon

Wenn die Welt uns
zu Füßen liegt

Hannah Maria Paffen
Hannah Maria Paffen

Ich schnappe mir das Zigarettenpäckchen, das einer meiner Freunde auf der WG-Party vergessen hat, und schleiche mich damit raus auf dem Balkon. Ich nehme mir eine Zigarette heraus, stecke sie mir in den Mund und zünde sie mit einem Streichholz an. Draußen ist es kalt und dunkel und die Flamme des kleinen Streichholzes verzaubert mich ein wenig. Einfach so. Streichhölzer mag ich lieber als Feuerzeuge.

Ich ziehe an der Zigarette und blicke in die Ferne. Von unserem kleinen Balkon aus hat man einen wunderschönen Ausblick auf die Stadt. Tausende Lichter funkeln in der Ferne und zwischendrin entdecke ich einen hell erleuchteten Tannenbaum.

Die ganze Welt liegt mir zu Füßen. Mein Leben liegt vor mir. So fühlt es sich also noch mal an. Es ist kalt, dunkel, schmeckt nach roten Gauloises und riecht nach Streichhölzern. Es ist vom Schnee bedeckt und funkelt im Licht der Nachbarswohnungen. Es liegt in meiner Hand, wie es verläuft, ob es überhaupt läuft und ich könnte es jetzt beenden, wenn ich wollte, indem ich mich zu weit über das Balkongelände beugen würde.

Ich ganz allein habe es in der Hand, ob ich etwas Großartiges daraus mache oder nicht, mit offenen Augen durchs Leben laufe oder nicht. Und ich habe Angst, dass ich irgendwann merke, dass ich die falschen Entscheidungen getroffen habe.

Können wir überhaupt falsche Entscheidungen treffen? Wird nicht immer alles Friede, Freude, Eierkuchen? Happy End sozusagen? Kennt nicht jeder diese Momente, die einen fast erdrücken und einen dazu zwingen, unvernünftige Dinge zu tun, weil man Angst darum hat, dass es irgendwann zu spät ist?

Dass es so viele immer in die große weite Ferne zieht, verstehe ich nicht. Es ist doch vollkommen egal, ob ich in New York, Tokio oder hier auf meinem kleinen Balkon sitze. Ähnelt sich das nicht alles und kommt es nicht darauf an mit wem man solche Momente verbringt und wo die Leute leben, die man ins Herz geschlossen hat? Um die Weihnachtstage wird es ruhig in den großen Städten unserer Erde und jeden zieht es einfach nur nach Hause.

Die Zigarette schmeckt beschissen und ist rausgeworfenes Geld, da ich ja noch nicht mal auf Lunge rauchen kann. Aber die sieben Minuten draußen auf dem Balkon gefallen mir gut. Ich sollte mir etwas anderes ausdenken und beschließen, dass Schokolade nur noch auf dem Balkon gegessen werden darf. Denn es ist schön hier draußen in meinem Leben, mit dem beleuchteten Tannenbaum und der ganzen Weihnachtsdeko in den Fenstern. Weihnachten kann also kommen und die besinnliche Zeit ist längst da.

Der Text wurde von Hannah Maria Paffen geschrieben. Die Fotografie stammt von Philipp Bachhuber. Der Artikel erschien in der Kategorie Leben mit den Themen Emotionen, Gedanken, Menschen, München, Weihnachten, WGs, Winter, Wohngemeinschaften und Zigaretten. Wenn er euch gefällt, könnt ihr ihn auf Facebook, Twitter, WhatsApp, Pinterest und Tumblr oder per Email teilen. Ihr habt etwas zu sagen? Schickt uns einen Leserbrief!
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