Die Autorin im Gespräch - Ada Blitzkrieg, warum sollten wir deine Bücher lesen?

Twitter wurde bekanntlich für Idioten ohne Sozialleben und Menschen in Kriegsgebieten erfunden. Und Ada Blitzkrieg. Die Berlinerin faselt in den Tiefen des Internets über aufgetaute Tiefkühlpizzen, fette Fahrer bei “Mario…
Die Autorin im Gespräch - Ada Blitzkrieg, warum sollten wir deine Bücher lesen?

Die Autorin im Gespräch

Ada Blitzkrieg, warum sollten
wir deine Bücher lesen?

Twitter wurde bekanntlich für Idioten ohne Sozialleben und Menschen in Kriegsgebieten erfunden. Und Ada Blitzkrieg. Die Berlinerin faselt in den Tiefen des Internets über aufgetaute Tiefkühlpizzen, fette Fahrer bei “Mario Kart” und Oralsex mit Dr. Zoidberg, besitzt die eiserne Regel, auf keinem Foto zu lächeln, und hat heute ihr erstes Buch mit dem Titel “Dackelkrieg – Rouladen und Rap” veröffentlicht. Wir haben mit der illustren Blondine über frittierte Hähnchenteile, ein Leben auf dem Bauernhof und fiese Stalker im Netz gesprochen.

Mich hat es heute Morgen zum ersten Mal in diesem Winter so richtig auf die Fresse gehauen. Hat es dich auch schon erwischt?

Ich glaube ich war seit Mitte September nicht mehr draußen. Das muss ich auch gar nicht, denn ich bekomme bei Twitter eh ständig Fressgutscheine von Lieferdiensten geschenkt, weil die sich eine gute Promo erhoffen. Von jemandem wie mir, der ständig frisst und trotzdem nicht fett ist. Das ist also eine ziemlich klassische Win-Win Situation für mich. Außerdem muss ich mir dann keine Winterstiefel kaufen.

Und was ist, wenn du doch mal ausrutscht? Bist du einer von den Menschen, die so tun als wäre nichts passiert, oder bleibst du zehn Minuten schreiend liegen und rufst den Leuten zu, dass es vorbei ist und sie deiner Katze sagen sollen, dass du sie liebst?

Ich glaube solche Leute wie ich haben ihre Vermeidungsstrategien, um nicht hinzufallen. Ich mache viel im Liegen und lasse mich ansonsten gerne tragen. Wenn mein Körper sich in der aufrechten Position befindet, stehe ich in der Regel und passe gut auf, dass sich unter mir nicht zufällig Glätte befindet. Bewegung ist mir unheimlich.

Spielt dein Buch “Dackelkrieg” im Sommer oder im Winter?

Es spielt in allen erdenklichen Jahreszeiten. Frühling, Sommer, Herbst und Winter und noch in einigen mehr. Ein großer Teil dreht sich um Weihnachten, weil Weihnachten einfach nur eine feine Sache ist. Alle mögen Weihnachten. Zumindest seit man Geschenke und sein Christkind im Internet bestellen kann.

Worum geht’s denn darin?

Der Roman ist eine autobiografische Literaturwurst, die dem ganzen Problem und Krieg in mir ein Ventil geben sollte. Wenn ich nicht ständig lachen und mich mit Selbstironie durchpeitschen würde wie eine Wahnsinnige, würde ich vor die Hunde gehen. Außerdem dachte ich, ich gebe den Leuten einfach mal was zurück. Daher auch der günstige Preis.

Es gibt ziemlich viele da draußen, die denken auch oft: „Mann, was ist denn mit mir los?“. Denen wollte ich sagen, dass alles eigentlich gut ist. Zumindest solange sie sich noch lachen können. Ich wollte schon lange selbst was auf die Beine stellen, obwohl ich Angebote von Verlagen hatte. Der Punkt ist, ich habe mich dagegen entschieden, weil ich ein 100-Prozent-Ada-Blitzkrieg-Projekt bringen wollte, ohne irgendwelche Abstriche.

Es darf einfach in so einer Autobiografie niemandem geben, der dir sagt „Streich’ das und das!“ oder „Schreib’ mal ein bisschen mehr über dein erstes Mal!“. Das ist meine verdammte Autobiographie. Ich verspreche mir eigentlich nichts. Nur etwas zu unterhalten und dass meine Mutter nach dem Lesen noch mit mir redet.

Du hast jede Menge Twitter-Follower. Wie schafft man das?

Ich hatte mal komplett andere Pläne und wollte eigentlich nur in Berlin rumhängen und Architektur studieren. Mein Freund hat mich damals zum Twittern gebracht, weil wir in getrennten Städten leben. Er meinte wir könnten dann immer schön sehen wie witzig wir wären. Damals hat das aber alles noch niemanden interessiert.

Der große Followerboom kam dann als ich Casper und Prinz Pi kennen gelernt habe, die dann das ein oder andere Mal twitterten wie perfekt mein Account sei. Irgendwann war es dann ein Selbstläufer. Die Leute waren interessiert an meinem Humor, weil ich natürlich geblieben bin und keinen Hehl daraus mache: Ich bin eigentlich scheiße – so als Mensch – und das finden die sympathisch.

Warum eigentlich Ada Blitzkrieg?

Naja, eigentlich heiße ich Clara Carerra, aber mein Bruder konnte als Kind meinen Namen nie aussprechen und da wurde aus „Clara“ eben „Ada“. Das hat sich dann als Spitzname über die Jahre gehalten. Der Blitzkrieg passte einfach gut. Auch wenn es mich nervt, wenn ich immer wieder gefragt werde, ob ich Nazi sei. Und das, obwohl ich Deutschland mehr als hasse. Ada Blitzkrieg ist bloß ein Spitzname und keine Figur.

Aber Clara Carerra klingt nach dem perfekten Pornonamen! Wie viel von dem Internetruhm kann man denn ins echte Leben importieren?

Genug. Ohne das Internet könnte ich meine Kackmiete und mein Fleisch nicht bezahlen. Ich publiziere online. Meine ganzen Kontakte sind in Netzwerken entstanden und sogar mein Freundeskreis besteht größtenteils aus Menschen, die ich zuerst über das Netz kennenlernt habe. Langsam erkennen mich die Menschen in Kreuzberg auf der Straße und ich wundere mich immer, wenn ich angesprochen werden. Mal sehen wie das weitergeht. Schön genug für so ein Promiding bin ich ja.

Was waren die besten und die schlimmsten Sachen, die du dank des Internets erlebt hast?

Das Schönste? Ganz klassisch. Wir hatten mal richtig schlimm Hunger mitten in der Nacht und dachten eigentlich, hey, es hat ohnehin kein geiler Lieferdienst mehr auf. Wir hatten uns dann schon damit abgefunden bei einem öden Chinesen zu bestellen. Und diese Chinesen, die so lange liefern, sind einfach nicht gut, das weiß man. Und ich war bekifft und hatte Bock.

An diesem Tag hatte dann ein neuer Laden in Berlin aufgemacht, der ausschließlich Chicken lieferte. Nicht irgendwelches Chicken, sondern auch komplette Tiere. Oder halbe Tiere. Es gab da so ein Eröffnungsangebot mit 50 Prozent. Der Kram wäre auch so ohne Ende billig gewesen. Wow, wir haben dann, und ich bekomme jetzt noch Gänsehaut, so schön war das, für einen Zwanni eine unglaubliche Menge Chicken und Chickenteile bestellt, die wir dann bei einem Blaxploitation-Film weggesnackt haben.

Die meisten Teile waren echt dick frittiert. Wir hatten einfach eine gute Zeit und irgendwie war das Internet Schuld daran. Das schlimmste Erlebnis gab es so noch nicht, glaube ich. Ich mag alles im Internet. Ich hatte mal ein paar fiese Stalker. Das kommt alle paar Monate vor. Aber bisher hält sich das noch im normalen Bereich auf.

Stalker? Krass, na wie gehst du denn mit Menschen um, die dich hassen?

Gar nicht mehr. Ich habe es aufgegeben mich zu wehren. Es ist mir egal geworden. Das ist noch nicht mal bewusst passiert, sondern einfach bedingt durch die Menge an inhaltslosem Feedback, die ich bekomme. Man stumpft ab. Aber das ist super!

Was würdest du machen, wenn niemand das Internet erfunden hätte?

Ich mag den Umgang mit Tieren und könnte mir vorstellen auf einem kleinen Bauernhof in einem abgelegenen Gebiet eine hübsche urige Hausschlachterei zu eröffnen. Alle Kunden mit Vornamen zu kennen reizt mich.

Was sind denn deine Lieblingsinternetseiten?

Natürlich SoundCloud, für die mein Freund arbeitet und die einfach ein super Produkt anbieten. Ich mag Finding Berlin und… Ah, das Telefon klingelt andauert. Diese Katzengeschichten sind auch witzig. Alles mit Katzen mag ich. Da empfehle ich alle Blogs zu lesen. Zeitgleich! In ganz vielen offenen Tabs.

Welche Tipps gibst du Leuten, die selbst mal ein Buch schreiben wollen?

Keine Angst haben!

Und was rätst du Menschen, die twittern wollen?

Das Gleiche. Aber hier ist es eine Lüge.

Welchen Leuten sollte man bei Twitter unbedingt folgen?

Ausschließlich mir, dem amerikanischen Comedian David Deery und Mary Charlene. Keine Ahnung, was mit der immer los ist!

Wie erreicht man eine erfolgreichere Karriere: Mit harter Arbeit oder einem sexy Aussehen?

Je nachdem wie man Erfolg definiert. Ich möchte mich nicht verkaufen und einfach nur von dem leben können, was ich liebe.

Wie lange wirst du diesen ganzen Internetscheiß noch machen?

Noch 6789 Tage.

Welchen Menschen wünscht du, dass es sie heute auch noch auf die Fresse haut?

Ich weiß nur, wer unter keinen Umständen hinfallen soll: Der dicke Samson aus der Sesamstraße. Der würde sich doch direkt alle Knochen brechen.

Warum sollten die Leute dein Buch kaufen?

Weil ich sympathisch und ohne Verlag bin. Und weil hundert Prozent der Einnahmen, also die vier Tacken, direkt an mich gehen. Das ist ein guter Preis für einen kompletten Roman.

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Die Fotografie stammt von Ada Blitzkrieg
Der Text erschien in der Kategorie Kunst mit den Themen Ada Blitzkrieg, Bangpowwww, Berlin, Bücher, Dackel, Dackelkrieg, Frauen, Internet, Interviews, Mädchen, Textkrieg und Twitter
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