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Das Popkultur Magazin

Guten Morgen: Sabber auf der Brust

„Ähm, hallo? Du kannst jetzt aufstehen“, sage ich, doch es tut sich nichts. Ich hebe den Kopf und betrachte den nackten Körper, der jetzt schon eine ganze Weile auf mir liegt. Höre ich da ein leises Schnarchen? Bitte nicht! Ich fühle mich wie lebendig begraben von einem Neunzig-Kilo-Kerl, der mich b...
Guten Morgen: Sabber auf der Brust

Guten Morgen

Sabber auf
der Brust

Sophie Krause

„Ähm, hallo? Du kannst jetzt aufstehen“, sage ich, doch es tut sich nichts. Ich hebe den Kopf und betrachte den nackten Körper, der jetzt schon eine ganze Weile auf mir liegt. Höre ich da ein leises Schnarchen? Bitte nicht! Ich fühle mich wie lebendig begraben von einem Neunzig-Kilo-Kerl, der mich bewegungsunfähig macht. Umständlich versuche ich mit meiner freien Hand, seinen Arm von meinem zu schieben. Boah, allein der wiegt so viel wie ein Sack Kartoffeln.

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Von meinen Anstrengungen lässt sich der Typ gar nicht stören. Schlummert einfach weiter. Spinnt der? Der kann doch nicht einfach auf mir einpennen, sein schlaffes, kondombespanntes Glied noch zwischen meinen Beinen. Bääh. Und dabei hat er sich nicht mal wirklich verausgabt.

Eine schnelle Nummer war das, Tür auf, im Flur ausziehen, auf’s Bett schmeißen, rein, raus, fertig. Dort, wo sein Kopf es sich auf meiner Brust bequem gemacht hat, spüre ich plötzlich etwas Feuchtes auf mich tropfen. Der sabbert mir jetzt nicht ernsthaft auf die Titte?

In einem Ansturm von Ekel stemme ich mich ruckartig hoch. Sein Kopf rutscht von mir herunter und – oh Wunder – der Typ wacht endlich auf. „Hä? Was? Wo bin ich?“ Sein irritierter Blick scannt erst mich, dann das Zimmer. Langsam leckt er sich über die Lippen und wischt sich einen Speichelfaden vom Kinn.

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„Guten Morgen“, begrüße ich ihn. Er grunzt etwas als Antwort und robbt von mir herunter. Auf der Bettkante bleibt er sitzen, rollt sich das Gummi vom Schwanz und lässt es neben dem Nachtisch auf den Boden fallen. „Der Mülleimer steht in der Küche.“

Während er in seine Jeans schlüpft, ziehe ich mir die Bettdecke bis unters Kinn. Besonders gesprächig ist er ja nicht gerade, aber soll mir recht sein. „Shit“, sagt er, mit einem Blick auf sein Handy. „Was ist?“, frage ich, obwohl mich die Antwort nicht sonderlich interessiert.

„Mein Mitbewohner hat seinen Schlüssel verloren und fragt, ob ich noch nach Hause komme.“ Ist klar. Wegen mir musst du dir garantiert keine Geschichten ausdenken. „Na, dann mach dich mal lieber schnell auf den Weg.“ „Jep. Bin schon weg.“

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Ich stehe nicht auf, um ihn zur Wohnungstür zu bringen. Bevor er das Schlafzimmer verlässt, dreht er sich noch einmal zu mir um, weiß aber anscheinend nicht so recht, was er sagen soll. „Bis bald.“ Ich kann nur hoffen, dass sich das nicht bewahrheitet. Was für eine Luftnummer. Warum habe ich den überhaupt mitgenommen?

Die Fotografie stammt von Maddi Bazzocco
Der Text ist ein Auszug aus dem Buch "Frühwarnsystem" von Sophie Krause, das ihr auf Instagram auch in interaktiver Form bewundern könnt.
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