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Ab ins Bett! Wir Frauen stehen auch auf schnellen Sex

Es ist ja die eine Sache, den Namen des Typen, neben dem man am frühen Sonntagmorgen, mitsamt Kopfschmerzen, Mundgeruch und zerrissener Unterwäsche, aufwacht, nicht zu kennen. Aber es ist erst eine wirklich überaus tragische Sache, hunderte von Typen zu kennen und neben keinem von ihnen aufzuwachen....
Ab ins Bett! Wir Frauen stehen auch auf schnellen Sex

Ab ins Bett!

Wir Frauen stehen auch
auf schnellen Sex

Franziska Kuhn

Es ist ja die eine Sache, den Namen des Typen, neben dem man am frühen Sonntagmorgen, mitsamt Kopfschmerzen, Mundgeruch und zerrissener Unterwäsche, aufwacht, nicht zu kennen. Aber es ist erst eine wirklich überaus tragische Sache, hunderte von Typen zu kennen und neben keinem von ihnen aufzuwachen. Egal wann. Und wie.

Was ich damit versuche, möglicherweise etwas umständlich, auszudrücken, ist folgendes: Was zur Hölle ist verdammt noch mal mit euch Männern los? Oder besser gesagt: Seit wann muss ich mich als Frau für eine unverbindliche Nacht so reinhängen? Was ist denn aus den Zeiten geworden, in denen High Heels und Push-Up Garant für eine siegreiche Nacht waren?

Ganz ehrlich, es wird langsam deprimierend. Da hübscht man sich stundenlang auf, pflastert die ganzen Füße zu, glüht ordentlich vor und trinkt Runde um Runde auf die grandiose Nacht, in der man sich von Sitte und geltender Moral verabschieden wird und einfach hemmungslos sein will. Um dann letztendlich nur wieder eine weitere missglückte und fruchtlose Odyssee zu erleben, in der man zu viel Geld für Drinks, Zigaretten, das Taxi ins eigene Zuhause und Brazilian Waxing ausgegeben hat.

Das kann doch nicht sein! Es darf nicht wahr sein. Ist es doch wohl eine evolutionsbiologische Tatsache, dass sich Männer und Frauen anziehen müssen. So schreibt es die Natur vor! Warum also setzt dieser Urinstinkt mit Einbruch der Dunkelheit bei euch Männern aus? An uns liegt es schon mal nicht, so viel ist klar. Denn die Frauen dieser Welt sind bereit!

Wir haben endlich aufgehört, von irgendwelchen Duftkerzenprinzen auf daher gerittenen weißen Schimmeln zu träumen. Wir wollen Abenteuer. Unverbindliche Abenteuer. Nicht reden, keinen Nummernaustausch, kein Frühstück. Wir wollen es auch mal dreckig, wollen schreien. Das einzige, was unserer wilden Nacht wirklich im Wege steht, seid schlichtweg ihr!

Passt doch mal auf, liebe Männer, es ist gar nicht so schwer. Vertraut eurem ersten Eindruck! Sehe ich aus, als wäre ich ziemlich willig und furchtbar leicht zu haben, dann bin ich es vermutlich auch. Denn absolut keine Frau geht abends aus dem Haus, ohne sich nicht ausgiebig mit ihrem Kleiderschrank und der Wirkung seines Inhalts beschäftigen zu haben.

Sehe ich billig aus, will ich es, bin ich es. Trefft ihr auf so eine Frau, dann macht euch doch ran und fackelt nicht großartig rum. Und wenn ich euch dann auch noch zeigen will, wie schnell mein Herz schlägt, eure Hand aber direkt auf meine Brüste lege, frag doch bitte nicht nach meiner letzten Bionote. Deutet die Signale, benutzt eure Männlichkeit und schleppt mich ab!

Aber: Moment mal. Männlichkeit? Ja, wo ist die denn eigentlich geblieben? Statt den unbändigen Drang zu verspüren, uns am besten gleich hier und jetzt so dermaßen durchzuknallen, dass die Klowände wackeln, stellt ihr euch an wie ein katholischer Knabenchor beim Klosterbesuch und wollt uns erst einmal in Ruhe kennen lernen. Warum denn?

Wenn ich Samstag Nacht mit einem Typen schlafen will, brauche ich davor weder Sternzeichen zu vergleichen noch die Story aus dem letzten Nordseeurlaub. Das wäre ja fast so, als würde ich den Verkäufer bei Edeka nach seiner Meinung über Stehlampen fragen, bevor ich bezahle. Wer braucht so was? Alles, was ich in diesem Moment von einem Mann will, ist Sex. Punkt.

Und jetzt tut nicht so schockiert. Während wir Frauen immer unabhängig und freier werden. Werdet ihr femininer. Eure Hosen immer enger, die Haare länger. Dazu kommt, dass ihr seit Neuestem ständig über eure Gefühle quatschen wollt und problemlos zwei Stunden mit Fünft-Klass-Fummeln verbringen könnt. Klar, ein Mann der mit seinen Händen umgehen kann, ist ein Gott. Aber Fünftklassfummeln macht euch sicherlich zu keinem.

Ihr müsst ja kein wilder Hengst sein, der es von der WG-Küche über die Dusche bis in euer Schlafzimmer schafft. Aber ein bissen Action solltet ihr uns schon bieten können. Entschuldigt euch auch nicht andauernd, wenn es bei nicht aufgeräumt ist. Seid ihr gut in dem, was ihr tut, werde ich es nicht mal merken. Traut euch einfach was, werft uns aufs nicht gemachte Bett, auf den Schreibtisch, auf den Boden – ganz egal! Aber um Gotteswillen: fangt nicht das Diskutieren darüber an!

Wir sind doch alle jung, geil und frei, nach Jahrhunderten, Jahrtausenden der Unterdrückung. Wir sollten feiern, trinken und Sex haben! Wieso sich zurückhalten? Sex ist schließlich kein Verbrechen. Jedenfalls bei uns nicht. Endlich sind wir in einer Zeit angekommen, in der auch die Frauen zu ihrer Sexualität, ihren Bedürfnissen und Phantasien stehen dürfen.

Wir sollten uns darüber freuen, dass die Geschlechter beginnen, sich einander anzunähern und diesen Schnittpunkt so gut und so oft wie möglich nutzen. Findet also euren Testosteronknopf und sucht nicht nach irgendeinem Haken, wenn sich eine Frau offensichtlich interessiert an euch zeigt. Wir leben im 21. Jahrhundert, da kann das passieren.

Wenn ich euch also das nächste Mal in meinem Lieblingsclub erzähle, dass ich, oh nein, meinen Haustürschlüssel vergessen habe, mir es aber gerade nicht wirklich gut geht und ich mich dringend irgendwo hinlegen muss, dann will ich natürlich nicht, dass ihr mich so schnell wie möglich in die Notaufnahme karrt! Ist denn das wirklich so schwer zu verstehen?

Der Text wurde von Franziska Kuhn geschrieben
Die Fotografie stammt von We-Vibe
Der Artikel erschien in der Kategorie Sex mit den Themen Beziehungen, Dating, Feminismus, Frauen, Jungs, Mädchen, Männer, One-Night-Stands und Paare
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