Pyramiden:

Pyramiden - Sido beweist mit seinem neuen Song, dass er jetzt endgültig ein Weichei geworden ist

Es gab mal eine Zeit, da war Sido krass, hart und geil darauf, andere verbal ins Gesicht zu hauen, sie dabei auszulachen und währenddessen auch noch ihre Mütter zu knallen.…
Pyramiden

Sido beweist mit seinem neuen Song, dass er jetzt endgültig ein Weichei geworden ist

Es gab mal eine Zeit, da war Sido krass, hart und geil darauf, andere verbal ins Gesicht zu hauen, sie dabei auszulachen und währenddessen auch noch ihre Mütter zu knallen. Ihm war es egal, ob die Masse ihn gut fand, er Ärger mit der Gesellschaft bekam oder die Bullen zu ihm ins Hochhaus rannten. Klar, er versteckte sich hinter seiner Maske, anstatt seinen echten Namen in die Welt hinaus zu brüllen, allein das roch schon irgendwie nach Luschenalarm, aber mit Songs wie “Mein Block”, “Strip für mich” und “Fuffies im Club” rappte er sich in unsere Herzen, Köpfe und die Höschen so mancher kleiner Schwester.

Von diesem Sido ist heute nicht mehr viel übrig. Was damals “Scheiße in dein Ohr” aus den Brennpunkten der Hauptstadt in den Rest der Republik und darüber hinaus rief, tingelt heute unter dem Namen Paul Hartmut Würdig von einer frühabendlichen Fernsehendung zur nächsten, um dort seine anspruchslosen Liedchen zu jodeln. Der einstige Schrecken der Nation ist jetzt Familienvater, Schauspieler und Prediger der positiven Botschaften. Waren seine Songs vor gar nicht allzu langer Zeit noch Hymnen für psychopathische Kleinkriminelle mit Hang zur untergründigen Anarchie, summen diese heute am Knöchel tätowierte Hausfrauen mit drei Schäferhunden und doppelt so vielen unehelichen Kindern beim frühmorgendlichen und spätnachmittäglichen Gang zum nächsten Sonnenstudio vor sich hin.

Der Höhepunkt dieser multimedialen Selbstzerstörung ist sein gerade erschienener Titel “Pyramiden”, den er gemeinsam mit dem harmlosen Schmusebarden Johannes Oerding eingesungen hat. Hätte Sido solche Leute früher gemeinsam mit seinen laut kreischenden Kumpels am nächstgelegenen U-Bahnhof verprügelt, trällert er heute mit ihnen vermeintlich wichtige Botschaften in einer unzumutbarem Poprockmixtur aus den Autoradios der LKW-Fahrer, die zu betrunken sind, um auf einen anderen Sender zu wechseln, und es einfach über sich ergehen lassen. Dass wir alle Menschen sind, ermahnt der zusehends in die Jahre gekommene Herr Würdig da, dass wir alle eine Meinung haben, dass wir alle wichtig sind und uns doch gefälligst vertragen sollen. Wer bei sogenannter Musik nicht seinen Kopf so lange gegen eine Hochhauswand hauen will, bis es endlich aufhört, ist entweder 12, wohnt in einem Vorort oder hat sich den immer währenden Schmerzen des Lebens längst ergeben…

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